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Author Topic: STEMMANN, 1999  (Read 168 times)

Yulli

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STEMMANN, 1999
« on: March 18, 2019, 04:27:21 PM »

Das "Buch" "Asthma ist heilbar, Das Gelsenkirchener Behandlungsverfahren"[/b] von Ernst August Stemmann ist pseudowissenschaftlicher Schwulst. Die Aufmachung täuscht Wissenschaftlichkeit vor und enthält bereits 1999 mehrere deutliche Hinweise auf Hamer. Hamer wurde schon 7 Jahre vorher, in 1992, von Stemmann öffentlich unterstützt.

Quelle "119" ist Ryke Geerd Hamer!

Auszug aus der Literaturliste:

[*quote*]
119. Hamer, R. G.: Kurzfassung der Neuen Medizin (Stand 1994)
Zur Vorlage im Habilitationsverfahren von 1981 an der Universität Tübingen Amici di Dirk Verlagsgesellschaft, Köln 1994
[*quote*]



[*quote*]
Ernst August Stemmann
   
Asthma ist heilbar
Das Gelsenkirchener Behandlungsverfahren


   
Prof. Dr. med. Ernst August Stemmann Kinderarzt, Allergologie
Leitender Arzt der Städtischen Kinderklinik Gelsenkirchen Westerholter Straße 142 45892 Geisenkirchen
Auslieferung: AUK, Westerholter Straße 142, 45892 Gelsenkirchen
   
   
Redaktion: Jahnke, Erkrath
Satz u. techn. Bearbeitung: DV-Schubert & 9bit Datentechnik, Düsseldorf
Zeichnungen: Freund, Essen
Alle Rechte beim Verfasser ©1999
ISBN 3-00-004066-8
   
   
Für Angaben über Anweisungen und Medikamentenapplikationsformen kann keine Gewähr übernommen werden.

   
Für Hildegard

Es ist hier nicht die Rede von einer durchzusetzenden Meinung, sondern von einer mitzuteilenden Methode, der sich ein jeder als eines Werkzeugs nach seiner Art bedienen möge.
Goethe

Geleitwort:

Wissenschaft, Erfahrung und Hilfe zur Selbsthilfe als Basis des Behandlungskonzeptes
Wissenschaft und Erfahrung ergänzen sich nach Gerok (Vortrag zur Eröffnung des 39. Therapiekongresses 1987 in Karlsruhe) beim ärztlichen Handeln
- , dabei verkündet die Wissenschaft keine absoluten Wahrheiten, sondern arbeitet mit Modellen der Wirklichkeit (102) und
die Erfahrung bedeutet Auswahl, Gewichtung, Umstrukturierung und Neukombination erinnerter und erlernter Fakten. Während eine wissenschaftliche Aussage unabhängig von einzelnen Personen gültig ist, gründet sich Erfahrung auf individuelle Faktoren. Weder die wissenschaftliche Erkenntnis, noch die Erfahrung allein können Grundlagen ärztlichen Handelns sein. Vielmehr sind Wissenschaft und Erfahrung notwendig für das ärztliche Tun. Hinzukommen muß eine dritte Kraft:
der Arzt soll sich, von Hilfsbereitschaft und Einfühlungsvermögen geleitet, dem Kranken und seinen Angehörigen als gleichberechtigte und mitverantwortliche Partner zuwenden, so daß diese, zwar unter ärztücher Anleitung, aber letztendlich aus eigener Kraft das Asthma überwinden lernen.
   
Gelsenkirchen 1998 Ernst August Stemmann


Leitgedanke:

Wenn es psychosomatische Krankheit gibt, muß es auch psychosomatische Gesundheit geben.
Das Geheimnis von Asthma ist nicht in der Zukunft zu suchen, sondern in der Vergangenheit. Erkennen und akzeptieren wird man es aber nur mit den Methoden der Zukunft.

Danksagung:

Das vorliegende Buch gibt dem Autor die Gelegenheit zu danken und Bilanz zu ziehen über die Forschungstätigkeiten und praktische Arbeit mit Patienten, die in den Jahren 1968 - 1980 an der Universitäts-Kinderklinik Düsseldorf unter dem Direktorat von Herrn Prof. Dr. G.-A. von Harnack und seither an der Städtischen Kinderklinik Gelsenkirchen geleistet wurden. Zuerst und vor allem schuldet der Autor großen Dank seinem sehr geehrten Herrn Prof. Dr. G.-A. von Harnack. Er gab ihm die Möglichkeit, an seiner Klinik eine pneumologisch-allergologische Abteilung aufzubauen, und er war es, der ihm die Chance bot, sich an seiner Klinik zu habiütieren. Das Thema der Habilitationsschrift aus dem Jahre 1976 lautete: Diagnostische Differenzierung verschiedener Asthmaformen mit Hilfe von Lungenfunktionsprüfungen zur Verbesserung der therapeutischen Resultate. Die wissenschaftlichen Untersuchungen in der Düsseldorfer Zeit, zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen M. Adler, P. Both, S.-H. Braun, A. Breuer, B. Degenhardt, A. Esch, S. Holsträter, R. Kiekens, F. Kosche, R. Liersch, E. Stannigel, Ch. Steinhagen, U. Thrams, P. Völker, F. Wegner, führten zu der Entwicklung eines eigenen Behandlungs­systems, das vorwiegend die somatische Komponente des Asthma berücksichtigte und sich besonders auf die medikamentöse Therapie stützte. Für das Anstrengungsasthma, allergische Asthma sowie das Schlafasthma konnte eine optimale medikamentöse Behandlung experimentell ermittelt werden, die dem Betroffenen die Einnahme nicht wirksamer Mittel ersparte. Zudem erfuhr der Betroffene die Wirksamkeit der Mittel unmittelbar. Medikamentös schwierig einzustellende Patienten führten täglich Lungenfunktionsmessungen mit Hilfe eines Peak-Flow-Meters aus und beurteilten ihren Zustand mit Hilfe eines Überwachungsbogens, um ihre medikamentöse Behandlung im täglichen Leben und im Asthmaanfall zu optimieren. Dieses Verfahren wurde 1979/80 veröffentlicht und fand danach auch breitere Anwendung.
Hervorheben möchte der Autor Prof. D. Reinhardt. Sein Spezialwissen in Pharmakologie ermöglichte grundlegende Untersuchungen über das Verhalten der Streßhormone beim Anstrengungsasthma.
Zu besonderem Dank ist der Autor den Schwestern der pneumologisch-allergologischen Abteilung verpflichtet, insbesondere Schwester Karin. Ihr vorbildlicher Einsatz hat wesentlich dazu beigetragen, daß Ambulanz und Station reibungslos funktionierten und die asthmakranken Kinder schnell gesundeten.
Seit 1980 in der Städtischen Kinderklinik Gelsenkirchen als leitender Arzt tätig, galten die Interessen der Psychosomatik, der Psycho-Neuro-Immunologie, dem Einfluß des Gehirns auf die Bronchialfunktion, den Erkenntnissen der Evolutionären Psychologie, der Neuen Medizin sowie der Klinischen Ökologie und der Umweltmedizin. Um Umweltbelastungen in ihrer Bedeutung für das Asthma zu erforschen, wurde eigens eine Umweltstation gebaut. Es wurde eine Arbeitsgruppe gegründet mit dem Ziel, neuartige Gedanken und Behandlungsansätze beim Asthma zu entwickeln, selbstverständlich unter Beibehaltung und unterstützender Einbeziehung der bisherigen, bewährten, medikamentösen Behandlung und der vorliegenden wissenschaftlichen Ergebnisse.
In Herrn G. Starzmann, dem Leiter der Abteilung für klinische Psychologie an der Kinderklinik fand der Autor einen sehr kompetenten Fachmann mit großer praktischer Erfahrung, hohem Engagement und zielgerichtetem Interesse sowie tatkräftigem Einsatz. Ihm sei besonders gedankt.
Besonders stark eingebunden in das pneumologisch-allergologische Team war langzeitig Herr R. Schachoff, zuerst als Doktorand, Assistenzarzt und zuletzt als Oberarzt und Abteilungsleiter. Mit seiner Hilfe und seinem speziellen Wissen wurde die Umweltstation errichtet. Ihm gilt der besondere Dank des Autors.
   
   
Speziell mit Fragen der psychischen Belastung beim Asthma im Kleinkindesalter hat sich Herr D. Langer befaßt. Er hat wesentlich dazu beigetragen, die psychischen Belastungen, denen Kleinkinder und ihre Eltern durch die Krankheit ausgesetzt sind, zu verstehen und vor allem durch verhaltenstherapeutische Maßnahmen zu lindern zu helfen.
In Prof. Dr. W. Klosterhalfen fand der Autor einen international anerkannten Experten auf dem Spezialgebiet der Psycho-Neuro-Immunologie. Für viele wissenschaftliche Hinweise und Anregungen sei ihm herzlich gedankt.
Der ärztliche Mitarbeiterstab der pneumologisch-allergologischen Abteilung verdient hohe Anerkennung für die unermüdliche Arbeit, die viel Empathie und Kraft für den Betroffenen und seine Familie erfordert. Zu nennen sind:
U. Breckling, St. Boßerhoff, E. Dimbeck, O. Dubowy, A. Dworniczak, H. van der Gaag, U. Hadre, I. Hannen-Hofheinz, E. Heide, M. Jakob, K. Kirchmeyer, K.-A. Lion, Th. Meyn, D. Sprenger, Th. Schraps, B. Treunert sowie Frau I. Franek als Oberärztin und Frau S. van Meerbergen als Abteilungsärztin.
Herzlich gedankt sei den Mitarbeiterinnen des Lungenfunktions- bzw. Allergietestlabors H. Fauser, R. Fehr-Kostanczak, S. Kiss für ihren unermüdlichen medizinisch-fachlichen Einsatz und die menschliche Betreuung der Patienten und ihrer Angehörigen. Besonders lieben Dank schuldet der Autor den Schwestern, deren liebevolle und sorgfältige Pflege der Kinder und deren Verständnis für die besonderen Probleme einer Eltern-Kind-Station. Genannt seien
H. Bolik, Stationsleitung Th. Wolff, Stationsleitung
B. Bernard-Pirna, Stationsleitung.
Das Gelsenkirchener Behandlungsprogramm läßt sich nur durchführen mit einem interdisziplinär arbeitenden Team. Diesem gehören an
G. Grühn, Dipl.-Sozialarbeiterin K. Pieper, Sozialpädagogin
U. Kaschke, Krankenhausschulleiterin
M. Troue, B. Wittenberg, Oekotrophologinnen
S. Voskuhl, Diätassistentin
C. Theisen, Seelsorgerin
Schwester Renate gebührt Dank für die Terminvergabe.
Das Gelsenkirchener Behandlungsprogramm wurde unterstützt durch Verwaltung und Politik. Der besondere Dank gilt Frau V. Kestermann-Kuschke, Gesundheitsdezernentin der Stadt Gelsenkirchen, den engagierten Mitarbeitern des Klinikausschusses unter dem derzeitigen Vorsitz von J. Brinkmann, Herrn P. Rose, Sozialdezernent, und Frau M. Saarholz, Selbsthilfegruppen-Koordinatorin. Für ihr Vertrauen und ihre Hilfe sei ihnen sehr herzlich gedankt.
An der Arbeit, deren bisherigen Ergebnisse in diesem Buch festgehalten sind, waren wesentlich beteiligt
D. Thomescheit, Verwaltungsdirektor
I. Koba, Pflegedirektorin
H. Bullack Pflegedienstleitung.
Sie haben sich zum Wohl der Erkrankten persönüch eingesetzt.
Ohne Anregungen und Hinweise der Betroffenen und ihrer Angehörigen, ohne die Selbst­hilfegruppen, besonders die Gruppe Allergie- und umweltkrankes Kind, hätte das Behandlungsverfahren nicht entwickelt und verwirklicht werden können. Für ihre enthusiastische Hilfe sei besonders Frau A. Braun und Herrn U. Neumann gedankt. Die Schreibarbeiten wurden von Frau R. Rohleder, Frau S. Podborsek und Frau M. Suttka verantwortungsvoll und in bewährter Weise durchgeführt. Dafür sei ihnen sehr gedankt.

Für ihre Umsicht, Geduld, Anregungen, Korrekturen und Verbesserungsvorschläge dankt der Autor ganz besonders herzlich Frau G. Stemmann.
Bei der Publikation konnte sich der Autor wieder vertrauensvoll auf die redaktionelle Arbeit von S. Jahnke stützen.

Auch das sagt etwas über die Welt, daß man sie mit einer Hypothese besser erklären kann als mit einer anderen.
Wittgenstein
Die Hypothese, die Wittgenstein meint, dient ihm dabei nicht als absolute Wahrheit, sondern gestattet nur, die Phänomene besser zu verstehen.
   
   
Um das vorliegende Buch zu verstehen, benötigt der Leser Hinweise
- polares Denken und
- Vorgänge in der Evolution
dienen als Schlüssel zum Verständnis des Buches.
   
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Polares Denken, Denken ändern, anderes Denken
Der Leser begegnet in dem Buch immer wieder dem Prinzip der Polarität.
   
Auf dem Prinzip der Polarität hat bereits Heraklit, ein griechischer Philosoph, vor 2.500 Jahren seine Philosophie begründet, nach welcher der Weltprozeß vonstatten geht: "Alles Geschehen erfolgt in Form des Gegensatzes. Das Kalte wird warm, Warmes kalt, Feuchtes trocken, Trockenes feucht. Die Dinge sind durch ihr gegensätzliches Verhalten zusammengefügt." Der Geltungsbereich umfaßt das ganze Leben. Herrmann Hesse läßt seinen Siddhartha sagen: "Von jeder Wahrheit ist das Gegenteil ebenso wahr! Nämlich so: eine Wahrheit läßt sich immer nur aussprechen und in Worte hüllen, wenn sie einseitig ist." Das polare Prinzip gestattet, "Phänomene" stets von zwei Seiten zu betrachten: Polares Denken akzeptiert und fordert sogar beide Seiten der Betrachtung. Das polare Denken trägt das Risiko in sich, daß das, was der Mensch bisher von seinem gewohnten Standpunkt aus in gutem Glauben gedacht und getan hat, nun auch der Betrachtung von dem entgegen­gesetzten Standpunkt aus bedarf. Das Resultat ist eine neue, entgegengesetzte Sicht der Dinge und nicht selten wird sich daraus die Frage ergeben: "Habe ich dann bisher etwas falsch gemacht?". Der Leser sollte nicht den Fehler begehen, in den Wertmaßstäben "richtig oder falsch" zu denken, denn beide Sichtweisen haben im polaren Prinzip ihre Berechtigung. Der Betroffene sollte also nicht denken, "bisher habe ich falsch gehandelt", sondern er sollte sich sagen, "das, was ich gemacht habe, war grundsätzlich richtig, hat meinem besten Wissen entsprochen; war es nicht so erfolgreich, wie ich es mir erhofft habe, so ist es gestattet, eine neue Denk- und Verhaltensweise zuzulassen, um Heilung dennoch zu erreichen". Polares Denken, das soll noch einmal betont werden, strebt letztlich ein Gleichgewicht an, zielt auf Ausgleich nach dem Prinzip von sowohl-als-auch. Die medikamentöse Behandlung des Asthmas und das Wiedererlangen einer normalen Abwehr- und Bronchialfunktion sowie Überwachung der Bronchien sind zwei unterschiedliche Verfahren, die zum Wohle des Erkrankten - einzeln oder in Kombination miteinander - eingesetzt werden, um Heilung zu erzielen. Polares Denken hat nichts zu tun mit Widerspruchsdenken, bei dem Eines das andere ausschließt nach dem Prinzip von richtig oder falsch.

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Vorgänge in der Evolution als Basis von Krankheit und Gesundheit
"...Der Mensch ist ein Lebewesen, das seine Eigenschaften und Leistungen, einschließlich seiner hohen Fähigkeiten des Erkennens, der Evolution verdankt, jenem äonenlangen Werdegang, in dessen Verlauf sich alle Organismen mit den Gegebenheiten der Wirklichkeit auseinandergesetzt und an sie angepaßt haben", schreibt Konrad Lorenz, Arzt und Naturforscher (171).
Auch der Mensch hat, wie alle Lebewesen, stammesgeschichtlich erworbene und erblich festgelegte Verhaltensweisen. Dem modernen Menschen sind seine durch die Evolution geprägten Verhaltensweisen nicht mehr bewußt und bekannt und dennoch bestimmen sie auch heute sein tägliches Leben:
- das Leben des modernen Menschen wird scheinbar überwiegend durch logische Überlegungen und rationale Entscheidungen bestimmt. Unbewußt reagiert der Mensch aber noch so wie seine Vorfahren in der Steinzeit (7, 130), es betrifft z. B. die Art, wie der Mensch seinen Partner auswählt, seine Fähigkeit, in kleinen und großen Gruppen zusammenzuleben, die Vorstellung von Schönheit u. a. Das gesamte Repertoire, das das moderne Miteinander wesentlich bestimmt, reicht bis in die Frühzeit der Menschheit zu­rück. Der Grund für dieses Verhalten ist die Dominanz von Stammhirn- und Zwischen-hirnbereichen (Hypothalamus), in denen die Gefühle und instinktiven Reaktionen gebildet werden. So beantwortet der Organismus eine Bedrohung von außen automatisch unbewußt mit erhöhter Alarmbereitschaft, d. h. Streßhormone wie Adrenalin, Noradrenalin erhöhen sich im Blut, Herzschlagfrequenz und Blutdruck steigen an, und der Gehalt an energieliefernden Stoffen im Blut nimmt zu, damit der Bedrohung durch Angriff oder Flucht begegnet werden kann.
Diese Reaktion war in der Steinzeit zweckmäßig, war der Mensch doch von Feinden oder Raubtieren vital bedroht.
Heute, in dem modernen Leben, sind die Gefahren, denen der Mensch ausgesetzt ist, anderer Art: unmittelbare, vitale Bedrohungen gehören nicht mehr zu seinem Lebensalltag. Gleichwohl reagiert der Organismus mit denselben Mechanismen auf Bedrohungen. Die Vorgänge sind jedoch nicht bewußt. Es besteht nur kaum noch die Möglichkeit, den Streß durch Angriff oder Flucht abzubauen. Die Bedrohung ist meist so indirekt, daß eine Bewegungsreaktion ganz unmöglich wird, z. B. in Prüfungssituationen, bei drohenden Kündigungen des Arbeitsplatzes, Existenzsorgen. Gelingt es dem Menschen nicht, seine Streßreaktionen abzureagieren, seine Konflikte und Probleme zu lösen, so wird er krank.

Die Konflikte, die der moderne Mensch erlebt, sind nur scheinbar neue, für unsere zivilisatorisch geprägte Welt typische Konflikte. In Wirklichkeit sind die Konflikte des heutigen Menschen auf die gleichen Grundinhalte zurückzuführen, denen der Mensch in der Evolution schon immer ausgesetzt war (119, 171).

Der Evolutionsgedanke wird von den Evolutionspsychologen auf den menschlichen Geist übertragen, seine Psyche, sein Verhalten (7, 49, 130, 133, 284, 285, 286, 311). Die Evolutionspsychologen sind der Auffassung, die natürliche Selektion habe den Geist des Menschen im Laufe der langen Evolution auf die Lösung bestimmter Probleme programmiert, die für das Überleben vormals unerläßlich waren, und das urzeitliche Erbe sei in unserem Gehirn noch lebendig. So werden für alle Menschen kulturunabhängige psychologische Grund- und Verhaltensmuster angenommen.
Neben der darwinistischen- bzw. Evolutionspsychologie ist auch eine darwinische Medizin entstanden. Sie betont, daß die Erforschung und Behandlung menschlicher Krankheiten davon profitieren könnte, wenn entwicklungsgeschichtüche Vorgänge berücksichtigt werden (304).

13


Wie der Leser das vorliegende Buch lesen sollte
Das vorliegende Buch stellt Anforderungen an den Leser, Anforderungen insofern, als ihm ständig zwei sich widersprechende Theorien und Behandlungsweisen präsentiert werden:
- die bekannte Sicht- und Behandlungsweise, die Asthma als eine Krankheit der Bronchien begreift
- eine neue und ungewohnte Darstellung und Therapie von Asthma, die Asthma als zentrale Fehlsteuerung der Bronchialabwehr und -funktion bei Fehlüberwachung der Bronchien versteht.
Es kennzeichnet die allgemeine, menschliche Verhaltensweise, daß jemand, der von einem bestimmten Standpunkt aus einer Theorie anhängt, nur noch Dinge wahrnimmt, die in ihr System passen, und er filtert alles andere heraus, das seiner Theorie widerspricht. Das System ist zudem so aufgebaut, daß es im eigenen Bezugsrahmen nicht zu widerlegen ist, eine Tatsache, die die Meinung von seiner absoluten Richtigkeit auch noch unterstützt.
- Eine fremde Theorie, die von einem anderen Standpunkt aus das Asthma beschreibt, die im eigenen Rahmen, mit eigenen Begriffen analysiert wird, muß deshalb grundsätzlich als "falsch" erkannt und abgetan, ad absurdum geführt werden.
Der Leser sollte deshalb das Asthma grundsätzlich von den zwei unterschiedlichen Stand­punkten her analysieren.
Ordnet sich der Leser in das gedankliche Konzept des Buches so ein, daß er
- zwei unterschiedliche Theorien über Asthma, die jeweils unterschiedlich entsprechend ihres Verständnisprinzips durchdacht werden müssen, akzeptiert, so wird er etwas allmählich verstehen lernen, das von großer Wichtigkeit für ihn ist. Was es ist, wird er zunächst nicht wissen, aber er wird es zur rechten Zeit voll verstehen
- mit unglaublicher Wucht.
Das vorliegende Buch soll die bisherigen, erfolgreichen Behandlungsstrategien, die vor­wiegend auf der medikamentösen Therapie beruhen, ergänzen und erweitern durch Strategien, die sich unter dem Begriff Hilfe zur Selbsthilfe, Selbstheilung zusammenfassen lassen. Es handelt sich um zwei Vorstellungen und Behandlungsweisen des Asthmas, die ineinander übergehen, aufeinander folgen und nicht ohne das jeweils andere existieren können. Ziel des Autors war, ein Buch über Theorie und Behandlung von Asthma zu schreiben, das für den Erkrankten und Therapeuten gleichermaßen verständlich ist, ein Unterfangen, das an Grenzen stößt:
- auf der einen Seite wird dem Betroffenen das Dargebotene in Teilbereichen zu kompli­ziert sein
- auf der anderen Seite wird dem Spezialisten der Inhalt nicht ausführlich genug sein.
Dem Problem kann abgeholfen werden, wenn sich der Betroffene von einem Therapeuten das Nichtverstandene erklären läßt und der Spezialist die angegebene wissenschaftliche Literatur durcharbeitet.
In dem vorliegenden Buch Beschriebenes wird in den Kernpunkten nochmals wiederholt und verdichtet dargestellt. Durch die Wiederholungen wird das Ziel verfolgt, daß der Leser (ähnlich wie bei einem Gedicht, das man auswendig lernt und dann behält) den Inhalt des Buches zu seinem Eigentum macht - so daß es ihm dann leichter fällt, die Behandlungsempfehlungen auch konsequent umzusetzen. Das vorliegende Buch ist als "Arbeitsbuch" gedacht, deshalb erscheinen im Text auch Unterstreichungen.

14


Vorwissen prägt die Erkenntnis

Medizinische Erkenntnisse sind stets maßgeblich durch bereits vorausgegangene Ergebnisse und Bewertungen geprägt. Dieses manifeste Vorwissen bestimmt nicht nur, was gedacht, sondern sogar, was überhaupt wahrgenommen wird, und es entscheidet darüber, ob etwas als richtig oder falsch bewertet wird.
Häufig ist es jedoch so, daß diese Art verinnerlichten Vorwissens daran hindert, die Dinge aus einer anderen Perspektive heraus zu betrachten und sie von einer neuen und ungewohnten Seite zu sehen, für die der Blick bisher nicht geöffnet war.
Da der Leser dieses Buches durch Vorwissen geprägt ist, das er im Laufe der Beschäftigung mit der Krankheit erworben hat, wird er erwarten, im vorüegenden Buch die allgemein übliche Meinung über das Bronchialasthma als Erkrankung der Bronchien, die vorzugsweise durch Medikamente unter Kontrolle gehalten werden kann, zu finden. Das ist jedoch nur teilweise der Fall.
In diesem Buch wird die Auffassung über das Asthma erweitert.
Nach der hier vertretenden Meinung ist beim Asthma die Funktion der Abwehr und des Bronchialsystems gestört, und die Bronchien werden fehlüberwacht. Beide Vorstellungen -Asthma, eine Erkrankung des Organs, das vorwiegend medikamentös zu behandeln ist bzw. Asthma, eine Regulationsstörung, mit Fehlüberwachung der Bronchien, die zu normalisieren ist
- stellen zwei grundsätzliche Möglichkeiten dar, Asthma zu erklären und zu behandeln. In Wirklichkeit ergänzen sie sich letztlich erst zu einer optimalen Therapie des Asthmas.
Es widerstrebt jedoch der menschüchen Natur zu akzeptieren, daß es möglicherweise zwei oder gar mehrere in sich logische Ansätze gibt, da der Mensch stets dazu neigt, sich einen festen Standpunkt anzueignen, von dem aus er die Dinge dann als richtig oder falsch beurteilt. Der Leser, der beispielsweise gewohnt ist, in der traditionellen Weise zu denken, könnte Schwierigkeiten haben, die neuartige Sichtweise zu verstehen und zu akzeptieren. Während der Lektüre dieses Buches wird der Leser zeitweilig stark beunruhigt werden. Bisher galt Asthma als ein vererbtes, unheilbares Leiden, das vorwiegend durch Hilfe von außen, z. B. insbesondere durch Medikamente zu lindern war. An diese Vorstellung hat sich der Mensch gewöhnt, damit hat er gelernt zu leben. Die hier vorgetragene Meinung, Asthma sei heilbar, erschüttert dagegen das bisherige Bild von der Krankheit und stiftet erhebliche Unruhe - von der der Autor des Buches hofft, daß es eine heilsame Unruhe sein wird . Die Zeit ist reif, chronische Krankheiten, wie z. B. das Asthma, zu heilen, weil neue wissenschaftliche Ergebnisse den Weg weisen. Es gibt genügend gesicherte Erkenntnisse, wie das zu geschehen hat.
Der Leser sollte die Ausführungen dieses Buches in dem festen Bewußtsein lesen, daß es nicht gilt, einen an der Krankheit Schuldigen zu suchen, denn es gibt keinen Schuldigen:
- Eltern, die ein asthmakrankes Kind haben, haben die Krankheit nicht schicksalhaft ihrem Kind vererbt. Die Bedeutung erblicher Faktoren für das Asthma ist maßlos über­schätzt worden. Sie stellen in dem vorliegenden Buch keine Wirkgröße dar, der wesentliche Bedeutung beigemessen wird.
- Der Betroffene selbst und seine Angehörigen tragen auch keine Schuld an der Krankheit. Sie wurden vielmehr Opfer der Regelkreise, die für das Asthma typisch sind und bei allen Asthmakranken gleichermaßen gefunden werden.
Niemals liegt das Asthma in der Schuld des Betroffenen und seiner Angehörigen. Schuld­gefühle sind ebenso sinnlos und unberechtigt wie Schuldzuweisungen. Schuld bedeutet auf griechisch auch Ursache. Ohne Frage hat das Asthma eine Ursache. Es gilt allein, die wirkliche Ursache des Asthmas zu ergründen, um Heilung zu erzielen.
Das Buch versucht, dem an Asthma Erkrankten Mut zu machen, seine Selbstheilungskräfte zu entdecken und einzusetzen. Es will dem Betroffenen Wege aufzeigen, wie er wieder aus der Krankheit heraus zur Gesundheit gelangen kann.

15


Alle Ratschläge zielen darauf ab, einen Menschen, der asthmakrank geworden ist, wieder zu einem gesunden, beschwerdefreien Leben zurückzuführen.
Nicht immer schafft es der Einzelne allein. Ein Kind bedarf der Unterstützung durch seine Eltern, und der Erwachsene benötigt die Hilfe seiner Freunde, seines Ehepartners - aber in einer neuen, bisher ungewohnten Weise.
Nicht in jedem Fall besteht der Anspruch, das Asthma zu heilen. Bei einem jahrelangen Krankheitsverlauf, der sehr schwer ist und zu einer dauerhaften Schädigung von Bronchien und Lunge geführt hat, wird Heilung kaum erzielt werden können, dagegen aber ein tiefes Verständnis der Erkrankung und Linderung des Leidens.

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Yulli

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Re: STEMMANN, 1999
« Reply #1 on: March 18, 2019, 04:36:51 PM »

      
   
   
   
Ernst August Stemmann
   
   
   
   
Asthma ist heilbar
Das Gelsenkirchener Behandlungsverfahren
   
   
   
      
      
   
   
   
Prof. Dr. med. Ernst August Stemmann Kinderarzt, Allergologie
Leitender Arzt der Städtischen Kinderklinik Gelsenkirchen Westerholter Straße 142 45892 Geisenkirchen
Auslieferung: AUK, Westerholter Straße 142, 45892 Gelsenkirchen
   
   
   
   
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Zeichnungen: Freund, Essen
Alle Rechte beim Verfasser ©1999
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Für Hildegard
   
   
   
      
      
   
   
   
Es ist hier nicht die Rede von einer durchzusetzenden Meinung, sondern von einer mitzuteilenden Methode, der sich ein jeder als eines Werkzeugs nach seiner Art bedienen möge.
   
   
   
   
Goethe
   
   
   
      
      
   
   
   
Geleitwort:
   
   
   
   
Wissenschaft, Erfahrung und Hilfe zur Selbsthilfe als Basis des Behandlungskonzeptes
Wissenschaft und Erfahrung ergänzen sich nach Gerok (Vortrag zur Eröffnung des 39. Therapiekongresses 1987 in Karlsruhe) beim ärztlichen Handeln
- , dabei verkündet die Wissenschaft keine absoluten Wahrheiten, sondern arbeitet mit Modellen der Wirklichkeit (102) und
die Erfahrung bedeutet Auswahl, Gewichtung, Umstrukturierung und Neukombination erinnerter und erlernter Fakten. Während eine wissenschaftliche Aussage unabhängig von einzelnen Personen gültig ist, gründet sich Erfahrung auf individuelle Faktoren. Weder die wissenschaftliche Erkenntnis, noch die Erfahrung allein können Grundlagen ärztlichen Handelns sein. Vielmehr sind Wissenschaft und Erfahrung notwendig für das ärztliche Tun. Hinzukommen muß eine dritte Kraft:
der Arzt soll sich, von Hilfsbereitschaft und Einfühlungsvermögen geleitet, dem Kranken und seinen Angehörigen als gleichberechtigte und mitverantwortliche Partner zuwenden, so daß diese, zwar unter ärztücher Anleitung, aber letztendlich aus eigener Kraft das Asthma überwinden lernen.
   
   
   
   
Gelsenkirchen 1998 Ernst August Stemmann
   
   
   
      
      
   
   
   
Leitgedanke:
   
   
   
   
Wenn es psychosomatische Krankheit gibt, muß es auch psychosomatische Gesundheit geben.
Das Geheimnis von Asthma ist nicht in der Zukunft zu suchen, sondern in der Vergangenheit. Erkennen und akzeptieren wird man es aber nur mit den Methoden der Zukunft.
   
   
   
      
      
   
   
   
Danksagung:
   
   
   
   
Das vorliegende Buch gibt dem Autor die Gelegenheit zu danken und Bilanz zu ziehen über die Forschungstätigkeiten und praktische Arbeit mit Patienten, die in den Jahren 1968 - 1980 an der Universitäts-Kinderklinik Düsseldorf unter dem Direktorat von Herrn Prof. Dr. G.-A. von Harnack und seither an der Städtischen Kinderklinik Gelsenkirchen geleistet wurden. Zuerst und vor allem schuldet der Autor großen Dank seinem sehr geehrten Herrn Prof. Dr. G.-A. von Harnack. Er gab ihm die Möglichkeit, an seiner Klinik eine pneumologisch-allergologische Abteilung aufzubauen, und er war es, der ihm die Chance bot, sich an seiner Klinik zu habiütieren. Das Thema der Habilitationsschrift aus dem Jahre 1976 lautete: Diagnostische Differenzierung verschiedener Asthmaformen mit Hilfe von Lungenfunktionsprüfungen zur Verbesserung der therapeutischen Resultate. Die wissenschaftlichen Untersuchungen in der Düsseldorfer Zeit, zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen M. Adler, P. Both, S.-H. Braun, A. Breuer, B. Degenhardt, A. Esch, S. Holsträter, R. Kiekens, F. Kosche, R. Liersch, E. Stannigel, Ch. Steinhagen, U. Thrams, P. Völker, F. Wegner, führten zu der Entwicklung eines eigenen Behandlungs­systems, das vorwiegend die somatische Komponente des Asthma berücksichtigte und sich besonders auf die medikamentöse Therapie stützte. Für das Anstrengungsasthma, allergische Asthma sowie das Schlafasthma konnte eine optimale medikamentöse Behandlung experimentell ermittelt werden, die dem Betroffenen die Einnahme nicht wirksamer Mittel ersparte. Zudem erfuhr der Betroffene die Wirksamkeit der Mittel unmittelbar. Medikamentös schwierig einzustellende Patienten führten täglich Lungenfunktionsmessungen mit Hilfe eines Peak-Flow-Meters aus und beurteilten ihren Zustand mit Hilfe eines Überwachungsbogens, um ihre medikamentöse Behandlung im täglichen Leben und im Asthmaanfall zu optimieren. Dieses Verfahren wurde 1979/80 veröffentlicht und fand danach auch breitere Anwendung.
Hervorheben möchte der Autor Prof. D. Reinhardt. Sein Spezialwissen in Pharmakologie ermöglichte grundlegende Untersuchungen über das Verhalten der Streßhormone beim Anstrengungsasthma.
Zu besonderem Dank ist der Autor den Schwestern der pneumologisch-allergologischen Abteilung verpflichtet, insbesondere Schwester Karin. Ihr vorbildlicher Einsatz hat wesentlich dazu beigetragen, daß Ambulanz und Station reibungslos funktionierten und die asthmakranken Kinder schnell gesundeten.
Seit 1980 in der Städtischen Kinderklinik Gelsenkirchen als leitender Arzt tätig, galten die Interessen der Psychosomatik, der Psycho-Neuro-Immunologie, dem Einfluß des Gehirns auf die Bronchialfunktion, den Erkenntnissen der Evolutionären Psychologie, der Neuen Medizin sowie der Klinischen Ökologie und der Umweltmedizin. Um Umweltbelastungen in ihrer Bedeutung für das Asthma zu erforschen, wurde eigens eine Umweltstation gebaut. Es wurde eine Arbeitsgruppe gegründet mit dem Ziel, neuartige Gedanken und Behandlungsansätze beim Asthma zu entwickeln, selbstverständlich unter Beibehaltung und unterstützender Einbeziehung der bisherigen, bewährten, medikamentösen Behandlung und der vorliegenden wissenschaftlichen Ergebnisse.
In Herrn G. Starzmann, dem Leiter der Abteilung für klinische Psychologie an der Kinderklinik fand der Autor einen sehr kompetenten Fachmann mit großer praktischer Erfahrung, hohem Engagement und zielgerichtetem Interesse sowie tatkräftigem Einsatz. Ihm sei besonders gedankt.
Besonders stark eingebunden in das pneumologisch-allergologische Team war langzeitig Herr R. Schachoff, zuerst als Doktorand, Assistenzarzt und zuletzt als Oberarzt und Abteilungsleiter. Mit seiner Hilfe und seinem speziellen Wissen wurde die Umweltstation errichtet. Ihm gilt der besondere Dank des Autors.
   
   
   
      
      
   
   
   
Speziell mit Fragen der psychischen Belastung beim Asthma im Kleinkindesalter hat sich Herr D. Langer befaßt. Er hat wesentlich dazu beigetragen, die psychischen Belastungen, denen Kleinkinder und ihre Eltern durch die Krankheit ausgesetzt sind, zu verstehen und vor allem durch verhaltenstherapeutische Maßnahmen zu lindern zu helfen.
In Prof. Dr. W. Klosterhalfen fand der Autor einen international anerkannten Experten auf dem Spezialgebiet der Psycho-Neuro-Immunologie. Für viele wissenschaftliche Hinweise und Anregungen sei ihm herzlich gedankt.
Der ärztliche Mitarbeiterstab der pneumologisch-allergologischen Abteilung verdient hohe Anerkennung für die unermüdliche Arbeit, die viel Empathie und Kraft für den Betroffenen und seine Familie erfordert. Zu nennen sind:
U. Breckling, St. Boßerhoff, E. Dimbeck, O. Dubowy, A. Dworniczak, H. van der Gaag, U. Hadre, I. Hannen-Hofheinz, E. Heide, M. Jakob, K. Kirchmeyer, K.-A. Lion, Th. Meyn, D. Sprenger, Th. Schraps, B. Treunert sowie Frau I. Franek als Oberärztin und Frau S. van Meerbergen als Abteilungsärztin.
Herzlich gedankt sei den Mitarbeiterinnen des Lungenfunktions- bzw. Allergietestlabors H. Fauser, R. Fehr-Kostanczak, S. Kiss für ihren unermüdlichen medizinisch-fachlichen Einsatz und die menschliche Betreuung der Patienten und ihrer Angehörigen. Besonders lieben Dank schuldet der Autor den Schwestern, deren liebevolle und sorgfältige Pflege der Kinder und deren Verständnis für die besonderen Probleme einer Eltern-Kind-Station. Genannt seien
H. Bolik, Stationsleitung Th. Wolff, Stationsleitung
B. Bernard-Pirna, Stationsleitung.
Das Gelsenkirchener Behandlungsprogramm läßt sich nur durchführen mit einem interdisziplinär arbeitenden Team. Diesem gehören an
G. Grühn, Dipl.-Sozialarbeiterin K. Pieper, Sozialpädagogin
U. Kaschke, Krankenhausschulleiterin
M. Troue, B. Wittenberg, Oekotrophologinnen
S. Voskuhl, Diätassistentin
C. Theisen, Seelsorgerin
Schwester Renate gebührt Dank für die Terminvergabe.
Das Gelsenkirchener Behandlungsprogramm wurde unterstützt durch Verwaltung und Politik. Der besondere Dank gilt Frau V. Kestermann-Kuschke, Gesundheitsdezernentin der Stadt Gelsenkirchen, den engagierten Mitarbeitern des Klinikausschusses unter dem derzeitigen Vorsitz von J. Brinkmann, Herrn P. Rose, Sozialdezernent, und Frau M. Saarholz, Selbsthilfegruppen-Koordinatorin. Für ihr Vertrauen und ihre Hilfe sei ihnen sehr herzlich gedankt.
An der Arbeit, deren bisherigen Ergebnisse in diesem Buch festgehalten sind, waren wesentlich beteiligt
D. Thomescheit, Verwaltungsdirektor
I. Koba, Pflegedirektorin
H. Bullack Pflegedienstleitung.
Sie haben sich zum Wohl der Erkrankten persönüch eingesetzt.
Ohne Anregungen und Hinweise der Betroffenen und ihrer Angehörigen, ohne die Selbst­hilfegruppen, besonders die Gruppe Allergie- und umweltkrankes Kind, hätte das Behandlungsverfahren nicht entwickelt und verwirklicht werden können. Für ihre enthusiastische Hilfe sei besonders Frau A. Braun und Herrn U. Neumann gedankt. Die Schreibarbeiten wurden von Frau R. Rohleder, Frau S. Podborsek und Frau M. Suttka verantwortungsvoll und in bewährter Weise durchgeführt. Dafür sei ihnen sehr gedankt.
   
   
   
      
      
   
   
   
Für ihre Umsicht, Geduld, Anregungen, Korrekturen und Verbesserungsvorschläge dankt der Autor ganz besonders herzlich Frau G. Stemmann.
Bei der Publikation konnte sich der Autor wieder vertrauensvoll auf die redaktionelle Arbeit von S. Jahnke stützen.
   
   
   
      
      
   
   
   
Auch das sagt etwas über die Welt, daß man sie mit einer Hypothese besser erklären kann als mit einer anderen.
Wittgenstein
Die Hypothese, die Wittgenstein meint, dient ihm dabei nicht als absolute Wahrheit, sondern gestattet nur, die Phänomene besser zu verstehen.
   
   
   
      
      
   
   
   
Um das vorliegende Buch zu verstehen, benötigt der Leser Hinweise
- polares Denken und
- Vorgänge in der Evolution
dienen als Schlüssel zum Verständnis des Buches.
   
   
   
   
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Polares Denken, Denken ändern, anderes Denken
Der Leser begegnet in dem Buch immer wieder dem Prinzip der Polarität.
   
   
   
   
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Auf dem Prinzip der Polarität hat bereits Heraklit, ein griechischer Philosoph, vor 2.500 Jahren seine Philosophie begründet, nach welcher der Weltprozeß vonstatten geht: "Alles Geschehen erfolgt in Form des Gegensatzes. Das Kalte wird warm, Warmes kalt, Feuchtes trocken, Trockenes feucht. Die Dinge sind durch ihr gegensätzliches Verhalten zusammengefügt." Der Geltungsbereich umfaßt das ganze Leben. Herrmann Hesse läßt seinen Siddhartha sagen: "Von jeder Wahrheit ist das Gegenteil ebenso wahr! Nämlich so: eine Wahrheit läßt sich immer nur aussprechen und in Worte hüllen, wenn sie einseitig ist." Das polare Prinzip gestattet, "Phänomene" stets von zwei Seiten zu betrachten: Polares Denken akzeptiert und fordert sogar beide Seiten der Betrachtung. Das polare Denken trägt das Risiko in sich, daß das, was der Mensch bisher von seinem gewohnten Standpunkt aus in gutem Glauben gedacht und getan hat, nun auch der Betrachtung von dem entgegen­gesetzten Standpunkt aus bedarf. Das Resultat ist eine neue, entgegengesetzte Sicht der Dinge und nicht selten wird sich daraus die Frage ergeben: "Habe ich dann bisher etwas falsch gemacht?". Der Leser sollte nicht den Fehler begehen, in den Wertmaßstäben "richtig oder falsch" zu denken, denn beide Sichtweisen haben im polaren Prinzip ihre Berechtigung. Der Betroffene sollte also nicht denken, "bisher habe ich falsch gehandelt", sondern er sollte sich sagen, "das, was ich gemacht habe, war grundsätzlich richtig, hat meinem besten Wissen entsprochen; war es nicht so erfolgreich, wie ich es mir erhofft habe, so ist es gestattet, eine neue Denk- und Verhaltensweise zuzulassen, um Heilung dennoch zu erreichen". Polares Denken, das soll noch einmal betont werden, strebt letztlich ein Gleichgewicht an, zielt auf Ausgleich nach dem Prinzip von sowohl-als-auch. Die medikamentöse Behandlung des Asthmas und das Wiedererlangen einer normalen Abwehr- und Bronchialfunktion sowie Überwachung der Bronchien sind zwei unterschiedliche Verfahren, die zum Wohle des Erkrankten - einzeln oder in Kombination miteinander - eingesetzt werden, um Heilung zu erzielen. Polares Denken hat nichts zu tun mit Widerspruchsdenken, bei dem Eines das andere ausschließt nach dem Prinzip von richtig oder falsch.
   
   
   
   
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Vorgänge in der Evolution als Basis von Krankheit und Gesundheit
"...Der Mensch ist ein Lebewesen, das seine Eigenschaften und Leistungen, einschließlich seiner hohen Fähigkeiten des Erkennens, der Evolution verdankt, jenem äonenlangen Werdegang, in dessen Verlauf sich alle Organismen mit den Gegebenheiten der Wirklichkeit auseinandergesetzt und an sie angepaßt haben", schreibt Konrad Lorenz, Arzt und Naturforscher (171).
Auch der Mensch hat, wie alle Lebewesen, stammesgeschichtlich erworbene und erblich festgelegte Verhaltensweisen. Dem modernen Menschen sind seine durch die Evolution geprägten Verhaltensweisen nicht mehr bewußt und bekannt und dennoch bestimmen sie auch heute sein tägliches Leben:
- das Leben des modernen Menschen wird scheinbar überwiegend durch logische Überlegungen und rationale Entscheidungen bestimmt. Unbewußt reagiert der Mensch aber noch so wie seine Vorfahren in der Steinzeit (7, 130), es betrifft z. B. die Art, wie der Mensch seinen Partner auswählt, seine Fähigkeit, in kleinen und großen Gruppen zusammenzuleben, die Vorstellung von Schönheit u. a. Das gesamte Repertoire, das das moderne Miteinander wesentlich bestimmt, reicht bis in die Frühzeit der Menschheit zu­rück. Der Grund für dieses Verhalten ist die Dominanz von Stammhirn- und Zwischen-hirnbereichen (Hypothalamus), in denen die Gefühle und instinktiven Reaktionen gebildet werden. So beantwortet der Organismus eine Bedrohung von außen automatisch unbewußt mit erhöhter Alarmbereitschaft, d. h. Streßhormone wie Adrenalin, Noradrenalin erhöhen sich im Blut, Herzschlagfrequenz und Blutdruck steigen an, und der Gehalt an energieliefernden Stoffen im Blut nimmt zu, damit der Bedrohung durch Angriff oder Flucht begegnet werden kann.
Diese Reaktion war in der Steinzeit zweckmäßig, war der Mensch doch von Feinden oder Raubtieren vital bedroht.
Heute, in dem modernen Leben, sind die Gefahren, denen der Mensch ausgesetzt ist, anderer Art: unmittelbare, vitale Bedrohungen gehören nicht mehr zu seinem Lebensalltag. Gleichwohl reagiert der Organismus mit denselben Mechanismen auf Bedrohungen. Die Vorgänge sind jedoch nicht bewußt. Es besteht nur kaum noch die Möglichkeit, den Streß durch Angriff oder Flucht abzubauen. Die Bedrohung ist meist so indirekt, daß eine Bewegungsreaktion ganz unmöglich wird, z. B. in Prüfungssituationen, bei drohenden Kündigungen des Arbeitsplatzes, Existenzsorgen. Gelingt es dem Menschen nicht, seine Streßreaktionen abzureagieren, seine Konflikte und Probleme zu lösen, so wird er krank.
Die Konflikte, die der moderne Mensch erlebt, sind nur scheinbar neue, für unsere ziviüsatorisch geprägte Welt typische Konflikte. In Wirklichkeit sind die Konflikte des heutigen Menschen auf die gleichen Grundinhalte zurückzuführen, denen der Mensch in der Evolution schon immer ausgesetzt war (119, 171).
Der Evolutionsgedanke wird von den Evolutionspsychologen auf den menschlichen Geist übertragen, seine Psyche, sein Verhalten (7, 49, 130, 133, 284, 285, 286, 311). Die Evolutionspsychologen sind der Auffassung, die natürliche Selektion habe den Geist des Menschen im Laufe der langen Evolution auf die Lösung bestimmter Probleme programmiert, die für das Überleben vormals unerläßlich waren, und das urzeitliche Erbe sei in unserem Gehirn noch lebendig. So werden für alle Menschen kulturunabhängige psychologische Grund- und Verhaltensmuster angenommen.
Neben der darwinistischen- bzw. Evolutionspsychologie ist auch eine darwinische Medizin entstanden. Sie betont, daß die Erforschung und Behandlung menschlicher Krankheiten davon profitieren könnte, wenn entwicklungsgeschichtüche Vorgänge berücksichtigt werden (304).
   
   
   
   
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Wie der Leser das vorliegende Buch lesen sollte
Das vorliegende Buch stellt Anforderungen an den Leser, Anforderungen insofern, als ihm ständig zwei sich widersprechende Theorien und Behandlungsweisen präsentiert werden:
- die bekannte Sicht- und Behandlungsweise, die Asthma als eine Krankheit der Bronchien begreift
- eine neue und ungewohnte Darstellung und Therapie von Asthma, die Asthma als zentrale Fehlsteuerung der Bronchialabwehr und -funktion bei Fehlüberwachung der Bronchien versteht.
Es kennzeichnet die allgemeine, menschliche Verhaltensweise, daß jemand, der von einem bestimmten Standpunkt aus einer Theorie anhängt, nur noch Dinge wahrnimmt, die in ihr System passen, und er filtert alles andere heraus, das seiner Theorie widerspricht. Das System ist zudem so aufgebaut, daß es im eigenen Bezugsrahmen nicht zu widerlegen ist, eine Tatsache, die die Meinung von seiner absoluten Richtigkeit auch noch unterstützt.
- Eine fremde Theorie, die von einem anderen Standpunkt aus das Asthma beschreibt, die im eigenen Rahmen, mit eigenen Begriffen analysiert wird, muß deshalb grundsätzlich als "falsch" erkannt und abgetan, ad absurdum geführt werden.
Der Leser sollte deshalb das Asthma grundsätzlich von den zwei unterschiedlichen Stand­punkten her analysieren.
Ordnet sich der Leser in das gedankliche Konzept des Buches so ein, daß er
- zwei unterschiedliche Theorien über Asthma, die jeweils unterschiedlich entsprechend ihres Verständnisprinzips durchdacht werden müssen, akzeptiert, so wird er etwas allmählich verstehen lernen, das von großer Wichtigkeit für ihn ist. Was es ist, wird er zunächst nicht wissen, aber er wird es zur rechten Zeit voll verstehen
- mit unglaublicher Wucht.
Das vorliegende Buch soll die bisherigen, erfolgreichen Behandlungsstrategien, die vor­wiegend auf der medikamentösen Therapie beruhen, ergänzen und erweitern durch Strategien, die sich unter dem Begriff Hilfe zur Selbsthilfe, Selbstheilung zusammenfassen lassen. Es handelt sich um zwei Vorstellungen und Behandlungsweisen des Asthmas, die ineinander übergehen, aufeinander folgen und nicht ohne das jeweils andere existieren können. Ziel des Autors war, ein Buch über Theorie und Behandlung von Asthma zu schreiben, das für den Erkrankten und Therapeuten gleichermaßen verständlich ist, ein Unterfangen, das an Grenzen stößt:
- auf der einen Seite wird dem Betroffenen das Dargebotene in Teilbereichen zu kompli­ziert sein
- auf der anderen Seite wird dem Spezialisten der Inhalt nicht ausführlich genug sein.
Dem Problem kann abgeholfen werden, wenn sich der Betroffene von einem Therapeuten das Nichtverstandene erklären läßt und der Spezialist die angegebene wissenschaftliche Literatur durcharbeitet.
In dem vorliegenden Buch Beschriebenes wird in den Kernpunkten nochmals wiederholt und verdichtet dargestellt. Durch die Wiederholungen wird das Ziel verfolgt, daß der Leser (ähnlich wie bei einem Gedicht, das man auswendig lernt und dann behält) den Inhalt des Buches zu seinem Eigentum macht - so daß es ihm dann leichter fällt, die Behandlungsempfehlungen auch konsequent umzusetzen. Das vorliegende Buch ist als "Arbeitsbuch" gedacht, deshalb erscheinen im Text auch Unterstreichungen.
   
   
   
   
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Vorwissen prägt die Erkenntnis
   
   
   
   
Medizinische Erkenntnisse sind stets maßgeblich durch bereits vorausgegangene Ergebnisse und Bewertungen geprägt. Dieses manifeste Vorwissen bestimmt nicht nur, was gedacht, sondern sogar, was überhaupt wahrgenommen wird, und es entscheidet darüber, ob etwas als richtig oder falsch bewertet wird.
Häufig ist es jedoch so, daß diese Art verinnerlichten Vorwissens daran hindert, die Dinge aus einer anderen Perspektive heraus zu betrachten und sie von einer neuen und ungewohnten Seite zu sehen, für die der Blick bisher nicht geöffnet war.
Da der Leser dieses Buches durch Vorwissen geprägt ist, das er im Laufe der Beschäftigung mit der Krankheit erworben hat, wird er erwarten, im vorüegenden Buch die allgemein übliche Meinung über das Bronchialasthma als Erkrankung der Bronchien, die vorzugsweise durch Medikamente unter Kontrolle gehalten werden kann, zu finden. Das ist jedoch nur teilweise der Fall.
In diesem Buch wird die Auffassung über das Asthma erweitert.
Nach der hier vertretenden Meinung ist beim Asthma die Funktion der Abwehr und des Bronchialsystems gestört, und die Bronchien werden fehlüberwacht. Beide Vorstellungen -Asthma, eine Erkrankung des Organs, das vorwiegend medikamentös zu behandeln ist bzw. Asthma, eine Regulationsstörung, mit Fehlüberwachung der Bronchien, die zu normalisieren ist
- stellen zwei grundsätzliche Möglichkeiten dar, Asthma zu erklären und zu behandeln. In Wirklichkeit ergänzen sie sich letztlich erst zu einer optimalen Therapie des Asthmas.
Es widerstrebt jedoch der menschüchen Natur zu akzeptieren, daß es möglicherweise zwei oder gar mehrere in sich logische Ansätze gibt, da der Mensch stets dazu neigt, sich einen festen Standpunkt anzueignen, von dem aus er die Dinge dann als richtig oder falsch beurteilt. Der Leser, der beispielsweise gewohnt ist, in der traditionellen Weise zu denken, könnte Schwierigkeiten haben, die neuartige Sichtweise zu verstehen und zu akzeptieren. Während der Lektüre dieses Buches wird der Leser zeitweilig stark beunruhigt werden. Bisher galt Asthma als ein vererbtes, unheilbares Leiden, das vorwiegend durch Hilfe von außen, z. B. insbesondere durch Medikamente zu lindern war. An diese Vorstellung hat sich der Mensch gewöhnt, damit hat er gelernt zu leben. Die hier vorgetragene Meinung, Asthma sei heilbar, erschüttert dagegen das bisherige Bild von der Krankheit und stiftet erhebliche Unruhe - von der der Autor des Buches hofft, daß es eine heilsame Unruhe sein wird . Die Zeit ist reif, chronische Krankheiten, wie z. B. das Asthma, zu heilen, weil neue wissenschaftliche Ergebnisse den Weg weisen. Es gibt genügend gesicherte Erkenntnisse, wie das zu geschehen hat.
Der Leser sollte die Ausführungen dieses Buches in dem festen Bewußtsein lesen, daß es nicht gilt, einen an der Krankheit Schuldigen zu suchen, denn es gibt keinen Schuldigen:
- Eltern, die ein asthmakrankes Kind haben, haben die Krankheit nicht schicksalhaft ihrem Kind vererbt. Die Bedeutung erblicher Faktoren für das Asthma ist maßlos über­schätzt worden. Sie stellen in dem vorliegenden Buch keine Wirkgröße dar, der wesentliche Bedeutung beigemessen wird.
- Der Betroffene selbst und seine Angehörigen tragen auch keine Schuld an der Krankheit. Sie wurden vielmehr Opfer der Regelkreise, die für das Asthma typisch sind und bei allen Asthmakranken gleichermaßen gefunden werden.
Niemals liegt das Asthma in der Schuld des Betroffenen und seiner Angehörigen. Schuld­gefühle sind ebenso sinnlos und unberechtigt wie Schuldzuweisungen. Schuld bedeutet auf griechisch auch Ursache. Ohne Frage hat das Asthma eine Ursache. Es gilt allein, die wirkliche Ursache des Asthmas zu ergründen, um Heilung zu erzielen.
Das Buch versucht, dem an Asthma Erkrankten Mut zu machen, seine Selbstheilungskräfte zu entdecken und einzusetzen. Es will dem Betroffenen Wege aufzeigen, wie er wieder aus der Krankheit heraus zur Gesundheit gelangen kann.
   
   
   
   
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Alle Ratschläge zielen darauf ab, einen Menschen, der asthmakrank geworden ist, wieder zu einem gesunden, beschwerdefreien Leben zurückzuführen.
Nicht immer schafft es der Einzelne allein. Ein Kind bedarf der Unterstützung durch seine Eltern, und der Erwachsene benötigt die Hilfe seiner Freunde, seines Ehepartners - aber in einer neuen, bisher ungewohnten Weise.
Nicht in jedem Fall besteht der Anspruch, das Asthma zu heilen. Bei einem jahrelangen Krankheitsverlauf, der sehr schwer ist und zu einer dauerhaften Schädigung von Bronchien und Lunge geführt hat, wird Heilung kaum erzielt werden können, dagegen aber ein tiefes Verständnis der Erkrankung und Linderung des Leidens.
   
   
   
   
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Was versteht man unter Asthma?
   
   
   
   
Das Wort "Asthma" stammt aus der griechischen Sprache und bedeutet übersetzt "schwer atmen". Warum der Mensch schwer atmet, bleibt unklar, denn eine erschwerte Atmung kann durch eine Funktionsstörung verschiedener Organe bedingt sein. Äußert sich die Störung an den Bronchien, wird von einem Bronchialasthma gesprochen.
Der Begriff Asthma wird nicht verwendet, wenn eine Atembehinderung selten, d. h. akut nur ein- bis zweimal im Jahr oder nur für die Dauer einiger Tage auftritt (261). Vielmehr müssen, damit die Definition des Bronchialasthmas bei Kindern erfüllt ist,
- asthmatische Beschwerden mehr als dreimal im Jahr vorhanden sein (akute Form des Asthmas)
oder
- asthmatische Symptome über drei Monate unaufhörlich im Verlauf eines Jahres fortbestehen (chronische Form des Asthmas)
oder
- akut, anfallsweise einsetzendes Asthma und chronische Verlaufsform gleichzeitig vorliegen.
"Asthma" tritt auf in Form der asthmatischen Bronchitis und/oder des Asthma bronchiale. Wenn im folgenden von Asthma gesprochen wird, so sind sowohl die asthmatische Bronchitis als auch das Asthma bronchiale gemeint.
.- Asthma -,
V
   
   
   
   
asthmatische Bronchitis charakterisiert durch eine Entzündung
- die Bronchialschleimhaut schwillt an
- es wird vermehrt Sekret,
   
Asthma bronchiale
gekennzeichnet
durch überempfindliche Bronchien
- die Bronchialmuskulatur zieht sich zusammen
   
   
   
   
Schleim gebildet
   
   
   
   
Das Bronchiallumen wird vornehmlich Das Bronchialsystem ist haupt-
durch die Schleimhautschwellung und sächüch durch den Spasmus
   
   
   
   
   
   
   
   
Säuglinge und Kleinkinder leiden häufiger an einer asthmatischen Bronchitis. Vom Schulalter an geht die asthmatische Bronchitis zumeist in ein Asthma bronchiale über.
   
   
   
   
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International gültige Definition für Erwachsene (154)
Asthma bronchiale: "Asthma ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege, in der zahlreiche Zellen, einschließlich Mastzellen und eosinophile Granulozyten, eine Rolle spielen. Bei prädisponierten Individuen führt diese Entzündung zu Symptomen, die mit einer generalisierten, variablen Verengung der Atemwege einhergehen. Die Atemwegsobstruktion ist häufig reversibel, entweder spontan oder nach Behandlung und mit einer Überempfindlichkeit der Atemwege gegenüber einer Vielzahl von Stimuli verknüpft". (Internationaler Konsensus 1992), (248).
Chronische Bronchitis: Die chronische Bronchitis ist eine "rezidivierende oder chronische Entzündung der Atemwege mit Husten und Auswurf, in einem Zeitraum von 2 aufeinanderfolgenden Jahren an mindestens 3 Monaten im Jahr bestehend". (MRC Definition 1965, WHO), (184).
Die chronisch obstruktive Bronchitis ist darüber hinaus funktionell charakterisiert durch chronische Atemflußbehinderung.
Das Asthma bronchiale unterscheidet sich von der chronisch obstruktiven Bronchitis durch die veränderbare Atemwegseinengung, streng definierte Grenzen gibt es hierbei nicht (186).
   
   
   
   
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Der Asthmaanfall
   
   
   
   
Die Bronchien führen während der Atmung entgegengesetzte Bewegungen aus
- bei der Einatmung erweitern sich die Bronchien
- bei der Ausatmung verengt sich das Bronchialsystem.
Der Asthmaanfall kommt dadurch zustande, daß die Bronchien eng werden. Der Widerstand in den Atemwegen steigt an; pro Zeiteinheit kann nicht mehr genügend Atemvolumen die Bronchien passieren. Zwar gelingt es dem Asthmakranken zunächst, genügend Luft einzuatmen, da sich die Bronchien während der Einatmung weiten, die Ausatmung wird dagegen stark behindert, weil sich die bereits verengten Bronchien noch zudem eng stellen. So pumpt der Betroffene seine Lunge im Asthmaanfall übervoll mit Luft, die kaum entweichen kann, und er nimmt dann eine sitzende Haltung ein, um nach Luft zu ringen. Der schwere Asthmaanfall ist eindeutig an der Atemnot zu erkennen. Hört man die Lunge ab oder bringt man sein Ohr in die Nähe der Mundöffnung des Betroffenen, so sind pfeifende Geräusche zu vernehmen. Die Luft streicht an Schleimfäden in den Bronchien vorbei und erzeugt so die Töne. Wird der Brustkorb mit beiden Händen umfaßt, so wird während der Atmung bei einem Anfall durch eine asthmatische Bronchitis ein Vibrieren verspürt. Typisch ist auch Husten.
Selten ist die Lunge so stark mit Luft gefüllt, gebläht wie ein Ballon, daß fast kein Atemgeräusch, auch kein Giemen zu hören ist.
Während der schwere Asthmaanfall an der Atemnot stets erkannt wird, sind leichte asthmatische Zustände schwierig zu diagnostizieren. Sie werden charakterisiert durch:
- eine etwas gepreßte Stimme
- unfreies Lachen
- hochgezogene Schultern
- eigentümliche Ruhe des Betroffenen
- vereinzelt Husten
   
   
   
   
Bronchien Atemwegswiderstand in den Bronchien
   
   
   
   
eng
   
hoch
   
schwerer Asthmaanfall:
- deutliche Atemnot
- meist pfeifendes Atemgeräusch
- meist andauernder Husten
- selten: fast kein Atemgeräusch hörbar
   
   
   
   
   
   
   
leichter Asthmaanfall:
   
   
- gepreßte Stimme
- unfreies Lachen
   
   
- hochgezogene Schultern
- eigentümliche Ruhe
- vereinzelt Husten
   
   
   
   
normaler Bereich
   
   
   
   
niedrig
   
   
   
   
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Mit Hilfe von Lungenfunktionsmessungen wird der Asthmaanfall dokumentiert. Es gibt unterschiedüche Verfahren, um das verengte Bronchialsystem zu erfassen:
- wird ein Peak-Flow-Meter (PEF) verwandt, so ist der Wert erniedrigt
- bei Messung der 1-Sekundenkapazität (1SK) zeigt ein verminderter Wert Asthma an
- bei der Ganzkörperplethysmographie steigt im Asthmaanfall der bronchiale Strömungs­widerstand, die sogenannte Resistance (Rt) an.
Ist die Lunge im Asthmaanfall überbläht, so sinkt die Vitalkapazität (VK), d. h. das Volumen, das der Betroffene langsam maximal ein- und ausatmen kann, ab.
   
   
   
   
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Medikamentöse Therapie und die in diesem Buch vertretene Behandlung
Die dem Leser geläufige Vorstellung über das Asthma lautet: das Organ, das Bronchialsystem ist erkrankt . Die in dem Buch zudem vertretene Auffassung heißt: es hegt eine Regulationsstörung vor, die die körpereigene Abwehr und die Funktion der Bronchien betrifft bei Fehlüberwachung des Organs, der Bronchien.
Beide Vorstellungen über das Asthma, obschon in sich logisch und klar, widersprechen sich scheinbar. Während nach der einen Auffassung die Bronchien vorwiegend durch Medikamente behandelt werden, konzentriert sich die andere darauf, die Regulationsstörung aufzuheben, d. h. eine normale Funktion der körpereigenen Abwehr und der Bronchien wiederherzustellen und die zentrale Überwachung der Bronchien zu normalisieren.
Es geht nicht um eine richtige oder falsche Theorie bzw. Behandlung - vielmehr ist zu fragen, mit welcher der genannten Auffassungen und BehandlungsStrategien über das Asthma ist dem asthmakranken Menschen am besten zu helfen? Wo liegen die Stärken bzw. Schwächen der jeweiligen Denk- und Behandlungsweise?
- Im akuten Asthmaanfall ist die Behandlung des Organs, des Bronchialsystems durch Medikamente überlegen. Rasch werden Atembeschwerden gelindert, ein dauerhafter Heilerfolg ist jedoch meist nicht zu erzielen.
- Im Intervall, im chronischen Verlauf, besitzt die Beseitigung der Regulationsstörung von Abwehr und Fehlfunktion der Bronchien sowie die Fehlüberwachung des Bronchialsystems Vorteile. Die Ursache des Asthmas wird angegangen mit der Hoffnung auf Heilung. Im akuten Asthmaanfall ist das Verfahren dagegen relativ ineffektiv.
   
   
   
   
   
   
   
   
Organ, Bronchien erkrankt
   
   
   
   
allgemeine Vorstellung über das Asthma
   
   
   
   
überlegen im akuten Asthmaanfall
   
   
   
   
Normalisierung von Abwehr, Funktion sowie Überwachung der Bronchien
Regulationsstörung von Abwehr und Funktion der Bronchien bei Fehlüberwachung der Bronchien
neuartige, hier vertretene Meinung über das Asthma
   
   
   
   
überlegen im Intervall
   
   
   
   
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Zwei Vorstellungen über das Asthma werden dem Leser präsentiert. Obschon gegensätzlich, ergänzen sie sich in Wirklichkeit zu einer optimalen Behandlung des Asthmas:
- bei leichten Formen des Asthmas, bei seltenen Asthmaanfällen wird geraten, tägüch Übungen zur Normalisierung von Abwehr und Bronchialfünktion sowie Bronchial­überwachung durchzuführen. Diese Therapie wird ergänzt durch medikamentöse Behandlung im Bedarfsfall, d. h. wenn akute Atembeschwerden auftreten.
- bei mittelschwerem - schwerem Asthma mit häufigen Asthmaanfällen werden beide therapeutischen Verfahren gleichzeitig angewendet:
- tägliche Übungen, um Abwehr, Bronchialfunktion und Bronchialüberwachung zu normalisieren
- tägliche Einnahme von Medikamenten, um asthmatischen Beschwerden vorzubeugen. Gelangt unter diesen Behandlungsmethoden der Betroffene in den Bereich des leichten Asthmas, so wird nach den für diese Asthmaform vorgeschlagenen Prinzipien behandelt.
Ziel der Behandlung ist es, daß der Betroffene wieder lernt, seine Abwehr-, Bronchial­funktion sowie Bronchialüberwachung normal zu steuern und gesund zu werden.
   
   
   
   
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Warnung:
Dem Betroffenen dürfen Asthmamedikamente nicht vorenthalten werden.
Der Betroffene oder ein Elternteil, der ein asthmakrankes Kind betreut, könnte meinen, daß mit Hilfe von Verstehen, Willen, Denken das Asthma unter Kontrolle zu bekommen ist und Medikamente nicht mehr notwendig sind. Der Betreffende begeht einen entscheidenen Fehler. Asthma entsteht vorwiegend unbewußt und läßt sich durch rationales Denken und Handeln leider nicht verhindern. Zunächst müssen vorwiegend auf der unbewußten Ebene die Selbstheilungskräfte nach den hier beschriebenen Regeln aktiviert werden. Das dauert mindestens ein Jahr - erst danach kann der Versuch unternommen werden, Medikamente zu reduzieren.
   
   
   
   
Medikamente ^
_<C
Selbstheilungskräfte fördern durch tägliches Üben
   
   
   
   
   
Zeitraum: mindestens 1 Jahr
   
im 2. Jahr und danach
   
   
   
   
Auch wenn das Ziel letztendlich lautet, beschwerdefrei und unabhängig von der dauernden Einnahme von Medikamenten zu werden, darf auf keinen Fall mit Asthmamitteln zurückhaltend umgegangen werden, d. h. der Betroffene darf niemals dadurch in Gefahr geraten, weil ihm Asthmamittel vorenthalten wurden, das gilt insbesondere für die schwere asthmatische Bronchitis bzw. den akuten Asthmaanfall.
Eine Heilung des Asthmas wird durch Asthmamittel nicht verzögert oder verhindert - auch nicht durch Kortison!
   
   
   
   
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Teill
Wie entsteht Asthma und wodurch wird es unterhalten?
   
   
   
   
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I. Kapitel
Wie entsteht Asthma?
   
   
   
      
      
   
   
   
Die Frage nach der Ursache von Asthma ist die Frage nach dem Beginn.
   
   
   
   
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1. Ist Asthma eine Erbkrankheit?
Es stehen sich zwei Meinungen gegenüber
- Asthma ist vererbt
- Vererbung spielt beim Asthma keine entscheidende Rolle
   
   
   
   
   
   
   
   
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Asthma ist keine Erbkrankheit
   
   
   
   
Der Mensch wird geprägt durch Erbgut und Umwelt. Der Einfluß dieser beiden den Menschen beeinflussenden Kräfte variiert in weiten Grenzen, wenn eine Krankheit auftritt:
- auf der einen Seite stehen Erbkrankheiten, die durch Umwelteinflüsse nicht verändert werden können, z. B. die Bluterkrankheit,
- auf der anderen Seite stehen Erkrankungen durch Umwelteinflüsse, bei denen das Erbgut völlig unmaßgebüch ist, als Beispiel seien Vergiftungen genannt.
Zwischen den beiden Extremen liegen alle nur denkbaren Übergänge:
   
   
   
   
reiner Erbeinfluß
   
Erbeinfluß
   
reiner Umwelt­einfluß
   
   
Umwelteinfluß
   
   
   
   
z. B.
Bluterkrankheit
   
z. B.
akute Vergiftung
   
   
   
   
Erkrankt eine Person an Asthma, so wird sie zumeist mit der These konfrontiert, es handele sich um ein Erbleiden, mit dem man sich abfinden und auf das man sein Leben einrichten müsse. Demgegenüber steht die in diesem Buch vertretene Meinung, daß für das Entstehen eines Asthma die Erbanlagen keinen entscheidenen Einfluß besitzen.
Für die These, daß es sich um ein Erbleiden handelt, sprechen:
- Asthma tritt in Familien gehäuft auf
- Asthma ist durch die z. Z. zur Verfügung stehenden Maßnahmen kaum zu heilen. Gegen die These, daß ein Erbleiden vorliegt, läßt sich anführen:
- Der Begriff Erbleiden beinhaltet, daß die betreffende Krankheit im Erbgut verankert ist. Ein entsprechender genetischer Defekt, der für das Asthma verantwortlich ist, ist bisher nicht gefunden worden.
- Bei an Asthma erkrankten Kindern verliert ein Drittel sein Leiden, was als Spontanheilung bezeichnet wird. Wenn eine Krankheit spontan ausheilen kann, so ist das Erbgut nicht der entscheidende Faktor. Es ist ausgeschlossen, daß die Höhe der Rate an Spontanheilungen auf Rückveränderungen im Erbgut zurückzuführen ist.
- Es gibt eineiige Zwillinge, von denen nur der eine unter einem Asthma leidet, während der andere gesund ist, obschon beide ein identisches Erbgut besitzen. Zwillingsuntersuchungen an 7.000 Paaren aus dem schwedischen Zwillingsregister ergaben, daß allergische Krankheiten wie Asthma, Heuschnupfen, Ekzem nur bei jedem fünften eineiigen Zwillingspaar gleichzeitig auftraten (82). Erkrankte bei zweieiigen Zwilüngen der eine an einer Allergie, so erlitt jeder zwanzigste andere Zwilling auch ein allergisches Leiden. Die Untersuchungen zeigen lediglich an, daß Erbfaktoren, falls vorhanden, das Auftreten von Asthma begünstigen können. Keinesfalls belegen sie, daß es sich beim Asthma um eine unheilbare Erbkrankheit handelt.
   
   
   
   
30
   
   
   
            
      
   
   
   
Asthma ist keine klassische Erbkrankheit, Erbfaktoren wirken, falls vorhanden, höchstens begünstigend ein.
   
   
   
   
               
   
Krankheit
   
   
   
Krankheit
   
   
reiner Erbeinfluß z. B. Bluterkrankheit
   
Erbeinfluß/
   
   
reiner Umwelteinfluß z. B. Vergiftung
   
   
unabhängig von äußeren Einflüssen
   
/ Umwelteinfluß
   
   
abhängig von äußeren Einflüssen
   
   
unheilbar
   
   
   
heilbar
   
               
   
   
   
   
A
   
   
   
   
Krankheit: Asthma
Erbeinfluß nur in Form der
Disposition
d. h. erhöhtes Risiko
   
   
   
   
äußere Einflüsse wirken verstärkend, wenn die Krankheit aufgetreten ist.
   
   
   
   
heilbar
   
   
   
   
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Was versteht man unter Disposition?
Disposition ist die als besondere "Anfälligkeit" imponierende, ererbte oder erworbene Bereitschaft des Organismus, auf bestimmte Schädlichkeiten außergewöhnlich - meist im Sinne einer Erkrankung - zu reagieren (220). Es gibt eine Disposition zu Asthma, wenn in der Familie bereits ein Asthma vorgekommen ist. Diese Disposition ist so zu verstehen, daß sie sich, wenn überhaupt, nur unter ungünstigen Bedingungen krankheitsauslösend auswirken kann. Was die Disposition zu Asthma ausmacht, ist bisher unbekannt.
Die Reaktionsweise des Immunsystems ist entscheidend dafür, welche Art der Erkrankung auftritt: Allergie, Infektion, Autoimmunkrankheit oder Krebs.
   
   
   
   
Immunsystem
reagiert
verstärkt
   
         
   
Allergie
   
Infektion
   
   
Autoimmun­krankheit
   
Krebs
   
         
   
Immunsystem
reagiert
vermindert
   
   
V
   
   
   
   
Es ist eine Erfahrungstatsache, daß ein Mensch eher von einer Krankheit betroffen wird, die schon einmal in der Familie vorgekommen ist. Das gilt für alle der oben genannten Krankheiten:
- es gibt Familien, in denen gehäuft Allergien auftreten
- Infekte sind in bestimmten Familien vermehrt vorhanden
- Autoimmunkrankheiten wiederholen sich in Familien
- bei manchen Familien tritt der Krebs häufiger auf als im Bevölkerungsdurchschnitt
Die familiäre Disposition erstreckt sich also auf Krankheiten wie Allergie, Infektion, Autoimmunleiden und Krebs gleichermaßen.
Eigenartigerweise wird bei der allergischen Krankheit stets die Disposition angeführt, bei Infektionskrankheiten nicht:
- tritt z. B. bei einem Kind ein allergisches Asthma auf, so hat es die Veranlagung zu dieser Krankheit von den Eltern oder Großeltern ererbt. Das Risiko, an einer Allergie zu erkranken, wird exakt berechnet. Ist ein Elternteil allergiekrank, beträgt das Risiko der Kinder 25 %, reagieren beide Eltern allergisch, steigt das Risiko auf 50 %.
- Bei Infekten hat sich das Kind stets angesteckt. Analog zur Allergie müßte es aber lauten: leidet ein Kind unter Infekten wie z. B. Schnupfen, so hat es die Veranlagung dazu von seinen Eltern oder deren Eltern erworben, falls auch diese unter gehäuften Infekten leiden bzw. gelitten haben.
   
   
   
   
32
   
   
   
            
                        
   
   
   
Die allergische Reaktion
   
   
   
   
Viele Menschen zeigen auf der Haut positive Reaktionen auf Allergene und/oder weisen im Blut einen erhöhten Wert des Immunglobulins E (IgE) auf. Sie sind Allergiker, ihr Immunsystem hat sich mit Allergenen auseinandergesetzt, wie Haut- und/oder Blutbefund ausweisen; doch sie sind in der Regel gesund.
   
   
   
   
Allergiker, gesund
   
Allergen überwindet
   
Immunzellen
bilden Immunglobulin E
   
   
-D- -Q-
   
•Q-
   
   
   
die Barriere von Haut bzw. Schleimhaut
   
   
   
   
IgE im Blut WTJ
   
   
   
   
Allergiekrank wird der Mensch erst dann, wenn in einem weiteren Schritt IgE-Moleküle aus dem Blut sich an einen Empfänger für das IgE, genannt IgE-Receptor, auf der Oberfläche besonderer Zellen, sogenannte Mastzellen, anheften - und dann ein Allergen hinzutritt. Der IgE-Receptor erhält jetzt ein Warnsignal, das er an das Zellinnere weitergibt, worauf die Mastzelle vermehrt Botenstoffe freisetzt, wie z. B. Histamin u. a. Diese Botenstoffe lösen die allergische Reaktion aus. Ein allergisches Asthma entsteht also, wenn Mastzellen in der Bronchialwand mit IgE besetzt sind, ein Allergen hinzukommt und die Mastzelle degranuliert, d. h. Botenstoffe abgibt.
   
   
   
   
IgE aus dem Blut Jj[ 7 f~ 7 ~ setzt sich auf *—' LJ
   
   
   
   
   
Allergiekranker
   
Receptoren an der Oberfläche von Mastzellen in der Bronchialwand fest
-O- -Q-
Allergen koppelt an IgE an und die Mastzelle setzt Botenstoffe frei
   
IgE-Receptor
   
   
Allergen
   
Mastzelle
   
   
   
   
   
allergische Reaktion in der Bronchialwand - Asthma
   
   
   
   
Grundsätzlich können jeder Mensch und jedes höhere Wirbeltier allergisch reagieren aufgrund ihrer Fähigkeit ihrer Immunabwehr.
   
   
   
   
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Die Atopie
   
   
   
   
Das Wort Atopie stammt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie Ungewöhnüches, Seltsames bzw. nicht an typischer Stelle, daher auffallend, unerwartet. Coca hat 1923 den Begriff Atopie eingeführt. Er verstand unter Atopie allerdings eine angeborene Überempfindlichkeit mit der Symptomatik der Allergie bereits beim erstmaligen Kontakt mit einem Allergen (59). Ein derartiger Mechanismus ist wissenschaftlich nicht beweisbar, denn um allergisch reagieren zu können, muß das Immunsystem zuvor bereits Kontakt mit dem Allergen gehabt haben. 1925 postulierte deshalb Coca besondere Antikörper, die "Atopie reagins", die ein Atopiker als Reaktionsprodukt auf sogenannte "Atopene" entwickelt (60). Atopie reagins sollten nur beim Menschen vorhanden und nicht auf ein Tier übertragbar sein. Auch diese Behauptung läßt sich nicht halten.
Der Begriff Atopie ist heute überholt und entbehrlich, zumal er unkorrekt gebraucht wird und nicht zu definieren ist. Das Wort Atopie suggeriert fälschücherweise dem allergisch Kranken nur, daß seine Krankheit erblich bedingt sei, was nicht zutrifft.
   
   
   
   
34
   
   
   
      
                  
   
   
   
Die Hyperreagibilität der Bronchien
   
   
   
   
Die Mehrzahl der an Asthma bronchiale Leidenden besitzt labile Bronchien. Sie reagieren überempfindlich, d. h. hyperreagibel auf verengende bzw. bronchialerweiternde Reize oder Substanzen. Durch Lungenfunktionsprüfungen läßt sich belegen, daß die Bronchien von Asthmakranken hyperreagibel sind (106, 107, 142, 148, 264).
- 100 Jungen mit Asthma und 6 Gesunde führten einen Lauf von 6 Minuten Dauer durch. Die Lungenfunktion wurde nach der Belastung gemessen. Anschließend inhalierten die Kinder ein Medikament, das die Bronchien erweitert, und die Lungenfunktion wurde erneut registriert. In Abhängigkeit von der Körpergröße schwankte der Atemstoßwert, d.h. das Atemvolumen, das mit äußerster Kraft in 1 Sekunde ausgeatmet werden kann (264):
- bei Gesunden mit einer Körpergröße von 125 - 151 cm zwischen minimal 130 ml/Sek.und maximal 260 ml/Sek.
- bei Jungen mit Asthma
- bei einer Körpergröße von 115 - 124 cm zwischen minimal 170 ml/Sek. und maximal 1100 ml/Sek.
- bei einer Körpergröße von 125 - 154 cm zwischen minimal 400 ml/Sek. und maximal 1850 ml/Sek.
   
   
   
   
1 SK
Atemstoßwert ml/Sek.
   
   
   
   
2000 -
   
T i
1
   
   
   
- I
   
Betroffene
   
   
s
   
   
   
   
Betroffene
   
   
   
   
1000
   
   
   
   
Betroffene haben überempfindliche Bronchien, erkennbar an der starken Schwankung ihres Atemstoßwertes -1-,-
   
~1
155cm
   
   
115
   
125
   
   
   
   
Die Hyperreagibilität der Bronchien ist aber nicht nur auf den Asthmakranken beschränkt, ein Teil seiner gesunden FamiUenmitglieder besitzt auch überempfindliche Bronchien. Es bleibt also festzuhalten, daß auch gesunde Erwachsene (107) und Kinder (137) hyper-reagible Bronchien haben.
Selbst Menschen, die ihr Asthma überwinden und nicht mehr unter asthmatischen Beschwer­den leiden, können noch Jahre danach hyperreagible Bronchien besitzen (35, 141). Diese Fakten beweisen, daß das labile Bronchialsystem zwar eine häufige Begleiterscheinung beim Asthma ist, jedoch keineswegs eine Ursache der Erkrankung darstellt.
   
   
   
   
35
   
   
   
                  
      
   
   
   
Merke:
Die Bedeutung des Erbguts für die Erkrankung an Asthma ist in der Vergangenheit maßlos überschätzt worden. Es ist nicht zu bestreiten, daß das Risiko, an Asthma zu erkranken, für einen Menschen, in dessen Familie Asthma bereits aufgetreten ist, höher ist als für ein Familienmitglied aus unbelasteter Familie. Daraus kann jedoch nicht abgeleitet werden, daß Asthma vererbt wird. Jeder Mensch kann an Asthma erkranken.
- Hyperreagibilität der Bronchien
- ein positiver Blut-(RAST) oder Hauttest mit Allergenen
finden sich nicht nur bei Asthmakranken, sondern auch bei Gesunden. Auf den Begriff der Atopie sollte man verzichten.
   
   
   
   
36
   
   
   
      
      
   
   
   
Erbfaktoren spielen für die Entstehung des Asthmas keine entscheidende Rolle
   
   
   
   
37
   
   
   
      
      
   
   
   
2. Ist Asthma heilbar?
Es wird allgemein behauptet, Asthma sei nicht heilbar. In dem vorliegenden Buch wird die gegensätzliche Meinung vertreten.
   
   
   
   
   
   
   
   
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Was wird unter Heilung verstanden?
   
   
   
   
Heilung bedeutet "Curatio" - Wiederherstellung des Gesundheitszustandes (220). Ist eine Krankheit abgeklungen, so ist sie laut Definition geheilt, auch wenn sie zu einem späteren Zeitpunkt einmal wieder auftreten sollte. Der Begriff Heilung bedeutet also nicht, daß eine abgeheilte Krankheit nicht wieder auftreten darf. In diesem Sinne wird der Begriff Heilung in der Medizin üblicherweise bei Infektionskrankheiten, ja auch bei bösartigen Erkrankungen, wenn über eine gewisse Spanne von Jahren Symptomfreiheit besteht, verwandt.
Ein anderes Verständnis von Heilung wird bei allergischen Erkrankungen zugrunde gelegt. Bei allergischen Krankheiten wird mit einem anderen Maß gemessen: die Möglichkeit der Heilung wird verneint, auch wenn Spontanheilungen auftreten oder wie z. B. beim Asthma über Jahre Beschwerdefreiheit besteht.
   
   
   
   
39
   
   
   
      
      
   
   
   
Asthma ist heilbar
   
   
   
   
Bisher galt als Lehrmeinung, daß Asthma unheilbar sei. Einschränkend wird noch gesagt: "Vielleicht verliert sich das Asthma in der Pubertät". Das Gesagte ist zwar in sich unlogisch -wenn eine Krankheit unheilbar sein soll, so kann sie auch nicht in der Pubertät heilen - aber man hat sich kritiklos an diese Aussagen gewöhnt.
Der Wissenschaftslogiker Popper schlug vor, eine Behauptung als falsch aus dem System vorläufig bestätigter wissenschaftlicher Aussagen zu streichen, wenn ihr ein Gegenbeispiel widerspricht (189).
Wenn z. B. behauptet wird, alle Schwäne sind weiß - so widerlegt die Existenz eines einzigen schwarzen Schwans die Behauptung.
Überträgt man diese These analog auf das Asthma, so dürfte, falls Asthma eine unheilbare Krankheit sein soll, kein Mensch je im Verlauf seines Lebens sein Asthma verloren haben. Das ist nicht der Fall, wie Untersuchungen von Krankheitsverläufen beweisen: Erkranken Kinder an Asthma, zeigt sich folgender Verlauf (122):
- 1/3 verliert im weiteren Leben das Asthma vollkommen
- 1 /3 hat auch im weiteren Leben zeitweilig asthmatische Beschwerden
- 1/3 leidet so unter Asthma, daß vorzeitige Invaüdisierung eintritt
Die Tatsache, daß Asthma spontan heilen kann und daß sich bei erkrankten Kindern in einem Drittel der Fälle das Asthma im Verlauf des Lebens verliert, weist das Asthma grundsätzlich und unbestreitbar als kein unheilbares Leiden aus.
Die Behauptung - Asthma sei unheilbar - ist somit nicht richtig.
Spontanheilung bedeutet nicht, daß die Heilung sofort, abrupt geschieht oder daß die Ursache
unbekannt ist. Die Bedeutung des Wortes spontan läßt sich von dem lateinischen Wort
"sponte" - aus eigenem Willen - erklären. Spontanheilung hat demzufolge wenig zu tun mit
rascher Heilung oder einem unmittelbaren Wandel ohne Ursache.
Spontanheilung bedeutet vielmehr
"von innen heraus"
"von selbst"
"aus eigenem Antrieb".
Es geht also bei der Spontanheilung um Heilvorgänge, die von innen heraus geschehen aufgrund natürlicher immunologischer und reparativer Fähigkeiten des lebenden Organismus.
   
   
   
   
40
   
   
   
      
      
   
   
   
Merke:
   
   
   
   
Heilung bedeutet Wiederherstellung des Gesundheitszustandes. Die Tatsache, daß es Spontanheilungen gibt oder daß Betroffene jahrelang beschwerdefrei leben, weist das Asthma als eine funktionelle Störung aus, die grundsätzlich heilbar ist. Spontanheilung bedeutet: Heilung aus eigener Kraft.
   
   
   
   
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Asthma ist heilbar
   
   
   
   
42
   
   
   
      
      
   
   
   
3. Was verursacht Asthma?
   
   
   
   
Ist Asthma Folge der Summe von Belastungen oder auf eine wesentliche Ursache zurückzuführen?
   
   
   
   
   
   
   
   
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Asthma als Summe der Belastungen in einem komplexen System?
   
   
   
   
Es ist übliche Lehrmeinung, Asthma als Folge einer Summe von Belastungen anzusehen, die auf einen Menschen einwirken, dessen Widerstandskraft nicht ausreicht, um diesen Belastungen zu begegnen. Dieses komplexe Krankheitsmodell liefert für die Entstehung von Asthma noch keine befriedigende Erklärung:
- zu viele Faktoren aus der sozialen und physikalisch, chemischen Umwelt wirken auf den Menschen ein, als daß ihre krankheitsauslösende und -erhaltende Bedeutung erfaßt und gewertet werden könnte. Hinzu kommt, daß der Mensch selbst ein komplexes Wirkungs-gefüge darstellt mit Einfluß darauf, ob Krankheit entsteht oder nicht (187), s. Abb., nach Mersch-Sundermann, verändert.
Störgrößen
   
   
   
   
Schadgasemission
z. B. S02, N02 usw.
   
Abwässer
z. B. Schwer­metalle
   
Landwirtschaft
z. B. Pestizide, Düngemittel
   
Verklappungen
z. B. Chemikalien, Säuren
   
Abholzung
z. B. mangelnde CO2 Assimilation
   
   
Öko Sphäre
   
   
   
Infektionserreger Allergene Medikamente
   
   
Mensch
   
Sinnesreize, z. B. Lärm, Licht, Kälte u. a.
psychischer Streß, z. B. in Form von Schicksalsschlägen " soziale Faktoren, Belastungen durch Familie, Freunde, Ar­beitsplatz, Gesellschaft, Staat -körperliche Überlastung - Schlafmangel
   
   
   
   
Krankheit, z. B. Asthma
   
   
   
   
Es ist müßig, in einem so komplexen System die Frage nach einer Ursache der Erkrankung zu stellen. Der wissenschaftliche Beweis wäre nicht zu erbringen.
   
   
   
   
44
   
   
   
                     
      
   
   
   
Die Analyse des komplexen Systems
Die Analyse eines komplexen Systems ist äußerst schwierig. Das Prinzip, das in der For­schung angewendet wird, um ein derartiges Problem zu überwinden, hat schon vor 300 Jahren Descartes formuliert. Seine Anweisung lautet (74):
- "wenn ein Problem so komplex ist, daß du es nicht auf einmal lösen kannst, so zerlege es in Unterprobleme, die dann entsprechend klein sind, daß du jedes dieser Unterprobleme lösen kannst."
Dieses Prinzip der Vereinfachung, des Reduktionismus, hat sich in der Medizin außer­ordentlich bewährt und wird auch hier eingesetzt:
Das komplexe Modell wird vereinfacht. Der Organismus grenzt sich gegen seine stoffliche Umwelt durch seinen Körper (Haut und Schleimhäute) ab und steht über Sinnes Wahr­nehmungen (sehen, hören, riechen, schmecken, tasten) mit der Umwelt in Verbindung, wobei Informationen durch die Sinne zugleich Emotionen auslösen bzw. Denkvorgänge hervorrufen. Letztlich wirken sämtliche Reize auf die körperliche bzw. psychische Ebene (Fühlen und Denken) des Menschen ein - und rufen Streß hervor.
   
   
   
   
   
   
   
   
Asthma nimmt vor allem in Industrienationen zu. Hier ist auch ein Anstieg der Umwelt­belastung durch Fremd- bzw. Schadstoffe und der Belastung über Sinneswahrnehmungen bzw. im psychischen Bereich zu verzeichnen - auf die der Organismus uniform, nämlich mit Streß reagiert. Vereinfacht ausgedrückt könnte man auch behaupten, daß in Industrienationen die Streßbelastung des Einzelnen zu hoch ist und noch zunimmt. Asthma müßte demzufolge etwas mit Streß zu tun haben.
   
   
   
   
45
   
   
   
      
      
   
   
   
Hat Asthma etwas mit Streß zu tun?
   
   
   
   
Falls Asthma streßabhängig ist, müßte man in Zusammenhang mit Asthma auch eine Veränderung der Streßhormone (Adrenalin, Noradrenalin, Cortisol) messen können.
- Asthma entwickelt sich leicht nach einem Luftweginfekt, er trat in ca. 70 % bei jungen Erwachsenen auf, wenn ausgeprägter Streß vorausgegangen war (114).
Vanillinmandelsäure
0,3 0,2 0,1
   
   
   
   
2 3 Tat
   
   
   
   
Krankheit
   
   
   
   
Die Streßhormone Adrenaün und Noradrenalin werden zu VaniUinmandelsäure verstoff-wechselt und im Urin ausgeschieden. Der Gehalt an Vanillinmandelsäure im 24-Stunden-Urin ist somit ein Maß für das Streßgeschehen in den 24 Stunden. Dem Auftreten eines Luftweginfekts ging eine Streßphase an einem von drei Tagen voraus, ca. 70 % erkrankten.
   
   
   
   
Vanillinmandelsäure
   
   
   
   
nicht erkrankte Personen
   
   
   
   
0,3 0,2 0,1-1
   
   
   
   
10 1 2 3 Tag
   
   
   
   
Bei Personen, die nicht erkrankten, weist die Ausscheidung der Vanillinmandelsäure im Urin auch Schwankungen auf, sie sind nur nicht so ausgeprägt.
Die Untersuchung läßt prinzipiell vermuten, daß zu hoher Streß am Auftreten eines Luftweginfekts wesentüch beteiligt ist, der häufig einer asthmatischen Bronchitis vorausgeht und sich klinisch zunächst als Schnupfen äußert und dann in die asthmatische Bronchitis übergeht.
- Ein Teil der Asthmakranken entwickelt nach körperlicher Belastung Asthma. Diejenigen, die ein sogenanntes Anstrengungsasthma aufweisen, geben vermehrt das Streßhormon Noradrenalin in das Blut und Gewebe ab als diejenigen, die kein Asthma entwickeln (212, 213). Offensichtlich reagiert der von Asthma Betroffene auf die Belastung mit wesentlich mehr Streß als derjenige, der durch dieselbe Belastung kein Asthma entwickelt.
   
   
   
   
46
   
   
   
      
                                       
   
   
   
Noradrenalin pg/ml
   
Rt
cmH20/I/Sek
   
   
   
   
1000
   
mit Anstrengungsasthma
   
20-
   
mit Anstrengungsasthma
   
   
500 -
   
15-
   
   
   
   
Ruhe
   
nach Belastung
   
Ruhe
   
nach Belastung
   
   
   
   
Patienten mit Anstrengungsasthma produzieren durch die körperliche Tätigkeit mehr Noradrenalin als Betroffene, die kein Anstrengungs­asthma aufweisen
   
Die Patienten mit Anstrengungsasthma zeigen nach der Belastung einen stärkeren Anstieg des bronchialen Strömungswiderstandes (Rt), der sich infolge des eintretenden Asthmas erhöht, als Patienten ohne Anstrengungsasthma
   
   
   
   
Asthma kann auch nachts im Schlaf einsetzen.
   
   
   
   
Adrenalin
   
Cortisol
   
PEF
   
   
   
   
umol/1 0,8 n
0,6
0,4
0,2
   
Betroffene
Gesunde
   
(imol/l 400-1
   
   
% +40-
+20-
o-
-20_ -40-
   
   
   
300-200-100-
   
   
I I I I I I I
   
I I I I I I 1
   
I ! I I I I I
   
   
   
   
12 16 20 0 4 8 Uhr
   
8 Uhr
   
4 8 Uhr
   
   
   
   
Die Streßhormone Adrenalin und Cortisol hegen nachts, wie beim Gesunden auch, relativ niedrig im Blut und Gewebe vor (19). Asthma bekommt aber nur der Betroffene, erkennbar am starken Absinken seines Peak-Flow-Meterwertes nachts. Offensichtlich reagiert der Betroffene wesentlich empfindlicher als der Gesunde auf das Absinken der Streßhormone.
Die letzten zwei Untersuchungen weisen darauf hin, daß der von Asthma bronchiale Betroffene inadäquat auf Streß reagiert.
   
   
   
   
47
   
   
   
                                       
      
   
   
   
Beachte: Streß muß an der Entstehung von Asthma beteiligt sein. Es ergeben sich zwei Fragen:
1. Ist es die zu hohe Belastung mit Fremdstoffen aus der Umwelt und/oder das zu ausgeprägte Streßgeschehen im psychischen Bereich durch Denken und Fühlen, das Asthma verursacht?
2. Wie kommt es, daß der Betroffene inadäquat auf Streß reagiert?
   
   
   
   
48
   
   
   
      
      
   
   
   
Zur Frage 1
Verursacht die zu hohe Belastung mit Fremdstoffen aus der Umwelt und/oder das ausgeprägte Streßgeschehen im psychischen Bereich (Denken und Fühlen) Asthma?
   
   
   
   
49
   
   
   
      
      
   
   
   
Verursacht die derzeitige Umweltbelastung mit Fremdstoffen Asthma?
   
   
   
   
Viren, Bakterien, Pilze
- Wiederholte Entzündungen durch die Krankheitserreger können das Bronchialsystem so schädigen, daß es überempfindlich auf unspezifische Reize mit Husten, Atembeschwerden reagiert (242). Die Bronchien regenerieren sich jedoch erfahrungsgemäß sehr schnell, die Hyperreagibilität küngt ab, und ein Asthma entsteht in der Regel nicht. Selbst wenn die Bronchien hyperreagibel geworden sind, ist Asthma nicht notwendigerweise die Folge.
Allergene
- Daß Allergene in den üblicherweise vorkommenden Konzentrationen, die eingeatmet werden, die Ursache eines Asthmaleidens darstellen, ist wissenschaftlich nicht zu belegen. Unbestritten ist jedoch, daß die Inhalation von Allergenen - hegt eine Asthmaerkrankung erst einmal vor - einen Asthmaanfall auslösen kann. Bei einem NahrungsmittelaUergen, das in hoher Konzentration im Magen-Darmtrakt vorliegt, wird es schwer zu erklären, warum das Allergen an den Bronchien und nicht an der Darmschleimhaut seine allergische Wirkung entfaltet.
Schadstoffe
- Im Tierexperiment läßt sich durch Einatmen von Reizgasen, wie z. B. Schwefeldioxid, das Bronchialsystem so irritieren, daß es hyperreagibel wird. Auch beim Menschen wird vermutet, daß Luftschadstoffe wie Schwefeldioxid, Stickoxide, Ozon, die Bronchien der­maßen angreifen, daß sie hernach überempfindlich reagieren. Die bisher vorliegenden künischen und tierexperimentellen Studien liefern jedoch keinen Beweis dafür, daß Luftschadstoffe in den real vorkommenden Konzentrationen einen Atemwegsgesunden zum Asthmatiker werden lassen (185).
Zusammenfassend bleibt festzuhalten, daß durch die Umweltbelastung in Form von Fremd­stoffen (Krankheitserregern, Allergenen, Schadstoffen) in der derzeitigen Konzentration und bei dem derzeitigen Vorkommen wohl kaum ein Atemwegsgesunder zum Asthmakranken wird.
Anmerkung: Auch extreme körperliche Belastung vermag kein Asthma ursächlich zu provozieren, wie Leistungssportler beweisen. Sie leiden nicht häufiger unter Asthma als Nichtsporttreibende.
   
   
   
   
50
   
   
   
      
      
   
   
   
Kann Asthma auch durch zu hohe Belastung über die psychische Ebene auftreten?
Ehe diese Frage beantwortet werden kann, muß zuvor dargelegt werden, wie eine Information vom Gehirn aufgenommen und gespeichert wird.
Jede Information, die das Gehirn über seine Sinnesorgane empfangt bzw. selbst hervorruft, enthält eine Gefühls- bzw. Sachinformation. Fühlen und Denken existieren demzufolge kaum isoliert voneinander. Immer ist zugleich bei einer Gefuhlswahrnehmung (Gefühlsinformation) mehr oder weniger auch ein Denkvorgang (Sachinformation) vorhanden und umgekehrt (58):
- Eine Person wird bei einem Autounfall verletzt. Die Hupe verklemmt sich und ertönt unablässig. Jedesmal, wenn die Person später anhaltendes Hupen hört, wird sie sich wieder an den Autounfall erinnern und
- Angst verspüren - Gefühlsinformation
- die nasse Straße sehen, den Aufprall, den Knall, die nachfolgende Stille und die sich nähernden Stimmen von Menschen wahrnehmen (und zudem wird sie auch wissen, daß sie auch Angst empfunden hat) - Sachinformation
Der Mensch besitzt zwei Gedächtnisformen (167):
- ein Gedächtnis, in dem Gefühle gespeichert werden
- ein Gedächtnis, das Sachverhalte festhält.
   
   
   
   
                  
   
Großhirn
   
   
   
   
   
Gedächtnis für Sachinformationen
   
   
   
- Hippokampus (Ammonshorn)
   
   
   
   
Zwischenhirn
   
   
   
   
Gedächtnis für Gefühle
   
   
   
   
- Amygdala (Mandelkern)
   
   
   
   
   
Stammhirn
   
                  
   
   
   
   
Das emotionale Gedächtnis hegt im Zwischenhirn, in der Nähe des Hypothalamus, im sogenannten Mandelkern. Es speichert, wie sich die Person bei einem Ereignis gefühlt hat.
Das Gedächtnis für Sachinformation befindet sich im Großhirn, im Ammonshorn. Es registriert Fakten, Tatsachen aus einem Ereignis. Es hält auch fest, wenn eine Gefühlsempfindung beteiligt war, aber nur als reines Faktum.
Beide Gedächtnisformen arbeiten parallel. Was dem Menschen aus einem Gedächtnis oder aus beiden Gedächtnissen wieder bewußt wird, verschmilzt zu einer Erinnerung.
Gefühl und Krankheit werden in der Sprache, die aus den Uranfängen der Menschheit stammt und der nachgesagt wird, daß sie die Grundgeheimnisse enthält, stets miteinander verbunden. So heißen in der medizinischen Fachsprache Affekt - Gefühlswallung Affektion - Krankheit.
Asthma, seine Entstehung, müßte demzufolge mit einer Gefühlswallung, mit ausgeprägtem Gefühlsstreß, zu tun haben.
   
   
   
   
51
   
   
   
      
            
   
   
   
Gefühle, Emotionen
Obwohl sich das emotionelle Erleben mit naturwissenschaftlichen Methoden nicht restlos erfassen läßt, ist es doch möglich, seine funktioneUen Störungen und organischen Läsionen zu erforschen und zu zeigen (297):
Daß das Gefühl ein vom Gehirn abhängiges Phänomen ist, ist heute selbstverständlich. Ein Geschichtsrückblick zeigt jedoch, daß noch im 18. und 19. Jahrhundert die Ansicht bestand, daß Emotionen ihren Sitz in inneren Organen wie Herz, Lunge, Magen, Leber und Gallenblase haben. So merkwürdig diese Ansichten heute erscheinen, sie beinhalten dennoch einen wahren Kern, denn Emotionen wirken sich auf innere Organe und die Haut aus (und umgekehrt). Daß Gefühle im Gehirn entstehen, wurde bereits von Descartes (74) vertreten: "der Sitz der Leidenschaften bzw. Gefühle ist nicht das Herz...es gibt eine kleine Drüse (die Epiphyse) im Gehirn, in welcher die Seele ihre Funktionen viel spezieller als in anderen Regionen aus­übt...diese Drüse wird als Hauptsitz der Seele betrachtet". Die Seele erhält demzufolge durch die Drüse Informationen von dem Körper und erteilt ihm Befehle. Das Gehirn gliedert sich nach seiner Entwicklung in drei Hirnteile:
- das Großhirn, es ist der jüngste Hirnanteil und Sitz vorwiegend des Denkens
- das Zwischenhirn, es hat ein mittleres Alter und ist Sitz der Gefühle
- das Stammhirn, es ist der älteste Teil des Gehirns und Sitz lebensnotwendiger Kernfunktionen von Atmung, Herztätigkeit u. a.
   
   
   
   
Großhirn: bewußte Ebene
Sitz u. a. von Denken
   
   
   
   
Zwischenhirn: unbewußte Ebene Sitz u. a. von Gefühlen
   
   
   
   
Stammhirn
Sitz lebensnotwendiger Kernfunktionen
   
   
   
   
Genaue Kenntnisse über die Region des Gehirns, in der Gefühle entstehen, wurden in Tierversuchen gewonnen (16, 17, 18).
- Hunden und Katzen wurde das Großhirn entfernt. Dennoch reagierten die Tiere mit Emotionen wie Angst oder Wut und vegetativen Äußerungen
   
   
   
   
~7\
Großhirn
   
   
   
   
Reiz
   
Zwischenhirn
   
-> Gefühle
vegetative Reaktionen -> immunologische Reaktionen -> hormonale Reaktionen
   
   
   
   
Stammhirn
   
   
   
   
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- Hunden und Katzen wurden neben dem Großhirn auch ein Teil des Zwischenhirns, der Thalamus, entnommen. Die Tiere reagierten ebenfalls noch emotional und vegetativ.
   
   
   
   
Großhirn
   
   
   
   
Zwischenhirn mit
   
   
   
   
Thalamus
   
   
   
   
Reiz
   
Hypothalamus Amygdala (Mandelkern) Hypophyse (Hirnanhangdrüse)
   
-> Gefühle
vegetative Reaktionen immunologische Reaktionen hormonale Reaktionen
   
   
   
   
Stammhirn
   
   
   
   
- nach Entfernen des Großhirns sowie der Zwischenhirnanteile Thalamus und Hypothalamus blieben die emotionalen und vegetativen Reaktionen aus.
Heutige Forschungen belegen, daß über das Zwischenhirn, zu dem
- der Thalamus
- der Hypothalamus
- die Amygdala (der Mandelkern)
- die Hypophyse (die Hirnanhangdrüse) gehören, bei jeder Erregung (Gefühl)
- vegetative
- immunologische
- hormonale
Veränderungen (= Streßreaktion) ausgelöst werden.
   
   
   
   
                  
   
Großhirn
   
   
   
   
   
Zwischenhirn mit
   
   
   
   
   
   
-> Gefühl
   
   
   
- Thalamus
   
   
   
   
- Hypothalamus
   
   
   
   
- Amygdala
   
-^ vegetative Reaktion
   
   
   
- Hypophyse
   
y immimnlnokrh<> Reaktion
   
   
   
   
   
-^ hormonale Reaktion
   
   
   
Stammhirn
   
   
                  
   
   
   
   
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Von der Emotion zur funktionellen Störung und Läsion
Daß Gefühle eine funktionelle Störung und sogar eine Organschädigung hervorrufen, ist experimentell belegt:
- durch Reizung des Zwischenhirns, dem Ort der Emotion, kann ein organischer Schaden in Form eines Geschwüres erzeugt werden (50, 51, 52)
- emotionale Reize lösen eine Streßreaktion aus, in deren Gefolge es zu vegetativen, immunologischen und hormonellen Veränderungen kommt mit organischen Läsionen, wie z. B. Magen-Darmgeschwüren (246, 247). Die funktionalen Veränderungen und Organschäden bleiben aus, wenn die Hirnanhangdrüse oder Teile des Zwischenhirns zerstört werden (Experiment von Hume), (71).
Der Organismus versucht, sich an einen Reiz zu adaptieren. Sind die Anpassungsreaktionen auf
   
   
   
   
den Reiz
   
   
   
   
- entsprechend, so befindet sich der Organismus im Gleichgewicht, d. h. er bleibt gesund
- nicht entsprechend, so treten Krankheitssymptome auf. Reagiert der Organismus z. B. auf den Reiz mit zu ausgeprägtem Streß, so werden funktionelle Störungen oder Organschäden gesetzt.
   
