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Author Topic: Verfassungsschutz 2001 über Scientology  (Read 488 times)

Omegafant

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Verfassungsschutz 2001 über Scientology
« on: September 22, 2018, 06:54:39 PM »

http://web.archive.org/web/20010210212157/http://www.hamburg.de:80/Behoerden/LfV/welcome.htm

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Hamburger Wappen    Landesamt für Verfassungsschutz    Ü B E R B L I C K    H A M B U R G   
Stadt    Hamburgraster

Behörde für Inneres
Landesamt für Verfassungsschutz

Das Landesamt für Verfassungsschutz der Freien und Hansestadt Hamburg begrüßt Sie zu seinem Internet-Angebot.

 

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http://web.archive.org/web/20010208110233/http://www.hamburg.de:80/Behoerden/LfV/so/inhalt.htm

http://www.hamburg.de:80/Behoerden/LfV/so/inhalt.htm

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Landesamt für Verfassungsschutz

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die geheimdienstlichen Vorläuferorganisationen

(1959 - 1966)

    Das "Handbuch des Rechts"
    Der "Spezialbereichsplan"
    "Department of Government Affairs" (Abteilung für Regierungsangelegenheiten)
    "Department of Official Affairs" (Abteilung für Offizielle Angelegenheiten)
    "Public Investigation Section" (Öffentliche Ermittlungsabteilung)
    Das "Freiwild"-Gesetz

III. Das "Guardian Office" (GO) (1966 - 1983)

    Gründung und Aufbau
    Die Abteilungen und Aufgabenbereiche des GO
    Strategien und Programme des GO und ihre Hintergründe
    Taktiken und Methoden des GO
    Die Zerschlagung des GO

IV. Das "Office of Special Affairs" (OSA) (1983 - 1997)

    Alter Geheimdienst in neuem Gewand: Gründung und Aufbau des OSA
    "Department of Special Affairs" (DSA) - die Unterabteilungen des OSA in Deutschland
    Strategien und Programme des OSA und die Diffamierungskampagne gegen Deutschland
    Taktiken und Methoden des OSA

V. Bewertung

Anhang: Abkürzungsverzeichnis

    Vorwort

     

    Anhang: Abkürzungsverzeichnis

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« Last Edit: September 22, 2018, 07:23:15 PM by Omegafant »
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Re: Verfassungsschutz 2001 über Scientology
« Reply #1 on: September 22, 2018, 06:56:19 PM »

http://web.archive.org/web/20010210212634/http://www.hamburg.de:80/Behoerden/LfV/so/ein.htm


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Landesamt für Verfassungsschutz

Der Geheimdienst der Scientology-Organisation

- Grundlagen, Aufgaben, Strukturen, Methoden und Ziele -

"Wir haben im Sinn, alles aus dem Weg zu räumen,

das aus dem Weg geräumt werden muß,

ganz egal, wie groß es auch sein mag,

um eine Zivilisation zu schaffen,

die tatsächlich überleben kann". 1

L. Ron HUBBARD

I. Einleitung

Seit einigen Jahren führt die Scientology-Organisation (SO) gegen die Bundesrepublik Deutschland sowie gegen bekannte Scientology-Kritiker eine beispiellose Diffamierungskampagne, mit der versucht wird, Deutschland als religiöse Minderheiten verfolgenden Unrechtsstaat zu verunglimpfen und Kritiker einzuschüchtern und mundtot zu machen. Legitimiert und initiiert werden diese systematischen und ideologisch motivierten Angriffe von der obersten Führungsspitze der SO. Scientology sieht sich als kriegführende Partei im Kampf gegen "Unterdrückung", in dem ihr alle Mittel erlaubt sind. Organisiert und koordiniert werden diese Aktionen gegen einzelne Kritiker, Gruppen oder Regierungen von einer geheimdienstähnlichen Organisation innerhalb der Gesamtstruktur von Scientology, dem "Office of Special Affairs" (OSA). Bereits 1986 hat die Münchener Staatsanwaltschaft in einer Verfügung festgestellt, daß Scientology zur Abwehr ihrer inneren und äußeren Gegner auch geheimdienstliche Methoden anwende, im Grenzbereich zur Illegalität operiere und gegebenenfalls auch nicht vor kriminellen Aktionen zurückschrecke. 2

Für die Arbeit des Verfassungsschutzes eröffnet sich in dieser Hinsicht ein Beobachtungsfeld, dessen Ergebnisse für die Einschätzung und Bewertung der SO von höchster Bedeutung sind.

Zu Recht wird darauf hingewiesen, daß Scientology wie kaum eine andere pseudo-religiöse oder vergleichbare Gruppe die ihr aus der Gesellschaft entgegenschlagende Kritik oder Ablehnung - antizipierend und ausnützend - lehrmäßig systematisch integriert und sie den Konflikt mit der nichtscientologischen Außenwelt als stabilisierendes Moment in ihre Ideologie eingebaut hat. 3

Zu kurz greift allerdings die Schlußfolgerung, daß der von Scientology geführte "Krieg", die "Kriegskasse", die geheimdienstähnlichen Einrichtungen und nicht zuletzt die z.T. international geführten Kampagnen weniger nach außen, sondern vorrangig nach innen zielen. Der provozierte Konflikt ist nicht nur zweckdienliches Mittel zur Sicherung einer strikten Gefolgschaft - dies allenfalls als Nebenprodukt -, sondern Bestandteil einer aus theoretischen Richtlinien und Handlungsanweisungen entwickelten Strategie, die darauf gerichtet ist, alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die der Expansion von Scientology im Wege stehen.

Der Absolutheitsanspruch der Scientology, die sich selbst als eine "angewandte religiöse Philosophie" bezeichnet, klingt bereits in der Übersetzung ihres Namens an: "wissen, wie man weiß". Nach Darstellung HUBBARDs ist die von ihm "entdeckte" Scientology eine "Wissenschaft vom Wissen" und vom Leben selbst, sozusagen eine axiomatische Lehre, die keiner Kritik mehr zugänglich ist, weil sie geistige Naturgesetze beschreibt, die nur akzeptiert, aber nicht ignoriert oder gar straflos übertreten werden können. Die Mitglieder der SO sind daher nicht im religiösen Sinne "gläubig", sondern verstehen sich als Wissende, die ihr Wissen weitervermitteln sollen.

Gegenüber der Öffentlichkeit gebraucht die SO - anders als im internen Sprachgebrauch - eine religiöse Terminologie, um den Schutz der verfassungsrechtlichen Garantien für Religionsgesellschaften und um weitere z.B. steuerrechtliche Vorteile zu erlangen. Obwohl Scientology zu Recht der Charakter einer Religion abgesprochen wird, ist andererseits aber nicht zu übersehen, daß sie trotz ihres Strebens nach Geld, Macht und Einfluß nicht ausschließlich von materialistischen Motiven beherrscht wird, sondern ihre Unternehmensphilosophie auf eine geistige Ebene hebt. Die SO strebt "weltliche" Macht an, um letztlich auf dieser Basis die von ihr postulierte universelle Befreiung des menschlichen Geistes - "Thetan" genannt - mittels ihrer geistigen "Technologie", dem sogenannten "Auditing", durchsetzen zu können. Für Scientologen geht es daher um mehr, als "nur" um Macht und Einfluß: Es geht für sie um ihr ewiges Schicksal und das des Planeten. Scientology ist von ihrem Ursprung und Wesen her eine "geistesmagische" 4, mit sozialdarwinistischem Gedankengut verbrämte Lehre vom "Überleben", die Elemente aus dem Gnostizismus, dem Okkultismus, der Psychologie und Psychotherapie sowie der Science Fiction-Literatur verarbeitet und die auf Beherrschung und Kontrolle über und durch den menschlichen Geist abzielt. Ihr oberstes, wenn auch unrealistisch fernes Ziel ist geistige Weltbeherrschung sowohl als weltweit anerkannte individuelle Erlösungsphilosophie als auch im Sinne einer allgemeingültigen Staatsdoktrin, nach deren Grundsätzen sich alles staatliche und gesellschaftliche Handeln richten soll. Die SO will dazu den einzelnen Menschen und insbesondere die Führungseliten im scientologischen Sinne umprogrammieren und alle gesellschaftlichen Institutionen unter ihren Einfluß und damit letztlich unter ihre Kontrolle bringen. Ziel ist die "Befreiung" des Planeten ("Clear Planet") und die Errichtung einer "neuen Zivilisation ohne Geisteskrankheit, ohne Verbrecher und ohne Krieg". Die SO rechtfertigt ihre Bestrebungen mit der Behauptung, die einzige "Technologie" - im Klartext: Ideologie - zu besitzen, mit der das Überleben der Menschheit gesichert werden könne. Scientology ermögliche auch erstmals die Bildung "einer wirklichen Demokratie." Diese werde entstehen, "wenn wir jedes Individuum von den unmoralischeren reaktiven Impulsen befreit haben". 5 Scientology nimmt diese Ziele absolut ernst:

"Wir spielen nicht irgendein unbedeutendes Spiel in der Scientology. ... Die gesamte qualvolle Zukunft dieses Planeten ... und Ihr eigenes Schicksal für die nächsten endlosen Billionen Jahre hängen davon ab, was Sie hier und jetzt mit und in der Scientology tun. Dies ist eine tödlich ernste Angelegenheit". 6

Die drei entscheidenden Elemente zur Umsetzung der scientologischen Strategie sind 1. "Ethik", 2. "Technologie" und 3. "Verwaltung" (Administration). "Ethik" ist nach scientologischem Verständnis "Vernunft in Richtung auf die höchste Stufe des Überlebens" 7 für das Individuum und die gesamte Menschheit; oder in der Sprache der Scientology anders ausgedrückt: Das größtmögliche Wohl für die größtmögliche Anzahl an "Dynamiken" (Triebkräfte des Lebens). 8 Da Scientology als absolut wahr und vernünftig vorausgesetzt wird, gilt alles als ethisch, was der So und ihren Zielen nützt, alles was ihr schadet dagegen als "unethisch". 9 Der Zweck von "Ethik" ist deshalb, alle

"Gegenabsichten aus der Umgebung zu entfernen. Nachdem das erreicht worden ist, wird der Zweck: Die Existenz anderer Absichten aus der Umgebung zu entfernen ...". 10

Die aufeinander abgestimmte Funktion der drei genannten Bereiche, ihre Bedeutung als ein dreistufiges Gesamtkonzept zur Einflußgewinnung und Expansion, hat HUBBARD wie folgt erläutert:

"Wenn man Ethik hereinbringen kann, dann kann man Scientology-Technologie hereinbringen. Wenn man Scientology-Technologie hereinbringen kann, dann kann man Verwaltung hereinbringen. Wenn man alle drei Gebiete zur vollen Anwendung bringen kann, dann hat man eine Org und Expansion. ... Indem wir kleine Bereiche handhaben, mit sich selbst, Scientology-Gruppen und Organisationen anfangen, können wir die drei Zyklen wiederholen - Ethik, Tech und Verwaltung. Allmählich vermehren wir uns und expandieren unsere Sphäre von Ethik-Tech-Verwaltung. Und eines Tages haben wir Ethik auf diesem Planeten drin, Tech auf diesem Planeten drin, Verwaltung auf diesem Planeten drin. Unser einziges Hindernis ist der SP (Suppressive Person = Unterdrückerische Person)." 11

Scientology geht also davon aus, daß ihre wachsende Ausbreitung nur von einer relativ kleinen Gruppe z.T. sehr einflußreicher und mächtiger Personen, Institutionen und Regierungen be- oder verhindert werden kann. Dieses primäre Problem zu lösen, d.h. "Ethik" auf diesem Planeten durchzusetzen und die "Unterdrückung" von Scientology zu stoppen, ist vorrangige Aufgabe des scientologischen Geheimdienst- und Propagandaapparates. Er ist für die Überlebensfähigkeit und Expansion von Scientology daher von existentieller Bedeutung.

Die vorliegende Broschüre soll auf die geheimdienstlichen Aktivitäten und ihre Bedeutung für die Organisation aufmerksam machen. In einer Chronologie der scientologischen Geheimdienstorganisationen wird deren Entstehungsgeschichte und Entwicklung nachvollzogen und genauer beleuchtet. Dabei wird weniger retrospektiv auf bekannt gewordene Einzelfälle geheimdienstlicher Aktivitäten Bezug genommen, sondern zunächst versucht, die theoretischen und ideologischen Hintergründe des von Scientology geführten "Krieges" freizulegen. Die dadurch gewonnenen Einblicke erleichtern es vor allem, die aktuellen Aktivitäten und Kampagnen der SO besser einzuschätzen und ihr künftiges Verhalten genauer vorherzusehen.

Um die systematische Vorgehensweise von Scientology richtig verstehen, sie zutreffender berechnen zu können, ist - nicht nur hinsichtlich der geheimdienstlichen Aktivitäten - folgender Aspekt von entscheidender Bedeutung:

Bis heute gilt innerhalb der SO der Grundsatz, daß alle wörtlich oder schriftlich dokumentierten Lehren und Anweisungen von HUBBARD, die sich auf die "Dritte Dynamik"-Technologie, Organisationstechnologie oder administrative Technologie beziehen, "dauerhaft gültig" sind. Sie dürfen zwar redaktionell, aber nie inhaltlich verändert werden. 12 Diese speziellen Richtlinien "formen unbeschadet ihres Datums oder Alters das Know-how, wie man eine Organisation, Gruppe oder Firma leitet". 13 Mit anderen Worten: Für die heutige Einschätzung und Bewertung der SO und ihrer Bestrebungen, politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Macht zu erlangen, können diese Dokumente uneingeschränkt als Beweismaterial herangezogen werden, da ihnen quasi der Status und Charakter heiliger Schriften zuerkannt wird. Sie sind eine Art Urquelle, aus der heraus auch heute noch maßgebliche Handlungskonzepte entwickelt und umgesetzt werden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt zur Beurteilung der SO ist die Erkenntnis, daß HUBBARD gegenüber der Öffentlichkeit die Absichten und Ziele seiner Organisation bewußt verschleiert hat. Diese Irreführung der Öffentlichkeit, die von seinen Anhängern bis heute konsequent umgesetzt wird, zeigt sich nicht nur an seiner mehr als nur geschönten Biographie, an den behaupteten - exorbitant übertriebenen - Mitgliederzahlen, an dem vorgeschobenen religiösen Charakter sowie an vielen sonstigen Einzelbeispielen, sondern scheint eine generelle Wesensart der Organisation widerzuspiegeln. Angesichtes des folgenden Eingeständnisses von HUBBARD ist es nicht übertrieben, von einem bewußt errichteten Lügengebäude zu sprechen:

"DER EINZIGE WEG, UM LEUTE ZU KONTROLLIEREN, IST SIE ANZULÜGEN" (H.i.O.). 14

Um diese entlarvende Aussage mit einem nachrichtendienstlichen Terminus zu umschreiben, könnte man auch sagen, daß Scientology permanent Desinformation betreibt. Für die SO gilt daher der grundsätzliche Vorbehalt, daß vieles nicht das ist, was es zu sein scheint. Ein Großteil ihres Erfolges resultiert aber daraus, daß es ihr bis heute gelungen ist, viele dieser Legenden und Halbwahrheiten durchzuhalten und der Öffentlichkeit als Wahrheit zu verkaufen. Die wohl größte und erfolgreichste Desinformationskampagne der Scientology ist ihre Behauptung, sie sei eine Religion und Kirche. Gegenüber seinen Anhängern unterstrich HUBBARD immer wieder die Wichtigkeit dieses Punktes:

"Denken Sie dran, KIRCHEN WERDEN ALS REFORMGRUPPEN ANGESEHEN. Deshalb müssen wir auch auftreten wie eine Reformgruppe. ... Wir müssen von einer angegriffenen Gruppe zu einer Reformgruppe werden, die faule Stellen in der Gesellschaft angreift. ... Wir sollten nach Bereichen Ausschau halten, die zu untersuchen sind und Dinge ans Tageslicht bringen und als mächtige Reformgruppe bekannt werden. Wir sind gegen Sklaverei, Unterdrückung, Folter, Mord, Perversion, Verbrechen, politische Schandtaten und alles, was den Menschen unfrei macht .... Denken Sie daran - der einzige Grund dafür, daß wir mit der Presse oder Regierungsbehörden Schwierigkeiten haben, ist der, daß wir nicht die faulen Stellen der Gesellschaft ausfindig machen und bloßlegen. Wir müssen die gesamte Gruppe, genannt Gesellschaft, auditieren. Falls wir es nicht tun, wird sie uns angreifen ...". 15

Die SO hat sich stets an diesen Grundsatz gehalten: Unter dem Tarnmantel der "Kirche" operiert ein bis heute äußerst schlagkräftiger Geheimdienst- und Propagandaapparat.

Im Teil I über die Geheimdienstarbeit der SO geht es um die Vorläuferorganisationen in den Jahren 1959 bis 1966. Er behandelt den Zeitraum bis zur Gründung des berüchtigten Geheimdienstes "Guardian Office" (GO) im März 1966, um den es im Teil II geht. Der daran anknüpfende Teil III befaßt sich schließlich mit der 1983 ins Leben gerufenen Nachfolgeorganisation "Office of Special Affairs" (OSA).

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Re: Verfassungsschutz 2001 über Scientology
« Reply #2 on: September 22, 2018, 06:58:45 PM »

http://web.archive.org/web/20010210212049/http://www.hamburg.de:80/Behoerden/LfV/so/kap21.htm

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II. Die geheimdienstlichen Vorläuferorganisationen

    (1959 - 1966)

1. Das "Handbuch des Rechts"

Der zunehmende Widerstand gegen Scientology und die sog. Dianetik - hauptsächlich im Ursprungsland Amerika - veranlaßte HUBBARD schon frühzeitig zu Überlegungen, wie beide wirksamer geschützt und ihre Expansion gegen die angeblich zunehmende "Unterdrückung" forciert werden könnte. Nach Einschätzung HUBBARDs seien bis 1958 lediglich kleinere Scharmützel mit Scientology-Gegnern aus den eigenen Reihen, d.h. mit Abtrünnigen, sowie mit einzelnen amerikanischen Behörden ausgetragen worden. Ab diesem Zeitpunkt aber sei der "Krieg" eskaliert und akuter Handlungsbedarf entstanden. 1959 entwickelte HUBBARD daher ein Nachrichtendienstsystem, das gleichermaßen für die Überwachung der eigenen Anhänger wie der Feinde von Scientology gedacht war und letztere einer ständigen Belästigung und Verfolgung aussetzen sollte. HUBBARD faßte seine Ideen zunächst im sogenannten "Handbuch des Rechts" 16 zusammen, dem folgender Leitgedanke zugrunde liegt:

"Leute greifen Scientology an: ich vergesse das nie, ich zahle immer mit gleicher Münze zurück bis der Punktestand ausgeglichen ist. ... Alle diese Dinge summieren sich zu einem Hut 17 für Recht."

Das "Recht" im HUBBARDschen Sinne gliedert sich in vier Teilgebiete auf:

1. Nachrichtendienstliche Tätigkeiten

2. Beweisuntersuchung

3. Urteil oder Strafe

4. Rehabilitation

Am Anfang dieser Strategiekette steht das Sammeln und Auswerten von Informationen aus allen zugänglichen Quellen über Personen, Organisationen und deren Aktivitäten mit dem Ziel, sich ein umfassendes Lagebild zu verschaffen. Schon damals hatte HUBBARD eine klare Vorstellung über Nutzen und Bedeutung dieser Maßnahmen für die Entwicklung von Scientology:

"Sorgfältig erinnert oder abgelegt und mit Querverweisen indiziert erzählen diese Daten eines Tages ihre eigene Geschichte. ... Wenn irgendwo ein Angriff auf Scientology beginnt, schauen wir uns die Leute an, die daran beteiligt sind und legen sie lahm. Der Angriff verschwindet. Der Grund, weshalb wir heute stabile Organisationen haben, wo wir früher nur Trümmer hatten, liegt darin, daß wir nachrichtendienstliche Wege gehen, um unsere Freunde von unseren Feinden zu unterscheiden, und daß wir schnell handeln. Es ist nicht so sehr bessere Organisation, sondern vielmehr der zusätzliche Friede, den wir uns durch wachsamere nachrichtendienstliche Aktivität erkauft haben. Wir kennen unsere Feinde, ehe sie zuschlagen. Wir halten sie von wichtigen Positionen fern. ... Nachrichtendienstliche Wachsamkeit ... zahlt sich aus in Form von Ruhe, Wachstum und Fortschritt. ... Nachrichtendienstarbeit ist daher die Tätigkeit, die Daten sammelt und sie summiert, damit wir unsere Feinde von unseren Freunden unterscheiden können und damit wir in jeder gegebenen Situation die Verursacher des Ärgers herausfiltern können ...".

Der zweite Bereich, der auf der nachrichtendienstlichen Arbeit aufbaut bzw. diese ergänzt, ist die "Beweisuntersuchung" :

"Wenn Dinge schief laufen und wir nicht schon durch nachrichtendienstliche Tätigkeit wissen, warum, dann verlegen wir uns aufs Untersuchen. Wenn wir es für nötig erachten, jemanden nachzustellen, dann untersuchen wir. Untersuchen ist das sorgfältige Entdecken und Sortieren von Fakten. Ohne eine gute Untersuchung gibt es keine Gerechtigkeit, nur planlose Rache. Wenn wir untersuchen, dann tun wir das immer geräuschvoll. ... Merken Sie sich das eine - durch Untersuchung alleine können wir Angriffe drosseln ... Die Macht liegt allein schon im Stellen von Fragen! ... Merken Sie sich, ein Nachrichtendienst arbeitet auf Flüsterebene. Untersuchungen werden mit einem Schrei durchgeführt. Immer. ...

Bekommen Sie die Namen ... Klauben Sie sie mit dem auseinander, was Sie schon über sie wissen. ... eine Untersuchung (muß sich) immer gegen eine bestimmte Person, die Zeit und den Ort richten. Sonst geraten Sie in ein Dickicht von Verallgemeinerungen und erreichen nichts."

Um Untersuchungen durchzuführen, empfahl HUBBARD, auch auf "externe" Quellen zurückzugreifen:

"Offene Untersuchung durch eine externe Detektei von jemanden oder etwas, der oder das uns angreift, sollte öfter getan werden, und pfeifen Sie auf die Kosten. Es ist sehr wirkungsvoll.... Detektive kosten Hunderte. Sie sparen Tausende."

Im Gegensatz zu Äußerungen bei anderen Gelegenheiten merkte HUBBARD im "Handbuch des Rechts" an, daß Gerichtsklagen wenig erfolgversprechend - da zeitraubend, wenig nutzbringend, aber sehr aufwendig - seien. Am besten sei es, wenn bereits die Klagedrohung zum gewünschten Ergebnis führe. Demgegenüber ließ HUBBARD an anderer Stelle jedoch schon früh durchblicken, daß Prozesse aus seiner Sicht durchaus von Nutzen sein können:

"Der Zweck von Prozessen ist, zu quälen und zu entmutigen, nicht so sehr zu gewinnen. ... Das Gesetz kann sehr leicht dazu gebraucht werden, um zu quälen ... 18

Auch für den Fall, daß Scientology selber Gegenstand einer Untersuchung werden sollte, gab HUBBARD entsprechende Anweisungen:

"Wenn Sie oder die zentrale Organisation untersucht werden - sitzen Sie still, kooperieren Sie nicht. ... und geben Sie freiwillig keine Informationen. Stellen Sie zuallererst sicher, daß Sie von vornherein mit beiden Beinen auf dem Boden von Recht und Gesetz des jeweiligen Landes stehen. Schmeißen Sie danach alles Untersuchungspersonal und Reporter die Treppe hinunter."

Das elitäre Sendungsbewußtsein HUBBARDs und die totalitären Tendenzen von Scientology kommen besonders deutlich bei seinen Feststellungen zum Bereich "Urteil und Bestrafung" zum Vorschein:

"Niemand unter uns richtet oder bestraft gerne. Trotzdem sind wir vielleicht die einzigen Leute auf der Erde mit einem Recht zu bestrafen ...".

Für HUBBARD ist es dabei unerheblich, ob der Betroffene Schuldbewußtsein oder Einsicht zeigt:

"Schuld wird durch die Aktionen und Äußerungen einer Person festgestellt, durch Zeugen und schriftliche Beweise ... Eine Person kann im Unrecht sein, ohne daß sie es erkennt, daß sie unrecht handelte. Welcher Kriminelle sieht jemals ein, wie unrecht seine Taten sind?"

Seiner Ansicht nach folgt dem Angriff auf Scientology aufgrund ihrer geistigen Überlegenheit die Strafe häufig automatisch auf dem Fuße:

"Dianetik und Scientology sind Lehren, die sich selbst beschützen. Wenn sie jemand angreift, dann greift er das gesamte Know-how des Minds an. ... Zu diesem Zeitpunkt gibt es Menschen auf dieser Erde, die sich vor Furcht verstecken, weil sie herausfanden, was sie angegriffen haben. Leute sind tot, weil sie uns angegriffen haben. (Sie starben einfach, weil sie erkannten, was sie taten). Leute sind bankrott, weil sie uns angriffen. Wie Sie sehen, ergibt sich die Bestrafung fast von alleine."

