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Author Topic: Arno Ahnunglos & wie die Neue Welt aus der Alten Welt eine ganz alte Welt machte  (Read 1854 times)

ama

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Die Neue Welt, man erinnere sich, war jene mit dem vielen Gold, das die Alten sich einverleibten. Auf ihren Spuren findet man gelegentlich Übrigbleibsel, ein Schiffchen hier, ein Schiffchen da.

Die Räuber haben über die Jahrhunderte vielleicht ihre Namen und die Schiffe geändert, die Methoden sind verfeinert, mit Federstahl statt rostig' Waffenblech, mit Ordinateur statt Ordonnanz, doch Räuber sind sie geblieben, in der Alten wie in der Neuen Welt.

Und sie stehlen immer noch...

Seit Jahren die Nase vorn haben die aus der Neuen Welt. Ganze Arbeit haben sie geleistet, und sich so einiges. Aber wir wollen nicht klagen, denn das Klagen bringt das Geld nicht zurück. WEG IST ES! Weg.

Eine kleine Rückblende sei erlaubt, in die erdgeschichtlich irrelevant kurze Distanz von April 17 anno 2013 zu September anno 2008. 2008, da bebte die Erde, und nichts war, wie es schien, und nichts blieb, wem es war...

Ein kleiner Griff in die Kiste der leeren Worte:

alte URL:
http://www.n-tv.de/Weltweite_Bankenkrise_Krisentreffen_in_Berlin/250920081508/1028503.html

neue URL:
http://www.n-tv.de/politik/Nichts-bleibt-wie-es-war-article25190.html

[*QUOTE*]
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Donnerstag, 25. September 2008
Steinbrück im Bundestag
"Nichts bleibt wie es war"

Die globale Bankenkrise wird nach Einschätzung von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück das Weltfinanzsystem umwälzen und das Wirtschaftswachstum bremsen. "Die Welt wird nicht wieder so werden wie vor der Krise", sagte der SPD-Politiker in einer Regierungserklärung vor dem Bundestag.
 
Steinbrück sprach von einem Erdbeben, in dessen Folge die USA ihren Status als "Supermacht des Weltfinanzsystems" verlieren würden. Die Wertberichtigungen und Abschreibungen auf faule Kredite beliefen sich weltweit auf mehr als 550 Milliarden US-Dollar. Ein Ende der Krise sei nicht absehbar.
 
Folgen für Deutschland
 
Steinbrück stimmte die Bürger auf niedrigere Wachstumsraten und einen raueren Wind auf dem Arbeitsmarkt ein: "Unsere Realwirtschaft wird in Mitleidenschaft gezogen." In welchem Ausmaß der Bundeshaushalt betroffen sein werde, bleibe offen. Bisher gebe es keinen Einbruch bei den Steuereinnahmen. Der Sparkurs werde fortgesetzt, aber es würden auch konjunkturstützende Maßnahmen ergriffen.
 
Forderungen, in Deutschland ein ähnliches Rettungspaket für marode Banken aufzulegen wie in den USA, erteilte Steinbrück erneut eine Absage. Die US-Regierung will mit einem 700-Milliarden- Dollar-Paket die Bankenkrise entspannen. Die Finanzmarktkrise sei vor allem ein amerikanisches Problem, sagte Steinbrück.
 
Er warf den USA schwere Versäumnisse vor. Ursache der Krise sei eine "unverantwortliche" Übertreibung des Prinzips des freien und ungezügelten Marktes. So seien die USA bei der Einführung der strengeren Eigenkapitalregeln nur sehr zögerlich vorgegangen. Zudem seien die Investmentbanken nicht ausreichend reguliert und die Aufsicht in den USA stark zersplittert. "Dieses in weiten Teilen unzureichend regulierte System bricht gerade zusammen."

[...]
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Ja, ja, "ein amerikanisches Problem". Würden die Zyprioten das jetzt auch sagen...? Und die Griechen auch? Sind Europa und dessen verschwenderische Neo-Nero-Kaste, die am liebsten Geld verbrennt, ein amerikanisches Problem?

