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Verfassungsschutz 2001 über Scientology

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http://web.archive.org/web/20010210211802/http://www.hamburg.de:80/Behoerden/LfV/so/kap24.htm

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Landesamt für Verfassungsschutz

4. "Department of Official Affairs"

    (Abteilung für Offizielle Angelegenheiten)

Am 13. März 1961 ersetzte HUBBARD mit einem Richtlinienbrief die "Abteilung für Regierungsangelegenheiten" durch die "Abteilung für Offizielle Angelegenheiten" ("Department of Official Affairs") . 22 Geändert wurde im wesentlichen aber nur der Name; alle Anweisungen blieben in Kraft, einschließlich des Auftrages zur Infiltration und Kontrolle von Regierungen. Das neue Department fungierte weiterhin als aktenführende Stelle, die alle Anti-Scientology-Gruppen, -Personen und -Aktivitäten erfaßte.

In diesem Richtlinienbrief verglich HUBBARD die umbenannte Abteilung erstmals mit einem aus dem politischen Bereich bekannten "Ministerium für Propaganda und Sicherheit" und bezeichnete dieses ausdrücklich als scientologisches "Äquivalent". Zweck dieser Abteilung sei es, die öffentliche Präsentation, die rechtliche Position und die Akzeptanz von Scientology auf staatlicher Seite zu verbessern. Es sei u.a. eine ihrer vorrangigen Aufgaben, "kontinuierlich Druck auf Regierungen auszuüben, eine pro-Scientology-Gesetzgebung zu schaffen". Auch die Infiltrationsstrategie von Scientology wurde von HUBBARD präzisiert:

"Obwohl es so scheint, daß das Department die Dritte Dynamik zur Zielscheibe hat, behandelt es tatsächlich nichts anderes als Individuen. Um die Aktivitäten zum Ziel zu bringen, ist es nur nötig, sich Freunde und Verbündete zu schaffen, die Einfluß haben . ... Die Aktion, Gruppen zu beeinflussen, besteht darin, den jeweiligen Kopf der Bündnisgruppen für sich einzunehmen."

HUBBARD übertrug dieses Prinzip - gemäß den bekannten "Spezialbereichsplänen" - auch auf die politische Ebene:

"Die Aktion, eine pro-Scientology-Regierung hervorzubringen, besteht darin, sich die am höchsten plazierte Person im Regierungsapparat, die man erreichen kann, zum Freund zu machen, und im privaten Haushalt und in Büropositionen in ihrer Nähe Scientologen zu postieren und dafür zu sorgen, daß Scientology ihre Schwierigkeiten und ihren Fall (Anmerkung: seelische Belastungen) löst."

Jeder Scientologe ist danach also - bewußt oder unbewußt - ein potentieller Scientology-Agent, der die Interessen der Organisation in seinem jeweiligen Einflußbereich in der Gesellschaft, in der Wirtschaft und in der Politik wahrzunehmen hat.

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http://web.archive.org/web/20010210212752/http://www.hamburg.de:80/Behoerden/LfV/so/kap25.htm


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Landesamt für Verfassungsschutz

5. "Public Investigation Section"

    (Öffentliche Ermittlungsabteilung)

Mit der Gründung der sogenannten "Öffentlichen Ermittlungsabteilung ("Public Investigation Section") am 17. Februar 1966 23 erlangte die Etablierung eines professionellen Geheimdienstes noch konkretere Formen. Die Ermittlungsabteilung hatte nach eigener Darstellung die Aufgabe, HUBBARD bei Nachforschungen über öffentliche Angelegenheiten zu helfen, die angeblich die menschliche Freiheit verhinderten. Wissenswertes über diese Angelegenheiten sollte als notwendige Voraussetzung erforscht und enthüllt werden, um den Fortschritt der Scientology zu steuern:

"Scientology steht für Freiheit. Diejenigen, die keine Freiheit wollen, neigen dazu, Scientology anzugreifen. Diese Sektion untersucht die einzelnen Mitglieder der Angreifergruppen und sorgt dafür, daß die Ergebnisse der Nachforschungen entsprechende rechtliche Schritte nach sich ziehen und öffentlich bekannt werden."