   
   
   
Beachte:
   
   
   
   
Der Organismus schädigt sich durch den Exzeß seiner eigenen Abwehrmechanismen, d. h. durch eine zu starke Streßreaktion selbst! Durch tierexperimentelle Untersuchungen ist unumstößlich bewiesen, daß emotionale Reize ebenso wie infektiöse, toxische Reize zu reproduzierbaren funktionellen Störungen oder Organläsionen führen.
Auch der Mensch kann durch Emotion seine Organe schädigen:
- bei einem Patienten, der eine Magenfistel aufwies, traten in Perioden von sehr starkem emotionellen Streß Geschwüre in Erscheinung (306, 307).
Werden die eindrucksvollen klinisch-experimentellen Untersuchungen auf das Asthma übertragen, so ist es gerechtfertigt, zu behaupten
- daß ein Gefühl auch in der Lage ist, funktionelle Störungen und/oder organische Schäden am Bronchialsystem hervorzurufen, so daß ein Asthma entsteht
- daß das Zwischenhirn beteiligt sein muß, da über das Zwischenhirn vegetative, immunolo­gische und hormonale Reaktionen ausgelöst und gesteuert werden, die dann das Asthma erst in Erscheinung treten lassen.
   
   
   
   
Großhirn
   
   
   
   
Reiz, der ein Gefühl hervor- -> ruft
   
Zwischenhirn mit
- Thalamus
- Hypothalamus
- Amygdala (Mandelkern)
- Hypophyse (Hirnanhangdrüse)
   
   
   
—> immunologische Reaktionen —> hormonale Reaktionen
   
   
   
   
Stammhirn
   
   
   
   
54
   
   
   
            
                  
   
   
   
Die Rolle des Gefühls an der Asthmaentstehung
Gefühle werden im Zwischenhirn wahrgenommen, zu dem der Hypothalamus gehört. Somit hat ein traumatisch erlebtes Gefühl unmittelbaren Zutritt zum Hypothalamus und seinem Gedächtnis für Gefühlsinformationen (Mandelkern).
Ist ein Gefühl verletzt worden und dauerhaft im Gedächtnis für Gefühlsinformationen gespeichert, so vermag dieses Gefühl, wenn es erneut aktiviert, erinnert wird, die Funktion des Hypothalamus zu verändern, immer wieder, über Monate oder Jahre.
Das Zwischenhirn ist nicht nur Zentrale und Speicher für Gefühle, es ist darüber hinaus die übergeordnete Koordinationszentrale der Abwehr und steuert die Empfmdhchkeit der Organe durch das vegetative Nervensystem:
- Abwehr und Funktion der Organe regulieren sich nur zu einem geringen Anteil selbstän­dig, autonom; der Hauptanteil wird über das Gehirn, den Hypothalamus, gesteuert
- Beachte:
In der Evolution hat sich bei hochentwickelten Lebewesen zusätzlich zur autonomen Funktion eine übergeordnete Koordinations- und Steuerungszentrale der Abwehr und vegetativ versorgten Organe entwickelt, die im Zwischenhirn, genauer bezeichnet im Hypothalamus, Hegt. Alle autonom ablaufenden Abwehrvorgänge und Organfunktionen werden übergeordnet durch den Hypothalamus unterstützt oder begrenzt.
Machen wir uns deutlich, daß ein schweres Gefühlstrauma, das der Mensch nicht überwindet und nicht vergißt (Speicherung im Mandelkern) zu einer dauerhaften Fehlregulation des Hypothalamus führt. Diese Fehlregulation kann
- zum einen eine inkompetente Abwehr zur Folge haben und/oder
- zum anderen die Empfmdhchkeit der vegetativ versorgten Organe, so der Bronchien, verändern.
   
   
   
   
Großhirn
   
   
   
   
Zwischenhirn mit
   
   
   
   
Reiz-»
   
traumatisch
erlebtes
Gefühl
   
Thalamus Hypothalamus Amygdala (Mandelkern)
Hypophyse (Hirnanhangdrüse)
   
vegetative Funktion z. B. hyperreagible Bronchien
-» immunologische
   
   
Reaktionen
hormonale
   
inkompetente Abwehr
   
   
Reaktionen
   
   
   
   
Stammhirn
   
   
   
   
Wenn wir uns vergegenwärtigen, daß
- eine asthmatische Bronchitis nur dann auftreten kann, wenn die Abwehr inkompetent reagiert (siehe Kapitel II: Asthma durch Entzündung, asthmatische Bronchitis)
- ein Asthma bronchiale nur dann entstehen kann, wenn die Bronchien hyperreagibel sind (siehe Kapitel III: Asthma auf der Basis empfindlicher Bronchien: das Asthma bronchiale)
so wird die Bedeutung eines traumatisch erlebten Gefühls an der Entstehung des Asthmas überdeutlich.
   
   
   
   
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Der Anteil der Sachinformation bei der Ausbildung von Asthma
Das Bronchialsystem kann unspezifisch hyperreagibel im Sinne einer Variation der Norm werden, ein Asthma entsteht dadurch noch nicht.
Es muß eine weitere Komponente hinzukommen, durch die festgelegt ist, daß Asthma manifest wird. Sie ist wahrscheinlich in der Sachinformation zu suchen.
Die Sachinformation, gespeichert im faktischen Gedächtnis, lokalisiert im Großhirn, legt fest, daß das Bronchialsystem erkrankt:
Es ist eine interessante und keineswegs geklärte Frage in der Medizin, an welchem Organ sich Krankheit manifestiert.
Hierzu existiert folgende Hypothese (119) (die hier leicht variiert wurde): Der menschliche Organismus entwickelt sich aus drei Keimblättern,
- dem äußeren Keimblatt
- dem mittleren Keimblatt
- dem inneren Keimblatt.
Aus den drei Keimblättern entstehen sowohl das Gehirn als auch die Körperorgane. Ent­sprechend ihrer Keimblattzugehörigkeit stehen Gehirnteile in Korrespondenz mit Körper­organen derselben Keimblattzugehörigkeit, mit denen ursprünglich einmal ein enger räumlicher Verbund bestand.
Bronchialsystem, d. h. Bronchialmuskulatur und -Schleimhaut, haben sich ebenso wie eine bestimmte Region des Großhirns aus dem äußeren Keimblatt entwickelt - und sich erst im Laufe der Individualentwicklung räumlich voneinander entfernt. Dennoch stehen sie nach wie vor in engem funktionellen Zusammenhang. Wird die Hirnregion, die mit dem Bronchial­system korrespondiert, durch eine traumatisch erlittene Sachinformation alteriert und wird das Ereignis dauerhaft im Ammonshorn abgespeichert, so führt das zwangsläufig zu einer Fehlüberwachung der Bronchien, und erst dann kann Asthma entstehen.
   
   
   
   
                     
   
Großhirn traumatisch erlebte Sachinformation - Hippokampus
(Ammonshorn)
   
—^ Fehlüberwachung der Bronchien
   
   
   
Zwischenhirn
   
   
   
   
   
   
Stammhirn
   
   
                     
   
   
   
   
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Gefühls- und Sachinformation sind an der Asthmaentstehung beteiligt
Bei der Suche nach der Ursache von Asthma ergibt sich das Resümee, daß offensichtlich
- eine Gefühlsinformation
- eine Sachinformation
für die Asthmaentstehung maßgeblich sind.
Erst wenn das Bronchialsystem durch eine traumatisch erlebte Sachinformation vom Großhirn her fehlüberwacht wird, kann die traumatisch empfundene Gefühlsinformation über das Zwischenhirn (Hypothalamus)
- die Funktion der Bronchialmuskulatur (Bronchialschleimhaut)
- die Abwehr und ihre Auswirkungen speziell auf die Bronchien so beeinflussen, daß ein Asthma entsteht.
   
   
   
   
Großhirn
   
traumatisch erlebte Sachinformation
   
-> Fehlüberwachung der Bronchien
   
   
   
   
Asthma
   
   
   
   
Zwischenhirn traumatisch erlebte Gefühlsinformation
   
"** hyperreagible Bronchien
   
   
   
   
-> veränderte Abwehr
   
   
   
   
Stammhirn
   
   
   
   
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Revierangst verursacht Asthma
   
   
   
   
Bestimmte Gefühle rufen, wenn ihre Intensität der Empfindung einen bestimmten Pegel übersteigt, bei allen Menschen, ohne Ausnahme, die gleiche Organreaktion hervor. So beeinflußt Schreck die Muskulatur, denn der Betreffende "wird starr vor Schrecken". Der Körper ist Träger, Indikator, Ausdruck eines bewußten Gefühls. Ebenso ist es vorstellbar, daß der Körper Indikator unbewußter Konflikte bzw. traumatisierter Gefühle ist. Diese Meinung wird z. B. von den Gestalttherapeuten vertreten. Zu fahnden war demzufolge nach einem unbewußten Konflikt, in dessen Ablauf ein bestimmtes Gefühl Bronchialveränderungen hervorruft.
Die minutiöse Analyse der Lebensgeschichten von Asthmakranken hat ergeben, daß Asthma
- erstmals auftrat, als etwas elementar gegen den Willen des Betreffenden geschah und
- künftighin immer dann ausgelöst wird, wenn etwas passiert, daß die Person sich anders vorgestellt hat, wenn der Betroffene sich bedrängt fühlt.
   
   
   
   
Beachte:
   
   
   
   
Asthma entsteht, wenn etwas elementar gegen den Willen des Betreffenden geschieht! Daß etwas, das gegen den eigenen Willen geht, Asthma verursacht, ist nur zu verstehen aus der Sicht der Evolution. Es handelt sich um ein Urgefühl des Menschen, sein Revier ist bedroht, Angst um das Revier kommt auf und ruft extremen Streß hervor. Aus Sicht der Evolution entsteht Asthma durch Revierangst (119).
Der Begriff - Revierangst - läßt sich, wie bereits erwähnt, in seiner Bedeutung nur aus der Vergangenheit der Menschheit erklären:
- jemand droht, in das Revier, das der Revierbesitzer allein für sich reklamiert, einzudringen und/oder
- jemand droht, das Revier gegen die Einwilhgung des Revierinhabers zu verlassen. Die Revierangst setzt sich aus zwei Komponenten zusammen:
- der Gefühlsinformation Revierangst - sie verändert Immunfunktionen und Reagibilität der
   
   
   
   
Bronchien
   
   
   
   
- der Sachinformation Revierangst - sie führt zu einer Fehlüberwachung der Bronchien, so daß Asthma erst entstehen kann
- Angst wird empfunden, wenn sich ein Mensch bedroht fühlt. Der Mensch kann der Bedrohung entweder durch Angriff oder Flucht begegnen oder aber er glaubt, der Bedrohung nicht entrinnen zu können und ihr ohnmächtig ausgeliefert zu sein.
- Unter Revier wird ein begrenztes Gebiet verstanden, das der Revierinhaber als sein eigenes Territorium betrachtet und daher entsprechend markiert und verteidigt. Die Anwesenheit des Revierbesitzers schließt die Gegenwart von Konkurrenten aus.
Das Revier hat in der Evolution eine bedeutsame Rolle gespielt und spielt sie auch noch heute. Demzufolge sind im Menschen die Urerfahrungen über das Revier noch vorhanden. Deshalb reagiert ein Mensch, der ängstlich auf sein Revier achtet, im Falle einer drohenden Revierverletzung so heftig, daß Asthma nachfolgt.
   
   
   
   
Ursache
   
3» Folge
   
   
   
   
traumatisch erlebte -
Gefühls- und Sachinformation
   
■3* Krankheit
   
   
   
   
Revier angst
   
■> Asthma
   
   
   
   
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Die Erinnerung an ein traumatisches Erlebnis verschlägt einem die Sprache
Wenn der Betroffene etwas hört, sieht oder erlebt, das gegen seinen Willen geht, ist er oft sprachlos. Diese Sprachlosigkeit, sich mit Worten in dem Augenblick nicht wehren zu können, ärgert den Asthmakranken sehr. Erst einige Zeit später, die Situation ist längst vorüber, fällt dem Betroffenen eine gute Lösung ein, weiß er, was er hätte sagen können. Durch wissenschaftliche Untersuchungen ist belegt, daß Menschen, die sich an traumatisierende Erlebnisse erinnern, von der ursprünglichen vegetativen Erregung übermannt werden. Dabei steigt, was durch die Positronen-Emissions-Tomographie des Gehirns belegt wurde, der Energieumsatz in jenen Hirnregionen, in denen die Sinneseindrücke verarbeitet wurden (94). - Untersucht wurden Bankangestellte, die einen Videomitschnitt eines selbst erlebten Banküberfalls sahen. Das Wiederholen des Schreckens ging mit einer gesteigerten elektrischen Aktivität der Sehrinde einher, vermutlich, weil die Personen ihre ganze Aufmerksamkeit auf ihre Seheindrücke richteten. Erhöht wurde auch die Aktivität im vorderen linken Stirnlappen, in dem Gefühle durch wiederholtes Erleben bewältigt werden (s. I. Kapitel, der Betroffene, Anpassung durch wiederholtes Erleben von Revierangst). Man fand aber auch Nervenstrukturen, deren Erregungsaktivität durch das Wiedererleben des schrecklichen Ereignisses vermindert wurde, so z. B. im Sprachzentrum (Broca-Zentrum), das im linken Stirnhirn liegt und für die Artikulation von Äußerungen zuständig ist. Dieser Befund erklärt die Aussage der Überfallenen, daß sie während des Geschehens "vor Entsetzen sprachlos" gewesen waren. Das Nervensystem schränkt generell in starken Streßsituationen die Aktivitäten von Hirnteilen ein, die allgemein für diesen Augenblick nicht benötigt werden - es betrifft das Sprachzentrum, was Sprachlosigkeit zur Folge hat.
Besonders beanspruchte Hirnareale werden dagegen in ihrer Funktion gesteigert, so z. B. die Regionen, die mit der Gefühlsverarbeitung beschäftigt sind, um ihnen mehr Verarbeitungs­kapazität zu gewähren.
Die Sprachlosigkeit des Asthmakranken in Situationen, in denen etwas gegen seinen Willen geht, kann somit als ein Indiz für ein traumatisierendes Erlebnis gewertet werden, d. h. beim Asthma für traumatisch empfundene Revierangst.
   
   
   
   
59
   
   
   
      
         
   
   
   
Warum wird Revierangst unterschiedlich erlebt und empfunden?
   
   
   
   
Es sind zwei Möglichkeiten denkbar, wie Revierangst entsteht:
- durch einen schockartigen, dramatischen Schicksalsschlag, z. B. den akuten Verlust eines geliebten Menschen, mit dessen Verlust man nie gerechnet hat. Der Mensch, der einem nahesteht, entfernt sich aus dem Revier.
- durch eine normale Lebenssituation, z. B. die Geburt eines Geschwisterkindes. Die geliebte Mutter verläßt das häusliche Revier des Kleinkindes, um in der Klinik zu entbinden, und es droht dem Kleinkind durch das Neugeborene Konkurrenz, es dringt in sein Revier ein.
Es ist einsichtig, daß ein Schicksalsschlag einen Menschen so traumatisiert, daß Krankheit nachfolgt;
kaum begreifbar ist jedoch, daß der Mensch in relativ alltäglichen Situationen erkranken kann. Warum hat der Betroffene eine derartige Situation als Bedrohung empfunden, sich hilflos gefühlt und ist krank geworden, ein anderer hingegen hat dieselbe Situation unbeschadet überstanden?
Die Situationen, die einen Menschen Revierangst empfinden lassen und einen anderen nicht, lassen sich anhand eines Beispiels, dem Betrachten eines Bildes, vereinfacht darstellen:
- betrachtet ein Mensch ein Bild, so wird das Bild zunächst auf der Sehrinde des Gehirns abgebildet, so wie ein Bild auf dem Film einer Kamera.
- in einem zweiten Schritt erfährt diese objektive Information eine individuelle Verarbeitung durch den Betrachter: seine Vorerfahrungen beim Anschauen anderer Bilder, seine augenblickliche Stimmung, seine allgemeine körperliche Verfassung, zusätzliche Lebens­belastungen u. a., machen das Bild, das der Betrachter letztendlich "sieht", zu "seinem" Bild.
Nur so ist zu erklären, daß Menschen in so unterschiedlicher Weise von Bildern angesprochen werden.
   
   
   
   
Stimmungslag
   
Vorerfahrung mit anderen Bildern Sehrinde, vorläufiges Bild endgültiges Bild zusätzliche Lebensbelastungen
   
   
allgemeine körperliche Verfassung
   
   
   
   
Wird dieses Beispiel auf die Revierangst übertragen, so
- hat jeder Mensch in einer bestimmten Lebenssituation wahrscheinlich zunächst dieselbe Wahrnehmung und Empfindung.
- wird dieses Erleben in Intensität und Qualität verändert, moduliert. Es erhält eine individuelle Wertigkeit durch Erfahrungen in ähnlichen Situationen, durch die augenblickliche Stimmungslage, die allgemeine körperliche Verfassung, zusätzliche Lebensbelastungen u. a. Die Revierangst, die der Betroffene dann empfindet, ist "seine Revierangst".
Wenn Asthma fortwährend besteht, muß die Revierangst im Langzeitgedächtnis haften geblieben sein und immer wieder reaktiviert werden. Es hängt nicht so sehr von der Schwere des traumatischen Ereignis selbst ab, wie lange die Revierangst im Gedächtnis gespeichert ist, um bei Erinnerung Asthma hervorzurufen. Wichtiger scheint zu sein, in welcher Weise die Person das belastende Ereignis erlebt, verarbeitet und im Gedächtnis verankert:
   
   
   
   
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« Last Edit: March 18, 2019, 04:50:12 PM by Yulli »
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Yulli

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Re: STEMMANN, 1999
« Reply #2 on: March 18, 2019, 04:53:23 PM »

   
- Die Revierangst haftet im Gedächtnis, wenn der Betroffene sich bei dem Ereignis, bei dem er Revierangst traumatisch empfindet, bedroht fühlt und als hilf- und willenlos in einem unbeeinflußbaren Geschehen erlebt und sich mehr als Objekt denn als menschliches Wesen wahrnimmt und seine Autonomie einbüßt.
In dem Prozeß ist es entscheidend, was der Betroffene von den "Dingen" hält (individuelle
Empfindung), nicht was die "Dinge" objektiv darstellen.
Halten die Erinnerungen an die Revierangst an oder wird Revierangst in Situationen, die der Extrembelastung ähneln, wiedererlebt, so entsteht und unterhält sich das Asthma. Ein Asthma kann nicht entstehen, wohl aber eine spastische (obstruktive) Bronchitis, die problemlos heilt, wenn die Revierangst ausgelebt, verarbeitet und überwunden wird, in dem Gefühl, aktiv gehandelt zu haben.
Wird die Lebensgeschichte eines Menschen, der unter Revierangst leidet, genau analysiert, so hat er zu dem Zeitpunkt, an dem er an Asthma erkrankt, nicht das erste Mal Revierangst erlebt. Vielmehr hat er zuvor Situationen durchgemacht, in denen er Revierangst empfunden hat, allerdings ohne zu erkranken.
Analysiert man die Lebenssituation, in der der Betroffene an Asthma erkrankte, so hat er Revierangst unerwartet, völlig überraschend, aus heiterem Himmel empfunden bzw. Revierangst war über Tage, Wochen, sogar Monate ständig vorhanden.
Vorerfahrungen mit Revierangst, Revierangst, Revierangst ohne krank zu werden die Asthma ver- löst jedesmal
   
   
   
   
ursacht, akut oder lang­zeitig einwirkend
   
Asthma aus
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
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Den Betroffenen und seine Angehörigen trifft keine Schuld an der Erkrankung
   
   
   
   
Im Eingangskapitel wurde bereits deutlich gemacht, daß es ein "Schuldigsein" an der Erkrankung Asthma nicht gibt. Die Suche nach der Verursachung des Asthmas hat ergeben, daß ein traumatisierendes Ereignis entscheidend für die Entstehung des Asthmas ist. Muß auf der Basis dieser Erkenntnis die Frage nach dem Schuldigsein nicht neu gestellt werden? Ist der Erkrankte nicht verantwortlich für seine Gefühle? Tragen die Angehörigen nicht die Verantwortung für die Gefühle und Gedanken ihres Kindes? Beide Fragen sind zu verneinen:
- Es unterliegt nicht dem Willen und Einfluß des Asthmakranken, wenn er von einem Gefühl und Gedanken verletzt wird und diese Verletzung so schwer ist, daß er sie nicht überwinden kann.
- Sicher können und müssen Eltern die Gefühlswelt und Gedanken ihres Kindes mitprägen. Sie besitzen jedoch keinen Einfluß darauf und können nicht verhindern, daß ihr Kind von einem Gefühl und Gedanken getroffen wird, die von ihm als Verletzung empfunden werden.
Auch aus naturwissenschaftlicher Sicht gibt es prinzipiell unvorhersehbare Ursachen. Es existiert kaum ein Mensch, in dessen Leben nicht ein unvorhersehbares Geschehen zu einer entscheidenden Lebenswende geführt hat. Man kann zwar einwenden, das Zufällige habe nur etwas in dem Menschen Angelegtes zum Leben erweckt. Dieses Argument konnte bisher eine Stütze in der Theorie der Naturwissenschaft finden. Seit aber bekannt ist, daß es auch aus der Sicht der Naturwissenschaften Geschehen gibt, die nicht voraussehbar sind (s. z. B. die Chaostheorie), läßt sich die oben genannte Vorstellung nicht mehr begründen, sie ist willkürlich (123).
Es ist für den einzelnen Menschen prinzipiell durch
- wissenschaftliche Vorausschau nicht zuverlässig vorauszusagen, ob bestimmte vergangene oder gegenwärtige Einflüsse ein definiertes Persönlichkeitsschicksal in der Zukunft herbeiführen werden. Gewiß ist durch wissenschaftliche Rückschau abzuleiten, daß eine Persönlichkeitseigenschaft von einer bestimmten zurückliegenden Lebenssituation herrühren kann. Damit ist jedoch nicht geklärt, warum der eine durch die Situation so stark beeinflußt wird, der andere hingegen nicht.
Es bleibt nur festzuhalten, daß es für den Einzelfall unvorhersehbare Ereignisse gibt, so zum Beispiel, wenn in einer Familie mit mehreren Kindern, die alle unter annähernd gleichen Be­dingungen aufwachsen, ein Kind Revierangst entwickelt und an Asthma erkrankt. Wenn Eltern nach bestem Wissen und Gewissen ihre Kinder betreut und erzogen haben, und wenn dennoch ein Kind an Asthma erkrankt, so ist es nicht gerechtfertigt, daß die Eltern bei sich selbst oder anderen Personen Schuld voraussetzen und danach suchen.
   
   
   
   
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Ein verletztes Gefühl bestimmt Verhaltensweisen
Die Ausführungen der vorausgehenden Seiten haben deutlich gemacht, daß Revierangst individuell erlebt und verarbeitet wird.
Es bleibt dennoch schwer zu verstehen, daß Asthma durch die Erinnerung an diese spezifische Angst jedesmal wieder ausgelöst wird.
Zur Erklärung des Phänomens, daß emotionale Informationen zu unverhältnismäßigen, unangepaßten Reaktionen führen, mag ein Beispiel dienen: - Spinnenangst
Wenn ein Erwachsener z. B. ein winziges Objekt über den Boden kriechen sieht und dann bei der Vermutung, es handele sich um eine Spinne, in Panik aufspringt und die Flucht ergreift, so hat dieser Mensch Angst vor Spinnen. Die Angst bestimmt das Verhalten. Rational ist das Verhalten nicht zu verstehen, schon gar nicht die Tatsache, daß bereits die Vermutung, es könne sich um eine Spinne handeln, zu einer Panikreaktion führt. Ein Mensch, der in der beschriebenen Art reagiert, empfindet Angst vor der Spinne nicht zum ersten Mal. Die unangemessene Reaktionsweise setzt voraus, daß in seiner Vergangenheit ein wirklich traumatisierendes Erlebnis mit einer Spinne stattgefunden hat, das heftige Angst ausgelöst hat. Nur durch Ekel läßt sich das panikartige, inadäquate Verhalten nicht ausreichend erklären. Die Angst wird wiedererlebt bei jeder realen oder auch nur vermuteten Begegnung mit einer Spinne. Nicht bewußt ist in diesem Augenblick die Sachinformation, d. h. die ursprüngliche Situation, in der das traumatische Erlebnis stattfand - der Raum, die Jahreszeit, gleichzeitig vorhandene Geräusche, Gerüche usw.
   
   
   
   
Als Kind noch im Erwachsenenalter traumatisches Erlebnis Panikreaktion beim Anblick mit einer Spinne einer Spinne - - -yZeit
Angst "■""■"""^
Eine derartige, heftige Reaktion ist sinnvoll, wenn man sie aus der Sicht der Evolution unter dem Gesichtspunkt des Überlebens betrachtet - sofortige Flucht oder unmittelbarer Angriff konnten lebensrettend sein. Aus diesem Grunde ist es auch nicht angebracht, Gefühle und Gedanken, die durch Bedrohungen ausgelöst wurden und die zu einem bleibenden Trauma geführt haben, zu vergessen. Sie besitzen auch für den Menschen der heutigen Zeit im "Kampf um das Überleben" ihre Bedeutung und bleiben lang im Gedächtnis erhalten.
Durch das Beispiel sollte deutlich gemacht werden, daß ein Mensch, der unter Spinnenangst leidet, bereits bei einem vermuteten Kontakt mit einer Spinne Streß erlebt und unangemessen reagiert - mit Flucht. Analog dazu gilt:
Ein Mensch, der unter Revierangst leidet, erlebt bei einem vermuteten oder realen Revierkonflikt Streß und reagiert darauf unangemessen - mit Asthma - und seine Reaktion läßt sich willentlich nicht verhindern.
   
   
   
   
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Über welche Wege verläuft die Revierangst im Gehirn?
   
   
   
   
Die Information, die Angst auslöst, gelangt von dem aufnehmenden Sinnesorgan - Auge, Ohr, Nase, Mundhöhle mit Zunge, Haut - zum Zwischenhirn (Thalamus). Vom Thalamus teilt sich die Informationsbahn in einen schnellen und langsamen Weg (68, 166, 167): - der schnelle Weg: er führt zum Mandelkern, über den rasche, reflexartige Schutzreaktionen in Form von
- Angriff oder Flucht
- immunologischen Veränderungen
- hormonalen Veränderungen ausgelöst werden.
Die Reaktion erfolgt unbewußt bereits bei geringstem Verdacht von Revierangst bzw. ohne daß das Objekt der Angst richtig wahrgenommen wird. Der Mandelkern hat eine grobe Information gespeichert, um bei einem entsprechenden Sinneseindruck sofort zu reagieren. Es handelt sich um eine schnelle, u. U. lebensrettende Maßnahme.
   
   
   
   
Schneller Weg der Angst
(unbewußt)
Reiz-
Revierangst
   
         
   
Zwischenhirn
   
   
Thalamus
   
   
   
Hypothalamus
   
   
\
   
f
   
   
Mandelkern
   
   
   
Hirnanhangdrüse
   
   
   
(Hypophyse)
   
   
\
   
t
   
         
   
Großhirn
   
   
   
   
Verhalten
immunologische Veränderungen hormonale Veränderungen u. a.
   
   
   
   
- der langsame Weg: er verläuft zunächst wie der schnelle Weg vom Sinnesorgan zum Thalamus, geht aber dann zum Großhirn und hier zu Zentren wie zur Sehrinde, Hörrinde usw. Das Wahrgenommene wird erst jetzt genau aufgeschlüsselt und bewußt registriert, d. h. ob man z. B.
- sich in einer Situation befindet, in der das Revier bedroht ist
- einer giftigen Spinne ausgewichen ist (Sehen)
- ob das Knacken eines Holzstückchens im Wald von einem angreifenden Tier stammt (Hören)
- ob der Geruch von einer giftigen Quelle herrührt (Riechen)
- ob der Geschmack von einer verdorbenen Speise bedingt ist (Schmecken)
- ob das Berührte mit Gift kontaminiert war (Tasten).
Erst danach wird entschieden, ob die Reaktion gerechtfertigt war oder nicht. In einem positiven Fall läuft sie dann weiter ab, in einem negativen Fall kann sie beendet werden.
   
   
   
   
64
   
   
   
            
            
   
   
   
Zwischenhirn
   
Großhirn
Zentren: u. a. Sehrinde
Hörrinde u. a.
   
   
Langsamer Weg der Angst
(bewußt)
   
   
Reiz
   
Thalamus-
   
   
   
   
Revierangst
   
   
   
   
Mandelkern
   
   
   
   
Verhalten
immunologische Veränderungen hormonale Veränderungen
   
   
   
   
Der Verlauf der Angst verdeutlicht, daß bereits bei dem geringsten Verdacht, es könne etwas gegen den Willen geschehen, der Betroffene unter Streß gerät, dem Asthma nachfolgt. Es handelt sich um einen unbewußten Vorgang, der rational - das festzuhalten ist für die Therapie wichtig - nicht verhindert werden kann.
   
   
   
   
65
   
   
   
            
      
   
   
   
Es war alles in Ordnung
Es sei soweit alles in Ordnung gewesen, Streß war eigentlich nicht vorhanden, Revierangst kann das Kind nicht gehabt haben, bekommt man immer wieder als Antwort, wenn nach Revierbelastungen in der Schwangerschaft und im späteren Leben des an Asthma erkrankten Kindes geforscht wird. Erst das genaue Befragen ergibt Anhaltspunkte für Streßsituationen, speziell mit dem Inhalt Revierangst:
- im vierten Monat der Schwangerschaft traten Blutungen auf (das Ungeborene hätte das Revier verlassen können)
- im siebten Monat setzten vorzeitige Wehen ein mit der Gefahr, das Ungeborene zu verlieren (Revierangst)
- die Geburt war geplant als Spontangeburt. Doch plötzlich wurde die werdende Mutter dadurch überrascht, daß ein Kaiserschnitt gemacht werden mußte. Ihr neugeborenes Kind konnte sie erst am nächsten Tag sehen und berühren (solange war das Neugeborene nicht bei der Mutter, seinem ursprünglichen Revier).
Zuhause hat das Neugeborene in der ersten Zeit nur geschrien, hinzu kamen dann die Drei-Monats-Koliken, und die Mutter hat ihr Kind Tag und Nacht umhergetragen, um es zu beruhigen. Bewußt hat die Mutter alles getan, um ihrem Kind zu helfen. Leider kam sie dabei immer mehr in einen Erschöpfungszustand. Schließlich war sie total erschöpft und verreiste mit ihrem Mann für ein Wochenende, und der Säugling wurde von seiner Großmutter versorgt. Als die Eltern wieder zu Hause waren, bekam der Säugling in der darauffolgenden Nacht seine erste spastische (obstruktive) Bronchitis, die den Anfang des dann folgenden Asthmas markierte - Mutter und Säugling befanden sich in einem chronischen Streßgeschehen, als der Säugling akut Revierangst empfand, nämlich durch Trennung von seiner Kontaktperson. Sie bewirkte die erste spastische (obstruktive) Bronchitis.
   
   
   
   
66
   
   
   
      
      
   
   
   
Wonach muß der Betroffene fahnden, wenn er revierängstlich geworden ist?
Zu suchen sind alle Situationen, in denen Revierangst ausgelöst worden ist. Das Gefühl, das Asthma verursacht, hat wehgetan und wird deshalb nicht vergessen. Alles, was ein Mensch an Kränkungen seines Gefühls erlitten hat, ist ihm stets gegenwärtig und kann erinnert werden. Deshalb ist mit Hilfe einer besonderen Fragetechnik, über die der Therapeut verfugen muß,
- die Lebenssituation zu suchen, in der das Gefühl des Betroffenen dermaßen traumatisiert und Revierangst empfunden wurde, so daß Asthma erstmals auftrat (krankheits­verursachende Situation),
- nach allen Situationen zu fahnden, die Revierangst hervorgerufen haben und die dem ersten AsthmaanfaU vorausgegangen sind (Vorbelastungen),
- nach möglichst vielen Begebenheiten, die zu Asthmaanfällen geführt haben, zu suchen (krankheitsauslösende Situationen).
Zu achten ist auch auf Sinneseindrücke, Wahrnehmungen, die zeitgleich mit dem Gefühl der Revierangst wahrgenommen worden sind und an die sich der Betroffene noch genau erinnern kann.
Zudem sollte die Lebenssituation unter dem Gesichtspunkt überprüft werden, ob chronischer Streß vorgelegen hat.
   
   
   
   
67
   
   
   
      
      
   
   
   
Wie findet der Betroffene Ereignisse aus seiner Vergangenheit wieder?
Der Mensch besitzt in seinem Gehirn ein System, das Zeit so codiert, daß er weiß, was Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist, und diese Informationen sind auf einer Zeitlinie (Time-Line) angeordnet. Seine Zeitlinie findet der Betreffende, indem er auf die Fragen
- wo liegt die Vergangenheit?
- wo ist die Zukunft?
darauf achtet, aus welcher Richtung die Erinnerung auf den Betreffenden zukommt. Die Zeitlinie kann individuell sehr unterschiedlich verlaufen, so z. B.
- von links (Vergangenheit) nach rechts (Zukunft), wobei die Zeitlinie vor der Person liegt oder
- von hinten (Vergangenheit) nach vorn (Zukunft), die Zeitlinie läuft durch den Menschen hindurch.
Man schaut auf dieser Zeitlinie in die Vergangenheit zurück (138).
Insbesondere belastende Veränderungen sollen gesucht und vermerkt und dann in Beziehung zum ersten Auftreten von Asthma und schweren Asthmaanfällen gesetzt werden.
- Die Kernfrage lautet: was war "schlimm" in meinem Leben? -
Das Ergebnis ist vorauszusagen, der von Asthma Betroffene wird sich nur an traumatisch erlebte Begebenheiten erinnern, in denen Revierangst aufgekommen ist.
Kann das krankheitsauslösende Ereignis, die Revierangst, nicht erinnert werden, so läßt sich aus dem Verhalten des an Asthma Erkrankten rekonstruieren, was er wohl erlebt haben und was ihn "gekränkt" haben muß. Fast täglich reagiert er nach Situationen, in denen Revierangst ausgelöst werden könnte, asthmatisch.
Eltern, deren Kinder im Säuglingsalter an Asthma erkrankt sind, werden fragen, wie soll ich denn bei einem Säugling, dessen Gefühl ich doch gar nicht kenne, herausfinden, wo sich der Säugling "verfühlt" hat. Die Erfahrung hat gelehrt, daß das zumeist gar nicht so kompliziert ist. Zu achten ist besonders auf Lebenssituationen, die dem Asthma unmittelbar vorausgingen, in denen der Säugling, für die Eltern kaum erklärbar, besonders heftig, so z. B. durch Schreien, reagiert hat. Tröstung war in dieser Situation nicht von Erfolg gekrönt, überhaupt nicht möglich. Ein derartiger Augenblick wird von allen Beteiligten nicht vergessen.
   
   
   
   
68
   
   
   
      
      
   
   
   
Revierangst als Ursache von Asthma; Beispiele
Als moderner Mensch tut man sich schwer mit dem Begriff Revierangst, dessen Bedeutung nur aus der Sicht der Evolution verstanden werden kann. Transformiert man den Begriff Revierangst in unsere heutige Zeit, so kann man darunter verstehen,
- wenn etwas gegen den Willen des Betroffenen geschieht,
- wenn sich der Betroffene etwas ganz anderes vorgestellt hat, als es jetzt abläuft, wenn er sich bedrängt, bedroht fühlt,
dann gerät der Betroffene in Panik, der Asthma nachfolgt.
Asthma trat erstmals auf bzw. ein Asthmaanfall wurde ausgelöst (31),
- nachdem das Kind aus dem elterlichen Schlafzimmer ausquartiert wurde
- durch Impfung des Kindes
- nachdem der Vater in eine Klinik eingeliefert werden mußte
- nachdem die Mutter das Kind wegen Schulschwierigkeiten in ein auswärtiges Internat gegeben hatte
- als das Kind einen Aufnahmetermin zur Kur erhielt
- als die Kontaktperson ihr krankes Kind im Krankenhaus besuchte
- als der Junge erfuhr, daß sich seine Mutter heimlich mit ihrem Lebenspartner trauen läßt
- wenn das Kind aus geschiedener Ehe zum Pflichtbesuch des getrennt lebenden Elternteils fahren mußte
- nach Trennung von der Kontaktperson durch Kur und Krankenhausaufenthalt
- nachdem der Jugendliche wegen Diebstahls gefaßt wurde.
Weitere Beispiele über Entstehungsmöglichkeiten eines Asthmas:
- Ein fünfjähriger Junge entwickelte Asthma, als er im Kindergarten von der Kindergärtnerin gerügt und vor allen Kindern wegen seines Verhaltens bloßgestellt wurde. Die Kritik kam für ihn unerwartet, denn er hatte nach seiner Meinung nichts Unrechtes getan. Die Kindergärtnerin hat ihn somit schwer gekränkt. Einen Tag nach dem Ereignis bekam der Junge einen Schnupfen und am Tag darauf erstmals Asthma. Über sein Erlebnis hat er noch mit keinem Menschen gesprochen, auch nicht mit seiner Mutter. Während er in der Klinik bei der Erhebung der Anamnese aus seiner Erinnerung das Geschehene berichtet, bekommt er feuchte Augen und ist dem Weinen sehr nahe. Seither ist der Junge sehr empfindlich gegen Kritik. In den Kindergarten möchte er nicht mehr gehen.
- Die Geburt eines Kindes steht bevor, und das Kleinkind muß für den Zeitraum der Ent­bindung zu seinen Großeltern. Es war noch nie länger von seiner Familie - speziell von seiner Kontaktperson, der Mutter - getrennt. Die Revierangst vermag das Kleinkind nicht zu verarbeiten. Einen Tag nach dem Aufenthalt bei den Großeltern bekommt das Kleinkind erstmals Asthma. Künftig ist ein Aufenthalt bei diesen Großeltern nicht mehr möglich, da es dort stets an Asthma erkrankt. Bei den anderen Großeltern hat das Kind dagegen kein Asthma.
29 Asthmakranke schauten drei Filme mit folgendem Inhalt an:
- Asthmakinder in einem Krankenhaus (getrennt von ihrem Revier)
- Industrieunfälle (keine Revierproblematik)
- eine Mutter gibt ihr Kind zur Adoption frei (es muß heraus aus seinem Revier)
Die größten Veränderungen des Atemwegswiderstandes wurden bei den asthmakranken Zuschauern durch den ersten Film ausgelöst, wahrscheinlich weil das Thema mit der eigenen Lebenssituation in engem Zusammenhang stand.
Der Atemwegswiderstand stieg zudem bei den Asthmakranken im Gegensatz zur gesunden Kontrollgruppe deutlich an in dem Moment, als im dritten Film die Mutter ihr Kind abgibt, also in Konfrontation mit einer Trennung von Mutter und Kind (Levenson).
   
   
   
   
69
   
   
   
      
      
   
   
   
Typische Lebenssituationen, in denen Revierangst aufkommen und ein Asthma entstehen kann, sind
- wenn Eltern sich trennen (und somit ein geliebter Angehöriger das Revier verläßt)
- wenn ein Kind glaubt, die Eltern würden seine Geschwister mehr lieben (die Geschwister machen ihm sein Revier streitig - Geschwisterrivalität)
- wenn ein Spielkamerad sich abwendet (und das Revier des Betroffenen verläßt)
- wenn der Wohnort gewechselt wird (der Betroffene gerät in ein fremdes, gefährliches Revier und muß sein eigenes Revier aufgeben)
- wenn ein Geschwisterkind unerlaubterweise mit den Spielsachen des Betroffenen spielt (das Geschwisterkind dringt in das Revier ein, zu dem auch das Spielzeug gehören kann).
Eine Patientin schildert, seit ihrer Kindheit unter Asthma zu leiden. Ihren ersten Asthmaanfall erlitt sie in der Nacht nach folgendem Ereignis (70):
- als Kind hatte sie sich von ihrem Taschengeld Goldfische gekauft. Ihre Mutter aber hatte, gegen den Willen und für sie völlig unbegreiflich und unerwartet, die Goldfische in die Toilette geschüttet und das Goldfischglas zerbrochen.
Wie Experimente Jahre später beweisen, führt dieses traumatische Erlebnis immer wieder zu Asthmaanfallen, wenn es in Erinnerung gerufen wird:
- es wurde ein Glas mit einem Goldfisch gebracht, und als die Betroffene den Goldfisch sieht, entwickelt sie Asthma.
   
   
   
   
   
   
   
   
- in einem zweiten "Experiment" wurde der Frau in einem Glas ein Plastikgoldfisch präsentiert, den sie auch sofort als Spielzeugfisch erkennt. Dennoch bekommt sie Asthma.
   
   
   
   
   
   
   
   
70
   
   
   
      
                     
   
   
   
- Asthma ließ sich auch durch den Anblick eines leeren Goldfischglases provozieren. Das Asthma nahm sogar zu, als das Glas fallen gelassen wurde und in Scherben zerbrach. Der Asthmaanfall war so heftig, daß er medikamentös unterbrochen werden mußte.
   
   
   
   
VK ml
   
starker Asthmaanfall
i.v. Medikament
   
   
   
   
4000-
   
   
   
   
2000
   
   
   
   
   
   
   
   
Glas wird fallen gelassen und zerbricht
   
   
   
   
leeres Goldfischglas
   
   
   
   
0
   
30
   
60
   
90 Minuten
   
   
   
   
Die Experimente mit einem Goldfisch in einem Glas wurden wiederholt, und sie riefen jedesmal Asthma hervor, erkennbar am Abfall der Lungenfunktion (der Vitalkapazität).
Es gelang der Betroffenen nicht, weder durch bewußte gedankliche Anstrengung, noch mit ihrem Willen, die Asthmaattacke zu verhindern; selbst auch dann nicht, wenn der Asthmaanfall durch einen Plastikgoldfisch ausgelöst wurde - eine Tatsache, die für einen unbewußt ablaufenden Prozeß spricht.
   
   
   
   
71
   
   
   
                     
      
   
   
   
Beachte:
   
   
   
   
Die Frage 1
Verursacht die zu hohe Belastung mit Fremdstoffen aus der Umwelt und/oder das zu ausgeprägte Streßgeschehen im psychischen Bereich Asthma? muß wie folgt beantwortet werden:
Es ist traumatisch erlebte Revierangst, die das Asthma entstehen läßt (Streßgeschehen im psychischen Bereich).
   
   
   
   
72
   
   
   
      
      
   
   
   
Zur Frage 2
Wie kommt es, daß der Betroffene inadäquat auf Streß reagiert?
   
   
   
   
I 73 f
r
   
   
   
      
      
   
   
   
Mit Revierangst ist gleichzeitig eine Streß- bzw. Belastungsstörung verbunden
   
   
   
   
Menschen, die ein traumatisches Erlebnis durchgemacht haben, so z. B. hinterrücks überfaUen wurden:
- leiden häufig danach unter der spezifischen Erinnerung des erlebten Schocks. Oft genügen geringe Anlässe im Leben, wie das Geräusch von Schritten, um die "schockierende Erinnerung" wachzurufen, und es werden die traumatischen Minuten nochmals durchlebt.
- erleiden als regelmäßige Begleiterscheinungen der Gefühlsverletzung eine unspezifische Streßstörung: Alltagsbelastungen können nicht mehr wie gewohnt verarbeitet werden und lösen Streß aus.
Das beschriebene Phänomen tritt auch beim Asthma in Erscheinung, und ab diesem Zeitpunkt wird das Asthma durch die emotionale Überempfindhchkeit wesentlich bedingt: Die Revierangst, die Asthma hervorruft, geht so tief, daß sie gleichzeitig obligat eine unspezifische Streßstörung hervorruft. Sie gleicht der posttraumatischen Belastungsstörung nach psychischer Extrembelastung (43) und äußert sich global darin, daß der Betroffene mit normalem Alltagsstreß nicht mehr umgehen kann und ständig Asthma provoziert. Es tauchen immer wieder Zwangsgedanken um Teilaspekte des Geschehens auf. Der Betreffende reagiert auf immer mehr Reize, die im Trauma in Andeutungen vorhanden waren und schließlich auf fast jeden unspezifischen Reiz, wenn er eine bestimmte Intensität besitzt. Asthma ist demzufolge eine Streßkrankheit. Der Betroffene gerät
- durch einen spezifischen Reiz, die Revierangst, unter Streß, der Asthma provoziert und
- durch unspezifische Reize aufgrund der BelastungsStörung unter Streß, dem Asthma nachfolgt.
Der Vorgang dürfte zudem noch dadurch verstärkt werden, daß von den entzündeten Bronchien Signale zum Hypothalamus ausgesandt werden, um die Abwehr zu aktivieren und die entzündeten Bronchien zu heilen. Dazu ist Streß notwendig. Über den Hypothalamus wird in "Wellen" Streß erzeugt, den der Betroffene als Spannungen empfindet und die leider letztendlich sein Asthma fördern, anstatt das lädierte Bronchialsystem zu heilen.
   
   
   
   
Streßreaktionen, in "Wehen" über den Hypothalamus hervorgerufen, um die ^Ar—*--~xA Abwehr und damit Heilvorgänge zu fördern, führen letztendhch nicht zu einer / W l\ Reparatur der lädierten Bronchien, sondern zu Asthma
^]^^J[f\ß____MXy
Zufriedenheit Streß, der sich in Asthma Streß
heftigem, unan-gepaßtem Verhalten äußert
Auf Streß reagiert der Organismus, je nachdem, wie er den Streß empfindet und seine eigenen Chancen einschätzt, auf zweierlei Weisen (85):
- Er erhöht vor allem seinen Spiegel an Adrenahn, Noradrenalin im Blut und Gewebe, wenn er sich sicher ist, dem Streß durch Angriff oder Flucht begegnen zu müssen,
- er erhöht besonders seinen Spiegel an Cortisol im Blut und Gewebe, wenn er glaubt, die Belastung nicht bewältigen zu können, wenn er sich hilflos und handlungsunfähig fühlt.
   
   
   
   
74
   
   
   
      
      
   
   
   
Den Reaktionsmechanismen lassen sich typische Verhaltensmuster der Asthmakranken zuordnen:
- Die Mehrzahl reagiert im täglichen Leben
- mit Angriff oder Flucht, d. h. mit starker Erregung im eigenen Revier, im häuslichen Bereich oder einer Umgebung, die zum eigenen Revier zugehörig betrachtet wird
- hilflos und handlungsunfähig, zumeist außerhalb des eigenen Reviers, d. h. im außerhäuslichen Bereich.
- Die Minderheit reagiert auf tägliche Belastungen
- ausschließlich mit Angriff oder Flucht, d. h. mit starker Erregung, meist mit einem aggressiven Verhalten
oder
- ausschließlich mit Hilflosigkeit oder Handlungsunfähigkeit. Das Verhalten ist stets duldsam und still, sowohl zu Hause als auch in fremder Umgebung.
   
   
   
   
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Streßstörung und Verhalten
   
   
   
   
An Erregungszuständen oder dem Unvermögen, zu handeln, ist die Streßstörung zu erkennen.
a) Die Streßstörung zeigt sich durch Erregungszustände: An Asthma erkrankte Jugendliche und Erwachsene gaben auf intensives Befragen übereinstimmend an "seit ich Asthma habe, bin ich verändert", "ich leide unter starken inneren Spannungen", "die inneren Spannungen überfallen mich, und ich raste meist in einem Augenblick aus, in dem ich im Unrecht bin", "ich kann meine inneren Spannungen mit meinem Verstand nicht willentlich unter Kontrolle halten".
Der Betroffene leidet zeitweilig unter starker Erregung, die ihn anfallsartig erfaßt und der er nichts entgegenzusetzen hat. Die Folgen sind:
Er reagiert häufig unangepaßt, gereizt. Es kommt zu vermehrten Auseinandersetzungen, meist mit der Hauptbezugsperson, d. h. mit Mutter oder Vater, mit den Geschwistern, Freunden, mit dem Lebenspartner, mit den Arbeitskollegen.
Grund für das unangepaßte Verhalten sind immer Revierprobleme. Menschen, denen diese Verhaltensmuster eigen sind, fühlen sich - insbesondere durch die Kontaktperson -im Stich gelassen, und sie fühlen sich verstoßen und nicht geliebt. Er neigt zu Gefühlsausbrüchen, vorwiegend im häuslichen Bereich:
Auf einmal ist ihm gar nichts recht, er muß etwas haben und zwar auf der Stelle, er neigt zu Wutausbrüchen, er ärgert sich.
Wenn man das Verhalten eines Menschen, der an Asthma leidet, charakterisieren will, so wirkt er in seiner Grundstimmung durchaus fröhlich und vergnügt - aber mit einem Male, ohne für seine Mitmenschen nachvollziehbaren Grund, wird er gepackt von einer starken inneren Erregung, und er reagiert in einer überschießenden, der Situation völlig unangemessenen Art und Weise, die seiner Kontrolle nicht unterliegt. Ist seine Erregung abgeklungen, so macht er wieder den Eindruck eines ausgeglichenen, zufriedenen Menschen. Das Verhalten des Erkrankten läßt sich im Experiment nachstellen, wenn einem Gesunden Adrenalin verabfolgt wird:
Zwei gesunde Versuchspersonen befinden sich in einem Raum: Der einen Person wird Adrenalin verabreicht, ein Streßhormon, das die innere Spannung erhöht, die andere Person erhält das Streßhormon nicht. Danach betritt eine dritte Person den Raum, die die Weisung erhalten hat, in dem Versuchsraum laut zu schimpfen. Was passiert?
Die Person, die das Streßhormon Adrenalin erhalten hat, schimpft auch sofort. Die Person, die kein Streßhormon bekommen hat, bleibt unbeeindruckt. Das Experiment belegt, daß bei gleicher aktueller Belastung (schimpfende Person) nur die schon vor-gestreßte Person mit heftigen Gefühlswallungen und unangepaßtem Verhalten reagiert.
   
   
   
   
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Anspannung
   
   
   
   
Person, die Adrenalin erhalten hat O und schimpft
   
   
   
   
angenehm, Lust <-
   
-> unangenehm, Unlust
Person, die kein Adrenalin erhalten hat O und unbeeindruckt bleibt
   
   
   
   
Entspannung
Gefühlsreaktion auf eine Person, die schimpft. Die Person, die unter Streß gesetzt wurde, d. h. Adrenalin erhalten hat, erregt sich durch das Schimpfen eines anderen, die nicht gestreßte Person bleibt dagegen unbeeindruckt.
Gefühle sind Abbilder unbewußter Vorgänge im bewußten Leben.Unter einem Gefühl versteht man das Phänomen des Erlebens einer Erregung (Anspannung, Streß) oder Beruhigung (Entspannung), jeweils mehr oder weniger von Lust bzw. Angenehmen oder Unlust bzw. Unangenehmen begleitet. Das Gefühl hängt somit eng mit der Tätigkeit von Sympathikusnerv und Vagusnerv zusammen, da Anspannung und Entspannung über das vegetative Nervensystem reguliert werden (229).
b) Die Streßstörung zeigt sich durch das Unvermögen zu handeln: Eine Streßstörung muß sich keineswegs, wie oben beschrieben, immer in Erregungszuständen äußern. Viel schwerer zu verstehen ist die Tatsache, daß eine Streßstörung auch zu Hilflosigkeit und Handlungsunfähigkeit führt, ein Verhaltensmuster, das immer dann beobachtet wird, wenn der Betroffene sich unterlegen und chancenlos fühlt. Dieses Verhalten ist typisch außerhalb des Reviers, , d. h. bei Freunden, Bekannten, Fremden
- hier läßt sich der Betroffene alles sagen, ohne Einwand
- hier ist er angepaßt, ja sogar überangepaßt
- hier traut er sich wenig zu- hier läßt er sich Dinge wegnehmen, ohne sie zu verteidigen
- hier ist er enttäuscht und reagiert nicht.
Die asthmakranken Kinder sind aufgrund dieses Verhaltens gern gesehene Spielkameraden bei ihren Freunden.
   
   
   
   
77
   
   
   
         
      
   
   
   
Zeichen, die auf eine Streßüberlastung hindeuten
Daß der an Asthma Leidende unter vermehrter Anspannung, Streß steht, kann vermutet werden
- an Ein- und Durchschlafstörungen
- an Konzentrationsschwierigkeiten
- an erhöhter Schreckhaftigkeit.
Körperliche Hinweise auf zu hohen Streß bieten kalte Hände und Füße sowie Fingerzittern. Fingerzittern kann auch auftreten, wenn Asthmamedikamente, die Adrenalin-, Noradrenahnabkömmlinge enthalten, in zu hoher Dosierung angewendet werden.
- Auf zu hohen bzw. langanhaltenden Streß reagiert der Organismus mit einer "Down-Regulierung" (211) seiner Bronchialfunktion, d. h. die Bronchien weiten sich verzögert auf Adrenalin, Noradrenalin bzw. sprechen kaum auf diese Streßhormone an. Das Phänomen wird auch beobachtet, wenn Asthmamedikamente wie Adrenalin, Noradrenalin bzw. deren Abkömmlinge zu intensiv benutzt werden.
Im täglichen Leben klagen dann die Betroffenen
- frühmorgens, wenn sie aufgestanden sind, kurzfristig über Atembeschwerden (314). Trotz Anspannung erweitern sich die Bronchien nicht schnell genug, so daß ein Mißverhältnis zwischen der Weite der Bronchien und dem für den Aktivzustand erforderlichen Atemvolumen entsteht. Die Atembeschwerden verlieren sich spontan im Verlauf von 10 bis 30 Minuten.
- kurzzeitig über Atembehinderung, wenn sie sich aufregen. Ihre Bronchien reagieren nicht schnell genug auf Streß und erweitern sich nur verzögert.
Die "Herunterregulation" ist funktionell bedingt und bildet sich schnell zurück, wenn der Streß gesenkt wird bzw. die Einnahme von Medikamenten, die adrenerge oder noradrenerge Substanzen enthalten, deutlich eingeschränkt wird.
   
   
   
   
78
   
   
   
      
      
   
   
   
Beachte:
   
   
   
   
Die Frage 2
Wie kommt es, daß der Betroffene inadäquat auf Streß reagiert? läßt sich folgendermaßen beantworten:
Infolge der traumatisch erlebten Revierangst erleidet der Betroffene auch eine Streß- bzw. Belastungsstörung, und hinfort reagiert er inadäquat auf Streß.
   
   
   
   
79
   
   
   
      
      
   
   
   
Merke:
   
   
   
   
Sicher ist es richtig, Asthma als Folge einer Summe von Belastungen anzusehen, die auf einen Menschen einwirken, dessen Widerstandskraft nicht ausreicht, um diesen Belastungen zu begegnen. Der Faktor aber, der Asthma ursächlich entstehen läßt, muß
- einerseits auf den Hypothalamus einwirken, weil er die übergeordnete Zentrale für die Abwehr und die hauptsächlich vegetativ gesteuerte Bronchialfunktion ist, und er muß zu einer anhaltenden Fehlregulation dieser Steuerungszentrale führen und
- andererseits das Areal des Großhirns alterieren, das mit den Bronchien korrespondiert, so daß die Bronchien fehlüberwacht werden.
Diese Bedingungen erfüllt die Revierangst, wenn sie schockartig oder als chronische Überlastung erlebt wurde, im Gedächtnis haften bleibt und im Alltag ständig reaktiviert , d. h. traumatisch wiedererlebt wird. Die Revierangst, ein Begriff aus der Evolutionsforschung, beinhaltet für einen Menschen unserer Zeit das Gefühl heftiger Bedrohung bzw. Ohnmacht, sobald jemand gegen seinen Willen in seinen Lebensbereich eindringt oder diesen Bereich gegen seinen Willen verläßt.
Zugleich mit der Revierangst erleidet der Betroffene eine unspezifische Streß- bzw. Belastungsstörung, die sich darin äußert, daß er, im Gegensatz zum Zeitraum vor seiner Erkrankung, Alltagsbelastungen nicht mehr normal verarbeiten kann.
Die Streßstörung zeigt sich in zwei Verhaltensmustern. Zum einen führt sie zu Erregungszuständen mit inadäquaten heftigen Reaktionen wie Wutausbrüchen, Streitereien. Die Betroffenen klagen zudem häufig über Ein- und Durchschlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten oder erhöhte Schreckhaftigkeit. Zum anderen kann die Streßstörung sehr wohl auch in Form von Hilflosigkeit und überangepaßtem Verhalten zum Ausdruck kommen.
Die Mehrzahl der Asthmakranken reagiert im häuslichen Bereich mit Erregungszuständen, im außerhäuslichen Bereich hilflos und duldsam.
Der chronisch hohe Streß, unter dem der Erkrankte durch Revierangst und die unspezifische Streßstörung steht, äußert sich auch körperhch in kalten Händen und Füßen sowie in Fingerzittern. Die Bronchien sprechen auf normale Streßreaktionen nur noch vermindert an
- kurzfristige Atembeschwerden nach dem Aufstehen oder bei Erregung sind die Folgen der Herunterregulation der Bronchialreaktion auf zu hohen und langanhaltenden Streß. Immunfünktion und Bronchialfunktion werden hauptsächlich über das Zwischenhirn, dem Ort von Gefühlen und unbewußten Vorgängen, gesteuert. Das bedeutet, daß Asthma ein vorwiegend unbewußtes Geschehen darstellt, das durch bewußte Gedanken und willentlich nicht zu verhindern ist.
   
   
   
   
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Asthma entsteht, wenn der Betroffene sich "verfühlt", d. h.
   
   
   
   
- Revierangst empfindet und diese als Trauma speichert - eine Streß- bzw. Belastungsstörung erleidet.
Die Vorgänge, die beim Asthma geschehen, laufen vorwiegend auf der unbewußten Ebene ab.
   
   
   
   
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In Kapitel II und III wird speziell auf die einzelnen Erscheinungsformen des Asthmas eingegangen, die asthmatische Bronchitis und das Asthma bronchiale. Es wird anhand wissenschaftlicher Untersuchungen dargelegt, daß sowohl die asthmatische Bronchitis als auch das Asthma bronchiale nach Streß in der Erholungsphase auftreten.
In Kapitel II wird der Versuch unternommen, am Beispiel der entzündlichen Erkrankung zu erklären, wie eine asthmatische Bronchitis entsteht.
   
   
   
   
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II. Kapitel
Asthma durch Entzündung: die asthmatische Bronchitis
   
   
   
   
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1. Wie entsteht eine infektiöse, entzündliche Krankheit?
Die Frage, wie eine asthmatische Bronchitis, d. h. ein durch Entzündung charakterisiertes Asthma entsteht, läßt sich am besten beantworten, wenn wir uns den Entstehungsmechanismus einer infektiösen, entzündlichen Erkrankung verdeuthchen. Eine infektiöse, entzündliche Erkrankung entsteht durch Krankheitserreger. Doch nicht alle Krankheitserreger verursachen eine Infektionskrankheit, denn der menschliche Organismus beherbergt zahlreiche Krankheitserreger und kommt mit zahlreichen Krankheitserregern in Berührung, ohne zu erkranken, wenn seine Abwehr intakt ist.
Bei infektiösen Erkrankungen ist deshalb stets zu fragen, ob der Krankheitserreger die Krankheit auslöst oder ob die nicht normal funktionierende Abwehr die Krankheit erst dadurch ermöghcht, daß selbst ein normalerweise harmloser Erreger nicht mehr abgewehrt werden kann (128).
   
   
   
   
   
   
   
   
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Die Lehren von Pasteur und Bernard
Im 19. Jahrhundert, vor ca. 150 Jahren, versuchten die Wissenschaftler zu erklären, ob eine infektiöse, entzündliche Krankheit durch einen einzelnen Faktor, z. B. ein Bakterium, ausgelöst wird. Eine derartige Vorstellung wurde von Pasteur vertreten. Pasteur hatte einen Gegenspieler, Bernard. Er behauptete, daß Krankheiten erst entstehen können, wenn der Organismus sich im Ungleichgewicht befindet; man würde heute sagen, wenn seine Abwehr nicht intakt ist.
   
   
   
   
   
   
   
   
Pasteur wies einen engen Zusammenhang zwischen Krankheitserregern und Krankheit nach, und in der Folgezeit setzte sich Pasteurs Ansicht durch, zumal zu jener Zeit Seuchen auftraten, bei denen ein Erreger als Ursache gefunden wurde, eine Tatsache, durch die Pasteurs Hypothese Bestätigung fand. Seither werden spezielle Krankheiten als durch spezifische Krankheitserreger verursacht gedacht. Die Anwesenheit von Krankheitserregern wurde praktisch nahezu mit Krankheit gleichgesetzt. Dieses Gedankengut ging in die Medizin ein und prägt bis heute die Vorstellung vom Zusammenhang zwischen Erregern und Krankheit. Pasteurs Theorie hat dazu geführt, daß der Mensch sich vor Krankheitserregern fürchtet, denen er vermeinthch, ohne selbst Einfluß nehmen zu können, ausgeliefert ist.
- Während eines Vortragabends in der Sorbonne zeigte Pasteur seinen staunenden Zuhörern Lichtbilder von einem Dutzend gefährlicher Bazillenarten. Dann wurden alle Lichter gelöscht und plötzlich zuckte ein heller Lichtstrahl durch die Dunkelheit. "Sehen Sie nur hin" rief er aus, "wie in diesem Strahl tausend Stäubchen tanzen; die Luft in diesem Saale ist voll von solchen Stäubchen, jedes für das bloße Auge ein Nichts, und doch gar nicht zu verachten; denn es kann die Cholera bringen, den Typhus, das gelbe Fieber und andere Pestilenzen!" Das war eine furchtbare Enthüllung, der Zuhörer bemächtigte sich Angst und Schaudern, so bannte sie sein überzeugender Ernst. Das war Pasteurs große Kraft: Er glaubte, was er sagte, auch wenn es nicht richtig war. Damals litt er selbst im höchsten Grade an der Mikrobenangst, die er verbreitete (99).
Im KrankheitsfaU wird deshalb der Erreger bekämpft. Doch die Behandlung der Bakterien mit Antibiotika und Sulfonamiden, der Viren mit antiviralen Substanzen, der Pilze mit Antimykotika, konnte das Problem der Infektion nur zum Teil lösen: die Infektionen lassen sich zwar wirkungsvoll behandeln, ein wiederholtes Auftreten von Infektionen, ein Problem z. B. beim Infektasthma, konnte jedoch nicht verhindert werden.
   
   
   
   
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Das von Pasteur vertretene Krankheitsmodell hat in dieser Ausschließlichkeit seine Berechtigung nur, wenn Krankheitserreger mit großer Virulenz und/oder in großer Menge den menschlichen Organismus befallen (Typ Seuche).
   
   
   
   
                  
   
Typ
   
infektiöser Erreger
   
Krankheit
   
durch den Menschen selbst beeinflußbar
   
Vorkommen
   
   
Seuche
   
große Virulenz/ Menge
   
Ja
   
nein
   
selten
   
   
banaler Infekt
   
mittlere Virulenz/ Menge
   
ja/nein
   
ja
   
häufig
   
   
stille Feiung
   
geringe Virulenz/ Menge
   
nein
   
ja
   
häufig
   
                  
   
   
   
   
Das Pasteursche Modell läßt unberücksichtigt, daß der menschliche Organismus sehr wohl in der Lage ist, Infektionen abzuwehren, ohne zu erkranken oder anders ausgedrückt, daß viele Erreger nur dann zu einer Infektionskrankheit führen können, wenn sie auf ein für sie günstiges Milieu treffen (Typ banaler Infekt).
- Ein Mensch, der Bakterien ausgesetzt ist, bekommt nicht zwangsläufig die Erkrankung, die der Erreger hervorrufen kann. Nur maximal 40 % von mit Streptokokkenbakterien Infizierten werden z. B. krank.
- Rhino- und Coronaviren rufen Erkältungskrankheiten hervor, aber nur ein kleiner Teil der mit diesen Viren infizierten Menschen bekommt eine Erkältung.
- Vergleichbares gilt für Pilzinfektionen. Längst nicht alle Pilzinfektionen führen zu Pilzerkrankungen.
Viele Erreger sind also nicht als Ursache der Infektionskrankheit, sondern nur als auslösender Faktor anzusehen. Die Ursache dafür, daß die Erkrankung zum Ausbruch kommt, liegt im Menschen selbst, im Zustand seiner körperhchen Abwehr. Sie bestimmt wesenthch, ob der Mensch erkrankt oder nicht.
Um Pasteur gerecht zu werden, darf der Hinweis nicht fehlen, daß er seine Ansichten in seinem späteren Leben teilweise widerrief, da er erkannte, daß der Körper ständig zahlreiche Bakterien beherbergt, ohne daran zu erkranken. Pasteur stellte fest, daß Bakterien nur dann Krankheit auslösen können, wenn sie auf einen geschwächten Organismus treffen und propagierte später sogar die Ansicht, daß seelische Zustände die Widerstandskraft gegenüber Infektionen beeinflussen.
   
   
   
   
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Merke:
   
   
   
   
Es gibt Infektionskrankheiten, bei denen der Keim die Ursache der Erkrankung ist (Typ Seuche). Praktisch jeder erkrankt, weil die Abwehrmechanismen nicht ausreichen, um den Keim abzuwehren.
Es gibt Infektionskrankheiten, bei denen die nicht normal funktionierende Abwehr Ursache der Erkrankung ist, nicht der Keim. Der Erreger ist lediglich der auslösende Faktor (Typ banaler Infekt). Nur Menschen mit nicht intakter Abwehr erkranken.
   
   
   
   
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Der Mensch erkrankt an einer infektiösen, entzündlichen Erkrankung in Abhängigkeit vom Krankheitserreger (Seuche) bzw. der Funktion seiner Abwehr (banaler Infekt)
   
   
   
   
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2. Wie entwickelt sich eine asthmatische Bronchitis?
Bei der asthmatischen Bronchitis liegt eine Entzündung der Bronchien vor. Wie entsteht diese Entzündung?
In den vorhergehenden Erläuterungen wurde dargestellt, wie nach den Lehren von Pasteur und Bernard infektiöse, entzündliche Erkrankungen Zustandekommen. Die Gesetzmäßigkeiten, die für entzündliche, infektiöse Krankheiten allgemein aufgestellt werden, gelten selbstverständlich auch für die asthmatische Bronchitis, wenn sie durch Krankheitserreger hervorgerufen wird.
   
   
   
   
   
   
   
   
Die asthmatische Bronchitis wird nicht nur durch Keime hervorgerufen, sondern ebenso durch
- Fremdstoffe, die inhaliert werden
- Allergene
- Stoffe, die eine Intoleranz- bzw. pseudoallergische Reaktion hervorrufen.
Die Thesen von Pasteur und Bernard wurden ursprünglich für Infektionskrankheiten aufgestellt. Sie verlieren jedoch nicht an Wert und Gültigkeit, wie im folgenden gezeigt werden soll, wenn man sie auf Krankheiten, die durch unbelebte Materie ausgelöst werden, überträgt.
   
   
   
   
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Der Fremdstoff erzeugt die asthmatische Bronchitis (analog Pasteur)
   
   
   
   
Es handelt sich entweder um einen sehr aggressiven Fremdstoff oder um einen Fremdstoff, der in sehr großer Menge inhaliert wird, z. B. um reizende Gase oder Dämpfe. Ein sehr aggressives Allergen, z. B. das Gift eines Insektes, oder große Mengen eines Allergens lösen eine allergische Entzündung aus, z. B. der unmittelbare Verzehr 30 gekochter Hühnereier.
Es sind Stoffe, die eine Intoleranz- bzw. eine pseudoallergische Reaktion hervorrufen, z. B. bestimmte Medikamente, Röntgenkontrastmittel, Nahrungsmittelfarbstoffe oder Konservierungsstoffe.
   
   
   
   
Stoffe - sehr aggressiv
- in sehr großer Menge wirken auf den Organismus ein
   
   
   
   
vi M
   
alle Personen erkranken an einer asthmatischen Bronchitis (I I)
   
   
   
   
Bei der asthmatischen Bronchitis kommt dieser Entstehungsmechanismus vor, er ist aber zahlenmäßig von untergeordneter Bedeutung.
   
   
   
   
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Die inkompetente Abwehr hat zur Folge, daß Fremdstoffe eine asthmatische Bronchitis auslösen (analog Bernard).
Nicht der Fremdstoff, sondern die nicht normal reagierende körpereigene Abwehr ist die Ursache, weshalb Fremdstoffe die asthmatische Bronchitis entstehen lassen:
- Für Schadstoffe gilt dieser Mechanismus, wenn z. B. eine Person Zigarettenrauch einatmet und bronchitisch, asthmatisch reagiert, während andere, die derselben Belastung ausgesetzt sind, keine Symptome zeigen.
- Bei der Allergie hegt ein derartiger Mechanismus vor, wenn z. B. Pollen bei einem Menschen eine allergische, asthmatische Bronchitis provozieren, bei anderen hingegen nicht.
- Bei der Intoleranz- bzw. pseudoallergischen Reaktion gilt ein derartiger Mechanismus, wenn bei einem Menschen z. B. der Genuß geringster Farbstoffmengen aus Lebensmitteln ausreicht, um eine entzündhche asthmatische Reaktion zu bewirken, während andere diese Farbstoffmenge problemlos vertragen.
   
   
   
   
Stoffe - weniger aggressiv - in geringer Menge wirken auf den Organismus ein
^ f nur eine Person, deren Abwehr nicht
-_. intakt ist, erkrankt an einer asthmatischen
_ I_1 Z Bronchitis (□)
Bei der asthmatischen Bronchitis ist dieser Entstehungsmechanismus zahlenmäßig der bei weitem häufigste.
   
   
   
   
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Merke:
   
   
   
   
Die Gesetzmäßigkeiten, die für entzündliche, infektiöse Krankheiten allgemein aufgestellt wurden, gelten auch für die asthmatische Bronchitis, die durch Krankheitserreger hervorgerufen wird. Sie lassen sich auch übertragen auf die asthmatische Bronchitis, die durch unbelebte Materie ausgelöst wird.
Eine asthmatische Bronchitis kann auf zweierlei Arten entstehen
- sehr aggressive Fremdstoffe oder Fremdstoffe in großer Menge, dabei kann es sich um Schadstoffe aus der Umwelt, Allergene oder um Stoffe, die eine Intoleranz- bzw. pseudoallergische Reaktion auslösen, handeln, verursachen eine asthmatische Bronchitis. Ein derartiger Entstehungsmechanismus ist zahlenmäßig von untergeordneter Bedeutung.
- weniger aggressive Fremdstoffe bzw. Fremdstoffe in nur geringer Menge wie Schadstoffe aus der Umwelt, Allergene oder Stoffe, die eine Intoleranz- bzw. pseudoallergische Reaktion bewirken, sind nicht Ursache der asthmatischen Bronchitis, sondern lediglich Auslöser. Die Ursache liegt in der nicht normalen Abwehr. Bei der asthmatischen Bronchitis ist dieser Entstehungsmechanismus zahlenmäßig der bei weitem häufigste.
   
   
   
   
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Die Ursache für das Entstehen einer asthmatischen Bronchitis hegt bei der überwiegenden Zahl der Erkrankungen in der nicht normal funktionierenden Abwehr
   
   
   
   
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3. Wie funktioniert die Abwehr?
   
   
   
   
Weil eine asthmatische Bronchitis durch Fremdstoffe hauptsächlich dann auftritt, wenn die Abwehr nicht intakt ist, so ist es wichtig, die Funktionsweise der Abwehr zu kennen und zu verstehen. Reagiert die Abwehr autonom, d. h. wird jeder Fremdstoff, der in den Organismus eindringt, selbständig vom Immunsystem erkannt und dann angegriffen, oder wird die Abwehr von einer übergeordneten Instanz her gesteuert, die entscheidet, wann ein Fremdstoff angegangen wird und wann nicht?
   
   
   
   
   
   
   
   
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Die Abwehr gegen Fremdstoffe findet auf verschiedenen Ebenen statt.
   
   
   
   
Der Mensch nutzt bei der Auseinandersetzung mit seiner Umwelt nicht sofort sein ganzes, vielschichtiges Abwehrsystem.
Er reagiert stufenweise:
   
   
   
   
- zunächst muß der Fremdstoff die Barriere von Haut und Schleimhäuten durchdringen
- hat der Fremdstoff die äußere Barriere überwunden, setzt eine örtliche Entzündung ein
- reicht die örtliche Entzündung nicht aus, um den Fremdstoff im Vorfeld einzugrenzen, wird die gesamte Immunabwehr, insbesondere die, die durch die Immunzellen bedingt ist, aktiviert.
   
   
   
   
   
Barriereschutzfunktion von Haut und Schleimhäuten
   
   
Abgrenzung gegen Fremdstoffe im Übergangsfeld von Haut und Schleimhäuten mittels einer örthchen Entzündung, teils spezifisch durch Aktivierung von Immunzellen vor Ort, teils unspezifisch durch Freisetzung von Abwehrstoffen aus der Leber
Abwehr, spezifisch durch Immunzellen, falls Fremdstoffe die Barriere von Haut und Schleim­häuten durchdrungen haben
   
   
   
   
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Die äußere Abwehr durch Haut und Schleimhäute
Der Mensch grenzt sich über seine Haut und Schleimhäute gegen seine Umwelt ab. Der Zustand der Haut, insbesondere aber der Schleimhaut, spielt eine große Rolle in der Abwehr von Bakterien, Viren, Pilzen, Allergenen, Schadstoffen aus der Umwelt sowie Stoffen, die eine Intoleranz- bzw. eine pseudoallergische Reaktion hervorrufen.
Die Haut besitzt bei einem Erwachsenen eine Oberfläche von ca. 2 m2, die Schleimhaut des Atemtraktes mißt ca. 70 m2, und die Darmschleimhaut bedeckt eine Fläche von 200 m2 bis zu 400 m2.
Wie wichtig eine intakte Abwehrfunktion der Schleimhaut als Schutz z. B. vor allergischen Reaktionen ist, kann im Experiment gezeigt werden (308). Gesunde Personen, die allergisch auf Pollen reagieren und Heuschnupfen bekommen, werden in einen Raum geführt, der Pollen enthält, ohne daß dies den Probanden bekannt ist. Je nach Zustand und damit Abwehrfunktion der Nasenschleimhaut zeigen die Personen ein unterschiedliches Verhalten:
- ist die Nasenschleimhaut geschwollen, d. h. ist ihr Barriereschutz vermindert, so bekommen die Betreffenden einen allergischen Schnupfen unmittelbar nach Betreten des Raumes
- ist die Nasenschleimhaut nicht geschwollen, d. h. ist sie intakt und verfügt über ihren vollen Oberflächenschutz, so tritt trotz Allergenkontakt kein Schnupfen auf
- werden symptomfreie Personen mit intakter Nasenschleimhaut einem belastenden Interview unterzogen, so schwillt ihre Nasenschleimhaut an. Der Barriereschutz wird ungenügend, und ein allergischer Schnupfen setzt ein.
Der Barriereschutz, insbesondere der Schleimhaut, wird herabgesetzt, z. B. durch
- Reizgase in der Atemluft wie Ozon, Formaldehyd, Stickoxide, Schwefeldioxid. Sie irritieren vornehmlich die Schleimhaut des Atemtrakts.
- Säuren in der Nahrung wie Fruchtsäuren in Früchten oder Säften, aber auch Süßigkeiten, die zu Essigsäure verstoffwechselt werden. Sie schädigen vor allem die Schleimhaut des Magen-Darm-Trakts.
- gestreßte oder frustrierte Gefühle: können die Gefühle nicht durch Angriff oder Flucht abreagiert werden, so führt das zu einer Schleimhautschwellung (120,121).
Auf die drei letztgenannten Faktoren, die den Barriereschutz der Schleimhaut verringern, soll im Detail eingegangen werden.
   
   
   
   
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Irritation der Schleimhaut durch Reizgase, z. B. Rauchen
Wir wissen, daß die Außenluft mit Schadstoffen belastet ist. Wenig bewußt ist uns, daß die Schadstoffkonzentrationen in der Innenraumluft durchschnittlich um ein Vielfaches höher liegen als in der Außenluft, Smogwetterlage oder Sommersmog ausgenommen (73, 156, 157, 292).
Die Luft in Innenräumen wird stark belastet vor allem durch das Rauchen. Schon morgens beim Betreten eines Raumes, in dem geraucht wird, findet sich ein Gehalt an Formaldehyd in der Luft, der über dem Vorsorgewert des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes für Innenräume hegt - 0,1 ppm - (s. Abb.). Werden nur zwei Zigaretten geraucht, so erhöht sich die Konzentration an Formaldehyd von 0,225 ppm auf 0,529 ppm, ein Wert, der über der maximalen Arbeitsplatzkonzentration in gewerbhchen Betrieben hegt und dort nicht überschritten werden sollte. Öffnen des Fensters läßt die Konzentration an Formaldehyd in der Raumluft drastisch absinken.
   
   
   
   
ppm Formaldehyd 1. 2. Zigarette Öffnen des Fensters
   
   
   
   
   
   
   
   
I I-1-1-1-
0 10 20 30 40 Min.
   
   
   
   
Nach einer Umfrage des Bundesgesundheitsministeriums aus dem Jahre 1985 rauchen hierzulande ca. 40 % der über 20jährigen Erwachsenen. Zieht man in Betracht, daß sich der Mensch zu 80 % seiner Zeit in Innenräumen aufhält, so kann man erahnen, welcher Schadstoffbelastung er durch aktives Rauchen und/oder Passivrauchen ausgesetzt ist. Abhängig von der Zahl der gerauchten Zigaretten ist auch der Gehalt an Schwebstaub, der die Bronchien belastet, in Raucherhaushalten erhöht, ebenso wie der Gehalt an Cadmium, das beim Rauchen freigesetzt wird.
Schadstoffe, die durch Rauchen freigesetzt werden (84, 111, 202, 301),
- reizen vor allem die Schleimhaut des Nasen-Rachen-Raumes und führen zu Schnupfen sowie häufigen Erkältungskrankheiten
- beeinträchtigen die Reinigungsfunktion der Bronchien bei gleichzeitiger Störung der Schleimproduktion und der Abwehr der BroncWalschleimhaut. Die Folgen sind vermehrte asthmatische und bronchitische Beschwerden.
- mindern im Bereich der Lungenbläschen die Tätigkeit der AbwehrzeUen (Makrophagen) mit der Gefahr einer erhöhten Infektanfälligkeit und der des Auftretens von Lungenentzündungen.
   
   
   
   
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Säuglinge und Kleinkinder rauchender Mütter leiden häufiger an Infekten der oberen Luftwege, vor aUem an Bronchitiden und Lungenentzündungen sowie obstruktiven (spastischen) Atemwegserkrankungen.
Kinder und Jugendliche (8-19 Jahre) husten häufiger, wenn ihre Eltern rauchen. Bei Schulkindern, die sich das Rauchen angewöhnt haben, treten gehäuft Husten, Schleimauswurf und Verkürzung der Ausatemdauer auf. Nach zweijähriger Inhalation von Tabakrauch von auch nur wenigen Zigaretten pro Tag zeigen sich gegenüber der Nichtraucher-Kontrollgruppe Nachteile in Form von frühzeitigen Atemwegserkrankungen. Rauchen scheint die Entwicklung von Allergien zu begünstigen (150, 179, 216). In Studien mit asthmatischen Kindern ist Passivrauchen ein symptomverstärkender Faktor. Durch Passivrauchen wird der Medikamentenverbrauch erhöht und stationäre Krankenhausaufenthalte sind häufiger notwendig. Das Alter der Ersterkrankung wird herabgesetzt. Es ist jedoch nicht möghch, die passive Tabakrauchexposition alleine als verursachenden oder aufrechterhaltenden Faktor verantworthch zu machen (202).
   
   
   
   
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Herabsetzen der Schleimhautschutzfunktion durch Säuren in der Nahrung
Säuren in der Nahrung bzw. Säuren, die durch Stoffwechselvorgänge gebildet werden, irritieren besonders die Darmschleimhaut (155):
- Fruchtsäuren aus Obst und Fruchtsäften führen bei einem jungen Säugling zum Wundsein der Haut um die Afterregion, sie verändern aber auch die Darmschleimhaut.
- Wein, der viel Säure enthält, erzeugt Sodbrennen und Gastritis.
- Süßigkeiten werden zu Säure verstoffwechselt. Sie schädigen nicht nur die Schleimhaut, sondern schaffen in der Mundhöhle das Milieu, das die Entstehung von Caries begünstigt.
- Reagieren Fruchtsäuren und Kohlenhydrate aus Nahrungsmitteln miteinander, so kann eine saure Gärung des Darminhaltes entstehen, die die Schleimhautbarriere beeinträchtigt.
   
   
   
   
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Schleimhautfunktion und Gefühlsäußerungen
Gefühle, werden sie zu stark ausgelebt durch z. B. langdauerndes, starkes Schreien oder aber unterdrückt und nicht geäußert, fuhren zu einem Anschwellen der Schleimhaut mit Verlust der Barriereschutzfunktion. Die Schwellung der Schleimhaut des Bronchialsystems kann dabei so ausgeprägt sein, daß dadurch unmittelbar Asthma ausgelöst wird.
Beispiel:
Eine weibhche Person, die unter Asthma leidet, wird im beschwerdefreien Intervall durch ein Interview belastet. Das Interview löst bei der Frau Gefühle von Verbittertsein, Abweisung, Versagen, Hilflosigkeit aus. Daraufhin schwellen die Nasen- und Bronchialschleimhaut stark an mit Freisetzen von Sekret, und es tritt sogar ein Asthmaanfall auf (308).
   
   
   
   
Stärke der Reaktion 4+
   
Asthmaanfall durch Sekretbildung und Bronchialschleimhautschwellung
r,
   
   
   
   
3+
   
   
   
   
2+ -
   
   
   
   
Sekretbildung
   
   
   
   
1+ -
   
   
   
   
Schwellung der Schleimhaut von Nase und Bronchien
   
'Auftreten von Gefühlen: Bitterkeit, Abweisung Versagen, Hilflosigkeit
   
   
   
   
-l-r-r
20 30 40
   
   
T
   
   
   
50
   
t 90 'Sodiumamytal
   
150 Min.
   
   
   
   
Interview
   
   
   
   
100
   
   
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Yulli

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Re: STEMMANN, 1999
« Reply #3 on: March 18, 2019, 04:55:58 PM »


Die örtliche Entzündung
Hat der Fremdstoff die äußere Barriere überwunden, so befindet er sich in einem Übergangsfeld. Ist der Fremdstoff "unerwünscht", wehrt sich der Organismus gegen den Eindringling durch eine örtliche Entzündung. Sie ist teils unspezifisch durch Freisetzung von Abwehrstoffen aus der Leber, teils spezifisch durch Aktivierung von Immunzellen vor Ort.
   
   
   
   
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Funktion der Immunzellen, das sogenannte Kennenlernen
Bei Kontakt mit einem Fremdkörper/-Stoff wird dieser von einer Freßzelle einverleibt und verdaut, das Verdauungsprodukt wird als Botschaftersubstanz an spezielle Immunzellen (T-Lymphozyten) weitergegeben. Die T-Lymphozyten beginnen sich durch Teilung zu vermehren, und sie spezialisieren sich zu aktivierten T-Lymphozyten und T-GedächtniszeUen. Außerdem informieren die T-Lymphozyten weitere Immunzellen, die B-Lymphozyten, über die Botschaftersubstanz des Fremdstoffs. Daraufhin differenzieren sich die B-Lymphozyten zu antikörperproduzierenden Plasmazellen und B-Gedächtniszellen (183, 234).
aktivierter T-Lymphozyt
/
LT-Gedächtniszelle
Fremdkörper/-stoff —»Freßzelle—> Botschaftersubstanz —»T-Lymphozyt
a antikörperproduzierende / Plasmazelle
   
   
   
   
B-
   
   
   
   
   
B -Gedächtniszelle
   
   
   
   
Die beiden Säulen der Immunzellabwehr bestehen also aus zwei Reihen weißer Blutzellen, den T-Lymphozyten und den B-Lymphozyten. Während die T-Lymphozyten selbst in den Abwehrkampf eingreifen, stehen die B-Lymphozyten Antikörper her, die man als ferngelenkte Waffen bezeichnen könnte; die sie aber nur bilden, wenn sie von den T-Lymphozyten dazu beauftragt werden.
Der beschriebene Vorgang benötigt seine Zeit, häufig bricht daher bei Erstkontakt mit einem Infektionserreger wegen der zunächst noch ungenügenden spezifischen Abwehr eine Krankheit aus.
Nachdem der Erstkontakt mit dem Fremdstoff erfolgt ist, das Kennenlernen stattgefunden hat, verfügt das Immunsystem über spezielle Fähigkeiten:
- es hat ein Gedächtnis angelegt aus T-Gedächtniszellen und B-Gedächtniszellen mit deren Hilfe es bei einem künftigen Kontakt mit dem Fremdstoff in der Lage ist, unmittelbar, d. h. sehr schnell den Fremdstoff zu bekämpfen. Diese Reaktionsweise läßt sich als sogenanntes Wiedererkennen bezeichnen.
   
   
   
   
102
   
   
   
         
               
   
   
   
Wiedererkennen
   
   
   
   
Befällt der Fremdkörper/-Stoff den Organismus erneut, so wird er wieder von Freßzellen inkorporiert. Die Freßzelle aktiviert über das Verdauungsprodukt, die Botschaftersubstanz, die T- und B-Lymphozyten, die sich jetzt, je nach Funktionsbedarf, sehr schnell in aktivierte T-Lymphozyten mit besonderen Fähigkeiten und/oder in aktivierte B-Lymphozyten mit antikörperproduzierenden Plasmazellen teilen. Die Abwehr steht in kürzester Frist zur Verfügung, und sie kann Krankheit, z. B. eine Infektion, verhindern.
   
   
   
   
. T-Killerzelle.
   
, direkte Vernichtung des Erregers
   
   
   
   
aktivierter T-Lymphozyt^
   
T-Suppressor-Zelle
   
beendet Immunreaktion, wenn Erreger vernichtet ist
   
   
   
   
T-Helferzelle
   
"^regt B-Lymphozyt zur Antikörperbildung an
   
   
   
   
T-Gedächtniszelle
   
   
   
   
Fremdkörper/-stoff —»Freßzelle-
   
-» Botschaftersubstanz
B-Gedächtniszelle
aktivierter B-Lymphozyt-» Plasmazelle-» bildet spezifische Antikörper, z. B.
Immunglobulin A (IgA) Immunglobulin M (IgM) Immunglobulin G (IgG) Immunglobulin D (IgD) Immunglobulin E (IgE)
   
   
   
   
Die Immunabwehr ist sehr komplex, sie wird in ihren weiteren Details nicht erklärt, um den Leser nicht mit unnötigem Fachwissen zu belasten. Es geht dem Autor des Buches nur darum, die prinzipielle Reaktionsweise der Immunabwehr am Beispiel der Immunzehen darzustehen.
Anmerkung:
Der Leser möge sich besonders folgende Zelltypen merken, da sie wiederholt erwähnt werden:
- Killerzehe: sie vernichtet Erreger wie Bakterien, Viren, Pilze, besonders auch Tumorzehen
- Suppressorzelle: sie beendet Immunreaktionen
- Helferzehe: sie regt die Antikörperbildung an, so auch die Bildung des Immunglobulins E (IgE), das bei der Allergie gebildet wird
- Quotient Helfer-ZSuppressorzehe bzw. -Lymphozyt: ist der Quotient niedrig, so ist die Antikörperbildung gering. Ein hoher Quotient wird bei vermehrter Antikörperbildung gefunden.
   
   
   
   
103
   
   
   
               
      
   
   
   
Autonome oder zentrale Steuerung des Immunsystems?
- Die herrschende Meinung ist, daß das Immunsystem selbständig, autonom einen Fremdkörper/-stoff angreift, wenn er in den Organismus eingedrungen ist. Daß eine Autonomie besteht, läßt sich auch im Reagenzglas beweisen.
- Nach der in diesem Buch vertretenen Meinung ist die Autonomie der Immunabwehr in einem vitalen menschhchen Organismus von untergeordneter Bedeutung und eher einfachen Organismen vorbehalten. Im Laufe der Evolution ist dem Immunsystem hochentwickelter Lebewesen eine übergeordnete Koordinations- und Steuerungszentrale zugewiesen worden, die im Gehirn und zwar im Bereich des Hypothalamus hegt. Von ihr werden sämthche immunologischen Abwehrvorgänge gesteuert und koordiniert.
Diese Ansicht stützt sich auf wissenschafthche Untersuchungen aus dem Gebiet der Psycho-
Neuro-Immunologie (2, 3, 4, 9 , 32, 151, 152, 153, 190, 280). Die Abwehr des Menschen ist so komphziert, daß die Immunzehen mit ihren Speicherorganen einer Steuerungszentrale bedürfen. Die Funktionen können nur auf einer höheren Ebene als der, die durch das Immunsystem selbst repräsentiert wird, koordiniert werden:
- wann soll der Fremdstoff angegriffen werden?
- wieviel Immunzellen werden benötigt?
- sind Zellen mit besonderen Fähigkeiten gefragt?
- sollen auch Antikörper gebildet werden?
- wann ist der Abwehrvorgang zu beendigen?
Die Autonomie der Immunabwehr gewinnt vor allem dann an Bedeutung, wenn durch einen Schock die übergeordnete Steuerung der Immunabwehr durch das Gehirn ausfällt. Hier sichert die dann einsetzende Autonomie das Leben des Betroffenen.
   
   
   
   
104
   
   
   
      
      
   
   
   
Uber welche Wege steuert das Gehirn das Immunsystem?
   
   
   
   
Vom Zwischenhirn, besonders dem Hypothalamusbereich aus, den man sich als übergeordnete Steuerungs- und Koordinationszentrale für das Immunsystem vorzustehen hat, wird die Immunabwehr über drei Hauptwege beeinflußt:
- das vegetative Nervensystem
- die Drüsen (Hypophyse und Nebenniere) mit ihren Hormonen
- die Peptide, Cytokine
   
   
   
   
Gehirn
   
   
   
   
   
   
   
   
Daneben existieren weitere, aber nicht so bedeutsame Pfade, um auf die Abwehr Einfluß zu nehmen, z. B. über (92):
- Insulin
- Wachstumshormon
- weibhche Geschlechtshormone
- u. a.
   
   
   
   
105
   
   
   
      
         
   
   
   
Das vegetative Nervensystem
   
   
   
   
Das vegetative Nervensystem, das man auch als autonomes Nervensystem bezeichnet, ist das erste Kommunikationssystem für den "innerbetrieblichen" Informationsaustausch zwischen dem Gehirn und dem Immunsystem.
Das vegetative Nervensystem unterhegt der direkten Kontrolle verschiedener Nervenkerne im Stammhirn, die ihrerseits vom Hypothalamus beeinflußt werden. Das vegetative Nervensystem besteht aus zwei Teilen, dem
- sympathischen Nervensystem mit Nebennierenmark
■_ Hypothalamus^-,
$
Hirnstamm
Nerven des Sympathicus_^ Immunsystem ^_Adrenalin 80 %
Noradrenalin Organe Noradrenalin 20 %
   
   
   
   
   
   
   
   
und dem
- parasympathischen Nervensystem, auch genannt Vagus (219).
Das sympathische Nervensystem steht mit dem Lymphgewebe und den Speicherorganen von Immunzellen (Milz, Lunge) sowie den Immunzellen selbst in direktem Kontakt über seine Nervenausläufer (1) und beeinflußt deshalb die Immunzehen und die Antikörperbildung (89, 90, 91).
Seine Wirkung entfaltet das sympathische Nervensystem über
- seine Nerven, indem es an seinen Nervenendigungen Noradrenalin freisetzt.
- das Nebennierenmark, das ein Gemisch aus 80 % Adrenahn und 20 % Noradrenalin produziert (29, 72, 126, 224).
Welche immunologischen Veränderungen durch Adrenahn und Noradrenahn ausgelöst werden, konnte in Experimenten gezeigt werden (231, 232):
- Je 7 gesunde Personen erhielten Adrenahn bzw. Noradrenalin. Als Kontrolle dienten 5 Ge­sunde, denen eine Kochsalzlösung verabreicht wurde.
- Adrenahn und Noradrenalin erhöhen den Anteil der Killerzehen im Blut.
   
   
   
   
Killerzellen (CD16)
   
   
   
   
   
106
   
   
   
         
            
   
   
   
Auch die Funktion der Killerzellen wurde beeinflußt durch Gabe von Adrenalin und Noradrenalin, ihre Fähigkeit, Fremdstoffe anzugreifen (Cytotoxicität), stieg an (232, 283).
   
   
   
   
%
   
Noradrenalin
   
   
   
   
Killerzell Aktivität— / / \
   
   
   
   
   
Verabreichung
-T~5—I 15 I 30 l 60 I 120 1 Min.
- Adrenalin verminderte zudem den Anteil der Helferzellen im Blut (231)
   
   
   
   
60— .......___________ Kochsalz
   
   
   
   
Helferzellen
   
   
   
   
   
20-
   
   
   
   
Verabreichung
   
   
   
   
1 5 I 15 r~3Ö i~6Ö I 120 «Min.
   
   
   
   
- auf die Suppressorzellen wurde kein Einfluß genommen
Dadurch sinkt bei Streß der Quotient Helfer-/Suppressorzelle ab, wodurch die Antikörperbildung herabgesetzt wird.
Produziert der Organismus bei Anspannung, Streß vermehrt Adrenalin und Noradrenalin, so
- steigt die Zellabwehr an
- der Anteil der Killerzellen erhöht sich im Blut
- die Aktivität der Killerzellen nimmt zu
- sinkt die Antikörperbildung ab
- der Quotient Helfer-/Suppressorzellen wird kleiner
Adrenalin und Noradrenalin stabilisieren zudem die Mastzellen, die dann, wenn sie Allergenkontakt haben, keine Botenstoffe für die allergische Reaktion abgeben können.
Der Mensch erhöht den Spiegel von Adrenalin und Noradrenalin im Blut bei Anspannung, Streß, und zwar dann besonders, wenn er glaubt, die Belastung durch Angriff oder Flucht bewältigen zu müssen.
Beachte: Die Immunfunktion ist streß abhängig!
   
   
   
   
107
   
   
   
            
            
   
   
   
Die Drüsen mit ihren Hormonen
   
   
   
   
Das zweite Kommunikationssystem zwischen Gehirn und Immunsystem bzw. den Organen stellen die Drüsen mit ihren Hormonen dar.
Über Hormone werden vom Hypothalamus nacheinander die Hirnanhangdrüse und danach die Nebenniere (ihre Rinde) beeinflußt (246, 279). Die Nebennierenrinde produziert Cortisol, das auf das Immunsystem einwirkt.
   
   
   
   
• Hypothalamus ^* Hirnstamm
   
   
   
   
Hormon
   
   
   
   
Hormon
   
   
Cortisol
   
   
   
   
Je nach Höhe des Cortisolspiegels im Blut wird die Abwehr gestärkt oder geschwächt:
- ein leicht erhöhter Cortisolspiegel stimuliert die Immunabwehr, schützt somit vor Krankheit.
- Cortisol übt auch eine Schutzwirkung auf die Mastzellen aus, in dem es die Mastzellen stabilisiert.
- ein sehr stark erhöhter oder chronisch erhöhter Spiegel an Cortisol mindert die Immunabwehr, der Aufbau und die Aktivität des lymphatischen Gewebes werden unterdrückt, was zur Folge hat, daß die Zahl der Immunzellen und die Produktion von Antikörpern abnimmt. Der Organismus wird lcrankheitsanfällig.
Die Tatsache, daß bei einem sehr stark erhöhten Cortisolgehalt im Blut die Abwehr herunter­reguliert wird, ist sinnvoll und dadurch begründet, daß eine zu stark aktivierte Abwehr den Organismus selbst angreifen und zerstören würde.
Cortisol wird vom Organismus besonders in Lebenssituationen vermehrt in das Blut abgegeben, in denen er sich hilflos und handlungsunfähig fühlt. Wie Betroffene auf Cortisol reagieren, welche Zellreaktionen ausgelöst werden, läßt sich zeigen, wenn ein Kortisonpräparat verabfolgt wird (40):
   
   
   
   
108
   
   
   
            
            
   
   
   
Zellen/uu 400
   
   
5000-Neutrophile
   
   
   
Lymphozyten— 1000-
   
   
100 mg Prednisolon
   
   
   
   
Im Venenblut steigt der Anteil der Neutrophilen nach Kortisongabe an, Eosinophile und Lymphozyten fallen prozentual an den erfaßten Zellen ab.
   
   
   
   
/ <r- Natürliche Killerzellen
   
   
   
   
T-Suppressor-Zehen
Vf\ \/ T-Lymphozyten
ä \ \ * T-Helferzehen 11 \ \ /
   
   
   
   
i—i—r
1 18
   
_Prednisolon
l—n—r*
10 14 18 Uhr
   
   
   
   
Nach Kortison erhöht sich der Anteil der N-Killerzellen von ca. 40 % auf 60 %, die T-Lymphozyten und die T-Heherzehen verringern sich anteilsmäßig, während die T-Suppressorzehen in ihrem Anteil relativ konstant bleiben. Der Quotient Helfer-VSuppressor-zellen nimmt durch Streß ab, und dadurch wird die Antikörperbildung im Blut herabgesetzt.
   
   
   
   
Beachte: Die Abhängigkeit der Immunfunktion von Streß zeigt sich auch beim Cortisol.
   
   
   
   
109
   
   
   
            
      
   
   
   
Peptide, Cytokine
Das dritte Kommunikationssystem, über das die Immunsteuerungszentrale im Gehirn mit dem peripheren Immunsystem Informationen austauscht, sind die Peptide (13, 38, 39, 93, 117, 145, 176, 198, 200, 201, 221, 223, 233, 250, 279). Die Opioid-Peptid-Hypothese erklärt, wie über Gefühle Immunreaktionen verändert werden (139).
- Menschen, die insbesondere Gefühle nicht mitteilen können und Ärger, Angst, innere Spannungen unterdrücken, weisen (z. B.) einen erhöhten Spiegel von Peptiden (Endorphinen) auf, der für ein derartiges Verhalten verantworthch gemacht wird. Verabreicht man diesen Personen ein Mittel, das die Wirkung der Endorphine aufhebt, so spüren sie dosisabhängig Ärger, Angst und innere Spannung. Da Endorphine Einfluß haben auf das Immunsystem, zeigen Menschen, die Gefühle unterdrücken und verneinen, eine verminderte Zahl an Immunzellen (Monozyten) im Blut, was sie anfälliger für Infektionen macht, und sie weisen auch eine erhöhte Zahl von eosinophilen Blutzellen sowie gehäuft ahergische Reaktionen bei der Einnahme von Medikamenten auf.
- Auch weiße Blutzehen produzieren kleine molekulare Proteine (Polypeptide, die dem Signalaustausch zwischen den Zehen dienen und als Interleukine bezeichnet werden (lateinisch - inter (zwischen) - und griechisch leukes (weiß) -). Als sich später herausstellte, daß viele andere Zehtypen, so z. B. vor ahem Immunzehen und auch Organe, z. B. manche Hirnregionen, auf diese Moleküle ansprachen, fand man die treffendere, allgemeine Bezeichnung - Cytokine (von griechisch - kytos (Höhlung oder Gefäß für Zehe) und - kinein (hineinbewegen) (13, 279).
Die Cytokine stehen eine große Substanzklasse dar zur Verständigung von Zellen, auch Immunzehen untereinander. Einzelne Cytokine gelangen in das Gehirn, außerdem können sich Cytokine auch bestimmter Nervenbahnen bedienen, so des Vagus.
   
   
   
   
110
   
   
   
      
                  
   
   
   
Rückkopplungsschleifen
In die Immunsteuerungsprozesse sind Rückkopplungsschleifen eingebaut (30, 36, 226, 279):
- Reizung der Nervenendigungen des vegetativen Nervensystems in der Peripherie wird vom Gehirn wahrgenommen, ebenso wie ein erhöhter Spiegel von Adrenalin, Noradrenalin im Blut
- ein erhöhter Spiegel an Cortisol im Blut bremst über das Gehirn die weitere Erhöhung des Cortisols im Blut
- die Immunzellen produzieren selbst Peptide, Cytokine, die auf den Hypothalamus rückwirken
   
   
   
   
Gehirn
   
   
   
   
   
Hypothalamus
   
   
   
   
t.
   
   
   
Drüsen mit ihren Hormonen Cortisol
   
vegetatives Nervensystem Adrenahn pradrenalin
   
   
Peptide Cytokine
   
   
   
Immunsystem
   
   
   
   
1977 konnte erstmals bewiesen werden, daß zwischen dem aktivierten Immunsystem und dem Hypothalamus ein Informationsfluß besteht: im Tierversuch heßen sich bei Antigenkontakt im Hypothalamus elektrische Potentiale ableiten (28).
Der Ort, von dem aus sämthche Abwehrvorgänge gesteuert, reguhert, koordiniert werden, ist das Zwischenhirn. Es ist zugleich Sitz der Gefühle, die dadurch einen starken Einfluß auf die Abwehr besitzen. Die Abwehr ist ein unbewußtes Geschehen.
   
   
   
   
Großhirn
   
   
   
   
   
   
   
   
111
   
   
   
                  
      
   
   
   
Merke:
   
   
   
   
Die Abwehr gegen Fremdstoffe aus der Umwelt findet auf drei Ebenen statt
- Haut und Schleimhäute
- örthche Entzündung
- Zehabwehr, insbesondere durch Immunzellen, Antikörper
Die Steuerungszentrale der Abwehr hegt im Zwischenhirn, im Hypothalamusbereich. Von hier aus wird die Abwehr vor allem über
- Adrenahn, Noradrenalin
- Cortisol
- Peptide, Cytokine gelenkt und moduhert.
Die unterschiedhchen Ebenen der Abwehr sind wiederum durch Rückkopplungsschleifen mit dem Hypothalamus verbunden und die Abwehrvorgänge laufen unbewußt ab.
   
   
   
   
112
   
   
   
      
      
   
   
   
Die Abwehr funktioniert nur zu einem geringen Teil autonom, sie wird hauptsächlich durch das Zwischenhirn gesteuert, geschieht also unbewußt
   
   
   
   
113
   
   
   
      
      
   
   
   
4. Wie paßt sich die Abwehr an die Erfordernisse des Lebens an?
   
   
   
   
Die Abwehr ist nicht statisch. Vielmehr paßt der Organismus seine Abwehrvorgänge ständig den Anforderungen des Lebens an. Das geschieht unbewußt. Das Grundprinzip des Organismus, sich auf die wechselnden Gegebenheiten des Lebens einzurichten, wird sichtbar an der Reaktion des Immunsystems am Tage und in der Nacht und zeigt sich noch ausgeprägter in der Anpassung der Immunabwehr im Wechsel von Anspannung/Streß zu
   
   
   
   
         
   
Entspannung/Erholung.
   
   
   
/ Immunabwehr \
   
   
   
/ - am Tage \
   
   
   
/ - bei Anspannung/Streß \
   
   
   
   
\ Immunabwehr /
   
   
   
\ - in der Nacht /
   
   
   
\ - bei Entspannung/Erholung /
   
         
   
   
   
   
114
   
   
   
      
      
   
   
   
Die Abwehr im Wechsel von Tag zu Nacht
Die Fähigkeit der Immunabwehr dient dem Überleben, sie schützt vor Krankheiten. Der Organismus arbeitet ökonomisch, deshalb ist seine Abwehr in Zeiten, in denen er wenig von Krankheit bedroht ist, auch nur so aktiv wie notwendig, um Gesundheit zu wahren. Schützen muß sich der Organismus vor Krankheiten durch Fremdstoffe aus der Umwelt, d. h. vor Schadstoffen, Bakterien, Viren, Pilzen, Allergenen u. a. gleichermaßen, denn es ist nicht vorauszusehen, mit welchem Agens der Organismus Kontakt haben wird. Wie reguhert der Organismus seine Abwehr, wie paßt er sie an die gegebenen Umstände an?
- Tag, er bedeutet in der Evolution Anspannung, Aktivität, aber auch Gefahr, verletzt zu werden. Deshalb müssen die Abwehrvorgänge erhöht sein.
- Nacht, sie bringt Entspannung, Ruhe, Geborgenheit. Verletzungsgefahren sind gering, und deshalb können Abwehrvorgänge auch relativ gering sein.
Am Tag, durch Anspannung, werden Streßhormone wie
- Cortisol
- Adrenalin
- Noradrenahn
vermehrt in das Blut gegeben, so daß ihre Konzentration im Blut und Gewebe hoch hegt.
In der Nacht, im entspannten Zustand sind dagegen die Streßhormone in niedriger Konzentration im Blut und Gewebe enthalten.
   