Vielleicht, man könnte ihn ja mal fragen, würde dem hochgeschätzten Herrn Peer Steinbrück die Erklärung leicht fallen. Ich behaupte jedoch, daß, je leichter sie ihm fällt, Alle daran um so schwerer zu tragen haben...

ama

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Peer Steinbrück, dem Einen oder Anderen möglicherweise bekannt, ist auch bei Twitter.com. Anno domini sancta simplicitas maxima culpa (Pi mal Smartphonedaumen 17.4.2013) fand er sich so vorzüglichst, daß er auf diese Vorzüglichkeit verwies:

https://twitter.com/peersteinbrueck/status/324497343795851265

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Peer Steinbrück @peersteinbrueck

"Wenn die Kritik an Politikern in eine Art Verachtung fällt, dann kriegen Sie es mit mir zu tun."
#klartext
http://erfurt.thueringer-allgemeine.de/web/erfurt/startseite/detail/-/specific/Steinbrueck-haelt-Wutrede-gegen-Politiker-Veraechter-und-zieht-NS-Vergleich-113102086
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Dem Einen oder Anderen, Peer Steinbrück möglicherweise bekannt, mag die springende Realsatire einen Dirac-Hüpfer auf dem Parkett und eine Cola/Kaffee/Tee/sonstwas-ersäufte Tastatur eingebracht haben.


Die "Thüringer Allgemeine" (http://www.thueringer-allgemeine.de), zu der Peer Steinbrück verlinkt, zitiert Steinbrück. Sogar wortlich, und sie nimmt es dabei sehr genau...

http://erfurt.thueringer-allgemeine.de/web/erfurt/startseite/detail/-/specific/Steinbrueck-haelt-Wutrede-gegen-Politiker-Veraechter-und-zieht-NS-Vergleich-113102086

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Steinbrück hält in Erfurt Wutrede gegen Politiker-Verächter und zieht NS-Vergleich
 
SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hielt am Dienstagabend in Erfurt eine Wutrede gegen jene, die Politiker und Menschen im Ehrenamt nur beschimpfen.

Erfurt. Der Kanzlerkandidat der SPD, Peer Steinbrück, besucht an diesem Mittwoch ein Unternehmen und eine Berufsschule in Erfurt und trifft in Jena Studenten. Bereits am Dienstagabend trat er im Erfurter Comcenter vor etwa 200 Menschen auf. Am Ende hielt er, der in den letzten Monaten stark angegriffen worden war, ein Plädoyer für Parteien, Menschen im Ehrenamt und den Politiker an sich - und eine Wutrede gegen jene, die diese immer nur beschimpften.
Dabei zog er auch Parallelen zum Aufstieg der Nationalsozialisten: Die "Verachtung", die Politikern entgegen schlage, erinnere ihn da das, was man "in Deutschland schon mal" gehabt hätte. Vor 80 Jahren sei das Ergebnis dieses Umgangs mit Politikern sichtbar geworden. Wörtlich sagte er: "Wenn die Kritik - an Politikern und Parteien - (die Red.) in eine Art Verachtung fällt, dann kriegen Sie es mit mir zu tun. Das hatten wir in Deutschland schon mal übrigens, vor ziemlich genau 80 Jahren war das Ergebnis sichtbar."

Steinbrück forderte dazu auf, mit Menschen, die sich für das Gemeinwohl engagierten, "respektvoller" umzugehen. Die Haltung, das Politiker "alle verrückt" seien und "alles falsch" machten, bringe ihn "aufs Dach".
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Die Zeitung (http://www.thueringer-allgemeine.de) macht da keinen Fehler. Sie gibt in indirekter Rede wieder, was Peer Steinbrück gesagt hat. Es gibt sogar eine Aufzeichnung davon! Und, das lobe ich, die Zeitung nimmt es dabei so genau, daß sie sogar ein Transkript hat. Sie macht das AM STÜCK. Lobenswert, sehr lobenswert! So kann Niemand sagen, sie hätte aus dem Zusammenhang gerissen.


