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Author Topic: "Ganzheitlich orientierte" Zahn-Medizin/-er...  (Read 4357 times)

hu_la

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"Ganzheitlich orientierte" Zahn-Medizin/-er...
« on: October 17, 2006, 05:15:19 AM »

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Vorweg ein Auszug aus einer Stellungnahme (10/1997) der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) zu...
==> KOMPLEMENTÄREN VERFAHREN IN DER ZAHNHEILKUNDE.
(http://www.blzk.de/archiv/bzb/heft3_98/983s38.htm)

Auszug:

[*Zitatanfang*]
--------------------------------------------------------------------------
[...]
______________________________

E. HABERMANN, GIESSEN
H. MEINERS, MÜNSTER
G.-M. OSTENDORF, WIESBADEN
H. J. STAEHLE, HEIDELBERG
______________________________

Komplementäre Verfahren in der Zahnheilkunde
Stellungnahme der DGZMK*


Unter der Bezeichnung "komplementäre Verfahren" wird eine Vielzahl außerordentlich heterogener Behandlungsansätze zusammengefaßt, die von psychosomatisch orientierten Vorgehensweisen über Verfahren der klassischen Naturheilkunde und solchen aus Medizinsystemen anderer Kulturen bis hin zu sogenannten unkonventionellen und paramedizinischen Methoden reichen. Verfahren, deren wissenschaftliche Anerkennung aussteht, werden auch als "alternativ" (zur wissenschaftlichen Medizin) bezeichnet.
[...]

Medizinsysteme aus anderen Kulturen
Die von ihren zeitgenössischen Anwendern weitgehend unverändert übernommenen theoretischen Vorstellungen von Medizinsystemen anderer Kulturen (zum Beispiel Ayurveda, Indien; traditionelle chinesische Medizin/TCM) wurzeln wesentlich auch in alten religiös-philosophischen Denkweisen. Den Anwendern gilt allein schon das hohe Alter dieser Systeme als wesentliches Qualifikationsmerkmal. Dabei sind viele der diesen Systemen zugrundeliegenden Modelle und Hypothesen längst durch die inzwischen erarbeiteten Erkenntnisse der wissenschaftlichen Medizin widerlegt. Andererseits gibt es hier aber auch einzelne beachtenswerte Verfahren, etwa die Akupunktur der TCM. So wurde die Anwendung der Akupunktur auch in der Zahnheilkunde bei bestimmten Problemen (zum Beispiel Verminderung von Würgereiz, Dämpfung von Angst- und Erregungszuständen vor zahnärztlicher Behandlung, Schmerzreduktion bei Unverträglichkeit gegenüber Lokalanästhetika) als hilfreich beschrieben. Kontrollierte Studien speziell zu diesen Anwendungen stehen allerdings bislang aus. Zudem ist das Anwendungsspektrum der Akupunktur in der Zahnheilkunde eher begrenzt.
[...]

Unkonventionelle Verfahren
Den unkonventionellen Verfahren ist gemeinsam, daß für sie der reproduzierbare, statistisch gesicherte Nachweis einer diagnostischen Brauchbarkeit beziehungsweise einer therapeutischen, über den Placebo-Effekt hinausgehenden Wirksamkeit aussteht. Damit fehlt ihnen die Grundvoraussetzung für eine wissenschaftliche Anerkennung. Darüber hinaus sind auch die zu diesen Verfahren vorgebrachten Hypothesen wissenschaftlich durchweg fragwürdig bis unhaltbar. Einige dieser Verfahren basieren auf Denkvorstellungen der Medizinsysteme anderer Kulturen (siehe oben), deren Methoden sie mittels moderner elektrotechnischer Geräte aufzugreifen suchen. Ein Beispiel dafür ist die sogenannte Elektroakupunktur nach Voll (EAV).
[...]

Warnung vor unzureichend begründeten Methoden
Unkonventionelle Vorgehensweisen werden oft als zwar weitgehend unwirksam, zugleich aber auch als harmlos eingestuft. Diese Sichtweise muß allerdings hinterfragt werden, da zumindest einige dieser Verfahren als diagnostische Grundlage für stark invasive Eingriffe (unnötiger Austausch von Restaurationsmaterialien beziehungsweise Extraktion von erhaltungswürdigen Zähnen oder gar Ausfräsungen von Kieferknochen) dienen. Im Interesse der Patienten und somit auch aus forensischen Gründen ist dringend vor derartig unzureichend begründeten invasiven Maßnahmen zu warnen. Bei einzelnen therapeutischen Verfahren sind zudem schwerwiegende Nebenwirkungen bekannt geworden (zum Beispiel Ozon-Therapie). Unkonventionelle Verfahren werden von einigen Interessengruppen innerhalb der Zahnmedizin stark favorisiert und unzutreffenderweise mit den in der Bevölkerung positiv belegten Etiketten "Naturheilverfahren" oder "Ganzheitsmedizin" geschmückt. In Publikationen wird von den Verfechtern dieser Methoden immer wieder in Einzelfallbeschreibungen von Therapieerfolgen aus dem gesamten Gebiet der Medizin, auch bei schwersten Erkrankungen, berichtet. Allerdings fehlen in aller Regel nachvollziehbare Aussagen über die allgemeinmedizinische Diagnostik sowie aussagekräftig dokumentierte Verlaufsbeobachtungen.

Paramedizinische Verfahren – unkonventionelle Verfahren
Eine exakte Unterscheidung zwischen paramedizinischen (zum Beispiel Diagnose unter Einbezug von Wünschelrute oder Pendel, Geist- und Fernheilung) und unkonventionellen Verfahren ist schwierig. Paramedizinische Verfahren zeichnen sich ausnahmslos dadurch aus, daß ihnen aufgrund des heutigen Wissensstandes jeder Wert für ein rationales diagnostisches beziehungsweise therapeutisches Vorgehen abzusprechen ist.
[...]

Placebo- und Nocebo-Effekte
Ärztliche Maßnahmen schlagen sich immer auch mehr oder weniger ausgeprägt auf die psychosoziale Situation des Patienten nieder. Im Falle hoffnungsvoller Erwartungen wirken sie sich positiv (als Placebo-Effekt) auf die Befindlichkeit aus, womit Erfolge auch bei irrationalen Verfahren zwanglos erklärt sind. Angstvolle Vorstellungen können sich da-gegen als schädliche Nocebo-Effekte manifestieren. Im Bereich der Zahnheilkunde hegen in diesem Zusammenhang inzwischen viele Menschen die Befürchtung, daß sie sich mit den erwünschten Effekten präventiver und restaurativer Maßnahmen (zum Beispiel durch Anwendung von Fluorid, Füllungs- und Versiegelungsmaterialien, Dentallegierungen) auch schwerwiegende "Vergiftungen" eingehandelt haben. Dies sind Vorstellungen, die insbesondere auch von den Vertretern der Alternativmedizin verbreitet werden, wobei sie sich unter anderem auf ihre wissenschaftlich nicht abgesicherten Diagnoseverfahren stützen. Da diese Befürchtungen auch in den öffentlichen Medien auf große Resonanz stoßen, wirken sie nicht nur als personenbezogenes Nocebo, sondern führen darüber hinaus wesentlich breitenwirksamer zu Ängsten, Abwehr- und Verweigerungshaltungen gegenüber präventiv und therapeutisch aus wissenschaftlicher Sicht sinnvollen Vorgehensweisen. Solchen Aktivitäten muß aufklärend begegnet werden, um eine Ausweitung von Nocebo-Effekten zu vermeiden. Ansonsten werden weitere Angststörungen provoziert beziehungsweise chronifiziert, erforderliche zahnärztliche Eingriffe unterlassen und unnötige, unter Umständen sogar schädigende Eingriffe durchgeführt (Nebeneinander von Unter- und Überversorgung).

Zur wissenschaftlichen Anerkennung "komplementärer Verfahren"
Medizinische Verfahren finden wissenschaftliche Anerkennung, wenn sie nach wissenschaftlichen Kriterien (Überprüfbarkeit, Reproduzierbarkeit, Signifikanz) brauchbar/wirksam sind. Der theoretische Hintergrund und damit das Verständnis der Wirkmechanismen sind dagegen zunächst nachrangig. Wer ein medizinisches Verfahren propagiert oder gar anwendet, trägt die Beweislast für die behauptete Tauglichkeit.

Von den Vertretern der Alternativmedizin werden zur theoretischen Untermauerung ihrer Vorstellungen, insbesondere zur Begründung der Wirkungsweise einzelner elektrotechnischer Geräte im Zusammenhang mit als "biophysikalisch" bezeichneten unkonventionellen Verfahren zunehmend Erkenntnisse – auch neuesten Datums – verschiedener naturwissenschaftlicher Disziplinen bemüht. Das Ergebnis dieser Bemühungen erweist sich jedoch als pseudowissenschaftliches Konglomerat aus Korrektem, Falschverstandenem und nach Bedarf Zurechtinterpretiertem, wie es unvermeidlich resultieren muß, wenn naturwissenschaftliche Begriffe mit unzulässigen Inhalten befrachtet werden und wenn wissenschaftlich anerkannte Theorien, Erkenntnisse und Gesetzmäßigkeiten in Bereiche extrapoliert werden, in denen ihre Anwendung unzulässig ist.

Unfähigkeit zur Wahrnehmung neuer Erkenntnisse?
Die Verweigerung der wissenschaftlichen Anerkennung unkonventioneller Verfahren wird von deren Protagonisten nicht akzeptiert, sondern vehement zurückgewiesen mit den (redundanten) Behauptungen, daß Außenstehende nicht die Kompetenz zur Kritik hätten, daß die Bedingungen kontrollierter Studien auf die subtilen Effekte dieser Verfahren nicht anwendbar seien und daß die wissenschaftliche Medizin in einem veralteten Paradigma erstarrt und damit unfähig für die Wahrnehmung neuer Erkenntnisse sei. Diese Behauptungen sind leicht widerlegt: Die Abschottung einer Theorie durch Verweigerung einer kritischen Diskussion, also das Beharren auf Binnenkonsens, ist in sich unwissenschaftlich. Die Behauptung der Unangemessenheit kontrollierter Studien ist irrational; in einer Anwendungswissenschaft wie der Medizin sind Studien prinzipiell möglich und zudem mit den inzwischen verfügbaren biometrischen Methoden sehr valide. Schließlich ist die Forderung nach einem Paradigmenwechsel nur dann wissenschaftlich zulässig, wenn eine brauchbare Erweiterung erarbeitet ist. Diese muß notwendigerweise auch die vom zu ersetzenden Paradigma bereits gelösten Probleme umfassen. Ein solches, die wissenschaftliche Medizin berücksichtigendes Konzept ist von alternativmedizinischer Seite bis heute nicht formuliert.

Aus-, Fort- und Weiterbildung in "komplementären Verfahren"
Unter dem Begriff "komplementäre Verfahren" verbergen sich Vorgehensweisen mit sehr unterschiedlich einzustufenden Ansätzen, mit Bewertungen von "anerkannt" über "fraglich" bis "absurd" . Daher muß jeder Versuch einer subsumierenden Fort- und Weiterbildung unter wenig aussagekräftigen und damit dem Mißbrauch ausgesetzten Etiketten wie " zahnärztliche Naturheilverfahren" oder " Ganzheitsmedizin" abgewehrt werden. Vielmehr ist eine exakte, differenzierende Beschreibung dringend erforderlich. Was die Vermittlung psychosomatischer Themeninhalte bei der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Zahnärzten angeht, so kann eine Intensivierung unterstützt werden, sofern es sich um wissenschaftlich abgesicherte Verfahren handelt.

Einzelne Elemente der klassischen Naturheilverfahren und eventuell auch der Medizinsysteme anderer Kulturen können möglicherweise ebenfalls im Rahmen der einzelnen Fachdisziplinen sinnvoll in die zahnärztliche Aus- und Fortbildung integriert werden, allerdings nur dann, wenn die Wirksamkeit nachgewiesen ist und sie einen Bezug zur Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde aufweisen. Wenn es zutrifft, daß immer größere Bevölkerungskreise eine Behandlung mit "natürlichen" Verfahren favorisieren, sollten schlüssige Anwendungsbereiche der klassischen Naturheilverfahren auch in der Zahnmedizin berücksichtigt werden, damit die Zahnärzteschaft dieser Nachfrage mit medizinisch begründeten, sinnvollen und unbedenklichen Maßnahmen Rechnung tragen kann. Eine Weiterbildung mit dem Ziel einer entsprechenden Spezialisierung ist allerdings wegen der begrenzten Einsatzmöglichkeiten auf zahnärztlichem Sektor im Gegensatz zur Allgemeinmedizin nicht angebracht.

Vorbehaltlose Propagierung ist abzulehnen
Unkonventionelle und paramedizinische Verfahren müssen in der Aus- und Fortbildung wesentlich kritischer als bisher diskutiert werden. Die Fragwürdigkeit dieser Verfahren und die unzureichende Dokumentation der von ihren Protagonisten behaupteten Brauchbarkeit sind aufzuzeigen; irrationale Vorstellungen sind als solche zu benennen. Auch das hohe Mißbrauchspotential sowie die Gefahr der Förderung von Nocebo-Effekten derartiger Verfahren müssen künftig mehr berücksichtigt werden. Die bis heute oftmals weitgehend vorbehaltlose Propagierung umstrittener Verfahren durch zahnärztliche Verbände, Kostenträger, Industrie und sogar durch Zahnärztekammern als Körperschaften öffentlichen Rechts ist abzulehnen. Eine zahnärztliche Weiterbildung unter Einbeziehung unkonventioneller oder paramedizinischer Verfahren darf nicht ernsthaft in Erwägung gezogen werden.

