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Author Topic: SERVIERT: DELLMOUR SERVIERT SICH SELBST!  (Read 1045 times)

Thymian

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SERVIERT: DELLMOUR SERVIERT SICH SELBST!
« on: July 10, 2018, 03:57:29 PM »

Dellmour sticht Hahnemann ab. Eiskalt in den Rücken. Der große Meister der Zuckerpanscher wird von seinem eigenen "wissenschaftlichen" Gefolgsmann gemeuchelt. Klasse! Dellmour, you made my day!

Das ist die Fundstelle, wo Dellmour Hahnemann und sich selbst den Teppich wegzieht. Dellmour nur noch im freien Fall.  Jetzt hab ich ihn! ;D

[*quote*]
Erstreaktionen

Aufgrund der Beobachtung derartiger Reaktionen bei homöopathischer, d.h. unter
Beachtung des Simileprinzipes erfolgender Arzneiwahl, hat H AHNEMANN schon in dieser
frühen Veröffentlichung 1796 sowohl auf die Dosisverringerung zur Vermeidung allzu
heftiger Erstreaktionen,
als auch auf die Gefahren zu großer Gaben homöopathisch
gewählter Arzneien hingewiesen 126:

"Will man, wie der behutsame Arzt sollte, allmählig zu Werke gehen, so giebt man dieß
gewöhnliche Mittel nur in der Gabe, wo es die von ihr zu erwartende künstliche Krankheit
kaum merkbar äußere (es wirkt denn doch vermöge seiner Neigung eine solche künstliche3
Krankheit zu erregen) und steigt allmählig in der Gabe, so daß man gewiß seyn kann, daß
die beabsichtete innerliche Veränderung des Körpersystems kräftig genug erfolge, obgleich
mit Aeußerungen, die den natürlichen Krankheitssymptomen an Heftigkeit weit nachstehen;
so wird man gelind und sicher heilen. Will man aber...schnell zu Werke gehen, so wird man
auch auf diese Art, wiewohl mit einiger Lebensgefahr, seine Absicht gewiß erreichen...was
sie eine Wunder- und Pferdekur nennen - eine wohl Jahre alte Krankheit in wenigen Tagen
heilen; ein Unternehmen, was wohl die Richtigkeit meines Grundsatzes, aber zugleich die
Wagehälsigkeit des Unternehmers beweist."

Am ausführlichsten berichtete er jedoch 1797 in seinem Aufsatz "Eine plötzlich geheilte
Kolikodynie" 51 über eine äußerst bedrohliche Erstreaktion eines jungen Mannes, der an
einer schweren chronischen Darmerkrankung litt, die sich trotz vielfacher Therapieversuche
progredient entwickelte und zu einer völligen Unverträglichkeit von Obst und einigen
Gemüsearten geführt hatte. Daraufhin erhielt er als Simile Veratrum album in der
pharmakologischen Dosierung von 4 Gaben zu 4 Gran (4 x 250 mg) der getrockneten und
pulverisierten Wurzel
und wiederholte irrtümlich die Gaben in zu häufiger Folge:
"Da seine Umstände wirklich baldige Hülfe verlangten,...so beschloß ich, ihm eine,
möglichst ähnliche Krankheitszufälle erregende Arznei zu geben. Die ähnlichen
Leibschmerzen, die Angst, die Verengung der Brust, das Fieber, der Verlust der Kräfte,
etc., die die Weißnießwurzel (Veratrum album) erregt, schien mir der Absicht angemessen,
eine dauerhafte Hülfe schaffen zu können.
Ich gab ihm vier Pulver, jedes von vier Gran...nach der zweiten (Gabe) fing...eine Krankheit
in ihm zu entstehen an, die er nicht anders beschreiben konnte, als daß es seine
Krampfkolik...gewesen. Er ließ sich aber nicht abhalten, die dritte und vierte Gabe...zu
nehmen, da denn diese künstliche Nervenkolik...auf einen so fürchterlichen Grad anstieg,
daß er...mit dem Tode gerungen, von kaltem Schweiß bedeckt und fast erstickt wäre. Er
habe drei...Tage gebraucht, sich wieder zu erholen, und sey nun da, das weitere zu
vernehmen."

Nach Abklingen dieser Erstverschlimmerung war der Patient zwar von seiner schweren
Darmkrankheit und der damit verbundenen Nahrungsmittelunverträglichkeit bleibend
geheilt. Aber durch die bedrohliche Intensität dieser und ähnlicher Erstreaktionen 58, 123,
127 sah sich H AHNEMANN veranlaßt, die Konzentration seiner Arzneimittel schrittweise zu
reduzieren.

[*/quote*]

Das ist eine Vergiftung mit einer pharmazeutisch wirksamen Dosis. Das ist genau das, was Aribert Deckers im Januar 2014 beschrieben hat:

"Homöopathie: Das Rätsel der “Erstverschlimmerung” gelöst"
http://ariplex.com/folia/archives/565.htm

Dellmour beschreibt die Vergiftung - er gibt sogar die Giftmenge an! - ist aber sowas von extremalst unbegabt, daß er nicht kapiert, daß es sich um eine Vergiftung handelt.

Dellmour, Söhnchen, Du bist erledigt.



http://www.doktor-quak.de/wp-content/uploads/2014/01/Entwicklung-der-Potenzierung-.pdf

[*quote*]
Die Entwicklung der Potenzierung bei Samuel Hahnemann
und nachträgliche Änderungen der Arzneiherstellung

Von F. Dellmour

Einleitung

SAMUEL HAHNEMANN war einer der genauesten Ärzte seiner Zeit, weshalb anzunehmen war,
daß seine Entdeckung und Entwicklung der homöopathischen Potenzierung ebenso
verständlichen Kriterien gefolgt ist, wie die Auffindung des Simileprinzipes anläßlich des
Chinarindenversuches. Da aber über die Entwicklung der Arzneipotenzierung nur wenig
bekannt ist, unterzog der Autor die Originalliteratur HAHNEMANN s einer ausführlichen
Literaturrecherche. Übersichtsarbeiten hatten zuvor E. STEINBICHLER 1957 156, H. H ENNE
1963 130, J. B AUR 1983 6, P. B ARTHEL 1990 3 und F. DELLMOUR 1992 13, 15 publiziert.
Dabei konnte festgestellt werden, daß Hahnemann die Arzneipotenzierung auf Grund
einfach nachvollziehbarer Überlegungen entwickelt hatte.
Ein wichtiges Problem im Verständnis der HAHNEMANN schen Homöopathiegeschichte stellt
die Anzahl der Veröffentlichungen dar, wobei sich 113 Publikationen 139 chemisch-
pharmazeutischer sowie homöopathischer Grundlagenarbeiten und Übersetzungen, in ihren
Erscheinungsjahren mehrfach überlagern. Dies führt dazu, daß alleine Organon, Reine
Arzneimittellehre und Chronische Krankheiten in 30 Einzelbänden vorliegen, worin 2-6
Auflagen von 1-6 Bänden sehr unterschiedliche Entwicklungsphasen der Potenzierung
dokumentieren. Um die Entwicklung der Potenzierung verstehen zu können, wurden daher
die Schriften HAHNEMANN s chronologisch geordnet, wodurch sich die Entstehung der
homöopathischen Potenzierung verständlich darstellt. Dementsprechend erfolgte die
"Entdeckung der Homöopathie" bekanntlich 1790 durch Auffindung des Simileprinzipes -
aber erst zehn Jahre später hatte HAHNEMANN erste Verdünnungen seiner Arzneimittel
hergestellt, woraus sich die Arzneipotenzierung entwickelte.
Die Arzneiaufbereitung wurde ebenso durch Samuel H AHNEMANN erarbeitet und optimiert,
indem er anfangs wäßrige und alkoholische Urtinkturen durch Verdünnung und
Verschüttelung potenzierte. Ab 1835 wandte er sich jedoch von der Urtinkturenverwendung
ab und ging dazu über, sämtliche Arzneistoffe mit Laktose zur C 3 zu verreiben, bevor er
die weitere Potenzierung flüssig fortsetzte. Sowohl die Erfahrungen HAHNEMANN s, als auch
wissenschaftliche Kriterien bestätigen die Sinnhaftigkeit dieser Entwicklung.
Von den Herstellungsvorschriften HAHNEMANN s ausgehend, erfolgten im Laufe der Zeit
Abänderungen der Herstellungsverfahren, ohne daß die homöopathische Wirksamkeit
dieser neuen Präparationen ausreichend geprüft wurde. In einigen Fällen weicht das
Homöopathische Arzneibuch sogar so schwerwiegend von HAHNEMANN s
Herstellungsvorschriften ab, daß sich die Frage stellt, ob das homöopathische
Wirkvermögen der neuen Arzneimittel mit den von HAHNEMANN geprüften und in den
Arzneimittellehren beschriebenen Arzneimittelbildern überhaupt in ausreichender
Genauigkeit übereinstimmt.

Aufgrund des Umfanges der Thematik wurde folgende Gliederung gewählt:

1. Die Entdeckung der Potenzierung
Die Entdeckung der Homöopathie / Erstreaktionen / Verdünnungen / Homöopathische
Arzneiwirkungen -
Arsenicum album / Decillionfache "Verdünnung" / Verschüttelung / Verdünnungsreihen
/ Wirksamkeits-
steigerung durch Verschüttelung und Verreibung / Hahnemanns Potenz-Begriff2

2. Weitere Entwicklung der Potenzierung
Globuli / Millesimalpotenzierung / Centesimalpotenzierung / Q-Potenzierung / Einmalige
Verwendung der Potenzierungsgefäße

3. Dosierung homöopathischer Arzneimittel
Gabenwiederholung / Absteigende und aufsteigende Potenzwahl / Gabenverdünnung

4. Methoden der Arzneiaufbereitung
Lösungen / Urtinkturen / Verreibungen / Verreibungsmengen / Reinigung der
Verreibungsgeräte

5. C3-Trituration
Verreibungen statt Lösungen / Verreibungen statt Frischpflanzenverreibung / Erhaltung der
Inhaltsstoffe / Gesicherte Haltbarkeit / Generelle Verreibung zur C3 ? Urtinkturen /

6. Abänderungen der Arzneiherstellung
Identität arzneilicher Rohstoffe (Bryonia, Rhus, Murex, Hekla lava) / Verwendete
Arzneistoffanteile
(Arnica, Anacardium, Petroleum) / Tinkturen löslicher Rohstoffe (Jodum) / Tinkturen
unlöslicher
Rohstoffe (Ambra, Sulfur, Lycopodium)

1. DIE ENTDECKUNG DER POTENZIERUNG

Die Entdeckung der Homöopathie

Durch den Chinarindenversuch 1790 hatte HAHNEMANN das Simileprinzip und damit die
Grundlage der Homöopathie entdeckt 143, worüber er 1796 in seiner Publikation "Versuch
über ein neues Prinzip zur Auffindung der Heilkräfte der Arzneisubstanzen, nebst einigen
Blicken auf die bisherigen" berichtete 124. Seither gilt das Jahr 1796 als Geburtsjahr der
Homöopathie, obwohl die Auffindung der Ähnlichkeitsregel nur den Beginn der Entwicklung
der Homöopathie darstellt, da zu diesem Zeitpunkt die homöopathische Potenzierung noch
unbekannt war. HAHNEMANN verabreichte dementsprechend homöopathisch gewählte
Arzneimittel - wie auch im Chinarindenversuch - noch in der üblichen pharmakologischen
Dosierung, was bisweilen sehr heftige Reaktionen auslöste.

Erstreaktionen

Aufgrund der Beobachtung derartiger Reaktionen bei homöopathischer, d.h. unter
Beachtung des Simileprinzipes erfolgender Arzneiwahl, hat H AHNEMANN schon in dieser
frühen Veröffentlichung 1796 sowohl auf die Dosisverringerung zur Vermeidung allzu
heftiger Erstreaktionen, als auch auf die Gefahren zu großer Gaben homöopathisch
gewählter Arzneien hingewiesen 126:

"Will man, wie der behutsame Arzt sollte, allmählig zu Werke gehen, so giebt man dieß
gewöhnliche Mittel nur in der Gabe, wo es die von ihr zu erwartende künstliche Krankheit
kaum merkbar äußere (es wirkt denn doch vermöge seiner Neigung eine solche künstliche3
Krankheit zu erregen) und steigt allmählig in der Gabe, so daß man gewiß seyn kann, daß
die beabsichtete innerliche Veränderung des Körpersystems kräftig genug erfolge, obgleich
mit Aeußerungen, die den natürlichen Krankheitssymptomen an Heftigkeit weit nachstehen;
so wird man gelind und sicher heilen. Will man aber...schnell zu Werke gehen, so wird man
auch auf diese Art, wiewohl mit einiger Lebensgefahr, seine Absicht gewiß erreichen...was
sie eine Wunder- und Pferdekur nennen - eine wohl Jahre alte Krankheit in wenigen Tagen
heilen; ein Unternehmen, was wohl die Richtigkeit meines Grundsatzes, aber zugleich die
Wagehälsigkeit des Unternehmers beweist."

Am ausführlichsten berichtete er jedoch 1797 in seinem Aufsatz "Eine plötzlich geheilte
Kolikodynie" 51 über eine äußerst bedrohliche Erstreaktion eines jungen Mannes, der an
einer schweren chronischen Darmerkrankung litt, die sich trotz vielfacher Therapieversuche
progredient entwickelte und zu einer völligen Unverträglichkeit von Obst und einigen
Gemüsearten geführt hatte. Daraufhin erhielt er als Simile Veratrum album in der
pharmakologischen Dosierung von 4 Gaben zu 4 Gran (4 x 250 mg) der getrockneten und
pulverisierten Wurzel und wiederholte irrtümlich die Gaben in zu häufiger Folge:
"Da seine Umstände wirklich baldige Hülfe verlangten,...so beschloß ich, ihm eine,
möglichst ähnliche Krankheitszufälle erregende Arznei zu geben. Die ähnlichen
Leibschmerzen, die Angst, die Verengung der Brust, das Fieber, der Verlust der Kräfte,
etc., die die Weißnießwurzel (Veratrum album) erregt, schien mir der Absicht angemessen,
eine dauerhafte Hülfe schaffen zu können.
Ich gab ihm vier Pulver, jedes von vier Gran...nach der zweiten (Gabe) fing...eine Krankheit
in ihm zu entstehen an, die er nicht anders beschreiben konnte, als daß es seine
Krampfkolik...gewesen. Er ließ sich aber nicht abhalten, die dritte und vierte Gabe...zu
nehmen, da denn diese künstliche Nervenkolik...auf einen so fürchterlichen Grad anstieg,
daß er...mit dem Tode gerungen, von kaltem Schweiß bedeckt und fast erstickt wäre. Er
habe drei...Tage gebraucht, sich wieder zu erholen, und sey nun da, das weitere zu
vernehmen."

Nach Abklingen dieser Erstverschlimmerung war der Patient zwar von seiner schweren
Darmkrankheit und der damit verbundenen Nahrungsmittelunverträglichkeit bleibend
geheilt. Aber durch die bedrohliche Intensität dieser und ähnlicher Erstreaktionen 58, 123,
127 sah sich H AHNEMANN veranlaßt, die Konzentration seiner Arzneimittel schrittweise zu
reduzieren.

