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Author Topic: Bielefeld, das Wurmloch der Homöophantasten in den Eso-Universitäts-Fimmel  (Read 12 times)

Thymian

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Eine "Lehrmeinung" (?) eines "Dozenten" (?) an einer Universität (?) in einer Stadt, die es nicht gibt?

"Marcel Schütz ist Research Fellow an der Northern Business School Hamburg und lehrt Soziologie an der Universität Bielefeld."


Wie kann man nur so einen Stuß veröffentlichen wie diesen "Ganstkommentar"? Will die Neue Zürcher Zeitung wirklich Prügel? Die kann sie haben...


https://www.nzz.ch/meinung/homoeopathie-hilft-ja-vielleicht-auch-wenn-man-nicht-daran-glaubt-ld.1497692?mktcid=smsh&mktcval=OS%20Share%20Hub

[*quote*]
Gastkommentar

Homöopathie hilft ja vielleicht auch, wenn man nicht daran glaubt – für ein modernes Gesundheitswesen sind Globuli verschmerzbar

Hinsichtlich der medizinischen Wirkung von winzigen weissen Zuckerkügelchen, Globuli genannt, scheiden sich die Geister bis zum bitteren Streit. Die Debatte über den Nutzen und den Nachteil von Homöopathie für das Leben kocht regelmässig hoch. Mit immer denselben bekannten Argumenten. Das muss nicht sein.

Marcel Schütz
31.8.2019, 05:30 Uhr

Der Kulturkampf um Homöopathie ist schon alt: «The sick goose and the council of health», Karikatur des Engländers George Cruikshank. (Bild: Wikimedia Commons)

Die Homöopathie geniesst einen durchwachsenen Ruf. Die Universitätsmedizin hat ihr auch zwei Jahrhunderte nach der Begründung durch den Arzt Samuel Hahnemann nichts abgewinnen können. Das wohl bekannteste Verfahren: In reiner Konzentration gefährliche und wenig appetitliche Substanzen («Urtinktur»: Metalle, Sekrete, Kot usw.) werden hoch verdünnt. Je höher die Verdünnung (Potenzierung), desto höher die behauptete Wirkung. Nach Massgabe des Gründervaters sind sogar bestimmte Schläge auf die Abfüllbehältnisse zu beachten.

Bis heute wird die Auffassung vertreten, dass die Substanzen eine heilende «Botschaft» hinterliessen, die von der Wissenschaft bis anhin nicht zu entschlüsseln sei. Eingefleischte Schulmediziner haben für diese «Verschüttelung» nur Kopfschütteln übrig; sie verweisen auf die Standards ärztlicher Profession und können sich durch die Studienlage bestätigt sehen: In keinem Journal der forschungsintensiven Medizin ist ein Nachweis der Wirksamkeit der Homöopathie erbracht worden. Nachfragen bei Lehrstühlen führen zum – mit ärztlicher Diagnostik gesprochen – «gesicherten Befund» der Nichtwissenschaftlichkeit.
Beobachtungsnotizen und Patientenberichte

Aus Sicht der Homöopathen kommuniziert die akademische Ablehnung reine Arroganz. Für eine Heilmethode, die sich anschickt, als alternative Fraktion der Gemeinschaft «echter» medizinischer Profession zuzugehören, verheisst diese Lage nichts Gutes. Wie jede Disziplin bringt die Medizin eigene referierte Fachmedien hervor und bestimmt mit einer geeigneten Mehrheit ihrer Experten die dafür gebotenen Qualitätskriterien zwecks Substanziierung des ärztlichen Wissens.

In einem modernen Gesundheitswesen wird selbst ein unbeweisbarer Heilungsglaube keine Sünde sein.

Die Homöopathie wartet mit eigenen Publikationen auf. Gewürdigt werden darin die originäre Lehre und deren Überlieferung für die Gegenwart. Der Kontrast zum akademischen Fach könnte kaum grösser sein: Wird in der Lehr- und Forschungsmedizin die standardisierte, klinisch-experimentelle Methodik angewandt, verweisen Homöopathen anekdotisch auf Beobachtungsnotizen und Patientenberichte. Anders als in der Schweiz, wo herrührend aus einem Volksentscheid die Homöopathie in den Leistungskatalog der Grundversicherung «geadelt» wurde, wird in Deutschland weiter über die Erstattung durch Krankenkassen gestritten. Die Schweiz ist inzwischen zum Globuli-«Eldorado» geworden, wiewohl das Votum von 2009, anders, als manche zuweilen insinuieren, keineswegs die Anerkennung der Wissenschaftlichkeit erwirkt hat. Dem Volkswillen folgend, wurden die gesundheitsamtlichen Bestimmungen lediglich gebogen. Das Kriterium der Reproduzierbarkeit homöopathischer Arbeiten durch unabhängige Akteure kann nach wie vor nicht geleistet werden.