In den letzten Jahren wurde immer wieder eine zertifizierte Weiterbildung zum "Zahnarzt für Naturheilverfahren" gefordert. Während im Bereich der Allgemeinmedizin die Zusatzbezeichnung " Naturheilverfahren" medizinisch gerechtfertigt sein mag, fehlen auf dem Gebiet der Zahnheilkunde bislang wissenschaftlich hinreichend begründete Erkenntnisse, die die Einführung einer analogen zahnärztlichen Zusatzbezeichnung nahelegen würden. Die hier aktiven Interessengruppen reihen die unterschiedlichsten Verfahren (einschließlich der unkonventionellen) willkürlich und ohne Rücksicht auf inhaltliche Zusammenhänge aneinander und deklarieren sie unzutreffenderweise en bloc als Naturheilverfahren, in der Absicht, von diesem positiv belegten Begriff zu profitieren. Bei der Mehrzahl dieser Verfahren handelt es sich aber – wie ausgeführt – eben nicht um Naturheilverfahren. Es ist an der Zeit, daß auch gesundheitspolitische Entscheidungsträger dieses zur Kenntnis nehmen und daraus die erforderlichen Konsequenzen ziehen.

Forensische Probleme
Ein wesentliches Element "ganzheitlich" orientierter alternativmedizinischer Denkweisen ist die Unterstellung von Wechselbeziehungen zwischen Zähnen und spezifisch zugeordneten Körperorganen/-regionen. Hinter dem Begehren nach einer zertifizierten Weiterbildung zu den " komplementären Verfahren" steht somit implizit auch der Anspruch, daß ein entsprechend weitergebildeter Zahnarzt dann auch etliche Allgemeinerkrankungen behandeln könne. Der an sich begrüßenswerte Ansatz, daß ein Zahnarzt nicht nur sein eigenes Fachgebiet im Auge haben sollte, greift aber dann zu kurz, wenn sich die Weiterbildung des Zahnarztes auf "komplementäre Verfahren" beschränkt, im übrigen aber die medizinischen Kenntnisse hinter denen eines approbierten Arztes zurückbleiben und somit die Voraussetzungen der nötigen Sorgfaltspflicht nur bedingt erfüllt sein können. Zudem ist zu beachten, daß sich die Tätigkeit des Zahnarztes nach dem Gesetz über die Ausübung der Zahnheilkunde (ZHG) auf die berufsmäßige, auf zahnärztlich-wissenschaftliche Erkenntnisse gegründete Feststellung und Behandlung von Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten beschränkt. Nachdem sowohl die klassischen Naturheilverfahren als auch die meisten unkonventionellen beziehungsweise alternativen Methoden auf eine Behandlung des gesamten Körpers abzielen, dürften sich auch unter diesem Gesichtspunkt erhebliche forensische Probleme ergeben.

Absurd: Ganzheitliche Spezialisten
Falls sich einzelne komplementäre Verfahren nach einer wissenschaftlichen Überprüfung für die Zahnmedizin als sinnvoll erweisen sollten, können sie von Zahnärzten, die sich dafür interessieren, auch ohne besondere Zertifizierung in ihr Behandlungskonzept integriert werden. Der im Zusammenhang mit den komplementären Verfahren immer wieder strapazierte Begriff "Ganzheit" wird häufig auch als Gegenbegriff zur "Spezialisierung" argumentativ eingesetzt. Allein schon unter diesem Blickwinkel erscheinen die derzeitigen Bestrebungen zur Etablierung "ganzheitlicher Spezialisten" in der Zahnmedizin nicht sehr schlüssig.

Schlußbetrachtung
Die Einstufung einer Theorie als unwissenschaftlich bedeutet nicht, daß sie sicher falsch ist, da menschlichen Urteilen keine absolute Sicherheit zukommt. Andererseits liegen etliche alternativmedizinische Vorstellungen so weit außerhalb des derzeitigen, wissenschaftlich begründeten Erkenntnisstandes, daß die Wahrscheinlichkeit für ihre Richtigkeit als vernachlässigbar klein anzusehen ist. Ihre Anwendung kann daher aus Gründen des Patientenschutzes nicht ernsthaft in Betracht gezogen werden. Das beharrliche Festhalten der Protagonisten der alternativen Medizin an ihren Vorstellungen, trotz aller begründeten Einwände, hat Aspekte des Glaubens. Glaube ist zu respektieren. Diese dem gläubig Handelnden gegenüber gebotene Toleranz darf aber eine kritische Bewertung der Folgen seiner Handlungen nicht ausschließen. Aufgabe der Wissenschaft ist es auch, Wissen zu verbreiten, also aufzuklären. Für die wissenschaftliche Medizin und Zahnmedizin ist die Aufklärung über die Alternativmedizin schon aus Gründen des Selbstschutzes geboten, da sie sich sonst dem Vorwurf aussetzen würde, nicht vor unsinnigen, potentiell auch schädlichen Diagnose- und Therapiekonzepten gewarnt und die Bevölkerung davor geschützt zu haben.
______________________________

Stand: 20. Oktober 1997
Anmerkung: Ausführlichere Literaturhinweise zu diesem Statement sind in vier Beiträgen der Verfasser enthalten, die in Heft 5/97 der Deutschen Zahnärztlichen Zeitschrift 52 (1997), 318–334 erschienen sind.
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[*/Zitatende*]
Quelle:
http://www.blzk.de/archiv/bzb/heft3_98/983s38.htm

Hatten 1997 alle "ganzheitlichen Spezialisten" in der Zahn-Medizin bzw. Protagonisten der "ganzheitlichen" Zahn-Medizin diese Stellungnahme der DGZMK gelesen?

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~> Zur Erinnerung:
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Die Tätigkeit des Zahnarztes beschränkt sich nach dem Gesetz über die Ausübung der Zahnheilkunde (ZHG) auf die berufsmäßige, auf zahnärztlich-wissenschaftliche Erkenntnisse gegründete Feststellung und Behandlung von Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten.
KOMPLEMENTÄRE VERFAHREN IN DER ZAHNHEILKUNDE – STELLUNGNAHME (10/1997) DER DGZMK*
(http://www.blzk.de/archiv/bzb/heft3_98/983s38.htm)
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Oktober 2006 unter gzm.org/:

[*Zitatanfang*]
[...]
Ganzheitliche Zahn-Medizin - Was ist das eigentlich?
[...]
Die ganzheitlich orientierte Zahn-Medizin widmet sich eben solchen Zusammenhängen zwischen Zähnen und anderen Körperorganen. Ein ganzheitlich orientierter Zahnarzt beschränkt seine Sicht daher nicht auf den Mundraum des Patienten, sondern bezieht im Rahmen seiner Diagnose und Therapie den gesamten Organismus ein. Er richtet seinen Blick also auf den gesamten Menschen und beschränkt ihn nicht auf seine Mundhöhle. Denn nicht die Mundhöhle erkrankt, sondern das Gesamtsystem Mensch.
[...]
Aufgabe des Zahnarztes ist es, die Gesamtgesundheit seiner Patienten über die Zahngesundheit zu verbessern. Dazu sind jedoch auch fachübergreifende Kenntnisse notwendig. Ganzheitlich orientierte Zahnärzte haben daher zusätzliches Wissen aus anderen medizinischen Bereichen erworben. Dazu gehören u.a. Immunologie, Orthopädie oder Umweltmedizin.
[...]
Therapie-Ergänzung durch biologische Medizin
Auf Grundlage dieser Kenntnisse werden die anerkannten Methoden und Therapien der modernen Schulmedizin durch die Anwendung von Verfahren aus Naturheilkunde und biologischer Medizin ergänzt.

In der ganzheitlichen Zahn-Medizin kommen u.a. folgende ergänzende Methoden zum Einsatz:

- Akupunktur/Laserakupunktur
- Homöopathie
- Phythotherapie
- Neuraltherapie

[...]
- Hypnose
- Elektroakupunktur
- Bioelektrische Funktionsdiagnostik
- Symbioselenkung / Immuntherapie
- Biologische Kieferorthopädie (Bionatortherapie)


Um ihren Patienten ein Höchstmaß an medizinischer Kompetenz bieten zu können, arbeiten ganzheitlich orientierte Zahnärzte zumeist in einem Netzwerk mit Therapeuten und Ärzten aus anderen medizinischen Bereichen zusammen. Dazu gehören beispielsweise Immunologen, Schmerztherapeuten, Psychologen, Orthopäden, Neurologen, Hals-Nasen-Ohrenärzte, TCM-Ärzte (Traditionelle Chinesische Medizin), Manualtherapeuten u.a.

Wenn Sie eine ganzheitlich tätige Zahnärztin bzw. einen ganzheitlich tätigen Zahnarzt in Ihrer Region suchen, klicken Sie bitte hier.
[...]
[*/Zitatende*]
Quelle:
http://www.gzm.org/homeframe_patient.htm

Wdh.:
[*Zitatanfang*]
[...]
Therapie-Ergänzung durch biologische Medizin
Auf Grundlage dieser Kenntnisse werden die anerkannten Methoden und Therapien der modernen Schulmedizin durch die Anwendung von Verfahren aus Naturheilkunde und biologischer Medizin ergänzt.
[...]
[*/Zitatende*]

Zum Begriff ==> SCHULMEDIZIN.
(http://home.arcor.de/paralexx/content/schulmedizin.htm)

Wdh.:
[*Zitatanfang*]
[...]
In der ganzheitlichen Zahn-Medizin kommen u.a. folgende ergänzende Methoden zum Einsatz:

- Akupunktur/Laserakupunktur
- Homöopathie
- Phythotherapie
- Neuraltherapie

[...]
- Hypnose
- Elektroakupunktur
- Bioelektrische Funktionsdiagnostik
- Symbioselenkung / Immuntherapie
- Biologische Kieferorthopädie (Bionatortherapie)

[...]
[*/Zitatende*]

Was hat Quacksalberei in der Zahnmedizin zu suchen? Nichts!

Das Wörterbuch der "Ganzheitlichkeit" (unvollständig):
==> =5417&post_start=71&time=]BITTE NACHLESEN.
(http://www.kidmed.de/forum/showtopic.php?thread[threadid]=5417&post_start=71&time=)

Stephen Barrett, M.D.: ==> BE WARY OF ACUPUNCTURE, QIGONG, AND "CHINESE MEDICINE"
(http://www.quackwatch.org/01QuackeryRelatedTopics/acu.html)

Weitere Infos über ==> AKUPUNKTUR.
(http://www.transgallaxys.com/~kanzlerzwo/board.php?boardid=117)

Das Wörterbuch der ==> SCHARLATANERIE.
(http://www.promed-ev.de/modules/newbb/viewtopic.php?topic_id=138&forum=43)

Scharlatanerie hat in der Zahnarztpraxis nichts zu suchen!


Die Gesellschaft für Ganzheitliche Zahnmedizin (GZM) unter gzm.org/:

[*Zitatanfang*]
[...]
Das sind wir
[...]
Wir, das sind nämlich insgesamt ca. 1.200 Zahnärztinnen und Zahnärzte in Deutschland und dem europäischen Ausland.
[...]
Vom GZM-Vorstand können Sie sich dagegen sofort ein Bild machen.
ZA Peter Helms
1. Vorsitzender
[...]
Im Rahmen seiner Tätigkeit als 1. Vorsitzender der GZM kann Peter Helms diese Kompetenz und seinen Erfahrungsschatz gewinnbringend einsetzen.
[...]
Dr. Erich Wühr
stellvertretender Vorsitzender
[...]
Seit 1991 Konsiliarzahnarzt der Ersten Deutschen Klinik für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) in Kötzting. Erich Wühr beschäftigt sich seit Jahren wissenschaftlich mit komplementären Therapieverfahren. Er ist Gründer der TCM-Schule an der TCM-Klinik und leitet diese verantwortlich. In der GZM bringt er sein Wissen und seine Erfahrungen als Leiter des Ressorts Wissenschaft / Inhalte ein. Erich Wühr ist u.a. verantwortlich für Qualitätszirkel sowie für Kooperation mit Lehrstühlen an deutschen und europäischen Universitäten.
[...]
Dr. Wolfgang H. Koch
stellvertretender Vorsitzender
[...]
... niedergelassen in einer gemeinsam mit Kollegen geführten Partnergesellschaft, die alle Bereiche der biologischen Zahnmedizin abdeckt.
[...]
Im Rahmen des Ressorts Marketing / Management der GZM koordiniert und steuert er die gesamte Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Organisation.
[...]
ZA Peter Bornhofen
Geschäftsführendes Vorstandsmitglied
[...]
... Seitdem intensive Beschäftigung mit dem Bereich Homöopathie. Seine Praxisschwerpunkte sind [...] Als Geschäftsführer der GZM obliegt Peter Bornhofen die Leitung der Geschäftsstelle und die gesamte Organisation der GZM.
[...]
[*/Zitatende*]
Quelle:
http://www.gzm.org/content/wirueberuns/dassindwir.htm

Ein Thread zur ==> WARNUNG VOR ALTERNATIVEN "ZAHNÄRZTEN".
(http://www.kidmed.de/forum/showtopic.php?threadid=5281)

Wdh.:
[*Zitatanfang*]
[...]
...Konsiliarzahnarzt der Ersten Deutschen Klinik für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)
[...]
[*/Zitatende*]

Über die Selbstdarstellung der...==> TRADITIONELLEN CHINESISCHEN MEDIZIN (TCM) BEI UNS.
/http://www.neuro24.de/chinesischemedizin.htm#Selbstdarstellung)

Ganzheitlich“: Die Volksrepublik China und die...
==> CHINESISCHE MEDIZIN.
(http://www.neuro24.de/chinesischemedizin.htm)

Ein lesenswerter Thread zur ==> TCM VERDUMMUNG.
(http://www.kidmed.de/forum/showtopic.php?threadid=7948&time=)

Wdh.:
[*Zitatanfang*]
[...]
...beschäftigt sich seit Jahren wissenschaftlich mit komplementären Therapieverfahren.
[...]
[*/Zitatende*]

Ein paar Argumentationshilfen zur Vermittlung des Wissenschaftsgedankens in der Medizin...
==> UND DER ZAHNMEDIZIN.
(http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/konfer/wissmed5.htm)

Über New Age und das...
==> 'GANZHEITLICHE' DENKEN.
(http://home.arcor.de/paralexx/content/newage.htm)

Wdh.:
[*Zitatanfang*]
[...]
...gemeinsam mit Kollegen geführten Partnergesellschaft, die alle Bereiche der biologischen Zahnmedizin abdeckt.
[...]
[*/Zitatende*]

