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Korrupt wie ein Deutscher => Kinderarbeit, Lohndumping, Sterbetürme => Topic started by: Omegafant on November 11, 2013, 04:13:09 AM

Title: Höhere Zuzahlung für Verpackungsfetischismus in der Apotheke?
Post by: Omegafant on November 11, 2013, 04:13:09 AM
Glücklicherweise hat die Apotheke geklagt und nicht der Patient, der im übrigen haarscharf an der höheren Zuzahlung vorbeigekommen ist. Hoffentlich...

Vor Gericht und auf hoher See... ist man seines Lebens nicht sicher.


http://www.rechtsindex.de/recht-urteile/3835-arzneimittel-steht-in-grosspackung-nicht-zur-verfuegung-hoehere-zuzahlung-wegen-kleinerer-packungen

[*quote*]
Sozialgericht Aachen

Arzneimittel steht in Großpackung nicht zur Verfügung - Höhere Zuzahlung wegen kleinerer Packungen?
[...]
Geklagt hatte die Inhaberin einer Apotheke. Dort hatte im Dezember 2012 ein Versicherter der beklagten gesetzlichen Krankenkasse eine am selben Tag ausgestellte vertragsärztliche Verordnung verschreibungspflichtiger Arzneimitteln vorgelegt. Unter anderem war das Arzneimittel "Atmadisc 50/250 Diskus PUL" in einer Großpackung N3 (3x60 Stück) verschrieben worden.

Großpackung stand nicht zur Verfügung

Die 3er-Packung des Arzneimittels war in der Apotheke nicht vorrätig und überdies weder seitens des Pharmagroßhandels noch seitens des Herstellers lieferbar. Da der Versicherte das Medikament umgehend benötigte, gab die Apotheke anstelle der rezeptierten Packungsgröße drei Einzelpackungen (N1) an den Versicherten ab.

Am Abgabetag hätte der Apothekenabgabepreis für das Arzneimittel Atmadisc in der Großpackung (N3) 150,05 EUR, der Zuzahlungsbetrag für den Versicherten 10,00 EUR betragen. Für die Einzelpackung (N1) betrug der Apothekenabgabepreis 56,62 EUR; daraus errechnete sich ein Zuzahlungsbetrag 5,66 EUR, für die drei abgegebenen Einzelpackungen also zusammen 16,98 EUR. Die Klägerin forderte von dem Versicherten jedoch nicht diesen Zuzahlungsbetrag, sondern lediglich den Zuzahlungsbetrag, der für die verordnete Großpackung in Höhe von 10,00 EUR angefallen wäre.
Apotheke hätte höhere Zuzahlung einbehalten müssen

Nach Prüfung der Abrechnung beanstandete das Abrechnungszentrum die Rezeptabrechnung der Apotheke; es teilte ihr mit, sie habe den um 6,98 € höheren Zuzahlungsbetrag von dem Kunden einbehalten müssen. Dieser Betrag wurde bei der nächsten Abrechnung abgezogen (retaxiert).

Dagegen erhob die Apotheke Klage vor dem Sozialgericht Aachen. Sie meinte, die Zuzahlungspflicht des Versicherten beziehe sich auf die verordnete Arzneimittelpackung; der Kunde dürfe bei Lieferschwierigkeiten nicht durch höhere Zuzahlungen belastet werden.

Die Entscheidung

Das Sozialgericht Aachen hat die Klage abgewiesen. Zwar war die Apotheke berechtigt, drei Einzelpackungen der nächst kleineren Größe - hier: N1 - abzugeben, weil das verordnete Arzneimittel in der Packungsgröße N3 nicht lieferbar war. Sie hätte aber den dafür anfallenden - höheren - Zuzahlungsbetrag von dem Versicherten einbehalten müssen.

[...]

Gericht:
Sozialgericht Aachen, Urteil vom 22.10.2013 - S 13 KR 223/13
SG Aachen
[*/quote*]


Die Situation "wir haben nur kleinere Packungen vorrätig" ist an der Tagesordnung. Jedes Mal steht man vor der Frage "was tun?" Hat man schon mehrfach 3 oder 4 Apotheken erfolglos abgeklappert auf der Suche nach der verschriebenen Großpackung, gibt man irgendwann auf. Spätestens dann ist man als Patient Opfer des Systems, das Einem sowohl finanziellen als auch gesundheitlichen Schaden zufügt, denn die Menge des Medikaments wird auf diese Weise kleiner.

Korruption durch Faulheit, Desinteresse und richterliche Mentalkorrosion.


[Typo korrigiert, Julian]