In manchen Angelegenheiten sei jedoch manchmal eine unmittelbare Bestrafung erforderlich:

"Verwenden Sie staatliche Behörden, wenn es nicht anders geht, ... aber versuchen Sie zu handeln, ohne die örtlichen Gesetzesvertreter miteinzubeziehen. Wir sind immer besser dran, wenn wir es selbst oder mit Privatdetektiven machen ... Seien Sie gerecht. Stecken Sie nicht routinemäßig einen Kopf auf die Lanze, solange es nicht der richtige Kopf ist. Aber denken Sie daran, daß es Zeiten gibt (H.i.O.) in denen es lebenswichtig ist, einen Kopf, irgendeinen Kopf, auf die Lanze zu stecken, um aufkeimende Unordnung zu ersticken."

Bereits in diesen wenigen Äußerungen HUBBARDs aus der Frühzeit der Scientology wird deutlich, mit welchen Strategien und Methoden sich Scientology gegen innere und äußere Gegner durchzusetzen gedachte.

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Re: Verfassungsschutz 2001 über Scientology
« Reply #3 on: September 22, 2018, 07:00:36 PM »

http://web.archive.org/web/20010208110233/http://www.hamburg.de:80/Behoerden/LfV/so/kap22.htm

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2. Der "Spezialbereichsplan"

Neben dem Kampf gegen "Unterdrückung" entwickelte HUBBARD auch eine Offensivstrategie zur Expansion von Scientology. Von Anfang an folgte er dabei dem Gedanken, Scientology in allen Bereichen der Gesellschaft, in der Wirtschaft und im Staatswesen als führende Leitphilosophie und Handlungskonzeption ("Scientology Technologie") zu etablieren. Im Juni 1960 schritt er voran, in allen Scientology-Organisationen auf der Grundlage seines neu entwickelten sogenannten "Spezialbereichsplans" ("Special Zone Plan") 19 Spezialbereichs-Abteilungen ("Spezial Zone Departments") einzurichten. Auf diesem Wege wollte er die vielfältigen Anstrengungen von Scientology, die Gesellschaft zu durchdringen, besser koordinieren.

HUBBARD erklärte, Scientologen seien "Ärzte auf der Dritten und Vierten Dynamik", die die Erste und Zweite Dynamik nur deswegen in Ordnung brächten, "um auf der Dritten und Vierten Dynamik ein besseres Funktionieren zu erzielen". Scientology sei in der Lage, den "Zyklus des Zerfalls" der gegenwärtigen Zivilisation aufzuhalten und "auf der Erde einen neuen Zyklus zu starten". Die Scientologen hätten die Intelligenz, die Fähigkeit und das Know-how dazu. Jeder Scientologe könnte einen Lebensbereich auswählen, an dem Scientology interessiert ist, um dort hinzugehen und Ordnung und Erfolg in diesen Bereich zu bringen (Spezialbereichsplan). Für den staats- und gesellschaftspolitischen Bereich stellte sich HUBBARD die Vorgehensweise folgendermaßen vor:

"Eine Nation oder ein Staat funktioniert aufgrund der Fähigkeit seiner Minister, Gouverneure oder irgendwelcher Führungspersonen. Es ist leicht, in so einem Bereich einen Posten zu erhalten ... Machen Sie sich nicht die Mühe gewählt zu werden. Verschaffen Sie sich einen Posten als Mitarbeiter des Sekretariats oder als Leibwächter ... machen Sie sich daran, an der betreffenden Umgebung zu arbeiten und sie besser zum Funktionieren zu bringen ... Für mich ist es offensichtlich, daß wir auf der Dritten und Vierten Dynamik gewinnen müssen, wenn wir unsere Ziele einer besseren Welt erreichen wollen ... Wir besitzen bereits einen gewichtigen Einfluß in der Gesellschaft. Mit Spezialbereichsplänen könnten wir diese Wirkung um x-tausend Mal verstärken und in unserem jetzigen Leben unsere Ziele zumindest teilweise erreichen und eine anständige Welt schaffen, zu der wir zurückkommen können".

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Re: Verfassungsschutz 2001 über Scientology
« Reply #4 on: September 22, 2018, 07:03:27 PM »

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3. "Department of Government Affairs"

    (Abteilung für Regierungsangelegenheiten)

Nur zwei Monate später, im August 1960, wurden diese Einrichtungen in die neu geschaffene "Abteilung für Regierungsangelegenheiten" ("Department of Government Affairs") eingegliedert. Mit der Herausgabe des entsprechenden Richtlinienbriefes 20 hob HUBBARD die zuvor ergangenen Anweisungen zur Errichtung der genannten Spezialbereichsabteilungen auf bzw. ersetzte sie. Organisatorisch war diese neue Abteilung direkt an die "HUBBARD Association of Scientologists International" (HASI) angebunden, der Vorläuferin der 1984 gegründeten "International Association of Scientologists" (IAS). Sie befand sich damit zunächst außerhalb der Strukturen der zentralen Organisation und des "HUBBARD Kommunikationsbüros" (HCO).

Die Gründung der "Abteilung für Regierungsangelegenheiten" erfolgte in erster Linie als Reaktion auf den zunehmenden Aufwand für die SO, sich mit Rechts- und Steuerangelegenheiten sowie anderen Regierungsangelegenheiten auseinandersetzen zu müssen. Die Abteilung sollte sicherstellen, daß die "Kirchen" und "Missionen" ihre Aufmerksamkeit auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren konnten (Verkauf und Lieferung von Materialien und Dienstleistungen an die Öffentlichkeit) und nicht mit aufgabenfremden Angelegenheiten belastet würden. Vordergründig ging es also zunächst darum, diese neuen Aufgaben zu bündeln. Intern wurden dieser Abteilung dazu weitreichende Befugnisse eingeräumt. Die Arbeit der von Scientology beauftragten Rechtsanwälte unterstand ihrer Aufsicht. Sämtliche größeren finanziellen Verpflichtungen, Verträge, Einkäufe, etc. unterlagen ihrer Vorprüfung. Langfristig jedoch, so läßt sich aus diesem Richtlinienbrief schließen, sollte diese Abteilung als in den staatspolitischen Bereich eindringende Speerspitze scientologischer Einflußnahme dienen, um "Regierungen darin zu assistieren, stabile Verhältnisse aufrechtzuerhalten". Statt konstruktiver Politikunterstützung offenbarte HUBBARD aber nur erneut die offensiv-aggressive Kampfstrategie und die totalitären Ziele der Scientology. Das Department bezwecke, so HUBBARD:

"Einwirkungsmöglichkeiten auf Regierungen und andere Organisationen zu verbreitern und sich selbst so zu führen, daß der Name und der Ruf von Scientology verbessert und gestärkt wird. Deshalb werden Verteidigungstaktiken im Department abgelehnt. Wir versuchen nicht, die zentralen Organisationen und die HCOs "gut" zu machen. Wir versuchen ihre Reichweite sicher und effektiver zu machen. Nur Angriffe lösen Bedrohungen auf. Im Angesicht der Gefahren, die von Regierungen und Gerichten ausgehen, gibt es nur zwei Fehler, die man machen kann: (a) nichts zu tun (b) sich zu verteidigen. Die richtige Vorgehensweise gegen Bedrohungen ist (1) Finden Sie heraus, ob wir das angebotene Spiel spielen wollen oder nicht (2) Wenn nicht, bringen Sie das angebotene Spiel zum entgleisen mit einem Täuschungsmanöver oder einem Angriff auf den verwundbarsten Punkt, den Sie in den feindlichen Reihen entdecken können (3) Erzeugen Sie genug Bedrohung und Tumult, daß der Feind verzagt ...

Wenn man an irgendeinem verwundbaren Punkt von irgendwem, irgend etwas oder irgendeiner Organisation angegriffen wird, finden Sie oder stellen Sie genug Bedrohungen her, die sie dazu veranlassen, um Frieden nachzusuchen. ... Verteidigen Sie sich niemals, greifen Sie immer an ... (H.n.i.O.). Unerwartete Angriffe in den Rücken der feindlichen Frontlinien funktionieren am besten. ...

Um zu gewinnen, brauchen wir Finanzen und Schwung. ... Wenn das Department mit Schwung und Elan arbeitet ... gewährleistet es einen Schirm, hinter dem die Organisationen arbeiten können. ...

Das Ziel des Departments ist es, Regierungen und feindlich gesinnte Philosophien oder Gesellschaften in einen Zustand vollständiger Übereinstimmung mit den Zielen von Scientology zu bringen (H.n.i.O.). Dies geschieht durch die hochgradige Fähigkeit zu kontrollieren und durch die Abwesenheit einer nur geringen Fähigkeit zu überwältigen. Dringen Sie in solche Einrichtungen ein. Kontrollieren Sie solche Einrichtungen. Scientology ist das einzige Spiel auf der Erde, bei dem jeder gewinnt. Die richtige Ordnung herzustellen ist kein Overt."

HUBBARD definiert den Begriff "Overt" als eine schädliche oder gegen das Überleben gerichtete Handlung bzw. als eine Tat oder Unterlassung, die die Mehrzahl der Dynamiken schädigt. Mit anderen Worten: Eine scientologische Gesellschaftsordnung mit allen Mitteln durchzusetzen, wäre kein Verbrechen. Ein Verbrechen wäre es danach vielmehr, es nicht zu tun, denn HUBBARD schreibt weiter:

"Deshalb wäre die Unterlassung, eine Person oder Sache, durch die viel Schaden angerichtet würde, nicht zu vernichten oder aufzuhalten, ein Overt. Genauso wäre die Unterstützung für etwas, das die Mehrzahl der Dynamiken schädigt, auch ein Overt." 21

Die totalitäre Denkstruktur HUBBARDs und seine Gewaltakzeptanz lassen sich kaum besser als mit dieser Aussage illustrieren: Das Versäumnis oder die Weigerung, angeblich negative oder unterdrückerische Handlungen und die daran beteiligten Personen rücksichtslos zu bekämpfen, wird selbst als strafwürdige Handlung eingestuft.

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Re: Verfassungsschutz 2001 über Scientology
« Reply #5 on: September 22, 2018, 07:04:38 PM »

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4. "Department of Official Affairs"

    (Abteilung für Offizielle Angelegenheiten)

Am 13. März 1961 ersetzte HUBBARD mit einem Richtlinienbrief die "Abteilung für Regierungsangelegenheiten" durch die "Abteilung für Offizielle Angelegenheiten" ("Department of Official Affairs") . 22 Geändert wurde im wesentlichen aber nur der Name; alle Anweisungen blieben in Kraft, einschließlich des Auftrages zur Infiltration und Kontrolle von Regierungen. Das neue Department fungierte weiterhin als aktenführende Stelle, die alle Anti-Scientology-Gruppen, -Personen und -Aktivitäten erfaßte.

In diesem Richtlinienbrief verglich HUBBARD die umbenannte Abteilung erstmals mit einem aus dem politischen Bereich bekannten "Ministerium für Propaganda und Sicherheit" und bezeichnete dieses ausdrücklich als scientologisches "Äquivalent". Zweck dieser Abteilung sei es, die öffentliche Präsentation, die rechtliche Position und die Akzeptanz von Scientology auf staatlicher Seite zu verbessern. Es sei u.a. eine ihrer vorrangigen Aufgaben, "kontinuierlich Druck auf Regierungen auszuüben, eine pro-Scientology-Gesetzgebung zu schaffen". Auch die Infiltrationsstrategie von Scientology wurde von HUBBARD präzisiert:

"Obwohl es so scheint, daß das Department die Dritte Dynamik zur Zielscheibe hat, behandelt es tatsächlich nichts anderes als Individuen. Um die Aktivitäten zum Ziel zu bringen, ist es nur nötig, sich Freunde und Verbündete zu schaffen, die Einfluß haben . ... Die Aktion, Gruppen zu beeinflussen, besteht darin, den jeweiligen Kopf der Bündnisgruppen für sich einzunehmen."

HUBBARD übertrug dieses Prinzip - gemäß den bekannten "Spezialbereichsplänen" - auch auf die politische Ebene:

"Die Aktion, eine pro-Scientology-Regierung hervorzubringen, besteht darin, sich die am höchsten plazierte Person im Regierungsapparat, die man erreichen kann, zum Freund zu machen, und im privaten Haushalt und in Büropositionen in ihrer Nähe Scientologen zu postieren und dafür zu sorgen, daß Scientology ihre Schwierigkeiten und ihren Fall (Anmerkung: seelische Belastungen) löst."

Jeder Scientologe ist danach also - bewußt oder unbewußt - ein potentieller Scientology-Agent, der die Interessen der Organisation in seinem jeweiligen Einflußbereich in der Gesellschaft, in der Wirtschaft und in der Politik wahrzunehmen hat.

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Re: Verfassungsschutz 2001 über Scientology
« Reply #6 on: September 22, 2018, 07:05:35 PM »

http://web.archive.org/web/20010210212752/http://www.hamburg.de:80/Behoerden/LfV/so/kap25.htm


[*quote*]
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5. "Public Investigation Section"

    (Öffentliche Ermittlungsabteilung)

Mit der Gründung der sogenannten "Öffentlichen Ermittlungsabteilung ("Public Investigation Section") am 17. Februar 1966 23 erlangte die Etablierung eines professionellen Geheimdienstes noch konkretere Formen. Die Ermittlungsabteilung hatte nach eigener Darstellung die Aufgabe, HUBBARD bei Nachforschungen über öffentliche Angelegenheiten zu helfen, die angeblich die menschliche Freiheit verhinderten. Wissenswertes über diese Angelegenheiten sollte als notwendige Voraussetzung erforscht und enthüllt werden, um den Fortschritt der Scientology zu steuern:

"Scientology steht für Freiheit. Diejenigen, die keine Freiheit wollen, neigen dazu, Scientology anzugreifen. Diese Sektion untersucht die einzelnen Mitglieder der Angreifergruppen und sorgt dafür, daß die Ergebnisse der Nachforschungen entsprechende rechtliche Schritte nach sich ziehen und öffentlich bekannt werden."

Die neue Abteilung sollte vollständig aus professionellen Ermittlern bestehen und alle Funktionen eines Nachrichtendienstes und eines Propagandaamtes ausüben sowie alle entsprechenden Mittel einsetzen. Konkret wurde festgelegt, daß jede Scientology-Organisation mit mindestens 150 Leuten eine solche Abteilung zu bilden hat. Im einzelnen führte HUBBARD aus:

"Das Personal für diese Abteilung wird durch vertrauliche Inserate gesucht. Wir geben dazu nur unsere Telefonnummer an und die interessierten Leute werden zu Personalbesprechungen ... herangezogen. Bei der Auswahl dieses Personals muß größte Sorgfalt angewendet werden, vor allem, was die frühere Tätigkeit dieser Leute anbelangt. ... Man wird sehen, daß die Abteilung all die nützlichen Funktionen einer Spionage- und Propaganda-Agentur hat. Sie findet die notwendigen Daten und achtet darauf, daß gehandelt wird ... Wir benützen die herkömmlichen Spionagetechniken. Die Abteilung führt eine Akte über jedes Projekt und Akten nach Namen von Personen innerhalb dieses Projektes. Dieses Verzeichnis enthält auch Namensverweise, etc."

Und weiter heißt es dort:

"Diese Sektion sollte erkennen, daß die Medien und die Öffentlichkeit an Mord, Gewaltanwendung, Zerstörung, Gewalt, Sex und Unehrlichkeit interessiert sind, und zwar in dieser Reihenfolge. Untersuchungen, die diese Faktoren in den Aktivitäten der Individuen einer Scientology angreifenden Gruppe aufspüren, sind so wertvoll, wie sie eine Reihe dieser Faktoren enthalten."

Was HUBBARD unter Nachforschungen verstand und wie diese ablaufen sollten, konkretisierte er u.a. in einem kurz darauf veröffentlichten, eingangs bereits zitierten Richtlinienbrief zum Thema "Angriffe auf Scientology" 24:

"Stimmen Sie NIEMALS einer Untersuchung von Scientology zu. Stimmen Sie NUR einer Untersuchung der Angreifer zu. ...

Folgendes ist das korrekte Verfahren:

1. Finden Sie heraus, wer uns angreift.

2. Beginnen Sie damit, ihn augenblicklich auf Begehung von KAPITALVERBRECHEN oder Schlimmeren hin zu untersuchen, ...

3. Verbinden Sie unsere Antwort mit einem Gegenangriff, indem Sie eine Untersuchung des Gegners begrüßen.

4. Beginnen Sie damit, die Presse mit erschütternden Berichten von Blut, Sex und Verbrechen mit tatsächlichen Beweisen über die Angreifer zu füttern.

Unterwerfen Sie sich niemals auf zahme Weise einer Untersuchung von Scientology. Machen Sie es Angreifern die ganze Zeit hart und dornenreich."

Die Rechtfertigung für diese Vorgehensweise leitete HUBBARD aus seiner langjährigen angeblichen Erfahrung ab, daß jeder, der Scientology kritisiere, kriminell sei:

"Es gab bisher keinen Angreifer, der nicht vor lauter Verbrechen stank. Alles, was wir tun mußten, war nachzuschauen, und Mord kam zum Vorschein."

Gruppen, die Scientology angreifen, seien, so HUBBARD, "um es vorsichtig auszudrücken, geistig nicht gesund". Gemäß der scientologischen "Technologie" bedeutet dies, daß sie schändliche Fakten und Bereiche zu verbergen haben, die aufgedeckt werden müssen, damit sich - wie beim individuellen Auditing - diese Bereiche von "Geisteskrankheit" in der Gesellschaft auflösen könnten. 25 HUBBARDs Taktik ist es also, den Spieß umzudrehen und den Angreifer in die Rolle des Angegriffenen zu versetzen, der sich rechtfertigen soll. Dieses Vorgehen sei aus seiner Sicht bislang immer erfolgreich gewesen:

"Solange wir unsere Rolle als Gesellschaftsauditor vernachlässigen, werden wir angegriffen werden. ... Das Vorgehen, wie man Initiative ergreift, besteht darin, unsere eigenen Profis zu benutzen, um Teile der Gesellschaft intensiv zu untersuchen, die uns angreifen könnten. Sorgen Sie für einen ganzen Schrank voller Munition. Stellen Sie die Richtigkeit unserer Tatsachen sicher. Und dann entlarven Sie über die Presse." 26

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Re: Verfassungsschutz 2001 über Scientology
« Reply #7 on: September 22, 2018, 07:20:46 PM »

http://web.archive.org/web/20010609181845/http://www.hamburg.de:80/Behoerden/LfV/so/kap26.htm


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6. Das "Freiwild"-Gesetz

Daß Scientology bei der Verfolgung ihrer Kritiker und zur Erreichung ihrer Ziele vor kaum einem Mittel zurückschreckt und sich häufig erst mit der völligen Vernichtung des Gegners zufrieden gibt, ist nicht nur eine naheliegende Schlußfolgerung aus den zitierten Anweisungen HUBBARDs, sondern auch anhand zahlreicher konkreter Beispiele nachgewiesen. Gemäß dem von HUBBARD begründeten Dogma, daß alle gegen Scientology öffentlich auftretenden Personen "Kriminelle" und "Unterdrückerische Personen" sind, erließ der Scientology-Gründer zahlreiche Richtlinienbriefe und Anweisungen, die hinsichtlich der zugedachten speziellen Behandlung dieses Personenkreises noch deutlicher werden. Die Palette der zur Verfügung stehenden Mittel reicht von offener und verdeckter Materialsammlung über Psychoterror, Bespitzelung, falschen Beschuldigungen, Strafanzeigen und Verleumdungen ("Schwarze Propaganda"), Diebstahl und Einbrüchen bis hin zu tätlichen Angriffen und - zumindest wurde dies von einem ehemaligen amerikanischen OSA-Agenten in einer Eidesstattlichen Versicherung 1994 behauptet - Mordversuchen.

Die Anzahl der sog. "Unterdrückerischen Personen" taxierte HUBBARD auf "etwa 2,5 % der Bevölkerung". Weitere 17,5 % seien sogenannte "Potentielle Schwierigkeitsquellen" ("Potential Trouble Source", PTS), Personen, die unter dem Einfluß von "Unterdrückern" stehen. HUBBARD erklärte hierzu weiter:

"Es gibt gewisse Merkmale und geistige Einstellungen, die etwa 20 % einer Rasse dazu bewegen, sich jeder Unternehmung oder Gruppe, die etwas verbessern will (Anmerkung: gemeint ist die SO), mit Gewalt zu widersetzen. ... Da sie nur 20 % der Bevölkerung ausmachen, und da nur 2,5 % unter diesen 20 % wahrhaftig gefährlich sind, sehen wir, daß wir mit nur sehr wenig Anstrengung die Lage der Gesellschaft wesentlich verbessern können. ... Ebenso könnte sowohl sozial als auch wirtschaftlich Erholung eintreten, wenn die Gesellschaft diesen Persönlichkeitstyp als ein krankes Wesen erkennen und ihn isolieren würde, so wie sie jetzt Leute mit Pocken in Quarantäne steckt." 27

Bekannt wurden die Verfolgungspraktiken der scientologischen Geheimdienstorganisationen unter dem Namen "Freiwild"-Gesetz ("Fair Game"), das nicht ohne Grund an die mittelalterliche Praxis des "Vogelfrei"-Erklärens erinnert. 1965 erließ HUBBARD nach eigener Aussage drei Richtlinienbriefe 28, in denen auf dieses "Freiwild"-Gesetz Bezug genommen wird. Obwohl die Richtlinienbriefe wieder zurückgezogen bzw. der offenen Kenntnisnahme entzogen wurden, wurden sie weiterhin vom Geheimdienst der SO als Ausbildungsrichtlinien verwendet. Noch 1980 mußten führende Funktionäre der Scientology während eines Gerichtsverfahrens zugeben, daß das "Freiwild"-Gesetz nie wirklich abgeschafft worden sei. 29 Mehrere hochrangige amerikanische SO-Aussteiger, die selber Opfer des "Freiwild"-Gesetzes waren, bezeugten unabhängig voneinander, daß dieses Gesetz bis heute eine bindende Richtlinie der SO ist.

Der Richtlinienbrief vom 21. Oktober 1968 30, mit dem angeblich das "Freiwild"-Gesetz aufgehoben wurde, ist entsprechend zweideutig formuliert. In dieser Erklärung heißt es, daß die Praktik, Leute zum Freiwild zu erklären, aufhören werde. "Freiwild" dürfe nicht auf irgendeiner Ethik-Order erscheinen. Es verursache schlechte Beziehungen zur Öffentlichkeit. Diese feinsinnige Formulierung ist auch so zu interpretieren, daß nur die Praktik des Erklärens aufhören soll; davon, daß die Praktik, jemanden als "Freiwild" zu behandeln, aufhören soll, ist nicht die Rede und offensichtlich auch nicht gemeint. Im Gegenteil: Ausdrücklich wird hervorgehoben, daß dieser Richtlinienbrief "keine Policy über die Behandlung oder Handhabung eines SPs" aufhebt. Bis heute aber werden von der SO sogenannte SP-Erklärungen herausgegeben. 31 Zu den erwähnten Richtlinienbriefen, die von der Rücknahme inhaltlich nicht betroffen sind, gehört beispielsweise ein Exemplar vom 18. Oktober 1967 über die "Strafen für niedrigere Zustände", in dem die gnadenlose Verfolgung von SPs eindeutig beschrieben wird. Wörtlich heißt es dort zum Ethik-Zustand "Feind":

"SP-Order (Anmerkung: Erklärung zur "Unterdrückerischen Person"). Freiwild. Ihr kann das Vermögen weggenommen werden, oder ihr kann durch jedes Mittel Schaden zugefügt werden von jedem Scientologen, ohne daß dieser dafür irgendwie zur Rechenschaft gezogen wird. Sie kann ausgetrickst, verklagt oder belogen oder vernichtet werden." 32

In einer Eidesstattlichen Erklärung vom 22. März 1976 behauptete HUBBARD im Widerspruch zu dieser Aussage, daß er mit den "Freiwild"-Richtlinien niemals die Absicht verfolgt habe, "illegale oder Angriffsaktionen gegen irgend jemanden zu autorisieren." Das Gegenteil war jedoch der Fall: Unter Führung des weltweit aktiven Geheimdienstes "Guardian Office" (GO), der kurze Zeit später in die Fußstapfen seiner Vorläuferorganisationen trat, nahm in den folgenden Jahren die "ethisch" legitimierte Verfolgung von Abtrünnigen und Scientology-Gegnern und das z.T. kriminelle Machtstreben der Scientology bislang ungeahnte Ausmaße an.

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Re: Verfassungsschutz 2001 über Scientology
« Reply #8 on: September 22, 2018, 07:25:56 PM »

http://web.archive.org/web/20010210213109/http://www.hamburg.de:80/Behoerden/LfV/so/kap3.htm

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III. Das "Guardian Office" (GO) (1966 - 1983) 33

"Es gibt vermutlich keine Grenze in bezug darauf, was ich tun würde,

um des Menschen einzigen Weg hinaus zu schützen, gegen jene, ...,

die versuchen Scientology zu stoppen ..." 34

L. Ron HUBBARD

1. Gründung und Aufbau

Nur zwei Wochen nach Etablierung der "Öffentlichen Ermittlungsabteilung" ("Public Investigation Section") wurde ein weiterer Posten an der Spitze des Geheimdienstapparates installiert: Der "Guardian" (Wächter). 35 HUBBARD verstand diese Funktion zunächst als "Treuhänder" der Scientology. Der "Guardian" sollte HUBBARD darin unterstützen, Richtlinien durchzusetzen und herauszugeben. Er sollte die einzelnen Organisationen beschützen und helfen, Scientology langfristig zu fördern. Der erste "Guardian" der Organisation wurde Mary Sue HUBBARD, die dritte Ehefrau des Scientology-Gründers. Der Posten wurde sehr schnell zu einer eigenen Organisation, dem "Guardian Office" (GO), ausgebaut. Sie integrierte alle bis dahin existierenden Funktionen und Einrichtungen des SO-Geheimdienst- und Propagandaapparates. An der Spitze der Organisation stand der "Guardian World Wide" (Guardian WW). Mit einem Richtlinienbrief vom 21. Januar 1969 wurde ein weiterer, dem Guardian WW übergeordneter Posten geschaffen, der "Controller". Dieses Amt wurde auf Lebenszeit an Mary Sue HUBBARD vergeben. Nachfolgerin auf dem Posten des Guardian WW wurde Jane KEMBER.