   
   
   
   
   
   
   
Tag Nacht
   
   
   
   
Da, wie bereits beschrieben, die Streßhormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol mit zunehmender Konzentration im Blut die Anzahl und Aktivität der Killerzellen erhöhen, müssen
- die Zahl der Killerzellen und ihre
- Aktivität
im Blut am Tage höher als in der Nacht sein und auch die Zahl der neutrophilen Granulozyten (neutrophilen weißen Blutkörperchen) hegt am Tage über der der Nacht (40).
   
   
   
   
   
   
   
   
10 14 18 22 2 6 10 Uhr
   
   
   
   
115
   
   
   
      
      
   
   
   
Die Helferzellen verhalten sich invers, sie sind nachts in höherer Zahl bzw. zu einem höheren Anteil an den T-Lymphozyten in Blut zu finden. Es bedeutet, daß durch den Streß des Tages der Quotient Helfer-/Suppressorzellen klein und die Antikörperbildung niedrig ist und in der Nacht der Helfer-/Suppressorquotient ansteigt, was eine erhöhte Antikörperbildung zur Folge hat (40).
   
   
   
   
   
   
   
   
Am Tage, bei Anspannung
- schützt sich der Organismus vor ahergischen, Intoleranz- bzw. pseudoallergischen Reaktionen
- durch einen erhöhten Gehalt von Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin im Blut und Gewebe und indem zusätzlich die Mastzellen stabilisiert werden.
- wehrt sich der Organismus gegen Bakterien, Viren, Pilze, Schadstoffe
- durch erhöhte Zahlen an Killerzellen bzw. neutrophile Granulozyten im Blut
- durch erhöhte Aktivität der Killerzellen, die Fremdstoffe verstärkt anzugreifen vermögen Je stärker die Zellabwehr im Blut, desto niedriger ist die Produktion von Antikörpern im Blut, deshalb ist am Tag die Abwehr durch Antikörper geringer als nachts.
In der Nacht, bei Entspannung
- können allergische sowie Intoleranz- bzw. pseudoallergische Reaktionen leicht auftreten
- Cortisol, Adrenalin, Noradrenahn liegen im Blut und im Gewebe in niedrigerer Konzentration als am Tage vor, und deshalb werden die Mastzellen weniger als am Tage stabihsiert
- können Entzündungen durch Bakterien, Viren, Pilze, Schadstoffe leichter auftreten
- die Zahl an Killerzellen und neutrophilen Granulozyten ist im Blut vermindert
- die Aktivität der Killerzellen, Fremdstoffe anzugreifen, ist reduziert.
Diesen Nachteil gleicht der Organismus dadurch aus, daß er nachts die Abwehr durch Antikörperbildung erhöht.
   
   
   
   
   
   
   
   
Tag Nacht
   
   
   
   
116
   
   
   
      
      
   
   
   
Abwehr bei starker Anspannung, Streß
Die Grundphänomene der Abwehr, wie sie bei einem Wechsel von Tag und Nacht auftreten, sind noch wesentlich ausgeprägter bei Streß und der dann folgenden Erholung, unabhängig davon, ob der Streß z. B. durch körperliche Belastung oder Angst ausgelöst wird. Glaubt der Mensch, in großer Gefahr zu sein, so kann er der Bedrohung durch Angriff begegnen, oder er kann sich ihr durch Flucht entziehen. Um diese Reaktionsformen zu ermöglichen, schüttet der Organismus vermehrt Streßhormone, z. B. Adrenalin, Noradrenalin, Cortisol in das Blut und Gewebe aus, und er
- erhöht dadurch den Blutdruck
- steigert die Zahl der Herzschläge und verstärkt die Schlagkraft des Herzens
- versorgt seine Muskulatur optimal mit Sauerstoff und Energie
- erweitert das Bronchiallumen maximal durch Bronchialmuskelentspannung
- läßt die Bronchialschleimhaut abschwellen.
Es liegen jetzt die besten Bedingungen für den Organismus vor, anzugreifen oder zu flüchten.
In einer derartigen Gefahrensituation besteht ein erhöhtes Verletzungsrisiko mit der Möglichkeit zu erkranken. Aus diesem Grund wird die Zellabwehr maximal erhöht,
- es werden vermehrt Killerzellen und neutrophile Granulocyten in das Blut freigesetzt
- die Aktivität der Killerzellen wird gesteigert.
Die hohe Zahl an Killerzellen im Blut und ihre gesteigerte Aktivität sowie die neutrophilen Granulocyten sind Garantie dafür, daß ein schädigendes Agens, das die Haut bzw. Schleimhaut und das Gewebe passiert hat und das in das Blut gelangt, sofort angegriffen und vernichtet wird.
Gegen die allergische, die Intoleranz- bzw. pseudoallergische Reaktion feit sich der Organismus durch
- einen erhöhten Spiegel an Adrenahn und/oder Noradrenalin, Cortisol
- Mastzellstabilisation.
In dieser Phase großer Gefährdung erhöht der Organismus auch seinen Spiegel an Cortisol im Blut, ein notwendiger Mechanismus zum Selbstschutz. Ein erhöhter Cortisolspiegel steigert zunächst einmal die Zehabwehr. Übersteigt der Cortisolspiegel aber eine bestimmte Grenze, so kehrt sich seine Wirkung um - er begrenzt seine Zellabwehr. Würde nämlich die Zellabwehr parallel zum Cortisolanstieg (unbegrenzt, d. h. über ein duldbares Maximum hinaus) gesteigert, so bestünde die Gefahr, daß auch körpereigenes Gewebe attackiert und zerstört würde.
Wähnt sich der Mensch hilflos in einer Gefahrensituation, so reagiert er nicht mit Angriff oder Flucht, sondern bleibt untätig, er ist handlungsunfähig. Adrenalin, Noradrenalin erhöhen sich nur unwesenthch im Blut; es ist der Cortisolspiegel, der massiv ansteigt. Da dadurch besonders die Zellabwehr herunterreguliert wird, besteht ein verminderter Schutz vor allem gegen Infektionserreger.
   
   
   
   
117
   
   
   
      
                     
   
   
   
Körperliche Belastung und Abwehr
   
   
   
   
Bei starker körperlicher Tätigkeit steigen die Streßhormone im Blut und Gewebe an.
- Von den Substanzen Adrenalin, Noradrenalin erhöht sich vor allem das Noradrenalin. Es sinkt nach der Belastung ab (siehe auch Asthma bronchiale nach einer körperlichen Belastung).
- Cortisol
Dargestellt ist eine Mittelwertskurve aus insgesamt vier Belastungstests auf einem Fahrrad­ergometer. Die Tests wurden jeweils im Abstand von einer Woche durchgeführt. An den Tests nahmen acht gesunde Frauen und acht Männer im Alter von durchschnittlich 23,5 Jahren teil. Das Cortisol erreicht 60 Minuten nach der Belastung ein Minimum, das immer unter dem Ausgangswert liegt (88).
Ug/dl
   
   
   
   
   
   
   
   
10
   
nach Belastung
   
   
   
   
vor
   
   
   
   
20
   
40
   
60 Minuten
   
   
   
   
Das Abwehrverhalten, speziell die Immunabwehr durch Killerzellen, wurde bei leichter körperlicher Belastung und starker körperlicher Anstrengung untersucht. - In vier unabhängigen Studien wurde die Auswirkung von starker und geringer körperlicher Belastung auf die Aktivität der Killerzellen getestet. Durch starke Belastung auf einem Fahrradergometer steigt die Aktivität der Killerzellen an. Zwei Stunden nach der starken Belastung sinkt die Aktivität der Killerzellen unter den Ausgangswert vor der Belastung ab.
Unter geringer Belastung verändert sich die Aktivität der Killerzellen nicht (92).
   
   
   
   
%
   
   
   
   
60
Killerzell-Aktivität 40
   
   
Fahrradergometer (starke Belastung)
Rückenmuskulaturübungen (leichte Belastung)
   
   
20-
   
+2 Stunden
   
   
   
   
nach Belastung
   
   
   
   
118
   
   
   
                     
         
   
   
   
Angst und Abwehrverhalten
   
   
   
   
Durch einen Fallschirmsprung wurde Angst erzeugt und das Abwehrverhalten beobachtet:
- Gesunde Personen führten mit einem Lehrer einen Tandemfallschirmsprung durch (231).
Vor und nach dem Sprung sowie während des Sprunges wurden Immunparameter im Blut
gemessen.
- Adrenalin erreicht seinen höchsten Wert während des Sprunges, Noradrenahn und Cortisol folgen kurze Zeit darauf nach. Adrenahn und Noradrenahn haben sich bereits nach 20 Minuten wieder auf den Ausgangswert eingependelt, das Cortisol liegt noch eine Stunde nach dem Sprung über dem Ausgangswert.
   
   
   
   
Adrenalin
   
   
   
   
Noradrenahn
   
   
   
   
Cortisol
   
   
   
   
60 Minuten
Absprung
die Killerzellzahlen im Blut erhöhen sich nach dem Sprung um über 100 % und sinken eine Stunde danach unter den Ausgangswert ab
   
   
   
   
Zellen/ml
   
   
   
   
Killerzellen (CD 56)
600-
200-1
   
   
   
   
   
vor ^ nach (60 Minuten) Absprung
   
   
   
   
_ durch die Angst während des Sprunges erhöht sich die Aktivität der Killerzellen, sie ist eine Stunde danach unter den Ausgangswert abgefahen 50%.
Killerzellen-
   
   
   
   
Aktivität
   
   
   
   
20-*
   
   
   
   
vor T nach (60 Minuten) Absprung
   
   
   
   
119
   
   
   
         
      
   
   
   
während des Sprunges verkleinert sich der Helfer-/Suppressorquotient, um nach dem Sprung auf einen Wert über dem Ausgangspunkt anzusteigen
2-
Helfer-/Suppressorzellen
1-
   
   
   
   
vor I nach (60 Minuten) Absprung
   
   
   
   
120
   
   
   
      
               
   
   
   
Wie verändert der Organismus seine Zellzahl bzw. den prozentualen Anteil der Zellen im Blut in der Streß- und Erholungsphase?
- Es wurde bereits beschrieben, daß sich bei Anspannung, Streß die Zellabwehr, die gegen Fremdstoffe gerichtet ist, im Blut erhöht und bei Entspannung, in der Erholung, vermindert. Wie bewerkstelligt der Organismus eine derartige Anpassung?
- Bei Anspannung, Streß, d. h. - im Notfall -, werden zahlreiche Immunzellen, so z. B. auch als erste Abwehrfront gegen Fremdstoffe Killerzellen, benötigt, und sie werden aus ihren Speicherorganen, Lymphknoten, Milz sowie von der Wand der Blutgefäße (Randpool), vermehrt in das strömende Blut (zirkulierender Pool) abgegeben.
- Ist der Streß vorüber, so sinkt die Zahl der Immunzellen, auch der Killerzellen im Blut, weil die Zellen vermehrt in ihre Speicher zurückkehren und sich an die Wand der Blutgefäße anheften. Sie können sich dabei um 50 - 80 % im Blut vermindern!
Erst danach pendelt sich die Zahl der Immunzellen wieder entsprechend dem Zustand zwischen
Anspannung und Entspannung auf ihr "Normalniveau" ein.
Auch die neutrophilen Granulocyten verhalten sich prinzipiell so wie beschrieben.
   
   
   
   
   
   
   
   
- Lymphozyten (insbesondere die Helferzehen), eosinophile und basophile Granulocyten sinken dagegen bei Streß in ihrer Zahl ab, um in der Erholungsphase wieder vermehrt im Blut zu erscheinen.
   
   
   
   
Streß:
vermehrte Zellzahl in den Speichern
   
Erholung:
   
   
/ vermehrte Zahl / von Lymphozyten, \ f eosinophilen Granulocyten,
basophilen Granulocyten \ im Blut \
   
   
   
   
^ verminderte Zahl von
Lymphozyten \^ eosinophilen Granulocyten
   
/
   
verminderte Zellzahl in den Speichern
   
   
   
   
\
   
basophilen Granulocyten /
   
   
im Blut
   
   
   
   
121
   
   
   
               
         
   
   
   
Die Abwehr durch Antikörperbildung geht im Streß zurück. Die Zahl der Helferzellen sinkt im Blut ab, während die der Suppressorzehen nahezu konstant bleibt. Somit verkleinert sich der Quotient Helfer-/Suppressorzellen, und die Antikörperbildung wird begrenzt. In der Erholungsphase steigt dagegen der Quotient Helfer-/Suppressorzehen im Blut an, und die Antikörperbildung wird angeregt.
   
   
   
   
   
Suppressorzellen
   
   
   
   
122
   
   
   
         
      
   
   
   
Merke:
   
   
   
   
Die Fähigkeit der Immunabwehr dient dem Überleben, sie schützt vor Krankheiten und muß deshalb an die unterschiedhchen Lebensbelastungen angepaßt werden. Das geschieht unterbewußt über das Zwischenhirn. Das Grundprinzip, wie der Organismus diese Aufgabe löst, wird an der Änderung der Immunabwehr beim Wechsel von Tag/Nacht oder deuthcher von Streß/Erholung sichtbar:
- Tag, Anspannung, Streß bedeuten in der Evolution, ebenso wie auch noch heute Gefahr, deshalb müssen die Abwehrvorgänge erhöht sein. Gegen allergische, Intoleranz- und pseudoallergische Reaktionen schützt sich der Organismus durch einen erhöhten Gehalt an Adrenahn, Noradrenalin, Cortisol im Blut und Gewebe, der die Mastzellen stabihsiert. Zudem garantieren erhöhte Zahlen an Killerzellen sowie ihre gesteigerte Aktivität, Fremdstoffe anzugreifen, und eine relativ hohe Zahl von neutrophilen Granulocyten einen effektiven Schutz vor Bakterien, Viren, Pilzen, Schadstoffen u. a.
Nacht, Entspannung sowie Erholung nach Streß signahsieren Geborgenheit, Schutz. Deshalb können die oben genannten Abwehrvorgänge deutlich vermindert sein. Allerdings wird die Antikörperabwehr erhöht.
   
   
   
   
123
   
   
   
      
      
   
   
   
Der Organismus paßt seine Abwehr ständig an Belastungen,
d. h. Gefahren des Lebens an. Bei Anspannung, Streß besteht eine höhere Verletzungsgefahr als im Ruhezustand. Deshalb ist die Abwehr im Streßgeschehen auch besser als in der Erholungsphase.
   
   
   
   
124
   
   
   
      
      
   
   
   
5. Wann erkrankt der Mensch an einer asthmatischen Bronchitis?
Es ist gängige Meinung, daß Streß krank macht und Krankheit in der Streßphase auch auftritt. Tatsächlich zeigt der Alltag aber, daß die asthmatische Bronchitis in der Erholungsphase eintritt, d. h. mehr abends, nachts einsetzt, zum Wochenende oder bei Urlaubsbeginn in Erscheinung tritt.
   
   
   
   
   
   
   
   
125
   
   
   
      
                     
   
   
   
Atemwegsinfekte treten in der Erholungsphase nach Streß auf
   
   
   
   
Eine asthmatische Bronchitis entwickelt sich häufig im Rahmen eines Luftwegsinfektes. Wann tritt ein Luftwegsinfekt auf?
Adrenahn und Noradrenahn werden vom Organismus zu Vanillinmandelsäure verstoff-wechselt, deren Konzentration im 24-Stunden-Urin gemessen werden kann. Sie dient somit als ein Maßstab für das Streßgeschehen in den vorausgegangenen 24 Stunden. Der Ausscheidung von Vanillinmandelsäure wurden dann dem Erscheinen eines Luftwegsinfektes zugeordnet, und es zeigte sich, daß dem Auftreten eines Atemwegsinfektes bei jungen Erwachsenen eine Streßphase ein bis drei Tage vor der Erkrankung vorausgeht. Nicht jede Streßphase ist allerdings von Krankheit gefolgt; in der nachfolgend zitierten Untersuchung trat nach ausgeprägtem Streß in ca. 70 % ein Luftwegsinfekt auf (114).
- Gesunde Frauen und Männer im Alter von 17-28 Jahren wurden untersucht, und es wurde die Konzentration von Vanillinmandelsäure im Urin gemessen. Diejenigen, die an einem Luftwegsinfekt erkranken, zeigen an einem der drei vorausgehenden Tage eine hohe Aus­scheidung von Vanillinmandelsäure. Einen Tag nach Auftreten von Krankheitssymptomen erreicht die Ausscheidung von Vanillinmandelsäure ihren Tiefpunkt.
   
   
   
   
Vanillinmandelsäure
   
   
   
   
0,1- —
   
   
Erkrankte
   
   
   
   
Erkrankung"
   
   
   
   
Bei den Personen, die nicht erkranken, weist der Vanillinmandelsäure-Spiegel im 24-Stun-den-Sammelurin zwar auch Schwankungen auf, jedoch in weit geringerem Ausmaß als bei den Erkrankten.
   
   
   
   
Vanillinmandelsäure
   
   
   
   
0,3
   
   
   
   
Gesunde
   
   
   
   
0,1
   
   
   
   
Tag
-3 -2
   
■1
   
0
   
1
   
   
   
   
Als Resümee bleibt festzuhalten, daß der Luftwegsinfekt dann in Erscheinung trat, als die Streßhormone abgefallen waren, d. h. vermindert produziert wurden.
   
   
   
   
126
   
   
   
                     
      
   
   
   
Vorausgegangener Streß verstärkt lokale Entzündungsreaktionen
Interessant zur Untermauerung der oben genannten These sind die Ergebnisse eines Tierversuchs:
- Tieren wurden die Ohren mit einer Substanz eingepinselt, die bei allen Tieren eine milde örtliche Entzündung auslöste. Danach wurde
- die eine Hälfte der Tiere streßbelastet
- die andere Hälfte der Tiere nicht belastet.
Erneut wurden die Ohren mit der entzündungsfördernden Substanz in Kontakt gebracht. Die Entzündungserscheinungen waren sehr viel ausgeprägter bei den Tieren, die zuvor Streß erlebt hatten, und im Gewebe fanden sich deutlich mehr Zellen als bei den nicht belasteten Tieren (76).
Facit: Vorausgegangener Streß vermehrt lokale Entzündungsreaktionen. Die Immun- bzw. Entzündungszellen entstammen zum größten Teil dem Blut; sie sind während bzw. nach dem Streß in das Gewebe eingewandert, das zuvor lädiert worden war.
Noch eindeutiger als dieser Tierversuch belegen histologische Untersuchungen von Bronchialgewebe und Bronchialspülflüssigkeit die Aussage, daß einer asthmatischen Bronchitis eine Streßphase vorausgegangen sein muß:
- bei einer asthmatischen Bronchitis finden sich in diesen histologischen Präparaten vermehrt die Zehen, die zuvor in der Streßphase im Blut zahlreich vorhanden waren.
   
   
   
   
127
   
   
   
      
      
   
   
   
Die asthmatische Bronchitis wird durch Streß verursacht, tritt aber erst nach Streß in der Erholungsphase sichtbar in Erscheinung
   
   
   
   
Die asthmatische Bronchitis wird durch Revierangst hervorgerufen:
- die Revierangst führt zu einer Fehlüberwachung der Bronchien
- die Revierangst ruft Streß hervor und verändert das Abwehrgeschehen
   
   
   
   
   
   
   
   
Entzündung Entzündung Entzündung
miiskiert verstärkt zurückgedrängt
(Auftreten von (Symptome
Symptomen) verschwinden)
   
   
   
   
Im Streß steigen Adrenalin, Noradrenalin, Cortisol an, und es erhöhen sich die Zellzahlen der Killerzellen und/oder neutrophilen Granulocyten im Blut. Gleichzeitig sinken Lymphocyten (T-Lymphocyten, Helferzellen), eosinophile, basophile Granulocyten im Blut ab und
- verschwinden teilweise, wie bereits beschrieben, in ihren Speicherorganen
- wandern teilweise - weil die Bronchien vom Gehirn her fehlüberwacht werden - in das Bronchialgewebe ein und erzeugen hier eine Entzündung, u. a. durch Abgabe proentzündlicher Substanzen (wie z. B. Cytokine, Prostaglandin D, Leukotrien B4, toxische Sauerstoffradikale, plättchenaktivierender Faktor u. a.).
Gewebeproben der Bronchien zeigen den Zehreichtum an (140), wobei es sich vor allem um T-Lymphocyten, Helferzellen, Eosinophile handelt (12, 61). Auch Mastzellen wandern in das Bronchialgewebe ein.
Solange der Streß besteht, solange die Streßhormone Adrenalin, Noradrenalin, Cortisol erhöht sind, wird die Entzündung der Bronchien in Schach gehalten, d. h. sichtbare asthmatische Symptome treten kaum auf, die Entzündungsreaktion ist maskiert.
Die asthmatische Entzündung tritt dann vehement in Erscheinung, wenn in der Erholungs­phase die Streßhormone absinken - jetzt werden die asthmatischen Beschwerden deutlich erkennbar.
Um die asthmatischen Symptome zu coupieren, werden dem Erkrankten Streßhormone verabreicht
- Adrenalinabkömmhnge
- Kortikosteroide
Sie wirken wieder der Entzündungsreaktion entgegen, und die asthmatischen Beschwerden gehen zurück.
   
   
   
   
128
   
   
   
      
      
   
   
   
Untersuchungen bestätigen das beschriebene Prinzip:
   
   
   
   
- Betroffene inhalierten eine Allergenlösung oder das Allergen wurde lokal auf die Bronchialwand geträufelt. Sofort wird das Allergen hypothalamisch "gemeldet", und es wird eine Streßreaktion ausgelöst. Daraufhin wandern die Immunzellen aus dem Blut in die Bronchialwand ein, und es kommt sogar zu einem Übertritt von Zellen in das Bronchiallumen. Spült man das Bronchialsystem nach 17-48 Stunden und untersucht man die Zellen in der Spülflüssigkeit, so enthält diese vor ahem Eosinophile und zudem Baso­phile, Lymphozyten (insbesondere Helferzellen) (14,101,188,296):
- nach Kroegel enthielt die Spülfiüssigkeit, die 17 - 22 Stunden nach örtlicher Allergen-provokation während der asthmatischen Spätreaktion gewonnen wurde, folgende Zellen:
   
   
   
   
            
   
   
Kontrolle
   
Ahergen
   
   
Gesamt-Zehzahl (x 106)
   
4,5
   
29,3
   
   
Eosinophile (x 106)
   
0,1
   
16,7
   
   
Lymphozyten (x 106)
   
0,4
   
3,1
   
   
Basophile (x 104)
   
1,3
   
38,1
   
            
   
   
   
   
(Die Zellen waren signifikant im Vergleich zu einer Kontrolluntersuchung mit örthcher Provokation durch physiologische Kochsalzlösung erhöht)
Werden die Cytokine untersucht, so geben die Helferzehen
- bei Betroffenen mit einem allergischen Asthma vor ahem Interleukin 4 und IL-5 ab
- bei Patienten mit einem nicht ahergischen entzündhchen Asthma vor ahem Interleukin 5, IL-2, IL-6 ab.
Interleukin 5 seinerseits lockt die Eosinophilen zum Entzündungsherd, so daß diesem Interleukin eine wesenthche Bedeutung in der Entzündungsreaktion zukommt (161).
   
   
   
   
129
   
   
   
      
      
   
   
   
Beachte:
   
   
   
   
Bei Streß erhöht sich die Zellabwehr im Blut gegen Fremdstoffe aus der Umwelt wie Bakterien, Viren, Pilze, Schadstoffe, und die vermehrt vorhandenen Streßhormone bewahren den Organismus vor Ahergien. Ist der Streß vorüber, wird die Abwehr inkompetenter - ein Geschehen, was normalerweise ohne Folgen bleibt - ohne Folgen deshalb, weil
- der Kontakt mit Fremdstoffen zu Ruhezeiten deutlich abnimmt
- die Allergenaufnahme in Ruhe vermindert ist. Außerdem erhöht sich in der Ruhephase die Antikörperabwehr.
Vor ahem sind aber die Zehen im Blut, die Eosinophilen, Basophilen, Helferzellen, die, wenn sie aus dem Blut in Körpergewebe gelangen, eine heftige Entzündung hervorrufen, in ihren Speichern bzw. in der Blutbahn verblieben.
Das Geschehen ändert sich schlagartig, wenn eine Verletzung des Organismus, eine Wunde oder ein Gefühlstrauma, stattfinden - dann wandern vor allem Eosinphile, Basophile und Helferzellen aus der Blutbahn in das fehlüberwachte bzw. verletzte Gewebe ein, und sie er­zeugen hier eine Entzündung, die zunächst keine Symptome hervorruft, solange die Streßhormone erhöht sind. Sinken die Streßhormone ab, tritt die Entzündung vehement in Erscheinung, und Krankheitssymptome werden sichtbar.
In einer zuvor angeführten Untersuchung trat bei jungen Erwachsenen in 70 % nach ausgeprägtem Streß ein Luftwegsinfekt auf - 30 % erkrankten nicht! Es muß angenommen werden, daß die 70 %, die erkrankten, wahrscheinlich ein Gefühlstrauma erhtten haben mit Fehlüberwachung der Luftwege, so daß an diesem Organsystem erst Krankheit ablaufen konnte. Die resthchen 30 % hatten zwar auch Streß, waren aber offensichthch nicht traumatisiert worden, so daß die Streßreaktion ohne Folgen geblieben ist.
   
   
   
   
130
   
   
   
      
      
   
   
   
Merke:
   
   
   
   
Bei der asthmatischen Bronchitis wandern in der Streßphase, erzeugt (durch Revierangst), eosinophile, basophile Granulocyten, T-Lymphocyten und Helferzehen vermehrt aus dem Blut in das Bronchialgewebe ein, da dieses durch Revierangst fehlüberwacht wird. Sie erzeugen eine Entzündung der Bronchien. Die Entzündungsreaktion wird aber in Schach gehalten durch den hohen Spiegel an Adrenalin, Noradrenalin, Cortisol. Erst wenn die Streßhormone nach Überwinden der Revierangst abfallen, flammt die Entzündung heftig auf, und asthmatische Beschwerden stellen sich ein. Die Behandlung ahmt den natürlichen Mechanismus, der abgelaufen ist, nach. Der Betroffene erhält Streßhormone, die die Entzündungsreaktion begrenzen, und die Symptome klingen ab. Das beschriebene Prinzip scheint auch bei der allergischen Spätreaktion vorzuhegen, zumindestens muß das aus den Gewebeuntersuchungen der Bronchien und Untersuchungen von Bronchialspülflüssigkeit angenommen werden.
   
   
   
   
131
   
   
   
      
      
   
   
   
Der Mensch erkrankt an einer asthmatischen Bronchitis bereits in der Streßphase, sie tritt aber erst in der Erholungsphase, nach dem vorausgegangenen Streßerlebnis (Revierangst), durch Symptome sichtbar, in Erscheinung.
   
   
   
   
132
   
   
   
      
      
   
   
   
III. Kapitel
   
   
   
   
Asthma auf der Basis überempfindlicher Bronchien: das Asthma bronchiale
   
   
   
   
133
   
   
   
      
      
   
   
   
Neben der asthmatischen Bronchitis, bei der die Entzündung der Bronchien im Vordergrund des Geschehens steht und auf die bereits eingegangen wurde, kann das Asthma auch in Form des Asthma bronchiale ablaufen, bei dem die Bronchien im wesentlichen über den Bronchial­muskelspasmus verengt werden. Das Bronchialsystem reagiert hyperreagibel. Um die Hyperreagibilität der Bronchien zu verstehen, die beim Asthma bronchiale vorliegt, soll zuerst dargestellt werden, wie sich die Bronchialmuskulatur beim Gesunden verhält.
   
   
   
   
134
   
   
   
      
      
   
   
   
1. Wie wird die Weite der Bronchien reguhert?
Die Weite der Bronchien muß sich an verschiedene Lebensumstände anpassen, je nachdem, ob ein geringes oder ein großes Atemvolumen benötigt wird. Regulieren sich die Bronchien autonom oder wird ihre Weite vorwiegend vom Gehirn her gesteuert?
   
   
   
   
   
   
   
   
135
   
   
   
      
      
   
   
   
Autonome oder zentrale Steuerung der Bronchialweite?
Ein gesundes Bronchialsystem besitzt eine zweckvolle Muskelspannung, die eine optimale Weite der Bronchien entsprechend ihrem Funktionszustand - Anspannung/Entspannung -garantiert. So erweitern sich die Bronchien in ihrem Durchmesser bei Aktivität des Organismus, weil jetzt mehr Atemluft pro Zeiteinheit das Bronchialsystem passieren muß. In Ruhe dagegen verengt sich das Bronchialsystem. Der optimale Funktionszustand der Bronchien wird garantiert von mehreren Faktoren, von denen der Nervus Sympathicus und der Nervus Parasympathicus (auch Vagusnerv genannt) zu den wichtigen zählen. Beide Nerven betätigen sich als Gegenspieler:
- der Sympathicus stellt die Bronchien weit, indem er die Bronchialmuskulatur entspannt und die Bronchialschleimhaut abschwellen läßt
- der Vagusnerv dagegen verengt das Bronchialsystem.
Normalerweise reguhert sich die Weite des Bronchialsystems unbewußt über das vegetative Nervensystem. Da die Kerngebiete des vegetativen Nervensystems der Beeinflussung des Hypothalamus unterhegen, ist dieser wesentlich an der Regulation der Bronchialweite beteiligt. Wie bei der Immunabwehr, bei der Immunsystem und Gehirn in Rückkopplung miteinander stehen, existiert auch für die Weitenänderung der Bronchien ein Rückkopplungssystem zwischen Bronchien und Gehirn.
   
   
   
   
136
   
   
   
      
         
   
   
   
Das überempfindliche Bronchialsystem
Zwei Mechanismen bestimmen vor allem die Überempfindhchkeit bzw. Hyperreagibihtät der Bronchien (65, 163, 255):
a) Adrenahn und Noradrenahn des sympathischen Systems wirken auf die Bronchialmuskulatur bzw. -Schleimhaut, so daß sie die Weite des Bronchialsystems ändern:
- ein Anstieg bei Anspannung, Streß erweitert die Bronchien und läßt die Schleimhaut abschwellen
- ein Abfah in der Erholung nach Streß verengt die Bronchien, und die Schleimhaut schwillt an
   
   
   
   
Die beschriebenen Reaktionen werden dadurch ermöghcht, daß die Bronchien unterschiedliche Empfänger (Rezeptoren) besitzen.
   
   
   
   
- die Beta-Rezeptoren werden durch den Anstieg von Adrenalin, Noradrenalin erregt und weiten die Bronchien
- die Alpha-Rezeptoren werden durch den Abfall von Adrenahn, Noradrenahn angesprochen und verengen die Bronchien
hoch
   
   
   
   
   
   
   
   
Zudem werden durch den geringen Gehalt von Adrenahn, Noradrenahn die Mastzellen weniger stabilisiert, sie können leicht degranuheren und die Bronchien dadurch zusätzhch einengen.
   
   
   
   
a) Die Bronchien stehen u. a. über den Vagusnerven mit den Vagusnervenkernen im Gehirn, die vom Hypothalamus kontrolliert werden, in Kontakt.
   
   
   
   
   
Werden die feinen Nervenendigungen des Vagus in der Bronchialwand gereizt, z. B. durch Kälte, ein Allergen u. a., so wird die Nervenerregung von den Bronchien zu den zentralen Vaguskernen im Gehirn dirigiert, hier umgeschaltet und zurück zu den Nervenendigungen des Vagus in der Bronchialwand ge­leitet.
Die Nervenendigungen setzen Acetylcholin, eine asthmaauslö­sende Substanz, frei. Acetylcholin erregt seinerseits andere, in der Umgebung liegende Nervenendigungen des Vagus, und der Nervenreflex läuft über das Gehirn erneut ab, immer wieder. Die Reizantwort, Engstellung der Bronchien, ist im Verhältnis zu dem auslösenden Reiz um ein Vielfaches gesteigert , soge­nanntes enhancement (110, 193).
   
   
   
   
137
   
   
   
         
      
   
   
   
Neben dem Acetylcholin wird von den Nervenendigungen zudem noch eine Substanz P abgegeben (109). Sie wirkt auf in der Nähe liegende Mastzellen ein, die asthmaauslösende Substanzen, wie Histamin u. a., freisetzen, wodurch die Bronchialmuskulatur noch zusätzlich verengt wird und die Bronchialschleimhaut anschwillt.
Die Reizung der Vagusnervenendigungen in der Bronchialwand mit Freisetzung von Acetylcholin und Substanz P kann nicht nur durch irritative Reize, ein Allergen u. a., geschehen, sondern auch durch Sinneswahrnehmungen, insbesondere, wenn eine Streßstörung vorliegt. Über den Hypothalamus, die zentralen Vaguskerne und den Vagusnerven wird die Erregung zu den Bronchien geleitet, die sich verengen.
   
   
   
   
138
   
   
   
      
         
   
   
   
Das hyperreagible Bronchialsystem beruht auf unbewußten Vorgängen
   
   
   
   
Das Zwischenhirn ist der Ort, von dem aus die Empfindlichkeit der Bronchien bestimmt wird und damit beruht das hyperreagible Bronchialsystem auf einer Regulationsstörung in der Funktion des Hypothalamus, also auf unbewußten Vorgängen.
   
   
   
   
                  
   
Großhirn
   
   
   
   
   
Zwischenhirn
Steuerung der Empfindlichkeit der Bronchien
   
   
   
   
   
   
   
Stammhirn
   
                  
   
unbewußte Ebene
   
   
   
   
139
   
   
   
         
      
   
   
   
Merke:
   
   
   
   
Die Hyperreagibilität der Bronchien ist hauptsächlich durch zwei Mechanismen bedingt:
- ein Anstieg von Adrenahn, Noradrenahn des sympathischen Nervensystems erweitert die Bronchialmuskulatur, während ein Abfall die Muskulatur engstellt
- über den Reflexweg des Vagusnerven werden in der Bronchialwand Substanzen freigesetzt
- Acetylcholin verengt die Bronchialmuskulatur
- Substanz P zerstört Mastzehen, die über Freigabe von Botenstoffen, Histamin u. a., die Bronchialmuskeln engstellen und eine Bronchialschleimhautschwellung hervorrufen, die das Lumen der Bronchien zusätzhch verringert
   
   
   
   
140
   
   
   
      
      
   
   
   
Die Weite der Bronchien wird vor allem zentral durch das Zwischenhirn gesteuert und
ist ein unbewußtes Geschehen. An der Hyperreagibilität der Bronchien sind vegetatives Nervensystem (Sympathikus) und Vagusreflex mit Mastzelldegranulation wesentlich beteiligt.
   
   
   
   
141
   
   
   
      
      
   
   
   
2. Ist das Auftreten des Asthma bronchiale auch abhängig von Anspannung und Entspannung?
Tritt das Asthma bronchiale in der Streßphase oder in der Erholungsphase auf, nachdem die Anspannung vorüber ist?
   
   
   
   
   
   
   
   
142
   
   
   
      
      
   
   
   
Die allergische Sofortreaktion
   
   
   
   
Wird das Allergen direkt auf die Bronchialschleirnhaut aufgetragen, so verfärbt sie sich durch den Spasmus ihrer Blutgefäße kurzfristig weiß (Streßreaktion, Reflex). Danach erhöht sich die Durchblutung der Bronchialschleimhaut sehr stark, erkennbar an der Rötung und Anschwellung (Erholungsphase). Gleichzeitig wird ein Bronchialmuskelspasmus ausgelöst (188).
Die allergische Sofortreaktion tritt innerhalb von 30 Minuten nach Allergenkontakt auf.
Eine allergische Reaktion kann nur auftreten, wenn die bronchialen Mastzehen IgE-besetzt sind und ein Allergen vorhanden ist. Solange Cortisol, Adrenahn, Noradrenahn in relativ hoher Konzentration im Blut und Gewebe vorhanden sind, stabihsieren sie die Mastzellen. Erst in der Erholungsphase nach Streß vermindert sich mit dem Absinken der Streßhormone die Mastzellstabilität, die Mastzellen degranuheren und setzen asthmaauslösende Stoffe frei.
   
   
   
   
   
   
   
   
die Helferzellen wandern aus dem Blut in das Bronchialgewebe und veranlassen die Produktion von IgE-Antikörpern, die in der Erholungsphase noch verstärkt abläuft
   
   
   
   
   
   
   
   
143
   
   
   
      
                  
   
   
   
Asthma bronchiale durch den Wechsel Tag/Nacht (sogenanntes Schlafasthma)
Die Lungenfunktion ist abhängig von der Tages- und Nachtzeit, also von Anspannung und Entspannung. Das gilt insbesondere für Menschen, die unter Asthma leiden: - bei Erwachsenen wurde morgens ein erhöhter bronchialer Strömungswiderstand registriert, ein Zeichen des verengten Bronchialsystems, der spontan im Verlauf einer Stunde bei Gesunden um 20 %, bei Asthmatikern um 60 % abfiel und sich damit dem normalen Bereich näherte (314).
   
   
   
   
- junge Männer mit einem Asthma bronchiale wurden untersucht (62):
   
   
   
   
- der Adrenahnspiegel im Blut sinkt nach der Anspannung des Tages nachts ab und erreicht seinen Tiefpunkt um 4.00 Uhr |imol/l 0,6
.Asthma
   
   
   
   
0,4
   
   
   
   
Adrenalin
   
   
   
   
0,2
   
   
   
   
1-1-1-1-1—!-1
8 12 16 20 24 4 8 Uhr
das Cortisol im Blut fällt in der Nacht ab und erreicht seinen Tiefpunkt um 0.00 Uhr u.mol/1 400-1 t
   
   
   
   
Cortisol
   
300-
   
   
   
200-
   
   
100"
   
   
   
   
r
   
r
   
1
   
   
   
   
8 24 8 Uhr
das Histamin im Blut steigt nachts stark an und erreicht seinen höchsten Wert um 4.00 Uhr
   
   
   
   
Hmol/1 20_J
   
   
   
Histamin
   
15.
   
   
10_
   
   
   
   
I-1-1
8 4 8 Uhr
die Lungenfunktion ist nachts um 4.00 Uhr am stärksten eingeschränkt % +20 -4
   
   
   
   
PEF
   
0 -
-20--40
   
r
4
   
1
8 Uhr
   
   
   
   
144
   
   
   
                  
                              
   
   
   
Es sind im wesentlichen zwei Mechanismen, die dafür verantwortlich sind, daß Asthma bronchiale nachts auftritt. Diese beiden Mechanismen wurden im Detail bereits bei der Hyperreagibihtät der Bronchien beschrieben:
- über einen komplizierten Mechanismus bewirkt der absinkende Spiegel von Adrenahn eine Erregung der Alpha-Rezeptoren der Bronchien, die sich daraufhin verengen. Der zunehmende Tonus des Vagusnerven verstärkt den Effekt.
- durch den geringen Gehalt von Adrenalin und Cortisol werden die Mastzellen nachts weniger stabihsiert, und der vorherrschende Einfluß des Vagusnerven wirkt sich zusätzlich ungünstig auf die Mastzehen aus (77), sie geben Botenstoffe ab.
Sind die Mastzellen zudem mit Allergenen besetzt, so werden sie in dieser Situation degranuheren und Mediatoren, zu denen das Histamin zählt, in das Bronchialgewebe und Blut freigeben. Dadurch wird die asthmatische Reaktion zusätzhch verstärkt (77).
Das Asthma nachts ist durch die Entspannung im Schlaf nach der Anspannung des Tages bedingt. Betroffene wiesen sogenannte down regulierte, d. h. vermindert erregbare Beta-Rezeptoren auf (290), so daß bereits bei normaler Entspannung im Schlaf Asthma auftreten muß (siehe auch Kapitel I, 3 - Zeichen, die auf eine Streßüberlastung hindeuten). Wird Schlaf entzogen, so kann das Schlafasthma nicht mehr eintreten (15, 53, 214, 264).
   
   
   
   
1/Min PEF 300 H
   
   
Asthma 4. Tag L.Tag
   
   
2- Tag
   
   
200-
   
v \ "\ Schlaf
V-X---rk
\ \ Asthma . \
   
   
   
   
\ /
   
s3. Tag
   
   
   
   
100-
   
   
   
   
12
   
14
   
16
   
18 20
   
23
   
8
   
1
10 Uhr
   
   
   
   
Peak-flow-meter-Werte bei einem Jungen, der unter Asthma leidet, am Tage und nachts ohne und nach Schlafentzug. Registriert wurden die Werte in Abhängigkeit von der Zeit an aufeinanderfolgenden Tagen. Die Werte in der Nacht mit Schlafentzug lagen über den Werten, die erhoben wurden, wenn der Patient zwischen den Messungen schlafen konnte. Das nächtliche Asthma trat nach Schlafentzug nicht mehr auf.
   
   
   
   
Das Asthma durch Schlaf muß gegen ein allergisches Asthma abgegrenzt werden (264): - über mehrere Tage werden am Tage und in der Nacht im Abstand von 3 - 4 Stunden Lungenfunktionswerte erhoben, und es wird eine Mittelwertskurve mit Standardabweichung konstruiert. Danach wird der Betroffene mit einem Allergen belastet. Verlassen die Lungenfunktionswerte nach Allergenkontakt die Hüllkurve, so handelt es sich um eine ahergische Reaktion.
   
   
   
   
145
   
   
   
                              
      
   
   
   
PEF
1/Min. Hausstaubmilbe Hausstaub
   
   
   
   
   
   
   
   
allergische Spätreaktion
1-1-1-1—I-1-1-1-1-
12 20 2 8 12 2 12 2 12 Uhr
   
   
   
   
Der Betroffene weist, wie die Hüllkurve erkennen läßt, deutliche Schwankungen der Lungenfunktion am Tage und in der Nacht auf mit Tiefstwerten nachts (sogenanntes Schlafasthma).
Der Betroffene hat eine Hausstaubmilbenlösung am Tage inhaliert, und nachts unterschreiten seine Lungenfünktionswerte die Hüllkurve. Somit ist eine allergische Spätreaktion bewiesen. Die Inhalation von Hausstaub ruft dagegen keine allergische Reaktion hervor, die Grenze der Hüllkurve wird nur tangiert.
Das Asthma nachts durch Schlaf tritt regelmäßig jede Nacht bei den Betroffenen auf, die unter einem Schlafasthma leiden. Ein Asthma, das nur ab und zu einmal nachts einsetzt, kann durch ein Allergen bedingt sein, aber auch auf Träumen beruhen:
- das wache Gehirn erhält Informationen aus der Außenwelt, das träumende Gehirn dagegen aus dem Inneren. Im Wachzustand wird Adrenalin an das Gehirn abgegeben, das die Gedanken relativ stabil ablaufen läßt. Im Schlaf dagegen überwiegt der Vagusnerv, der Acetylcholin freisetzt und dadurch gerät das Gehirn in ein Stadium traumlosen Schlafes voller verschwommener Bilder. Bei sehr starker Vagusaktivität wird das Gehirn extrem empfindlich für umherstreifende Gedanken, es springt von einer Bilderwelt in die andere, das Gehirn träumt. Da die Regionen, in denen Gefühle empfunden werden, aktiviert werden,;, -begleiten Ängste, Beklemmung, Freude, Ärger, Trauer, Schuld u. a. den Traum. Die höheren Zentren des Gehirns versuchen, in den Gefühlen einen Sinn zu sehen und erfinden Geschichten. Dabei hefern nicht verarbeitete Sinneseindrücke vom Tage das Baumaterial für den nächtlichen Traum. Der Inhalt des Traumes steht nach Hau, 3. Internationale Traumtagung in Frankfurt, in direktem Zusammenhang mit sinnhchen Eindrücken vom Tage. Der Reiz wird solange immer wieder aufgegriffen, bis er verarbeitet ist. Träume sind somit eine Form der Problemlösung:
- Kleinkinder bis zu einem Alter von drei Jahren leiden typischerweise häufig unter Angstträumen, deren Inhalt zumeist Tiere darstellen
- Erwachsene werden im Traum durch Sorgen, Angst, verletzte Gefühlsempfindungen, unerledigte Arbeiten gequält.
   
   
   
   
146
   
   
   
      
         
   
   
   
Asthma bronchiale nach körperlicher Belastung (sogenanntes Anstrengungsasthma)
Daß körperliche Belastung die Atmung beeinträchtigen kann, ist lange bekannt. Schon vor gut 1800 Jahren hat der Arzt Aretaios von Kappadozien geschrieben: "Wenn der Atem beim Laufen, bei gymnastischen Übungen oder bei sonstiger Arbeit schwerer wird, nennt man das Asthma".
Der Atemstoßtest als Maß für die Weite der Bronchien bessert sich bzw. bleibt weitgehend unbeeinflußt bei einer kurz-
   
   
   
   
   
zeitigen Belastung, s. Belastung von einer % und 1 Minute Dauer. Wird eine be­stimmte Dauer überschritten, hier (bei diesem besonders überempfindlichen Patienten)zwei Minuten, so setzt nach der Laufbelastung Asthma ein, erkennbar am Abfall des Atemstoßwertes (264).
   
   
   
   
Asthma
   
   
   
   
45 "1 w I 40 Min.'
   
   
   
   
Ein Asthma tritt nicht ein nach leichter körperhcher Belastung. Es muß schon eine entsprechende Anstrengung vorausgehen, deren Schwelle individueh variiert, um nach Beendigung Asthma auszulösen. Somit ist das Anstrengungsasthma abhängig von (106, 142, 267)
- dem emotionalen Befinden
in streßarmer Umgebung ist der Asthmakranke belastungsfähiger. Deshalb tritt im Urlaub auch das Anstrengungsasthma seltener oder gar nicht auf
- der Dauer der Belastung (143)
eine Kurzzeitbelastung von 1-2 Minuten ist normalerweise nicht von Asthma gefolgt. Erst eine Belastung von 6-12 Minuten löst asthmatische Beschwerden aus
- der Stärke der Belastung (8, 249)
eine abrupt einsetzende starke körperhche Belastung führt eher zu Asthma als eine allmählich zunehmende Belastung
- der Art der Belastung (95)
Laufen ruft etwa doppelt so häufig Anstrengungsasthma hervor wie Schwimmen
- dem Intervall der Belastung (264)
von Belastung zu Belastung nimmt die Reaktion der Bronchien auf den Belastungsreiz immer mehr ab
   
   
   
   
147
   
   
   
         
         
   
   
   
Das Anstrengungsasthma ist nicht bedrohlich, es verschwindet im Verlauf von 20 Minuten von allein. Nur bei schweren Verläufen, die allerdings extrem selten sind, sollte der Betroffene ein bronchialerweiterndes Medikament inhalieren. Einem Teil der Betroffenen ist nicht bekannt, daß sie auf starke körperliche Belastung mit Asthma reagieren (264):
- von Kindern, die bejahen, ein Anstrengungsasthma zu haben, ließ sich in 2/3 der Fälle das Anstrengungsasthma auch durch einen Lauftest nachweisen. Von den Kindern, die ein Anstrengungsasthma verneinen, reagierte 1/3 dennoch mit Asthma nach körperlicher Belastung.
Asthma nach extremer körperlicher Belastung, starkem Streß, kann auch erst nach Stunden, Tagen auftreten, wenn Zellen aus dem Blut in das Bronchialgewebe eingewandert sind (asthmatische Bronchitis).
Patienten, die ein Astrengungsasthma aufweisen, setzen deutlich mehr Noradrenalin frei als Patienten ohne Anstrengungsasthma (212, 213).
   
   
   
   
Noradrenalin Rt pg/ml _ cmH20/l/Sek
mit Anstrengungsasthma
   
   
   
   
   
   
   
   
vor nach Belastung vor nach Belastung
   
   
   
   
Patienten mit Anstrengungsasthma produzieren durch die körperliche Tätigkeit mehr Noradrenalin als Betroffene, die kein Anstrengungs­asthma entwickeln.
   
Die Patienten mit Anstrengungsasthma zeigen nach der Belastung einen starken Anstieg des bronchialen Strömungswider­standes (Rt), der sich infolge der asthmati­schen Reaktion erhöht.
   
   
   
   
Wird die körperliche Tätigkeit gestoppt, sinkt in der Gruppe der Betroffenen mit Anstrengungsasthma innerhalb weniger Minuten der hohe Blutspiegel an Noradrenalin ab. Es erregt die Alpha-Rezeptoren der Bronchien, die sich daraufhin prompt verengen. Im Mittel nach 4 Minuten, nachdem die Belastung beendet ist, setzt Asthma ein.
   
   
   
   
148
   
   
   
         
         
   
   
   
Noradrenalin
   
   
   
   
   
ohne Asthma
   
   
   
   
0 —I I-1-1-1-1
vor 0 1 2 3 4 Min. nach Belastung
Durch die körperliche Tätigkeit produzieren Patienten, die ein Anstrengungsasthma entwickeln, mehr freies Noradrenalin als Betroffene, bei denen körperliche Belastung kein Asthma auslöst. Nachdem die Belastung beendet ist, fällt das Noradrenalin innerhalb weniger Minuten ab. Die Alpha-Rezeptoren der Bronchien werden erregt, und Asthma tritt auf.
An dem Anstrengungsasthma ist noch ein zweiter Mechanismus beteiligt, die Mast-zelldegranulation.
Die beschriebenen zwei Mechanismen - Erregung der Alpha-Rezeptoren und Mastzelldegranulation - die wesentlich für das Anstrengungsasthma verantworthch sind, können demonstriert werden (212, 213, 228).
- Darstellung von Mechanismus 1 - Engstellung der Bronchien nach starker Erregung durch körperhche Belastung.
Die Erregung der Alpha-Rezeptoren durch Abfall des Noradrenahns nach der Belastung läßt sich durch ein Medikament (Phentolamin) blockieren.
   
   
   
   
erregte Beta-Rezeptoren erweitern die Bronchien Noradrenahn
   
   
   
   
Phentolamin
   
   
   
   
erregte Alpha-Rezeptoren verengen die Bronchien
   
   
   
   
Wird das Phentolamin vor der körperhchen Belastung eingenommen, so können durch den Abfall des Noradrenalins die Alpha-Rezeptoren nicht mehr erregt werden, und das Anstrengungsasthma bleibt aus oder wird in seiner Intensität deuthch gemindert.
   
   
   
   
149
   
   
   
         
               
   
   
   
cmH20/l/Sek
   
   
   
   
   
   
   
   
vor nach Belastung
   
   
   
   
Nach Einnahme von Phentolamin vor der körperhchen Belastung zeigen Patienten mit Anstrengungsasthma kaum noch einen deutlichen Anstieg des bronchialen Strömungswiderstandes. Es entspricht einem Ausbleiben bzw. einer deuthchen Abschwächung des Asthmas nach körperlicher Belastung.
- Darstellung des Mechanismus 2 - Engstellung der Bronchien durch Degranulation der Mastzellen
   
   
   
   
Auch die Engstehung der Bronchien nach der körperlichen Belastung durch Vaguseinfluß mit Zerstörung der Mastzellen durch die Substanz P bei verminderter Stabihsation der Mastzellen durch den relativ niedrigen Gehalt an Noradrenalin ist experimenteh zu belegen.
- die Mastzellen werden durch ein Medikament, das Dinatrium cromoghcicum, stabilisiert.
   
   
   
   
Dinatrium cromoghcicum
   
   
   
   
Wird das Dinatrium cromoghcicum Anstrengungsasthma deuthch bessern. cmH20/l/Sek
   
Belastung inhaliert, so läßt sich das
   
   
   
   
15
   
   
Patienten mit Anstrengungsasthma ohne Medikament
   
   
Patienten mit Anstrengungsasthma nach vorheriger Einnahme von Dinatrium cromoghcicum
   
   
10
   
   
   
   
vor
   
nach Belastung
   
   
   
   
Dinatrium cromoghcicum, vor der körperhchen Belastung inhaliert, vermindert bei Patienten mit Anstrengungsasthma deutlich den Anstieg des bronchialen Strömungswiderstandes.
   
   
   
   
150
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Yulli

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Re: STEMMANN, 1999
« Reply #4 on: March 18, 2019, 04:58:15 PM »

Asthma durch Wetteränderung

Wetterumschwung ist ein Faktor, der häufig Asthma provoziert. Das erscheint verwunderhch, denn "Wetter macht nicht krank". Vom Wetter gehen Streßreize aus, die jeden Menschen treffen. Doch nur der Gesunde ist in der Lage, die Wetterreize so zu verarbeiten, daß sein körperliches und seehsches Befinden nicht beeinträchtigt werden. Wird der Wetterreiz nicht vollständig kompensiert, treten Symptome wie Wetterfühhgkeit und im schlimmsten Fahe sogar Krankheit auf.
Gutes Wetter zeichnet sich aus durch wolkenlosen Himmel und stabile Temperaturen, schlechtes Wetter durch Regen, Sturm, Frontendurchgänge. Wetterfühlig wird der Mensch, wenn sich Fronten verschieben.
   
   
   
   
mittleres Schönwetter gesteigertes Schönwetter I Flanke des Hochs
übersteigertes Schönwetter, Abgleitinversion
übersteigertes Schönwetter - wärmere Flanke und Vorderseite des Tiefs, Aufgleitinversion (in den Alpen Föhn) aufkommender Wetterumschlag - Annäherung und Durchzug der Warmfront (in den Alpen oft noch Föhn) Wetterumschlag
vollzogener Wetterumschlag beginnende Wetterberuhigung
   
   
   
   
Asthmaanfälle (87)
   
   
   
   
151
   
   
   
      
      
   
   
   
Merke:
   
   
   
   
Asthma bronchiale folgt dem Prinzip, daß es nach Streß in der Erholungsphase auftritt. Das Geschehen ist unbewußt. Die Gesetzmäßigkeit wird am Beispiel der allergischen Sofortreaktion, des sogenannten Schlaf-, Anstrengungsasthma sowie am Asthma nach Wetteränderung belegt:
- Bei der allergischen Sofortreaktion degranulieren die Mastzellen, wenn die Streßhormone abfallen.
- Im Schlaf sinken Adrenalin und Cortisol, die im Wachzustand relativ hoch im Blut vorhanden sind, ab. Als Folge tritt Asthma auf durch Erregung der Alpha-Rezeptoren in den Bronchien, Überwiegen des Vagusnerven sowie mangelnde Mastzellstabilisierung. Wird Schlaf entzogen, sind Adrenalin und Cortisol relativ hoch im Blut vorhanden und damit bleibt auch das Asthma aus.
- Das Asthma durch körperhche Belastung ist abhängig von der Dauer, der Stärke, der Art und dem Intervall der Belastung sowie dem emotionalen Befinden. An Asthma Leidende, die ein Anstrengungsasthma aufweisen, setzen bei körperhcher Tätigkeit wesenthch mehr Noradrenalin frei als Betroffene, die kein Anstrengungsasthma haben. Nach der Belastung sinkt, falls ein Anstrengungsasthma vorhegt, der hohe Blutspiegel an Noradrenahn rasch ab und verengt über Erregung der Alpha-Rezeptoren die Bronchien. Zudem gewinnt der Vagusnerv vermehrt Einfluß und verstärkt dadurch den Prozeß. Mangelnde Mastzellstabilisation und -degranulation engen die Bronchien zudem ein.
Durch Phentolamin lassen sich die Alpha-Rezeptoren blockieren und durch Dinatrium cromoghcicum die Mastzellen stabilisieren. Werden die genannten Substanzen vor der körperlichen Belastung eingenommen bzw. inhaliert, so läßt sich das Asthma nach körperlicher Belastung deuthch mindern und in Einzelfällen sogar völlig aufheben.
- Auch das Asthma durch Wetteränderung erfolgt nach den beschriebenen Mechanismen. Frontenwechsel erzeugen Asthma.
   
   
   
   
152
   
   
   
      
      
   
   
   
Das Asthma bronchiale tritt in der Erholungsph; nach Streß auf
   
   
   
   
153
   
   
   
      
      
   
   
      
      
   
   
   
IV. Kapitel
Was unterhält das Asthma?
   
   
   
      
      
   
   
   
Welche Faktoren verhindern, daß Asthma heilt?
   
   
   
      
      
   
   
   
In der freien Wildbahn überleben zumeist akut kranke Tiere, hingegen kein chronisch krankes Tier. Demzufolge hat eine akute Krankheit im evolutionären Konzept wohl eine ganz andere Bedeutung als eine chronische Krankheit. Während die akute Krankheit offensichtlich ein Selbstheilungsmodell darstellt, scheint die chronische Krankheit ein Selbstzerstörungsmodell zu sein. Unter Selbstzerstörung ist damit nicht mutwilliges Verhalten gemeint. Vielmehr ist es so, daß bei der chronischen Krankheit Heilung verhindert wird - und zwar durch die der chronischen Krankheit innewohnenden Mechanismen, in die
- der Betroffene und
- seine Angehörigen
unverschuldet verstrickt werden und die ihnen nicht geläufig sind. Die stofflich, chemisch-physikalische Umwelt verstärkt bzw. unterhält dann zusätzhch das Leiden.
   
   
   
   
157
   
   
   
      
      
   
   
   
. Der Betroffene
Wenn das Asthma nicht ausheilt, kommt der Verdacht auf, daß das "Chronischwerden" der Erkrankung in dem Menschen selbst begründet liegt. Gibt es eine Asthmapersönhchkeit oder verändert die Krankheit den Menschen so, daß er asthmakrank bleibt?
   
   
   
   
   
   
   
   
158
   
   
   
      
                  
   
   
   
Revierangst
   
   
   
   
Es wurde in den vorausgehenden Kapiteln deutlich gemacht, daß Revierangst die Ursache des Asthmas ist. Revierangst zu haben, bedeutet in unserem heutigen Sprachverständnis Angst, ja Panik zu empfinden bei Ereignissen, die ohne die Möglichkeit der selbstbestimmenden Einflußnahme, gegen den eigenen Willen, ablaufen. Dabei kann das Ereignis, wie bereits dargestellt, ein dramatisches Lebensereignis sein, ebenso wie eine Gegebenheit unseres Lebensalltags.
Wird Revierangst nicht überwunden, bleibt sie im Gedächtnis und wird sie immer wieder in der spezifischen "panischen Art" erlebt, so unterhält sie das Asthma; sie wird zur Quehe der Erkrankung. De facto bedeutet das, daß der Asthmakranke seine Erkrankung aus sich selbst unterhält, jedoch ohne - und das zu betonen ist außerordenthch wichtig - sich der ablaufenden Mechanismen bewußt zu sein oder gar Schuld daran zu tragen.
- der Betroffe weiß gar nicht, daß er Revierangst in so spezifischer Weise empfindet
   
   
   
   
Reiz
   
Zwischenhirn löst Gefühl von Revierangst aus und sofort wird
   
7
/
   
Großhirn
bewußte Wahrnehmung von Revierangst erfolgt zeithch später
   
   
   
   
eine Stre
   
ßreaktion
   
zudem kann das Asthma durch bewußtes Denken und mit dem Wihen nicht verhindert werden
   
   
ausgelöst, der Asthma in der Erholungsphase nachfolgt
   
   
   
   
Beachte: Die bewußte, rationale Wahrnehmung von Revierangst erfolgt, fahs überhaupt, viel später - erst dann, wenn über das Gefühl von Revierangst bereits unbewußt eine Streßreaktion mit immunologischen bzw. bronchialen Veränderungen ausgelöst worden ist.
- er spürt nicht, wenn er Revierangst empfindet mit der damit verbundenen Streßreaktion, denn der Vorgang läuft unbewußt ab
- selbst wenn er über die Zusammenhänge zwischen Revierangst und Asthma aufgeklärt wurde, so wird dieses Wissen seine Empfindung nicht ändern, d. h. durch Ratio und Willen ist, wie oben aufgeführt, der Revierangst nicht beizukommen
- die zeithche Versetzung zwischen dem Auftreten von Revierangst und dem Einsetzen von Asthma macht es darüber hinaus schwierig, den ursächhchen Zusammenhang zu erkennen: Asthma tritt erst dann auf, wenn die Revierangst und die damit verbundene Streßstörung bereits abgeklungen sind
Hat der Betroffene Asthma, so kann er nur feststehen, daß offenbar Revierangst dem Krankheitsgeschehen vorausgegangen sein muß - sicher vorausgegangen ist!
In wissenschaftlichen Untersuchungen wurde eine Asthmapersönhchkeit nicht gefunden. Kinder, die an Asthma erkrankten, zeigen ähnhche "Auffälligkeiten" wie Kinder, die an der Zuckerkrankheit leiden oder einen Herzfehler haben. Die Studien lassen den Schluß zu, daß es die chronische Krankheit ist, die über ihre Mechanismen den Betroffenen verändert.
   
   
   
   
159
   
   
   
                  
      
   
   
   
Streß- bzw. Belastungsstörung
   
   
   
   
Mit dem Erleiden von Revierangst erwirbt der Betroffene, wie bereits beschrieben, eine Streß­bzw. Belastungsstörung.
Die Streßstörung hat zur Folge, daß Phasen von Anspannung und Entspannung nicht mehr angemessen ablaufen. Der Asthmakranke gerät stärker und häufiger als ein Gesunder in Streßphasen, die er aber willenthch nicht verhindern kann. Da nach Streß in der dann folgenden Erholung
- die Abwehr inkompetenter als normalerweise ist, treten ständig Entzündungen der Bronchien auf.
- sich die Bronchialmuskulatur zusammenzieht und die Bronchien verengt, hat der Betroffene häufig akute Asthmaanfälle.
Er wird unbemerkt und ungewollt das Opfer seiner Krankheit, indem er seine asthmatische Bronchtitis und/oder sein Asthma bronchiale ständig selbst erzeugt. Dadurch verhindert er letztendhch (so unglaubhch es auch klingen mag) seine eigene Heilung.
   
   
   
   
160
   
   
   
      
      
   
   
   
Verstärker
   
   
   
   
Der Betroffene erhält durch seine Krankheit Vorteüe:
- "Immer, wenn ich Asthma habe, darf ich mich zurückziehen, und ich habe keine Pflichten."
- "Wenn ich Asthma habe, bekomme ich einen Tag schulfrei, da ich zum Arzt muß."
- "Wenn ich Asthma habe, müssen die anderen auf mich Rücksicht nehmen, erhalte ich vermehrt Zuwendung."
- "Ich benutze meine Ahergie, mein Asthma als Ausrede, um unangenehme Dinge meiden zu können."
Die Antworten stammen von Jugendlichen, die unter Asthma leiden. Sie wurden intensiv nach Vorteilen befragt, die sie durch ihre Krankheit erfahren haben und trotz aller Leiden, die das Asthma mit sich bringt, zunächst unbewußt, später mit Fortbestehen des Asthmas auch bewußt wahrnehmen.
Erwachsene geben an (41):
- "Seit meiner Erkrankung hat mein Mann sich total verändert; er ist direkt häuslich geworden. Ich kann mich nicht mehr beklagen."
- "Ich erledige jetzt die Büroarbeiten der Firma. Mein Asthma zwingt mich dazu. Lkw-Fahren war auch kein Zucker schlecken; ich vermisse nichts."
- "Im Süden erholen sich meine Bronchien sehr rasch. Wir fahren regelmäßig dahin. Früher wollte meine Frau nur in den hohen Norden."
- "Nein, mein Mann geht nicht mehr zur Jagd. Er reitet auch nicht mehr. Immer, wenn er heimkam, bekam ich nachts einen Asthmaanfall - die Tierhaare, der Geruch; verstehen Sie das bitte."
- "Nein, meine Tochter ist nicht nach München gezogen. Sie meint, sie kann mich wegen meines Asthmas nicht alleine lassen, obwohl ich das gar nicht will!"
Erlangt der chronisch Kranke Vorteile durch sein Leiden, wobei es ohne Bedeutung ist, ob die Vorteile erwünscht sind oder nicht, so fördern und unterhalten sie das Asthma. Dieses Phänomen ist in der Evolution festgelegt und läuft unbeeinflußbar ab, wenn es aktiviert wird. Der Leser begegnet hier einem menschhchen Verhalten , das kaum zu begreifen ist. Man sollte meinen, daß der chronisch Kranke alles tut, um wieder gesund zu werden. Doch das ist erstaunhcherweise nicht bei allen Betroffenen der Fall. Viele asthmakranke Kinder sehen zum Beispiel offenbar gar nicht die Notwendigkeit, für ihre Gesundheit selbst etwas zu tun:
- sie verweigern, eine säure- und allergenarme Diät einzuhalten
- sie führen kein autogenes Training durch
- sie lassen die Umgebung für ihre Gesundheit sorgen, sie selbst sind nicht so sehr daran interessiert
Die Verhaltensmuster werden angetroffen, obschon die Asthmakranken im Asthmaanfall stark leiden und oft auch ihr Schicksal beklagen.
Wie bereits beschrieben, überlassen es viele Betroffene ihrer Umgebung, meist der Kontaktperson, für ihre Gesundheit zu sorgen, was ihnen aber gar nicht klar bewußt ist:
- ein Abiturient schreibt dem Autor ... "Sie erklärten mir, daß ich "streßfrei" werden müsse. Hat mir auch eingeleuchtet, dennoch sträubte ich mich, autogenes Training zu machen, wahrscheinhch, weil es mal wieder "von Mutti" verordnet war."
   
   
   
   
161
   
   
   
      
      
   
   
   
Wie ist eine so wenig konstruktive Verhaltensweise, die nicht darauf bedacht ist, Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen, zu erklären? Offensichtlich pressen Angst und Pein durch das Asthma den Betroffenen nicht so sehr, als daß er mit ahen Mitteln nach Gesundheit strebt. Vielmehr bestimmen die (versteckten) Vorteile, die der Betroffene im Zusammenhang mit Asthma immer wieder erfährt, unbewußt sein Verhalten. Sie führen dazu, sie zwingen ihn sogar dazu, daß er das Asthma nicht mehr aktiv und mit ahen Kräften angeht. Das Wissen darüber, wie sich der chronisch Kranke verhalten müßte, um Gesundheit zurückzuerlangen und das tatsächhche Verhalten des chronisch Kranken stimmen nicht überein. Diese für den Umgang mit Asthmakranken wichtige Erkenntnis stützt sich auf Ergebnisse zahlreicher Tierversuche und Beobachtungen beim Menschen. Bei Asthmakranken muß damit gerechnet werden, daß die Krankheit stets zunächst unbewußt, bei ihrem Fortbestehen später aber durchaus bewußt dazu benutzt wird, um Vorteile zu erlangen. Sich Vorteile zu verschaffen, geschieht nicht in "böser" Absicht, sondern wird dem chronisch Kranken durch seine Krankheit und die Mechanismen in der Evolution aufgenötigt. Besonders Eltern, die ein Schuldgefühl entwickelt haben, weil ihr Kind asthmakrank ist, werden sehr fürsorglich sein und sich ängsthch bemühen, jede asthmatische Reaktion ihres Kindes zu verhindern. Dadurch erhält das Kind Vorteile, die das Asthma aufrechterhalten (192). Zwar werden die Eltern durch ihr (normales) Verhalten, dem kranken Kind seine Wünsche prompt zu erfüllen, zunächst einen Erfolg erzielen - das Kind hat kaum Asthma, weil es erst gar nicht in Streß gerät; auf Dauer wird dieses aufopfernde Verhalten der Eltern jedoch nicht durchzuhalten sein, weh die Forderungen des Asthmakranken mit zunehmendem Alter, trotz zunehmender Vernunft, nicht geringer, sondern immer höher werden. Die gesteigerten Forderungen des Asthmakranken, die von den Eltern nicht mehr zu erfüllen sind, führen dann zu heftigen Konflikten, und als Folge treten dann schwere asthmatische Beschwerden auf.
Es bedeutet, daß Patienten-Eltern kurzfristig orientiert sind, d. h. sie lassen sich nicht von den langfristigen Folgen ihres Verhaltens leiten.
Unter Hypnose sagten 44 von 110 Patienten mit einer schweren Krankheit aus, daß sie eigentlich gar nicht wieder gesund werden wohten. Genannt wurden vor ahem drei Gründe, von denen zwei auf Vorteilen durch die Krankheit beruhen (237):
- der Betroffene möchte umsorgt werden
- er möchte sich seinen Aufgaben und Pflichten entziehen und
- er möchte sich selbst und andere bestrafen.
   
   
   
   
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Verlust von Sicherheit
Fast jeder Mensch hat schon einmal eine spastische Bronchitis überstanden. Die Bronchitis hat jedoch den Betroffenen nicht beunruhigt, die Krankheit war keine Bedrohung. Schlägt die Sicherheit hingegen in Unsicherheit um, ändert sich die Situation dramatisch. Unsicherheit bedeutet Gefahr, Gefahr für das Leben. Unsicherheit kommt dann auf, wenn die Bronchitis nicht erwartungsgemäß verläuft, wenn sie wider Erwarten fortbesteht oder ständig erneut auftritt, wie es beim Asthma der Fall ist.
Der Betroffene gerät in eine Situation, in der er sich durch die Krankheit fortwährend bedroht und ohnmächtig zugleich fühlt:
- Der Asthmaanfall erzeugt Angst und macht hilflos. Wiederholen sich die Atemnotzustände, so fürchtet sich der Kranke vor erneuten Anfällen.
- Im Asthmaanfall ist er auf fremde Hilfe angewiesen. Das macht ihn abhängig. Bald glaubt er, allein nicht überleben zu können.
- Der Betroffene kann sich nicht frei in seiner Umwelt bewegen. Wegen seiner Allergie muß er zum Teil Tierkontakt meiden. Auch auf Nahrungsmittel muß geachtet werden. In Räumen, in denen geraucht wird, ein intensiver Duft besteht, läuft er Gefahr, an Asthma zu erkranken.
Der Erkrankte verliert seine Sicherheit im Leben, sein Selbstwertgefühl und seine Ichstärke.
   
   
   
   
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Merke:
   
   
   
   
In wissenschaftlichen Untersuchungen wurde belegt, daß es eine Asthmapersönlichkeit nicht gibt. Vielmehr sind es die Gesetzmäßigkeiten und Regelkreise der chronischen Krankheit, in die der Kranke unverschuldet verstrickt wird, die das Asthma unterhalten:
- Da dem Betroffenen seine Revierangst und die damit verbundene Streß- bzw. Belastungs­störung nicht bewußt sind, kann er sie auch gar nicht überwinden. Er gerät fortwährend in Revierkonflikte und vermehrt in Streßsituationen, denen Asthma nachfolgt. So unglaublich es auch klingen mag, der Betroffene erzeugt unbewußt die Krankheit immer wieder und verhindert dadurch, daß das Asthma ausheilt.
- Erlangt der Betroffene durch das Asthma Vorteile, egal, ob sie erwünscht sind oder nicht, so erhält sich die Krankheit. Eine Rückkehr zur Gesundheit ist nicht mehr möghch.
Mit dem Asthma ist Verlust von Sicherheit verbunden. Der Betroffene fühlt sich durch seine Krankheit ständig bedroht und wähnt sich ihr hilflos ausgehefert.
Letztendhch wird der Asthmakranke ein Opfer der Mechanismen und Regelkreise der chronischen Krankheit, die er nicht durchschaut.
   
   
   
   
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Es sind vier Hauptfaktoren, mit denen der Erkrankte ungewollt und ohne daß es ihm bewußt wird, sein Asthma unterhält:
- Revierangst
- Streß- bzw. Belastungsstörung
- Verstärker der Krankheit
- Verlust von Sicherheit
   
   
   
   
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2. Kontaktpersonen des Erkrankten
Der Betroffene und die Menschen in seiner näheren Umgebung beeinflussen sich gegenseitig. Das Verhalten der Kontaktpersonen kann sich somit gesundheitsfördernd, aber auch krankheitsverstärkend auf den chronisch Kranken auswirken.
   
   
   
   
   
   
   
   
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Revierangst
Die Revierangst, unter der der Betroffene leidet, kann unbemerkt und ungewollt von seiner
Umgebung, besonders seiner Hauptbezugsperson, verstärkt werden:
Beispiel:
Wenn die Hauptbezugsperson sich von dem asthmakranken Kind lösen wih, d. h. eine kurze Zeit ohne das Kind sein möchte, gerät das kranke Kind in Panik. Es kann nicht ertragen, daß sich die Person aus seinem Revier entfernt und nicht in seiner aherengsten Nähe bleibt. Spürt das kranke Kind, daß die Hauptbezugsperson durch sein Verhalten beunruhigt wird, so wird die Angst des kranken Kindes verstärkt, und das wirkt sich wiederum ungünstig auf die Kontaktperson aus, sie wird noch unsicherer. Die Angst des Kindes erhöht sich dadurch noch mehr. Es wird schheßhch von seiner Angst überwältigt, es schreit und klammert sich an seine Hauptbezugsperson. Diese versucht, dem Kind gut zuzureden. Da sie in Wirklichkeit selbst nicht mehr davon überzeugt ist, daß es vertretbar ist, das Kind allein zu lassen, und da das schreiende, verängstigte Kind auch keiner logischen Erklärung mehr zugänghch ist, scheitert die Trennung zwischen Hauptbezugsperson und Kind. Die jetzt übermächtige Revierangst hat beide erfaßt, beide haben sich in ihren Angstgefühlen bestärkt.
Was läßt die Hauptbezugsperson so, wie beschrieben, handeln?
Vielleicht ist sie selbst revierempfindlich oder leidet gar unter Revierangst aufgrund eigener unbewußter, nicht vollständig überwundener Lebenserfahrungen, sei es, daß sie
- durch Scheidung als Kind von einem Elternteil verlassen wurde
- als Kind bei einem Kuraufenthalt, Krankenhausaufenthalt, Urlaub, gegen den eigenen Willen, abgegeben wurde
- als Kind abends allein zu Hause bleiben mußte.
Aufgrund der eigenen Erfahrungen wird dann die Hauptbezugsperson ihr Kind unbewußt vor derartigen Erlebnissen schützen wollen. Die Folge wird sein, daß das asthmatische Kind sich nicht mehr mit seiner Revierangst aktiv auseinandersetzen darf - ein notwendiger Vorgang, um sie zu überwinden.
   
   
   
   
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Streß- bzw. BelastungsStörung
Es ist keinesfalls möglich, daß eine streßreiche Umgebung bei einem Gesunden Asthma verursacht. Streß, den Eltern erzeugen, ruft demzufolge auch kein Asthma bei ihren Kindern hervor. Es ist aber für Angehörige wichtig zu wissen, daß sich eine streßreiche Umgebung krankheitsfördernd auswirkt, nachdem das Kind an Asthma, einer Streßkrankheit, erkrankt ist. Das chronisch kranke Kind erzeugt durch sein Unvermögen, mit Spannungen normal umzugehen, mehr Streß als ein gesundes Kind. Dieser Streß überträgt sich auch auf die Personen in seiner Umgebung. Sie können den Spannungen nicht immer ruhig und gelassen begegnen, und so besteht die Gefahr, daß sich der Streß aufschaukelt und das Asthma unterhält.
Beispiel:
   
   
   
   
Die Kontaktperson geht auf das asthmakranke Kind ein und versucht, das Kind mit aher ihr zur Verfügung stehenden Kraft und Geduld zu überzeugen. •
   
   
3.Wenn das asthmatische Kind nicht zufriedenzustehen ist oder den Anwei­sungen nicht nachkommt, gerät die Kontaktperson dadurch dermaßen unter Streß, daß sie das asthmakranke Kind
   
   
Streßkurve
   
schließlich anherrscht. Der aufge­schaukelte Streß entlädt sich mit einer "Explosion".
   
   
t
   
4. Die Kontaktperson ist zunächst erleichtert, der Streß hat abgenom­men. Es bleibt jedoch ein schlechtes Gewissen wegen des eigenen unbeherrschten Verhaltens, und deswegen nimmt sie das Kind in ihre Arme.
   
   
1. Das asthmatische Kind
zermürbt seine Kontaktperson durch ständige Forderungen oder es weigert sich, Anweisungen auszuführen.
   
   
   
   
5. Das asthmatische Kind erfährt massive Ablehnung, aber auch Zuwendung seitens der Kontaktperson, die das Fehlverhalten des Kindes unterhält.
   
   
   
   
Das anfänghch positive Verhalten der Kontaktperson gegenüber dem chronisch kranken Kind verkehrt sich leider stets in das Negative, ohne daß es der Kontaktperson noch dem Asthmakranken bewußt wird. Die Kontaktperson glaubt, etwas Positives für ihr krankes Kind zu tun, sie registriert nur ihre gut gemeinten Bemühungen. Das asthmakranke Kind hingegen nimmt nicht die positive Verhaltensweise der Kontaktperson wahr, es registriert nur ihre Ablehnung und glaubt, nicht gehebt zu werden.
In Familien, die ein asthmakrankes Kind besitzen, läuft das Verhaltensmuster mehrfach täglich ab, ohne daß es willentlich zu verhindern ist und unterhält das Asthma.
   
   
   
   
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Verstärker
   
   
   
   
Warum heilt die akute Krankheit, die chronische hingegen nicht?
Bei der akuten Krankheit werden u. a. Medikamente verabfolgt, und der Erkrankte erhält vermehrt Zuwendung durch seine Kontaktpersonen. Diese Maßnahmen scheinen den Heilungsprozeß zu fördern, denn der akut Kranke gesundet.
Bei der chronischen Krankheit verkehrt sich hingegen die Wirkung aller Maßnahmen, die getroffen werden, um Heilung zu erzielen. Obwohl der chronisch Kranke noch intensiver medikamentös therapiert wird, und obwohl er verstärkt Zuwendung erhält, bleibt die chronische Krankheit bestehen.
   
   
   
   
heilt
   
   
   
   
   
   
   
<— Zuwendung «6— Zuwendung
   
   
   
   
heilt nicht
   
   
   
   
Aus dem Beschriebenen läßt sich ableiten, daß
- Medikamente eine chronische Krankheit, so auch das Asthma, nicht heilen, sondern nur Symptome lindern, ein zweifellos sehr wichtiger Effekt. Heilen muß sich letztendhch der Mensch selbst.
- intensive Zuwendung bei der chronischen Krankheit den Krankheitsprozeß ungewollt unterhält.
- Kinder, die regelmäßig nachts husten und dann etwas zu trinken bekommen, umhergetragen werden, inhaheren, mit in das Bett der Eltern genommen werden, ist die nächthche Schlafstörung mit asthmatischen Symptomen durch Belohnung ungewollt einprogrammiert worden. Man kann die Uhr danach stellen, wann der Husten beginnt, stets ist es dieselbe Zeit. Der Husten verschwindet sofort, wenn der Betroffene das erhält, was er sich unbewußt gewünscht hat.
   
   
   
   
   
   
   
im Schlaf hustet das Kind
   
   
   
   
die Eltern tragen das Kind umher, inhaheren mit dem Kind,
   
   
nehmen das Kind mit in ihr Bett - wodurch das nächthche Asthma ungewollt verstärkt wird
   
   
   
   
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Weder die Leser noch die Angehörigen des Asthmakranken werden verstehen, daß Zuwendung durch die Kontaktperson(en) das Asthma fördern und unterhalten soll. Diese Aussage widerspricht dem normalen, in unserer Gesellschaft üblichen Denken und Empfinden und sogar dem normalen instinktiven Verhalten.
Offenbar folgen Denken, und Verhalten zum Teil anderen Regeln als denen, die in der Evolution geschaffen wurden. Zwischen der beabsichtigten Wirkung und dem Erreichten besteht ein Widerspruch, der aufgezeigt und erklärt werden muß:
- die Kontaktpersonen bemühen sich intensiv, damit der Asthmakranke wieder gesund wird
- dennoch bleibt das Asthma trotz intensiver Zuwendung durch die Kontaktpersonen bestehen. Wie kann das geschehen?
Jeder Reiz, jedes Verhalten, das eine bestimmte Handlung fördert, wird in der Verhaltensforschung als Verstärker bezeichnet (182, 192). Es können zwei Verstärker unterschieden werden
- der Verstärker erzeugt ein Hochgefühl
- der Verstärker lindert unangenehme Empfindungen.
Die besondere Zuwendung, die der Betroffene aufgrund seiner chronischen Krankheit immer wieder erfährt und die im akuten Krankheitsschub besonders intensiv erfolgt, erzeugt trotz allen Leidens, das das Asthma verursacht, angenehme Gefühlsempfindungen, die unbewußt und bewußt wahrgenommen werden
- jetzt werde ich umsorgt, jetzt bin allein ich wichtig, jetzt werde nur ich geliebt (Hochgefühl)
- durch die Zuwendung der anderen wird mein Leid gemindert, geht es mir besser, läßt die Atemnot, die Angst nach (Linderung unangenehmer Empfindungen).
Beide Verstärker führen dazu, daß der von Asthma Betroffene nicht mehr gesund werden kann, eine Tatsache, die in der Evolution festgelegt ist und die dem Betroffenen, seinen Angehörigen und der Gesehschaft allgemein nicht bekannt ist.
- 25 Kinder, die unter Asthma htten, wurden von ihren Eltern getrennt und an ihre Stelle traten neutrale Bezugspersonen. 13 der Kinder wiesen kurze Zeit danach keine Atembeschwerden mehr auf. Das Ergebnis war vorausgesagt worden aufgrund eines vorherigen Interviews mit Eltern, in dem besonders auf das Asthma verstärkende Faktoren geachtet wurde. Nach der Rückkehr der Eltern nahm das Asthma der Kinder wieder zu bzw. es trat erneut auf (s. bei 205)
Es ist also fatal, daß der Asthmakranke gerade dann, wenn er Krankheitssymptome aufweist, durch seine Umgebung intensive Hilfe und Zuneigung erfährt und daß Mißempfindungen beseitigt werden. Besonders die Erinnerung an das Hochgefühl, der positive Verstärker, unterhält das Asthma. Der Wirkort, an dem das Hochgefühl entsteht, ist der seitliche Teil des Hypothalamus.
   
   
   
   
Großhirn
   
   
   
   
Zwischenhirn
Hypothalamus
Wirkort für das Hochgefühl
durch Verstärker
   
unbewußte Ebene
   
   
   
   
Stammhirn
   
   
   
   
170
   
   
   
         
      
   
   
   
Ursprünglich haben positive Verstärker im Verlauf der Evolution dem Individuum stets einen Lebensvorteil beschert. Sie sind belohnende Reize, die elementare biologische Vorgänge, wie z. B. das Überleben, fördern.
Ausgerechnet diese elementar wirksamen Verstärker werden, ohne daß sich der Betroffene und seine Umgebung dessen bewußt sind, bei der chronischen Krankheit stets im Zusammenhang mit dem Leiden eingesetzt! Sie erhalten dadurch zwangsläufig das Asthma und fördern nicht das Gesundwerden.
Der Mechanismus der Verstärkung wird nachvohziehbar und verständhch, wenn man das Verhalten eines Süchtigen betrachtet. Hier zeigt sich die außerordentliche Wirksamkeit der Verstärkung im Extrem:
- der Drogenkonsum wird von dem Süchtigen nicht aufgegeben, obschon er es gern möchte. Der Süchtige riskiert sogar sein Leben, weil er den Augenbhck des Hochgefühls, das die Droge erzeugt, nicht missen möchte. Das Hochgefühl gilt es stets wiederzuerleben, selbst unter dem Preis der eigenen Zerstörung und trotz aller willentlichen Bemühungen, die Droge zu meiden. Zudem werden auch unangenehme Entzugserscheinungen durch die Droge beseitigt, ein Fakt, das die Sucht zusätzhch unterhält.
Natürlich erzeugt der Erkrankte sein Asthma nicht wihenthch, um den positiven Verstärker zu erfahren. Vielmehr hindert der Verstärker den Betroffenen unbewußt daran, die verursachenden Faktoren seines Asthmas - Revierangst, Streß- bzw. Belastungsstörung und die das Asthma unterhaltenden Faktoren, wie z. B. Vorteile durch die Krankheit, aktiv anzugehen. Die Gesetze, die in der Evolution entstanden sind, zwingen den chronisch Kranken, sein (vermeintlich) erfolgreiches Programm, das Asthma, beizubehalten.
Erkrankt ein Kind an Asthma, so werden seine Eltern und Großeltern durch die Krankheit ebenfalls beeinflußt. Neben ahen Nachteilen, die das Asthma mit sich bringt, nehmen Eltern und Großeltern - zwar ungewollt und nicht bewußt - auch "Vorteile" wahr, die ihnen durch die Pflege des Kranken erwachsen: Ein Elternteil berichtet:
- "durch die Versorgung meines kranken Kindes habe ich eine stärkere Position gegenüber meinem Ehepartner bekommen"
- "unter meinen Freunden und Bekannten habe ich eine zentrale Stellung gewonnen, sie rufen mich an und sprechen mir Mut zu"
- "ich habe eine wichtige Aufgabe, mein krankes Kind benötigt meine Hilfe"
- "ich habe zeitweilig ein angenehmes Gefühl, wenn ich mein erkranktes Kind umsorgen kann"
Großeltern geben an:
- "wir stehen unter den Großeltern im Mittelpunkt, wir werden immer nach unserem kranken Enkel gefragt und haben darüber zu berichten"
- "dem kranken Enkel und uns gilt das Mitgefühl aller"
- "alle wünschen, daß sich der kranke Enkel bald erholt, man spricht uns Hoffnung und Mut zu".
Die positiven Gefühle und Vorteüe, die Angehörige trotz des Leidens, das das Asthma ihres Kindes, ihres Enkels mit sich bringt, in versteckter Form erfahren, bedeuten eine Gefahr: sie können verhindern, daß sich die Angehörigen in ihrem Verhalten mit dem Erkrankten nicht grundlegend ändern - und dann bleibt das Asthma unbeeinflußbar erhalten.
   
   
   
   
171
   
   
   
      
         
   
   
   
Verlust von Sicherheit
   
   
   
   
Das Asthma des kranken Kindes bedroht die gesamte Familie, speziell die Hauptbezugsperson, die den Hauptanteil an der Pflege und Versorgung des Kranken trägt. Da nicht voraussehbar ist, wann Asthma auftritt, verlieren die Angehörigen ihre Sicherheit, sie fühlen sich ständig bedroht durch das Asthma ihres Kindes.
Die Angehörigen versuchen, Sicherheit zurückzugewinnen, indem sie den Kranken beschützen und ihm gute Ratschläge erteilen. Doch sie erzielen dadurch nur eine Scheinsicherheit. Leidet das Kind z. B. unter einem allergischen Asthma, so werden seine Eltern versuchen, das kranke Kind vor Allergenkontakt zu bewahren. Je nach Allergen lauten die Mahnungen:
- "geh nicht aus dem Haus, es ist Pollenflug"
- "iß nichts, das Milcheiweiß enthält, du wirst sonst krank"
- "faß das Tier nicht an, du mußt sonst husten".
Derartige Ratschläge verfehlen leider die angestrebte Wirkung. Sie können sich sogar in das Gegenteil verkehren, wenn das Kind, bedingt durch ständige Warnungen, glaubt, das Allergen nicht zu vertragen. Es genügen dann schon Angst vor dem Allergen und die Erwartung, krank zu werden, um eine allergische asthmatische Reaktion zu provozieren.
Ständig geben die Kontaktpersonen ihrem kranken Kind aus Furcht vor Asthmaanfällen gute Ratschläge:
- "paß auf, daß du dich nicht erkältest"
- "zieh dir die Jacke an, wenn du nach draußen gehst"
- "lauf nicht barfuß umher"
- "knöpf dein Hemd zu"
- "föhn dir dein nasses Haar"
- "lauf nicht so schnell, streng dich nicht an"
- "laß nur, ich mache das schon für dich".
Die Ratschläge der Angehörigen bieten dem kranken Kind keine Sicherheit, sie verunsichern und bedrohen nur, es verliert seine natürhchen Instinkte, Gefühle, Verhaltensweisen und reagiert ständig anders, als ihm geraten wurde.
   
   
   
   
               
   
Großhirn
   
   
   
   
   
   
   
Zwischenhirn
   
   
   
   
   
Stammhirn
   
               
   
Ständiges Ermahnen und gute Ratschläge aktivieren die Tätigkeit der Großhirnrinde, sie aktivieren das logisch denkende Gehirn und blockieren dadurch die natürlichen Instinkte und Verhaltensweisen, die unbewußt über das intuitiv denkende Gehirn und die Zwischenhirnebene ablaufen.
   
   
   
   
Eine hebevolle, konsequente Erziehung und die Strukturierung des Ahtags verleihen im täglichen Leben Sicherheit. Diese können die Eltern, die ein asthmakrankes Kind versorgen, nur schwer gewinnen.
- Ein krankes Kind kann man nicht gleichermaßen konsequent behandeln und erziehen wie ein gesundes Kind, so ist die übhche Einstellung -.
Weil das Kind asthmakrank ist, erleidet es Entbehrungen, und die müssen ausgeghchen werden, dadurch, daß man dem chronisch kranken Kind mehr nachsieht. Diese Ansicht, so löbhch sie ist, wirkt sich jedoch ungünstig auf das Asthma aus. Hat das kranke Kind erst einmal erfahren, daß es z. B. seinen Wunsch erfüllt bekommt und seinen Wihen durchsetzen kann, so wird es darauf beharren. Versuchen die Angehörigen dann, sich den Forderungen und dem Verhalten des Erkrankten zu widersetzen, ruft das einen intensiven, lautstarken Protest des kranken Kindes hervor. Spätestens, wenn Husten ausgelöst wird oder eine asthmatische
   
   
   
   
172
   
   
   
         
      
   
   
   
Atmung einsetzt, werden die Angehörigen gezwungen, doch nachzugeben. War der Streß stark genug, so tritt nach 12 - 24 - 48 Stunden eine asthmatische Bronchitis auf, die sowieso die Erziehungsbemühungen durchkreuzt, da das Kind jetzt akut asthmakrank ist. Alle Erziehungsprinzipien sind durchbrochen. Selbst die einfache, normale Strukturierung des Alltags gelingt bald nicht mehr:
- Das chronisch kranke Kind durfte abends gelegentlich länger aufbleiben. Nachdem das Kind diese Erfahrung gemacht hat, leitet es für sich daraus das Recht ab, immer abends bis spät in die Nacht bei den Eltern bleiben zu dürfen. Möchten die Eltern einmal allein sein oder Gäste einladen, protestiert das Kind auf das heftigste und bekommt als Folge dieses Protests einen Asthmaanfall. Die Eltern geben entnervt auf. Das gute Verhältnis zwischen Eltern und ihrem chronisch kranken Kind wird dadurch schwer belastet.
- Hat das Kind nachts immer wieder Asthma, so verkehrt sich die Nacht zum Tag. Pünktliches Aufstehen morgens ist bald nicht mehr möghch und damit entfahen zwangsläufig auch tägliche Pflichten wie Kindergarten-, Schulbesuch u. a.
Es sind besonders die Großeltern des erkrankten Kindes, die, wird ihr Enkel nicht gesund, aktiv werden. In dem festen Glauben, ihrem Enkel besser helfen zu können als die Eltern, mischen sie sich in die Behandlung und Erziehung des asthmakranken Kindes ein:
- es ist das arme Kind, dem man alles erlauben muß
- bei Oma und Opa bekommt das kranke Kind erst einmal das zu essen, was es aus gesundheitlichen Gründen meiden soll
- in Gegenwart des kranken Kindes werden seine Eltern von den Großeltern gemaßregelt und kritisiert
Das kranke Kind glaubt bald, daß die Großeltern und nicht die Eltern die Stärkeren sind. Den Großeltern gehorcht künftighin das chronisch kranke Kind, denn sie bieten vom evolutionären Standpunkt aus scheinbar die beste Sicherheit, um zu überleben. Den eigenen Eltern folgt das asthmakranke Kind nicht mehr, sie haben sich als schwach und wenig durchsetzungsfähig erwiesen.
   
   
   
   
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Merke:
   
   
   
   
Durch ihr Verhalten können die Kontaktpersonen das Asthma ihres Kindes ungewollt fördern und unterhalten:
- Ist die Kontaktperson revierängsthch, so verstärkt sie die Revierangst des Erkrankten, ohne daß sie es merkt.
- Bedingt durch die Streß- bzw. Belastungsstörung des Asthmakranken gerät die Umgebung vermehrt unter Streß und das Streßgeschehen schaukelt sich auf.
- Zuwendung, die bei der akuten Krankheit Gesundheit fördert, verkehrt sich bei der chronischen Krankheit in das Gegenteil. Weil die Angehörigen durch die chronische Krankheit gezwungen werden, immer dann vermehrt Fürsorge und Zuwendung zu geben, wenn das Kind Asthma hat, wird die Krankheit belohnt und nicht die Gesundheit.
- Durch das Asthma wird die gesamte Familie bedroht, sie verliert ihre Sicherheit. Durch gute Ratschläge versuchen die Angehörigen vergebhch, Sicherheit zurückzuerlangen. Sie möchten den chronisch Kranken beschützen, vor Asthma bewahren. Mischen sich die Großeltern in die Erziehung der Eltern ein, so schaden sie ihrem asthmakranken Enkel, anstatt ihm zu helfen.
Letztendlich heilt trotz vermehrter Fürsorge, Zuwendung und Pflege das Asthma des Betroffenen nicht, weil die gutgemeinten Maßnahmen das Asthma unterhalten.
   
   
   
   
174
   
   
   
      
      
   
   
   
Die Umgebung unterhält ungewoht und unbemerkt durch vier Hauptfaktoren das Asthma des Betroffenen, indem sie
- seine Revierangst verstärkt
- die Streß- bzw. Belastungsstörung erhöht
- durch Zuwendung Krankheit belohnt
- die Sicherheit verhert
   
   
   
   
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3. Die Umwelt
   
   
   
   
Es wurde bereits dargelegt, daß Fremdstoffe aus der Umwelt, so z. B. Schwefeldioxid, Stickoxide oder Ozon in den derzeit vorhandenen Konzentrationen in der Außenluft keinen Atemwegsgesunden zu einem Asthmakranken werden lassen.
Ist Asthma erst einmal durch Revierangst und Streß- bzw. Belastungsstörung entstanden, sind Schadstoffe, so z. B. Schwefeldioxid, Stickoxide oder Ozon sehr wohl in der Lage, Asthma zu unterhalten. Neben Fremdstoffen aus der Umwelt sind auch Wahrnehmungseffekte aus sinnesvermittelten Umwelteinflüssen zu beachten.
   
   
   
   
   
   
   
   
176
   
   
   
      
         
   
   
   
Revierangst und Umweltbelastung
   
   
   
   
Durch ein sehr aggressives Allergen, z. B. das eines Insektes, oder durch eine übergroße Menge eines Allergens, z. B. den Verzehr einer unüblichen großen Menge von Hühnereieiweiß kann eine Sensibilisierung gegen ein Ahergen stattfinden. Allerdings ist dieser Mechanismus der Allergieentstehung höchst selten und hat praktisch kaum Bedeutung für das Entstehen eines allergischen Asthmas erlangt: von weit größerer Tragweite für seine Entstehung ist die Sensibilisierung durch Substanzen aus unserer natürlichen Umwelt in geringsten Konzentrationen.
Zwei Fragen ergeben sich aus dieser Tatsache:
- Warum reagiert ein Mensch auf natürhche Bestandteile seiner Umwelt, z. B. Pollen, Nahrungsmittel, bereits bei Aufnahme kleinster Mengen allergisch, die normalerweise vom Immunsystem toleriert werden?
- Warum reagieren die Bronchien - auch bei Aufnahme des Ahergens mit der Nahrung -und nicht ein anderes Organ?
Hansen und Mitarbeiter haben auf die Bedeutung von Konfliktsituationen für die Allergieentstehung hingewiesen (121).
Um den Entstehungsmechanismus der allergischen bronchialen Reaktion nach der in diesem Buch vertretenden Meinung darlegen und erklären zu können, wird ein Tierexperiment angeführt (178):
- Tiere wurden wiederholt Lichtbhtzen und summenden Geräuschen ausgesetzt, während ihnen ein artfremdes Eiweiß gespritzt wurde. Auf den mehrmaligen Kontakt mit dem Fremdeiweiß reagierten die Tiere schheßhch allergisch. Hernach reichte es, die Tiere isoliert audiovisuell zu reizen, um eine allergische Reaktion hervorzurufen.
   
   
   
   
   
Licht, Geräusch
   
   
   
   
beide Reize werden gleichzeitig angeboten
   
   
   
   
Dreh- und Angelpunkt in dem geschilderten Experiment ist der Hypothalamus - über ihn werden Fremdeiweiß und Sinnesreiz zeitgleich aufgenommen.
   
   
   
   
177
   
   
   
         
         
   
   
   
Ist der Organismus allergisch geworden, so genügt der entsprechende einzelne Reiz auf der Körper- und Sinnesebene, um eine allergische Reaktion auszulösen:
- auf Eiweiß reagiert der Organismus allergisch
- durch Licht- bzw. Geräuschreize wird eine allergische Reaktion ausgelöst
   
   
   
   
   
   
   
   
Das Experiment belegt, daß eine allergische Reaktion nicht an den Kontakt mit dem entsprechenden Allergen gebunden sein muß, sondern auch als konditionierter Reflex ohne Anwesenheit des Allergens ablaufen kann.
Die konditionierte allergische Reaktion auf den Sinnesreiz erlischt sehr rasch, und deshalb hat dieser Mechanismus auch keinen Eingang in das medizinische Denken gefunden, denn die Allergie bleibt erfahrungsgemäß langzeitig bestehen.
Tierexperimente haben jedoch gezeigt, daß die Fähigkeit zu einer konditionierten allergischen Reaktion sich immer wieder reproduzieren läßt, wenn sie positiv verstärkt, d. h. beachtet, belohnt wird (291).
Analog dem geschilderten Prinzip läßt sich der Entstehungsmechanismus eines allergischen Asthmas folgendermaßen deuten:
- In dem Augenblick, in dem der Mensch Revierangst traumatisch erlebt, hat er zufällig Kontakt mit Pollen. Da beide Informationen zeitgleich den Hypothalamus erreichen, werden Pollen für den Organismus bedrohhch, sie werden künftighin zum Allergen. Zugleich wird, bedingt durch Revierangst, vom Großhirn her das Bronchialsystem fehlüberwacht - ein Hinweis für das Immunsystem, daß allergische Reaktionen künftighin bei wiederholtem Pollen-, d. h. Allergenkontakt an den Bronchien abzulaufen haben.
   
   
   
   
   
Revierangst Revierangst
   
   
Pollen
   
   
   
   
Ist die Revierangst im Gedächtnis für Gefühls- und Sachinformation zusammen mit der Information Pollen dauerhaft verankert, so bleibt die Fähigkeit der allergischen asthmatischen Reaktion erhalten. Sie kann zudem noch verstärkt werden, wenn das Auftreten des allergischen Asthmas beachtet und damit belohnt wird, was normalerweise der Fall ist.
   
   
   
   
178
   
   
   
         
      
   
   
   
Zwischen Angst und Allergie besteht ein hoher Zusammenhang (235).
Die konditionierte Reaktion in Zusammenhang mit Revierangst erklärt auch, daß außer Allergene auch andere Fremdstoffe wie
- infektiöse Erreger
- Stoffe, die eine Intoleranz- bzw. eine pseudoallergische Reaktion auslösen
- Schadstoffe sowie Wahrnehmungen durch Sinnesorgane
- Gesehenes
- Gehörtes
- Gerochenes
- Geschmecktes
- Ertastetes
Asthma auslösen können.
Fremdstoffe, Sinneswahrnehmungen sind dann für sich allein in der Lage, Asthma zu provozieren, weil sie das Gehirn an die Revierangst erinnern.
Revierangst
und gleichzeitige Wahrnehmung durch Sinnesorgane:
- Auge
- Ohr
- Nase
- Geschmack
- Haut
und/oder gleichzeitiger Kontakt mit Fremdstoffen:
- Ahergene
- infektiöse Erreger
- Stoffe, die eine Intoleranz- bzw. pseudoallergische Reaktion auslösen
- Schadstoffe
Beispiel:
Ein sechsjähriger Junge verbringt seinen Urlaub auf dem Bauernhof der Großeltern. Hier fühlt er sich besonders wohl, hier möchte er gern bleiben. Eines Tages, als er sich im Kuhstall befindet, in dem die Kühe muhen und es zudem nach Kühen riecht, erscheint für ihn unerwartet seine Mutter, um ihn abzuholen. Es gibt eine heftige Auseinandersetzung in dem Kuhstall, denn der Junge möchte noch nicht nach Hause. Die Mutter zwingt ihn dennoch dazu. Noch auf der Nachhausefahrt erleidet der Junge im Auto seinen ersten Asthmaanfall. Künftighin reagiert er asthmatisch, wenn er den intensiven Geruch oder die Lautäußerungen von Kühen wahrnimmt. So erinnert er sich an eine besondere Begebenheit, die sich Jahre später zugetragen hat: sein Bruder, der auf dem Bauernhof arbeitet, möchte ihm unbedingt ein neugeborenes Kälbchen zeigen. Er sträubt sich aber instinktiv dagegen, in den Tierstall zu gehen. Er tut es dem Bruder zuliebe dennoch. Als er den Kuhstall betritt, nimmt er den intensiven Geruch der Tiere wahr und hört das Muhen der Kühe (so wie es vor Jahren war, als man ihn gegen seinen Willen gezwungen hat, den Hof zu verlassen). Danach tritt nach langer Zeit erstmalig wieder ein Asthmaanfall auf.
   
   
   
   
179
   
   
   
      
      
   
   
   
Beispiel:
Erleidet der Mensch z. B. im Sommer, bei schönem Wetter, traumatisch Revierangst und nimmt er zum gleichen Zeitpunkt das Fhmmern der Luft in der Mittagshitze wahr und werden zudem dem Gehirn die Anwesenheit von Gräserpollen im Organismus gemeldet, so sind hernach auch
- flimmernde Luft und/oder
- Gräserpollen
fähig, Asthma zu provozieren. Diese asthmaauslösende Eigenschaft der Sinneswahrnehmung und des Fremdstoffs bleibt langzeitig erhalten, wenn sie regelmäßig verstärkt wird.
Anmerkung:
Immer wieder hört man von Betroffenen, die sich in einem Raum aufhalten, in dem zuvor ein Tier zugegen war, folgende Äußerungen: "Ich leide doch nicht unter Einbildungen, ich spüre an meiner asthmatischen Reaktion, daß sich ein Tier in diesem Raum aufgehalten haben muß". Die Betroffenen sind zu beruhigen. Im Fahe einer Allergie erinnert der Kontakt z. B. mit Hautschuppen des Tieres, die mit der Atemluft aufgenommen werden, das Gehirn an Revierangst, und deswegen bekommen die Betroffenen auch zwangsläufig Asthma - mit Einbildung hat der Prozeß gar nichts zu tun.
   
   
   
   
180
   
   
   
      
      
   
   
   
Streß- bzw. Belastungsstörung und Umwelt
Wenn bei einem unterschwellig, unbewußt vorhandenen Revierangstkonflikt die Bronchien dauerhaft fehlüberwacht werden (die latent vorhandene Revierangst aber nicht so stark ist, um sichtbares Asthma auszulösen), können Fremdstoffe, Sinneswahrnehmungen aufgrund der bestehenden Belastungsstörung den Organismus dermaßen stressen, daß hernach in der Erholungsphase Asthma ausgelöst wird. So ist auch erklärbar, daß freudige Erregung Asthma zu provozieren vermag.
   
   
   
   
   
   
   
   
- stechender Geruch
- übler Geschmack
- Lärm
- Wärme, Kälte
- unangenehmes Tastgefühl
durch Fremdstoffe:
- Allergene
- infektiöse Erreger
- Stoffe, die eine Intoleranz- bzw. pseudoallergische Reaktion bewirken
- Schadstoffe
   
   
   
   
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Verstärker von Umwelteinflüssen
   
   
   
   
Umwelteinflüsse können in ihrer negativen Wirkung auf das Asthma verstärkt werden: - muß z. B. das Rauchen sofort eingestellt oder ein Tier schnell aus der Wohnung gebracht werden, wenn der Asthmakranke erscheint, so erhält dieser in unmittelbarem Zusammenhang mit Zigarettenrauch und Tierhaaren bzw. -schuppen Aufmerksamkeit, d. h. einen Vorteil, der seine Überempfindlichkeit steigert und fixiert.
Auch negative Befindenssuggestion sowie ständiges Reden, z. B. über Luftverschmutzung und Allergenbelastung, in Gegenwart des Betroffenen unterhalten und stützen Asthma durch Umwelteinflüsse.
   
   
   
   
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Verlust von Sicherheit gegenüber der Umwelt Wenn der Betroffene
- sich stark durch Umweltbelastungen belästigt fühlt, seien sie
- sinnlich wahrnehmbar (z. B. Geruch, Lärm) oder
- nicht sinnlich wahrnehmbar (z. B. Schadstoffe, Strahlen)
- ein Gefühl des Bedrohtseins entwickelt
- mit Pessimismus in die Zukunft sieht
- sich als hilflos empfindet
- resigniert
so kann er alle, d. h. auch bisher als neutral angesehene Umweltstoffe, als bedrohlich ansehen (125,244).
Glaubt der Betroffene, daß er durch seine Umwelt krank und vernichtet wird, so ist ihm eine objektive Risikoabschätzung seiner Krankheitsursache nicht mehr möglich. Er besitzt auch keine Strategie, wie er auf die Bedrohung reagieren soll. Erwartet er, daß bestimmte Symptome - wie z. B. asthmatische Atemnot - eintreten, so werden diese ungewollt soweit imitiert, wie es möglich ist.
- In einer Untersuchung heß man Probanden eine indifferente Lösung inhalieren und behauptete, sie enthalte Pollen- bzw. Hausstaubahergen. 48 % der unter Asthma Leidenden entwickelte eine asthmatische Reaktion, obschon sie gar nicht Allergenkontakt hatten. Ahein der Glaube, die Umweltbelastung, das Allergen, löst Asthma aus, hat die asthmatische Reaktion bewirkt (177).
- Von 100 Personen, die eine Umweltambulanz aufsuchen, hegt bei fast 100 % eine verzerrte Umweltwahrnehmung vor, d. h. sie haben Angst vor Umweltschadstoffen. Bei weniger als 10 % findet sich eine tatsächhch belastete Umwelt, und nur bei 1 - 2 % scheint die Belastung Ursache der Beschwerden zu sein (244).
   
