weiter im Zitat (Quelle: Dtsch Arztebl 2003; 100: A 2142–2146 [Heft 33], Seite A-2142 / B-1784 / C-1688 ):
(…) Die Frage ist aber: Sind die oben genannten Prämissen umfassend gültig?
1935 demonstrierte der Gestalttheoretiker Karl Duncker (…), dass Humes Dogma der Unmöglichkeit des Kausalerkennens am Einzelfall im Grundsatz falsch ist.
Dunckers Ausführungen waren eine erkenntnistheoretische Revolution ersten Ranges, die allerdings in der Medizin und der klinischen Methodologie nicht zur Kenntnis genommen wurde.
(…)
(…) eröffnen sich neue und andere Perspektiven klinisch-therapeutischer Forschung, mit folgenden logistischen Eckpfeilern:
- Wirksamkeitsbeurteilung am Einzelfall,
- Effektivitätsbeurteilung (Erfolgsquote) an der Kohorte,
- Beurteilung des Stellenwerts der Therapie durch Literaturvergleich (…).
(…) von entscheidender Bedeutung, denn sie zeigt, dass ärztliches Urteil und ärztliche Erfahrung auf anderen Grundlagen aufbauen, als heute in der EbM vorausgesetzt wird. Bei Vorliegen entsprechender Urteilskriterien ist subtile und differenzierte Wirksamkeitsbeurteilung an einzelnen Patienten möglich, und relativ kleine Behandlungsserien erlauben Beurteilungen der Erfolgsquoten.“
„(…) Wird hingegen das ärztliche Urteil in der Gesundheitsversorgung ersetzt durch formalisierte Verfahren (Neopositivismus), so wird künftig das Bild der Medizin bestimmt sein durch Kommerz-Bias, Fortschrittsbremse, fatale Ausgrenzung wirksamer Therapien aufgrund asymmetrischer und divergenter Evidenzbewertung und auch durch die Fremdbestimmung des ärztlichen Berufsstandes seitens Industrie, Staat und Krankenkassen.“
„(…) paternalistische Regulation mittels EbM. David Sackett, der Vater von Evidence based Medicine, hat sich vehement hiergegen verwahrt (…) und spricht von einem Missbrauch von EbM (..). Im Übrigen mag die Anwendung von EbM, so Sackett, die Kosten wohl eher steigern (…).“
„Jedes sozial wirksame Modell, das im Widerspruch zur Beobachtung, Erfahrung, Urteilskraft und Kreativität des Arztes steht, muss mit innerer Notwendigkeit zur sozialen und menschlichen Destruktion führen.“ ZITAT ENDE
Nach soviel sachlicher und wissenschaftlich belegter Argumentation und Darlegung des gesamtgesellschaftlichen Kontextes ist es nicht weiter verwunderlich, dass die, die den aktuellen Stand der Wissenschaft nicht anerkennen sowie einen Weg suchen, ihre eigene ewig-gestrige Meinung durchzusetzen oder einfach nur finanziellen Bedürfnissen zu huldigen auf Mittel angewiesen sind, derer wir in der Sendung von Herrn Bublath teilhaftig werden durften.
Und an leibhaftigen Impressionen dieser Art habe sicher nicht nur ich kein Interesse. Wer den ganzen Artikel gelesen hat, fragt sich jetzt sicher, wer denn ganz konkret den Herrn Bublath gesponsert hat, oder?
Ich bin nach wie vor der Auffassung, dass der Berufsstand des Heilpraktikers in dieser Sendung diffamiert worden ist und schließe mich nochmals der Forderung von Herrn Sehne nach einer Gegen- bzw. Richtigstellung zur besten Sendezeit an.
Liebe Grüße