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Dachau, die aus einem alten Wittelsbacher Zentralort entstandene Große Kreisstadt, Standort einer bedeutenden Künstlerkolonie verdankt seine Entstehung einer frommen Schenkung. Am 15. August 805 hatte eine adelige Frau namens Erchana ihren hier angelegten Herrenhof der Freisinger Domkirche unter der Bedingung gestiftet, ihn bis zu ihrem Lebensende selbst nutzen zu dürfen. Das noch überwiegend ungenutzte Gelände ging noch wesentlich über die Gemarkung des späteren Marktes Dachau hinaus, und erst die heutige Große Kreisstadt schließt wieder das gesamte Urdachau ein. So verwundert es nicht, dass auch der Herrenhof der Erchana später nicht in der Gemarkung des Marktes Dachau lag, sondern als Udldinger Sedelhof ein Eigenleben führte.

Als zwischen 926 und 937 der Vogt über die Freisinger Domkirche, der Edle Jakob, den Dachauer Besitz eintauschte, bestand dieser neben dem Herrenhof bereits aus einer Kirche, einer Mühle und sechs Kolonenhäfen. Die Kirche "in loco Dahouva" dürfte das Steinkirchener Gotteshaus gewesen sein und die Mühle die spätere Steinmühle, die 1871 der Papierfabrik weichen musste. Vermutlich erst nach 1150 engte sich der Ortsname Dachau auf die südwestlich der Steinmühle entstandene Burgsiedlung ein, nachdem die Grafen von Dachau ihre Burg um 1100 offensichtlich zunächst auf dem Giglberg in Mitterndorf errichtet hatten. Nach deren Zerstörung im Jahre 1143 fand sie ihren Platz auf der Steinmühle unmittelbar benachbarten Anhöhe, beim heutigen Götschlanwesen in der Wieningerstraße.

War Dachau mit dem Bau einer ersten Burg auf dem Giglberg erstmals Zentralort geworden, verstärkte sich diese Zentralortsfunktion nach dem Aussterben der Grafen von Dachau weiter Der erste Wittelsbacher Herzog, Otto I. erwarb 1138 die Dachauer Burg mit den zugehörigen Gütern und Ministerialen und schuf hier in dem Amt Dachau ein Verwaltungszentrum, dessen Wirkungsbereich in der Folgezeit im Westen über Bruck hinaus bis Grafrath und Mittelstetten, im Norden an die Glonn, im Osten bis Fahrenzhausen und Freimann und im Süden gar bis Mittersendling reichte und das um diese Zeit entstehende München von zwei Seiten in die Zange nahm.

Die Verwaltung des Amtes Dachau dürfte zunächst in den Händen der schon vorher die Burghut einnehmenden "Dachauer" gelegen haben, bis sie um 1340 ein Pfleger in dieser Funktion ablöste, während ein Richter unmittelbar nach Errichtung des Amtes Dachau und ein Kastner erstmals 1291 urkundlich erscheinen. Benötigte Handwerker siedelte man an der nordöstlichen Abdachung des Dachauer Hügels zwischen der nunmehrigen Burg und der Steinmühle an.

Das Bestreben des Herzogs, die Gerichtsfälle von den alten Gerichtsschrannen an den Sitz des Landgerichts Dachau zu ziehen, brachte die Verpflichtung der Landgerichtsbewohner, ihre Amtsgeschäfte in Dachau abzuwickeln. So lag es nahe, der Burgsiedlung Marktrechte - zunächst mit einem Wochenmarkt - zu verleihen. Diese Markterhebung erfolgte zwischen 1240 und 1270. Dachau wird 1270 erstmals als Markt bezeichnet: Dachauer Bürger werden erstmals 1291 genannt. Die Marktwerdung förderte auch die Teilung der alten Mitterndorfer Pfarrei. Auf dem Hügel südwestlich der Burg fand die St. Jakobspfarrkirche ihren Platz, der Pfarrhof mir den dazugehörigen Wirtschaftsgebäuden zwischen Kirche und Burg. Die Marktselbstverwaltung dürfte seit der Markterhebung in den Händen eines unter dem Vorsitz des herzoglichen Landrichters stehenden bürgerlichen Rates gelegen haben. Bereits vor 1362 dürfte es aber dem Markt Dachau gelungen sein, das Siegelrecht und damit die freiwilligen Gerichtsbarkeit zu erlangen, sowie als gefreiter Markt Mitglied des bayerischen Ständeparlaments zu werden, wodurch die Dachauer Bürger fortan auch dem direkten Steuerzugriff des Herzogs entzogen waren. Der Rat des Marktes Dachau scheint sehr geschickt die Interessen der jungen Bürgersiedlung wahrgenommen zu haben, den er erreichte innerhalb eines Menschenalters grundlegende Verbesserungen und dies, obwohl der Marktflecken 1398 und 1403 abbrannte.