Verdünnungen

Das einfachste und genaueste Verfahren zur Verkleinerung einer Arzneidosis stellt die
Verdünnung des Arzneimittels dar. In diesem Sinn stellte auch H AHNEMANN Verdünnungen
seiner Arzneistoffe her, wofür sich in der Sammlung "Kleine medizinische Schriften" 65
mehrere Beispiele finden. So fertigte er ab 1801 Belladonna 58, Opium 59, Ipecacuanha 60
und Chamomilla 64 in 2 - 3 Verdünnungsschritten an. Er beschrieb dies detailliert für
Belladonna, wobei er zuerst getrockneten Preßsaft der Blätter herstellte 62:
"Dieses, die Ansteckung vom Scharlachfieber verhütende Arzneimittel zu bereiten, nimmt
man eine Handvoll frischer Blätter der wildwachsenden Belladonna (Atropa belladonna, L.),
zu der Zeit wo die Blumen noch nicht aufgebrochen sind, quetscht sie im Mörsel zu Brei
und drückt den Saft durch Leinwand, den man sogleich (ohne vorgängige Reinigung) kaum
messerrückenhoch auf flache porzellänerne Schalen gießt und in trockne Zugluft stellt, wo
er binnen weniger Stunden abgedunstet seyn wird. Man rührt ihn um und breitet ihn wieder
mit dem Spatel aus, damit er gleichförmig erhärte bis zur völligen Trockenheit, so daß er
sich pülvern lasse. Das Pulver wird in einem verstopften und erwärmten Glase
aufgehoben".4
Danach erfolgte die Auflösung des Trockensaftes zur Urtinktur und eine dreimalige
Verdünnung in den Verhältnissen 1:400, 1:300 und 1:200:
"Will man sich dessen...bedienen, so löset man einen Gran dieses Pulvers...mittelst Reiben
in einem kleinen Mörsel in 100 Tropfen gemeinem, destilliertem Wasser auf, schüttet die
trübe Auflösung in ein Unzenglas und spült den Mörsel und die Keule noch mit 300 Tropfen
gewässerten...Weingeistes nach, welches man zu der Auflösung schüttet und beides durch
fleißiges Schütteln wohl vereinigt. Man signirt das Glas: starke Belladonna-Auflösung. Von
dieser wird Ein Tropfen mit 300 Tropfen gewässerten Weingeistes durch minutenlanges
Schütteln innig vereinigt und mittlere Belladonna-Auflösung bezeichnet. Von dieser zweiten
Mischung...wird nun ein Tropfen mit 200 Tropfen des gewässerten Weingeistes durch
minutenlanges
Schütteln
vereinigt
und
schwache
Belladonna-Auflösung
bezeichnet...welche in jedem Tropfen 1/24000000 ein vier und zwanzig Milliontel Eines
Grans getrockneten Belladonna-Saftes enthält."
Mit dieser und anderen Arzneien gelang es H AHNEMANN , Scharlach erfolgreich zu
behandeln und eine wirksame Infektprophylaxe durchzuführen 61. Dadurch angespornt,
untersuchte er auch die Wirkungen anderer Arzneimittel, wie aus seinen Krankenjournalen
hervorgeht. Demnach wandte er bereits in den Jahren 1801-1802 über 60, meist
"verdünnte" Arzneien an, wobei er als höchste "Potenzen" Belladonna in der 1/12trilliontel,
Arsenicum album in der 1/400.000billiontel und Pulsatilla in der 1/160billiontel Verdünnung
verordnete, gefolgt von Chamomilla, Taxus, Aconitum und Veratrum. Die zu dieser Zeit am
häufigsten verabreichte Arznei war Chamomilla 131.
Auffallend ist, daß H AHNEMANN seine Arzneizubereitungen anfangs "Verdünnungen"
nannte, woraus ersichtlich ist, daß er mit dem Verschüttelungsverfahren nur eine
Arzneiverdünnung erreichen wollte. Seine frühen Potenzbezeichnungen hundertfache (C1),
zehntausendfache (C2), millionfache (C3), billionfache (C6), trillionfache (C9),
quadrillionfache (C12), quintillionfache (C15), sextillionfache (C18), septillionfache (C21),
oktillionfache (C24), nontillionfache (C27), decillionfache (C30) und vigesillonfache (C60)
Verdünnung weisen auf diesen Sachverhalt hin. Eine Distanzierung vom
Verdünnungsbegriff erfolgte erst 1821 (s.u.) und in Organon VI.
Homöopathische Arzneiwirkungen - Arsenicum album
Die geradezu bedrohlichen Wirkungen pharmakologischer Dosen homöopathisch gewählter
Arzneimittel waren der Anlaß gewesen, der H AHNEMANN über die Verdünnung zur
Potenzierung geführt hatte. Neben diesem Problem der Gabengröße führten aber auch die
anfangs bis zu fünf Minuten dauernde Verschüttelung, die überaus kräftig wirkende
Arzneien hervorbrachte und die Wiederholungen der Arzneigaben zum vermehrten
Auftreten von Erstreaktionen und Arzneimittelprüfungssymptomen, die die Anfertigung
immer höherer Verdünnungen notwendig machten.
Für H AHNEMANN war der homöopathische Charakter dieser Arzneiwirkungen anfangs nicht
zu erkennen, weshalb er die trotz der Verdünnung bestehen bleibende "Kräftigkeit" der
Arzneien mit der Giftigkeit der Arzneistoffe in Zusammenhang brachte. Auf diesen
Gedanken hatte er schon 1790 in einer Anmerkung zu Ignatia in der Übersetzung von
W ILLIAM C ULLEN s Materia Medica hingewiesen11, 12:
"Was ist Giftigkeit ? was anders, als heftige Aeußerung eines in allzu starker Gabe und am
unrechten Orte gebrauchten sehr wirksamen Mittels, dessen Vortreflichkeit vielleicht nur
durch den unvorsichtigen Gebrauch verschwand ?"
Daher mag es nicht verwundern, daß H AHNEMANN das wegen seiner Giftwirkung besonders
gefürchtete Arsenicum album, über das er bereits 1786 forensische Untersuchungen 122
angestellt hatte, 1800 als eines der ersten Arzneimittel in der Verdünung von einem
"Zehnmilliontheil" 130 und 1801-1802 in Verdünnungen bis zu "1/400.000billiontel"
anwandte 131.5
1806 widmete H AHNEMANN dieser Fragestellung sogar eine kurze Veröffentlichung, mit dem
Titel "Was sind Gifte ? Was sind Arzneien ?", die in H UFELAND s Journal erschienen ist 128.
Darin erklärt er nachdrücklich, daß die Bezeichnung "Gift" grundsätzlich nur auf die
Unkenntnis der im Einzelfall heilsamen Dosierung zurückzuführen ist und weist auf die
Möglichkeit der individuellen Gabenverkleinerung, je nach "Kräftigkeit" der Arzneien, hin:
"...um die kräftigern und kräftigsten Substanzen in kleinern und kleinsten Gaben
zuzurichten, um sie zu einem Zehntelgrane, die kräftigern zu einem Hundertelgrane, einem
Tausendtelgrane, die hochkräftigen zu einem Million-, Billion-, auch wohl zu einem
Trilliontelgrane, Quadrilliontelgrane und Quintilliontelgrane zu reichen. Wer hindert uns dieß
zu thun, und uns so (weislich) nach der Kräftigkeit der verschiednen Arzneisubstanzen zu
richten ?"
Aus diesen Zeilen wird deutlich, daß H AHNEMANN mit seinen ersten Arzneiverdünnungen
eindeutig homöopathische Wirkungen ausgelöst hatte, da mit den damals bekannten
Giftstoffen toxische Wirkungen nur bis in den Gran- und Zehntelgranbereich (1 Gran = 62
mg) zu erzielen waren. Tatsächlich wiesen aber die von H AHNEMANN angefertigen
Arzneimittel bereits 1800-1802 so geringe Konzentrationen auf, daß damit keine
toxikologischen Wirkungen mehr möglich waren, da zehnmilliontel und billiontel Grane
theoretischen Arzneikonzentrationen von 10-4, bzw. 10-9 mg/ml entsprechen.
Demgegenüber beträgt aber die für den Menschen toxische Dosis von Arsentrioxid 10-50
mg 158, während quadrilliontel und quintilliontel Grane mit rechnerischen Arzneigehalten
von 10-21 und 10-27 mg/ml weit jenseits der L OSCHMIDT schen Zahl im konzentrationslosen
Bereich liegen.
Da die molekularen Grenzen derartig hoher Verdünnungen zu H AHNEMANN s Zeiten noch
unbekannt waren und dieser mit seinen ersten Hochpotenzen im Quadrilliontelbereich,
entsprechend einer Potenz C12, immer noch überaus kräftige arzneiliche Wirkungen
erlebte, war es naheliegend, den Verdünnungsgrad der Arzneimittel noch weiter zu
steigern. Und wieder war es das als "hochkräftigstes aller Heilmittel" bezeichnete Arsenicum
album, das er 1809 als erste Arznei zur "Sextillion", entsprechend dem Potenzgrad C18,
verdünnte 26:
"Wenn man aber nun ein Zehntelgran dieses Minerals noch oft gefährlich, daß heißt mit
andern Worten, allzukräftig fand, was hinderte die Aerzte...zu versuchen, ob ein Tausentel,
ein Milliontel eines Grans oder noch weniger eine mäßige Gabe werde,...was hinderte sie,
den Bruch noch viel weiter zu mindern, bis sie gesehen hätten, daß ein Sextilliontel eines
Grans in Auflösung zu einer milden und dennoch völlig hinreichend kräftigen...Gabe werde -
alle 5 bis 10 Tage einmal gereicht ?"
Die 1810 herausgegebene 1. Ausgabe des Organon enthält in bemerkenswerter Weise
noch keine Angaben zur Anfertigung dieser Arzneiverdünnungen. Vielmehr bediente sich
H AHNEMANN darin nur allgemein gehaltener Formulierungen, wie "kleinste Gaben" 71, 73,
"allerkleinste Gaben" 70, "in der erdenklich kleinsten Gabe" 72 und "millionmal kleinere
Gaben als je verordnet" 73, woraus ersichtlich wird, daß sich die Verschüttelung erst in
einem Versuchsstadium befand und daher noch keine ausführliche Veröffentlichung
geplant war.
Decillionfache "Verdünnung"
Der Giftwirkung von Arsenicum album widmete H AHNEMANN 1816 in der 1. Auflage der
Reinen Arzneimittellehre seine bisher ausführlichste Darstellung 99. Darin beschreibt er die
Verdünnung und Verkleinerung der Arzneigaben als Verfahren, um die Arzneikraft des
Arseniks soweit abzuschwächen, daß eine geringstmögliche Belastung für den Patienten
erreicht wird:6
"Ist eine Gabe von 1/10 Gran Arsenik eine in vielen Fällen gefährliche Gabe, so mußs sie
denn nicht milder werden, wenn man nur 1/1000 giebt ? Und wenn sie es wird; mußs sie
nicht bei jeder weitern Verkleinerung noch milder werden ?
Wenn nun der Arsenik (so wie jede andre sehr kräftige Arzneisubstanz) blos durch
Verkleinerung der Gabe am besten so mild werden kann, daßs sie dem Menschen nicht
mehr gefährlich ist, so hat man ja blos duch Versuche zu finden, bis wie weit die Gabe
verkleinert werden müsse, daßs sie klein genug sei, um nicht Schaden zu bringen, und
doch großs genug, um ihr volles Amt als Heilmittel der für sie gehörigen Krankheiten zu
vollführen.
...mußs so gemildert seyn durch Verdünnung der Auflösung und Verkleinerung der Gabe,
daßs der stärkste Mann durch eine solche Gabe von einer Krankheit...hülfreich befreiet
werden könne, während dieselbe Gabe das Befinden eines gesunden Kindes nicht merklich
zu ändern im Stande sei. Dießs ist die schätzbare Aufgabe, welche blos durch
tausendfache Erfahrungen und Versuche gelöset...werden kann."
Daran anschließend folgte erstmals eine genaue Herstellungsvorschrift, um Arzneien zum
bisher höchsten Potenzgrad, zur C30 ("decillionfache Verdünnung", X), zu potenzieren.
Dazu bereitete H AHNEMANN das Arsenik noch als Lösung in heißem Wasser zu 98:
"Dießs zu bewirken wird Ein Gran gepülverter weißser Arsenik mit sechs gemessenen
Quentchen destilliertem Wasser...bis zur völligen Auflösung gekocht, das indeßs
verdampfte Wasser ersetzt, dann mit einem gleichen Maßse Weingeist...wohlgemischt, die
Menge nach Tropfen gezählt, und so viel von einer Mischung aus gleichen Theilen Wasser
und solchem Weingeist (von etwa 80 Graden) hinzugetröpfelt, daßs das Ganze die Menge
von 1000 Tropfen ausmache. So enthält diese Flüssigkeit, wenn sie genau umgeschüttelt
worden, in jedem Tropfen 1/1000 Gran Arsenik."
Daran anschließend erfolgte über eine einfache
weingeistbefüllten Fläschchen die Potenzierung zur C30:
Verdünnungsreihe
mit
29
"Zehn solche Tropfen in ein Glas getröpfelt, welches schon 90 Tropfen Weingeist enthielt,
bildet, nach gehörigem Umschütteln, eine Mischung, welche in jedem Tropfen 1/10.000
eines Grans Arsenik in sich faßst, und diesen Bruch schreibt man an seine Signatur. Von
jetzt an wird die weitere Verdünnung leichter. Man hat ein Meßsgläschen, welches...100
Tropfen Weingeist faßst bei mittlerer Temperatur. Mit diesem mißst man in 28 kleine
Arzneigläser, die in einer Reihe stehen, in jedes 100 solche gemessene Tropfen, und
verschließt jedes mit einem guten Kork. Man nimmt das erste dieser Gläschen, tropft einen
Tropfen von der Mischung, die in jedem Tropfen 1/10.000 enthält, hinein, schüttelt das
Gläschen wohl um, bezeichnet es mit 1/1,000.000, und tröpfelt aus diesem wiederum einen
Tropfen in das zweite Gläschen, welches wohl umgeschüttelt mit 1/100,000.000 bezeichnet
wird, und fährt so fort, immer zu dem nächstfolgenden Gläschen einen Tropfen aus dem
vorhergehenden zu tröpfeln und es zu bezeichnen...So enthält das letzte Gläschen die
gesuchte Verdünnung, welche in jedem Tropfen 1 Decilliontel eines Grans Arsenik enthält."
Wie aus diesem Text zu ersehen ist, verwendte H AHNEMANN 1816 keine genau definierte
Anzahl von Schüttelschlägen, sondern homogenisierte die Arzneilösungen, indem er "wohl
umschüttelte". Homöopathische Arzneipotenzen bezeichnete er zu diesem Zeitpunkt noch
als "Mischungen" oder "Verdünnungen".
Verschüttelung
C.W. H UFELAND nannte H AHNEMANN "den besten Chemiker unter den damaligen Ärzten"
129 und in der Tat hatte sich kein Arzt zuvor so intensiv mit der Arzneimittelforschung
beschäftigt. Um 1801 bezeichnete er die Chemie sogar als seine "Lieblingswissenschaft"
und erhoffte sich zurecht, von diesem der Ärzteschaft noch weitgehend unbekannten
Wissensgebiet neue Erkenntnisse für Therapie und Arzneiherstellung zu gewinnen.7
Bezeichnenderweise fällt die Entdeckung der Potenzierung genau in diesen Zeitraum, was
auch die Methode der Verschüttelung zeigt. Denn H AHNEMANN bereitete seine
Arzneiverdünnungen in schrittweisen Verdünnungsreihen zu, wobei er nach jedem
Verdünnungsschritt schüttelte, um die Lösung zu homogenisieren. Dieses Vorgehen stellt
aber keine Neuentwicklung dar, sondern entspricht einem in der Chemie allgemein
gebräuchlichen Verdünnungsverfahren. Dabei werden die Flüssigkeiten wiederholt verdünnt
und geschüttelt, was bei Verwendung kleiner Flüssigkeitsmengen schneller und mit weniger
Materialaufwand zu bewerkstelligen ist, als bei Verdünnung großer Volumina. Somit sind
auch die von H AHNEMANN in der Potenzierung angewandten Flüssigkeitsmengen
verständlich, da er bereits 1801 in seiner ersten Belladonna-Potenzierung 400 Tropfen (ca.
16 ml), 300 Tropfen (ca. 12 ml) und 200 Tropfen (ca. 8 ml) gebrauchte und später das
Potenzierungsvolumen mit 100 Tropfen (ca. 4 ml) festlegte.
Diese geringen Flüssigkeitsmengen gestatten weiters eine so rasche Verarbeitung, daß
damit auch eine chemische Zersetzung der Arzneistoffe weitestgehend verhindert wird
103:
"Selbst eine mäßsig große Menge Wasser...läßst sich...nie, durch irgend eine Rühranstalt
