Extra said...

Artikel aus dem "Tölzer Kurier" vom 27.10.2005

Vater und die Verschwörung
Tölzer Wirtin erteilt fragwürdigem Referenten Hausverbot

VON ANDREAS STEPPAN Bad Tölz - "Auf solche Geschäfte verzichte ich." Eva Keller, die Wirtin der Bahnhofsgaststätte, hat spontan einen Vortrag abgesagt, der am Freitag in ihrer Wirtschaft hätte stattfinden sollen, und dem Referenten Hausverbot erteilt. Zum Thema "Ist die Erde ein Planet der Männer?" wollte Johannes Holey referieren. Er ist der Vater des Verschwörungstheoretikers Jan Udo Holey. Dessen Bücher "Die Geheimgesellschaften" - veröffentlicht unter dem Pseudonym Jan van Helsing - haben laut Hans Mascher vom Staatsschutz bei der Kripo Weilheim "antisemitischen, volksverhetzenden Inhalt" und sind daher in Deutschland und der Schweiz verboten. Aber Vater Johannes macht auf seiner Internet-Seite offen Werbung für diese Machwerke.

Über Johannes Holey liegen beim Staatsschutz laut Mascher "keine Erkenntnisse" wegen rechtsradikaler Inhalte vor. Er will den Vater daher deutlich vom Sohn unterschieden wissen. Dass Johannes im Internet auf die antisemitischen Werke des Sohnes verweist, findet er aber "bedenklich". Man wolle nun aber den Referenten und den Veranstalter, den Verlag "Die andere Wahrheit" in Warngau, überprüfen.

Auch Axel Seegers, Mitarbeiter im Fachbereich Sekten und Weltanschauungsfragen des Erzbischöflichen Ordinariats, hat Bedenken. "Johannes Holey macht nicht nur keinen Hehl daraus, dass Jan van Helsing sein Sohn ist, sondern setzt auch noch einen Link zu dessen Verlag." Das drücke seine Position gegenüber den volksverhetzenden Schriften aus. "So etwas macht man nur, wenn man etwas auch empfehlen kann."

Aus seiner Arbeit ist Seegers die so genannte "braune Esoterik" bekannt: Rechtsradikale Inhalte würden in "unterschiedlichsten Schattierungen" die Esoterik färben. Inwieweit das auf Johannes Holey zutrifft, darüber hat Seegers keine Erkenntnisse.

Die Veranstalter von der in Warngau herausgegeben Zeitschrift "Die andere Wahrheit" sind empört über die Absage der Wirtin. Laut Verleger Timon Henryk Busch handelt es sich um einen rein "spirituellen Vortrag", an dem, wie seine Partnerin Angie Hackl hinzufügt, "überhaupt nichts Verfängliches" sei.

Johannes Holey selbst sagt, es sei ihm nicht bewusst gewesen, dass die verbotenen Buchtitel auf seiner Homepage stehen. Zu den Werken sagt er, er könne deren Inhalt "in vielen Punkten nicht vertreten, in vielen anderen Punkten schon".

Hackl und Busch geben an, die fraglichen Bücher nicht gelesen zu haben. Busch: "Aber wenn ich will, kann ich in 90 Prozent aller Bücher rechtsextreme Inhalte rauslesen." Auch Busch selbst äußert im Gespräch eigenwillige Ansichten - etwa, dass die Pharma-Industrie die Vogelgrippe-Panik schüre, um möglichst viele Menschen zu impfen und "wissentlich zu vergiften". "Fragen Sie sich: Wer verdient etwas daran? Wer steckt namentlich dahinter?" Meint Busch damit jüdische Familien? Dazu sagt er nichts mehr.

Für die Wirtin Eva Keller steht jedenfalls fest: "Diese Szene möchte ich nicht bewirten." Dass sie durch ihre Absage Einbußen hat - angekündigt waren 100 bis 150 Gäste -, nimmt sie in Kauf. "Es geht darum, ob ich in den Spiegel schauen kann."

Samstag, 22 April, 2006