Zur “biologischen“ Zahnmedizin siehe auch:

Wündrich, B.: “Biologische” Zahnmedizin im Nationalsozialismus – Entwurf und Entwicklung einer ‚neuen deutschen Zahnheilkunde‘ und ihre Beziehung zur alternativ-ganzheitlichen Zahnmedizin von heute. Heidelberg 2000.:
== (.pdf-Datei !) ===> ZUSAMMENFASSUNG.
(http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/volltextserver/volltexte/2001/1500/pdf/Zusammenfassung.pdf)

Ein Thread zur ==> "GANZHEITLICHEN" ZAHNMEDIZIN-SCHARLATANERIE.
(http://www.kidmed.de/forum/showtopic.php?threadid=651)

Wdh.:
[*Zitatanfang*]
[...]
...intensive Beschäftigung mit dem Bereich Homöopathie
[...]
[*/Zitatende*]

Über Homöopathie ==> IN DER "GANZHEITLICHEN" ZAHN-MEDIZIN.
(http://www.novo-magazin.de/67/novo6734.htm)

Zum Organon des ==> SAMUEL HAHNEMANN.
(http://www.ariplex.com/ama/ama_org6.htm)

Siehe auch: ==> HOMÖOPATHIE NACH HAHNEMANN.
(http://home.arcor.de/paralexx/content/homoeopathie.htm)

Weitere Infos über ==> HOMÖOPATHIE.
(http://www.transgallaxys.com/~kanzlerzwo/board.php?boardid=1)


Stellungnahme (10/1997) der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) zu...
==> KOMPLEMENTÄREN VERFAHREN IN DER ZAHNHEILKUNDE.
(http://www.blzk.de/archiv/bzb/heft3_98/983s38.htm)

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« Last Edit: August 14, 2008, 06:20:29 AM by hu_la »
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hu_la

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"Ganzheitlich orientierte" Zahn-Medizin/-er...
« Reply #1 on: October 17, 2006, 08:37:14 AM »

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Unter konzeptpraxis.de/:

[*Zitatanfang*]
[...]
Unser Bestreben ist es, Menschen im Sinne einer modernen und ganzheitlichen Zahnheilkunde zu informieren, zu behandeln und langfristig zu versorgen und zu betreuen.
[...]
[*/Zitatende*]
Quelle:
http://www.konzeptpraxis.de/konzeptpraxis/pages/praxis/praxis.html

>Bio-Abteilung< unter konzeptpraxis.de/:

[*Zitatanfang*]
[...]
Bio-Abteilung
In unserer biologischen Abteilung arbeiten unter unserer Aufsicht zwei naturheilkundlich ausgebildete Kollegen. Dort bieten wir Ernährungsberatungen, Materialtestungen und die vorbereitenden Maßnahmen zur Störfelddiagnostik und Störfeldtherapie an.
[...]
[*/Zitatende*]
Quelle:
http://www.konzeptpraxis.de/konzeptpraxis/pages/praxis/abteilungen.html

Über Störfelder ==> IM GEBISS.
(http://www.kidmed.de/forum/showtopic.php?threadid=5281)

>Biologische Zahnheilkunde< unter konzeptpraxis.de/:

[*Zitatanfang*]
[...]
Bei welchen Krankheiten können wir helfen?

Aus Sicht der Naturheilkunde entstehen viele chronische Krankheiten wie
- Rheuma
- Multiple Sklerose
- Krebsleiden
- dauerhafte Kopfschmerzen
- allgemeine Kraftlosigkeit und Schwäche
durch eine langfristige Überlastung, Vergiftung und Schwächung der körpereigenen Abwehr und Entgiftungsorgane.
Falsche Ernährung und übermäßiger Genuss von Kaffee, Zigaretten, Zucker etc. und Stress tragen ihren Teil zur Veränderung der gesunden Stoffwechselsituation bei.

Zusätzliche Belastungen wie tote Zähne, Implantate, Amalgam oder andere unverträgliche Stoffe, die Zahnärzte dauerhaft in den Mund einbringen, können dann im wahrsten Sinne des Wortes das Fass zum Überlaufen bringen. Es resultiert eine chronische Krankheit.

Wir sehen es als unsere Aufgabe, diese Zusammenhänge zu diagnostizieren und dafür zu sorgen, daß unsere Zahnbehandlung dem gesamten Körper gerecht wird und ihn nicht zusätzlich belastet.
[...]
[*/Zitatende*]
Quelle:
http://www.konzeptpraxis.de/konzeptpraxis/pages/zahnheilkunde/zahnheilkunde.html


~> Zur Erinnerung:
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Die Tätigkeit des Zahnarztes beschränkt sich nach dem Gesetz über die Ausübung der Zahnheilkunde (ZHG) auf die berufsmäßige, auf zahnärztlich-wissenschaftliche Erkenntnisse gegründete Feststellung und Behandlung von Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten.
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Zur “biologischen“ Zahnmedizin siehe auch

WÜNDRICH, B.: “Biologische” Zahnmedizin im Nationalsozialismus – Entwurf und Entwicklung einer ‚neuen deutschen Zahnheilkunde‘ und ihre Beziehung zur alternativ-ganzheitlichen Zahnmedizin von heute. Heidelberg 2000.

Zusammenfassung:

[*Zitatanfang*]
--------------------------------------------------------------------------
[...]
Bettina Wündrich
[...]
„Biologische“ Zahnmedizin im Nationalsozialismus – Entwurf und Entwicklung einer
„neuen deutschen Zahnheilkunde“ zwischen 1933 und 1945 und ihre Beziehung zur
alternativ-ganzheitlichen Zahnmedizin von heute

[...]

Ein wichtiges Merkmal nationalsozialistischer Gesundheitspolitk war die Forderung,
alternative Heilmethoden als gleichberechtigte Therapieformen neben die sogenannte
Schulmedizin
zu stellen. Den tonangebenden gesundheitspolitischen Entscheidungsträgern
war es - insbesondere in der Anfangsphase der nationalsozialistischen Diktaturein großes
Anliegen, Naturheilmittel zu fördern und sie als gleichwertige Methoden zu akzeptieren
. Eine
radikale nationalsozialistische Gesundheitsreform sollte den Weg zu einer alternativ-
ganzheitlichen, „biologischen“ Medizin
ebnen. Zur Unterstützung und Weiterentwicklung
alternativer Heilmethoden wurde der Begriff der „neuen deutschen Heilkunde“ geprägt.
Um
der Anerkennung dieser Bewegung zum Durchbruch zu verhelfen, wurde ihr eine beachtliche
öffentliche Unterstützung gewährt.


Die vorliegende Studie befaßt sich mit der Frage, ob es zur Zeit des Nationalsozialismus
analog zur Bewegung der „neuen deutschen Heilkunde“ im medizinischen Bereich auch eine
„neue deutsche Zahnheilkunde“ im zahnmedizinischen Bereich
gab und - falls dies zutreffen
sollte - durch welche Besonderheiten und Entwicklungen diese Bewegung charakterisiert war.

Zur Beantwortung dieser Fragestellung wurden zahnärztliche Fachzeitschriften, Jahrbücher,
Monographien und Archive aus der nationalsozialistischen Ära (1933 bis 1945) und der Zeit
nach 1945 analysiert.

Die Quellensuche führte zu dem bislang in der Literatur nach 1945 nicht detailliert beschriebenen
Ergebnis, daß zwischen 1933 und 1945 die Bewegung einer „neuen deutschen Zahn-
heilkunde“ existierte, deren Absicht es war, alternativmedizinische Denkansätze („biologische
Zahnheilkunde“) mit der Ideologie des Nationalsozialismus zu verbinden
. Einige Merkmale
der „neuen deutschen Zahnheilkunde“
lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Leitgedanke: Biologische „Totalität“ des deutschen Menschen – Anerkennung alternativ-
ganzheitlicher Methoden in der Zahnmedizin

- Politisierung der Zahnmedizin im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie, Betonung
der Gemeinsamkeiten zwischen alternativmedizinischen und nationalsozialistischen
Vorstellungen
- „Rassenhygiene“ als neue Aufgabe der Zahnmedizin
- Moralische Wertung von Krank- und Gesundsein, Betonung der Eigenverantwortlichkeit
bis hin zur Gesundheitspflicht
, Sanktionen beim Auftreten selbstverschuldeter,
vermeidbarer Krankheiten; andererseits Vorstellung von Krankheit als besonderem Weg
zur „Heilwerdung“

- Versuch der Kostendämpfung im Gesundheitswesen durch Propagierung von
Gesundheitspflicht und einfachen naturgemäßen Lebens- und Heilweisen

- Metaphysische Ausrichtung der Medizin, Betonung einer auf „Vorsehung“ bzw.
„Intuition“ basierenden Zahnmedizin, Abwehr „exakter“ Wissenschaft

- Aufhebung einer freien wissenschaftlichen Diskussion

Die ideologischen Forderungen waren unter anderem durch folgende Schlagworte geprägt:
- Der deutsche Arzt und Zahnarzt muß einen „ganzheitsbezogenen Leistungswillen“ in die
Tat umsetzen („nationalsozialistische Tatidee“). Er erfüllt damit eine ärztliche Mission am
deutschen Volkskörper und an der Deutschen Volksseele
.
- Der deutsche Arzt und Zahnarzt muß ein aus dem Instinkt geborenes „Bekenntnis an
Raum und Zeit und Volk“
abgeben, das mit einem „kompromißlosen Arbeitsbekenntnis
zum Dritten Reich“ einhergeht.
Die besonderen „Verdienste“ der nationalsozialistisch orientierten „neuen deutschen Zahn-
heilkunde“
wurden von den Verfechtern alternativmedizinischer Verfahren unter anderem
darin gesehen, daß sie den biologischen Heilmethoden deutschen Ursprungs, die in der vor-
nationalsozialistischen Zeit infolge einer „zunehmenden Verjudung“ vernachlässigt worden
seien, zu großer staatlicher Anerkennung verholfen hätten.
Von Vertretern der „neuen deutschen Zahnheilkunde“ wurden wiederum zahlreiche Forderun-
gen der nationalsozialistisch geprägten Rassenpolitik aufgegriffen, z. B. durch die Unter-
stützung der Gesetze zur Verhütung erbkranken Nachwuchses und der Gesetze zum Schutze
des deutschen Blutes und der deutschen Ehre (Nürnberger Gesetze)
. Sie thematisierten auch
innerhalb der Zahnheilkunde die ideologisch geprägten Bewertungen von „Entartungserschei-
nungen“ und der „Ausmerzung“ krankhafter Erbanlagen
. Extreme Vorstellungen gingen so-
weit, „jüdische Einflüsse“ für Gebißerkrankungen verantwortlich zu machen und „Kriege zur
Wiedergewinnung eines weiträumigeren Lebens mit stärkerer Naturverbundenheit“ als
naturheilerische Mittel zur Vermeidung des Gebißverfalls in der Bevölkerung zu
rechtfertigen
.

Repräsentiert wurde diese Richtung durch die Zahnärztliche Arbeitsgemeinschaft im Reichs-
verband der Naturärzte Deutschlands bzw. die Zahnärztliche Arbeitsgemeinschaft für Medizi-
nisch-biologische Heilweisen
, die durch die im Jahr 1938 erfolgte Aufnahme in die wichtigste
wissenschaftliche Fachgesellschaft der Zahnmedizin, die Deutsche Gesellschaft für Zahn-,
Mund- und Kieferheilkunde
, eine starke öffentliche Förderung erfuhr. Bekannte Vertreter
einer nationalsozialistisch geprägten, „biologischen“ Zahnmedizin waren unter anderem E.
Heinrich, W. Klußmann, P. Neuhäußer und O. Steiner. Zahlreiche Quellen belegen, daß sie
sich bereits in der Anfangszeit der nationalsozialistischen Herrschaft aktiv für eine
Durchsetzung der nationalsozialistischen Weltanschauung stark gemacht haben. Aus dem
vorhandenen Quellenmaterial läßt sich nicht ableiten, daß die Ziele der „biologischen“
Zahnheilkunde durch die nationalsozialistischen Machthaber manipuliert oder mißbraucht
worden wären. Vielmehr muß davon ausgegangen werden, daß umgekehrt die Verfechter der
„biologischen“ Zahnmedizin durch die nationalsozialistische Machtübernahme eine Chance
sahen, ihre Vorstellungen auf politischem Weg durchzusetzen.

Ernsthafter Widerstand gegen die Ziele der „neuen deutschen Zahnheilkunde“ wurde
öffentlich nur selten erhoben, nachdem Kritiker der „neuen deutschen Heilkunde“ bereits
1933 massiven Drohungen ausgesetzt worden waren.

Trotz der offensiven Vorgehensweise und der öffentlichen Förderung, die die „neue deutsche
Zahnheilkunde“ erfuhr, gibt es - ähnlich wie bei der „neuen deutschen Heilkunde“ - keine Be-
lege dafür, daß sich diese Richtung im Verlauf des nationalsozialistischen Regimes in
größerem Umfang durchsetzen konnte oder daß von ihr positive Impulse für greifbare
Verbesserungen medizinischer Konzepte ausgegangen wären
.

Hinsichtlich der Aktivitäten von Vertretern der „neuen deutschen Zahnheilkunde“ während
und nach der nationalsozialistischen Ära
ist folgendes festzuhalten:
- Die Wortführer der alternativ-ganzheitlichen Zahnheilkunde zwischen 1933 und 1945
waren radikale Verfechter der nationalsozialistischen Ideologie
. In zahnärztlichen
Fachzeitschriften verbreiteten sie unter wohlwollender Förderung von zahnärztlicher
Standesführung und Wissenschaft eine Mischung aus nationalsozialistischem
Gedankengut und umstrittenen, wissenschaftlich nicht belegten zahnmedizinischen
Vorstellungen
.
- Obwohl sie nach 1945 zum Teil noch über Jahrzehnte die Gelegenheit wahrnahmen, sich
publizistisch zu äußern, distanzierten sie sich zu keinem Zeitpunkt von ihren zwischen
1933 und 1945 vorgetragenen medizinischen und politischen Vorstellungen
. Sie drückten
auch niemals den Opfern der von ihnen unterstützten nationalsozialistischen Politik ihr
Bedauern oder gar ihre Betroffenheit aus. Im Gegenteil: Sie beriefen sich nach dem Ende
des zweiten Weltkriegs mehrfach auf ihr in den 30er Jahren publiziertes Gedankengut, das
sie als grundlegend und wegweisend für die Alternativmedizin bezeichneten.