Die neue Abteilung sollte vollständig aus professionellen Ermittlern bestehen und alle Funktionen eines Nachrichtendienstes und eines Propagandaamtes ausüben sowie alle entsprechenden Mittel einsetzen. Konkret wurde festgelegt, daß jede Scientology-Organisation mit mindestens 150 Leuten eine solche Abteilung zu bilden hat. Im einzelnen führte HUBBARD aus:

"Das Personal für diese Abteilung wird durch vertrauliche Inserate gesucht. Wir geben dazu nur unsere Telefonnummer an und die interessierten Leute werden zu Personalbesprechungen ... herangezogen. Bei der Auswahl dieses Personals muß größte Sorgfalt angewendet werden, vor allem, was die frühere Tätigkeit dieser Leute anbelangt. ... Man wird sehen, daß die Abteilung all die nützlichen Funktionen einer Spionage- und Propaganda-Agentur hat. Sie findet die notwendigen Daten und achtet darauf, daß gehandelt wird ... Wir benützen die herkömmlichen Spionagetechniken. Die Abteilung führt eine Akte über jedes Projekt und Akten nach Namen von Personen innerhalb dieses Projektes. Dieses Verzeichnis enthält auch Namensverweise, etc."

Und weiter heißt es dort:

"Diese Sektion sollte erkennen, daß die Medien und die Öffentlichkeit an Mord, Gewaltanwendung, Zerstörung, Gewalt, Sex und Unehrlichkeit interessiert sind, und zwar in dieser Reihenfolge. Untersuchungen, die diese Faktoren in den Aktivitäten der Individuen einer Scientology angreifenden Gruppe aufspüren, sind so wertvoll, wie sie eine Reihe dieser Faktoren enthalten."

Was HUBBARD unter Nachforschungen verstand und wie diese ablaufen sollten, konkretisierte er u.a. in einem kurz darauf veröffentlichten, eingangs bereits zitierten Richtlinienbrief zum Thema "Angriffe auf Scientology" 24:

"Stimmen Sie NIEMALS einer Untersuchung von Scientology zu. Stimmen Sie NUR einer Untersuchung der Angreifer zu. ...

Folgendes ist das korrekte Verfahren:

1. Finden Sie heraus, wer uns angreift.

2. Beginnen Sie damit, ihn augenblicklich auf Begehung von KAPITALVERBRECHEN oder Schlimmeren hin zu untersuchen, ...

3. Verbinden Sie unsere Antwort mit einem Gegenangriff, indem Sie eine Untersuchung des Gegners begrüßen.

4. Beginnen Sie damit, die Presse mit erschütternden Berichten von Blut, Sex und Verbrechen mit tatsächlichen Beweisen über die Angreifer zu füttern.

Unterwerfen Sie sich niemals auf zahme Weise einer Untersuchung von Scientology. Machen Sie es Angreifern die ganze Zeit hart und dornenreich."

Die Rechtfertigung für diese Vorgehensweise leitete HUBBARD aus seiner langjährigen angeblichen Erfahrung ab, daß jeder, der Scientology kritisiere, kriminell sei:

"Es gab bisher keinen Angreifer, der nicht vor lauter Verbrechen stank. Alles, was wir tun mußten, war nachzuschauen, und Mord kam zum Vorschein."

Gruppen, die Scientology angreifen, seien, so HUBBARD, "um es vorsichtig auszudrücken, geistig nicht gesund". Gemäß der scientologischen "Technologie" bedeutet dies, daß sie schändliche Fakten und Bereiche zu verbergen haben, die aufgedeckt werden müssen, damit sich - wie beim individuellen Auditing - diese Bereiche von "Geisteskrankheit" in der Gesellschaft auflösen könnten. 25 HUBBARDs Taktik ist es also, den Spieß umzudrehen und den Angreifer in die Rolle des Angegriffenen zu versetzen, der sich rechtfertigen soll. Dieses Vorgehen sei aus seiner Sicht bislang immer erfolgreich gewesen:

"Solange wir unsere Rolle als Gesellschaftsauditor vernachlässigen, werden wir angegriffen werden. ... Das Vorgehen, wie man Initiative ergreift, besteht darin, unsere eigenen Profis zu benutzen, um Teile der Gesellschaft intensiv zu untersuchen, die uns angreifen könnten. Sorgen Sie für einen ganzen Schrank voller Munition. Stellen Sie die Richtigkeit unserer Tatsachen sicher. Und dann entlarven Sie über die Presse." 26

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http://web.archive.org/web/20010609181845/http://www.hamburg.de:80/Behoerden/LfV/so/kap26.htm


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Landesamt für Verfassungsschutz

