Metabolife International, ehemals größter Vermarkter von ephedrahaltigen Schlankheitsmitteln, reichte für die am Bezirksgericht in New York anhängige Gruppenklage einen Antrag auf einen Vergleich ein, in dem das Unternehmen das Gericht bittet, einem Multimillionen-Dollar-Deal zuzustimmen, um Hunderte anhängiger Klagen wegen des Verkaufs von ephedrahaltigen Nahrungsergänzungen einschließlich Metabolife 356 durch Vergleich abzuwenden. Vor dem Bundesgericht sind derzeit etwa 170 Prozesse wegen Körperverletzung anhängig, weitere 130 Prozesse werden vor den Gerichten einer Vielzahl von Bundesstaaten geführt. Seit 1999 hat Metabolife bereits mehr als 400 Ansprüche befriedet - die meisten waren durch Versicherungen abgedeckt.
Der Vergleichsvorschlag sieht eine Zahlung von bis zu 1,04 Millionen Dollar an jeden Verbraucher vor, der in den schwebenden Verfahren vor dem Bundesgericht bzw. in den Bundesstaaten als Geschädigter benannt ist. Den einzelnen Geschädigten bleibt es dabei unbenommen, die Vergleichszahlung abzulehnen und den Prozess fortzuführen. Die Vergleichszahlung würde alle zukünftigen Ansprüche verletzter Verbraucher umfassen, die bisher noch keine Klage erhoben haben.
Gemäß den Gerichtsdokumenten unterbreitet Metabolife diesen Vergleich, um eine Einstellung des Geschäftsbetriebs wegen der finanziellen Lasten dieser Prozesse. "Obwohl Metabolife davon überzeugt ist, Unzulänglichkeiten der Klagevorwürfe darlegen zu können, würden die Kosten, diese Nachweise in Hunderten von Verfahren überall im Land führen zu müssen, die Existenz von Metabolife gefährden", so die Gerichtsakten.
Seit letztem Jahr laufen Ermittlungen gegen das Unternehmen und dessen ehemaligen Geschäftsführer Michael Ellis wegen bewusster Falschaussagen gegenüber der Food and Drug Administration zur Sicherheit des Produktes Metabolife356. Die Tabletten, die u.a. von Bodybuildern zur Steigerung des Durchhaltevermögens genutzt wurden, brachten nach 1995 Hunderte Millionen Dollar ein, die in Metabolife356 enthaltene Kombination von Koffein und Ephedrin soll aber auch Schlaganfälle und Herzinfarkte - in einigen Fällen mit Todesfolge - hervorgerufen haben. So wurde Metabolife bereits im Juni verurteilt, einer Texanerin 4,7 Millionen Dollar zu zahlen, weil sie nach der Einnahme von Metabolife356 einen Schlaganfall erlitt. In Alabama erhielten vier Geschädigte per Urteil 4,1 Millionen Dollar Entschädigung.
Das Unternehmen gab gegenüber dem Gericht an, bis zum 1. Dezember 2004 bereits etwa 20 Millionen Dollar an Verfahrenskosten aufgebracht zu haben und der Umsatz sei eingebrochen. Der Jahresumsatz 2003 betrug keine 90 Millionen Dollar mehr und das Unternehmen fuhr operative Verluste von 20 Millionen Dollar ein.
Eine erste Anhörung zu diesem Vergleichsantrag, der das Unternehmen mehr als 300 Millionen Dollar kosten kann, wurde auf den 14. Januar 2005 festgesetzt.
Dokument erstellt: 06.01.2005