Der erste große Erfolg war 1391 die Verleihung von drei Jahrmärkten neben den bisherigen Wochenmärkten, Jahrmärkte, die jeweils vier Tage dauerten. Verkäufer und Käufer mussten nun während der Zeit der Märkte verpflegt werden und benötigten eine Unterkunft. Der zugesicherte Schutz für die Jahrmärkte erforderte schließlich auch eine Ummauerung des Marktes. Zu diesem Zweck wurde der nun mit einer Mauer umgebene Marktflecken den Berg hinauf verlegt, wo bereits die Pfarrkirche, der Pfarrhof und eine Tafernwirtschaft - der Unterbräu standen.

Im "Elend" zwischen dem Unterbräu und St. Jakob, sowie in dessen nächster Umgebung entstanden mehrere weitere Gastwirtschaften und Bierbräus. Bald danach wurde auch begonnen, die 1403 abgebrannte Burg auf den heutigen Schlossberg neu aufzubauen.

Ein weiteres Privileg erhielt Dachau 1395. Innerhalb der Gemarkung Dachaus unterlag jetzt nicht nur der bürgerliche Besitz, sondern auch der Besitz von Nichtbürgern der Bürgersteuer, welche die Marktkammer vereinnahmte. 1412 schließlich erhielt Dachau "alle die Recht ...als die von München ... habend". Damit kam nun in Dachau das Münchner Stadtrecht zur Anwendung und erst jetzt erhielt Dachau das "Satzungsrecht" und einen aus der Bürgerschaft gewählten Bürgermeister. Alle Funktionsträger der gemeindlichen Selbstverwaltung wurden jährlich oder in längerfristigen Abständen vom Ratsplenum bestimmt. Mir der vollständigen gemeindlichen Selbstverwaltung wurde auch ein Rathaus nötig, das von Anfang an an der Stelle des heutigen Rathausbaues stand und 1486 erstmals erwähnt wird. Unter den verschiedenen in der Folgezeit erworbenen weiteren Rechte ragt das Vorrecht heraus, dass alle im Landgericht erzeugten Viktualien auf dem Dachauer Wochenmarkt angeboten werden mussten. Erst das Privileg van 1562 aber ermöglichte dem Rat eine Teilhabe an der niederen Strafgerichtsbarkeit. Es war dies die Zeit, in der am Dachauer Schlossberg ein prächtiges vierflügeliges Renaissanceschloss erbaut wurde, von dem heute zwar nur mehr der 1715 von Josef Effner umgestaltete Tanzsaaltrakt steht, dessen einmalige Kassettendecke nun aber nach einer langen Entfremdung wieder eingebaut wurde.

Die Dachauer Bürger und ihr Rat waren in der Folgezeit eifersüchtig darauf bedacht, den im Schlossbezirk amtierenden landesherrlichen Amtspersonen keine Einmischung in die bürgerliche Marktselbstverwaltung zu ermöglichen. Auch nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges, in dem insbesondere 1632 die Schweden in Dachau furchtbar hausten, versuchten die Bürger die Schäden allein zu beheben. Der Rat allein entschied über die Aufnahme neuer Bürger und jedesmal war der Bedarf an entsprechenden Handwerkern oder Arbeitskräften ebenso entscheidend, wie die Prüfung, ob der Neubürger seinen Lebensunterhalt zu gewinnen vermag. Bürgerliche "Beschauer" sorgten für Qualität und Preiswürdigkeit der Lebensmittel, und bei Verstößen gegen die Marktordnungen wurden die Mitglieder des Inneren Rates in gleicher Weise bestraft wie andere Bürger.