Seinen Hauptsitz hatte das GO in Saint Hill Manor/East Grinstead in der Nähe von London, dem damaligen Wohnsitz HUBBARDs. Organisatorisch war es in das "HUBBARD Kommunikationsbüro" (HCO) eingegliedert und - entsprechend der auf allen Hierarchieebenen gleichen Organisationsstruktur - in den Scientology "Orgs" in der jeweiligen Führungsabteilung Abt. 7 ("Executive Division 7") vertreten. Die Führungslinie verlief von dem sog. "Assistant Guardian" einer jeden Organisation, dessen Posten direkt hinter dem des Leitenden Direktors (Executive Director, ED) in der Führungsspitze der "Org" angesiedelt war, zum Guardian der jeweiligen Kontinentalorganisation, der wiederum dem "Guardian WW" unterstand. 36 Die Mitarbeiter des GO unterstanden also nicht dem jeweiligen Leiter der örtlichen Organisationen, sondern hatten die Befehlsstränge innerhalb ihres eigenen GO-Netzwerkes zu beachten. Das GO war innerhalb der Scientology zunächst ganz offen als Geheimdienstbüro ("Intelligence Bureau") bekannt. Später wurde dieser Name wohl aus Tarnungsgründen in den etwas harmloser klingenden Namen "Information Bureau" geändert. Dieses Manöver konnte letztendlich aber nicht verschleiern, daß das GO mehr noch als alle seine Vorläuferorganisationen wie ein klassischer Geheimdienst operierte, daß es weitaus besser organisiert und strukturiert war und zudem eine bemerkenswerte Professionalität und Effektivität an den Tag legte.

Obwohl HUBBARD selbst offiziell keine Funktion ausübte, arbeitete das GO unter seiner Aufsicht. HUBBARD ließ sich wöchentlich über die wichtigsten Ereignisse und Geheimdienstaktivitäten informieren. Im Laufe der Jahre gewann das GO immer größere Bedeutung im System, so daß es als das eigentliche Macht- und Entscheidungszentrum der SO bezeichnet werden kann. In den siebziger Jahren hatte nach Aussage von Robert Vaughn YOUNG, der von 1971 bis 1989 dem GO bzw. OSA in leitender Funktion angehörte, das GO weltweit 400 bis 500 vollzeitliche Mitarbeiter. Etwa 200 Personen arbeiteten in der Zentrale in Los Angeles, die übrigen Mitarbeiter verteilten sich weltweit auf etwa 25 Büros, die meisten davon in Nordamerika und Europa. Der Ex-Scientologe Jon ATACK behauptet sogar unter Berufung auf eine gerichtliche Erklärung von David MISCAVIGE aus dem Jahr 1994, daß dem GO insgesamt 1.100 Mitarbeiter angehört hätten und eine nicht bekannte Zahl sog. "Field Staff Members" (FSM, neben- oder hauptamtlich tätige Mitarbeiter im Außendienst). HUBBARD habe sich, so ATACK, mit dem GO den bis dahin vermutlich größten und effektivsten privaten Geheimdienst in der Geschichte der Menschheit geschaffen. 37

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Re: Verfassungsschutz 2001 über Scientology
« Reply #9 on: September 22, 2018, 07:27:20 PM »

http://web.archive.org/web/20010210211623/http://www.hamburg.de:80/Behoerden/LfV/so/kap32.htm

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2. Die Abteilungen und Aufgabenbereiche des GO

In einer 1976 von der "Scientology Kirche Deutschland e.V." (SKD) herausgegebenen offiziellen Informationsschrift über das "Guardian Office Deutschland" rühmte HUBBARD das GO überschwenglich und bestätigte dessen überragenden Stellenwert innerhalb der Gesamtorganisation:

"Es gibt kein erfolgreicheres Organisationsnetz als das BÜRO DES GUARDIAN. ... Das heißt nicht, daß dies nur innerhalb von Scientology oder in den Organisationen zutrifft. Es ist möglich, daß es in den düsteren Weiten der Geschichte einmal eine Aktivität gegeben hat, die ebenso erfolgreich war. Wenn dem so ist, weiß ich nichts darüber."

Die für Scientology existentiell wichtige Bedeutung des GO wird auch durch ein in der vorgenannten Informationsschrift abgedrucktes Belobigungsschreiben HUBBARDs vom 23. Juni 1974 unterstrichen:

"Vornan und weit über den anderen steht das GUARDIAN ORGANISATIONSNETZ. Es gibt keine vergleichbare Gruppe auf diesem Planeten. Es expandiert und verteidigt Scientology überall auf der Erde und hat schon lange den Machtzustand 38 überschritten."

Und an anderer Stelle erklärt HUBBARD:

"Alle, vom CS-G (Commodore´s Staff Guardian) 39 abwärts, sind tip top Leute, eine wirklich außerordentliche und unglaubliche Gruppe, für die das Unmögliche eine alltägliche Routinearbeit ist.

...

"Die beiden wirksamen Arme von Dianetics und Scientology sind die Sea Org und das Guardian Office."

Entsprechend dieser von HUBBARD bestätigten Machtposition war es selbst hohen Funktionären des internationalen Managements unmöglich, irgend etwas am GO vorbei zu entscheiden. Jede Aktivität der Organisation mußte zuerst vom GO abgesegnet sein. Nicht nur die klassischen geheimdienstlichen Aktivitäten fielen in den Zuständigkeitsbereich des GO, sondern auch alle rechtlichen, finanziellen und propagandistischen Aktivitäten von Scientology liefen von nun an unter Aufsicht und Kontrolle des neuen scientologischen Geheimdienstes. Sämtliche Finanztransaktionen auf "Org"- Ebene - einschließlich der Grundstücksgeschäfte - wurden vom dortigen "Assistant Guardian" kontrolliert. Hierzu wurde ihm für jedes Bankkonto der "Org" die Zeichnungsberechtigung übertragen.

1972 wurde in München ein deutscher GO-Ableger gegründet. Mit der raschen Expansion von Scientology seien, so die SKD 1976, auch die Aufgaben des GO in Deutschland rapide angewachsen. Obwohl sich die Mitarbeiterzahl bis 1976 nach eigenen Angaben von fünf auf 30 versechsfacht hatte, blieb die deutsche Sektion des GO im Vergleich zur Gesamtzahl der Mitarbeiterschaft eine unbedeutende Größe. In dem genannten Papier des deutschen GO findet sich eine detaillierte Stellungnahme zum Zweck der Organisation:

"Für die Expansion von Scientology ist das Guardian Büro ein unentbehrlicher Bestandteil ... es geht dabei vornehmlich um folgende Dinge:

Die Scientology Technologie in die Gesellschaft hinauszutragen, wo sie als integrierter Bestandteil die Lösung der menschlichen und gesellschaftlichen Probleme ermöglichen wird.

Die Scientology Technologie vor destruktiven Veränderungen zu bewahren..., damit eine hundertprozentig standardgemäße Anwendung und die damit verbundenen Erfolge garantiert bleiben.

Angriffe abzuwehren, die darauf abzielen, den Ruf und das Ansehen von Scientology in der Öffentlichkeit zu diskreditieren ...

Scientology, ihre Organisationen und Missionen innerhalb der geltenden Rechtssphären zu schützen ...

Finanzielles Management und Beratung, damit Scientology-Organisationen zahlungsfähig und stets kreditwürdig bleiben ...

Schaffen eines Bewußtseins und Bedürfnisses innerhalb der Gesellschaft nach Scientology.

Aufbau sozialer Aktivitäten und Initiativen, die unter Verwendung der Scientology Technologie gesellschaftliche Probleme aktiv lösen und beseitigen helfen ..."

Auch wird näher erläutert, wie das GO organisiert war. Da die Organisationsstrukturen der Scientology auf allen Ebenen (lokal, kontinental, international) gleich sind, können aus den Angaben über die deutsche GO-Organisation auch Rückschlüsse auf die internationale Struktur gezogen werden. Ursprünglich war das GO in fünf Abteilungen aufgeteilt: dem Public Relation (PR) Büro, dem Rechtsamt, dem Finanzbüro, dem Büro für soziale Aktivitäten und dem Servicebüro.

Scientology geht davon aus, daß in gesellschaftlichen Bereichen, in denen "Unethik" existiert, keine standardgemäße "Scientology Technologie" Eingang finden bzw. wirksam zur Anwendung kommen kann. Das PR-Büro spiele deshalb innerhalb der Gesellschaft auch gleichzeitig die Rolle eines "Auditors", der sozusagen auf der "Dritten Dynamik" tätig ist und dafür sorge, daß solche unmoralischen Bereiche in der Gesellschaft reformiert werden und aufhören, ihren schlechten Einfluß auf das gesamte Wohl der Menschheit auszuüben. Das Rechtsbüro ist für die Wahrung der rechtlichen Interessen der Scientology-Organisationen und ihrer Mitglieder verantwortlich, das Finanzbüro für den "finanziellen Zustand" der Einrichtungen. Für Scientology ist der finanzielle Status einer Scientology-Einrichtung oberster Maßstab für die Beurteilung der Kompetenz des jeweiligen Managements. Das Büro für soziale Aktivitäten habe die Aufgabe, die "Technologie" von HUBBARD in der Gesellschaft zur Anwendung zu bringen. In den Bereichen Drogenrehabilitation, Kriminalitätsreform, Wirtschaft und Management, Bildungs- und Gesundheitswesen sowie in vielen anderen Bereichen will Scientology ihren "Löwenanteil an Verantwortung in der Gemeinschaft und im Weltgeschehen" übernehmen. 40 Damit werde nicht nur der Zweck des GO erfüllt, sondern auch ein wichtiger Beitrag für das Erreichen des Scientology-Zieles geleistet: Ein Planet, der sobald wie möglich "clear" ist. Das Service Büro soll dafür sorgen, daß dem GO genügend gut ausgebildete Mitarbeiter zur Verfügung stehen, d.h. es soll sie entsprechend ausbilden.

Kurze Zeit später kam die sogenannte "Informationsabteilung" hinzu bzw. wurde erstmals als eigenständige Abteilung erwähnt. In einem Flugblatt des GO, das aus dem Jahr 1978 stammen dürfte, werden die Aufgaben der nunmehr sechs Abteilungen des GO einschließlich der klassischen geheimdienstlichen Aufgaben der "Informationsabteilung" 41 genau definiert:

"Das Service-Büro

trägt dazu bei, aus dem GO ein Team von "unvergleichlichen Personen" zu machen, welches daran arbeitet und bereits gearbeitet hat, eine geistig gesunde Zivilisation zu erschaffen, und zwar durch die Anwendung der Technologie, Standard Scientology Training, Auditing, Korrekturen und Ethik.

Die Informationsabteilung

ist unentbehrlich für den Einsatz des Guardian Office. Dort werden grundlegende Daten gesammelt, durch deren Auswertung vorausgesagt werden kann, wie die Dinge laufen werden, so daß man sich darauf einstellen kann, Situationen zu handhaben, die der Verbreitung von Scientology schaden könnten.

Das Presse- und Öffentlichkeitsamt

ist aufmerksam dabei, falsche Berichte über Scientology zu enthüllen und diese zu korrigieren. Hier wird moderne Technologie von L. Ron HUBBARD über Public Relations verwendet, um die allgemeine Beziehung von Scientology zur Öffentlichkeit zu handhaben - es arbeitet mit Fernsehen, Radio, Presse, VIPs und Regierungsbeamten zusammen. Das Resultat ist, daß die gute Arbeit von Scientology weit verbreitet wird und zwar durch Tausende von vorteilhaften Berichterstattungen in jeder Woche überall auf der Welt.

Das Rechtsamt

ist Schützer des Rechts für alle und alles, was Scientology betrifft. Es macht bei jenen Gerechtigkeit gültig, die danach trachten, die Expansion von Scientology zu unterdrücken. Folglich hilft es, eine geistig gesunde Zivilisation zu erschaffen - es schützt die Urheberrechte der Standard Scientology Technologie - handhabt alle rechtlichen, Regierungs- und Steuerangelegenheiten.

Die Finanzabteilung

ist mit der Verantwortung für die Sicherung des Guthabens und des guten Rufes der Kirche betraut - es bringt Zahlungsfähigkeit und geistige Gesundheit in Scientology Organisationen hinein, indem es sicherstellt, daß Richtlinien bezüglich Finanzen befolgt werden, und daß als Resultat Scientology expandiert.

Das Büro für Soziale Koordination

ist ein Reformator auf dem Gebiet der geistigen Gesundheit, der Kriminellen- und Drogenrehabilitation, der Erziehung und grundsätzlichen Menschenrechte - dynamisch erschafft es eine Anerkennung der Unentbehrlichkeit der Scientology Technologie innerhalb der Gesellschaft selber. Folglich macht es das Ziel von Scientology real, nämlich eine Zivilisation ohne Geisteskrankheit, ohne Verbrechen und ohne Krieg."

Die hier im Mittelpunkt des Interesses stehende "Informationsabteilung", also die eigentliche Geheimdienstabteilung des GO - im amerikanischen "Information Bureau" genannt -, war wiederum in mehrere sogenannte "Branches" (Zweige) gegliedert. In den Zuständigkeitsbereich von "Branch I" (B I) fiel die Sammlung von Informationen aus offen zugänglichen Quellen ("Overt Data Collection", ODC), die verdeckte Datensammlung mit nachrichtendienstlichen Mitteln ("Covert Data Collection", CDC) sowie die Durchführung von verdeckten Operationen ("Covert Operations", CO). "Branch II" (B II) war verantwortlich für die "interne Sicherheit" der Organisation.

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Re: Verfassungsschutz 2001 über Scientology
« Reply #10 on: September 22, 2018, 07:28:50 PM »

http://web.archive.org/web/20010210211523/http://www.hamburg.de:80/Behoerden/LfV/so/kap33.htm

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3. Strategien und Programme des GO und ihre Hintergründe

Für die verschiedenen Aktionsfelder der Scientology entwickelte HUBBARD jeweils eine sogenannte "Verwaltungsstufenleiter", die "Admin Scale", in der Ziel, Zweck und zu beachtende Richtlinien schriftlich fixiert sowie die für die Durchführung nötigen Pläne, Programme und Projekte definiert wurden. In der "Admin Scale" für das GO 42 definierte HUBBARD dessen Ziel folgendermaßen:

"Den Widerstand ausreichend zur Seite zu fegen, um ein Vakuum zu schaffen, in das Scientology hineinexpandieren kann."

Der "Zweck" des GO sei die Etablierung der Unentbehrlichkeit von Scientology. 43 Der Idealzustand ("Ideal Scene") sei für Scientology erreicht, wenn die

"Angreifer gegen Scientology lokalisiert und von ihren Machtpositionen entfernt sind und Scientology auf diese gelangen kann. Und jede Drohung eines Angriffs in die Schranken gewiesen ist, damit Scientology freies Feld hat."

Die "Wertvollen Endprodukte" ("Valuable Final Products", VFP) der GO-Aktivitäten seien, so HUBBARD, "mehr unterworfene Geisteshaltungen auf Seiten aller Feinde."

HUBBARDs enorme Anstrengungen, sich diesem Ziel mit einem schlagkräftigen und effektiven Geheimdienst- und Propagandaapparat zu nähern, werden verständlich, wenn man sich vergegenwärtigt, daß der Scientology-Gründer ernsthaft daran dachte, alle entscheidenden Machtpositionen in Staat und Gesellschaft zu übernehmen. Er hat diese langfristigen Ziele ("targets") der Scientology in einem nach wie vor gültigen Richtlinienbrief vom 16. Februar 1969 niedergelegt:

"Die lebenswichtigen Ziele, in die wir die meiste Zeit investieren müssen, sind:

T 1. Den Feind seiner Popularität berauben, bis sie völlig ausgelöscht ist.

T 2. Erlangung der Kontrolle oder Ergebenheit der Leiter oder Eigentümer aller Nachrichtenmedien.

T 3. Erlangung der Kontrolle oder Ergebenheit von politischen Schlüsselpersonen.

T 4. Erlangung der Kontrolle oder Ergebenheit derjenigen, die die internationalen Finanzgeschäfte überwachen und ihre Versetzung zu einem weniger unsicheren finanziellen Standard.

T 5. Die Gesellschaften, in denen wir operieren, generell neu beleben.

T 6. Eine überwältigende öffentliche Unterstützung gewinnen.

T 7. Alle ähnlichen Gruppen als Verbündete nutzen.

Dies sind natürlich sehr weitreichende Ziele. Aber es ist das, was getan werden muß, um die Langlebigkeit unserer Organisationen fortzusetzen. Unsere einzige Rechtfertigung, diese Dinge zu tun, ist, daß Scientology das einzige Spiel ist, bei dem jeder gewinnt ... Fast alles, was wir tun, geht bereits in die Richtung T 1 - T 7. Wir haben den Vorteil einer neuen vitalen Technologie und das Monopol darauf. Wir haben keinen Utopietraum oder eine fertig geplante Gesellschaft. Wir versuchen zu überleben. Unsere Theorie ist, daß wenn Individuen ehrlicher und weniger beunruhigt werden, dann werden sie auch fähig sein, eine bessere Gesellschaft aufzubauen. ... Wenn wir alle Gruppen wechselseitig und alle noch vorhandenen Kräfte nutzen und kanalisieren, haben wir eine sehr große Chance zu gewinnen. ... So können und müssen wir die Führung übernehmen. Und wir selber müssen viele Führer heranbilden." 44

Hinsichtlich der bis dahin von Scientology erfolgten Reaktionen auf Angriffe gegen die Organisation zählte HUBBARD einige Fehler auf, die in Zukunft unbedingt abgestellt werden müßten:

"Die Fehler, die wir gemacht haben:

    Nur verteidigen
    Nur auf Scientology Terrain verteidigen
    Vernünftig zu sein und dem Feind milde Motive zuzuschreiben
    Zu versagen, frühzeitig und hart zurückzuschlagen
    ...
    ...
    Taktiken des Feindes nicht zu lernen, anzuwenden und zu verbessern
    Zu versagen, nicht stark genug um die öffentliche Meinung und öffentliche Medien geworben zu haben.
    Zu versagen, den Feind früh zu identifizieren und ihn hart zu schlagen".

Diese und andere Äußerungen lassen unschwer erkennen, daß HUBBARD Scientology spätestens seit Ende der sechziger Jahre als eine Bewegung betrachtete, die sich in einem permanenten Kriegszustand befindet und die sich zum Wohle der Menschheit zur Not auch mit rabiaten Mitteln durchsetzen muß. In einem weiteren Richtlinienbrief, der am gleichen Tag veröffentlicht wurde, konkretisierte HUBBARD die scientologische Kriegsstrategie und die Funktion des Geheimdienstes:

"Es ist eine schlechte Kriegführung, die Schlachten auf dem eigenen Terrain auszufechten ... Schlage die Schlachten wo immer möglich auf dem Terrain des Gegners ... Wenn alle deine Schlachten auf seinem Terrain ausgefochten sind, gewinnst du. Ein guter General verbraucht ein Maximum an feindlichen Gruppen und ein Minimum seiner eigenen. Er macht den Krieg kostspielig für den Feind, nicht für ihn selber. Man schneidet die feindlichen Kommunikationslinien, Vorräte, Verbindungen ab. Er raubt dem Feind seine politischen Vorteile, Verbindungen und Macht. Er erobert das feindliche Territorium. Er überfällt und belästigt. Alles auf der geistigen Ebene - Presse, öffentliche Meinung, Regierungen, etc. ... Ein Geheimdienst identifiziert Ziele und findet die feindlichen Pläne heraus und ihre Zwecke, die Verbindungen des Feindes, Dispositionen, etc. Es ist fatal, den falschen Feind anzugreifen. ... Gute geheimdienstliche Arbeit markiert die Punkte wer, wann, wo, was ... Ein gutes PRO (Anmerkung: Public Relation Office) plant eine Aktion und Operationen kämpfen die Schlacht ... Das Recht ist eine schwerfällige, wenn auch oft die letzte Kampfarena ... Wenn Geheimdienst und PRO gute Arbeit geleistet haben, dann gewinnt man die Rechtsstreitigkeiten leicht." 45

Ein vom "Commodore´s Staff Guardian" (CS-G) Mary Sue HUBBARD herausgegebenes Strategiepapier vom 02. Dezember 1969 46 eröffnet weitere Einblicke in die Strategie und Taktiken des GO. Darin werden Zweck und Zielsetzung offener und verdeckter Datensammlungen, verdeckter Operationen sowie interner Sicherheitsvorkehrungen genauer definiert und exemplarisch dargestellt. Zum Thema "Verdeckte Operationen" gegen Scientology-Gegner heißt es darin unmißverständlich:

"Mit einer verdeckten Operation wird in erster Linie beabsichtigt, zu behindern und in Verlegenheit zu bringen, zu diskreditieren oder einen tatsächlichen oder möglichen Gegner zu vernichten oder zu entfernen. Es ist ein kleiner Krieg, der ausgetragen wird, ohne daß deren wahre Quelle aufgedeckt wird ... Er folgt allen Regeln des Krieges, aber gebraucht Propaganda, psychologische Überraschungs- und Schockeffekte, um das Endziel zu erreichen."

Nach einer weiteren Grundregel scientologischer Kriegführung muß einer verdeckten Operation immer eine offene folgen. Das heißt, um den Gegner entscheidend schlagen zu können, muß man ihn am Ende öffentlich diskreditieren. Aber, so Mary Sue HUBBARD,

"alle Etappen zur Machtübernahme auf nationaler Ebene beginnen mit einer verdeckten Operation."

Abschließend nennt die GO-Chefin die wichtigsten Voraussetzungen, unter denen selbst eine nur kleine Gruppe imstande ist, ihr größenmäßig überlegene Feinde aufzuhalten: Wirkungsvoller Gebrauch geheimdienstlicher Taktiken, gute "Techno-logie" und Organisierung. Scientology verfüge über dieses Arsenal und habe deshalb gute Chancen, siegreich zu sein.

Die in diesen Äußerungen dokumentierte Verschärfung der scientologischen Expansions- und Angriffsstrategie hängt maßgeblich mit der offensichtlich stärker gewordenen Zwangsvorstellung HUBBARDs von einer weltweiten Verschwörung gegen Scientology zusammen. In einer noch heute von der SO als Quelle herangezogenen Niederschrift eines HUBBARD-Vortrages aus dem Jahr 1967 47 hatte der Scientology-Gründer unter Berufung auf angebliche geheimdienstliche Erkenntnisse erstmals konstatiert, Scientology stünde im Fadenkreuz einer weltweiten Verschwörung:

"Unsere Feinde auf diesem Planeten sind weniger als zwölf Männer. Sie sind Mitglieder der Bank of England und anderer hoher Finanzkreise. Sie besitzen und kontrollieren Zeitungsketten, und sie sind eigentümlicherweise Direktoren in all den Gruppen für "geistige Gesundheit" auf der Welt, die aus dem Boden geschossen sind. Nun, diese Typen sind sehr interessante Kerle. Sie haben einen phantastisch korrupten Hintergrund, uneheliche Kinder, Regierungskorruption ... Nachdem sie die Kontrolle über den größten Teil der Goldvorräte des Planeten besaßen, unternahmen sie ein Programm, jede Regierung bankrott zu machen und unter ihre Knute zu bringen, so daß keine Regierung mehr imstande wäre, ohne die Erlaubnis dieser Leute politisch zu handeln. Der Rest ihres offensichtlichen Programms ist gewesen, das Gebiet der geistigen Gesundheit zu benutzen, ... , um alle politisch Andersdenkenden aus dem Weg zu räumen. ...

Sie haben ziemlich interessante Akten über uns, unsere Leute und Organisationen angesammelt, und ihre Weisungen darüber, was zu unternehmen wäre, sind ebenfalls in ihren Akten, und all das ergibt eine sehr interessante Lektüre. Wir besitzen natürlich vollständige Kopien ihrer Akten.

...

Das ist eine sehr schattig-düstere Spionage-Aktivität, die jetzt mehr oder weniger vorbei ist. Wir haben jedoch unsere eigenen Dossiers über diese Leute, und die sind in der Tat ein korrupter Haufen. Ich denke, wir haben wahrscheinlich genug, um sie absolut in Verruf zu bringen, wenn wir jemals veröffentlichen würden, was wir wissen."

Ein Jahr später veröffentlichte HUBBARD eine Führungsdirektive mit dem Titel "The War"48, in der er u.a. verkündete:

"Letztes Jahr haben wir ein Dutzend Männer an der Spitze herausgefiltert. Dieses Jahr haben wir die Organisationen gefunden, die diese benutzen und alle ihre Verbindungen auf der Welt."