- Die Repräsentanten der „neuen deutschen Zahnheilkunde“ wurden nach 1945 rasch zu ge-
achteten Persönlichkeiten der jungen Bundesrepublik. Sie wurden mit zahlreichen Wür-
digungen, Auszeichnungen und Ehrungen bedacht. Vertreter und Verbände aus dem der-
zeitigen Umfeld der alternativ-ganzheitlichen Zahnheilkunde
präsentieren sie - zum Teil
unter ausdrücklicher Bezugnahme auf ihre Aktivitäten in der 30er Jahren - bis heute in
einem uneingeschränkt positiven Licht als große Vorbilder ihrer Bewegung.


Der hier beschriebene Werdegang von Wortführern einer alternativ-ganzheitlichen
Zahnheilkunde
ähnelt in vielen Sachverhalten dem Werdegang nationalsozialistisch
vorbelasteter Repräsentanten anderer Berufsgruppen nach dem 2. Weltkrieg. In einigen
Punkten sind jedoch auch Besonderheiten erkennbar, von denen abschließend zwei Beispiele
genannt werden sollen:
- Die Koppelungen nationalsozialistischer Vorstellungen mit ganz konkreten
zahnmedizinischen Inhalten (z. B. die allen Ernstes aufgestellten Behauptungen,
„jüdische“ Einflüsse seien für Zahnschäden verantwortlich oder Eroberungskriege seien
als naturheilerische Maßnahmen zur Verbesserung der Zahngesundheit zu betrachten)
verleihen der alternativ-ganzheitlichen, „neuen deutschen Zahnheilkunde“ von 1933-1945
eine besondere Skurrilität.

- Eine weitere Besonderheit ist in der Tatsache zu sehen, daß es Vertretern der alternativ-
ganzheitlichen Zahnheilkunde
- im Gegensatz zu anderen Gruppierungen – nach wie vor
gelingt, eine kritische Darstellung ihrer Vergangenheit zu umgehen
. Versuchen einer
medizinhistorischen Aufarbeitung wird bis heute mit dem Argument begegnet, dies würde
einer Denunziation alternativ-ganzheitlichen Gedankenguts, das zur Zeit in der
Bevölkerung eine wesentlich größere Beachtung als in den vergangenen Jahrzehnten
findet, gleichkommen.

[...]
--------------------------------------------------------------------------
[*/Zitatende*]
Quelle:
http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/volltextserver/volltexte/2001/1500/pdf/Zusammenfassung.pdf


Mehr zu den geschichtlichen...
==> HINTERGRÜNDEN DER ALTERNATIVMEDIZIN.
(http://home.arcor.de/paralexx/content/geschichte.htm)

Zur Erinnerung: ==> WEHRHAFTE ZAHN-MEDIZIN.
(http://www.transgallaxys.com/ama/ama_wehr.htm)

.
« Last Edit: August 14, 2008, 06:21:00 AM by hu_la »
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hu_la

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"Ganzheitlich orientierte" Zahn-Medizin/-er...
« Reply #2 on: October 17, 2006, 02:23:53 PM »

.

Fortsetzung der Medizinhistorie der "alternativ-ganzheitlichen" bzw. "biologischen" Zahn-Medizin.

Eventuelle Analogien zur "alternativ-ganzheitlichen" bzw. "biologischen" Zahn-Medizin von heute sind nicht auszuschließen.
-

Aus: zm 18/2004, Seite 106.

Teil 1:

[*Zitatanfang*]
--------------------------------------------------------------------------
[...]
"Neue deutsche Zahnheilkunde" - Teil 1

Alternative Zahnmedizin im Nationalsozialismus

Hans Jörg Staehle, Bettina Wündrich, Wolfgang U. Eckart

Unter dem Begriff "Neue deutsche Zahnheilkunde" versteht man eine Verflechtung zwischen nationalsozialistischer Ideologie und alternativzahnmedizinisch-ganzheitlichen Vorstellungen. Rassistische Tendenzen, moralische Wertungen von Krank- und Gesundsein, Verbreitung metaphischer Vorstellungen und der Einsatz umstrittener Diagnose- und Therapieverfahren sind in gewissem Maß bis heute aktuell - treten sie auch in anderem Vokabular als zur NS-Zeit in Erscheinung. Der vorliegende Artikel soll dazu beitragen, den medizinhistorischen Bezug dieser Thematik nicht aus den Augen zu verlieren.

Entwicklung der "Neuen deutschen Heilkunde"
In der Anfangsphase der nationalsozialistischen Diktatur wurde mit politischer Unterstützung versucht, alternativmedizinischen Vorstellungen einen hohen Stellenwert innerhalb der Heilberufe einzuräumen. Dafür wurde der Begriff der "Neuen deutschen Heilkunde" geprägt [7,43,84,163].

Bereits 1933 verkündete der Reichsärzteführer Gerhard Wagner eine besondere Wertschätzung von "Heilmethoden, die nicht im Einklang mit der Schule" stehen [157]. Die gesundheitspolitischen Entscheidungsträger des Nationalsozialismus wollten alternative Heilmethoden als gleichberechtigte Therapieformen neben die so genannte Schulmedizin stellen. Es wurde die Forderung erhoben, Naturheilmittel staatlich zu fördern, weiterzuentwickeln und als gleichwertige Methoden anzuerkennen. Ein wichtiger Aspekt einer radikalen nationalsozialistischen Gesundheitsreform war somit die Hinwendung zu einer alternativ-ganzheitlichen, "biologischen" Medizin.

Zunächst stand eine ideelle Unterstützung alternativmedizinischen Gedankenguts im Sinne einer besonderen deutschen Bewegung im Vordergrund. Um diesen Bestrebungen auch einen institutionellen Charakter zu verleihen, wurde 1935 die Reichsarbeitsgemeinschaft für eine "Neue deutsche Heilkunde" gebildet, die von Wagner auf der ersten Reichstagung der deutschen Volksheilbewegung proklamiert wurde. Dieser Arbeitsgemeinschaft schlossen sich verschiedene Ärzteverbände an.

In einem programmatischen Aufsatz charakterisierte Wagner den Umdenkungsprozess zu einer "Neuen deutschen Heilkunde" wie folgt: "Wenn wir heute eine neue Heilkunde aufbauen wollen, so kann das Fundament dieser Heilkunde niemals die exakte Naturwissenschaft sein, sondern das Fundament kann nur sein unsere nationalsozialistische Weltanschauung" [158].

Kritische Stimmen zu diesen Entwicklungen wurden bereits im Jahr der nationalsozialistischen Machtergreifung mithilfe entsprechender Drohungen unterdrückt. Dabei zielten die nationalsozialistischen Machthaber vor allem auf einzelne Vertreter von Universitäten ab. So sah sich Wagner 1933 veranlasst, in einem Kommentar zu einer Erklärung von Adolf Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß, dem die Unterstützung der "Neuen deutschen Heilkunde" ebenfalls ein großes Anliegen war, Folgendes auszuführen: "Und ich erkläre endlich, daß ... ich daher gegenüber weiteren Störungsversuchen mit aller Schärfe nach staatspolitischen Grundsätzen und Übungen vorgehen werde. Insbesondere sei dies gewissen Hochschullehrerkreisen gesagt, die es für nötig erachten, sogar die junge Medizinerschaft für ihre reaktionären und damit staatsfeindlichen Pläne vor ihren Wagen spannen zu wollen" [157].

Diese Drohungen führten dazu, dass von Universitätsseite nahezu keine kritischen Einwände gegenüber der "Neuen deutschen Heilkunde" mehr erhoben wurden.

Wie in einer medizinhistorischen Abhandlung vor kurzem aufgezeigt wurde, existierte neben der "Neuen deutschen Heilkunde" auch eine "Neue deutsche Zahnheilkunde" [162]. Deren Merkmale und Zielsetzungen sollen im Folgenden beschrieben werden.

Kennzeichen der "Neuen deutschen Zahnheilkunde"
Bereits unmittelbar nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten machten die Wortführer der alternativ-ganzheitlichen Zahnheilkunde deutlich, wie sie sich die künftigen Schwerpunkte einer nationalsozialistisch geprägten Zahnheilkunde vorstellten [44, 63, 75, 87, 129]. In den Zahnärztlichen Mitteilungen 1933 findet sich ein grundlegender Artikel von Erich Heinrich über die "Erziehung des Zahnarztes zum Nationalsozialismus" [44]. Schon anhand der Publikationen von 1933 lassen sich folgende Merkmale in ihren Grundzügen erkennen:

- Leitgedanke: Biologische "Totalität" des deutschen Menschen, Anerkennung alternativ-ganzheitlicher Methoden in der Zahnmedizin
- Politisierung der Zahnmedizin im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie, Betonung der Gemeinsamkeiten zwischen alternativmedizinischen und nationalsozialistischen Vorstellungen
- Rassenhygiene als neue Aufgabe der Zahnmedizin, argumentative Unterstützung von Antisemitismus und Militarismus durch alternativmedizinisches Gedankengut
- Moralische Wertung von Krank- und Gesundsein, Betonung der Eigenverantwortlichkeit bis hin zur Gesundheitspflicht, Sanktionen beim Auftreten selbstverschuldeter, vermeidbarer Krankheiten, andererseits Vorstellung von Krankheit als besonderem Weg zur "Heilwerdung"
- Versuch der Kostendämpfung im Gesundheitswesen durch Propagierung von Gesundheitspflicht und einfachen naturgemäßen Lebens- und Heilweisen
- Metaphysische Ausrichtung der Medizin, Abwehr "exakter" Wissenschaft
- Aufhebung einer freien wissenschaftlichen Diskussion

Biologische "Totalität" des deutschen Menschen
Reichszahnärzteführer Ernst Stuck konnte bereits 1934 feststellen, dass es im Reich Adolf Hitlers keinen Streit mehr zwischen Schulmedizin und biologischen Heilmethoden gab [152]. In einer im gleichen Jahr propagierten nationalsozialistischen Standesordnung wurde dargelegt, dass die Zahnmedizin in den Dienst des Lebenskampfes des gesamten deutschen Volkes gestellt werden müsse [124].

Von den Vertretern der "Neuen deutschen Zahnheilkunde" wurde unter dem Stichwort "Totalität" in erster Linie eine Verbindung von alternativmedizinischen Vorstellungen - die unter Bezeichnungen wie Zahnärztliche Naturheilkunde, Biologische Zahnheilkunde, Ganzheitsbetrachtung in der Zahnheilkunde, holistische Zahnheilkunde und Ähnlichem rangierten - und nationalsozialistischer Ideologie gesehen.

Paul Neuhäußer bezeichnete den Nationalsozialismus in Anlehnung an Hans Schemm als "politisch angewandte Biologie" [91]. Friedrich Jummel schrieb 1940: "Biologische Heilkunde ist lebensmäßige Heilkunst, fast vielleicht eine Weltanschauung. Nur unter einem großen Totalitätsbegriff, der den ganzen Menschen in allen Phasen des Seins und der Umwelt umfaßt, können wir einer wirklich biologischen Heilkunst näherkommen" [69]. 1942 definierte Helmut Haase den Begriff der Totalität wie folgt: "Der Begriff ‚heil' - aus der deutschen Volksseele geboren - besagt sehr fein: werde wieder ganz, eine Ganzheit. So heißt also ‚Heilen' den Kranken zur Ganzheit führen, zur biologischen Totalität" [29]. "Heil" wurde zum gemeinsamen Element von Politik (im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie in Verbindung mit naturgemäßen Lebensweisen) und Medizin (im Sinne magisch-okkulter, irrationaler Heilslehren).

Zum Verständnis der "Neuen deutschen Zahnheilkunde" ist es somit wichtig zu wissen, dass das Wort Totalität (Ganzheitlichkeit) nicht nur in einem streng medizinischen Sinn, sondern von Anfang an auch in einem staatspolitischen Kontext verstanden wurde. Der medizinische Totalitätsgedanke wurde zum umfassenden Totalitätsanspruch, der alle Lebensbereiche einschloss.

Politisierung im Sinne der NS-Ideologie
Die Wortführer einer alternativ-ganzheitlichen Ausrichtung der Zahnheilkunde verlangten ausnahmslos eine bedingungslose Unterwerfung des Zahnarztes unter die nationalsozialistische Ideologie. Zur Förderung dieser Entwicklung hielten sie entsprechende Umerziehungsmaßnahmen für erforderlich.

Otto Steiner fasste im Jahr 1936 seine Forderungen zur Politisierung der Zahnmedizin im Sinne des Nationalsozialismus wie folgt zusammen: Der deutsche Arzt und Zahnarzt muss einerseits einen "ganzheitsbezogenen Leistungswillen" in die Tat umsetzen. Er erfüllt eine ärztliche Mission am deutschen Volkskörper und an der deutschen Volksseele. Andererseits muss der deutsche Arzt und Zahnarzt ein aus dem Instinkt geborenes "Bekenntnis an Raum und Zeit und Volk" abgeben, das mit einem kompromisslosen Bekenntnis zum Dritten Reich einhergeht [133].

Ähnlich äußerte sich Neuhäußer (1936), indem er besonders für den zahnärztlichen Nachwuchs eine stärkere Beschäftigung mit "biologischen Richtungen" und gleichzeitig eine Betonung der politischen Linientreue forderte: "Gerade aber für unseren Nachwuchs werden diese Fragen von größtem Werte sein, sollen die Ziele unserer Gesundheitsführung in Partei und Staat erreicht werden." Die neuen biologischen Vorstellungen waren nach Neuhäußer Ausdruck und Folge der nationalsozialistischen Weltanschauung auf medizinischem Gebiet [88].

