TG-1 * Transgallaxys Forum 1

Pages: [1]

Author Topic: Stellungnahme der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. zu "Galavit"  (Read 3920 times)

ama

  • Jr. Member
  • *
  • Posts: 1122

[*QUOTE*]
-------------------------------------------------------------------------
Stellungnahme der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. zu "Galavit"

Über die Substanz "Galavit" wird seit einiger Zeit intensiv in den Medien
(TV, Zeitschriften, Internet) berichtet.

Von den bisher bekannten Anbietern in Deutschland

- (Fachklinik Carolinum in Bad Karlshafen, Chefarzt PD Dr. E. Rauchfuß (1);
- Institut Harz, Blankenburg (2)),

Österreich
- (Informationszentrum Mission Pharma AG, Kitzbühel (1);
- Kroiss-Krebs-Zentrum, Wien (3))

und der Schweiz
- (Mission Pharma AG, Zürich (1))

wird "Galavit" als "Neue Hoffnung für Krebskranke" dargestellt.

Es sei in geheimen Forschungslabors bei Moskau entwickelt worden, um die
russischen Kosmonauten wirksam gegen die Entstehung von Tumoren durch die
hohe Strahlenbelastung im Weltraum zu schützen. Der "Immunmodulator" sei
bei knapp 300 Kosmonauten und rund 30.000 Krebspatienten erfolgreich
eingesetzt worden (1).

Wie auf der Internet-Seite der Anbieter zu lesen ist, soll "Galavit" gegen
Krebserkrankungen mannigfache Wirkungen haben: es stimuliere das
körpereigene Abwehrsystem, es stoppe das Wachstum des Primärtumors, es
verhindere die Neubildung von Metastasen, es aktiviere die
Regenerationsfähigkeit des erkrankten Gewebes, es verlängere die (Über-)
Lebenszeit und es verbessere deutlich die Lebensqualität der Betroffenen
(1).

Nach Angaben des im Internet veröffentlichten, aus dem Russischen
übersetzten Beipackzettels bestehen für "Galavit" als "immunmodulierendes
und entzündungshemmendes Mittel" eine Vielzahl von Indikationen. Diese
sind sowohl die Behandlung akuter Infektionskrankheiten als auch die
Therapie chronischer Entzündungen bis hin zur "Immunität-Korrektur bei
onkologisch Kranken in der pre- und postoperativen Phase, die bestrahlt
bzw. chemotherapeutisch behandelt werden, zwecks Vorbeugung postoperativer
Komplikationen."(4)

"Galavit" enthält Amino-Tetrahydrophthalazin-Natriumsalz. Im Beipackzettel
ist zu lesen, dass "bei onkologischen Krankheiten" das "Galavit" Pulver
gelöst und eine Ampulle (100 mg) alle 2 Tage bis zu 5 Injektionen i.m.
appliziert wird.

Danach wird alle 3 Tage eine Ampulle bis zu insgesamt 20 Injektionen i.m.
appliziert. Angeblich zeige das Präparat keinerlei Nebenwirkungen oder
Wechselwirkungen mit anderen Substanzen (4).


Die Deutsche Krebsgesellschaft e.V. nimmt wie folgt Stellung:

Der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. liegen nach intensiver Recherche
keine Beweise zur Wirksamkeit von "Galavit" bei Krebserkrankungen vor, die
den Kriterien von evidenz-basierter Medizin genügen. Es sind keine
klinischen Studien zu "Galavit" mit an Krebs erkrankten Patienten bekannt,
die die oben beschriebenen positiven Wirkungen aussagefähig belegen. In
den medizinisch-wissenschaftlichen Literaturdatenbanken wie z.B. Medline
findet sich keine Publikation zu "Galavit" mit überzeugenden Ergebnissen
von präklinischen und insbesondere klinischen Untersuchungen. Damit lassen
sich die auf den Internet-Werbe-Seiten (1) aufgeführten Behauptungen des
günstigen Einflusses von "Galavit" auf alle Krebserkrankungen nicht
bestätigen. Ebenso ist keine Aussage möglich zu Qualität, Wirksamkeit und
Unbedenklichkeit des Präparates.

"Galavit" wurde in der Russischen Föderation im März 1997 vom Ministerium
für Gesundheitswesen zugelassen. Dieses Zulassungsverfahren findet unseres
Wissens ohne Prüfung der Daten statt. Es sind keine den internationalen
Standards entsprechenden Belege oder klinischen Studien erforderlich. In
Deutschland besteht für "Galavit" keine Zulassung, die Kosten für eine
Therapie mit "Galavit" werden daher von den Krankenkassen nicht
übernommen.