HUBBARD meinte insbesondere die "World Federation of Mental Health" (WFMH) mit ihren jeweiligen nationalen Unterorganisationen. Psychiatrie und der Bereich "geistige Gesundheit" seien als Träger ausgewählt worden, um den Westen zu unterminieren und zu zerstören. Der Einfluß dieses Komplexes auf die Gestaltung der Gesellschaft sei immens. Im Bildungsbereich, in den Streitkräften, selbst in den Kirchen habe die Psychiatrie ihre Ideen durchgesetzt. Deren "Technologie" sei die gleiche, die auch Geheimdienste wie das KGB benützten: Elektroschocks und Gehirnoperationen. Einzig Scientology stünde diesen Leuten, die seit 1950 Scientology bekämpften, im Wege. Für HUBBARD stand daher fest: Sollte es Scientology gelingen, diesen Gegner, nämlich die internationale Psychiatrie, in die Knie zu zwingen, wäre das größte Hindernis für die Ausbreitung der scientologischen Geistestechnologie beseitigt. Scientology habe bis dahin versagt, die totale Kontrolle auf dem Feld der geistigen Gesundheit im Westen zu übernehmen. Dieser unterbliebene Schritt müsse jetzt nachgeholt werden. Angesichts der von HUBBARD ausgemachten psychiatrischen Weltverschwörung wird die Umsetzung des Ziels,

"totale Kontrolle über das Gebiet der geistigen Gesundheit auf diesem Planeten in all seinen Formen zu übernehmen...",

zu einer der vorrangigen Aufgaben des GO. Die Psychiatrie als vermeintlicher Feind müsse zuerst aus dem Weg geräumt werden, um den ursprünglichen Zweck, die Erde zu "klären", durchsetzen zu können:

"Unser Sieg wird kommen, wenn wir seine Organisationen (Anmerkung: die des Feindes) führen, seine Funktionen ausüben, seine finanziellen Mittel und Bewilligungen erlangen." 49

Wie bitter ernst HUBBARD seine Vorstellung von einer psychiatrischen Weltverschwörung nahm und welche Maßnahmen er dagegen zu ergreifen gedachte, zeigte sich wenige Jahre später. 1973 entwickelte HUBBARD das weitreichendste, noch heute existierende scientologische Geheimdienstprogramm überhaupt, das unter dem Codenamen "Schneewittchen" ("Snow White") bekannt wurde. Das am 28. April 1973 schriftlich niedergelegte Programm 50 verfolgte das Ziel, die Quelle der angeblich seit 1950 weltweit geführten Angriffe gegen HUBBARD und seine "humanitäre Lehre" aufzudecken und diese zu "handhaben". In einer "Guardian Order" vom 22. Juni 1974 51 wurde allen Mitarbeitern des GO die überragende Bedeutung dieses Programms noch einmal eingeschärft:

"Das "Schneewittchen"-Programm hat die HÖCHSTE PRIORITÄT VON ALLEN GO AKTIVITÄTEN" (H.i.O.).

Dieses Programm sollte laut HUBBARD auch ein spezifisches "Engramm" auf der "Vierten Dynamik" eliminieren, d.h. eine schmerzhafte Erfahrung, die alle Zivilisationen der Welt an irgendeinem Zeitpunkt in der Vergangenheit durchlebt hätten. Mit anderen Worten: HUBBARD glaubte, mit der Vernichtung der Psychiatrie bzw. ihres Einflusses und dadurch, daß Scientology mit ihrer Technologie zur Beherrschung und Kontrolle des menschlichen Geistes an deren Stelle tritt, die angebliche Versklavung der Menschheit revidieren zu können. Die höchste Prioritätsstufe dieses Programms wurde weiter damit begründet, daß das GO sich zwar täglich mit hunderten kleinerer Situationen auseinanderzusetzen habe, die den Fortschritt von Scientology zu behindern scheinen, das "Schneewittchen"- Programm habe aber die weitergehende Aufgabe, das Problem des Widerstands gegen Scientology an der Wurzel anzupacken. Es soll die Quelle der Hindernisse aufdecken und eliminieren, um so weltweit die Akzeptanz für Scientology zu steigern. Dieses Programm werde, sofern mit aller Macht betrieben, Scientology "die Tür weit öffnen, um den Planeten vollkommen zu klären."

Das Programm umfaßte in den siebziger Jahren weltweit 38 Hauptprojekte sowie ungezählte Unterprojekte, überall dort, wo Scientology in der einen oder anderen Form aktiv war. Aber nur eine Handvoll Auserwählter bekam Einblick in das ganze Ausmaß und die wahre Zielsetzung dieses Programms, denn HUBBARD hatte Angst um das Image von Scientology.

1995 schilderte der ehemalige hochrangige GO- und OSA-Mitarbeiter Robert Vaughn YOUNG in einem Artikel für den "SPIEGEL" weitere Einzelheiten dieses bis dahin kaum bekannten "Schneewittchen"-Programms. Er erläuterte auch die besondere Rolle, die Deutschland darin spielt. 52 HUBBARD fühlte sich, so YOUNG, nicht nur von kommunistischen Agenten, Psychiatern und Regierungsbehörden verfolgt. Er litt offensichtlich auch unter dem Wahn, Psychiater und Psychologen wollten ihn ermorden, weil er ihre Wissenschaft als Schwindel entlarvt hätte. Schließlich sei er auf die Idee gekommen, daß sich der Kern der Anti-HUBBARD-Verschwörung in Deutschland befinde. Diese Verschwörung einflußreicher deutscher Psychiater sei bereits die wahre Ursache des nationalsozialistischen Rassenwahns in Deutschland unter HITLER gewesen. Nicht HITLER habe später die Judenverfolgung inszeniert, sondern ein Geheimbund deutscher Psychiater. Nachdem dieses Komplott von Psychiatern gar den 2. Weltkrieg überlebt habe, kontrolliere nunmehr eine kleine Clique von Psychiatern und Altnazis den Weltdrogenmarkt (gemeint sind offensichtlich Psychopharmaka). Alle Drogenfirmen (Hersteller von Psychopharmaka) der Welt seien entweder "ehemals deutsch oder mit Deutschland verbunden", so HUBBARD. 53

Unter Leitung von Mary Sue HUBBARD begann das GO in den USA, mehr und mehr Informationen gegen Deutschland zu sammeln. Bald darauf hätte sich HUBBARD im Besitz ausreichenden Materials für eine weitere wirre Theorie geglaubt: Er behauptete nunmehr, die bundesdeutsche Nazi-Verschwörung bediene sich der Informationswege von Interpol, um Scientology weltweit zu bekämpfen. HUBBARD ordnete daher an, die Verschwörung gegen ihn - ebenfalls weltweit - zu zerstören. YOUNG selber wurde nach eigener Aussage zum US-Leiter der Propagandaabteilung des "Schneewittchen"-Programms ernannt.

In Deutschland hätte der Österreicher Kurt WEILAND, der spätere Leiter des OSA, diesen Job übernommen. WEILANDs Büro sollte die Quellen aller Attacken auf HUBBARD auskundschaften. Gleichzeitig sollte es Interpol durch Skandale und Rechtsklagen beschädigen und Angriffsziele für die Rechtsabteilung und die PR-Sektion finden. Die Rechtsabteilung sollte eine Klage nach der anderen anstrengen, um Akten der Scientology-Gegner zu bekommen, die dann an die Geheimdienstabteilung gehen konnten. In den USA sei das Programm gut gelaufen, so YOUNG. Es sei ihm z.B. gelungen, vor einem Unterkomitee des Kongresses über die Nazi-Vergangenheit Interpols auszusagen. Die Interpol-Geschichten hätten in aller Welt Gehör gefunden. 54 Nur in Deutschland hätte "Schneewittchen" nicht wie geplant funktioniert.

Vor dem Hintergrund der nachfolgend geschilderten Vorkommnisse mußte das Programm Ende der siebziger Jahre zeitweise im Panzerschrank verschwinden. Bis heute hat dies Scientology jedoch nicht davon abgehalten, es auch in Deutschland weiterzuverfolgen bzw. nach der Wiedervereinigung wieder aufleben zu lassen (siehe Teil III, OSA). Insbesondere im Hinblick auf die Ausbreitung von Scientology nach Osteuropa ist nicht nur die ideologische und ökonomische, sondern auch die strategische Bedeutung Deutschlands weiter gewachsen. Um so dringlicher erscheint es der SO daher, endlich und endgültig den hiesigen politischen und gesellschaftlichen Widerstand gegen Scientology zu brechen.

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Re: Verfassungsschutz 2001 über Scientology
« Reply #11 on: September 22, 2018, 07:29:50 PM »

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4. Taktiken und Methoden des GO

Die SO ging davon aus, daß die US-amerikanische Regierung und andere Organisationen negative Daten und Dokumente über Scientology gesammelt und aktenmäßig archiviert hatten. Ein wesentliches Ziel des "Schneewittchen"- Programms war es, diese in Erfahrung zu bringen und möglichst zu entfernen bzw. durch positives Material zu ersetzen. Daß das GO diese Vorgaben z.T. wörtlich nahm und entsprechend umsetzte, zeigen Vorgänge aus den Jahren 1976/77. Die wichtigsten, heute vorliegenden Erkenntnisse über die Vorgehensweisen des 1983 angeblich aufgelösten GO resultieren aus Durchsuchungsaktionen und Ermittlungen des FBI aus dem Jahr 1977, die den systematischen Einsatz des GO u.a. gegen US-Regierungsbehörden aufdeckten.

1976 griff das FBI zwei mit falschen Ausweispapieren versehene Agenten des GO nachts im Justizministerium in Washington auf. Die nachfolgenden Untersuchungen gegen weitere mutmaßliche GO-Agenten enthüllten illegale Machenschaften der Organisation. Es kam zu einem Prozeß gegen die Führungspersonen des GO einschließlich Mary Sue HUBBARD und Jane KEMBER. Mit Hilfe der Zeugenaussage eines beteiligten GO-Agenten, der zuvor von der Organisation festgehalten worden war, aber flüchten konnte und dann zur Zusammenarbeit mit dem FBI bereit war, konnte Anklage erhoben werden. Dabei stellte sich heraus, daß Scientology ihre Angriffe gegen Regierungsstellen, u.a. gegen die Bundessteuerbehörde "Internal Revenue Service" (IRS), bereits 1974 gestartet hatte. Die IRS hatte über die Anerkennung von Scientology als "Bona fide-Religion" (bona fide = guten Glaubens, auf Treu und Glauben) und über die davon abhängige Steuerbefreiung zu entscheiden.

Am 08. Juli 1977 begannen die Durchsuchungsaktionen gegen GO-Büros in Washington, D.C. und Los Angeles mit 134 beteiligten FBI-Beamten. Über 23.000 Dokumente - viele davon aus Regierungsdienststellen gestohlen - sowie Einbruchwerkzeuge und elektronische Überwachungsausrüstungen konnten beschlagnahmt werden. Bei den Ermittlungen stellte sich z.B. auch heraus, daß ein ins Justizministerium eingeschleuster GO-Agent in einem stark gesicherten Bereich gearbeitet hatte, das u.a. streng vertrauliche CIA-Dokumente aufbewahrte. Auch in das Büro eines stellvertretenden Generalstaatsanwaltes waren GO-Agenten eingebrochen. Parallel dazu wurde in Kanada entdeckt, daß das GO dort verschiedene Polizeidienststellen auf Bundes- und Landesebene sowie das Büro des Generalstaatsanwaltes unterwandert hatte. Die den Scientology-Agenten zur Last gelegten Straftaten umfaßten u.a. Infiltration und Diebstahl von Dokumenten einer Reihe staatlicher Einrichtungen sowie privater Organisationen. Insbesondere Interpol, Weltorganisationen (z.B. WFMH), Rechtsanwaltsfirmen und Zeitungen waren von diesen Machenschaften betroffen. Bei den Durchsuchungen stießen die Ermittlungsbeamten des FBI auch auf Teile des "Schneewittchen"- Plans.

Am 26. Oktober 1979 wurden neun ranghohe Führungspersonen und Agenten des GO von einem amerikanischen Bundesgericht wegen Diebstahls und Verschwörung gegen die Regierung verurteilt, z.T. zu mehrjährigen Haftstrafen. Mary Sue HUBBARD, die eine Haftstrafe von 5 Jahren erhielt, saß zwischen 1981 und 1984 insgesamt drei Jahre im Gefängnis. 24 weitere Scientologen, darunter L. Ron HUBBARD, wurden als nichtangeklagte Mitverschwörer bezeichnet. In einem nachfolgenden Verfahren gegen den "Guardian WW" Jane KEMBER und eine weitere Führungsperson des GO führte die Staatsanwaltschaft hierzu u.a. aus, daß die Angeklagten mit dem Segen ihres Gründers L. Ron HUBBARD mutwillig Verbrechen begehen konnten, solange es im Interesse von Scientology war:

"Diese Angeklagten belohnten kriminelle Aktivitäten, die erfolgreich waren und tadelten solche, die keinen Erfolg hatten. Die Standards der Menschenführung, verkörpert in solchen Praktiken, repräsentieren die absolute Pervertierung jeder bekannten moralischen Wertordnung. Im Hinblick darauf übersteigt es die Vorstellungskraft, daß diese Angeklagten die absolute Dreistigkeit besitzen zu versuchen, ihre Aktionen im Namen der "Religion" zu verteidigen ...". 55

Vorgehensweisen und weitere Details über die Struktur und die Arbeit des GO wurden in Deutschland - soweit ersichtlich - erstmals durch eine ins Deutsche übersetzte Zeugenaussage des SO-Aussteigers Larry WOLLERSHEIM vom 04. Februar 1980 bekannt, die von der "Aktion Bildungsinformation" (ABI) aus Stuttgart veröffentlicht wurde. WOLLERSHEIM bezeichnete die verschiedenen Ebenen der Einweihung in die wahren Ziele und Absichten der SO mit dem Begriff "Level", eingeteilt in die Stufen 1 bis 3. Das Wissen über das GO entspreche der höchsten Stufe "Level 3". Wer noch nicht wesentlich über die wahren Hintergründe der Organisation informiert sei, rangiere auf "Level 1". Als "Level 2" beschrieb er das Wissen über die "Technologie" zur Beherrschung des menschlichen Geistes, das auf den sogenannten "OT"-Stufen 56 vermittelt werde. In seiner unter Eid gemachten Aussage gab WOLLERSHEIM u.a. zu Protokoll:

"Die Empfindlichkeit der Geheimunterlagen von Level 3 stellt für die Sekte das größte rechtliche Risiko dar. Informationen auf Level 3 erfolgen streng auf einer "need to know"-Grundlage. Kein Sektenmitglied auf Level 3 weiß mehr, als es wissen muß, so daß bei seiner Festnahme und falls es gegen die Sekte "umgedreht" wird (was unbekannt ist), keine anderen geheimen Programme preisgeben kann, da es keine Kenntnis über ihren Inhalt hat. Ein Buch mit dem Titel "The Art of War" (Die Kunst der Kriegführung) ist die "Bibel" von Level 3. Das Hauptziel von Level 3 ist die Anwerbung und Ausbildung der am fanatischsten loyalen, ehrgeizigen und programmierten Sektenmitglieder zu Geheimagenten und Detektiven in ihren jeweiligen Lebensbereichen, mit den Sektenzielen: Expansion, Feindbekämpfung und Selbsterhaltung der Sekte.

Das Guardian Office ist die Kommando- und Informationszentrale für Level-3-Aktivitäten der Sekte. Es ist das Ausbildungszentrum für Sektenagenten und Detektive. Es ist das Zentrum für die Verschlüsselung und Entschlüsselung von geheimen Texten und Befehlen der Sekte. Das GO ist ein weltweites Netz von Tausenden speziell ausgebildeter und völlig fanatischer Agenten und Detektive, es ist in seiner Arbeitsweise dem CIA und dem KGB in hohem Maße vergleichbar. Die Akten des GO beinhalten Programme und Ausbildungsanweisungen, die den Neuangeworbenen das Rüstzeug vermitteln. Keine Religion der heutigen Zeit hat so etwas wie das GO. Das GO sollte hinsichtlich seiner Aktivitäten nicht unterschätzt werden. Ich glaube, daß die Razzien des FBI nur die Spitze des Eisbergs streifen in bezug auf die Aufdeckung der illegalen Aktivitäten, zu denen sich der Kult verpflichtet hat, und die sich gegen den einzelnen, gegen Organisationen und gegen die Regierung richten. ...

Level 3 ist der Planungs- und Ausführungsbereich der Sekte für ihre internationalen, politischen und weltweiten wirtschaftlichen Ziele zur entsprechenden Einflußnahme bzw. Beherrschung. Nach meiner praktischen möglichen Folgerung arbeitet die Sekte auf eine Art Weltregierung hin, wobei ihre Agenten und Detektive Schlüsselstellungen einnehmen bzw. Schlüsselstellungen beeinflussen, zum Vorteil der zukünftigen Entwicklung der Sekte."57

Die durch das Verfahren gegen die Führungsriege des GO gewonnenen Erkenntnisse über den damaligen Geheimdienst GO und die Aussagen WOLLERSHEIMs und anderer Aussteiger lassen nur den Schluß zu, daß HUBBARDs Anweisungen und dessen Zielvorstellungen von seinen Anhängern konsequent in die Tat umgesetzt wurden.

Theoretische Grundlage aller geheimdienstlichen Aktivitäten des GO bzw. der eigentlichen Geheimdienstabteilung, des "Information Bureau" (früher: "Intelligence Bureau"), war der sogenannte "Intelligence Course" vom 09. September 1974, in dem alle für die Geheimdienstarbeit wichtigen Anweisungen, Richtlinienbriefe und sonstigen Quellen zusammengestellt waren. Dieser Ausbildungskurs umfaßte nach Aussage des SO-Aussteigers Jon ATACK rund 800 Seiten. 58 Vieles davon habe HUBBARD - entgegen der offiziellen Darstellung - selber geschrieben. Auf der Bücherliste für die Agenten stand das bereits von WOLLERSHEIM erwähnte Buch "The Art of War" von Sun TZU sowie weitere einschlägige Bücher über Spionage- und sonstige Geheimdiensttaktiken. Aufgeklärt wurden die GO-Agenten z.B. über alle technischen Möglichkeiten, um Telefone anzuzapfen. Zu den Ausbildungsunterlagen gehörte auch ein internes Papier mit dem Titel "The Strike" (Der Schlag) vom 17. Oktober 1971, das in zwölf Anleitungschritten genau beschreibt, wie Scientology-Agenten in Regierungsgebäude einbrechen und Dokumente stehlen bzw. vor Ort kopieren und mitnehmen sollten.

Zu den gängigsten, weil weitgehend risikolosen "Verdeckten Operationen" ("Covert Operations", CO) des GO gehörten anonyme Hinweise an Polizei und Strafverfolgungsbehörden auf angebliche Verbrechen von Scientology-Gegnern, die bis hin zu Mordbezichtigungen reichten. Zu den subversiven Grundtechniken des GO gehörten auch Verleumdungskampagnen - so- genannte "Schwarze Propaganda" - sowie anonyme Morddrohungen z.B. gegen unliebsame Journalisten.

Im Bereich "Verdeckte Datensammlungen" ("Covert Data Collection", CDC) ging das GO ebenfalls mit krimineller Energie zu Werke. So wurden Fälle bekannt, in denen sich der Geheimdienst illegale Zugänge zu Bankkonten, Computerarchiven, Telefonarchiven und Regierungsarchiven verschafft hatte. Zur CDC gehörte weiterhin das direkte Heranspielen von Agenten an Zielpersonen oder indirekt über Mittelsmänner sowie heimliche Gesprächs- und Bildaufzeichnungen. Ziel war es, den "wunden Punkt" einer Person herauszufinden, um ihre persönlichen Schwächen auszunutzen. Hinter der sogenannten "Roll back"-Technologie stand der Versuch, durch gezielte Indiskretionen, d.h. Veröffentlichung oder Weitergabe von ermittelten negativen Informationen, Mißtrauen und Feindschaft zwischen der Zielperson und Freunden, Mitarbeitern oder anderen Bezugspersonen zu säen. Vermeintliche Skandale oder negative Informationen sollten an die Presse lanciert werden.

Das GO betrieb auch Desinformation, indem es z.B. Dokumente und andere schriftliche Unterlagen fälschte. Ein Ausbildungsziel war u.a., Agenten beizubringen, so zu lügen, daß man ihnen ihre Lügen abnimmt. Auch Pressesprecher wurden darauf gedrillt, die Presse gezielt zu belügen. Seitens der Rechtsabteilung wurden die Operationen - entsprechend der Vorgaben von HUBBARD - durch Gerichtsprozesse unterstützt, die sich - insbesondere wenn mehrere Klagen gleichzeitig erhoben wurden - oft als probates Mittel erwiesen, Scientology-Gegner zu zermürben.

Auch WOLLERSHEIM ging in seiner Zeugenaussage ausführlich auf die Aktivitäten des GO ein und beschrieb auf der Grundlage des vom FBI beschlagnahmten und ausgewerteten Geheimdienstmaterials die einzelnen Taktiken. 59 In Organisationen oder Behörden eindringende GO-Agenten hatten z.B. das Ziel,

    entweder festzustellen, was an negativen Daten über Scientology vorhanden ist, um Gegenmaßnahmen ergreifen zu können,
    ein Frühwarnsystem zu schaffen, um bedrohliche Regierungsmaßnahmen rechtzeitig erkennen zu können, und/oder
    in den Besitz von Daten zu gelangen, mit denen SO-Kritiker in Verruf gebracht werden konnten.

Aus den beschlagnahmten Dokumenten ging hervor, daß Scientology plante, mehr als 130 Regierungsstellen zu infiltrieren. Auch elektronische Lausch- und Abhöraktionen führte das GO durch. Das FBI entdeckte, daß das GO Sitzungen der Bundessteuerbehörde IRS abgehört hatte, in denen Steuerangelegenheiten der SO erörtert worden waren. 60

Durch Dokumente sind u.a. auch folgende Operationen des GO belegt: Vortäuschung eines Autounfalls, in den angeblich ein SO-Kritiker verwickelt war; Einbruch in ein Anwaltsbüro, das einen Scientology-Gegner vertrat, und bei einem Journalisten sowie einer Zeitungsredaktion in Florida. Scientologen wurden auch der wissentlichen Falschaussage vor Gericht überführt. Einen mißliebigen Journalisten verdächtigte Scientology grundlos, Kinder sexuell mißbraucht zu haben. Eine Zeitungsreporterin wurde mit dem organisierten Verbrechen in Verbindung gebracht, indem man ihr Geld für angebliche Informationen an einen bekannten Gangster unterschob.

 

Das wohl spektakulärste Beispiel von Kritikerverfolgung ist der Fall der amerikanischen Autorin Paulette COOPER, die 1971 ein Buch mit dem Titel "The Scandal of Scientology" herausgebracht und darin erstmals geheime Unterlagen der SO veröffentlicht hatte. Die 1976 unter der Bezeichnung "Freakout" gegen die Autorin durchgeführte GO-Operation hatte zum Ziel, dafür zu sorgen, daß COOPER entweder in eine Nervenheilanstalt eingewiesen wird oder aber im Gefängnis landet. In ihre Wohnung wurde eingebrochen und Briefpapier mit ihren Fingerabdrücken entwendet. Auf diesem Papier verfaßten GO-Agenten Bombendrohungen gegen die SO, um anschließend beim FBI den Verdacht auf sie zu lenken. Zusätzlich wollte das GO eine Doppelgängerin einsetzen, die vor Zeugen Morddrohungen gegen den Präsidenten der USA aussprechen sollte, um Paulette COOPER später durch Zeugenaussagen belasten zu können. Als weitere Maßnahme war geplant, einen Mann an sie heranzuspielen, der ein Verhältnis mit ihr eingehen und sie dann wieder verlassen sollte, um ihre Selbstmordgedanken zu verstärken.

Das Magazin "Reader´s Digest" veröffentlichte im Mai 1980 61 einen Artikel, der die amerikanische Öffentlichkeit über die Hintergründe dieser Geheimdienstoperation und andere Aktivitäten des GO informierte. Gegen die Veröffentlichung ihres Geheimmaterials durch COOPER reagierte die SO

"mit einer bis ins letzte ausgetüftelten Kampagne aus Prozessen, Diebstahl, Rufmord und falschen Beschuldigungen. Die Autorin bekam falsche Morddrohungen. Das Ziel der Kampagne war nach später aufgefundenen Unterlagen der Sekte, "P.C. in ein Irrenhaus oder ins Gefängnis zu bringen." Das wäre ihr fast gelungen. Paulette COOPER und ihr Verleger wurden an mehreren amerikanischen und ausländischen Gerichten verklagt. Um den Paragraphenkrieg mit der Sekte zu entgehen, zog ihr Verleger das Buch zurück. Am schlimmsten war, sagt Paulette COOPER, daß ein Agent der Scientology Briefpapier von ihr stahl und damit Bombendrohungen fälschte, die er ihr unterschob. Sie wurde von einem Bundesgericht angeklagt. Zwei Jahre lang machte sie die Hölle durch, bis das Verfahren schließlich eingestellt wurde."

Erst mit Hilfe der Durchsuchungsaktion des FBI konnten die Unterlagen beigebracht werden, die COOPERs Unschuld belegten.