   
   
   
183
   
   
   
      
      
   
   
   
Merke:
   
   
   
   
- Fremdstoffe und/oder Wahrnehmungen aus sinnesvermittelten Umwelteinflüssen, die zeitgleich mit Revierangst wahrgenommen und als krankheitsauslösende Reize konditioniert wurden, sind künftighin in der Lage, selbständig Asthma hervorzurufen.
- Asthma wird unspezifisch ausgelöst, wenn bei einem latent vorhandenen Revierkonflikt die Bronchien fehlüberwacht sind und Fremdstoffe/Sinneswahrnehmungen aufgrund der vorhegenden Streß- bzw. Belastungsstörung dermaßen Streß provozieren, so daß hernach Asthma einsetzt.
- Umwelteinflüsse können in ihrer negativen Wirkung auf das Asthma potenziert werden durch Verstärkung.
- Fremdstoffe und/oder Wahrnehmungen aus sinnesvermittelten Umwelteinflüssen rufen dann Asthma hervor, wenn der Betroffene sich durch seine Umwelt bedroht fühlt, seine Sicherheit verhert und glaubt, der Umweltbelastung hilflos ausgeliefert zu sein.
   
   
   
   
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Fremdstoffe und/oder Wahrnehmungen aus sinnesvermittelten Umwelteinflüssen unterhalten das Asthma
- durch Konditionierung mit Revierangst
- aufgrund der bestehenden Streß- bzw. Belastungsstörung
- durchVerstärker
- über den Verlust von Sicherheit
   
   
   
   
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V. Kapitel
Erklärung verschiedener Phänomene
   
   
   
      
      
   
   
   
Die dargestellten Erkenntnisse und Untersuchungsergebnisse bieten die Möglichkeit, bisher nicht erklärbare Phänomene verstehbar zu machen:
- Allergiker und Allergiekranker
- Zunahme der Allergien
- das hyperreagible Bronchialsystem des Gesunden, des an Asthma Erkrankten und des von Asthma Genesenden
- der häufig fehlende eindeutige Nachweis von Krankheitserregern bei der asthmatischen Bronchitis
- die familiäre Disposition zu Asthma
- die Sicht weise des Asthmas als multifaktoriell bedingtes Leiden
   
   
   
   
188
   
   
   
      
      
   
   
   
1. Allergiker und Allergiekranker
Ein positiver Befund auf Allergene kann im Hauttest und/oder Bluttest (RAST) vorhanden sein. Dennoch ist der Betreffende gesund, er ist Allergiker.
Allergiekrank ist der Betroffene erst dann, wenn allergische Reaktionen an den Bronchien ablaufen, die zu Asthmasymptomen führen.
Selbst Personen, die ihr allergisches Asthma überwinden und gesund sind, können noch über Jahre, Jahrzehnte positive Befunde im Hauttest und/oder Bluttest aufweisen. Was unterscheidet den Allergiker vom Allergiekranken?
   
   
   
   
   
   
   
   
189
   
   
   
      
      
   
   
   
Durch Revierangst wird der Allergiker zum Allergiekranken
   
   
   
   
Aus der Umwelt dringen stetig Fremdstoffe in den Organismus ein, mit denen sich dann sein Immunsystem auseinandersetzt, erkennbar an einer Antikörperbildung gegen den Fremdstoff. Werden IgE-Antikörper in der Haut und/oder im Blut produziert, so fallen Hauttest und/oder Bluttest auf Allergene positiv aus. Ist der Betreffende dabei gesund, spricht man von einem Allergiker (siehe I. Kapitel, 1. Ist Asthma eine Erbkrankheit, die allergische Reaktion).
   
   
   
   
   
   
   
   
Eine durch IgE-Antikörper vermittelte asthmatische Reaktion tritt erst dann auf, wenn wie beschrieben, durch Revierangst die Allergie konditioniert wird und die Bronchien fehlüberwacht werden. Die Fehlüberwachung der Bronchien informiert das Immunsystem darüber, daß die allergische Reaktion an den Bronchien abzulaufen hat. Der Betroffene ist jetzt allergiekrank (s. IV. Kapitel, 3. Die Umwelt, Revierangst und Umweltbelastung).
   
   
   
   
   
   
   
   
Überwindet der Betroffene seine Revierangst, so können keine allergischen Reaktionen mehr an den Bronchien stattfinden. Der Betreffende ist gesund, auch wenn Hauttest und/oder Bluttest auf Allergene weiterhin positiv bleiben.
   
   
   
   
190
   
   
   
      
      
   
   
   
Merke:
   
   
   
   
Durch Revierangst wird der Allergiker zum Allergiekranken. Überwindet der Betroffene seine Revierangst bzw. Belastungsstörung, so hört das allergische Asthma auf, auch wenn Tests mit Allergenen an der Haut und/oder im Blut positiv bleiben.
   
   
   
   
191
   
   
   
      
      
   
   
   
Der Allergiekranke leidet unter Revierangst, der Allergiker nicht
   
   
   
   
192
   
   
   
      
      
   
   
   
2. Warum nehmen Allergien zu?
Für das Ansteigen der Allergierate wird die zunehmende Umweltbelastung verantwortlich gemacht. In diesem Buch ist es der chronische Streß, seine Zunahme, die hauptsächhch dafür verantworthch ist, daß ahergische Krankheiten zahlenmäßig ansteigen.
   
   
   
   
   
   
   
   
193
   
   
   
      
         
   
   
   
Bei chronischem Streß verschiebt sich die Abwehr zugunsten der Antikörperbildung
   
   
   
   
Für die Zunahme allergischer Krankheiten sind sicherlich zahlreiche Faktoren verantworthch. Der wesenthche Grund jedoch scheint chronischer Streß zu sein.
Chronischer Streß verändert die Immunabwehr, indem die Zellabwehr geschwächt und die Antikörperabwehr erhöht wird:
- Untersucht wurden 69 Pflegende, welche ihre Familienangehörigen durchschnittlich 8 Stunden am Tag pflegten. Im Vergleich zu Nichtpflegenden zeigte sich bei den durch die Pflege belasteten Personen nach 13 Monaten ein stark erhöhter Antikörpertiter gegen ein Virus, das Ebstein-Barr-Virus, im Blut.
   
   
   
   
600-Antikörper (IgG) 200 ~
   
Kontrolle
   
   
   
   
vor nach 13 Monaten Pflege
   
vor nach 13 Monaten ohne Belastung
   
   
   
   
Das Ebstein-Barr-Virus ist bei vielen Menschen in den B-Lymphozyten vorhanden, ohne daß es Symptome hervorruft. Es kann sich nur dann vermehren, wenn die Zellabwehr nachläßt. Chronischer Streß hat bei den Pflegenden die Zellabwehr vermindert, und um so höher ist dann ihre Abwehr durch Antikörper (92).
Es kann vermutet werden, daß chronischer Streß ein wesenthcher Faktor ist, der das Entstehen
allergischer Krankheiten durch vermehrte IgE-Antikörperbildung fördert.
- In einer Studie (134) wurden 31 erwachsene Personen, die unter Heuschnupfen litten, zu
den Bedingungen befragt, die die Betroffenen in Zusammenhang mit dem Beginn der
ahergischen Krankheit sehen:
- 30 Personen (97 %) berichteten, daß sie sich vor dem ersten Auftreten von Heuschnupfen in einer sehr belasteten Lebenssituation befanden. Sie erlebten eine Trennung von wichtigen Bezugspersonen (Eltern, Partner) bzw. es war aufgrund von Streitereien oder Bevorzugung einer anderen Person eine Trennung zu befürchten. - 10 Personen (32 %) waren zu dieser Zeit zusätzhch mit hohen Arbeitsanforderungen konfrontiert.
   
   
   
   
Chronischer Streß setzt offensichtlich auch die Widerstandskraft gegen traumatisierende, krankmachende Ereignisse herab, denn zumeist erkrankt ein Mensch dann, wenn er in seinem Leben chronisch überlastet ist bzw. war:
- wenn der Säughng ständig nachts gestillt wird
- wenn der Säugling ständig seinen Aufenthaltsort wechselt
- wenn das Kleinkind Eingewöhnungsschwierigkeiten beim Kindergartenbesuch zeigt
- wenn der Jugendhche sich auf ein Examen vorbereitet hat
- wenn an den Erwachsenen sehr hohe berufliche Anforderungen gestellt werden
- wenn in der Familie dauernde Spannungen bestehen.
   
   
   
   
194
   
   
   
         
      
   
   
   
Das Allergen vermag Hinweise auf konflikthafte Situationen zu geben (120)
   
   
   
   
- Ein Mann bekam z. B. seinen ersten allergischen Schnupfenanfah beim Rasenmähen für den Vater, dem gegenüber er Haß und Angst empfand (134).
- Eine Frau lebte in einer unbefriedigenden Beziehung mit einem Katzenbesitzer und reagierte in dieser Zeit das erste Mal allergisch auf Katzen, obwohl sie selbst früher eine Katze besessen hatte (134).
Für allergische Berufskrankheiten scheint weniger die genetische Disposition als vielmehr die Exposition, d. h. die
- Konzentration des Allergens
- täghche Einwirkungszeit
- Gesamtdauer in Jahren
zum bestimmenden Kriterium der Sensibilisierung zu werden (243).
- Der Sensibilisierungsgrad von Laborpersonal in einer Versuchstierhaltung gegen Meerschweinchen betrug über 59 %; während sonst unter gleichen Lebensbedingungen z. B. nur etwa 10 % der Personen auf Pohen ahergisch reagieren.
Es ist zu vermuten, daß im Beruf immer wieder chronische Streßphasen auftreten, die die Abwehr mehr zur Antikörperabwehr hin verschieben und die Widerstandskraft gegen Gefühlsverletzungen herabsetzen. In einer akuten, konflikthaften Situation kann dann eine Allergie durch traumatische Gefühlsverletzung erworben werden. Es wird der Stoff zum Allergen, der zeitgleich mit dem Gefühlstrauma vom Gehirn wahrgenommen wurde.
   
   
   
   
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Merke:
   
   
   
   
Es wird vermutet, daß die Zunahme von Allergien wesenthch auf chronischen Streß beruht. Chronischer Streß verändert die Abwehr, indem die Zehabwehr geschwächt und die Antikörperabwehr, zur letzteren ist die Allergie zugehörig, erhöht wird. Zudem senkt chronischer Streß die Fähigkeit, traumatisierende Gefühle abzuwehren. Das Allergen vermag Hinweise auf konflikthafte Situationen zu geben.
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196
   
   
   
      
      
   
   
   
Die Zunahme der Allergien scheint wesenthch auf chronischen Streß zu beruhen.
   
   
   
   
197
   
   
   
      
      
   
   
   
Das hyperreagible Bronchialsystem des Gesunden, des Genesenden, des an Asthma Leidenden
Ein hyperreagibles Bronchialsystem kann auch bei Gesunden vorhanden sein und bei Personen, die ihr Asthma überwunden und keinerlei Beschwerden mehr haben (35). Bei diesem Personenkreis scheinen die hyperreagiblen Bronchien keine Bedeutung zu besitzen. Ganz anders ist die Situation beim Asthmapatienten. Das hyperreagible Bronchialsystem ist wesenthches Kennzeichen seiner Asthmaerkrankung.
Worin unterscheiden sich die hyperreagiblen Bronchien des Gesunden, des Genesenden, von denen des Asthmatikers?
   
   
   
   
   
   
   
   
198
   
   
   
      
      
   
   
   
Das hyperreagible Bronchialsystem des Gesunden ist als Variation der Norm zu erklären, das des Asthmapatienten beruht auf Revierangst
Das hyperreagible Bronchialsystem des Gesunden steht eine unspezifische, d. h. nicht krankheitsauslösende, vegetativ bedingte Überempfindhchkeit der Bronchien dar, eine Variation der Norm. Sie ist durch die überempfindhche Funktion des Hypothalamus bedingt, führt jedoch im täghchen Leben zu keinen wesenthchen Krankheitssymptomen (siehe III. Kapitel, 1. Wie wird die Weite der Bronchien reguliert?). Beim Asthma, das durch Revierangst entsteht,
- ist die Gefühlsinformation von Revierangst im Gedächtnis für Gefühlsinhalte gespeichert, und sie bedingt über den Hypothalamus via vegetatives Nervensystem die Überempfindhchkeit der Bronchien. Zugleich ist im Gedächtnis für Sachinformation Revierangst als Faktum festgehalten, so daß über das Großhirn das Bronchialsystem fehlüberwacht wird. Asthma entsteht dann, wenn durch Revierangst beide Gedächtnisse
- das, in dem Gefühle gespeichert sind und
- das, welches Sachverhalte festhält
ihre Informationen an den Hypothalamus bzw. an das Großhirn weiterleiten, so daß Hyperreagibihtät und Fehlüberwachung der Bronchien zusammentreffen und zu einer spezifischen Hyperreagibihtät der Bronchien beim Asthma bronchiale führen.
- wird die Revierangst überwunden, so kann eine Hyperreagibihtät der Bronchien vom unspezifischen Typ, d. h. als vegetative Überempfindhchkeit bestehen bleiben, ohne daß Asthma vorhanden ist.
   
   
   
   
199
   
   
   
      
      
   
   
   
Merke:
   
   
   
   
Das hyperreagible Bronchialsystem des Gesunden stellt eine unspezifische, d. h. nicht krankheitsauslösende Variation der Norm dar.
Das hyperreagible Bronchialsystem beim Asthma bronchiale beruht auf Revierangst, die über den Hypothalamus zu einer Hyperreagibilität der Bronchien führt. Die spezifische Hyperreagibilität entsteht deshalb, weil die Bronchien gleichzeitig vom Großhirn fehlüberwacht werden.
Wird die Revierangst überwunden, heilt das Asthma bronchiale aus, so kann als unspezifisches Merkmal eine Hyperreagibihtät der Bronchien bestehen bleiben, die keine krankhafte Bedeutung mehr besitzt.
   
   
   
   
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Yulli

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Re: STEMMANN, 1999
« Reply #5 on: March 18, 2019, 05:00:30 PM »


Bei Gesunden und von Asthma Genesenden stehen hyperreagible Bronchien eine Variation der Norm dar, ohne Krankheitswert. Die hyperreagiblen Bronchien des Asthmakranken beruhen auf Revierangst und haben Krankheitswert.

   
201

4. Warum wird bei der asthmatischen Bronchitis häufig kein eindeutiger Krankheitserreger gefunden?
Eine asthmatische Bronchitis wird durch Bakterien, Viren, Allergene, Schadstoffe hervorgerufen. Häufig findet sich kein eindeutiger Krankheitserreger. Nach der in dem Buch vertretenden Meinung ist dafür Streß verantworthch.
   
   
   
   
   
   
   
   
202
   
   
   
      
      
   
   
   
Revierangst erzeugt über Streß die asthmatische Bronchitis
Normalerweise stellt man sich die asthmatische Bronchitis durch Bakterien, Viren, Allergene, Schadstoffe u. a. verursacht vor. Doch häufig wird kein auslösender Faktor gefunden. Zudem ist die Meinung der Experten über die Rolle der Krankheitserreger nicht einheitlich. Einzelne behaupten, daß die asthmatische Bronchitis nicht durch Bakterien, sondern nur durch Viren ausgelöst werden kann.
Wie die Ausführungen gezeigt haben, ist Streß, bedingt durch Revierangst, in der Lage, eine asthmatische Bronchitis hervorzurufen und zwar durch Zellen, die während der Streßphase aus dem Blut vermehrt in das Bronchialgewebe einwandern und hier eine zunächst sterile Entzündung verursachen. Dieser Vorgang erklärt, daß bei einer asthmatischen Bronchitis oft primär kein Krankheitserreger, sei es Bakterie, Virus oder Allergen, Schadstoff u. a., nachweisbar ist.
   
   
   
   
203
   
   
   
      
      
   
   
   
Merke:
   
   
   
   
Eine asthmatische Bronchitis kann durch Krankheitserreger, Allergen, Schadstoff u. a. ausgelöst werden (bei bestehender Revierangst). Häufig wird aber kein Krankheitserreger, Ahergen, Schadstoff u. a. gefunden. Eine Erklärung für dieses Phänomen bietet Revierangst, die über Streß eine asthmatische Bronchitis hervorruft.
   
   
   
   
204
   
   
   
      
      
   
   
   
Streß durch Revierangst führt zu einem vermehrten Einwandern von Zellen aus dem Blut in das Bronchialgewebe. Die Zellen rufen eine Entzündungsreaktion hervor, die asthmatische Bronchitis, ohne daß ein Krankheitserreger u. a. vorhanden sein muß.
   
   
   
   
205
   
   
   
      
      
   
   
   
5. Die familiäre Disposition zu Asthma
   
   
   
   
Bei der familiären Disposition zu Asthma kann man vermuten, daß die Bronchien von Familienmitgliedern genetisch überempfindlich angelegt sind oder leichter an Asthma erkranken können, weil eine erbbedingte Schwäche vorliegt. Die hier vertretene Vorstellung über das Asthma läßt noch eine weitere mögliche Erklärung zu. Offensichtlich gibt es in Familien, in denen Asthma auftritt, Familienmitglieder, die besonders empfänglich für Revierangst sind. Sie können dann leichter an Asthma erkranken als andere, die dieses Merkmal nicht besitzen.
   
   
   
   
   
   
   
   
206
   
   
   
      
      
   
   
   
Empfänglichkeit für Revierangst als Erklärung der Disposition zu Asthma
Werden Angehörige von Kindern, die an Asthma leiden, untersucht, so weisen sie überempfindlichere Bronchien auf als Familienmitglieder von Kindern, die nicht unter Asthma, sondern z. B. unter Durchfall leiden. Die Untersuchung bestätigt, daß in Familien, in denen Asthma auftritt, Angehörige auch empfindlichere Bronchien besitzen als Angehörige aus Familien, in denen Asthma nicht vorkommt. Überempfindhche Bronchien zu haben, erhöht möglicherweise das Risiko des Betreffenden, daß er leichter an Asthma erkranken kann, als ein Mensch, dessen Bronchien normal empfindlich sind.
Überempfindhche Bronchien erhalten erst dann Krankheitswert, wenn nach traumatisch erlebter Revierangst die Bronchien fehlüberwacht werden.
Da in Familien Mitglieder zum Teil recht ähnhch denken und fühlen, besteht die Möglichkeit, daß diejenigen vornehmlich an Asthma erkranken, die überempfindlich auf Revierangst reagieren.
   
   
   
   
207
   
   
   
      
      
   
   
   
Merke:
   
   
   
   
In Familien, in denen Asthma auftritt, haben Famihenmitgheder auch überempfindliche Bronchien. Dieses Merkmal erhöht möghcherweise ihr Risiko, leichter an Asthma zu erkranken. Asthma wird manifest, wenn ein Mensch traumatisch Revierangst empfindet. Da in Familien Mitgheder ähnlich denken und fühlen, hätten diejenigen ein höheres Risiko, ein Asthma zu erwerben, die besonders empfänghch für Revierangst sind.
   
   
   
   
208
   
   
   
      
      
   
   
   
Erbbedingt überempfindliche Bronchien, mehr noch eine besondere Empfänglichkeit gegenüber Revierangst, können die familiäre Disposition zu Asthma erklären.
   
   
   
   
209
   
   
   
      
      
   
   
   
/
   
   
   
   
6. Warum wird Asthma als ein multifaktoriell bedingtes Leiden angesehen?
Es ist übliche Lehrmeinung, Asthma als Folge einer Summe von Belastungen anzusehen im Gegensatz zu der vorliegenden Meinung, nach der Asthma eine Ursache hat. Wie sind die unterschiedhchen Auffassungen zu erklären?
   
   
   
   
   
   
   
   
210
   
   
   
      
                  
   
   
   
\
   
   
   
   
Asthma ist scheinbar die Folge einer Summe von Belastungen Asthma entsteht durch traumatisch erlebte Revierangst.
   
   
   
   
traumatisch erlebte Revierangst verursacht Asthma
   
   
   
   
physikalische, chemische Reize sowie biologische Stoffe aus der Umwelt
   
   
   
   
/erur
   
sachen kein Asthma.,
   
   
   
   
   
   
Ist das Asthma erst einmal entstanden, kann seine Ursache kaum noch erkannt werden, weil sowohl Revierangst, Belastungsstörung als auch physikalische, chemische Reize und biologische Stoffe aus der Umwelt Asthma provozieren können.
   
   
   
   
Asthma auf dem Boden von Revierangst und Belastungsstörung
   
   
   
   
\
\
   
Asthma durch physikalische, chemische Reize sowie biologische Stoffe aus der Umwelt aufgrund von / Konditionierung oder der Belastungs- y
   
   
\
   
   
   
Störung
   
/
   
   
   
   
\
   
   
   
   
Asthma erscheint deshalb als ein multifaktorieh bedingtes Leiden:
   
   
   
   
'Asthma durch Revierangst, \ / Belastungsstörung \
   
   
   
   
/
   
   
   
   
/ physikalische, chemische Reize \ biologische Stoffe aus der Umwelt
   
   
   
   
\
   
   
   
   
\
   
   
   
   
211
   
   
   
                  
      
   
   
   
Merke:
   
   
   
   
Erst wenn Asthma durch Revierangst, gepaart mit einer Belastungsstörung, entstanden ist, sind physikalische, chemische, biologische Stoffe aus der Umwelt in der Lage, ihrerseits Asthma zu provozieren. Asthma erscheint deshalb multifaktoriell bedingt.
   
   
   
   
212
   
   
   
      
      
   
   
   
Asthma ist nicht, sondern scheint multifaktoriell bedingt zu sein.
   
   
   
   
213
   
   
   
      
      
   
   
      
      
   
   
   
VI. Kapitel
   
   
   
   
Asthma ist eine psycho-somatische Krankheit
   
   
   
   
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Die in dem Buch vorliegenden Erkenntnisse und wissenschaftlichen Untersuchungsergebnisse gestatten, Asthma durch ein psycho-somatisches Krankheitsmodell zu erklären, das für alle Menschen, die unter Asthma leiden, zutrifft.
   
   
   
   
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Warum werden psychische Faktoren als Ursache des Asthmas nicht akzeptiert?
Es ist allgemein anerkannt, daß Asthma, wenn es erst einmal entstanden ist, zu einer psychischen Belastung führt. Daß aber eine psychische Überlastung, hier als traumatisch erlebte Revierangst beschrieben, ein Asthma verursacht, wird bisher nur von wenigen akzeptiert, obschon doch das Asthma als ein psycho-somatisches Leiden gilt.
   
   
   
   
   
   
   
   
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Asthma, eine psycho-somatische Krankheit
Viele Autoren haben beschrieben, daß psychische Faktoren Ursache bzw. wesentliche Auslöser von Asthma sind. Sie stützen sich vor allem auf Beobachtungen aus ihrer langjährigen psychotherapeutischen, psychosomatischen Tätigkeit (239). Um diese wertvollen Erkenntnisse auch für Naturwissenschaftler nachvohziehbar zu machen, bedarf es einer streng reproduzierbaren Erklärung und Beschreibung des Asthmas auf dem Boden von psychischen und organischen Veränderungen.
Die traumatisch erlebte Revierangst ist als Ursache des Asthmas allgemein nicht anerkannt. Dafür gibt es Gründe:
- Wenn es gilt, wie allgemein angenommen, daß Asthma analog der Lehre von Pasteur durch einen aggressiven Stoff, Reiz bzw. Erreger entsteht, so entfällt das traumatische Erlebnis von Revierangst als Ursache von Asthma. Erst wenn akzeptiert wird, daß Asthma deshalb entsteht, weil Abwehr und Bronchialfunktion nicht normal reagieren und die Bronchien fehlüberwacht werden, erlangt die Revierangst Bedeutung, da sie Abwehr und Bronchialfünktion dauerhaft zu verändern und eine Fehlüberwachung der Bronchien herbeizuführen vermag.
- Ein weiterer wichtiger Grund, der den Zusammenhang zwischen Revierangst und Asthmaentstehung so schwer faßbar macht, ist die zeithche Verzögerung zwischen der Revierangst als Ursache und dem Auftreten von Asthma als Folge.
Ursache Folge Revierangst Asthma
Wenn das Asthma entsteht, ist seine Ursache, die Revierangst, schon längst vorüber. Revierangst als Ursache des Asthmas läßt sich nur erkennen, wenn systematisch nach der Revierangst gefahndet wird - sie ist bereits überwunden, und erst danach tritt Asthma auf:
- nach Minuten in Form des Asthma bronchiale
- nach 12- 24-48 Stunden als asthmatische Bronchitis
   
   
   
   
   
   
   
   
Asthma bronchiale asthmatische Bronchitis (nach Minuten) (nach 12-24-48 Stunden)
   
   
   
   
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- Revierangst wird auch deshalb nicht als Ursache von Asthma identifiziert, weil der schwere Asthmaanfall den Blick stets auf das akute Ereignis lenkt und einengt:
- Schwere Asthmaanfähe sind bedrohlich und verlaufen dramatisch. Alles Denken, so auch die Suche nach der Ursache, gilt dem Augenblick. Die Frage lautet: "Was hat gerade den Asthmaanfall ausgelöst?". Ist Pollenflug und zeigt sich, nachdem der Anfall abgeklungen ist, im Allergentest eine Allergie gegen Pollen, so ist die (vermeintliche) Ursache des Asthmas gefunden. Wer sollte da noch nach Revierangst suchen?
- Ein Zusammenhang zwischen Revierangst und Asthma wäre leicht herzustellen, wenn es für den Betroffenen und seine Angehörigen jedesmal erkennbar wäre, daß Asthma auftritt oder besteht.
- Leichte Asthmazustände werden jedoch als solche häufig nicht wahrgenommen und können somit auch der Revierangst nicht zugerechnet werden.
- Eltern, die ein asthmatisches Kind haben, wurden gebeten, den augenbhcklichen Zustand ihres Kindes einzuschätzen. Gleichzeitig wurde die Lungenfunktion gemessen und das Kind von einem Arzt untersucht. In nur 42 % stimmten die subjektiven Beobachtungen der Eltern mit den an ihren Kindern erhobenen objektiven Meßdaten überein; untersucht wurden 118 Kinder (258).
Es gibt Mütter, die können den Zustand des Asthmas bei ihrem Kind recht gut einschätzen, andere hingegen gar nicht. Es ergab sich ein Korrelationskoeffizient von nur r=0,15 (0,001 - 0,67), Signifikanz auf dem 5-Prozent-Niveau wurde nicht erreicht (54).
- Werden die Betroffenen selbst befragt, ob sie zur Zeit Asthma haben, so schätzen sie ihren Zustand bei leichtem Asthma sehr häufig unrichtigerweise als normal ein, wie sich durch Lungenfunktionsmessungen belegen läßt (54).
Da dem Betroffenen und seinen Angehörigen die geschilderten Zusammenhänge nicht bekannt sind, und da in der Medizin nur selten bei Krankheit zwischen der Streß- und Erholungsphase unterschieden wird, kann Asthma nicht als ein psycho-somatisches Leiden erkannt und demzufolge auch nicht akzeptiert werden.
   
   
   
   
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Merke:
   
   
   
   
Asthma ist ein psycho-somatisches Leiden. Dennoch ist der psychischen Komponente, hier der Revierangst und der Belastungsstörung als Ursache des Asthmas, bisher wenig Bedeutung beigemessen worden.
Der Grund hegt in dem allgemeinen Verständnis von dieser Krankheit:
Asthma gilt allgemein als ein genetisch bedingtes Leiden, das durch Fremdstoffe aus der Umwelt hervorgerufen wird bei organbedingter "Schwäche". In einem derartigen Krankheitsmodell erlangt die psychische Komponente eine sekundäre Bedeutung, d. h. sie wirkt allenfalls krankheitsmoduherend verstärkend oder abschwächend.
Zu ganz anderen Erkenntnissen kommt man, wenn bei der Frage nach der Ursache des Asthmas die Steuerung der Abwehr und der Bronchien zum Kernpunkt der Überlegungen gemacht wird. Wenn dem asthmatischen Geschehen eine Fehlfunktion der Abwehr und der Bronchien zugrunde liegt bei gleichzeitiger Fehlüberwachung der Bronchien, dann kann nur ein psychischer Reiz, die Revierangst, gepaart mit einer Belastungsstörung, die dauerhaft im Gedächtnis verblieben sind, immer wieder Asthma verursachen.
Um Revierangst als Ursache des Asthmas erkennen zu können, muß deutlich sein, daß sich das asthmatische Geschehen in zwei Phasen ghedert: die Phase des Streß, die Asthma verursacht, und die nachfolgende Erholungsphase, in der die asthmatischen Krankheitssymptome auftreten. Der Faktor, der Asthma verursacht, die Revierangst, hegt zeithch vor dem Erscheinen der asthmatischen Beschwerden. Zum Teil handelt es sich beim Asthma bronchiale um Minuten, bei der asthmatischen Bronchitis um mehrere Stunden, einen Tag bis zwei oder drei Tage und mehr. Da dem Betroffenen und seinen Angehörigen die genannten Mechanismen nicht bekannt sind, da sie zudem leichtes Asthma nicht wahrnehmen, ist die Revierangst als Ursache des Asthmas, ist Asthma als psycho-somatisches Leiden bislang nicht allgemein anerkannt.
   
   
   
   
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Asthma ist als ein psycho-somatisches Leiden nur dann zu erkennen, wenn bei der Krankheit die Streßphase von der Erholungsphase, in der Asthma sichtbar in Erscheinung tritt, unterschieden wird.
   
   
   
   
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VII. Kapitel Definition des Asthmas
   
   
   
      
      
   
   
   
In diesem Kapitel sollen die Vorstellungen, wie Asthma entsteht und unterhalten wird, zusammenfassend dargestellt werden.
   
   
   
   
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1. Wie läßt sich das Asthma abschließend beschreiben?
Asthma ist eine psycho-somatische Krankheit, die durch traumatisch erlebte Revierangst, gepaart mit einer posttraumatischen Belastungsstörung entsteht.
Asthma läßt sich auch als Streßkrankheit beschreiben, in deren Erholungsphase nach Streß Krankheitssymptome sichtbar in Erscheinung treten:
- Streß wird zum einen spezifisch ausgelöst durch die Revierangst und evtl. gleichzeitig wahrgenommener Informationen stofflicher und/oder geistiger Natur.
- Streß wird zum anderen unspezifisch provoziert aufgrund der Belastungsstörung und evtl. zusätzlicher Einwirkung von Fremdstoffen und/oder Sinnesreizen.
   
   
   
   
Asthma entsteht durch Revierangst und evtl. gleichzeitig wahrgenommener Reize stofflicher und/oder geistiger Natur
   
   
   
   
Asthma wird provoziert aufgrund der Belastungsstörung und evtl. zusätzlicher Einwirkung von Fremd­stoffen und/oder Sinnesreizen
   
   
   
   
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Asthma durch Revierangst
Jeder Mensch kann an Asthma erkranken, wenn er in eine Lebenssituation gerät und sich "verfühlt", d. h. traumatisch Revierangst erleidet. Der Betroffene empfindet sich ohnmächtig und handlungsunfähig in einer Situation, in der etwas elementar gegen seinen Willen und seine Überzeugung geschieht.
Während die Gefühlsinformation Revierangst zu hormonalen und immunologischen Veränderungen führt, also Abwehr und die Reagibihtät der Bronchien verändert, legt die Sachinformation Revierangst fest, daß die Bronchien fehlüberwacht werden und erkranken.
   
   
   
   
Großhirn traumatisch erlebte Sachinformation bewußte Ebene Revierangst
   
Fehlüberwachung der Bronchien
.hyperreagible Bronchien
»inkompetente Abwehr
   
sthma
   
   
Zwischenhirn traumatisch erlebte Gefühlsinformation Revierangst
unbewußte Ebene
   
   
   
   
Stammham
   
   
   
   
Geschieht etwas gegen den Willen des Betroffenen, d. h. empfindet er Revierangst oder erinnert er sich an Revierangst, so gerät er im Gegensatz zu einem gesunden Menschen unter starken Streß, dem nach Abklingen der Revierangst in der Erholungsphase sichtbar Asthma in Form der asthmatischen Bronchitis oder des Asthma bronchiale nachfolgen. Es können auch beide Formen gleichzeitig auftreten, nur geht dann das Asthma bronchiale um Stunden oder bis zu zwei (drei) Tage der asthmatischen Bronchitis voraus.
   
   
   
   
   
   
   
   
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Werden Fremdstoffe aus der Umwelt, d. h. Allergene, Bakterien, Viren, Pilze, Schadstoffe u. a. zeitgleich mit Revierangst wahrgenommen, d. h. konditioniert, so können diese Fremdstoffe hinfort selbst Asthma auslösen. Sie erinnern das Gehirn an Revierangst, die Streß auslöst, und in der dann folgenden Entspannungsphase erscheint das Asthma. Wird die konditionierte Reaktion beachtet, so wird sie zudem verstärkt und bleibt langzeitig erhalten.
Zusammen mit Revierangst können auch Sinneswahrnehmungen aufgenommen werden, so z. B. ein besonderer Geruch, Geschmack u. a. Erinnerungsbruchstücke führen im Alltag zu heftigen asthmatischen Attacken, wenn diese für sich harmlosen Sinnesreize die Personen unbewußt an die traumatisch empfundene Revierangst erinnern. Auch dieser Vorgang wird durch Beachten verstärkt.
   
   
   
   
Streßphase (Phase 1)
   
   
   
   
   
   
   
   
bzw. Sinnes­wahrnehmungen (konditioniert)
   
   
   
   
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Asthma aufgrund der Belastungsstörung
Mit der Revierangst erleidet der Betroffene eine mehr oder minder starke posttraumatische Belastungsstörung.
Ist die Belastungsstörung ausgeprägt, kann sogar freudige Erregung Asthma provozieren. Ist die Revierangst latent vorhanden, ohne allerdings stark genug zu sein, Asthma auszulösen, so kann ein unspezifischer, nicht körpereigener Stoff oder ein Sinnesreiz aufgrund der Belastungsstörung dermaßen Streß erzeugen, daß in der nachfolgenden Erholungsphase Asthma auftritt. Auch dieser Vorgang erfährt, wenn er verstärkt wird, zusätzliche Fixierung.
   
   
   
   
Streßphase (Phase 1)
   
   
   
   
   
Asthma \ asthmatische Bronchitis
bronchiale \
(nach Minuten) . \ (nach Stunden, Tagen) /
   
   
   
   
zusätzhcher Streß durch - Fremdstoffe bzw.
   
   
   
Verstärkung durch Beachten, Belohnen
   
   
   
   
- Sinnesreize
   
   
   
   
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Asthma zu Beginn einer Anspannung
   
   
   
   
Bei Asthmakranken, die unter sehr hohem und anhaltendem Streß stehen oder ihre Asthmamittel, die Adrenalin, Noradrenalin bzw. ihre Abkömmlinge enthalten, überdosieren, sprechen die Bronchien nur verzögert auf Streß an, wenn er aus einer entspannten Reaktionslage auftritt. Die Betroffenen klagen:
- nachdem sie aus dem Schlaf aufgewacht und aufgestanden sind, kurzfristig für ca. 10 - 30 Minuten über Atembeschwerden
- kurzzeitig über Atemnot, wenn sie sich aufregen oder plötzhch körperlich betätigen.
   
   
   
   
   
   
   
   
Minuten bis zu einer halben Stunde
   
   
   
   
/
   
   
   
   
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Mechanismen, die das Asthma unterhalten
Normalerweise könnte ein Asthma rasch dauerhaft ausheilen. Die Faktoren, die dem entgegenstehen, sind
- Revierangst
- Streß- bzw. Belastungsstörung
- Verstärker
- Verlust von Sicherheit.
Zur Revierangst
Verliert der an Asthma Leidende nicht seine Revierangst, so unterhält er seine Krankheit, ohne sich dessen bewußt zu sein.
- Der Betroffene weiß nicht, daß er es nicht haben kann, wenn etwas gegen seinen Willen geschieht, denn das Asthma, das dadurch ausgelöst wird, tritt erst einige Zeit nach Überwinden der Revierangst auf.
- Der Betroffene spürt nicht, daß er durch Revierangst unter Streß gerät.
- Selbst wenn der Erkrankte über die Zusammenhänge zwischen Revierangst und Asthma aufgeklärt ist, kann er weder willentlich, noch durch rationales Denken die asthmatische Reaktion verhindern.
Der Betroffene kann eigentlich nur zur Kenntnis nehmen, daß seinem jetzigen, augenblicklichen Asthma Revierangst vorausgegangen sein muß.
Da die chronische Krankheit nicht nur den Betroffenen, sondern auch seine Hauptbezugsperson oder eine andere Kontaktperson in der Familie verändert, wird bzw. werden auch sie revierängstlich, ohne es zu merken. Die Folge ist, daß die Betreffenden versuchen, Revierangst zu vermeiden oder erst gar nicht aufkommen zu lassen. Damit besteht keine Möglichkeit, sich aktiv mit Revierangst auseinanderzusetzen, ein notwendiger Vorgang, um sie zu überwinden.
Zur Streß- bzw. Belastungsstörung
Der Betroffene erleidet eine Streßstörung mit der Folge, daß er stärker und häufiger als ein Gesunder in Streßphasen gerät, die er willentlich nicht vermeiden kann. Da nach Streß in der dann folgenden Erholung Asthma auftritt, erzeugt er sein Asthma ungewollt ständig selbst.
Der Streß des Erkrankten überträgt sich auch auf seine gesunde Umgebung, so daß sich das Streßgeschehen aufschaukelt und das Asthma unterhält.
Zum Verstärker des Asthmas
Die besondere Zuwendung, die der Betroffene aufgrund seiner chronischen Krankheit immer wieder erhält und die im akuten Krankheitsschub besonders intensiv erfolgt, erzeugt trotz allen Leidens angenehme Gefühlsempfindungen wie Umsorgtsein, Linderung unangenehmer Beschwerden, die unbewußt und bewußt wahrgenommen werden und das Asthma fixieren. Nicht die Gesundheit wird dadurch, wie man allgemein glaubt, gefördert, sondern die Krankheit wird, ohne daß es erkannt und begriffen wird, verstärkt.
Da der Betroffene durch seine Krankheit Vorteile erfährt, seien sie erwünscht oder unerwünscht, ist sein Leben mit Asthma aus der Sicht der Evolution erfolgreich, und dadurch sind Verhaltensänderungen seinerseits, um dem Asthma entgegenzuwirken, verwehrt. Besteht Asthma über einen längeren Zeitraum, setzt der Betroffene zunächst unbewußt, später durch-
   
   
   
   
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aus bewußt (was dem normalen menschlichen Verhalten entspricht), sein Leiden ein, um Vorteile zu erlangen. Helfen die Angehörigen dem Erkrankten, so geraten sie ebenfalls in die Regelkreise der chronischen Krankheit. Trotz Sorge und Leid erlangen sie ungewollt einen Vorteil, weil sie für den Kranken wichtig werden und Helfen ein angenehmes Gefühl erzeugt. Das positive Gefühl ist es, das dann Verhaltensänderungen der Angehörigen im Umgang mit dem Asthmakranken blockiert und somit den Betroffenen "krank hält".
Zum Verlust von Sicherheit
Der Erkrankte verhert durch seine chronische Krankheit Sicherheit im Leben, sein Selbst wert gefühl und seine Ichstärke. Auch die Angehörigen werden durch das Asthma ihres Famihenmitghedes bedroht und hilflos. Was sie auch tun, das Asthma tritt immer wieder auf, selbst in Situationen, in denen mit Asthma nicht gerechnet wird.
   
   
   
   
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Resümee:
   
   
   
   
Die vorliegende Vorstellung über das Asthma und seine Behandlung beruht auf der Erkenntnis, daß es in der Evolution grundsätzliche, kulturübergreifende Mechanismen gibt, die auch bei der chronischen Krankheit Asthma vorliegen und die für alle Menschen gelten. Jeder, der unter Asthma leidet,
- ist revierängstlich und reagiert unbewußt mit unangemessenem Streß, wenn etwas gegen seinen Willen geschieht.
- hat eine Belastungsstörung erworben, so daß er auf Spannungen unbewußt und unangepaßt reagiert.
- verstärkt ungewollt und unbewußt das Asthma durch Vorteile, die er durch seine Krankheit erlangt. Weit stärker wirkt noch, wenn er durch seine Umgebung Beachtung und Rücksichtnahme erfährt.
- hat durch das Asthma seine Sicherheit, Selbständigkeit verloren, ohne daß es ihm bewußt ist.
Formelhaft läßt sich das Asthma deshalb beschreiben durch
AxB+C=D
- A: Aufgrund des Unvermögens, mit Streß normal umzugehen, ist der Betroffene oft krank. Er erzeugt unbewußt und ungewoht selbst seine Krankheit und verhindert ihre Heilung.
- B: Es ist vor ahem die Umgebung des Asthmakranken, besonders die Kontaktperson, die
unbewußt und nicht gewollt das Asthma verstärkt und dadurch Heilung verhindert. A und B multiphzieren sich.
- C: Ist das Asthma erst einmal entstanden, wirkt sich die Umweltbelastung zusätzhch
ungünstig auf das Leiden aus. C kommt als additiver Belastungsfaktor zu A x B hinzu.
- D: Es bedeutet chronisch krank, asthmakrank. Der Betroffene hat seine Autonomie ver-
loren, d. h. er hat seinen Glauben und seine Fähigkeit eingebüßt, sein Leben selbständig zu bestreiten und abzusichern.
Das Asthma zeigt sich in vielerlei Erscheinungsformen, wie z. B. Infektasthma, allergisches Asthma, Anstrengungsasthma, Schlafasthma, durch Schadstoffe bedingtes Asthma usw. Es sind auch verschiedene Mechanismen, immunologisch oder nicht immunologisch, am Asthmageschehen beteihgt. Dennoch steckt hinter den zahlreichen Erscheinungsformen jeweils
- ein Prinzip, das unwandelbar ist -,
während alles andere, das besteht, sei es in der physikahschen Welt oder in Gedanken, der ewig fließenden Weiterentwicklung oder dem Wechsel unterliegt. Es werden
- immer neue Umweltfaktoren gefunden, die Asthma bedingen
- immer neue Vorstellungen über das Asthma entstehen, da neue Substanzen und Mechanismen erkannt werden, die am Asthmageschehen beteihgt sind.
- Nur das dem Asthma zugrundehegende Prinzip wird unverändert bleiben -.
   
   
   
   
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Zu fragen ist, welches unwandelbare Prinzip steht hinter der chronischen Krankheit Asthma? Welcher Mechanismen bedient sich die Evolution, um das Prinzip umzusetzen?
Betrachtet man die Verhältnisse in der Natur und überträgt diese Erkenntnisse analog auf
den Menschen, so ist festzuhalten, daß viele akut kranke Tiere wieder gesunden.
Offensichtlich vermögen sie sich aus eigener Kraft zu heilen, selbst zu heilen
(Spontanheilung).
Ein chronisch krankes Tier hingegen überlebt nicht in der freien Wildbahn. Nach dem Prinzip der Polarität ist die chronische Krankheit Asthma eine Krankheit, bei der Selbstheilung verwehrt werden soh (und nur dank wirksamer Medikamente gehngt es einigermaßen, beschwerdefrei zu leben).
- Das Prinzip, das der chronischen Krankheit Asthma zugrundeliegt, ist offensichtlich unwissenthche Verhinderung von Selbstheilung -.
Damit ergibt sich eine weitere Frage: Welchen Mechanismus benutzt die Evolution, damit
Selbstheilung nicht eintritt?
Es ist der Streß, den der Asthmakranke unbewußt und ungewollt selbst erzeugt sowie das erworbene, unangepaßte Verhalten des Betroffenen auf Streß, die sein Asthma aufrechterhalten. Streß wird über das vegetative Nervensystem und die Nebenniere vermittelt. Nicht zuletzt deshalb sind Medikamente wie Adrenalin-, Noradrenalinabkömm-hnge und Kortison die wirksamsten Asthmamittel.
Streß führt zu funktionellen Störungen oder Organläsionen und zwar in Verbindung mit einem Gefühlstrauma bzw. einer Gefühlsverletzung.
- Selbstheilung wird verhindert, weil der Asthmakranke vermehrt Streß hervorruft und nicht mehr normal mit Streß umgehen kann. Der Organismus schädigt sich gewissermaßen durch den Exzeß seiner eigenen Abwehrmechanismen -.
Da der chronisch Asthmakranke eingebunden ist in ein soziales System, das Kranken hilft, gesund zu werden, muß im evolutionären Geschehen die gesunde Umgebung des Asthmakranken so verändert werden, daß sie das Asthma nicht hilft zu heilen, sondern unbemerkt und ungewoht verstärkt und unterhält. Wie kann das geschehen?
Während Zuwendung und Hilfe im akuten Krankheitsfall das Heilwerden massiv unterstützen - diese Erfahrung macht die gesunde Umgebung bei jeder akuten Krankheit -führen ausgerechnet diese positiv erlebten Verhaltensweisen - Zuwendung und Hilfe - zu einer Verstärkung des Asthmas. Sie lassen die Selbstheilung des Betroffenen nicht mehr zu.
- Die gesunde Umgebung verhindert ungewollt und unbewußt Selbstheilung, weil sie sich dem Betroffenen insbesondere im Krankheitsfall vermehrt zuwendet. Dadurch wird leider die Krankheit und nicht die Gesundheit gefördert. Zuwendung, die bei der akuten Krankheit durchaus positiv ist, verkehrt sich bei der chronischen Krankheit in das Negative -.
Man sohte doch erwarten, daß von allen Beteiligten erkannt wird, daß Zuwendung und Hilfe durch die gesunde Umgebung das Asthma unterhält. Dennoch erlangen sämtliche Beteiligten keine derartige Erkenntnis, daß sie ihr Verhalten ändern. Wie ist dieses Phänomen zu verstehen?
Wird dem Asthmakranken seitens der gesunden Umgebung gehohen, werden alle seine Wünsche und Forderungen prompt erfüllt, so bekommt er auch kein Asthma. Diese Erfahrung macht die gesunde Umgebung des Betroffenen. Sie ahnt intuitiv, daß ein derartiges Verhalten nicht richtig sein kann, dennoch läßt sie sich blenden durch den vordergründigen Erfolg ihrer Verhaltensweisen und begründet und rechtfertigt sie sogar durch logische Argumente. Es ist der schnelle, kurzfristige Erfolg, der
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Verhaltensänderungen verwehrt und das logische Denken, das keine neuen Einsichten zuläßt.
- Erfolg und logisches Denken verwehren den am Asthmageschehen Beteihgten, daß sie Erkenntnis über ihr ineffektives Verhalten erlangen und ihr Verhalten im Umgang mit dem Betroffenen ändern. -
Um Gesundheit zurückzugewinnen, und damit wird schon auf die Behandlung des Asthmas verwiesen, ist es notwendig, daß die Hauptmechanismen, die das Asthma bedingen, aufgehoben werden.
   
   
   
   
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Merke:
   
   
   
   
Asthma beruht auf einer zentralen, erworbenen, funktionellen Fehlsteuerung der Abwehr und der Bronchien bei mangelhafter Organüberwachung der Bronchien durch das Gehirn. Ursache ist die Revierangst, gepaart mit einer Streß- bzw. Belastungsstörung. Der Anspannung, dem Streß durch Revierangst, folgt Asthma sichtbar in der Entspannungsphase, nachdem die Revierangst überwunden ist
- unmittelbar, d. h. nach Minuten beim Asthma bronchiale
- nach Stunden, Tagen bei der asthmatischen Bronchitis
- nach Minuten und erneut nach Stunden, Tagen, wenn Asthma bronchiale und asthmatische Bronchitis kombiniert miteinander auftreten.
Asthma kann auch dann auftreten, wenn bei ungelöster, vorhandener unterschwelhger Revierangst die Bronchien fortlaufend fehlüberwacht werden und der Betroffene aufgrund seiner Belastungsstörung durch Sinneswahrnehmungen und/oder Fremdstoffe unter heftigen Streß gerät. In der darauffolgenden Erholunsphase setzt Asthma sichtbar ein. Sind die Beta-Rezeptoren durch chronischen Streß oder Streßhormone enthaltende Medikamente (Überdosierung) herunterreguliert, so tritt kurzfristig Asthma auch bei einem Wechsel von Entspannung zu Anspannung auf.
Ist Asthma entstanden, so wird es durch vier Hauptfaktoren ständig unterhalten:
- Der Betroffene verliert seine Revierangst nicht und die Hauptkontaktperson wird revierängstlich. Beide, Betroffener und Kontaktperson, verstärken sich unbewußt und ungewollt in ihrem Verhalten.
- Bedingt durch seine Streß- bzw. Belastungsstörung gerät der Erkrankte vermehrt unter unkontrollierbaren Streß, der sich auch auf seine Umgebung überträgt. Diese kann dem Streßgeschehen nicht immer ruhig und gelassen begegnen, und so geschieht es, daß sich der Streß ungewollt aufschaukelt.
- Der Betroffene erhält im Krankheitsfall vermehrt Zuwendung. Leider wird dadurch nicht seine Gesundung unterstützt, sondern das Asthma verstärkt, was nicht bemerkt wird.
- Der Erkrankte verliert durch seine Krankheit und die Hilfe anderer Menschen seine Sicherheit, Autonomie.
Asthma läßt sich auch formelhaft beschreiben durch A x B + C = D. Die Selbstheilung von Asthma wird dadurch verhindert, daß A der Betroffene vermehrt Streß erzeugt und verlernt, mit Streß normal umzugehen, daß B die gesunde Umgebung durch Zuwendung das Asthma verstärkt und daß C, wenn Asthma erst einmal entstanden ist, auch Umweltfaktoren schädigend einwirken. Die Folge ist D. Der Erkrankte hat seine Autonomie eingebüßt. Er glaubt nicht mehr, sein Leben selbst bestreiten und absichern zu können, und er büßt auch die Fähigkeiten, die dazu notwendig sind, ein. Er leidet unter Asthma.
   
   
   
   
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Asthma entsteht durch traumatisch erlebte Revierangst, gepaart mit einer Streß- bzw. Belastungsstörung.
Ist Asthma erst einmal entstanden, so können Fremdstoffe und/oder Sinnesreize Asthma provozieren, wenn sie
- zeitgleich mit Revierangst konditioniert worden sind (und verstärkt werden)
- aufgrund der vorhandenen Streß- bzw. Belastungsstörung zu erheb­lichem Streß fuhren, dem Asthma in der Erholungsphase nachfolgt.
Sind durch chronischen Streß oder streßhormonhaltige Medikamente die Bronchien in ihrer Reaktionsfähigkeit auf Streß herunterreguhert worden, kann auch in der Übergangsphase Entspannung zu Anspannung kurzfristig Asthma auftreten.
Das Asthma wird fortwährend unterhalten durch vier Hauptfaktoren:
- Revierangst
- Streß- bzw. Belastungsstörung
- Verstärker der Krankheit
- Verlust von Sicherheit.
Die am asthmatischen Geschehen beteiligten Vorgänge sind vorwiegend unbewußter Natur.
   
   
   
   
Formelhaft läßt sich das Asthma beschreiben durch A x B + C = D. Unangepaßte Reaktion des Betroffenen (A) auf Streß sowie Krankheitsverstärkung durch die Umgebung (B) führen dazu, daß der Betroffene seine Autonomie verliert und chronisch asthmakrank wird und bleibt (D). Zusätzhch schädigend wirkt, wenn Asthma entstanden ist, die Umweltbelastung (C) ein.
   
   
   
   
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Beantwortung der in Teil I gestellten Fragen Wie entsteht Asthma und wie wird es unterhalten?
Asthma entsteht, wenn ein Mensch sich "verfühlt", d. h. traumatisch Revierangst empfindet und eine Belastungsstörung erleidet (Ursache von Asthma).
Ist Asthma entstanden, tritt ein evolutionäres Prinzip in Kraft, das eine Selbstheilung verhindert:
- Aufgrund von vermehrt erzeugtem Streß und des verlernten normalen Umgangs mit Streß provoziert und unterhält der Betroffene sein Asthma ungewollt und unbewußt selbst. Auch Fremdstoffe und/oder Sinnesreize sind jetzt in der Lage, Asthma auszulösen.
- Die Umgebung versucht dem Asthmakranken zu helfen und verstärkt dadurch ungewollt und unbewußt sein Leiden.
Es sind die Regelkreise der chronischen Krankheit, in die der Betroffene und seine gesunde Umgebung , selbst bei Kenntnis derselben, unvermeidbar hineingeraten, hineingezogen werden, die das Asthma über Revierangst, Belastungsstörung, Verstärker und Verlust von Sicherheit unterhalten (unterhaltende Faktoren von Asthma). Formelhaft läßt sich das Asthma durch A x B + C = D beschreiben.
Der Betroffene erzeugt unbewußt und ungewollt vemehrt Streß und reagiert unangepaßt auf Streß (A). Seine Umgebung verstärkt unbewußt und ungewollt das Asthma (B). Die Umweltbelastung wirkt, wenn Asthma entstanden ist, zusätzlich schädigend ein (C). Aus A x B + C folgt Verlust der Autonomie, Asthma (D).
Ein schuldhaftes Verhalten des Betroffenen oder seiner näheren Umgebung hegt nicht vor, da sämtliche Mechanismen unbewußt und ungewollt ablaufen. Der Betroffene und seine Angehörigen wissen gar nicht, wie ihnen geschieht, und sie hätten das Geschehen auch gar nicht verhindern können.
   
   
   
   
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Teil II
   
   
   
   
Behandlung des Asthmas
   
   
   
      
      
   
   
   
Wie läßt sich Gesundheit zurückgewinnen?
   
   
   
   
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Vorwort
   
   
   
   
Keine Behandlungsmethode funktioniert ohne das tiefe Einverständnis des Erkrankten und seiner Kontaktperson, seiner Umgebung.
Ist ein Kind an Asthma erkrankt, erfaßt die Krankheit auch seine gesunden Familienmitglieder. Sie alle bedürfen zuerst der Hilfe durch den Therapeuten, er muß ihnen genau sagen, was sie zu tun haben. Der Therapeut ist aber nicht kompetent genug, alles zu lehren, d. h. die Betroffenen lernen im Verlauf der Behandlung selbst, was sie zur Heilung benötigen. Dabei haben sie ein Recht auf Erfolg und Mißerfolg. Sind die Betroffenen erst einmal auf den Weg gebracht, so kann davon ausgegangen werden, daß sie auf ihre Art jeweils das Beste daraus machen und sich gesund weiterentwickeln.
Was Betroffene davon abhalten könnte, wieder gesund zu werden, ist das Denken in richtig und falsch. Sie verwerten dann Erfahrungen nicht, sehen sie gar als Mißerfolg an. Wenn nach anfänghchem gesundheitlichen Wohlergehen plötzlich wieder Asthma auftritt, sind sie leicht resigniert und geben die Behandlung auf. Sie seien daran erinnert, daß sie, als sie Laufen lernten, auch nicht aufgegeben haben, als sie desöfteren hingefallen sind. Jeder Mensch trägt in sich das Wissen um Gesundheit, es ruht nur vorwiegend im Unbewußten. Dieses Wissen gilt es zu aktivieren, und dann vollzieht sich Heilung gleichsam von allein (238). Für Außenstehende, Therapeuten, ja für den Betroffenen selbst, ist es manchmal unverständlich, weshalb der Asthmakranke und seine nähere Umgebung sich immer wieder in derselben krankmachenden Art verhalten . Ein derartiges Verhalten ist Ausdruck dessen, was über die Krankheit gedacht wird, die Umstände werden nicht so gesehen, wie sie sind, sondern so, wie sie sein sollen. Asthma bleibt dann bestehen, weil an alten Verhaltensmustern festgehalten wird. Diese eingeschhffenen, bewußt erlernten und inzwischen unterbewußt fixierten Denk- und Verhaltensweisen gilt es zu ändern, soll das Asthma heilen. Das kann nur geschehen, wenn der Betroffene und seine Angehörigen die geschilderten Vorstellungen über das Asthma, seine Entstehung, Unterhaltung und Behandlung akzeptieren. Akzeptieren ist Bedingung für Veränderungen. Erst nach dem Annehmen - vorher nicht - können alteingefahrene, bewußt und stärker noch unbewußte Denk-, Gefühls- und Verhaltensweisen verlassen und durch neue ersetzt werden (238).
Die Beteihgten müssen sich sehr konsequent an das Behandlungskonzept halten. Sie tun es am besten in dem Bewußtsein, daß sie die Ratschläge verinnerlichen und so gewissermaßen zu ihren eigenen machen. Letztlich sind sie es dann, die handeln. Dadurch wahren sie ihre Eigenständigkeit und Unabhängigkeit, die Grundvoraussetzungen für das vorliegende Behandlungskonzept sind.
In dem Behandlungskonzept sind zwei Punkte unverzichtbare Basis für den Gesundungsprozeß, um die sich alle sonstigen Rat- bzw. Behandlungsvorschläge gruppieren:
1. Asthma ist eine Streßkrankheit, deren Mechanismen hauptsächlich unbewußt ablaufen. Ihr kann nur begegnet werden durch ein Anti-Streßtraining, das ebenfalls vorwiegend auf der unbewußten Ebene wirksam ist. Zu nennen ist das autogene Training bzw. die progressive Muskelentspannung.
2. Die Hauptbezugsperson, die im Umgang mit dem Asthmakranken unbewußt und ungewollt
- aber höchst perfekt - das Asthma ständig verstärkt und unterhält, muß ihr Verhalten im Umgang mit dem Erkrankten ändern. Dieser Ratschlag gilt letzthch auch für die nähere Umgebung des Betroffenen. Der Betroffene braucht Hilfe durch seine Umgebung, nur anders als bisher. Die Umgebung muß bereit sein, neue Verhaltensweisen zu erlernen, die Gesundheit verstärken und nicht Krankheit ungewollt unterhalten. Das gehngt nicht, ohne ein täglich durchgeführtes autogenes Training oder die progressive Muskelentspannung. Das Behandlungskonzept sieht vor, daß die Betroffenen zuerst unter genauen Behandlungsvorschlägen Verhalten ändern. Sie betreffen Verhaltensweisen bei Schlafstörungen, in Streßphasen usw. Gleichzeitig wird durch das Entspannungstraining die
   
   
   
   
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unterbewußte Ebene aktiviert, die dann zunehmend den Gesundungsprozeß bestimmt. Der Betroffene und seine Angehörigen heilen letztlich das Asthma selbst, was man dann als Spontanheilung bezeichnen kann. Unterstützt wird das Geschehen durch eine spezielle Ernährung und durch Medikamente, um Asthma vorzubeugen bzw. zu behandeln, bis der Betroffene Autonomie erlangt hat. Sie wird erkennbar an seinem gelassenen und selbstsicheren Verhalten.
   
   
   
   
Heilung (Spontan-, d. h. Eigenheilung)
   
   
   
   
Entspannungstraining (unbewußte Ebene)
   
konkrete Vorschläge zum Verhalten (bewußte Ebene)
   
   
   
   
Immer wieder begegnet man der Haltung, daß der Betroffene (bzw. seine Angehörigen) nur einen Teil der Ratschläge beherzigen, das Entspannungstraining z. B. aber nicht täghch durchführen und dennoch Gesundheit erlangen möchten. Eine derartige Handlungsweise ist leider auf Dauer nicht von Erfolg gekrönt. Als Argument, das Entspannungstraining nicht zu praktizieren, wird angeführt: "So einfach kann es doch nicht sein; wenn ich täglich Entspannungstraining mache, soll ich gesund werden, das kann ich doch nicht glauben (und deshalb mache ich das Entspannungstraining erst gar nicht)".
Die Betroffenen irren sich. Wieso ist es einfach, täghch, regelmäßig, schon frühmorgens sein autogenes Training über Wochen, Monate oder Jahre durchzuführen? Der Autor kennt kaum einen Patienten, der es auf Anhieb geschafft hat. Es gibt wohl kaum etwas Schwierigeres. Die an der Behandlung Beteiligten sohten sich über die therapeutischen Strategien einig sein. Leider ist immer ein Familienmitglied oder der Partner des Erkrankten, in gut gemeinter Absicht, gegen das Behandlungskonzept. Diese betrübhche Tatsache muß zur Kenntnis genommen werden, sie ist durch die Evolution vorgegeben. Dennoch müssen sich die Beteiligten über das Behandlungskonzept eins werden, sonst wird der Heilerfolg gefährdet. Vielleicht läßt sich der Widerpart zu einer toleranten Haltung überreden, wenn ihm dargelegt werden kann, daß die bisherigen Maßnahmen keinen durchschlagenden Erfolg gebracht haben und wohl in Zukunft auch nicht bringen werden.
Die Grundmechanismen, die Asthma verursachen und unterhalten, sind bekannt, und sie können von dem Erkrankten und seinen Angehörigen aufgehoben werden. Die Fähigkeit dazu besitzt jeder Mensch.
Eine der erstaunhchsten Eigenschaften von Lebewesen ist ihre Eigenschaft, sich nicht nur selbst zu reproduzieren, sondern sich auch selbst zu regenerieren, selbst zu organisieren - sich selbst zu heilen. Diese Fähigkeit zeigt der Asthmakranke ansatzweise, wenn er im Urlaub beschwerdefrei, d. h. gesund ist. Die meisten Betroffenen weisen auch über Jahre, Jahrzehnte beschwerdefreie Intervalle auf. Das ist nicht typisch für eine erbbedingte, unheilbare Krankheit, sondern spricht für ein funktionelles Leiden, das therapeutisch angegangen und geheilt werden kann.
Prophezeihungen pflegen sich zu erfüllen, man muß nur daran glauben und etwas dafür tun. Die neue, gute Prophezeihung für die Betroffenen und ihre Angehörigen lautet:
   
   
   
   
- Asthma ist heilbar! -.
   
   
   
   
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I. Kapitel
Aufhebung der Ursache von Asthma und Beseitigung der Faktoren, die Asthma unterhalten
   
   
   
   
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Wie erlangt der Betroffene Heilung?
   
   
   
   
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Der Betroffene
   
   
   
   
Wie erlangt der Betroffene seine Gesundheit zurück?
Heilung wird erzielt, wenn die Ursache des Asthmas und die die chronische Krankheit aufrecht erhaltenden Regelkreise überwunden werden, d. h. wenn der Betroffene
- seine Revierangst bewältigt
- lernt, mit Streß wieder normal umzugehen
- Vorteile, die ihm durch das Asthma entstehen, ablehnt
- Sicherheit zurückerlangt.
   
   
   
   
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Bewußtsein und Unbewußtsein - Asthma beruht vorwiegend auf unbewußten Vorgängen Es gibt zwei getrennte Instanzen (37, 238):
- das Bewußtsein mit seinem rationalen, analytisch-logischen Denken und Handeln
- das Unbewußtsein mit seinem intuitiv, synthetisch-spontanen Denken und Handeln, das besonders mit dem Zwischenhirn kooperiert, in dem Gefühle und Abwehrmechanismen lokalisiert sind.
In der Evolution haben weitgehend unbewußte Vorgänge, d. h. Gefühle, intuitives Denken und Handeln über Millionen von Jahren bei Lebewesen Gesundheit und Krankheit bestimmt. Ganzheitliches Denken, intuitives Erfassen und Handeln geschieht in der rechten Großhirnhälfte, die eng mit dem Zwischenhirn kooperiert.
Bewußtes und logisches Denken und Handeln sind entwicklungsgeschichtlich neue Eigenschaften, speziell des Menschen, um rationale Entscheidungen zu treffen, Überlegungen anzustellen, Probleme rational zu lösen oder Handlungen zu konzipieren. Die linke Großhirnhälfte besitzt die Fähigkeit, rational zu analysieren, zu klassifizieren, sequentiell zu verarbeiten (eins nach dem anderen), zur Planung und Ausführung logischer Handlungen. Es wird allgemein angenommen, daß ein derartig evolutionär erfolgreiches System auch hervorragend zur Lösung traumatisch verletzter Gefühle und Beeinflussung unbewußter Verhaltensweisen geeignet sein müßte, denn die bewußte Problemlösung gut als allgemein gültige Strategie der Gesehschaft. Leider hat der Versuch, unbewußte Gefühlsverletzungen, die beim Asthma vorliegen, bewußt lösen zu wohen, enttäuscht. Sie können erfolgreich nur angegangen werden auf der ihnen eigenen, weitgehend unbewußten Ebene, durch intuitives Denken und Empfinden. Auf der Ebene rechtes Großhirn - Zwischenhirn spielen sich daher besonders die Vorgänge ab, die notwendig sind, um Asthma zu heilen. Die weitgehend unbewußten Vorgänge gilt es zu beeinflussen, zu verändern, so daß wieder eine sinnvolle Zusammenarbeit zwischen Gedanken, Gefühlen, Organ- und Abwehrfünktionen stattfindet, die beim Asthma durch Revierangst, Belastungsstörung, Verlust von Autonomie krankhaft verändert ist. Durch entspannende Verfahren wird vor allem auf das rechte Großhirn und das Zwischenhirn so eingewirkt, daß vorwiegend unter Vermittlung des vegetativen Nervensystems immunologische und hormonale Funktionen sowie die Schleimhautabwehr normal ablaufen, und damit wird Gesundheit garantiert.
   
   
   
   
                        
   
   
Großhirn
rechte Hälfte
intuitives Denken **"
T und Handeln* / ^
   
7} hnke Hälfte
rational, logisches Denken und Handeln
   
   
entspannende / ^ Verfahren \
   
^Zwischenhirn ^ unbewußte Ebene Sitz der Gefühle Steuerung von vegetativen Organ­reaktionen
immunologischen und hormonalen Funktionen hauptsächhch über das vegetative Nervensystem
   
   
   
   
   
   
Stammhirn
   
   
   
                        
   
   
   
   
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1. Überwinden der Revierangst
   
   
   
   
Die Revierangst kann der Betroffene nur zu einem sehr geringen Teil durch Denken neutrahsieren, eine Tatsache, die zwar kaum einzusehen ist, aber dennoch akzeptiert werden muß.
Selbst der Wille ist nicht fähig, die Revierangst aufzuheben, denn die Revierangst setzt bereits ein bei dem geringsten Verdacht, das Revier könne in Gefahr sein, und löst über den sogenannten "schnellen Weg", der der willentlichen Kontrolle nicht unterhegt, reflektorisch, unbewußt Asthma aus.
   
   
   
   
Reiz
   
         
   
Zwischenhirn (unbewußt)
   
   
Revierangst
   
   
Thalamus
   
   
   
Hypothalamus
   
   
Amygdala (Mandelkern)
   
   
   
Hypophyse (Hirn-
   
   
   
anhangdrüse)
   
   
l )
   
Stxeß
   
         
   
Großhirn
   
   
   
   
   
   
Asthma
   
   
   
   
Die Revierangst ist daher auf der bewußten und (vor ahem) auf der unbewußten Ebene anzugehen.
   
   
   
   
   
   
   
   
247
   
   
   
            
            
   
   
   
Die jeweiligen Angriffspunkte der unterschiedlichen therapeutischen Verfahren wird auf der Übersicht dargestellt:
   
   
   
   
Großhirn
- über Revierangst sprechen und in einen anderen Zusammenhang stellen
- wiederholtes Erleben von Revierangst, real oder in der Phantasie
   
bewußte Ebene
   
   
   
   
Zwischenhirn
- Anti-Streßtraining durch autogenes Training oder progressive Muskelentspannung (zentrales Verfahren)
- positive Verstärker von Asthma meiden, Revierangst muß nur Nachteile und Gesundheit Vorteile haben (wesenthches Verfahren)
- positive Gefühle erzeugen
- Lösung von Revierangst auf der realen Ebene
   
unbewußte Ebene
   
   
   
   
Stammhirn
   
   
   
   
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Verminderung von Revierangst, indem darüber gesprochen wird
Indem der Betroffene über seine Revierangst spricht, erfährt er Erleichterung dadurch,
- daß er das angsterzeugende Ereignis ausspricht
- daß er die Revierangst von einem anderen Standpunkt aus betrachtet.
Der Erkrankte redet ungern über Ereignisse, die gegen seinen Willen gegangen sind. Spricht er über seine Revierangst, so verliert sie an Bedrohlichkeit. Deshalb ist der Betroffene intensiv zu befragen. Bei Kindern sind Augenblicke günstig, wenn sie gerade aus dem Kindergarten oder aus der Schule nach Hause kommen: Sage einmal,
- hast du dich geärgert?
- hat dir einer etwas weggenommen?
- wurdest du ungerecht behandelt?
- konntest du dich nicht wehren?
- fandest du dich ungeliebt?
- hat dich jemand verletzt?
- glaubtest du, verlassen zu sein?
- was hattest du dir anders gedacht?
- geschah etwas gegen deinen Willen?
- mußtest du dich aufregen?
- was war schlimm für dich? Erzähle!
Das sofortige Reden des Betroffenen über seine krankheitsverursachende Revierangst beschleunigt den Gesundungsprozeß und beugt zudem einem verzögerten Krankheitsverlauf vor - vorausgesetzt, die fragende Person hört aufmerksam zu und gibt keine guten Ratschläge (gar keine Ratschläge! - allenfalls nur, wenn der Betroffene fragt).
Erzählt der Betroffene auf Aufforderung nicht, darf er nicht weiter gefragt werden, um keinen Revierkonflikt zu provozieren.
Gedanken und Vorstellungen bestimmen die Wirklichkeit des Erkrankten. Durch Reden bzw. Sprechen läßt sich die Revierangst in einen anderen Zusammenhang bringen. Wird die Revierangst von einer anderen Seite als bisher betrachtet, verhert sie zu einem großen Teil ihre bedrohliche, d. h. krankheitsverursachende Wirkung.
   
   
   
   

   
   
   
   
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Anpassung durch wiederholtes Erleben von Revierangst
   
   
   
   
Um die Angstreaktion zu überwinden, muß ein Lernprozeß erfolgen, der im vorderen Stirnlappen des Großhirns abläuft:
- Der Betroffene muß durch mehrfache Wiederholung erfahren, daß die angsterzeugende
Situation keine negativen Folgen zeigt. Wurde bei Versuchstieren der vordere Stirnlappen zerstört, so konnten die Versuchtstiere ihre Angstreaktion nicht mehr verlieren.
   
   
   
   
Reiz-
   
Zwischenhirn (unbewußt) Revierangst-
   
Großhirn (bewußt) Stirnlappen: — Anpassung durch wiederholtes Erleben
   
   
Thalamus
I Hypothalamus Amygdala
Hypophyse
   
   
   
   
   
   
   
   
Gesucht werden Situationen, die Revierangst auslösen.
- Schafft es das von Asthma betroffene Kind nicht, ohne zu husten, daß seine Kontaktperson sich z. B. kurzfristig von ihm entfernt, so werden kurzzeitige Trennungen systematisch geübt, solange, bis das Kind in einer derartigen Situation nicht mehr hustet.
- Die Revierangst kann auch in entspanntem Zustand täghch, u. U. mehrmals in der Phantasie durchlebt werden. Das wiederholte Durchleben der Revierangst verändert die Empfindung so, daß kein übermäßiger Streß mehr ausgelöst wird. Die Übungen müssen solange durchgeführt werden, bis der Betroffene spürt, daß er über sein Problem lächeln kann. Eine derartige Technik kann erst ab dem höheren Schulkindalter eingesetzt werden.
Mit Hilfe von Biofeedback-Methoden, bei denen Emotionen durch elektrische Veränderungen, die sie bewirken, sichtbar gemacht werden, konnte gezeigt werden, daß bei wiederholten Empfindungen die elektrischen Veränderungen abnahmen, bedingt durch eine sich vermindernde Intensität des Gefühls. Auch auf der hormonalen Ebene ließ sich durch eine nachlassende Ausschüttung von Adrenahn, Noradrenalin, Cortisol die Adaptation belegen.

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Yulli

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Re: STEMMANN, 1999
« Reply #6 on: March 18, 2019, 05:04:04 PM »

Entspannungsübungen gegen die Revierangst
Durch ein langfristiges, täglich durchgerührtes Entspannungstraining in Form des autogenen Trainings oder der progressiven Muskelentspannung erlangt der Betroffene einen Zustand der inneren Gelassenheit, indem er Revierangst als nicht mehr bedrohhch empfinden kann. Die Vorgänge laufen auf der Zwischenhirnebene ab und wirken auf den Hypothalamus ein. Da kein übermäßiger Streß mehr entsteht, bleibt das Asthma aus.
   
   
   
   
Reiz
   
Zwischenhirn Revierangst -
   
Großhirn
   
   
   
   
Wirkung des autogenen Trainings Wirkung der progressiven Muskelentspannung
   
Thalamus
I Hypothalamus Amygdala
Hypophyse
   
   
   
   
   
   
   
   
Die Zeichnung macht deuthch, welche enorme Bedeutung dem Anti-Streßtraining in Form des autogenen Trainings bzw. der progressiven Muskelentspannung in der Behandlung der Revierangst zukommt. Das Verfahren greift vorwiegend auf der unbewußten Ebene (Zwischenhirn) an, die ja hauptsächhch am Asthmageschehen beteiligt ist.
   
   
   
   
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Meiden von Verstärkern der Revierangst
   
   
   
   
Nimmt die gesunde Umgebung Rücksicht auf den Asthmakranken, wenn er Revierangst zeigt, so wirkt sich die Rücksichtnahme als positiver Verstärker der Revierangst aus, und der Betroffene kann nicht mehr von seiner Revierangst loskommen, auch nicht unter Aufbietung eines starken Willens. Will der Betroffene seine Revierangst verlieren, so muß er Vorteile, die ihm im Zusammenhang mit Revierangst gewährt werden, strengstens meiden - anderenfalls halten ihn sonst die Vorteile unbeeinflußbar chronisch krank - ein Vorgang, der in der Evolution entstanden und im Menschen verankert ist und der im seitlichen Teil des Hypothalamus stattfindet.
Zeitigt die Revierangst nur negative Folgen, ist sie begleitet von Asthma, Leid, Hilflosigkeit, ohne daß der Betroffene Zuwendung erfährt, muß die Revierangst aufgegeben werden.
   
   
   
   
Reiz
   
Zwischenhirn (unbewußt) Revieijangst
Thalamus -
   
Großhirn (bewußt)
   
   
   
   
Nachteile durch Revierangst
   
   
   
Hypophyse
   
   
   
   
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Neue Gefühle lassen sich üben
   
   
   
   
Gefühlen glaubt der Mensch hilflos ausgeliefert zu sein. Er fühlt sich von seinen Emotionen übermannt. Gefühle sind aber ebenso wie Denken erlernbar, nur wird die Fähigkeit dazu eigenartiger - und unverständlicherweise von den meisten Menschen nicht genutzt (10). Der Mensch bleibt bei seinen "alten", d. h. gewohnten Gefühlen und Gedanken, weil sie kurzfristig von Erfolg gekrönt sind, d. h. verstärkt werden. Gefühle lassen sich empfinden, üben, indem immer wieder das gewünschte Gefühl hervorgerufen wird, so z. B. einem Menschen freundlich zu begegnen (und sich nicht über ihn zu ärgern).
Wie man im Einzelfall emotional reagieren will, läßt sich auch vorweg in der Phantasie proben und durch immerfortes Wiederholen festigen.
Wichtig ist, daß sich der Mensch seiner eigenen Gefühle und Reaktionen bewußt wird und sie akzeptiert - ja so fühle und handele ich. Erst dann kanner beginnen, neue Gefühle zu üben. Der Mechanismus - Einflußnahme auf die eigenen Gefühle - hat einen hohen Stellenwert für die Normalisierung von Immunfunktion und Bronchialfünktion (die allgemein geläufige Meinung, daß positives Denken sich gesundheitsfördernd auswirkt, ist leider nicht von Erfolg beschieden, da Abwehr und Bronchialfunktion nicht denk-, sondern gefühlsabhängig sind). Es ist für das menschhche Gehirn nicht von Interesse, ob ein Gefühl spontan entsteht oder gewoht hervorgerufen wird, das Gehirn nimmt die Information auf und setzt sie in Reaktionen um.
   
   
   
   
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Lösung der Revierangst auf der realen Ebene
Zu überlegen ist, ob das Problem, das zum Asthma geführt hat, nicht real gelöst werden kann. Beispiel:
Ein Tier wird überfahren und sein Verlust ruft Asthma hervor. Nach nicht zu langer Zeit der Trauer sollte der Verlust des Tieres durch Anschaffung eines neuen Tieres ausgeglichen werden. Es wird nicht viel Zeit vergehen und der Betroffene hat das neue Tier ebenso lieb, wie das verstorbene. Die meisten Menschen werden ein derartiges Vorgehen bewußt nicht gutheißen, auf der unbewußten Ebene ist aber der Verlust durch Ersatz ausgeglichen worden (und damit ist das Problem nach evolutionären Regeln gelöst).
   
   
   
   
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Merke:
   
   
   
   
Der moderne Mensch muß akzeptieren, daß er Revierangst durch bloßes Denken oder Kraft seines Willens allein nicht überwinden kann.
Erleichterung verspürt der Betroffene, wenn er über seine Revierangst sprechen kann oder sie von einem anderen Standpunkt her betrachtet (bewußte Ebene, Großhirnbereich). Adaptation an die Revierangst erlangt der Betroffene, wenn er sich im täglichen Leben oder in seiner Phantasie wiederholt Situationen aussetzt, die Revierangst heraufbeschwören (Lernprozeß, Großhirnbereich).
Revierangst löst reflexmäßig Asthma aus, schon bei dem geringsten Verdacht, das Revier könne in Gefahr sein. Schaltstehe ist der Hypothalamusbereich, der übermäßig reagiert. Ein Entspannungstraining, täglich über eine lange Zeit durchgeführt, normalisiert die überschießende Reaktion des Hypothalamus, so daß künftighin Revierangst kein Asthma mehr auslösen kann (unbewußte Ebene, Zwischenhirnbereich).
Hat der Mensch intensive Revierangst empfunden, so kann er erstaunlicherweise das ihn krankmachende Gefühl nicht einfach aufgeben. Ein Grund hierfür hegt in dem positiven Verstärker. Der Betroffene erzielt Vorteile durch seine Revierangst (unbewußte Ebene, Zwischenhirnbereich).
Gefühle lassen sich ebenso wie Denken üben. Der Betroffene kann seine Gefühlswelt,
insbesondere die das Asthma verursachende Revierangst, so beeinflussen, daß sie ihre
krankheitsfördernde Wirkung verhert (unbewußte Ebene, Zwischenhirn).
Ist die das Asthma verursachende Revierangst gefunden, so ist zu fragen, ob eine konkrete
Lösung des Problems, z. B. durch Ersatz von Verlust möglich ist (unbewußte Ebene,
Zwischenhirn).
Die Revierangst läuft zu ca. 90 % unbewußt ab - von daher kommt dem autogenen Training bzw. der progressiven Muskelentspannung, täglich durchgeführt, ein enorm hoher therapeutischer Wert zu. Das tägliche Entspannungstraining ist von zentraler Bedeutung, wenn der Betreffende wieder gesund werden will. Von ähnhch hoher Bedeutung für das Gesunden ist, daß der Betroffene keine Vorteile durch seine Revierangst erlangt.
   
   
   
   
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Revierangst läßt sich überwinden, so daß Asthma nicht mehr auftritt, indem
- täglich, langzeitig ein Antistreßtraining durchgeführt wird
- Verstärker, die die Revierangst unterhalten, aufgegeben werden
- über Revierangst geredet wird
- Revierangst real oder in der Phantasie wiederholt erlebt wird, um Anpassung zu erlangen
- neue Gefühle eingeübt werden
- der Revierkonflikt auf der realen Ebene gelöst wird
   
   
   
   
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2. Lernen, mit Streß normal umzugehen
   
   
   
   
Im Streß werden Streßhormone freigesetzt, die, will der Betreffende gesund bleiben, durch Angriff oder Flucht abgebaut werden müssen. Ist Reaktion nicht möglich, so entsteht akut eine funktionelle Störung in Form des Asthma. Dem Übermaß an Streß kann vorgebeugt werden durch ein Anti-Streßtraining. Regelmäßiges, täghches Training verhindert, daß der Betroffene erst gar nicht exzessive Streßphasen erleidet. Außerdem muß der Asthmakranke lernen, Streß normal zu verarbeiten.
   
   
   
   
   
   
   
   
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Die Hauptangriffspunkte der Strategien, die eingesetzt werden, um Streß normal zu bewältigen bzw. um Streß vorzubeugen, wirken auf unterschiedliche Ebenen des Gehirns ein:
   
   
   
   
Großhirn
Gefühle: nicht wihentlich unterdrücken, sondern situationsangemessen ausleben
Eigensuggestion: Leitsatz einreden
   
bewußte Ebene
   
   
   
t
   
   
   
Zwischenhirn
   
   
   
   
Anti-Streßtraining: autogenes Training bzw.
progressive Muskelentspannung
   
• unbewußte Ebene
   
   
   
   
Stammham
   
   
   
   
258
   
   
   
               
      
   
   
   
Zwischen Ordnung und Chaos
Der Mensch neigt zu der Annahme, daß für den Zustand der Gesundheit eine stabile Ordnung der Lebensvorgänge in seinem Organismus charakteristisch ist, während Krankheit auf einer Störung oder einem Verlust dieser Ordnung beruht. Die Sprache zeigt das deutlich, wenn z. B. der Kranke berichtet - "ich fühle mich nicht in Ordnung". Die Identifikation von Gesundheit und Ordnung mag darauf beruhen, daß die uralte Sehnsucht des Menschen nach einer akzeptierten Ordnung und Harmonie in der Welt in dem Wunsche nach Gesundheit eine Entsprechung findet (103).
Gesundheit aber ist eine Wanderung auf dem Grat, auf dem sich Ordnung und Chaos ständig die Waage halten:
- Auf der einen Seite muß der Betroffene lernen, mit Chaos, der Revierangst, den täglichen Frustrationen und Ärgernissen so umzugehen, daß Asthma nicht nachfolgt. Das wird erreicht
- durch direkte und konstruktive Kontrolle der Belastungssituation, in dem Gefühle situationsgerecht ausgedrückt und ausgelebt werden.
- Auf der anderen Seite muß der von Asthma Betroffene in eine Gefühlslage gelangen, in der er Ordnung und Harmonie verspürt. Körperhche Entspannung und Streßerleben sind miteinander unvereinbar. Im Zustand der Entspannung ist der Betreffende frei von Revierangst und seinen unkontrollierbaren Spannungen, die ihm zusetzen. Deshalb ist
- täghch ein Entspannungstraining durchzuführen, um beängstigende Gefühle und übermäßige Spannungszustände zu verheren, ihnen vorzubeugen.
   
   
   
   
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Gefühle müssen entsprechend dem Streßgeschehen ausgelebt werden
Bei chronisch Kranken, bei Diabetikern, konnte gezeigt werden, wie Streß sich je nach der Reaktion des Betroffenen - angepaßt oder zu stark oder zu schwach - auf die Blutzuckerstoffwechsellage auswirkt (118):
- Bei normalem Streß ändert sich die Stoffwechsellage kaum, wenn der Betroffene relativ gut angepaßt, d. h. gelassen oder irritiert reagiert.
- Bei leichtem Streß reagieren gelassene chronisch Kranke mit einer vergleichsweise guten Stoffwechsellage, während stark emotional agierende Personen aufgrund ihrer Überreaktion eine ungünstige Stoffwechsellage aufweisen.
- Bei hoher Streßbelastung geraten betont gelassene Menschen in einen ungünstigen Bereich ihrer Stoffwechselfunktion, da sie ihre Gefühle unterdrückt haben. Demgegenüber ist die Stoffwechselanpassung bei irritierbaren Personen besser.
   
   
   
   
                     
   
normaler Streß
   
leichter Streß
   
starker Streß
   
   
Reaktion
   
Stoffwechsel
   
Reaktion
   
Stoffwechsel
   
Reaktion
   
Stoffwechsel
   
   
gelassen
   
+
   
gelassen
   
(+)
   
betont gelassen
   
-
   
   
irritiert
   
+
   
stark irritiert
   
-
   
irritiert
   
(+)
   
                     
   
   
   
   
+ gute Stoffwechsellage - schlechte Stoffwechsehage
Der Betroffene muß lernen, daß er seine Gefühle der Situation angemessen ausdrückt bzw. ausagiert, nur dann ist seine Stoffwechsehage weitgehend in Ordnung.
Analog gilt für den Asthmakrankemer muß lernen, seine Gefühle, seinen Streß, wie der Gesunde, d. h. normal zu bewältigen, dann funktionieren Abwehr und Bronchialsystem auch normal.
   
   
   
   
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Entspannungstraining
Der einzelne Mensch besitzt einen unterschiedlichen Zugang zu den Entspannungstechniken. Der Betreffende sollte den Weg bzw. das Verfahren wählen, das ihm am besten zusagt. Hat er sich für eine bestimmte Methode entschieden, dann sohte er auch bei der Methode bleiben.
Als Entspannungsverfahren sind zu empfehlen
- das autogene Training, es wirkt direkt über das Zwischenhirn entspannend auf den Organismus
- die progressive Muskelentspannung, sie bewirkt über die Körpermuskulatur die Entspannung.
Beachte:
Das Entspannungstraining, täglich schon morgens ausgeübt, bietet den besten Schutz vor Asthma und beugt der Entstehung anderer chronischer Krankheiten, so z. B. dem atopischen Ekzem, einem allergischen Schnupfen oder anderen chronischen Leiden vor!
Das beste Entspannungstraining für Kinder unter 10 Jahren ist Spielen, Spielen mit anderen Kindern im freigewählten Spiel.
   
   
   
   
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Das autogene Training
Das autogene Training (konzentrative Selbstentspannung) ist aus der Hypnose (Heilschlaf) entwickelt worden. Während bei der Hypnose der Zustand vom Therapeuten auf den Patienten passiv übertragen wird, versucht dieser im autogenen Training selbst aktiv mit Hilfe vorgeschriebener Übungen diesen Zustand zu erreichen (240, 241).
Das autogene Training führt über die Müdigkeit hin zu einem eigenartigen Zustand, in dem
- der Geist des Übenden hellwach ist. Geräusche werden als überlaut empfunden und zahlreiche Gedanken erscheinen.
- der Körper, insbesondere Arme und Beine, schwer und entspannt sind wie im Schlaf. Der Übende befindet sich im autogenen Zustand in einem Feld sich kreuzender Bewegungen:
- Auf der horizontalen Ebene schwirren ihm Gedanken zufälhger Zusammensetzung von rechts nach links und links nach rechts durch den Kopf.
- Auf der vertikalen Ebene schwebt er zwischen Wachsein und Schlaf
   
   
   
   
Wachsein
   
   
   
   
Gedanke-
   
            
   
   
   
   
   
   
   
   
   
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Gedanke
   
   
Schlaf
   
   
   
   
Der Übende muß darauf achten, daß er im autogenen Zustand
- nicht seinen jeweiligen Gedanken nachhängt. Vielmehr muß er , wenn ein Gedanke erscheint und er sich damit zu beschäftigen beginnt, den Gedankenvorgang aufgeben. Eine innerliche Aufforderung: "Loslassen" läßt den Gedanken verschwinden. Der Betroffene kann sich auch aktiv Ruhe suggerieren. So gelangt er durch tägliches, langzeitiges Üben schheßlich zu wirklicher innerer Ruhe - ohne einen Gedanken -. Er befindet sich auf der unbewußten Ebene.
- nicht wach wird oder, was wesentlich häufiger ist, einschläft. Das Wachwerden steht kein Problem dar, wenn der Übende seine Augen geschlossen hält, er wird von selbst in den autogenen Zustand zurückgleiten. Einschlafen ist unerwünscht im autogenen Training. Geschieht es regelmäßig, so ist die Einleitungsphase in Form der Anspannung zu verkürzen. Der Übende kann sich auch am Beginn des Trainings, d. h. in der Einleitungsphase, einen Auftrag geben, der lautet: kein Schlaf!
In der Gelsenkirchener Kinderklinik wird eine spezielle Form des autogenen Trainings gelehrt und praktiziert. Der Therapeut suggeriert nur Schwere der Gheder und Wärme. Der Kopf, das Herz und die Atmung werden, wie im klassischen autogenen Training nach Schultz übhch, nicht angesprochen - weil aus Eigenerfahrung die Funktionen der genannten Organe im autogenen Training "normal" ablaufen. Am Ende des Trainings gibt der Therapeut mit den Worten "denn du wolltest es so" das ganze Geschehen in die Hände des Übenden. Der Übende begreift und versteht den Satz so, als ob er das autogene Training selbst durchgeführt hat, und er bleibt dadurch unabhängig und frei von dem Einfluß des Behandlers. Mit Hilfe einer Bandkassette oder durch Auswendiglernen des Textes und Vorsprechen in Gedanken, ist der Übende sehr schneh in der Lage, das autogene Training täghch zu praktizieren.
   
   
   
   
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Der autogene Zustand ist ein besonderer Zustand, den jemand, der ihn nicht selbst erlebt hat, kaum beschreiben kann.
   
   
   
   
Anspannung
   
   
   
   
   
   
   
   
Entspannung (autogener Zustand)
   
   
   
   
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Die progressive Muskelentspannung
   
   
   
   
Die progressive Muskelentspannung ist eine Entspannungstechnik, die auf der Annahme beruht, daß sich Spannung und Erregung in einem gesteigerten Muskeltonus äußern. Über die wihenthche Senkung der Spannung in einzelnen Muskelgruppen soll allgemein Entspannung bzw. Verminderung der Erregung erreicht werden. Die progressive Muskelentspannung ist ein körperbetontes Entspannungsverfahren. Nacheinander werden mit Hilfe von Instruktionen für ein bis zwei Minuten einzelne Muskelpartien angespannt und wieder entspannt (27).
   
   
   
   
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Das autogene Training bzw. die progressive Muskelentspannung für Kinder unter 10 Jahren ist das frei gewählte Spiel
"Arbeit, Gebet, Mahl, Schlaf und Spiel, das sind die fünf Finger unserer Lebenshand" sagt William Shakespeare und betont damit die Wichtigkeit des Spielens für den Menschen. Friedrich Fröbel (1782 - 1852) sieht im Spiel der Kinder den Ausdruck schöpferisch kreativer Kräfte, während Maria Montessori (1870 - 1952) im Spiel ein pädagogisches Arbeitsmittel erkannte, um die Entwicklung eines Kindes gezielt zu fördern.
Kinder brauchen das Spiel, um Leben zu lernen und zu üben (105, 204):
- das Spielen stellt ein ideales Mittel zur Kontaktbildung dar
- im geordneten Zusammenwirken entsteht ein schönes, lustbetontes Spiel
- das Spiel fördert die Gemeinschaftsbildung
- im Spiel können Triebe abreagiert werden
- Spielen lockert Verkrampfungen
- Spielen regt die Phantasie an
- das Spiel aktiviert das Gefühlsleben
- Spielen führt zur Selbstentfaltung.
Spielen vermittelt den Kindern Fertigkeiten und Sinngehalte, sie erfahren Beziehungen und Zusammenhänge. Das Kind erlebt, ein Ziel zu haben und wie es das Ziel erreicht oder auch verfehlt. Es lernt mit seinen eigenen Spannungen, seiner Unruhe, Ungeduld, seinem Ärger, Jähzorn sowie den Gefühlen und Verhaltensweisen seiner Mitspieler umzugehen und fertig zu werden.
Dabei muß nach Starzmann das Spiel selbst vom Kind gewählt werden dürfen, und es muß zweckfrei sein.
Spielen muß erlernt werden (204), daß gilt nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene und es gilt vor allem für den Asthmakranken, der gefesselt von seiner Krankheit, kaum die Chance hatte, sich im Seins verlorenen Spiel auszuleben. Allenfalls vermag der Betroffene noch mit sich selbst oder seiner engen Kontaktperson zu spielen, das Spiel mit anderen hingegen beherrscht er in der Regel nicht und er muß es deshalb üben.
Menschen, die Zeit finden, immer wieder einmal ein Spielchen zu wagen, sind nach den Umfragen des Instituts für Demoskopie in Allensbach risikofreudiger, aufgeschlossener, kommunikationsfreudiger und bedeutend optimistischer, und das auch im Umgang mit anderen Menschen und in ihrer Einstellung zu allen möglichen Alltags- und Lebensproblemen.
   
   
   
   
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Entspannende Verfahren haben Einfluß auf Gefühle und Gedanken
Wird eine Handlung voller Konzentration ausgeführt, so verspürt der Ausführende ein Wohlgefühl. Autogenes Training und progressive Muskelentspannung sind konzentrative Selbstentspannungstechniken, die von folgenden Empfindungen begleitet sind:
- man fühlt sich in Ordnung, alles hat seinen Sinn
- man fühlt sich verbunden mit der Natur, den Menschen
- man empfindet tiefe Freundlichkeit, Güte und Glück.
Während der Entspannung durchlebt der Mensch Augenblicke, in denen er die Fülle seines Seins spürt, was den Menschen mit einem besonderen Lebensvertrauen erfüllt. Mit den Widrigkeiten des Lebens wird der Mensch, der täglich ein Entspannungstraining ausübt, auch besser fertig, da die Ereignisse nicht mehr so tief in ihn eindringen und er sie nicht mehr als so negativ empfinden kann.
Durch das Entspannungstraining gelingt es, auch negative Gedanken loszulassen zugunsten von mehr positiven Gedanken.
   
   
   
   
Handlung-
hier:
Entspannung
   
>Wohlgefühl
   
   
   
   
/ / /
   
   
   
   
Konzentration
   
   
   
   
Wie bereits ausgeführt, läßt sich ein Gefühl in einem Koordinatenkreuz von Anspannung -Entspannung und angenehm - unangenehm beschreiben.
   
   
   
   
Anspannung
   
   
   
   
angenehm
   
-> unangenehm
   
   
   
   
Entspannung
   
   
   
   
Befinden sich zwei Menschen in einem Raum, der eine angespannt, der andere entspannt, und tritt eine dritte Person hinzu, die vor sich herschimpft, so wird die Person, die mehr Spannung hat, sofort mitschimpfen, während die entspannte Person gar nicht versteht, besser, nicht empfinden kann, warum man schimpfen sollte.
   
   
   
   
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Person kann nicht empfinden,
   
   
Person
   
weshalb die beiden anderen schimpfen - \
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\
   
   
schimpft
   
   
   
   
Das autogene Training ist kein zudeckendes Verfahren. Derjenige, der sich entspannt hat, reagiert weniger auf Streß, weil er ihn real nicht als solchen empfindet - Gefühl und Reaktivität arbeiten auf einem anderen Niveau, wieder auf Normalniveau, wenn es sich um einen Asthmakranken handelt.
   
   
   
   
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Entspannende Verfahren wirken auf Organ- und Abwehrfunktionen
Richtige, normale Atmung, nämlich Bauchatmung, setzt rechte Spannung voraus. Jede Anspannung, Streß verschieben die Atmung nach "oben", d. h. in den Brustraum, und führt damit zu einer unökonomischen, kräftezehrenden Brustatmung, wie sie der an Asthma Leidende besitzt. Erlangt der Betroffene durch das Entspannungstraining wieder die rechte Spannung, so besitzt er auch wieder die Fähigkeit, normal zu atmen.
Rechte, d. h. richtige Spannung drückt sich in einer ausgewogenen Funktion des vegetativen Nervensystems, von Sympathikus und Vagus, aus. Sie beeinflußt die Schutz-, Barrierefunktion der Schleimhaut positiv, so daß Fremdstoffe aus der Umwelt nicht im Übermaß in den Organismus gelangen können. Zudem beeinflußt das vegetative Nervensystem den Tonus der Bronchialmuskulatur und damit die Weite des Bronchialsystems (170). Eine Dysbalance, die beim Asthma bronchiale vorhegt, wird ausgeglichen durch entspannende Verfahren. Immunzellzahl und ihre Aktivität, Fremdstoffe anzugreifen, sind abhängig von den Streßhormonen. Entspannende Verfahren haben zur Folge, daß der Betroffene, der langzeitig täglich übt, wieder lernt, seine immunologischen und hormonalen Reaktionen dem Streßgeschehen entsprechend auszuführen. Damit erleidet er keine funktionelle asthmatische entzündhche Reaktion und keine Organläsion mehr durch zu hohe Streßreaktionen.
   
   
   
   
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Störungen, die beim Entspannungstraining auftreten können
Bei der praktischen Durchführung des Entspannungstrainings kann es vereinzelt zu unbedeutenden Störungen kommen:
- Bei starker Erschöpfung des Übenden tritt leicht Schlaf auf. Der Betreffende sohte seine Belastungen vermindern. Er kann sich auch am Beginn des Trainings einen Auftrag - nicht schlafen - geben.
- Der Übende kann so verspannt sein, daß er nicht loslassen kann. Er sollte sich vor dem Entspannungstraining für ca. 10 Minuten ruhig hinlegen.
- Am Beginn der Entspannung kann in seltenen Fällen leichtes Asthma auftreten. Der Betroffene sohte versuchen, seine Entspannung zu vertiefen. Die Beschwerden verfliegen dann von selbst.
- Husten während des Entspannungstrainings verhindert die Entspannung. Liegt eine Bronchitis vor, so sohte das Entspannungstraining für mehrere Tage unterbrochen und während dieser Zeit die Bronchitis behandelt und auskuriert werden.
- Es kann bei unbequemer Lage ein Spannungsgefühl in einzelnen Muskeln auftreten. Durch Selbstsuggestion - nichts beunruhigt mich - verschwinden die unangenehmen Empfindungen.
Hat ein Mensch das Entspannungstraining bisher ohne Probleme ausüben können, und treten dann plötzhch in entspanntem Zustand Probleme in Form von Mißempfindungen, Angst, Herzrasen oder - stolpern u. a. Symptomen auf, so befindet sich der Betreffende in einer Lebenssituation, die von übermäßigem Streß, ja krankhaft erhöhtem Streß, geprägt ist. Die Symptome, die in der tiefen Entspannung auftreten, sollten den Betreffenden warnen. Er sollte für einige Zeit kein Entspannungstraining durchführen und seine Lebensbelastung normalisieren. Danach wird er sich wieder ohne Probleme entspannen können.
   
   
   
   
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Wie gelingt es dem Betroffenen, das Entspannungstraining täglich durchzuführen?
Die Zusammenhänge, wie Asthma entsteht und die Kenntnisse, warum Asthma nicht abheilt, sind einfach. Einfach klingt auch die therapeutische Empfehlung:
- führe täglich, schon morgens, dein Entspannungstraining durch, dann ist Heilung schon fast garantiert -.
Das Wissen um die Ursache des Asthmas und seine Behandlung ist eine Tatsache, die zweite besteht darin, die therapeutischen Empfehlungen auch täglich für eine lange Zeit, d. h. über ein bis zwei Jahre und länger, umzusetzen. Tägliches Üben, d. h. ständige Wiederholung ist notwendig, um bleibende Veränderungen zu erzielen.
Die meisten Personen versuchen willenthch, das Ziel zu erreichen. Sie nehmen sich vor, täghch das Entspannungstraining zu praktizieren. Sie werden für kurze Zeit das Entspannungstraining auch durchführen und es dann aufgeben. Als Entschuldigung dient der Streß, der keine Zeit zum Üben läßt oder der Gedanke, daß das Entspannungstraining doch gar nicht so wichtig ist.
- Asthma ist eine Streßkrankheit und deshalb nicht ohne ein langzeitiges Anti-Streßtraining in Form des Entspannungstrainings heilbar -.
Erfolgreich sein werden nur diejenigen, die das Entspannungstraining an täghche Vorgänge binden. Der Leitsatz lautet:
- "Morgens, wenn die Weckuhr mich wachkhngelt, mache ich erst mein Entspannungstraining, und erst danach beginnt der Tag" -.
Der Erfolg des Entspannungstrainings wird dadurch sichtbar, daß der Betroffene sich verändert; er wird gelassener, ist fröhlicher, tritt selbstsicherer auf, und sein Gesundheitszustand bessert sich stetig. Kleinkinder spielen ausdauernder, spielen mit anderen Kindern, zeigen der Kontaktperson, was sie gerade gespielt haben. Ihr Bhck ist wacher, heher, ihr Gesichtsausdruck strahlender. In dieser Phase der Behandlung tritt eine Gefahr auf:
- es darf nicht der Fehler gemacht werden, mit dem Entspannungstraining aufzuhören -.
Das Entspannungstraining ist noch Monate, Jahre über den Zeitpunkt der Beschwerdefreiheit hinaus durchzuführen. Die Phase der Stabilisierung ist notwendig, damit der Betroffene bei erneuter Revierangst nicht in seine alte Verhaltensweise zurückfäht oder damit keine andere psychosomatische Krankheit entsteht.
   
   
   
   
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Beachte:
   
   
   
   
Der Asthmakranke kann seine inneren Spannungen, d. h. seine übermäßige Streßreaktion, durch Revierangst und Belastungsstörung bedingt, nicht mit seinem Willen, nicht durch Kämpfen, nicht durch rationales Denken unter Kontrolle bringen, weil die Vorgänge hauptsächlich unbewußt ablaufen:
- Asthma ist bereits unbewußt aktiviert worden, ehe es dem Betroffen bewußt wird -. Es hilft nur das täghch durchgeführte autogene Training bzw. die progressive Muskelentspannung, um die unbewußt ablaufenden asthmatischen Prozesse zu verhindern.
   
   
   
   
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Beachte:
   
   
   
   
Asthma ist eine Streßkrankheit!
Asthma erscheint nach hohem Streß reaktiv in der Erholungsphase, in der Phase, in der zu wenig Streß, d. h. Erholung herrscht - und deshalb werden in dieser Phase Streßhormone (Medikamente: Adrenahnabkömmlinge, Kortison) verabreicht, damit das Asthma, der Asthmaanfall, verschwindet.
   
   
   
   
   
   
   
   
---Wirkung des täglich Gabe von Streßhormonen
durchgeführten Kortison, Sympathomimetika
Entspannungstrainings
   
   
   
   
Will man das Asthma heilen, so muß doch ein Zuviel an Streß verhindert werden. Das Ziel wird erreicht durch ein langzeitig, täglich durchgeführtes autogenes Training bzw. durch die progressive Muskelentspannung.
   
   
   
   
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Beachte:
   
   
   
   
Wer nur einmal sein täghches Entspannungstraining vergißt auszuüben, befindet sich bereits am nächsten Tag in der Reaktionslage, in der Asthma droht.
   
   
   
   
273
   
   
   
      
      
   
   
   
Beachte:
   
   
   
   
Das Entspannungstraining in Form des autogenen Trainings bzw. der progressiven Muskelentspannung ist das Verfahren, das dem Auftreten einer anderen, neuen psychosomatischen (Streß-)Krankheit vorbeugt.
   
   
   
   
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Suggestionen in entspanntem Zustand fördern die Gesundheit
   
   
   
   
Das Gehirn des Menschen unterscheidet nicht, ob eine Situation real erlebt wird oder in seiner Phantasie abläuft - die bewirkten körperlichen Veränderungen entsprechen sich (79, 80):
- Wird einem Menschen suggeriert, er würde arbeiten, so verändert sich seine Atmung so, als ob er wirklich arbeitet.
- Die Suggestion einer tiefen Entspannung oder von Schlaf beeinflußt die Atmung derartig, wie es bei tiefer Entspannung und Schlaf tatsächhch geschieht.
   
   
   
   
Suggestion: Tätigkeit
   
Entspannung
1/ In der tiefen Entspannung, auch im Schlaf, sind der Gasaustausch und die Atemtätigkeit niedrig, bei körperlicher Belastung hingegen gesteigert.
   
   
FA CO.
   
   
   
   
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- Bei der Suggestion von körperlicher Tätigkeit nimmt die Ventilation (VA) zu, und der Gehalt an Kohlensäure (FA C02) sinkt ab. Der Sauerstoff verbrauch (V02) steigt an. Bei der Suggestion von Entspannung kehren sich die Funktionen um (79).
   
   
   
   
Werden Angst, Ärger oder Niedergeschlagenheit suggeriert, variiert das vermittelte Gefühl die Atmung so wie bei natürlicherweise empfundener Angst, verspürtem Ärger oder erlebter Niedergeschlagenheit.
   
   
   
   
Suggestion
   
Angst
   
Depression Ärger
   
Entspannung
   
   
   
   
FACO
   
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Bei tiefer Entspannung und Niedergeschlagenheit ist die Atemtätigkeit (VA) niedrig, der Sauerstoffverbrauch (V02) gering und der Gehalt an Kohlensäure in der Atemluft (FA C02) relativ hoch. Bei Angst, Ärger nimmt die Ventilation zu, der Sauerstoffverbrauch steigt, und der Kohlensäuregehalt fällt in der Atemluft ab (79).
   