Laut Transkript sagte Peer Steinbrück:

http://erfurt.thueringer-allgemeine.de/web/erfurt/startseite/detail/-/specific/Steinbrueck-haelt-Wutrede-gegen-Politiker-Veraechter-und-zieht-NS-Vergleich-113102086

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Wir dokumentieren die Redepassage vollständig:

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"Wenn die Kritik - an Politikern - (die Red.) in eine  Art Verachtung fällt, dann kriegen Sie es mit mir zu tun. Das hatten wir in Deutschland schon mal übrigens, vor ziemlich genau 80 Jahren war das Ergebnis sichtbar.

Sondern dann frage ich Sie nämlich, wer an Stelle von demokratischen Parteien demokratisch legitimierte Mehrheitsentscheidungen unter Wahrung eines Minderheitenschutzes in einer toleranten Gesellschaft vornehmen soll? Wer denn dann außer Parteien? Meinungsumfragen? Talkshows? Ältestenrat, natürlich nur aus alten Männern bestehend? Bürgerinitiativen?

Wer an Stelle von Parteien - überlegen Sie sich das ganz genau - in einer 80-Millionen-Gesellschaft, wer an Stelle von Parteien soll Mehrheitsentscheidungen herbei führen, so dass wir uns die Köppe nicht einschlagen und die Konflikte minimieren. Und die Frage können Sie mir nicht beantworten, wer an Stelle von Parteien dies machen sollte.

Wenn das aber so ist, dann möchte ich, dass Sie gelegentlich mit den Vertretern und den Frauen und Männern, die sich engagieren, die kommunale Mandate erwerben wollen, die für einen Landtag kandidieren, die bereit sind, Ämter zu übernehmen, dass wir gelegentlich etwas respektvoller mit denen umgehen. (Applaus)
 
Das betrifft auch viele andere. Aber Sie müssen wissen: 95 Prozent aller Politiker sind ehrenamtlich tätig. Ehrenamtlich! Wie komme ich auf die 95 Prozent: Das sind alles Kommunalpolitiker, bis auf die, die hauptamtlich sind. Die sind alle ehrenamtlich tätig. Die kriegen in manchen Ländern eine, was weiß ich, wie heißt das nochmal: Aufwandspauschale von, was weiß ich, 150, 200 Euro. Das ist nicht der Rede wert. Wie, noch geringer? Okay, oder 15 Euro pro Sitzung.

Und dann sitzen die da, mit ihren verschiedenen Räten, und dann werden sie auch noch angegangen. Dann wird der Ehefrau des einen Kommunalpolitikers gesagt, die Laterne um die Ecke funktioniert ja nicht, kann da nicht Ihr Mann mal was machen? Und das Kind in der Schule wir auch noch angegagt und angemobbt: Dein blöder Vater, der sorgt ja nicht mal dafür, dass wir ausreichend Lehrer haben.

Und da gibt es noch andere, die sagen: Bist du bescheuert, du sitzt da von 19 bis 23 Uhr in so nem Gremium, ich habe in der Zeit nen schönen Tatort gesehen! Bist du eigentlich beknackt, das zu machen? So. Und dann hast du den ganzen Samstag geopfert, um dabei im Schreberverein oder der Freiwilligen Feuerwehr zu sein, da haben wir schön im Garten gegrillt. Thüringer Bratwürstchen, alles klar! Da haben wir ein schönes Pils getrunken, und du bist so beknackt und haust dein ganzes Wochenende da noch drauf und musst da morgens um neun auch wieder hin.

Ja, stellen Sie sich mal vor, wir hätten die nicht! Da werde ich langsam leidenschaftlich. Für Nordrhein-Westfalen kann ich das besser beurteilen: Da werden bei einer Kommunalwahl 10.000 Mandate zu besetzen sein. 10.000 Mandate. Inzwischen haben wir die Situation, dass es nicht genug Frauen und Männer gibt, die sich dafür bewerben. Mit der Frage lasse ich sie nach Hause gehen, was es auf Dauer für die Substanz dieses demokratischen Gemeinwesens heißt, wenn es nicht mehr genügend Frauen und Männer gibt, die sich dafür bewerben, weil die sagen: Bin ich blöd? Ha? Geiz ist geil! Ich sorg nur für mich selbst.

Das läuft dann nach dem Motto: Alle denken an sich, nur ich denke an mich. Und dieses Gemeinwesen ist mir piepegal.