Entsprechend dem in Scientology vorherrschenden Statistikwahn gab es auch für alle Geheimdienstaktivitäten der "Branches" I und II sogenannte Statistikpunkte: Die Höchstpunktzahl von 250 wurde erreicht, wenn ein tatsächlicher oder potentieller Feind von seiner Machtposition, von der er aus Scientology angegriffen hat oder hätte angreifen können, entfernt worden war. 100 Minuspunkte gab es dagegen für unvorhergesehene Angriffe auf Scientology. Mit 250 Minuspunkten schlug zu Buche, wenn eine Operation aufflog und der Feind beweisen konnte, daß diese Operation ihren Ursprung bei der "Church of Scientology" hatte! Die Statistiken des GO hatten mit der Verurteilung ihrer Führungsriege 1979 somit ihren historischen Tiefstand erreicht.

Daß der scientologische Geheimdienst jahrelang unentdeckt arbeiten konnte, ist nicht nur auf das offensichtlich lange vorherrschende Desinteresse der amerikanischen Sicherheitsbehörden gegenüber Scientology zurückzuführen, sondern sicherlich auch das Ergebnis einer strengen Abschottung und hoher Sicherheitsstandards innerhalb der Organisation. Von Anfang an galt beim GO z.B. der obligate Grundsatz, alle Schriftstücke, die auf nachrichtendienstliche Aktivitäten Bezug nahmen, als vertraulich (confidential), geheim (secret) oder sogar streng geheim (top secret) einzustufen. Deren Kenntnis mußte, wie auch WOLLERSHEIM bestätigt, auf die absolut notwendige Zahl von Mitarbeitern beschränkt bleiben. Bei allen offenen Informationsquellen, die auf nachrichtendienstliche Aktivitäten hinwiesen, mußte das Wort "intelligence" durch "information" ersetzt werden. 62 Auch HUBBARD selbst befaßte sich mit dem Thema "Spionageabwehr", zumal er anscheinend schon länger davon überzeugt war, daß Scientology selbst Zielobjekt nachrichtendienstlicher Operationen war und ist. 63 Der Schutz gegen Infiltration sei "eine lebenswichtige Aktion für das Überleben". Da das Hauptmotiv in fast allen Fällen von Unterwanderung "finanzieller Gewinn" sei, entwickelte HUBBARD die Idee, die erfolgreiche Abwehr von gegnerischen Aktivitäten zu belohnen:

"Sollten beim Verdacht von Unterwanderung / Spionage weitere Nachforschungen in dem Bekanntwerden und in der Festnahme oder Verhaftung einer Person resultieren, die vorsätzlich versucht, dieser Organisation Schaden zuzufügen, wird eine Belohnung von 1.000 Dollar vom International Finance Office ausbezahlt werden. ...

Sollte jemand sich einem Mitarbeiter nähern und ihn bitten, irgendeine der (Anmerkung: im HCO PL genannten) Handlungen zu unternehmen, so sollte der Mitarbeiter so tun, als ob er zustimmen würde, er sollte das angebotene Geld annehmen (das er behalten mag), und er sollte diese Angelegenheit schnell und unauffällig an das Religious Technology Center berichten, so daß die Anstifter aufgespürt und verhaftet werden können."

Wachsamkeit ist für HUBBARD der von Scientology zu zahlende Preis dafür, in einer "aberrierten Gesellschaft" zu leben. Abschließend fügte er selbstsicher hinzu:

"Keine andere Organisation und kein Land haben eine so große Chance wie wir, frei von Unterwanderung zu sein."

Eine weitere Anweisung zur "Internen Sicherheit" nennt als "Hauptziel", jedes Mittel einzusetzen, um irgendeine Infiltration durch Doppelagenten oder unzufriedene Mitarbeiter, Scientologen oder durch deren Verwandte aufzudecken. Um solche Personen zu enttarnen, sollten alle Akten der Organisation genutzt und ausgewertet werden, wozu neben den Personal- und Ethik-Akten ausdrücklich auch die "Processing"-Akten aufgezählt werden, also die Akten mit den Aufzeichnungen der angeblich streng vertraulichen "Auditing"-Sitzungen. 64 Aus den beschlagnahmten Unterlagen des GO geht auch hervor, daß Dokumente, die illegale Aktivitäten der SO belegten, von den öffentlichen Einrichtungen der Scientology ferngehalten und in einem beweglichen Behältnis aufbewahrt werden sollten, das als "Red Box" bezeichnet wurde. "Red Box"-Daten sind nach SO- Definition u.a. alle Unterlagen, die beweisen, daß Scientology in kriminelle Aktivitäten verwickelt ist und illegale Operationen durchführt. 65 Insbesondere sollte alles verschwinden, was Mary Sue und L. Ron HUBBARD in irgendeiner Form hätte belasten können. So sollte sichergestellt werden, daß bei Polizeidurchsuchungen nichts Signifikantes gefunden wird. Diese Sicherheitsvorkehrungen kamen aber offensichtlich zu spät.

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Re: Verfassungsschutz 2001 über Scientology
« Reply #12 on: September 22, 2018, 07:31:10 PM »

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5. Die Zerschlagung des GO

Nach dem Prozeß gegen die Führungsspitze des GO versuchte die SO, die Affäre als Fehltritt einiger "vom rechten Weg" abgekommener führender Mitglieder abzutun. Alle kriminellen Aktionen seien von einer Handvoll Personen, nicht aber von der "Kirche" ausgeführt worden. Niemand anders als HUBBARD selbst aber trug letztlich für alles die Verantwortung. Intern hatten dieser Strafprozeß und weitere gegen L. Ron HUBBARD persönlich angestrengte Haftpflichtprozesse weitreichende Konsequenzen. 1981 beschloß der jetzige Führer von Scientology, David MISCAVIGE, zusammen mit einigen Vertrauten aus der sogenannten "Commodere´s Messenger Organisation" (der persönlichen "Botenorganisation" von HUBBARD, CMO), die den persönlichen Kontakt zu dem inzwischen untergetauchten Scientology-Gründer aufrechterhielten, das GO als unabhängige Einrichtung der Organisation zu eliminieren. Dieser von ihm und seinen Mitstreitern eingefädelte Coup führte in der Folgezeit dazu, daß nicht nur Mary Sue HUBBARD und Jane KEMBER entmachtet wurden, sondern auch eine Vielzahl weiterer hochrangiger Funktionäre der SO - einschließlich des obersten Fallüberwachers und persönlichen Auditors von L. Ron HUBBARD, David MAYO - vor ein internes "Kirchengericht" gestellt und "exkommuniziert" wurden. 66 Bis zu seiner offiziellen Auflösung bzw. Umbenennung in "Office of Special Affairs" (OSA) 1983 unterstand das GO der Kontrolle von MISCAVIGE. Mit der handstreichartigen Übernahme des GO sowie der Gründung einer neuen "Finanzpolizei", die Zugriff auf die Geldreserven bekam, übernahm MISCAVIGE de facto auch die Leitungskontrolle über alle Scientology "Orgs" weltweit. Bis heute halten sich daher Gerüchte, daß die Zerschlagung des GO von langer Hand geplant gewesen und der entscheidende Tip zur Enttarnung der GO-Agenten aus den Reihen der SO selbst gekommen sei. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt dieser Spekulationen kann jedenfalls festgestellt werden, daß sich auch unter MISCAVIGEs Führung an den Zielen und Strategien von Scientology nichts geändert hat und der neue Geheimdienst OSA in dieser Hinsicht die Tradition seines Vorläufers fortsetzt.

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Re: Verfassungsschutz 2001 über Scientology
« Reply #13 on: September 22, 2018, 07:34:14 PM »

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IV. Das "Office of Special Affairs" (OSA) (1983 -1997) 67

"Machen wir uns nichts vor, wir spielen auf diesem Planeten

ein Spiel auf Leben und Tod. ... SPs schrumpeln nicht einfach

hinweg wie Trauben am Rebstock. Manchmal muß man das

Problem mitsamt der Wurzel herausreißen. Und manchmal

reichen diese Wurzeln ziemlich tief, und viele starke Arme

müssen gemeinsam daran ziehen, um es zu schaffen." 68

David MISCAVIGE

1. Alter Geheimdienst in neuem Gewand:

    Gründung und Aufbau des OSA

Aus den internen Machtkämpfen, die nach den Strafverfahren gegen die Verantwortlichen des "Guardian Office" (GO) 1981 ausbrachen, ging - wie bereits erwähnt - der damals gerade zwanzigjährige David MISCAVIGE als neuer starker Mann der Scientology-Organisation (SO) hervor. Als erste Maßnahme zur Machtsicherung installierte das neue Management unter MISCAVIGE im Mai 1982 ein oberstes Leitungs- und Kontrollgremium - das "Religious Technology Center" (RTC), das nach dem Tod HUBBARDs - spätestens ab 1987 - nicht nur die bisherige vergleichbare Machtstellung des GO beerbte, sondern bis heute als Inhaberin aller Rechte und Besitzerin aller "Waren- und Dienstleistungszeichen" die Existenz von Scientology garantiert und ihre Funktionsfähigkeit sicherstellt. Diese neue Schaltzentrale der SO sitzt seit dem 13. Mai 1989 offiziell mitten in der Filmstadt Hollywood. Vermutlich laufen die Fäden aber in der sogenannten "Gold"-Basis, dem Wohnsitz von David MISCAVIGE, in dem Dorf Gilman Hot Springs zusammen, das ca. 100 km östlich von Los Angeles liegt. Unter der Adresse Hollywood Boulevard Nr. 6331, von der aus alle weltweiten Aktionen der SO unter Leitung von MISCAVIGE geplant und ausgeführt werden, residiert das Welthauptquartier des 1983 gegründeten OSA unter Führung Mike RINDERs. Sein Stellvertreter ist heute der Österreicher Kurt WEILAND, der von 1987 bis 1994 das OSA leitete. 69

1983 behauptete MISCAVIGE, daß er das GO geschlossen hätte. Die meisten Mitarbeiter wären aus dem Dienst entlassen worden. 70 Dennoch, so SO-Aussteiger Jon ATACK, blieb eine erstaunlich große Zahl von Personen, die in der Geheimdienstabteilung "Information Bureau", "Branch I" ("Overt Data Collection"; ODC, "Covert Data Collection", CDC; "Covert Operations", CO), ausgebildet worden waren und dort gearbeitet hatten, in Diensten der Scientology und rückten z. T. auf wichtige Posten bis hin zum RTC auf. Nach Aussage von Robert Vaughn YOUNG 71, der von 1973 bis 1989 die Öffentlichkeitsabteilung des GO US und des OSA US in Los Angeles leitete, sei die "Auflösung" des GO auch nur inszeniert und dieses lediglich in "Office of Special Affairs" (OSA) umbenannt worden. Scientology habe nach außen hin großes Gewicht darauf gelegt, daß das GO "Vergangenheit" sei, daß die benutzten Anweisungen und Richtlinien aufgehoben und auch die Mitarbeiter, die Übertretungen begangen hatten, entlassen worden seien. Das GO, so wurde behauptet, sei eine autonome Organisation gewesen, die außerhalb der Führungs- und Überwachungsstrukturen der SO operiert hätte, was nun aber vorbei sei. Diese Version ist aber, so YOUNG, nachweisbar falsch. Die heutige Struktur des OSA zeige, daß die wichtigsten Funktionen (PR, Rechtsangelegenheiten, Geheimdienstaktivitäten) auf die neue Einrichtung des OSA übertragen wurden. Heute, so schätzt YOUNG, habe das OSA sogar mehr Mitarbeiter als früher das GO. Er gehe von z. Z. etwa 1.000 OSA-Mitarbeitern weltweit aus.

Ein Beispiel für die personelle Kontinuität sei z.B. der heutige offizielle "Präsident" der "Church of Scientology International" (CSI), Heber JENTZSCH, der als damaliger Sprecher der CSI im Anschluß an die FBI-Razzien 1977 die Straftäter des GO öffentlich verteidigt hatte, sowie Kendrick MOXON, Mitinhaber der unter dem Namen BOWLES & MOXON 72 bekannten scientologischen Anwaltskanzlei in Los Angeles, der vom Gericht 1979 als nichtangeklagter Mitverschwörer bezeichnet worden war. MOXON ist heute einer der wichtigsten, wenn nicht der wichtigste Rechtsbeistand der SO und eine der zentralen Schlüsselpersonen im weltweiten OSA-Netzwerk. Noch 1988, so YOUNG weiter, habe JENTZSCH im Rahmen seines Studiums für den Posten des Präsidenten der "Church of Scientology" Anordnungen des GO studiert, so daß auch von einer Aufhebung der GO-Richtlinien keine Rede sein könne. 73

 

Einen endgültigen Beweis dafür, daß die Geheimdienststrukturen der SO weitgehend unverändert fortbestehen und die geheimdienstliche Arbeit fortgesetzt wird, liefert das als „vertraulich“ eingestufte aktuelle Ausbildungsprogramm der OSA-Agenten und die dazu gehörigen Studien- und Überprüfungsbögen. 74 Neben diesem internen Ausbildungsmaterial, dem sogenannten „Investigations Officer Full Hat Pack“, muß jeder OSA-Anwärter zwei Standardwerke studieren: das bereits in den siebziger Jahren von GO-Agenten verwendete Buch „The Art of War“ von Sun TZU und den Klassiker „Vom Kriege“ des preußischen Generals und Militärtheoretikers Carl von CLAUSEWITZ. Zu den einzelnen Ausbildungsabschnitten gehören u.a. die Grundlagen der nachrichtendienstlichen Tätigkeit („Invest Basics“), Ermittlungstechniken („Investigation Tech“), „Sicherheit und Infiltration“, „Angriffe auf Scientology“, Umgang mit Regierungen, Public Relations sowie der Bereich Recht und Rechtsverfahren. Der Großteil des Ausbildungsmaterials - darunter die bereits zitierten Richtlinienbriefe und Direktiven von HUBBARD - stammt aus den sechziger und siebziger Jahren und wurde inhaltlich unverändert übernommen. Zum Teil wurden auch vertrauliche Anweisungen des GO als OSA Netzwerkorder (OSA NWO) neu herausgegeben. Bemerkenswert ist, daß der Führung von Privatdetektiven und Rechtsanwälten für OSA-Zwecke ein eigenes Ausbildungskapitel gewidmet ist („Handling Professionals“). Allen OSA-Agenten wird am Ende eine komplette Scheckliste mit allen nutzbaren Informationsquellen für offene Datensammlungen (ODC) zur Verfügung gestellt.

Informationen, die Scientology von sich aus über das OSA öffentlich preisgibt, sind dagegen - offensichtlich mit Rücksicht auf die Erfahrungen der Vergangenheit - mehr als dürftig. Ihr über 800 Seiten starkes Propagandabuch "Was ist Scientology?" erwähnt das offiziell im Dezember 1983 gegründete OSA nur an einer einzigen Stelle. 75 Dort heißt es lediglich, das OSA sei ein Netzwerk innerhalb der CSI, welches die rechtlichen Angelegenheiten der Kirche unter dem Verwaltungsrat ("Watchdog Committee") plane und überwache. Kaum ausführlicher wird die Funktion des OSA in dem internen Leitfaden "Die Führungskanäle der Scientology" erläutert. Darin wird zunächst erklärt, daß es in der Gesamtorganisation von Scientology verschiedene Arten von Organisationen gibt, die in verschiedenen Sektoren zusammengefaßt sind, über denen das "Watchdog-Committee" (WDC) als höchste Managementeinheit steht. Zu diesen elf Sektoren gehören u.a.. der Scientology-Sektor (alle sog. "Klasse-IV-Orgs" 76), die Eliteeinheit "Sea Org", die "Scientology Missions International" (SMI), das "World Institute of Scientology Enterprises" (WISE), die "Association for Better Living and Education" (ABLE) und im übrigen auch das OSA.

Der OSA-Sektor beinhaltet das sog. OSA-Netzwerk und ist für dessen Steuerung verantwortlich. Auf der nächsten internationalen Managementebene unterhalb des WDC, dem "Flag Command Bureaux" (FCB), bildet das OSA-Netzwerk zusammen mit dem Finanznetzwerk und dem LRH (L. Ron HUBBARD) Kommunikationsnetzwerk die Managementgruppe "Netzwerke" ("Networks"). Das FCB kontrolliert insgesamt sechs Managementgruppen. Die gleiche Organisationsstruktur findet sich auch auf der kontinentalen Managementebene, dem "Continental Liaison Office" (CLO). Das OSA-Netzwerk in den Kontinentalbüros bildet die übergeordnete Ebene gegenüber den OSA-Unterabteilungen in den Klasse-IV-Organisationen, den "Churches". Eine nationale Führungsebene gibt es in Scientology nicht, obwohl es so scheint, daß gewisse Führungsaufgaben in besonders starken lokalen Organisationen konzentriert werden. Im genannten Leitfaden werden der Aufbau des OSA und dessen Aufgaben folgendermaßen beschrieben:

"Das Büro für Spezielle Angelegenheiten International (OSA INT) ist ein Netzwerk, das sich über die Kontinentalen Verbindungsbüros bis in die Unterabteilungen 20 auf Org-Niveau erstreckt, der Unterabteilungen für Öffentliche Angelegenheiten. Das OSA-Netzwerk ist für die Handhabung aller externen Angelegenheiten der Kirche (inklusive Rechtsfragen, Verteidigung, Regierungs- und Medienbeziehungen) verantwortlich, mit dem Ziel, die völlige Anerkennung der Scientology und ihres Gründers L. Ron HUBBARD zu erreichen. OSA hilft durch seine Aktivitäten bei der Errichtung eines sicheren Umfeldes, in denen die Orgs arbeiten und expandieren können. Es erfüllt seine Funktion indem es dafür sorgt, daß die Orgs in voller Übereinstimmung mit den Gesetzen des Landes handeln, indem es bezüglich der Behörden im Umfeld der Org die LRH Public Relations-Technologie anwendet und indem es sicherstellt, daß die Org frei von externer Enturbulation 77 ist, so daß sie darin fortfahren kann, ihr Gebiet zu klären. OSA INT ist Teil des Flag-Führungs-Bureaux und wird vom Kommandierenden Offizier OSA INT geführt, der dem WDC OSA gegenüber verantwortlich ist." 78

Von der Aufbauorganisation, der Zielsetzung und der Aufgabenstellung her entspricht das OSA weitgehend der vom GO her bekannten Struktur. Im Gegensatz zum GO ist das OSA nicht mehr für die Kontrolle des internen Finanzsystems zuständig. Hierfür wurde ein eigenes "Finanznetzwerk" eingerichtet, das dem "Internationalen Finanzbüro" (WDC-Sektor "Reserves") untersteht. Das OSA ist aber - wie das frühere GO - für die Verteidigung der Scientology verantwortlich und muß sich hierzu mit Regierungen und Behörden, mit der Presse, Oppositionsgruppen sowie den Medien auseinandersetzen. Das OSA organisiert einige der sogenannten "Front Groups" der Scientology, d.h. gesellschaftspolitisch sowie sozialreformerisch aktive Gruppen wie die sogenannten "Nationalen Kommissionen für Rechtdurchsetzung und Soziale Gerechtigkeit" ("National Commission on Law Enforcement und Social Justice", NCLE), die aber häufig nur kurzlebige Briefkastenvereine sind. Das OSA soll darüber hinaus politische Kontakte herstellen und unter Mithilfe von einflußreichen Rechtsanwälten, Wirtschaftsleuten aus dem WISE-Bereich und vor allem von Prominenten Lobbyistenarbeit für Scientology leisten.

Hinsichtlich der Befehls- und Kommunikationsstrukturen gibt es zwischen dem früheren GO und dem OSA ebenfalls keinen Unterschied. Auch heute gibt es im OSA-Netzwerk ein ausgeklügeltes Berichtssystem. Die oberste Scientology-Führung verlangt - wie HUBBARD früher -, über jede Bewegung und Aktion des Geheimdienstapparates auf dem laufenden gehalten zu werden. Tägliche und wöchentliche Berichte und aktuelle Eilmeldungen aus den einzelnen OSA-Untergliederungen werden über ein weitverzweigtes E-Mail-System (z.T. wird auch noch Telex verwendet) über die Kontinentalbüros des OSA an die sogenannte "Data Branch" des OSA INT (Abteilung für die Sammlung, Auswertung, Analyse und Speicherung aller eingehenden Meldungen, Berichte, Statistiken, Presseberichte, etc.) versandt. Letztere sorgt dafür, daß wichtige Meldungen direkt an die Führungsspitze weitergeleitet werden. Vertrauliche Daten und Berichte dürfen nur verschlüsselt versandt werden. Interne Anweisungen regeln die genauen Meldewege und legen fest, zu welchen Zwecken diese Daten ausgewertet und verwendet werden sollen. 79 Umgekehrt unterliegen die Unterabteilungen des OSA in den einzelnen "Orgs" der Befehlsgewalt von OSA INT. Die Unterabteilungen werden entweder direkt vom Hauptquartier in Los Angeles oder vom jeweiligen Kontinentalbüro angewiesen, bestimmte "Programme" zur "Handhabung" kritischer Situationen durchzuführen. 80 Diese enthalten genaue taktische Handlungsanleitungen und verweisen als Referenzquellen auf Richtlinienbriefe und Anweisungen von HUBBARD. 81

Nach außen wird verschwiegen, daß das OSA neben PR- und Rechtsangelegenheiten für Scientology nach wie vor alle Funktionen eines Geheimdienstes ausübt. Das OSA unterscheidet intern dagegen nicht zwischen sich und dem alten GO. Dessen Aktivitäten werden lediglich unter einem anderen Namen weitergeführt. Belegbar ist dies u.a. durch einen Brief des OSA US vom Mai 1986 an einen früheren Interessenten, der 1977 beim GO US mitarbeiten wollte. In diesem Schreiben wird ihm mitgeteilt: "Diese Gruppe heißt jetzt Office of Special Affairs"! (H.n.i.O.). Auf dem Briefpapier steht als Motto des OSA ein ebenfalls aufschlußreiches HUBBARD-Zitat aus dem Jahr 1960:

"Konstante und fortwährende Wachsamkeit ist der Preis der Freiheit. Konstante Bereitschaft zurückzuschlagen ist der Preis der Freiheit. Es gibt keinen anderen Preis."

Es überrascht daher nicht, daß auch die Feindbilder die gleichen geblieben sind. Am 10. Dezember 1987 veröffentlichte das OSA z.B. eine "Network Order" mit dem Titel "Enemy Action" (Schlagabtausch mit dem Feind), mit der eine Direktive HUBBARDs aus dem Jahr 1968 erneut als verbindliche Richtlinie herausgegeben wurde. Wenn auch nur indirekt angedeutet, ist offensichtlich, welcher "Feind" gemeint ist, gegen den ein erbarmungsloser Krieg geführt werden muß, nämlich die Psychiatrie:

"Die Kräfte, die danach streben, der Welt Licht und Freiheit zu bringen - nämlich wir - sind direkt in das Nr. 1 Engramm des Planeten gelaufen, das von einem dunklen und geheimen Feind der Menschheit am Leben erhalten wird. ... Es ist der uralte Kampf von Wahrheit und Licht gegen die Mächte der Dunkelheit. Wir haben diesen Kampf nicht heraufbeschworen. Wir waren nicht einmal im Terrain des Gegners tätig. Wir vermieden, Geisteskranke zu behandeln. Aber sie haben uns angegriffen aus keinem anderen Grund als ihrer eigenen Angst. Ich bedauere es, daß sie sich uns zum Henker ausgewählt haben. ... Diesen Kampf müssen wir absolut gewinnen. Wir haben vermutlich keine zweite Chance."

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Re: Verfassungsschutz 2001 über Scientology
« Reply #14 on: September 22, 2018, 07:36:07 PM »

http://web.archive.org/web/20010210213129/http://www.hamburg.de:80/Behoerden/LfV/so/kap42.htm

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Landesamt für Verfassungsschutz

2. "Department of Special Affairs" (DSA) -

    die Unterabteilungen des OSA in Deutschland

Nach der offiziellen Gründung des OSA im Dezember 1983 wurde der aus dem gleichen Jahr stammende Richtlinienbrief, der die Organisationsstruktur der Führungsabteilung (Abteilung 7) in Klasse-IV-Organisationen festlegte, revidiert, um u.a. das Org-Board der neu geschaffenen Unterabteilung 20 vollständig einzuschließen, die die Bezeichnung "Department of Special Affairs" (DSA, Unterabteilung für Spezielle Angelegenheiten) trägt. 82 In diesem Richtlinienbrief findet sich auch der Hinweis, daß die Unterabteilung 20 sich früher "Unterabteilung für Öffentliche Angelegenheiten" nannte (gemäß dem Richtlinienbrief vom 13. März 1961, "Department of Official Affairs"). Auch dieser Hinweis belegt die Kontinuität der scientologischen Organisationsstrukturen. Das Organigramm der OSA-Unterabteilung sieht folgendermaßen aus:

Sektion für Ermittlungen

- Einheit für Sicherheit

- Einheit für die Beschaffung von Daten

- Einheit für Analyse

- Einheit für Unterstützung

PR-Sektion der Unterabteilung für Spezielle Angelegenheiten

- Einheit für Beobachtung und Information

- Untereinheit für Umfragen

- Einheit für Planung und Programmerstellung

- Spezialisten-Einheit

- Einheit für Anerkennungen

- Untereinheit für PR bei Firmen

- Interkonfessionelle Untereinheit

- Untereinheit für Menschenrechte

- Untereinheit für soziales Recht und Reform

Rechtssektion der Unterabteilung für Spezielle Angelegenheiten

- Einheit für körperschaftlichen Status und dessen Aufrechterhaltung

- Untereinheit für die Vorbereitung des Kalenders zur Aufrechterhaltung

- Untereinheit für körperschaftliche und rechtliche Rudimente

- Untereinheit für Lizenzvergabe und Gebrauch von Warenzeichen

- Einheit für Nachforschung, Vorbereitung und Unterstützung

- Einheit für die Handhabung von behördlichen und Steuerangelegenheiten

- Einheit für Rechtsstreitigkeiten

Datensektion der Unterabteilung für Spezielle Angelegenheiten

- Archiv-Einheit der Unterabteilung für Spezielle Angelegenheiten

- Statistik-Einheit der Unterabteilung für Spezielle Angelegenheiten

Als "wertvolle Endprodukte" der DSA gelten "gehandhabte Situationen, die zur völligen Anerkennung von Scientology und ihrem Gründer im ganzen Gebiet führen."