   
                        
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   

   
   
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Ahe Menschen unterhegen von Kindheit an Fremdsuggestionen. Es sind z. B. die Eltern, die sagen, was gut und böse ist, was man tun oder lassen soh. Die Fremdsuggestion kann so wirksam sein, daß sie künftighin das Leben des Betroffenen entscheidend beeinflußt. Das Prinzip der Suggestion kann genutzt werden, um Gesundheit zurückzuerlangen. In entspanntem Zustand kann sich der Betroffene einen Merksatz einreden, der ihn auch im nicht entspannten Zustand weiterhin positiv beeinflußt. Der Leitsatz prägt sich mit der Zeit immer tiefer ein und wirkt sich dementsprechend auf das Denken, Fühlen, Verhalten und die Körperfunktion aus. Beispiele für einen Leitsatz:
- mit jedem Atemzug strömt neue Lebenskraft in meinen Körper hinein
- ich bin im Gleichgewicht und in Harmonie
- meine inneren Organe sind gesund und arbeiten harmonisch und normal miteinander
- ich strahle Ruhe und Frieden aus
- mein Atem fließt von selbst
- ich atme nachts ganz ruhig, tief und gleichmäßig
- meine Atemwege, Nase und Bronchien sind angenehm frei.
   
   
   
   
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Wohlbefinden
   
   
   
   
Zu einem selbstbestimmten Leben gehören Wohlbefinden, Freude, Glück. Doch was ist Glück, und wie erlangt man es?
Unzufriedenheit scheint das Los des zivihsierten Menschen zu sein, denn zur Zeit herrscht in den meisten Bereichen, in denen der Mensch seine Zeit verbringt, wie Schule, Büro, Fabrik, die unausgesprochene Annahme, daß die Arbeit dort hart und unangenehm ist, und so verbringt der Mensch die meiste Zeit damit, Unangenehmes zu tun. Zufriedenheit und Glück scheint es nur noch in der Freizeit zu geben.
Durch die Erforschung dessen, was Wohlbefinden, Freude, Glück bedeutet und wie man es erlangt, könnte der Mensch seine Tätigkeiten wesenthch erfreulicher gestalten:
- Lust an der Tätigkeit ist eine angenehme Empfindung, die ein Mensch spürt, wenn er im Einklang mit seinen körperhchen Fähigkeiten und seinem Gefühl handelt.
- Sinnenerlebnis ist eine Form der Freude, woran der Seh-, Hör- oder ein Muskelsinn beteiligt sind.
- Neuheit muß eine Aktivität enthalten, um als angenehm erlebt zu werden.
- Als Urheber der Handlung muß sich der Mensch fühlen, um Freude zu empfangen.
Als Gründe, die eine Aktivität erfreulich machen, nannten Kletterer, Komponisten, Moderntänzer, Schachspieler, Basketballspieler (62):
- Lust an der Aktivität und an der Anwendung von Können
- die Aktivität selber, das Muster, die Handlung, die darin hegende "Welt"
- Entwicklung persönhcher Fähigkeiten und Fertigkeiten
- Freundschaft, Kameradschaft
- Wettbewerb, sich mit anderen zu vergleichen
- sich an eigenen Idealen zu messen
- Ausleben von Gefühlen
- Prestige, Achtung, Ruhm.
Die zwei erstgenannten Gründe ...Lust an der Aktivität... und ...die Aktivität selber ... erwiesen sich als deuthch wichtiger als die nachgenannten.
Wohlbefinden verspürt der Mensch, wenn während einer Tätigkeit folgende Elemente auftreten (62):
- das Verschmelzen von Handlung und Bewußtsein
Damit das Handeln in solchem Ausmaß mit dem Bewußtsein verschmilzt, muß die zu bewältigende Aufgabe im Bereich der Leistungsfähigkeit des Ausführenden hegen.
- Zentrierung der Aufmerksamkeit auf ein beschränktes Feld
Es gibt nur einen Gegenstand, eine Aufgabe, um die das Denken kreist.
- Selbstvergessenheit
Die Zeit vergeht wie im Fluge. Die eigenen, inneren Vorgänge werden intensiver erlebt, während der Körper nicht zu existieren scheint.
- Kontrolle über Handlungen und die Umwelt
Die Kontrohe wird zwar nicht bewußt wahrgenommen, der Betreffende macht sich aber keine Gedanken darüber, daß ihm die Kontrohe entgleiten könnte.
- das Wissen von Gut und Schlecht Man weiß genau, was richtig ist.
- es gibt kein Ziel, das außerhalb des "Selbst" hegt
Es werden nur Dinge ausgeführt und Ziele erobert, die in einem Selbst angelegt sind. Freude an einer Tätigkeit hat demzufolge etwas zu tun mit der Beanspruchung körperhcher und geistiger Fähigkeiten sowie Empfindungen, und der Betreffende muß das Gefühl haben, die Handlungen selbst zu steuern. Es entsteht ein Gefühl des völligen Aufgehens im Leben, des Eins werden mit der Tätigkeit. Nichts ist so befriedigender , befreiender, erhebender, wichtiger.
   
   
   
   
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Der Betreffende hat Kontrolle und fühlt sich seinem Schicksal gewachsen. Er vergißt Zeit und Raum und ist nicht abzulenken. Anstrengungen werden bereitwillig in Kauf genommen.
- Schätzt ein Mensch die Handlungsanforderungen als so schwierig ein, daß sie seine Fähigkeiten übersteigen, wird die dadurch hervorgerufene Spannung als Angst erlebt.
- Liegt die Fähigkeit der Person höher, als bei dem Beispiel zuvor, erreicht sie aber nicht das Niveau der Anforderung, wird die Situation mit Sorge betrachtet.
- Wohlbefinden, Freude oder ein Glücksgefühl werden empfunden, wenn die Handlungs­anforderungen mit den Fähigkeiten der Person im Gleichklang stehen und der Betreffende sich ganz auf seine Handlung konzentriert.
- Übersteigen die Fähigkeiten die Handlungsanforderungen, tritt Langeweile auf.
- Bei zu großer Diskrepanz zwischen den Fähigkeiten der Person und den Anforderungen durch die Handlung kann Angst aufkeimen.
   
   
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Fähigkeiten der Person zum Handeln
   
   
   
   
Empfindet der Mensch bei seiner Tätigkeit kein Wohlbehagen, keine Freude und kein Glück mehr, so kann er diese Gefühle wiedererlangen, wenn er
- die zu hohen Handlungsanforderungen senkt und seine eigenen Fähigkeiten steigert
   
   
   
   
bzw.
   
   
   
   
- die zu niedrigen Handlungsanforderungen in ihrem Gehalt erhöht und seine Handlung unter erschwerten Bedingungen vohzieht.
   
   
   
   
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Wie kann der Mensch Wohlbefinden und Zufriedenheit erlangen?
Personen wurden in einem Experiment mit Funkgeräten ausgerüstet und über eine Woche lang achtmal am Tag zu unregelmäßigen Zeiten angewählt. Die Personen gaben dann Auskunft über ihren Aufenthaltsort, ihre Beschäftigung, Begleitung und geistige Verfassung. Das Experiment zeigte, daß im Gehirn des Menschen, d. h. in seinen Gefühlen, Wahrnehmungen, Gedanken, überwiegend das Chaos herrscht, wobei sich das augenblicklich vertrackteste Problem gern in den Vordergrund drängt (62, 63, 64).
Durch Kontrolle über sein Bewußtsein vermag der Mensch die innere Harmonie selbst herzustellen. Das gelingt, wenn er seinen eigenen Lebensplan aus sich selbst heraus entwickelt: - Die Fähigkeiten des Menschen müssen mit seiner selbstgewählten Aufgabe und dem Ziel der Aufgabe im Einklang sein und die Tätigkeit muß voller Konzentration geschehen - die Folge ist Ordnung, Wohlbefinden, Freude, Glück. Begriffe wie Arbeit (Arbeit = Anstrengung, Mühsal) und Freizeit (Freizeit = Entspannung, Vergnügen) verheren so ihre althergebrachte Bedeutung. Nicht von der Freizeit oder Arbeit hängt menschhches Wohlbefinden ab, sondern von einem geordneten Bewußtsein:
- Der Mensch muß sich ein Ziel suchen und seine Fähigkeit mit der Herausforderung der Tätigkeit abstimmen. Konzentriert er sich dann auf seine Tätigkeit, so wird er Wohlbefinden, Freude und Glück empfinden.
   
   
   
   
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Welche Bedeutung haben alltägliche Dinge für das Wohlbefinden?
Maximal für 48 Stunden wurden Aktivitäten wie zum Vergnügen Lesen, Fernsehen, Spazierengehen, sich räkeln, Tennisspielen, mit Freunden reden unterbunden (62). Die Teilnehmer an dem Experiment fühlten sich danach
- niedergeschlagen, unfreundlich, unkonzentriert
- weniger vital, weniger aktiv
- schwächer, kaum fähig, sich auf das Leben zu konzentrieren
- bedrückt, grimmig, apathisch
- gleichgültig, wertlos, energiearm. Ungünstig wirkte sich auf die Personen aus
- der eingeschränkte Kontakt mit anderen Leuten
- die Bemühung, sich selbst von etwas abzuhalten, was man tun wollte.
Es gab auch positive Bewertungen über den Entzug, und zwar von Teilnehmern, die sich schuldig fühlten, weil sie in ihrem Alltagsleben zu viele Tätigkeiten ausübten. Die vielen kleinen Dinge des Alltags, die scheinbar nutzlos sind, erweisen sich im Wechsel mit den ernsthaften Tätigkeiten als unentbehrlich für das Befinden des Menschen. Ohne die kleinen Dinge des Alltags gerät der Mensch wahrscheinlich leicht aus dem Gleichgewicht und damit gewinnt das, was bisher als unnütz und unbedeutend galt, hinsichtlich der seelischen Gesundheit ebenso an Bedeutung wie die ernsthaften Tätigkeiten, die wichtigen und großen Ziele.
   
   
   
   
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Merke:
   
   
   
   
Gefühle müssen entsprechend dem Streß, den sie erzeugen, durch Angriff oder Flucht abgebaut werden, d. h. der Betroffene muß lernen, seine Gefühle dem Streß angemessen auszudrücken und auszuagieren. Keinesfalls sollte er bereits empfundene Emotionen durch bewußte Entspannung unterdrücken.
Das autogene Training bzw. die progressive Muskelentspannung, täghch, schon in der Früh ausgeführt, dienen dazu, auf Dauer das Erregungsniveau zu senken und dadurch die Streßstörung zu beseitigen. Sie beugen Streß vor. Das Entspannungstraining bringt darüberhinaus Denken, Fühlen sowie Organ- und Abwehrreaktionen in ein ausgewogenes Gleichgewicht. Der Kopf ist klar, man fühlt sich wohl, geborgen und stark, und über das vegetative Nervensystem werden Atmung, Barriereschutz der Schleimhäute, Bronchialweite und die Immunabwehr wieder normal reguliert.
Das Entspannungstraining für Kinder ist das zweckfreie, selbst gewählte Spiel.
Werden im Entspannungstraining Eigensuggestionen eingesetzt, so wirken diese langfristig
nach.
Das Entspannungstraining entfaltet seine gesundheitsfördernden Wirkungen aber nur dann, wenn es langzeitig, täghch über ein Jahr und darüber hinaus durchgeführt wird. Es ist das wesentliche Verfahren, um von Asthma zu gesunden und anderen psychosomatischen Krankheiten vorzubeugen!
Durch konzentrative Selbstentspannung, wie es im Entspannungstraining geschieht, erfährt der Mensch ein Wohlgefühl. Dieses erlangt er auch, wenn er sich auf eine Tätigkeit ganz konzentriert - sei es in seiner Freizeit oder am Arbeitsplatz.
Ernsthafte Tätigkeiten, die voller Konzentration ausgeführt werden, im Wechsel mit scheinbar unwichtigen Dingen des Alltags, sind unentbehrlich für das Wohlbefinden des Menschen.
   
   
   
   
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Die Streß- bzw. Belastungsstörung wird überwunden, indem der Betroffene
- lernt, seine Gefühle angemessen auszudrücken und auszuleben
- täghch, schon morgens, sein Entspannungstraining ausübt
(das Entspannungstraining für Kinder ist vor allem das zweckfreie, selbst gewählte Spiel)
- Eigensuggestionen zur Gesundheitsförderung einsetzt.
Wohlbefinden stellt sich ein, wenn der Betroffene voher Konzentration eine Handlung im Einklang mit seinen Fähigkeiten ausführt und ernsthafte Tätigkeiten mit scheinbar nutzlosen wechseln.
   
   
   
   
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3.Verstärker zur Förderung der Gesundheit einsetzen
Erhält der Betroffene, weil er asthmakrank ist, Vorteile, die man ihm, wenn er gesund wäre, nicht gewähren würde, so fördert ein derartiges Verhalten das Asthma. Nicht das Asthma, sondern Gesundheit gilt es zu stärken. Deshalb sind gesunde Verhaltensweisen ganz besonders zu beachten und belohnen.
   
   
   
   
   
   
   
   
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Verstärker des Asthmas sind zu meiden
   
   
   
   
Der Betroffene sollte sich fragen, wo er offensichtlich oder unbemerkt Vorteile durch sein Asthma erlangt, seien sie gewollt oder unerwünscht.
- Wird er umsorgt, weil er unter Asthma leidet?
- Braucht er seinen täglichen Pflichten nicht nachzukommen, wenn er krank darniederliegt? Erlangt der Betroffene Vorteile durch sein Asthma, so muß er diese aufgeben.
Asthma kann erst heilen, wenn der positive Verstärker des Leidens entfällt.
- Im akuten Asthmaanfall muß der Betroffene das Bett hüten. Es wird aber nicht ferngesehen, keine Musik gehört, Lesen ist nicht erlaubt, und es findet kaum Kontakt mit den anderen Familienmitgliedern und Freunden statt. Der Betroffene sollte viel stilles Wasser oder Tee trinken, Lieblingsspeisen erhält er nicht. Zudem bekommt der Betroffene einen Brustwickel, der sich unangenehm anfühlt, und er hat bittere Medizin einzunehmen.
- Nach einer Nacht, in der der Betroffene wegen asthmatischer Beschwerden nicht ausschlafen konnte, sollte er am anderen Morgen, wie gewohnt, seiner Tätigkeit nachgehen, vorausgesetzt, er hat keine akuten Beschwerden mehr. Ein Kind sollte zum Beispiel zur Schule gehen. Gibt es dann in der Schule Probleme, so kann es durchaus aus der Schule abgeholt werden. Wichtig ist, daß das Kind erst einmal zur Schule gegangen ist und nicht wegen des stattgehabten Asthmaanfalls "zur Belohnung" zu Hause bleiben darf.
   
   
   
   
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Beachte:
   
   
   
   
Erhält der Erkrankte Vorteile wegen seines Asthmas,
- wird er beachtet
- wird ihm geholfen
- wird auf ihn Rücksicht genommen, so kann er nicht mehr gesund werden.
Natürhch erhält der Betroffene im akuten Krankheitsfall seine Medikamente, aber das ist auch schon die "höchste Form der Zuwendung".
Intensive Zuwendung erhält der Betroffene dann, wenn er wieder gesund ist. Dem Betroffenen soll also nicht Zuwendung entzogen werden, sie soh nur nicht im Krankheitsfall, sondern im anfallsfreien Zustand gewährt werden.
   
   
   
   
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Gesunde Verhaltensweisen sind zu stärken
Gesundheit läßt sich fördern, indem gesunde Verhaltensweisen besonders beachtet und belohnt werden.
- Hat der Betroffene etwas gut gemacht, ist Lob angezeigt, notfalls auch Eigenlob.
   
   
   
   
285
   
   
   
      
      
   
   
   
Merke:
   
   
   
   
Der Betroffene sollte überlegen, wo er einen Vorteil durch sein Leiden, gewollt oder unerwünscht, erhält, und es gilt, diesen Vorteil zu meiden.
Zustände, die mit Krankheit verbunden sind, müssen negativ besetzt werden, und gesunde Verhaltensweisen sind zu belohnen und dadurch gezielt zu fördern.
   
   
   
   
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Verstärker
- von Krankheit sind zu meiden
- von Gesundheit sind gezielt einzusetzen. Der Betroffene muß sich fragen, wo er Vorteile durch sein Asthma erlangt, und er muß bereit sein, die Vorteile aufzugeben.
   
   
   
   
287
   
   
   
      
      
   
   
   
4. Sicherheit zurückerlangen
Sicherheit gilt es für den Betroffenen zurückzugewinnen, indem er
- sich das Asthma in allen Details erklären kann. Damit verliert die Krankheit an Bedrohung.
- lernt, sich im akuten Asthmaanfall selbst zu helfen. Er gerät nicht mehr in Gefahr durch sein Leiden.
- glaubt und erwartet, daß sein Asthma heilen wird.
   
   
   
   
   
   
   
   
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Sicherheit durch logische Erklärung der Krankheitsmechanismen
Teil I des Buches soll dem Betroffenen Sicherheit dadurch vermitteln, daß er sich seine Krankheit erklären kann, belegt durch wissenschaftliche Untersuchungen. Er muß begreifen, daß Asthma keine unheilbare Krankheit ist und daß er aus eigener Kraft mit Unterstützung seiner Umgebung wieder gesund werden kann.
Hat er verstanden, wie sein Asthma entstanden ist und wie es sich unterhält, verliert die Krankheit an Bedrohung, und er kann seine Sicherheit zurückgewinnen.
   
   
   
   
289
   
   
   
      
                     
   
   
   
Sicherheit durch gezieltes Handeln im akuten Asthmaanfall
Bei einem Asthmaanfall verengen sich die Bronchien über zwei Mechanismen (262):
- Die Bronchialmuskulatur, die das Bronchialsystem ringförmig umgreift, zieht sich zusammen.
   
   
   
   
normal
   
im Asthmaanfall
   
   
   
   
- Die Bronchialschleimhaut entzündet sich, sie schwillt an und verengt mit vermehrt gebildetem Schleim das Lumen der Bronchien.
   
   
   
   
normal
   
   
   
im Asthmaanfall
   
   
   
   
Asthmamittel wirken spezifisch auf die genannten Veränderungen ein.
   
   
   
   
Die Bronchialmuskulatur wird weitgestellt durch sogenannte Bronchodilatatoren.
- Sie enthalten zumeist Adrenalinabkömmhnge. Sie wirken, insbesondere wenn sie in Sprayform inhahert werden, sehr rasch bronchialerweiternd.
- Die Schleimhautschwellung nimmt ab durch Kortison. Der Schleim verflüssigt sich durch schleimlösende Medikamente und kann dann abgehustet werden. Kortison und schleim­lösende Mittel wirken langsam.
Welcher der Faktoren für die Einengung der Bronchien und damit für die asthmatischen Symptome verantwortlich sind, ist zu ermitteln, wenn der Betroffene einen Bronchodilatator inhahert, der die Bronchialmuskulatur entspannt.
- Läßt innerhalb von fünf bis zehn Minuten die Atemnot deuthch nach und bleibt der weitgehend beschwerdefreie Zustand für ca. vier Stunden auch bestehen, so war es die spastisch veränderte Bronchiahnuskulatur, die die asthmatische Atemnot bewirkt hat. Ein derartiger Asthmaanfall ist relativ harmlos, nach vier Stunden kann erneut der Spray inhaliert werden.
   
   
   
   
Atemstoßtest
   
normal
   
   
   
Asthmaanfall
   
   
   
   
Bronchodilatator (entspannt die spastisch _veränderte Bronchialmuskulatur)
   
   
   
   
- Wirkt hingegen der Spray nicht oder kehrt nach anfänghcher geringer Besserung die Atemnot nach 20 bis 30 Minuten wieder, so engen Bronchialschleimhautschwellung und Schleimbildung das Lumen der Bronchien ein. Der Betroffene benötigt
- Kortison und
- schleimlösende Mittel.
   
   
   
   
(
   
290
   
   
   
                     
      
   
   
   
Ein derartiger Asthmaanfall kann schwer und langdauernd verlaufen und deshalb sollte der Betroffene in dem Fall auch stets den Arzt aufsuchen.
Beachte: Der steigende Bedarf des Bronchodilatators ist ein sehr frühes Anzeichen für eine Verschlechterung der Erkrankung!
   
   
   
   
Atemstoßtest
   
   
   
   
normal
   
   
   
   
Asthmaanfall r
   
   
   
   
i Bronchodilatator weitgehend unwirksam, da Schleimhautschwellung und Schleim die Bronchien einengen. Es werden Kortison und schleimlösende Mittel benötigt.
   
   
   
   
Merke: Wenn ein Spray, der die Bronchien weitsteht, nicht wirkt, sind Kortison und schleimlösendes Mittel sofort (keine Zeit verlieren!) notwendig, und es ist der Arzt aufzusuchen. Keinesfalls darf dem Betroffenen im Asthmaanfall ein Medikament verweigert werden.
   
   
   
   
   
   
Ursache für den Asthmaanfah
   
   
   
   
Asthmaanfall ist Folge des Streßgeschehens, die Ursache ist längst vorbei. Der Betroffene benötigt Hilfe durch Medikamente, um aus dem Asthmaanfall herauszukommen.
   
   
   
   
Die Zeichnung verdeuthcht, daß durch Gabe von Medikamenten kein Einfluß auf die Heilung ausgeübt wird. Um Heilung zu erzielen, muß die Ursache angegangen werden. Sie hegt im Streßgeschehen.
Warnung: Die meisten Asthmaanfälle ab dem Schulkindalter beruhen auf einem Spasmus der
Bronchialmuskulatur, der sehr gut durch Inhalation eines bronchialkrampflösenden Medikaments aufzuheben ist. Der Betroffene macht demzufolge die Erfahrung, daß im Asthmaanfall der "Spray" hilfreich ist.
Wie beschrieben, gibt es Asthmaanfälle, die auf den "Spray" nicht reagieren. Was machen? Der Betroffene ist irritiert.
Er hat Atemnot, aber der "Spray" hilft nicht. Was ist zu tun? - Die normale, aber leider falsche Antwort, aus der Angst durch Atemnot geboren, lautet: "noch mehr sprühen"! Sprühen, sprühen, sprühen.
(Der Autor selbst hat einen Jungen wiederbelebt, der 44mal! gesprüht hatte und dessen Herz durch Sauerstoffmangel und Medikamentenwirkung fhmmerte)
   
   
   
   
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Wichtig ist es deshalb, dem Betroffenen und seinen Angehörigen den Leitsatz einzuprägen:
- Wenn das bronchialkrampflösende Mittel nicht hilft - überdosiert nicht - sondern setzt sofort
Kortison und einen Schleirnlöser ein und sucht den Hausarzt auf, denn der kann durch
zusätzliche medikamentöse Maßnahmen in diesem Notfall helfen. Diese Anweisungen sollen dem Betroffenen und seinen Angehörigen keine Angst einflößen, sie sind lediglich als wichtige "technische" Hinweise im akuten Krankheitsfall zu verstehen. Angst vor dem Kortison brauchen die Betroffenen und ihre Angehörigen nicht zu haben, sie werden nicht davon abhängig, wenn sie die weiteren therapeutischen Empfehlungen umsetzen, d. h. das Streßgeschehen verändern.
Manche Kinder entwickeln Asthma im Anschluß, d. h. meist einen Tag nach einem Schnupfen. Bei diesen Kindern sollte bereits mit Beginn des Schnupfens - nicht erst bei asthmatischen Symptomen! - eine intensive, antiasthmatische medikamentöse Therapie, evtl. auch mit niedrig dosiertem Kortison erfolgen, damit sie nicht fortlaufend in einen Asthmaanfall geraten.
normales Vorgehen
   
   
   
   
Schnupfen
   
   
   
   
Husten
   
   
   
   
   
Medikament
   
   
Asthma gebessert
   
   
   
   
Asthma verstärkt
   
   
   
   
hier empfohlenes
   
   
   
   
Vorgehen
   
   
   
   
Schnupfen
   
   
   
   
4
   
   
   
   
Asthma tritt erst gar nicht ein
   
   
Medikamente
   
   
   
   
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Beachte:
   
   
   
   
Ein schwerer Asthmaanfall kann sich bereits dadurch frühzeitig ankündigen, daß der tägliche Verbrauch des bronchialerweiternden Medikaments ansteigt, weil es nicht mehr die gewohnte deutliche Wirkung zeigt. In diesem speziellen Falle sollte frühzeitig, kurzfristig Kortison gegeben werden, bis die gewohnte Wirkung des Bronchodilatators wieder eintritt.
   
   
   
   
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Beachte:
   
   
   
   
Wenn das bronchialerweiternde Mittel im akuten Asthmaanfall nicht deutlich wirkt, nicht überdosieren, sondern sofort Kortison und ein den Bronchialschleim lösendes Mittel einnehmen. Der Hausarzt ist aufzusuchen.
   
   
   
   
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Sicherheit durch Erwartung, Glauben
Die Wirksamkeit von Erwartungen ist durch viele Untersuchungen belegt.
- Fast die Hälfte der von Asthma Betroffenen reagiert mit einer asthmatischen Reaktion, wenn sie eine indifferente Kochsalzlösung inhalieren, ihnen aber gesagt wird, es sei ein Allergen oder eine die Bronchien reizende Substanz. Die Patienten sind auch in der Lage, ihre asthmatische Reaktion wieder aufzuheben, wenn sie eine indifferente Kochsalzlösung einatmen, die ihnen als antiasthmatisch wirksame Substanz präsentiert wird (177).
- In einer Doppelblindstudie wurden 20 an Asthma Leidenden bronchialwirksame Substanzen verabreicht und die Veränderungen der Lungenfunktion bestimmt (176):
- Bei 16 von 20 Personen verbesserte sich die Lungenfunktion deuthcher, wenn die behauptete Wirkung und der Wirkmechanismus des inhalierten Medikaments übereinstimmten. Das galt für den Bronchodilatator.
- Bei 15 von 20 Personen verschlechterte sich die Lungenfunktion stärker, wenn die prognostizierte Wirkung und der Wirkmechanismus der inhalierten Substanz stimmig waren. Verabreicht wurde ein bronchialverengendes Mittel.
- Wurde ein bronchialerweiterndes Mittel gegeben und behauptet, es stehe die Bronchien eng, so war bei 4 Patienten die Kraft der Erwartung so hoch, daß sich ihre Lungenfunktion nicht veränderte oder sogar verschlechterte.
- Wurde ein bronchialeinengendes Mittel verabreicht und behauptet, es handele sich um ein bronchialerweiterndes Medikament, so war bei 5 Patienten die Erwartung so stark, daß ihre Lungenfunktion unbeeinfluß bheb bzw. sich besserte.
Die Wirksamkeit von Placebos, also Stoffen, die kein Wirkprinzip enthalten, ist allgemein bekannt. Glaubt der Erkrankte, das Placebo enthalte eine wirksame Substanz, so tritt bei einem hohen Prozentsatz auch die vermutete und erwartete medikamentöse Wirkung ein, ja es können sogar Nebenwirkungen des Medikaments auftreten, das der Betroffene glaubt, eingenommen zu haben.
- 44 unter Asthma Leidende führten einen Belastungstest aus, und es wurde dadurch ein Anstrengungsasthma provoziert. In nicht weniger als 45 % wurde das Belastungsasthma durch vorherige Gabe eines Placebos günstig beeinflußt, in 75 % durch ein wirksames Medikament (108).
Die Placebowirkung zeigen nicht nur Asthmakranke, sondern auch Gesunde (160):
- 15 gesunde Personen inhalierten eine Lösung, und ihnen wurde gesagt, sie würde Atemprobleme bereiten (Gruppe 1).
- 15 gesunde Personen inhaherten eine Lösung, die keinen Einfluß auf die Atmung haben soh (Gruppe 2).
Tatsächlich wurde eine indifferente Lösung verabreicht:
- In der Gruppe 1 stieg der bronchiale Atemwegswiderstand an, während er in Gruppe 2 unverändert bheb.
Was Erwartung zu leisten vermag, zeigt der Alltag.
- Eine Mutter, die ein chronisch krankes Kind zu pflegen hat, darf nicht krank werden, und sie ist gesund, solange ihr Kind ihrer intensiven Bemühungen bedarf.
- Ein Arzt erkrankt nicht während einer Grippeepidemie, denn er muß ja den Kranken helfen, und er glaubt überdies, daß er sich nicht anstecken kann.
- Krankheiten treten mehr zum Wochenende hin auf, dann, wenn man es sich "leisten" kann. Mit Beginn der Woche ist in der Regel die Gesundheit wiederhergestellt.
- Vor besonderen Ereignissen, Veranstaltungen, Vorträgen darf man nicht krank werden; ist das Ereignis überstanden, wird man häufig krank.
Die Bedeutung und große Kraft der Erwartung ist auch im Tierversuch zu belegen (81):
   
   
   
   
295
   
   
   
      
      
   
   
   
)
- Süchtige Affen z. B., die gelernt haben, daß sie bei einem roten Blitz eine Morphiuminjektion erhalten, zeigen sich von einer Injektion von Kochsalzlösung bei dem roten Bhtz genauso befriedigt; auch kommt es nicht zu den Entzugssymptomen, die sie ohne Injektion erleiden würden. Wirkung und Entzugserscheinungen werden
- durch das Mittel selbst bewirkt und auch
durch den Glauben, das Mittel erhalten zu haben in Erwartung seiner Wirkung! Hier begegnet der Leser einem Phänomen, wie es bereits bei der Suggestion beschrieben wurde -das Gehirn nimmt die Reahtät, aber auch Dinge in seiner Phantasie als Tatsache wahr, und diese Fähigkeit wird zu Heilzwecken ausgenutzt, wenn der Betreffende
- unerschütterhch an seine Heilung glaubt
- erwartet, daß seine Umweltbelastung durch Fremdstoffe ihn nicht mit Krankheit bedroht
- glaubt, sein Leben und damit auch Gesundheit selbst bestimmen zu können.
Woher kommt es, daß die Placebowirkung einen so negativen Beiklang hat und ihre bewiesene Wirkung nicht zu Heilzwecken verwendet wird?
Das Wort Placebo wird in der römisch-katholischen Seelenandacht für Verstorbene verwendet "Placebo Domino in regione vivorum" (ich werde dem Herrn wohlgefällig sein im Lande der Lebendigen). Das Wort Placebo bedeutet also "ich werde gefallen".
Im 14. Jahrhundert wandelte sich die Bedeutung in eine abschätzige, so wurden Kriecher beschimpft. Als das Wort in die Medizin aufgenommen wurde, behielt es seinen abfälligen Beiklang. Man bezeichnete damit, so eine Definition von 1811, alle Arten von Arzneien, die mehr zum Zwecke der Gefälligkeit als des therapeutischen Nutzens verschrieben wurden, und in der naturwissenschaftlichen Ära kam die pharmakologische Wirkungslosigkeit hinzu. Das Wort Placebo assoziiert also Täuschung, Wirkungslosigkeit. Wenn ein Placebo, das keine Wirksubstanz enthält, dennoch wirkt, kann die Krankheit wohl nur eingebildet sein - so ist (leider) die allgemeine, heutige Vorstellung über Placebo (44). Nicht begriffen worden ist, daß die Placebowirkung ein grundsätzhches Phänomen ist, das für den Gesunden und Kranken gleichermaßen zutrifft und die normale Funktions- bzw. Reaktionsweise des menschhchen Gehirns widerspiegelt.
   
   
   
   
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Stärkung des Selbstbewußtseins
   
   
   
   
Der Betroffene kann seine Fähigkeiten nicht nutzen, wenn er sich klein und hilflos vorkommt, Ängste oder Hemmungen hat. Er kann seine Stärken, Neigungen, Talente nur ausleben bei einem positiven Selbstbild, wenn er sich groß und stark fühlt. Es gilt daher das Selbstwertgefühl zu stärken.
Der Betroffene hat in sich Potentiale, nur er nutzt sie nicht. Er braucht Ermutigung, die er sich notfalls auch selbst geben muß. Wird er aktiv, so kann er Erfolg, aber auch Mißerfolg ernten. Der Mißerfolg sollte ihn aber nicht davon abhalten, selbst wieder etwas neues zu tun. Mißerfolge gilt es in Lernerfahrungen umzudeuten und anschheßend das beste daraus zu machen.
   
   
   
   
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Die richtige Körperhaltung
   
   
   
   
Mit Hilfe der progressiven Muskelentspannung kann der Mensch die Erfahrung machen, daß über Anspannung und Entspannung der Muskulatur auch eine An- und Entspannung im geistigen Bereich, besonders im Empfinden induziert wird.
Wer verkrampft, mit hochgezogenen Schultern, oberflächlicher Atmung, eingezogenem Bauch und mit Füßen, die keinen festen Kontakt zum Boden haben, sich hält und bewegt, beeinflußt sein Gefühlsleben negativ. Der Körper wird wahrgenommen als ein Objekt, bei dem es um die Pole - Gesundheit, Schönheit/Krankheit, Häßlichkeit - geht. Einfache Bewegungen haben spirituellen Wert und vermitteln, wenn sie im vollendeten Fluß ablaufen, die Möglichkeit einer tiefen Erfahrung:
- Die Haltung des Körpers bedeutet zugleich etwas Körperhches und Geistiges (146,172) -. Der Betroffene sollte deshalb auf die "rechte" Körperhaltung achten und dadurch bewußt positiv auf seine Gesundheit einwirken.
   
   
   
   
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Sport fördert Gesundheit und Persönlichkeitsentwicklung
Lange Zeit galt, daß Asthma-Patienten sich körperlich schonen sollten, um Anfälle von Atemnot zu vermeiden. Asthmakranke Kinder wurden von sportlichen Tätigkeiten, sogar vom Schulsport ausgeschlossen. Doch eine derartige bewegungsarme Lebensweise führt zur körperlichen Schwäche und wirkt sich damit auch ungünstig auf das Gefühlsleben und die Gesundheit aus. Helfen kann nur körperliche Aktivität, gemeint ist Training: Betroffene, die hyperreagible Bronchien besitzen, sollten nicht am Leistungssport, sondern stattdessen an normalen sportlichen Betätigungen teilnehmen. Gemeint ist ein Sport ganz im Geiste von Turnvater Jahn: frisch, fromm, fröhlich, frei. Ein derartiger Sport stärkt das Selbstwertgefühl, wirkt harmonisierend und fördert die körperliche Entwicklung. Bei dieser Art der sportlichen Betätigung ist die vorherige Einnahme von Asthmamitteln meist nicht notwendig. Vor der körperlichen Belastung sollte stets eine Aufwärmphase erfolgen:
- Kleinere Kinder haben durch ihr Asthma einen Entwicklungsrückstand erhtten, was sich ungünstig auf die Koordination ihrer Bewegungen auswirkt. Daher sind bei Kindern unter 10 Jahren Sportarten zu empfehlen, die die Koordinationsfähigkeit schulen. Für Jugendhche sind dagegen Sportarten mit Ausdauercharakter günstiger wie z. B. Schwimmen in natürhchen Seen oder Fahrradfanren (165).
Neben der körperlichen Fitneß, die durch sportliches Training Zuwachs empfängt, besitzt der Sport einen ausgeprägten Einfluß auf die Empfindungen und Verhaltensweisen des Sporttreibenden.
- Unter Asthma leidende Kinder, die Sport treiben, besitzen ein höheres Selbstwertgefühl, sind weniger ängstlich und gehen besser mit ihrer Krankheit um. Sie zeigen außerdem ein besseres, integriertes Verhalten in der Familie.
- An Asthma leidende Kinder erweitern ihren Lebensbereich und damit ihre Aktivitäten, sie erlangen Selbstsicherheit und Vertrauen in ihre Leistungen (165).
Wie soll sich der Betroffene verhalten, wenn er nach einer Belastung Asthma bekommt? Häufig braucht er gar nichts zu tun, da ein derartiges Anstrengungsasthma in der Regel nicht schwer verläuft und spontan nach kurzer Zeit abklingt. Der Betroffene sohte lernen, was er sich selbst an Belastung zumuten kann, ohne Asthma zu bekommen. Keinesfalls dürfen ihm von der Umgebung Vorhaltungen gemacht werden, wenn er durch Belastung asthmatisch reagiert hat. Vorwürfe würden das Anstrengungsasthma nur weiter unterhalten und fixieren. Ist nach einer Belastung ein Anstrengungsasthma eingetreten und wieder abgeklungen, so braucht sich der Betroffene nicht zu schonen - für die nächsten zwei Stunden ist er voll belastungsfähig, ohne daß Asthma auftritt.
Sollte einmal durch die körperhche Belastung ein stärkerer Asthmaanfall hervorgerufen werden, so kann er durch Inhalation eines die Bronchialmuskulatur entspannenden Mittels coupiert werden.
Möchte der Betroffene eine außerordentliche Leistung erbringen, so kann er vor der sporthchen Tätigkeit ein Asthmamittel inhalieren, das nachfolgende Atembeschwerden verhindert (Hochleistungssportler müssen allerdings beachten, daß sie nicht ein Mittel einnehmen, das auf der Dopinghste steht).
Auch das Anstrengungsasthma kann über Erwartung, Glauben günstig beeinfluß werden:
- Kinder erhielten vor der körperlichen Belastung ein Asthmamittel, das Asthma nach der Belastung verhütete. Das Experiment wurde mehrfach wiederholt, und die Kinder machten die Erfahrung, daß nach vorheriger Einnahme eines Medikaments das nachfolgende Asthma nicht auftrat. Dann wurde ohne Wissen der Kinder das Asthmamittel gegen ein Unwirksames ausgetauscht und die Belastung erneut durchgeführt - eine hohe Zahl der Kinder reagierte nicht mit Asthma.
Dem Anstrengungsasthma kann auch beigekommen werden, wenn der Betroffene sich an den Augenbhck erinnert, in dem er erstmals nach Belastung Asthma erlitt - in Zusammenhang mit
   
   
   
   
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dem Gefühl von Revierangst. Die Revierangst muß überwunden werden, damit das Anstrengungsasthma sich verliert.
Das Anstrengungsasthma wird geringer werden bzw. verschwinden, wenn täglich, langzeitig ein Entspannungstraining, z. B. in Form des autogenen Trainings, durchgeführt wird.
   
   
   
   
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Yulli

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Re: STEMMANN, 1999
« Reply #7 on: March 18, 2019, 05:07:14 PM »

Merke:

Die akute Krankheit geht in die chronische über, wenn der Betroffene seine Revierangst und Streßstörung nicht dauerhaft überwindet. Der Betroffene wähnt sich seinem Asthma hilflos ausgeliefert und verliert, da er ständig durch Asthma bedroht ist, seine Sicherheit im Leben. Um sein Asthma zu überwinden, muß der Betroffene seine Sicherheit zurückgewinnen, indem er seine Krankheit, Ursache und Verlauf versteht, sich im akuten Notfall zu helfen weiß und den Glauben erlangt, daß sein Asthma heilen wird. Richtige Körperhaltung stärkt neben dem Sport Körper und Geist. Die Persönhchkeitsentwicklung ist zu fördern.
   
301


Sicherheit gewinnt der an Asthma Leidende, wenn er
- sich seine Krankheit erklären kann
- sich im Notfall zu helfen weiß
- glaubt, wieder gesund zu werden.
Durch die rechte Körperhaltung und Sport erlangt der Betroffene Selbstwertgefühl, fördert er Körper und Geist.

302


Die umgebenden Personen
Wie können die den Kranken umgebenden Personen die Gesundheit des Betroffenen fördern?
Das Ziel wird erreicht, wenn die Angehörigen helfen
- Revierangst abzubauen
- Streß zu senken und den normalen Umgang mit Streß zu erlernen
- Verstärker nicht auf das Asthma, sondern gezielt auf Gesundheit einzurichten
- Sicherheit wiederzufinden.

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Die Familie, ein System von Beziehungen
Die Systemwissenschaften haben geholfen, die Komplexität lebender Systeme zu verstehen. Das ist mit einer Abkehr von einem einseitigen Ursache-Wirkungs-Denken verbunden und wendet sich hin zu einer Vorstellung eines zirkulären Geschehens. Ebenso wie in den Bereichen der Wirtschaft bestehen auch im Bereich der Familie Zusammenhänge von Lebens­und Kommunikationsprozessen, existieren gegenseitige Abhängigkeiten, Rückkopplungen. Will man in einem derartigen System den Asthmakranken beeinflussen, muß man nicht nur ihn allein, sondern das System, das Beziehungsnetz ändern. Dabei geht es nicht so sehr um eine Therapie des Systems in herkömmlicher Art, sondern mehr um
- Beratung
- Vermittlung neuer Sichtweisen
- Einführung neuer Umgangsformen.
Der Einzelne bleibt Zentrum seiner Eigenverantwortung und Initiative, dennoch ist er abhängig von Systemkräften.
Die Hauptbezugsperson des an Asthma Erkrankten gewinnt in dem vorhegenden Behandlungskonzept eine zentrale Bedeutung. Letzthch ist es egal, wer sich als Hauptbezugsperson zur Verfügung steht. Gebraucht wird ein Trainer, der sich selbstlos einbringt, um den Erkrankten so zu beeinflussen, daß er Gesundheit wiedererlangen kann.
- So hat sich unlängst bei einem kranken Schüler, der in einem Internat weilt, sein Stufenlehrer als gesunde Hauptbezugsperson zur Verfügung gesteht, um mit dem Betroffenen das Behandlungsprogramm zu durchlaufen. Es hätte keinen Sinn gehabt, ein Elternteil zu unterweisen, weil der Schüler nur selten zu Hause ist.
Da in einer Familie zumeist ein Mitghed die wesenthche pflegerische Leistung für den Erkrankten erbringt, fällt die Wahl auf diese Person. Sie wird ebenso wie der Erkrankte spezieh darin unterwiesen, wie man die Ursache und Regelkreise des Asthmas aufhebt. Der Betroffene ist in seiner Krankheit gefangen. Er braucht Unterstützung von außen. Sie wird ihm von der Hauptbezugsperson gegeben - allerdings in einer völlig neuen Art und Weise, als es bisher geschehen ist.
Es wird erwartet, daß die resthche Familie die Bemühungen des Kranken und seiner Hauptbezugsperson unterstützt, das gilt besonders für den Ehepartner, die Großeltern und die Geschwister.
Wird ein Kind oder ein Erwachsener asthmakrank, so werden auch die gesunden Famihenmitglieder durch die Krankheit belastet. Am stärksten trifft es die Kontaktpersonen. Sie werden in einer Art und Weise beeinflußt, daß sie unmerklich und ungewollt die Krankheit des Familienmitgliedes unterhalten.
Um Heilung zu erzielen, um das Famihensystem wieder in eine stabile Reaktionslage zu bringen, müssen sich nicht nur der Asthmakranke, sondern auch seine Hauptbezugsperson und im weiteren Sinne die gesamte übrige Familie ändern. Das einzusehen und zu akzeptieren fällt nicht immer leicht.
Änderung des Systems nur in einer Richtung, d. h. Änderung des Erkrankten allein, stört das Gleichgewicht im System und wird deshalb von den gesunden Angehörigen unbewußt verhindert, d. h. der Asthmakranke fällt in seine Krankheit zurück.
   
   
   
   
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Familienmitglied gesund
   
   
   
   
   
Familienmitglied chronisch krank
   
   
restliche Familie betroffen
   
   
   
   
restliche Familie gesund
   
System wird verändert
eine Person erkrankt an Asthma Hauptbezugsperson und die gesunde übrige Familie sind mitbetroffen
   
   
1 System stabil
alle Personen gesund
   
   
   
   
Ebene der Gesundheit
   
   
   
   
j gesund I Familienmitglied / /^+mmm^s
   
I gesund J
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I krank ,
   
! Ebene der , Krankheit
   
   
   
   
'restliche Familie noch betroffen
   
   
   
   
/
   
   
   
   
gesund
   
   
   
   
Bemühungen des chronisch Kranken, gesund zu werden, werden vom System verhindert, wenn sich die Kontaktpersonen nicht gleichzeitig ändern
   
4 Nur wenn sich das System verändert
- der Erkrankte
- die Hauptbezugsperson und die restliche Familie sich ändern, stabilisiert sich das System wieder auf der Ebene von Gesundheit
   
   
   
   
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1. Abbau von Revierangst
   
   
   
   
Nicht nur das Eindringen in das Revier, sondern auch das unerlaubte Entfernen aus seinem Revier löst bei dem Asthmakranken unbewußt Revierangst aus.
Damit die Hauptbezugsperson nicht unbewußt und ungewollt die Revierangst ihres kranken Kindes verstärkt, hat sie sich zu fragen, ob sie auch revierempfindlich ist. Sie wird erstaunt sein, daß sich die Vermutung bestätigt, und deshalb ist es wichtig, daß sie erst ihre eigene Revierangst überwindet, erst danach kann sie dem Erkrankten helfen.
   
   
   
   
   
   
   
   
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Der Umgang mit dem asthmakranken Kind ist anstrengend
Der normale Umgang mit dem chronisch kranken Kind ist für die umgebenden Personen,
besonders für die Hauptkontaktperson deshalb so streßreich, weil das asthmakranke Kind
ständig entgegengesetzter Meinung ist. Sein Lieblingswort heißt
"nein".
Beispiel:
Kontaktperson zu dem asthmatischen Kind: "zieh dir die Jacke an" Kind: "nein"
Kontaktperson: "aber es ist doch so kalt und du könntest dich erkälten" Kind: "nein"
Kontaktperson: "du holst dir eine Infektion und dann hast du wieder Asthma"
Kind: "nein"
usw.
Ein derartiger Dialog kann sich über 30 bis 60 Minuten hinziehen, ohne ein Ergebnis zu zeitigen - bis schheßlich die Kontaktperson das Kind ergreift und ihm trotz heftiger Gegenwehr und enormen Protest seine Jacke doch anzieht.
"Nein" sagt das asthmakranke Kind dann, wenn etwas gegen seinen Wihen geht. Geschieht etwas in seinem Sinne, kann es auch "ja" sagen.
Das "nein" verwendet das asthmakranke Kind eigenartigerweise besonders im Umgang mit seiner Hauptbezugsperson, weit weniger bei dem anderen Elternteü, den Großeltern oder fremden Menschen.
Letztere wundern sich über die angeblichen Probleme, die die Hauptbezugsperson mit dem Erkrankten hat. Sie können es nicht verstehen, wo doch das asthmatische Kind bei ihnen so folgsam und heb ist.
Zur Erziehung eines Kindes, auch eines asthmakranken Kindes gehört, daß es lernt, zu gehorchen, auch wenn durch den dabei entstehenden Streß Asthma nachfolgt. Es geht nicht, daß das asthmakranke Kind seinen (unberechtigten) Willen gegen seine Eltern durchsetzt, ja regelrecht erpreßt
(Merke: Gehorchen ist nicht gleichbedeutend mit "den Wihen brechen"). Das kranke Kind muß zum Beispiel lernen nachzugeben. Das kann geübt werden in einer Situation, in der das asthmakranke Kind etwas unberechtigterweise von seiner Kontaktperson haben möchte. Diesmal muß die Kontaktperson bei einem konsequenten (liebevohen) "nein" bleiben. Die Kontaktperson bestimmt den Ausgang des Geschehens, sie ist in einer starken Position. Verlangt hingegen die Kontaktperson etwas von dem asthmakranken Kind, so ist das kranke Kind in der starken Position, und es wird seinen Willen wahrscheinlich gegen die Kontaktperson durchsetzen, nötigenfalls sogar mit Hilfe von Husten oder gar Asthma. Hat das Kind nicht gehorcht, so muß es lernen, die Konsequenzen aus seinem Verhalten zu spüren. Es kann ja nur aus eigener Erfahrung klug werden. Ist es z. B. kalt und antwortet das Kind auf die Aufforderung "zieh dir die Jacke an" mit einem "nein", so verläßt das Kind ohne Jacke die Wohnung.
- Verkühlt sich das Kind und erkrankt es, so hat es aus der Situation etwas gelernt. Es muß die Konsequenzen tragen und möglichst Bettruhe einhalten. Nur so kann das Kind seine Instinkte wiedergewinnen, die ihm Gefahr, d. h. drohende Krankheit, signalisieren.
Anmerkung: Viele Eltern werden erstaunt sein, daß sich das Kind häufig gar nicht erkältet, obschon es "zu dünn" angezogen ist, vorausgesetzt, es gibt um die Kleiderfrage keinen Streit. Frieren aktiviert nämlich die Abwehr. Es ist vor allem der Ärger, der wegen der Kleiderfrage entsteht, der die Abwehr schwächt.
Kinder haben es einfach, wenn sie imitieren können. Möchten die Eltern, daß das Kind seine Jacke anzieht, so gehen sie am besten mit gutem Beispiel voran und ziehen sich zuerst ihre
   
   
   
   
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Außenkleidung an. Anschließend ist dem Kind seine Jacke hinzureichen, ohne Kommentar. Dem Vorbild und der stummen Aufforderung wird sich das Kind auf Dauer nicht entziehen können.
Will man in bestimmten Situationen einen Revierkonflikt vermeiden, so kann man auch zwei Dinge, die nichts miteinander zu tun haben, so verbinden, als würden sie logisch zusammenhängen. Als Beispiel mögen Probleme beim abendlichen ins Bett gehen angeführt werden: das Kind wäscht sich nicht und zieht auch nicht seine Kleidung aus. Um dem Kind die freie Wahl seines Tuns zu ermöglichen, wird ihm die Frage gestellt:
"willst du dich waschen, bevor du zu Bett gehst oder ziehst du dir deine Kleidung im Badezimmer aus?" (283).
   
   
   
   
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Das Verhalten des chronisch kranken Kindes wird verkannt
   
   
   
   
Wenn ein Kind an Asthma erkrankt, weiß die Familie, daß es das Kind einmal im Leben schwerer haben wird - jedenfalls schwerer, als ein gesundes Kind - denn die chronische Krankheit ist ein Handicap. Zeigt das chronisch kranke Kind dann Verhaltensweisen, die im gesunden Leben als ein Maß für Lebenskraft und -stärke gelten, so wird dieses Verhalten durch die gesunden Angehörigen natürlicherweise gefördert:
- Fordert das asthmakranke Kind etwas, so wird es ihm letztendhch doch gegeben, auch wenn die Kontaktpersonen zunächst dem Ansinnen des Kindes widersprechen. Ein derartiges, insistierendes Verhalten des kranken Kindes wird fälschlicherweise als wihensstark von der gesunden Umgebung eingeschätzt. Beispiel:
Ein asthmakrankes Kind möchte die Geldbörse seiner Kontaktperson haben. Diese ist jedoch damit nicht einverstanden. Daraufhin schreit das kranke Kind und tobt wie toll. Nachdem die Trotzreaktion des Kindes abgeklungen ist, versucht es wieder, die Geldbörse zu erhaschen, was ihm wiederum von der Kontaktperson verwehrt wird usw. usw. Jedesmal, nach einem vergeblichen Versuch, sein Ziel zu erreichen, schreit das Kind und zwar immer heftiger. Es muß sogar husten. Entnervt gibt daraufhin die Kontaktperson auf und reicht dem Kind die Geldbörse.
   
   
   
   
Eltern; Börse
   
   
   
   
Ein derartiges extremes Verhalten, das das asthmakranke Kind vorzugsweise im häuslichen Bereich zeigt, mindert die Barriereschutzfunktion der Schleimhaut und hinterläßt eine inkompetente Abwehr. Da die asthmatische Bronchitis zeitversetzt am nächsten oder übernächsten Tag auftritt, geht der Zusammenhang zwischen dem Fehlverhalten und dem Auftreten von Asthma verloren.
Ein gesundes Kind würde auch trotzen, wenn man ihm einen Wunsch abschlägt, aber nicht so lang und intensiv, als daß Krankheitssymptome auftreten. Es würde auch keinen derartig starken Streß provozieren, so daß seine Schleimhaut- und Immunabwehr ungünstig verändert werden. Ehe es dazu kommt, gibt das gesunde Kind nach.
Das Verhalten des Gesunden charakterisiert den autonomen Menschen mit starkem Willen. Der wahre, starke Wille ist nämlich polarer Natur
- den Willen angemessen durchzusetzen versuchen und nachgeben, wenn es nicht möghch ist, das Ziel zu erreichen.
   
   
   
   
Börse Eltern-$► nein
das gesunde
Kind möchtdie Börse
haben
e / ^ Kind / i trotzt
-7> Kind spielt
   
   
   
   
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durchsetzen
   
   
   
   
   
durchsetzen
   
   
   
   
   
   
Das asthmakranke Kind versucht im häuslichen Bereich seinen Willen um jeden Preis durchzusetzen und kann nicht nachgeben Folgen: inkompetente Abwehr, Asthma
   
Das gesunde Kind gibt nach, wenn es merkt, daß es seinen Willen nicht bekommt, nicht bekommen kann
   
   
Folgen: kompetente Abwehr, keine Krankheit
   
   
   
   
Erst nachdem das asthmakranke Kind ein derartiges, insistierendes Verhalten infolge der Krankheit erlernt und konsequent angewendet hat, merken die Angehörigen, was geschehen ist. Der Asthmakranke ist in seinem Revierbereich zu einem kleinen Tyrann geworden, der seinen Angehörigen seinen Willen aufzwingt. Was ist den Angehörigen zu raten?
Wichtig ist, daß Eltern und nähere Kontaktpersonen künftighin liebevoll, konsequent mit dem Asthmakranken umgehen. Eine einmal getroffene Entscheidung muß bestehen bleiben, obschon das kranke Kind dagegen heftig protestiert und auch evtl. Asthma bekommt. Lernt das asthmakranke Kind zu gehorchen, so erspart diese Änderung seines Verhaltens den Angehörigen unnötigen Streß in Form von Ärger, Wut und dem Erkrankten asthmatische Reaktionen und Liebesentzug.
   
   
   
   
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Streitereien der Geschwister untereinander
   
   
   
   
Geschwister sind häufig sehr verschieden in ihren Ansichten und ihrem Verhalten und daher herrscht nicht immer Einverständnis unter den Geschwistern. Zudem kämpfen die Geschwister nach alter evolutionärer Art ihre Stellung in der Familie aus.
In die Revierauseinandersetzung der Kinder greift die erwachsene Kontaktperson ständig ein, um ungewollt und unbewußt das schwächere, kranke Kind zu schützen, auch wenn es die gesunden Geschwister ärgert. Es geht nicht, daß das Kind aufgrund seiner Krankheit eine wichtigere Position in der Familie erhält, als ihm zusteht. Es kann diese Position selbst nicht verteidigen und benötigt zur Unterstützung stets die Kontaktperson. Eine derartige Konstellation beinhaltet fortdauernde Konflikte.
Den Eltern wird geraten, sich aus den Streitereien der Geschwister untereinander soweit wie möghch herauszuhalten, selbst wenn dadurch das Asthma exazerbiert. Sie entziehen dadurch einen wichtigen Verstärker für das Asthma. Stattdessen sohten sie die Geschwister loben, wenn sie miteinander spielen. Die Streitereien unter den Geschwistern hören dann weitgehend auf, wenn die Position des Einzelnen klar ist und akzeptiert wird. Um dies herauszufinden, dazu dienen ja die Streitereien. Greifen die Eltern ein, so müssen sie gerecht sein. Eingreifen ist notwendig, wenn die Gefahr besteht, daß einem Kind droht, ernsthaft verletzt zu werden, weil das Geschwisterkind z. B. einen Stein oder Stock ergreift und als Waffe einzusetzen versucht. Eingreifen ist auch notwendig, wenn das eine Kind dauernd der Täter und das andere das Opfer ist, sonst nimmt das schwächere Kind Schaden.
   
   
   
   
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Nähe und Distanz
   
   
   
   
Aus dem Revier gehen, sich ohne Angst von den Angehörigen, insbesondere seiner Hauptbezugsperson lösen zu können, ist ein unumgänghcher Schritt für den Betroffenen, wenn er gesund werden will. Erst eine gewisse Distanz von seiner Hauptbezugsperson ermöghcht dem asthmakranken Kind, eigene Entwicklungsschritte zu vollziehen und geht einher mit einem positiven Verlauf seiner Gesundheit.
Wie verhält sich die Hauptbezugsperson mit ihrem asthmakranken Kind, wenn das kranke Kind sie nicht aus den Augen läßt, sie immer in seiner Nähe, in seinem Revier haben möchte?
Normalerweise setzen erste Lösungsbestrebungen von der Mutter bereits in einem Alter von 6 bis 8 Monaten ein, wenn sich der gesunde Säughng mehr dem Vater zuwendet. Ab einem Alter von 17 bis 18 Monaten anerkennt das Kleinkind eine vorübergehende Trennung von der Bezugsperson. Mit etwa 3 Jahren steht dem Kleinkind das Vertrauen und das verläßhche innere Abbild der Bezugsperson zur Verfügung, das es dem Kind gestattet, ihre Abwesenheit für einige Zeit zu ertragen.
Reagiert das asthmakranke Kind in einer Trennungssituation heftig, so kann die Kontaktperson ihrem Kind nur dadurch helfen, indem sie Ruhe bewahrt und dem Kind die Möghchkeit gibt, seinen Trennungsschmerz aktiv auszuleben und auch auf Dauer zu überwinden zu lernen. Auf keinen Fah sind logische Erklärungen von Seiten der Kontaktperson in einer derartigen Situation angebracht, das Kind kann sie gar nicht aufnehmen, sie unterhalten und verstärken nur den Trennungsschmerz.
Kann die Hauptbezugsperson ihrem asthmakranken Kind keine Stütze sein, so ist auch sie revierängsthch, trennungsängsthch (geworden).
- Die Hauptbezugsperson sollte sich Gedanken darüber machen, was sie als Kind erlebt hat. Vieheicht ist sie durch Scheidung von einem Elternteil verlassen worden. Es ist auch möglich, daß sie als Kind abends allein zu Hause bleiben mußte und sich geängstigt hat. All die erhttene Angst und die Schmerzen möchte sie ihrem asthmakranken Kind ersparen. Über das Bewußtwerden eigener Erlebnisse und Gefühle bietet sich für die Hauptbezugsperson eine Lösung des Problems an.
- Vermag sich ein Elternteil nicht von dem kranken Kind zu lösen, so kann der andere helfen, die überstarke Bindung zu lockern. Eine förderliche Rohe spielt der andere Elternteil jedoch nur dann, wenn er eine tragfähige Beziehung zu seinem Partner/zu seiner Partnerin und zu dem Erkrankten aufgebaut hat.
- Fehlt z. B. der Vater, ist der fundamentale Schritt der Persönhchkeitsentwicklung, die Emanzipation des Kindes aus der Mutterbindung hin zum Aufbau emotionaler Beziehungen mit anderen Menschen dennoch möglich, wenn das asthmakranke Kind sich ersatzweise bei Verwandten oder in den Familien von Spielkameraden mit der Welt der Väter auseinandersetzen darf
Während der Säugling, das Kleinkind und das junge asthmakranke Schulkind sich kaum von ihrer Hauptbezugsperson lösen können, verändert sich das Verhalten bei Jugendlichen. Spätestens in diesem Alter versuchen die Erkrankten auch ihre eigenen Wege zu gehen, sich der engen Bindung zu entziehen. Das Problem hegt jetzt mehr bei der Bezugsperson, die über Jahre ihr krankes Kind beschützt und aufopfernd versorgt hat, sie kann sich jetzt nicht mehr lösen.
- In manchen Familien herrschen Wertesysteme vor, nach denen die Familien unbewußt handeln. Das Wertesystem könnte z. B. lauten - ahein sind wir nicht lebensfähig, wir müssen deshalb immer zusammenbleiben. Probleme treten dann auf, wenn Situationen einsetzen, die das Wertesystem in Frage stellen. Das ist regelmäßig der Fall, wenn sich der heranwachsende, asthmakranke Jugendliche mit der Pubertät von seinen Eltern zu lösen
   
   
   
   
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beginnt und das bei den Eltern Ängste auslöst. Die Eltern werden sich streiten, wie sie sich verhalten sollen. Darüber werden die Schwierigkeiten bei der Ablösung des Kindes verdrängt, und der Familienzusammenhang wird noch enger. Für die Familie ist es wichtig, daß eine neue tragende Beziehung zwischen allen Familienmitgliedern hergestellt wird, daß sie zu neuen Ansichten kommen. Den Eltern ist zu helfen, ihre Ängste abzubauen, und die Entwicklung des asthmakranken Kindes ist zu fördern. Die Mitglieder der Familie lernen und erfahren dadurch, daß man auch allein, als Einzelner, lebensfähig ist und daß Trennung voneinander keinesfalls Verlust bedeutet. Um sich zu lösen, muß man erst etwas besessen haben. Die tiefe Zuneigung zu ihrem asthmakranken Kind, das sich des Kindes sicher sein, das Vertrauen in das Kind - das die Bezugspersonen erst wieder entwickeln, in sich tragen muß, denn es wird ihr durch die Krankheit genommen - wird es ihr ermöglichen, Trennungen nicht als bedrohhch anzusehen und zu vollziehen.
Wenn es der Bezugsperson künftighin gelingt, sich selbst und das asthmakranke Kind davon zu überzeugen, daß zeitweihge Distanz auch Vorteile mit sich bringt, wie z. B. die Freiheit des Tuns, so liegen günstige Bedingungen vor, Lösungen zu vohziehen, ohne daß das Kind Asthma bekommt oder die Bezugsperson sich ängstigt.
   
   
   
   
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Merke:
   
   
   
   
Auch das asthmakranke Kind muß lernen, zu gehorchen. Selbst wenn es asthmatisch reagieren sollte, müssen die Eltern bei ihrer einmal getroffenen Entscheidung bleiben. Hat sich das kranke Kind dennoch gegen seine Eltern durchgesetzt, weil es z. B. seine Jacke beim Hinausgehen nicht anziehen wollte, so muß es auch die Konsequenz tragen, selbst um den Preis, daß es an einem Infekt erkrankt.
Geschwister untereinander üben das Leben, d. h. sie kämpfen um die Stellung, die Reihenfolge innerhalb der Geschwisterreihe bzw. der Familie. Dabei steht dem Kind nur die Position zu, die es selbständig erringt und auch verteidigen kann. Wird das kranke Kind bevorzugt aufgrund seines Asthmas, so geht das letzthch auf Kosten aller. Das kranke Kind benötigt die fortwährende Hilfe seiner Kontaktperson, um seinen Stand zu halten, es lernt selbst nichts dazu, und das gesunde Kind wird vernachlässigt, muß Rücksicht auf den Kranken nehmen und darf sich nicht so entwickeln, wie es ihm zusteht.
Sollte das asthmakranke Kind, insbesondere bei Trennungen von der Hauptbezugsperson, so heftig reagieren, daß Asthma nachfolgt, so muß sich die Kontaktperson fragen, ob sie selbst nicht auch trennungsängstlich ist.
- Die Kontaktperson sollte nach eigenen, traumatisch erlebten Trennungen suchen. Aus der Distanz erscheinen sie häufig nicht mehr so bedrohlich, dennoch bestimmen sie wesentlich ihr Verhalten.
- Vermag sich die eine Kontaktperson nicht von dem kranken Kind zu lösen, so kann die andere, falls sie nicht trennungsempfindlich ist, als Ersatz einspringen und mit dem Erkrankten alltägliche Trennungen üben.
- Wächst das erkrankte Kind zum Jugendlichen heran, so möchte es sich von seinen Eltern, von der Hauptkontaktperson lösen. Das fällt letzterer besonders schwer, wenn sie all die Jahre zuvor für das asthmakranke Kind gesorgt hat.
Um sich zu lösen, muß man erst etwas besessen haben. Die tiefe Zuneigung zu dem kranken Kind, das Vertrauen in das Kind, wird es der Kontaktperson ermöglichen, sich in Trennungssituationen ruhig, sicher und bestimmend zu verhalten, was der Trennungsangst entgegenwirkt.
Kontaktperson und asthmakrankes Kind sind davon zu überzeugen, daß Trennungen zum normalen Leben gehören und auch Vorteile haben, so die Freiheit des Tuns und Erweiterung des Lebensraumes.
   
   
   
   
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Kontaktpersonen, insbesondere die Hauptbezugsperson, helfen dem Asthmakranken, wenn sie selbst ihre eigene Revierangst überwinden und in Situationen, in denen etwas gegen den Willen des Betroffenen geschieht, Ruhe und Sicherheit bewahren und den Betroffenen seine Revierangst durchleben bzw. ausleben lassen.
   
   
   
   
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2. Streßbewältigung und Streßabbau
   
   
   
   
Streß kann vermindert werden, indem die Kontaktperson anders als bisher auf Streß, den das asthmakranke Kind täglich erzeugt, reagiert und indem sie selbst täglich ein Entspannungs­training durchführt.
   
   
   
   
   
   
   
   
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Das schreiende asthmakranke Kind
Das kranke Kind ist durchaus fröhlich und zufrieden, aber immer wieder wird es aufgrund seiner Krankheit von heftigen Spannungen überfallen, und es schreit dann langdauernd (für die Umgebung nicht begreiflich), begleitet bald von Husten und erschwerter Atmung. Ein schreiendes Kind kann die heutige Gesellschaft nicht ertragen. Sie gerät dadurch dermaßen unter Streß, daß sie alles versucht, um das schreiende Kind zu beruhigen:
- der Säugling wird sofort gestillt oder umhergetragen
- das Kleinkind wird abgelenkt, beschäftigt
- das Schulkind erhält prompt jeden Wunsch erfüllt.
Sollte die Kontaktperson einmal den Versuch unternehmen und das schreiende Kind nicht beachten, so erfährt sie heftige Kritik und Mißfallen durch ihre Umgebung. Sie wird gezwungen, das schreiende Kind stets zu beruhigen, was auf Dauer ihre menschlichen Fähigkeiten übersteigt, d. h. die Kontaktperson gerät selbst unter enormen Streß. Früher hieß der Ratschlag für Eltern, wenn ihr Kind, insbesondere der Säugling, schrie
- Schreikinder, Gedeihkinder, und man ließ die Kinder schreien.
Heute lautet der Ratschlag für Eltern, deren Kind schreit
- wenn dein Kind schreit, geh hin und tröste es, denn sonst verhert es sein Urvertrauen,
und die Folge ist, daß schreiende Kinder permanent abgelenkt, umhergetragen, gefüttert werden.
Was ist besser für ein Kind, schreien lassen oder stets trösten?
Der kritische Leser wird merken, daß beide Ratschläge, ohne daß gefragt wird, warum das Kind schreit, unsinnig sind. Angebracht ist doch ein der Situation entsprechendes Verhalten der Eltern:
- Ist das Kind in Not, erkennbar an einem ganz besonderen Schrei, so wird es sofort getröstet.
- Erhält das Kind zu festgelegten Zeiten Nahrung und schreit es, wenn die Zeit der Nahrungsaufnahme naht, so erhält es Nahrung.
- Hat es gar schlechte Laune und schreit es deswegen, so sollte man dem Kind, selbst schon dem Säughng, sein Recht auf Gefühle gönnen und es schreien lassen, weil das Kind sich dadurch selbst wieder in das rechte Lot bringt. Fatal wäre es, in einer derartigen Situation das Kind abzulenken oder zu füttern:
- durch Ablenkung könnte das Kind nicht lernen, seine mißlichen Gefühle selbst zu bewältigen (es geht ja auch niemand zu dem Kind und lenkt es ab, tröstet es oder gibt ihm Nahrung, wenn das Kind lacht)
- durch Nahrungszufuhr bei Ärger besteht die große Gefahr, daß sich Nahrungs­mittelallergien, selbst gegen Muttermilch, ausbilden.
Wie erkennen die Eltern, ob ein Kind aus Hunger schreit?
Wenn das Kind zu festgelegten Zeiten gestillt wird oder Nahrung erhält und die Zeit naht und das Kind dann schreit, so wird es wohl Hunger haben und sein Wunsch wird befriedigt. In der Zeit zwischen den festgesetzten Mahlzeiten erhält dagegen das Kind, wenn es schreit, keine Nahrung und auch keine besondere Zuwendung.
Anmerkung:
Ein Kind verhert natürlich nicht sein Urvertrauen, wenn es schreit, nur weil ihm ein Wunsch abgeschlagen wird. Anderenfahs wäre eine Erziehung grundsätzhch nicht möghch. Ein Kind kann doch auch nicht dadurch Urvertrauen gewinnen, daß seine Eltern ihm stets jeden Wunsch erfüllen. Im Gegenteil, werden die Forderungen des Kindes an die Eltern zu hoch, so
   
   
   
   
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reagieren diese unangebracht, d. h. sie lehnen das Kind ab, und dann wird Urvertrauen zerstört. Urvertrauen hat etwas zu tun mit einem Gefühl von Angenommensein, Zuneigung, Liebe. Diese Gefühle gehen verloren, wenn das Kind von seinen Eltern mehr fordert, als diese in der Lage sind zu geben.
Wird durch das Schreien einmal Asthma ausgelöst, weil sich das Kind ärgert oder seinen Willen nicht bekommt, so erhält das Kind sofort ein Asthmamittel - es darf durch Asthma nicht in Gefahr geraten - und unmittelbar danach ziehen sich die Eltern zurück. Das Kind darf nicht beruhigt, soll nicht getröstet werden, wollen die Eltern das Asthma nicht verstärken.
   
   
   
   
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Eltern dürfen sich in Fürsorge für ihr krankes Kind nicht erschöpfen
   
   
   
   
Wie sich Eltern mit ihren Kindern verhalten, hat sich aus langen evolutionären Prozessen herausgebildet. Es wurde in der natürlichen Auswahl fortwährend überprüft und verbessert und gehorcht der biologischen Funktion: bestmögliches Abschneiden bzw. Überleben über Generationen. Aus dieser Sichtweise handeln Menschen nach der Maßgabe ihres Erbguts so, daß der Fortpflanzungserfolg über die Generationen zählt, der das Überleben des eigenen Erbguts garantiert (69). Bei Individuen, die Brutpflege betreiben, wie es beim Menschen geschieht, würden Nachkommen, deren Eltern nicht intensiv für sie sorgen, kaum überleben. Das gilt insbesondere für ein chronisch krankes Kind.
Die Eltern, besonders die Hauptkontaktperson, sind um ihr asthmakrankes Kind stets vermehrt bemüht. Sie versuchen, unter Zurückstellung ihrer eigenen Bedürfnisse und durch hohen pflegerischen Aufwand sowie durch intensive Zuwendung, die Bedingungen für ihr krankes Kind zu bessern (169):
- Hustet das Kind nachts, so stehen die Eltern stets auf, um dem kranken Kind zu helfen. Sie inhalieren mit ihm, tragen es umher, bieten ihm Trost und Schutz und nehmen es evtl. mit in
   
   
   
   
ihr Bett.
   
   
   
   
Doch erreichen die Eltern ihr Ziel, nämlich ihrem kranken Kind so zu helfen, daß es wieder gesund wird? Leider nicht! - denn ein derartiges, aufopferndes Verhalten ist streßarm und konfliktfrei nicht durchzuhalten:
- Stehen die Eltern Nacht für Nacht auf, oftmals sogar mehrmals nachts, so erschöpfen sie sich geistig und körperlich. Die Toleranzbreite ihrer Gefühle engt sich ein, zumal ständiges nächtliches Husten kaum zu ertragen ist, und dann kann es schon einmal geschehen, daß Aggressionen dem kranken Kind gegenüber hervorbrechen, gefolgt von Schuld- und Schamgefühlen, wenn das eigene ungerechte Verhalten erkannt wird. Die Folge ist, daß die Eltern sich mit ihrem kranken Kind versöhnen und dann nachts erneut aufstehen (61).
   
   
   
   
   
   
Aggression devrf^y 4-kranken Kind gegenüber
   
   
   
   
Irgendeine geheimnisvohe Kraft treibt die Eltern über Jahre, ihr letztlich ineffektives Verhalten beizubehalten. Sie geraten in Panik, wenn sie nachts nicht aufstehen, wenn das Kind hustet. Die Eltern befinden sich in einer Zwangslage, Husten und Atemnot des Kindes zwingen sie nachts zum Aufstehen. Nicht bewußt hingegen ist den Eltern, daß sie ihr wohlgemeintes Vorhaben nicht umsetzen können. Das erkrankte Kind gerät in ein Spannungsfeld von Zuneigung und Abweisung durch seine Eltern, was sein Asthma unterhält. Wird nur ein Elternteil durch die nächthche Pflege überbelastet, was zumeist der Fall ist, weil der andere voll im Berufsleben steht und die Nachtruhe dringend benötigt, so erfährt der pflegende Elternteil die Erschöpfung - Aggression - Hilflosigkeit. Es bleibt nicht ohne negative Folgen für den nachfolgenden Tag. Wenn ein Elternteil und das asthmakranke Kind in eine derartige Verhaltensweise hineingeraten, aus der sie sich selbst nicht mehr befreien können, ist der andere Elternteil gefordert, den beiden zu helfen. Anstehe der Hauptkontaktperson sollte er das kranke Kind, meist genügen nur einige Tage, nachts versorgen. Zumeist wirkt eine derartige Verhaltensänderung der Eltern wie ein Wunder - das asthmakranke Kind schläft nachts durch.
   
   
   
   
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In besonders hartnäckigen Fällen muß ein Schlaftraining durchgeführt werden, am besten in einer Klinik. Immer, wenn das Kind nachts hustet oder eine pfeifende Atmung bekommt, erscheint an Stehe der erwünschten Hauptbezugsperson eine Krankenschwester. Das asthmakranke Kind möchte die fremde Person nicht sehen, und die Folge ist, das asthmakranke Kind schläft durch (bei Kleinkindern kann die Mutter/der Vater im gleichen Zimmer schlafen, ohne auf das Verhalten des Kindes zu reagieren).
   
   
   
   
   
   
   
das asthmatische Kind
   
Husten, Pfeifen im Schlaf
   
Wachwerden, Aufschreien
   
   

   
   
Die Hauptbezugsperson erscheint und tröstet, trägt das Kind umher, reicht etwas zum Trinken - und verstärkt dadurch ungewoht das Asthma. Folgen: das Kind bekommt jede Nacht Asthma, stets um dieselbe Zeit.
   
   
   
   
Verhalten beim Schlaftraining:
   
   
   
   
   
   
das asthmatische Kind
   
Husten, Pfeifen im Schlaf
   
Wachwerden, Aufschreien
   
   
   
   
   
Anstelle der Hauptbezugsperson erscheint eine Krankenschwester. Die Verstärker des nächthchen Asthmas durch die Hauptbezugs­person und Belohnen entfallen. Folgen: das nächthche Asthma entfäht, das Kind schläft durch.
   
   
   
   
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Differenzen zwischen der Kontaktperson und dem betroffenen Kind
   
   
   
   
Eltern und Kinder teilen nur einen bestimmten Prozentsatz ihres Erbgutes. Im Augenblick der Zeugung ist festgelegt, welche Mitgheder in der Familie tieferen inneren Bezug zueinander haben, sich denk- und gefühlsmäßig nahestehen, kurz "wer Mutters oder Vaters Liebhng ist". Aufgrund dieser Konstehation in der Familie sind Konflikte unter den Familienmitgliedern vorprogrammiert - und das ist besonders dann der Fall, wenn das asthmakranke Kind nicht seiner engsten Kontaktperson, sondern dem anderen Elternteil nahesteht. Da sich demzufolge das kranke Kind und seine Hauptkontaktperson vor allem in ihrem Denken und Handeln unterscheiden, - das kranke Kind sagt immer "nein" - sind Differenzen alltäglich. Jede Meinungsverschiedenheit wird trotz immerforter Bemühungen seitens der Hauptkontaktperson, das Problem durch stundenlanges Erklären und Reden zu lösen, schheßlich doch im Streit enden und somit das Asthma unterhalten. Wie kann die Hauptkontaktperson in diesem Fall ihrem asthmakranken Kind und sich selbst helfen? Auch wenn sich die Hauptkontaktperson täglich ernsthaft vornehmen würde, "heute lasse ich es nicht zu Streitereien mit meinem asthmakranken Kind kommen", es gibt doch Auseinandersetzungen. Das Problem läßt sich willentlich und rational nicht lösen, weil der Mensch eine andere Denkweise als die seine nicht akzeptiert. Das Problem verschwindet, wenn die Hauptkontaktperson mit ihrem kranken Kind vorwiegend auf der Gefühlsebene kommuniziert. Nur wenn zwei Menschen sich gut sind, können sie unterschiedliche Meinungen tolerieren, ohne daß es zu Streit kommt.
In der praktischen Ausführung muß sich die Kontaktperson erst einmal innere Ruhe verschaffen, was letztlich nur durch ein täglich ausgeübtes Entspannungstraining möghch ist. Danach sollte sie dem Kind ein Gefühl der Sympathie vermitteln - du gefähst mir, ich bin dir gut - und erst dann sollte sie etwas zu dem asthmakranken Kind sagen.
Verkehren Kontaktperson und asthmakrankes Kind künftighin in einer derartigen Weise miteinander, so werden sie trotz Meinungsverschiedenheiten ein inniges Verhältnis zueinander entwickeln.
   
   
   
   
   
In diesem Beispiel haben Vater und asthmakrankes Kind inneren Bezug zueinander, was im Augenblick der Zeugung festgelegt wurde. Das asthmakranke Kind wird dann heftige Konflikte mit der Mutter austragen, die anders denkt und empfindet. Es handelt sich nicht um eine gestörte Kind-Mutter-Beziehung bzw. Mutter-Kind-Beziehung, sondern um ein evolutionäres Grundprinzip, das es zu
   
   
   
   
akzeptieren gilt. versuchen, mehr kommunizieren.
   
Mutter und Kind sollten über die Gefühlsebene zu
   
   
   
   
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Der Eltern-Kind-Konflikt
Differenzen zwischen Eltern und Kindern lassen sich aus der Evolution erklären. Sie beruhen auf alten evolutionären Programmen und nicht primär auf einer gestörten Eltern-Kind-Beziehung.
Man kann nämlich bei Eltern und ihren Kindern, ebenso wie bei Tieren, immer wieder beobachten, daß beide Parteien regehechte Nervenkriege ausfechten, weil die Zöglinge etwas verlangen, daß die Eltern ihnen im Augenbhck nicht geben möchten (69):
- Kinder werden z. B. wieder sehr anhänghch, wenn sie die elterhche Fürsorge mit einem neugeborenen Geschwisterkind teilen sollen.
- Ein- bis Dreijährige schreien z. B. nachts solange, bis ihre Eltern kommen, obschon ihnen offensichtlich nichts fehlt.
Eine Erklärung für ein derartiges egoistisches Verhalten des Kindes ist die Tatsache, daß das Kind nicht einsieht, daß die Hauptbezugsperson, meist die Mutter, für die Aufzucht seiner Geschwister oder für ihren Ehepartner Zeit aufwendet, die ihm keinen Nutzen bringt. Deshalb fordert jedes Kind während einer bestimmten Lebensphase zum Nachteil seiner Geschwister und eines Elternteils für sich selbst mehr an Zuwendung und Fürsorge, als seine Kontaktperson bereit ist zu geben. Interfamiliäre Eifersucht und Konkurrenz sind die Folgen eines derartigen egoistischen Verhaltens des Kindes. Der beschriebene Mechanismus ist normal. Er wird extrem, wenn ein Kind an einer chronischen Krankheit wie Asthma erkrankt. Der Betroffene fordert ständige Zuwendung ein - bis zur Erschöpfung seiner Kontaktperson und noch darüberhinaus. Ahe anderen Farnihenmitgheder müssen wegen des asthmakranken Kindes zurückstehen. Die Konflikte, die dadurch aufflammen, daß die Interessen der Farnihenmitgheder, speziell der Hauptkontaktperson und des asthmatischen Kindes sich auf vielen Gebieten entgegenstehen, fördern und unterhalten das Asthma. Wenn Eltern den Forderungen des kranken Kindes immer nachgeben, so werden die Ansprüche des Kindes an seine Eltern immer höher und nicht geringer. Deshalb müssen die Eltern dem Kind auch Einhalt gebieten, wollen sie Gesundheit für das Kind zurückerlangen. Täghche Streitereien und Konflikte müssen in Zukunft an Zahl und Intensität deuthch abnehmen. Das Ziel ist von Seiten der Eltern nur durch hebevohes, aber äußerst konsequentes Verhalten zu erreichen und zunächst mit einer Verstärkung des Asthmas verbunden.
   
   
   
   
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Qualitätszeit
   
   
   
   
Mit Qualitätszeit ist die Zeit des liebevollen Zusammenseins von Eltern und Kind gemeint (42). Ungetrübt können Eltern und Kind nur dann Zusammensein, wenn beide auch wirklich Lust dazu haben.
Häufig verläuft im täglichen Leben das Zusammensein z. B. von der Kontaktperson und dem kranken Kind ganz anders.
Beispiel:
Das kranke Kind versucht, gegen den Willen der Kontaktperson seinen Wunsch durchzusetzen; die Kontaktperson soll z. B. mit dem Kind spielen, obschon sie es nicht möchte und auch noch andere Arbeiten zu erledigen hat. Das Kind quält und insistiert solange, bis die Kontaktperson nachgibt. Ist das Spiel vorüber, möchte das Kind weiterspielen. Jetzt kommt es zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen der Kontaktperson und dem asthmakranken Kind. Wird der Kontaktperson bewußt, daß sie nicht liebevoll mit ihrem kranken Kind umgeht, so nimmt sie es in den Arm, drückt und tröstet es. Ein derartiges Zusammensein hat mit Qualitätszeit wenig zu tun, und dennoch läuft es mehrmals täglich ab.
Verspürt die Kontaktperson nicht das Bedürfnis, mit ihrem asthmakranken Kind zu spielen, so muß sie sich verweigern, auch wenn das Kind noch so bettelt. Das Spiel würde immer im Ärger enden. Ärger gilt es zu meiden, nutzloser Ärger ist gemeint, weil dadurch das Asthma unterhalten wird. Zudem hindert der Ärger daran, wirkliche Qualitätszeit zu finden. Für Qualitätszeit gibt es normalerweise im Laufe des Tages immer wieder einmal Gelegenheit. Vorlesen und Plaudern, Singen können den innigen Kontakt bahnen.
   
   
   
   
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Autogenes Training bzw. progressive Muskelentspannung
Unter allen Maßnahmen, die Gesundheit fördern, ragen das autogene Training bzw. die progressive Muskelentspannung heraus. Asthma tritt nach Anspannung auf. Demzufolge ist die Summe an Spannungen, die im Verlauf des Tages und der Nacht im Umgang mit dem Asthmakranken auftritt, deutlich zu senken. Das Ziel wird erreicht, wenn vor allem - ein Entspannungstraining durchgeführt wird.
Das Entspannungstraining wird von der Kontaktperson systematisch täghch geübt. Das Training beginnt schon morgens - wenn der Wecker schellt - und erst danach beginnt das Leben, der neue Tag.
Die innere Ruhe und Sicherheit sowie das Gefühl eines erfüllten Lebens, das die Kontakt­person durch Üben erwirbt, überträgt sich auf das asthmakranke Kind und beeinflußt es auf Dauer so, daß es die positiven Inhalte selbst übernimmt.
Manche Personen können sich nicht vorstehen, daß sich die innere Ruhe, die eine Kontaktperson besitzt, von dieser auf den Betroffenen übertragen läßt und damit ihn, sein Gefühl und Verhalten günstig beeinflußt, was seiner Gesundheit zugute kommt. Durch ein einfaches Beispiel kann gezeigt werden, daß Ruhe auf den Menschen zu übertragen ist und ihn verändert:
Stellen Sie sich vor, Sie würden jetzt eine Kirche betreten. Was für ein Gefühl empfinden Sie? Sie verspüren eine innere Ruhe. Das wirkt sich auch auf Ihr körperhches Verhalten aus, denn Sie bewegen sich anders als sonst, viel ruhiger, langsamer, gemessener. Wenn Sie jetzt aufgefordert werden, einmal laut zu schreien, dann würden Sie das ablehnen. Wenn Sie nachdenken würden, kämen Sie zu der Erkenntnis - Schreien ist gar nicht möghch, geht nicht. Lautes Singen ja, Schreien nein.
Das "anders sein" ergibt sich aus der Ruhe, die das Gebäude abstrahlt. Strahlt die Kontaktperson Ruhe aus, die sie mit Hilfe des Entspannungsverfahrens erworben hat, so wirkt das entspannend auf das asthmakranke Kind.
   
   
   
   
   
   
   
   
Kontaktperson entspannt sich
   
das asthmakranke Kind wird auch entspannt
   
   
   
   
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Einwände gegen das Entspannungsverfahren
   
   
   
   
Das Entspannungstraining ist das Verfahren, was zentral in die Mechanismen, die Asthma bedingen, eingreift und sie aufhebt. Dennoch geschieht es immer wieder, daß die Kontaktperson das Entspannungstraining ablehnt oder es nach kurzer Zeit nicht mehr praktiziert.
Es geht im Entspannungstraining nicht darum, sich einfach zu entspannen. Der Betroffene sollte vielmehr wieder in die normale Lebensspannung gelangen, die er durch sein Asthma verloren hat und dazu benötigt er die aktive Mitarbeit seiner Kontaktperson. Verspannungen lassen sich auch mit Streß beschreiben. Viele Menschen brauchen Streß, verbinden mit Dauerstreß sogar Lebensqualität und eine gewisse Ich-Identität. Diese Menschen haben die Bedeutung von Streß verloren, nämlich, daß Streß nur in besonders kritischen Lebenssituationen eine sinnvolle Funktion erfüllt, die ursprünglich dem Überleben durch Angriff oder Flucht entsprach und darüber hinaus gesundheitsschädhch ist. Der Mensch erlernt durch sein aufreibendes täghches Leben erst Dauerstreß. Wie soll ein Mensch, der sich unnatürhchem Streß entzieht, sich in seiner Person, seiner Ich-Identität verändern? Er gibt doch nur seine Streß-Sucht auf.
Das Entspannungstraining wird auch mit dem Argument abgelehnt
- "ich bin doch ruhig"
- "ich lege mich heber schlafen, das entspannt mich".
Das entspannende Verfahren ist eine Methode, die über die Entspannung hinaus das Leib-Seele-Geist-Geschehen in ein ausgewogenes Gleichgewicht bringt, eine Bedingung, die im Umgang mit dem Kranken absolut wichtig und notwendig ist. Das vermögen einfache Ruhe und Schlaf nicht zu vermitteln.
   
   
   
   
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Beachte:
   
   
   
   
Dem Asthma des Betroffenen ist nur beizukommen, wenn die Hauptbezugsperson täglich, schon frühmorgens, ihr autogenes Training bzw. die progressive Muskelentspannung durchführt. Die chronische Krankheit Asthma trifft nicht den Erkrankten allein, sondern sie verändert das System,
   
   
   
   
   
   
   
   
erfaßt auch die Hauptkontaktperson, ohne daß sie es bemerkt.
   
   
   
   
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Beachte:
   
   
   
   
Asthma ist eine Streßkrankheit.
Damit die Umgebung, speziell die Hauptkontaktperson, nicht durch den Asthmakranken permanent in Streßsituationen verwickelt wird und die Hauptbezugsperson, falls sie selbst streßbelastet sein sohte, nicht fortwährend Streß auf den Asthmakranken überträgt, ist es notwendig, daß die Bezugsperson täglich, schon morgens, ehe das "Streßleben" beginnt, ihr autogenes Training bzw. die progressive Muskelentspannung durchgeführt hat.
   
   
   
   
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Merke:
   
   
   
   
Kinder haben ein Recht auf ihre Gefühle, auch das asthmakranke Kind. Schreit das kranke Kind, ohne in Not zu sein, weil es etwas haben möchte oder sich langweilt, unwohl fühlt, so darf es nicht getröstet werden. Durch Schreien versucht es nämlich, selbst seinen Streß abzubauen. Würde man in dieser Situation das Kind ablenken, ihm etwas zu essen geben, so besteht die Gefahr, daß das Kind krank wird. Das Recht auf Gefühl gilt auch schon für den jungen Säugling.
Eltern dürfen sich in der Pflege ihres asthmakranken Kindes, insbesondere gilt das für die nächtlichen Schlafstörungen mit Asthma, nicht erschöpfen. Gutgemeinte Absichten und Handlungen der Eltern wenden sich unbemerkt in das Gegenteil um, unterhalten das Asthma des Kindes. Kann die Hauptkontaktperson ihr Verhalten nicht ändern, muß der Ehepartner helfen. Er sollte für eine begrenzte Zeit das kranke Kind versorgen. In besonders hartnäckigen Fällen ist auch ein stationäres Schlaftraining angezeigt. Daß ein chronisch krankes Kind, ebenso wie ein gesundes, seine Eltern fordert, tyrannisiert, liegt nicht an einer gestörten Kind-Eltern-Beziehung bzw. Eltern-Kind-Beziehung, sondern beruht auf alten, evolutionären, erblich festgelegten Programmen, und deshalb müssen Eltern auch ein derartiges Ansinnen ihres Säuglings, Kleinkindes, Schulkindes, selbst wenn es asthmakrank ist, ablehnen. Sind Hauptkontaktperson und asthmakrankes Kind in ihren Denk- und Verhaltensweisen sehr unterschiedlich, so treten ständige Konflikte auf. Sie lassen sich jedoch nicht durch logische Erklärungen und stundenlanges Reden seitens der Hauptkontaktperson lösen. Erst wenn es der Hauptkontaktperson gelingt, vorwiegend über die Gefühlsebene mit dem asthmakranken Kind zu kommunizieren, d. h. einen tiefen inneren Bezug zu ihrem Kind wiederzubekommen, lassen die Streitereien nach.
Das Entspannungstraining stellt eine Kraftquelle für die Kontaktperson dar, die es ihr ermöglicht, den gewiß nicht einfachen Weg der Heilung mit dem erkrankten Kind zu gehen. Bei Säuglingen und Kleinkindern, die asthmakrank sind, überträgt die Kontaktperson allein durch ihr Entspannungstraining Ruhe und Sicherheit auf das erkrankte Kind und fördert dadurch Gesundheit. Ältere Kinder, Jugendliche führen gemeinsam mit der Kontaktperson täglich ihr Entspannungstraining durch.
   
   
   
   
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Streß wird auf Dauer vermindert und besser bewältigt, wenn
- das asthmakranke Kind durch Schreien selbst seine Frustration abbaut und dabei nicht behindert wird
- sich die Eltern in der Pflege nicht mehr erschöpfen
- die Kontaktperson mit Ruhe und Sympathie auf das kranke Kind eingeht
- die Eltern sich gegen unberechtigte Forderungen ihres asthma­kranken Kindes liebevoll, konsequent wehren
- Kontaktperson und krankes Kind dann liebevoll zusammen sind, wenn beide auch wirklich Lust dazu haben
- die Kontaktperson täglich ein Entspannungstraining durchführt.
   
   
   
   
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3. Verstärker nicht auf Krankheit, sondern auf Gesundheit richten
Verhaltensweisen, durch die von den umgebenden Personen ungewollt und unbemerkt das Asthma unterhalten und verstärkt wird, sind zu erkennen und zu vermeiden. Stattdessen werden gezielt Verhaltensweisen, die Gesundheit fördern und erhalten, unterstützt.
   
   
   
   
   
   
   
   
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Verhaltensweisen, die Gesundheit fördern
"Das Asthma läuft unter den Augen aller ab, wird durch das Verhalten (fast) aller ständig verstärkt und keiner merkt es." (Stemmann)
Nach Skinner (s. 192) ist das richtige und genaue Beobachten des Verhaltens eine wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Herbeiführung von Verhaltensänderungen durch die Kontaktperson.
Beispiel:
Ein asthmakrankes Kind verlangt nach einem Spielzeug, das ihm verweigert wird. Es wird ganz unruhig, schreit heftig und fängt dann an zu husten. Sofort reicht die Kontaktperson dem kranken Kind das Spielzeug, damit sich sein Zustand nicht verschlimmert.
- Die Kontaktperson handelt aus ihrer Sicht heraus positiv für ihr krankes Kind, sie verhindert weitere Krankheit und weiteres Leid.
- Das kranke Kind macht eine völlig andere Erfahrung, nämlich, daß Husten eingesetzt werden muß, will man das ersehnte Ziel erreichen.
   
   
   
   
das asthmakranke Kind,
   
   
   
   
_ es will ein Spielzeug haben___
   
   
   
   
   
es zeigt auf das Spielzeu es wird ganz unruhig es schreit
   
I
Reaktionen werden nicht beachtet und dadurch nicht verstärkt
die Kontaktperson verstärkt, reicht sofort das Spielzeug
   
   
es hustet.
   
   
   
   
das asthmakranke Kind spielt
   
   
   
   
   
Der Hustenreiz, das asthmatische Symptom, wird somit belohnt. Hat das asthmakranke Kind mehrfach bewußt dieselbe Erfahrung gemacht, so wird seine Verhaltensweise im Unterbewußtsein verankert. Das asthmakranke Kind wird in ähnlichen Situationen künftighin unbewußt dieselbe erfolgreiche Taktik anwenden - und husten müssen! (selbst wenn es bewußt nicht husten möchte). Der Vorgang ist vergleichbar dem Schalten beim Autofahren. Zunächst legt der Fahrer bewußt die Gänge ein und danach, wenn das mehrfach geschehen ist, geschieht alles automatisch, unbewußt. In schwierigen Situationen, z. B. bei einem Bremsmanoever, hat er bereits unbewußt den Gang heruntergeschaltet, noch ehe ihm der Vorgang bewußt wird. Die Hauptkontaktperson, die unbewußt und natürlich ungewollt stets perfekt asthmatische Symptome ihres kranken Kindes verstärkt, muß lernen, künftighin sich anders zu verhalten. In Zukunft soll gesundes Verhalten des kranken Kindes verstärkt werden:
- Immer dann, wenn das kranke Kind eine Aufgabe gemeistert hat, ohne asthmatisch zu reagieren, folgt die Belohnung.
   
   
   
   
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xlas asthmatische Kind, \r--es will ein Spielzeug haben —
   
   
   
   
--es zeigt auf das Spielzeug ^ es wird ganz unruhig ■v. es schreit
   
}
   
Reaktionen werden nicht beachtet und dadurch nicht verstärkt
   
   
es hustet
   
   
es holt sich das -Spielzeug selbst
   
r^-die Kontaktperson verstärkt,
lobt
sofort das Kind
   
   
   
   
das asthmakranke Kind spielt
   
   
   
   
Zu beachten ist, daß der Zeitraum zwischen dem Verhalten des Kindes und dem Verstärken durch die Hauptbezugsperson so kurz wie möghch gehalten werden muß. Verstärker sind vor allem Lob, und danach genügt die Phantasie des kranken Kindes, daß im Falle eigener, erfolgreicher Handlungen selbst die Vorstellung von Lob, d. h. Eigenlob, erzeugt (192). Um ein derartiges Verhalten konsequent, zunächst auch vorwiegend bewußt umsetzen zu können, ehe es unbewußt verankert ist, benötigt die Kontaktperson die Unterstützung ihres Unterbewußtseins, das sie in Form des täglichen Entspannungstrainings aktiviert. Es ist vor allem das Unbewußte, das ihr mitteilt, was gesund ist und aktiviert, verstärkt werden muß.
   
   
   
   
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Versteckte Vorteile müssen entfallen
   
   
   
   
Schon mehrfach wurde die Frage gestellt, wie gelingt es der chronischen Krankheit, sich selbst zu erhalten. Warum wird Selbstheilung verhindert?
Wenn man einem Akutkranken hilft, so tut man eine gute Tat und wird allein dadurch entlohnt. Ähnliche Gefühle empfindet eine Person, die einen Asthmakranken betreut, noch in viel stärkerem Maße. Sie wird für den chronisch Kranken äußerst wichtig und scheinbar unentbehrlich.
Die liebevolle Unterstützung des Akutkranken fördert seine Gesundheit - doch beim chronisch Asthmakranken verkehrt sich die aufopfernde Hilfe leider für alle unbemerkt, schleichend, allmählich in das Gegenteil. Der Betroffene, das ist seiner Umgebung nicht bekannt, glaubt nämlich bald, ohne fremde Hilfe ahein nicht überlebensfähig zu sein. Er verlangt stets nach Hilfe, die ihm auch prompt gewährt wird. Er kann keine eigenen Erfahrungen mehr erwerben, er wird abhängig, hilflos, er verliert seine Autonomie und bleibt asthmakrank. Versteckte Vorteile durch das Gefühl, vom Kranken benötigt zu werden, selbst wenn die Vorteile bewußt unerwünscht sind, führen dazu, daß die Kontaktperson im Umgang mit ihrem kranken Kind ihr Verhalten nicht ändern kann, weil der Prozeß durch den positiven Verstärker fixiert ist. Wenn die Kontaktperson verstanden hat, daß sie ihr Verhalten im Umgang mit dem Asthmakranken verändern muß und es doch nicht tut, so muß sie nach dem positiven Verstärker suchen und ihn beseitigen. Erst danach sind Verhaltensänderungen möghch. Zu fragen ist: wem helfe ich, dem Asthmakranken oder mir selbst?
Es ist ein hohes Ziel für alle Beteihgten, die Selbstheilungsbemühungen des Asthmakranken zu fördern. Das geht nicht ohne Verhaltensänderungen im Umgang mit dem Kranken, insbesondere durch die Kontaktperson. Allerdings muß sie dafür zeithch begrenzt (bis der Kranke gesund ist) einen Preis zahlen - sie verspürt oft ein schlechtes Gewissen und leidet, wenn sie dem Kranken nicht hilft, sondern ihn selbst gewähren läßt. Dennoch wird sie reich belohnt werden - durch die Gesundheit ihres Kindes, an der sie aktiv mitgewirkt hat. Es gilt, das hohe Ziel - Gesundheit - zu erreichen. Dem ordnen sich ahe freiwillig unter.
   
   
   
   
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Beachte:
   
   
   
   
Die Hauptbezugsperson verstärkt perfekt, selbstverständlich ungewollt und unbewußt, das Asthma des Betroffenen. Sie kann handeln, wie sie will, letztlich wird sie, so unglaublich es auch klingt, das Asthma verstärken. Die Kontaktperson kann allein willentlich oder durch logisches Denken ihr Verhalten nicht ändern. Wie ist ihr zu helfen? Hilfe geschieht in zwei Schritten:
- Den ersten Schritt muß die Kontaktperson selbst einleiten, indem sie täglich, schon früh morgens, das autogene Training oder die progressive Muskelentspannung absolviert. Mit Hilfe dieses speziellen Trainings wird es ihr künftighin gelingen, was zuvor willentlich nicht möglich war (weil die Verhaltensweisen unbewußt geschehen), nämlich ihr Verhalten so zu ändern, daß sie künftighin (unbewußt) Gesundheit fördert.
- Der zweite Schritt geschieht mit Hilfe des Therapeuten. Er muß der Kontaktperson die versteckten Verstärker, die das Asthma unterhalten, zeigen, er muß sie "sehend" machen. Unter Anleitung übt dann der Therapeut mit der Kontaktperson, zunächst bewußt auf einzelne typische Lebenssituationen bezogen, das Asthma nicht zu verstärken und Gesundheit zu belohnen - ein Verhalten, das, wird es konsequent befolgt, dann späterhin unbewußt ausgeführt wird.
   
   
   
   
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Beachte:
   
   
   
   
Ein Mensch trifft in seinem Verhalten in jedem Augenblick die für ihn jeweils beste Wahl - nicht die jeweils objektiv beste Wahl - (238). Wenn daher die Kontaktperson dem Asthmakranken fortwährend hilft, so ist das für sie in ihrer Lebenssituation das Optimale, selbst wenn dadurch das Asthma des Betroffenen ungewollt verstärkt bzw. unterhalten wird. Durch ihr Verhalten bekommt die Hauptkontaktperson das, was sie benötigt - es ist ein unbewußtes Verhalten und unter den gegebenen Umständen der chronischen Krankheit das beste. Damit die Kontaktperson ihr Verhalten ändern kann, ist Wirkungsvolleres an die Stelle des Besten zu setzen. Es ist z. B. das hohe Ziel, das kranke Kind nach jahrelanger aufopfernder Pflege mit Verzicht auf eigene Bedürfnisse gesund zu bekommen, für das sich eine Verhaltensänderung seitens der Kontaktperson lohnt.
   
   
   
   
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Merke:
   
   
   
   
Dem Asthmakranken wird stets durch seine Umgebung geholfen, wenn er Krankheitssymptome zeigt, und dadurch werden leider asthmatische Beschwerden unterhalten, Gesundheit hingegen nicht gefördert. Derartige Verhaltensweisen der umgebenden Personen laufen instinktiv, reflexmäßig, unbewußt ab und sind nur schwer zu verändern. Die Umgebung muß deshalb zuerst einmal durch genaue Beobachtung lernen zu erkennen, daß sie in der Tat (unbeabsichtigt) das Asthma des Betroffenen verstärkt. Erst danach kann sie bewußt durch neue Verhaltensweisen die Gesundheit des Betroffenen unterstützen, die dann auch wieder unterbewußt verankert werden müssen. Dem Betroffenen zu helfen, erzeugt bei der Umgebung ein angenehmes Gefühl (selbst wenn es unerwünscht ist). Dieses positive Gefühl ist dann zumeist der Grund dafür, daß die Umgebung, insbesondere die Kontaktperson, ihr Verhalten im Umgang mit dem Betroffenen nicht ändern kann, der dadurch weiter krank gehalten wird. Es gilt die Selbstheilungsbemühungen des Asthmakranken zu fördern - durch Nicht-Tun der Kontaktperson. Nicht-Tun heißt aus Sicht der Kontaktperson, daß sie dem Asthmakranken die Möglichkeit gibt, selbst Eigeninitiative zu entwickeln, selbst Veränderungen herbeizuführen und Erfolge als eigene zu erleben. Die Freude an Fortschritten, die das kranke Kind auf dem Weg zu Heilung macht, entlohnt für Leid, das die Kontaktperson zeitlich begrenzt erleiden muß, wenn sie ihr Verhalten im Umgang mit dem Asthmakranken ändert und nicht mehr wie gewohnt, stets helfend eingreift.
   
   
   
   
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Die umgebenden Personen müssen lernen
- Verstärker, die Asthma ungewollt fördern, künftighin zu vermeiden
und stattdessen
- Verstärker, die der Gesundheit dienen, zunächst bewußt, gezielt, später unbewußt einzusetzen.
   
   
   
   
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4. Sicherheit
   
   
   
   
Eine liebevolle, konsequente Erziehung, die auf Überleben ausgerichtet ist, bietet Sicherheit, und die Familie garantiert Schutz.
   
   
   
   
   
   
   
   
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Liebevolle, konsequente Erziehung
Um ein krankes Kind liebevoll und konsequent erziehen zu können und um darzulegen, was darunter zu verstehen ist, wird zunächst ein allgemeiner Überbhck über Erziehung und Gesellschaft vorangestellt.
Nach Pelzer (zit., 199) haben sich in den letzten Jahrzehnten in vielen Bereichen der modernen Industriegesellschaft die Lebensformen und Vorstellungen gewandelt. Menschliche Beziehungen sind immer komplizierter und problematischer geworden. Eltern und Kinder sind heute einer Vielzahl von zum Teil widersprüchlichen Erziehungsempfehlungen ausgesetzt. Eltern haben heute mehr mit sich zu tun als früher. Viele sind Alleinerziehende. Oft hatten Eltern als Kind nicht die Gelegenheit, da sie selbst keine Geschwister besaßen, im Umgang mit diesen erzieherische Fähigkeiten zu üben und zu erwerben. Erziehung scheint vielen lebensfeindlich, unterdrückend oder fremdbestimmend zu sein. Erziehung aus dieser Sicht ist eine Tortur für Kinder. Ein Verdacht beherrscht den eigenen lebensgeschichtlichen Rückblick des Erwachsenen "als Kind wurde etwas Negatives mit mir gemacht". Erziehung erscheint als Zwang- es wurde ständig verboten, beschnitten, gezwungen - und Zwang verursacht Leid. Also müßte doch die Erziehung, der Umgang mit meinem Kind, darauf abzielen, Zwang zu meiden, um dadurch Leid zu verhindern, insbesondere, wenn es sich noch dazu um ein asthmakrankes Kind handelt. Ist dies die rechte Form der Erziehung?
- Kant, war der Meinung, daß der Mensch ein schwieriges Wesen sei und das Rechte und Gute nicht von heute auf morgen tue, sondern erst mühsam erlernen müsse, wozu Zwang nötig sei.
- Horkheimer vertritt die Ansicht, daß die Entwicklung des Menschen vom Naturwesen zum Mitglied der Gesellschaft eine unendlich abgekürzte, wenn auch veränderte Wiederholung eines jahrtausendelangen zivilisatorischen Prozesses ist, aus dem Zwang nicht wegzudenken ist.
Im Vergleich zu den vorausgegangenen Generationen ist der Umgang mit Kindern heute entkrampfter und gelöster geworden, was als positiv zu werten ist.
- Nach Postman wird der Abstand der Generationen immer enger, was sich auch nachteilig auswirken kann, wenn die Gesellschaft sich auf ein Leben auf der Stufe eines zwölfjährigen einpendelt und auf diesem Niveau sich "zu Tode" amüsiert.
Einen Sohn oder eine Tochter zu haben, bedeutet Lust am bloßen Dasein eines anderen, und diese Lust hat keinen anderen Sinn und keinen anderen Zweck als sich selbst.
- Nach Adorno bedeutet sie Nähe in Distanz, Nähe, die aber nicht zu sehr zu Leibe rückt -Distanz, die nicht kalt ist.
Das bloße Dasein des Kindes findet in der Liebe seiner Eltern seine Anerkennung.
Nach Sloterdijk ist der Mensch in wesenthchen Fragen des Lebens Autodidakt geworden.
Erziehung ist schwer geworden, weil
- zum einen die allgemeine Übereinstimmung fehlt, in der klar ist, was unter Erziehung zu verstehen ist
- zum anderen Erziehung mit Leid verbunden ist. Wer mit Kindern lebt, schafft Leiden. Erziehung muß auch vor dem Hintergrund betrachtet werden, in dem die Gesellschaft lebt.
- Naturvölker wußten genau, welche Anforderungen das Leben an den Menschen stellt. Sie kannten die Lebensbelastungen, die den Heranwachsenden zusetzen würden. Von dieser Kenntnis rühren die grausamen und schmerzlichen Riten und Übungen her, die die Heranwachsenden bestehen mußten, um in die erwachsene Gesellschaft aufgenommen zu werden.
Nach Beck lebt der heutige Mensch in einem Zeitalter der Verunsicherung, die an den Eckpfeilern der Gesellschaft rüttelt.
   