Aber so funktioniert das nicht. Und deswegen kriegen Sie mich aufs Dach, wenn Sie eine Haltung gegenüber Politikern und gegenüber Parteien haben, die sind sowieso alle verrückt und die machen alles falsch. Wir machen einiges falsch, aber gelegentlich gelingt uns auch etwas, um diese Gesellschaft zusammen zu halten. Vielen Dank. (Applaus)"

17.04.13

[***/QUOTE***]
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Das ist das ungekürzte Transkript, am Stück, wie in der Zeitung, nicht ist aus dem Zusammenhang gerissen.

Jetzt sollte man noch wissen, in welcher Partei der hochgeschätzte Herr Peer Steinbrück Mitglied ist: in der SPD.  Die SPD war einmal, so geht ein Gerücht, eine Partei des Klassenkampfs. Wobei, das ist nun kein Gerücht, diese Partei, ein Jahr ist es her, eine Sternstunde der Wahrheit erlebte.

In unserem Schatzkästlein

http://transgallaxys.com/~kanzlerzwo/index.php?topic=7390.0

ist es erwähnt, das Ausrutscherle auf dem öligen Parkett der öligen Öligen. Voll auf den Solar plexus... Ich zitiere:

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Der "Stern" schreibt über die Kreditaffäre um Bundespräsidenten: "Wulff soll "Bild"-Chef gedroht haben."

http://www.stern.de/politik/deutschland/kreditaffaere-um-bundespraesidenten-wulff-soll-bild-chef-gedroht-haben-1768737.html

Zitat:

[***quote***]
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Hat Christian Wulff versucht, die Veröffentlichungen über seinen Privatkredit zu stoppen? Der Bundespräsident drohte laut Medienberichten der "Bild"-Zeitung - sogar mit einem Strafantrag.

Offenbar hat Bundespräsident Christian Wulff versucht, die Berichterstattung über seinen Privatkredit zu beeinflussen. Das berichten jedenfalls die "Süddeutsche Zeitung" und die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung"
..............................................................................
[***/quote***]


In diesem Zusammenhang gibt es eine Äußerung, die dem Faß den Boden ausschlägt:

[***quote***]
..............................................................................
Scharfe Kritik von stellvertretender SPD-Chefin

Die stellvertretende SPD-Chefin Aydan Özoguz hat die Aufklärungspraxis von Bundespräsident Christian Wulff in der Kredit-Affäre scharf kritisiert.

"Dass Herr Wulff nicht sofort reinen Tisch gemacht hat, schadet der ganzen politischen Klasse", sagte Özoguz dem "Hamburger Abendblatt".
..............................................................................
[***/quote***]
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Die damals stellvertretende SPD-Chefin Aydan Özoguz (ist sie es eigentlich immer noch?) ist im gleichen Verein wie Peer Steinbrück. Sie redet von der "politischen Klasse". Peer Steinbrück unterstreicht das überdeutlichst, das mit der "politischen Klasse".  Er gehört natürlich dazu. Er spricht pro domo. Das Wort von der "politischen Klasse" benutzt er nicht. Aber das hat die damals stellvertretende SPD-Chefin Aydan Özoguz schon dermaßen dreist und selbstentlarvend getan, daß sich jede Stimme für diese Partei verbietet.

Und Peer Steinbrück haut nochmal und nochmal und nochmal die Nägel in den Sarg der SPD. Das sehen wir uns genau an, Stück für Stück, Scheibe um Scheibe, Satz für Satz. 


Dann wollen wir mal...

Laut Transkript sagte Peer Steinbrück:

http://erfurt.thueringer-allgemeine.de/web/erfurt/startseite/detail/-/specific/Steinbrueck-haelt-Wutrede-gegen-Politiker-Veraechter-und-zieht-NS-Vergleich-113102086

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"Wenn die Kritik - an Politikern - (die Red.) in eine  Art Verachtung fällt, dann kriegen Sie es mit mir zu tun.
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Nein, dann HABEN sie es mit ihm zu tun, denn ER ist der Auslöser der Kritik.

Ob dem hochgeschätzten Herren Peer Steinbrück das Groteske seiner Aussage jemals bewußt werden wird?