In Deutschland gebraucht Scientology statt DSA häufig die Bezeichnung "Presse- und Rechtsamt" oder die alte Bezeichnung "Büro für Öffentliche Angelegenheiten", da sich ein Außenstehender unter der Angabe "Unterabteilung für Spezielle Angelegenheiten" vermutlich wenig vorstellen kann. 1992 bestätigte der damalige Sprecher der "Scientology Kirche Hamburg e.V.", Franz RIEDL, daß in Hamburg 15 Leute für das OSA arbeiteten. 83 In München sollen der DSA 20 Personen angehören. 84 Die Zahl der bundesweit hauptamtlich aktiven OSA-Mitarbeiter dürfte unter 100 Personen liegen.

Anfang der neunziger Jahre wurden die deutschen Scientology-Organisationen mit Computer Hard- und Software ausgestattet und vernetzt. Über diese Computeranlage läuft seitdem auch die z. T. geheime Kommunikation zwischen den einzelnen OSA-Dienststellen in Deutschland, zwischen Deutschland und der Europazentrale in Kopenhagen sowie der internationalen Zentrale in Los Angeles. 85 Hinsichtlich der Intensität der Kommunikation innerhalb des OSA-Netzwerkes ist eine Erklärung des deutschen OSA-Chefs Helmuth BLÖBAUM aufschlußreich. BLÖBAUM bekleidet offiziell das Amt des Präsidenten der "Scientology Kirche Deutschland e.V." in München. In einer Eidesstattlichen Versicherung vom 11. Mai 1992 erklärte er, daß sich das "Rechtsamt" der "Kirche" "in fast täglicher Korrespondenz per Fax, Telefon oder Telex mit Mitarbeitern der Mutterkirche Church of Scientology International in Los Angeles" befinde. 86 Heute ist der Telex-Verkehr weitgehend durch E-Mails abgelöst.

Zur Frage, wie es hinter den Kulissen der deutschen OSA-Abteilungen aussieht, gibt es bislang nur wenige Informationen. 1992 berichtete ein ehemaliger Scientologe, der kurzfristig beim OSA in München als Aushilfe gearbeitet hatte, über seine dort gemachten Erfahrungen und Eindrücke. Es laufe praktisch ab wie bei der Mafia, so der Aussteiger. Die internationale Organisation des OSA werde selbständig tätig, sobald Kritik oder Negativschlagzeilen auftauchten. Dabei werde der gegen die vermuteten Feinde inszenierte "Riesenwirbel" den SC-Missionen stets in Rechnung gestellt. So kämen "horrende Summen" zusammen, wodurch die betroffenen SO-Einrichtungen dann in der Schuld des OSA stünden und damit natürlich jederzeit unter Druck gesetzt werden könnten bis hin zur Drohung, die Mission zu schließen. Aus diesen Schilderungen läßt sich schließen, daß - wie schon beim GO - die kontinentale oder internationale Führung des OSA am jeweiligen Leitenden Direktor vorbei direkt in eine Org hineinregieren kann und dabei vom Department 20 unterstützt wird.

Der ehemalige OSA-Mitarbeiter berichtete weiter, daß er in der Münchener OSA-Abteilung Aufzeichnungen über Mitarbeiter habe einsehen können, die am E-Meter überprüft worden waren, ob sie eine Gefahr für die Organisation darstellten. Ferner hätte er Akten (gemeint sind die sog. Ethik-Akten) mit "intimsten Offenbarungen" gelesen, die "fast wie Pornos" gewirkt hätten. Eine ehemalige, als Ethik-Offizierin eingesetzte Scientologin bezeugte, daß diese Ethik-Akten der Scientology, die in ihrer Fülle an intimen Geheimnissen und kompromittierenden Erlebnissen die Akten des früheren Ministeriums für Staatssicherheit der DDR weit in den Schatten stellten, auch zur Erpressung mißliebiger Personen verwendet würden. 87

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Re: Verfassungsschutz 2001 über Scientology
« Reply #15 on: September 22, 2018, 07:37:28 PM »

http://web.archive.org/web/20010210212859/http://www.hamburg.de:80/Behoerden/LfV/so/kap43.htm

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Landesamt für Verfassungsschutz

3. Strategien und Programme des OSA und die Diffamierungskampagne gegen Deutschland

Wie bereits am Beispiel des GO aufgezeigt, lassen sich alle Kampfstrategien und Programme der SO auf Richtlinienbriefe und Anweisungen HUBBARDs zurückführen. Anhand eines 1988 in der deutschen Ausgabe der OSA-Zeitschrift "Scientology heute" veröffentlichten Briefes des CSI-Präsidenten Heber JENTZSCH 88 läßt sich zeigen, daß dies auch heute für das OSA gilt. JENTZSCH erläuterte in seinem Brief, wie ein Scientologe dazu beitragen könne, einen sicheren Raum für die Expansion von Scientology zu schaffen, um ihren Einfluß in der Gesellschaft zu vergrößern. Dies ist erklärtermaßen das Organisationsziel des OSA. Ein wichtiges Nebenprodukt dieser Expansion sei das Schaffen "wertvoller Kommunikationslinien innerhalb der Gesellschaft":

"Wir müssen herausfinden, wie wir wichtige Leute in den Medien, in der Regierung und in den Schlüsselpositionen der Gesellschaft erreichen - diejenigen Leute, welche die Dinge in der Hand haben."

Scientologen müßten in der Lage sein, die richtigen Leute zu erreichen, "um Dinge getan zu bekommen". Im einzelnen erklärte JENTZSCH also, wie die von HUBBARD festgelegten strategischen Ziele, nämlich die Kontrolle über alle wichtigen Schlüsselpersonen in der Politik, der Wirtschaft und der Gesellschaft zu übernehmen, in der jeweiligen konkreten Situation praktisch umgesetzt werden können. Ohne den HUBBARDschen "Spezialbereichsplan" ausdrücklich zu erwähnen, wird die dahinterstehende Idee konkretisiert: Einzelne Bereiche der Gesellschaft, in denen Scientologen aktiv sind, sollen mittels Scientology-Technologie "in Ordnung" bzw. zum Funktionieren gebracht werden. So berichtete JENTZSCH beispielsweise, wie in einem (nicht genannten) europäischen Land über einen mit dem Präsidenten befreundeten Scientologen "Barrieren" völlig aus dem Weg geräumt werden konnten, mit denen Scientology in diesem Land konfrontiert gewesen war.

Persönliche Kommunikationslinien seien, so der CSI-Präsident weiter, machtvoller, als es sich die meisten Leute vorstellen könnten. Hochrangige Führungspersonen vertrauten ihren besten Freunden und Bekannten wesentlich mehr als Zeitungsmeldungen. Am Ende forderte JENTZSCH auch die deutschen Scientologen auf, der Organisation zu offenbaren, über welche in die Bereiche Politik, Medien, Rechtswesen, Finanzwesen, Kunst, Unterhaltung etc. hineinreichenden persönlichen Kommunikationslinien sie verfügen. Diese seien für die "Kirche" von großer Bedeutung und sehr wertvoll. Alle per Fragebogen erhobenen Angaben würden selbstverständlich vertraulich behandelt.

Daß diese mittlerweile über Jahrzehnte praktizierte Strategie der Einflußgewinnung nicht ganz erfolglos war, vermittelt ein Blick auf die heutige Situation der SO in den USA. Die Position der SO ist dort trotz der skandalösen Vorkommnisse in den siebziger Jahren mehr denn je gesichert, so daß die Organisation ungehindert voranschreiten kann, ihren Macht- und Einflußbereich auszubauen.

Die Situation in Deutschland entwickelte sich dagegen in den vergangenen Jahren zu einem für die SO ernsthaften Problem. Parallel zur starken Aufschwungphase Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre und dem größer werdenden Bekanntheitsgrad wuchs auch die Kritik an Scientology, die nunmehr in eine offene politische Auseinandersetzung gemündet ist. Deutschland ist gegenwärtig das Hauptangriffsziel der SO, da hier die "Unterdrückung" von Scientology angeblich am stärksten sei und von staatlicher Seite aus gefördert werde. Die gegenwärtig vor allem in den USA betriebene - mittlerweile Millionen an Dollar verschlingende - Propagandakampagne gegen Deutschland wird aus der sogenannten "Kriegskasse" ("War Chest") der "International Association of Scientologists" (IAS) finanziert, in die nicht nur gut betuchte Scientologen größere Summen spenden.

Weltweit hat die IAS schätzungsweise 100.000 bis maximal 150.000 Mitglieder. Wer den Ehrenstatus eines "Patron" der IAS erreichen will, muß mindestens 40.000 US $ spenden; der Status eines "Patron with Honors" wird bei einer Mindestspende von 100.000 US $ verliehen, und "Patron Meritorious" wird, wer mindestens 250.000 US $ in die "Kriegskasse" der IAS eingezahlt hat. Den Status "Gold Meritorious", die bislang höchste Ehrenstufe, bekommt ein Geldgeber verliehen, der 1.000.000 US $ für Scientology übrig hat. Die IAS arbeitet eng mit dem OSA zusammen und stimmt ihre jeweiligen Spendensammlungen auf die geplanten Aktionen des scientologischen Geheimdienstes ab.

Einen ersten Höhepunkt erreichte die Diffamierungskampagne gegen Deutschland Anfang 1993 mit der Verbreitung der Broschüre "Hass und Propaganda. Sanktioniert und betrieben von Medien und Behörden". Von dieser mit finanzieller Unterstützung der IAS in deutsch und englisch herausgegebenen Propagandaschrift wurden in Deutschland mehrere zehntausend Exemplare verteilt - vorwiegend in den Großstädten, in denen Scientology aktiv ist. Größere Verteilaktionen fanden nach Angaben der SO in "17 weiteren wichtigen Städten der Welt" statt. Diese Aktionen erregten weltweites Aufsehen, weil im Rahmen dieser Kampagne erstmals die angebliche Diskriminierung von Scientologen mit der nationalsozialistischen Judenverfolgung während der Zeit des 3. Reiches verglichen wurde. Dieser Vergleich wurde aber nicht nur von deutscher Seite aufs schärfste zurückgewiesen, sondern auch von jüdischen Organisationen, die diese Gleichsetzung zu Recht als Beleidigung und zynische Verharmlosung des von Juden erlittenen Unrechts empfanden.

Obwohl die SO mit dieser Strategie also bereits damals übers Ziel hinausschoß und potentielle Unterstützer ihrer Kampagne zur angeblichen Sicherung der Menschenrechte in Deutschland verprellte, setzte die Organisation ihre Propagandakampagne unbeirrt fort. Die SO folgt dabei strikt der Strategie ihres Gründers, den Angriff auf den "wundesten" Punkt des Gegners zu richten, in diesem Fall also zu behaupten, daß in Deutschland das "Nazitum" wieder auf dem Vormarsch sei. HUBBARD bekräftigte dazu an anderer Stelle unmißverständlich:

"Es ist meine spezifische Absicht, durch den Gebrauch professioneller PR-Taktiken jegliche Opposition nicht nur stumpf zu machen, sondern dauerhaft auszurotten." 89

Die enge Zusammenarbeit zwischen IAS und OSA bei dieser Kampagne bestätigte auch Kurt WEILAND, der damalige OSA-Chef. WEILAND beschrieb 1993 im IAS-Magazin "Impact" 90 das hohe Interesse der IAS-Mitglieder, etwas über die "Gewinne, die wir beim Ausschalten von Unterdrückung verzeichnen", zu erfahren. Schließlich wüßten sie, daß ihre Spenden auf direktem Wege vielen dieser Aktivitäten zugute kämen. Relativ optimistisch äußerte sich der OSA-Chef damals noch über die Akzeptanz von Scientology in Deutschland:

"Je größer wir werden, desto mehr werden wir von etablierten Interessengruppen als Bedrohung betrachtet. Eigentlich handelt es sich dabei nur um wenige unterdrückerische Personen, und ihre Aktionen gegen die Kirche und Scientology zeigen nicht mehr Wirkung als das Heulen zahnloser Hunde. Die Mehrheit der Deutschen steht Scientology sehr aufgeschlossen gegenüber."

Daß man die Situation für Scientology in Deutschland intern sehr viel ernster nahm und nimmt, zeigt sich u.a. daran, daß 1993/94 bei der OSA INT eine Sondereinheit "Task Force Germany" gebildet wurde, die sich nur mit der Situation in Deutschland befaßt. Der Schweizer Klaus BÜCHELE ist Leiter dieser Sondereinheit und gleichzeitig einer der Stellvertreter von OSA-Chef Mike RINDER. Ein von BÜCHELE unterschriebenes, an alle OSA-Kontinentalbüros und alle DSA-Büros gerichtetes Rundschreiben vom 04. Mai 1994 mit dem Titel "Einberufung für Deutschland" ("Call to Arms Germany") verkündete in ernstem Ton: "Ihre Hilfe wird dringend für die Abwehr neonazistischer Regierungsattacken auf Scientology-Organisationen und -Mitglieder in Deutschland benötigt." Die angebliche Diskriminierung von Scientologen in Deutschland müsse gestoppt werden:

"Wir arbeiten mit voller Kraft daran, Scientologen überall auf der Welt zu aktivieren. Sie sollen aufstehen und jetzt Maßnahmen ergreifen, damit wir einer Sache Einhalt gebieten können, die eindeutig der Beginn eines neuen Holocaust ist. Wir können über alle Zweifel hinaus beweisen, daß es sich hier um genau dasselbe Muster handelt, das auch benutzt wurde, um 1935 die Haßkampagne gegen das jüdische Volk in Gang zu setzen. ... Wir müssen als Gruppe an einem Strang ziehen und den Aufstieg des Nazitums stoppen."

"Scientologen überall auf der Welt" sollten gegen diese Diskriminierung protestieren. Es würden mindestens 10.000 Briefe und Fax-Mitteilungen benötigt, die an den deutschen Kanzler Helmut Kohl und an alle wichtigen Bundesminister gesandt werden sollten mit der Forderung, der "religiösen Unduldsamkeit" sofort Einhalt zu gebieten. Die entsprechenden Adressen und ein Briefentwurf waren in diesem Schreiben aufgeführt bzw. diesem gleich beigefügt. Abschließend unterstrich der Leiter der "Task Force Germany" noch einmal die Vordringlichkeit dieser Aktion:

"Ausmaß und Schnelligkeit, mit der wir uns dieser Sache annehmen, sind sehr wichtig. Je schneller wir als internationale Gruppe handeln, desto schneller werden wir Deutschland und den Rest dieses Planeten vor einem Aufstieg der Neonazis schützen... Zusammen können wir eine internationale Gruppe mobilisieren, die dieses Krebsgeschwür der Menschheit auslöschen kann und wird."

Bis heute hat die SO ihre Anklagen wegen angeblicher Diskriminierung kontinuierlich fortgesetzt. Erstmals mit der ganzseitigen, "Preserve that Freedom" (Bewahrt diese Freiheit) überschriebenen Anzeige in der "New York Times" vom 15. September 1994 unternahm die SO auch den Versuch, vor dem Hintergrund zunehmender fremdenfeindlicher Übergriffe in Deutschland die Bundesregierung in die Nähe neonazistischer Gewalttäter zu rücken:

"Trotz der Versuche der deutschen Regierung, die Welt davon zu überzeugen, daß die Gewalttaten einzig und allein von Skinheads im Teenageralter begangen werden, haben Untersuchungen durch Menschenrechtsgruppen brutales Vorgehen deutscher Behörden gegen Minderheiten enthüllt."

Es gebe reichhaltige Beweise dafür, daß der Faschismus seit der Vereinigung wieder auf dem Vormarsch sei und daß ihm die deutsche Regierung mit Nachsicht und Ermutigung begegne. Eine Woche später, am 22. September, hieß es in der wiederum in der "New York Times" veröffentlichten Anzeige "Never again!" (Nie wieder!):

"Obwohl die Medien kahlgeschorenen neonazistischen Jugendlichen die Schuld an den diskriminierenden Handlungen gegen Nichtdeutsche und Minderheiten geben, ist die Regierung genauso schuldig. ... Intoleranz und Haß sind kennzeichnend für den Umgang deutscher Behörden mit "Ausländern" und Minderheiten. ... In den dreißiger Jahren stürmten Nazis durch die Straßen deutscher Städte und terrorisierten und töteten Juden und Angehörige religiöser Minderheiten. ... Heute wäre es klug, wenn wir die frühen Alarmzeichen aus einem Lande nicht unbeachtet ließen, das die Welt in diesem Jahrhundert zweimal in den Krieg gestürzt hat ..."

Im gleichen Jahr 1994 veröffentlichte die SO in "Roll Call" - nach ihrer Meinung eine der angesehensten und einflußreichsten Zeitungen in Washington, D.C. - eine Serie von 20 Anzeigen, mit denen sie Mitgliedern des Kongresses sowie Regierungsvertretern die Intoleranz und Verfolgung von Scientology in Deutschland vor Augen führen wollte. Für den am 09. Januar 1997 in der "International Herald Tribune" veröffentlichten "Offenen Brief an Helmut KOHL", der wiederum die staatliche Verfolgung anprangerte, konnte die SO zahlreiche prominente Nichtscientologen aus dem Showbusineß als Unterzeichner gewinnen und damit unter Beweis stellen, daß sie auch in Hollywood mittlerweile über erheblichen Einfluß verfügt.

Es ist offensichtlich, daß eine Kampagne dieser Größenordnung nicht von den hiesigen deutschen Organisationen geführt werden könnte. Robert Vaughn YOUNG bestätigt, daß die oberste Führungsspitze der SO hinter dieser von der IAS und dem OSA gesteuerten Kampagne steht:

"Sie wird von David MISCAVIGE in Gilman Hot Springs, Kalifornien, in den USA geleitet. Da ich jahrelang persönlicher Adjutant von MISCAVIGE war, weiß ich genau, wie er arbeitet. Er erhält eine Flut von Berichten aus Deutschland, darunter (in Übersetzung) Kopien aller Medien. Außerdem bekommt er nachrichtendienstliche bzw. Spionageberichte von verdeckten Scientology-Agenten und Privatdetektiven, die von Scientology angestellt sind. Er wird auch e i n e Person haben, die sich speziell mit der Kampagne befaßt ...". 91

Wie beharrlich und energisch die SO versucht, jeden Widerstand zu brechen, läßt sich auch daran ablesen, daß das 1973 ins Leben gerufene sogenannte "Schneewittchen"-Programm (vgl. Teil II Pkt. 3) bis heute ein wichtiger Bestandteil der geheimdienstlichen Arbeit des OSA ist und keineswegs mit der Auflösung des GO zu den Akten gelegt wurde. Dieses Programm, so YOUNG, sei lediglich für eine Weile im Safe verschwunden und nicht in den Reißwolf gewandert. Einen eindeutigen Beweis für die fortbestehende Existenz von "Schneewittchen" liefert ein Rundschreiben vom 16. Dezember 1989, verfaßt von der Leiterin des "Schneewittchen"-Programms im OSA US, Elaine SIEGEL. 92 Das Papier ist mit "Non-Existence Formula" überschrieben, was soviel bedeutet, daß der genannte Posten erst kürzlich an die neue Inhaberin vergeben wurde. Jeder, der in Scientology einen Posten neu übernimmt, beginnt im Ethik-Zustand "Nichtexistenz" und muß sich erst einmal bekannt machen. 93 Dieses Rundschreiben, das sich an das gesamte Personal von OSA US und OSA INT sowie an das "Watchdog Committee", Sektor OSA, richtet, informiert über Veränderungen und den neusten Stand des "Schneewittchen"-Programms. Ausdrücklich wird betont, daß die Funktionen dieses Programms ausgeweitet werden sollen, um die "Schneewittchen"-Strategie voll verwirklichen zu können. Die Unterzeichnerin erinnert zunächst an den von HUBBARD formulierten "Idealzustand" ("Ideal Scene"), den dieses Programm ansteuert, um dann auf einen der damals wichtigsten Gegner einzugehen, die internationale Polizeiorganisation Interpol:

"Alle falschen und geheimen Akten von Nationen in Operationsgebieten sind offengelegt und auf rechtmäßigem Wege getilgt ...

Der allgemeine Zweck der "Schneewittchen"-Einheit ist also, augenblicklich dafür zu sorgen, daß die in Regierungsakten enthaltenen Berichte über die Kirche und L. Ron HUBBARD offengelegt werden, und zwar mit Hilfe des Gesetzes über die Informationsfreiheit (ein US-Gesetz auf Bundesebene, aufgrund dessen den Bürgern Zugang zu Regierungsakten gewährt wird), und daß sie aus den Akten gelöscht werden, um sichere Umgebungsbedingungen zu schaffen, in die Scientology hineinexpandieren kann.

Ein Teil der Gesamtkampagne ist das Vorgehen gegen Interpol, der internationalen Organisation der Kriminalpolizeien, die ein Beförderungsmechanismus für falsche Berichte über die Kirche und L. Ron HUBBARD auf der ganzen Welt ist."

Zur Organisationsstruktur des "Scheewittchen"-Programms vermerkt SIEGEL, die gesamte Einheit sei in der Führungsabteilung 7 angesiedelt, direkt dem "Kommandierenden Offizier" des OSA US unterstellt und in vier Zweige ("Branches") aufgeteilt: dem FoIA-Zweig ("Freedom of Information"-Act, o.g. amerikanisches Gesetz), dem CIC-Zweig ("Combat Information Center", Kampfinformationszentrale), dem "Schneewittchen"-Planungszweig und dem -Ausführungszweig, der direkt von ihr geleitet werde. Als Leiterin des Programms obliege ihr auch die Aufsicht über die gesamte Prozeßführung bei Verfahren gegen Regierungsbehörden sowie die Führung der sogenannten Sozialreform- und PR-Aktivitäten. Ferner, so SIEGEL, sorge sie auch für die Berichtigung der falschen Berichte über Scientology in Regierungsakten und setze dazu Personal der Kirche oder Rechtsanwälte ein. Als besonderen Erfolg hebt sie hervor, daß das OSA ein Mitglied des US-Kongresses dazu habe bewegen können, eine Untersuchung gegen Interpol in den USA durch einen Kongreßausschuß zu initiieren. Insgesamt habe man bislang sechs NCLEs etabliert, die die sozialreformerischen Aktivitäten von Scientology voranbringen und insbesondere Interpol handhaben sollen. Das Schreiben endet mit der Aufforderung:

"Was ich von Ihnen brauche und haben möchte, ist, daß Sie mich über alle Angelegenheiten auf dem laufenden halten, die sich mit Regierungsattacken, Interpol, ... beschäftigen. Es ist wichtig, um sicherzustellen, daß Sie mich über Ihre Berichte zu diesen Themen informieren, da ich auf meiner Ebene und auf der DSA-Ebene Aktionen einleiten kann."

Am Beispiel des Vorgehens gegen Interpol - wie auch am Beispiel der amerikanischen Steuerbehörde IRS, die der SO 1993 Steuerfreiheit gewährte - kann nachgezeichnet werden, wie die SO in den letzten zwanzig Jahren dank ihrer gewonnenen Stärke ihre Strategie der Feindbekämpfung verfeinert hat und zu welchem Erfolg „Schneewittchen“ führte. In den siebziger Jahren drangen GO-Agenten in Büros von Interpol und der IRS ein, um an Akten zu gelangen und diese zu entfernen; heute kann die SO darauf verweisen, scheinbar ganz legal die betroffenen Organisationen zu einer Meinungsänderung bewogen zu haben. Robert Vaughn YOUNG erwähnt hinsichtlich dieser legalistischen Strategie der SO, daß sich die Organisation bereits zu seiner Zeit (bis 1989) über Washingtoner Anwälte in die US-Regierung eingekauft hätte. Dies habe am Ende wesentlich mit dazu beigetragen, daß Scientology offiziell als „Bona fide-Religion“ anerkannt wurde. 94

Der SO-Kenner Prof. Stephen KENT, Associate Professor für Soziologie an der University of Alberta / Kanada, bestätigt, daß es zur Strategie des heutigen Managements gehöre, SO-Gegner auf juristischem Wege in die Knie zu zwingen. Seines Wissens seien nach entsprechenden Ermittlungen von Privatdetektiven bzw. des SO-Geheimdienstes eine Vielzahl von Rechtsverfahren gegen die IRS und einzelne Mitarbeiter angestrengt worden, um die Steuerbefreiung durchzusetzen. Befürchtete Prozeßkosten in Höhe von mehreren Millionen Dollar seien mit ausschlaggebend dafür gewesen, daß die IRS 1993 im Streit um die Anerkennung der SO als gemeinnützige Organisation nachgegeben habe. Nach diesen Erfahrungen traue sich die US-Regierung nicht, die IRS-Entscheidung zu revidieren. Zudem verfüge die SO in den USA über erheblichen Einfluß auf Regierungs- und Parlamentsebene. 95

Auch im Fall von Interpol ist es Scientology mittels ihrer nachrichtendienstlichen Aktivitäten und Ermittlungstätigkeiten offensichtlich gelungen, genügend "belastendes" Material zusammenzutragen (Nazi-Vergangenheit von leitenden Interpol-Mitarbeitern, angebliche Verwicklung in den internationalen Drogenhandel, u.a.) 96, um eine offizielle Untersuchung gegen Interpol in den USA durchzusetzen.