Vor allem die klischeehafte Gegenüberstellung sanfter Heilkunst einerseits und kühler Krankenabfertigung andererseits dürfte einen Ansatzpunkt bieten, weshalb Homöopathen rege Nachfrage erfahren. Je nach Befragung konsumiert schon über die Hälfte der schweizerischen und der deutschen Bevölkerung Homöopathika. Viel Lob gilt der individuellen Zuwendung. Patienten schildern, wie sie nach langem Marsch durch die Arztpraxen jene persönliche Behandlung erfahren, die ihnen die ersehnte Linderung ihrer Beschwerden schenkt; wundersame Heilungserlebnisse eingeschlossen. Die Medizin wischt all das nicht einfach vom Tisch, sie verneint aber die Behauptung von Kausalitäten und erklärt das Phänomen primär über Placebo- und Kontexteffekte: eine in Erwartung von Wirksamkeit empfundene bzw. eintretende Besserung. Die Wahrscheinlichkeit dafür scheint allzumal durch intensive Betreuung erhöht zu werden. Ferner kommt es zu Genesungen ohne Behandlung.

Die Frage nach Henne und Ei

Dass die Homöopathie eine – nach naturwissenschaftlichem Massstab – Nichtwirkung (bei zugleich jedoch erfolgreichem Wirkungsvertrauen) nicht eingestehen kann, ist mit Blick auf die Selbstlegitimation leicht verständlich; sie müsste ihre wissenschaftlich unentscheidbaren und geradezu mystisch gefestigten Annahmen – basierend auf Astrologie und Esoterik des ausgehenden 18. Jahrhunderts – verwerfen. Dazu ist eine Lehre nicht fähig, die das Falsifizieren eigener Aussagen ausschliesst. Mit Blick auf das Image der Homöopathie als (überaus) schonender Heilungsmethode stellt sich allerdings die Frage nach Henne und Ei. Hat die Medizin persönliche Zuwendung überhaupt aus den Augen verloren oder die «Komplementärmedizin», wie die Homöopathie sich gerne ausweist, ihr Angebot nur erfolgreich vermarktet? Schon die Eigennennung als «ergänzende» Medizin wirft Zweifel auf. Längst hat die Homöopathie ihren Platz in der Pharmazie, wenn der Anteil auch überschaubar bleibt. In der Schweizer Grundversicherung lag er zuletzt bei rund 8 Millionen von 30 Milliarden Franken; so wie die Rezepturen der Homöopathie sind ihre Kosten «hochverdünnt» – der Streit um Quantität birgt wenig Erkenntnis.

Ob homöopathische Mittel eine Wirkung erzielen, die über den Placebo-Effekt hinausgeht, ist hoch umstritten. (Bild: Keystone / Gaëtan Bally)
Die Schweiz ist ein Eldorado für deutsche Globuli-Fans
Simon Hehli 23.5.2018, 06:00

Stattdessen erscheinen bis anhin unbesehene Aspekte für die Diskussion von Belang: erstens, die genauere Beschreibung, wie die Homöopathie ihre Anerkennung zu erhalten versteht; zweitens der Blick auf den hausärztlichen Patientenkontakt. Zum ersten Punkt ist eine neue Arbeit mit dem sprechenden Titel «Potenzierte Fakten» (Sophia Wege, Diegesis/Interdisziplinäres E-Journal für Erzählforschung, 2018) zu erwähnen. Das Papier widmet sich der Analyse homöopathischer Begleitinformation, wie sie für Präparate und Therapien bereitgestellt wird.

Es geht um die Rekonstruktion narrativer Formen der Homöopathie. Da gibt es etwa den Befund, dass die Homöopathie ausgerechnet den Stil der Schulmedizin imitiert. So werden den Patienten Hinweise zur sicheren Dosierung, zu den Einnahmezeiten und zur Fahrtüchtigkeit gegeben, obwohl gar keine Risiken bestehen. Des Weiteren wird die Bedeutungskulisse der Homöopathie über ärztliche Instruktionen fundiert. Beispiel: Hochverdünntes Petroleum bietet man in der Potenz D 30. Die Verdünnung liegt bei eins zu einer Quintillion, was einer Verdünnung auf 50 (!) Erdmassen entspricht. Bei derart hohen Potenzen ist der Ausgangsstoff verschwunden. Gleichwohl heisst es, die Verabreichung sei «der ärztlichen Behandlung vorbehalten».

Was hier geschieht, ist die «Vermedikamentösung» von Nichtmedikamenten. Die Prozeduren der Therapie erinnern den Patienten an vertraute Routinen der Schulmedizin. Erst dadurch, dass er bereit ist, ein Präparat als Heilmittel anzuerkennen, kann die Behandlung zustande kommen. Bevor der Homöopath sich legitimiert, bedarf er der Mitwirkung durch den Patienten. Dies gelingt über die Verschmelzung faktualer und fiktionaler Aktivitäten.

Ein zweiter Punkt, die Beziehung von Arzt und Patient, ist beachtenswert. Diese bildet einen Ausgang homöopathischer Kritik an konventioneller Allgemeinmedizin. Und hier wird es konfus, denn längst wenden zahlreiche niedergelassene Ärzte homöopathische Dienste an, die ihrer akademischen Ausbildung widersprechen.