"Rassenhygiene" als neue Aufgabe der Zahnmedizin
Die "Rassenhygiene" war unter den Wortführern der alternativ-ganzheitlichen Zahnheilkunde ein wichtiges Thema, das in vielen Beiträgen ausführlich bearbeitet wurde.

Zum einen war die Betonung des "Konstitutionsgefüges" ohnehin ein wesentlicher Inhalt alternativmedizinischer Vorstellungen. Zum anderen wurde durch die "Rassenlehre" eine Aufwertung der Zahnheilkunde innerhalb der Medizin erwartet, und letztlich war davon auszugehen, dass es auf diesem Wege gelingen würde, neue und vor allem staatspolitisch wichtige Aufgabenfelder für die "biologische" Zahnmedizin zu erschließen. So wurden von den Vertretern der "Neuen deutschen Zahnheilkunde" die nationalsozialistischen Vorstellungen von Anthropologie und Erbbiologie mit dem Ziel, "Untermenschen mit minderwertigem Erbgut" auszumerzen, vielfach aufgegriffen.

Bereits 1933 forderte Steiner, dass das Gebiss eines Menschen zu einem wichtigen Gradmesser für Artung und Entartung werden müsse. Auch Charaktereigenschaften wie das "Bedürfnis" eines Menschen, sich gesund zu erhalten, zum Beispiel das Mundhygienebedürfnis, seien in einer entsprechenden Beziehung zur Rassenzugehörigkeit zu sehen [129]. Mit eugenischen Maßnahmen und dem Zurückdrängen minderwertigen Erbgutes sollten die Ursachen von Zahnschäden behoben werden [63]. Neuhäußer sah besonders in den Nürnberger Gesetzen und dem Gesetz zur Verhütung des erbkranken Nachwuchses Anlass für den Zahnarzt, sein "ärztliches Denken und Wirken" im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung neu zu formen [89,90].

Das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses wurde am 14.7.1933 erlassen, das Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre als Teil der Nürnberger Gesetze am 15.9.1935. In der Präambel des Gesetzes heißt es: "Durchdrungen von der Erkenntnis, daß die Reinheit des deutschen Blutes die Voraussetzung für den Fortbestand des deutschen Volkes ist, und beseelt von dem unbeugsamen Willen, die deutsche Nation für alle Zukunft zu sichern, hat der Reichstag einstimmig das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird." Ein wesentlicher Bestandteil dieses Gesetzes war das Verbot von "Eheschließungen zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes".

Hermann Euler betonte im Zusammenhang mit der Rassenhygiene, es sei ohne Weiteres einleuchtend, "daß sich etwa eine Rassenvermischung auch im Hinblick auf die Gebißgesundheit nicht gleichgültig zu verhalten braucht", auch wenn bislang nur wenig wissenschaftliche Erkenntnisse dazu vorlägen [13]. Von Walther Klußmann wurde der Bezug der Rassenhygiene zur Zahnmedizin so weit getrieben, dass er eine Ausschaltung jeglicher jüdischer Einflüsse als wesentliche Voraussetzung für die Herstellung der Gebissgesundheit des deutschen Volkes forderte [80,81,82].

Die Vorstellungen über Zusammenhänge von Konstitution und oraler Gesundheit gingen innerhalb der Vertreter der "Neuen deutschen Zahnheilkunde" allerdings zum Teil weit auseinander. Während beispielsweise Steiner 1935 die Auffassung vertrat, Menschen pyknischen Typs mit "rundlich-untersetztem Körper, starker Entwicklung von Kopf, Bauch und Brust, breitem Gesicht auf kurzem Hals mit oft sehr breitem Kieferbogen", wären zwangsläufig und ausnahmslos von parodontalen Erkrankungen betroffen [131], wurde diese Einschätzung von Erich Heinrich zum Teil in Frage gestellt, indem er behauptete, dass "die Pykniker, also die Untersetzten, Kleinen und zu Fettansatz neigenden" nur "etwas häufiger" von parodontalen Erkrankungen befallen würden als andere Menschen. Für Heinrich war vielmehr eine "introvertierte" Konstitution das größte Risiko für die Entstehung einer parodontalen Erkrankung [47].

1941 wurde in der Führerschule der deutschen Ärzteschaft in Alt-Rhese der Rassegedanke ebenfalls als Mittelpunkt nationalsozialistischer Weltanschauung dargelegt und aus zahnärztlicher Sicht erörtert. Dabei wurde unter anderem ausgeführt, dass "die Vereinigung von Blutströmen weit voneinander entfernter Rassen" schädlich sei und dass solche Gesichtspunkte auch für die Vererbung von Eigenschaften des Gebisses ihre Bedeutung hätten [65, 66].

Diese und andere Behauptungen wurden allerdings von den Autoren nie durch wissenschaftlich objektivierbare Publikationen untermauert. Der "Konstitutionsaspekt" wurde auch nach 1945 von den Repräsentanten der "Neuen deutschen Zahnheilkunde" immer wieder aufgegriffen, allerdings befreit von nationalsozialistischem Vokabular [96, 101, 145].

Antisemitismus und "Neue deutsche Zahnheilkunde"
Neben den Ausführungen zur "Rassenhygiene" offenbaren insbesondere die antisemitischen Äußerungen der Vertreter der "Neuen deutschen Zahnheilkunde" ihre nationalsozialistische Grundhaltung. Dabei verknüpften die Wortführer der alternativ-ganzheitlichen Zahnheilkunde konkrete zahnmedizinische Fachfragen (zum Beispiel die Entstehung von Gebisserkrankungen) mit von ihnen postulierten Thesen zum schädigenden Einfluss durch "die Juden" oder "die Verjudung". Klußmann behauptete 1935, dass die Zahnmedizin wegen der Juden in einer tiefen Krise stecke. In der Zahnmedizin sei es unter jüdischem Einfluss zu einer "Überwucherung der schöpferischen Arbeit durch Händlergeist" gekommen. Der jüdische Geist wirke auf "Verflachung des kulturellen Lebens und die Unterdrückung der schöpferischen Arbeit hin, weil sie ihm nicht artgemäß und im Vorwalten schöpferischer Arbeit im Volksleben mit seiner Herrschaftsstellung nicht vereinbar" sei. Dies alles seien Untergangsvorboten einer Entwicklung "zur Herrschaft der Untermenschen". Der Nationalsozialismus könne dieser Gefahr wirkungsvoll begegnen [77, 78].

1937 begrüßte Neuhäußer die Nürnberger Gesetze, die unter anderem Eheschließungen zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen und artverwandten Blutes verboten, als einen auch aus zahnmedizinischer Sicht richtungweisenden Schritt auf dem Weg zu einem "geistig und körperlich gesunden Volk" [89,90].

Heinrich stellte 1937 der von ihm favorisierten biologischen Richtung in der Heilkunde eine "chemische Richtung in der Heilkunde" gegenüber, die man allein schon deshalb verwerfen müsse, da sie jüdisch sei. Habe sich doch ein "ausgezeichneter Kenner der jüdischen Mentalität" dazu wie folgt geäußert: "Die bloß chemische Richtung in der Heilkunde - das ist Judentum". Dieser Hinweis müsse eigentlich genügen, um den von ihm vertretenen Vorstellungen zum Durchbruch zu verhelfen: "Muß ich mit noch gröberem Geschütz meine Meinung verteidigen?" [52].

1939 ließ Klußmann in seinem Buch "Der Gebißverfall als Ausdruck einer unorganischen Lebensordnung" seinen antisemitischen Vorstellungen wiederum freien Lauf. Er stellte "den Juden" als Ausgeburt des Bösen schlechthin dar. Die rigorose Ausmerzung jeglichen jüdischen Einflusses bezeichnete er - auch aus zahnmedizinischer Sicht - als "bitterste Notwehr" des deutschen Volkes, denn nur so könne einer unorganischen Lebensweise und Weltanschauung entgegengewirkt werden. Durch diese Argumentation versuchte er, einen Zusammenhang zwischen jüdischem Einfluss und Gebiss-Schäden herzustellen [81]. Dieses von einem radikalen Antisemitismus und Rassismus geprägte Buch hinterließ offenbar auch bei Euler, dem Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK), einen tiefgreifenden Eindruck. Euler ließ diesem "viel beachteten" Buch unter Hinzufügung des Untertitels "Eine ernste und dennoch optimistische Betrachtung über die Zivilisationskrankheiten in ihrem Zusammenhang" sogar in seinen späteren Lebenserinnerungen eine besondere Würdigung zuteil werden [16].

Steiner behauptete 1941 in einem Beitrag über Ernährung und Zahngesundheit, dass die vollwertige Ernährung des deutschen Volkes vor der Machtergreifung des Nationalsozialismus aufgrund jüdischer Einflüsse verhindert worden wäre. Dabei habe sich besonders "der Jude an der Börse" auf Kosten der arbeitenden deutschen Bevölkerung bereichert [144].

1942 vertrat Haase die Ansicht, dass die biologischen Heilmethoden vor 1933 nur deshalb nicht hätten zum Zuge kommen können, weil sie in der vornationalsozialistischen Staatsmedizin in Folge der "zunehmenden Verjudung" vernachlässigt worden seien [29].

Krieg und "Neue deutsche Zahnheilkunde"
Die in nationalistischen Kreisen bereits vor 1933 geprägte Formel vom "Krieg als dem einzigen Heilmittel für das deutschen Volk" wurde von Verfechtern einer alternativ-ganzheitlichen Zahnheilkunde während der Zeit des Zweiten Weltkriegs weiter ausgebaut.

So wies Gertrud Beuche 1941 auf enge Zusammenhänge zwischen Krieg und biologischer Heilkunde hin: "und wie der Arzt ein Fieber, eine Krankheit oft als reinigend und heilsam hinnehmen muß, so erscheint der Krieg im Leben der Völker ein biologisch notwendig gewordenes Gewitter" [6].

Im gleichen Jahr griff Wilhelm Keßler das bekannte Schlagwort von "Adolf Hitler als dem Arzt des deutschen Volkes" auch im Zusammenhang mit ganzheitlich-zahnärztlichen Fragestellungen auf. Begriffe wie "Heilen" oder "Heil" wurden im Sinne von Ganzheitlichkeit und Totalität fest mit dem den Krieg rechtfertigenden NS-Vokabular verbunden [72,73,74]. Klußmann hob 1943 wiederum den Krieg als eine zur Ordnung der Natur gehörende natürliche Lebenserscheinung hervor, die auch dem Gebissverfall des deutschen Volkes entgegenwirke [82].

Moralische Wertung von Gesundsein und Kranksein
Da Zahnschäden weitgehend vermeidbar seien, forderten die Vertreter der biologischen Zahnmedizin eine Stärkung der Selbst- und Eigenverantwortung, notfalls durch Sanktionen und Zwangsmaßnahmen.

Die Einführung des Selbstverschuldungsprinzips bei der Entstehung oraler Krankheiten mit einer entsprechenden Differenzierung in verantwortungsvolle und verantwortungslose Volksgenossen wurde von Vertretern der "Neuen deutschen Zahnheilkunde" mehrfach ins Spiel gebracht.

Die moralische Wertung von Gesundsein und Kranksein bezog sich dabei vornehmlich auf zwei Aspekte:

- Betonung der Eigen- beziehungsweise Selbstverantwortlichkeit (Gesundheitspflicht)
- Sanktionen beim Auftreten selbstverschuldeter, vermeidbarer Krankheiten

Die bereits 1933 geforderte Gesundheitspflicht, die notfalls durch Zwangsmaßnahmen in nationalen Verbänden und Arbeitslagern realisiert werden sollte, sah auch Konsequenzen für diejenigen vor, die ihre Eigenverantwortung zur Erhaltung der oralen Gesundheit nicht wahrnehmen konnten oder wollten. So wurde die Empfehlung ausgesprochen, dass bei "verantwortungslosen Menschen" künftig in der Regel nur noch eine Minimaltherapie in Form von Zahnextraktionen, ohne Rücksicht auf ästhetische Belange, durchzuführen sei [63].

Hans Fuchs entwickelte 1936 ebenfalls eine moralische Wertung oraler Erkrankungen, wobei er sich auf Parodontopathien bezog, die vor allem minderwertige Volksgenossen befalle: "Solche Menschen haben in der Regel einen weichen, oft an Feigheit grenzenden Charakter; jedenfalls sind sie nicht der Typ des heroischen Menschen" [26]. Andere Autoren charakterisierten Menschen mit ausgeprägten Parodontopathien in diesem Zusammenhang wie folgt: "Immer handelt es sich um Menschen, die mit ihrer personalen Erscheinung aus ihrer Umgebung andersgerichtet hervortreten; um labile Naturen, häufig ausgesprochen neurotisch, kinderlos in der Ehe, disharmonisch in ihrer Lebensauffassung und Daseinsführung" [18].

Steiner dehnte die moralische Dimension von Gesundheit und Krankheit auch auf die Zahnärzte selbst in ihrer Funktion "als Gesundheitsführer" aus. Für einen Zahnarzt war es Steiner zufolge nicht damit getan, gewissenhafte Arbeit zu leisten, vielmehr müsse er durch eigenes positives Vorbild die "Gesundheit des Ganzen" über die "Krankheitsgeschehen in ihren Teilen" stellen. "Die Zahnheilkunde von gestern ist nur noch in den Gehirnen der Trägen, Interesselosen, die im alten Schlendrian weitervegetieren und nicht sehen wollen, daß eine neue Weltanschauung neue Menschen braucht und neue Pflichten bringt, die kompromißlos erfüllt werden müssen." Die "Gesundheit des Ganzen" sei aber wiederum "grundlegend abhängig von ihrer naturgemäßen Pflege". "Schlemmer, Nachtschwärmer, Genußsüchtige, Verweichlichte, Stubenhocker und solche, die sich im bräunenden Sonnenbad ihre Gesundheit erfaulenzen wollen" gingen am eigentlichen Sinn der vorbeugenden Hygiene vorbei oder ignorierten sie überhaupt [142].