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Das hatten wir in Deutschland schon mal übrigens, vor ziemlich genau 80 Jahren war das Ergebnis sichtbar.
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"Vor ziemlich genau 80 Jahren", das zielt auf 1933. Auf das Jahr. Aber auf wen in diesem Jahr? Auf die Nazis? Auf die Kommunisten? Auf die Kriegsgewinnler? Auf die Ohnemichel? Oder auf die Millionen Mitläufer? Gab ja so viele damals. Mitläufer. So viele Mitläufer. Daß die Mitläufer, diese zig Millionen braven Deutschen die Politiker kritisiert hätten?

Wen also meint Peer Steinbrück? Antwort: Er sagt es nicht expressis verbis, so daß die Zeitung daraus die Schlagzeile

"Steinbrück hält in Erfurt Wutrede gegen Politiker-Verächter und zieht NS-Vergleich"

macht. Das ist schon ein bißchen zu brisant, möchte man meinen, doch der Herr Peer Steinbrück verweist per Link und ohne Kritik auf diesen Zeitungsartikel. Wo er so geladen ist, würde er da nicht auch der Zeitung die Makulatur vor die Füße werfen, wenn er nicht ihrer Meinung wäre? Ich nehme es an.

Aber präzise und detailgenau ist der nicht, der hochgeschätzte Herr Peer Steinbrück. Und DAS hat Methode. Es IST seine Methode.

Hier haut er voll auf den Putz, daß es staubt:

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Sondern dann frage ich Sie nämlich, wer an Stelle von demokratischen Parteien demokratisch legitimierte Mehrheitsentscheidungen unter Wahrung eines Minderheitenschutzes in einer toleranten Gesellschaft vornehmen soll? Wer denn dann außer Parteien? Meinungsumfragen? Talkshows? Ältestenrat, natürlich nur aus alten Männern bestehend? Bürgerinitiativen?
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[***/QUOTE***]

Böse Falle, die er da auslegt, böse, böse Falle.

ERSTENS kann, darf und muß man Politiker kritisieren.

ZWEITENS stellt Kritik an POLITIKERN nicht das Parteiensystem in Frage.

DRITTENS sind Politiker NICHT identisch mit Parteien.

VIERTENS, zusammengefaßt, leugnet Peer Steinbrück die Berechtigung an Kritik und tut in seinem Angriff so, als ob Kritik an Politikern gleichbedeutend ist mit  dem Negieren der Funktion von Parteien. Wobei er,

FÜNFTENS,  REALE Zustände mit Wunschdenken in einen Topf wirft, spricht er doch von "demokratisch legitimierten Mehrheitsentscheidungen unter Wahrung eines Minderheitenschutzes n einer toleranten Gesellschaft", wobei er rotzfgrech so tut, als ob die REALE PRAXIS der Politik "demokratisch legitimierten Mehrheitsentscheidungen unter Wahrung eines Minderheitenschutzes n einer toleranten Gesellschaft" wären.

Tatsache ist jedoch, daß die REALE PRAXIS der Politik eben NICHT "demokratisch legitimierten Mehrheitsentscheidungen unter Wahrung eines Minderheitenschutzes in einer toleranten Gesellschaft" sind, und eben dies ist die Grundlage der Kritik an den Politikern.

Falls ihm das zu hoch sein sollte, zu intellektuell überfordernd für den hochgeschätzten Herrn Peer Steinbrück, so möge er freundlicherweise zurücktreten.


Peer Steinbrück tönt:

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Sondern dann frage ich Sie nämlich, wer an Stelle von demokratischen Parteien demokratisch legitimierte Mehrheitsentscheidungen unter Wahrung eines Minderheitenschutzes in einer toleranten Gesellschaft vornehmen soll?
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Tatsache ist: Die Kritik ist, daß das Idealbild, das Steinbrück als REAL PRAKTIZIERT hinstellt, NICHT die Realität ist, sondern daß Korruption, Vetternwirtschaft, skrupellose Kumpanei alleine zum Zweck des Machterhalts, und (selbstverständlich) Blödheit bis zum Umfallen herrschen. 