"Galavit" kann in Russland als dort registriertes Medikament käuflich
erworben werden. Der Preisunterschied zwischen dem Erwerb der Substanz in
Russland und der Behandlung hierzulande ist groß. Während 20 Ampullen in
Russland etwa 400.- DM (4,5) kosten, muss ein Patient in Deutschland
allein für die Medikamentenkosten einer "Galavit"-Therapie für die
vergleichbare Zahl an Ampullen bis zu 16.800.- DM oder mehr bezahlen (5).
Dazu kommen dann noch die Kosten für den "empfohlenen"
Krankenhausaufenthalt.

Die Deutsche Krebsgesellschaft e.V. rät angesichts des Mangels an
unbedingt erforderlichen Daten (Verträglichkeit, klinische Wirksamkeit,
Langzeitdaten usw.) vom Einsatz dieses Präparates ab.

Die Deutsche Krebsgesellschaft e.V. bedankt sich bei der Arbeitsgruppe
biologische Krebstherapie am Klinikum Nürnberg (gefördert durch die
Deutsche Krebshilfe e.V.) und bei der Klinik für Tumorbiologie in Freiburg
für die Mitarbeit bei der Erstellung dieser Stellungnahme.


Literatur:
1 http://www.galavit.de/
2 http://www.institut-harz.de/
3 http://www.kroisscancercenter.com/
4 http://www.galavitum.de/
5 FOCUS 44 / 2000 vom 30.10.2000, S. 222

(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Deutschen Krebsgesellschaft e.V.)

Zuletzt geändert am23. August 2001
-------------------------------------------------------------------------
[*/QUOTE*]

Quelle:
http://www.agbkt.de/seiten/aktuell/MedStudPub/medien_galavit.html
.
« Last Edit: March 03, 2007, 08:59:54 PM by ama »
Logged

ama

  • Jr. Member
  • *
  • Posts: 1122
Stellungnahme der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. zu "Galavit"
« Reply #1 on: March 03, 2007, 09:10:10 PM »

.
Das "arznei-telegramm" warnt vor Galavit:

http://www.arznei-telegramm.de/zeit/0011b.php3

ama

  • Jr. Member
  • *
  • Posts: 1122
Stellungnahme der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. zu "Galavit"
« Reply #2 on: March 03, 2007, 09:13:21 PM »

[*QUOTE*]
--------------------------------------------------------------------------
Zur Anwendung des Präparates "Galavit" in der Krebstherapie

Nach intensiver Recherche liegen keine Beweise zur
Wirksamkeit von 'Galavit' bei Krebserkrankungen vor, die
den Kriterien von evidenz-basierter Medizin genügen.
aus Deutsches Ärzteblatt, Heft 15 vom 13.04.2001

Gemeinsame Stellungnahme der
Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft
und der Deutschen Krebsgesellschaft e.V.


Über das Präparat "Galavit" wird seit einiger Zeit intensiv in
den Medien (TV, Zeitschriften, Internet) berichtet. Von den
bisher bekannten Anbietern in Deutschland, Österreich und
der Schweiz wird "Galavit" als "Neue Hoffnung auch für
Krebskranke" dargestellt. Es sei in geheimen
Forschungslabors bei Moskau entwickelt worden, um die
russischen Kosmonauten wirksam gegen die Entstehung von
Tumoren durch die hohe Strahlenbelastung im Weltraum zu
schützen.
Wie auf der Internetpräsenz zu "Galavit" zu lesen ist, soll
"Galavit" bei Krebserkrankungen mannigfache Wirkungen
haben: Es stimuliere das körpereigene Abwehrsystem, es
stoppe das Wachstum des Primärtumors, es verhindere die
Neubildung von Metastasen, es aktiviere die
Regenerationsfähigkeit des erkrankten Gewebes, es
verlängere die (Über-)Lebenszeit und es verbessere deutlich
die Lebensqualität der Betroffenen (1).
Nach Angaben des im Internet veröffentlichten, aus dem
Russischen übersetzten Beipackzettels besteht für "Galavit"
als "immunmodulierendes und entzündungshemmendes
Mittel" eine Vielzahl von Indikationen. Diese sind sowohl die
Behandlung akuter Infektionskrankheiten als auch die
Therapie chronischer Entzündungen bis hin zur
"Immunität-Korrektur bei onkologisch Kranken in der pre-
und postoperativen Phase, die bestrahlt bzw.
chemotherapeutisch behandelt werden, zwecks Vorbeugung
postoperativer Komplikationen" (2).

