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Author Topic: Deutsch-türkische Realitäten  (Read 6 times)

Morgensteyn

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Deutsch-türkische Realitäten
« on: October 06, 2019, 10:30:29 AM »

Man muß ihn lesen!


https://numeri249.wordpress.com/2019/10/06/deutsch-tuerkische-realitaeten/

[*quote*]
Verfasst     : 6. Oktober 2019 um 14:22
Autor        : anti3anti
Schlagwörter: Anpfiff, deutsch, Erdogan, Flagge, Fußball, Fußballspiel, Galata, Islam, Istanbul, Mönchengladbach, Migration, Minarett, Polizist, Randale, Religion, Schlachtenbummler, Spiel, Stadion, türkisch
Kategorien   : Trdic

Deutsch-türkische Realitäten

Stellen Sie sich vor, deutsche Polizisten konfiszierten kurz vor einem überregionalen Fußballspiel, stattfindend im Borussia Park von Mönchengladbach, die Flaggen eingereister Fans aus Istanbul, weil auf diesen muslimische Symbole abgebildet sind: Minarette nämlich, die wie Raketentürme wirken. Natürlich können sie sich das im Traum nicht vorstellen, auch nicht den Umstand, dass man harmlos grölende Schlachtenbummler zunächst fest hält und so bis kurz vor Anpfiff des Spiels daran hindert, ins Stadion zu gelangen. Gesetzt den Fall, derlei ´Ordnungsterror´ fände tatsächlich bei uns statt: hätte solches im Anschluss an das eigentlich Spiel noch ein gehöriges Nachspiel, und es wäre auch kaum anzunehmen, das sich die Fans von Galata Istanbul dergleichen ohne sofortige Randale gefallen ließen. Auch die türkische Gemeinde in Deutschland würde toben, es käme zu Ausschreitungen in mehreren deutschen Städten, und in der Türkei hätte der Obermufti Erdoğan unlängst eine entsprechende ´Fatwa´ verlesen.

Tatsächlich haben türkische Polizisten den angereisten Fans von Borussia Mönchengladbach vor dem Europapokal-Spiel bei Başakşehir Istanbul deren eigene Fahnen abgenommen. Anstoß erregten die abgebildeten christlichen Symbole im Stadtwappen Mönchengladbachs. Erst 20 Minuten vor Anpfiff konnten die ´zwangsenteigneten´ Fans das Stadion betreten. Schon vorher wurde den Gladbach-Fans die individuelle Anreise zum Stadion verboten. Zwei Fans nahm man kurzerhand in Gewahrsam, weil sie angeblich Polizisten geschlagen haben sollten. Erst nach Auswertung eines Videos, das ihre Unschuld bewies, ließ man sie wieder auf freien Fuß.

Die weiteren Folgen dieser Vorfälle: ein wenig dicke Luft und sonst so ziemlich gar nichts mehr. Den öffentlich-rechtlichen ist das alles keinen müden Furz wert gewesen. Mutti Merkel? Geschenkt. Gladbachs Manager Max Eberl ließ immerhin verlauten, er sei schockiert. Dass sowas in Europa möglich ist, sei unfassbar, so der Funktionär. Bislang sind es ohnehin nur drei Parlamentarier gewesen, die sich in dieser ´Sache´ öffentlich zu Wort meldeten und von ´Schikane´ sprachen (O-Ton Bosbach und Özdemir). Na, die trauen sich aber was. Und meinten ferner, die UEFA solle es richten. Fein raus.

Başakşehir Istanbul gilt als regierungsnaher Klub. Viele Sponsoren aus Kreisen der Kamarilla des Präsidenten Erdoğan mischen dort kräftig mit. Ganz klar: Das sind seine ´Jungs´. Der Seehofer Horst, seines Amtes Heimat- und Innenminister der Bundesrepublik Deutschland, ist es auch: einer von den Erdo-Boys. Das hat er jüngst bei seinem Besuch in Ankara demonstriert. Erinnert: Erdoğan drohte damit, vier Millionen Syrer bei Gelegenheit Richtung Europa zu ´entsorgen´, falls nicht endlich mehr Milliarden bei ihm ankämen. Einen Teil des ´Humankapitals´ hat er bereits ´ausgekippt´, nebenan nämlich. Auf zahlreichen griechischen ´Ex-Urlaubsinseln´ herrschen entsprechende Zustände, wird der übliche Notstand ausgerufen. Seehofer aber schmeichelte dem Erpresser auf nahezu unerträgliche, treuhündische Weise, gelobte seinerseits Besserung und versprach weitere Unterstützung. Die hat das in einer tiefen Wirtschaftskrise steckende Land auch bitter nötig.

Nun ist hinlänglich bekannt, dass die Türkei im kriegszermürbten Syrien kräftig mit gezündelt hat, folglich auch für die vielen Flüchtlinge verantwortlich ist und bleibt, die im Laufe der Jahre ins Land kamen. Freilich: Erst kommt das Fressen, dann die Moral. Jetzt, wo die Erdoğan hörige Mehrheit des Landes darbt und nicht mehr weiter weiß, stören die ´Brüder und Schwestern´ aus der Levante nur noch. Jetzt will man sie also schnell wieder los werden. Der Hass des betrogenen Volkes wendet sich gegen die unliebsamen ´Ausländer´, die ihnen angeblich die Arbeit wegnehmen und mit arabischen Ladenschildern jeden anständigen Türken beleidigen. Was Wunder, das sich die übelsten Ausschreitungen und Pogrome früh in Istanbul zutrugen, zu einer Zeit übrigens, als deren Stadtbewohner noch mehrheitlich hinter Erdoğan standen. Im Grunde macht sich jetzt allerorten ein türkischer Ultranationalismus breit, den es so und ähnlich eigentlich schon immer gab in einem Land, das sich verhältnismäßig spät aus den Trümmern des osmanischen Reiches zu einer Nation aufraffte: blutig und um Haaresbreite am Scheitern vorbei. Das muss man im Hinterkopf behalten, denkt man dieser Tage an das von Seehofer einmal mehr brav abgesegnete Abkommen der EU mit diesem Staat. Der Deal sieht unter anderem vor, dass zehntausende syrischer ´Flüchtlinge´ auf europäische Staaten verteilt werden.

Das ist und bleibt vollkommen irrsinnig. Warum sollen ausgerechnet wir mit diesen Leuten besser klar kommen als jene, die immerhin demselben Glauben hörig bleiben? Werden nicht auch unsere Nationen regelmäßig von volkswirtschaftlichen Krisen heimgesucht, die schon das einvernehmliche Auskommen Hiesiger untereinander ständig auf die Probe stellen? Derlei ´Sachzwänge´ lassen sich nicht länger klein reden oder totschweigen, wie das im Blick auf den ´Fahnenklau´ und deren etliche Schmieren mehr noch der Fall gewesen ist. Irgendwann wird jeder von uns Farbe bekennen müssen, denn die Grauzonen bequemer Feigheit, in denen wir uns eingerichtet haben, sind in Wahrheit tote Winkel, die von den Feinden der Freiheit gnadenlos ausgeräuchert werden.

Shanto Trdic, 06.10.19
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