6. Das "Freiwild"-Gesetz

Daß Scientology bei der Verfolgung ihrer Kritiker und zur Erreichung ihrer Ziele vor kaum einem Mittel zurückschreckt und sich häufig erst mit der völligen Vernichtung des Gegners zufrieden gibt, ist nicht nur eine naheliegende Schlußfolgerung aus den zitierten Anweisungen HUBBARDs, sondern auch anhand zahlreicher konkreter Beispiele nachgewiesen. Gemäß dem von HUBBARD begründeten Dogma, daß alle gegen Scientology öffentlich auftretenden Personen "Kriminelle" und "Unterdrückerische Personen" sind, erließ der Scientology-Gründer zahlreiche Richtlinienbriefe und Anweisungen, die hinsichtlich der zugedachten speziellen Behandlung dieses Personenkreises noch deutlicher werden. Die Palette der zur Verfügung stehenden Mittel reicht von offener und verdeckter Materialsammlung über Psychoterror, Bespitzelung, falschen Beschuldigungen, Strafanzeigen und Verleumdungen ("Schwarze Propaganda"), Diebstahl und Einbrüchen bis hin zu tätlichen Angriffen und - zumindest wurde dies von einem ehemaligen amerikanischen OSA-Agenten in einer Eidesstattlichen Versicherung 1994 behauptet - Mordversuchen.

Die Anzahl der sog. "Unterdrückerischen Personen" taxierte HUBBARD auf "etwa 2,5 % der Bevölkerung". Weitere 17,5 % seien sogenannte "Potentielle Schwierigkeitsquellen" ("Potential Trouble Source", PTS), Personen, die unter dem Einfluß von "Unterdrückern" stehen. HUBBARD erklärte hierzu weiter:

"Es gibt gewisse Merkmale und geistige Einstellungen, die etwa 20 % einer Rasse dazu bewegen, sich jeder Unternehmung oder Gruppe, die etwas verbessern will (Anmerkung: gemeint ist die SO), mit Gewalt zu widersetzen. ... Da sie nur 20 % der Bevölkerung ausmachen, und da nur 2,5 % unter diesen 20 % wahrhaftig gefährlich sind, sehen wir, daß wir mit nur sehr wenig Anstrengung die Lage der Gesellschaft wesentlich verbessern können. ... Ebenso könnte sowohl sozial als auch wirtschaftlich Erholung eintreten, wenn die Gesellschaft diesen Persönlichkeitstyp als ein krankes Wesen erkennen und ihn isolieren würde, so wie sie jetzt Leute mit Pocken in Quarantäne steckt." 27

Bekannt wurden die Verfolgungspraktiken der scientologischen Geheimdienstorganisationen unter dem Namen "Freiwild"-Gesetz ("Fair Game"), das nicht ohne Grund an die mittelalterliche Praxis des "Vogelfrei"-Erklärens erinnert. 1965 erließ HUBBARD nach eigener Aussage drei Richtlinienbriefe 28, in denen auf dieses "Freiwild"-Gesetz Bezug genommen wird. Obwohl die Richtlinienbriefe wieder zurückgezogen bzw. der offenen Kenntnisnahme entzogen wurden, wurden sie weiterhin vom Geheimdienst der SO als Ausbildungsrichtlinien verwendet. Noch 1980 mußten führende Funktionäre der Scientology während eines Gerichtsverfahrens zugeben, daß das "Freiwild"-Gesetz nie wirklich abgeschafft worden sei. 29 Mehrere hochrangige amerikanische SO-Aussteiger, die selber Opfer des "Freiwild"-Gesetzes waren, bezeugten unabhängig voneinander, daß dieses Gesetz bis heute eine bindende Richtlinie der SO ist.