Der scientologische Kleinkrieg gegen Interpol war am Ende erfolgreich. In der Herbstausgabe 1994 der OSA-Zeitschrift "Scientology Today" wurde dieser "Sieg" gebührend gefeiert. 97 Seit Jahren hätte Interpol falsche Berichte über Scientology verfaßt und u.a. an Regierungen weitergeleitet. Kern des Problems sei die Weigerung von Interpol gewesen, anzuerkennen und danach zu verfahren, daß die SO den Schutz von Art. III der Interpol-Satzung genieße. Dieser Artikel verbiete es Interpol strengstens, sich mit Angelegenheiten religiöser Natur zu befassen. Nach jahrzehntelangen feindseligen Auseinandersetzungen habe es Scientology im Zuge der Anerkennung als Kirche durch die US-Steuerbehörde IRS nunmehr geschafft, auch Interpol zum Umlenken zu bewegen.

Interpol-Generalsekretär Raymond KENDALL sei klar geworden, daß seine Organisation mit der Anerkennung von Scientology als echter Religion jede Basis für ihre frühere Haltung verloren hätte und die "Interpol-Position" revidiert werden müsse. Zu diesem Zweck hätten sich KENDALL und der Vorsitzende des RTC, David MISCAVIGE, getroffen. Scientology sei nicht nur von nun an der Schutz des Art. III der Interpolsatzung zugebilligt worden, der Interpol-Chef habe darüber hinaus beigepflichtet, daß von seiten Interpols entsprechende Maßnahmen nötig seien, um frühere Fehlinformationen aus den Akten der Organisation zu entfernen. Mr. KENDALL hätte zustimmt, die 174 Interpol-Mitgliedsstaaten nebst 11 Unteragenturen durch ein unmittelbar vom Generalsekretär kommendes Rundschreiben zu benachrichtigen, daß die US-Bundessteuerbehörde die Scientology-Organisationen vollständig anerkannt habe. Bestätigt durch den Erfolg ihres Programms erklärt das OSA-Magazin zum Schluß:

"Mit der vollen religiösen Anerkennung in den USA und der Beendigung des Konflikts mit Interpol ist eine der letzten Barrieren für die weltweite Ausbreitung gefallen. Die Techniken von Dianetik und Scientology können ungehindert all denen zugänglich gemacht werden, die auf dem Weg zur völligen Freiheit sind."

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Re: Verfassungsschutz 2001 über Scientology
« Reply #16 on: September 22, 2018, 07:38:39 PM »

http://web.archive.org/web/20010609193436/http://www.hamburg.de:80/Behoerden/LfV/so/kap44.htm

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Landesamt für Verfassungsschutz

4. Taktiken und Methoden des OSA

Seit den Prozessen in den USA 1979, die dem Image von Scientology schwer geschadet haben, und ähnlichen Vorgängen - etwa der vorübergehenden Verhaftung von 71 führenden Scientologen in Spanien 1988 - ist die SO vorsichtiger geworden. Sie hat - wie gezeigt - ihre Vorgehensweisen z. T. umgestellt und verfeinert. Scientology leugnet heute zwar die Existenz einer dem früheren „Information Bureau“ im GO entsprechenden Geheimdienstabteilung, tatsächlich aber nimmt die „Sektion für Ermittlungen“ im OSA sowohl auf lokaler wie auch auf internationaler Ebene diese Funktion weitgehend wahr. Da lediglich die GO-Büros in Washington D.C., Los Angeles und Toronto strafrechtlich verfolgt wurden, ist auch davon auszugehen, daß das in den sechziger und siebziger Jahren aufgebaute weltweite Netz an GO-Stützpunkten weitgehend intakt geblieben ist. Nach Aussage von Jon ATACK belegten Gerichtsakten in den USA und Zeugenaussagen, daß es weiterhin aktive Geheimdiensteinheiten in London, Boston, Clearwater und Las Vegas gebe. Auch HUBBARDs Schriften über Infiltration und Subversion würden weiterhin befolgt. 98

 

Im Unterschied zum GO läßt das OSA heute sensible und risikoreiche Operationen häufig von Profis - in der Regel Privatdetektive - ausführen, die offiziell nicht in die Organisation eingebunden sind. 99 Diese arbeiten unter der Leitung von scientologisch geführten Anwaltsbüros, die ebenfalls offiziell mit dem OSA bzw. der SO nichts zu tun haben, tatsächlich aber - zumindest in der Theorie - in die sogenannte „Legal Section“ (Rechtsabteilung) innerhalb des OSA eingebunden sind. Da sich namentlich bekannte Privatdetektive zwar für offene Ermittlungen oder Beschattungen eignen, aber kaum für „Verdeckte Operationen“, rekrutieren diese für bestimmte Aufträge wiederum Personal aus der OSA-Geheimdienstabteilung. Durch diese Konstruktion ist die enge Verbindung zur SO bzw. die Steuerung durch das OSA im Ernstfall nur sehr schwer oder gar nicht nachzuweisen.

 

Die verstärkte Zusammenarbeit mit Rechtsanwälten und deren Schlüsselfunktion bei der Informationsbeschaffung hat, so Robert Vaughn YOUNG, vor allem taktische Gründe. Die SO habe Vorsorge getroffen, daß eine Razzia wie 1977 gegen das GO heute voraussichtlich keinen Erfolg mehr hätte. Während damals alle Informationen in der Geheimdienstzentrale gesammelt wurden, konzentriert sich der Großteil des brisanten Materials heute bei Scientology-Anwälten. Deren Akten sind gesetzlich besonders geschützt und können nicht ohne weiteres beschlagnahmt werden. Gegen Rechtsanwälte in den USA vorzugehen, sei nur möglich, wenn man handfeste Beweise für Straftaten vorlegen kann, was in den meisten Fällen äußerst schwierig oder gar nicht möglich sein dürfte. Wegen des besonderen Vertrauensverhältnisses zwischen Rechtsanwalt und Mandant haben auch die Mitarbeiter von Rechtsanwälten ein Zeugnisverweigerungsrecht, das sie besonders schützt.

 

Die Zusammenarbeit zwischen der SO und Privatdetektiven ist seit den Ausspähungsaktionen gegen den CSU-Politiker Peter GAUWEILER 1983 auch in Deutschland bekannt. 100 Seit der Gründung des OSA 1983 ist der Einsatz von Privatdetektiven und anderem externen Personal stetig gewachsen. Nach Angaben eines SO-Aussteigers beschäftigt Scientology in den USA gleich mehrere Firmen.

Obwohl Scientology vorsichtiger geworden ist, sind die bevorzugten Angriffstaktiken gegen SO-Gegner auch in Deutschland die gleichen geblieben: Schmähartikel in der Scientology-Presse, sogenannte Informationsbriefe an Personen des öffentlichen Lebens, offene und verdeckte Sammlung von Informationen über Kritiker (Beschattung, Anrufe mit erfundenem Hintergrund, "Umfragen", etc.), Versenden von Briefen mit falschen Anschuldigungen z.B. an Arbeitgeber von SO-Gegnern, Verleumdungen, Drohungen, Bespitzelung durch Privatdetektive, Einschleusung von Scientology-Agenten in Kritikerorganisationen und -veranstaltungen, Einschüchterung durch Prozeßandrohungen, Strafanzeigen mit konstruierten Anklagen, Unterlassungserklärungen, Zivilklagen, u.a.. Die OSA, so berichten ehemalige Insider, führt über ihre Gegner nach wie vor regelrecht "schwarze Listen".

 

Im Gegensatz zu den USA sind - soweit ersichtlich - Fälle offener Gewaltanwendung in Deutschland bislang nicht bekannt geworden. Die Verhältnisse in den USA, wo Scientology weitaus mächtiger ist, zeigen aber, daß die Organisation willens und in der Lage ist, gemäß der "Freiwild"-Doktrin 101 auch entsprechende Druckmittel anzuwenden, sofern es für Scientology von Nutzen ist und nur geringe Risiken bestehen, dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. Die schärfsten Angriffe startet die SO aber heute über ihre Rechtsanwälte. 20 Millionen Dollar sollen sie Scientology jährlich kosten. Die Scientology-Anwälte decken Kritiker und Feinde, in den USA sogar Richter, mit Prozessen ein, frei nach dem HUBBARD-Wort: Prozesse führt man mehr, um zu zermürben und abzuschrecken, als um Recht zu bekommen. In den achtziger Jahren gelang es der SO z. B., einen Bundesrichter indirekt zu zwingen, sich wegen Befangenheit aus einem Verfahren gegen Scientology zurückzuziehen, nachdem er durch einen für das OSA tätigen Privatdetektiv in eine Fall mit einer Prostituierten gelockt worden war.

 

Diese perfiden Taktiken und die mißbräuchliche Ausnutzung des Rechtssystems sind den amerikanischen Gerichten nicht verborgen geblieben: 1996 rügte der California Court of Appeal (Berufungsgericht) die SO ausdrücklich, Rechtsstreitigkeiten zu benutzen, um ihre Gegner zur Aufgabe zu zwingen. Der Federal Court of Appeal in San Francisco beschuldigte Scientology im gleichen Jahr, mit dem Rechtssystem Schindluder zu treiben und verhängte eine Geldstrafe gegen die Organisation von 2,9 Millionen Dollar. 102

Weitere Anhaltspunkte für geheimdienstliche Aktivitäten in Deutschland liefert ein internes Papier vom 12. März 1984. In dieser Postenbeschreibung (Hat Write Up) werden die theoretischen Grundlagen der scientologischen Geheimdiensttaktiken und -arbeitsmethoden detailliert erläutert. Das in deutsch verfaßte Geheimdienstpapier stammt - darauf sei ausdrücklich hingewiesen - aus einer Zeit, als es das OSA offiziell schon gab. Es basiert weitgehend auf Ausbildungsmaterial des GO aus dem sogenannten "Intelligence Course" vom 09. September 1974. Offensichtlich um zu kaschieren, daß es sich um eine aktuelle Dienstanweisung einer aktuell bestehenden Geheimdienstabteilung in Deutschland handelt, ist es streckenweise in der Vergangenheitsform geschrieben und gebraucht z.T. verallgemeinernde Formulierungen ("... welche Daten man braucht ..."). Durchgängig wird auf die Geheimdienstabteilung des GO, das "Information Bureau", Bezug genommen und erklärt, daß der frühere "Branch I" in zwei Sektionen unterteilt gewesen sei. Die erste Sektion sei für die Datensammlung in allen Formen zuständig gewesen (ODC; CDC), die zweite, die Operationssektion, habe verdeckte Operationen (CO) durchgeführt. Diese Operationen waren zur unmittelbaren Handhabung eines Gegners oder gegnerischen Projektes gedacht. Die Tätigkeit von "Branch I" war auf den Bereich außerhalb Scientology gerichtet, "Branch II" war nach innen gerichtet und befaßte sich mit der internen Sicherheit.

Punkt 1 des Geheimdienstpapiers behandelt den "Aufbau des Netzwerkes". Dazu gehört u.a. das Anlegen von Karteien über potentielle Aktionsfelder und einsetzbare Quellen. Um eine Auswahl an einsetzbaren qualifizierten Personen zu haben, sollen zuerst einmal in allen Missionen und Kirchen der Scientology mit vorgefertigten Umfragebögen u.a. folgende Punkte abgefragt werden: Berufe, Verbindungen zur Politik, Medizin, Pharmazie, Psychiatrie, Presse etc. Die Rückläufe sollen im Hinblick auf die mögliche Rekrutierung von Personen ausgewertet werden. 100

Der nächste Schritt ist die dreistufige sog. "Security Clearance" für die einzusetzenden Personen. Je nach Sensibilität der Operation (ODC, CDC, CO) werden die ausgewählten Mitarbeiter unterschiedlich streng sicherheitsüberprüft.

    In der sog. "C-Clearance" für ODC wird nur überprüft, ob die betreffende Person keine "Potential Trouble Source" (PTS) 101 ist und in Scientology gut vorankommt. Zusätzlich wird gefordert, daß eine Art Verzichtserklärung ("Non-Disclosure Bond", sinngemäß: Nichtenthüllungs-Schuldschein) in Höhe von 5.000,- unterschrieben werden muß. Offensichtlich sichert sich Scientology so gegen möglichen Verrat ab.
    In der "B-Clearance" wird zusätzlich ein "Security Check" verlangt, der u.a. die Frage beinhaltet: "Bist Du hier aus einem anderen Grund als Du sagst?". Außerdem wird das Einverständnis des Ethik-Offiziers und des zuständigen Fallüberwachers der Organisation eingeholt, der das Auditing der Person überwacht. Die zu unterschreibende sog. Verzichtserklärung beläuft sich auf 30.000,- DM.
    Höchster Sicherheitsstandard ist die "A-Clearance", bei der u.a. zusätzlich zur "B-Clearance" der Lebenslauf am E-Meter gecheckt wird, vermutlich um eventuellen Legendenbildungen nachzuspüren.

Ein wichtiger Punkt ist darüber hinaus die Motivation des Agenten. Ihm darf es nicht auf Geld oder eigene Vorteile ankommen, sondern er sollte es möglichst als seine Pflicht betrachten, sich für die Ziele der Scientology auf diesem Gebiet einzusetzen. Ebenso soll darauf geachtet werden, nur Personen zu rekrutieren, die man selbst kontaktiert hat, jedoch niemanden, der von sich aus an das Ermittlungsbüro herangetreten ist, um "mitzuhelfen", also keine Selbstanbieter. Personen, die schon einmal in psychiatrischer Behandlung waren, Drogen genommen haben oder Alkoholprobleme hatten, werden generell abgelehnt. Personen mit hohen Schulden gelten als leichter erpressbar und somit als nicht voll einsatzfähig.

Zur Grundausbildung der Agenten gehört das Studium der einschlägigen HCO Richtlinienbriefe und Bulletins sowie anderer aufgabenspezifischer Schriften von HUBBARD, ferner professionelle Literatur, wie z. B. das Buch "Methodik des Geheimdienstes" von Christopher FELIX (engl. "The Spy and his Masters"). Unter Punkt 2 "Laufen der freien Mitarbeiter" werden kurz einige Grundregeln der konspirativen Agentenführung dargestellt:

"Bei Personen, die auf vertraulichen und sehr vertraulichen Projekten gearbeitet haben, wurden intern Codenamen wie "Andy" oder "Otto" verwendet, damit man sich intern nicht verplappert. Bei Personen, bei denen nach Möglichkeit nicht bekannt werden soll, daß sie eine Verbindung zur Kirche haben oder eine Verbindung zum Dept. 20, sind Treffs außerhalb zu empfehlen."

Punkt 3 behandelt die Formen der Sammlung und Auswertung von Informationen aus öffentlich zugänglichen Quellen (Staats- und Universitätsbibliotheken, öffentliche Archive, Zeitungsarchive, Vereinsregister, Handelsregister, etc.). Zur offenen Informationssammlung gehören auch die sog. "Noisy Investigations", d.h. lautstarke Untersuchungen gegen vermeintliche Scientology-Kritiker, um diese zu diskreditieren und um möglichst weitere Informationen über die betreffende Person zu erhalten, die gegen sie verwendet werden kann. Das persönliche Kontaktieren "natürlicher Feinde", so der Geheimdienstleitfaden, bringe hierbei am meisten.

Bei der verdeckten Datensammlung (Punkt 4) müsse zunächst geklärt werden, mit welcher Tarnung oder passenden Verkleidung ("suitable guise") am besten gearbeitet werden kann, um an die gewünschten Informationen heranzukommen. Im einzelnen werden Taktiken beschrieben, wie man sich Zielpersonen persönlich oder beruflich unerkannt nähern oder sich in deren Umfeld plazieren kann. Hierzu werden die entsprechenden Kapitel zur "Kunst der Tarnung" im bereits genannten Buch von Christopher FELIX empfohlen.

Zur wenige Jahre zuvor noch praktizierten Strategie der Einschleusung von Agenten führt der Geheimdienstleitfaden interessanterweise aus, daß diese "bisher (sic!) wenig gebracht" habe, da der Agent häufig einer Verschwiegenheitspflicht unterliege und sich bei Verstößen dagegen strafbar mache. Informationen nützten Scientology aber nur, wenn sie auch verwertbar seien. Zum Thema "Einschleusung bei Regierungsstellen" wird festgestellt:

"NO WAY. Niemals, ist illegal und darf niemals gemacht werden oder ins Auge gefaßt werden. Hier bleibt nur der Weg über Akteneinsichten in Zusammenhang mit Prozessen offen."

Wie oben bereits ausgeführt, hat die SO dazugelernt und ihre Vorgehensweise z.T. umgestellt. Da ihre Absichten und Ziele jedoch die gleichen geblieben sind, ist ihren Beteuerungen nach wie vor zu mißtrauen. Z.B. ist weiterhin eine Richtlinie in Kraft, die besagt, daß die SO alle sie betreffenden Dokumente in ihren Besitz bringen will, auch solche, deren Existenz offiziell nicht bestätigt wird.105 Infolgedessen kann die SO sich diese auch nicht auf legalem Wege zugänglich machen.

 

Ausführlich wird auch die Vorgehensweise bei der sogenannten "Dust Bin Collection" (DBC, "Mülleimer-Sammlung") beschrieben. Damit ist das Durchstöbern von Mülleimern von Zielpersonen auf der Suche nach verwertbarem Papierabfall gemeint. Diese Form der Datensammlung sei bislang nur bei einer feindlichen Gruppe angewendet worden, dafür aber sehr erfolgreich! Die gesammelten Dokumente und Informationen hätten in der vorgefundenen Form zwar nicht verwertet werden können, es hätten sich daraus aber sehr wertvolle Hinweise ergeben. Abschließend warnt der Autor allerdings:

"In der BRD ist noch nicht bekannt, daß diese Art der Datensammlung gemacht wird, es sollte als sehr vertraulich behandelt werden, auch die Tatsache, daß so etwas überhaupt möglich ist. In den USA ist die DBC schon zum Gegenstand eines Gerichtsverfahrens geworden, das gewonnen wurde, und es nun feststeht, daß das gesammelte Material auch gerichtlich als Beweismaterial verwendet werden kann."

Bereits 1984 gab es Anhaltspunkte dafür, daß die DBC auch in Deutschland praktiziert wird. Ein vertraulicher Bericht über ein Treffen von deutschen Scientologen mit einem Münchener Privatdetektiv 1983, der SO-Kritiker ausspähen sollte, erwähnt unter dem Punkt "Empfehlungen" ausdrücklich:

"Das Project "Dustbin Data" ("Müllkasten Daten") über ... soll auch gestartet werden, da es dort auch gute Beweise geben kann." 106

1993 gelang es dem SO-Aussteiger Larry WOLLERSHEIM, sich einen an ihn adressierten Briefumschlag von einem Privatdetektiv zurückzuholen, der eindeutig bewies, daß sein Papierabfall durchsucht worden war. In den neunziger Jahren habe es, so Jon ATACK, eine Reihe ähnlicher Fälle gegeben. Und auch Robert Vaughn YOUNG berichtet davon, daß ihm Müll "gestohlen" worden sei (s.u.).

Punkt 6 der Postenbeschreibung behandelt sogenannte "Vorhersagen" (Predictions) und "Einschätzungen" (Estimations). Die "Vorhersagen" beziehen sich auf taktische Ereignisse, wie z.B. eine Veranstaltung von Scientology-Kritikern, die besucht wurde. Die SO versucht, alle möglichen "Kommunikationslinien" zu nutzen, um an Daten für "Vorhersagen" heranzukommen, d.h. in Erfahrung zu bringen, welche aktuellen Aktivitäten gegen Scientology im Gange sind. Die Ermittlungsergebnisse setzen sich meistens aus CDC-Informationen zusammen und werden in einem Bericht ("Data Report") zusammengefaßt. Diese Ermittlungen sollen helfen, Überraschungsangriffe des Gegners zu verhindern; man will diesem immer einen Schritt voraus sein:

"Als das Netzwerk (Anmerkung: zu Zeiten des GO) noch gut ausgebaut war, regelmäßig die Gegner ausgecheckt wurden ... ist es nur in ganz seltenen Fällen zu einem Überraschungsangriff durch die Gegner gekommen."

Die sog. "Einschätzungen" entsprechen Lagebildern und Analysen. D.h., die SO versucht, auf der Grundlage des gesammelten und ausgewerteten Datenmaterials mutmaßliche Pläne und Strategien des jeweiligen Gegners zu analysieren (z. B. Gesetzesvorhaben), um zu langfristigen Einschätzungen zu kommen und Gegenstrategien entwickeln zu können.

Die unter Punkt 7 genannten "Operationen" bestehen aus Untersuchungsaktionen (Investigations, "Branch I"-Aktionen), PR-Aktionen (wie Pressemitteilungen, Presseartikel produzieren, Lobby-Aktionen) und aus rechtlichen Aktionen, sei es, daß Scientology selber z.B. Strafanzeigen stellt oder sich in Verfahren verteidigen muß.

Aus dem Inhalt dieses Geheimdienstpapiers läßt sich nur folgern, daß sich an den Taktiken des scientologischen Geheimdienstes grundsätzlich nichts geändert hat. Die bisherigen und die im folgenden dargelegten Erkenntnisse begründen den Verdacht, daß das OSA bei seinen geheimdienstlichen Aktivitäten mit der gleichen Energie und Zielstrebigkeit zu Werke geht wie einst das GO. Ähnlich zweideutig wie die angebliche Aufhebung des „Freiwild“-Gesetzes ist z.B. auch die nach wie vor aktuelle Anweisung von HUBBARD formuliert, daß „keine Aktivität, die einen Ermittler strafrechtlicher Verfolgung aussetzt, angeordnet werden darf“ (H.n.i.O.). 107 Die Vorgänge in den siebziger Jahren haben gezeigt, wie diese Anweisung offensichtlich verstanden wird: Ihre Beachtung soll verhindern, daß Straftaten von Geheimdienstagenten direkt der SO zugerechnet werden können.

 

Ein aktuelles Fallbeispiel dafür, daß auch in den neunziger Jahren noch die gleichen Methoden der Feindbekämpfung einschließlich des sog. "Freiwild"-Gesetzes angewendet werden, ist das Ehepaar Robert Vaughn YOUNG und Stacy BROOKS YOUNG. In seiner Zeugenaussage vom 11. Januar 1995 wies Robert Vaughn YOUNG zunächst darauf hin, daß alle HUBBARD-Richtlinien, auf die sich die "Freiwild"-Praktiken und die Haßkampagnen der SO gründen, einschließlich der GO-Erlasse, weiterhin gültig seien, weil sie nicht aufgehoben oder inhaltlich geändert werden könnten. Den Beweis dieser Feststellung hätten er und seine Frau selber erfahren müssen:

"Meine Frau und ich sind "Freiwild"-Zielscheibe gewesen. In unser Haus ist zweimal eingebrochen worden (wobei unser Büro das einzige Ziel war), unser Abfall ist gestohlen worden, in unserem Haus wurden Wanzen angebracht, unsere Familien haben nervenaufreibende anonyme Anrufe erhalten, wir sind verfolgt worden, und wir wurden heimlich fotografiert. Freunden, die uns besuchen, ist man gefolgt, ihren Fahrzeugen wurde nachgespürt und dann sind sie mit der Absicht besucht worden, sie zu schikanieren. Auch verdeckte Agenten oder Spione verschiedener Art, die entweder INGRAM (Anmerkung: Privatdetektiv der SO) oder dem OSA unterstehen, haben sich an uns gewandt. ... Seitdem wir uns zu einem Gespräch mit der deutschen Zeitschrift "Focus" bereiterklärt haben 108, haben sich die Scientology-Angriffe verstärkt. ... Der Zweck der Scientology-Attacke gegen meine Frau und mich ist, uns zum Aufhören zu bewegen ... Eine Zeitlang haben sie mich als "Pornografie-Herausgeber" bezeichnet. Die Grundlage war ein Packen Pornografiematerial, das mir zugeschickt wurde und das sie dann - mit dem an mich adressierten Umschlag - aus meinem Abfalleimer herausfischten, mit der (falschen) Behauptung, ich sei der "Herausgeber" des Materials, während alles, was ich getan hatte, darin bestand, es wegzuwerfen. Seitdem ich deutlich meine Meinung über ihre Taktik in Deutschland geäußert habe, haben sie mich als Neonazi bezeichnet und mich vor einem Restaurant mit jemanden fotografiert, den sie einen Neonazi nennen."