gleichartig mischen; nicht zu gedenken, daßs die...chemische, ununterbrochene Zersetzung
der Bestandtheile des Wassers die Arzneikraft eines Tropfens Gewächstinktur schon
binnen etlichen Stunden zerstört und vernichtet haben würde...
Bei der homöopathischen Arzneizubereitung...ist die Vereinigung, da nur wenig Flüssigkeit
dazu genommen wird (100 Tropfen Weingeist zu einem Tropfen Arzneitinktur) in wenigen
Augenblicken vollendet und von dieser Mischung ein Tropfen eben so schnell mit einer
gleichmäßsigen Menge (100 Tropfen) unarzneilicher Flüssigkeit vereinigt und so fort, so
daßs in einer halben Stunde ein Tropfen Arzneitinktur zu der Verdünnungs-Flüssiggkeit
schon in ein Verhältnißs von Eins zu Decillion gebracht ist..."
Schüttelschläge
Jede verdünnte Lösungen muß homogenisiert werden, was üblicherweise duch Schütteln
oder Rühren erfolgt. Derselben Wortwahl bediente sich auch H AHNEMANN in seinen frühen
Werken, indem er von "starkem, anhaltenden Umrühren" 63, "innig gemischt" 76, "durch
starkes Umschütteln innig gemischt" 75, "gleichförmiger und inniger Vermischung" 74,
"Mischungen" 98, "durch fleißiges Schütteln wohl vereinigt" und "durch minutenlanges
Schütteln innig vereinigt" 62 schreibt und damit auf den Ursprung der Verschüttelung, als
Zweck der Homogenisation, hinweist.
Später definierte H AHNEMANN die Verschüttelung erstmals 1821 im 6.Band der Reinen
Arzneimittellehre, 1.Auflage, mit "zehn Schlägen eines kräftigen Armes von oben herab
geschüttelt" 103. 1824 empfahl er aber in Organon III, statt dessen nur zwei
Schüttelschläge 78 zu gebrauchen, da seine noch mengenmäßig großen Arzneidosen
immer wieder zu kräftige Wirkungen hervorriefen. Deshalb findet sich diese Art der
Verschüttelung auch 1829 in Organon IV, 1833 in Organon V und 1835 im 1.Band der
Chronischen Krankheiten, 2.Auflage angegeben 38.
Im 3. Band der Chronischen
Krankheiten wechselt H AHNEMANN dann 1837 neuerlich auf zehn Schüttelschläge, unter
Widerrufung der früheren Angabe von zwei Schüttelschlägen 44, da er auf Grund der
inzwischen sehr verringerten Dosisgrößen wieder stärker dynamisierte Arzneien verordnen
konnte.
In Band 5 der Chronischen Krankheiten steigert er 1838 die Anzahl der Schüttelschläge
wiederum auf "10, 20, 50 und mehr starke Stoss-Schläge, etwa gegen einen etwas harten,
elastischen Körper geführt" 47, was bereits auf die Entwicklung der Q-Potenzen hinweist.
Deren Herstellung und Anwendung findet sich 1842 in H AHNEMANN s letzter
Veröffentlichung, Organon VI, genauestens beschrieben, worin er die Verschüttelung mit8
"100 starken Schüttelschlägen mit der Hand gegen einen harten, aber elastischen Körper,
etwa auf ein mit Leder eingebundenes Buch, geführt" festlegte 91.
Verdünnungsreihen
Wie bereits angedeutet, wurde und wird das von H AHNEMANN zur Potenzierung angewandte
Verdünnungsverfahren auch außerhalb der Homöopathie in vielfältiger Form in
Verwendung. So etwa in der Analytischen Chemie zur Probenverdünnung, oder in der
mirkrobiologischen Arbeitstechnik, um Bakterien und Viren über einfache, in Eprouvetten
auszuführenden Verdünnungsserien, auf bestimmte Keimzahlen einzustellen. Da dabei
stets auch nach dem Prinzip der homöopathischen Potenzierung vorgegangen wird, ergib
sich die erstaunliche Tatsache, daß prinzipiell jede Verdünnung in Verdünnungsreihen
gleichzeitig auch einer homöopathischen Potenzierung entspricht! Daher stellen alle nach
diesen Verfahren hergestellten Lösungen, unabhängig von ihrer Zusammensetzung,
homöopathische Potenzen dar! Deren homöopathische Wirksamkeit bleibt allerdings meist
unbemerkt, da sie nur nach chemischen, immunologischen oder mikrobiologischen
Gesetzmäßigkeiten eingesetzt werden. Ihre homöopathische Natur ist hingegen nur bei
vorhandenem Similebezug zu einem lebenden Organismus erkennbar.
Somit kann zusammengefaßt werden, daß aus pharmazeutischer Sicht die Potenzierung
einem einfachen Verdünnungsverfahren entspricht. H AHNEMANN s pharmakologische
Verdienste waren demnach nicht nur die Entdeckung des Simileprinzipes und die
erstmalige Einführung höchstverdünnter Arzneilösungen in die medizinische Therapie,
sondern gleichzeitig auch die Entdeckung, daß die bei wiederholten Verdünnungen
erfolgende Verschüttelung oder Verreibung zu einer Steigerung des homöopathischen
Wirkvermögens führt.
Wirkungssteigerung durch Verschüttelung und Verreibung
Bereits 1801 hatte H AHNEMANN an seinen ersten Arzneiverdünnungen diese durch die
mechanische Homogenisation hervorgerufene Wirksamkeitssteigerung festgestellt 63:
"Ueberhaupt ist es kaum glaublich, wie viel diese...Arznei an ihrer Kraft verliert,...wenn man
sie bloß...aus dem Löffel lecken läßt, sie nur auf Zucker giebt, oder, wenn man sie ja in eine
Flüssigkeit tröpfelt, sie doch nicht tüchtig damit umrührt; durch Umrühren, durch starkes,
anhaltendes Umrühren , gewinnt erst eine flüssige Arznei die größte Menge
Berührungspunkte für die lebende Faser, wird nur dadurch erst recht kräftig."
Ähnliches berichtete er in Organon I 75:
"So wird ein einzelner Tropfen jener Tinctur mit einem Pfunde Wasser durch starkes
Umschütteln innig gemischt und alle zwei Stunden zu zwei Unzen eingenommen, wohl
viermal mehr Wirkung thun, als alle acht Tropfen auf einmahl gegeben."
Auch in der Reinen Arzneimittellehre finden sich Hinweise dieser gesteigerten Wirkkraft
105, 119:
"...leistet ein Tropfen Chinatinktur, der nur ein Zehntel eines Grans Chinakraft enthält,
schon mehr Arzneikraft, als ein ganzer Gran des feinen englischen Chinapulvers...
...die Erfahrung zeigt, daßs jeder Tropfen dieser so zubereiteten - blos Mischung und
Verdünnung scheinenden - Flüssigkeit so kräftig geworden, daß er fast dieselbe Stärke von
Arzneikraft im menschlichen Körper äußsern kann, als der Tropfen der anfänglichen,
koncentrirten Tinktur."
"Da fand ich dann, daßs selbst die höhern Verdünnungen, z.B. die decillionfache, oder gar
wohl die vigesillonfache Verdünnung...nicht etwa schwächer an Kraft...wohl gar zur völligen9
Kraftlosigkeit, zum Nichts herabgesunken - Nein! im Gegentheil, an lebensbaum-
arzneilicher Wirkung eher stärker und stärker geworden waren."
Auf Grund dieser Beobachtungen begann sich H AHNEMANN , von dem bisher gebrauchten
Verdünnungsbegriffes zu distanzieren 103:
"Wenn...aber im Ernste auch der Verstand verlangt, daßs man ihm begreiflich mache, wie
es möglich werde, daßs ein Tropfen solcher decillionfachen (sogenannten) Verdünnung, ja
auch ein sehr kleiner Theil eines solchen Tropfens noch volle Heilkraft behalten...wenn das
Mittel möglichst homöopathisch gewählt war...so liegt das Unbegreifliche blos in
dem...misverstandnen Worte Verdünnung und in der vorurtheiligen Ansicht und dem
falschen Begriffe, den man sich vom Arzneistoffe macht."
"...liegt die Haupttäuschung in dem misverstandnen Worte: Verdünnung, dessen ich mich
auch für die Bereitung der homöopathischen Arzneien bedienen mußste, in Ermangelung
eines der Sache angemessenern deutschen Ausdrucks.
Doch, selbst zugegeben (was gar nicht zugegeben werden kann), daßs die feinen
homöopathischen Gaben durch eine gemeine Mischung eines kleinen Theils Arzneistoffs
unter ein unglaublich großses Verhältnis unarzneilicher Flüssigkeit entstünden, so hinkt
obiges...Gleichnis doch ungeheuer."
Deshalb trennte er nachfolgend die Begriffe "Verdünnung" und "Potenzierung", wie z.B.
"Verdünnen und Potenziren" 41, 43, 85 oder "potenzirte Verdünnung" 113, 120, da er
erkannt hatte, daß die Steigerung der homöopathischen Wirksamkeit nicht durch die
Verdünnung, sondern durch die Verschüttelung und Verreibung hervorgerufen wird 33:
"Die Veränderung, welche in den Naturkörpern, namentlich in den arzneilichen, durch
anhaltendes Reiben mit einem unarzneilichen Pulver, oder aufgelöst, durch langes
Schütteln mit einer unarzneilichen Flüssigkeit, entsteht, ist so unerwartet groß, daß sie an
Wunder gränzt, und erfreulich, daß der Fund dieser wundervollen Veränderung der
Homöopathie angehört."
In Organon VI wies er darum nochmals auf die Unterschiedlichkeit von "Verdünnung" und
"Dynamisation" hin 90:
"Man hört noch täglich die homöopathischen Arzneipotenzen bloß Verdünnungen nennen,
da sie doch das Gegentheil derselben, d.i. wahre Aufschließungen der Natur-Stoffe und zu
Tage-Förderung und Offenbarung der in ihrem innern Wesen verborgen gelegenen,
specifischen Arzneikräfte sind, durch Reiben und Schütteln bewirkt, wobei ein zu Hülfe
genommenes, unarzneiliches Verdünnungs-Medium bloß als Neben-Bedingung hinzutritt.
Verdünnung allein, z.B. die, der Auflösung eines Grans Kochsalz, wird schier zu bloßem
Wasser; der Gan Kochsalz verschwindet in der Verdünnung mit vielem Wasser und wird
nie dadurch zur Kochsalz-Arznei, die sich doch zur bewundernswürdigsten Stärke, durch
unsere wohlbereiteten Dynamisationen, erhöht."
Diese den Naturgesetzen der Chemie scheinbar widersprechende, in der homöopathischen
Praxis jedoch täglich zu beobachtende Erfahrung, interpretierte H AHNEMANN in
physikalischer Hinsicht, indem er eine in den Arzneistoffen gebundene, geistig-dynamische
Kraft annahm, die durch das Potenzierungsverfahren freigesetzt wird 104:
"Arzneistoffe...sind nicht todte Substanzen im gewöhnlichen Sinne; vielmehr ist ihr wahres
Wesen blos dynamisch geistig, ist pure Kraft.
Die...todtscheinende Arzneisubstanz besteht dennoch aus nichts Anderm, als aus
konkreter, reiner Kraft in einem gebundenen (latenten), gleichsam erstarrten Zustande...bis
ihr inneres Geistigdynamisches durch Hülfe menschlicher Kunst entfaltet, entwickelt ist
und...zu ihrem eigentlichen Zwecke angewendet wird."10
Heutige Forschungsergebnisse bestätigen die Richtigkeit dieser Hypothese, indem die
Erkenntnisse der energetischen Medizin und auch experimentelle Untersuchungen auf die
physikalische Natur des homöopathischen Wirkprinzipes hinweisen.
Hahnemanns Potenz-Begriff
Die Verwendung des Begriffes "Potenz" scheint in der Literatur H AHNEMANN s erstmals 1801
52 und 1805 55 auf. Demnach verstand H AHNEMANN daunter ganz allgemein jede Kraft, die
spezifische Wirkungen hervorruft. In diesem Sinn bezeichnete er Blitz und Feuer als
"Naturpotenzen" und Krankheitsursachen als "Krankheitspotenzen". Da aber auch
Arzneimittel in der Arzneimittelprüfung am Gesunden Krankheitssymptome hervorrufen,
nannte
er
seine
Arzneien
1801
"Gegenkrankheitspotenzen"
und
"Kunstkrankheitspotenzen", bevor er daraus die vereinfachten Begriffe "Arzneipotenz",
bzw. "Potenz" entwickelte 14.
Unter "Potenzierung" verstand H AHNEMANN demnach nicht die gesamten Herstellung
homöopathischer Arzneimittel, sondern nur deren Dynamisation durch die Arbeitsschritte
der Verschüttelung oder Verreibung.
2. WEITERE ENTWICKLUNG DER POTENZIERUNG
1805 vollendete H AHNEMANN nach Übersetzung der Arzneimittellehre A LBRECHT VON
H ALLER s 132 seine erste eigene Arzneimittellehre, die in lateinischer Sprache abgefaßte
und 27 Arzneimittel enthaltende "Fragmenta de viribus medicamentorum". Im selben Jahr
erschienen weiters die Schrift "Aeskulap auf der Wagschale" 23 und als Organonvorläufer
die "Heilkunde der Erfahrung" 55. Neben dieser umfassenden schriftstellerischen Tätigkeit
widmete sich H AHNEMANN aber auch pharmazeutischen Aufgaben und erfand ein
praktisches Verfahren, um die Größe homöopathischer Arzneigaben weiter zu verringern:
die Benetzung von Streukügelchen.
Globuli
H AHNEMANN hatte potenzierte Arzneien anfänglich als Dilutionen verordnet, die er meist in
Wasser verdünnt einnehmen ließ. Im März 1807 scheint in seinen Krankenjournalen jedoch
erstmals der Begriff "Kügelchen" auf 9, womit er die bisher kleinste Gaben eines Tropfens
noch weiter verringern konnte. Denn indem er einen Tropfen der Arzneilösung auf 300-
1000 Streukügelchen verteilte und davon 1 Globulus zur Gabe reichte, verminderte er den
Arzneigehalt des Tropfens auf 1/300-1/1000 seines vorherigen Wertes 37, 110:
"Da aber ein kleiner Teil eines Grans eine allzu unbestimmliche Menge ist, die Homöopathie
aber alle Unbestimmlichkeiten und Ungenauigkeiten möglichst vermeiden muss, so war der
Fund, alle Arzneien aus den potenzierten Arzneipulvern in Flüssigkeiten verwandeln zu
können, womit eine bestimmte Zahl Streukügelchen zu Gabe befeuchtet werden, mir von
hohem Wert."
"Indem ein Mohnsamen großses Streukügelchen (deren 300 nur einen Gran wiegen) damit
befeuchtet zur Gabe gereicht wird, giebt man weniger als 1/1000 eines Tropfens der
decillionfachen, durch Schütteln vergeistigten (potenzirten) Arznei-Verdünnungen, weil mit
einem einzigen solchen Tropfen weit mehr als 1000 solche feine Kügelchen befeuchtet
werden können."11
Diese deshalb als "Kleinster Theil eines Tropfens" bezeichneten Globuli stellten ab Organon
III H AHNEMANN s bevorzugte Arzneiform dar. Sie wurden aus Saccharose und Stärke
gefertigt 116, 94 und waren sehr viel kleiner als die heute gebräuchlichen
Saccharoseglobuli. Denn H AHNEMANN s Globuli wogen nur etwa 0.2 mg ("300 wiegen 1
Gran"), bzw. 0.6 mg ("100 wiegen 1 Gran") pro Globulus, während die durch das
Homöopathische Arzneibuch vorgeschriebenen Globuli ca. 2 mg ("Größe 1", "Mikroglobuli"),
bzw. ca. 8.3 mg (die meistverwendete "Größe 3") pro Globulus wiegen 16.
H AHNEMANN versandte diese neuartige Arzneiform an auswärtige Patienten anfangs in
Federkielen und später in Lactosebriefchen, die er als "Vehikel" oder "Kapsel" bezeichnete.
Die darin enthaltenen Globuli wurden mitsamt dem Lactosepulver unter dem Daumennagel
zerdrückt und in Wasser gelöst eingenommen 40. H AHNEMANN benutzte Globuli aber auch,
um besonders empfindliche Kranke daran riechen zu lassen 16, 82.
Millesimalpotenzierung
In Erprobung unterschiedlicher Verdünnungsverfahren verwendete H AHNEMANN 1814
vorübergehend ein der Millesimalpotenzierung entsprechendes Potenzierungsverhältnis von
ca. 1:1000, um Hyoscyamus niger über acht, sowie Bryonia alba und Rhus toxicodendron
über zwölf Potenzstufen anzufertigen 53
"Man nimmt ein Quentchen der gepülverten Wurzel der Zaunrebe, schüttelt sie mit zehn
Quentchen Weingeist unter einander und läßt ihre Kraft binnen sechs Stunden ausziehen.
