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09. Oktober 2007
 

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Joachim Bublath

Forum zur Sendung

Eine hervorragende Auseinandersetzung mit der Sendung insgesamt finden Sie in diesem Forum von Herrn Erich Sehne unter "EMail an Herrn Bublath und Herrn Brender (Chefredakteur)"

Nein, Sie sind sicher nicht zu dumm. Ich frage mich nur, weshalb es Ihnen nicht gelingt, sich ernsthaften Zugang zu einer Wissenschaft wie der Homöopathie oder der Naturheilkunde an sich zu verschaffen. Eine Art offener Forscherdrang wäre doch hilfreich. Es gibt genügend Literatur, die die Wirkungsweise der Homöopathie und anderer Verfahren belegt. Möglicherweise finden Sie einen homöopathischen Arzt (!) und machen mal einen kleinen Feldversuch, indem Sie wagen, das Gebiet von innen zu erforschen. Aber seien Sie vorsichtig, es wird Sie in jedem Fall verändern. Wie wir seit Jahrzehnten wissen, gibt es keine objektiven, nicht teilnehmenden Beobachter. Für niemanden. Deswegen wirkt es für mich so absurd, wenn Sie sich hinstellen und wie Rumpelstilzchen eine wahrhaft nachgewiesene Studie der Homöopathie fordern. Das klingt für mich wie eine Forderung nach Sicherheit. Vielleicht könnte Ihnen die Beschäftigung mit dem Werk des Physikers Prof. Hans Peter Dürr Erkenntnisse bringen.

Die sogen. wissenschaftliche Schulmedizin ist noch nicht viel älter als 100 Jahre. Ein System wie die chinesische Medizin oder der Ayurveda sind mindestens 5000 Jahre alt. Schön wenn es etwas Neues, Wirksames gibt. Schade, wenn dieses Neue so tut, als sei alles Alte Mist und Tollerei, weil es entschieden hat, dass alles, was nicht mit den Augen sichtbar, mit den Ohren hörbar oder mit den Händen tastbar ist, nicht existiert. Oder weil es nicht wahrhaben will, dass Denken in Prozessen für jeden Heilungsvorgang notwendig ist. Oder dass ein Symptom bei verschiedenen Menschen Ausdruck unterschiedlicher Krankheiten sein kann. Oder dass der Schmerz- oder Symptom-„Ort“ nicht unbedingt Ort der Ursache der Erkrankung ist. Ein Hauptunterschied zwischen sogenannter Schulmedizin und Naturheilkunde ist schlicht und einfach eine andere Sichtweise von Krankheit und Gesundheit. Die Kunst ist, jeweils die dem „Fall“ angemessene Sichtweise und die dafür geeignete Intervention zu wählen. Gut ist es außerdem, wenn die Vertreter der beiden Gruppen wissen, wann sie mit ihren Methoden am Ende sind, und das gilt sehr wohl auch für die Schulmedizin.

Es stört sicher niemanden, wenn Sie keine Heilpraktiker mögen – dies jedoch auf eine Ebene der allgemeinen Scharlatanerie und generellen Unwirksamkeit von Naturheilkunde bis hin zu energetischen Verfahren zu stellen, quasi stellvertretend für den Rest der Welt finde ich etwas putzig. Und ganz ehrlich, ich finde nicht, dass sich "die" Heilpraktiker, eine Gruppe, die es so gar nicht gibt, rechtfertigen müssen.

Von jemand anderem zu fordern, sich zu rechtfertigen bedeutet, dass dieser andere nach Ihren Kriterien sich zu verhalten hätte. Was ist, wenn diese Kriterien die Wirklichkeit nur unzureichend erfassten? Was ist, wenn die bisher abgehaltenen Studien die Wirkung der Homöopathie nicht belegen konnten, weil sie ihr Wesen gar nicht erfassten? Das kommt mir vor, wie das Auffinden einer Schriftrolle mit uns unbekannten Zeichen: Wissenschaft wäre, zu sagen: Ich weiß nicht was diese Zeichen bedeuten, also kann ich auch keine Aussage über die Kultur dieser Menschen tätigen, ich kann mir aber Mühe geben, es herauszufinden. Was ich hier im Forum lese ist aber eher: Hieroglyphen, das ist anders als wir schreiben, ich muss mir nicht die Mühe machen, es zu verstehen, es ist schlecht per se, und meine Art zu schreiben ist die einzig richtige. Verschwörungstheoretisch könne man noch hinzufügen … und die werde ich nicht in Gefahr bringen.

 

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