Steinbrück weiter:

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Wer an Stelle von Parteien - überlegen Sie sich das ganz genau - in einer 80-Millionen-Gesellschaft, wer an Stelle von Parteien soll Mehrheitsentscheidungen herbei führen, so dass wir uns die Köppe nicht einschlagen und die Konflikte minimieren. Und die Frage können Sie mir nicht beantworten, wer an Stelle von Parteien dies machen sollte.
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Die Fragen können wir nicht beantworten? Müssen wir das denn!? Das müssen wir NICHT! Der hochgeschätzte Herr Peer Steinbrück, Sargnagler der SPD, sollte von solch albernen rhetorischen Tricks die Finger lassen. Sonst kriegt er es mit uns zu tun.

Es geht nicht darum, wer "an Stelle von Parteien...", sondern darum, wer IN den Parteien die Entscheidungen fällt und WIE das geschieht.

Das hier

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so dass wir uns die Köppe nicht einschlagen und die Konflikte minimieren
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ist sinnloser Füllstoff, rhetorische Leukoplastbomberei. Es geht doch nicht darum, Konflikte zu minimieren (Valium hilft da hervorragend), sondern darum, das Richtige zu tun.  Es geht nicht um Ruhe (das ist die erste Bürgerpflicht!), sondern um Gerechtigkeit. Aber die Gerechtigkeit wird zu Grabe getragen: erst geknebelt und geknechtet, dann verschrottet, ermordet, geschrotet und vergraben.

Die Situation auf der Erde ist alles andere als beruhigend. Wir nähern uns immer schneller einer immer größeren Zahl von tödlichen Klippen, von Wassermangel bis Chemikalienvergiftungen und Nahrungsmangel durch zerstörte Böden und durch Leerfischen und Vergiften ruinierte Meere.

Natürlich sind die Konflikte "minimiert", wenn man die Leute jetzt ruhigstellt und alles auf die Folgegenerationen verschiebt.  Die zukünftigen Generationen werden nach Strich und Faden beschissen. (Ich bitte untertänigst um Entschuldigung für diese furchtbare Entgleisung, denn für ganz bewußten Mord ist der Begriff "bescheißen" wahrlich zu vornehm und zurückhaltend.)

Seit Jahrzehnten werden Schuldenberge getürmt, die zukünftige Generationen werden zahlen müssen (was sie aber nicht können), werden riesige Mengen Lebensmittel gestohlen, indem sie jetzt aufgefressen werden (die der wachsenden Erdbevölkerung um so stärker fehlen, je stärker sie wächst). Doch weder wird auf die zunehmende Geldknappheit noch auf die immer schwächer werdende Möglichkeit Geld zu verdienen (das Wort Arbeitslosigkeit sollte Politiker zumindest laut Duden und Brockhaus bekannt sein) Rücksicht genommen, und daß man die Bevölkerung VERKLEINERN sollte, also sehr harte Fortpflanzungsbeschränkungen einführen MUSS, fällt auch unter den Tisch. Hauptsache, es gibt keine Aufstände. Valium, Valium, bitte viel, viel Valium.

Die Durchsichtigkeit der Kaspertheater der Politiker ist erschreckend. Um so dreister die Tatsache, wie Peer Steinbrück Vertuschung betreibt mit allerprimitivster Rhetorik.


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Wenn das aber so ist, dann möchte ich, dass Sie gelegentlich mit den Vertretern und den Frauen und Männern, die sich engagieren, die kommunale Mandate erwerben wollen, die für einen Landtag kandidieren, die bereit sind, Ämter zu übernehmen, dass wir gelegentlich etwas respektvoller mit denen umgehen. (Applaus)
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"Wenn das aber so ist" bezieht sich auf diese frechen Satz:

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Und die Frage können Sie mir nicht beantworten, wer an Stelle von Parteien dies machen sollte.
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Steinbrück behauptet groben Unfug und kaspert nun damit herum. Beweisen tut er damit gar nichts. Er zeigt bloß, welcher Art seine Rhetorik ist. Glaubt er ernsthaft, daß man ihm seine Verdrehungen und Täuschungen nicht um die Ohren hauen würde?