Der Richtlinienbrief vom 21. Oktober 1968 30, mit dem angeblich das "Freiwild"-Gesetz aufgehoben wurde, ist entsprechend zweideutig formuliert. In dieser Erklärung heißt es, daß die Praktik, Leute zum Freiwild zu erklären, aufhören werde. "Freiwild" dürfe nicht auf irgendeiner Ethik-Order erscheinen. Es verursache schlechte Beziehungen zur Öffentlichkeit. Diese feinsinnige Formulierung ist auch so zu interpretieren, daß nur die Praktik des Erklärens aufhören soll; davon, daß die Praktik, jemanden als "Freiwild" zu behandeln, aufhören soll, ist nicht die Rede und offensichtlich auch nicht gemeint. Im Gegenteil: Ausdrücklich wird hervorgehoben, daß dieser Richtlinienbrief "keine Policy über die Behandlung oder Handhabung eines SPs" aufhebt. Bis heute aber werden von der SO sogenannte SP-Erklärungen herausgegeben. 31 Zu den erwähnten Richtlinienbriefen, die von der Rücknahme inhaltlich nicht betroffen sind, gehört beispielsweise ein Exemplar vom 18. Oktober 1967 über die "Strafen für niedrigere Zustände", in dem die gnadenlose Verfolgung von SPs eindeutig beschrieben wird. Wörtlich heißt es dort zum Ethik-Zustand "Feind":

"SP-Order (Anmerkung: Erklärung zur "Unterdrückerischen Person"). Freiwild. Ihr kann das Vermögen weggenommen werden, oder ihr kann durch jedes Mittel Schaden zugefügt werden von jedem Scientologen, ohne daß dieser dafür irgendwie zur Rechenschaft gezogen wird. Sie kann ausgetrickst, verklagt oder belogen oder vernichtet werden." 32

In einer Eidesstattlichen Erklärung vom 22. März 1976 behauptete HUBBARD im Widerspruch zu dieser Aussage, daß er mit den "Freiwild"-Richtlinien niemals die Absicht verfolgt habe, "illegale oder Angriffsaktionen gegen irgend jemanden zu autorisieren." Das Gegenteil war jedoch der Fall: Unter Führung des weltweit aktiven Geheimdienstes "Guardian Office" (GO), der kurze Zeit später in die Fußstapfen seiner Vorläuferorganisationen trat, nahm in den folgenden Jahren die "ethisch" legitimierte Verfolgung von Abtrünnigen und Scientology-Gegnern und das z.T. kriminelle Machtstreben der Scientology bislang ungeahnte Ausmaße an.

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http://web.archive.org/web/20010210213109/http://www.hamburg.de:80/Behoerden/LfV/so/kap3.htm

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Landesamt für Verfassungsschutz

III. Das "Guardian Office" (GO) (1966 - 1983) 33

"Es gibt vermutlich keine Grenze in bezug darauf, was ich tun würde,

um des Menschen einzigen Weg hinaus zu schützen, gegen jene, ...,

die versuchen Scientology zu stoppen ..." 34

L. Ron HUBBARD

1. Gründung und Aufbau

Nur zwei Wochen nach Etablierung der "Öffentlichen Ermittlungsabteilung" ("Public Investigation Section") wurde ein weiterer Posten an der Spitze des Geheimdienstapparates installiert: Der "Guardian" (Wächter). 35 HUBBARD verstand diese Funktion zunächst als "Treuhänder" der Scientology. Der "Guardian" sollte HUBBARD darin unterstützen, Richtlinien durchzusetzen und herauszugeben. Er sollte die einzelnen Organisationen beschützen und helfen, Scientology langfristig zu fördern. Der erste "Guardian" der Organisation wurde Mary Sue HUBBARD, die dritte Ehefrau des Scientology-Gründers. Der Posten wurde sehr schnell zu einer eigenen Organisation, dem "Guardian Office" (GO), ausgebaut. Sie integrierte alle bis dahin existierenden Funktionen und Einrichtungen des SO-Geheimdienst- und Propagandaapparates. An der Spitze der Organisation stand der "Guardian World Wide" (Guardian WW). Mit einem Richtlinienbrief vom 21. Januar 1969 wurde ein weiterer, dem Guardian WW übergeordneter Posten geschaffen, der "Controller". Dieses Amt wurde auf Lebenszeit an Mary Sue HUBBARD vergeben. Nachfolgerin auf dem Posten des Guardian WW wurde Jane KEMBER.