Paradoxe doppelte Imitation von Kompetenz

Wie lässt sich erklären, dass das «Narrativ der Homöopathie» von Allgemeinmedizinern «bereitwillig aufgegriffen und weitererzählt» (Sophia Wege) wird? Neben der Neigung mancher Ärzte, wirtschaftlich einträglichen Angeboten womöglich offener gegenüberzustehen, als es die gestrenge Universitätsforschung dulden mag, spielen meines Erachtens Gründe eine Rolle, die die Interaktion im Sprechzimmer betreffen. Da ein Vertrauensverlust im Raum steht, können sich Ärzte motiviert sehen, ihr Fachwissen gegenüber Patienten auch in «alternativer» Form zu sichern. Eine Studie der Universität Zürich förderte zutage, dass aber nur die Hälfte jener Zürcher Ärzte, die Globuli verschreiben, Wirkungen erwarten. Die sensorische Attraktivität der zuckrigen Kügelchen wäre noch gesondert zu bedenken. Im Übrigen beruhen Arzneien, wie die Soziologin Anna Henkel festhält, auf «anspruchsvollen gesellschaftlichen Konstruktions- und Absicherungsleistungen» – eine Beobachtung, die nicht zuletzt für die Homöopathie gelten darf.

Die chinesische Medizin nutzt auch Akkupressur und Massage zur Behandlung. (Bild: Christoph Ruckstuhl / Keystone)
Prämiengelder für alternative Medizin
Simon Hehli 29.3.2016, 18:54

Über seine Extra-Legitimation kann der Hausarzt die Interaktionslast im Patientenkontakt reduzieren; er kann den Erwartungen des Patienten folgen, ohne sich mit evidenzmedizinischen Belehrungen aufzuhalten, die bei bestimmten Patienten doch nur mit Beratungsresistenz beantwortet würden. Ein Patient, der sich nicht mehr sachkundig überzeugen lässt, muss nicht verloren sein. Er kann am Expertenstatus des Arztes partizipieren (der Arzt wirkt, weil er tätig wird), indem er jene Versorgung (im wahrsten Sinne: Beruhigungsmittel) erhält, die er wünscht. Diese ärztliche Defensive ist der sozialen Geschmeidigkeit der Behandlung zuträglich. Gerade in der Loslösung von Medizin, gerade im Versuch, Akzeptanz zu gewinnen, setzt der Arzt aber die Autorität seines Faches aufs Spiel und riskiert, dass er im Bemühen, die eigene Professionalität zu halten, geradezu ihre «Verwässerung», also Deprofessionalisierung, forciert. Im Fazit läuft es auf eine paradoxe doppelte Imitation von Kompetenz hinaus: Die Schulmedizin imitiert die Homöopathie dabei, wie diese die Schulmedizin imitiert.

Diese Beobachtungen können helfen, das gegenwärtig diffuse (alternativ)medizinische Gegen-, Neben- und Ineinander zu plausibilisieren. Hervorzuheben bleibt, dass die Präparate der Homöopathie regelmässig «nur» ein Medium darstellen, das die eigentliche intensive Betreuung überhaupt erst initiiert. Die weit fortgeschrittene, von Ambivalenz geprägte Verschränkung ärztlicher Praktiken ist in der üblichen, oft polemischen Kontroverse weitgehend unbeachtet geblieben.

Dies dürfte damit zu erklären sein, dass beide Seiten wenig Interesse daran haben, ihre Bezüge auf das andere «Lager» offenzulegen. In einem modernen Gesundheitswesen wird selbst ein unbeweisbarer Heilungsglaube keine Sünde sein. Eine ganz andere Frage ist, inwieweit solche Massnahmen, die der evidenzorientierten Medizin entgegenstehen, politisch begünstigt werden sollen. Die (längst verbreitete) Aufklärung der Patienten bietet meines Erachtens nicht den alleinigen Hebel. Auch sind das soziale Geschehen einer narrativen «Verwirklichung» von Unsichtbarem und Unbelegbarem sowie die ärztliche Interaktion in den Blick zu nehmen. Die Diskussion darüber steht allerdings erst am Anfang.

Marcel Schütz ist Research Fellow an der Northern Business School Hamburg und lehrt Soziologie an der Universität Bielefeld.


Homöopathische Globuli. (Bild: Gaëtan Bally / Keystone)

Globuli werden als «falsche Heilsversprechen» oder gar «Voodoo» umschrieben, und trotzdem behandelt eine Tessiner Klinik damit Krebs
Simon Hehli 19.5.2017, 05:32
Die Diskussion um die Homöopathie wird meist sehr emotional geführt. (Bild: Gaetan Bally / Keystone)

Gastkommentar
Die Wissenschaft muss unvoreingenommen sein
Marc Bär 2.6.2017, 05:30

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.         Kinderklinik Gelsenkirchen verstößt gegen die Leitlinien!
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