Indeß werden zwölf Fläschchen jede mit sechs Quentchen des stärksten reinen
Weingeistes so angefüllt...und mit Nummern bezeichnet.
In das erste dieser
Fläschchen...tropft man einen einzigen Tropfen jener...Tinktur, und schüttelt es drei Minuten
lang stark um, tropft dann aus diesem Fläschchen Nr.1 einen einzigen Tropfen in das
Fläschchen Nr.2 , schüttelt dieses eben so stark um, tropft dann wieder aus diesem einen
einzigen Tropfen in das Fläschchen Nr.3 , und fährt so ferner fort, bis jedes Fläschchen
einen Tropfen aus dem vorhergehenden empfangen hat...und hierauf, wie alle vorigen, drei
Minuten stark umgschüttelt worden ist."
Centesimalpotenzierung
Überaus heftige Arzneireaktionen nach Verabreichung homöopathisch gewählter
Arzneimittel veranlaßten H AHNEMANN , immer höhere Potenzen herzustellen. Als Beispiele
dafür nannte er seine Erfahrungen mit Euphrasia ? , Sarsaparilla ? , Argentum C2, Ambra
C3, Cyclamen C3, Hepar sulfuris C3, Ipecacuanha C3, Chamomilla C12, China C12 und
sogar Digitalis C30 und Spigelia C30 121. Dabei entwickelte H AHNEMANN schließlich das
Verfahren der Centesimalpotenzierung, mit einem konstanten Verdünnungsverhältnis von
1:100. Auf diese Weise potenzierte er 1816 als erste Arznei Arsenicum album zur C30
(s.o.) und empfahl ab 1830 fast ausschließlich die Verwendung dieses Potenzgrades
(Abbildung 1).
ABBILDUNG 1
Später untersuchte H AHNEMANN auch höhere Potenzierungen, wie die Angaben Nux
moschata C31-C32 66, Thuja C60 ("vigesillonfache Verdünnung", XX) 119, Sulfur C80-
C194, Natrium muriaticum C 192-C197 66 , sowie die Organonhinweise C150 (L) und C300
(C) 80, 83 zeigen. In Einzelfällen verwendete er noch höhere Potenzgrade, die vermutlich
von J ENICHEN stammten 20, 21.
Dennoch war H AHNEMANN mit der Wirkweise der Centesimalpotenzen nicht zufrieden, da er
bei Gabenwiederholungen immer wieder überaus heftige Arzneireaktionen beobachtete. Als12
Erklärung dafür erkannte er das zu geringe Potenzierungsverhältnis von 1:100, welches bei
intensiver Verschüttelung äußerst stark wirkenden Arzneipotenzen hervorbrachte 93:
"Als noch nach der anfänglichen Vorschrift immer ein voller Tropfen der Flüssigkeit niedrern
Potenz-Grades zu 100 Tropfen Weingeist zum höher Potenziren genommen ward, war dies
Verhältniß des Verdünnungs-Mediums zu der, darin zu dynamisirenden Arznei-Menge,
(100. zu 1.) viel zu eng beschränkt, als daß eine Menge solcher Schüttel-Schläge, ohne
große Gewalt anzuwenden, die Kräfte der angewendeten Arznei-Substanz gehörig und in
hohem Grade hätten entwickeln können, wie mich mühsame Versuche davon überzeugt
haben."
"Werden aber bei einem so geringen Verdünnungs-Medium, wie 100. zu 1. der Arznei sehr
viele Stöße mittels einer kräftigen Maschine gleichsam eingezwungen, so entstehen
Arzneien, welche, vorzüglich in den höhern Dynamisations-Graden, fast augenblicklich,
aber mit stürmischer, ja gefährlicher Heftigkeit, besonders auf den schwächlichen Kranken
einwirken..."
Aus diesem Grunde steigerte H AHNEMANN das Verdünnungsverhältnis auf 1:50000 und
fand damit die Methode der Q-Potenzierung.
Q-Potenzierung
H AHNEMANN hatte für seine Potenzierungsverfahren keine bestimmte Namensgebung
gewählt und auch bei seinen 50.000er-Potenzen nur von Arzneien im "1. Potenzgrad", "2.
Potenzgrad", etc., bzw. "Dynamisationsgrad", gesprochen 99. Erst später ermittelte W.
K LUNKER als korrekte Bezeichnung "Quinquagiesmillesimal-Potenzen", während auch der
grammatikalisch unrichtige Ausdruck "Quinquagintamillesimal-Potenzen" gebräuchlich ist
137, 138. Daher lautet die fachlich zutreffendste Abkürzung dieser Arzneiform "Q-
Potenzen", wenngleich R. F LURY und A. V OEGELI auch den Namen "LM-Potenzen" geprägt
haben, der Eingang in das Homöopathische Arzneibuch gefunden hat.
Die Herstellung dieser Q-Potenzen erfolgt gemäß § 270, Organon VI, indem von einer C3-
Trituration des zu potenzierenden Arzneistoffes ausgegangen wird. Davon werden 60 mg
("1 Gran") in einem Tropfen Wasser gelöst, mit Weingeist verdünnt und durch 100
Schüttelschläge dynamisiert. Diese Potenz wird zur Benetzung von Globuli verwendet, die
nach dem Trocknen die Potenzstufe Q1 (LM I) darstellen. Zur Anfertigung höherer Q-
Potenzen wird ein Globulus der Vorpotenz gelöst, ebenfalls mit Weingeist verdünnt und
durch 100 Schüttelschläge dnamisiert, womit wiederum Globuli befeuchtet werden.
H AHNEMANN stellte nach dieser Vorschrift Arzneien bis zur Potenz Q30 (LM XXX) her. Damit
machte er die Erfahrung, das das neue Verdünnungsverhältnis von 1:50000 es nun
erstmals gestattete, durch 100 Schüttelschläge äußerst kräftig dynamisierte Arzneien
herzustellen, die aber im Gegensatz zu Centesimalpotenzen eine vergleichsweise milde
Wirkung entfalten 93:
"Nimmt man aber ein einziges solches Streukügelchen, wovon 100 einen Gran wiegen, um
es mit hundert Tropfen (Weingeist) zu dynamisieren, so wird das Verhältniß wie 1 zu
50,000, ja größer noch, indem 500 solcher Streukügelchen noch nicht völlig Einen Tropfen
zu ihrer Befeuchtung annehmen können. Bei diesem ungleich höherm Verhältnisse
zwischen Arzneistoff und Verdünnungs-Medium, können viele Schüttel-Schläge...eine bei
weitem größere Kraft-Entwicklung hervorbringen."
Damit war es möglich geworden, die arzneiliche "Kraft-Entwicklung am besten zu bewirken",
weshalb H AHNEMANN Q-Potenzen als "weit vollkommner dynamisierte Arzneibereitungen"
bezeichnete. Dies auch deshalb, weil damit bei akuten Krankheiten die Arzneigaben nun
häufig wiederholt werden konnten, ohne daß jene Überreaktionen auftraten, wie sie von
Centesimalpotenzen bekannt waren 93:13
"Von diesen weit vollkommner dynamisirten Arzneibereitungen, kann man in acuten Fiebern
die kleinen Gaben von den niedrigsten Dynamisations-Graden, selbst der Arzneien von
langdauernder Wirkung, (z.B. Belladonne) auch in kurzen Zwischenräumen wiederholen, so
wie in Behandlung chronischer Krankheiten am besten mit den niedrigsten Dynamisations-
Graden den Anfang machen und wo nöthig, zu den höhern Graden übergehen, den immer
kräftiger werdenden, obgleich stets nur gelind wirkenden."
Allerdings gelten diese Angaben nicht generell für jede Anwendung von Q-Potenzen,
sondern nur dann, wenn diese genauestens nach den Vorschriften H AHNEMANN s angefertigt
und entsprechend seinem Dosierungsschema (s.u.) verabreicht werden. Erst dann ist
gewährleistet, daß diese "Arzneien von höchster Kraft-Entwicklung und gelindester
Wirkung" optimal eingesetzt werden, wie H AHNEMANN "nach vielen mühsamen Versuchen
und Gegen-Versuchen" herausgefunden hatte. Deshalb war er überzeugt, mit den Q-
Potenzen endlich die beste Potenzierungs- und Dosierungsmethode gefunden zu haben,
um jenes hohe Ziel zu erreichen, das er in § 2 aller Organonausgaben als höchstes Ziel der
Heilung formuliert hatte:
"Das höchste Ideal der Heilung ist schnelle, sanfte, dauerhafte Wiederherstellung der
Gesundheit, oder Hebung und Vernichtung der Krankheit in ihrem ganzen Umfange auf
dem kürzesten, zuverlässigsten, unnachtheiligsten Wege, nach deutlich einzusehenden
Gründen."
Einmalige Verwendung der Potenzierungsgefäße
Um Verunreinigungen durch andere Arzneimittel zu vermeiden, hatte H AHNEMANN darauf
bestanden, sämtliche Arzneigefäße nur einmal zu verwenden 39:
"Gläschen, worin schon eine Arznei gewesen war, dürfen nie zur Aufnahme irgend einer
andern Arznei wieder dienen, selbst nicht, noch so oft ausgespült, sondern es müssen
jedesmal neue Gläser genommen werden."
3. DOSIERUNG HOMÖOPATHISCHER ARZNEIMITTEL
Der schwierigste und am wenigsten bekannte Bereich der Homöopathie H AHNEMANN s
betrifft die Entwicklung seiner Dosierungslehre, die untrennbar mit der Entwicklung der
Potenzierung verbunden ist. Denn H AHNEMANN hatte unter der angestrebten
"Gabenverkleinerung" sowohl eine immer höhere Potenzierung, als auch eine
mengenmäßige Verkleinerung der verabreichten Arzneidosen verstanden, was nur bei sehr
genauem Textstudium zu erkennen ist. Beide Verfahren, die Potenzgradsteigerung und die
Dosisminderung, dienten der Abschwächung der unerwünschten Arzneireaktionen und
können nur in Zusammenhang mit allen übrigen Arzneiherstellungs- und
Anwendungsmethoden betrachtet werden, die das Wirkverhalten homöopathischer
Arzneimittel beeinflussen:
a. Arzneiherstellung: Arzneiaufbereitung durch C3-Trituration
Einhaltung definierter Verarbeitungsmengen
Art, Anzahl und Intensität der Schüttelschläge
Art, Dauer und Intensität der Verreibung
b. Arzneidosierung:
Gabenwiederholung
Potenzwahl14
Gabenverdünnung
Gabenwiederholung
Aufgrund seiner Erfahrungen mit der außerordentlichen Wirkkraft potenzierter Arzneimittel
sprach sich H AHNEMANN bereits 1805 gegen eine zu rasche Gabenwiederholung aus und
empfahl deshalb, wiederholte Arzneigaben in immer "kleineren Gaben" zu verabreichen 56.
Auch in Organon I findet sich dieser Hinweis, "jedesmahl eine kleinere und kleinere Gabe"
zu wählen 68. Um 1814 empfahl er jedoch vorübergehend die Anwendung von Einzelgaben
54, wovon er sich 1819 in Organon II allerdings wieder distanzierte, da er in der Therapie
chronischer Krankheiten den Einsatz von Zwischenmitteln oder Gabenwiederholungen doch
als unentbehrlich erkannt hatte 77. Denn nur unter regelmäßiger Gabenwiederholung
konnte er ein rasches Fortschreiten der Heilung beobachten, während sich mit Einzelgaben
meist unzureichende oder zu langsame Heilungsverläufen ergaben 86.
Darum gebrauchte er längere Zeit verschiedene Arzneien als Folge- oder Zwischenmittel,
um die bei Gabenwiederholungen auftretenden Arzneireaktionen zu vermeiden. Denn die
bisher gebrauchten C-Potenzen führten bei wiederholter Verabreichung desselben
Potenzgrades
oftmals
zu
überschießenden
Erstreaktionen
und
Arzneimittelprüfungssymptomen, weshalb H AHNEMANN begann, wiederholte Arzneigaben in
unterschiedlichen Potenzgraden zu reichen.
Absteigende und aufsteigende Potenzwahl
Diese unter homöopathischer Arzneiwahl auftretenden Arzneireaktionen waren zwar der
Anlaß gewesen, daß H AHNEMANN immer höhere Potenzgrade anfertigt und ab 1830
vorwiegend die C30 zur Therapie empfohlen hatte. Dennoch war damit noch keine
Arzneiform gefunden, die eine regelmäßige Gabenwiederholungen ermöglichte. Darum
begann er, bei jeder Arzneigabe auch den Potenzgrad zu verändern und gebrauchte auf
diese Weise ab 1835 mehrere Verfahren einer absteigenden Potenzwahl. Dabei verordnete
er hintereinander die Potenzen C30 - C24 - C18 - C12 - C6 32 oder C30 - C29 - C28 - C27 -
usw., um einige Beispiele zu nennen 3. Aus den Krankenjournalen ist ersichtlich, daß
H AHNEMANN für Sulfur auch eine Potenzfolge von C194 - C193 - C192 - C191 - C190
gebrauchte 66.
Ebenso untersuchte H AHNEMANN die Methode der ansteigenden Potenzwahl, indem er
Sulfur in den Potenzen C80 - C85 - C90 - C95 verabreichte 66. Damit leitete er bereits zur
Anwendung der LM-Potenzen über, die ebenfalls in ansteigender Potenzfolge, beginnend
mit LM1 - LM2 - LM3 - etc., verordnet werden.
Gabenverdünnung
H AHNEMANN versuchte die oftmals zu kräftigen arzneilichen Wirkungen homöopathischer
Arzneimittel nicht nur durch unterschiedliche Potenzierung, sondern ebenso durch
Reduktion der quantitativen Gabengröße zu verringern. Die ersten Ansätze dieser
homöopathischen Dosisfindung waren der Allopathie entlehnt, indem er 1801 seine ersten
Belladonna-Potenzen
je nach Patientenalter in unterschiedlichen Tropfenzahlen 57
einnehmen lies. Später waren es die ab 1807 angewandten Globuli, die eine weitere
Verkleinerung der Arzneigaben ermöglichte (s.o.), indem damit die bisher kleineste
Arzneidosis von 1 Tropfen auf 1/300-1/1000 verringert werden konnte 110.
Aber auch diese Form der Gabenminderung, ebenso wie die Einnahme unterschiedlicher
Anzahlen von Globuli, die Erprobung unterschiedlicher Einnahmeintervalle von 7-14 Tagen,
die Verwendung von Zwischenmitteln und die später angewandten Methoden auf- oder
absteitgender Potenzfolgen führten bei chronischen Krankheiten zu keinem nennenswerten
Erfolg, wie aus der zehnseitigen Anmerkung zu § 246, Organon V, ersichtlich wird. Erst mit
Einführung der Q-Potenzen konnte H AHNEMANN auch dieses Problem lösen, allerdings nur15
unter Entwicklung eines besonderen Dosierungskonzeptes, durch das die Arzneikraft eines
Q-Globulus in einem oder mehreren Verdünnungsschritten auf die individuelle
Empfindlichkeit des Patienten abstimmt wird.
Die Dosierungsanleitung dafür findet sich in § 248, Organon VI, beschrieben. Danach wird
in einem Arzneifläschchen 1 Globulus der Potenz Q1 in ca. 90 ml Wasser ("7-8 Eßlöffel")
gelöst, woraus der Patient täglich ca. 10 ml ("1 Eßlöffel") entnimmt, um die einzunehmende
Arzneiverdünnung anzufertigen. Hiezu wird der Inhalt des Fläschchens durch 8-12 starke
Schüttelschläge dynamisiert und die 10 ml in einem Trinkglas mit 1/8 l Wasser gemischt
("ein Trinkglas mit 8-10 Eßlöffel Inhalt"), wobei "mehrmals stark umrührt" werden sollte. Die
auf diese Weise täglich neu zubereitete Arzneiverdünnung wird ansteigend dosiert, indem
man den Kranken "einen, oder (steigend) mehrere Kaffee- oder Thee-Löffelchen
einnehmen läßt, in langwierigen Krankheiten täglich, oder jeden zweiten Tag, in acuten
aber, alle 6, 4, 3, 2 Stunden, in den dringendsten Fällen, alle Stunden und öfter".
Wesentlich erscheint dabei, daß H AHNEMANN jede Arzneipotenz nur 7 Tage (bei täglicher
Verabreichung), bzw. 14 Tage (bei Verabreichung an jedem zweiten Tag) hintereinander
einnehmen lies. Danach wurde die Verordnung mit der nächsthöheren Q-Potenz fortgesetzt
87.
Erwies sich die Wirkung dieser verdünnten Arzneigaben bei besonders empfindlichen
Kranken immer noch als zu kräftig, so war auf einfachste Weise eine nochmalige
Gabenminderungen zu erreichen. Dazu wurde 1 Kaffeelöffel der Gebrauchslösung unter
Rühren in einem weiteren Trinkglas verdünnt, woraus die Einnahme erfolgte. Bei Bedarf
konnte auch dieser Vorgang mehrmals wiederholt werden, um die für den Patienten
individuelle Dosierung zu finden.
4. METHODEN DER ARZNEIAUFBEREITUNG