   
   
   
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- Die erste moderne Periode mit der Vorstellung einer industriell organisierten Arbeit und Kleinfamilie hat sich durchgesetzt und dann aufgelöst.
- Die Generation der achtundsechziger Jahre veränderte althergebrachte Sozialstrukturen und Verhaltensweisen in Richtung mehr Freiheit und Verwirklichung für alle, was sich auch in der antiautoritären Erziehung zeigte.
- Die jetzt 21 - 31jährigen erlebten eine Zeit, in der persönliche Freiräume, materieller Reichtum und individuelle Entwicklungschancen im Überfluß vorhanden waren. Doch in den späten siebziger und frühen achtziger Jahren folgte die "no future-Zeit" mit ihren Themen Umweltzerstörung, Atomkraftdiskussion, Friedensbewegung.
Die Studie des Jugendwerkes des "Deutschen Shell" notiert nach Geist für das Jahr 1981 Zukunftspessimismus und Untergangsstimmung unter den Jüngeren ( und in der Bevölkerung). Der Beginn der neunziger Jahre wurde also geprägt durch Unberechenbarkeit und Unsicherheit in der eigenen Lebensplanung.
- Am Arbeitsplatz:
- im Laufe des Strukturwandels werden Arbeitsplätze abgebaut
- in den Betrieben weiß man nicht mehr, wie Arbeitsprozesse organisiert werden sollen, angesichts der neuen technischen Möglichkeiten.
- Im privaten Bereich:
- nur noch die Hälfte der Erwachsenen heiratet
- ein Drittel aller Ehen wird geschieden
- es ist unklar, nach welchem Muster ein Alltag in einer Familie funktionieren soll, in dem zwei selbständige Personen zugleich berufliche und familiäre Verpflichtungen verein­baren müssen.
Heute lebt der Mensch in einer Gesellschaft, in der er zu großer Kreativität und Improvisation in fast allen Lebensbereichen gezwungen ist. Die Uneinheitlichkeit dieser Generationen beinhaltet dann auch so unterschiedliche Ansichten und Verhaltensweisen wie
das Festhalten an vorgegebenen Zielen - das Streben nach einer lustvollen Gegenwart
die Abwendung von großen sozialen - das Hinwenden zu Nachbarschaftsinitiativen Parteien, Vereinen mit diffusen Zielen für konkrete Anliegen
Das eigene Leben besitzt keine Sicherheiten mehr. Verlust der Arbeit, Scheidung, Krankheit bedeutet oft Ausschluß aus wesentlichen Bereichen des gesellschaftlichen Systems. Der moderne Mensch ist gezwungen, aufgrund eigener Entscheidungen, die dann auch als Risiko auf ihn zurückfallen können, sein Leben zu führen - was Angst hervorruft. In dem Maße, wie sich die politischen und individualistischen Rechte des Bürgers durchgesetzt haben, lösten sich die Übereinstimmung und Gleichheiten der Gesellschaft auf. Jeder glaubt, er sei eine Ausnahme. Die individuellen Autonomieansprüche muß der Mensch ausleben. Selbstverwirklichung heißt dabei nicht, sich allein in das Zentrum zu stellen, sondern auch, sich öffnen für andere und Verantwortung zeigen.
Die Erziehung des chronisch kranken Kindes fragt (nach Meinung des Autors) nicht so sehr nach
- soll ich das kranke Kind zwingen?
- soll ich das kranke Kind lassen?
Der Erziehungsstil muß sich nicht zwischen autoritär und antiautoritär entscheiden. Der Erziehungsstil wird allein dadurch bestimmt, wie seine Auswirkungen auf Gefühl und Denken, auf die Funktion der Abwehr und der Bronchien sind.
   
   
   
   
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- Die Erziehung des kranken Kindes verfolgt das Ziel, daß das Kind wieder Gesundheit erlangt, und das gelingt nur durch eine
- hebevolle und konsequente Erziehung, die den Menschen dazu befähigt, zu überleben. Erziehung in diesem Sinne heißt, ein Kind auf das zukünftige Leben vorbereiten, es auszubilden, was nicht ohne zeitweihge Freude und Leid, Lassen und Zwingen, möglich ist.
Die Angehörigen des kranken Kindes sollten nicht erwarten, daß für jedes Erziehungsproblem das passende Lösungsrezept angeboten wird. Vielmehr wird eine erzieherische Grundhaltung vermittelt, die das Kind befähigt, in seiner Umwelt in Gesundheit zu überleben.
   
   
   
   
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Es gibt keine Erziehung ohne Fehler
Als Eltern möchte man sein Kind und das gilt ganz besonders für ein chronisch krankes Kind, optimal erziehen. Man möchte ihm die negativen Erlebnisse, die man als Kind selbst erlebt hat, gern ersparen. Erstaunt stellt man dann einerseits fest, daß man sein Kind genauso erzieht, wie man selbst erzogen worden ist oder man neigt andererseits dazu, dem Kind immer nachzugeben, damit es keine unangenehmen Gefühle erleidet. Die Eltern sollten sich fragen, ob Erziehungsfehler für ihr eigenes Leben Bedeutung gehabt, Schaden angerichtet haben oder ob sie sich nur negativ gegenüber den zumeist positiv erfahrenen erzieherischen Maßnahmen herausheben und darstellen, was in letzterem Falle normal wäre. Der Erziehende muß sich darüber im Klaren sein, daß es eine Erziehung ohne "Fehler" nicht gibt. Selbst wenn er sich seinem Kinde immer positiv gegenüber verhalten würde, das Kind könnte es aus seiner Sicht doch als negativ wahrnehmen. Eine derartige Erkenntnis soll den Erziehenden von dem Druck befreien, in der Erziehung des Asthmakranken alles richtig machen zu müssen. Die konsequente und liebevolle Erziehung, gepaart mit Geduld und innerer Ruhe, läßt sich nur umsetzen, wenn die Eltern
- das Ziel ihrer Erziehung definieren. Es geht um das Überleben. Die Erziehung hat also das
Kind so zu beeinflussen, daß es Autonomie erlangt. Konsequent und liebevoll können Eltern nur sein, wenn sie das einmal Begonnene auch zu Ende führen.
Erziehung des asthmakranken Kindes tut not, Erziehung heißt führen und leiten, auf das spätere Leben vorbereiten und bedeutet nicht, den Willen des Kindes zu brechen oder Machtmißbrauch von Seiten der Eltern.
   
   
   
   
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Förderung der Entwicklung des Säuglings und Kleinkindes
   
   
   
   
Förderung des Säuglings und Kleinkinds umfaßt die Entwicklung und Entfaltung angelegter Fähigkeiten im körperlichen, intelektuellen und emotionalen Bereich. Bei normalem Nahrungsangebot ist damit auch ein normales Wachstum garantiert. Säughng und Kleinkind haben Grundbedürfnisse. Sie beinhalten (123):
- das Streben nach fester Zugehörigkeit
- Erkunden, Spielen, spielerisches Nachahmen
- das Entwickeln eigener Initiativen
- den Wunsch nach Erhaltenbleiben von geknüpften Beziehungen. Zugehörigkeit
Zuerst verlangt der wache Säugling nach der Anwesenheit einer betreuenden Person. Nach und nach entwickelt dann der Säughng das Bedürfnis, von einer Hauptbezugsperson versorgt zu werden, d. h. der leiblichen Mutter, Adoptiv- oder Pflegemutter bzw. dem leiblichen Vater, Adoptiv- oder Pflegevater. Wer zur Hauptbezugsperson wird, entscheidet sich in einem prägungsähnlichen Lernprozeß; der Säughng bindet sich an die Person, die ihn regelmäßig betreut und auf seine Verhaltensinitiativen antwortet. Im täghchen Aufeinander-Eingehen entwickelt sich zwischen dem Säugling und seiner Hauptbezugsperson ein Gefühl von Geborgenheit und Zusammengehörigkeit. Indem die Hauptbezugsperson den Säugling annimmt, wächst in dem Säughng das Gefühl der Sicherheit und des eigenen Wertes. Ohne diese Interaktion entsteht keine Bindung.
Kinder, die in ihrem frühkindhchen Alter eine stabile, verläßliche Bezugsperson gehabt haben, entwickeln sich zu gesunden Erwachsenen (289).
Im zweiten Lebensjahr, d. h. zu Beginn der Kleinkindzeit lösen fremde Personen Angst aus. Die Gegenwart der Hauptbezugsperson mindert die Angst und symbolisiert Geborgenheit. Das Gefühl fremd = angsterregend ist das normale Resultat der biologischen Reifung. Hat sich ein Säughng zuvor an keine Person fest binden können, so besitzen in diesem Alter (des Kleinkinds) alle Personen den Charakter der Fremdheit, d. h. dieses Kleinkind erleidet in seinen mitmenschlichen Kontakten wesenthch mehr angsterregende Momente als ein individuell fest gebundener Säughng bzw. ein Kleinkind im Rahmen einer Familie.
Erkunden, Spielen, Nachahmen
Erkunden, Spielen und spielerisches Nachahmen verbinden sich mit phantasievollem Neukombinieren von Erlerntem. Durch Erfahrung erfolgen die grundlegenden Schritte des
- Selbständigwerdens
- Kennenlernens der Umwelt
- Sprecherlernens
- Denkens.
Der gesamte Bereich - Erkunden, Spielen, Nachahmen - wird durch Angst unterdrückt. Ein nicht vorhandener oder schwacher Bindungsprozeß oder ein mehrmaliger Verlust des Bindungspartners läßt vielfach in den darauffolgenden Jahren das Erkundungs-, Neugier- und Spielverhalten nicht zur vollen Entwicklung kommen. Das funktionelle Bindeghed ist die Angst, denn keine fest zugehörige Hauptbezugsperson bedeutet zugleich fehlende Sicherheit.
- Bindungsschwäche - Angsthintergrund - Hemmung der Entwicklung -
Initiativen
Wichtig ist, daß die Hauptbezugsperson (aber auch andere) auf Eigeninitiativen des Säughngs und Kleinkinds reagieren. Unmittelbar nach Eigeninitiativen sind Aufmerksamkeit und Lern vermögen des Säuglings und Kleinkinds erhöht. Werden Eigeninitiativen von der
   
   
   
   
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Bezugsperson gefördert, so bedeutet das Weiterentwicklung. Nichtbeachten führt hingegen zur Unterdrückung von Eigeninitiativen.
   
   
   
   
Bindungserhalt
Säuglinge, Kleinkinder und selbst Erwachsene haben ein Bedürfnis nach Zugehörigkeit, d. h. einmal entstandene Bindungen sollen erhalten bleiben. Die Konstanz und Kontinuität in mitmenschlichen Beziehungen soll für das ganze Leben gelten. Die schwerste Belastung ist aus dieser Sicht der Verlust des Menschen, dem man sich am engsten zugehörig fühlt.
   
   
   
   
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Erziehung des asthmakranken Kindes
Wie sollen Eltern ein asthmakrankes Kind konsequent und liebevoll erziehen, wenn das Kind
- nicht hört
- eigensinnig ist
- gesundheitliche Maßnahmen verweigert,
und dann bei der Zurechtweisung durch die Eltern asthmatisch reagiert? Dagegen sind die Eltern machtlos. Aber erst die Krankheit, das Asthma hat sie hilflos werden lassen, weil das kranke Kind dann Asthma bekommt, wenn Erziehung beginnen soll.
Die Eltern können davon ausgehen, daß das kranke Kind weiß, wenn es sich fehlverhält. Dieses Wissen ist durch die Evolution vermittelt. Alle Kinder besitzen dieses Wissen. Ansonsten wäre Erziehung nicht möglich, weil ja ständig mit einem Seelenschaden zu rechnen wäre, wenn das Kind erzieherisch korrigiert wird. Im Gegenteil, die Kinder verlangen sogar Korrektur von ihren Eltern, sie ist ein Zeichen dafür, daß sie von ihren Eltern geliebt und ernst genommen werden. Sollte durch die erzieherische Korrektur Asthma ausgelöst werden, so ist das generell von untergeordneter Bedeutung; in schweren Fällen werden Medikamente verabreicht und die Atemnot coupiert. Wichtig ist nur, daß das kranke Kind lernt, sich Anweisungen durch seine Eltern zu fügen, ohne asthmatisch zu reagieren. Die Eltern bereiten so das Kind auf das spätere Leben vor, in dem immer wieder einmal etwas gegen die Interessen des Einzelnen geschieht und der Betroffene sich anpassen muß. Hat das Kind erfahren, daß seine Eltern konsequent sind, so wird es sein Verhalten ändern und damit entfällt für die Zukunft ein Teil der asthmatischen Beschwerden.
- Konsequenzen der Eltern in der Erziehung vereinfachen das Leben für das asthmakranke Kind, denn es kann aufgrund der klaren Richtlinien seine Chancen besser ausloten und wahrnehmen.
Erleichtert wird die konsequente und liebevolle Erziehung,
- wenn die Struktur des Alltags klar abgesprochen ist. Es gibt Anweisungen, wann
- aufgestanden oder ins Bett gegangen wird
- gegessen oder gespielt wird
- gearbeitet wird oder Freizeit angesagt ist.
Damit die Struktur nicht zu starr ist, können auch Ausnahmen gewährt werden, etwa am Wochende, im Urlaub. Eltern, die ihre Kinder so erziehen, erscheinen als hart und gefühlsarm-Tatsächlich, und das ist letztlich entscheidend, strafen sie ihre Kinder weniger als Eltern, die den Kindern keine Struktur vorgeben. Leben die Kinder dann nach ihrem Gutdünken, so kollidiert das häufig mit den Interessen der Eltern, und Streitereien und Strafen sind die Folge. Die Erziehung kann liebevoll sein, wenn die Eltern ihr Kind in einer ganz besonderen Weise sehen:
- Es reicht nicht, das Kind so zu lieben, wie man sich selbst liebt, viel wichtiger ist es
- das Kind so zu lieben, als man sich selbst liebt, nämlich als einen Menschen, als ein ganz besonderes, einmaliges Wesen.
   
   
   
   
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Das Kind hat ein Recht auf Gefahr
Ein Kind hat ein Recht auf das volle Risiko des Lebens, und dieses Recht gilt für das asthmakranke Kind gleichermaßen (96):
- Kinder sind gefährdet, wenn man sie selbständig handeln und spielen läßt.
- Kinder sind vom Verkehr bedroht, wenn sie draußen spielen.
- Kinder können von Bäumen herunterfallen, wenn sie darauf klettern.
- Kinder können mit einem Roller, Dreirad, Fahrrad stürzen, wenn sie den Umgang damit erlernen.
- Kinder können sich mit Krankheitserregern anstecken, wenn sie Kontakt mit anderen Kindern haben.
- Kinder können sich erkälten, wenn sie im Wasser plantschen oder barfüßig umherlaufen.
- usw.
Kinder, und es sei nochmals wiederholt, auch die kranken, haben ein Recht auf Gefahren, die ein freies Kinderleben mit sich bringen.
Insbesondere, wenn ein Kind Asthma hat, wird es zumeist überbehütet:
- das Kind wird von anderen Kindern isohert
- spielt es mit anderen, wird jeder seiner Schritte überwacht.
Durch ein derartiges Verhalten der Kontaktpersonen läßt sich das Asthma des Kindes zum Teil gut steuern, mit einem normalen Leben von Eltern und Kind hat das aber nichts mehr zu tun. Hält man das kranke Kind von ahen Gefahren fern, so kann es keinen eigenen Instinkt für die Gefahr entwickeln, und das Ergebnis ist extrem unbefriedigend.
Was ist den Eltern des kranken Kindes zu raten? Sie sollten dem kranken Kind zutrauen, daß es ebenso wie das gesunde Kind Gefahren beherrschen lernt oder sie meidet. Vertrauen in die Fähigkeiten des kranken Kindes von Seiten der Eltern bedeutet aber auch eine reahstische Abschätzung des Risikos.
   
   
   
   
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Aufbauende Kritik oder Förderung positiver Eigenschaften?
Heute wird in der Gesellschaft zu oft kritisiert und zu wenig gelobt. Somit wachsen viele Kinder und Jugendliche in einer Umgebung auf, in der die Betonung auf "aufbauende Kritik" liegt. Es ist eigentlich nur eine Verbrämung des Suchens nach Fehlern. Die Eigenschaft, bei anderen nach Fehlern zu suchen, ist ein Phänomen, das die Gesellschaft trifft - beurteilen und selbst beurteilt werden.
Hast du...? Kannst du ...? Willst du nicht...?
Diese Sätze sollten aufgegeben werden, sie kränken den Betroffenen nur, weil in ihnen zum Ausdruck kommt, daß der Betroffene, so wie er ist, nicht akzeptiert wird. Stattdessen wäre es viel besser, den Betroffenen erst einmal so anzunehmen, wie er sich darstellt. Es fällt dann leichter, sich auf die Vorteile, die der Betreffende aufweist, zu konzentrieren. Werden die Fähigkeiten gefördert und weiten sie sich aus, so nehmen zwangsläufig die Schwächen, die der Betreffende auch besitzt, ab.
Die neue Denkart sollte die Kontaktperson generell auch auf sich selbst und andere anwenden. Sie lernt dadurch, sich selbst besser zu akzeptieren, ebenso wie den Ehepartner, die Kinder, Freunde oder auch Fremde.
   
   
   
   
   
   
   
   
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Der Jugendliche
   
   
   
   
Der an Asthma leidende Jugendliche (zitiert nach Scharpwinkel) hat fast immer schon als Kind unter Asthma gehtten.
- Als Jugendhcher muß er sich verselbständigen, was schon dem Gesunden schwer fällt. Durch sein Asthma gerät der Betroffene immer wieder in die versorgende Abhängigkeit seiner Umgebung, von Mutter und Vater, von denen er sich eigentlich lösen sollte.
Eltern müssen wissen, welche körperhchen und emotionalen Umstehungen in dieser Zeit geschehen, d. h. vom 10. bis 18. Lebensjahr, wollen sie dem asthmakranken Jugendlichen helfen!
Es ist die Zeit des Fortschritts, aber auch Verhaltensweisen, die an frühere Entwicklungsphasen erinnern, treten wieder auf:
- kaum zu stihender Hunger
- Unzufriedenheit über das, was auf dem Tisch steht
- Habenwollen ohne Gegenleistung
- nicht Waschen und nicht Aufräumen
- verbale und tätliche Auswüchse.
Der Junge lehnt zunächst alles Weibliche ab und identifiziert sich mit dem Vater. Die Freunde, die Gruppe, die Bande werden wichtig.
Das Mädchen versucht, sich von der Mutter zu lösen mit Hilfe einer Lehrerin, einer Tante, der Mutter einer Mitschülerin, die sie anhimmelt und die ahes viel besser kann als die eigene Mutter. In diese Zeit fällt auch die besondere Kleiderwahl, die viele Eltern erschrecken läßt. Die neuen Freunde müssen den Idealvorstehungen des Jugendhchen entsprechen. Ist das nicht der Fall, werden sie sehr schnell fallengelassen.
Durch den Rückzug von den Elternfiguren, deren Wert- und Moralvorstehungen, wird der Jugendhche stark belastet. Das zeigt sich vorübergehend in seiner Antriebsarmut. Anna Freud hat die Befindlichkeiten des Jugendhchen so beschrieben:
- egoistisch, aber auch zur Hingabe bereit
- geht in die Gemeinschaft auf, sucht aber auch Einsamkeit
- schheßt Freundschaften und gibt sie auf
- unterwirft sich dem selbstgewählten Führer, ist gegen jede Autorität
- ist eigennützig, aber auch von hohem Ideahsmus
- ist asketisch, befriedigt seine primitiven Triebe
- verhält sich grob und rücksichtslos gegen andere, reagiert aber auf Kränkungen sehr empfindlich
- die Stimmung schwankt zwischen Optimismus und tiefem Weltschmerz
- seine Einstellung zur Arbeit schwankt zwischen Enthusiasmus und Interessenlosigkeit. Wenn sich der Jugendhche verhebt, läßt er freundliche, zärthche Gefühle und auch andere Ansichten zu. Er wird höflicher.
Mit Fortschreiten der Entwicklung fallen folgende Verhaltensweisen auf, wie
- Verzicht auf elementare Befriedigungen
- exzessives körperhches Training
- stundenlange Diskussion
- Grübeln über Abstraktes.
Nachdem der Jugendliche diese heftigen Gefühle und hormonal bedingten körperlichen Veränderungen durchlaufen hat, befindet er sich im Einklang mit sich selbst. Er ist jetzt wer. Er kann Alleinsein aushalten. Er traut sich zu, weitere Schritte zu vohziehen, wie einen Beruf lernen oder eine Familie zu gründen.
Das Bewußtsein der Übereinstimmung mit sich selbst ist bedingt durch äußere und innere Gegebenheiten (127), durch
   
   
   
   
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- die Rollen und Aufgaben, die der Betreffende innerhalb einer sozialen Gemeinschaft innehat, in denen bestimmte Erwartungen seiner Umwelt zum Ausdruck kommen
- das, was der Betreffende von sich selbst weiß und denkt.
Diese Polarität verleiht dem Identitätsgefühl seine Stabilität. Ändern sich die äußeren Umstände total, so kann sich der Betreffende von seinem Selbstverständnis getragen fühlen, und umgekehrt können äußere Erwartungen den Betreffenden halten, wenn er innerlich zerrissen ist. Doch soweit ist der Jugendliche zunächst noch nicht. Erst über die Identitätskrise findet er zu seiner Identität. Die Identitätskrise in der Pubertät rührt daher, daß das Selbstverständnis des Betreffenden in zweierlei Hinsicht in Frage gestellt ist:
- Das Kind sieht sich als Teil seiner Familie und bezieht Sicherheit und Selbstvertrauen durch die Zugehörigkeit zu ihr. Es sieht sich mit den Augen seiner Eltern, vielleicht als braves Kind, böses Kind, krankes Kind. Was der Jugendliche nun erlebt, kann er nicht mehr mit der Sichtweise seiner Eltern vereinbaren. Wenn aber die Vorstellungen der Eltern nicht mehr gelten, gerät eine Säule der Identität ins Wanken, denn die Familie ist die primäre Außeninstanz.
- Auf sich selbst kann der Jugendliche nicht mehr bauen. Er erlebt neue, widerstreitende Gefühle und Gedanken und dementsprechend verhält er sich ja auch. Die zweite Säule, das eigene Selbstbild, steht nicht mehr auf solidem Grund.
Der Jugendliche kann seine Autonomie und Identität nur dadurch gewinnen, daß er "Konflikte internalisieren und tolerieren lernt", d. h. der Jugendliche muß die Widersprüche, die ihm von außen und von seinem Inneren her begegnen, als einen Bestandteil des Lebens anerkennen. Er selbst steht im Mittelpunkt dieser Widersprüche. Er muß begreifen, daß Altes hinter sich lassen und Neues hinzugewinnen Werden, Entwicklung, Zukunft bedeutet. Dabei bleibt er sich treu, indem er sich als veränderlich und widersprüchlich akzeptiert.
Die Wanderschaft war früher das äußere Zeichen für den Werdenden, etwas, was heute zumeist innerüch vollzogen werden muß, insbesondere, wenn der Jugendliche unter Asthma leidet.
Der Jugendliche muß lernen und bereit sein
- Ungewißheit zu ertragen
- sich auf Experimente einzulassen
- Fehlschläge hinzunehmen.
Erst aus Fehlschlägen erhält der Betreffende die Zuversicht, daß Konflikte kein Zeichen von Schwäche sind, sondern die Grundlage für seine Entwicklung darstellen. Versucht der Betreffende, diese Zeit der Unsicherheit zu umgehen, was dem an Asthma Leidenden durch seine Krankheit direkt aufgezwungen wird, so können Probleme bei der Identitätsentwicklung auftreten.
- Der Betreffende versucht dem Bild, das sich seine Familie von ihm macht, zu entsprechen, findet sich selbst aber zunehmend weniger darin wieder und erkrankt daran.
- Der Betreffende definiert sich an dem, was er nicht ist und nicht sein will. Er verfolgt das Gegenteil von dem, was seine Eltern ihm zugedacht haben und er selbst für richtig hält.
- Er geht in den Protest, die Konfrontation.
- Der Betreffende identifiziert sich mit einer Gruppe, Sekte und braucht dann nicht mehr auf sich zu bauen.
- Der Betreffende spielt eine Rolle, gibt sich betont lässig, extravagant u. a.
Die geschilderten Auswege können zu Fehlentwicklungen führen oder aber nur zeitweilig vorhanden sein als eine Zwischenstation auf dem Wege zur Selbstfindung. Der asthmakranke Jugendliche hat es, bedingt durch das Handicap seiner Krankheit schwer, sich selbst zu finden. Wie kann man ihm helfen, daß er dennoch selbst diesen Schritt vollzieht?
   
   
   
   
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Eltern sollten auf die Ablehnung und Kränkung durch den an Asthma leidenden Jugendlichen gelassen reagieren. Sie sind unabdingbar, um sich zu lösen. Dennoch müssen sich Eltern nicht alles gefahen lassen. Es ist eine besondere Zeit, in der gilt:
- Wenn das kranke Kind frecher wird, ist das ein gutes Zeichen im Hinbhck auf seine Gesundheit. Es lebt nämlich seinen Frust aus und schützt sich dadurch vor Krankwerden.
Auch wenn die Freunde des asthmakranken Jugendhchen den Eltern nicht ganz angenehm erscheinen, sollten sie möglichst akzeptiert werden. Ablehnung und Abweisung der Freunde würde der Jugendliche nur auf sich beziehen, da er sich seine Freunde selbst ausgesucht hat. Haben die Eltern kein Verhältnis zu den Freunden ihres Kindes, so dürfen sie das durchaus sagen, vorausgesetzt, sie bemühen sich anschheßend, neutral zu bleiben. Der von Asthma betroffene Jugendliche wählt seine Freunde zumeist unbewußt nach Fähigkeiten aus, die er selbst nicht besitzt. Er profitiert daher durch die Freundschaft. Um "mitmischen" zu können, muß der Betroffene körperhch leistungsfähig werden. Das gehngt durch Trainieren und indem evtl. vor anstrengenden Tätigkeiten ein Asthmaspray inhaliert wird. Wer gut im Sport ist, im Fußball, Basketball usw., bestimmt häufig in der Gruppe. Dem entzieht sich der asthmakranke Jugendliche gern, indem er sich einer Tätigkeit zuwendet, die die anderen ablehnen. Das kann ihm zwar auf der einen Seite Selbstwertgefühl einbringen, auf der anderen Seite entfernt er sich von den anderen Jugendhchen. Sein Verhalten ist dem Betroffenen nicht bewußt, es sollte ihm von den Eltern erklärt werden. Bleibt der Betroffene dann bei seiner Entscheidung, so ist das in Ordnung.
Sporthche Betätigung, das Hobby, hängt nicht nur von den Wünschen und Fähigkeiten des betroffenen Jugendlichen ab, vielleicht sogar noch wichtiger ist es, wer als Trainer, Lehrer die Tätigkeiten beaufsichtigt und anleitet. Findet der Betroffene hier eine Bezugsperson, die er verehrt und die seine Neigung erwidert, so wird das seiner Gesundheit enorm zugute kommen. Die Eltern sohten gut daran tun, die Kontakte zwischen ihrem Kind und dem Trainer zu fördern, auch wenn einmal ein eifersüchtiges Gefühl in den Eltern erwachen sohte.
Eltern bringen ihrem Kind bei, was sein Eigentum ist. In seinem Eigentum darf der Betroffene bestimmen. Es ist daher unklug von den Eltern, wenn der Betroffene unordenthch ist und sein Zimmer nicht aufräumt, ständig darüber ihrem Kind Vorhaltungen zu machen. Im übrigen Teil der Wohnung hat sich dagegen der Betroffene einzufügen, hier muß er Ordnung halten.
Kumpelhafte Eltern sind nach Zimmer ein fragwürdiges Modell der Identifikation für den betroffenen Jugendlichen. Es geht nicht, daß sich die Eltern mit dem Jugendhchen auf eine Stufe stellen, seine Sprache, seine Kleidung kopieren.
Der Jugendhche lotet seine Grenzen aus, dazu braucht er Widerstand, den ihm gutmütige Eltern nicht geben können. Daher sollten Eltern ihre Meinung äußern und Position beziehen; in der Auseinandersetzung damit kann der Jugendhche sich spüren, sich wahrnehmen, herausfinden, wer er ist.
Eltern, die zu großzügig sind und ihrem betroffenen Kind alle Wünsche erfüllen, es mit Geld, Spielsachen, Kleidung, Sportartikeln verwöhnen, lösen Widerstände auf, ehe das Kind sie entwickeln kann. Dadurch wird der Jugendliche mancher Sehnsüchte und der für seine Entwicklung notwendigen Auseinandersetzung beraubt.
Eltern sollten den Jugendhchen auf ein konfliktreiches Leben vorbereiten. Er muß lernen, Schwierigkeiten selbst zu meistern. Leitsätze in der Erziehung könnten lauten:
- fördern durch fordern
- ich helfe dir, daß du es selbst machst (Montessori).
   
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Yulli

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Re: STEMMANN, 1999
« Reply #8 on: March 18, 2019, 05:11:46 PM »

Die Kunst, Streitereien in der Ehe zu bewältigen
Für Kinder, besonders asthmakranke Kinder, ist es wichtig, daß sich die Eltern gut verstehen, denn Streitereien der Eltern lösen häufig bei dem Kind Asthma aus.
Wenn die Liebe in der Blüte steht, können sich Ehepartner kaum vorstellen, daß ein derartiger wunderbarer Zustand einmal vorübergeht. Doch mit der Zeit, im Mittel nach vier Jahren, entdecken Ehepartner Dinge an dem anderen, die sie nicht erwartet haben. Es sind Eigenschaften, die
- den anderen Partner positiv anregen können
- den anderen Partner negativ berühren und einen ständigen Grund für Auseinandersetzung­en bieten.
Ehekrisen treten in besonderen Belastungssituationen vermehrt auf:
- wenn ein Kind unterwegs ist und geboren wird
- wenn der Partner sich beruflich verändert
- wenn ein Kind das Elternhaus verläßt.
Natürlich ist die Erkrankung eines Kindes an Asthma auch eine außerordentliche Belastung für die Ehe.
Probleme treten besonders leicht auf, wenn folgende Konstellation herrscht:
   
   
   
   
der eine Partner:
- geizig
- rational
- in sich gekehrt
- Stubenhocker
- vorsichtig
- ordentlich
- optimistisch
   
der andere Partner:
- großzügig
- emotional
- extravertiert
- außerhäusig
- risikofreudig
- chaotisch
- pessimistisch
   
   
   
   
Ein ständiges Streitthema ist auch die Erziehung des Kindes, dabei geht es meist um die Frage, was man dem Kind erlauben oder verbieten soll. Häufig steckt hinter derartigen Zwistigkeiten ein Machtkampf zwischen den Eltern, denn bei den Themen, um die gestritten wird, ist es häufig relativ egal, ob man es beispielsweise so oder anders macht. Streitthemen sind z. B. die Fragen:
- Darf das Licht im Kinderzimmer noch brennen oder muß es sofort ausgemacht werden?
- Wieviel Süßigkeiten, wenn überhaupt, darf das Kind essen?
- Wie lange darf das Kind fernsehen?
- Wann soll der Jugendliche abends nach Hause kommen?
Gottman ist der Meinung, daß es nicht die Ähnlichkeiten in den Auffassungen beider Partner sind, die über eine funktionierende Ehe entscheiden, sondern vielmehr ist es die Art und Weise, wie die Ehepartner mit ihren Differenzen umgehen. Unterschieden werden fünf verschiedene Stile:
- konstruktiv
- konfliktvermeidend
- impulsiv
- feindselig-engagiert
- feindselig-distanziert
Nicht nur der konstruktive Verhaltensstil ist der erfolgreiche. Untersuchungen haben gezeigt, daß auch konfliktvermeidende und impulsive Partner durchaus zufrieden miteinander leben können. Entscheidend ist, daß die positiven Augenbücke die negativen deutlich überwiegen in einem Verhältnis von etwa 5:1.

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Die Familienkonstellation
Im evolutionären Konzept finden sich nur Mann und Frau zusammen, die ganz unterschiedlich denken und fühlen und zumeist auch völlig verschiedene Interessen haben.
- Als Freund sucht sich der Mann einen Menschen, der ähnlich denkt und empfindet wie er selbst.
- Als Freundin erwählt sich die Frau eine weibliche Person, die so denkt und fühlt wie sie.
- Bei der Partnerwahl verhält sich der Mensch anders, hier gilt die Regel, daß Gegensätze sich anziehen.


Das unterschiedliche Denken und Empfinden der Ehepartner tritt dann besonders in Erscheinung, wenn ihr Kind an Asthma erkrankt. Vater und Mutter geraten aufgrund ihrer unterschiedlichen Ansichten und Sorgen um das kranke Kind ständig in Streit darüber, was am besten zu tun ist:
- Welche Behandlungsmethoden sollen angewendet werden, Schulmedizin oder alternative Verfahren? Soll das erkrankte Organ oder der ganze Mensch behandelt werden?
- Soll man dem erkrankten Kind ständig nachgeben oder auch von ihm fordern? Muß man das hustende Kind nachts mit in das elterliche Bett nehmen oder in seinem Bett belassen?
Bei allen Fragen werden fast immer die Ehepartner unterschiedlicher Meinung sein. Sie können kaum eine Frage im Einverständnis gemeinschaftlich lösen. Streitereien der Eltern, selbst in Gegenwart des asthmakranken Kindes, gehören alsbald zum Alltag. Durch ihre Meinungsverschiedenheiten erzeugen die Eltern erhebliche Spannungen, die das Asthma des Kindes fördern. Dabei ist jeder Elternteil davon überzeugt, seinem kranken Kind auf seine Weise am besten zu helfen. Das asthmakranke Kind gerät durch die Streitereien seiner Eltern in höchste Bedrängnis:
- Streitende Eltern beinhalten nämlich die Gefahr, daß sich die Eltern trennen. Dieses Wissen steckt unbewußt in dem Kind.
Deshalb reagiert z. B. auch das asthmakranke Kind ungewöhnlich heftig auf Meinungsverschiedenheiten seiner Eltern. Streit der Eltern kann es gar nicht leiden, es ist für das Kind "das Schlimmste", das es erleben kann.
Für seine Eltern ist eine derartige Empfindung ihres kranken Kindes unverständlich, und deshalb ändern sie auch nicht ihr Verhalten.
Die heftigen Gefühlsreaktionen des asthmakranken Kindes sind nur aus der Evolution heraus zu verstehen. Streiten sich Elterntiere in der freien Wildbahn und verläßt daraufhin eines das Revier, so ist die Chance des Jungtieres zu überleben, deutlich herabgesetzt. Derartige Urgefühle mögen noch im Menschen, besonders in dem asthmakranken Kind, vorhanden sein.
Die schlechtesten Voaussetzungen haben Ehen, in denen ein feindseüg-engagiertes oder feindselig-distanziertes Verhalten herrscht. Ernste Probleme treten dann auf, wenn der eine Partner durch Kritik und Verachtung des anderen so betroffen ist, daß er nur noch abwehrt und die Kommunikation blockiert. Die Ehepartner sind nur noch damit beschäftigt, sich selbst zu verteidigen.
   
   
   
   
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Jeder Mensch benötigt ausreichenden Raum für sich in einer Partnerschaft, um seine Bedürfnisse und seine Eigenheiten ausdrücken und ausleben zu können. Statt die unterschiedlichen Eigenschaften und Verhaltensweisen des Partners als Bedrohung anzusehen, die verringert oder ausgemerzt werden müssen, sollten sich die Partner darüber klar werden, daß unterschiedliche Meinungen auch eine Beziehung beleben können, und sie sind absolut notwendig für die Kinder, die sich aus der Vielfalt der Standpunkte ihrer Eltern ihr eigenes Lebenskonzept aufbauen können.
Der grundsätzhche Unterschied zwischen den Ehepartnern läßt sich nicht durch Diskussion lösen. Streitereien durch unterschiedhche Auffassungen der Partner können auch nicht willentlich vermieden werden. Wie läßt sich dennoch ein zufriedenstellender Zustand erreichen?
Nach Schulz von Thun ist es wichtig, daß man versucht, auf einer anderen, einer höheren Ebene zu kommunizieren. Wenn es gelingt, aus der verfahrenen Situation herauszutreten, um auf einer anderen Ebene in Kontakt zu bleiben, ist viel gewonnen. Wenn sich z. B. zwei Personen streiten, was meist zum Abbruch der Kommunikation führt, könnten sie auf einer höheren Ebene zu der Erkenntnis kommen,
- wir sollten uns nicht so anbrüllen, das führt ja wirklich zu nichts. Auf dieser Ebene kann eine konstruktive Kommunikation in Gang kommen.
Ein weiteres Beispiel für eine Kommunikation auf einer höheren Ebene ist die Äußerung: "Wenn ich sage, ich bin enttäuscht, dann meine ich damit nicht, du wärest schuld daran. Ich möchte nur sagen, was mit mir im Augenbhck los ist." Der eine Partner versucht, seine Gefühle auszudrücken, ohne dem anderen zu nahe zu treten.
Ziel in einer entspannten Kommunikation muß es sein, eine Übereinstimmung von innerem Erleben und Bewußtsein zu erzielen. Der Mensch muß empfindsamer, offener und ehrlicher für sich und seine Umwelt werden.
Meinungsverschiedenheiten in der Ehe werden dann kaum eine Rolle spielen, wenn die Partner füreinander Sympathie empfinden. Sie müssen sich die Fähigkeiten bewahren, den Partner idealisiert zu sehen. Dann ist der Zustand ähnhch dem zur Zeit der großen Liebe, das Gefühl füreinander dominiert und dahinter verschwinden die unterschiedlichen Denkweisen.
- Sind sich zwei Menschen sympathisch, ist Kommunikation kein Problem. Verständigung ergibt sich von ganz allein (194). Plötzhch wird man gehört und ist überrascht, daß man in der Lage und willens ist, dem anderen zuzuhören. Es ist eine große Freude, eigene Gedanken beiseite zu lassen und sich dem Zuhören hinzugeben. Man spürt den Geschmack einer großen Wahrheit. Der Mensch ist dafür geschaffen, dem anderen Aufmerksamkeit zu geben und Interesse, achtsam mit jeder Kleinigkeit umzugehen und sich um das Wohlergehen des anderen zu kümmern. Das ruft ein Gefühl der Glückseligkeit hervor.
- Zuhören und Liebe haben gemeinsame Wurzeln. Wenn man beim Zuhören dem Impuls nicht folgt, die Aufmerksamkeit auf sich selbst zu lenken (man hört die meiste Zeit den eigenen Gedanken zu), kommt man mit einer Qualität der Zuwendung in sich selbst in Kontakt, nach der sich das eigene Wesen sehnt. Zuhören bringt mehr Freude mit sich als sprechen. Der Verzicht darauf selbst etwas zu sagen, ermöglicht eine neue Qualität des Austausches.
- Worte enthalten ein Spektrum "besonderer Ströme". Es geht nicht nur um die Stimmung des Sprechers, seinen emotionalen Tonfall, seine Körpersprache oder die Modulation seiner Stimme. In der Verständigung zweier sich liebender Menschen ist die gesprochene Sprache Träger einer einzigartigen Art von Konzentration, d. h. Aufmerksamkeit - sie wird vom anderen wahrgenommen.
- Viele Menschen wagen es nicht, miteinander zu sprechen. Es kommt einer Offenbarung gleich zu entdecken, wie sich persönhche Hindernisse auflösen, wenn man versucht, mit einem anderen Menschen zu sprechen - d. h. bewußt zu sprechen. Bewußtes Sprechen wird augenblickhch wahrgenommen; es bedeutet, sich bewußt einem Menschen zu widmen, sich
   
   
   
   
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bewußt auf den Menschen zu konzentrieren und sich mit hoher Aufmerksamkeit ihm
zuzuwenden (ohne das eigene Ich in den Vordergrund zu stellen). Positiv auf die Partnerschaft wirkt sich vor allem ein gemeinschaftlich täglich durchgeführtes autogenes Training aus, weil es das harmonische Zusammenleben fördert.
   
   
   
   
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Kindliche Reaktionen auf die Trennung der Eltern
Das Asthma kann durch die eine Scheidung oft begleitenden, unerträglichen Spannungszustände hervorgerufen werden. Das Kind kann mit dem Asthma - mehr oder weniger bewußt - einen Zweck verfolgen, nämlich den, Eltern am Auseinandergehen zu hindern und sie zu zwingen, über die gemeinsame Pflege ihres kranken Kindes wieder zusammenzufinden. Die Kinder reagieren mit ihrem Verhalten in den einzelnen Altersstufen unterschiedlich auf die Trennung der Eltern (97):
2 Vi - 3 Vi Jahre: Die Kinder werden aggressiv, trotzen vermehrt, reagieren ängstlich,
irritiert. In der Sauberkeitserziehung tritt ein Rückschritt ein.
3 Vi - 5 Jahre: Neben Irritiertheit sind Aggressionen sowie Angst vor Aggressionen zu
nennen. Sie reagieren verstört auf den Verlust, das Zutrauen in die Zuverlässigkeit menschlicher Beziehungen ist erschüttert, sie verlangen nach dem abwesenden Elternteil und fühlen sich selber schuldig an der Trennung der Eltern.
6-7 Jahre: Reaktionen wie bei den 3 Vi- bis 5jährigen. Zudem betrauern sie den
Weggang des Elternteils oder wünschen seine Rückkehr, was sie auch in Worten ausdrücken.
Kinder in den o. g. Altersstufen nehmen häufig an, daß sie durch ihr Verhalten die Trennung ausgelöst haben. Sie erleben die Trennung der Eltern gleichsam als Bestrafung für ihr eigenes Verhalten. Das ruft Schuldgefühle hervor und weckt das Verlangen, alles wiedergutzumachen. Wenn das nicht möglich ist, erlebt das Kind ständig Enttäuschungen, die es z. B. über seine Bronchien als Asthma abreagiert.
7 - 8 Jahre: Sie sind sich ihres Kummers voll bewußt und anhaltend traurig. Die
Auflösung der Familie wird als Bedrohung der eigenen Existenz erlebt, deshalb besteht ein starkes Verlangen danach, daß die Familie wieder vereint wird.
Die Kinder glauben, daß ein Elternteil den anderen weggeschickt habe. Sie haben Angst, nun auch weggeschickt zu werden. Sie entwickeln zweispaltige Gefühle in Form von Aggressionen gegen den anwesenden oder abwesenden Elternteil, den sie dennoch lieben.
9-12 Jahre: Die Kinder versuchen aktiv, mit ihren Gefühlen der Verlassenheit fertig
zu werden. Neben der Angst vor der Zukunft, die sie empfinden, schämen sich die Kinder über das Verhalten der Eltern . Das Selbst­wertgefühl der Kinder ist schwer erschüttert.
Die Kinder haben die Fähigkeit, sich selbst so zu sehen, wie andere sie und die Situation ihrer
Familie sehen. Die Bewertung der Scheidung ist damit auch abhängig von der Reaktion der
Umwelt.
13-18 Jahre: Sie reagieren heftig mit Zorn, Trauer, Schmerz, Scham, dem Gefühl der
Verlassenheit, des Betruges. Nach dem ersten Schock schätzen sie die Ursachen der Scheidung reahstisch ein. Sie beteihgen sich konstuktiv an der Bewältigung der Situation und reagieren einfühlsam auf den Kummer der Eltern.
Die Jugendlichen erleben die Eltern als unabhängige Personen, und ihre Beziehung zu beiden Elternteilen ist unabhängig von der Beziehung der Eltern untereinander.
Was ist zu tun, wenn Eltern sich trennen?
In einer so schwierigen Situation wie der Auflösung des Elternhauses, ist dem Asthma des Kindes therapeutisch für einige Zeit nur mit Medikamenten beizukommen. Das Kind muß erst lernen, seine Probleme zu bewältigen. Dies sohte am besten in der altvertrauten Umgebung erfolgen. Das Kind braucht Umgang und Freundschaft mit Gleichaltrigen. Es kann nur für das Kind hilfreich sein, wenn das Thema Scheidung im Kindergarten oder der Schule behandelt
   
   
   
   
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wird. Kinder können sich durchaus gegenseitig Hilfestellung geben. Außerdem erfährt das Kind, daß auch andere ähnliche Erfahrungen gemacht haben, daß seine Situation nicht etwas Einzigartiges ist. Die Aufmerksamkeit der Eltern muß sich von ihren eigenen Problemen weg hin auf das Kind richten, denn dieses braucht für seine positive Entwicklung nach der Scheidung beide Eltern.
Die Eltern müssen wissen, daß das auffällige Verhalten des Kindes erst im ersten Jahr nach der Trennung auftreten kann, damit dies nicht auf das eigene Versagen in der Erziehung oder auf den Umgang des Kindes mit dem anderen Elternteil bezogen wird. Ist der Trennungsschmerz überwunden, kann die Behandlung nach dem in diesem Buch vorgelegten Konzept weiterverfolgt werden.
Als große Hilfe für die Eltern in der Scheidungssituation und in der Zeit danach haben sich Elterngruppen erwiesen:
Kontaktanschriften:
Alleinerziehenden Treffpunkt und Beratung e. V. in Hamburg, Telefon 040/2501184;
Ehe-, Familien- und Lebensberatung in München, evgl. Beratungsstelle Telefon 089/59048120,
kath. Beratungsstelle Telefon 089/5443110;
Verband Scheidungsgeschädiger in Berlin, Telefon 030/3955794;
Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Familien der Arbeiterwohlfahrt in Bielefeld, Telefon 0521/9216421;
Verband alleinerziehender Mütter und Väter, Landesverband Brandenburg e. V., Telefon 03381/718945.
(Hilfe in anderen Städten gibt es über den Deutschen Kinderschutzbund)
   
   
   
   
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Alleinerziehende
Jede dritte Ehe wird geschieden. In Nordrhein-Westfalen wurden 1995 43.000 Ehen nach durchschnittlich 4-5 Jahren getrennt. Betroffen davon waren 33.000 Kinder. Außerdem heiratet ein Teil der Mütter nicht. Alleinerziehende sind somit keine Abweichung von der Norm mehr, sie sind ein Teil des Hauptstroms.
Die Erzieherrolle eines alleinerziehenden Elternteils unterscheidet sich von der einer Zwei-Eltern-Familie substantiell. Dennoch nehmen viele Alleinerziehende ihre Aufgabe noch immer nach dem Zwei-Eltern-Modell wahr. Sie erziehen ihr Kind so, als ob der Partner noch zugegen ist. Das frustriert, unterminiert es doch das Gefühl, das Kind kompetent zu erziehen (144). - Der alleinerziehende Elternteil sollte sich klar darüber sein, daß er das Schicksal seiner
Familie steuert und die volle Verantwortung dafür trägt. Die Macht liegt bei ihm allein, er hat das letzte Wort, und das verschafft ihm den Respekt des Kindes.
Manche Alleinerziehende möchten eine Demokratie praktizieren, in der das Kind Mitspracherecht hat. Kinder brauchen aber Anleitung, Führung.
Es geht auch nicht, daß Kinder zu den besten Freunden, Vertrauten werden, insbesondere, wenn sie noch klein sind, mit denen der alleinerziehende Elternteil seine persönlichen Probleme besprechen kann. Den Kindern wird eine zu schwere Last aufgebürdet, sie werden ihrer Kindheit beraubt.
Der alleinerziehende Elternteil sollte auch nicht versuchen, hundertprozentig vollkommen zu sein. Das Gefühl, seinem Kind alles bieten zu müssen, weil es einen Verlust erlitten hat, birgt die Gefahr der Überlastung in sich. Das Heim soll ein Hort der Geborgenheit sein, das bedeutet Sicherheit und Wärme, denn ein Kind, das schon einmal von einem Elternteil verlassen worden ist, fürchtet insgeheim, auch noch von dem anderen Elternteil verlassen zu werden. Alleinerziehende sollten auch Hilfe von Angehörigen oder Freunden annehmen, wenn dieses Angebot ernst gemeint und nicht mit Hintergedanken verbunden ist. Unterstützung durch andere bedeutet nicht, daß der alleinerziehende Elternteil unfähig in der Erziehung ist, vielmehr eröffnet sie dem Kind die Möglichkeit, unterschiedliche Kontakte und Beziehungen wahrzunehmen.
   
   
   
   
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Die Großeltern
   
   
   
   
Wird ein Kind asthmakrank und gesundet es nicht, so versuchen seine Großeltern auf die Heilung durch Erziehung des kranken Kindes Einfluß zu nehmen. Aus Sicht der Großeltern haben die Eltern des asthmakranken Kindes versagt. Die Absicht der Großeltern führt in der Regel nicht zum Erfolg,
- wenn die Großeltern ihren asthmakranken Enkel als armes Kind bezeichnen
- wenn sie dem asthmakranken Kind aus Mitleid jeden Wunsch erfüllen.
Schwerer Schaden entsteht sogar, wenn sich die Großeltern unberechtigterweise in die Erziehungsprinzipien ihrer längst erwachsenen Kinder einmischen, sie korrigieren, ihnen befehlen - und das in Gegenwart des asthmakranken Kindes. Nach Starzmann möchte das kranke Kind starke Eltern haben, sie nur allein können ihm Sicherheit und Schutz gewähren und sein Überleben garantieren - und mit einem Male erlebt das kranke Kind, daß seine Eltern doch nicht so stark sind, daß sie sogar noch von den Großeltern kommandiert, kontrolliert werden und Angst haben vor ihren Repressalien. Das ist wie ein Schock für das asthmakranke Kind, seine Zukunft ist zu Hause künftighin gefährdet.
Ein asthmakrankes Kind benötigt, ebenso wie ein gesundes Enkelkind, das besondere Gefühl der Liebe und Geborgenheit durch seine Großeltern; das ist für ein Kind ganz kösthch und großartig. Es benötigt aber kein Mitleid, und es ist auch kein armes Kind. Eine derartige Bezeichnung kränkt das asthmakranke Kind. Viele Großeltern sind unentbehrlich z. B. als Tröster der Enkelkinder. Sie sollten aber den Eltern bei der Erziehung ihres Kindes nicht in den Rücken fallen.
Kann es die Mutter des asthmakranken Kindes den Großeltern nicht recht machen in der Erziehung ihres Kindes, so muß der Mann für seine Frau Partei ergreifen. Wie anders sonst sollen Eltern ihrem asthmakranken Kind Selbständigkeit vermitteln, wenn sie es selbst nicht geschafft haben?
Großeltern sollten ihre erwachsenen Kinder, d. h. die Eltern des asthmakranken Kindes als ebenbürtige Partner akzeptieren und sollten die Erziehungsempfehlungen der Eltern wohlwollend unterstützen. Das schafft Zuneigung und Nähe, die das Leben einer Familie so einzigartig macht.
   
   
   
   
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Merke:
   
   
   
   
Liebevolle, konsequente Erziehung tut not, das gilt ganz besonders für ein asthmakrankes Kind. Setzt es sein Asthma ein, um Erziehungsmaßnahmen zu umgehen, so sollten die Eltern konsequent sein, es wird ein Asthmamittel verabreicht, und die Erziehungsmaßnahmen werden weiter verfolgt.
Im Umgang mit dem Betroffenen ist es wichtig, daß man ihn so akzeptiert, wie er ist - mit all seinen Vor- und Nachteilen. Es fällt dann leichter, Kritik zu unterlassen und positive Eigenschaften des Betroffenen zu fördern.
Es gibt keine Erziehung ohne Fehler. Erziehung bedeutet nicht Willen brechen, gängeln, maßregeln. Erziehung versucht vielmehr zu führen, anzuleiten, auszubilden zum Überleben. Dabei muß neben Freude auch Leid in Kauf genommen werden. Dem Erkrankten nur gut gesonnen zu sein, ihm alles abzunehmen, nichts von ihm zu fordern, verstärkt leider das Asthma, weil der Betroffene abhängig und hilflos wird und glaubt selbst für sich allein, nicht überleben zu können.
Sicherheit erhält der Asthmakranke durch seine Familie, sie gibt ihm Geborgenheit und gewährt Schutz, wenn sich die Eltern in den Behandlungsmaßnahmen und den Erziehungszielen einig sind. Durch Streitereien der Eltern oder gar eine Ehescheidung fühlt sich der Betroffene elementar bedroht. Dem Asthma ist dann nur medikamentös beizukommen, bis der Trennungsschock endgültig überwunden ist.
Meinungsverschiedenheiten der Eltern lassen sich häufig nicht durch logisches Denken diskutieren und willentlich zur Zufriedenheit beider Partner lösen. Besitzen beide noch Sympathien füreinander, so gilt es, diese Gefühle zu intensivieren, unterschiedliche Ansichten wiegen dann nicht mehr so schwer. Ein gemeinschaftlich ausgeübtes tägliches Entspannungstraining fördert das harmonische Zusammenleben miteinander. Alleinerziehende sollten sich klar darüber sein, daß sie allein die Verantwortung für die Erziehung tragen, und sie sollten das kranke Kind nicht so erziehen, als ob der Partner noch zugegen ist.
Großeltern sind dann eine große Hilfe für ihren asthmakranken Enkel, wenn sie die Eltern in ihren Erziehungs- und Behandlungskonzepten unterstützen.
   
   
   
   
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icherheit und Geborgenheit kann die Familie nur dann geben, wenn die Erziehung des Asthmakranken liebevoll und konsequent erfolgt das Erziehungsziel auf ein Leben in Gesundheit, auf Selbständigkeit ausgerichtet ist der Alltag strukturiert wird
sich die Ehepartner mögen und Meinungsverschiedenheiten das übliche Maß nicht überschreiten
im Falle eines alleinerziehenden Elternteils dieser allein die volle Verantwortung übernimmt
Großeltern die Eltern in der Erziehung ihres asthmakranken Kindes unterstützen
   
   
   
   
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Die Umwelt
   
   
   
   
Ziel der Behandlung ist es, die Toleranz gegenüber Fremdstoffen, Sinneswahrnehmungen, die ein Gesunder besitzt und die der Betroffene auch besessen hat, ehe er an Asthma erkrankte, wiederzugewinnen, indem
- die konditionierte Reaktion von Revierangst und Fremdstoffen/Sinneswahrnehmungen aufgehoben wird
- die Streßstörung überwunden wird, die den Betroffenen überempfindlich gegenüber Fremdstoffen/Sinneswahrnehmungen werden läßt
- Verstärker, die Asthma durch Fremdstoffe/Sinneswahrnehmungen unterhalten, beseitigt werden
- Sicherheit zurückerlangt wird. Der Betroffene darf keine Angst vor der Umweltbelastung haben, und er muß sich auch nicht hilflos den Schadstoffen ausgesetzt fühlen.
Außerdem sollte der Betroffene ganz allgemein seine Umweltbelastung senken, das gilt für
- Allergene
- Infektionserreger
- Stoffe, die eine Intoleranz- bzw. pseudoallergische Reaktion auslösen
- Stoffe, die die Innenraumluft belasten
- kosmetische Mittel
- Sinnesreize
Stoffe, die Asthma auslösen bzw. verstärken und als solche erkannt sind, sollten spezieh gemieden werden (Karenz).
   
   
   
   
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1. Wie läßt sich die Belastung durch Fremdstoffe/Sinnesreize senken?
Der Betroffene vermindert seine Überempfindlichkeit auf Fremdstoffe/Sinnesreize, wenn er seine Revierangst und Belastungsstörung überwindet, Verstärker meidet und seine Angst vor der Umweltbelastung verliert. Zudem soll er ganz allgemein seine Belastung durch Fremdstoffe und Sinnesreize senken und speziell das meiden (Karenz), was sein Asthma auslöst und verstärkt.
   
   
   
   
Verminderung der Überempfindlichkeit auf \ Fremdstoffe/Sinnesreize \ durch Überwinden von * Revierangst und Belastungsstörun Meiden von Verstärkern und Veränderung der Einstellung gegenüber der Umweltbelastung
   
   
   
   
Belastung durch Fremstoffe/ Sinnesreize senken, meiden von Fremdstoffen/Sinnesreizen, die Asthma provozieren (Karenz)
   
   
   
   
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Revierangst und Fremdstoffe, Sinnesreize
Lösen Fremdstoffe, Sinneswahrnehmungen Asthma aus, so ist in der Vergangenheit des Betroffenen danach zu suchen, ob sie in Verbindung mit Revierangst wahrgenommen worden sind und daher ihre Fähigkeit rührt, Asthma zu provozieren (konditionierte Reaktion). Beispiel:
Tierepithelienallergie durch Konditionierung mit Revierangst
Ein Jugendlicher möchte sich telefonisch mit einem Mädchen verabreden. Er ist sich sicher, daß das Mädchen zustimmen wird, und er befindet sich in einem erregten Zustand. In dem Raum, in dem das Telefonat erfolgt, befindet sich auch eine Katze, die der Jugendhche bemerkt und deren Hautschuppen er mit der normalen Zimmerluft einatmet. Als der Jugendhche telefoniert, erhält er von dem Mädchen eine herbe Absage, die ihn sehr verletzt, es trifft ihn völhg unerwartet, und er fühlt sich hilflos und ohnmächtig. Seither reagiert der Betreffende asthmatisch auf Katzen, ihren Anbhck bzw. beim Einatmen von Hautschuppen mit der Luft (die ihn unbewußt an Revierangst erinnern).
Abschwächend auf die Tierhaarallergie würde sich auswirken, wenn der Betroffene rasch eine neue Freundin gewänne. Würde dadurch die Gefühlsverletzung aufgehoben, bhebe das Tierhaarasthma sogar aus (Lösung auf der realen Ebene).
Wichtig wäre auch, daß der Betroffene noch einmal mit dem Mädchen über die Gefühlsverletzung spricht. Sprechen über das traumatische Ereignis verschafft Erleichterung. Vielleicht hat es sich gar um ein Mißverständnis behandelt, und die Gefühlsverletzung erscheint jetzt in einem neuen Licht, nicht mehr so entwürdigend (Lösung auf der bewußten Ebene). Kann der Betroffene das Mädchen nicht für sich gewinnen, so sollte er sich täglich mit ihr treffen, bis ein allgemein, unverbindhches Verhältnis entstanden ist, das keine Emotionen mehr weckt (Lernprozeß, Großhirnbereich).
Gehngt es dem Betroffenen nicht, eine unverbindliche Beziehung aufzubauen, so ist jeglicher Kontakt mit dem Mädchen zu vermeiden. Um vergessen zu können, muß der Betroffene die angenehmen Gedanken, die in seiner Erinnerung auftauchen ("süßes" Leid), aufgeben (unbewußte Ebene, Zwischenhirnbereich). Die Allergie gegen das Tier kann
- durch wiederholten Kontakt mit dem Tier neutrahsiert werden
- durch wiederholtes Erleben in der Phantasie abgeschwächt werden.
Künftige Kontakte werden zunächst eine asthmatische Reaktion auslösen (die evtl. medikamentös behandelt wird), auf Dauer wird mit zunehmendem Üben die asthmatische Reaktion immer schwächer und dann ganz aufhören (Lernprozeß, Großhirnbereich). Dasselbe Prinzip, Erlangung von Anpassung, findet bei der sogenannten Hyposensibilisierung Anwendung. Durch wiederholten Allergenkontakt gewöhnt sich der Organismus schheßhch so an das Allergen, daß Asthma ausbleibt.
Gegen die Revierangst werden obhgat täghche Entspannungsübungen durchgeführt (unbewußte Ebene, zentrales Verfahren).
Zu achten ist darauf, daß der Betroffene durch seine asthmatische Reaktion auf das Tier keine Vorteile erfährt (unbewußte Ebene, Zwischenhirnbereich).
Der Betroffene sollte zudem ein neues Gefühl einüben. Das Tier darf nicht bedrohhch für ihn sein, darf kein Feindbild darstehen. Vielmehr muß er sich bemühen, ein angenehmes Gefühl in Verbindung mit dem Tier zu entwickeln (unbewußte Ebene, Zwischenhirnbereich).
   
   
   
   
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Streß- bzw. Belastungsstörung und Fremdstoffe, Sinneswahrnehmungen
Fremdstoffe, Sinneswahrnehmungen vermögen bei unterschwellig vorhandener Revierangst dermaßen Streß auszulösen, dem in der darauffolgenden Erholungsphase Asthma nachfolgt. Dem Betroffenen ist zu raten
- einerseits Streß zu senken und sein Leben ruhiger, einfacher zu gestalten
- andererseits Streß aktiv zu bewältigen und ihm vorzubeugen, indem er
- seine Gefühle situationsgerecht ausdrückt und auslebt
- täglich sein Entspannungstraining durchführt, evtl. mit Verwendung eines Leitsatzes (bei Kindern dient das frei gewählte Spiel als Anti-Streßtraining)
- Wohlbefinden erlangt durch Konzentration auf seine jeweilige Tätigkeit
- ernsthafte Tätigkeiten und Alltägliches in ein ausgewogenes Verhältnis bringt.
Die positive Auswirkung von Streßreduktion zeigt sich im Urlaub, wenn der Betroffene ein sogenanntes Urlaubsgefühl entwickelt. Die wunderbare Landschaft, das angenehme Klima, das streßarme Leben erzeugen ein besonderes Gefühl des Wohlbefindens. Allergene sind jetzt z. B. nicht mehr in der Lage, ein allergisches Asthma zu provozieren. Auch Sinnesreize werden toleriert, ohne daß Asthma eintritt. Ist der Urlaub vorüber, treten mit zunehmendem Streß bald auch wieder asthmatische Beschwerden durch Fremdstoffe und/oder Sinnesreize auf. Nicht das Allergen ruft obligat Asthma hervor, die Reaktion wird wesentlich dadurch bestimmt, in welcher Umgebung sich der Betroffene aufhält und wie er sich dort fühlt:
- In einem klassischen Experiment hat Long Kinder, deren Asthma während eines Krankenhausaufenthaltes rasch abgeklungen war, mit Hausstaub exponiert. Obschon der Hausstaub in dem eigenen häuslichen Bereich der Betroffenen gesammelt worden war, blieb die erwartete asthmatische Reaktion durch Hausstaubprovokation im Krankenhaus aus (s. 205).
   
   
   
   
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Verstärker und Fremdstoffe, Sinnesempfindungen
Der Betroffene darf aufgrund seiner individuellen Überempfindlichkeit keine Sonderstellung
bekommen.
Beispiel:
Muß die Familie, weil der Betroffene z. B. auf Hausstaubmilben allergisch reagiert, im Urlaub deshalb stets in das Hochgebirge fahren - obwohl kein Familienmitglied dorthin möchte -, so wird das allergische Asthma letztlich dadurch verstärkt, daß sich die gesamte Familie nach dem Erkrankten auszurichten hat. Im Hochgebirge verspürt der Betroffene wegen der Hausstaubmilbenarmut zwar Besserung seines Leidens, die Hausstaubmilbenallergie verliert sich aber nicht, sondern wird fixiert aufgrund der Beachtung, die der Betroffene deswegen erhält. Sollte der Asthmakranke sich im Hochgebirge nicht wohlfühlen, so würde er trotz Milbenarmut Asthma bekommen.
Die Familie sollte dort ihren Urlaub verbringen, wo alle Mitglieder gern verweilen möchten. Indem auf den Asthmakranken keine Rücksicht genommen wird, ist er gezwungen, sich an seinen jeweiligen Aufenthaltsort zu gewöhnen - zunächst können asthmatische Beschwerden auftreten; werden sie nicht sonderlich beachtet, auch wenn der Erkrankte Medikamente benötigt und evtl. das Bett hüten muß, so werden sie sich verlieren und nicht mehr erscheinen. Die Empfehlungen sind behutsam umzusetzen. Nicht, daß man mit dem Betroffenen gleich in einen Urlaubsort fährt, in dem er bereits schwer an Asthma erkrankt ist. Die Erinnerung könnte zu stark sein und erneut Asthma provozieren. Vielmehr ist zunächst langfristig ein Entspannungstraining durchzuführen und gegen die Revierangst wird angegangen. Ändert sich der Betroffene in seinem Verhalten, wird er selbstsicher und toleriert er seine Umwelt zunehmend, ohne Asthma zu bekommen, erst dann kann der Betroffene auch stärker belastet werden.
   
   
   
   
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Wiedergewinnen von Sicherheit
Wenn der Betroffene glaubt, er sei durch die Umweltbelastung in Form von Fremdstoffen, Sinnesreizen bedroht und ihnen hilflos ausgehefert, so provoziert und unterhält er sein Asthma. Was der Asthmakranke übersehen hat ist, daß er keineswegs der Umweltbelastung ohnmächtig ausgesetzt ist, sondern, daß er sehr wohl seine eigene Umweltbelastung deutlich mindern kann, sei es, indem
a) er seine Einstellung zu der Umweltbelastung ändert, indem er glaubt, die Umweltbelastung ohne krank zu werden zu ertragen wie die Gesunden auch
b) er seine Umweltbelastung real senkt.
Zu a)
Der Betroffene und seine Angehörigen müssen eine veränderte Einstellung zur Umwelt bekommen.
- In Gegenwart des Erkrankten darf nicht mehr über Umweltverschmutzung geklagt und gesprochen werden.
- Gerät der Betroffene in Räume, in denen geraucht wird, und ist der Betroffene rauchempfindhch, so ist keine Panik, sondern Ruhe angesagt. Der Leitsatz lautet: "das verträgst du schon".
- Auf das Wetter sollte der Betroffene keine Rücksicht nehmen. Ist er pollenallergisch, so heißt sein Wahlspruch: "das schöne Wetter ist für mich gemacht, da fühle ich mich wohl, ahe Pohen befinden sich wegen der warmen Luft sowieso in 10 km Höhe, endlich herrscht Pollenfreiheit".
- Auch Sinneswahrnehmungen und die damit verbundenen Gefühle sollten nicht von dem Betroffenen ferngehalten werden, allerdings muß er eine veränderte Einstellung zu diesen Belastungsfaktoren gewinnen.
Vorsicht ist geboten bei Medikamenten, Röntgenkontrastmitteln, auf die der Betroffene bereits mit Nebenwirkungen, evtl. sogar mit schockähnhchen Zuständen reagiert hat. Sie sohten streng (lebenslang) gemieden werden. Ein Notfallausweis ist auszustehen! - in dem die unverträglichen Substanzen und möghchst auch die verträghchen Stoffe aufgeführt sind.
Muster:
NOTFALLAUSWEIS
Emergency Certificate
Certificat pour des cas d'urgence
Diesen Paß stets mitführen und
unaufgefordert jedem Arzt, Zahnarzt
oder Apotheker vorweisen.
Bei Verlust neu anfertigen lassen.
zu b)
Dadurch, daß der Betroffene aktiv wird, indem er seine eigene Umweltbelastung reduziert, findet er zu seiner ursprünghchen Sicherheit in seiner Umwelt zurück.
   
   
   
   
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Die Umweltbelastung läßt sich in vielen Lebensbereichen deutlich senken, das gilt für
- Allergene
- Infektionserreger
- Substanzen, die eine Intoleranz- bzw. pseudoallergische Reaktion auslösen
- Stoffe, die die Innenraumluft belasten
- Tabakrauch und Emissionen aus offenen Feuerstellen
- Emissionen aus Bauprodukten, Ausstattungsmaterialien, Holzwerkstoffen und Möbeln
- Emissionen aus Farben und Lacken
- Emissionen aus Pflege-, Reinigungsmitteln
- Emissionen aus Desinfektionsmitteln, Insektiziden, Holzschutzmitteln, Klebstoffen
- kosmetische Mittel
- Sinnesreize wie
- intensive Lichtreize (Sehen)
- unangenehme Gerüche (Riechen)
- geschmacksintensive Reize (Schmecken)
- Lärm (Hören)
- Mißempfindungen (Tasten).
Stoffe und Sinnesreize, die unmittelbar Asthma auslösen, sind zunächst einmal langfristig zu meiden (Karenz). Es ist aber erklärtes Ziel der Behandlung, daß der Betroffene wieder Toleranz gegenüber diesen Stoffen und Reizen erlangt.
   
   
   
   
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2. Allergene
   
   
   
   
Allergene müssen als asthmaauslösend erst einmal identifiziert werden:
- Durch Befragen lassen sich erste Anhaltspunkte gewinnen.
- Mit Hilfe von Tests mit Allergenen (z. B. Hauttests, RAST) ist die vermutete Ahergie weiter abzusichern.
- Provokationstests mit Allergenen (inhalativer, oraler, nasaler Provokationstest, Expositionstest) beweisen weitestgehend die Ahergie.
   
   
   
   
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Anamnese bei Allergieverdacht
Die Angaben des Allergiekranken müssen kritisch betrachtet werden, insbesondere, wenn häufig Allergenkontakt besteht und Adaptation einsetzt. Prinzip (207, 218, 246):
Wenn ein Organismus häufig mit demselben Fremdstoff Kontakt hat, adaptiert er sich an den Stoff, und bei Exposition mit dem Fremdstoff kann es geschehen, daß eine asthmatische Reaktion nicht zu bemerken ist.
- Wird z. B. Kuhmilch sehr selten getrunken und besteht eine Allergie gegen das Eiweiß bzw. die Eiweiße der Kuhmilch, so wird jedesmal nach Genuß des Allergens Asthma sichtbar ausgelöst.
Allergenaufnahme
selten keine Adaptation
   
   
   
   
   
   
   
   
Wird Kuhmilch dagegen täglich getrunken, setzt Adaptation ein, d. h. es wird kein sichtbares Asthma mehr provoziert. Der Betroffene ist mehr oder weniger gesund bzw. krank.
   
   
   
   
Allergenaufnahme täglich
   
   
   
   
   
Die Adaptation verliert sich, wenn das Allergen über 5-7 Tage vollständig gemieden wird; Allergenkontakt löst dann wieder sichtbares Asthma aus.
   
   
   
   
Allergenaufnahme-täglich
   
-> kein Allergen-
   
erneute
Allergenaufnahme
   
   
kontakt über Tage
   
   
   
   
Es ist nicht zu erkennen, daß das Allergen Asthma provoziert
   
die Adaptation verliert sich
   
Allergen löst erkennbar Asthma aus
   
   
   
   
Ist der Organismus erschöpft, wie es bei einem weit fortgeschrittenen Asthma der Fall ist, versagt die Adaptation - jeglicher Allergenkontakt führt zu einer asthmatischen Reaktion. Für die Angaben des Asthmakranken gilt daher:
- Besteht selten Allergenkontakt, kann er die krankmachende Wirkung des Allergens erkennen, treffen seine Angaben zu.
Beispiel: Fisch-, Erdbeer-, Tierhaarallergie
- Ist täglich Allergenkontakt vorhanden, stimmen seine Angaben nicht. Beispiel: Kuhmilch-, Hühnereieiweißallergie (227).
   
   
   
   
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100 Kinder mit Asthma
   
Anam fCuhmilc positiv
   
nese hei weiß
negativ
   
Anam Hühnere positiv
   
nese ieiweiß
negativ
   
   
0 P r r
1 ° positiv
c o k
   
0
   
19
   
0
   
14
   
   
a t
o negativ
n
   
3
   
78
   
3
   
83
   
                  
   
   
   
   
Bei keinem der Kinder ließ sich die positive, asthmaauslösende Reaktion durch Befragen (Anamnese) herausfinden. Von den Kindern, die eine allergische Reaktion verneinten, hat auf Kuhmilch jedes 5. Kind und auf Hühnereieiweiß jedes 7. Kind doch asthmatisch reagiert, wenn Kuhmilch getrunken bzw. Hühnerei gegessen wurde (orale Provokation).
Zu beachten ist auch, wie der Betroffene sich seinem Allergen gegenüber verhält:
- Ein Teil der Betroffenen ist süchtig auf ein Allergen und verlangt ständig danach, weil das Aller gen bei Verzehr ein angenehmes Gefühl erzeugt.
- Ein Teil der Betroffenen ekelt sich vor dem Allergen und meidet es instinktiv.
Für einzelne Allergene sind die Angaben unterschiedlich:
Allergie gegen Gräser-ZRoggenpollen zu einer festgesetzten Jahreszeit:
- Treten Beschwerden von Mai bis Juli auf, so ist ein Hinweis auf das Allergen zu ca. 3ä korrekt. Wird eine Allergie verneint, reagiert dennoch 1/3 ahergisch.
   
   
   
   
               
   
43 Kinder mit Asthma
   
   
Angaben zur Pollenallergie
   
   
   
   
positiv
   
negativ
   
   
inhalative
   
positiv
   
21
   
6
   
   
Provokation
   
negativ
   
6
   
12
   
               
   
   
   
   
Hausstauballergie, ganzjährig:
- Werden die Angaben bejaht, läßt sich nur in 1/3 der Fälle ein allergisches Asthma auslösen. Wird eine Allergie verneint, so trifft das in 10 von 11 Fällen zu.
   
   
   
   
               
   
43 Kinder mit Asthma
   
   
Angaben zur Hausstauballergie
   
   
   
   
positiv
   
negativ
   
   
inhalative
   
positiv
   
3
   
3
   
   
Provokation
   
negativ
   
7
   
30
   
               
   
   
   
   
370
   
   
   
      
      
   
   
   
Hauttest mit Allergenen
Der Allergennachweis beruht auf dem Prinzip, daß in der Haut des Allergikers Antikörper gegen Allergene vorhanden sind. Dringt das Allergen in die oberflächlichen Hautschichten, reagiert die Haut sichtbar mit Quaddelbildung und Hautrötung. Je nach Technik, mit der das Allergen in die Haut eingebracht wird, unterscheidet man:
- Intrakutantest (das Allergen wird in die Haut gespritzt)
- Pricktest (das Allergen wird in die Haut gepunktet)
- Reibtest (das Allergen wird in die Haut gerieben)
- Scratchtest (das Allergen wird in die Haut geritzt)
Als Positivkontrolle gilt die Reaktion auf Histamin; auf Lösungsmittel bzw. Kochsalzlösung darf keine Reaktion auftreten.
Beurteilung des Hauttests mit Allergenen
- Bei einem positiven Testausfall sagt der Test nur, daß die Haut auf das Allergen allergisch reagiert. Ob der Betroffene auch Asthma durch das Allergen bekommt, kann der Test nicht beantworten, gleich, ob eine schwache (+) oder sehr starke (++++) Reaktion vorliegt (269).
   
   
   
   
         
   
Inhalationsallergene
   
Pricktest positiv
   
   
Pollen, Hausstaub,
   
   
   
Hausstaubmilbe,
   
   
   
Schimmelpilze,
   
   
   
Tierepithelien
   
   
   
   
+ = 3
   
   
   
++= 13
   
   
inhalative positiv
   
+++ = 67
   
   
   
++++ = 46
   
   
Provokation
   
   
   
negativ
   
+ = 5
   
   
   
++=11
   
   
   
+++ = 76
   
   
   
++++ = 47
   
         
   
   
   
   
- Bezogen auf die Gesamtheit der Allergene ist mehr als jeder zweite positive Hauttest "falsch positiv", d. h. der Betroffene bekommt kein Asthma, wenn er das Allergen einatmet.
   
   
   
   
            
   
Inhalationsallergene
   
Pricktest positiv
   
   
inhalative
   
positiv
   
129
   
   
Provokation
   
negativ
   
139
   
            
   
   
   
   
371
   
   
   
      
      
   
   
   
- Es ist möglich, daß die Haut auf das Allergen nicht reagiert, wohl aber die Bronchien.
   
   
   
   
            
   
Inhalationsallergene
   
Pricktest negativ
   
   
inhalative
   
positiv
   
12
   
   
Provokation
   
negativ
   
26
   
            
   
   
   
   
- Mit Hilfe des Hauttests läßt sich auch nicht prüfen, ob eine Allergie, die vorgelegen hat, heute, jetzt noch besteht. Reagiert z. B. die Haut nicht mehr, so muß das keineswegs bedeuten, daß sich die Allergie verloren hat.
- Anhand von positiven Befunden auf Nahrungsmittel im Hauttest, läßt sich für den an Asthma Leidenden keine allergenfreie Diät erstellen (227).
   
   
   
   
                  
   
   
Pricktest
   
   
100 Kinder
   
Kuhmilcheiweiß
   
Hühnereieiweiß
   
   
mit Asthma
   
positiv
   
negativ
   
positiv
   
negativ
   
   
positiv
   
2
   
17
   
8
   
6
   
   
negativ
   
26
   
55
   
47
   
39
   
                  
   
   
   
   
Bei der Kuhmilcheiweißahergie hatten nur 2 der 28 positiven Hauttests wirklich Bedeutung, von 72 negativen Tests waren 17 dennoch positiv, d. h. Kuhmilchgenuß löste Asthma aus. Bei der Hühnereieiweißallergie heßen sich unter 55 positiven Hauttests nur 8mal positive bronchiale Reaktionen hervorrufen. Von den 45 Kindern mit negativem Hauttest reagierten 6 mit Asthma bei Eiverzehr.
   
   
   
   
372
   
   
   
      
      
   
   
   
RAST (Radio-Allergo-Sorbens-Test)
   
   
   
   
Mit Hilfe des RAST wird der Gehalt an Immunglobulin E (IgE) im Blutserum des Patienten gemessen.
Der Test sagt nur, daß sich im Blut des Patienten Antikörper gegen ein bestimmtes Allergen befinden. Der Mensch ist Allergiker. Ob er bei Allergenkontakt auch krank wird oder welches Organ bei Allergenkontakt reagiert, ist durch den RAST nicht zu erfahren. Ein normaler IgE-Gehalt im Blut schließt eine Allergie nicht aus. Es ist nämlich möglich, daß sich das gesamte IgE an sogenannte Mastzellen in einem Organ gebunden hat und dadurch im Blutserum nicht meßbar ist bzw. in normaler Konzentration vorliegt.
Beachte:
Der Betroffene tut gut daran, sich Hauttest und RAST nicht selbst anzuschauen, sondern das Ergebnis von einem Arzt auswerten und mitteilen zu lassen. Falsch positive Befunde stellen eine Belastung für den Betroffenen dar, er könnte auf Allergie "programmiert" werden.
   
   
   
   
373
   
   
   
      
         
   
   
   
Provokationstests:
   
   
   
   
Ein Allergen, das eingeatmet wird, kann letztlich nur als asthmaauslösend erkannt werden, wenn es während eines Tests inhaliert wird. Ein Nahrungsmittel kann letztlich nur als Allergen entlarvt werden, wenn es nach mehrtägiger Abstinenz gegessen wird. Derartige Tests werden als Provokationstests bezeichnet:
- inhaltiver Provokationstest (das Allergen wird eingeatmet)
- oraler Provokationstest (das Allergen wird verzehrt)
- nasaler Provokationstest (das Allergen wird auf die Nasenschleimhaut aufgebracht)
- Expositionstest (die Person wird dem Allergen auf natürliche Weise ausgesetzt) Nach Allergenkontakt kann Asthma auftreten:
- im Verlauf von 30 Minuten (sogenannte allergische Sofortreaktion)
   
   
   
   
   
6 Uhr
   
   
   
   
Aufgezeichnet ist der bronchiale Strömungswiderstand am Tage und in der Nacht ohne Medikamente sowie nach Einatmen einer Gräserpollenlösung. Im Verlauf von 30 Minuten nach Inhalation des Allergens steigt der bronchiale Strömungswiderstand an (allergische Sofortreaktion).
   
   
   
   
374
   
   
   
         
         
   
   
   
- Asthma kann auch Stunden (Tage) nach Allergenkontakt einsetzen (sogenannte allergische
   
   
   
   
Spätreaktion)
   
   
   
   
Rt cmH20/l/Sek
10 —i Asthma (allergische Spätreaktion)
   
   
   
   
5 -
   
   
   
   
   
Inhalation Hausstaubmilbe
0 J I-1-\-1-1-1-1-1
12 15 18 21 24 3 6 9 Uhr
   
   
   
   
13 Vi Stunden nach Allergenkontakt erhöht sich der bronchiale Strömungswiderstand, da Asthma eintritt (allergische Spätreaktion).
Der Betroffene kann auch sofort und spät auf das Allergen reagieren.
Für die Diagnose einer Tierhaarallergie ist ausschließlich der Expositionstest zu fordern:
- Der Betroffene wird nach einem frischen Kleiderwechsel drei Tage von dem Tier getrennt und danach mit dem Tier in intensiven Kontakt gebracht, z. B. durch Streicheln, Fellpflege. 24 Stunden vor dem Kontakt und für 24 Stunden danach wird die Lungenfunktion im Abstand von jeweils drei Stunden gemessen, um eine allergische Sofort- und Spätreaktion zu erfassen und um eine etwaige Spätreaktion gegen ein Schlafasthma abgrenzen zu können.
Spürt der Betroffene, daß er auf ein Tier asthmatisch reagiert, so ist die Lage eindeutig,
weitere Tests zur Allergiediagnostik erübrigen sich.
   
   
   
   
375
   
   
   
         
      
   
   
   
Verneint der Betroffene eine Tierhaarallergie, so scheinen seine Angaben zu stimmen:
- 12 Kinder mit Asthma wurden getestet. Sie besaßen ein Haustier, von dem sie sich sicher waren, daß es bei ihnen kein Asthma provoziert. Die Kinder wiesen dennoch einen positiven Hautest mit Allergenen gegen das Tier auf, und sie reagierten sogar asthmatisch im inhalativen Provokationstest, nachdem sie eine entsprechende Tierepithehenlösung eingeatmet hatten. Damit war die Tierhaarallergie wissenschaftlich bewiesen. Umso erstaunlicher war, daß die Kinder nach dreitägiger strenger Trennung von ihrem Tier im Expositionstest, d. h. bei direktem, intensivem Kontakt mit ihrem Tier kein Asthma bekamen. Damit war eine khnisch bedeutsame Allergie ausgeschlossen. Erklärung: Der an Asthma Leidende kann gegen ein Ahergen mehr oder weniger empfindlich sein. Atmet er z. B. in der sogenannten latent allergischen Phase, in der er sein Allergen, so wie es natürhcherweise vorkommt, anstandslos toleriert, im inhalativen Provokationstest das Allergen in übergroßer Menge bzw. Konzentration ein, so wird er allergische Beschwerden bekommen.
Eine Nahrungsmittelallergie wird durch den oralen Provokationstest belegt: Der Betroffene wird 5 bis 7 Tage streng allergenfrei ernährt und erhält dann sein Allergen. Der Provokationstest ist nicht ganz ungefährhch, es kann, wenn auch selten, ein schwerer asthmatischer Schub bis hin zum Schock ausgelöst werden. Deshalb sollten
- Provokationstests nur unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden.
Ist eine Allergie bewiesen, so ist der Kontakt mit dem Allergen zu meiden (Allergenkarenz). Gleichzeitig sollte der Betroffene versuchen, durch Überwinden von Revierangst und der Streßstörung, durch Adaptation sowie Ausschalten von Verstärkern und Wiedergewinnen seiner Sicherheit, seine Allergentoleranz zurückzuerlangen, so daß er in Zukunft bei Allergenkontakt kein Asthma bekommt.
   
   
   
   
376
   
   
   
      
      
   
   
   
Allergenkarenz bei Pollenallergie
   
   
   
   
- Vor dem Schlafzimmerfenster ein feinmaschiges Netz anbringen, das Pollen abhält.
- Rasen im Bereich der Wohnung mögüchst kurz halten.
- Beim Rasenmähen Fenster schließen.
- Als Betroffener nicht selbst den Rasen mähen.
- Seegrasmatratze, falls vorhanden, austauschen.
- Auto mit Pollenfilter fahren.
- Bei der Urlaubsplanung ist der Pollenflug zu berücksichtigen.
Pflanzen blühen im Süden früher, im Norden und auch im Hochgebirge (!) später. Der zeitliche Abstand beträgt 1 bis 2 Monate. Frühjahrspollenallergiker sollten z. B. nicht im Mai in das Hochgebirge fahren.
Die Pollenallergie ist bei manchen Menschen mit einer Allergie gegen Obst bzw. Gewürze und Kräuter verbunden, die betreffenden Nahrungsmittel sollten gemieden werden, falls sie Juckreiz im Hals oder andere Allergiesymptome auslösen (siehe Teil II, II. Kapitel, Nahrungsmittelallergie).
   
   
   
   
377
   
   
   
      
      
   
   
   
Allergenkarenz bei der Hausstaub-, Hausstaubmilbenallergie
   
   
   
   
Der Gehalt an Staub in der Innenraumluft steigt drastisch mit der Zahl an Gegenständen und Menschen im Wohnbereich. Ideal wäre, wenn zumindest der Schlafbereich staubarm gestaltet werden könnte - d. h. Kleiderschrank, Möbel, Teppich, Polstermöbel, Bücher, Spielsachen sollten sich nicht im Schlafraum befinden.
Maßnahmen bei Hausstaub-, Hausstaubmilbenallergie beinhalten: Schlafzimmer:
- möghchst wenig Staubfänger im Zimmer belassen
- Kleider vor dem Schlafzimmer an- und ausziehen und aufbewahren
- Bettzeug über Tag aufgedeckt liegen lassen
- Matratze und Bettzeug oft an der frischen Luft lüften
- bei einer Milbenallergie Matratze, Zudecke und Kissen mit einem allergendichten Bezug überziehen
Wohn-/Schlafraum:
- nicht rauchen
- gute Lüftung. Wärmedämmung mindert den Luftaustausch und erhöht den Gehalt an Staub in der Raumluft
- optimales Rauniklima (ca. 50 % relative Luftfeuchte und 18° Celsius Raumtemperatur, im Schlafzimmer 14° bis 15° C)
- Reinigung durch feuchtes Wischen. Staubsauger verwenden, die auch den Feinstaub filtern oder den Staub direkt in das Freie befördern
- Reinigung der Wohnung, Bettenmachen nicht in Gegenwart des Betroffenen durchführen
- Staubfänger reduzieren
- vor der Heizperiode Heizkörper sorgfältig von Staub reinigen. Urlaub:
- Dem Hausstaubmilbenahergiker ist bei extremer Überempfindlichkeit gegen Milben ein Urlaub im Hochgebirge zu empfehlen, da in einer Höhe von über 1200 Metern die Milben kaum lebensfähig sind.
Die Hausstaubmilbenbelastung kann durch einen einfachen Farbtest gemessen werden (Acarex-TestR). Der Test ermöghcht auch, Sanierungsmaßnahmen (z. B. durch AcarosanR) auf ihre Effektivität hin zu prüfen.
   
   
   
   
378
   
   
   
      
      
   
   
   
Allergenkarenz bei der Schimmelpilzallergie
   
   
   
   
- Aufenthalt in Feuchtzonen meiden
- das Haus gut lüften, Stockflecken entfernen, Fensterbänke reinigen, Vertäfelungen auf Schimmelpilzbefall untersuchen, Klimaanlagen, vor allem die Schächte, säubern, keine Luftbefeuchter benutzen, keine Zimmerpflanzen in der Wohnung halten. Ist das Haus stark von Schimmelpilzen befallen und die Sanierung nicht möglich, hilft nur Wohnungswechsel
- Tierställe, Zoo nicht betreten. Erkrankte Haustiere mit Fellmykose meiden; Aquarium, Vogelkot können als Quelle für Pilzsporen dienen
- keine Gartenarbeit verrichten, nicht in Gewächshäusern arbeiten
- verpilzte Polstermöbel und Matratzen entfernen
- Gemüse und Obst gut abspülen, im Kühlschrank lagern, Getreide sorgfältig reinigen; Produkte, die Schimmel enthalten, nicht essen, das gilt besonders für Ölsaaten und Nüsse
- keinen Alkohol, kein Bier, Sekt, Wein, Essig trinken, keine Fertigsoßen, Gewürze, Hefe, keinen Käse, kein Sauerkraut essen
- naturreine Nahrungsprodukte verwenden (sie sind nicht durch Zusatz von Schimmel-pilzprodukten aufgeschlüsselt)
- Anwendung von Zahnreinigungsmitteln, bestimmten Medikamenten, Seifen, Wasch-mitteln, Kosmetika, Desodorantien meiden, falls möglich
- Vorsicht bei Kontakt mit biologisch aktivem Waschmittel, evtl. Handschuhe, Mundschutz tragen
   
   
   
   
379
   
   
   
      
      
   
   
   
Karenz bei Tierhaarallergie
   
   
   
   
Tiere werden möglichst nicht abgeschafft, weil der Verlust das Asthma eher verstärkt. Bei extremer Tierepithelienallergie sollte das Tier außerhalb der Wohnung gehalten werden. Der Betroffene darf für einige Zeit das Tier nicht füttern, pflegen, den Stall reinigen - solange, bis er Adaptation erlangt hat.
Es gibt Tierhaarallergiker, die nur dann auf ein Tier allergisch reagieren, wenn sie sich vor dem Tier ekeln oder wenn das Tier intensiv riecht, was z. B. bei Regenwetter der Fall sein kann. Bei einer Roßhaarallergie kann Allergenkontakt über Roßhaar in Kissen, Matratzen, Matratzenschoner erfolgen. Es ist der mikroskopisch feine Abrieb von Roßhaar, der durch die bzw. aus den Umhüllungen dringt und dann im Staub enthalten ist, mit dem der Betroffene in Kontakt kommt. Die genannten Produkte sind auszutauschen. Geschwister, die reiten, sollten ihre Reitsachen außerhalb der Wohnung aufbewahren und sich auch bereits dort umkleiden, evtl. duschen inclusive Haarwäsche, da zumeist der Pferdegeruch genügt, um bei Hochempfindhchen asthmatische Beschwerden auszulösen.
Insbesondere bei der Tierhaarallergie besteht häufig der Wunsch, daß der Betroffene wieder Anpassung, Adaptation an das Tier erlangt, ohne Asthma zu bekommen. Deshalb ist es notwendig, den Vorgang zu rekonstruieren, in dem im Zusammenhang mit Tierkontakt Revierangst ausgelöst wurde und das Tierhaarasthma entstanden ist. Danach läßt sich das Ereignis auch dekonditionieren.
   
   
   
   
380
   
   
   
      
      
   
   
   
3. Infektionserreger, Erkältung, Schnupfen
   
   
   
   
Ein Infektasthma entwickelt sich typischerweise in folgender Reihenfolge:
- Schnupfen - ein bis zwei Tage, später Husten - asthmatische Bronchitis.
Erkältung und Grippe werden häufig verwechselt. Eine verstopfte oder laufende Nase und Kratzen im Hals sind typische Zeichen einer Erkältung. Etwa die Hälfte der an Grippe Erkrankten zeigt die Symptome auch, zudem leiden sie noch an Kopfschmerzen, Fieber und einem ausgeprägten Krankheitsgefühl. Während die Grippe durch Influenzaviren vom Typ A, B, C ausgelöst wird, kann eine Erkältung von ca. 200 Viren hervorgerufen werden. Das Maximum der Erkrankung an infektiösem Schnupfen liegt im Herbst, Winter, Frühjahr. Allgemein wird angenommen, daß Schnupfen bzw. Schnupfenerreger durch Tröpfcheninfektion oder durch Kontakt übertragen werden. Aber selbst "raffinierte" Untersuchungen haben keine Erklärung über den Übertragungsweg erbracht (287).
- Nur fünf Prozent der Versuchspersonen erkälteten sich, wenn sie
- angehustet oder
- "benießt" wurden.
- Gesunde spielten mit einem durch Schnupfenviren infizierten Menschen Karten. Es ist anzunehmen, daß durch den Erkrankten die Spielkarten mit Schnupfenviren infiziert sind.:
- die eine Hälfte der Gesunden konnte während des Kartenspiels ihr Gesicht, ihren Mund berühren und so die durch Kontakt mit den Spielkarten aufgenommenen Viren aquirieren
- die andere Hälfte durfte ihr Gesicht nicht berühren.
Die Zahl der Gesunden, die erkrankten, unterschied sich in den beiden Gruppen nicht unwesentlich voneinander. Weitere Experimente:
- Gesunde spielten mit einem künstlich durch Schnupfenviren infizierten Kartenspiel. Kein Gesunder bekam einen Schnupfen.
Im Gegensatz dazu steht folgendes Experiment:
- Fast Dreiviertel aller Personen, die einen Erkälteten berührten, steckten sich an.
In einem weiteren Experiment wurden gesunden Versuchspersonen, ohne daß der Arzt oder die Versuchspersonen Kenntnis über den Inhalt der Lösung besaßen,
- eine virusinfizierte Lösung und
- eine sterile körperähnliche Kochsalzlösung
nacheinander und in zufälliger, wechselnder Reihenfolge auf die Nasenschleimhaut aufgeträufelt.
Nur ein recht kleiner Anteil der Betroffenen erkrankte.
Das verblüffende, zusätzliche Ergebnis war, daß jede Art von Wechsel im Leben, positiv oder negativ, eine Erkältung begünstigen konnte. Die Experimente lassen vermuten, daß
- Lernerfahrungen des Individuums eine wesentliche Rolle spielen. Jeder, der sich schon einmal angesteckt hat, fürchtet sich vor der Ansteckung, und damit wird der Prozeß der Infektion begünstigt.
- die Abwehr und nicht der Schnupfenvirus die entscheidende Rolle bei der Infektion spielt, da nur ein kleiner Teil der mit Schnupfen viren Infizierten erkrankt.
Nach der in diesem Buch vertretenen Meinung tritt Schnupfen besonders dann auf, wenn der Betroffene in seinem Gefühl verletzt wird, z. B. durch unerwartete Worte wie
- "du kannst nichts"
- "du bist nichts"
- "auf dich ist kein Verlaß" u. ä.
   
   
   
   
381
   
   
   
      
      
   
   
   
Reagiert der Betroffene verschnupft, d. h. ohnmächtig, hat es ihm schwer gestunken, so wird er krank.
Eine derartige, nicht erwartete Äußerung verletzt, sie verändert die Abwehr und die Überwachung der Nasenschleimhaut vom Gehirn her, so daß ein Schnupfen durch ein Schnupfen virus eintreten kann.
   
   
   
   
382
   
   
   
      
      
   
   
   
Meiden von Infektionserregern
   
   
   
   
Viren und Bakterien erreichen besonders in der Innenraumluft eine hohe Konzentration, wenn sich Infizierte in den Räumen befinden, so besonders
- im Kindergarten
- in der Schule
- bei Menschenansammlungen in Räumen, in öffentlichen Verkehrsmitteln.
Wird Asthma durch Infektionen hervorgerufen und sind diese ständig vorhanden, sollte der Kontakt mit Erkrankten, die infektiös sind, für einige Zeit gemieden werden, bis eine stabile Abwehrlage erreicht ist:
- Massenansammlungen sind zu meiden.
- Bei einem Besuch zuvor erkundigen, ob jemand der Anwesenden unter einem Infekt leidet. Das gilt vornehmlich für Kindergeburtstage.
- In den Urlaub fahren, um Ansteckungen zu entgehen.
Es handelt sich bei diesen Maßnahmen aber stets nur um zeitlich begrenzte, maximal 1 bis 3 Monate lang währende Maßnahmen. Ziel der Behandlung ist es, den Betroffenen wieder der normalen Umweltbelastung auszusetzen. Wichtig ist, das gilt für den Betroffenen und seine Kontaktperson gleichermaßen, daß man sich nicht vor Ansteckung fürchtet und die Karenzmaßnahmen wie etwas Selbstverständliches durchführt.
Zu achten ist auch auf Befeuchteraerosole aus Klimaanlagen, Luft- bzw. Raumbefeuchtern; sie könnten mit Bakterien, Viren, Pilzen verunreinigt sein.
In Warmwasser- und in Wirlpools können ebenfalls vermehrt Infektionserreger enthalten sein. Bei Infektionsneigung ist Abhärtung angesagt:
- viel an die frische Luft gehen, bei schönem und schlechtem Wetter
- bei offenem Fenster schlafen
- Schlafzimmer nachts nicht heizen
- morgens kalt abwaschen
- Innenräume oft lüften, nicht überheizen.
   
   
   
   
383
   
   
   
      
      
   
   
   
4. Intoleranz- bzw. pseudoallergische Reaktionen
   
   
   
   
Nur etwa 1 bis 2 % der Gesamtbevölkerung hat Probleme mit Stoffen im Sinne einer Intoleranz- bzw. pseudoallergischen Reaktion (282).
Bei der Intoleranz, der Begriff stammt aus der Pharmakologie, besteht eine individuelle Überempfindlichkeit im Sinne des pharmakologischen Effektes, d. h. Krankheitssymptome treten schon bei ungewöhnlich niedriger Substratkonzentration auf, z. B. durch Histamin u. a.
Von einer pseudoallergischen Reaktion wird dann gesprochen, wenn die ausgelösten
Krankheitssymptome denen einer allergischen Reaktion gleichen - Pricktest und/oder RAST
sind aber negativ, d. h. ein immunologischer Mechanismus liegt im Gegensatz zu der
Allergie nicht vor (312). Als Auslöser werden in erster Linie Konservierungsstoffe
(z. B. Benzoesäure), Acetylsalicylsäure, Farbstoffe (z. B. Azofarbstoffe) und Sulfite
angegeben.
Karenz siehe Teil II, II. Kapitel, Zusatzstoffe in Lebensmitteln.
   
   
   
   
384
   
   
   
      
      
   
   
   
5. Reizgase in der Außenluft und Asthma
   
   
   
   
Bedingt dadurch, daß sein Bronchialsystem hyperreagibel ist, reagiert der von Asthma Betroffene auf Reizgase mit Asthma und zwar bereits in einer Konzentration, die der Gesunde verträgt, ohne Symptome zu bekommen. Folgende Reizgase können Asthma hervorrufen:
- Schwefeldioxid (S02)
- Stickstoffdioxid (N02)
- Ozon(03).
Schwefeldioxid (S02) und Stickstoffdioxid (N02) sind wesentliche Komponenten der Luftverschmutzung, und sie kommen in höherer Konzentration in der Luft, besonders bei Smog vor.
Ozon (O3) findet sich in höherer Konzentration in der Luft an sonnenreichen Tagen in imissionsbelasteten Großstädten oder Regionen (sogenannter Sommersmog). Bezüglich der Belastung der Außenluft mit Reizgasen lassen sich folgende Schlußfolgerungen ziehen (185):
1. Luftschadstoffe wie S02, N02 und 03 können dosisabhängig bei Atemwegsgesunden und Asthmatikern eine Atemwegsobstruktion auslösen. Am empfindlichsten reagieren Asthmatiker und nur gering Normalpersonen.
2. Luftschadstoffe führen - wenn sie Wirkungen zeigen - zu einer zeitlich begrenzten Überempfindlichkeit der Atemwege.
3. Atemwegsobstruktionen und zeitweilige Hyperreagibilität bedeuten noch nicht Asthma. Die bisher vorliegenden klinischen und tierexperimentellen Studien können keinen Beweis dafür liefern, daß Luftschadstoffe allein in den real vorkommenden Konzentrationen einen Atemwegsgesunden zum Asthmatiker machen können.
4. Bei bereits bestehendem Asthma sind Schadstoffakkumulationen, wie sie zum Beispiel unter austauscharmen Wetterlagen vorkommen (Smog), in der Lage, bis hin zum behandlungsbedürftigen Asthma Beschwerden auszulösen.
Schadstoffe in der Umwelt müssen möglichst niedrig gehalten werden, das ist im Interesse der Gesundheit aller zu fordern (147). Da der Betroffene vor allem die Außenluftverschmutzung wahrnimmt, hat er nur zu leicht das Gefühl, daß er auf seine Schadstoffbelastung keinen Einfluß hat. Doch das trifft nicht zu.
   
   
   
   
385
   
   
   
      
      
   
   
   
6. Stoffe, die die Innenraumluft belasten
   
   
   
   
Das Interesse der letzten Jahrzehnte galt der Belastung der Außenluft mit Schadstoffen. Inzwischen hat sich aber die Qualität der Außenluft deutlich verbessert, dagegen die der Innenraumluft stetig verschlechtert (173, 174, 230).
- Verhältnis der Konzentration Innen/Außen
Das Kohlendioxid ist in Innenräumen um 1- bis lOfach erhöht.
Der Schwebstaub steigt um das 0,5- bis lfache (ohne Tabakrauch),
um das 2- bis lOfache (mit Tabakrauch),
die höheren aliphatischen Kohlenwasserstoffe 2- bis 5fach,
aromatische Kohlenwasserstoffe 1- bis 3fach,
leicht flüchtige Halogenkohlenwasserstoffe 10- bis 50fach,
polychlorierte Biphenyle 5- bis lOfach. Die zunehmende Belastung der Innenraumluft mit Schadstoffen ist vor allem auf die bessere Wärmedämmung durch Abdichten der Innenräume und dem damit verbundenen eingeschränkten Luftaustausch mit der Außenluft sowie dem steigenden Einsatz von Chemikalien in Innenräumen zurückzuführen.
Da die Innenraumluft mit der Außenluft in Verbindung steht, kann sie nicht besser sein als die Außenluft. Da die Konzentration an Schadstoffen in der Innenraumluft, insbesondere an organischen Verbindungen (Lösemittel u. a.) die der Außenluft um eine, oft sogar um zwei Zehnerpotenzen übersteigt und da die Quellen sich in den Räumen selbst befinden, sollten Räume mehrmals täglich gut gelüftet werden. Lüften des Raumes ist besonders dann notwendig, wenn Arbeiten ausgeführt werden, die Fremdstoffe freisetzen, so z. B. beim Staubsaugen, bei handwerklichen Verrichtungen, beim Reinigen, Basteln, Anstreichen, Sprayen.
Es ist außerordentlich schwierig, die Belastung durch Fremdstoffe in Innenräumen abzuschätzen:
- Die Konzentrationen von Schadstoffen in der Luft oder im Staub variieren örtlich, d. h. von Gebäude zu Gebäude und von Raum zu Raum und zeitlich, d. h. nach Tätigkeiten, bei denen Emissionen freigesetzt werden oder im Sommer und Winter in so hohem Maße, daß sich eine Übersicht über die tatsächliche Belastung nur in begrenztem Umfang gewinnen läßt.
Fremdstoffe in der Innenraumluft lassen sich mit viel Aufwand messen. Aber auch der menschliche Geruchssinn ist ein gutes Instrument und in den meisten Fällen völlig ausreichend, um schädliche Substanzen aufzuspüren. Patienten, die auf Schadstoffe in ihrer Umgebung reagieren, haben einen außerordentlich feinen Geruchssinn. Nach einem Spaziergang in frischer Luft sollte z. B. in Innenräumen ein Schnüffeltest durchgeführt werden. Dabei ist der Raum systematisch nach auffallend riechenden Stoffen zu untersuchen. Es bleiben jeweils nur 10 bis 15 Minuten für die Untersuchung, da sich dann der Geruchssinn an die Umgebung gewöhnt hat. Unangenehm und intensiv stechend riechende Dinge sind dann aus der Wohnung zu verbannen.
   
   
   
   
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Das Umweltmobil
   
   
   
   
Besteht der dringende Verdacht, daß Krankheitssymptome durch Umweltschadstoffe bzw. Umweltgifte (209, 210) in Innenräumen verursacht sind, kann der Arzt das Umweltmobil anfordern (67). Es ist besetzt mit einem in Umweltfragen erfahrenen Ingenieur und ausgestattet mit tragbaren Analysegeräten zur Vor-Ort-Analyse sowie Probenahmesystemen zur differenzierten Innenraumuntersuchung. Vor Ort findet eine Wohnungsinspektion und Beratung statt und nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt werden im Einzelfall weitere Messungen und Analysen getätigt.
Anamneseerhebung und Untersuchung durch den Arzt
Umweltmobil (Wohnungsinspektion)
*
Rücksprache mit dem behandelnden Arzt
im Einzelfall weitere Messungen und Analysen
Da sich der Mensch im Laufe seines Lebens zu ca. 80 % in Innenräumen aufhält, kommt der Fremdstoffbelastung in Innenräumen Bedeutung zu.
Im Folgenden wird eine einfache Übersicht über Quellen von Schadstoffen gegeben. Es werden nur wesentliche Stoffe erwähnt, die den Innenraum belasten.
   
   
   
   
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Tabakrauch und Emissionen aus offenen Feuerstellen
   
   
   
   
Tabakrauch ist das Wohngift Nr. 1.
Durch Tabakrauch werden Schadstoffe freigesetzt wie
- Kohlenmonoxid
- Nikotin
- Reizstoffe wie Formaldehyd, Stickstoffoxide, Ammoniak, Acrolein
- polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe
- ferner Staubpartikel, Cadmium u. a.
Offene Feuerstellen:
Die Innenraumluft wird belastet durch offene Feuerstellen wie Kochherde, Kaminfeuer, Öfen, Heißwasserbereitern, durch brennende Kerzen, Öl- und Petroleumlampen. Erhöhte Innenraumbelastungen treten vor allem in Küchen mit Gasherden auf, insbesondere durch Freisetzung von
- Stickstoffmonoxid
- Stickstoffdioxid
- Kohlenmonoxid.
Ratschläge:
Für den Innenraumbereich ist ein strenges Rauchverbot zu fordern.
Offene Feuerstellen sollten reduziert werden. Die Verbrennungsgase durch offene Flammen werden über Abluftvorrichtungen nach außen geführt.
Die Art und Qualität des Brennstoffs beeinflußt auch die Belastung der Innenraumluft mit Schadgasen, so sollte das Abbrennen von Kerzen, Öl- und Petroleumlampen gering gehalten werden.
Bei Heizquellen mit offener Flamme muß für ausreichende Luftzufuhr gesorgt werden (Installateur, Schornsteinfeger, DIN 1946 T 6).
   
