Niklas Dreher
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Es gibt doch im Wesentlichen zwei Positionen dem Leben gegenüber: 1. Das Leben ist irgendwie aus versehen entstanden.
(Viele benuzen hierfür auch das Wort "Zufall", -wenn mir aber etwas
zufällt, muss es einen Ort geben, woher es zufällt, da ist schon wieder
die Möglichkeit einer höheren Instanz.) 2. Das Leben ist
durch etwas entstanden, was grösser ist als ich und es müsste dann auch
einen Grund dafür geben und ein Sinn dahinterstecken. 1.Wenn ich davon ausgehe, dass das Leben weder Grund noch Sinn hat, kann ich Krankheit als störenden und gefährlichen Faktor sehen und bekämpfen.
Das Leben ist dann ein versehentlich entstandenes, mangelhaftes System,
was wir als Menschen verbessern müssen, damit -ja, wofür eigentlich?
Damit wir mehr geniessen können? Damit wir weniger arbeiten, weniger
leiden müssen und unseren Genuss ins Unendliche steigern können?
Irgendwann kommt immer der Überdruss und wenn man dann nicht schnell
einen besseren Kick findet, stellt sich vielleicht die gefährliche
Frage ein: Wofür das Ganze? 2.Wenn ich davon ausgehe,
dass hinter dem Leben ein Grund steht und dass es einen Sinn hat, kann
ich Kramkheit als eines von vielen Phänomenen des Lebens sehen und muss
ihr auch einen Grund und Sinn zuerkennen, auch wenn ich weder Grund
noch Sinn erkennen kann. Wenn wir Menschen die Natur
als Ausdruck des Lebens beobachten und untersuchten, finden wir
irgendwann für jedes noch so kleine Detail-Phänomen einen Grund.
Genauso, wie ich mich fragen kann, warum die allermeisten Blätter der
Bäume grün sind, kann ich mich fragen, warum mein Körper plötzlich 39
Grad Celsius hat und ich Pickel auf der Zunge habe. Wenig hilfreich für
meine Beobachtungen und daraus resultierenden Erkenntnisse wäre es zu
versuchen, die Bäume am Grünwerden zu hindern oder das Fieber und die
Pickel zu bekämpfen oder gar nicht erst aufkommen zu lassen.
Das Problem ist folgendes: Die Schulwissenschaft bewertet das
Grünwerden der Bäume als etwas normales, gutes und das Fieber und die
Pickel auf meiner Zunge als etwas anormales, schlechtes. Ersteres
untersucht sie bestenfalls als neutrales Phänomen und ist durchaus
bereit zuzugeben, dass die letzten Ursachen noch nicht ergründet sind;
letzteres untersucht sie nur mit dem Ziel, es erfolgreich zu bekämpfen
und auszurotten. Diese Wertung der Phänomene des Lebens ist
unwissenschaftllich. Sie ist willkürlich und entspringt der Tatsache,
dass das Leiden unangenehm ist und das Sterben angst macht.
Wenn wir in der Erforschung des Grundes und des Sinns des Lebens
weiterkommen wollen, müssen wir davon ausgehen, dass jedes Phänomen des
Lebens einen Grund und Sinn hat und dürfen nicht unterscheiden zwischen
guten und schlechten Phänomenen. Wir werden unsere
jeweiligen Krankheiten nicht auflösen können, indem wir sie bekämpfen,
sondern indem wir sie völlig wissenschaftlich beobachten und Grund und
Sinn herausfinden. "Wissenschaftlich" bekommt hier natürlich eine ganz
andere Dimension, denn wir können davon ausgehen, dass der Mensch nicht
nur eine Natur hat, sondern auch eine Seele und einen Geist. Die
Naturwissenschaft ist für die Natur zuständig, die Psychologie usw. für
die Seele und die Geisteswissenschaft für den Geist. Wer verlangt, dass
die seelischen und geistigen Komponenten einer Krankheit mit natur-wissenschaftlichen Methoden erforscht werden sollen, der hat etwas grundsätzliches nicht verstanden. mit freundlichen Grüssen, Niklas Dreher
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