Seinen Hauptsitz hatte das GO in Saint Hill Manor/East Grinstead in der Nähe von London, dem damaligen Wohnsitz HUBBARDs. Organisatorisch war es in das "HUBBARD Kommunikationsbüro" (HCO) eingegliedert und - entsprechend der auf allen Hierarchieebenen gleichen Organisationsstruktur - in den Scientology "Orgs" in der jeweiligen Führungsabteilung Abt. 7 ("Executive Division 7") vertreten. Die Führungslinie verlief von dem sog. "Assistant Guardian" einer jeden Organisation, dessen Posten direkt hinter dem des Leitenden Direktors (Executive Director, ED) in der Führungsspitze der "Org" angesiedelt war, zum Guardian der jeweiligen Kontinentalorganisation, der wiederum dem "Guardian WW" unterstand. 36 Die Mitarbeiter des GO unterstanden also nicht dem jeweiligen Leiter der örtlichen Organisationen, sondern hatten die Befehlsstränge innerhalb ihres eigenen GO-Netzwerkes zu beachten. Das GO war innerhalb der Scientology zunächst ganz offen als Geheimdienstbüro ("Intelligence Bureau") bekannt. Später wurde dieser Name wohl aus Tarnungsgründen in den etwas harmloser klingenden Namen "Information Bureau" geändert. Dieses Manöver konnte letztendlich aber nicht verschleiern, daß das GO mehr noch als alle seine Vorläuferorganisationen wie ein klassischer Geheimdienst operierte, daß es weitaus besser organisiert und strukturiert war und zudem eine bemerkenswerte Professionalität und Effektivität an den Tag legte.

Obwohl HUBBARD selbst offiziell keine Funktion ausübte, arbeitete das GO unter seiner Aufsicht. HUBBARD ließ sich wöchentlich über die wichtigsten Ereignisse und Geheimdienstaktivitäten informieren. Im Laufe der Jahre gewann das GO immer größere Bedeutung im System, so daß es als das eigentliche Macht- und Entscheidungszentrum der SO bezeichnet werden kann. In den siebziger Jahren hatte nach Aussage von Robert Vaughn YOUNG, der von 1971 bis 1989 dem GO bzw. OSA in leitender Funktion angehörte, das GO weltweit 400 bis 500 vollzeitliche Mitarbeiter. Etwa 200 Personen arbeiteten in der Zentrale in Los Angeles, die übrigen Mitarbeiter verteilten sich weltweit auf etwa 25 Büros, die meisten davon in Nordamerika und Europa. Der Ex-Scientologe Jon ATACK behauptet sogar unter Berufung auf eine gerichtliche Erklärung von David MISCAVIGE aus dem Jahr 1994, daß dem GO insgesamt 1.100 Mitarbeiter angehört hätten und eine nicht bekannte Zahl sog. "Field Staff Members" (FSM, neben- oder hauptamtlich tätige Mitarbeiter im Außendienst). HUBBARD habe sich, so ATACK, mit dem GO den bis dahin vermutlich größten und effektivsten privaten Geheimdienst in der Geschichte der Menschheit geschaffen. 37

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http://web.archive.org/web/20010210211623/http://www.hamburg.de:80/Behoerden/LfV/so/kap32.htm

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2. Die Abteilungen und Aufgabenbereiche des GO

In einer 1976 von der "Scientology Kirche Deutschland e.V." (SKD) herausgegebenen offiziellen Informationsschrift über das "Guardian Office Deutschland" rühmte HUBBARD das GO überschwenglich und bestätigte dessen überragenden Stellenwert innerhalb der Gesamtorganisation:

"Es gibt kein erfolgreicheres Organisationsnetz als das BÜRO DES GUARDIAN. ... Das heißt nicht, daß dies nur innerhalb von Scientology oder in den Organisationen zutrifft. Es ist möglich, daß es in den düsteren Weiten der Geschichte einmal eine Aktivität gegeben hat, die ebenso erfolgreich war. Wenn dem so ist, weiß ich nichts darüber."

Die für Scientology existentiell wichtige Bedeutung des GO wird auch durch ein in der vorgenannten Informationsschrift abgedrucktes Belobigungsschreiben HUBBARDs vom 23. Juni 1974 unterstrichen:

"Vornan und weit über den anderen steht das GUARDIAN ORGANISATIONSNETZ. Es gibt keine vergleichbare Gruppe auf diesem Planeten. Es expandiert und verteidigt Scientology überall auf der Erde und hat schon lange den Machtzustand 38 überschritten."

Und an anderer Stelle erklärt HUBBARD:

"Alle, vom CS-G (Commodore´s Staff Guardian) 39 abwärts, sind tip top Leute, eine wirklich außerordentliche und unglaubliche Gruppe, für die das Unmögliche eine alltägliche Routinearbeit ist.

...

"Die beiden wirksamen Arme von Dianetics und Scientology sind die Sea Org und das Guardian Office."