   
   
   
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Emissionen aus Bauprodukten, Ausstattungsmaterialien, Holzwerkstoffen und Möbeln Bauprodukte
Sie bestehen aus natürlichen Stoffen wie z. B. Sand, Schotter, Kies, Naturstein, Holz oder künstlichen Stoffen wie z. B. Zement, Keramik, Beton, Kunststoffen, Kunstharzen. Da Bauprodukte aus verschiedenartigen Grundsubstanzen zusammengesetzt sind, können von ihnen unterschiedliche Emissionen ausgehen, wie
- Schweb- und Faserstoffe, z. B. Staub, Asbestfasern, Mineralfasern, Holzstaub
- chemische Grundstoffe
- chemische Hilfsstoffe, z. B. Konservierungsstoffe
- Strahlung, z. B. Radon.
Asbest und künstliche Mineralfasern (KMF) werden zu wärmeisolierenden, schalldämmenden und brandhemmenden Bauhilfsstoffen verarbeitet, die kleine Fasern freisetzen können. Die häufigsten Quellen sind Spritzasbest, Asbestzement, Isoliermatten, gepackte, kaschierte oder lose Dämmstoffe ("Mineralwolle"). Asbest tritt auch in älteren Heizgeräten, bei Heizungsverkleidungen, Kaminen und Klimaanlagen auf.
Ausstattungsmaterialien
Dazu zählen z. B. Fußbodenmaterialien, Tapeten, Vorhänge u. a. Sie sind fest mit dem Bauwerk verbunden oder frei beweglich im Raum. Sie lassen sich unterteilen in
- anorganische Materialien wie z. B. Natur-, Ziegelton-, Klinkersteine, Keramik, Putz, Estrich
- organische Naturprodukte, z. B. Holz, Kork, Linoleum, Textilien aus Naturfasern
- Kunststoffe wie Fohen, Platten, Teppiche, künstliche Mineralfasern
- chemische Zusätze und Beschichtungen.
Kunststoffe können Weichmacher, Additive u. a. absondern. Neue Teppichböden können anfangs geruchsbelästigend sein. In Teppichböden wurden auch Pentachlorphenol, Formaldehyd, Pyrethroide u. a. gefunden.
Holzwerkstoffe und Möbel
Spanplatten werden im Innenausbau von Räumen und für die Herstellung von Möbeln verwendet. Sind die Platten mit Harnstoff-Formaldehyd-Leimen verbunden, kann durch Hydrolyse des Leimes
- Formaldehyd
freigesetzt werden. In vergleichbar geringem Umfang werden auch
- Diisocyanate
bei der Verleimung verwendet.
Ratschläge:
- Bauprodukte wie Mörtel, Putz, Mauersteine, Beton, Stahl, Glas geben nur unbedeutende Emissionen ab und sind als Baumaterialien zu bevorzugen. Für den Innenausbau können zementgebundene Spanplatten, Gipsplatten oder magnesitgebundene Platten verwendet werden.
Ungekapselte bzw. nichtgebundene Faserbaustoffe sollten nicht verwendet werden. Gekapselte und gebundene Asbest- und KMF-Baustoffe setzen gesundheitsschädhche Fasern frei, wenn sie mit Trenn-Schleifgeräten bearbeitet werden. Derartige Arbeiten sohten im Freien und mit Atemschutz durchgeführt werden.
- Von den Ausstattungsmaterialien sind die anorganischen wie Natur-, Ziegelton-, Klinkersteine, Keramik, Putz, Estrich und die organischen Naturprodukte wie Holz, Kork, Linoleum, Textihen aus Naturfasern - möglichst wenig belastet oder unbehandelt - zu empfehlen.
   
   
   
   
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Bei Verwendung von Hölzern ist auf ihren Geruch zu achten und darauf, ob sie vorbehandelt wurden.
Möbel sollten keine Schadstoffe emittieren, deshalb empfiehlt sich evtl. ein gezielter Einkauf unbehandelter Möbel, evtl. in Ökohandlungen.
Bei Teppichen sollte auf den Schaumrücken verzichtet werden, besser ist ein Geweberücken.
Möbel sollten nicht direkt an die Wand, sondern in einem Abstand von ca. 5 cm davon
aufgestellt werden, um die Luftzirkulation hinter den Möbeln zu erhalten, das gilt
insbesondere für Möbel, die an Außenwänden stehen.
Feuchte an der Quelle abführen, besonders im Bad und in der Küche.
Räume nicht überheizen. Ein Anstieg der Temperatur erhöht chemische Reaktionsprozesse.
Wohnung häufiger lüften, dann gibt es kaum Probleme durch Innenraumbelastungen,
Fenster müssen geöffnet werden (Stoßlüftung), es geht leider zu Lasten von Heizenergie.
   
   
   
   
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Emissionen aus Farben und Lacken
Farben und Lacke bestehen aus (78):
- Pigmenten und Füllstoffen
- Bindemitteln (Filmbildner)
- organischen Lösemitteln, die das Bindemittel verarbeitungsfähig machen
- Hilfsmitteln, die zur Erzielung bestimmter Eigenschaften notwendig sind. Acrylharzfarben und -lacke enthalten ca. 6 % Lösemittelanteil und bis zu 0,5 % Wirkstoffe gegen Schimmelpilzbildung (chlorierte Kohlenwasserstoffe). Sie sind schnelltrocknend, wasserverdünnbar und werden im Heimwerkerbereich sowie als Wand- und Fassadenfarbe angewendet.
Chlorkautschuklacke, verwandt als Bootslack, enthalten Lösemittel wie Tetrachlorkohlenstoff und Antifoulings-Wirkstoffe gegen Algen- und Muschelbefall.
Kunstharz- und Alkydharzlacke enthalten ca. 40 % Lösemittel (Testbenzin) und schwermetallhaltige Trockenstoffe. Wegen ihrer Elastizität und Oberflächenhärte werden sie im Heimwerkerbereich bei Holzanstrichen eingesetzt.
Kunststofflacke haben einen hohen Anteil aromatischer Lösemittel wie Toluol, Xylol und/oder Lösemittel auf der Basis chlorierter Kohlenwasserstoffe.
- Phenolharzlacke, Harnstofflacke, Melaminharzlacke enthalten ca. 50 % Lösemittel (Toluol, Xylol) und geben Formaldehyd ab. Verwendung finden sie bei der Parkett Versiegelung, Möbelbearbeitung.
- Polyurethranlacke (DD-Lacke), Epoxidharzlacke, Polyesterlacke haben zum Teil einen hohen Gehalt an Lösemitteln, z. B. Epichlorhydrin in Epoxidharzlacken oder Isocyanat in DD-Lacken. Anwendung auf Holz, vorwiegend im gewerblichen Bereich.
Nitrolacke enthalten über 70 % Lösemittelanteil (Ethylacetat, Toluol u. a.). Sie werden besonders auf Holz und Metall aufgebracht, sind aber universell einsetzbar. Spirituslacke haben als Lösemittel den wenig schädlichen Spiritus und werden vorwiegend im Modellbau verwendet.
Naturharzlacke enthalten als Lösemittel Balsamterpentinöl, Citrusschalenöle oder Kolophonium. Sie dienen dem Innen- und Außenanstrich.
Naturharz-Dispersionsfarben enthalten dieselben Lösemittel wie die Naturharzlacke.
Lacke erhalten das Umweltzeichen "Blauer Engel", wenn ihr Lösemittelgehalt vermindert
wurde. Lacke, die dieses Zeichen tragen, enthalten somit nicht unbedingt einen niedrigen
Lösemittelanteil!
Ratschläge:
- Für den an Asthma Leidenden kann es durchaus verträglicher sein, Lacke mit hohem Lösemittelanteil zu verwenden. Sie gasen zwar kurzfristig stark aus, sind aber, wenn das Lösemittel sich verflüchtigt hat, relativ geruchsneutral. Die sogenannten Bio-Lacke haben einen niedrigen Lösemittelanteil, sie sind daher grundsätzlich zu empfehlen, sie enthalten aber häufig Terpentinöl und Citrusterpene, was wegen des intensiven Geruchs bedenklicher sein kann als synthetische Lösemittel. Dispersionsfarben haben häufig einen langanhaltenden widerlichen Geruch.
- Bei Renovierungsarbeiten ist darauf zu achten, daß man "im Lacksystem" bleibt. So enthalten Lacke häufig Phthalsäureester, der, wenn der Lack getrocknet ist, stabil bleibt. Wird über diesen Lack nach Jahren ein neuer Lackanstrich aufgetragen, so kann über den darin enthaltenen Lösemittelvermittler evtl. Phthalsäure freigesetzt und Atemnot ausgelöst werden (Sigrist).
Acryllacke werden in Innenräumen zum Anstrich verwendet. Allerdings sind sie nach Gebrauch nur begrenzt haltbar, sie können von Mikroorganismen besiedelt werden. Würde der Lack spä-
   
   
   
   
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ter erneut verstrichen, so könnten Mikroorganismen in sehr großer Menge in die Innen-raumluft gelangen (Sigrist).
   
   
   
   
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Emissionen aus Pflege- und Reinigungsmitteln
   
   
   
   
Pflege- und Reinigungsmittel
Pflege- und Reinigungsmittel aber auch Geruchsverbesserer und Imprägnierungsstoffe kontaminieren die Innenraumluft. Es wird eine große Zahl von Reinigungs- und Pflegemitteln im Haushalt eingesetzt, so zum Beispiel
- Schuhpflegemittel
- Lederputz- und Lederpflegemittel
- Fußbodenreinigungs- und -Pflegemittel
- Teppichreiniger
- Möbelpflegemittel
- Glas- und Fensterputzmittel bzw. -reiniger
- Herdputzmittel
- Rohr- und WC-Reiniger incl. Beckentabletten
- Grill- und Backofenreiniger
- Stahheinigungs(putz)mittel
- Kunststoffreiniger
- Fliesenreiniger
- u. a.
Hinzu kommen
- Waschmittel
- Geschirrspülmittel
Häufig in Haushaltsprodukten enthaltene Lösemittel sind
- ahphatische Kohlenwasserstoffe
- aliphatische Alkohole
- Glykolderivate
- aliphatische Esther
- ahphatische Ketone
- Ester
- Alkylbenzole
- halogenisierte Kohlenwasserstoffe
- halogenisierte Aromaten
Ratschläge:
- Während der Reinigung ist gut zu lüften, evtl Schutzmaske tragen.
- Die Belastung durch Schadstoffe aus Pflege- und Reinigungsmitteln hängt zum Teil davon ab, in welcher Form sie angewendet werden. So bewirken Sprays zum Beispiel einen sprunghaften Anstieg der Konzentration von flüchtigen Stoffen und sind daher grundsätzlich nicht zu empfehlen.
- Zur Reinigung und Pflege in Haushalten genügen Schmierseife, Essig und Soda.
   
   
   
   
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Kosmetische Mittel
   
   
   
   
Der Mensch hat heimlich die Fremdstoffe in "gute" und "böse" eingeteilt. Zu den bösen zählen Schadstoffe, die zum Beispiel durch die Industrie, den Verkehr freigesetzt werden. Die guten hingegen, zu denen offensichtlich die Kosmetika zählen, trägt er täglich auf seinen Körper auf -ohne darauf zu achten und ohne daß es ihm bewußt wird - , daß alle Stoffe, die nicht körpereigen sind, den Organismus belasten. Zu den kosmetischen Mitteln zählen:
- Kosmetische Mittel zur Hautpflege
- Hautwasch- und -reinigungsmittel
- Badepräparate
- Hautpflegemittel
- Dekorative Körperpflegemittel (Make up)
- Intimpflegemittel
- Fußpflegemittel
- Kosmetische Mittel mit spezieller Wirkung
- Lichtschutzmittel
- Hautbräunungsmittel
- Depigmentierungsmittel
- Insektenabwehrende Mittel
- Deodorantien
- Antitranspirantien
- Mittel zur Reinigung und Pflege der unreinen Haut
- Haarentfernungsmittel
- Rasiermittel
- Duftmittel
- Kosmetische Mittel zur Zahn-, Zahnersatz- und Mundpflege
- Zahn- und Mundpflegemittel
- Prothesenreinigungs- und -haftmittel
- Kosmetische Mittel zur Haarbehandlung
- Haarwaschmittel
- Haarpflegemittel
- Mittel zur Haarverfestigung
- Mittel zur Farbänderung
Das kosmetische Mittel belastet zum Teil die Innenraumluft und wirkt zudem durch direktes Aufbringen auf Haut und/oder Schleimhäute auf den Organismus ein.
Ratschläge:
- Bei der Anwendung kosmetischer Mittel gilt der Grundsatz - keine Substanz ist völlig unschädlich, das trifft auch für "Bio"- oder "Öko"-Mittel zu. Daher sollten kosmetische Mittel zurückhaltend angewendet werden unter dem Aspekt
- Angemessenheit
- Minimierungsstrategien.
- Entlastung von Fremdstoffen schließt ein, daß übermäßiges Waschen, Duschen oder Baden zu unterlassen ist. Wasser zerstört den Säureschutzmantel der Haut und trocknet die Haut aus, so daß sie permeabler für Fremdstoffe wird.
   
   
   
   
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Desmfektionsmittel, Insektizide, Holzschutzmittel, Klebstoffe Desinfektionsmittel
Bestimmte Phenole, Aldehyde und Alkohole wirken desinfizierend. Formaldehyd kommt in Desinfektionsmitteln in Konzentrationen bis 7,5 % vor.
Insektizide
Sprays werden gegen Fluginsekten eingesetzt, typische Wirkstoffe sind Dichlorvos, Lindan, Methoxychlor, Pyrethroide.
Insektenstrips richten sich ebenfahs gegen Fluginsekten und enthalten Dichlorvos. Stäubemittel wenden sich gegen versteckt lebende Insekten, Inhaltsstoff ist Lindan. Mottenkugeln und -tabletten dienen dem Schutz von Textihen durch p-Dichlorbenzol, Kampfer, Lindan, Naphthalin.
Wirkstoffgetränkte Papierstreifen sollen Textihen schützen, sie enthalten Lindan. Elektroverdampfer richten sich gegen Fluginsekten, sie setzen Pyrethrine, Pyrethroide frei.
Holzschutzmittel
Für den chemischen Holzschutz werden organische Biozide eingesetzt, die vorwiegend aus dem Pflanzenschutz bekannt sind.
Klebstoffe
Ein großer Anteil an Klebstoffen enthalten einen hohen Anteil an Lösemitteln. In zunehmendem Maße werden auch Schnellkleber auf der Basis von Cyanacrylat verwendet.
Ratschläge:
- Die Anwendung von Desinfektionsmitteln ist unter haushaltstypischen hygienischen Bedingungen überflüssig, da sich die üblichen Reinigungsmaßnahmen auch für Küche und Bad als ausreichend erwiesen haben.
- Gegen Insekten, so z. B. Mücken, Wespen, helfen feinmaschige Gewebe vor den Fenstern bzw. Vorhänge bei Türen.
- Holzschutzmittel sollten nicht in Innenräumen angewendet werden, sie belasten langzeitig nach Anwendung noch die Innenraumluft mit Schadstoffen. Gegen Würmer in Möbeln kann eine Behandlung in einem Warmluftschrank helfen.
- Bei Anwendung von Insektiziden ist eine aerosoldichte Kleidung zu tragen, die sofort nach Beendigung der Tätigkeit zu wechseln ist, und anschheßend ist der Körper abzuduschen.
- Als Klebstoffe sohten Produkte Verwendung finden, die lösemittelfrei sind und kein Formaldehyd, Isocyanat enthalten. Schnellkleber auf der Basis von Cyanacrylat sind wegen ihres stechenden Geruchs und ihrer schleimhautreizenden Wirkung zu meiden und sonst nur bei guter Lüftung, Windrichtung beachten, anzuwenden.
   
   
   
   
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Richtiges Lüften
Wer seine Wohnräume nicht ausreichend lüftet, ist einer erhöhten Innenraumluft-Schadstoffbelastung ausgesetzt. Zudem läuft er Gefahr, das Mauerwerk mit zuviel Feuchtigkeit zu belasten. Pilzkulturen in Zimmerecken oder hinter Schränken sind deutüche Zeichen von mangelhaftem Luftwechsel. Schwitzwasserperlen an den Wänden, besonders in Bad und Keller, zeigen den Wasserüberschuß an. Ziel des richtigen Lüftens ist es, die durch Schadstoffe und Feuchtigkeit belastete Innenraumluft gegen frische Außenluft auszutauschen, ohne daß mit der Frischluft unnötig viel Wasser in die Räume geleitet wird (78).
Das richtige Lüften geschieht durch Stoßlüften, indem die Fenster für etwa 5 bis 10 Minuten sperrangelweit geöffnet werden. Zugerscheinungen, die auftreten können, sind erwünscht. Die belastete, feuchte Innenraumluft soll abtransportiert und durch frische, kalte Außenluft ersetzt werden.
Der Abtransport von Feuchtigkeit aus den Innenräumen funktioniert nur, wenn die Außenluft kälter als die Luft in der Wohnung ist. Die beim Atmen und Kochen abgegebene Feuchtigkeit wird von der sich langsam erwärmenden Frischluft aufgenommen und dann bei der nächsten Stoßlüftung nach außen befördert.
Beachte:
- Bei heißem, schwülen Wetter mit hoher Außenluftfeuchtigkeit sind kühlere Innenräume weniger stoßzulüften.
- Im Sommer sollten kühle Kellerräume möglichst nur nachts gelüftet werden. Lüftung am Tage fördert die Schwitzwasserbildung an den vergleichsweise kühlen Kellerwänden.
Eine technisch aufwendige Lösung stellt die kontrollierte Raumlüftung dar, bei der warme, verbrauchte Luft von Ventilatoren ins Freie transportiert wird, während sie gleichzeitig über Wärmetauscher ihren Energiegehalt an die kontrolliert einströmende Frischluft abgibt.
   
   
   
   
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Uber seine fünf Sinne ist der Mensch mit seiner Umwelt verbunden. Sinneswahrnehmungen lösen im Zwischenhirn Empfindungen aus und haben damit über den Hypothalamus Einfluß auf die Abwehr. Der Vorgang geschieht unbewußt.
Die Abwehr des Menschen paßt sich in jeder Sekunde seines Lebens an drohende Gefahren an. Dazu nutzt der Mensch seine Sinneswahrnehmungen. Betritt zum Beispiel ein Mensch einen Raum, in dem ein stechender Geruch vorhanden ist, so löst das sofort eine Emotion, verbunden mit Streß- und Immunreaktionen aus, und damit paßt sich der Organismus an die vermeintliche Gefahr an. Während in der Arbeitsmedizin die schädigende Wirkung zu intensiver Sinnesreize durchaus bekannt ist, hat die Bevölkerung darüber nur unzureichende Kenntnis.
   
   
   
   
Großhirn Ii-
   
   
   
   
Sinnesreiz-
   
Zwischenhirn
   
Stammhirn
   
   
vegetative Reaktionen Immunreaktionen hormonale Reaktionen
   
   
   
   
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7. Sinnesorganleistungen und Umwelt
   
   
   
   
Sinnesreize können angenehm für den Menschen sein, sie können ihn aber auch belästigen. Im letzteren Fall wirken sie sich besonders ungünstig auf das Asthma aus, indem sie
- unangenehme Gefühle hervorrufen, so z. B. Ärger
- Entspannung verhindern und zur Anspannung führen
- körperliche Symptome bewirken.
   
   
   
   
Sinnesorganleistungen und Umwelt (verändert nach Schuschke (244):
   
   
   
   
Sinnesorgane
   
Auge
   
Nase, Mund, Zunge_
   
Ohr
   
Haut
   
   
   
   
Funktionen und Umwelt
   
Sehen Licht
(Gegenstände) (80 % aller Informationen!)
   
Riechen (Schmecken) Geruchsstoffe ohne/mit Geschmacks­komponente: z. B. Pyridin, Chloroform
   
Hören
Luftschall
(Druck,
Frequenz)
   
Fühlen
Temperatur, Feuchtigkeit, Luftbewegung, Druck, Zug
   
   
   
   
Empfindung, Wahrnehmung
   
Helligkeit,
Dunkelheit,
Farbigkeit,
Raum, Richtung.
Schmerz (u. a.
Blendung,
"Verblitzung")
   
Geruchs- und Geschmacks-Qualitäten (Wohlgeruch, übler, stechender, beißender Geruch;
Wohlgeschmack, faulig, erdig, metallisch, "chemisch")
   
Lautstärke, Lautheit: leise; angenehm, unangenehm; Raum- und Richtungshören; Schmerz, Signal-und Sprach Ver­ständigung
   
Wärme, Kälte,
Feuchtigkeit,
Vibration,
Richtung,
Schmerz
(Kälte, Hitze,
sonstiger
Schmerz)
   
   
   
   
Umweltrelevanz
   
optische Kommunikation
   
chemische Kommunikation
   
akustische Kommunikation
   
thermische, haptische, taktile Kommunikation
   
   
   
   
Negativbilanz
   
Blendung, Farbfrustration
   
Geruchsbelästi­gung
   
Lärmbelästigung
   
thermische, haptische, taktile Belästigung_
   
   
   
   
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Sehen
   
   
   
   
Sinnesreize werden auf mehreren Ebenen des Gehirns verarbeitet (131, 132), so löst z. B. Licht, das in das Auge fällt, unterschiedliche Reaktionen aus:
- über die Sehbahn vermittelt Licht den Sehvorgang
- über den Hypothalamus aktiviert Licht den Stoffwechsel und die Hormondrüsen bzw. moduliert es die Abwehr und die Bronchialfunktion
- über das Zwischenhirn ruft der Sehvorgang Gefühle hervor, die wiederum Abwehr und Bronchialfunktion beeinflussen.
   
   
   
   
Sehen
   
   
Licht
   
   
   
Hypophyse
   
   
   
   
Hormone p
Immunabwehr
Bronchialfünktion
   
   
   
   
- Künstliches Licht wirkt sich auf den menschhchen Organismus streßerzeugend aus, wenn das Spektrum des künsthchen Lichts stark vom Sonnenlichtspektrum abweicht. Bei längerem Aufenthalt unter künsthcher Beleuchtung, wie es z. B. bei der Nachtarbeit übhch ist, entsteht Streß, erkenntlich an dem erhöhten Spiegel von Cortisol. Nach 14-tägigem Kontakt vorwiegend mit Tageslicht normahsiert sich der Cortisolspiegel. Bei einer künstlichen Lichtquelle, deren Spektrum weitgehend dem Sonnenhcht nahekommt, bleibt der streßartige Anstieg von Cortisol weitgehend aus.
   
   
   
   
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Riechen
   
   
   
   
Duftende Stoffe geben ständig eine winzige Menge von spezifischen Molekülen in die umgebende Luft ab, die zur Nase gelangen und über das Gehirn wahrgenommen werden (124). Die Bewertung, ob der Mensch einen Duft mag oder nicht, ist teilweise angeboren. Sie ist positiv für Natur - Blumendüfte und negativ für Verwesungsgerüche. Das gilt für alle Bevölkerungsgruppen auf der Erde. Hinzu kommt ein Lernvorgang, der, wie Tiere zeigen, bereits im Mutterleib beginnt; junge Kaninchen bevorzugen z. B. Futterpflanzen, mit der das Muttertier während der Tragzeit ernährt wurde.
Gemäß dem Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) ist die erhebüche Belästigung durch Geruchseinwirkung als schädlich zu werten. Dabei umfaßt die Belästigung drei Komponenten (104, 305):
- eine emotionale Komponente, z. B. Verärgerung
- eine Interferenzkomponente, z. B. Behinderung von Entspannung
- eine körperliche Komponente, z. B. Atembeschwerden.
Viele von Asthma Betroffene, insbesondere Kinder, sind in den Anfangsstadien des Asthmas sehr geruchsempfindlich. Sie husten, pfeifen, wenn sie Haarspray, Schuhspray, Zigarettenrauch, Lackgeruch, Blumenduft, Parfüm u. a. wahrnehmen.
Duftstoffe wirken ähnüch wie Licht auf den Hypothalamusbereich und höhere Hirnzentren (11) ein und können darüber Asthma auslösen. Wichtig für die Reaktion scheint zu sein, wie der Betroffene den Geruch bewertet und welche Erinnerungen sich einstellen.
Experiment:
- Ein Mann, der auf Lackgeruch und Grasgeruch beim Rasenmähen asthmatisch reagiert, bekommt keine Beschwerden, wenn er sich zuvor ein angenehm riechendes Körperwasser unter die Nase auf die Oberlippe aufträgt.

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Yulli

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Re: STEMMANN, 1999
« Reply #9 on: March 18, 2019, 05:14:39 PM »

Schmecken

Auf Geruch und Geschmack beruht der Ernährungsinstinkt. Er gestattet, die Nahrung korrekt auszuwählen und zu dosieren. Ein in der freien Natur lebendes Tier, das instinktbestimmt giftige oder einer ausgewogenen Ernährung abträgliche Pflanzen fräße, wäre anderen gegenüber unterlegen. Der Ernährungsinstinkt, der angeboren ist, sorgt dafür, daß eine derartige Fehlleistung nicht geschieht. Er beruht darauf, daß jedes ursprüngliche, geruchlich wie geschmackhch anziehende Nahrungsmittel für den Organismus nützhch ist. Geschmack und Geruch regeln die Menge des Nahrungsmittels, die aufgenommen werden muß, um den normalen Bedarf zu decken, vorausgesetzt, es handelt sich um Rohkost. Sobald der Bedarf des Organismus für das entsprechende Nahrungsmittel gedeckt ist, schlagen Geruch und Geschmack um, und es wird eine unangenehme Empfindung ausgelöst. Der Geschmack ändert sich, z. B. zu sauer, herb, beißend, brennend, bitter oder die Konsistenz des Nahrungsmittels wird trocken, klebrig. Die Veränderungen lösen eine instinktive Sperre gegen das Nahrungsmittel aus, von dem dann abgelassen wird (46).
Mit dem Geschmackssinn gewinnt der Mensch Informationen über die chemische Charakteristik der aufgenommenen Speisen. Die Schmeckzellen im Mund analysieren die Nahrungsmoleküle und senden die Analyse an das Gehirn, das die entsprechende subjektive Geschmacksempfindung erzeugt und zwar süß, sauer, salzig, bitter (33):
- süß ist das Merkmal für Energie in Form von Kohlenhydraten
- ein saurer Geschmack gestattet es, die Reife von Früchten abzuschätzen
- salzig schmecken Mineralsalze
- der bittere Geschmack warnt vor giftigen Pflanzen, Früchten.
Wie hat der Mensch sich früher, zum Beispiel in der Steinzeit, in der Wildnis verhalten, wenn er eine Frucht fand, von der er nicht wußte, ob sie giftig ist? Er hat geprüft:
- er hat die Frucht betrachtet, und sie sah z. B. appetitlich, gut aus,
- er hat die Frucht betastet, und sie fühlte sich z. B. glatt, angenehm an,
- er hat die Frucht berochen, und sie roch z. B. verlockend,
und erst danach hat der Mensch in die Frucht gebissen. Der bittere Geschmack war ein Warnsignal - giftig! Sofort wurde die Frucht ausgespeit. Bitter - Gift - Gefahr erhöht sofort die körpereigene Abwehr massiv, so daß die Giftwirkung des aufgenommenen Giftes neutrahsiert wird. Ein derartiger Prozeß muß äußerst schnell, d. h. unbewußt, ablaufen und kann nicht an den Denkvorgang gebunden sein.
Der Geschmack mit seinen vier Hauptqualitäten ist nichts ohne Geruchssinn, der ca. 10.000 Düfte wahrnehmen kann.
Geruch und Geschmack stehen in direkter Verbindung mit dem Gehirn, ihre Sinnesinformationen werden in allerkürzester Zeit weitergeleitet. Auch über den Geschmack kann Asthma provoziert werden.
Experiment:
- Ein Patient bekommt regelmäßig Asthma, wenn er eine bestimmte Biersorte trinkt. Wird das Bier mit einer Limonade gemischt, bleibt das Asthma aus.
   
   
   
   
401
   
   
   
      
      
   
   
   
Hören
   
   
   
   
Lärm ist ein unerwünschter und die Gesundheit schädigender Schall. Die Wirkungen des Schalls zeigen sich am Gehör, dem vegetativen Nervensystem und im psychosozialen Bereich. Die akute Reaktion auf Schall bewirkt:
- eine zunächst rückbildungsfähige Verschlechterung des Hörvermögens
- einen Anstieg der Streßhormone, z. B. Adrenalin, Cortisol
- eine Störung der Kommunikation, Konzentration, der Ruhe, Entspannung, des Schlafes mit den Folgen sekundärer Reaktionen wie Gestörtheit, Verärgerung, Unzufriedenheit. Die Lebensqualität wird herabgesetzt.
Obwohl mit dem Alter die Hörschärfe abnimmt, fühlen sich ältere Menschen durch Geräusche stärker gestört als junge Menschen. Auch kranke Personen sind gegenüber jeder Art von Geräuschen empfindlicher, eine Erscheinung, die zum Teil auf einer Erregungssteigerung beruht (112).
Lärm erzeugt bei einem an Asthma Leidenden typische Streßreaktionen mit Anstieg der Streßhormone. Die Reaktion gilt
- auch für Personen, die subjektiv nicht auf Lärm reagieren
- ebenso bei schlafenden Menschen, ohne daß sie aufwachen. Die vegetative Streßreaktion ist also Folge des Lärmreizes:
- Nachtfluglärm führt ab einem maximalen Innenraumpegel von 55 dB zu einer erhöhten Ausscheidung von Adrenalin im Morgenurin als Ausdruck eines erhöhten Streßgeschehens während der Schlafphase (180).
Straßen- und Fluglärm lösen Verteidigungsreaktionen des Organismus mit Aktivierung des Sympathicus und Freisetzung von Adrenalin aus. Bei extremem Lärm durch einen tieffliegenden Düsenjäger kann sogar eine Niederlagensituation mit Cortisolfreisetzung eintreten (85).
- Die Tatsache, daß an lärmreichen Hauptverkehrsstraßen die Allergierate der Anwohner höher liegt als in beruhigten Wohngebieten, ist nicht so sehr auf die Schadstoffbelastung als vielmehr auf den Streß durch Lärm zurückzuführen, wobei sich beide Faktoren sicherlich verstärken.
   
   
   
   
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Tasten
   
   
   
   
In der Haut liegen Empfänger (Sensoren), die Signale aus der Umwelt oder aus dem Körper aufnehmen und dem Gehirn mitteilen. An der Oberflächensensibilität der Haut sind beteiligt:
- der Tastsinn
- der Temperatursinn.
Außerdem ist die Haut, wenn auch nur in geringem Ausmaß, an der Tiefensensibilität beteiligt, und es existiert ein allen Geweben gemeinsamer Schmerzsinn (33).
Zum Tastsinn:
Die Haut ist sehr empfindhch für mechanische Reize, insbesondere die Innenfläche der Hände, die Lippen und die Zunge sind sehr berührungsempfindlich. Der Tastsinn enthält vier Qualitäten, die Druck-, Berührungs-, Vibrations- und Kitzelempfindungen.
Zum Temperatursinn:
Der Temperatursinn besitzt zwei Qualitäten, den Wärmesinn und Kältesinn. Sie dienen als Fühler für bewußte Temperaturempfindungen und sind an der Thermoregulation des Organismus beteihgt. Temperaturen von mehr als 43° C oder von weniger als 17° C werden als Schmerz empfunden.
Tiefensensibilität:
Der Mensch nimmt passive Bewegungen seiner Gelenke durch von außen einwirkende Kräfte ebenso wahr, wie die aktive Bewegung mit Hilfe seiner Muskeln. Für diese Tiefensensibilität ist die Haut im Bereich der Gelenke, mehr noch sind Sensoren in den Muskeln, Sehnen und Gelenken selbst wichtig.
Schmerzsinn:
Spezielle Sensoren werden nur durch gewebsschädigende Reize erregt. Kommt der Schmerz von der Haut, wird er als Oberflächenschmerz bezeichnet. Schmerz aus den Muskeln, Knochen, Gelenken und Bindegeweben wird als Tiefenschmerz beschrieben. Sticht man zur Auslösung eines Oberflächenschmerzes eine Nadel in die Haut, so wird zuerst ein Schmerz von "hellem" Charakter ausgelöst, der gefolgt ist von einem "dumpfen" Schmerz.
Die Oberflächensensibilität kann an dem asthmatischen Geschehen beteiligt sein:
- Viele Betroffene ekeln sich davor, ein Tierfell anzufassen und bekommen dadurch Atembeschwerden.
- Bei einem Sprung in das kalte Wasser "bleibt die Luft weg".
- Verletzungsschmerz vermag Asthma zu provozieren.
   
   
   
   
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Entlastung von übermäßigen Sinnesreizen Sehen
Bei langzeitigem Arbeiten unter künstlicher Beleuchtung sollten Lampen verwendet werden, die einen Tageslichtanteil aufweisen. Blendung durch Licht und Frustration durch Farben sind zu vermeiden.
Riechen, Schmecken
Asthmaauslösend wirkt zumeist das Bewußtwerden des intensiven, unangenehmen Geruchs und/oder der Geschmacksbelästigung. Der Betroffene kann sich vor Asthma schützen, wenn er sofort z. B. einen verrauchten Raum verläßt oder eine unangenehm schmeckende Speise ausspeit. Gleichzeitig muß er durch Eigensuggestion das unangenehme Gefühl in ein angenehmes verwandeln.
- Einem Menschen wird suggeriert, er würde eine süß schmeckende Apfelsine verzehren. Stattdessen reicht man ihm eine Zitrone. Obwohl der Betreffende weiß, daß es sich um eine Zitrone handelt, deren sauren Geschmack er kennt, glaubt er an das, was ihm gesagt wird und beißt in die Zitrone. Die Schmeckzellen der Zunge melden dem Gehirn die Geschmacksquaütät sauer. Im Gehirn wird aber durch die Überzeugung sauer in süß verkehrt, und der Betreffende hat das Gefühl, eine süße Apfelsine zu essen - er schmeckt süß, obschon er etwas Saures ißt.
Hören
Gegen den Straßenlärm sind Schallschutzmaßnahmen zu ergreifen, z. B. in der Wohnung durch den Einbau von Spezialfenstern.
Bei der Benutzung eines Walkman ist auf die rechte Lautstärke zu achten. Diskotheken, in denen eine zu hohe Lautstärke herrscht, sind zu meiden, da die Gefahr besteht, daß das Gehör geschädigt wird.
Wenig beachtet wird, daß auch durch Bohrmaschinen, Sägen, Schleifmaschinen, selbst wenn sie nur im Hobbybereich eingesetzt werden, eine Lärmschädigung eintreten kann. Hörschutz ist daher dringend anzuraten!
Tasten
Gegenstände, die eine unangenehme Empfindung beim Betasten auslösen, sollten nicht berührt werden. Überhitzung und Unterkühlung des Körpers, akuter Kontakt mit Kälte, sollten vermieden werden.
Die vorgeschlagenen Maßnahmen lassen sich allgemein als problemorientierte Bewältigungsstrategie beschreiben: man trifft Maßnahmen, die sich direkt auf das Problem beziehen, z. B. es werden bei Straßenlärm schallabweisende Fenster eingebaut.
   
   
   
   
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Gewöhnung an Sinnesreize
Ziel der Behandlung muß es sein, daß der Erkrankte Sinnesreize nicht lebenslang meidet, um kein Asthma zu erleiden, sondern daß er sich an Sinnesreize wieder so gewöhnt wie der Gesunde sie toleriert, nämlich ohne krank zu werden:
- Der Betroffene sollte sich seinen Empfindungen gegenüber öffnen und normale (nicht extreme) Reize ohne Gegenwehr in sich hineinlassen. Ein derartiges Verhalten erfordert Mut und Vertrauen in die Umwelt.
- Er sollte Sinnesreize nicht einem Wertmaßstab wie "gut und böse" zuordnen, sondern sie als eine spezifische Qualität ansehen, zwischen deren extremen Polen Reizempfindungen sich nun einmal bewegen.
- Der Betroffene muß sich im Falle einer asthmatischen Reaktion fragen, warum löst dieser Sinnesreiz Streß bei mir aus? Was an Empfindung drängt sich mir auf? Durch derartige Fragen erlangt der Erkrankte Erkenntnis darüber, was ihn bedroht bzw. in der Vergangenheit bedroht hat. Das Wissen um die Ursache reicht häufig schon aus, um die krankheitserzeugende Wirkung des Sinnesreizes zu neutralisieren.
Der Betroffene sollte sich durch die Gefühle, die ein Sinnesreiz in ihm auslöst, nicht gestreßt fühlen. Sein Revier ist ja doch gar nicht in Gefahr! Er darf auch nicht glauben, den Reizen und Gefühlen nicht entweichen zu können. Er sollte die Sinnesreize nicht als zu intensiv, schädigend oder verletzend empfinden. Das gehngt, wenn der Betroffene wieder Macht über seine eigenen Sinneswahrnehmungen und die dadurch ausgelösten Gefühle erlangt, wenn er Autonomie wiedergewinnt.
   
   
   
   
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8. Behandlung auf einer Umweltstation
   
   
   
   
Das Optimum einer anti-asthmatischen Behandlung kann auf einer Spezialstation, der sogenannten Umweltstation, erfolgen. Mit Hilfe der Umweltstation kann die physikalisch­chemische Umwelt des Betroffenen minimiert, kontrolliert und weitgehend konstant gehalten werden. Das betrifft vor allem
- die Luft, die er atmet
- das Wasser und die Nahrung, die er konsumiert
- die Dinge, mit denen er in Kontakt kommt
- die Sinnesreize, die er empfängt.
Da der Mensch auf einer Umweltstation sich langfristig in einem begrenzten Raum aufhält, lassen sich auch sein Empfinden und Verhalten relativ gut beurteilen.
Randolph hat 1975 die erste Umweltstation in Chicago errichtet (83, 206, 208). Mit Hilfe der Umweltstation wird der Versuch unternommen, möglichst viele außen vorhandene Fremdstoffe daran zu hindern, in die Station und in den Organismus des Patienten zu gelangen. Zudem ist die Fremdstoffbelastung auf der Umweltstation durch die spezielle Auswahl von Baumaterialien und Einrichtungsgegenständen möglichst niedrig gehalten. Auch Sinnesreize durch optische und akustische Eindrücke werden minimiert, so hängen keine Bilder an der Wand, es existiert kein Fernsehen, kein Radio. Die Belastung durch elektrische Felder ist gering, die Beleuchtung geschieht mit Gleichstrom, elektrische Lampen strahlen von außen in die Station.
Da man sich unter einer Umweltstation wenig vorstellen kann, soll diese Spezialstation vorgestellt werden:
Die Umweltstation ist nur über ein Schleusensystem zu betreten und ansonsten nach außen abgeschlossen. Lösemittel- und duftstoffhaltige Produkte (Rasierwasser, Haarfärbemittel, frische Dauerwelle) dürfen von Patienten, Besuchern und dem Pflegepersonal, Ärzten, Psychologen, Pädagogen nicht benutzt werden. Die Station bietet vier Patienten, zum Teil mit Kontaktperson, Platz. Halten sich chemikalienempfindliche Personen auf der Station auf, ist nach einem Duschgang die Kleidung gegen Reinraumkleidung zu wechseln. Die Station umfaßt neben der Schleuse mit Kleiderablage die Dusche, das Reinraumkleiderdepot, den Flur, den Aufenthaltsraum, die Patientenzimmer, einen Testraum sowie den Personalraum.
Baumaterialien, Installation:
- Wandbaumaterial: Ziegelwände; Zwischenwände: Montagewände mit
Metallständerwerk (Aluminium) und beidseitiger Gipskartonbeplankung
- Deckenbaumaterial: Gipskartonverkleidung, Metallunterkonstruktion (Aluminium),
Fugenverspachtelung mit Gips, Anstrich mit Kalkfarbe
- Fenster: Doppelfenster, innenseitig fest verglast in Aluminiumrahmen;
äußere Fenster Aluminium einbrennlackiert mit Wartungsflügeln als Zugang zu den Beleuchtungskörpern zwischen den beiden Fenstern
- Heizungsrohre: Stahl, Kupfer
- Heizkörper: oberflächeneloxierte Heizkörper in Edelstahl (EVI)
- Türzargen: eloxiertes Aluminium
- Sanitäre Anlagen: Keramik
- Beleuchtung im Aufenthaltsbereich der Patienten: 12-V-Gleichspannung
- Schaltung von Beleuchtung und Rufanlage: 12-V-Gleichspannung
- Schalter: eloxiertes Aluminium
- Lampen: Stahlgehäuse
   
   
   
   
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Einrichtung:
   
   
   
   
- Möbel:
   
Buchenholz, Oberflächenbehandlung durch Wässern, Schleifen, Ablaugen mit Seifenlauge
Klappbetten mit Holzrahmen, Bespannung aus unbehandeltem Leinen
Edelstahl mit Ganzglaseinlegeböden
Keramik, Glas
Edelstahl
   
   
- Betten:
   
   
- Einbauschränke
- Geschirr:
- Bestecke:
   
   
   
   
Soweit Kontakte mit Materialien, die Lösemittel ausgasen können (Bücher, Spiele), unvermeidbar sind, verbleiben diese innerhalb der Station in gegen die Raumluft abgeschlossenen Glaskästen mit Holzrahmen, versehen mit Durchgriffen, die durch Manschetten am Arm geschlossen werden.
Wände und Fußböden sind mit Keramikfliesen (80 x 120 cm) verkleidet, als Fugendichtmaterial (Fugenbreite 3 mm) dient Silikon. Die großflächigen Fliesen wurden verwendet, um insgesamt eine möglichst kleine Fugenfläche zu erzielen und so möglichst wenig Ausgasungsflächen zuzulassen.
Fensterlüftung findet nicht statt. Die Einbaufugen der Fenster sind mittels eines Silikonproduktes versiegelt.
   
   
   
   
Luft:
   
   
   
   
Die Luftzufuhr erfolgt über eine Raumluft-technische (RLT-)Anlage mit folgenden Merkmalen nach DIN 1946:
   
   
   
   
- Luftversorgung:
- Luftart:
- Luftgeschwindigkeit in den Leitungen:
- Druckabfall an den Versorgungsstellen:
- Luftvolumen an den Versorgungsstellen:
   
Zentralanlagensystem Außen- und Fortluftsystem Niedergeschwindigkeitssystem Niederdrucksystem Konstant-Volumenstrom-System
   
   
   
   
- Energiezufuhr an den Versorgungsstellen: Luft-Wasser-System
Zu- und Abluftförderung sind redundant angelegt; die Ventilatoren fördern 2500 bzw. in einer zweiten Stufe 3500 m3 pro Stunde, was Luftwechselzahlen von 5 bis 7 ermöghcht. Außenluft wird mittels Aktivkohlefilter und Schwebstoffilter (Ausscheidungsgrad 99.995 %, Schwebstoffilter-Klasse nach DIN 24184: S) von flüchtigen Verunreinigungen und Schwebstoffen befreit.
Die Luft wird abluftseitig komplett als Fortluft abgeblasen; Rückführung in Form von Umluft entsteht also nicht.
   
   
   
   
Wasser:
   
   
   
   
Um zu vermeiden, daß Salze und andere eventuellen Rückstände aus dem Trinkwasser in die Station gelangen, wird auf der Umweltstation ausschließlich, d. h. auch zum Waschen, für die WC-Spülung und zum Putzen, Wasser verwendet, das mittels Umkehrosmose aufbereitet worden ist.
Baustoffe:
Über die Keramikfhesen hegt ein baubiologisches Gutachten vor. Eloxiertes Aluminium (Eloxal) und Glas sowie Edelstahl wurden nicht eigens geprüft. Das Fugendichtmaterial wurde auf Ausgasung untersucht.
   
   
   
   
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Raumluft, bakteriologisch/mykologische Untersuchung:
Zur Überprüfung der RLT-Anlage auf Verkeimung wurden Luftproben genommen. Sie wurden mikroskopisch untersucht, die Keime ausgezählt und auf Differentialnährböden gezüchtet.
Eine Verkeimung mit pathogenen Bakterien wurde bei der Untersuchung nicht gefunden, ebensowenig wurden pathogene Pilze festgestellt.
Schwebstoffe:
Es wurden Schwebstoffmessungen in den Luftkanälen der RLT-Anlage durchgeführt. Daneben erfolgte eine kontinuierliche Messung der Schwebstoffpartikel in der Umweltstation; die Probenahme erfolgte über eine Teflonleitung aus dem Flurbereich. Die Schwebstoffmessungen zeigten einen nahezu kompletten Rückhaltegrad gegenüber Pollen und externen Stäuben über 25 um Durchmesser; Stäube zwischen 0,5 und 25 um Durchmesser wurden in der RLT-Anlage zurückgehalten, entstanden aber durch die Nutzung der Räume innerhalb der Station neu.
Magnetische Wechselfelder:
Die magnetische Flußdichte wurde in 1.50 m Höhe und in 30 cm über dem Boden gemessen. Die Messungen erfolgten, repräsentativ für den Aufenthaltsbereich der Patienten, entlang den Wänden und Fenstern sowie über der Fußbodenfläche (hier mäanderförmig in Abständen von 50 cm).
Die magnetische Flußdichte lag bei den Messungen überall unter 20 uT.
Die Untersuchungen zeigen, daß die Umweltstation geeignet ist, für chemikalienempfindliche oder anderweitig überempfindliche Patienten, wie zum Beispiel Asthmakranke, eine Umgebung zu hefern, in der diese Menschen vielen der wichtigsten potentiellen Noxen nur noch in sehr vermindertem Maße ausgesetzt sind.
Mit Hilfe der Umweltstation wurde die Erfahrung gemacht (260, 263), daß durch
- ein täglich durchgeführtes autogenes Training
- die deutliche Verminderung von allgemeinem Streß durch einen anderen Umgang mit dem Asthmakranken
- Senkung der Schadstoff- bzw. Fremdstoffbelastung
- Minimierung von Sinnesreizen
- Umstellung der Ernährung
sich die Toleranz der Betroffenen gegenüber krankheitsauslösenden Stoffen, die sie plötzlich wieder vertragen, ohne zu erkranken, enorm besserte. Einzelne Betroffene benötigen sogar nach einem Aufenthalt auf der Umweltstation langfristig keine Medikamente mehr, auf die sie zuvor täglich angewiesen waren.
Raumluft: flüchtige Stoffe
Ein für Innenräume repräsentatives Spektrum folgender Substanzen bzw. Stoffklassen wurde a) innerhalb der Umweltstation und zeitgleich b) in der Außenluft und c) in der Luft benachbarter Räume untersucht (288): lineare und cycüsche Alkane
leichtflüchtige aromatische Kohlenwasserstoffe (BTX)
polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)
polychlorierte Biphenyle (PCB)
leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (LCKW)
Alkohole
Aldehyde und Ketone
   
   
   
   
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Ergebnis:
- Alkane und Cycloalkane waren an allen drei Probenahmestellen nicht vorhanden.
- Von den leichtflüchtigen aromatischen Kohlenwasserstoffen (BTX) wurden lediglich Benzol und Xylol nachgewiesen. Die Außenluft wies die höchsten Konzentrationen auf, während in der Umweltstation nur Konzentrationen geringfügig oberhalb der Nachweisgrenze ermittelt wurden.
- Für polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) ergaben sich keine Auffälligkeiten, das galt auch für
- polychlorierte Biphenyle (PCB)
- Pentachlorphenol
- Von den leicht flüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen (LCKW) war in der Außenluft und in der Luft benachbarter Räume, jedoch nicht in der Umweltstation, Tetrachlorethylen nachweisbar.
- 1,1,1 Trichlorethan
- Tetrachlormethan
- Trichlorethylen
fanden sich in der Außenluft und in benachbarten Räumen deutlich höher als auf der Umweltstation.
- Alkohole wurden nachgewiesen, die Absolutgehalte lagen auf der Umweltstation deutlich unter den MIK-Werten (maximale Immissionskonzentration), die höchsten Konzentrationen wurden in Normalräumen gefunden.
- Aldehyde konnten an keiner der drei Probenahmestellen nachgewiesen werden, Aceton wurde lediglich in der Außenluft gemessen.
Die Minderung der Gesamtbelastung mit Stoffen bzw. Sinnesreizen aus der Umwelt mit Hilfe der Umweltstation und die geschilderten Behandlungsstrategien (autogenes Training, Streßreduzierung und -bewältigung, Umstellung der Ernährung) hat sich z. B. bei allergisch Kranken bewährt. Im Verlauf einer fünfwöchigen stationären Behandlung sank bei 20 Kindern
- im Epicutantest die positive Reaktion von 9,3 auf 3,1 (p<0,0005)
- im Pricktest fiel die Zahl der positiven Befunde von 9,1 auf 3,1
- im inhalativen bzw. oralen Provokationstest minderten sich die positiven Tests von 1,1 auf 0,1.
Die Behandlungsstrategien wirkten sich auch günstig auf die Konzentrationsfähigkeit und auf die konzentrationsabhängige Arbeitsgüte aus:
- Bei 20 Kindern bzw. Jugendlichen - 1 Mädchen, 19 Jungen im Alter von 9 bis 16 Jahren - verbesserte sich die Arbeitsmenge, das ist ein Maß für die Konzentrationsfähigkeit im d2 Test von durchschnitthch 327 auf 372 Zeichen. Das ist signifikant mit p<0,0025.
- Die Fehlerzahl, das Maß also für die konzentrationsabhängige Arbeitsgüte, sank von im Mittel 23 auf 12 (p<0,001).
   
   
   
   
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Merke:
   
   
   
   
Der Betroffene kann seine Belastung mit Fremdstoffen, Sinnesreizen aus der Umwelt senken. Umweltbelastungen wirken sich ungünstig aus über den Weg einer konditionierten Reaktion, auf der Basis der Hyperreagibilität und indem sie spezifisch oder unspezifisch die Abwehr belasten. Allergene lassen sich als asthmaauslösend dann identifizieren, wenn selten Allergenkontakt besteht. Beispiel: Fischallergie. Findet täglich Allergenkontakt statt, setzen Adaptationsmechanismen ein, und die allergische Wirkung ist dann kaum zu erkennen. Beispiel: Milchallergie.
Durch einen positiven Befund im Hauttest oder RAST ist leider nicht bewiesen, daß ein Allergen Asthma auslöst. Selbst negative Befunde können dennoch Bedeutung haben. Mit dem inhalativen Provokationstest, bei dem der Betroffene sein Allergen einatmet, läßt sich zeigen, ob das Allergen Asthma hervorruft. Bei der Tierhaarallergie ist allein der Expositionstest angezeigt. Allergene, die Asthma auslösen, sollten langzeitig gemieden werden (Karenz). Möglichst lebenslange Karenz ist angezeigt bei Allergenen und Stoffen, die eine Intoleranz­oder pseudoallergische Reaktion mit Schock provozieren (Notfallausweis ausstellen). Bei gehäuften Infekten sollte der Kontakt mit Erkrankten, die infektiös sind, für einige Zeit gemieden werden. Abhärtende Maßnahmen sind angezeigt.
Reizgase wie Schwefeldioxid, Stickoxide, Ozon können eine Atemwegsobstruktion auslösen, am empfindlichsten reagieren Asthmakranke und nur gering Normalpersonen. Durch Luftschadstoffe allein in den real vorkommenden Konzentrationen entsteht aber kein Asthma. Belastungen der Innenraumluft durch Fremdstoffe können zum Teil durch Geruch erkannt und durch regelmäßige Stoßlüftung verringert werden. Für den Innenraumbereich ist ein strenges Rauchverbot zu fordern, es sollten mögüchst keine offenen Feuerstellen verwendet werden. Dem Eintrag von Schadstoffen in die Innenraumluft kann begegnet werden durch Verwendung gering emittierender Bauprodukte, Ausstattungsmaterialien, Holzwerkstoffe, Möbel, Farben, Lacke, Textilien. Der Gebrauch von Pflege-, Reinigungsmitteln, kosmetischen Mitteln, Desinfektionsmitteln ist einzuschränken, Insektizide oder Holzschutzmittel sollten im Innenraum nicht verwendet werden. Sinnesreizen, die Asthma provozieren, muß je nach dem Mechanismus, über den sie Asthma hervorrufen, begegnet werden.
Mit Hilfe einer Umweltstation läßt sich die Belastung des Betroffenen durch Fremdstoffe und Sinnesreize minimieren.
   
   
   
   
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Der Betroffene ist seiner Umweltbelastung keinesfalls hilflos ausgeliefert:
- Seine überempfindliche Reaktion auf Fremdstoffe/Sinnesreize kann der Betroffene normahsieren, indem er seine Revierangst und Belastungsstörung überwindet, Verstärker meidet und sich nicht vor der Umweltbelastung fürchtet.
- Fremdstoffe/Sinnesreize, die Asthma provozieren, sollten zunächst für 1 Jahr streng gemieden werden (Karenz). Bei Schockreaktionen ist lang­dauernde, evtl. lebenslange Karenz (des Medikaments, des Kontrastmittels) angezeigt.
- Der Betroffene kann selbst Einfluß auf seine Umweltbelastung nehmen, indem er den Kontakt mit Fremdstoffen und die Belastung durch Sinnesreize senkt.
   
   
   
   
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II. Kapitel
   
   
   
   
Die Ernährung des an Asthma Leidenden
   
   
   
      
      
   
   
   
Sollte der Asthmakranke bei seiner Ernährung auf spezielle Dinge achten?
   
   
   
   
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Wie hat sich der Asthmakranke zu ernähren?
   
   
   
   
Die Frage wird kontrovers diskutiert. Während gemeinhin die Ernährung des Betroffenen nicht verändert wird, ist die hier vertretene Meinung, daß der Betroffene seine Ernährung über einen vertretbaren Zeitraum ändern sollte, um über diesen Weg gesundheitsfördernd in das Asthmageschehen einzugreifen.
   
   
   
   
   
   
   
   
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Benötigt der Asthmakranke eine spezielle Ernährung?
Diese Frage ist für den akuten Asthmaanfall entschieden. Es wird so verfahren, wie bei allen akuten Krankheiten:
- Im Falle einer akuten Infektion sollte der Betroffene genügend stilles Wasser oder Tee trinken, die den Bronchialschleim lösen, er sollte fasten oder nur eine leicht verdauliche Kost zu sich nehmen. Genußgifte wie Alkohol sind zu meiden, da sie die Abwehr schwächen.
Bei einer Infektion wäre es z. B. ungünstig, wenn der Betroffene eine eiweißhaltige Kost zu sich nähme. Der Darminhalt würde viel Eiweiß enthalten und eine günstige Nahrungsquelle für sich vermehrende Krankheitserreger darstellen.
   
   
   
   
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Was ist die optimale Ernährung für den gesunden Menschen?
Ehe die Frage, ob der Asthmakranke sich auf Dauer oder über einen längeren Zeitraum besonders ernähren sollte, beantwortet werden kann, ist zunächst die Frage nach der "richtigen" Ernährung des gesunden Menschen zu stellen. Zwei Überlegungen sind wichtig (168):
- Die Entwicklungsgeschichte weist daraufhin, daß sich unsere Vorfahren in langen Zeiträumen vorwiegend mit pflanzlicher Kost ernährt haben, nicht nur in der Zeit des Sammlers, sondern auch als Jäger.
- Zähne, Darmlänge und Enzymmuster der Verdauung zeigen, daß der Mensch ein Lebewesen ist, das sich vorwiegend pflanzlich ernährt.
In den letzten 200 Jahren haben sich die Ernährungsgewohnheiten deutlich verändert (168):
Verzehranstieg_1800_1980
Fett % 10 40
tierisches Eiweiß % 20 65
isolierte Zucker g/Tag wenig 100
Eine mengenmäßig knappe, aber qualitativ hochwertige Ernährung wird der heutigen Lebensweise am ehesten gerecht. Die Forderungen an eine zeitgemäße Ernährung lauten:
- weniger Nahrungsenergie in Form von Zucker und Fett
- kleinere als derzeit übliche Mengen an Fleisch, Fisch und Eiern
- weniger Salz und Alkohol.
Eine vernünftige Ernährung erfordert eine ganzheitliche Betrachtungsweise, so müssen, neben den genannten Aspekten, das gesamte Ernährungssystem von der Herkunft, Produktion, Lagerung, Verarbeitung und Zubereitung bis zum Verzehr sowie die Auswirkungen auf andere Menschen weltweit bedacht werden.
Wenn die Ernährung für den Gesunden heute schon nicht mehr optimal ist, so gilt das auch für den an Asthma Erkrankten. Im Gegensatz zum Kranken besitzt der Gesunde aber mehr Kompensationsmöglichkeiten, um Defizite auszugleichen. Der Asthmakranke steuert seine Abwehr nicht optimal, und die Ernährung hat Einfluß auf die Abwehr, das gilt insbesondere für
- die Barriereschutzfünktion von Haut und Schleimhäuten
- das Immunsystem
- die allergische Reaktion
- die Intoleranz- bzw. pseudoallergische Reaktion Zudem sollten beachtet werden:
- die Veränderung der Nahrung durch Verarbeitungs- bzw. Zubereitungsprozesse
- die Belastung der Nahrung mit Schadstoffen.
   
   
   
   
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Säuren und Allergene verringern die Barriereschutzfunktion der Schleimhaut gegenüber Fremdstoffen
Wie wichtig die Barrierefunktion, insbesondere die der Schleimhaut gegen Fremdstoffe von außen ist, soll ein Experiment belegen:
- Ohne es zu wissen, wurden Heuschnupfenpatienten im symptomfreien Intervall dem Kontakt von Pollen in einem Raum ausgesetzt. Nur bei den Personen, bei denen die Nasenschleimhaut bereits vor Pollenkontakt geschwollen war, aus welchem Grund auch immer, trat ein allergischer Schnupfen auf. Betroffene mit intakter, nicht geschwollener Nasenschleimhaut haben nicht reagiert, obschon sie allergisch gegen Pollen waren.
Säuren, die mit der Nahrung zugeführt werden bzw. Säuren, die durch Stoffwechsel entstehen, irritieren die Schleimhaut, insbesondere die Darmschleimhaut und setzen ihre Schutzfunktion gegenüber Fremdstoffen herab (155). Es handelt sich um:
- Fruchtsäuren aus Obst und Fruchtsäften
- Säuren in alkoholischen Getränken, insbesondere im Wein
- Essigsäure, die durch Abbau von Zucker entsteht
- Gärungssäuren, die sich bilden können, wenn Fruchtsäuren und Kohlenhydrate miteinander reagieren, z. B. wenn saures Obst und Korn (Müsli) verzehrt oder zuviel Sauerteigprodukte gegessen werden.
Allergene rufen an der Schleimhaut eine Entzündungsreaktion hervor, wodurch ihre Durchlässigkeit für Fremdstoffe aus der Umwelt erhöht wird. Zu den zahlenmäßig häufigen Allergenen zählen Kuhmilch- und Hühnereieiweiß sowie Nüsse.
   
   
   
   
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Die Ernährung hat Einfluß auf das Immunsystem
   
   
   
   
Daß die Ernährung einen starken Einfluß auf das Immunsystem besitzt, wird schon deutlich bei Neugeborenen, die im Mutterleib nicht ausreichend ernährt worden sind und ein erniedrigtes Geburtsgewicht unter der 3. Perzentile aufweisen (es bedeutet, daß von 100 Neugeborenen nur 3 unterhalb der Gewichtsgrenze hegen).
- Bei stark untergewichtigen Neugeborenen sind u. a. die weißen Blutkörperchen und die Lymphozyten in ihrer Zahl vermindert. Auch der Anteil und die Absolutzahl der T-Lymphozyten sind erniedrigt (181).
Unterernährte Personen sind infektanfällig (66, 251, 252, 310) und neigen zu Allergien, insbesondere Nahrungsmittelallergien. Die Unterernährung löst eine chronische Streßreaktion aus.
- So war das Korticosteroid bei 11 unterernährten Kindern in Ruhe im Blut erhöht (5) und die Rhythmik des Hormons, d. h. sein Anstieg tags und der Abfall nachts, war aufgehoben (6).
- Bei 15 von 90 unterernährten Kindern waren die Lymphozytenzahlen im Blut herabgesetzt mit einer Gesamtzahl unter 2500/mm3 (55).
- Die verminderte T-Lymphozytenfunktion führt zu stark erhöhten Werten an Immunglo­bulin E (195, 196, 254).
Bei Unterernährten verändert sich die Darmschleimhaut, Infekte und Nahrungsmittelallergien treten gehäuft auf (56).
- Die Darmschleimhaut weist weniger Zellen auf, und sie besitzt eine eingeschränkte lokale Abwehr (57).
Auch überernährte Personen sind infektionsanfällig (113).
- Die Häufigkeit von Infektionen des unteren Atemtrakts ist höher bei übergewichtigen als normgewichtigen Kindern (135).
Mit "Lymphatismus" wurde früher von Kinderärzten eine Konstitution eines Kindes beschrieben, bestehend aus
- vergrößerten Lymphknoten und Mandeln, die zu den Immunorganen zählen
- blasser, unelastischer Haut
- pastöser, d. h. aufgeschwemmter bzw. aufgedunsener Körpererscheinung und großer Anfälligkeit gegenüber Infekten.
Auffällig war, daß diese lymphatischen Kinder sich häufig in ihrem Aussehen und vor allem in ihrer Infektanfälligkeit deutlich, ja dramatisch besserten, wenn sie keinerlei Kuhmilchprodukte mehr erhielten. Ein Teil der Kinder hatte auch in der Ernährung, speziell wenn es sich um Säuglinge handelte, zu viele Kohlenhydrate, meist in Form von Schmelzflocken, erhalten. Erfahrungen haben auch gezeigt, daß Kinder, die häufig krank sind, übermäßig Süßigkeiten konsumieren. Werden sie gemieden, gedeihen die Kinder prächtig.
   
   
   
   
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Nahrungsmittelallergie
   
   
   
   
Daß Nahrungsmittel eine allergische, asthmatische Reaktion provozieren können, ist nur wenigen bekannt (266).
- 100 Kinder, die unter Asthma litten, wurden nach dreitägiger kuhmilch-** und hühnereieiweißfreier Ernährung durch Trinken von Kuhmilch und Verzehr von Hühnereieiweiß belastet (227).
- 19 Kinder reagierten asthmatisch durch Trinken von Kuhmilch.
- 14 Kinder bekamen Asthma durch Genuß von Hühnereieiweiß.
Pollenallergiker leiden häufig gleichzeitig auch an einer Nahrungsmittelallergie. Das Hauptallergen der Birke, Bet v 1, kommt auch bei der Erle, Hasel, Hainbuche vor, und Abkömmlinge finden sich auch in vielen Obst-, Gemüse-, Nuß- und Gewürzsorten (98). Bet v 2, das Minorahergen der Birke, ist in fast allen Zellen von Pflanzen und Tieren enthalten (als Profihn). In unseren Breiten sind nur ca. 5 % der Birkenpohenahergiker gegen Bet v 2 sensibihsiert, und sie können dann auch allergisch reagieren auf Birken-, Gräser-, Beifuß-, Sonnenblumenpollen, Taubenkraut-, Olivenpohen sowie auf Apfel, Birne, Pfirsich, Haselnuß, Karotte, Kartoffel, Sellerie, Tomate, Lychee (294,295).
In der Praxis sind Betroffene, die gegen zahlreiche Nahrungsmittel gleichzeitig mit Allergie -symptomen reagieren, sehr selten. Sie tolerieren die meisten Nahrungsmittel, ohne krank zu werden, auch wenn Hauttest oder RAST positiv ausfahen. Überwiegend zeigen Nahrungsmittelallergiker nur eine Reaktion auf ein oder zwei Nahrungsmittel. Eine zu starke Einschränkung des Nahrungsangebotes aus Furcht vor der Allergie ist daher nicht angebracht.
Eine schwere allergische Reaktion auf Nahrungsmittel steht der ahergische Schock dar. Nüsse, insbesondere Erdnüsse, Haselnüsse, Samen, Meeresfrüchte, Eier, Käse, Sellerie sowie Gewürze sind Hauptauslöser.
   
   
   
   
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Karenz
   
   
   
   
Ist eine Nahrungsmittelallergie bewiesen, so sohte das Produkt streng gemieden werden (zumindest für 1 Jahr). Die Forderung gilt auch für Nahrungsmittel, die eine Intoleranz- bzw. pseudoahergische Reaktion hervorgerufen haben.
Es ist außerordenthch schwierig, Karenz einzuhalten, wenn industriell gefertigte Produkte verzehrt werden. Als Beispiel soll die Karenz von Kuhmilch- und Hühnereieiweiß aufgeführt werden:
Karenz von Kuhmilcheiweiß (24):
Kuhmilcheiweiß kann sich hinter folgenden Bezeichnungen verbergen: Molke, Molkenpulver, Kondensmilch, Buttermilch, Kefir, Joghurt, Dickmilch, Quark, Sahne, Creme fraiche, Schmand, Butter, Käse, Kasein.
Kuhmilcheiweiß- und Sojaeiweiß-Allergie (24):
In ca. 20 - 30 % wird weder Kuhmilch- noch Sojaeiweiß vertragen. Kuhmilch- und Sojaeiweiß können sich hinter verschiedenen Bezeichnungen verbergen, wie Lecithin, Emulgator, Bindemittel, pflanzliches Eiweiß, pflanzliches Fett, Stabilisatoren.
Karenz von Hühnereieiweiß (24):
Folgende Begriffe können auf die Verwendung von Ei hinweisen: Protein, tierisches Eiweiß, Fremdprotein, Eiklar, Eiöl, Lecithin (E 322), Stabihsatoren, Emulgatoren. Eigelb, Eiweiß oder spezielle Inhaltsstoffe des Hühnereis dienen als
- Emulgator zur Herstellung von stabilen Öl-Wasser-Gemischen wie bei der Margarine, Mayonnaise, Sauce, Suppe, Creme, dem Gebäck oder den Süßspeisen.
- Bindemittel für wasserhaltige Lebensmittel: bei Speiseeis, kalt oder warm aufgeschlagene Saucen, Gebäck. In Saucen, Schokolade, Eiskrem ist Eiprotein zum Teil durch das billigere Sojalecithin ersetzt.
- Schaumbildung und damit Lockerung von Speisen sowie Strukturbildung wie bei Souffles, Meringen, Angel Cakes, Biskuits.
- Geschmacksgeber zur Verbesserung der Quahtät, z. B. bei Kuchen, Suppen, Süßspeisen.
- Färbemittel, z. B. die Gelbfärbung durch Karotinoide des Hühnereis.
- Klärmittel von Flüssigkeiten wie Brühen, Säften durch die Fähigkeiten zum Vernetzen und Gerinnen und damit Einschließen von Schwebeteilchen.
Hühnereieiweiß ist enthalten in Tomatenketchup, vielen Fleischsäften, den meisten Saucen, in manchen Marmeladen, in einzelnen Backpulvern, im Brot (Grahambrot, Pumpernickel). Das Glasieren der Brotkruste geschieht mit Eiweiß.
Alle Zutaten, die bei der Herstehung des Lebensmittels Verwendung finden, müssen auf der Verpackung aufgeführt werden, wobei Zutaten mit einem Gewichtsanteil unter 2 % nicht angegeben werden müssen. Keine Zutatenliste benötigen:
Honig, Zucker, Kakao, Kaffee-Extrakt, Aromen und alkoholische Getränke (z. B. Wein, Liköre).
Die Zutatenliste ist nicht immer vohständig, denn die Zutaten der Zutaten müssen nicht angegeben werden:
- Gebäck im Schokoladenriegel muß nur als Gebäck angegeben werden, es kann sehr wohl Hühnereieiweiß enthalten.
- Nudeln dürfen als eifrei gekennzeichnet werden, wenn sie weniger Hühnereieiweiß enthalten, als bei Eierteigwaren vorgeschrieben ist.
   
   
   
   
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Da Karenz kaum durchzuführen ist, wenn vorgefertigte industriell hergestellte Produkte verwendet werden, sollte der Betroffene seine Nahrung stets selbst aus frischen bzw. wenig verarbeiteten Produkten herstellen. Im Winter kann auf Tiefkühlkost mit möglichst wenig Zusatzstoffen zurückgegriffen werden.
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Basische Ernährung mindert die allergische Reaktion
   
   
   
   
Klinische Ökologen erzeugen durch Provokationstests (z. B. Test nach Miller) allergische Reaktionen, die sie durch Trinken einer basischen Lösung neutralisieren (208, 218). Aus den Experimenten muß gefolgert werden, daß eine Ernährung, die Säuren und Säurebildung meidet und die basische Reaktionslage durch Verzehr von Gétníise und Salaten fördert, der Allergie entgegenwirkt.
   
   
   
   
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Intoleranz- und pseudoallergische Reaktion
   
   
   
   
Bei der Intoleranz (215) besteht eine individuelle Überempfindhchkeit auf die Substanz, d. h. Krankheitssymptome treten bei ungewöhnlich niedriger Substratkonzentration auf. Gleichen die Symptome denen einer allergischen Reaktion, so wird von einer pseudoaUergischen Reaktion (217) gesprochen, da sich kein Immunglobulin E nachweisen läßt - wie bei der allergischen Reaktion (48) -. Nur etwa 1 - 2 % der Bevölkerung hat Probleme im Sinne der Intoleranzreaktion (282, 313).
Intoleranz- bzw. pseudoallergische Reaktionen können auftreten durch
- Zusatzstoffe in der Nahrung
- biogene Amine in Nahrungsmitteln, z. B. Histamin, Serotonin.
   
   
   
   
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Zusatzstoffe in Lebensmitteln
   
   
   
   
Lebensmittel sind in immer stärkerem Maße be- und verarbeitet - aromatisiert, emulgiert, modifiziert, stabilisiert, konserviert, geschwefelt, gefärbt und verpackt (48).
Als Auslöser von Intoleranzreaktionen durch Zusatzstoffe werden in erster Linie Konser­vierungsstoffe, Farbstoffe und Sulfite angegeben.
Konservierungsstoffe
Benzoesäure
Benzoesäure darf z. B. für folgende Produkte eingesetzt werden:
- aromatische nichtalkoholische Getränke
- Spirituosen mit weniger als 15 % Alkohol
- Garnelen- und Krabbenerzeugnisse
- flüssiges Vollei oder Eigelb
- zuckerarme Konfitüren
- kandiertes, kristallisiertes und glasiertes Obst und Gemüse
- Gemüse in Essig, Lake oder Öl
- Feinkostsalate
- Senf, Würzmittel
- Aspik
- Kaugummi
Außerdem kommt Benzoesäure natürlicherweise in Früchten vor, z. B. in Preiselbeeren und in Heidelbeeren.
Für Zusatzstoffe besteht eine Deklarationspflicht.
Allerdings müssen Zusatzstoffe, die bei einer Zutat eines Lebensmittels eingesetzt wurden, nicht angegeben werden, wenn sie im Endprodukt keine technologischen Wirkungen ausüben.
- z. B. Benzoesäure im Krabbensalat. Krabben sind fast immer mit Benzoesäure behandelt. Auf der Verpackung von Krabbensalaten steht dann "ohne Zugabe von Konservierungsstoffen hergestellt" im Gegensatz zu "frei von Konservierungsstoffen".
Die Abkömmlinge der Benzoesäure werden auch als örtliche Betäubungsmittel benutzt. Patienten, die auf Benzoesäure reagieren, vertragen zum Teil auch kein Tartrazin und/oder keine Acetylsalicylsäure.
Acetylsalicylsäure (ASS)
Bis zu 15 % einer Asthmatiker-Population sind überempfindhch gegenüber ASS; bei den meisten besteht auch noch die Neigung zu Polypen der Nasenschleimhaut. Was das Sahcylatasthma so problematisch macht, ist das oft blitzartige Auftreten ohne Vorwarnung. In der Regel hat der Patient die Substanz eingenommen, z. B. bei einem grippalen Infekt. Plötzlich tritt dann Asthma auf, und nicht immer wird erkannt, daß es das Medikament ist, das das Asthma hervorruft.
Betroffene, die Acetylsalicylsäure nicht tolerieren, reagieren häufig auch krankhaft auf entzündungshemmende Arzneimittel, wie z. B. Idometazin, Phenylbutazon. Salicylate kommen natürhch vor in Beeren und Gewürzen. Eine Intoleranzreaktion wäre nur denkbar bei einem Verzehr großer Mengen, so z. B. 1,5 kg Obst oder nach einer ausgiebigen,
   
   
   
   
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sehr scharf gewürzten Mahlzeit. Allerdings reicht die dabei aufgenommene Menge an Salicylat nicht an eine einzige Tablette ASS heran (116).
Farbstoffe
Es werden Naturfarbstoffe (Karotine, Xanthophylle u. a.), synthetische organische Farbstoffe und anorganische Pigmente Lebensmitteln zugesetzt. Intoleranzreaktionen werden meist durch Azofarbstoffe, insbesondere Tartrazin (E 102), ausgelöst.
Die Verwendung von Tartrazin ist durch die Änderung der Zusatzstoff-Zulassungsverordnung stark eingeschränkt worden. Tartrazin ist seit dem 23.06.1990 nur noch für Fruchtaromaliköre, Kräuter-, Emulsionskräuter- und Gewürzbranntweine zugelassen.
Sulfite (E 221 - 227)
Schwefeldioxid und S02-entwickelnde Stoffe werden in der Lebensmitteltechnologie wegen ihrer antioxidativen, d. h. Schutz vor Bräunungsreaktionen und wegen ihrer antimikrobiellen Eigenschaften eingesetzt.
Der Einsatz von Schwefeldioxid ist ebenfalls mit Begrenzung der Höchstmenge nur für bestimmte Lebensmittel zugelassen.
Einsatz von über 50 ppm Schwefeldioxid bei Lebensmitteta:
- Trockenfrüchte und deren Produkte
- kandierte Früchte
- Spargel, Sellerie, Zwiebeta, Blumenkohl, weiße Rüben
- Pastinaken und Ingwer, jedoch nur getrocknete Erzeugnisse
- rohe geschälte Apfelstücke für gewerbliche Backzwecke
- zerkleinerte Zwiebeln, Zwiebeln in Essig, zerkleinerter Knoblauch
- Kartoffelerzeugnisse: Kartoffeltrockenerzeugnisse und roher Kartoffelteig tiefgefrorene Kartoffelerzeugnisse
geschälte, auch zerkleinerte Kartoffeln
- Wein, auch alkoholfreier Wein
Bei der Schwefelung ist besonders beachtenswert, daß diese bei Wein und bei allen anderen Lebensmitteta, deren Höchstmenge an gesamter schwefeliger Säure 50 ppm nicht überschreitet (berechnet als Schwefeldioxid in mg/kg), nicht angegeben werden muß. Beispiel: Früchtemüsli mit 20 % Fruchtanteil
10 % Rosinen, ungeschwefelt
5 % Pflaumen, Sorbinsäure
5 % Äpfel, Birnen, Aprikosen mit 1000 ppm geschwefelt
im Gesamtprodukt ist ein Gehalt von 50 ppm. D. h. Schwefeldioxid muß nicht deklariert werden. Es darf aber nicht mit "frei von Schwefel­dioxid" geworben werden.
Das Weingesetz und die entsprechende Weinverordnung von 1983 erlauben als Gesamtgehalt an Schwefeldioxid in Rotweinen 175 mg/1, in Weiß-/Roseweinen 225 mg/1 und in Spätlesen und Auslesen 300 bis 400 mg/1. Übüch ist die Schwefelung bei der Vermostung und nochmals nach der Gärung, zusätzlich wird häufig Sorbtasäure zur Haltbarmachung eingesetzt. Geschwefelt wird praktisch jeder Wein, auch der, der direkt beim Winzer gekauft wird.
   
   
   
   
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Sulfite sind auch in Medikamenten enthalten, ohne daß sie prinzipiell offengelegt werden müssen. Sulfite können enthalten sein in Mitteln gegen Erbrechen (Antiemetika), Herz-Kreis­laufmedikamenten, Antibiotika, psychotropen Substanzen, Schmerzmitteln (Analgetika), lokal betäubenden Stoffen (Lokalanästhetika), Kortisonpräparaten und bronchodüatatorischen Mitteln (bronchialerweiternde Medikamente).
Die Sulfitunverträghchkeit ist am häufigsten bei von Asthma Betroffenen beschrieben. Sulfitfreie Mittel gegen Asthma sind z. B. Solosin-AmpullenR (enthalten Theophyllin) oder Solu-Decortin HR (enthält Kortison).
   
   
   
   
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Biogene Amine in Nahrungsmitteln Histamin
Im menschlichen Darm wird Histamin durch ein Enzym (Diaminoxydase; DAO) abgebaut. Wird das Enzym gehemmt, z. B. durch
- Dauerbehandlung mit Dihydralazin, einem blutdrucksenkenden Mittel
- Isoniazid, das zur Tuberkulosebehandlung dient
- Alkohol
- eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung,
so ist der Betroffene gefährdet, auf Histaminzufuhr durch die Nahrung eine Intoleranzreaktion zu erleiden (225):
- Typischerweise treten kurz nach dem Essen Histaminsymptome wie Kopfschmerz, Schwindel, verschwommenes Sehen, Hitzegefühl am ganzen Körper, Schwitzen, Bauch­krämpfe, Erbrechen und Atemnot auf.
Histamin findet sich in hohen Konzentrationen (24, 116)
- im Sauerkraut
- in Thunfisch-, Makrelen-, Bratherings- und Sardinenkonserven
- in Weinen, Rotwein enthält mehr Histamine als Weißwein
- in reifenden Käsesorten wie Roquefort, Gouda, Emmentaler und Gruyere
- in Schinkensorten, Salami, Cervelatwurst, wenn diese länger gelagert, d. h. "gereift" sind. Höhere Konzentrationen an Histamin lassen sich bereits geschmacklich wahrnehmen. Ein charakteristischer scharf-brennender Geschmack im Lippen- und Zungenspitzenbereich, der sich langsam auf die ganze Mundhöhle ausbreitet, ist gelegentlich von einem tauben Gefühl begleitet.
Serotonin
Bananen, Walnüsse und Tomaten enthalten größere Mengen 5-Hydroxytryptamin, das auch Serotonin genannt wird. Der Serotoningehalt der geschälten Banane schwankt und ist bei Beginn und am Ende der Reife am höchsten. Es sollten nicht zu viele Bananen gegessen werden, und Babynahrung sollte nicht einen zu hohen Anteil an Bananen enthalten, wenn die Betreffenden asthmatisch reagieren.
   
   
   
   
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Lebensmittelqualität
Die übertriebene Verarbeitung der Lebensmittel sollte vermieden werden, sie geht mit Einbußen der Qualität einher. Die Forderung lautet: so wenig wie möghch, so viel wie notwendig.
Hier hegt auch die Empfehlung begründet, täghch einen Teil der Nahrung in Form von Frischkost zu verzehren. Die positiven Wirkungen der Erhitzung der Kost verheren dadurch nicht an Bedeutung. Kartoffeln und Hülsenfrüchte müssen erhitzt werden. Erhitzen der Kost bringt aber Verluste bei den Nährstoffen und hat Nachteile für die Verdauungsorgane (168):
- Einfluß des Kochens auf Nahrungsmittelinhaltsstoffe
- Zerstörung von Vitaminen
- Bildung von Aminosäuren
- Verminderung der Bahaststoffwirkung
- Zerstörung von Inhaltsstoffen, die antibiotisch, antikanzerogen, entzündungshemmend und wundheilend wirken
- Einfluß des Kochens auf die Verdauungsorgane
- verkürzte Kauzeit und Eßdauer
- geringe Speichel- und Sekretbildung
- geringe Magen- und Darmfüllung
- Veränderung der Darmflora
   
   
   
   
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Schadstoffe in der Nahrung
   
   
   
   
Schadstoffe können auf unterschiedlichen Wegen in die Nahrung gelangen.
   
   
   
   
Boden Luft Wasser
   
   
   
   
Aufbewahrung -> Fremd-, Schadstoffe^- Zubereitung
in Lebensmitteln - Grillen
- Braten
- Rösten
   
   
   
   
aus der Verpackung Verarbeitung
   
   
   
   
Prävention (293)
Arsen: Verzicht auf excessiven Fisch-, Fischwarenverzehr (Meeresfrüchte,
Salzwasserfisch)
hohe Arsengehalte gelegenthch in Wein
Blei: Austausch von Bleileitungen, die Trinkwasser führen
Verzicht auf Innereien von Schlachttieren, Blattgemüse mit großer Blattoberfläche, Lebensmittel in Weißblechdosen mit Lötnaht, Wein
vor Verzehr: Reinigen von Obst und Gemüse aus Gebieten mit hoher Blei-Immissionsbelastung (z. B. Eigenanbau neben Autostraße) kein Aufbewahren saurer Speisen in Keramikgefäßen mit bleihaltiger Glasur
Cadmium: Einschränkung des Genusses von Innereien von Schlachttieren und Wild, Wildpilzen, Meeresfrüchten und Fischen kein Aufbewahren von sauren Speisen in Keramikgefäßen mit cadmiumhaltiger Glasur
Quecksilber: Einschränkung des Genusses von langlebigen Fischarten wie Hai, Heilbutt, Thunfisch Krebsen, Muscheln
Fischen in Binnen-, küstennahen Gewässern
Nitrat, Nitrit: Zubereitung von Säuglingsnahrung nur mit nitrat-, nitritarmen Wasser (gilt nur für Eigenbrunnen-Versorger)
Einschränkung im Genuß von großblättrigem Gemüse (Kopfsalat)
Polychlorierte Biphenyle:
Hauptquellen Fisch, Milch, Milchprodukte, insbesondere Konsum fettreicher Fische einschränken
Pestizide: auf saisongerechte Ernährung achten
   
   
   
   
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Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe: entstehen besonders durch
- Räuchern
- Grillen, Braten (besonders verbrennendes Abtropffett), deshalb Aluminium­folien verwenden
- Emissionen (Kfz.-Verkehr, Industrie, Hausbrand)
   
   
   
   
Mykotoxine: Aflatoxine können in Erd-, Paranüssen, Erdnußbutter, Feigen, Pistazien, Milch vorhanden sein
Frauenmilch: Schadstoffbelastung läßt sich mindern bei
- Verzicht auf Nikotin
- keine übermäßige Gewichtsabnahme beim Stillen
- reduziertem Verzehr tierischer Fette
   
   
   
   
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Grundsätze der Ernährung für den an Asthma Leidenden
Anhand der gemachten Ausführungen lauten die Ernährungsempfehlungen allgemein:
- weniger Nahrungsenergie in Form von Zucker und Fett
- kleinere als derzeit übliche Mengen an Fleisch, Fisch, Eiern
- weniger Salz und Alkohol
Der Betroffene sollte seine Nahrung nach folgenden Grundsätzen ausrichten:
- pflanzliche Lebensmittel bevorzugen
- einen Teil der Nahrung als unerhitzte Frischkost aufnehmen
- gering verarbeitete Lebensmittel auswählen, d. h. Lebensmittel so natürlich wie möglich belassen und übertriebenes Verfeinern und Behandeln vermeiden
- säurearme Nahrung, Vermeidung von Säurebildung
- allergenarme Kost, die Kuhmilch- und Hühnerei-Eiweiß meidet
- bevorzugt regionale Erzeugnisse entsprechend der Jahreszeit verwenden. Mit Hilfe der Ernährung
- wird der Organismus im akuten Krankheitsfall "entlastet", wenn feste Nahrung gemieden und stattdessen reichlich Flüssigkeit getrunken wird.
- kann die Schutzfunktion der Schleimhaut gebessert werden, indem Säuren nicht zugeführt werden und Säurebildung verhindert wird.
- werden allergische Reaktionen verhütet, wenn die Kost allergenarm ist.
- werden der allergischen Reaktion entgegengewirkt, wenn basische Substanzen aufgenom­men werden.
- wird Intoleranz- und pseudoallergischen Reaktionen vorgebeugt, indem Zusatzstoffe und biogene Amine gemieden werden.
- stabilisieren sich Immunfunktionen, wenn die Ernährung ausgewogen, normkalorisch ist, d. h. ein zuviel und zu wenig meidet
- wird die Schadstoffaufnahme niedrig gehalten, wenn Ratschläge zur Prävention befolgt werden.
Es sei ausdrücklich darauf hingewiesen, daß die Nahrung abwechslungsreich sein muß und daß dem Betroffenen aus Angst vor der Allergie nicht zahlreiche, wichtige Nahrungsmittel vorenthalten werden. Die Nahrung muß die Nährstoffe in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander enthalten, denn der Mangel an einem Nährstoff kann nicht durch erhöhte Zufuhr eines anderen ausgeglichen werden.
Da die Nahrungsmittel genereU wenig Jod enthalten, ist Jod zuzuführen. Das geschieht, da eine vorwiegend vegetarische Kost kochsalzarm ist, durch Zugabe von jodiertem Salz und evtl. Meeresfisch.
Getränke sind vor der Mahlzeit zu trinken, da sonst die Salzsäure des Magens verdünnt wird und dann nicht mehr die keimtötende Wirkung besitzt. Werden basische Wässer getrunken, ist eine Aufnahme 30 Minuten vor der Mahlzeit angebracht, weil sonst die Salzsäure des Magens die basische Reaktion neutralisiert.
Bohnenkaffee und schwarzer Tee werden auch deshalb gemieden, da sie die Resorption von Nahrungsmitteln, wenn sie nach einer Mahlzeit getrunken werden, sehr deutlich steigern und damit evtl. auch vermehrt Allergene resorbiert werden.
   
   
   
   
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Speiseplan und Ernährungsverhalten
   
   
   
   
Die Nahrung besteht vorwiegend aus Gemüsen und Salaten. Diese werden größtenteils roh gegessen. Zum Zubereiten dienen kalt gepreßte Pflanzenöle, Sauerrahmbutter (sie enthält Milchfett und nicht das zu meidende Milcheiweiß) oder Margarine, die ohne Trinksauermilch hergesteht wird. An die Stelle von Auszugsmehlen treten frisch geschrotete Vollkornmehle, verarbeitet in Form von Vollkornnudeln, Vollkornbrot. Das tägliche Müsli enthält Getreide mit frischem Obst, z. B. süßem Apfel, Birne, Banane. 2mal pro Woche wird tierisches Eiweiß, meist in Form von Rindfleisch oder Meeresfisch gegessen.
   
   
   
   
Der Speiseplan umfaßt im Einzelnen:
   
   
   
   
Gemüse: Auberginen, Avocado, Blumenkohl, Brechbohnen, Broccoh, Chinakohl, Erbsen, Fenchel, Gelbe Paprika, Grünkohl, Kohlrabi, Linsen, Mangold, Melde, Möhren, Porree, Rosenkohl, Rote Paprika, Rotkohl, Schlangengurke, Schwarzwurzeln, Steckrübe, Stielmus, Sojasprossen, Spinat, Weißkohl, Wirsing, Zucchini in wenig Wasser dünsten
   
   
   
   
Salate: Kopfsalat, Feldsalat, Endiviensalat, Eisbergsalat, Lollo Rosso
Rohkost: Möhren, Kohlrabi, Blumenkohl, Chinakohl, Schlangengurke, Paprika, Zucchini, alle Kohlsorten
Beilagen: Pellkartoffeln, Kartoffelbrei,
Vohkornnudeln ohne Ei (Weizen, Dinkel, Buchweizen, Hirse) Vohkornreis (Naturreis), Mais
zum Würzen: jodiertes Meersalz (Vollmeersalz, Jodsalz), Würzhefeflocken (Edelhefeflocken) grundsätzhch nach dem Garprozeß würzen
Obst: süße Äpfel (z. B. Delicius, Gloster, Elstar, Jona Gold)
Birne, maximal 3 Stk. täglich (incl. Kompott) Banane, maximal 1 Stk. täglich Wassermelone
Apfelkompott, Birnenkompott (ohne Zucker selbst hergestellt)
Getreide: Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel, Grünkern,
Buchweizen (=Knöterichgewächs), Hirse, Leinsamen, Sonnenblumenkerne, Sesam, z. B. für Brot, Kuchen oder als Müsli zum Frühstück mit Obst oder Rohkost gemischt
   
   
   
   
Brot: Weizenvollkornbrot (Vollkornmehl, Wasser, frische Hefe, Salz)
Roggenvollkornbrot (Vollkornmehl, Wasser, Natursauerteig, Salz) Brote aus verschiedenen Getreidesorten sind möghch
   
   
   
   
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Knabbereien: Maisflakes (Zutaten: nur Mais) Popcorn (selbst hergestellt)
   
   
   
   
Fett:
   
Sauerrahmbutter, mildgesäuerte Butter
milcheiweißfreie Margarine (Vitaquell 75 %, Vitazell, becel)
kaltgeschlagenes (kaltgepreßtes) Öl
Sonnenblumenöl, Distelöl, Olivenöl (z. B. von Vitaquell)
   
   
   
   
Fleisch:
   
2mal wöchentlich
in viel Wasser kochen, kalt aufsetzen (den Sud nicht verwenden, Eiweißgehalt viel zu hoch)
Rind-, Puten-, Hähnchen-, Kalb-, Lamm-, Schaffleisch
   
   
   
   
Seefisch:
   
Seelachs, Kabeljau, Rotbarsch, Scholle, Schellfisch (bei Verträglichkeit)
   
   
   
   
Zusatz:
   
Sojadrink (ohne Zucker mit und ohne Zusatz von Calcium) maximal 400 ml/Tag
z. B. von Vitaquell, Nuxo, Granovita, Bruno Fischer
   
   
   
   
Getränke: stilles Wasser (calciumreich, natriumarm) Calciumgehalt über 150 mg/1 Natriumgehalt unter 50 mg/1
Erwachsene sollten keinen coffeinhaltigen Bohnenkaffee, schwarzen Tee oder Alkohol zu sich nehmen und nicht rauchen.
Rezepte im Kochbuch "Allergien heilen mit Hilfe von Ernährung" (298)
Der Leitsatz für den Betroffenen sollte lauten: - Ich esse, was meine Gesundheit fördert!
Auch für das Ernährungsverhalten gilt (25): nur wer von dem, was er tut, auch voll und freudig überzeugt ist, an positive Wirkungen glaubt, ist auch imstande, sein Immunsystem zu stimulieren. Eine psychogene Stimulierung des Immunsystems über die Ernährung ist möglich,
   
   
   
   
wenn
   
   
   
   
- gesunde Ernährung bzw. Nahrungsmittel mit Genuß konsumiert und nicht als ideologische Mußhaltung betrieben werden.
- gesundheitsfördernde Nahrungsmittel in ihrer Wirkung für den Konsumenten außer Zweifel stehen, d. h. diese subjektiv als positiv gelten und erlebt werden.
- die Ernährung mit Freude und in ihren Ergebnissen als Eustreß und nicht mit Verbissenheit, Trotz, Durchhalteparolen und in sozialer Isolierung zwanghaft erlebt wird.
- Essen in einer appetitlichen Umgebung, an einem gedeckten Tisch mit seinen kleinen attraktiven Verzierungen und nicht - auch wenn man alleine essen muß - an einem Katzentisch, am Rande der Wohnung stattfindet.
- Essen keine Reaktion auf Distress, Belastungen darstellt, sondern in einer Situation des subjektiven Wohlbefindens, der Entlastung stattfindet.
Es hegt nahe, daß alle Famihenmitglieder ihre Ernährungsweise umstellen. Sicher ist diese Unterstützung aus dem Bereich der Familie bei der Einführung der neuen Kostform für Kinder, insbesondere für ein Kleinkind, notwendig. Auf Dauer sollte aber kein Famihenmitglied sich zu
   
   
   
   
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dieser Ernährung zwingen oder dazu gezwungen werden. Wenn die anderen Familienmitglieder sich nicht um ihrer eigenen Gesundheit willen zu der Ernährungsweise entschließen können, ist es besser, darauf zu verzichten, um nicht Ärger auf das asthmakranke Kind zu übertragen. Es muß aber streng darauf geachtet werden, daß Erwachsene und andere Kinder sich in Gegenwart des asthmatischen Kindes nicht negativ und abwertend über die Nahrung äußern. Eine Ausnahmeregelung für das Einhalten der strengen Kostform stellt der Urlaub dar, wenn der Betroffene wegfahrt. Im Urlaub, vorausgesetzt er ist schön, steuert der Betroffene seine Abwehr anders, normal, und er kann sich deshalb dann auch so ernähren, wie es die Gesunden tun (eine Ausnahme besteht nur für Nahrungsmittel, auf die der Betroffene schon einmal mit einem Schock reagiert hat).
Die strenge Kost wird zunächst für ein Jahr eingehalten. Verspürt der Betroffene, daß ihm die Nahrung guttut, so sollte sie danach um weitere Nahrungsmittel erweitert werden unter Beibehaltung der Leithnien. Anderenfahs ist allmählich auf die übhche Kost überzugehen.
   
   
   
   
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Probleme bei der Nahrungsumstellung
   
   
   
   
Bei der Nahrungsumstellung können Probleme auftreten.
Ein Grund hegt darin begründet, daß sich der Mensch in seiner Freiheit bedroht fühlt, wenn er nicht mehr alles essen darf. Eltern haben Angst, die Ernährung ihrer Kinder umzustellen, weil sie befürchten, daß die Kinder Außenseiter werden, wenn sie nicht wie alle anderen im Kindergarten, in der Schule oder auf Kindergeburtstagen Süßigkeiten oder die an tierischem Eiweiß reiche Nahrung essen dürfen.
Bei einem Diabetiker käme keiner auf eine derartige Idee, so zu denken - im Gegenteil, man würde sich bemühen, dem Kind zu helfen, seine Diät einzuhalten, es sogar zur Diät anhalten, ermuntern. Erstaunlicherweise hat man gar nicht das Gefühl, das Kind bedauern zu müssen. Woran hegt das? Das liegt wohl daran, daß jemand, der seine Krankheit selbst beherrscht, der Verantwortung für seine Gesundheit übernimmt, gar nicht mehr bedauernswert erscheint. Man sollte also, ehe die Nahrung umgestellt wird, erst eine Meinung gewinnen, die lautet: der Betroffene hat nicht die Freiheit, das zu essen, was seine Krankheit fördert, sondern er hat die Verantwortung, sich gesund zu ernähren, und darauf kann man stolz sein. Wenn Eltern von ihren kranken Kindern eine (zeitweilige) Umstellung der Ernährung fordern, so hat das nichts mit Liebesentzug zu tun. Wenn die Kinder auf Gaumenfreuden verzichten müssen, so läßt sich dieses Defizit durch andere Freuden ausgleichen, so zum Beispiel durch Spielen, Malen u. a.
Ein weiterer Grund, der der Umstellung der Ernährung entgegensteht, ist die Angst vor Mangelzuständen. Bei der konventionellen Ernährung hat man sich daran gewöhnt, daß Fettsucht, Arteriosklerose, Bluthochdruck und andere Erkrankungen wesentlich durch die Nahrung mitbedingt sind - und diese Gewöhnung läßt das Risiko derartiger Erkrankungen klein erscheinen. Da scheint die theoretische Gefahr, daß Mangelzustände durch die vorwiegend vegetarische Ernährung auftreten, doch sehr hoch zu sein. Das rührt daher, daß Neuerungen mehr Angstgefühle auslösen, unsicher machen. Zur Beruhigung muß gesagt werden, daß Mangelzustände, wenn genügend abwechslungsreich gegessen wird, nicht auftreten.
Für ein Kind müssen die Eltern die Entscheidungsarbeit leisten, und erst wenn sie sich über den gesundheitlichen Nutzen sicher sind, darf die Kost des Kindes umgestellt werden. Die Entscheidung, die Sicherheit der Eltern, überträgt sich auf das Kind. Ist sie nicht vorhanden, weil z. B. ein Ehepartner von der Ernährungsumstellung nichts hält, wird das Kind nicht die Kraft und Motivation haben, die Nahrung zu akzeptieren, und es wird ständig Diätfehler begehen.
Jede Ernährungstheorie wird gefährlich, wenn sie ihre Anhänger zu Fanatikern werden läßt. Nur wer von dem, was er tut, auch voll und freudig überzeugt ist, an die positiven Wirkungen glaubt, ist auch in der Lage, die Ernährung wie selbstverständlich durchzuführen und anders Denkenden und Essenden gegenüber tolerant zu sein.
   
   
   
   
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Für die Großeltern
   
   
   
   
Großeltern leiden ganz besonders, wenn ihr Enkel erkrankt und eine speziehe Kostform einhalten soll, von deren Nutzen die Großeltern zumeist nicht überzeugt sind. Deshalb wurde ein Merkblatt erstellt, das den Großeltern erleichtern soh, die Ernährung ihres Enkels konsequent zu befolgen. Das Merkblatt ist in der Khnik erhältlich und der Text lautet:
Liebe Großeltern,
Ihr Enkelkind befindet sich zur Zeit wegen Asthma in unserer Behandlung. Für den Heilerfolg ist die genaue Einhaltung der folgenden Kost über ein Jahr von entscheidender Bedeutung.
Für_kommen im nächsten Jahr nur folgende Nahrungsmittel
infrage:
Gemüse: _
Salate: _
Rohkost: _
Beilagen: _
zum Würzen: _
Obst: _
Getreide: _
Brot: _
Knabbereien: _
Fett: _
Fleisch, Fisch:_
Zusatz: _
Getränke: _.
   
   
   
   
Ihr Enkelkind benötigt bei der Durchführung der Kost Ihre besondere Unterstützung. Sie sollten deshalb folgendes berücksichtigen:
Bedauern Sie Ihr Enkelkind nicht, weil es auf einige Speisen verzichten muß, sondern ermutigen Sie es, ähnlich, wie Sie ein an Diabetes erkranktes Kind auch ermutigen würden, seine Diät einzuhalten. Bedenken Sie, daß die Ernährung nur über einen begrenzten Zeitraum konsequent eingehalten werden muß. Wenn Sie das Gefühl haben, Ihrem Enkel Gaumenfreuden zu entziehen, so können Sie diese durch andere Freuden ausgleichen, so zum Beispiel durch Spielen, Malen, Basteln u. a. Die wahre Liebe zu Ihrem Enkel zeigen Sie dadurch, daß Sie ihm helfen, wieder gesund zu werden, und dazu ist eine zeithch begrenzte Umstellung der Ernährung notwendig.
Wenn Sie sich so verhalten, sind Sie für Ihr Enkelkind und seine Eltern eine große Hilfe und tragen zur Heilung Ihres kranken Enkels wesentlich bei.
   
   
   
   
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Die Ernährung des Neugeborenen und Säuglings
   
   
   
   
Säuglinge werden 6 Monate lang gestillt (ungesüßter Tee ist erlaubt, Rachitisprophylaxe ist für die ersten 2 Lebensjahre erforderlich, vom 4. Monat an kann etwas selbst gepreßter Möhrensaft als Vitamin C zugefüttert werden). Entwickelt sich unter dem Stillen ein Asthma, wird die Nahrung der Mutter laut beschriebener naturbelassener, säure- und allergenarmer Kost umgestellt. Ist Stillen unmöglich oder kann die Mutter die strenge Diät nicht einhalten, setzt der Autor Sojamilchen für Säuglinge ein, andere Therapeuten verwenden Eiweißhydrolysate. Die Breizufütterung geschieht frühestens ab dem 6. Lebensmonat. Auf das Stillen bereitet sich die Schwangere vor, indem sie sich ausmalt, wie schön es sei, ihr Kind zu stillen, denn Muttermilch ist die beste Nahrung für den jungen Säugling (86, 236). Unmittelbar nach der Geburt wird das Neugeborene angelegt, denn das Saugen regt die Milchbildung an. Am ersten Tag sollte das Saugen an einer Brust nicht mehr als 5 - 7 Minuten betragen, am zweiten Tag ist es auf 10 Minuten zu steigern. Stets wird beidseits angelegt. Das Kind wird von der Brust gelöst, indem man den kleinen Finger vorsichtig in den Mundwinkel schiebt und dadurch den Unterdruck, der sich durch das Saugen in der Mundhöhle gebildet hat, aufhebt. Nach dem Trinken wird das Kind über die linke Schulter gelegt und sein Rücken vorsichtig geklopft, damit es aufstößt, bäuert. Nach dem Stihen wird das Kind abwechselnd auf eine Seite oder den Rücken gelagert - Bauchlage ist streng zu meiden.
Stillen hat an einem ruhigen Ort zu geschehen, in völliger Ruhe, Entspanntheit der Mutter und einem freudigen innigen Gefühl für den Säugling.
Da die Ernährung in den ersten Lebenstagen häufig Schwierigkeiten bereitet, wird folgendes Vorgehen empfohlen:
1. Tag: Tee + Dextroneonat + Stillversuche
2. Tag: Stillen, Tee + Dextroneonat, evtl. zusätzlich Sojamilch für Säuglinge oder Hydrolysat-
milch
3. Tag und folgende: Stillen, evtl. noch Tee + Dextroneonat oder Sojamilch für Säuglinge
bzw. Hydrolysatmilch zufüttern, bis ausreichend Muttermilch vorhanden ist.
Der junge Säugling sollte in den ersten Wochen alle 4 Stunden gestiht werden, nach 6, höchstens 8 Wochen sollte nachts nicht mehr gestillt werden, damit Mutter und Kind nachts zur Ruhe kommen. Das Stillen zu festgesetzten Zeiten erleichtert der Mutter, Milch nur bei einem Hungerschrei zu füttern. Schreit daher der Säugling nach ca. 4 Stunden, so hat er wahrscheinlich Hunger, und sein Bedürfnis wird erfüllt. Schreit er hingegen zwischendurch, so sollte man ihn nicht stillen. Es besteht nämlich die Gefahr, daß der Säughng Unlustgefühle hat, die er durch Schreien kundtut und abbaut, wie er auch Lustgefühle durch Lachen zeigt und bewältigt. Fatal wäre es, wenn der Säugling immer dann, wenn er Unlustgefühle hat, gestillt wird - eine Allergie gegen Muttermilch wäre wahrscheinlich die Folge.
Das gesunde Neugeborene verhert in der ersten Woche ca. 5 % seines Geburtsgewichtes, was es normalerweise im Verlauf von zwei Wochen aufholt.
Der Stuhl des gestillten Kindes ist goldgelb bis grünlich - bräunlich und von weicher bis wässriger Konsistenz. Der Stuhl kann mehrmals täglich oder nur einmal im Verlauf von fünf Tagen abgesetzt werden.
Der Abstillvorgang wird so gestaltet, daß dem Säugling vor jeder Stillmahlzeit z. B. zunächst Sojamilch (SOM, Humana SL, Multival plus) angeboten wird, deren Menge täglich gesteigert wird, bis die Muttermilchmenge ersetzt ist. Trinkt der Säugling die ersten Portionen der Sojamilch, wird die noch fehlende Milchmenge sofort danach durch Muttermilch ersetzt. Wird die Sojamilch verweigert, wird erst nach einem Intervah von 30 Minuten gestillt, um das Fehlverhalten des Säuglings nicht zu verstärken. Geduldig wird dann dem Säugling über die nächsten 3 Tage Sojamilch angeboten. Trinkt der Säugling dann die Sojamilch noch nicht, bietet der Vater oder eine andere Person dem Säugling die Sojamilch dar.
   
   
   
   
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Die Umsetzung von Muttermilch auf Sojamilch hat langsam, über 10 Tage und länger, zu erfolgen, damit kein Durchfall auftritt. Säuglinge, die über 3 Monate nur Eiweißhydrolysat erhalten haben, reagieren bei Zufütterung oder Umstellung der Nahrung extrem empfindlich. Die Empfindlichkeit ist geringer, wenn neben dem Eiweißhydrolysat bereits Gemüsebrei gegessen wurde.
In letzter Zeit mehren sich Berichte, daß Säuglinge, die gestillt werden, unter dem Stillen Allergien bzw. atopische Erscheinungen wie Neurodermitis, Rhinitis oder Asthma entwickeln -ein Phänomen, das früher nicht beobachtet wurde, denn die Muttermilch enthält Schutzstoffe gegen die Allergieentwicklung. Kinder atopischer Mütter erkranken in 44 % an einer Atopie, wenn eine Brustfütterung mindestens 2-5 Monate stattgefunden hatte (300). Wie ist das zu erklären? Drei Gründe wären denkbar:
1. Die meisten Mütter stillen nach Bedarf. Bedarf bedeutet oft, daß der Säugling jedesmal, wenn er schreit, angelegt wird. Geschieht das nachts mehrfach, so erschöpft sich die Mutter, und sie gerät unter starken Streß, der sich auf den Säugling überträgt. Bei chronischem Streß verändert sich die körpereigene Abwehr , die Zellabwehr wird geringer und die Antikörperabwehr nimmt zu - ein Vorgang, der das Entstehen von Allergien zu begünstigen scheint.
2. Erhält der Säugling, jedesmal wenn er schreit, Muttermilch, so kann es geschehen, daß er nicht nur bei Hunger (Hungerschrei), sondern auch, wie bereits beschrieben, bei Ärger, Wut, Angst, Muttermilch trinkt. Gefühle beeinflussen die Immunabwehr und Unlustgefiihle im zeithchen Zusammenhang mit Muttermilchzufuhr scheinen über Konditionierung die Allergieausbildung zu fördern.
3. Ein Teil der Mütter stillt zu einem Zeitpunkt ab, zu dem sie bzw. ihr Kind noch nicht bereit sind, abzustillen. Es kommt zu erheblichen Streßreaktionen, in deren Gefolge sich eine Allergie entwickelt.
Säuglinge, die unter Asthma leiden, gedeihen häufig nicht. Die meisten bekommen nicht zu wenig, sondern zu viel Nahrung. Wird die Nahrungsmenge reduziert, setzt die Gewichtszunahme, zum Erstaunen der Eltern, wieder ein. Es gibt auch Kinder, denen aus Angst vor Allergenen wichtige Nahrungsmittel entzogen wurden und die unterkalorisch ernährt sind.
   