Diese Attacken gegen YOUNG können vom Landesamt für Verfassungsschutz Hamburg teilweise bestätigt werden. Am 03. Februar 1995 verteilten Hamburger Scientologen ein Flugblatt mit der Überschrift "Kooperiert CABERTA mit Neo-Nazis?", in dem YOUNG, der sich zu der Zeit in Hamburg u.a. bei der Arbeitsgruppe Scientology (AGS) aufhielt, als "Kollaborateur der amerikanischen Antisemitismus-Bewegung" bezeichnet wird. Das Flugblatt zeigte u.a. ein Foto von YOUNG zusammen mit Willis CARTO, dem Gründer des amerikanischen "Institute for Historical Review" (IHR), einer in rechtsextremistischen Kreisen weltweit bekannten revisionistischen und neonazistisch beeinflußten Einrichtung für Geschichtsforschung. YOUNG, so die Unterstellung, habe also Verbindungen ins rechtsextremistische Lager. Die Zusammenarbeit YOUNGs mit der Leiterin der AGS, Ursula CABERTA, sei ein weiterer Beleg dafür, daß diese in ihrem "Bestreben, eine Religionsgemeinschaft zu vernichten, Hilfe aus dem kriminellen Milieu in Anspruch" nehme. In dem Flugblatt wurde zudem die bereits erwähnte Behauptung wiederholt, YOUNG hätte sich nach seiner Trennung von Scientology u.a. als "Lektor pornografischer Schriften versucht".

An mindestens einem Punkt kann nachgewiesen werden, daß Scientology bewußt die Unwahrheit verbreitet hat: Aus Unterlagen, die dem Landesamt für Verfassungsschutz Hamburg vorliegen, geht hervor, daß nicht YOUNG, sondern die SO engste Verbindungen zum IHR unterhält! Seit Oktober 1993 ist der Scientologe Tom MARCELLUS neuer Direktor des IHR und vermutlich einer derjenigen, die beim Komplott gegen YOUNG mitwirkten. Das Treffen mit dem entmachteten ehemaligen Leiter Willis CARTO im Februar 1994 sei, so versichert YOUNG glaubwürdig, auf dessen Drängen zustande gekommen, da CARTO wissen wollte, warum sich die SO für das IHR interessiert. Das Treffen sei von einem Privatdetektiv der SO observiert und fotografiert worden, um ihn, YOUNG, zu diskreditieren. Der Fall YOUNG ist ein Paradebeispiel für die bis in die jüngste Zeit üblichen skrupellosen "Schwarze Propaganda"-Taktiken der SO.

 

Bestätigt werden die von YOUNG und anderen Aussteigern und Kritikern bezeugten Verfolgungspraktiken und Machenschaften des OSA u.a. von dem ehemaligen OSA-Agenten Garry SCARFF, der im September 1992 die Organisation verließ. In einer am 04. April 1994 vorlegten ca. 240 Seiten umfassenden eidesstattlichen Erklärung 109 gab SCARFF an, vom OSA-Büro in Los Angeles zur Begehung von Straftaten angestiftet worden zu sein. Zu seinen Aufträgen habe es z.B. gehört, Scientology betreffende Gerichtsunterlagen zu stehlen. Anfang der achtziger Jahre hatte SCARFF beruflich Zugang zu einem bundesweiten Computersystem der Polizei. 110 Er sei angewiesen worden, systematisch anhand von vorgegebenen Listen Namen von Scientology-Gegnern abzufragen, um so auf eventuell registrierte Straftaten zu stoßen. Der erklärte Wille der Organisation sei es, so SCARFF, ihre entschiedendsten Gegner vollkommen und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu vernichten. Sogar vor Mord schrecke die SO nicht zurück. Im Oktober 1991 hätte er den Auftrag erhalten, die damalige Leitende Direktorin der Hilfsorganisation „Cult Awareness Network“ (CAN), Cynthia KISSER, mittels eines fingierten Autounfalls zu töten. Sollte dieses Komplott scheitern, sei ihm juristische Unterstützung seitens der eingeweihten scientologischen Anwaltskanzlei BOWLES & MOXON zugesichert worden, die im gleichen Gebäude direkt über den OSA-Büros residiert. Im Dezember 1991 sei der zweite Auftrag vergeben worden. Diesmal sollte sich der Mordanschlag - ebenfalls per Auto - gegen den Rechtsanwalt Ford GREENE richten, der ehemalige Scientologen, z.B. Gerald ARMSTRONG, vor Gericht vertrat.

 

 

SCARFF habe diese Aufträge wegen Gewissenskonflikten jedoch nicht ausgeführt, sondern sich der Kriminalpolizei von Portland/Oregon offenbart. Zuvor, so SCARFF, sei er gewarnt worden, man würde ihn umbringen, falls er jemals auspacken und die SO oder BOWLES & MOXON belasten würde. Falls man ihn nicht erwische, würde man seine Eltern töten. Am 02. April 1997 strahlte der WDR eine Reportage über Scientology aus mit dem Titel "Gesucht wird: Die dunkle Seite der Scientology", in der SCARFF seine Anschuldigungen wiederholte. Sichtlich erschüttert befürchtete er deshalb, daß seinen Eltern jetzt etwas angetan würde.

 

Diesem Druck hielt SCARFF offensichtlich nicht lange stand. Nur drei Monate später wurde im Internet 111 eine Erklärung von ihm verbreitet, in der er angab, mit der SO eine angeblich freiwillige Vereinbarung getroffen zu haben. Darin behauptet er, viele seiner Aussagen in der Eidesstattlichen Versicherung seien Lügen, er selber sei kein glaubwürdiger Zeuge. Als Teil der Vereinbarung mit der SO forderte SCARFF den WDR unter Androhung rechtlicher Schritte auf, auf eine erneute Ausstrahlung des Beitrages vom 02. April 1997 zu verzichten, da er seine "verleumderischen" Anschuldigungen nicht mehr aufrechterhalte. Wenig später kehrte er jedoch zu seinem Rechtsanwalt Graham E. BERRY zurück und berichtete davon, daß er von der SO gefangengehalten und unter Druck gesetzt worden sei. Sein Widerruf sei erpreßt worden. BERRY, der zu den wenigen Anwälten in den USA gehört, die sich noch trauen, gegen die SO anzutreten, hält dies für eine typische OSA-Praxis: Das OSA mißbrauche die Labilität der von ihr benutzten Agenten, um im Falle der Aufdeckung von illegalen Aktivitäten diese weiter manipulieren und ihre Glaubwürdigkeit diskreditieren zu können.

 

 

In seiner Zeugenaussage gibt SCARFF unmißverständlich zu verstehen, wie er die SO einschätzt:

„Alles, was man sich anschauen muß, ist die Geschichte der Church of Scientology. Man braucht sich nur die dokumentierten Fakten und Beweise anzuschauen, die wir gegen BOWLES & MOXON und die Church of Scientology haben, und man weiß, daß es keinen Zweifel daran gibt, daß die Church of Scientology eine kriminelle Organisation ist, nach innen wie nach außen, und all die Funktionäre und Rechtsanwälte innerhalb der Church of Scientology ... sind Bestandteil dieser kriminellen Organisation, und sie alle gehören hinter Schloß und Riegel.“ 112

 

BERRY beurteilt die Aussichten, die Organisation hinsichtlich der ihr vorgeworfenen strafbaren Handlungen zu überführen, trotz der Fülle von Zeugenaussagen und Anhaltspunkten eher skeptisch. Die Strafverfolgungsbehörden in Los Angeles hätten ihm zu verstehen gegeben, daß sie sich aus personellen, organisatorischen und - angesichts der enorm hohen Kosten - auch aus finanziellen Gründen nicht in der Lage sehen, ein umfangreiches Strafverfahren gegen die SO bzw. betroffene Scientologen erfolgreich durchzustehen. Diese Aussage kommt letztlich dem Eingeständnis gleich, vor der Macht von Scientology zurückweichen zu müssen.

 

Eine ähnliche Entwicklung ist in Deutschland gegenwärtig zwar nicht zu befürchten, dennoch spricht vieles dafür, daß die Verhältnisse hier nicht wesentlich anders aussähen, wenn die SO entsprechende Entfaltungsmöglichkeiten hätte bzw. ihr solche eingeräumt würden. Auch wenn deutschen Scientologen bislang - soweit ersichtlich - keine vergleichbaren Straftaten wie in den USA nachgewiesen werden konnten, geben die bisherigen Erfahrungen und Verdachtsmomente sowie die Feststellungen der Münchener Staatsanwaltschaft, daß die SO im Grenzbereich zur Illegalität operiere und auch gegebenenfalls vor kriminellen Aktionen nicht zurückschrecke, weiterhin Anlaß, die Aktivitäten des OSA in Deutschland aufmerksam zu beobachten.

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Re: Verfassungsschutz 2001 über Scientology
« Reply #17 on: September 22, 2018, 07:40:25 PM »

http://web.archive.org/web/20010210211643/http://www.hamburg.de:80/Behoerden/LfV/so/kap5.htm

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V. Bewertung

Die bisher angefallenen Erkenntnisse über den Geheimdienst- und Propagandaapparat der SO skizzieren das Bild einer Organisation, die von einem fast unbezwingbar erscheinenden Willen beseelt ist, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln eine unantastbare politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Machtposition zu erlangen. Von ihrem utopischen Ziel, den gesamten Planeten zu "klären", ist sie trotz mancher Rückschläge nie abgewichen. Die SO will den einzelnen Menschen sowie alle Bereiche des gesellschaftlichen Zusammenlebens (Politik, Wirtschaft, Kultur, Medien, etc.) mit Hilfe ihrer geistigen Techniken und der HUBBARDschen Management- und Organisationstechniken im scientologischen Sinne gleichschalten, beherrschen und letztlich kontrollieren. ROBERT Vaughn YOUNG bewertet Scientology daher als eine politisch motivierte Bewegung:

"Wir wollten Regierungen auf unsere Linie bringen, wollten Kontrolle über die Medien, Kontrolle über Banken. Es ging uns um eine umfassende Unterwerfung unter Scientology. Wir hatten alle Ziele einer politischen Bewegung ... Der Zweck ist ... Geld zu scheffeln - aber nur, um damit Macht zu erlangen". 113

Mit Geld, so YOUNG, könne man sich zum Beispiel über teure Rechtsanwälte mit den nötigen Kontakten in Regierungen und Parteien Zugang zur Macht erkaufen. Aber es gehe Scientology nicht nur um den üblichen Einfluß, es gehe um Einfluß mittels Infiltration. Scientology versuche Leute in administrativen Spitzenpositionen umzudrehen und auf ihre Seite zu ziehen. Trotz mancher Niederlagen werde die Führungsspitze weitermachen, weil sie schlicht Fanatiker seien. Die haßerfüllten Kampagnen der Scientology bewiesen jedenfalls eines über jeden Zweifel hinaus: Scientology ist keine Religion, sondern eine Ideologie und eine politische Bewegung.

Stacy BROOKS YOUNG, die ebenfalls viele Jahre für das OSA gearbeitet hat, charakterisiert das totalitäre Wesen und die Entschlossenheit von Scientology folgendermaßen:

"Während sie fromm davon sprechen, wie religiös sie sind, machen ihre "Freiwild"-Aktionen deutlich, daß sie in Wirklichkeit eine Terrororganisation sind, eine paramilitärische Sekte, die darauf abzielt, ihre Kritiker und jeden anderen zu vernichten, der ihnen im Weg steht ...

Meine persönliche Erfahrung ist, daß die gegenwärtigen Scientology-Führer vor nichts haltmachen, um Scientology vor jedem zu schützen, den sie als Bedrohung empfinden. Darin sind sie nicht anders als die früheren Scientology-Führer, die ins Gefängnis gegangen sind, mit der Ausnahme allerdings, daß sie aus den Fehlern ihrer Vorgänger gelernt haben. Das eigentliche Verbrechen der GO-Führung bestand darin, sich erwischen zu lassen. Die gegenwärtige Scientology-Führung hat nicht die Absicht, das noch einmal geschehen zu lassen. Sie haben ausgeklügeltere Methoden für den Umgang mit der Außenwelt - die Gerichte eingeschlossen - entwickelt, um ihren wahren Charakter und ihre wahren Aktivitäten zu verbergen. Wenn aber irgend etwas zutrifft, dann, daß sie bedenkenloser und kaltblütiger in ihrer Entschlossenheit sind, alle Hindernisse zu vernichten, die ihnen im Wege stehen." 114

1984 urteilte der amerikanische Richter Paul G. BRECKENRIDGE vom Los Angeles Superior Court nach Durchsicht umfangreichen Beweismaterials aus dem persönlichen Archiv von HUBBARD über Scientology und ihren Gründer:

"Die Organisation ist eindeutig schizophren und paranoid, und diese bizarre Kombination scheint ihren Begründer widerzuspiegeln. Das Beweismaterial porträtiert einen Mann, der praktisch ein krankhafter Lügner war, wenn es um seinen Werdegang, seinen Hintergrund und seine Leistungen ging. Seine als Beweise vorgelegten schriftlichen Abhandlungen und Dokumente geben zudem seinen Egoismus, seine Habgier, seinen Geiz, seine Machtgier sowie seine Rachsucht und Aggressivität Personen gegenüber wieder, die er als unloyal und feindlich empfindet. Gleichzeitig ergibt sich, daß er Ausstrahlung besitzt und eine große Fähigkeit darin hat, seine Anhänger zu motivieren, zu organisieren, zu kontrollieren, zu manipulieren und zu inspirieren. ... Offensichtlich ist und war er immer eine vielschichtige Person, und diese Vielschichtigkeit zeigt sich weiterhin in seinem `alter ego´, der Scientology-Kirche ... ." 114

Diese Vielschichtigkeit der SO bzw. die augenscheinliche Besonderheit, daß sie mit zwei Gesichtern auftritt, wird auch von ihren schärfsten Widersachern keineswegs übersehen: "Die meisten Scientologen", so Robert Vaughn YOUNG, "sind ehrlich und arbeiten hart und haben keine Ahnung von den Mißständen und der Täuschung, die täglich in ihrer Organisation vorkommen." 116 So ist bis zu einem gewissen Grad auch verständlich, warum Scientologen über die ihnen entgegenschlagende Kritik und Ablehnung oft mit völligem Unverständnis und Empörung reagieren: Sie werden für Vorgehensweisen ihrer Organisation mitverantwortlich gemacht, die sie aufgrund ihrer eigenen Erfahrung bzw. ihres eingeschränkten Einblicks in die wahren Verhältnisse - verstärkt durch die scientologische Propaganda - ausschließlich für verleumderische Unterstellungen halten. Selbst da, wo ihnen der in den HUBBARDschen Schriften zum Ausdruck kommende Haß und der Vernichtungswille schwarz auf weiß begegnen, sind die meisten Scientologen aufgrund ihrer Verblendung und ihrer als positiv empfundenen eigenen Erfahrungen in Scientology nicht willens und wohl auch nicht in der Lage, die "dunkle Seite" von Scientology als solche zu erkennen.

Diejenigen, die den Haß und den Vernichtungswillen von Scientology zu spüren bekommen haben, können dagegen bestätigen, daß HUBBARD alles ernst meinte, was er geschrieben oder gesagt hat, und daß diejenigen, die heute die Organisation führen, ihm darin in nichts nachstehen. Es sei daher noch einmal wiederholt, daß alle von HUBBARD veröffentlichten schriftlichen und mündlichen Anordnungen für jeden Scientologen Gesetz sind. Auch nach HUBBARDs Tod wurde diese Regel nach Aussagen von SO-Aussteigern mehrmals bestätigt. Bis auf den heutigen Tag kann niemand, auch MISCAVIGE nicht, HUBBARDs Gesetze ändern. Es können zwar Direktiven darüber herausgegeben werden, wie und in welchem Umfang HUBBARDs Anordnungen umzusetzen sind, aber diese können die Quellen, auf die sich jeweils berufen, nicht ersetzen. Dies gilt nicht zuletzt für die Behandlung "unterdrückerischer Personen" sowie für die Richtlinienbriefe und die Anweisungen, die sich auf die Geheimdienst- und Propagandaaktivitäten der Scientology beziehen.

HUBBARDs Anweisungen müssen nicht nur, sondern werden auch - soweit möglich - schon allein deshalb genau befolgt, weil sie mit der Vorstellung verknüpft sind, darin eine "überlegene Technologie" zu haben, deren Anwendung jedes Hindernis aus dem Weg räumt und jedes Problem für Scientology löst. 117 Daß nicht jeder, der Scientology öffentlich den Rücken kehrt, Opfer der scientologischen Verfolgungspraktiken wird, ist in erster Linie dem Umstand zu verdanken, daß die SO gegenwärtig nicht in der Lage ist, ihre Vorstellung von "Ethik" flächendeckend durchzusetzen und sich notgedrungen auf die wichtigsten Personen konzentrieren muß.

Ein gutes Beispiel für die Umsetzung HUBBARDscher Anweisungen ist auch die jüngste Idee, eine Sammlungsbewegung gegen Deutschland unter Führung der SO aufzubauen. Mit der Gründung der Vereinigung "Freedom for Religions in Germany" (FRG) und den Demonstrationen am 21. Juli 1997 in Frankfurt und am 27. Oktober 1997 in Berlin wurde diese Idee in die Tat umgesetzt. Bereits 1969 konnte diese Strategie bei HUBBARD nachgelesen werden:

"Nimm Kontakt auf und gewinne Freunde und organisiere alle Minderheitsgruppen bis wir die größte Gruppe auf diesem Planeten sind. Dadurch, daß wir Freunde gewinnen, und sogar die größten Feinde des Westens als Freunde gewinnen, können wir verhindern, daß der Faschismus den Westen übernimmt." 118

Da Scientology streng hierarchisch aufgebaut ist, werden die Entscheidungen über die Kampfstrategie von Scientology in Deutschland nicht hier, sondern in Kopenhagen und Los Angeles getroffen. Die OSA-Abteilungen in den einzelnen deutschen "Orgs" sind lediglich Befehlsempfänger und ausführende Organe. Entsprechend der im OSA-Apparat praktizierten "Kenntnis nur wenn nötig"-Regel ("need to know") ist auch davon auszugehen, daß selbst innerhalb dieser vom kontinentalen und internationalen Management gesteuerten Einheiten nur wenige Personen in alle Pläne und Aktivitäten eingeweiht sind, zumal Scientology auch in Deutschland auf die Hilfe von nicht direkt zur Organisation gehörenden Mitarbeitern und Privatdetektiven zurückgreift.

Bislang bewegt sich der Kampf von Scientology gegen Deutschland vorwiegend auf der Propagandaebene mit dem Ziel, vom Ausland her Druck auf die politischen Entscheidungsträger in Deutschland auszuüben. Dennoch gehören laut HUBBARD PR-Maßnahmen und Geheimdienstaktivitäten zusammen. Sie bilden zwei parallel laufende und getrennt voneinander arbeitende Bereiche, die ihre eigene "Technologie" haben und nicht miteinander vermischt werden dürfen, die aber im Ergebnis zum gleichen Ziel führen sollen, nämlich gegen Scientology gerichtete Angriffe zu eliminieren. 119 Die bereits in den achtziger Jahren durch Ermittlungen der Münchener Staatsanwaltschaft bekannt gewordenen und bis heute fortgesetzten Spionageaktivitäten und Verfolgungspraktiken des OSA gegen einzelne Scientology-Gegner 120 sollten jedenfalls keinen Zweifel daran aufkommen lassen, daß die Organisation auch in Deutschland jede sich bietende Angriffsfläche nutzen wird, um wichtige "Schlüsselpersonen" zu "handhaben".

Auch wenn die Organisation von ihrem Ziel, einem "befreiten" Planeten unter Kontrolle von Scientology, noch denkbar weit entfernt ist, besteht angesichts ihrer fanatischen Heilsideologie, ihres elitären Sendungsbewußtseins und nicht zuletzt aufgrund der von ihrem Geheimdienst erreichten Erfolge kein Anlaß, Scientology zu unterschätzen. "Solange wir schwer zu fassen sind bzw. fabianisch 121 arbeiten", so HUBBARD 1967, "werden wir stärker und stärker." 122 Seine Prophezeiung hat sich bewahrheitet und sollte heute als Warnung dienen.

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Re: Verfassungsschutz 2001 über Scientology
« Reply #18 on: September 22, 2018, 07:41:39 PM »

http://web.archive.org/web/20010110075000/http://www.hamburg.de:80/Behoerden/LfV/so/vorwort.htm

[*quote*]
Landesamt für Verfassungsschutz

Vorwort

Im Juni 1997 haben die Innenminister der Länder beschlossen, die Scientology Organisation (SO) von den Verfassungsschutzbehörden beobachten zu lassen.

Hintergrund dieser Entscheidung waren konkrete Anhaltspunkte dafür, daß die SO nicht nur ein auf finanziellen Gewinn gerichteter Sektenkonzern ist, wie in vielen vorangegangenen Untersuchungen immer wieder bestätigt, sondern auch Bestrebungen gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung verfolgt.

Grundlage dieser Bestrebungen der SO ist die Lehre ihres Gründers Lafayette Ronald Hubbard, die für Scientologen auch heute noch unverändert gilt und Richtschnur ihres Handelns und ihrer Strategien ist.

Der vorliegende Bericht des Hamburger Landesamtes für Verfassungsschutz analysiert zunächst die Grundzüge des totalitären Anspruchs aus den Schriften Hubbards und Veröffentlichungen der SO und deren geheimdienstlicher Aktivitäten. Gerade diese Aktivitäten zeigen sehr deutlich, welche Mittel SO benutzt, um

    die eigene Organisation zu schützen und ihre Ziele zu fördern,
    die eigenen Mitglieder zu kontrollieren und Aussteiger zu verfolgen,
    Regierung, Behörden und Unternehmen zu infiltrieren, um den Einfluß der SO zu steigern,
    Gegner planvoll zu bespitzeln, zu diffamieren und so zu zermürben und zu "vernichten".

Die Broschüre schildert weiterhin die Entstehung und Entwicklung der geheimdienstlichen Arbeit der SO seit 1959. Es zeigt sich, daß die SO ihre Organisationsformen verändert, aber ihre totalitären Ziele beibehalten und ihre rücksichtslosen Methoden verfeinert hat.

Die vorliegende Analyse zeigt, daß auch verharmlosende Titel der geheimdienstlichen Organisationen der SO wie "Büro für öffentliche Angelegenheiten" ("Office of Special Affairs, OSA") nicht über die eigentliche Zielsetzung täuschen können.

In der Vergangenheit hat sich gezeigt: Aufklärung über die Ziele und Praktiken der SO ist der beste Schutz vor SO. Das Hamburger Landesamt für Verfassungsschutz leistet mit dieser sorgfältigen Aufarbeitung einen wertvollen Beitrag zu dieser weiterhin notwendigen Aufklärung, und ich wünsche dieser Broschüre viele interessierte Leser.

 

Senator Hartmuth Wrocklage

Präses der Behörde für Inneres der Freien und Hansestadt Hamburg

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    Anhang: Abkürzungsverzeichnis

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Re: Verfassungsschutz 2001 über Scientology
« Reply #19 on: September 22, 2018, 07:42:53 PM »

http://web.archive.org/web/20010210212017/http://www.hamburg.de:80/Behoerden/LfV/so/anhang.htm


[*quote*]
Landesamt für Verfassungsschutz

Abkürzungsverzeichnis

a.a.O. am angegebenen Ort

Abk. Abkürzung

ABI Aktion Bildungsinformation

ABLE Association for Better Living and Education

AGS Arbeitsgruppe Scientology

Anl. Anlage

Aufl. Auflage

Az. Aktenzeichen

CDC Covert Data Collection

CIC Combat Information Center

CLO Continental Liaison Office

CO Covert Operation

CS-G Commodore's Staff Guardian

CSI Church of Scientology International

DBC Dust Bin Collection

DSA Department of Special Affairs

ED Executive Directive

f. folgende Seite

FCB Flag Command Bureaux

ff. folgende Seiten

FoIA Freedom of Information-Act

FRG Freedom for Religions in Germany

FSM Field Staff Member

GO Guardian Office

H.i.O. Hervorhebung im Original

H.n.i.O. Hervorhebung nicht im Original

HASI HUBBARD Association of Scientologists International

HCO HUBBARD Communication Office

HCOB HUBBARD Communication Office Bulletin

HCO PL HUBBARD Communication Office Policy Letter

IAS Internal Association of Scientologists

IHR Institute for Historical Review

INT International

IRS International Revenue Service

Js Justizsache

KVPM Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte e.V.

LG Landgericht

LRH L. Ron HUBBARD

NCLE National Commission on Law Enforcement und Social Justice

o.D. ohne Datum

ODC Overt Data Collection

Org Organisation

OSA Office of Special Affairs

OT Operierender Thetan

PR Public Relation

PTS Potential Trouble Source

Rev. Revidiert

RTC Religious Technology Center

SC Scientology Church

SKD Scientology Kirche Deutschland e.V.

SMI Scientology Missions International

s.o. siehe oben

SO Scientology-Organisation

SP Suppressive Person

StA Staatsanwaltschaft

s.u. siehe unten

VFP Valuable Final Products

vgl. vergleiche

WDC Watchdog-Committee

WFMH World Federation of Mental Health

WISE World Institute of Scientology Enterprises

WW World Wide

zit.n. zitiert nach

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