"Galavit" enthält
2-Amino-1,2,3,4-Tetrahydrophthalazin-1-4-dion-Natriumsalz.
Im Rahmen einer Krebstherapie soll Galavit intramuskulär
verabreicht werden, wobei die Regeldosis bei 15-20
Injektionen liegt. Als Gegenanzeigen sind Schwangerschaft
und Unverträglichkeitsreaktionen genannt. Angeblich zeige
das Präparat keinerlei Nebenwirkungen oder
Wechselwirkungen mit anderen Substanzen (2).


Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft und
die Deutsche Krebsgesellschaft e.V. nehmen wie folgt
Stellung:

Nach intensiver Recherche liegen keine Beweise zur
Wirksamkeit von "Galavit" bei Krebserkrankungen vor, die
den Kriterien von evidenz-basierter Medizin genügen. Es sind
keine klinischen Studien zu "Galavit" mit an Krebs
erkrankten Patienten bekannt, die die oben beschriebenen
positiven Wirkungen aussagefähig belegen. In den
medizinisch-wissenschaftlichen Literaturdatenbanken wie
zum Beispiel Medline findet sich keine Publikation zu
"Galavit" mit überzeugenden Ergebnissen von präklinischen
und insbesondere klinischen Untersuchungen. Damit lassen
sich die auf den Internet-Werbe-Seiten (1) aufgeführten
Behauptungen des günstigen Einflusses von "Galavit" bei
Krebserkrankungen nicht bestätigen. Ebenso ist keine
Aussage möglich zur Qualität, Wirksamkeit und
Unbedenklichkeit des Präparates.
"Galavit" wurde in der Russischen Föderation im März1997
vom Ministerium für Gesundheitswesen zugelassen. Dieses
Zulassungsverfahren findet unseres Wissens ohne Prüfung der
Daten statt. Es sind keine den internationalen Standards
entsprechenden Belege oder klinischen Studien erforderlich.
In Deutschland besteht für "Galavit" keine Zulassung, die
Kosten für eine Therapie mit "Galavit" werden daher von den
Krankenkassen nicht übernommen.
"Galavit" kann in Russland als dort registriertes Medikament
käuflich erworben werden. Der Preisunterschied zwischen
dem Erwerb der Substanz in Russland und der Behandlung
hierzulande ist groß. Während 20Ampullen in Russland etwa
400DM kosten (2, 3), muss ein Patient in Deutschland allein
für die Medikamentenkosten einer "Galavit"-Therapie für die
vergleichbare Zahl an Ampullen bis zu 16800DM oder mehr
bezahlen (3). Dazu kommen dann noch die Kosten für den
"empfohlenen" Krankenhausaufenthalt.
Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft und
die Deutsche Krebsgesellschaft e.V. raten angesichts des
Mangels an unbedingt erforderlichen Daten (Verträglichkeit,
klinische Wirksamkeit, Langzeitdaten usw.) vom Einsatz
dieses Präparates ab.
Zu Fragen der Rechtmäßigkeit hinsichtlich der Anwendung,
der Werbung und des Vertriebes von Galavit verweist die
Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ)
auf die Mitteilung im Deutschen Ärzteblatt "Zur Anwendung
des Präparates Ukrain in der Krebstherapie" (4).
Literatur
http://www.galavit.de
http://www.galavitum.de
FOCUS 44 / 2000 vom 30. 10. 2000, S. 222.
Dt Ärztebl 2001; 98: A 420 [Heft 7].
Deutsche Krebsgesellschaft e.V.
Hanauer Landstraße 194
60314 Frankfurt/Main
Telefon: 0 69/63 00 96-0
Fax: 63 00 96-66
E-Mail: service@krebsgesellschaft.de
Internet: www.krebsgesellschaft.de
Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft
Geschäftsführer Prof. Dr. med. H. Berthold
Herbert-Lewin-Platz 1
10623 Berlin
Postfach 12 08 64
10598 Berlin
Tel.: +49 30 400456-500
Fax: +49 30 400456-555
E-Mail: info@akdae.de

©Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft
Last Update: 16.08.2005
--------------------------------------------------------------------------
[*/QUOTE*]

Quelle:
http://www.akdae.de/en/20/20/Archiv/2001/20010413.html
.
Pages: [1]