Jährlich beschwor der Rat, die Interessen des Marktes und seiner Bürger stets zu wahren, und jährlich schworen die Bürger ihre treue Pflichterfüllung gegenüber dem Markt und Rat. Laut Dr. Scheidl hatte Dachau 1631 133 Häuser. Nach den Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg war diese Zahl im Jahre 1711 noch nicht wieder erreicht. Es gab damals in Dachau 126 Wohnhäuser mit 114 bürgerlichen Hausbesitzern, 4 nichtbürgerlichen Hausbesitzern, 38 Bürgern ohne Haus und. 1 6 Bürgerwitwen ohne Haus, aber eigenem Haushalt Hundert Jahre späten im Jahre 1803, finden wir in Dachau erst 166 Häuser mit 272 Haushalten. Dieses nur geringe Anwachsen ist nicht nur auf die konkurrierende Nähe Münchens zurückzuführen, sondern auch auf eine verfehlte Wirtschaftspolitik, insbesondere des Kurfürsten Max Emanuels, die zu einer Stagnation der Wirtschaft und Verschuldung der Bürger führte. Nach dem Spanischen Erbfolgekrieg und dem Österreichischen Erbfolgekrieg, in denen Dachau wegen der kaiserlichen Besetzung Bayerns kurzfristig als kaiserlicher Markt bezeichnet wird, brachten die Hunger- und Seuchenjahre 1771/1772 erneute Rückschläge. Und 1806 nahm die Reformpolitik Montgelas neben den anderen bayerischen Städten und Märkten auch Dachau seine gesamten Selbstverwaltungsrechte. Erst 1814 wurde der Markt Dachau wieder eine Munizipalgemeinde und 1818 eine Stadtgemeinde III. Klasse, wodurch er Teile seiner bürgerlichen Selbstverwaltung zurückerhielt. In dieser Zeit des Rationalismus wurden auch drei Flügel des Dachauer Schlosses, die reparaturbedürftig waren, abgerissen. Die Ziegel dürften zum Bau einer Münchner Kaserne verwendet worden sein. Die glorifizierte Behauptung, die Ziegel seien zum Aufbau der drei Moossiedlungen Augustenfeld, Karlsfeld und Ludwigsfeld verwendet worden, ist unrichtig. Woher die Ziegel für die Siedlungshäuser dieser drei Neugründungen stammen, wurde genau nachgewiesen und diese Siedlungshäuser standen bereits, als man mit dem Abbruch der drei Flügel des Dachauer Schlosses begann. Bis zum Bau der Bahnstrecke München-Ingolstadt blieb das Bevölkerungswachstum Dachaus in bescheidenen Grenzen. 1861 zählte Dachau noch 1 .404 Einwohner 1 867 aber bereits 1 .931 und 1871 sogar 2.726 Einwohner, 1880 hatte sich die Bevölkerung Dachaus gegenüber 1867 bereits verdoppelt. Die Ursache lag zunächst im 1868 fertiggestellten Bahnbau und ab 1871 im Ausbau der Papierfabrik, dem bis zum 1 Weltkrieg einzigen gewerblichen Großbetrieb im Markt Dachau. Erst im 1. Weltkrieg kam die Pulverfabrik im Gelände des späteren KZ als zweiter Großbetrieb hinzu. Der große Zuzug bis zum Ende des 1. Weltkrieges, der 1919 zu einer Einwohnerzahl von 6.898 führte, ließ Dachau in der Nachkriegszeit zu einem Ort mit besonders hoher Arbeitslosigkeit werden. Unter diesen wirtschaftlichen Nöten, die durch die Inflation verstärkt wurden, litt auch die große Dachauer Künstlerkolonie, die her ab den 1890er Jahren im Bereich der Freilichtmalerei internationales Ansehen erlangte.

Das Dritte Reich brachte Dachau zwar bereits am 15. November1933 die Erhebung zur Stadt, doch regte die leerstehende Pulverfabrik die Machthaber an, in unmittelbarer Nähe der "Hauptstadt der Bewegung" eines der ersten deutschen Konzentrationslager für politische Gegner zu errichten. Am 1. April 1939 wurde neben der Eingemeindung von Udlding, Webling, Steinkirchen, Etzenhausen und Augustenfeld auch das Gelände dieses Konzentrationslagers Dachau eingemeindet. Die Bevöikerung Dachaus stieg nun von 8.234 im Jahre 1933 auf 17.684 im jahre 1939.

Das Ende des zweiten Weltkrieges leitete die Geschichte der Großen Kreisstadt Dachau ein. Tausende Heimatvertriebene, zunächst überwiegend in Baracken - vor allem des KZ - untergebracht, ließen die Zahl der Einwohner in die Höhe schnellen. Die Wohnungsnot und der Arbeitsplatzmangel für diese Neubürger regten initiative Unternehmer zu Industrieneugründungen an und ließen als neue Stadtviertel Dachau-Ost und Dachau-Süd entstehen. Diese neuen Siedlungsgebiete zogen schließlich auch Neubürger aus München an, was zunächst die Gefahr mit sich brachte, Dachau weitgehend zur Schlafstadt werden zu lassen. Einer weitblickenden, verantwortungsbewussten Stadtvertretung ist es schließlich zu danken, dass Dachau sein jahrhundertealtes Eigengewicht behielt, das in der Erhebung zur Großen Kreisstadt am 1. Februar 1973 seine Krönung fand.

[Quelle: Informationsauflage 2000 der Stadt Dachau]

 

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