Entsprechend dieser von HUBBARD bestätigten Machtposition war es selbst hohen Funktionären des internationalen Managements unmöglich, irgend etwas am GO vorbei zu entscheiden. Jede Aktivität der Organisation mußte zuerst vom GO abgesegnet sein. Nicht nur die klassischen geheimdienstlichen Aktivitäten fielen in den Zuständigkeitsbereich des GO, sondern auch alle rechtlichen, finanziellen und propagandistischen Aktivitäten von Scientology liefen von nun an unter Aufsicht und Kontrolle des neuen scientologischen Geheimdienstes. Sämtliche Finanztransaktionen auf "Org"- Ebene - einschließlich der Grundstücksgeschäfte - wurden vom dortigen "Assistant Guardian" kontrolliert. Hierzu wurde ihm für jedes Bankkonto der "Org" die Zeichnungsberechtigung übertragen.

1972 wurde in München ein deutscher GO-Ableger gegründet. Mit der raschen Expansion von Scientology seien, so die SKD 1976, auch die Aufgaben des GO in Deutschland rapide angewachsen. Obwohl sich die Mitarbeiterzahl bis 1976 nach eigenen Angaben von fünf auf 30 versechsfacht hatte, blieb die deutsche Sektion des GO im Vergleich zur Gesamtzahl der Mitarbeiterschaft eine unbedeutende Größe. In dem genannten Papier des deutschen GO findet sich eine detaillierte Stellungnahme zum Zweck der Organisation:

"Für die Expansion von Scientology ist das Guardian Büro ein unentbehrlicher Bestandteil ... es geht dabei vornehmlich um folgende Dinge:

Die Scientology Technologie in die Gesellschaft hinauszutragen, wo sie als integrierter Bestandteil die Lösung der menschlichen und gesellschaftlichen Probleme ermöglichen wird.

Die Scientology Technologie vor destruktiven Veränderungen zu bewahren..., damit eine hundertprozentig standardgemäße Anwendung und die damit verbundenen Erfolge garantiert bleiben.

Angriffe abzuwehren, die darauf abzielen, den Ruf und das Ansehen von Scientology in der Öffentlichkeit zu diskreditieren ...

Scientology, ihre Organisationen und Missionen innerhalb der geltenden Rechtssphären zu schützen ...

Finanzielles Management und Beratung, damit Scientology-Organisationen zahlungsfähig und stets kreditwürdig bleiben ...

Schaffen eines Bewußtseins und Bedürfnisses innerhalb der Gesellschaft nach Scientology.

Aufbau sozialer Aktivitäten und Initiativen, die unter Verwendung der Scientology Technologie gesellschaftliche Probleme aktiv lösen und beseitigen helfen ..."

Auch wird näher erläutert, wie das GO organisiert war. Da die Organisationsstrukturen der Scientology auf allen Ebenen (lokal, kontinental, international) gleich sind, können aus den Angaben über die deutsche GO-Organisation auch Rückschlüsse auf die internationale Struktur gezogen werden. Ursprünglich war das GO in fünf Abteilungen aufgeteilt: dem Public Relation (PR) Büro, dem Rechtsamt, dem Finanzbüro, dem Büro für soziale Aktivitäten und dem Servicebüro.

Scientology geht davon aus, daß in gesellschaftlichen Bereichen, in denen "Unethik" existiert, keine standardgemäße "Scientology Technologie" Eingang finden bzw. wirksam zur Anwendung kommen kann. Das PR-Büro spiele deshalb innerhalb der Gesellschaft auch gleichzeitig die Rolle eines "Auditors", der sozusagen auf der "Dritten Dynamik" tätig ist und dafür sorge, daß solche unmoralischen Bereiche in der Gesellschaft reformiert werden und aufhören, ihren schlechten Einfluß auf das gesamte Wohl der Menschheit auszuüben. Das Rechtsbüro ist für die Wahrung der rechtlichen Interessen der Scientology-Organisationen und ihrer Mitglieder verantwortlich, das Finanzbüro für den "finanziellen Zustand" der Einrichtungen. Für Scientology ist der finanzielle Status einer Scientology-Einrichtung oberster Maßstab für die Beurteilung der Kompetenz des jeweiligen Managements. Das Büro für soziale Aktivitäten habe die Aufgabe, die "Technologie" von HUBBARD in der Gesellschaft zur Anwendung zu bringen. In den Bereichen Drogenrehabilitation, Kriminalitätsreform, Wirtschaft und Management, Bildungs- und Gesundheitswesen sowie in vielen anderen Bereichen will Scientology ihren "Löwenanteil an Verantwortung in der Gemeinschaft und im Weltgeschehen" übernehmen. 40 Damit werde nicht nur der Zweck des GO erfüllt, sondern auch ein wichtiger Beitrag für das Erreichen des Scientology-Zieles geleistet: Ein Planet, der sobald wie möglich "clear" ist. Das Service Büro soll dafür sorgen, daß dem GO genügend gut ausgebildete Mitarbeiter zur Verfügung stehen, d.h. es soll sie entsprechend ausbilden.

