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09. Oktober 2007
 

Chats und Foren

 

Joachim Bublath

Forum zur Sendung

Liebe Ute Maria,

bei meinen Recherchen habe ich noch was gefunden, was dich vielleicht interessiert:
Das Thema, mit dem wir uns hier herumschlagen, ist im Deutschen Ärzteblatt am 15.8.2003 behandelt worden und ist eine ziemlich überzeugende wissenschaftliche Aufarbeitung des Themas auf komplexem Niveau, die erkenntnistheoretisch genau das bestätigt, von Vertretern der Alternativmedizin hier im Forum geschrieben wurde und gleichzeitig die ZDF-Sendung in eine noch finstere Ecke rückt (Quelle: Dtsch Arztebl 2003; 100: A 2142–2146 [Heft 33], Seite A-2142 / B-1784 / C-1688 ).

Titel: Evidenzbasierte Medizin: Konkurs der ärztlichen Urteilskraft?
Da der Artikel frei im Internet verfügbar ist, erlaube ich mir, einige Aussagen wörtlich zu zitieren:

„Derzeit dominiert in Medizin und Gesundheitspolitik der Traum der Neopositivisten, mithilfe formalisierter Schlussfolgerungen zur Wahrheit zu gelangen. Obwohl in anderen Wissenschaftsbereichen der Positivismus gescheitert ist (es gibt gegenwärtig kein formales Verfahren, um die Wahrheitsnähe einer Aussage zu bestimmen), soll in der Medizin ausschließlich dasjenige als „Evidenz“ gelten, was bestimmten formalisierten Verfahren der Datengenerierung, -auswertung und -präsentation gehorcht – unter Verweis auf die evidenzbasierte Medizin (EbM) und ihren Goldstandard, die randomisierte Studie.“ RCT.

„Nicht bedacht bei der RCT-Steuerung der Gesundheitsversorgung (zum Beispiel Positivliste) ist allerdings die asymmetrische Wertigkeit der RCT-Ergebnisse.
Während ein positives RCT-Ergebnis Beweiskraft hat, gilt dies nicht für:
c das Fehlen eines RCT-Ergebnisses. Dies ist kein Nachweis der Unwirksamkeit (…). Diese triviale EbM-Asymmetrie wird oft nicht beachtet. Es besteht die Gefahr, dass Therapien ohne RCT-Wirksamkeitsnachweis, auch wenn sie wirksam sind, eliminiert werden nach dem Motto mancher EbM-Lehrbücher: „Start stopping them.“

„- ein negatives RCT-Ergebnis. Dies ist kein valider Nachweis der Unwirksamkeit (…). Diese zweite grundsätzliche EbM-Asymmetrie ist in der Methodendiskussion weitgehend unbeachtet, auch wenn Praktiker immer wieder darauf hinweisen (…). Keine wirksame Therapie ist prinzipiell davor gefeit, infolge formal perfekter, aber inhaltlich unachtsamer Studien als unwirksam geprüft zu werden und so aus der Patientenbehandlung zu verschwinden.“

„Die zentrale Frage der Methodologie klinisch-therapeutischer Forschung lautet: Wie wird Kausalität, wie wird Wirksamkeit erkannt? (…): Die valide und verlässliche Bestimmung der Wirksamkeit erfolgt in einer lege artis durchgeführten randomisierten Studie. Diese Antwort baut auf mehreren methodischen Prämissen (Paradigmen) auf. (…).
Übertragen auf die klinisch-therapeutische Forschung, ergibt sich: Ein Wirksamkeitsnachweis erfordere
– eine Studie (…)
– an einer Kohorte (…)
– mit einer Kontrollkohorte (…)
– (…) (= Randomisierung).


- weiter TEIL II -

 

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