Um arzneiliche Rohstoffe potenzieren zu können, müssen diese zuvor in eine verarbeitbare
Form gebracht werden, was durch Zubereitung von Lösungen, Urtinkturen oder
Verreibungen erfolgen kann. Diese drei pharmazeutischen Verfahren wurden von
H AHNEMANN in der Praxis erprobt, wobei er die Verreibung mit Milchzucker als beste
Methode befand, qualitativ hochwertige Arzneimittel herzustellen.
Lösungen
Die Auflösung wasser- oder alkohollöslicher Substanzen stellt das einfachste
Arzneiaufbereitungsverfahren dar. Dennoch benutzte H AHNEMANN diese Methode nur
anfänglich, bevor er dazu überging, sämtliche Arzneistoffe zur C3 zu verreiben.
Urtinkturen
H AHNEMANN wollte Arzneistoffe so natürlich und unverändert wie möglich zur Therapie
einsetzen, da diesen roh die größte Arzneikraft innewohnt 88. Aufgrund der Verderbnis
organischer Frischpräparate benutzte er daher ursprünglich getrocknete, pflanzliche
Preßsäfte, um diese vor Gebrauch aufzulösen und zu potenzieren 62, 64. Vorübergehend
setzte er frischen Pflanzensäften zur Konservierung Holzkohle zu, bevor er dazu überging,
Äthanol als konservierendes Agens im Verhältnis 1:1 zuzusetzen. Sehr saftlosen,
eiweißreichen oder schleimhältigen Pflanzen fügte er Alkohol im Verhältnis 1:2 zu 69, 81,
89. Daraus wird ersichtlich, daß H AHNEMANN Äthylalkohol vorwiegend auf Grund seiner
konservierenden Eigenschaften als Arzneiträger für die Potenzierung gewählt hat.16
Nach 1835 ereignete sich jedoch eine entscheidende Wende in der Arzneiaufbereitung
H AHNEMANN s. Er distanzierte sich immer mehr von der Methode der Urtinkturenverwendung
und verrieb statt dessen die Arzneimittel mit Milchzucker, um nach wäßriger Auflösung der
C3-Trituration die Potenzierung flüssig fortzusetzen.
Verreibungen
Aus der medizinischen Literatur des 8.Jahrhunderts und der arabischen Medizin des
12.Jahrhunderts war H AHNEMANN die arzneiliche Verwendung von Goldpulver bekannt,
weshalb er erste homöopathische Versuche mit löslichen Goldverbindungen unternommen
hatte. Da jedoch der in den Goldsalzen enthaltene anionische Säureanteil die
Eigenschaften des Metalles veränderte, suchte er ein Verfahren, um das reine Metall
arzneilich aufzubereiten. Zu diesem Zweck verrieb er 1818 erstmals Blattgold portionsweise
mit Milchzucker und fand in der so angefertigten Potenz C1 eine sehr heilkräftige Arznei,
die sich in der Behandlung suizidaler Depressionen mehrfach bewährte 101. Daraufhin
triturierte er Aurum auch zu höheren Potenzgraden und führte die Verreibung als
allgemeines Aufbereitungsverfahren in die Homöopathie ein.
Verreibungsmengen
Wesentlich erscheinen die von H AHNEMANN verwendeten Verreibungsmengen von nur 62
mg Arznei und 6.2 g Laktose, entsprechend "1 Gran Arznei" und "100 Gran Milchzucker"
gemäß dem "Nürnberger Apothekergewicht". Die damit bewirkten Verreibungsintensitäten
sind für die H AHNEMANN sche Verreibung charakteristisch und lassen sich nicht mit größeren
Arzneimengen erzielen, da bei Verwendung maschineller Verreibungsgeräte, die größere
und flacher geformte Reibflächen aufweisen, eine geringere Verreibungsintensität erzielt
wird, wie P. B ARTHEL 1991 am Beispiel von Lycopodium zeigte 5. Es erscheint daher
fraglich, ob jene Arzneimittel, die gemäß HAB mit Verreibungsmengen der über
zehntausendfachen Angaben HAHNEMANNS hergestellt wurden 135, dieselbe
homöopathische Wirkkraft aufweisen, wie Arzneien, die den Angaben von Organon VI
entsprechen.
Reinigung der Verreibungsgeräte
H AHNEMANN legte großen Wert auf genaueste Reinigung der Verreibungsgeräte, bevor
diese erneut für eine Trituation verwendet werden. Er fand, daß Reibschale und Pistill hiefür
ausgekocht und erhitzt werden müssen, wie er gleichlautend in Chronischen Krankheiten
35, Reiner Arzneimittellehre 115 und Organon VI 92 beschrieb :
"Daßs nach Vollendung des dreistündigen Reibens jeder Arznei-Substanz, Reibschale,
Pistill und Spatel mehrmals mit kochendem Wasser ausgebrühet und zwischendurch wieder
ganz rein und trocken ab- und ausgewischt werden müssen, setze ich als unerläßslich
voraus, damit kein Gedanke an eine Verunreinigung einer andern, künftig darin zu
reibenden Arznei übrig bleibe. Will man die Fürsicht, daßs auch kein Gedanke an den
mindesten Rest der zuletzt darin geriebenen Arznei möglich bleibe, die so gereinigten
Reibeschale, Pistill und Spatel dann auch noch einer Hitze aussetzen, die dem Glühen
nahe kömmt..."
"Nach dieser Verrichtung wird die Reibschale nebst dem Pistill und dem porzellanenen
Spatel, nach trocknem Auswischen, dreimal mit kochendem Wasser abgespült...dann aber
über Kohlen allmählig bis zum Glühen erhitzt, damit diese Stücke zu jeder künftigen Arznei-
Verreibung wieder so tauglich werden, wie ganz neue."
"Mörser, Pistill und Spatel müssen wohl gereinigt sein, ehe die Bereitung einer andern
Arznei damit unternommen wird. Mit warmem Wasser wohl gewaschen und rein
abgetrocknet, werden Mörsel, Pistill und Spatel, dann nochmals eine halbe Stunde lang in17
einem mit Wasser gefüllten Kessel ausgekocht; man müßte denn etwa die Vorsicht so weit
treiben wollen, diese Werkzeuge auf Kohlen einer, bis zum Anfang des Glühens
gesteigerten Hitze auszusetzen."
5. C3-TRITURATION
H AHNEMANN wandte ab 1835 das Verfahren der C3-Trituration generell für alle Arzneistoffe
an. Dies ist aus den chronologisch geordneten Angaben seiner Werke und aus Organon VI,
seiner letzten Veröffentlichung, zu ersehen. Darin findet sich ausschließlich nur die
Trituration als homöopathisches Arzneiaufbereitungsverfahren angegeben (siehe Abbildung
2).
ABBILDUNG 2
Verreibung statt Lösung
Konsequenterweise empfahl H AHNEMANN , auch lösliche Verbindungen nicht durch
Lösungsbereitung, sondern durch C3-Trituration aufzubereiten. Dieses Vorgehen
begründete er mit der Beobachtung, daß verriebene Arzneien bessere homöopathische
Wirkungen hervorriefen, als dieselben Arzneimittel, wenn sie als Lösung potenziert wurden.
Er beschrieb dies detailliert für Jodum 28 und Sulfur 50, wobei die Wirkunterschiede klar
ersichtlich waren (siehe Teil 6). Daher bereitete H AHNEMANN auch wasserlösliche
Arzneistoffe, wie Ammonium carbonicum, Ammonium muriaticum, Kalium carbonicum,
Natrium carbonicum und Natrium muriaticum, nicht als Lösung, sondern als C3-Trituration
auf.
Wenngleich für derartige Wirkunterschiede bisher noch keine Studien existieren, so
existieren dennoch Hinweise dafür, daß durch die Trituration eine andere Arzneiqualität
geschaffen wird, als durch Lösungsbereitung. So zeigten G. R ESCH und V. G UTMANN 1986
anhand von Thermolumineszenzuntersuchungen und an Beispielen der metallurgischen
Technologie, daß eine intensive mechanische Homogenisation sowohl das physikalische,
als auch das chemische Verhalten der behandelten Stoffe verändern kann 145. Daher ist
zu vermuten, daß auch das homöopathische Wirkverhalten durch die Verreibung nachhaltig
beeinflußt wird.
Verreibung statt Urtinktur
Nachdem H AHNEMANN anfänglich Arzneien bis zur C12 trituriert hatte 107, ging er ab 1835
endgültig zur C3-Trituration über ("millionfache Pulververdünnung"), um danach die weitere
Potenzierung nach Auflösung mit Alkohol fortzusetzten. Diese Neuerung brachte
entscheidende Vorteile mit sich, indem die Verreibung eine arzneiliche Aufbereitung der
gesamten Inhaltsstoffe garantierte. Demgegenüber stellen Urtinkturen nur einen Auszug
äthanollöslicher Substanzen dar, in dem alle übrigen, unlöslichen Arzneistoffanteile
ungelöst bleiben und in der daraus hergestellten Arzneiherstellung fehlen.
Des weiteren führen während der Urtinkturenherstellung chemische Reaktionen zu
Veränderungen der Inhaltsstoffe. Denn in der Natur liegen die vielfältigen
Pflanzeninhaltsstoffe durch unterschiedliche Organstrukturen und Zellkompartmente
getrennt vor, während bei Zubereitung einer Urtinktur diese hochreagiblen Substanzen in
einer einzigen Flüssigkeitsphase vereinigt werden. Daraus ergeben sich sofort einsetzende,18
biochemische Reaktionen, die die Zusammensetzung der Urtinktur gegenüber der
Zusammensetzung der natürlichen Pflanze verändern. Aufgrunddessen stellen
Frischpflanzen,
bzw.
die
ihnen
in
der
Zusammensetzung
nahestehenden
Milchzuckerverreibungen 140 und Urtinkturen chemisch sehr unterschiedliche Arzneikörper
dar, was auch zu homöopathisch unterschiedlichem Wirkverhalten führen kann, wie
H AHNEMANN für Oleander, Thuja und Mezereum beschrieben hat 34. Er erwähnte dies auch
bei Opium 112 und Nux vomica 111:
"...wird daher entweder, wie bisher geschah, einen Gran fein gepülverten Mohnsaft mit 100
Tropfen Weingeist...zur Tinktur ausziehn und einen Tropfen davon mit andern 100 Tropfen
Weingeist zweimal schütteln und so zu höhern Kraft-Entwicklungen fortgehen, oder -
besser -
Es wird ein Gran ausgesucht guten Opiums, wie jede andre trockne Arznei-Substanz, erst
mit 3 Mal 100 Granen Milchzucker...zur Millionfachen Pulver-Verreibung gebracht..."
"Einfacher und fast noch wirksamer und gleichförmiger wird dieselbe Arznei, wenn man
einen Gran gepülverter Krähenaug-Samen, wie die andern trocknen Arznei-Substanzen, mit
dreimal 100 Granen Milchzucker bis zur millionfachen Pulver-Verdünnung reibt...."
Frischpflanzenverreibung
Ursprünglich verwendete H AHNEMANN die Verreibung nur für jene Arzneipflanzen, die nur
trocken erhältlich waren. Später gebrauchte er dieses Verfahren aber ebenso für pflanzliche
Preßsäfte und für frische Pflanzen. Dabei machte er die Erfahrung, daß verriebene
Pflanzensäfte durch Potenzierung mehr Arzneikraft entfalten, als jene, die aus Urtinkturen
hergestellt werden 34:
"Letztere (die frischen Säfte) scheinen dadurch mehr an Kraft-Entwicklung zu gewinnen,
wie die Erfahrung mich lehrt, als wenn sie als Saft nur bloß, ohne Reibe-Vorbereitung, mit
30 Gläsern Weingeist verdünnt und durch die jedesmaligen beiden Schüttel-Schläge
potenzirt worden sind."
In der Folge ging er dazu über, fast alle Pflanzen zu verreiben, wie aus Organon VI zu
ersehen ist. Es finden sich darin zwar auch noch die alten Angaben zur
Tinkturenherstellung aus Preßsaft wie in Organon V enhalten, aber die
Frischpflanzenverreibung wird eindeutig bevorzugt 95:
"Wenn der Arzt seine homöopathischen Arzneien selbst bereitet...so kann er...wenn er den
ausgepreßten Saft zum Behufe der Heilung nicht etwa nöthig hat, die frische Pflanze selbst
anwenden, indem er etwa ein Paar Gran davon in die Reibschale thut, um sie mit dreimal
100 Gran Milchzucker zur millionfachen Verreibung zu bringen..."
Erhaltung der Inhaltsstoffe
H AHNEMANN wies am Beispiel der Sarsaparilla darauf hin, daß äthanolische Tinkturen nicht
in der Lage sind, den gesamten Arzneistoff in Lösung zu bringen 48:
"Die mit Weingeist ausgezogenen Tinkturen aller trocknen Arznei-Substanzen enthalten,
wie die Erfahrung seit mehren Jahren mich überzeugt hat, nicht alle, nicht die ganzen
Arzneikräfte derselben."
Die Sinnhaftigkeit des daraufhin erfolgten Überganges zur Frischpflanzenverreibung wurde
durch die Untersuchungen von R. M ADAUS 1938 bestätigt. Dieser fand ebenso wie
H AHNEMANN , daß die Trituration von Frischpflanzen das schonendste und beste Verfahren
darstellt, um pflanzliche Inhaltsstoffe so vollständig und unzersetzt als möglich in einen
haltbaren, arzneilichen Zustand überzuführen. In übersichtlichen Vergleichsgraphiken19
wurden dabei die durch die Urtinkturenherstellung hervorgerufenen, teilweise gravierenden
Verluste an Inhaltsstoffen, deutlich erkennbar 140.
So enhalten Tinkturen nur die in Äthanol oder Wasser löslichen Bestandteile, während alle
übrigen Arzneistoffanteile als Rückstand verloren gehen. Dazu gehörend fast sämtliche, für
jeden Organismus hochcharakteristischen Eiweißstoffe und Enzyme, ferner 90% der Fette,
fetten Öle und fettlöslichen Vitamine, 80% Saponine, sowie praktisch 100% der Mucine,
Pectine, Wachse und Zellulose. Weiters enthalten zahlreiche Pflanzen kristalline
anorganische Einschlüsse, wie etwa Calciumcarbonat bei Symphytum und Calciumoxalat
bei Stramonium und Hyoscyamus, die ebenso ungelöst bleiben und in der Urtinktur fehlen.
Frischpflanzenverreibungen hingegen enthalten sämtliche Inhaltsstoffe beinahe zu 100%
.
Aber auch für nichtpflanzliche Arzneirohstoffe gilt die Trituration mit Lactose als Verfahren,
um die gesamten Inhaltsstoffe zur arzneilichen Verwendung zu bringen. Beispiele hiefür
sind die Aufbereitung von Ambra, Sulfur und auch Petroleum (vgl. Teil 6).
Gesicherte Haltbarkeit
Bezüglich der Haltbarkeit unterschiedlich aufgearbeiteten Arzneimittel liefern die Vergleiche
von R. M ADAUS ebenfalls wertvolle Hinweise. So ergaben Untersuchungen von
Enzymaktivitäten und einfache Wirksamkeitsvergleiche an Mensch und Tier, daß
verriebene Frischpflanzen bessere Haltbarkeitswerte zeigen, als nach Zubereitung als
äthanolische Tinkturen. Ferner unterliegen alle gelagerten Urtinkturen biochemischen
Abbauvorgängen durch Licht, Oxidation und Wärmeeinfluß, ohne daß diese
Veränderungen analytisch klar kontrollierbar sind (siehe oben). R. M ADAUS berichtete in
diesem Zusammenhang, daß wesentliche Inhaltsstoffe von Pulsatilla (Anemonine,
Anemonen-Kampfer) in einer zwei Jahre gelagerten Urtinktur nur noch schwach
nachweisbar waren. An Mezereum wurde ferner nachgewiesen, daß die Anemonine dieser
Pflanze nicht alkohollöslich, sondern ätherlöslich sind, woraus ersichtlich wird, daß diese in
der Urtinktur ungelöst bleiben 140.
Derartige Unsicherheiten sind für die nach C3-Trituration gewonnenen Dilutionspotenzen
nicht zu befürchten, da diese, nachdem zuvor praktisch alle Inhaltsstoffe zur
Arzneiherstellung genutzt wurden, in den höheren Potenzbereichen keinen Zersetzungen
unterliegen. Auch sind bei der Verreibung von Frischpflanzen auf Grund des in den
Pflanzen enthaltenen Wassergehaltes keine nennenswerten Oxidationsvorgänge zu
befürchten, wie die Möglichkeit der unzersetzten Verreibung von weißem Phosphor mit
feuchtem Milchzucker zeigt 36, 155.
« Last Edit: July 10, 2018, 04:37:22 PM by Thymian »
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Demnächst sind übrigens wieder Wahlen...