Kurze Zeit später kam die sogenannte "Informationsabteilung" hinzu bzw. wurde erstmals als eigenständige Abteilung erwähnt. In einem Flugblatt des GO, das aus dem Jahr 1978 stammen dürfte, werden die Aufgaben der nunmehr sechs Abteilungen des GO einschließlich der klassischen geheimdienstlichen Aufgaben der "Informationsabteilung" 41 genau definiert:

"Das Service-Büro

trägt dazu bei, aus dem GO ein Team von "unvergleichlichen Personen" zu machen, welches daran arbeitet und bereits gearbeitet hat, eine geistig gesunde Zivilisation zu erschaffen, und zwar durch die Anwendung der Technologie, Standard Scientology Training, Auditing, Korrekturen und Ethik.

Die Informationsabteilung

ist unentbehrlich für den Einsatz des Guardian Office. Dort werden grundlegende Daten gesammelt, durch deren Auswertung vorausgesagt werden kann, wie die Dinge laufen werden, so daß man sich darauf einstellen kann, Situationen zu handhaben, die der Verbreitung von Scientology schaden könnten.

Das Presse- und Öffentlichkeitsamt

ist aufmerksam dabei, falsche Berichte über Scientology zu enthüllen und diese zu korrigieren. Hier wird moderne Technologie von L. Ron HUBBARD über Public Relations verwendet, um die allgemeine Beziehung von Scientology zur Öffentlichkeit zu handhaben - es arbeitet mit Fernsehen, Radio, Presse, VIPs und Regierungsbeamten zusammen. Das Resultat ist, daß die gute Arbeit von Scientology weit verbreitet wird und zwar durch Tausende von vorteilhaften Berichterstattungen in jeder Woche überall auf der Welt.

Das Rechtsamt

ist Schützer des Rechts für alle und alles, was Scientology betrifft. Es macht bei jenen Gerechtigkeit gültig, die danach trachten, die Expansion von Scientology zu unterdrücken. Folglich hilft es, eine geistig gesunde Zivilisation zu erschaffen - es schützt die Urheberrechte der Standard Scientology Technologie - handhabt alle rechtlichen, Regierungs- und Steuerangelegenheiten.

Die Finanzabteilung

ist mit der Verantwortung für die Sicherung des Guthabens und des guten Rufes der Kirche betraut - es bringt Zahlungsfähigkeit und geistige Gesundheit in Scientology Organisationen hinein, indem es sicherstellt, daß Richtlinien bezüglich Finanzen befolgt werden, und daß als Resultat Scientology expandiert.

Das Büro für Soziale Koordination

ist ein Reformator auf dem Gebiet der geistigen Gesundheit, der Kriminellen- und Drogenrehabilitation, der Erziehung und grundsätzlichen Menschenrechte - dynamisch erschafft es eine Anerkennung der Unentbehrlichkeit der Scientology Technologie innerhalb der Gesellschaft selber. Folglich macht es das Ziel von Scientology real, nämlich eine Zivilisation ohne Geisteskrankheit, ohne Verbrechen und ohne Krieg."

Die hier im Mittelpunkt des Interesses stehende "Informationsabteilung", also die eigentliche Geheimdienstabteilung des GO - im amerikanischen "Information Bureau" genannt -, war wiederum in mehrere sogenannte "Branches" (Zweige) gegliedert. In den Zuständigkeitsbereich von "Branch I" (B I) fiel die Sammlung von Informationen aus offen zugänglichen Quellen ("Overt Data Collection", ODC), die verdeckte Datensammlung mit nachrichtendienstlichen Mitteln ("Covert Data Collection", CDC) sowie die Durchführung von verdeckten Operationen ("Covert Operations", CO). "Branch II" (B II) war verantwortlich für die "interne Sicherheit" der Organisation.

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