Joachim Kämmerer (1940) betrachtete eine naturgemäße Ernährung auch aus gesamtstaatlicher Sicht als Verpflichtung für jeden deutschen Volksgenossen. Unter Berufung auf den Ernährungsbeauftragen des Reichsärzteführers, Franz Gerhard Maria Wirz, stellte er zum Beispiel fest: "So bedeutet dauerndes unmäßiges Essen nicht nur eine Schädigung der eigenen Gesundheit, sondern ebenso zwangsläufig eine Art Landesverrat" [70].

Klußmann vertrat 1943 die Auffassung, dass man eine einfache, naturgemäße Lebensführung zur Erhaltung der Gebissgesundheit durch die Gesetzgebung unterstützen müsse. Da Gebiss-Schäden als Folge einer unorganischen Lebensweise zu sehen seien, bei der "eigensüchtige Triebe die Oberhand gewinnen", müsse die "Hygiene im weitesten Sinne, auch in geistig-seelischer Hinsicht" gefördert werden. Zur Sicherstellung einer Fernhaltung von Schäden forderte er unter anderem eine "gesunde Strafgesetzgebung" [82].

Keiner der zitierten Autoren konnte allerdings schlüssige Nachweise liefern, ob es durch eine moralische Wertung von Gesund- und Kranksein tatsächlich gelang, das Verhalten zu verändern oder durch Sanktionen eine gesundheitsfördernde beziehungsweise krankheitsabwehrende Lebensweise zu realisieren.

Andererseits vertraten Verfechter der "Neuen deutschen Zahnheilkunde" die Auffassung, dass man orale Krankheiten auch als besonderen, schicksalhaften Weg zur Heilwerdung sehen könne. Über das von der Vorsehung vermittelte Kranksein könne aus Sicht der Totalität eine höhere Stufe der Selbsterkenntnis gewonnen werden.

So diskutierte Steiner 1935 die Vorstellung von oralen Krankheiten als einen besonderen Weg der Reifung und stellte in diesem Zusammenhang die Frage, inwieweit "Parodontose als Krankheit ein positiver Vorgang des Lebens ist" [131]. 1936 führte er diesen Gedanken weiter und verwies darauf, dass Krankheit aus biologischer Sicht einen positiven Beitrag zur Heilwerdung leiste (Krankheitsvorgang als Heilungsvorgang): "Die biologisch eingestellte Klinik und der biologisch denkende Praktiker kennt jedoch keinen Krankheitsvorgang, der - noch so unbedeutend von Ansehen – uns nicht steuernde und heilende Kräfte sehen ließe, die alle ihre Quelle im gesamtorganismischen Lebensgeschehen haben." Der Zahnarzt als Führer, Erzieher und Heiler könne orale Erkrankungen in positiver Weise dazu nutzen, die Eigenverantwortung des Patienten zu steigern.

Durch biologisch-naturheilkundliche Vorgehensweisen könnten nämlich das Verantwortungsbewusstsein und der "ehrliche Gesundungswille" eines Kranken gefördert werden. So könne etwa durch eine maximale Einschränkung symptomatischer Schmerz- und Schlafmittel bei kranken Patienten ein pädagogischer Effekt im Kampf gegen die "Flucht in die Krankheit" erzielt werden [134].

"Gesundheitspflicht" als Kostendämpfer
Bereits 1933 wurde ein Abbau von Fürsorgemaßnahmen gefordert, da diese "den Kampf um das eigene Gesundsein, den Gesundheitstrotz schwächen" [63]. Durch eine Stärkung der Gesundheitspflicht mit entsprechender Krankenvorsorge komme es zur Kostensenkung. Mit geringsten Mitteln am Individuum müsse die größte Wirkung für das Volksganze erreicht werden. Volksverbundenes Denken spare Volksvermögen [63]. Die nationalsozialistische Berufsauslese unter bereits praktizierenden Kollegen führe zu einer "selbstlosen Opferwilligkeit bis zum äußersten" [129]. Konkret umfasste der Versuch einer Kostendämpfung folgende drei Aspekte:

1. Einschränkung kostspieliger Behandlungsmaßnahmen von "Verantwortungslosen", lediglich Durchführung günstiger Minimaltherapien in Form von Zahnextraktionen (siehe oben) [63].

2. Wegfall kostspieliger Behandlungsmaßnahmen durch Kranheitsvorbeugung infolge Vermehrung der Eigenverantwortung bis hin zur Gesundheitspflicht.

Über einen Rückgang oraler Erkrankungen hinaus erwartete man von dieser Maßnahme auch wehrpolitisch günstige Effekte. So versprach sich Neuhäußer 1938 von einer ganzheitlichen Prophylaxe besonders eine Erhöhung der Wehrtauglichkeit: "Einmal wird sie dann bei der Musterung dieser Jahrgänge in einer starken Wehrfähigkeit zur Geltung kommen, und es ist nicht gleichgültig, ob die deutsche Armee eine Anzahl Regimenter mehr oder weniger aufstellen kann. Denn nur ein körperlich und geistig gesundes Volk ist unbesiegbar und ewig" [91]. Ähnliche Argumente wurden auch von Euler mehrfach vorgetragen [13, 14]. Für die Förderung der biologischen Zahnheilkunde mit einer daraus sich ergebenden natürlicheren Lebensweise machte Neuhäußer auch finanzielle Argumente geltend: "Für den einzelnen Volksgenossen bedeutet Gesundheit Glück, für die Gemeinschaft aber Bestand und darüber hinaus die Einsparung von Milliarden Volksvermögen" [91]. Steiner hob hervor, dass "ärztliche Gesundheitsführer" durch naturheilerische Maßnahmen ihre Patienten dazu verpflichten könnten, im Sinne der nationalsozialistischen Denkweise Eigenverantwortung für die Heilung mitzuübernehmen [140].

3. Vermehrte Anwendung von "einfachen" und damit kostengünstigen Naturheilmaßnahmen. An eine naturgemäße Ausrichtung der Zahnmedizin wurden vornehmlich folgende Anforderungen gestellt: Zum einen sollte sie auf den ganzen Menschen zielen, zum anderen aber sollte sie auch "einfach" und damit kostengünstig sein [78]. Nicht nur spezielle Naturheilmaßnahmen selbst, sondern die ganze deutsche Lebensführung einschließlich der Ernährung sollten einer "einfachen" Ausrichtung folgen. In seinen Ernährungsempfehlungen zielte Neuhäußer deshalb besonders auch auf die "einfache" Nahrung durch Erzeugnisse deutschen Bodens ab [91].

Metaphysische Ausrichtung
Die Forderungen nach einer metaphysischen Ausrichtung der Zahnmedizin und einer Abwehr "exakter" Wissenschaft ziehen sich wie ein roter Faden durch nahezu alle Publikationen von Vertretern der "Neuen deutschen Zahnheilkunde".

Bereits 1933 wurde die Beseitigung der Vorrangstellung des Verstandes gegenüber dem blutgebundenen und arteigenen Gefühl gefordert. "Blut" und "Wille" müssten sich gegenüber "Verstand" und "Objektivität" konsequent durchsetzen [75]. Ein besonderes Anliegen war auch die Hervorhebung okkultistischer und kosmischer Einflüsse durch die "Vorsehung".

Ende der freien Diskussion
Klußmann forderte die Einführung einer politischen Zensur für wissenschaftliche Publikationen. Er vertrat die Auffassung, dass man selbst wissenschaftlich sehr hochrangige Arbeiten künftig nicht mehr publizieren dürfe, wenn sie "nicht von deutschem Empfinden getragen" seien oder gar "zersetzende Ideen" enthielten [75]. Die Leitung von Fachzeitschriften müsse unter Beachtung der nationalsozialistischen Ideologie im Sinne "gesunder" Wissenschaftlichkeit vorgenommen werden. Er zielte dabei offenbar besonders auf die Ausschaltung jüdischer Wissenschaftler ab [81].

Steiner würdigte 1936, dass die vor 1933 mögliche Kritik an umstrittenen alternativmedizinischen Vorstellungen inzwischen verstummt sei: "Solchen gehässigen Überheblichkeiten dürfte heute die Spitze ein für allemal abgebrochen sein, weil sie schon weltanschaulich durchaus nicht tragbar sind. Die Einheitsbestrebungen in der Heilkunde verlangen willige und objektive Einsicht von allen Seiten" [134].

Eine im Jahr 1936 in den Zahnärztlichen Mitteilungen vorgetragene kritische Äußerung Eugen Wannenmachers zu alternativ-ganzheitlichen Vorstellungen [159,160] wies Heinrich vor allem mit der Begründung zurück, dass derartige Kritik im Gegensatz zur "von autorativer Seite" festgelegten ideologischen Linie stehe [50]. Der Chefredakteur der Zahnärztlichen Mitteilungen beeilte sich daraufhin festzustellen, dass alle Beteiligten für eine "Neue deutsche Zahnheilkunde" kämpfen würden [127].

1936 wurde in der Deutschen Zahnärztlichen Wochenschrift eine kritische Äußerung zu homöopathischen Behandlungen abgedruckt [5]. Der angesprochene Autor erwiderte darauf in einer Replik, dass auch im "neuen Staat" die "Berufsgestaltung von Unerfahrenen" gehemmt werde. Die Homöopathie sei jedoch in der Zwischenzeit nicht mehr die persönliche Sache einzelner Homöopathen, sondern eine Angelegenheit des gesamten Zahnärztestandes geworden. Ein Urteil darüber sei nur im Rahmen eines Binnenkonsenses der praktischen Anwender möglich. Er verbat sich jegliche Kritik an naturheilkundlichen und homöopathischen Behandlungen durch Außenstehende, denen eine Bewertung solcher Verfahren nicht zustehe [3,4]. Weitere Äußerungen mit zurückhaltend vorgetragener Kritik an derartigen Verfahren [122,123] wurden mit dem Hinweis einer bewusst metaphysischen Ausrichtung der Alternativmedizin zurückgewiesen [64,86].

Prof. Dr. Dr. Hans Jörg Staehle
Poliklinik für Zahnerhaltungskunde der
Mund-, Zahn- und Kieferklinik des
Universitätsklinikums Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 400, 69120 Heidelberg

Dr. Bettina Wündrich
Heinbuckel 8, 69257 Wiesenbach

Prof. Dr. Wolfgang U. Eckart
Institut für Geschichte der Medizin der
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 327
69120 Heidelberg

zm 18/2004, Seite 106
[...]
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[*/Zitatende*]
Quelle:
http://www.zm-online.de/zm/18_04/pages2/hist1.htm

Aus: zm 19/2004, Seite 116.

Teil 2:

[*Zitatanfang*]
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[...]

"Neue deutsche Zahnheilkunde" - Teil 2

Alternative Zahnmedizin im Nationalsozialismus

Hans Jörg Staehle, Bettina Wündrich, Wolfgang U. Eckart

In diesem Teil werden die Institutionen und Repräsentanten der "Neuen deutschen Zahnheilkunde", einem Zusammenschluss von NS-Ideologie und alternativmedizinisch-ganzheitlichen Vorstellungen, vorgestellt. Ihre Wortführer distanzierten sich nie von ihren während der NS-Diktatur verbreiteten Positionen. Einer medizinhistorischen Aufarbeitung wurde bislang mit dem Argument begegnet, dies könne als Verunglimpfung des heute in der Bevölkerung wieder vermehrt Beachtung findenden alternativmedizinischen Gedankenguts interpretiert werden.

Institutionen der "Neuen deutschen Zahnheilkunde"
Die in Teil 1 aufgeführten Vorstellungen wurden erstmals im Jahr 1936 unter dem Begriff der "Neuen deutschen Zahnheilkunde" durch Rudolf Schöbel subsumiert [125]. Später wurde diese Bezeichnung regelmäßig von den damaligen Wortführern einer alternativ-ganzheitlichen Zahnheilkunde verwendet. Es ist naheliegend, anzunehmen, dass sie in Anlehnung an die Reichsarbeitsgemeinschaft für eine "Neue deutsche Heilkunde" erfolgte, die 1935 gegründet worden war.

Über die erste Reichstagung der Arbeitsgemeinschaft für eine "Neue deutsche Heilkunde", bei der auch Erich Heinrich mit einem Vortrag über "Aufgaben und Ziele einer biologischen Zahnheilkunde" zu Wort gekommen war, war in der Zahnärztlichen Rundschau ausführlich berichtet worden [113]. Institutionell wurde die "Neue deutsche Zahnheilkunde" zunächst in der "Zahnärztlichen Arbeitsgemeinschaft des Reichsverbandes der Naturärzte" verankert. Ab 1938 wurde sie durch Gründung der "zahnärztlichen Arbeitsgemeinschaft für medizinisch-biologische Heilweisen" in die DGZMK unter der Präsidentschaft von Hermann Euler integriert. Die Aufgaben wurden in ihrer Geschäftsordnung dabei wie folgt definiert: "Die Arbeitsgemeinschaft setzt sich das Ziel, die neue deutsche Heilkunde dem Zahnarzt für seinen Wirkungskreis näherzubringen" [114, 115, 116]. Durch die Aufnahme als gleichberechtigte Arbeitsgemeinschaft in die angesehenste deutsche wissenschaftliche Fachgesellschaft erhielten die Vertreter der alternativ-ganzheitlichen Zahnheilkunde eine ungewöhnlich starke Aufwertung. Dies ist auch an der Mitgliederzahl abzulesen. Während die Zahnärztliche Arbeitsgemeinschaft des Reichsverbandes der Naturärzte im Jahr 1936 lediglich etwa 100 Mitglieder hatte [156], konnte die zahnärztliche Arbeitsgemeinschaft für medizinisch-biologische Heilweisen im Jahr 1940 bereits etwa 400 bis 500 Mitglieder vorweisen [38].

Obwohl die Geschäftsordnung der Zahnärztlichen Arbeitsgemeinschaft die wissenschaftliche Erschließung von Naturheilmethoden, Homöopathie und Biochemie, Konstitutionstherapie und Kräutertherapie forderte [114], wurde die Zeit offenbar nicht genutzt, entsprechende Projekte zu realisieren. Vielmehr sahen ihre Repräsentanten ihre Aufgabe darin, die engen Verflechtungen zwischen der nationalsozialistischen Ideologie und der alternativen Zahnheilkunde zu thematisieren.