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Das betrifft auch viele andere. Aber Sie müssen wissen: 95 Prozent aller Politiker sind ehrenamtlich tätig. Ehrenamtlich! Wie komme ich auf die 95 Prozent: Das sind alles Kommunalpolitiker, bis auf die, die hauptamtlich sind. Die sind alle ehrenamtlich tätig. Die kriegen in manchen Ländern eine, was weiß ich, wie heißt das nochmal: Aufwandspauschale von, was weiß ich, 150, 200 Euro. Das ist nicht der Rede wert. Wie, noch geringer? Okay, oder 15 Euro pro Sitzung.
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Das mit dem Geld lassen wir hübsch weg. Ist nämlich auch nur Leukoplastitis.

Nein, nein, der Kern ist das hier:

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95 Prozent aller Politiker sind ehrenamtlich tätig.
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Die Antwort darauf ist klar und logisch: JA UND!? Es geht doch

ERSTENS gar nicht darum, daß die Politiker für ihr AMT kein Geld bekommen. Korruption ist, daß Politiker sich ANDERWEITIG Vorteile durch ihr Amt verschaffen.

ZWEITENS ist das Ziel nicht immer materieller Vorteil, sondern sehr oft die Durchsetzung religioter oder ähnlich abstruser Hirnschäden.

DRITTENS ist mit steigender Korruption und über die Zeit eine immer stärkere Selektion wirksam, die Korrupte IN der Politik behält und NICHT KORRUPTE aus der Politik ausschließt und sogar vernichtet.

Die Frage ist nicht, ob die Politiker Geld für ihr Amt bekommen, sondern nahezu ausschließlich, WER und WAS diese Politiker sind? Antwort: KORRUPTE, DUMM, UNFÄHIG, DREIST, KRIMINELL. Und warum ist das so? Antwort: Weil die glorreiche Demokratie leider nicht über genug Mittel verfügt, eine sinnvolle Selektion zu betreiben. Das Selektionskriterium ist nämlich bei den Opfern Gutgläubigkeit und bei den Tätern Fähigkeiten zum Bescheißen.

Kurz gesagt: Die Kritiker wollen nicht KEINE POLITIKER, sondern sie wollen nicht DIESE POLITIKER. Die Kritiker wollen nicht KEINE POLITIK, sondern sie wollen SINNVOLLE UND GERECHTE POLITIK. 

Sollte der hochgeschätzte Herr Peer Steinbrück wirklich und wahrhaftig so politikstraßenverkehrsuntauglich sein, daß er dies weder weiß noch wahrnehmen kann? Fehlen ihm die intellektuellen Scheinwerfer und die Straßenbeleuchtung so sehr, daß neben ihm eine lichtdichte Holzkiste ein silvestriges Feuerwerk ist? 


Ach, die ach so armen, armen Politiker. Steinbrück erbt und armt sich ihrer:

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Und dann sitzen die da, mit ihren verschiedenen Räten, und dann werden sie auch noch angegangen.
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Wer, wenn nicht die Politiker, hat denn die Macht, zu entscheiden? Wer, wenn nicht die Politiker, hat die Pflicht, zu entscheiden?

Und wer, wenn nicht die Poltiker, hat die verdammte ScheiBe angerichtet, in der sich die Erde befindet?


Das mit der Verantwortung, das hat der hochgeschätzte herr Peer Steinbrück nicht begriffen:

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Dann wird der Ehefrau des einen Kommunalpolitikers gesagt, die Laterne um die Ecke funktioniert ja nicht, kann da nicht Ihr Mann mal was machen? Und das Kind in der Schule wir auch noch angegagt und angemobbt: Dein blöder Vater, der sorgt ja nicht mal dafür, dass wir ausreichend Lehrer haben.
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Steinbrück mottenkistet:

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Und da gibt es noch andere, die sagen: Bist du bescheuert, du sitzt da von 19 bis 23 Uhr in so nem Gremium, ich habe in der Zeit nen schönen Tatort gesehen! Bist du eigentlich beknackt, das zu machen? So. Und dann hast du den ganzen Samstag geopfert, um dabei im Schreberverein oder der Freiwilligen Feuerwehr zu sein, da haben wir schön im Garten gegrillt. Thüringer Bratwürstchen, alles klar! Da haben wir ein schönes Pils getrunken, und du bist so beknackt und haust dein ganzes Wochenende da noch drauf und musst da morgens um neun auch wieder hin.
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Was beschreibt er denn da? Antwort: Die Selektion, mit der gute Politiker aus dem System katapultiert werden. Warum müssen sie denn so viel Zeit opfern? Antwort: Weil es so viele Vollidioten gibt, die so viel Mist bauen, und die so viel Korruption betreiben, daß die guten Politiker daran verzweifeln und/oder zugrunde gehen.

Wenn man sich im Gemeinderat trifft und sinnvolle Entscheidungen schnell und leicht und einfach getroffen werden, dann ist doch alles in Ordnung. Aber das Gegenteil ist der Fall.


Steinbrück leistet sich sogar einen Offenbarungseid:

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Ja, stellen Sie sich mal vor, wir hätten die nicht! Da werde ich langsam leidenschaftlich. Für Nordrhein-Westfalen kann ich das besser beurteilen: Da werden bei einer Kommunalwahl 10.000 Mandate zu besetzen sein. 10.000 Mandate. Inzwischen haben wir die Situation, dass es nicht genug Frauen und Männer gibt, die sich dafür bewerben.
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Was heißt das anderes, als daß der Verblödungsgrad und die Korruption im politischen System so dick sind, daß man als einfacher Mensch nicht mehr dagegen ankommen kann. Das System hat sich selbst ad absurdum geführt. Gerechte Politik ist nicht mehr möglich.


Und damit trumpft er auch noch auf, der Herr Steinbrück:

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Mit der Frage lasse ich sie nach Hause gehen, was es auf Dauer für die Substanz dieses demokratischen Gemeinwesens heißt, wenn es nicht mehr genügend Frauen und Männer gibt, die sich dafür bewerben, weil die sagen: Bin ich blöd? Ha? Geiz ist geil! Ich sorg nur für mich selbst.
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Steinbrück unterschlägt mal wieder die Wahrheit. Was die herrschenden Zustände bedeuten, ist weder ein Geheimnis noch braucht man zum Verstehen nennenswert geistige Fähigkeiten. Die dramatisch geringe Wahlbeteiligung zeigt dies doch Wahl für Wahl:

ERSTENS: Das politische System ist durch Blödheit und Korruption handlungsunfähig geworden, ein Entfernen der Blöden und Korrupten ist nicht mehr möglich.

ZWEITENS:Die Bevölkerung hat von diesen Politikern die Schnauze voll. 


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Das läuft dann nach dem Motto: Alle denken an sich, nur ich denke an mich. Und dieses Gemeinwesen ist mir piepegal.

Aber so funktioniert das nicht.
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Wie bitte? Das funktioniert sogar derart übermäßig gut, daß die damals stellvertretende SPD-Chefin Aydan Özoguz (die ist im gleichen Verein wie Peer Steinbrück!) von der "politischen Klasse" redet. Noch deutlicher KANN man es doch gar nicht mehr sagen, wie verlottert und verkommen die "politische Klasse" ist.


Haben unsere Vorfahren, damals, in der SPD und in den Gewerkschaften,  in den Anfängen und den dunklen Zeiten der Politik, ihr Leben dafür geopfert, daß heute DIESE Politiker anstelle einer echten Demokratie diese infame Farce veranstalten?


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Und deswegen kriegen Sie mich aufs Dach, wenn Sie eine Haltung gegenüber Politikern und gegenüber Parteien haben, die sind sowieso alle verrückt und die machen alles falsch. Wir machen einiges falsch, aber gelegentlich gelingt uns auch etwas, um diese Gesellschaft zusammen zu halten. Vielen Dank. (Applaus)"
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Nein. Wir HABEN Steinbrück und Konsorten auf dem Dach. Und das ist genau das, was wir nicht wollen.
« Last Edit: April 17, 2013, 09:01:01 PM by ama »
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Hamburg-Brett

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Die herrschende politische Klasse hinterläßt einen Trümmerhaufen. Hamburgisierung und Detroitisierung.
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