Mikroplastik, des Wahnsinns fette Beute: Mikroplastik wird über Luft transportiert

http://www.transgallaxys.com/~kanzlerzwo/index.php?topic=11033.0

Thymian

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Re: SERVIERT: DELLMOUR SERVIERT SICH SELBST
« Reply #1 on: July 10, 2018, 03:58:08 PM »

HAHNEMANN war sich der besseren Haltbarkeit der nach C3 Trituration flüssig potenzierten
Arzneien ebenfalls bewußt, als er 1835 schrieb 34:
"...die Chinarinde, die Ipekakuanhe...werden durch die gleiche Art von Reiben zubereitet,
lösen sich nun, in einer millionfachen Potenzirung [C3] nicht weniger in ihrer
eigenthümlichen Kraft, in Wasser und Alkohol völlig auf und lassen sich dann als weit
haltbarere Arzneien aufbewahren, als die leicht verderblichen geistigen Tinkturen."
Generelle Verreibung zur C3 ?
Um die grundsätzliche Fragestellung zu klären, ob und mit welcher Konsequenz
H AHNEMANN die generelle Verreibung zur C3 für alle Arzneimittel empfohlen hat, muß
nochmals auf die Bedeutung der Chronologie der Literatur H AHNEMANN s hingewiesen
werden. Aufgrund der vielen Auflagen und Bände überlagern sich die Erscheinungsjahre
der Publikationen mehrfach, sodaß ein Verständnis der Aussagen H AHNEMANN s nur nach20
chronologischer Reihung seiner Schriften erfaßbar ist. Dies gilt sowohl für die Potenzierung,
als auch für die Arzneiaufbereitung.
Anhand dieser Vorgangsweise ist eindeutig zu erkennen, daß H AHNEMANN für alle
Arzneimittel, mit Ausnahme aggressiver Säuren und sehr hygroskopischer Salze, die C3-
Verreibung als besten Potenzierungsbeginn gefunden hatte. So gab er in Reiner
Arzneimittellehre und Chronische Krankheiten die C3-Trituration namentlich für folgende
Arzneimittel an:
Acidum phosphoricum, Agaricus, Alumina, Ambra, Ammonium carbonicum, Ammonium
muriaticum, Anacardium, Antimonium crudum, Antimonium metallicum, Argentum
metallicum, Arsenicum album, Aurum, Barium carbonicum, Bismuthum, Calcium
carbonicum, Carbo animalis, Carbo vegetabilis, China, Colocynthis, Conium, Cuprum,
Digitalis, Euphorbium, Ferrum, Guajacum, Graphites, Hepar sulfuris, Ignatia, Ipecacuanha,
Jodum, Kalium carbonicum, Kalium nitricum, Lycopodium, Magnesium carbonicum,
Manganum carbonicum, Mercurius vivus, Mezereum, Moschus, Natrium carbonicum,
Natrium muriaticum, Nux vomica, Oleander, Opium, Petroleum, Phosphor, Platinum,
Rheum, Sarsaparilla, Sepia, Silicea, Stannum, Sulfur, Thuja und Zincum metallicum.
Dabei zeigen besonders die Triturationsvorschriften für Preßsäfte, Frischpflanzen,
metallisches Quecksilber, weißen Phosphor und Petroleum, welche er "wie die übrigen
trockenen Arzneistoffe" 49, 112, 111 zu verreiben empfahl, daß H AHNEMANN aufgrund
seiner vergleichenden Beobachtungen die C3-Trituration wirklich für alle Arzneimittel
angegeben hatte. Die Endgültigkeit dieser historischen Entwicklung, die sich auch
wissenschaftlich nachvollziehen läßt, ist aus Organon VI ersichtlich.
5. ABÄNDERUNGEN DER ARZNEIHERSTELLUNG
Die Optimierung der Arzneiaufbereitung durch C3-Trituration stellt ebenso wie die
Entwicklung der LM-Potenzierung das ausgereifte Ergebnis H AHNEMANN s 52-jähriger
homöopathischer Forschungstätigkeit dar. Wobei unumstritten ist, daß die in Organon VI
gegenüber früheren Organonausgaben enthaltenen Abänderungen der Arzneiherstellungs-
und Anwendungsangaben zu den bedeutenden Errungenschaften der Homöopathie
zählen.
Dennoch kam es später zu vielfältigen Abänderungen der Herstellungsvorschriften, sodaß
die heutige Pharmazie in einigen Fällen durchaus andere Arzneien anfertigt, als in den
Arzneimittellehren beschrieben sind. Es betrifft dies die Bereiche "Identität arzneilicher
Rohstoffe", "Verwendete Arzneistoffanteile", "Tinkturen löslicher Rohstoffe" und "Tinkturen
unlöslicher Rohstoffe".
Identität der Arzneirohstoffe
Das Simileprinzip kann zur verläßlichen homöopathischen Arzneiwahl nur dann
herangezogen werden, wenn das geprüfte, in der Arzneimittellehre beschriebene
Arzneimittel und die dem Kranken verabreichte Arznei weitestgehend übereinstimmen.
H AHNEMANN hat Schwierigkeiten dieses Themenbereiches bereits 1796 angesprochen,
indem er auf die arzneilichen Unterschiede verschiedener Pflanzenarten hinwies 125:
"Vielleicht erlaubt aber die botanische Verwandtschaft einen sichern Schluß auf die
Aehnlichkeit der Wirkung ? Sie erlaubt ihn eben so wenig, als es viele Ausnahmen von
entgegengesetzten, oder doch sehr abweichenden Kräften in ein und derselben
Pflanzenfamilie und in den meisten derselben giebt. "21
"Um so bedenklicher wird der Schluß auf Wirkungsähnlichkeit zwischen Arten einer
Gattung, da sogar eine und dieselbe Art, eine und dieselbe Pflanze, in ihren verschiedenen
Theilen zuweilen sehr abweichende Arzneikräfte zeigt."
"...so drängt mich doch meine Ueberzeugung, zu warnen, daß, wenn es auch noch so viel
Geschlechter gäbe, deren Arten große Aehnlichkeit in ihren Wirkungen mit einander
gemein hätten, uns die kleinere Zahl der sehr ungleich wirkenden doch sehr mißtrauisch
gegen diese Art zu schließen machen müsse, da es hier keinem Fabrikversuche, sondern
der wichtigsten und schwierigsten Angelegenheit des Menschen, der Gesundheit, gilt."
Auch im "Apothekerlexikon" findet sich eine klare Aussage über die Unverwechselbarkeit
jedes "Krautes" und eine Warnung vor den Gefahren ungewisser Substitution 24:
"Wir haben Jahrhunderte über zu tun, um die Natur eines einzigen Krautes genau zu
erforschen, und nicht nötig, uns diese mühsame schwierige Erforschung der Wahrheit
durch Substituieren noch mehr zu verdunkeln.
Es ist nur allzu gewiß, daß zwei verschiedene Pflanzen auch abweichende Arzneikräfte
besitzen."
Dennoch ergaben sich in der Geschichte der homöopathischen Pharmazie einige
Abweichungen von den Arzneiangaben H AHNEMANN s, bzw. ist es in Einzelfällen nicht
möglich, die genaue Identität der von H AHNEMANN und späteren Homöopathen verwendeten
Arzneistoffe zweifelsfrei festzustellen. Beispiele dafür sind Bryonia, Rhus, Murex und Hekla
lava.
B r y o n i a
Eine Darstellung der homöopathischen Problematik von Bryonia alba und Bryonia dioica
findet sich bei U. S CHOBER 1991 147. Am ausführlichsten berichtet jedoch P. B ARTHEL
1992 in "Aufstieg und Fall der Bryonia alba" über den Hergang dieser Mittelverwechslung,
woraus im folgenden zitiert wird 2.
H AHNEMANN veröffentlichte 1816 eine erste Arzneimittelprüfung über Bryonia alba 100,
einer Bryonia-Art mit schwarzen Beeren. Auch die weiteren Prüfungen, die in der 2. und 3.
Auflage der Reinen Arzneimittellehre das Arzneimittelbild vergrößerten, wurden mit dieser
Pflanze durchgeführt 108, 118, ebenso wie die Arzneimittellehren, Pharmakopoen und
Werke von A. V . H ALLER , C.E. G RUNER , J. B UCHNER , A LTSCHUL , A. V . G ERHARD , F.
H ARTMANN , C. H EINIGKE , J. L EMBKE und L. D EVENTER ausschließlich über diese Art
berichten. Auch W. S CHWABE führt in seiner "Pharmacopoea homoeopathica polyglotta"
1872, wie auch in den folgenden Ausgaben von 1879, 1880 150, und 1893 nur Bryonia
alba an.
1901 gibt W. S CHWABE plötzlich und ohne Begründung die rotbeerige Bryonia dioica als
gleichwertig mit Bryonia alba an, ohne einen Beweis für diese Behauptung zu liefern 152.
J.H. C LARKE weist in seinem "Dictionary of the Practical Materia medica" auf diese
Mittelverwechslung hin 10:
"Bryonia alba is one of the polychrest remedies of the homoeopathic materia medica. The
common Bryonia of this country is the Bryonia dioica, which has been substituted for the B.
alba, and has probably idential properties; but the Alba alone has been proved, and
consequently this should always be dispensed."
Von Bryonia dioica existieren allerdings nur zwei Arzneimittelprüfungen in kaum
verwertbarem Ausmaß. So veröffentlichte J. V . Z LATAROVICH 1847 eine umfangreiche
Prüfung samt letalen Tierversuchsergebnissen über Bryonia alba 160, wobei 4 weitere22
Probanden auch Bryonia dioica in der Urtinktur, bzw. bis zum 203. Potenzgrad einnahmen.
Dabei wurden jedoch für Bryonia dioica kaum aussagekräftige Symptome gefunden; ein
Prüfer verzeichnete "starke Winde", drei andere Prüfer "keine Wirkungen" oder "ohne
merklichen Erfolg" 2.
Die vergleichende Arzneimittelprüfung von E. U NSELD 1951 in der Potenz D3, gefolgt von
der Urtinktur, führte ebenso zu nur wenig brauchbaren Symptomen für Bryonia dioica,
obwohl der Autor in der Zusammenfassung schreibt, daß zwischen beiden Bryoniaarten
kein Wirkunterschied zu beobachten war. Studiert man aber die Prüfprotokolle, so fällt
sofort auf, daß bei jeweils 14 Prüfern die Ergebnisse für Bryonia alba mehr als doppelt so
umfangreich waren als für Bryonia dioica. Zudem sind für Bryonia alba die Symptome
ausführlicher beschrieben, während unter Bryonia dioica Eintragungen wie "nach
Einnehmen von Tinktur während 10 Tagen gar nichts bemerkt" und "D3 war nach 8 Tagen
Einnehmens ganz ohne Wirkung" zu finden sind 157.
Dennoch wurden in den folgenden Pharmakopoen Bryonia alba und Bryonia diocia als
gleichwertig unter dem Gattungsnamen "Bryonia" zusammengefaßt, während im heutigen
Homöopathischen Arzneibuch Bryonia alba überhaupt nicht mehr aufscheint. Statt dessen
wird Bryonia dioica vorgeschrieben, die unter dem Namen "Bryonia" verkauft wird 136.
R h u s
H AHNEMANN gibt in der Reinen Arzneimittellehre unter "Wurzel-Sumach" irrtümlich die
Namen zweier Pflanzenarten "Rhus radicans oder auch toxicodendron genannt" synonym
an 117, was verwundert, da er im Apothekerlexikon zehn verschiedene Rhus-Arten
unterscheidet 25. Nach S. F URLENMEIER 1992 ist aber eine Gleichsetzung von Rhus
radicans und Rhus toxicodendron botanisch nicht vertretbar, da es sich um
grundverschiedene Pflanzenarten handelt 17. Toxicodendron radicans (=Rhus radicans) ist
eine lianenartige Kletterpflanze, die auf Grund ihrer von den unteren Zweigen abwärts
rankenden Haftwurzeln "Wurzelsumach" genannt wurde; Toxicodendron quercifolium
(=Rhus toxicodendron) hingegen ist ein knapp mannshoher Strauch, der als "Giftsumach"
bezeichnet wird.
Aufgrund dieser unklaren Angabe verwundert es nicht, daß in der homöopathischen
Folgeliteratur beide Rhus-Arten ebenfalls synonym zitiert und verwechselt werden, wie bei
G.H.G. J AHR und J. M EZGER , der Rhus radicans als "kletternde Form" von Rhus
toxicodendron beschreibt, was nicht zutreffend ist 142. Auch ist J. M EZGER s Ansicht, es
bestehe kein Unterschied in der physiologischen Wirkung beider "Formen", nicht
dokumentiert und wird durch ein Zitat bei R. M ADAUS widerlegt 141. Die Situation wird durch
das alte HAB von 1958 weiter kompliziert, indem darin zwar die drei Arten Rhus glabra,
Rhus toxicodendron und Rhus venenata enthalten sind - nicht aber Rhus radicans ! Und da
für "Rhus" im heutigen HAB noch keine Monographie vorhanden ist, haben diese Angaben
immer noch Gültigkeit.
Aufgrunddessen nimmt S. F URLENMEIER an, daß anstatt von Rhus radicans nun die Art
Rhus toxicodendron in die Homöopathieliteratur Eingang gefunden hat 17:
"Allmählich war dann anstelle von Rhus radicans ausschließlich - wie im HAB - von Rhus
toxicodendron die Rede und wurden die Arzneimittel vermutlich nur noch daraus bereitet,
umso mehr als diese Art in Deutschland häufig in Parkanlagen als Zierstrauch kultiviert wird
und damit leicht erreichbar ist".
Gemeinsam ist beiden Rhus-Arten allerdings das "Rhus-Gift" Urushiol, das vor allem im
Milchsaft der Pflanzen enthalten ist. Daher ist zu hoffen, daß dieser biochemisch und
toxikologisch so auffällige Inhaltsstoff für beide Arten Ähnlichkeiten im Arzneimittelbild
erwarten läßt. Dies ist aber durch nichts gesichert, weshalb S. F URLENMEIER auf Grund der
unklaren Ausgangsstoffe praxisbezogene Konsequenzen befürchtet:
"Möglicherweise beruhen die früher als zu heftig beschriebenen Reaktionen und die
heutzutage oft als zu schwach beklagten Heilwirkungen nach gut gewählten Rhus-Gaben23
auf dieser Problematik der unsicheren Prüfungssubstanzen und des heute verwendeten
Ausgangsmaterials für das homöopathische Arzneimittel."
M u r e x
Wenngleich "Murex" nicht von H AHNEMANN , sondern 1841 durch A. P ÉTROZ in die
Homöopathie eingeführt wurde, so bietet auch diese Arznei ein Beispiel für Unsicherheiten,
die durch unklar definierter Arzneirohstoffe auftreten können. Denn nach U. S CHOBER 1992
stellen "Murex" und "Purpura" seit alters her nur ungenaue Bezeichnungen für
unterschiedliche Purpurschneckenarten dar 148. Dabei ist aus der homöopathischen
Literatur weiters nicht ersichtlich, ob das frische oder getrocknete Purpursekret, die ganze
Purpurdrüse oder die gesamte zerquetschte Schnecke mit oder ohne Kalkgehäuse zur
Potenzierung gebracht wurden.
Um klare Herstellungsvorschriften zu verfassen, kam es daher nachträglich zur Definition
von Zubereitungen, die Eindeutigkeit vortäuschen, wo zuvor Mehrdeutigkeit bestand. U.
S CHOBER empfiehlt für derartige Mittel deshalb generell die Kennzeichnung "unsicher
überliefert", um falschen therapeutischen Erwartungen vorzubeugen und auf die
Notwendigkeit neuer Arzneimittelprüfungen aufmerksam zu machen.
H e k l a l a v a
Für "Hekla lava" existieren ähnliche Schwierigkeiten, da die im Gebiet des isländischen
Vulkanes Hekla vorkommenden Lava-Arten in ihren mineralogischen und chemischen
Zusammensetzungen sehr differieren. Da dies vor allem den für die homöopathische
Arzneiwirkung maßgeblichen Fluoridgehalt betrifft, ist nach B. G UDJONS 1993 der
Arzneirohstoff für Hekla lava bisher nicht ausreichend definiert 19.
Verwendete Arzneirohstoffanteile
Die Frage, welche Teile der Arzneirohstoffe zur Herstellung der homöopathischen Arznei
herangezogen werden, ist von grundlegender Bedeutung, da die Verwendung