   
   
   
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Allergieprävention im Neugeborenen- und Säuglingsalter
Allergie-Prävention wird bei Neugeborenen und Säuglingen angeraten, die ein hohes Allergierisiko besitzen. Es sind dies Kinder, deren Eltern an Allergien erkrankt sind, so z. B. an Heuschnupfen, Neurodermitis, Asthma. Die alimentäre Allergieprävention umfaßt (299):
1. Stillen über 4-6 Monate, keine Kuhmilchzufütterung
2. Beikost spät verabreichen, nicht vor dem abgeschlossenen 4. - 6. Lebensmonat
3. Falls keine Muttermilch vorhanden ist, Gabe von
- hypo aller gener Säuglings-Kuhmilchproteinhydrolysat-Nahrung wie Alfare, Beba HA, Pregestimil, Nutramigen oder
- Sojaprotein enthaltender Säuglingsmilch wie
Lactopriv, Humana SL, Milupa SOM, ProSobee, Pregomin oder
- auf Reis und Johannisbrotkeimen aufgebauter Nahrung wie Sinlac.
Zu den hypoallergenen Kuhmilchproteinhydrolysaten:
Eine Kost ist hypoallergen, wenn das Grundeiweiß so verändert ist, seine Antigenität so reduziert ist, daß 90 % der Personen, die auf das Grundeiweiß allergisch sind, die Kost vertragen, ohne Symptome zu bekommen. Hypoallergen heißt nicht nichtallergen. Die Hypoallergenität wird durch Hitzebehandlung und enzymatischer Spaltung der Kuhmilchproteine erreicht.
Man unterscheidet:
- partiell hydrolysierte Formeln, die noch höhermolekulare Proteine enthalten (z. B. Humana HA, Aletemil HA, Aptamil HA, Beba HA)
- extensiv hydrolysierte Formeln, die nur aus kleinen Peptiden mit geringem Molekulargewicht bestehen (z. B. Pregestimil, Nutramigen, Alfare, Pregomin).
Partiell hydrolysierte Formeln besitzen das Restrisiko einer allergischen Reaktion für Säuglinge mit einer aktuellen Kuhmilchallergie. Das Risiko bei stark hydrolysierten Formeln ist nur für extrem empfindliche Allergiker vorhanden. Besteht daher bereits eine Kuhmilchallergie, muß oral getestet werden, ob Hydrolysate verträglich sind (24).
Zur Zeit werden partiell hydrolysierte Ersatznahrungen prophylaktisch bei allergischer Disposition angeboten. Das Konsenspapier der Europäischen Gesellschaft für pädiatrische Allergologie und klinische Immunologie fordert dagegen die Verwendung extensiv hydrolysierter Produkte; Nachteile sind ihr Preis und ihr Geschmack.
Die kuhmilchfreie bzw. -arme Diät stellt eine Prophylaxe für den frühen Erwerb einer Kuhmilcheiweißallergie dar - mehr wahrscheinlich nicht. In einer Studie, in der hypoallergene Nahrung verabreicht wurde, fand sich ein präventiver Effekt für die atopische Dermatitis, nicht für die allergische Rhinitis. Hauttests auf Kuhmilch waren abgeschwächt, unbeeinflußt aber auf Erdnuß, Hühnereieiweiß, Hausstaub.
   
   
   
   
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Nahrungsverweigerung
   
   
   
   
Bei Säuglingen und Kleinkindern, deren Nahrung umgestellt wird, kann es zu einer Nahrungsverweigerung kommen. Es lassen sich verschiedene Stufen unterscheiden (164):
- zunächst ein Ausweichverhalten (Abwenden, Schreien) beim Nahrungsangebot
- dann eine Einschränkung der Nahrungsmittel (z. B. kein Gemüse essen)
- es folgt ein Ablehnen von gröberer Kost (d. h. die Kinder nehmen von sich aus nur flüssige Nahrung zu sich)
- bis sich letztendhch ein totales Nahrungsverweigerungsverhalten einsteht.
Trotz größter Mühe und Überredungskünste schaffen es die Eltern nicht, das Kind zum Essen zu bewegen. Auf beiden Seiten entwickelt sich starker Gefühlsdruck, doch am Ende steht, daß das Kind nicht ißt und die Eltern sich immer hilfloser und verzweifelter fühlen. Dieses Verhalten, konsequent nicht zu essen, halten die Kinder ohne Probleme mehrere Tage durch.
Das Phänomen Nahrungsverweigerung ist weder ganz ahein ein Problem des Kindes oder der Eltern, sondern auch ein Problem der Kommunikation zwischen ihnen, das zu erhebhchem Streß führt:
   
   
   
   
ELTERN:
   
KIND:
   
   
   
   
Forderung (z..B.: "iß")
   
-^Anspannung
   
   
   
   
Anspannung
   
Gegenforderung ("nein")
   
   
   
   
Forderung und Gegenforderung bedingen sich gegenseitig, das eine ruft das andere hervor: Der Teufelskreis hat sich verselbständigt.
Inhaltlich könnte man sich diesen Teufelskreis etwa so vorstellen:
   
   
   
   
Eltern
   
Kind
   
   
   
   
   
Forderung
— Eltern zum Kind: iß!
   
Kind zappelt
   
Gegenforderung ->
   
   
Eltern reden dem Kind gut zu
   
   
• das Kind dreht den Kopf weg
   
   
Eltern werden deuthcher
   
das Kind quängelt, schreit
   
   
Eltern werden ärgerhch
   
   
   
   
Spannung
   
das Kind würgt die Nahrung hoch
und erbricht Spannung
   
   
   
   
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Die Nahrungsverweigerung wird therapeutisch angegangen durch ein sogenanntes EßVerhaltenstraining. Wie sieht die konsequente Umsetzung des Eßverhaltenstrainings aus?
Prinzipien des Eßverhaltenstrainings (164):
1. Konsequente Rahmensetzung (feste Essenszeiten, Dauer max. 20 Minuten).
2. Es gibt keinen Eßzwang, das Essen wird ohne Druck und ohne ständiges Überreden angeboten.
3. Eine möglichst entspannte und lockere Atmosphäre schaffen (wichtig dabei ist auch ein Raum, in dem man ungestört essen kann).
4. Wesentlicher, als daß das Kind ißt, ist es, einen guten Kontakt zum Kind zu bekommen.
5. Ist das Kind bereits an den Löffel gewöhnt, so ist das Essen beendet, wenn
a) die Essenszeit von 20 Minuten abgelaufen ist,
b) das Kind den Rahmen überschreitet (Weglaufen, Erbrechen, Teller umschmeißen).
6. Das Essen ruhig, aber bestimmt beenden, auch wenn das Kind protestiert.
7. Keine Drohung vorher oder anschließend (wenn du jetzt nicht ißt), wenn das Kind verweigert.
8. Regelhafte Konsequenzen einhalten: bei Verweigerung gibt es nichts zwischendurch bis zur nächsten regelhaften Mahlzeit (außer Flüssigkeit zu trinken).
9. Kein Eßverhaltenstraining, wenn das Kind Fieber hat bzw. akut erkrankt ist.
10. Ist das Verweigerungsverhalten in mehreren Bereichen sehr massiv, sollte ein therapeutisches Einzelspiel mit Kontaktperson und Kind über mehrere Sitzungen erfolgen.
   
   
   
   
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Verhalten bei Schockreaktionen auf Nahrungsmittel
Es gibt Patienten, die reagieren auf ein Nahrungsmittel mit einem allergischen Schock. Sie müssen mit Notfallmedikamenten ausgerüstet werden, die sie sofort bei drohendem Schock einnehmen bzw. anwenden
- Kortison Tabletten
- Antihistamin Tabletten
- Adrenahn-Dosieraerosol
- evtl. Adrenalin-Spritze.
Bei Schockreaktion kann Adrenahn als Aerosol inhahert werden.
Zur Notfallselbstbehandlung bei schwerem Schock stehen fertige Injektionslösungen zur Verfügung (257):
- Anaphylaxie-Besteck Injektionslösung, Fertigspritze (Smith Kline Beecham),
- Fastjekt Injektionslösung, Autoinjector (Allergopharma),
- Fastjekt junior (Allergopharma), in Deutschland erhältlich unter dem Namen Epi Pen Jr.
In Einzelfähen kann Dinatrium cromoglicicum, das in sehr hoher Dosierung vor dem Essen eingenommen worden ist, vor Allergie schützen, insbesondere beim Auswärtsessen.
Betroffene, die mit Schock auf Nahrungsmittel reagieren, können ihre überempfindlichen Reaktionen verlieren. Dem Schockereignis geht starker Streß voraus. Zudem ist nach dem Ersterlebnis in Zusammenhang mit einem Gefühlstrauma zu suchen. Autogenes Training, langzeitig täghch durchgeführt, ist die beste Prophylaxe vor Schockreaktionen.
   
   
   
   
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Ist eine Rückkehr zur Normalkost möglich?
   
   
   
   
Die Nahrungsumstellung erfolgt zunächst für ein Jahr. Sie sollte in dieser Zeit sehr konsequent befolgt werden, insbesondere, wenn eine Nahrungsmittelallergie vorhegt. Unter der allergenfreien Kost ändert sich die Reaktionslage des Organismus:
- Nach dem Einleiten der allergenfreien Kost reagiert der Körper äußerst überempfindlich. Ein Diätfehler wird von einer sehr starken allergischen Reaktion beantwortet. Diese hyperallergische Phase dauert ca. drei Monate.
In den ersten drei Monaten darf deshalb kein Diätfehler passieren, weil dadurch evtl. sehr starkes Asthma ausgelöst werden kann. Häufig verträgt danach der Betroffene für lange Zeit auch die Speisen nicht mehr, die er zuvor ohne Schwierigkeiten essen konnte.
- Nach der hyperallergischen Phase folgt die allergische Phase, die ebenfalls etwa drei Monate andauert. Ein Diätfehler in dieser Zeitspanne ruft noch immer eine überempfindliche Reaktion hervor.
- An die allergische Phase schließt sich die latent allergische Phase an. Ein Diätfehler, der jetzt begangen wird, führt nur zu Asthma, wenn größere Allergenmengen aufgenommen werden.
- Ein Diätfehler nach der latent allergischen Phase wird nicht mehr mit Asthma beantwortet. Die Toleranzphase ist erreicht. Um in die Toleranzphase zu gelangen, muß erfahrungsgemäß mindestens eine allergenfreie Kost für ein Jahr eingehalten werden.
Ist das Jahr vorüber, kann das Nahrungsangebot deutlich erweitert werden. Der Sinn der Nahrungsumstellung hegt darin, daß der Betroffene lernt und darauf achtet, sich gesund zu ernähren. Dennoch muß der Betroffene nach dem Jahr oder später in der Lage sein, so zu essen, wie der Gesunde. Um das Ziel zu erreichen, sind Allergenkarenz (Ausnahme: Urlaub) und täglich ausgeführtes Entspannungstraining notwendig.
   
   
   
   
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Merke:
   
   
   
   
Der Betroffene kann durch Umstellung seiner Ernährung gesundheitsfördernd auf sein Asthma einwirken, wenn er allgemein
- weniger Nahrungsenergie in Form von Zucker, Fett verwendet
- kleinere als derzeit übhche Mengen an Fleisch, Fisch, Eiern ißt
- weniger Salz gebraucht
- keinen Alkohol trinkt.
Im akuten Krankheitsfall entlastet er seinen Organismus durch alleinige Flüssigkeitsaufnahme oder durch eine leicht verdauliche Kost.
Die Barriereschutzfunktion, insbesondere seiner Darmschleimhaut, bleibt erhalten, wenn der Betroffene saures Obst, Fruchtsäfte, Zucker verschmäht und eine saure Gärung des Darminhaltes verhindert, d. h., wenn er nicht zuviel Obstsäure mit Getreide in Verbindung bringt bzw. nicht zu reichhch Sauerteigprodukte zu sieht nimmt.
Eine mehr basische Ernährung durch viel Gemüse und Salat beugt der allergischen Reaktion vor.
Intoleranz- bzw. pseudoallergische Reaktionen lassen sich vermeiden, wenn Konservierungsstoffe (u. a. Benzoesäure), Salicylate und Sulfite gemieden werden. Nahrungsmittel, die einen hohen Anteil an biogenen Aminen enthalten, sollten nicht gegessen werden; dazu zählen Sauerkraut, reifende Käsesorten wie Roquefort, Gouda, Emmentaler und Gruyere, Schinken, Salami, Cervelatwurst, Thunfisch-, Makrelen-, Bratherings- und Sardinenkonserven sowie Wein und Spirituosen. Zurückhaltung ist auch geboten bei Walnüssen, Tomaten und Bananen wegen des relativ hohen Serotoningehalts. Babynahrung sollte deshalb nicht zu viel Banane enthalten.
Die Schadstoffaufnahme mit der Nahrung wird vermindert, wenn der Betroffene auf exzessiven Fischverzehr, Innereien von Schlachttieren und Wild verzichtet, keine Lebensmittel aus Weißblechdosen mit Lötnaht zu sich nimmt, saure Speisen nicht in Keramikgefäßen mit blei-, cadmiumhaltiger Glasur aufbewahrt und Gemüse und Salat mit großer Blattoberfläche vor dem Verzehr sorgfältig reinigt.
Die Lebensmittel sollten so wenig wie möglich (soviel wie notwendig) behandelt werden, das gilt für das Erhitzen durch braten, grillen, kochen, räuchern.
Der Betroffene sollte auf eine ausgewogene, normkalorische und saisongerechte Ernährung achten, pflanzliche Lebensmittel bevorzugen und diese so frisch wie möglich und mit Wohlbehagen verzehren. Der Säughng wird in den ersten sechs Monaten ausschheßheh gestillt.
   
   
   
   
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Durch Umstellung der Ernährung übt der Betroffene einen gesundheits­fördernden Einfluß auf sein Asthma aus, das gilt für
- den akuten Asthmaanfall und
- das Intervall.
Der Säughng wird sechs Monate lang gestillt.
   
   
   
   
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III. Kapitel
Medikamentöse Langzeittherapie
   
   
   
   
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Wie wird das Asthma prophylaktisch mit Medikamenten behandelt?
   
   
   
   
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Die Akutbehandlung des Asthmaanfalls wurde bereits im Teil II, I. Kapitel, Der Betroffene: Sicherheit durch gezieltes Handeln im akuten Asthmaanfall, besprochen.
Hier wird die medikamentöse Langzeittherapie dargelegt.
Die Behandlung des Asthma hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Das Asthma bronchiale gilt heute als eine entzündliche Erkrankung der Atemwege (161). Diese Erkenntnisse haben zu einer antientzündlichen Basistherapie des Asthma bronchiale geführt. Abgesehen von Patienten, die nur gelegentlich Asthmabeschwerden haben, soll in der Langzeitbehandlung stets eine anti-entzündliche Basistherapie durch inhalierbare Kortikosteroide bzw. Dinatrium cromoglicicum erfolgen (20, 26, 162, 203, 303), wobei die antientzündliche Wirkung des inhalierbaren Kortikosteroids die des DNCG übertrifft. Die vorbeugende medikamentöse Behandlung verfolgt das Ziel,
- die Entzündung der Bronchien zu vermindern (34, 47, 175)
- die Hyperreagibilität der Bronchien zu verhindern bzw. zu senken (34, 47).
Mit Hilfe von Medikamenten soll der Betroffene beschwerdefrei leben und die Langzeitprognose seines Leidens gebessert werden (149, 309).
   
   
   
   
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Die Langzeitbehandlung des Asthmas durch Medikamente
   
   
   
   
Sie kann prinzipiell nach zwei Gesichtspunkten erfolgten:
- Die Zahl der Atemnotzustände bzw. die Schwere des Asthmas bestimmen die medikamentöse Therapie (sogenanntes Stufenschema) (20, 45, 100, 115, 136, 162, 281).
- Die unterschiedlichen Asthmaformen, die bei dem Betroffenen vorhegen, so z. B. Anstrengungsasthma, allergisches Asthma, Schlafasthma u. a. werden zuerst ermittelt. Sie legen fest, welche medikamentöse Behandlung notwendig ist (264, 274, 275, 276).

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Yulli

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Re: STEMMANN, 1999
« Reply #10 on: March 18, 2019, 05:17:01 PM »

Wie wirken die gegen das Asthma gerichteten Medikamente?

Die Medikamente greifen auf unterschiedlichen Wegen in das Asthmageschehen ein. Vereinfacht dargestellt haben die Medikamente folgende Hauptangriffspunkte:

   
• • *
   
Dinatrium cromoglicicum Es legt sich schützend auf die Oberfläche der Mastzelle, die bei Allergenkontakt dann keine Stoffe mehr ausschütten kann, die Asthma hervorrufen. DNCG wirkt nur vorbeugend, nicht im akuten Asthmaanfall.
   
   
Mastzelle
   
   
   
   
Bronchus
   
   
Gehirn
Ipratropiumbromid
- unterbricht den vagalen Reflex
- steht die Bronchial muskulatur weit
   
Ketotifen
Es hebt die Histaminwirkung auf, wirkt nur vorbeugend.
Sekretolytikum (Ambroxol), Kalium jodatum wirken schleimlösend
Kortikosteroid
- wirkt entzündungshemmend und dadurch schleimhaut-abschwehend
   
   
   
   
Beta-Sympathomimetikum Theophyllin
- stellen die Bronchialmuskulatur weit
- stabilisieren die Mastzehe
   
   
   
   
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Das Stufenschema: Der Schweregrad des Asthmas bestimmt die Therapie
   
   
   
   
Das Stufenschema ist eine therapeutische Leitlinie und Orientierungshilfe. Es soll dem Arzt erleichtern, die verschiedenen Behandlungsprinzipien und Medikamente entsprechend dem jeweiligen Schweregrad möglichst effektiv einzusetzen.
Medikamentöse Stufentherapie des Asthma bronchiale
1. Stufe 2. Stufe 3. Stufe 4. Stufe
   
   
   
   
Beta­sympathomimetikum
   
inhalativ Kortikosteroid
+ Beta-
Sympathomimetikum
   
inhalativ Kortikosteroid +
Beta­sympathomimetikum +
Theophyllin
   
Kortikosteroid inhalativ
+
in Tablettenform
+ Beta­sympathomimetikum +
Theophylhn
   
   
oder
   
   
inhalativ Kortikosteroid
   
   
oder
   
oder
   
   
DNCG/Ketotifen
   
Beta­sympathomimetikum +
DNCG/Ketotifen
   
   
oder
   
   
Beta­sympathomimetikum +
DNCG
+
Theophyllin
   
   
   
   
Medikamentöse Stufentherapie der asthmatischen Bronchitis
   
   
   
   
1. Stufe
   
2. Stufe
   
3. Stufe
   
4. Stufe
   
   
   
   
Beta-S ympathomimetikum
   
inhalativ Kortikosteroid + Beta-Sympathomimetikum
   
inhalativ Kortikosteroid + Beta­sympathomimetikum +
Theophyllin oder/und Ipratropiumbromid
   
Kortikosteroid inhalativ
+
in Tablettenform + Beta-Sympathomimetikun
+
Theophylhn oder/und Ipratropiumbromid
   
   
oder
   
   
Beta­sympathomimetikum
+
Theophylhn
   
   
   
   
oder
   
   
   
   
Beta­sympathomimetikum +
Ipratropiumbromid
   
   
   
   
Sekretolyse, bei Bedarf Antibiotikum
   
Sekrotolyse, bei Bedarf Antibiotikum
   
Sekretolyse, bei Bedarf Antibiotikum
   
Sekretolyse, bei Bedarf Antibiotikum
   
   
   
   
452
   
   
   
                  
            
   
   
   
In der Praxis sieht ein Stufenschema zur Behandlung des kindlichen Asthma bronchiale z. B. folgendermaßen aus:
   
   
   
   
Schweregrad I (1. Stufe)
   
Husten oder Atemnot einmal pro Monat
   
Beta-Sympathomimetikum
   
   
   
   
Schweregrad II (2. Stufe)
   
Attacken zweimal/Woche tagsüber, zweimal/Monat nachts
   
Beta-Sympathomimetikum +
inhalativ Kortikosteroid oder
Beta-Sympathomimetikum +
DNCG
   
   
   
   
Schweregrad III (3. Stufe)
   
Atemnot häufiger als zweimal/Woche tagsüber und zweimal/Monat nachts
   
wie 2. Stufe, zusätzlich Theophyllin
   
   
   
   
Schweregrad IV a (4. Stufe)
   
Atemnot an vielen Tagen und häufig nachts
   
Beta-Sympathomimetikum +
inhalativ Kortikosteroid
+
DNCG +
Theophyllin
   
   
   
   
Schweregrad IV b (4. Stufe)
   
Episoden an den meisten Tagen und Nächten
   
wie 4. Stufe, Schweregrad IV a,
zusätzlich Ipratropiumbromid +
Kortikosteroid in Tablettenform
   
   
   
   
453
   
   
   
            
      
   
   
   
Differenzierung einzelner Asthmaformen als Voraussetzung für die medikamentöse Therapie mit experimentellem Beweis der Wirksamkeit der Behandlung
   
   
   
   
Diese Art des Vorgehens gliedert sich in vier Schritte:
- In einem ersten Schritt wird ermittelt, unter welcher Form oder unter welchen Formen des Asthmas der Betroffene leidet. Ein derartiges Vorgehen ist notwendig, da die verschiedenen Asthmaformen zum Teil auch eine unterschiedhche medikamentöse Behandlung erfordern.
- In einem zweiten Schritt ergibt sich aus der Differenzierung der einzelnen Asthmaform(en) des Betroffenen die Vorauswahl der Medikamente bzw. Behandlungsart.
- In einem dritten Schritt wird die Wirksamkeit der Behandlung experimentell überprüft, indem Funktionstests wie im ersten Schritt wiederholt werden, diesmal allerdings nach Vorgabe des Asthmamittels. Bleibt bei dem Funktionstest das Asthma aus, so ist die protektive Wirksamkeit des Asthmamittels auf die entsprechende Asthmaform bewiesen.
- In einem vierten Schritt wird schheßhch nach den Ergebnissen der ersten drei Schritte die endgültige Therapie festgelegt.
Der Vorteil des Systems ist klar. Für das Anstrengungsasthma, Schlafasthma, allergische Asthma kann eine optimale protektive medikamentöse Behandlung experimentell ermittelt werden, deren Wirksamkeit der Betroffene auch unmittelbar erfährt.
   
   
   
   
454
   
   
   
      
                        
   
   
   
Differenzierung einzelner Asthmaformen (Schritt eins)
   
   
   
   
Einzelne Asthmaformen werden ermittelt durch
   
   
   
   
Befragen (Anamnese)
Lungenfunktionstests in Ruhe und nach Belastung Befragen
Lungenfunktionstests in dreistündigen Abständen
am Tage und in der Nacht
Befragen
Tests mit Allergenen (Hauttest, RAST,
Provokationstests)
Befragen
Ultraschall der Nasennebenhöhlen Röntgen der Lunge Laboruntersuchungen Befragen
psychologische Untersuchung
   
Anstrengungsasthma
   
   
Schlafasthma
   
   
Allergisches Asthma
   
   
Infektasthma
   
   
Psychisches Asthma
   
   
   
   
ANAMNESE
LUNGENFUNKTION
ALLERGENTESTS
ULTRASCHALL
RÖNTGEN
LABOR
   
ANSTRENGUNGSASTHMA
   
   
* SCHLAFASTHMA
-* ALLERGISCHES ASTHMA
■> INFEKTASTHMA
   
   
   
   
Bei 100 Schulkindern, die unter Asthma htten, wurde das Auftreten häufiger Asthmaformen wie
- Anstrengungsasthma
- Schlafasthma
- Allergisches Asthma
- Infektasthma untersucht.
   
   
   
   
Asthmaform
   
Anzahl der Kinder 21 32 11 7
   
2 4
   
Vorkommen in 2 Prozent
   
   
   
   
Infektasthma Ahergisches Asthma Anstrengungsasthma Schlaf asthma
   
75 78 90 41
   
   
   
   
T
   
T
   
   
   
   
4 Asthma­formen 21 %
   
3 Asthma­formen 52 %
   
2 Asthma­formen 17 %
   
1 Asthma­form 10 %
   
   
   
   
455
   
   
   
                        
      
   
   
   
Wie der Abbildung zu entnehmen ist, sind die einzelnen Asthmaformen zumeist unterschiedlich miteinander verbunden, und sie treten nur selten isoliert auf:
- gut % weist ein bis zwei Asthmaformen auf
- Vi leidet unter drei Asthmaformen gleichzeitig
- knapp lä besitzt vier Asthmaformen
   
   
   
   
456
   
   
   
      
            
   
   
   
Vorauswahl der Medikamente bzw. Behandlungsart (Schritt zwei)
   
   
   
   
Asthmamedikamente greifen auf unterschiedhche Art und Weise in das Krankheitsgeschehen ein. Somit ergibt sich für einzelne Asthmaformen eine Vorauswahl der Medikamente:
   
   
   
   
Anstrengungsasthma Schlafasthma Allergisches Asthma
- Sofortreaktion
Schlafasthma Allergisches Asthma
- Spätreaktion Infektasthma
   
Sympathomimetikum (z. B. Sultanol1*, BerotecR) Theophyllin (z. B. EuphyllinR, PhyllotempR) Tropasäureester (z. B. AtroventR) Dinatrium cromoghcicum (z. B. IntalR, VividrinR) Ketotifen (z. B. ZaditenR)
zusätzlich Kortikosteroid (PulmicortR, SanasthmylR)
   
   
Kortikosteroid Schleimlösung (Sekretolyse) Immunstimulation
   
   
   
   
ANSTRENGUNGSASTHMA ALLERGISCHES ASTHMA -SOFORTREAKTION SPÄTREAKTION SCHLAFASTHMA-
   
BRONCHODILATATOR
SYMPATHOMIMETIKUM
THEOPHYLLIN
TROPASÄUREESTER
DINATRIUM CROMOGLICICUM
KETOTIFEN
KORTIKOSTEROID
SEKRETOLYTIKUM
IMMUNSTIMULATION
   
   
INFEKTASTHMA
   
   
   
   
457
   
   
   
            
      
   
   
   
Experimenteller Beweis der Wirksamkeit der Medikamente (Schritt drei)
   
   
   
   
Bleibt im Funktionstest nach Vorgabe des Asthmamittels das Asthma aus, ist die Wirksamkeit des entsprechenden Medikaments auf die vorliegende Asthmaform bewiesen.
Anstrengungsasthma Funktionstests wie beim ersten Schritt
Schlafasthma nach Vorgabe von Medikamenten, die im
Allergisches Asthma zweiten Schritt - Vorauswahl der Behandlung -
aufgeführt sind
Infektasthma Beurteilung über Wirksamkeit der Behandlung
nur aus dem Verlauf möghch
UNTER MEDIKAMENTEN:
BELASTUNGSTEST-> ANSTRENGUNGSASTHMA
LUNGENFUNKTION ÜBER
24 STUNDEN-* SCHLAFASTHMA
PROVOKATIONSTEST-* ALLERGISCHES ASTHMA
RÜCKSCHLÜSSE AUS DEM
VERLAUF-* INFEKTASTHMA
   
   
   
   
Bei den mehrschichtigen, komplizierten Mechanismen, die beim Asthma ablaufen, ist nicht vorauszusagen, ob das betreffende Asthmamittel auch die entsprechende Asthmaform verhindert (129, 265, 271, 272, 273, 277, 278):
Beispiel Anstrengungsasthma (275):
100 Kinder im Alter von 5-18 Jahren, 64 Jungen und 36 Mädchen, führten einen Dauerlauf über sechs Minuten durch und danach trat Asthma auf.
Schutz vor dem Anstrengungsasthma durch vorherige Inhalation von Dinatrium
   
   
   
   
cromoghcicum: 56 %
(kein Schutz in 44 %, deshalb Gabe zusätzhcher bzw. anderer Medikamente)
Schutz durch DNCG + Sympathomimetikum 31% (kein Schutz in 13 %)
Medikamentöser Schutz in 12 % durch:
DNCG + Sympathomimetikum + Theophyllin 2 % DNCG + Sympathomimetikum + Theophyllin + weiteres
Sympathomimetikum 1 %
DNCG + Sympathomimetikum + Ipratropiumbromid 2 %
Beta-Sympathomimetikum 4 %
Beta-Sympathomimetikum + Theophylhn 1 %
Beta-Sympathomimetikum + Theophylhn + Ketotifen 2 %
kein Schutz trotz Kombination aller genannten Medikamente 1 %
   
   
   
   
458
   
   
   
      
      
   
   
   
Beispiel allergische Sofortreaktion (275):
40 Kinder mit einer allergischen Sofortreaktion auf Gräserpollen, Schimmelpilzsporen, Hausstaub bzw. Hausstaubmilbe wurden untersucht:
Die allergische Sofortreaktion wurde durch vorherige Inhalation von Dinatrium cromoghcicum verhindert in 14 Fällen
(kein Schutz in 26 Fällen, deshalb zusätzhche Gabe anderer Medikamente notwendig)
Schutz durch DNCG + Sympathomimetikum 15 Patienten
Schutz durch Beta-Sympathomimetikum + Theophyllin 2 Kinder
Schutz durch DNCG + Sympathomimetikum +Theophylhn 6 Fälle
Beispiel allergische Sofort- und Spätreaktion (2754):
11 Kinder mit allergischem Asthma, einer allergischen Sofort- und Spätreaktion, wurden getestet:
Durch Inhalation von Dinatrium cromoghcicum vor Allergenkontakt wurden Sofort- und Spätreaktion verhindert bei 3 Kindern
nur Sofortreaktion blockiert 1 Patient
nur vor Spätreaktion geschützt 4 Betroffene
kein Schutz durch DNCG 3 Fähe
   
   
   
   
Wirkt ein Asthmamittel schützend auf eine Asthmaform, so ist damit nicht automatisch festgelegt, daß auch die andere Asthmaform verhindert wird.
Beispiel Anstrengungsasthma und allergische Sofortreaktion (275):
Die Schutzwirkung von Dinatrium cromoghcicum wurde bei 20 Kindern untersucht, die sowohl an einem Anstrengungsasthma als auch einem allergischen Asthma (allergische Sofortreaktion) htten:
   
   
   
   
Anstrengungsasthma und allergisches Asthma verhindert bei 9 Kindern
nur allergisches Asthma blockiert bei 3 Kindern
allein das Anstrengungsasthma unterbunden bei 3 Kindern
keine protektive Wirkung bei 5 Kindern
   
   
   
   
459
   
   
   
      
      
   
   
   
Festlegung der endgültigen medikamentösen Behandlung (Schritt vier)
Nach den Ergebnissen der ersten drei Schritte wird die endgültige, individuelle medikamentöse Behandlung des Betroffenen festgelegt (129, 259, 268, 274, 276, 302):
- Die medikamentöse Therapie wird bei Bedarf durchgeführt, wenn asthmatische Beschwer­den selten auftreten.
- Erkrankt dagegen der Asthmakranke häufig, ändert sich die Strategie. Eine Dauerbehandlung ist notwendig. Sie ergibt sich aus der Diagnosedifferenzierung, der Auswahl der Medikamente und dem Nachweis ihrer Wirksamkeit.
Neben der Bedarfs- bzw. Dauerbehandlung gibt es eine Zusatztherapie:
- Bei Schnupfen und Husten wird ein Sekretolytikum, evtl. ein Bronchodilatator, und fahs diese Zusatzmedikamente nicht wirksam sind, ein Kortikosteroid, niedrig dosiert, für die Dauer des Infektes hinzugefügt. Diese Strategie findet Anwendung, wenn auf Schnupfen jedesmal Asthma nachfolgt. Das Ziel ist es, dem Asthma vorzubeugen und nicht erst dann zu therapieren, wenn das Asthma schon besteht.
- Akute Atemnot wird durch Inhalation eines Beta-Sympathomimetikums bekämpft. Innerhalb von wenigen Minuten muß die Atmung frei sein. Die Wirkung muß für iriindestens drei bis vier Stunden anhalten. Das Beta-Sympathomimetikum kann dann alle drei bis vier Stunden inhahert werden. Kehrt das Asthma frühzeitig wieder, werden sofort hochdosiert Kortison und ein schleimlösendes Medikament verabfolgt. Bei dieser Form des Asthmas ist Vorsicht geboten. Der Anfall verläuft schwerer und spricht weniger gut auf Medikamente an. Ein Arzt ist unbedingt hinzuzuziehen.
Zu den unterstützenden Maßnahmen zählen Allergenkarenz, Hyposensibilisierung.
   
   
   
   
1. BEDARFS- ODER DAUERBEHANDLUNG:
ERGIBT SICH AUS DIAGNOSEDIFFERENZIERUNG
AUSWAHL DER BEHANDLUNG NACHWEIS DER WIRKSAMKEIT
2. ZUSATZBEHANDLUNG BEI HUSTEN, SCHNUPFEN:
SEKRETOLYSE BRONCHODILATATOR EVTL. KORTIKOSTEROID
3. ZUSATZBEHANDLUNG BEI AKUTER ATEMNOT:
BRONCHODILATATOR FALLS ERFOLGLOS: SEKRETOLYSE,
KORTIKOSTEROID, HOCH DOSIERT
4. UNTERSTÜTZENDE MASSNAHMEN:
ALLERGENKARENZ U. A.
   
   
   
   
460
   
   
   
      
      
   
   
   
Behandlungsplan
Behandlungsplan für _
A) Dauerbehandlung: 1. _
2. _
3. _
4. _
5. _
B) Bei Husten, Schnupfen, SOFORT:
1. _
2. _
C) Wenn Atemnot auftritt, SOFORT:
1. Wenn Besserung eintritt, kann erneut nach 4 Stunden
verabreicht werden.
2. Wenn keine Besserung eintritt:
   
   
   
   
und Hausarzt aufsuchen. D) Zusätzliche Maßnahmen: _
   
   
   
   
461
   
   
   
      
                        
   
   
   
Eine beispielhafte Asthmaanalyse
   
   
   
   
Das untersuchte Kind leidet an drei unterschiedlichen Asthmaformen:
- Allergisches Asthma (allergische Sofortreaktion)
- Anstrengungsasthma
- Schlafasthma, wobei die Lungenfunktionswerte auch am Tage stark schwanken.
Rt 20 —i , Gräserpollen (Asthma)
   
   
   
   
cmH20/l/Sek
   
   
   
   
15-
   
   
   
   
Gräserpolleninhalation löst eine heftige allergische Sofortreaktion aus, erkennbar am Anstieg des bronchialen StrömungsWiderstandes. Dinatrium cromoglicicum hat eine deutliche Schutzwirkung auf die allergische Sofortreaktion.
   
10-
   
Dinatrium cromoglicicum und Gräserpollen (kein Asthma)
   
   
Kontrolle ohne Allergen
   
   
1
2
   
1
4 Min.
   
   
   
   
Rt20-cmH20/l/Sek
   
   
Lauf ohne Medikament (Asthma)
   
   
Laufen provoziert ein Anstrengungs­asthma mit Anstieg des bronchialen Strömung swider Standes. Dinatrium cromoghcicum kann das Anstrengungsasthma nicht verhindern. Salbutamol blockiert das Anstrengungs­asthma total, der bronchiale Strömungs­widerstand erhöht sich nach Belastung nicht
   
15 -
   
   
10
   
Dinatrium cromoglicicum und Launbelastung (Asthma)
   
   
5 -
   
Salbutamol und Laufbelastung - - - - ~ (kein Asthma)
   
   
I I I I I IT
   
10 Min.
   
   
   
   
300-
   
PEF 1/Min
   
   
   
   
Sympathomimetikum
   
   
   
   
200-
   
   
   
100-
   
   
   
   
t
   
Salbutamol
   
   
   
   
Asthma Asthma Asthma
i—i—i—i—i—i—i—i—r
9 12 15 18 21 24 3 6 9
   
T
9
   
21 Uhr
   
   
   
   
- Die Lungenfunktionswerte schwanken stark am Tage und in der Nacht. Gemessen wurde mit einem Peak-Flow-Meter. Hohe Werte stehen für ein weites Bronchialsystem, niedrige für ein asthmatisch verengtes Bronchialsystem.
Salbutamol kann die starken Schwankungen der Lungenfunktion, insbesondere den Abfall der Funktionswerte nicht verhindern.
   
   
   
   
462
   
   
   
                        
                        
   
   
   
300
   
PEF 1/Min
   
   
   
   
200
   
   
   
N
   
   
100
   
   
   
   
Sympathomimetikum
   
   
Sympathomimetikum und Dinatrium cromoghcicum
   
   
   
1 T T-T-T~l-¥-r~T
   
   
   
   
9
   
9
   
21 Uhr
   
   
   
   
- Auch unter der Kombination von Dinatrium cromoghcicum und Sympathomimetikum treten starke Schwankungen der Lungenfunktion auf.
   
   
   
   
   
   
Sympathomimetikum
   
   
   
   
   
- Erst die Kombination von Dinatrium cromoghcicum, Sympathomimetikum und inhalierbarem Kortikosteroid stabihsiert die Lungenfunktion.
Die Dauerbehandlung, die den drei Asthmaformen bei diesem Betroffenen (individuelle Analyse) effektiv vorbeugt, besteht in der gleichzeitigen Inhalation von
- Dinatrium cromoghcicum
- Sympathomimetikum
- Kortikosteroid.
- Dinatrium cromoghcicum hat eine erwiesene Schutzwirkung auf das allergische Asthma.
- Das Sympathomimetikum verhindert das Anstrengungsasthma.
- Das inhalierbare Kortikosteroid gleicht vor allem die starken Schwankungen der Lungen­funktion am Tage und in der Nacht aus.
   
   
   
   
463
   
   
   
                        
      
   
   
   
Wahrnehmung von Asthma ist Voraussetzung für die Behandlung
Ein Teil der Erkrankten ist nicht in der Lage, das Asthma objektiv zu beurteilen und richtig einzuschätzen. Obschon Asthma besteht, behauptet der Betroffene, es gehe ihm gut.
Eigene Untersuchungen belegen das Beschriebene. 118 an Asthma leidende Kinder waren unterschiedlich in der Lage, ihren asthmatischen Zustand, der von einem Arzt durch Untersuchung der Lunge und der Lungenfunktion objektiviert worden war, exakt einzuordnen. Es gab sogar einzelne, die selbst sehr starke asthmatische Veränderungen nicht wahrnahmen. Der Anteil dieser Patrienten beträgt bei Erwachsenen 15 % (256).
Typische Begleitumstände des Asthmas wie Dauer der Erkrankung, Zahl der Krankenhausaufenthalte oder Medikamenteneinnahme haben keinen Einfluß darauf, ob ein Betroffener seinen Zustand gut oder schlecht beurteilt. Es ist auch ohne Belang, ob der asthmatische Zustand auf natürliche Weise durch einen Infekt, ein Allergen bzw. experimentell z. B. durch körperliche Belastung ausgelöst worden ist.
Neben dem Symptom Asthma gibt es auch Betroffene, die die Gefühlsverletzung, ihr zentrales Problem, nicht wahrnehmen können.
Wahrnehmung von asthmatischen Beschwerden und Gewahrwerden der Gefühlsverletzung sind Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung des Asthmas.
Die Zu Standsbeurteilung kann mit Hilfe eines Überwachungsbogens erleichtert werden, insbesondere bei den Patienten, die ihr Asthma nicht einschätzen können. Täglich werden asthmatische Symptome und Lungenfunktionswerte erhoben sowie die verabreichten Medikamente notiert (270).
- Symptome werden mit 0 bis 3 bewertet.
- 0 bedeutet beschwerdefrei.
- 1 kündigt einen drohenden Asthmaanfall an.
- 2 insbesondere, wenn sie mehrmals auftritt, steht für den leichten Asthmaanfah.
- 3 kennzeichnet den schweren Asthmaanfall.
- Lungenfunktionswerte werden mit Hilfe eines Peak-Flow-Meters erhoben.
- Um 7.00, 14.00 und 19.00 Uhr werden jeweils 3 forcierte Atemstöße in das Gerät geblasen und der höchste Wert aufgezeichnet,
- danach nimmt der Betroffene sein Asthmamittel ein,
- um 7.30, 14.30 und 19.30 Uhr werden die Werte noch einmal registriert. Pathologisch sind Werte, die um mehr als 25 % bis 30 % im Vergleich zum Vorwert abfahen, sie signahsieren Asthma (23).
Symptome und Lungenfunktionswerte müssen immer zusammen erhoben werden:
- Bei den meisten Patienten stimmen die asthmatischen Beschwerden und Lungenfunktionsmessungen recht gut überein (siehe Patient 1).
Es gibt aber auch Ausnahmen:
- Sind die Bronchien sehr instabil, so können sie durch das kräftige Ausatmen während der Lungenfunktionsmessung kohabieren und so einen im Vergleich zu den Symptomen ungünstigen Lungenfunktionswert anzeigen. Hier entlarvt der khnische Score, daß kein Asthma besteht (siehe Patient 2).
- Sind die Bronchien dagegen sehr stabil, so erzielt der Betroffene trotz eingeengter Bronchien durch den kräftigen Atemstoß einen Lungenfunktionswert, der nicht den Beschwerden entspricht, sondern zu günstig ausfällt. Erst bei sehr ausgeprägten asthmatischen Beschwerden ändert sich die Lungenfunktion. Der Betroffene muß sich deshalb bei der Beurteilung seines Asthmas hauptsächhch auf die Beschwerdensymptome (siehe Patient 3) stützen.
   
   
   
   
464
   
   
   
      
      
   
   
   
                        
   
1. Tag:
1. Husten, pfeifende Atmung:
nicht 0 selten 1 häufig 2 ständig 3
   
Datum
   
   
   
   
   
   
   
0
   
0
   
0
   
2
   
2
   
2
   
   
2. Körperliche Aktivität:
normal 0 kann kurze Wege rennen 1 kann nur gehen 2 muss im Hause bleiben 3
   
0
   
0
   
0
   
2
   
3
   
3
   
   
3. Atmung:
keine Atemnot 0 wenig 1 mittelmäßig 2 stark 3
   
0
   
0
   
0
   
1
   
3
   
3
   
   
II. Nacht
gut geschlafen 0 leichtes Ziehen oder Husten 1 1-mal wegen Luftnot aufgewacht 2 oft wegen Luftnot aufgewacht 3
   
0
   
0
   
0
   
1
   
1
   
1
   
                        
   
   
   
   
   
   
   
   
Patient 1: Klinischer Befund und Lungenfunktionswerte stimmen überein. Das Auftreten asthmatischer Symptome korrehert mit dem Abfall des Lungenfiinktions-wertes.
   
   
   
   
                        
   
I. Tag:
   
Datum
   
   
   
   
   
   
   
1. Husten, pfeifende Atmung
   
0
   
0
   
1
   
1
   
1
   
0
   
   
2. Körperliche Aktivität
   
0
   
0
   
0
   
0
   
0
   
0
   
   
3. Atmung
   
0
   
0
   
0
   
0
   
0
   
0
   
   
II. Nacht:
   
0
   
0
   
0
   
0
   
0
   
0
   
                        
   
   
   
   
   
   
   
   
Patient 2: Instabile Bronchien, die Lungenftinktionswerte zeigen Asthma an, obschon kaum klinische Beschwerden bestehen.
   
   
   
   
465
   
   
   
      
      
   
   
   
                        
   
   
Datum
   
   
   
   
   
   
   
I.Tag:
1. Husten, pfeifende Atmung
   
0
   
0
   
0
   
1
   
1
   
0
   
   
2. Körperliche Aktivität
   
0
   
0
   
1
   
1
   
1
   
0
   
   
3. Atmung
   
0
   
0
   
1
   
2
   
2
   
2
   
   
II. Nacht:
   
0
   
0
   
0
   
1
   
1
   
1
   
                        
   
   
   
   
   
   
   
   
Patient 3: Stabile Bronchien, die klinischen Symptome des Asthmas werden durch die Lungenfunktion nicht erfaßt. Die Lungenfunktionswerte sind zu gut in Bezug zu den tatsächlichen Beschwerden.
Mit Hilfe des Überwachungsbogens kann der Betroffene solange üben, bis er und seine Umgebung das Asthma recht genau einschätzen können.
Jeder Betroffene und seine nähere Umgebung bewegen sich, wenn es um die Frage geht, ob der Betroffene seine Probleme erkannt hat, in einem Bereich von vier Feldern:
   
   
   
   
Das Problem ist:
   
   
   
   
         
   
dem Betroffenen bekannt der Umgebung bekannt
   
dem Betroffenen bekannt der Umgebung nicht bekannt
   
   
dem Betroffenen nicht bekannt der Umgebung bekannt
   
dem Betroffenen nicht bekannt der Umgebung nicht bekannt
   
         
   
   
   
   
Der Betroffene und seine Angehörigen müssen lernen, daß etwas, das gegen den Willen des Betroffenen geschehen ist und schon längst vorüber ist, Asthma hervorruft. Auch für Entzündungen durch infektiöse Krankheitserreger oder Allergene gilt dieses Phänomen. Bei der Infektion oder Allergie nimmt der Betroffene ja auch nicht den Kontakt wahr, da er die infektiösen Erreger bzw. die Allergene nicht sehen kann. Erst wenn er durch Tests erfahren hat, daß er auf infektiöse Erreger oder Allergene reagiert, kann er sein Asthma der Infektion oder der Allergie zuordnen, selbst wenn die asthmatischen Beschwerden zeitverzögert nach Stunden, Tagen einsetzen.
   
   
   
   
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Schwangerschaft und Asthma, Medikamente in der Schwangerschaft
In der Schwangerschaft wird das Asthma so behandelt, wie unter gewöhnlichen Umständen. An erster Stelle steht eine angemessene Lebensführung, ohne Alkohol und ohne zu rauchen. Täglich wird ein Entspannungstraining durchgeführt. Die medikamentöse Therapie soll vor Asthmaanfällen schützen, ohne den Feten zu gefährden (45, 136, 222, 245): - Beta-Sympathomimetika gefährden in üblicher Dosierung den Feten nicht (8, 53). Ein Beta­sympathomimetikum, das Fenoterol (PartusistenR) wird bekanntlich von der 16. Schwangerschaftswoche an als Wehenhemmer eingesetzt, in Dosen, die die mit einem Dosieraerosol normalerweise inhaherten Dosen weit überschreiten. Messungen von Blutspiegeln eines Beta-Sympathomimetikum Salbutamol (Sultanol) in Zäpfchen- und Sprayform, allerdings bei Kindern verabreicht, zeigen, daß nach Inhalation deutlich niedrigere Blutspiegelwerte des Beta-Sympathomimetikum vorhegen als nach Zäpfchengabe (bzw. Tabletteneinnahme).
   
   
   
   
   
   
   
   
Verhalten des bronchialen Strömungswiderstan- Salbutamol im Blutplasma 1 Std. nach An-
des nach Gabe von Salbutamol Zäpfchen bzw. wendung eines Zäpfchens bzw. Inhalation
Inhalation von 2 Hüben aus einem Dosieraerosol von 2 Hüben aus einem Dosieraerosol
Dennoch besteht eine strenge Indikationsstellung im 1. Trimenon sowie kurz vor der Geburt (wehenhemmender Effekt).
Insgesamt soll während der Schwangerschaft die inhalative Anwendung bevorzugt werden. Die Risiken einer unzureichenden Behandlung sohten angemessen berücksichtigt werden. Die Plazentaschranke wird überschritten, dadurch können sympathomimetische Effekte beim Feten auftreten. Obwohl nicht völlig auszuschheßen, ist eine wehenhemmende Wirkung bei normaler inhalativer Anwendung unwahrscheinlich.
- Auch für Ipratropiumbromid gilt eine strenge Indikationsstellung im 1. Trimenon. Bei umfangreicher Anwendung am Menschen hat sich kein Verdacht auf eine embryotoxische/teratogene Wirkung ergeben. Auch der Tierversuch erbrachte keine Hinweise.
- Dinatrium cromoglicicum (DNCG): Strenge Indikationsstellung im 1. Trimenon. Bei umfangreicher Anwendung am Menschen hat sich kein Verdacht auf eine embryotoxische/teratogene Wirkung ergeben.
- Für Theophyllin gilt eine strenge Indikationsstellung.
Theophyllin passiert die Plazenta und erreicht im Nabelschnurblut annähernd 100 % der mütterlichen Serumkonzentration. Bisher sind keine Fehlbildungen beim Menschen bekannt geworden, die mit einer Theophyllin-Exposition in Zusammenhang stehen könnten, es liegen
   
   
   
   
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jedoch keine ausreichenden Erfahrungen über die Anwendung beim Menschen während der Schwangerschaft vor. Es gibt Hinweise, daß Theophyllin möglicherweise kardiovaskulär teratogen ist bei Individuen mit einer erhöhten Empfänglichkeit. Sympathomimetische Effekte beim Fetus können auftreten. Aufgrund der diaplazentaren Übertragung müssen Neugeborene sorgfältig auf Theophyllinwirkung überwacht werden. Die Wehentätigkeit kann durch Minderung der Uteruskontraktilität gehemmt werden.
- Ketotifen: Strenge Indikationsstellung.
Ausreichende Erfahrungen über die Anwendung beim Menschen liegen nicht vor. Der Tierversuch erbrachte keine Hinweise auf embryotoxische/teratogene Wirkungen.
- Kortikosteroid als Dosieraerosol, z. B. Beclometasondipropionat: Strenge Indikations­stellung, vor allem im 1. Trimenon.
Bei umfangreicher Anwendung am Menschen hat sich kein Verdacht auf eine embryotoxische/teratogene Wirkung ergeben. Der Tierversuch erbrachte jedoch Hinweise auf embryotoxische/teratogene Wirkungen. Diese scheinen für den Menschen ohne Bedeutung zu sein.
- Ambroxol: Strenge Indikationsstellung im 1. Trimenon.
Ausreichende Erfahrungen beim Menschen (1. Trimenon) liegen bisher nicht vor. Obwohl tierexperimentell selbst bei hohen Dosen keine schädigenden Wirkungen festgestellt wurden, sollte Ambroxol nur bei absoluter Notwendigkeit in der Schwangerschaft angewendet werden.
Betroffene, die unsicher sind, nicht wissen, ob Medikamente sich ungünstig auf die Schwangerschaft auswirken, können sich beraten lassen:
   
   
   
   
Beratungsstellen für Medikamente in der Schwangerschaft:
   
   
   
   
14059 Berlin Beratungsstelle für Vergiftungserscheinungen und Embryonalto xiko lo gie Spanndauer Damm 130 Tel. Durchwahl 030/30686734 030/30686719 Telefax: 030/30686721
   
72076 Tübingen Universitätsfrauenklinik Schleichstraße 4
Tel. Durchwahl 07071/298-2203 Pforte 07071/298-2681
   
   
   
   
89075 Ulm
Universitätsfrauenklinik
Prittwitzstraße 43
Tel. Durchwahl 0731/502-7625
Pforte 0731/502-7680/1 Telefax: 0731/502-6680
   
07740 Jena
Universitätsfrauenklinik Bachstraße 18
Tel. Durchwahl 03641/6-33074/6-33190
Pforte 03641/6300 Telefax: 03641/6-33986
   
   
   
   
Wichtig ist, daß die Schwangere ihre Asthmamittel in dem festen Glauben einnimmt, daß die Medikamente notwendig sind und eine positive Wirkung dadurch entfalten, daß sie die Schwangere und das noch Ungeborene vor schädlichen Asthmaanfällen bewahren. Sehr ungünstig wäre, wenn die Schwangere Angst vor Nebenwirkungen durch die Medikamente hätte. Ungünstig für das noch Ungeborene wären auch Asthmaanfälle - sie würden wahrscheinlich mehr Schaden anrichten als (mögliche) Nebenwirkungen durch Medikamente.
   
   
   
   
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Gelangen Medikamente in die Muttermilch?
Wie in der Schwangerschaft sollen auch in der Stillperiode Medikamente möglichst niedrig dosiert und nicht länger als unbedingt erforderlich eingenommen werden (222): Die Stillende sollte grundsätzlich erst nach dem Stillen Medikamente einnehmen und sie sollte zu festgelegten Zeiten, nicht nach Bedarf, stillen. In dem Zeitraum zwischen den Stillmahlzeiten kann sie selbst einen Großteil der Medikamente verstoffwechseln bzw. ausscheiden und somit den Gehalt der Medikamente in ihrer Muttermilch deutlich senken.
- Beta-Sympathomimetika: Strenge Indikationsstellung.
Die Substanz geht in die Muttermilch über, eine Schädigung des Säuglings ist bisher nicht bekannt geworden.
- Ipratropiumbromid: Strenge Indikationsstellung.
Es ist nicht bekannt, ob die Substanz in die Milch übergeht.
- Dinatrium cromoglicicum (DNCG): Substanz geht in die Milch über, eine Schädigung des Säuglings ist bisher nicht bekannt geworden.
- Theophyllin: Strenge Indikationsstellung, geht in die Muttermilch über, daher sollten gestillte Kinder sorgfältig auf deren Wirkungen überwacht werden (therapeutische Serumkonzentrationen beim Kind sind möglich). Das Stihen sollte unmittelbar vor der Einnahme des Medikaments erfolgen, und es ist zu festgelegten Zeiten zu stillen.
- Ketotifen: Kontraindikation bzw. während der Anwendung abstillen. Substanz geht in die Muttermilch über, eine Schädigung des Säuglings ist bisher nicht bekannt geworden.
- Kortikosteroid als Dosieraerosol: Strenge Indikationsstellung. Substanz geht in die Milch über, eine Schädigung des Säuglings ist bisher nicht bekannt geworden.
- Kortikoid in Tablettenform: Nach Prednisolongabe erscheint weniger als 1 % der von der Mutter eingenommenen Dosis in der Muttermilch. Nach Einnahme von 120 mg Prednison durch die Mutter erreicht das gestillte Kind eine Dosis, die im Höchstfall 8 % der normalen täglichen Ausschüttung seiner Nebenniere entsprechen würde (245). Dagegen steht die Auffassung in der Roten Liste 1998: In Abhängigkeiten von Dosis, Art der Anwendung und Dauer der Medikation kann eine ernsthafte Schädigung des Säuglings eintreten (222).
- Ambroxol: Strenge Indikationsstellung.
Ambroxol geht in die Muttermilch über. Ausreichende Erfahrungen über die Anwendung in der Stillzeit liegen nicht vor. Eine Schädigung des Säughngs ist bisher nicht bekannt geworden.
Bei jedem potentiell gefährlichen Mittel, das die Mutter in der Postpartalzeit benötigt, das gilt nach Erfahrungen des Autors vor allem für Theophyllin, sollte auf das Stillen verzichtet werden, auch wenn Schädigungen des Säuglings bisher nicht bekannt geworden sind.
Ketotifen darf die Stillende nicht einnehmen (Kontraindikation).
   
   
   
   
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Unerwünschte Nebenwirkungen vermeiden
   
   
   
   
Wie bereits im Teil II, I. Kapitel, Der Betroffene, Sicherheit durch gezieltes Handeln im akuten Asthmaanfall, beschrieben, kann der übermäßige Gebrauch von Beta-Sympathomimetika bedrohliche Nebenwirkungen haben, wenn der Asthmaanfall durch eine Entzündung bedingt ist, bei der Beta-Sympathomimetika kaum wirken. Die rechtzeitige Gabe von Kortison und schleimlösenden Mitteln ist hier die richtige Behandlung. Im Asthmaanfall sinkt nämlich der Sauerstoffpartialdruck im arteriellen Blut ab (159). Eine übermäßige Anwendung der Beta­sympathomimetika würde diesen Effekt noch zusätzlich ungünstig verstärken. Kinder, insbesondere Jugendliche, neigen dazu, Beta-Sympathomimetika im Übermaß zu inhalieren. Eltern und Arzt sollten daher darauf achten, daß kein Mißbrauch stattfindet. Ein Dosieraerosol Salbutamol (Sultanol) enthält z. B. 200 Sprühstöße. Bei einer normalen Dosierung von 3x2 Hüben täghch muß der Betroffene mindestens einen Monat lang mit einem Dosieraerosol auskommen. Wird das Dosieraerosol in kürzeren Abständen angefordert, so besteht der dringende Verdacht auf übermäßigen Gebrauch.
Bei der Einnahme von Antihistamin-Tabletten ist zu beachten, daß es, das gilt vorwiegend für Erwachsene, nicht zu Herz-Kreislauf-Störungen kommt. Zu nennen sind insbesondere die lipophilen Antihistaminika (75). Ursachen sind:
- Überdosierung
- Lebererkrankungen
- niedriger Kaliumspiegel im Blut
- Gabe von Kaliumbiockern für das Herz (z. B. Chinidin, Sotalol)
- Hemmung des abbauenden Enzyms (Cytochrom P 450) durch
- Medikamente: z. B. Erythromycin, Phenytoin, Barbiturat, orale Kontrazeptiva
- Nahrungsmittel: z. B. Grapefruitsaft.
Bei Theophyllin kann es zu Nebenwirkungen kommen aufgrund einer individuellen Überempfindlichkeit oder zu hoher Dosierung. Sie äußern sich in Übelkeit, Erbrechen und können sogar zu Herzstolpern und Kreislaufversagen führen. Theophyllin wird häufig im Asthmaanfail verabreicht. Um Überdosierungen zu vermeiden, ist zuvor der Betroffene stets zu fragen, ob er bereits Theophyllin eingenommen hat und wie hoch die Dosis war. Verschiedene Medikamente können eine Verschlimmerung des Asthmas bewirken (136):
- Manche Patienten reagieren auf Acetylsahcylsäure (Aspirin ) und andere entzündungshemmende Medikamente (siehe II. Kapitel, Die Ernährung des an Asthma Leidenden: Zusatzstoffe in Lebensmitteln). Daher sollen Betroffene mit einer Überempfindlichkeit auf Acetylsalicylsäure dieses Medikament meiden.
- Betablocker können, als Augentropfen oder Tablette eingenommen, einen Spasmus der Bronchien hervorrufen und sind deshalb generell bei Asthmapatienten nicht angezeigt.
   
   
   
   
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Wie wird die medikamentöse Langzeitbehandlung in das vorhegende Behandlungskonzept integriert?
Asthma ist nach der vorliegenden Meinung eine psycho-somatische Erkrankung. Die Psyche, hier die traumatisch erlebte Revierangst und die posttraumatische Belastungsstörung müssen deshalb primär behandelt werden. Doch darüber dürfen die somatischen, d. h. körperlichen Folgen von Revierangst und Belastungsstörung therapeutisch nicht vernachlässigt werden. Ihre Behandlung geschieht vorwiegend durch Medikamente.
Bei einem leichten Asthma, d. h. seltenen Asthmaanfällen, wird angeraten, im Akutfall einen Bronchodilatator zu inhalieren. Besteht anschheßend Beschwerdefreiheit über 4 Stunden und setzen danach erneut Symptome ein, kann der Bronchodilatator wieder benutzt werden. Verheren sich dagegen die Atembeschwerden nicht oder sind sie nicht dauerhaft coupiert, werden Kortison und Schleimlöser angewendet. Es wird erwartet, daß sich das leichte Asthma spontan verliert, wenn der Betroffene seine Streßüberlastung bewältigt, selbstsicher wird und seine Angehörigen ihm mehr zutrauen und nicht ständig beschützen. Betroffene und ihre Angehörigen sollten täghch ein Entspannungstraining, z. B. in Form des autogenen Trainings ausüben, um der Streßkrankheit Asthma zu begegnen. Durch das autogene Training wird dem Übergang in ein mittelschweres bzw. schweres Asthma oder in eine andere psycho-somatische Krankheit vorgebeugt. Bei einem mittelschweren und schweren Asthma, d. h. bei häufigen bzw. ständigen Beschwerden, werden beide therapeutischen Verfahren nebeneinander angewendet:
- tägliche Medikamentengabe, um asthmatischen Beschwerden vorzubeugen
- tägliche Übungen, um Abwehr, Bronchialfunktion und Bronchialüberwachung zu normalisieren.
Auf ein Problem, das bei der täglichen Einnahme von Medikamenten auftritt, muß hingewiesen werden. Hat der Betroffene, bedingt durch die Wirkung der Medikamente, kein Asthma mehr, so sehen der Betroffene und seine Angehörigen häufig keine Notwendigkeit mehr, tägliche Übungen zur Normalisierung von Abwehr, Bronchialfunktion und -Überwachung durchzu­führen. Den Beteiligten sei daher klar gesagt: das Asthma, die chronische Krankheit, hat keine Tendenz zur Selbstheilung. Asthma läßt sich durch Medikamente hndern, die Symptomfreiheit bedeutet letztendhch aber nur einen Pyrrhussieg, denn das Leiden läuft unterschwellig weiter und führt im schhmmen Fall zu vorzeitiger Invalidisierung und verkürzter Lebensdauer. Vor diesem Hintergrund ist Asthma zu betrachten, sind die Behandlungsmaßnahmen zu verstehen. Bei konsequenter Durchführung der o. g. Maßnahmen wird erwartet, daß ein leichtes und mittelschweres Asthma ausheilen bzw. den Betroffenen in seinem Leben, ähnlich wie ein gelegentlich auftretender Infekt, nicht mehr behindern. Die schweren Formen des Asthmas hängen in ihrer Prognose ab vom Zustand des Bronchial- und Lungensystems. Sind bereits nicht zu reparierende Schäden eingetreten oder nicht? Im Falle einer Schädigung wird sich das Asthma wohl nicht mehr heilen lassen - eine Besserung des Zustandes ist dennoch zu erzielen durch tägliche Einnahme von Medikamenten und tägliche Übungen, um Abwehr, Bronchialfunktion und Bronchialüberwachung günstig zu beeinflussen.
   
   
   
   
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Merke:
   
   
   
   
Die individuelle medikamentöse Langzeitbehandlung des Asthmas kann über zwei Wege ermittelt werden:
- mit Hilfe eines Stufenschemas; die Wirksamkeit der Therapie ist nicht vorhersagbar, sie ergibt sich aus dem Verlauf.
- durch experimentelle Tests; die Wirksamkeit des Medikaments auf die unterschiedlichen Asthmaformen wird experimentell bewiesen.
Betroffene, die ihren Zustand nicht objektiv einschätzen können, sollten täglich mit Hilfe
- eines Überwachungsbogens ihren klinischen Zustand beurteilen
- eines Lungenfunktionsmeßgerätes (z. B. Peak-Flow-Meters) ihre Lungenfunktion messen. Bei Patienten mit instabiler Bronchialwand fallen die Lungenfunktionswerte ungünstiger aus als es dem tatsächlichen Zustand entspricht. Patienten mit stabiler Bronchialwand weisen günstigere Lungenfunktionswerte auf im Vergleich zu ihrem augenblicklichen Zustand - sie orientieren sich deshalb mehr nach dem klinischen Score.
In der Schwangerschaft und beim Stillen sollten Medikamente möglichst niedrig dosiert und nicht länger als erforderlich eingenommen werden, das gilt insbesondere für Theophyllin. Dennoch muß die medikamentöse Behandlung so sein, daß Asthmaanfälle in der Schwangerschaft unbedingt vermieden werden.
Da Asthma ein psycho-somatisches Leiden ist, müssen Revierangst und Belastungsstörung sowie ihre körperlichen Folgen in Form von Atembeschwerden behandelt werden. Tägliche Übungen und medikamentöse Therapie ergänzen sich zu einem optimalen Behand­lungskonzept.
   
   
   
   
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Die medikamentöse Langzeitbehandlung eines Asthmas erfolgt nach einem Stufenschema oder durch experimentellen Beweis der Wirksamkeit der Therapie.
Tägliche Zustandsbeurteilung und Lungenfunktionsmessungen sind Betroffenen anzuraten, die ihren Krankheitszustand nicht einschätzen können.
In der Schwangerschaft und Stillzeit sollen Medikamente so sparsam wie möglich eingenommen werden, dennoch muß die Therapie ausreichen, um Asthmaanfälle zu verhindern.
   
   
   
   
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IV. Kapitel
Hilfe zur Selbsthilfe
   
   
   
      
      
   
   
   
Hilfe zur Selbsthilfe wird vor allem durch Selbsthilfegruppen unterstützt und praktiziert.
   
   
   
   
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Selbsthilfegruppen
   
   
   
   
Selbsthilfegruppen lassen sich in zwei Typen einteilen (191):
Typ 1: Diese Selbsthilfegruppen arbeiten nach einem mehr inneren
Selbsthilfekonzept. In regelmäßigen Gesprächen werden Lebensprobleme und Probleme im Zusammenhang mit einer körperlichen Krankheit besprochen.
Typ 2: Diese Selbsthilfegruppen stellen direkte medizinische, technische und
rechtliche Hilfen bereit und beraten die Betroffenen über ihre Krankheit und
   
   
   
   
Rehabilitationsmaßnahmen.
   
   
   
   
   
   
   
   
Das vorliegende Behandlungskonzept erfährt durch die Selbsthilfegruppen wesentliche Unterstützung. Im folgenden sollen die wesentlichen Punkte besprochen werden, die Hilfe zur Selbsthilfe ausmachen, wie es vor allem in Selbsthilfegruppen vom Typ 1 praktiziert wird (191).
   
   
   
   
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Die freie Wahl der Selbsthilfegruppe wirkt sich auf die Zusammensetzung der Gruppe aus.
Entschließt sich jemand, einer Selbsthilfegruppe aus freien Stücken beizutreten, so hat das Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Gruppe:
- Personen mit bestimmten persönlichen Merkmalen treffen zusammen.
- Mitglieder mit den gleichen Interessen finden zueinander, die sind bereit und entschlossen, an sich zu arbeiten. Es geht um die Wiederherstellung der eigenen Gesundheit bzw. der Gesundheit eines Familienmitglieds.
Zudem bedeutet der Beitritt in eine Selbsthilfegrupe eine aktive Handlung und vermittelt dadurch Selbständigkeit.
   
   
   
   
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Solidarisierung führt heraus aus der Einsamkeit und Hilflosigkeit
   
   
   
   
Solidarität bedeutet mehr als das Vertreten einer ähnhchen Meinung, sie ist in der Selbsthilfegruppe eine existentielle Übereinstimmung trotz evtl. Andersartigkeit. Solidarität führt aus dem Gefühl heraus, daß es niemanden gibt, der das eigene Leid wirklich versteht. Der Betroffene erlebt, daß da andere existieren, die sein Leid teilen.
- Das Anerkannt werden und Mitwirken in der Gruppe macht starke Kräfte frei und wird empfunden als Gefühl der Zugehörigkeit. Die Menschen lebten ursprünglich in kleinen Gruppen. Verghchen mit der Zwei-Personen-Beziehung in der Einzelbehandlung von Asthma kommt die Gruppenbehandlung der ursprünghchen Lebenssituation des Einzelnen, so auch des Asthmakranken näher und damit potenzieren sich auch die therapeutischen Kräfte.
- Die chronische Krankheit läßt den Betroffenen und seine Angehörigen einsam und hilflos werden. Isolation und Hilflosigkeit werden zudem verstärkt durch die Ablehnung durch die gesunde Gesellschaft und das eigene Verhalten der Distanzierung. Nur der Leidensgenosse, der einen wirklich versteht, kann die Betroffenen aus dieser Ohnmacht herausführen.
Durch Solidarisierung entsteht ein tiefes Gefühl der Gemeinsamkeit, eine Entschlossenheit, eine innere Stärkung, die dem Einzelnen eine neue Einstellung zu sich selbst ermöglicht.
   
   
   
   
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Hilfreiche Verhaltensformen bei Selbsthilfegruppen
   
   
   
   
Von den hilfreichen Verhaltensformen dienen die meisten dem freien Meinungsaustausch: Die Mitglieder versuchen
- den anderen teilnehmen zu lassen am eigenen Erleben
- einander zu ermutigen, Gefühle zu zeigen
- die Gefühle des anderen zu verstehen und zu teilen
- den anderen zu ermutigen, die eigenen Probleme ausführlich darzulegen
- dem anderen Sicherheit zu vermitteln, daß er seine eigenen Probleme bewältigen wird
- sich wechselseitig Anerkennung zu geben.
Die Mitglieder erkennen sich in ihrer Authentizität an, was einen starken Gegensatz bildet den isoherenden Mechanismen der Umwelt.
   
   
   
   
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Hoffnung gegen die Angst
   
   
   
   
Asthma ist mit Angst verbunden. So wird es verursacht durch Revierangst, und die Atemnot selbst löst Angst bei dem Betroffenen und seinen Angehörigen aus. Neben dem aktiven Durchleben und Bearbeiten der Ängste, durch tägliche Entspannungsübungen, die sich gegen das Angstempfinden richten, ist es zudem die Hoffnung, die dem Betroffenen hilft, aus der Angst herauszukommen.
- Die Hoffnung sorgt für die Energie, die notwendig ist, um das Behandlungskonzept langfristig durchzusetzen, und es ist die Hoffnung, die vor allem die Selbstheilungskräfte stärkt.
Überträgt sich die Hoffnung auf alle Gruppenmitglieder, so besitzt die Gruppe ein starkes Selbstheilungspotential.
   
   
   
   
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Behandlungserfolge der Selbsthilfegruppen
   
   
   
   
Die Behandlungserfolge von Selbsthilfegruppen sind nachgewiesen und zeigen sich in
- Abnahme der Hilflosigkeit, Depressivität
- Zunahme von Initiative und Autonomie
- Zunahme der Kontaktaufnahme
- Zunahme von Bindungsfähigkeit
- Erhöhung der Fähigkeit zur Konfliktlösung.
Die Selbsthilfegruppe darf aber nicht zum Lebensersatz werden, und die Gruppe sollte sich auch nicht von der übrigen Gesellschaft isolieren.
   
   
   
   
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Anschriften von Selbsthilfegruppen
   
   
   
   
1. Allergie- und umweltkrankes Kind e. V.
Annegret Braun, Westerholter Straße 142, 45892 Gelsenkirchen,
Tel. 0209/30530, e-mail: AUKGE@aol.com., Internet: http://members.aol.com/AUKGE
2. Deutscher Allergie- und Asthmabund e. V.
Karin Grünzel, Hindenburgstraße 110, 41061 Mönchengladbach,
Tel. 02161/183024 oder 814940, Beratungstelefon 02161/10207, Fax. 02161/208502, Mo-Fr 9.30 - 12.20 Uhr, e-mail: daab vva.com, Internet: http://www.vva.com/daab.htm
3. Arbeitsgemeinschaft Allergiekrankes Kind - Hilfen für Kinder mit Asthma, Ekzem oder Heuschnupfen (AAK) e. V.
Marianne Stock, Hauptstraße 29, 35745 Herborn, Tel. 02772/9287-0, Fax. 02772/9287-48
4. Allergieverein in Europa e. V.
Herr Bursitzke, Herr Frank, Marienstraße 57, 99817 Eisenach, Tel./Fax. 03691/213088, Mo-Fr 8.00- 16.00 Uhr
5. Deutsche Haut- und Allergiehilfe e. V.
Fontanestraße 14, 53173 Bonn, Tel. 0228/367910, Fax. 0228/363743
   
   
   
   
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Merke:
   
   
   
   
Der freie Entschluß, einer Selbsthilfegruppe beizutreten, ist ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung von Selbständigkeit. In der Selbsthilfegruppe finden sich Personen mit ähnlichen Merkmalen und Interessen zusammen.
Durch Solidarisierung entsteht ein tiefes Gefühl der Zugehörigkeit, der Gemeinsamkeit, der Stärke, die dem Einzelnen Kraft gibt, aus der Einsamkeit und Hilflosigkeit herauszukommen. Die Mitglieder erkennen sich in ihrer Authentizität an und pflegen freien Meinungsaustausch. Hoffnung der Gruppenmitglieder ist ein starkes Selbstheilungspotential.
Arbeit in der Selbsthilfegruppe fördert zum einen die Autonomie des Betroffenen, zum anderen erhöht sie seine Fähigkeit zur Kontaktaufnahme und sein Bindungs- sowie Konflikt­lösevermögen.
   
   
   
   
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Arbeit in einer Selbsthilfegruppe fördert die Gesundheit
   
   
   
   
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V. Kapitel Berufswahl
   
   
   
      
      
   
   
   
Schließt die Allergie den allergisch Reagierenden von bestimmten Berufen aus?
   
   
   
   
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Allgemeine Sichtweise zur Berufsfindung
   
   
   
   
Für die Berufswahl des Asthmakranken wird eine pauschale Zweiteilung vorgenommen
- Berufe, in denen Kontakt mit toxischen und allergisierenden Stoffen besteht, werden nicht empfohlen.
- Berufe, die weniger im handwerklichen Bereich liegen, sogenannte "white collar-Berufe, Berufe mit weißem Hemd(-kragen)" werden als geeignet angesehen.
   
   
   
   
   
   
   
   
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Spezielle Empfehlungen zur Berufswahl
Bei asthmakranken Jugendlichen ist die Berufswahl ein Problem, insbesondere, wenn sie allergisch reagieren (21, 22, 197). Berufe, in denen starker Kontakt mit toxischen und allergisierenden Stoffen besteht, sollten eher gemieden werden, denn man findet eine oft überdurchschnittlich hohe Abbrecherquote - das gilt insbesondere für folgende Berufe:
- Bäcker
- Maler/Lackierer
- Tierpfleger
- Berufe, die mit Holzverarbeitung zu tun haben, z. B. Tischler, Schreiner
- Kunststoff-, Chemiearbeiter
Bei der Berufswahl sind zum einen die gesundheitlichen Erfordernisse, zum anderen aber auch die Fähigkeiten und die Interessen des Jugendhchen zu berücksichtigen. Das gilt insbesondere für berufliche Tätigkeiten, die dem Asthmakranken gesundheithche Probleme bereiten könnten, für die er aber besonders begabt und geeignet erscheint und für die er spezifisch interessiert und motiviert ist. In diesem besonderen Fall sollten bei der Berufswahl die Vorbehalte wegen der möglichen gesundheithchen Probleme zugunsten der Begabungs- und Interessenstruktur zurückgestellt werden - das ist besonders bei Berufen anzuraten aus dem Bereich
- Elektrotechnik, Elektronik
- metallverarbeitender Beruf
- textilver arbeit ender Beruf.
Ohne Einschränkung möghch sind alle Berufe, bei denen die inhalative Belastung mit allergen-, irritativ- oder chemisch-toxisch-wirksamen Noxen niedrig ist, so z. B.
- Kaufmännischer Angestellter
- EDV-Bereich
- sozialer Bereich
- Unterrichtsbereich.
   
   
   
   
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Merke:
   
   
   
   
Der Betroffene sollte Berufe, in denen er in Kontakt mit stark toxischen und allergisierenden Substanzen gerät, möglichst nicht erwählen. Das gilt für das Bäcker-, Malerhandwerk, für Berufe, die mit Tieren oder der Holzverarbeitung zu tun haben, sowie für Berufe, die Kunststoff und Chemikalien verarbeiten.
Für alle anderen Berufe muß die mögliche gesundheitliche Gefährdung gegen die Begabungs­und Interessenlage abgewogen und der Beruf gewählt werden, den sich der Betroffene sehnlichst erwünscht und für den er besonders geeignet erscheint.
   
   
   
   
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Bei der Berufswahl des asthmakranken Jugendlichen muß nicht nur die möghche gesundheitliche Gefährdung durch den Beruf, sondern auch die Eignung und Interessenlage des Betroffenen berücksichtigt werden.
   
   
   
   
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VI. Kapitel
Die Spontanheilung
   
   
   
      
      
   
   
   
Das Wort spontan leitet sich her von sponte, aus eigener Kraft, von innen heraus. Jede Heilung ist letzthch eine Selbstheilung. Was geschieht bei einer Selbstheilung, welches sind die entscheidenden Faktoren, die die Selbstheilung bewirken?
   
   
   
   
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Was geschieht bei der Spontanheilung?
   
   
   
   
Menschen wurden gefragt, die ihre chronische Krankheit verloren haben, und die Literatur wurde zu Rate gezogen.
Asthma kann heilen, wenn ein äußeres Geschehen das Leben des Erkrankten radikal
verändert. Der Betroffene ist passiv, die Umstände wirken auf ihn ein.
Asthma heilt auch, wenn der Betroffene selbst aktiv wird und sein Leben verändert.
   
   
   
   
   
   
   
   
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Spontanheilung durch äußere Einwirkungen, der Betroffene bleibt passiv
Äußere Einwirkungen, die das Leben des Betroffenen stark beeinflussen, führen häufig zur Beschwerdefreiheit, das gilt für
- Urlaub
- Aufenthalt im Ausland
- Kriegszeiten
- Schicksalsschläge, so z. B. Verlust eines Angehörigen.
   
   
   
   
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Spontanheilung, indem der Betroffene selbst aktiv sein Leben ändert
Faßt man die Berichte und Erfahrungen der Betroffenen, die nach dem vorliegenden Konzept behandelt wurden, zusammen, so verliert der an Asthma Leidende seine chronische Krankheit, wenn er selbst aktiv wird und seine
- Autonomie -
wiedergewinnt.
Der Mechanismus, der dann Spontanheilung bewirkt, ist der wiedergefundene Glaube des Betroffenen an sich und seine Fähigkeiten, die eigenen Lebensverhältnisse selbständig zu regeln. Man erkennt die Autonomie an seinem veränderten Verhalten, an seinem gelassenen und selbstsicheren Auftreten. Autonomie gewinnt der Betroffene, indem er
- seine Revierangst überwindet
- lernt, mit Streß wieder normal umzugehen
- Vorteile, die ihm das Asthma verschafft, meidet
- Sicherheit erlangt.
Der Betroffene benötigt, um Autonomie zurückzuerlangen, die Unterstützung seiner Angehörigen, besonders seiner Hauptkontaktperson. Sie muß die Autonomiebestrebungen des Betroffenen fördern, Gesundheit verstärken und Fehlverhalten konsequent korrigieren, in Güte und Liebe. "Ich helfe dir, daß du es selbst tust" drückt am besten aus, wie die Kontaktperson mit dem chronisch Kranken umgehen sollte. Dazu gehört eigene innere Ruhe und ein tiefes inneres Gefühl von Zuneigung, die wesenthch durch ein tägliches Entspannungstraining erworben werden.
Die Hilfe zur Selbsthilfe wird unterstützt durch die Selbsthilfegruppe.
Außerdem wird, um Gesundheit zu fördern, die Nahrung (zeitweise) umgestellt auf eine allergen- und säurearme Kost, die möglichst naturbelassen ist und wenig Schadstoffe, Zusatzstoffe sowie biogene Amine enthält.
Die medikamentöse Therapie vervollständigt je nach Bedarf und Schweregrad des Asthmas die Behandlung.
   
   
   
   
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Wie erleben Erwachsene ihre "chronische Krankheit" und das Wiedergesundwerden?
Das eigene Erleben ihres Asthmas beschreiben Betroffene mit
- Pessimismus und negative Erwartungen
- Fixierung der Gedanken auf die Krankheit
- alte, mit der Krankheit in ursächlichem Zusammenhang stehende Gefühle und Erinner-ungen tauchen immer wieder auf
- Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit
- Isolation und Alleinsein
- Empfindungen von Schwäche und Kleinsein
- Ausgeliefertsein.
Zumeist überfällt einen die Krankheit, man fühlt sich passiv, eingeengt, es geschieht etwas mit einem, auf das man ab einem bestimmten Zeitpunkt keinen Einfluß mehr hat. Die Atemnot kann auch so groß werden, daß Todesangst ausgelöst wird.
Während längerdauernder Krankheitsphasen zieht man sich in sich zurück, der Kontakt zur Umwelt wird eingeschränkt.
Daneben gibt es eine kleine Zahl von Erkrankten, die, obschon sie chronisch krank sind, ihr Asthma gar nicht wahrnehmen. Zwischen dem tatsächlichen und vorgegebenen Zustand besteht ein krasses Mißverhältnis.
Was macht dagegen Gesundheit aus?
Was die Gesundheit bedingt, zeigen Untersuchungen an Menschen, die von einer schweren Krankheit geheilt wurden. Sie berichten übereinstimmend, daß der Genesung eine tiefgreifende persönliche Veränderung vorausging, durch die eine völlig neue Persönlichkeit zum Vorschein kam. Sie erlernten neue Fertigkeiten, die sie als chronisch Kranker verloren hatten, wie
- die Fähigkeit, sich abzugrenzen, d. h. innen und außen zu unterscheiden
- die Fähigkeit, eigene Ziele und Vorstellungen zu entwickeln, d. h. mündig zu werden
- die Fähigkeit, sich selbst als Zentrum eigener Initiative zu erleben, d. h. Selbstwertgefühl zu erlangen
- die Fähigkeit und Bereitschaft, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, d. h. auch für das Symptom Verantwortung zu tragen
- die Fähigkeit, pessimistisches Denken und negative Erwartungen und Gefühle aufzugeben, d. h. optimistisch und positiv in die Zukunft zu sehen.
Der Gesunde scheint im Verhältnis zu sich selbst stabiler zu sein als der chronisch Kranke. Gewiß hat auch der Gesunde nach Denecke existentielle Grenzerfahrungen wie Hilflosigkeit, Ohnmacht, Angst, Mangel an Kontrolle, erlebt, die haben nur nicht die Oberhand über ihn erlangt. Derartige negative Erfahrungen hat der Betroffene deutlich häufiger erlebt als der Gesunde.
Zwei Kriterien unterscheiden besonders gesunde und kranke Personen voneinander - Streben nach Selbständigkeit und Hoffnung zeichnet den Gesunden im Vergleich zu dem Kranken aus:
- Selbständigkeit schließt ein
- das Bemühen, selbständig zu handeln
- die Abwehr, abhängig zu sein.
- Hoffnung beinhaltet
- einen fundamentalen Glauben, daß es trotz einer persönlichen Not immer noch Rettungsmöglichkeiten gibt.
   
   
   
   
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Überstehen von Lebenskrisen
   
   
   
   
Gesunde und Kranke wurden befragt, wie sie Lebenskrisen überstanden haben.
Zumeist handelte es sich um Schwierigkeiten am Arbeitsplatz, frühere Erkrankungen,
Trennung von einem Partner, Tod eines Elternteils, den Krieg und seine Folgen.
Die Gesunden hatten offensichthch die Belastungen besser gemeistert. Sie verfügten über
wirksamere Bewältigungsstrategien. Sie waren in der Lage, sich in Krisen
- auf die eigenen Fähigkeiten zu besinnen
- einen Neuanfang zu wagen
- aus der Krise zu lernen
- sich der Herausforderung zu stellen
- sich auf eine optimistische Grundhaltung zu stützen.
   
   
   
   
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Kann ein Asthma, nachdem es geheilt ist, wieder auftreten?
Das Wort Heilung bedeutet nicht, daß eine einmal überwundene Krankheit nicht nochmals in Erscheinung treten kann, das gilt für
- Infektionen
- Allergien
- Krebs
- Autoimmunkrankheiten
und natürlich auch für Asthma. Gerät der Betroffene, nachdem er seine Revierangst, die Belastungsstörung sowie die das Asthma unterhaltenden Mechanismen überwunden hat und jahrelang beschwerdefrei gewesen ist, erneut in eine kritische Lebenssituation, in der er Revierangst traumatisch erlebt, so wird Asthma wieder auftreten.
Beispiel:
Das Asthma bronchiale trat bei der Betroffenen erstmals auf, als sie als Kleinkind in den Kindergarten kam. Sie erinnert sich noch genau an die Situation, die dem Asthma vorausging. Ihre Eltern besaßen ein Geschäft, und so kam es desöfteren vor, daß sie nicht rechtzeitig wie alle anderen Kinder mittags abgeholt wurde. Der Kindergarten war bereits geschlossen, alle anderen Kinder waren schon fort. Die Kindergärtnerin stand ungeduldig neben ihr, und sie stand am Zaun und wartete sehnsüchtig, daß jemand sie abholen würde. Regelmäßig trat nach einer derartigen Situation Asthma auf. In der Schule verlor sich dann das Asthma. Sie konnte allein nach Hause gehen und war nicht mehr auf das Abholen angewiesen. Die Betroffene wurde dann Kindergärtnerin. Nach mehrjähriger Berufserfahrung geriet sie mit einer Kollegin, die ihr sogar dienstlich unterstellt war, in einen heftigen Streit, denn die Kollegin zweifelte ihre Quahfikation als Kindergärtnerin an. Im Verlauf dieses Revierkonflikts tauchten mit einem Mal wieder die alten Bilder und Gefühle aus ihrer Kindheit auf, als sie selbst in den Kindergarten ging. Sie sah sich wieder als Kind auf ihre Eltern wartend am Zaun stehen und kam sich elend und verlassen vor. So sehr sie sich auch anstrengte, sie wurde die Erinnerung nicht los. Nachdem der Streit mit der Kollegin beigelegt war, verschwanden auch wieder die alten Kindheitserinnerungen, und sie erlitt danach, nach einem freien Intervall von fast zwanzig Jahren, erstmals wieder einen Asthmaanfall.
Der Betroffene, der an Asthma erneut erkrankt ist, kann selbstverständlich auch dauerhaft Gesundheit zurückerlangen, wenn er seine Revierangst wieder überwindet, die Belastungsstörung neutralisiert und die krankheitserhaltenden Regelkreise aufhebt, d. h. wenn er seine Autonomie zurückgewinnt, tritt erneute Heilung des Asthmas auf.
Es gibt kein Behandlungsverfahren, welches den Menschen für den Rest seines Lebens gesund macht. Gesundheit bedarf lebenslanger Bemühungen. Krisen und als deren Folge Krankheiten gehören nun einmal zum Leben. Tritt eine neue Krise, neue Revierangst, im Leben auf, die zu erneutem Asthma führt, so erscheint es nicht angebracht, von einem Rückfall zu sprechen, vielmehr ist der Betreffende erneut erkrankt. Bricht man sich nämlich im Abstand von Jahren dasselbe Bein, so spricht auch keiner von einem Rückfall. Wichtig für den Betroffenen und seine Angehörigen ist zu wissen, daß auch ein erneut aufgetretenes Asthma wieder heilbar ist.

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Yulli

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Re: STEMMANN, 1999
« Reply #11 on: March 18, 2019, 05:18:49 PM »

Merke:

Asthma heilt spontan, wenn ein äußeres Geschehen das Leben des Erkrankten radikal ändert, sei es z. B.
- der Urlaub, der Entspannung bringt und der akute und chronische Streßphasen mit nachfolgendem Asthma erst gar nicht aufkommen läßt
- eine Krisensituation, wie z. B. Krieg, Auslandsaufenthalt, Schicksalsschlag, in der der Betroffene seine ganzen Energien bündeln muß, um zu überleben. Revierangst und Revierkämpfe werden zugunsten wichtiger Gefühle und Verhaltensweisen aufgegeben, so daß Asthma nicht mehr auftreten kann.
Asthma heilt auch spontan, und das wird in diesem Buch beschrieben, wenn der Betroffene und seine Hauptkontaktperson (sowie die Angehörigen) die Initiative ergreifen und ihr Leben verändern, indem sie
- lernen, Streß zu reduzieren und so zu bewältigen, daß Asthma nicht mehr auftritt
- lernen, die Regelkreise, die Asthma unterhalten, zu neutralisieren.
Spontanheilung tritt ein, wenn der Betroffene seine Autonomie wiedergewinnt, erkennbar an seinem gelassenen und selbstsicheren Verhalten. Dabei muß ihm ein Mensch zur Seite stehen, der seine Autonomiebestrebungen durch eine liebevolle konsequente Erziehung unterstützt, der die Gesundheit verstärkt und der ein inniges Verhältnis zu dem Betroffenen gewinnt. Die Umstellung auf eine naturbelassene, allergen- und säurearme Ernährung, die wenig Schadstoffe, Zusatzstoffe und biogene Amine enthält, unterstützt den Gesundungsprozeß. Medikamente werden je nach Bedarf und Schwere des Asthmas eingesetzt. Die Selbsthilfegruppe gibt Beistand und fördert die Hilfe zur Selbsthilfe.
   
   
   
   
501
   
   
   
      
      
   
   
   
Asthma heilt spontan, wenn der Betroffene seine Autonomie wiedererlangt, d. h. den Glauben an sich selbst und die Fähigkeit, sein Leben selbst zu regeln, zurückgewinnt. Er benötigt dazu Unterstützung durch eine Kontaktperson, die einen tiefen inneren Bezug zu ihm gewinnt und seine Autonomiebestrebungen wohlwollend fördert. Umstellung der Ernährung unterstützt den Gesundungs­prozeß. Medikamente vervollständigen, je nach Bedarf und Schwere des Asthmas gegeben, das Behandlungs­konzept.
Die Selbsthilfegruppe gibt Beistand.
   
   
   
   
502
   
   
   
      
      
   
   
   
Beantwortung der in Teil II gestellten Frage: Wie läßt sich Gesundheit zurückgewinnen? Durch
- tägliches, schon morgendlich durchgeführtes Entspannungstraining
- Überwinden der Revierangst und Belastungsstörung
- Verstärken der Gesundheit
- Wiedererlangen von Sicherheit und durch
- eine naturbelassene, allergen- und säurearme Ernährung
- eine medikamentöse Therapie, die je nach Bedarf und Schweregrad des Asthmas eingesetzt wird,
kann der Betroffene Autonomie, d. h. Gesundheit zurückerlangen. Er muß wieder den Glauben an sich selbst zurückgewinnen und seine Fähigkeiten aktivieren, sein eigenes Leben selbständig zu regeln.
Der Betroffene benötigt dazu die Unterstützung durch seine Hauptbezugsperson, die
- täglich morgens ein Entspannungstraining praktiziert
- ihre Revierangst und Streßbelastung zu überwinden versucht
- die Gesundheit des Betroffenen verstärkt
- ihre Sicherheit wiederfindet.
Die Selbsthilfegruppe gibt Halt und fördert die Hilfe zur Selbsthilfe.
Asthma ist eine Streßkrankheit, nicht umsonst sind deshalb Streßhormone die wirksamsten Asthmamittel. Die wichtigste therapeutische Maßnahme ist deshalb ein tägliches, schon morgens ausgeführtes Anti-Streßtraining in Form von Entspannungsübungen (autogenes Training bzw. progressive Muskelentspannung). Asthma läuft hauptsächlich über die unbewußte, unterbewußte Ebene ab, und auf dieser Ebene muß vorwiegend therapeutisch behandelt werden, z. B. durch das autogene Training.
   
   
   
   
503
   
   
   
      
      
   
   
      
      
   
   
   
Anhang
   
   
   
   
505
   
   
   
      
      
   
   
   
Derjenige Leser, der das polare Prinzip verstanden hat, wird logischerweise auch das polare Denken auf die Spontanheilung von Asthma durch den Betroffenen selbst anwenden. Entsprechend dem Gesetz der Polarität muß es bei der Spontanheilung, die der Erkrankte selbst bewirkt, zwei Möglichkeiten geben. Eine Methode, mit deren Hilfe Heilung zurückerlangt werden kann, wurde in dem vorliegenden Buch beschrieben. Wie stellt sich die zweite Methode dar?
Wird zuerst die Spontanheilung durch äußere Einwirkung betrachtet, um das Prinzip, das hinter der Heilung steht, zu erkennen, so fällt auch hier ein polares Geschehen auf.
   
   
   
   
   
   
   
   
- Im Urlaub verhert ein Großteil das Asthma. Das hebliche Klima, die reizende Landschaft, ein Leben ohne extreme Streßspitzen und ohne chronischen Streß verändert den Betroffenen so, er selbst bleibt passiv, daß Asthma erst gar nicht aufkommt. Hält nach dem Urlaub dieser Zustand mit dem "spezifischen Urlaubsgefühl" an, so ist der Betroffene in dieser Zeit auch weiterhin beschwerdefrei. Das Prinzip, das der Spontanheilung zugrunde liegt, ist Verminderung des Streßgeschehens und dadurch bedingt Wegfall von Revierangst, Belastungsstörung und Verstärkung der Krankheit. Der Betroffene erlangt seine ursprüngliche Sicherheit zurück und ist gesund.
Dasselbe Prinzip, Spontanheilung durch Streßreduktion und Streßbewältigung versucht der Betroffene nach den in dem Buch vorgeschlagenen Behandlungsmaßnahmen aktiv, mit Unterstützung durch seine Umgebung zu erreichen.
- In Krisenzeiten, so z. B. im Krieg, durch einen Schicksalsschlag, wie z. B. den Tod eines Angehörigen, oder durch ein Leben im Ausland unter erschwerten Bedingungen, heilt häufig das Asthma. Das Leben des Betroffenen wird radikal verändert, er ist latent bedroht, und das mobilisiert Abwehrkräfte. Alle Energien werden von dem Betroffenen gebündelt, um zu überleben. Er selbst muß überleben! Revierkämpfe kann sich der Betreffende nicht mehr leisten, wichtigere Gefühle als die Revierangst gewinnen die Oberhand. Will man die körpereigene Abwehr beschreiben, so bewegt sie sich im oberen Bereich der Norm, aber ohne zu tief abzusinken (in der Erholungsphase erscheint ja das Asthma). Dasselbe Prinzip Spontanheilung durch Bündelung aller Energien auf ein Ziel kann der Betroffene aktiv anwenden, wenn er sich eine hohe Lebensaufgabe stellt und diese zu erfüllen sucht (siehe: Wie ich mein Asthma verlor).
   
   
   
   
506
   
   
   
      
      
   
   
   
Autonomie
durch aktives Überwinden von Streß und Förderung der Gesundheit (wurde bereits beschrieben)
   
   
   
   
Autonomie durch Ausrichtung aller Energien auf ein hohes Ziel (siehe: Wie ich mein ^Asthma verlor)
   
   
   
   
507
   
   
   
      
      
   
   
   
Wie ich mein Asthma verlor
Die Spontanheilung, den Mechanismus der Gesundung von Asthma durch Verfolgung einer hohen Aufgabe, beschreibt ein 20jähriger, der seit seiner frühen Kindheit unter Asthma gehtten hat (Brief vom 28.o6.1990). Der Heilerfolg ist wesenthch dadurch eingetreten, daß der Betroffene seine Energie auf die Erlangung eines hohen Zieles ausgerichtet hat.
"Ich schreibe Ihnen, weil Sie wissen sollen, daß mein Asthma Vergangenheit ist. Und vielleicht interessiert es Sie auch, wie es dazu kam.
Von August 1986 bis Juli 1987 war ich als Austauschschüler in den USA. Zurück kam ich mit Führerschein und viel Lust aufs Auto. Ich bekam also hin und wieder die Familienkutsche. Etwas später waren wir dann noch einmal bei Ihnen, und Sie erklärten mir, daß meine Krankheit psychisch bedingt sei und ich "streßfrei" werden müsse.
Hat mir auch eingeleuchtet, dennoch sträubte ich mich, autogenes Training zu machen, wahrscheinlich, weil es mal wieder "von Mutti verordnet" war.
Dann aber machte mir meine Mutter das Angebot des Jahrzehnts: Wenn ich von den Medikamenten runterkomme, gleich aufweiche Weise, kriege ich ein Auto, sagte sie. Ich habe sofort alle Medikamente abgesetzt, ohne sonst etwas zu tun. Und wie Sie es erwarten werden, ging es mir dreckig. Besonders bei Anstrengung. Doch anstatt z- B. beim Fahrradfahren mein Aerosol zu nehmen, kam ich lieber mit schmerzender Lunge an. Nach ca. 2 Wochen fing es dann an, besser zu werden. Gerade auf dem Fahrrad bekam ich zwar nach wie vor Anfälle, doch die waren meist vorbei, bevor ich mein Ziel erreichte, indem ich mit unverminderter Geschwindigkeit weiterfuhr. Dann fühlte ich mich immer toll und sagte zu mir selbst: In der Begegnung Dickkopf vs. Asthma führt der Dickkopf mit 1:0. Immer seltener brauchte ich zu inhalieren oder hatte überhaupt das Bedürfnis. Manchmal kam ich halt gar nicht umhin. Jetzt habe ich also mein eigenes Auto, ich wohne in einer Zwölfer-WG, und werde ab August eine Schauspielschule besuchen (das dafür notwendige ärztliche Attest bekam ich bedenkenlos). "Streßfrei" bin ich zwar nicht, aber ich habe wohl einen Weg gefunden, äußerlichen Streß mir nicht so zu Herzen zu nehmen.
Das liegt sicher nicht nur am eigenen Auto, das für mich, so blöd es sich anhören mag, ein Symbol für Freiheit ist, sondern auch an anderen "äußeren" Umständen. Erstens meine Freundin, mit der ich seit fast drei Jahren zusammen bin und bei der ich mir jeden Streß von der Seele reden kann. Dann der Umzug vom elterlichen Streß-Heim in diese Wohngemeinschaft, die lockerer nicht sein könnte. Und schließlich das Theater. Dieses einzige wirkliche Hobby, das nun mein Beruf werden soll.
Sie haben recht, Medizin bekämpft nur die Symptome. Aber das Umfeld und die Einstellung dazu machen allen Unterschied. Vielen Dank für Ihre Hilfe!"
Der Brief enthält zahlreiche Faktoren, die jeder für sich einen Teil der Gesundheit repräsentieren, wie
- ein Ziel haben
"wenn ich von den Medikamenten runterkomme ... kriege ich ein Auto"
- einen Neuanfang wagen "Wechsel...in Wohngemeinschaft"
- Selbstwertgefühl erlangen "dann fühlte ich mich immer toll"
- Isolation und Alleinsein überwinden
"meine Freundin, bei der ich mir jeden Streß von der Seele reden kann"
- an Anforderungen anpassen
"das Umfeld und die Einstellung dazu"
   
   
   
   
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- Empfindung von Schwäche und Kleinsein überwinden
"in der Begegnung Dickkopf vs. Asthma führt der Dickkopf'
- Bereitschaft, für das Symptom Verantwortung zu tragen
"doch anstatt z. B. beim Fahrradfahren mein Aerosol zu nehmen, kam ich lieber mit schmerzender Lunge an"
- nicht mehr ausgeliefert sein
"indem ich mit unverminderter Geschwindigkeit weiterfuhr"
- sich in Richtung Freiheit und Unabhängigkeit verwirklichen
"das Auto...so blöd es sich anhören mag, ein Symbol der Freiheit..."
- die Fähigkeit, sich abzugrenzen
"hat mir auch eingeleuchtet, dennoch sträubte ich mich"
- die Fähigkeit, eigene Ziele und Vorstellungen zu entwickeln
"das Theater, dieses einzige, wirkliche Hobby, das nun mein Beruf werden soll"
- die Streßstörung überwinden
"ich habe wohl einen Weg gefunden, äußerlichen Streß mir nicht so zu Herzen zu nehmen". Der Brief zeigt, daß der Betroffene
- seine Revierangst, seine Revierkämpfe, die sicherlich zum Teil mit seiner Hauptkontaktperson, der Mutter ("sträubte ich mich, autogenes Training zu machen, wahrscheinhch, weil es mal wieder "von Mutti verordnet" war") und im häuslichen Bereich stattfanden, dadurch aufgehoben hat, indem er umgezogen ist ("vom elterlichen Streß-Heim in diese Wohngemeinschaft, die lockerer nicht sein könnte")
- seine Streß- bzw. Belastungsstörung überwunden hat ("...ich habe wohl einen Weg gefunden, äußerlichen Streß mir nicht so zu Herzen zu nehmen")
- seine Verstärker für Krankheit, die zumeist durch die näheren Kontaktpersonen (ungewollt und unbewußt) eingesetzt werden, neutralisiert hat, indem er von zu Hause ausgezogen ist und sich eine neue Lebensumgebung gesucht hat
- seine Sicherheit und sein Selbstwertgefühl zurückerlangt hat ("fühlte ich mich toll", "in der Begegnung Dickkopf vs. Asthma führt der Dickkopf"jetzt habe ich ich wohne ich werde").
Der Brief belegt, daß der Hauptkontaktperson, der Mutter, die sich über Jahre unermüdhch um ihr asthmakrankes Kind bemüht hat (ohne entscheidenden Heilerfolg) doch dann der wesentliche Schritt gelungen ist, der die Heilung bewirkt hat, indem sie
- einen positiven Verstärker zur Förderung der Gesundheit ihres Sohnes eingesetzt hat ("dann aber machte mir meine Mutter das Angebot des Jahrzehnts: wenn ich von den Medikamenten runterkomme, gleich auf welche Weise, kriege ich ein Auto, sagte sie").
Die wesentliche Triebkraft, die die Spontanheilung bewirkt und die den Betreffenden streß-unempfindhch gemacht hat ("ich habe wohl einen Weg gefunden, äußerlichen Streß mir nicht so zu Herzen zu nehmen") war das Erreichenwollen eines "hohen" Zieles ("viel Lust aufs Auto", "das Auto, das für mich...ein Symbol für Freiheit ist"). Nachdem das Ziel erreicht worden ist ("jetzt habe ich also mein eigenes Auto") hat der Betreffende schon wieder ein neues Ziel avisiert, das seine Kräfte bündeln und Asthma verhindern wird ("ich werde ab August eine Schauspielschule besuchen", "das Theater, dieses einzige wirkliche Hobby, das nun mein Beruf werden soll").
Stabilisiert sich der Betroffene in seiner neuen Umgebung, festigt er seine gerade erworbene Autonomie, so ist sein Asthma geheilt.
   
   
   
   
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Merke:
   
   
   
   
Asthma ist heilbar, wenn der Betroffene seine Autonomie zurückerlangt.
   
   
   
   
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Autonomie = Heilung
   
   
   
   
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Im Gelsenkirchener Behandlungsverfahren wurde nach einer großen, einheitlichen Theorie und Behandlungsweise des Asthmas in all seinen Erscheinungsformen - des Asthma bronchiale und/oder der asthmatischen Bronchitis, des akuten Atemnotanfalls und des chronischen Verlaufs - gesucht, um das Asthma umfassend zu beschreiben und zu behandeln. Tatsächlich sind dazu zwei sich widersprechende Theorien und Therapieverfahren notwendig, die dem Physischen und Psychischen Beachtung und Anerkennung verschaffen:
- Asthma ist eine Erkrankung der Bronchien, des Organs, das medikamentös behandelt wird
- Asthma beruht auf einer zentralen Fehlsteuerung von Abwehr und Bronchialfunktion bei Fehlüberwachung der Bronchien vom Gehirn her
Während die Behandlung des Organs durch Medikamente akute Atembeschwerden mindert oder ihnen vorbeugt, wirken die Normalisierung der zentralen Fehlfunktion der Abwehr und des Bronchialsystems sowie Aufhebung der Fehlüberwachung der Bronchien dem chro­nischen Verlauf entgegen.
Die beiden strukturell verschiedenen Theorien und Behandlungsweisen kommen eine ohne die andere nicht aus. Obschon sie sich widersprechen, ergänzen sie sich zu einer optimalen Theorie und Therapie des Asthmas. Wenngleich sie sich nicht auf einen gemeinsamen Nenner bringen lassen, gibt es doch Brücken, die sie verbinden - es sind das Verhalten des Immunsystems, der Streßhormone, der Cytokine.
Das Gelsenkirchener Behandlungsverfahren versucht auf einer fundamentalen Ebene zu ver­stehen, was das Asthma überhaupt bedeutet. Es forscht nach den Prinzipien, die Asthma re­gieren, die immer dieselben sind und bleiben werden. Danach wird Asthma durch ein "un­glückliches" Gefühlstrauma verursacht, gepaart mit einer Streß- bzw. Belastungsstörung. Es entsteht eine Streßkrankheit, die zur Folge hat, daß der Betroffene ungewoht und unbewußt sein Asthma ständig hervorruft. Die gesunde Umgebung verstärkt das Asthma ungewollt und unbewußt und erhält es damit. Wird die Ursache des Asthmas überwunden und werden die das Asthma unterhaltenden Mechanismen beseitigt, so heilt das Asthma.
   
   
   
   
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Inhaltsverzeichnis
   
   
   
   
Geleitwort: Wissenschaft, Erfahrung und Hilfe zur Selbsthilfe als Basis des 5 Behandlungskonzeptes
Leitgedanke 6 Danksagung 7
Polares Denken, Denken ändern, anderes Denken 12
Vorgänge in der Evolution als Basis von Krankheit und Gesundheit 13
Wie der Leser das vorhegende Buch lesen sollte 14
Vorwissen prägt die Erkenntnis 15
Was versteht man unter Asthma? 17
Der Asthmaanfall 19
Medikamentöse Therapie und die in diesem Buch vertretene Behandlung 21
Warnung: dem Betroffenen dürfen Asthmamedikamente nicht vorenthalten werden 23
Teill
Wie entsteht Asthma und wodurch wird es unterhalten? I. Kapitel
Wie entsteht Asthma? 27
1. Ist Asthma eine Erbkrankheit? 29 Asthma ist keine Erbkrankheit 30 Was versteht man unter Disposition? 32 Die allergische Reaktion 33 Die Atopie 34 Die Hyperreagibilität der Bronchien 35
2. Ist Asthma heilbar? 38 Was wird unter Heilung verstanden? 39 Asthma ist heilbar 40
3. Was verursacht Asthma? 43 Asthma als Summe der Belastungen in einem komplexen System? 44 Die Analyse des komplexen Systems 45 Hat Asthma etwas mit Streß zu tun? 46 Verursacht die derzeitige Umweltbelastung mit Fremdstoffen Asthma? 50 Kann Asthma auch durch zu hohe Belastung über die psychische Ebene auftreten? 51 Gefühle, Emotionen 52 Von der Emot