TG-1 * Transgallaxys Forum 1

Pages: [1]

Author Topic: für ein europäisches Verwendungsverbot von Politikern  (Read 1315 times)

ama

  • Jr. Member
  • *
  • Posts: 1115
für ein europäisches Verwendungsverbot von Politikern
« on: March 26, 2007, 11:51:18 PM »

[*QUOTE*]
--------------------------------------------------------------------------
Umweltbundesamt-Presseinformation 15/2007

Flammschutzmittel DecaBDE hat in Elektro- und Elektronikgeräten nichts zu suchen

Umweltbundesamt (UBA) für ein europäisches Verwendungsverbot

Die Europäische Union wollte ursprünglich ab Juli 2006 die Verwendung des
Flammschutzmittels Decabromdiphenylether (DecaBDE) in Elektro- und
Elektronikgeräten - wie Computer oder Fernseher - verbieten. Zu Recht,
meint das UBA. Denn DecaBDE ist schwer abbaubar und reichert sich in
Lebewesen an. Rückstände fanden sich bereits in menschlicher Muttermilch
sowie in zahlreichen Tierarten. Doch aus dem geplanten Verwendungsverbot
wurde nichts: Die Europäische Kommission hob die Regelung gegen den Willen
des Europäischen Parlaments im Herbst 2005 auf - also noch bevor sie
überhaupt in Kraft treten konnte.

Seit Januar 2006 klagen das EU-Parlament und Dänemark gegen diese
Entscheidung vor dem Europäischen Gerichtshof. Auch das UBA befürwortet
ein Verwendungsverbot und empfiehlt seit vielen Jahren, auf DecaBDE zu
verzichten, da es - ohne Sicherheitsverlust - weniger schädliche
Alternativen gibt, etwa bestimmte halogenfreie Organophosphorverbindungen
oder Magnesiumhydroxid.

Decabromdiphenylether ist - nach Tetrabrombisphenol A (TBBPA) - mit 56.000
Tonnen im Jahr das bromierte Flammschutzmittel mit der weltweit
zweithöchsten Produktionsmenge. Rund 80 Prozent davon kommen in
Kunststoffen für Elektro- und Elektronikgeräte zum Einsatz. Bereits seit
1994 unterliegt DecaBDE im Rahmen der EU-Altstoffverordnung einer
Risikobewertung, die die Umwelt- und Gesundheitsrisiken feststellen soll -
dem so genannten Risk Assessment. Demnach liegt für die meisten
Umweltmedien - wie Wasser und Luft - kein akutes Risiko vor. Bei der
Belastung von Böden und Sedimenten besteht hingegen noch Forschungsbedarf.
Ebenfalls ließ sich kein akutes Gesundheitsrisiko durch freigesetztes
DecaBDE aus Fernsehern oder Bürogeräten identifizieren. Es zeigten sich
jedoch eine Reihe problematischer Eigenschaften, die es aus Sicht des UBA
trotzdem erforderlich machen, auf DecaBDE zu verzichten. Hierzu gehört
seine sehr hohe Persistenz - das Flammschutzmittel ist also schwer
abbaubar - und sein Potenzial, sich in der Umwelt anzureichern. Weit
verbreitete Funde in der Umwelt belegen dies: Rückstände des
Flammschutzmittels fanden sich bereits in zahlreichen Lebewesen,
beispielsweise in Greifvögeln und deren Eiern, in Eisbären, Seerobben,
Füchsen und in menschlicher Muttermilch. Bisher ist nicht hinreichend
geklärt, auf welchen Wegen DecaBDE dort hingelangte. Das UBA ist der
Auffassung, dass Stoffe, die in der Umwelt langlebig sind oder ein hohes
Anreicherungspotenzial in Organismen aufweisen, generell nicht in die
Umwelt gelangen sollten.

In der Risikobewertung sind darüber hinaus noch Fragen hinsichtlich der
Umwelt- und Gesundheitswirkungen von DecaBDE offen: In einem Experiment an
Mäusen ließen sich neurotoxische Wirkungen des Flammschutzmittels
feststellen, die eine weitere Studie klären soll.

Es gibt weiterhin Hinweise, dass sich DecaBDE in der Umwelt teilweise zu
den niedriger bromierten und stärker giftigen Chemikalien Penta- oder
Octabromdiphenylether abbaut. Die Vermarktung und die Verwendung dieser
Stoffe sind - wegen ihrer schädlichen Wirkungen - bereits seit 2004 in der
EU verboten. Für ein Verwendungsverbot des DecaBDE in Elektro- und
Elektronikgeräten spricht nach Meinung des UBA darüber hinaus, dass
DecaBDE im Brandfall und bei einer unkontrollierten Entsorgung des
Elektroschrotts hochgiftige Stoffe - wie Dioxine und Furane - bildet. Im
Sinne einer vorsorgenden und nachhaltigen Chemikalienpolitik empfiehlt das
UBA, daher auf die Verwendung des DecaBDE zu verzichten.

Die Verwendung des DecaBDE in Elektro- und Elektronikgeräten sollte ab 1.
Juli 2006 verboten sein. Dies legte ursprünglich die EU-Richtlinie
2002/95/EG zur "Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe
in Elektro- und Elektronikgeräten" (RoHS-Richtlinie) für DecaBDE und
andere bromierte Flammschutzmittel fest. Die Europäische Kommission kann
jedoch Ausnahmen dieser Verwendungsverbote zulassen, falls der Einsatz
eines Ersatzstoffes technisch oder wissenschaftlich nicht möglich ist oder
die Ersatzstoffe noch schädlicher sind als der betreffende Stoff. Beides
ist bei DecaBDE jedoch nicht der Fall. Daher fehlt der Aufhebung des
Verwendungsverbots durch die EU-Kommission - so Dänemark und das
EU-Parlament - die rechtliche Grundlage.

Eine Reihe innovativer Unternehmen verzichtet schon seit Jahren auf den
Einsatz von DecaBDE, teilweise sogar auf alle bromierten
Flammschutzmittel. Stattdessen verwenden sie weniger schädliche
Flammschutzmittel - wie bestimmte halogenfreie Organophosphorverbindungen,
Magnesiumhydroxid, roten Phosphor, Metallphosphinate oder
stickstoffbasierte Flammschutzmittel - oder veränderte
Gerätekonstruktionen. In Deutschland verzichten die im Verband der
kunststofferzeugenden Industrie (VKE) organisierten Kunststoffhersteller
schon seit 1986 freiwillig auf DecaBDE.


Mehr Informationen zu DecaBDE und anderen Flammschutzmitteln gibt es unter
http://www.umweltbundesamt.de/produkte/flammschutzmittel/index.htm
 
Dessau, den 26.03.2007
(5.120 Zeichen)
--------------------------------------------------------------------------
[*/QUOTE*]




Wenn es stimmt, daß Gott die Menschen erschaffen hat,
dann stammen die Politiker aus der Null-Serie.


George Bernard Blouwe
.
Pages: [1]