verschiedener Arzneistoffanteile zu unterschiedlichen Ausgangsstoffen führen kann. Dies
ist besonders bei pflanzlichen Arzneien zu beachten, indem dabei die ganze Pflanze frisch
oder getrocknet, mit oder ohne Wurzelstock, zur Blüte, Fruchtreife oder einem anderen
Erntezeitpunkt, ebenso wie die Wurzel oder Teile der Wurzel, Blätter, Blüten, Früchte,
Samen, Zweigteile oder die Rinde verwendet werden können, um einige Möglichkeiten zu
nennen. Derart unterschiedliche Ausgangsstoffe lassen jedoch unterschiedliche Wirkungen
erwarten, was auch H AHNEMANN bekannt war 125:
"Um so bedenklicher wird der Schluß auf Wirkungsähnlichkeit ... da sogar ... dieselbe
Pflanze, in ihren verschiedenen Theilen zuweilen sehr abweichende Arzneikräfte zeigt."
Dennoch werden zur heutigen Arzneiherstellung auch Arzneistoffanteile verwendet, die mit
den von H AHNEMANN verwendeten Arzneistoffen nicht oder nur teilweise übereinstimmen,
wie etwa bei Arnica, Anacardium und Petroleum.
A r n i c a
H AHNEMANN beschreibt in der Reinen Arzneimittellehre, daß am besten die frische, ganze
Pflanze anzuwenden sei 114:
"Am beßsten ists, wenn auch diese Arznei...wo man die Pflanze grün haben kann, der
frisch ausgepreßte Saft aus der, ihrer Blühe-Zeit nahen, ganzen Pflanze, mit gleichen
Theilen Weingeist gemischt wird, wovon zwei Tropfen der durch Stehen abgehelleten
Flüssigkeit, erst mit 98 Tropfen Weingeist durch zwei Schüttel-Schläge verdünnt und
potenzirt werden und dann ferner...bis zur decillionfachen Kraft-Entwicklung erhoben wird."24
Allerdings räumt H AHNEMANN auch ein, die Wurzel anzuwenden, wenn die Pflanze nicht
verfügbar ist, da das daraus durch schonende Trocknung bereitete Pulver jahrelang haltbar
ist:
"Wo man aber die Pflanze nicht grün haben kann, mußs man sich mit der Tinktur, aus 10
Gran feingepülverter, möglichst frischer Wurzel, mit 1000 Tropfen Weingeist binnen einer
Woche, unter täglich einmaligem Umschütteln, ausgezogen, behelfen..."
"Doch läßst sich das frisch bereitete Pulver, schnell und völlig im Wasserbade getrocknet, in
wohlverstopften Gläsern mehrere Jahre in fast voller Kraft aufbewahren."
Aus diesen Vorschriften wird ersichtlich, daß H AHNEMANN eindeutig die frische Pflanze
bevorzugte und die Wurzel nur als Alternative anführte. Das heutige HAB schreibt jedoch
generell die "getrocknete Wurzel" vor, welche nach H AHNEMANN nicht den bestmöglichen
Ausgangsstoff darstellt 135.
A n a c a r d i u m
H AHNEMANN benutzte zur Herstellung der homöopathischen Arznei "Anacardium" die
Fruchtschale der Anakardiennuß, einer Zellgewebsschicht, die den Samenkern umgibt.
Diese Fruchtschale mit dem darin in sogenannten "Cardollücken" enthaltenen, "dicken,
schwärzlichen Saft", hat wegen ihrer färbenden und beizenden Eigenschaften zur
Namensgebung "Ink tree", "Marking tree", bzw. "Ink nut", "Marking Nut", geführt, da diese
zum "Merken", d.h. zum Markieren von Stoffen, aber auch zum Wegbeizen von
Muttermalen, verwendet wurde.
Von kraftvollen medizinischen Heilkräften berichteten bereits die historischen Quellen
S ERAPIO , A BEN M ESUAI , A LCHALAHAMEN , B EDIGORAS und A BUGERIG , die den "Anakardien-
Saft" bei Störungen der Sinneswahrnehmung und des Gedächtnisses, sowie bei
Lähmungen und Aussatz verwendeten und zu vorsichtigem Gebrauch rieten, da sich die
Arznei als schädlich für Jugendliche und Gallenleidende erwiesen hatte 42. Daraus geht
hervor, daß die seit Jahrhunderten in medizinischem Gebrauch stehende Fruchtschale von
Anacardium ausgeprägte pharmakologische Eigenschaften aufweist. Dies ist auch der
modernen pharmazeutischen Literatur wie L. R OTH und M. D AUNDERER 1984 und H AGER s
Handbuch zu entnehmen, worin über die Hauptwirkstoffe von Anacardium berichtet wird 22:
"In der sehr festen, etwa 2 mm dicken Fruchtwand befinden sich große Höhlen, sog.
Cardollücken, die mit einem schwarzglänzenden, scharfen, ätzenden Balsam, der nach der
Reife zu einer schwarzen Masse eintrocknet, gefüllt sind.
Inhaltsstoffe: Im aus der Fruchtschale stammenden Balsam Anacardol C18H30O, Urushiol,
Phenolcarbonsäuren, Brenzcatechin, Anacardiasäure, Chuchnarin (ein dem Strychnin
ähnliches Alkaloid)...
Wirkung: Die Anacardiasäure zeigt anthelmintische Eigenschaften...ein wäßriger Extrakt
zeigt antiinflammatorische Eigenschaften...nach dem Gebrauch von Anacardium wurden
schwere Hauterkrankungen beschrieben. Die durch Anacardium erzeugten Dermatiden
gleichen Verbrennungen 2.Grades.
Anwendung: Der Balsam, "Cardolum pruriens", als blasenziehendes Mittel sowie gegen
Warzen und Hühneraugen...In der Volksmedizin...das Öl äußerlich bei Rheuma und Lepra.
Technisch zur Herstellung von Firnis, Stempelfarben und Tinten. In Indien als schwarzer
Farbstoff in der Baumwollfärberei..."
Auf Grund der vielfältigen Wirkungen der Inhaltsstoffe der Fruchtschale erscheint es als
bedeutsam, daß H AHNEMANN diese Substanz prüfte und in die homöopathische Materia
medica aufnahm 42:25
"Die Frucht...Avicennia tomentosa, semecarpus Anacardium enthält zwischen der äußsern,
schwarzglänzenden, herzförmigen, harten Schale und dem mit einem dünnen
braunröthlichen Häutchen bekleideten, süßsen Kerne, in einem Zell-Gewebe einen
dicklichen schwärzlichten Saft, womit die Indianer ihre Wäsche unauslöschlich bezeichnen,
und von einer Schärfe, daßs Muttermäler damit weggebeizt werden können. Selten
bekommen wir diese Früchte noch so frisch, daßs dieser Saft noch etwas flüssig, von
Honig-Weiche darin befindlich wäre; gewöhnlich ist er trocken. Von diesem wird zur
homöopathischen Arznei-Bereitung ein Gran genommen und wie ander trockne Gewächs-
Stoffe durch dreistündiges Reiben mit dreimal 100 Gran Milchzucker zur millionfachen
Pulver-Verdünnung gebracht und von da weiter durch Auflösen, Verdünnen und Schütteln
dessen Arzneikraft entwickelt und potenzirt."
J.H. C LARKE folgte genau diesen Anweisungen 10:
"Semecarpus anacardium. Marking Nut. N.O. Anacardiaceae (East Indies). Preparation:
layer of nut between shell and kernel triturated."
"Semecarpus anacardium. Merknuß. Malakka Nuß. N.S. Anacardiaceae (Ostindien).
Präparation: Die Schicht zwischen Schale und Kern wird trituriert."
Auch das Amerikanische Homöopathische Arzneibuch HPUS 64 22 und das Indische
Homöopathische Arzneibuch HPI schreiben den harzigen Saft der Fruchtschale zur
Arzneiherstellung vor 133:
"It is a blackish brown, heart shaped nut, with a some-what reddish tinge, containing a
corrosive resinous juice in cells, between the hard outer shell and the sweet kernel. The
juice is at first of a light colour, of the consistency of honey, becoming blackish brown on
drying......Part used: The resinous juice of the seed."
Eine nachträgliche Abänderung erfolgte durch W. S CHWABE . Dieser gibt in den ersten vier
Auflagen der "Pharmacopoea homoeopathica polyglottica" 1872-1898 ebenfalls "das in den
Früchten befindliche weiche Harz" zur Verreibung an und weicht nur insoferne von
H AHNEMANN ab, als er auch eine Urtinkturenherstellung beschreibt 149-151. In der Ausgabe
W. S CHWABE 1901 erfolgen aber grundlegende Änderungen, indem das "schwärzliche
Harz" zwar noch erwähnt wird, paradoxerweise aber die ganzen Früchte zur
Arzneiherstellung
verwendet
werden,
unter
gleichzeitiger
Eliminierung
der
Verreibungsvorschrift 152:
"Die reifen Früchte werden nach Vorschrift 4 zur Herstellung einer Tinktur benutzt."
Auch im heutigen HAB ist diese abgeänderte Herstellungsvorschrift enthalten, wobei die
von H AHNEMANN als alleinige Arzneiaufbereitungsmethode genannte C3-Trituration nicht
mehr genannt wird 136:
"Verwendet werden die reifen, getrockneten Früchte von Semecarpus anacardium L.
Herstellung: Urtinktur aus der zerstoßenen Droge (2000) und flüssige Verdünnungen nach
Vorschrift 4a mit 86% Äthanol, die 4. Decimalverdünnung mit 62% Äthanol und die
folgenden Decimalverdünnungen mit 43% Äthanol."
Es erfolgte dadurch bei Anacardium eine nachträgliche Abänderung der von H AHNEMANN ,
C LARKE , dem Amerikanischen HAB, dem Indischen HAB und anfänglich auch von S CHWABE
verwendeten Arznei. Dabei wurde nicht berücksichtigt, daß die Fruchtschaleninhaltsstoffe
der Cardollücken in der Gesamtfrucht nur in geringer Konzentration enthalten sind.
Unverständlich erscheint ferner, daß im Gegensatz zur modernen pharmazeutischen
Literatur und zu den Arzneibeschreibungen der früheren Pharmakopoen, die Existenz der
Anacardium-Fruchschale im heutigen Homöopathischen Arzneibuch nicht aufscheint 136.26
P e t r o l e u m
Petroleum ist von H AHNEMANN in den Arzneischatz der Homöopathie aufgenommen
worden, wobei unklar ist, um welche Art von Petroleum es sich gehandelt hat. Dies ist aber
für die homöopathische Arzneiherstellung von Bedeutung, da Petroleum keine konstante
Zusammensetzung aufweist 8, 18:
Erdöl, Petroleum, Steinöl, Oleum petrae, Bergöl oder Naphtha stellt ein komplexes Gemisch
verschiedenster Kohlenwasserstoffe dar, die vorwiegend drei organischen Substanzklassen
angehören: Paraffine (Alkane, geradkettige Kohlenwasserstoffe), Naphthene (cyclische
Kohlenwasserstoffe, v.a. Cyclopentan und Cyclohexan) und Aromaten (ungesättigte
cyclische Kohlenwasserstoffe, v.a. Benzol, Toluol, Xylol). Je nach Herkunftsland
überwiegen einzelne dieser Verbindungen, wobei z.B. pennsylvanisches Erdöl
hauptsächlich aus Paraffinen besteht, sowjetisches und rumänisches Naphtha bis zu 80%
cyclische Kohlenwasserstoffe enthält und indonesische Erdöle bis zu 40% aromatische
Bestandteile aufweisen. Davon abgesehen schwankt der Gehalt an organisch gebundenem
Schwefel zwischen 0.1-10% und es können geringe Mengen stickstoffhältiger Basen, wie
Pyridin- und Chinolinderivate, ebenso in unterschiedlicher Konzentration, darin enthalten
sein. Daher kann das Aussehen von Petroleum von hellgelb bis fast schwarz variieren.
Dementsprechend kann die Dichte des Erdöls zwischen 0.65-1.02 g/ml betragen und der
Siedebereich der wichtigsten Inhaltsstoffe liegt bei 50-350°C. Petroleum ist in Wasser und
Alkohol schwer löslich.
Wenngleich die Zusammensetzung des von H AHNEMANN verwendeten Petroleums nicht
ermittelt werden kann, so geht aus seinen Angaben eindeutig hervor, daß er ausschließlich
rohes Petroleum benutzt hat. Denn er beschreibt in seiner Übersetzung von VAN S ANDE
1787 146, im Apothekerlexikon 25 und in den Chronischen Krankheiten 29, 46 stets nur das
rohe Erdöl, welches in "Parma, Piacenza, Modena, Frankreich, Schweiz, Schottland,
Persien, Sumatra, Baldsbronn in Lothringen aus der Erde, zwischen Steinritzen hervor und
aus Thonschiefern quillt" und zum arzneilichen Gebrauch "sehr dünnflüssig und hellgelb
von Farbe seyn" muß 46. H AHNEMANN nennt damit das rohe Petroleum als Ausgangsstoff
und spricht kein Wort von Destillation oder Rektifikation.
In der homöopathischen Folgeliteratur geben T.F. A LLEN ("The crude Rangoon oil, thin and
light yellow, is to be used") 1 und auch W. S CHWABE 1872-1934 das rohe Petroleum als
Ausgangssubstanz an. Spätere Apotheker und Homöopathen gingen jedoch dazu über,
rektifiziertes Petroleum zu verwenden, welches nur mehr einen Teil der Inhaltsstoffe des
rohen Petroleums enthält. So erstmals M. M ARGGRAF 1864 ("rektificiertes persisches
Steinöl") 18 und J.H. C LARKE , der ohne Angabe des Siedebereiches "Trituration and
tincture of the rectified oil", aber auch "Preparations of the non-rectified oil should also be
made" anführte und bezüglich der Rektifizierung fälschlich H AHNEMANN zitierte 10.
Diese nachträgliche Abänderungen ist auch im heutigen HAB zu finden, worin die Lösung
von rektifiziertem Petroleum vorgeschrieben wird. Dabei wurde aber nicht nur der
arzneiliche Rohstoff in grundlegender Weise verändert, sondern auch dessen Aufbereitung.
Denn H AHNEMANN hatte für Petroleum ausschließlich die C3-Trituration angegeben 46:
"Zur ersten Verreibung mit 100 Gran Milchzucker wird, statt eines Grans, ein Tropfen Bergöl
genommen."
Davon abweichend führte W. S CHWABE 1872-1901 die Verreibung zwar noch als primäre
Arzneiaufbereitung an, empfahl aber auch eine "weingeistige Lösung", obwohl Petroleum
mit 1-1.5% in Äthanol kaum löslich ist. 150. In W. S CHWABE 1924 scheint jedoch plötzlich
die Lösung in 90% Weingeist als einzige Herstellungsvorschrift auf, unter fälschlicher
Berufung auf H AHNEMANN . Davon ausgehend sind diese Abänderungen auch im heutigen
HAB zu finden 136:27
"Verwendet wird zwischen 180 und 220°C siedendes Petroleum, das durch Rektifizierung
von Erdöl gewonnen wird. Herstellung: Lösung (D2) nach Vorschrift 5a mit 86% Äthanol;
die 3. Decimalverdünnung wird mit 86% Äthanol, die 4. Decimalverdünnung mit 62%
Äthanol und die folgenden Verdünnungen werden mit 43% Äthanol hergestellt."
Damit schreibt das HAB sowohl einen anderen Rohstoff, als auch eine andere
Arzneiaufbereitung vor, da Petroleum rectificatum mit H AHNEMANN s Petroleum nur wenig
gemein hat. Denn rohes Petroleum enthält im weiten Siedebereich von 50-350°C eine fast
unübersehbare Vielfalt unterschiedlicher Kohlenwasserstoffe mit C-Kettenlängen von ca.
C6 - C20 . Demgegenüber finden sich aber im engen Siedebereich von 180-220°C nach A.
E CKER 1993 fast ausschließlich C11 und C12 - Fraktionen enthalten, was bedeutet, daß
das Rektifikat nur einen Bruchteil der Inhaltsstoffe des rohen Stoffes aufweist.
Dabei wurde nicht berücksichtigt, daß gerade die tiefsiedenden Petroleumanteile, die bei
der Rektifizierung verloren gehen, charakteristische chemische und toxikologische
Eigenschaften aufweisen. Hingegen stellt die 180-220°C-Fraktion einen chemisch
wesentlich substanzärmeren und reaktionsträgeren, sowie toxikologisch weitaus
unauffälligeren Rohstoff dar, dessen Eigenschaften mit denen von rohem Petroleum kaum