Repräsentanten der "Neuen deutschen Zahnheilkunde"
Die bekanntesten Repräsentanten der "Neuen deutschen Zahnheilkunde" waren die Nationalsozialisten Erich Heinrich, Walther Klußmann, Paul Neuhäußer und Otto Steiner.

Erich Heinrich
Zu den wichtigsten Arbeiten Heinrichs (NSDAP-Mitgliedsnummer: 1963981) [61] zählen unter anderem der 1933 erschienene Artikel "Die Erziehung des Zahnarztes zum Nationalsozialismus" [44] und das 1935 verfasste Buch "Biologische Therapie in der Zahnheilkunde" mit dem Untertitel: Konstitutionstherapie, Homöopathie, Biochemie, Anthroposophische Medizin, Naturheilkunde und Psychotherapie (1937 in zweiter Auflage erschienen) [45, 52].

Heinrich war von 1933 bis 1945 Hauptschriftleiter der Zahnärztlichen Rundschau und wurde 1937 zum Ehrenmitglied der DGZMK ernannt. Von 1936 bis 1938 war er Vorsitzender der Zahnärztlichen Arbeitsgemeinschaft im Reichsverband der Naturärzte Deutschlands. Er war einer der aktivsten Wortführer einer "Neuen deutschen Zahnheilkunde" während der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur. Sein Hauptanliegen war die Verbindung von alternativ-ganzheitlichen Vorstellungen mit der Ideologie des Nationalsozialismus. Nach 1945 wurde er wieder Chefredakteur der Zahnärztlichen Rundschau und publizierte zahlreiche Artikel und Bücher [54-60]. 1971 erhielt er die Hermann-Euler-Medaille [119]. Er wurde als großes Vorbild und einer der "verdienstvollsten" Vorkämpfer für alternative Heilweisen in der Zahnmedizin bezeichnet [38, 68, 118, 120, 121].

Walther Klußmann
Die wichtigsten Arbeiten von Klußmann (NSDAP-Mitgliedsnummer: 3188996) [83] waren unter anderem das 1939 verfasste Buch "Der Gebißverfall als Ausdruck einer unorganischen Lebensordnung" [81] und der 1943 erschienene Beitrag "Der Gebißverfall im Lichte der Biologie" [82]. Klußmann zählte zu den radikalsten Verfechtern der "Neuen deutschen Zahnheilkunde". Seine Vorschläge zur Verbesserung der Mundgesundheit der deutschen Bevölkerung reichten von der völligen Ausmerzung jüdischen Einflusses bis hin zum Krieg. Kriege waren nach seiner Einschätzung als zur Ordnung der Natur gehörende natürliche Lebenserscheinungen anzusehen. Der Krieg war Klußmann zufolge allein schon deshalb notwendig, um dem Gebissverfall des deutschen Volkes entgegenzuwirken. Klußmann verlor im zweiten Weltkrieg zwei Söhne. Nach 1945 publizierte er noch zahlreiche Artikel und Bücher. Er wurde 1963 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet. Bis heute zählt er zu den wichtigsten Wegbereitern der alternativ-ganzheitlichen Zahnheilkunde [9, 38, 68].

Paul Neuhäußer
Die wichtigsten Arbeiten Neuhäußers (NSDAP-Mitgliedsnummer: 71057) [112] waren unter anderem der 1936 publizierte Aufsatz "Jungzahnarzt und Praxis, Psychologie und Biologie als Bestandteil der Zahnheilkunde" [88], der 1937 verfasste Artikel "Der Zahnarzt, sein ärztliches Denken und Wirken" [90] und die 1939 erschienene Arbeit "Die Ganzheitsbetrachtung in der Karies- und Parodontoseprophylaxe" [94]. Neuhäußer tat sich unter anderem dadurch hervor, dass er die Nürnberger Gesetze, das Gesetz zur Verhütung des erbkranken Nachwuchses, aber auch die Siedlungspolitik des nationalsozialistischen Staates als essentielle Grundlagen für das Denken und Wirken deutscher Zahnärzte bezeichnete. Seine Aufgaben lagen - vermutlich aufgrund seines jugendlichen Alters - unter anderem in der Rekrutierung von zahnärztlichem Nachwuchs im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie. 1937 wurde er Gauvertrauensmann von Bayern. Von 1938 bis 1945 war er Leiter der Zahnärztlichen Arbeitsgemeinschaft für medizinisch-biologische Heilweisen in der DGZMK. Schon bald nach 1945 sammelte er die ehemaligen nationalsozialistischen Mitstreiter für eine alternativ-ganzheitliche Zahnheilkunde um sich. Er war lange Jahre erster Vorsitzender der von ihm in der Nachkriegszeit neu gegründeten Medizinisch-Biologischen Arbeits- und Fortbildungsgemeinschaft Deutscher Zahnärzte. In dieser Funktion publizierte er zahlreiche Artikel und Aufrufe [96-111]. Gleichzeitig organisierte er nach dem Vorbild der nationalsozialistischen Ärzteführerschule in Alt-Rhese zahlreiche Zahnärztetreffen. Es handelte sich bei dieser Führerschule um eine Kaderschmiede, die nationalsozialistische Gesundheitsfunktionäre und vor allem Jungärzte zu fanatischen Nationalsozialisten im Sinne einer nationalsozialistischen Ärzteelite erziehen sollte [42]. Er erhielt in den 70er Jahren viele Ehrungen, unter anderem die Ehrennadel der Deutschen Zahnärzteschaft. Seine Aktivitäten gelten bis heute als Vorbild für die Durchsetzung alternativ-ganzheitlicher Vorstellungen in der Zahnmedizin [8, 37, 38, 39, 40, 68, 150, 155].

Otto Steiner
Die wichtigsten Arbeiten Steiners (NSDAP-Mitgliedsnummer: 2877114) [151] waren unter anderem der 1933 erschienene Artikel "Gesundheitsstatistik, Sozial-Hygiene, Konstitutionslehre, Erbbiologie, Rassenforschung und die deutsche Zahnärzteschaft" [129], die 1937 publizierte Arbeit "Grenzen der exakt-wissenschaftlichen Medizin und der biologischen Medizin" [136] sowie sein 1938 publiziertes und mit dem Adolph-Witzel-Preis ausgezeichnetes Buch "Wegweiser für eine neue Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Ganzheitsbehandlung" [140]. Steiner war ein glühender Verfechter der nationalsozialistischen Weltanschauung und bemühte sich vor allem, metaphysische Elemente der Alternativmedizin mit der Blut- und Boden-Mythologie des Nationalsozialismus zu verbinden. 1941 wurde Steiner zum Gausachbearbeiter für eine Vollkornbrotaktion bestellt. Zur Durchsetzung einer alternativ-ganzheitlichen Zahnheilkunde forderte er unter anderem die gleichzeitige Unterwerfung von Arzt und Patient unter die nationalsozialistische Weltanschauung. Steiner verlor im zweiten Weltkrieg einen Sohn. Nach 1945 wurde er zweiter Vorsitzender, später Ehrenvorsitzender der Medizinisch-Biologischen Arbeits- und Fortbildungsgemeinschaft deutscher Zahnärzte. Er verfasste zahlreiche Artikel und war auf den zusammen mit Neuhäußer organisierten Treffen, die im Stile der nationalsozialistischen Ärzteführerschule in Alt-Rhese gestaltet wurden, ein viel beachteter Redner [145-150]. In den 60er Jahren wurde er unter anderem mit dem Hufeland-Preis und mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet. Seine Arbeiten werden heute als grundlegend für die alternativ-ganzheitliche Zahnheilkunde betrachtet [38, 68, 102, 106, 112].

Die Rolle Hermann Eulers, DGZMK-Präsident
Hermann Euler, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK), bekannte sich frühzeitig zum Nationalsozialismus.

Bereits im Juni 1933 schloss er sich zusammen mit anderen zahnmedizinischen Hochschullehrern in einer Art Ergebenheitserklärung den Gleichschaltungsbestrebungen der neuen politischen Machthaber an [36]. Im Oktober 1933 trat Euler dem Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB) bei. Es folgten Mitgliedschaften in zahlreichen weiteren nationalsozialistischen Organisationen einschließlich des Nationalsozialistischen Deutschen Ärztebundes (NSDÄB) und schließlich im Jahr 1937 in der NSDAP (Mitglieds-Nr. 4660341) [17].

In einem 1933 erschienenen wissenschaftlichen Fachartikel (Über den Einfluß der Ernährung auf Kiefer und Zähne) unterstützte Euler zum einen die Vorstellungen von Vertretern der "biologischen Zahnheilkunde", zum anderen sprach er die Erwartung aus, dass im nationalsozialistischen "neuen Deutschland" die Forderung nach einer auf das Volk zugeschnittenen Ernährung ihre Erfüllung finden werde [10]. In eine ähnliche Richtung zielte ein 1934 von ihm publizierter Artikel, in dem er die besonderen Verdienste Klußmanns für die "biologische" Denkweise würdigte. Die politische Förderung dieser Richtung durch den Staat unterstrich er unter Zitierung Ernst Lehmanns - einem radikalen Verfechter einer nationalsozialistisch orientierten "Deutschen Biologie" - dadurch, dass Biologie ohnehin "ein Kernstück der nationalsozialistischen Weltanschauung darstelle" [11].

Die nationalsozialistisch geprägte "Neue deutsche Zahnheilkunde" erhielt von Euler eine große Förderung. Wenn er auch nie direkt nationalsozialistisches Vokabular (wie etwa "Entartung", "Untermenschen", "Verjudung"), wie es Vertreter der "Neuen deutschen Zahnheilkunde" regelmäßig gebrauchten, publizierte, so ließ er seine Sympathie mit dem nationalsozialistischen System doch auf indirekte Weise in der zahnärztlichen Öffentlichkeit durchblicken.

So hob er zum Beispiel in seinen Publikationen Veröffentlichungen mit radikalen nationalsozialistischen Positionen (zum Beispiel von Steiner, Klußmann, Neuhäußer und Heinrich) als besonders wertvoll für die Zahnheilkunde hervor, ohne sich allerdings konkret zu einzelnen Aussagen zu äußern [11, 15]. In Eulers Präsidentschaft fällt auch die 1938 vollzogene Aufnahme der "zahnärztlichen Arbeitsgemeinschaft für medizinisch-biologische Heilweisen" in die DGZMK. Jene war als Nachfolgeorganisation der "Zahnärztlichen Arbeitsgemeinschaft im Reichsverband der Naturärzte" gegründet worden. Erklärtes Ziel dieser Arbeitsgemeinschaft war es, die "Neue deutsche Heilkunde dem Zahnarzt für seinen Wirkungskreis näherzubringen" [114]. Euler wurde sogar Mitglied dieser Organisation und wertete damit ihre Bedeutung sehr stark auf.

Es gibt keine Hinweise dafür, dass er diese Entwicklung aufgrund äußeren Drucks vollzog. Noch in seinen Lebenserinnerungen von 1949 betonte er, dass er in allen Fragen der wissenschaftlichen Fachgesellschaft freie Hand gehabt hätte und nie eine politische Einflußnahme betrieben worden sei [16].

Andererseits sah er sich zuweilen veranlasst, ihm nicht vermittelbar erscheinende alternativmedizinische Therapiemethoden oder die zum Rassenwahn gesteigerten Vorstellungen von Vertretern der "Neuen deutschen Zahnheilkunde" zu relativieren. Ein Beispiel ist seine Buchbesprechung eines Werks von Heinrich, in der er Bedenken gegenüber den dort vorgetragenen Inhalten formulierte [12]. Auch seine relativierenden Äußerungen zu einzelnen Auslassungen Klußmanns und anderer Autoren zu Rassenhygiene und Entartung aus dem Jahr 1938 sind in diesem Zusammenhang zu erwähnen [13].

Ob er wiederum 1941 bei dem Besuch der berüchtigten nationalsozialistischen Führerschule der deutschen Ärzteschaft in Alt-Rhese tatsächlich nur die Vermittlung der "Vollkornbrotfrage" im Sinn hatte, wie er in seinen Lebenserinnerungen 1949 schrieb [16], muss deshalb kritisch hinterfragt werden, weil er noch 1944 auf die dort unter anderem abgehandelten Themen (zum Beispiel "Weltanschauung und Vererbung") selbst hingewiesen hatte [15].

Es ist nicht ganz klar, aus welchem Motiv heraus er in seinen Lebenserinnerungen von 1949 - also vier Jahre nach dem Ende der Hitler-Diktatur - ein Buch Klußmanns, das von radikalem Antisemitismus und Rassismus geprägt war [81], hervorhob, ohne sich von seinem Inhalt auch nur andeutungsweise zu distanzieren. Im Hinblick darauf, dass spätestens nach 1945 die massenhaften Vertreibungen und Ermordungen von Juden durch die nationalsozialistischen Machthaber der deutschen Bevölkerung bekannt waren, erscheint die Würdigung eines Buches, das die Ausmerzung jüdischen Einflusses forderte - mit dem zynisch anmutenden Untertitel "eine ernste, dennoch optimistische Betrachtung über die Zivilisationskrankheiten in ihrem Zusammenhange" – unbegreiflich.

Offenbar war aber gerade diese Kontinuität der Positionierung eine wichtige Grundlage für die Fortsetzung seiner Karriere. In einer Beschreibung der Geschichte der DGZMK wies Dominik Groß darauf hin, dass Euler 1949 wieder zum vorläufigen Präsidenten der DGZMK gewählt wurde. Seine Wiederwahl wurde damals wie folgt kommentiert: "Hauptsache und eine wahrhafte Genugtuung für seine zahlreichen, unentwegten Anhänger und aufrichtigen Freunde war, daß Prof. Euler wieder das Zepter führen wird..." [27]. Groß vermerkte, dass Euler weder während noch nach der nationalsozialistischen Ära schwerwiegende Differenzen mit der nationalsozialistischen Führung erkennen ließ. Dies stehe auch im Einklang mit dem Umstand, dass er sich nach dem Zweiten Weltkrieg zu keinem Zeitpunkt von den Vorgängen im Hitler-Deutschland distanzierte [27].

Therapien der "Neuen deutschen Zahnheilkunde"
Vertreter der "Neuen deutschen Zahnheilkunde" erhoben in zahlreichen Fachartikeln allgemeine und konkrete Forderungen zur Vorbeugung und Behandlung von Erkrankungen auf praktisch dem gesamten Gebiet der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (zum Beispiel Karies, parodontale und endodontische Erkrankungen, Neuralgien, traumatische und funktionelle Schäden).

Besonderes Augenmerk richteten sie dabei auf parodontale Erkrankungen, die sie mit zahlreichen Entgiftungs- und Ausleitungsmaßnahmen unter Einbeziehung von Blasenpflastern, Brechmitteln, Dampfbädern, Darmausleitungen, Eigenblutbehandlungen, Fußbädern, homöopathischen Interventionen, speziellen Diäten und vielem mehr zu behandeln trachteten.

Sie führten aber keine wissenschaftlichen Studien über die Effekte der von ihren favorisierten Maßnahmen durch. Der nahezu einzige Ansatz, die Wirkungen alternativmedizinischer Verfahren zu überprüfen, waren die Arbeiten von Frenzel und Hannemann [18-25]. Sie wollten die Wirkung von "Aufartungsmitteln", die sie in homöopathischen Dosen verabreichten, auf die Kariesprophylaxe an Heimkindern erproben. Das dafür untersuchte Zahnmaterial gewannen sie unter anderem durch das schmerzhafte Herausmeißeln von Höckern gesunder bleibender Zähne, wobei sie zwischen "normalen" Kindern und "Elendskindern" unterschieden. Dieses Vorgehen wurde allerdings von Rudolf Wohinz 1941 als wissenschaftlich "völlig wertlos" kritisiert [161]. Die Autoren wiesen diese Kritik mit dem Hinweis zurück, dass Wohinz den tieferen Sinn ihres "biologischen Weges" gar nicht verstanden habe [25]. Dass derartige Versuche auch unter ethischen Aspekten äußerst bedenklich waren, wurde zu keinem Zeitpunkt - weder vor noch nach 1945 – thematisiert.

Einflüsse der "Neuen deutschen Zahnheilkunde"
Die Vorstellungen der Vertreter der "Neuen deutschen Zahnheilkunde" waren von starken Widersprüchen geprägt:

- Zum einen wurde ein hoher Anspruch auf eine allumfassende, ganzheitliche Lehre (Totalität) erhoben, zum anderen offenbarten die Konzepte jedoch oftmals eine sehr einseitige und intolerante Sichtweise. Eine offene Diskussion wurde durch die Forderung nach Aufhebung der Meinungsfreiheit - auch im wissenschaftlichen Bereich - nachhaltig unterdrückt. Kritische Stimmen gegen alternativ-ganzheitliche Aktivitäten wurden als Abweichung von der Ideologie des Nationalsozialismus gebrandmarkt.

- Ziel der "Neuen deutschen Zahnheilkunde" war einerseits die Durchdringung des deutschen Zahnarztes mit höchsten ethischen Werten. Andererseits ließen die Vorstellungen vom Selbstverschuldungsprinzip oraler Krankheiten und vor allem die rassistischen und antisemitischen Auswüchse, die unter anderem auf eine totale Ausmerzung des Judentums abzielten, die Haltung dieser Richtung als fragwürdig erscheinen.

- Während auf der einen Seite die moralisierende Wertung von Gesund- und Kranksein zu der Forderung nach höherer Eigenverantwortung des deutschen Volksgenossen bis hin zur Gesundheitspflicht führte, wurde auf der anderen Seite Krankheit als besonderer, von der Vorsehung aufgezeigter Weg zur Heilwerdung betrachtet.

- Gelegentlich war von einer Zusammenführung schulischer- und außerschulischer Methoden durch die "Neue deutsche Zahnheilkunde" die Rede [41]. Dann wurde wiederum die Unvereinbarkeit von "allopathischer" und "naturheilerischer" Sichtweise hervorgehoben [48,50].

- Durch die offizielle Aufnahme der zahnärztlichen Arbeitsgemeinschaft für medizinisch-biologische Heilweisen in die DGZMK wurde eine wissenschaftliche Überprüfung alternativ-ganzheitlicher Vorstellungen in Aussicht gestellt. Gleichzeitig wurde von den Vertretern der "Neuen Deutschen Zahnheilkunde" die metaphysische Ausrichtung der Medizin favorisiert und eine "exakte" Wissenschaft abgelehnt.

Es gibt keine Hinweise dafür, dass die Vorstellungen der Vertreter der "Neuen deutschen Zahnheilkunde" in nennenswertem Umfang auf wissenschaftliche Fragestellungen oder den Berufsalltag des Zahnarztes Einfluss nahmen. Unter massiver Propaganda mit regelmäßigen Artikeln und Aufrufen in der Standespresse hatte die zahnärztliche Arbeitsgemeinschaft für medizinisch-biologische Heilweisen in der DGZMK auf ihrem Höhepunkt im Jahr 1940 etwa 400 bis 500 Mitglieder [38]. Der harte Kern, der die Denkansätze nach außen trug, dürfte sich jedoch aus einer deutlich kleineren Gruppe zusammengesetzt haben. Damit ergeben sich Parallelen zur Entwicklung der "Neuen deutschen Heilkunde", die ebenfalls - zumindest im späteren Verlauf der nationalsozialistischen Diktatur – kaum größeren Einfluss erlangte [7].

Auch nach 1945 war der Einfluss der Nachfolgeorganisationen auf die zahnmedizinische Berufsausübung trotz vielfältiger Aktivitäten und regelmäßiger Berichte in den Standesnachrichten nur gering.

Die Tatsache, dass die Wortführer der "Neuen deutschen Zahnheilkunde" weiter Karriere machen konnten und zu geachteten Persönlichkeiten der jungen Bundesrepublik wurden, dürfte weniger in ihrer fachlichen Qualifikation als vielmehr in der stillschweigend zur Kenntnis genommenen Kontinuität ideologischer Überzeugungen zu suchen sein. Unterstützt wird diese Einschätzung dadurch, dass sie sich zu keinem Zeitpunkt von ihren zwischen 1933 und 1945 vorgetragenen medizinischen und politischen Vorstellungen distanzierten. Sie drückten auch niemals den Opfern der von ihnen unterstützten nationalsozialistischen Politik ihr Bedauern oder gar ihre Betroffenheit aus. Im Gegenteil: Sie beriefen sich nach Ende des Zweiten Weltkriegs mehrfach auf ihr in den 30er Jahren publiziertes Gedankengut, das sie freimütig als grundlegend und wegweisend für die Alternativmedizin bezeichneten [9, 68, 104, 110].

Etliche Vorstellungen der "Neuen deutschen Zahnheilkunde" erfahren zurzeit sogar eine gewisse Renaissance, auch wenn sie sich in anderer Aufmachung präsentieren. Dies dürfte unter anderem auch damit zusammenhängen, dass bis heute nahezu keine Literatur über die Beziehungen der alternativen Zahnheilkunde zur nationalsozialistischen Ideologie bekannt geworden ist. Protagonisten der Alternativmedizin halten derartige Hinweise nicht für angebracht [28,62]. Versuchen einer medizinhistorischen Aufarbeitung wird dabei mit dem Argument begegnet, dies würde einer Denunziation alternativ-ganzheitlichen Gedankenguts, das zurzeit in der Bevölkerung eine wesentlich größere Beachtung als in den vergangenen Jahrzehnten findet, gleichkommen.

Prof. Dr. Dr. Hans Jörg Staehle
Poliklinik für Zahnerhaltungskunde der
Mund-, Zahn- und Kieferklinik des Universitätsklinikums Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 400, 69120 Heidelberg

Dr. Bettina Wündrich
Heinbuckel 8, 69257 Wiesenbach

Prof. Dr. Wolfgang U. Eckart
Institut für Geschichte der Medizin der
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 327, 69120 Heidelberg

zm 19/2004, Seite 116
[...]
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[*/Zitatende*]
Quelle:
http://www.zm-online.de/zm/19_04/pages2/hist1.htm


Mehr zu den geschichtlichen...
==> HINTERGRÜNDEN DER ALTERNATIVMEDIZIN.
(http://home.arcor.de/paralex/content/geschichte.htm)

Zur Erinnerung: ==> WEHRHAFTE ZAHN-MEDIZIN.
(http://www.transgallaxys.com/ama/ama_wehr.htm)

.
« Last Edit: October 26, 2006, 11:17:01 AM by hu_la »
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hu_la

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"Ganzheitlich orientierte" Zahn-Medizin/-er...
« Reply #3 on: October 25, 2006, 10:33:16 AM »

.

Unter oldenburk.de/:

[*Zitatanfang*]
[...]
"Die Seele im Mund" und von der Verbissenheit...

http://www.dr-schreckenbach.de
Frau Suliko (links) und Dr. Dirk Schreckenbach, hier zusammen mit dem Ehrenmitglied der GZM Frau Dr. Schiffler-Bayerthal.

Beide sind engagiert rund um die Uhr mit der Ganzheitlichen Zahn-Heil-Kunde "verheiratet"

Es ist immer wieder schön, Euch bei den Kongressen wiederzusehen!
[...]
[*/Zitatende*]
Quelle:
http://www.oldenburk.de/link.php


Wdh.:
[*Zitatanfang*]
[...]
"Die Seele im Mund"...
[...]
[*/Zitatende*]

Das unausweichliche Vergeltungsschicksal, das entsprechend den guten oder bösen Taten
zur Wiedergeburt in einem höheren oder niedrigeren Dasein führt,
die Seelenwanderung, das...
==> KARMA.
(http://www.ariplex.com/ama/ama_ant3.htm)

.
« Last Edit: October 29, 2006, 06:33:03 AM by hu_la »
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hu_la

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"Ganzheitlich orientierte" Zahn-Medizin/-er...
« Reply #4 on: October 27, 2006, 08:32:04 AM »

.

Unterstützung von der "Göttin der Gerechtigkeit".

Justitia sprach ein Urteil zum Stichwort "Ganzheitliche Zahnheilkunde":

[*Zitatanfang*]
[...]
ID:
106
Bezeichnung:
Arztwerbung auf Briefkopf
Stichwort:
Ganzheitliche Zahnheilkunde
Aktenzeichen:
OLG Hamm - 4 U 57/00
Entscheidung vom:
14.09.2000
Gericht:
OLG Hamm
Tenor:
Die Bezeichnung "Ganzheitliche Zahnheilkunde" auf einem Briefkopf stellt die spezielle Ausrichtung der Zahnarztpraxis heraus und ist demnach nicht als wettbewerbswidrig zu beanstanden.
Soweit Patienten mit der Bezeichnung keine Vorstellung verbinden ist dies wettbewerbsrechtlich unerheblich, da mangels Vorstellung eine Irreführung nicht vorliegen kann.
[...]
[*/Zitatende*]
Quelle:
http://www.urteilsticker.de/index.php4?z=urteil&id=106

Der Tenor etwas ausführlicher:

[*Zitatanfang*]
[...]
Bezeichnung " ganzheitliche Zahnmedizin " auf dem Praxisbriefbogen eines Zahnarztes
OLG Hamm, Urteil v. 14.09.00

Die Beklagten gingen gegen die Beanstandung der Kammer an, die die Verwendung " ganzheitliche Zahnmedizin " im Briefkopf der Beklagten als Verstoß gegen die §§ 18I, 19 Berufsordnung der Kammer Nordrhein ansah.
Die Bezeichnung sei jedoch keine berufswidrige Werbung . Sie stelle vielmehr in sinnvoller Weise die spezielle Ausrichtung der Zahnarztpraxis heraus. In der allgemeinen Medizin stelle die Ganzheitsmedizin einen festen Begriff dar. Er stehe für eine medizinische Richtung , die den Kranken nicht nur nach einzelnen Krankheitsbildern und Einzelbefunden, sonder in einem physisch - psychischen Gesamtzustand erfassen und ärztlich behandeln will. Durch die Verwenung des Begriffes im Briefkopf werde auch nicht die Fehlvorstellung der Patienten hervorgerufen, es handle sich bei der Bezeichnung um eine staatliche Erlaubnis. Es gehe hierbei vorrangig um das Interesse an der Verwendung einer an sich zulässigen Bezeichnung, die die Beklagten auch tatsächlich anwenden.
[...]
[*/Zitatende*]
http://www.kanzlei-fliege.de/Mandanteninformationhtml.html#Anchor-Gesundheitsrech-43326


Zur Erinnerung:
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~> Absurd: Ganzheitliche Spezialisten
Falls sich einzelne komplementäre Verfahren nach einer wissenschaftlichen Überprüfung für die Zahnmedizin als sinnvoll erweisen sollten, können sie von Zahnärzten, die sich dafür interessieren, auch ohne besondere Zertifizierung in ihr Behandlungskonzept integriert werden. Der im Zusammenhang mit den komplementären Verfahren immer wieder strapazierte Begriff "Ganzheit" wird häufig auch als Gegenbegriff zur "Spezialisierung" argumentativ eingesetzt. Allein schon unter diesem Blickwinkel erscheinen die derzeitigen Bestrebungen zur Etablierung "ganzheitlicher Spezialisten" in der Zahnmedizin nicht sehr schlüssig.
ABSURD: GANZHEITLICHE SPEZIALISTEN
(http://www.blzk.de/archiv/bzb/heft3_98/983s38.htm)
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Ein Thread zur "Göttin der Gerechtigkeit":
 ==> ALTERNATIVMEDIZIN » GERICHTE - NEBEN IHRER KOMPETENZ
(http://www.kidmed.de/forum/showtopic.php?threadid=5589&time=)


 ==> WEHRHAFTE ZAHN-MEDIZIN.
(http://www.transgallaxys.com/ama/ama_wehr.htm)

.
« Last Edit: October 29, 2006, 06:28:32 AM by hu_la »
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