vergleichbar sind. Deshalb muß angezweifelt werden, ob Petroleum rectificatum dem
homöopathischen Wirkvermögen der bei H AHNEMANN und T.F. A LLEN beschriebenen Arznei
"Petroleum" entspricht.
Tinkturen löslicher Rohstoffe
Obwohl H AHNEMANN auf Grund seiner praktischen Erfahrungen die C3-Trituration als bestes
Aufbereitungsverfahren für alle Arzneirohstoffe empfohlen hatte, schreibt das HAB für
lösliche Arzneirohstoffe die Aufbereitung als Lösung vor. Dabei bleibt allerdings
unberücksichtigt, daß verriebene Arzneien eine kräftigere homöopathische Wirkung
entfalten können, wie H AHNEMANN am Beispiel von Jodum feststellte 28:
"...nimmt man einen Gran...und bringt ihn...durch dreistündiges Reiben mit dreimal 100
Granen Milchzucker zur potenzirten millionfachen Pulver-Verdünnung, löst einen Gran
davon in 100 Tropfen gewässertem Weingeiste auf, schüttelt die Auflösung...weiter bis
zu...Decillion [C30]......da die Jode unter dieser Zubereitung weit mehr in ihrer dynamischen
Wirkungs-Fähigkeit entwickelt wird, als in der Zubereitung, der ich mich anfangs bediente.
Ich löste nämlich einen Gran Jode-Blättchen in 100 Tropfen Weingeiste auf.......Indessen ist
jene...nach obiger Anleitung verfertigte Zubereitung vorzuziehen, da ihre Kräfte weit
vollständiger entwickelt sind."
Dennoch sieht das HAB für die Aufbereitung von Jodum ausschließlich die Lösung vor. Bei
anderen löslichen Arzneistoffen, wie etwa Kalium carbonicum, Natrium carbonicum und
Natrium muriaticum, für die H AHNEMANN ebenfalls die C3-Trituration als alleiniges
Aufbereitungsverfahren angewandt hat, finden sich im HAB jedoch Vorschriften für Lösung
und Verreibung angegeben, wobei nicht sicher geklärt ist, ob sich dadurch Unterschiede in
der homöopathischen Wirksamkeit ergeben können 136.
Tinkturen unlöslicher Rohstoffe
Unlösliche oder nur teilweise lösliche Arzneirohstoffe führen bei Aufbereitung als Urtinktur
oder Verreibung zu erheblichen Unterschieden der Zusammensetzung des zu
potenzierenden Ausgangsstoffes. Beispiele hiefür sind Ambra, Sulfur und Lycopodium.
A m b r a
H AHNEMANN hatte Ambra wie alle übrigen Arzneistoffe durch C3-Trituration aufbereitet,
unter anderem auch deshalb, da sich diese in Alkohol nur wenig lösliche Substanz für eine
Lösungsbereitung kaum eignet 120:28
"Weingeist löset sehr wenig davon auf... Ein Gran solcher ächten grauen Ambra mit 100
Granen Milchzucker eine Stunde lang in der pocellänen Reibschale gerieben...von diesem
Pulver ein Gran wiederum...und zuletzt...ein Gran abermals mit Granen Milchzucker auf
gleiche Art, ebenfalls eine Stunde gerieben liefert eine potenzirte, millionfache Verdünnung
der Ambra..."
Anders lautet jedoch das heutige Homöopathische Arzneibuch, worin die Anfertigung einer
Urtinktur (D1) vorschrieben wird, indem Ambra mit absolutem Äthanol "eine Stunde lang am
Rückfluß gekocht und nach dem Erkalten filtriert wird" 136. Dabei stellt sich jedoch die
Frage, welche Rohstoffanteile durch die Filtration verloren gehen und ob durch den
Kochvorgang ein Teil der organischen Inhaltsstoffe des Grauen Ambers zerstört wird.
S u l f u r
H AHNEMANN hatte Sulfur erstmals 1818 als Verreibung zubereitet 102 und später auch die
weingeistige Auflösung "Tinctura sulphuris" probiert 30. 1839 distanzierte er sich davon
aber nachdrücklich, da auf Grund der Alkoholunlöslichkeit von Schwefel die Tinktur nur
geringste Schwefelanteile enthielt und eine deutlich schwächere homöopathische Wirkung
zeigte, als die Verreibung 50:
"Jene Zubereitung des Schwefels - ein Auszug durch Weingeist, tinctura sulphuris genannt,
die ich anfänglich für hinreichend hielt, muss ich jetzt, durch vergleichende Erfahrungen
belehrt, der Zubereitung mittels Reiben der Schwefelblumen mit hundert Theilen
Milchzucker bis zur Million-Potenz und fernerer Dynamisirung derselben Auflösung (wie mit
anderen trocknen Arznei-Stoffen geschieht) bei weitem nachsetzen, und die Dynamisation
der letztern für die vollkommenste Schwefel-Arznei anerkennen. Weingeist scheint in der
tinctura sulphuris nur einen besondern Theil des Schwefels auszuziehn, nicht aber alle
seine Bestandtheile ohne Ausnahme, das ist, nicht den ganzen Schwefel in sich
aufzunehmen."
Trotz dieser Beobachtung H AHNEMANN s blieben beide Arzneiformen in Gebrauch und
wurden in den Pharmakopoen von J. B UCHNER 1852, W. S CHWABE 1872-1901 und E.C.
G RUNER 1878 durch die Namen "Sulphur" und "Tinctura sulphuris", bzw. "Sulphuris
tinctura", als unterschiedliche Arzneimittel gekennzeichnet 4. 1924 faßte jedoch W.
S CHWABE beide Arzneien unter dem Namen "Sulphur" zusammen 153, weshalb auch das
heutige HAB beide Aufbereitungsmethoden angibt 136:
"Zur Herstellung der Lösung (D 4) wird 1 Teil Schwefel mit 10.000 Teilen 86% Äthanol unter
Rückflußkühlung 1 Stunde lang gekocht; Arzneiformen: Lösung (D 4) und Verreibung"
Dabei ist zu bedenken, daß beide Arzneiformen aus verschiedenartigen Ausgangsstoffen
hergestellt werden, indem bei der Verreibung 1-10% Schwefel in Laktose (C1, bzw. D1), bei
der Lösung aber nur 0.01% Schwefel in Äthanol (D4) potenziert werden. Dementsprechend
unterscheiden sich beide Ausgangsstoffe nicht nur durch den bei der Verreibung 100-
1000fach höheren Schwefelgehalt, sondern auch durch den Potenzgrad, indem anstatt der
ersten drei Potenzierungsschritte während der Verreibung bei Anfertigung der Lösung nur
eine Verdünnung 1:10.000 erfolgt, die durch Verschüttelung einmal potenziert wird. Auf
Grund der fehlenden Deklarationspflicht erfahren aber weder Arzt noch Patient, auf welche
Weise der Arzneihersteller Sulfur aufbereitet hat und welche Arzneiqualität sie in Händen
halten.
L y c o p o d i u m
Lycopodium clavatum bietet ein Beispiel dafür, daß die Inhaltsstoffe von Urtinkturen eine
andere Zusammensetzung aufweisen, als die durch Verreibung potenzierte Arznei. Denn29
da Lycopodiumsporen in Alkohol größtenteils unlöslich sind, wird nur durch Trituration der
gesamte Arzneistoff arzneilich aufbereitet. Aus diesem Grund stellt Lycopodium geradezu
eine klassische Verreibungsarznei dar, weshalb H AHNEMANN 15, J.H. C LARKE 10 und T.F.
A LLEN 1 Lycopodium ausschließlich durch C3-Trituration aufbereiteten.
Davon abweichend gibt W. S CHWABE 1880 zwar primär noch die Verreibung an, empfiehlt
aber weiters auch eine Vorschrift zur Tinkturenbereitung 150:
"Tinctur /1/10): Die mehrere Stunden in einer Porzellan-Reibschale bis zur teigigen Masse
verriebenen Sporen nach Vorschrift § 4."
Dies zur Vorlage nehmend, schreibt auch das heutige HAB die Urtinkturenherstellung vor,
wobei die Möglichkeit der Verreibung nicht mehr aufscheint 136:
"Herstellung: Urtinktur aus der in geeigneter Weise mechanisch bis zu einer teigigen Masse
aufbereiteten Droge und flüssige Verdünnungen nach Vorschrift 4a mit 86% Äthanol."
Dabei bleibt unberücksichtigt, daß die Urtinktur niemals die gesamten Lycopodiumsporen
enthalten kann, sondern nur einen bezüglich seiner Zusammensetzung undefinierten
Extrakt der äthanollöslichen Inhaltsstoffe. Hinzu kommt ferner, daß keine Untersuchungen
durchgeführt wurden, um zu festzustellen, ob diese doch recht unterschiedlichen
Arzneiformen ein vergleichbares homöopathisches Wirkverhalten aufweisen.
Z u s a m m e n f a s s u n g
Es kann davon ausgegangen werden, daß S AMUEL H AHNEMANN nach 52-jähriger
Forschungsarbeit sowohl die Methodik der homöopathischen Medizin, als auch die
Herstellungsverfahren der homöopathischen Pharmazie in einem ausgereiften und durch
vielfältige Erfahrung begründeten Zustand hinterlassen hat. Dabei kommt vor allem der
Entwicklung der Herstellungsvorschriften eine zentrale Bedeutung zu, da H AHNEMANN
mehrfach beschrieben hatte, daß unterschiedliche Herstellungsverfahren zu Arzneien mit
unterschiedlicher Wirkqualität führen. Daher stellen die von H AHNEMANN zuletzt in Organon
VI beschriebenen Herstellungsvorschriften wertvolle Hinweise dar, um eine optimale Form
der Arzneiherstellung zu gewährleisten. Als wichtigste Errungenschaften sind dabei die
Einführung der C3-Trituration und die LM-Potenzierung samt Dosierungskonzept zu
nennen.
Dennoch wurden die Potenzierung und auch zahlreiche Herstellungsvorschriften
nachträglich verändert, ohne festzustellen, ob die neuen Präparate überhaupt jene
Wirkungen aufweisen, die in der Originalliteratur beschrieben sind. Es kam dabei zu
Mittelverwechslungen, Ungenauigkeiten in der Wahl der Arzneistoffe, Abweichungen in der
Wahl der Arzneianteile und zu einer zunehmenden Bevorzugung von Lösungen und
Urtinkturen, obwohl H AHNEMANN für triturierte Arzneien eine bessere Wirksamkeit
beobachtet hat.
In diesem Zusammenhang sollte beachtet werden, daß die homöopathische
Arzneimittelprüfung die empfindlichste Methode darstellt, um die vielfältigen Wirkungen
eines Arzneimittels auf das menschliche Befinden zu erheben. Die Angaben der
Arzneimittellehren sind daher solange als spezifisch nicht nur für die Arznei, sondern auch
für die verwendeten Arzneistoffanteile und deren Aufbereitung und Potenzierung
anzunehmen, als keine Vergleichsuntersuchungen mit anderen Herstellungsverfahren
vorliegen. Erfolgen dennoch nennenswerte Abänderungen in der Arzneiherstellung, so wird
die Verläßlichkeit des Simileprinzipes in Frage gestellt, wie A. G RIMM am Beispiel des
Petroleums formulierte 18:30
"Am Beispiel ... zeigt sich auch, daß durch z.T. willkürliche Änderungen der
Arzneimittelherstellung einer sicheren Therapie, wie sie die Homöopathie darstellt, der
rationale Boden entzogen wird; dann nämlich, wenn geprüftes und zur Therapie
eingesetztes Arzneimittel nicht übereinstimmen.
Grundsätzlich stellt sich auch die Frage, ob und wie ein homöopathisches Arzneimittel
"verbessert" werden kann, oder ob durch Verwendung einer anderen Ausgangssubstanz
oder einer anderen Methode ein hergestelltes "homöopathisches" Arzneimittel noch ein
homöopathisches sein kann."
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ebd. § 246: 195
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ebd. § 251: 203
ebd. § 252: 204
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ebd. § 248: 228-230
ebd. § 266: 239
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ebd. § 270: 245-250
ebd. § 270 Anm.1: 246-247
ebd. § 270 Anm.1: 248-249
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ebd. Band 2: 23-33
ebd. Band 2: 67-68
ebd. Band 2: 58-110
ebd. Band 2: 365
ebd. Band 4: 91
ebd. Band 4: 241
ebd. Band 6: VI-VIII
ebd. Band 6: IX
ebd. Band 6: X-XII
Hahnemann, S.: Reine Arzneimittellehre 2.Aufl., Bände 1-2 (1822-1824)
ebd. Band 1: 357
ebd. Band 2: 459
Hahnemann, S.: Reine Arzneimittellehre 3.Aufl., Bände 1-3 (1830-1833), 2.Aufl. Bände 4-5 (1825-1827).
Nachdruck Heidelberg 1989
ebd. Band 1: 12-13 Anm.
ebd. Band 1: 192
ebd. Band 1: 265
ebd. Band 1: 277
ebd. Band 1: 469-471
ebd. Band 2: 52-53 Anm.
ebd. Band 2: 53
ebd. Band 2: 357
ebd. Band 2: 417
ebd. Band 5: 123
ebd. Band 6: 1-2
ebd. Band 3: 68 (Chamomilla), 101 (China), 250 (Ipecacuanha); Band 4: 68 (Digitalis), 224 (Sarsaparilla), 319
(Hepar sulfuris), 338 (Argentum); Band 5: 5 (Euphrasia), 42 (Cyclamen), 240 (Spigelia); Band 6: 2 (Ambra)
Hahnemann, S.: Über die Arsenikvergiftung, ihre Hülfe und gerichtliche Ausmittelung (1786). Nachdr. Heidelberg
Hahnemann, S.: Über die Kraft kleiner Gaben der Arzneien überhaupt und der Belladonna insbesondere (1801).
In [65] Band 1: 240-244
Hahnemann, S.: Versuch über ein neues Prinzip zur Auffindung der Heilkräfte der Arzneisubstanzen, nebst einigen
Blicken auf die bisherigen (1796). In [65] Band 1: 135-198
ebd. 141-145
ebd. 154 Anm.32
127.
128.
129.
130.
131.
132.
133.
134.
135.
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140.
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Henne, H.: Quellenstudien über Samuel Hahnemanns Denken und Wirken als Arzt. Zum Beginn der Edition seiner
Krankenjournale. Stuttgart 1963
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Henne, H.: Von wann an gebrauchte Hahnemann nachweislich hohe Arzneiverdünnungen ? Verh. XIX. int. Kongr.
Geschichte der Medizin, Basel 1964: 333-340 (Basel/New York 1966)
Homoeopathic Pharmacopoea of India (H.P.I.). 1st vol, 1st Ed. (1971), Reprint New Delhi 1980: 47
Homöopathisches Arzneibuch Gesamtausgabe (HAB 1) Stuttgart und Frankfurt 1985
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3.Nachtrag 1985: 77-79 (Kalium carbonicum), 87-88 (Natrium chloratum), 379-381 (Anacardium),
405-407 (Sulfur); 4. Nachtrag 1985: 301-303 (Natrium carbonicum); Nachtrag 1991: 89-91 (Ambra),
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Klunker, W.: Anmahnung des HAB I. KH 36.1992.1: 22-23
Klunker, W.: Editorial. KH 27.1983.6: 221-222
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Zlatarovich, J.v.: Oesterreichische Zeitschrift für Homöopathie 3.1 (1847). Zit.n. Barthel [2]

Weitere Literatur beim Verfasser.

Anschrift des Verfassers: Dr.Friedrich Dellmour,
Ludwig-Boltzmann-Institut für Homöopathie,
Dürergasse 4, A-8010 Graz
Kontaktadresse des Autors: Gutensteinerstraße 3/3/1, A-2563 Pottenstein
azm \ doc 13 . doc
pot \ doc 13 . doc
113.000 Zeichen
24.5.1993
[*/quote*]
« Last Edit: July 10, 2018, 04:38:16 PM by Thymian »
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Demnächst sind übrigens wieder Wahlen...

Mikroplastik, des Wahnsinns fette Beute: Mikroplastik wird über Luft transportiert

http://www.transgallaxys.com/~kanzlerzwo/index.php?topic=11033.0

Krik

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Re: SERVIERT: DELLMOUR SERVIERT SICH SELBST!
« Reply #2 on: June 19, 2019, 04:41:27 AM »

push
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