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Author Topic: Neuer Bluttest erkennt Darmkrebs  (Read 1491 times)

ama

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Neuer Bluttest erkennt Darmkrebs
« on: May 28, 2008, 03:09:28 PM »

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+++ Neuer Bluttest erkennt Darmkrebs

Ein neuer Bluttest scheint Tumoren des Dick- und Enddarms schon im
Frühstadium nachweisen zu können. Das zeigt eine Studie, die Forscher
des Universitätsklinikums Bonn und der US-amerikanischen
John-Hopkins-Universität veröffentlicht haben. Der Test schlägt Alarm,
wenn ein bestimmtes Protein im Blut der Patienten gehäuft vorkommt.

Allerdings kann dieser Wert in seltenen
Fällen auch bei Gesunden erhöht sein. Die Mediziner
hoffen, durch gleichzeitige Auswertung weiterer
Marker sowohl die Empfindlichkeit als auch die
Zuverlässigkeit des Tests steigern zu können. Ziel ist
eine einfache und kostengünstige Screening-Methode,
die sich in Vorsorge-Untersuchungen flächendeckend
einsetzen lässt. Darmkrebs ist weltweit die
dritthäufigste Tumorerkrankung. Allein in Deutschland
fordert die Krankheit Jahr für Jahr 30.000 Opfer. Die
Hälfte von ihnen ließe sich nach Schätzungen durch
eine rechtzeitige Diagnose retten. Die Studie ist im
Journal of Cellular Biochemistry erschienen (Band
104(1), Seite 286-294).
Ein guter Krebstest sollte möglichst immer dann Alarm
schlagen, wenn tatsächlich ein Tumor vorliegt – ansonsten
aber nicht. Die neue Blutuntersuchung kommt diesem Ideal
zumindest nahe: Bei 27 Patienten mit Dickdarmkrebs
lieferte sie in 24 Fällen die korrekte Diagnose; das
entspricht einer Empfindlichkeit von 88,8 Prozent. Bei 127
Studienteilnehmern ohne Tumoren schlug der Test 21mal
fälschlicherweise an – die Spezifität betrug also gut 84
Prozent. Für einen Bluttest ist das nicht schlecht; die
Prostatakrebs-Diagnose anhand des PSA-Werts
beispielsweise ist weit unzuverlässiger.
"Das sind viel versprechende Werte", sagt denn auch die
Bonner Privatdozentin Dr. Gisela Walgenbach-Brünagel.
"Der diagnostische Goldstandard ist und bleibt jedoch die
Darmspiegelung. Daran können und wollen wir nicht
rütteln." Bei dieser auch Koloskopie genannten Methode
wird ein schlauchförmiges Endoskop durch den After in
den Körper geschoben. An seinem Ende sitzt eine Kamera,
durch die der Arzt die Darmwand inspizieren kann. Im
Verdachtsfall kann er zudem über einen Greifer direkt
Gewebeproben entnehmen. Einem geschulten Arzt entgeht
so kaum ein Tumor; die Zahl der Fehldiagnosen ist zudem
extrem gering. "Doch viel zu wenige Menschen nehmen
diese Möglichkeit wahr", bedauert die gelernte Chirurgin.
"Die Hemmschwelle vor einer Spiegelung, die ja mit
gewissen Unannehmlichkeiten verbunden ist, ist einfach zu
groß." Oft genug musste sie so am OP-Tisch einen
aussichtslosen Kampf fechten, weil die Erkrankung schon
zu weit fortgeschritten war.
Ein kleiner Pieks soll Opferzahlen senken
Allein in Deutschland fordert Darmkrebs jährlich 30.000
Opfer. Bis zu 50 Prozent aller Patienten ließen sich nach
Schätzungen bei rechtzeitiger Diagnose retten. Ein Test,
der mit einem kleinen Pieks erledigt wäre, würde dabei
sicher helfen. "Unser Ziel ist es, ein einfaches,
zuverlässiges und kostengünstiges Verfahren für
Massenscreenings zu entwickeln", erklärt
Walgenbach-Brünagel. "Im Verdachtsfall würde sich dann
eine Spiegelung anschließen."
Bis es soweit ist, muss die Wissenschaftlerin noch viel
Arbeit leisten. In einem ersten Schritt will sie zusammen
mit ihren US-Kollegen von der John-Hopkins-Universität
in Baltimore Empfindlichkeit und Zuverlässigkeit des
Tests erhöhen. Momentan richtet sich dieser gegen ein
Protein, das im Blut von Darmkrebs-Patienten gehäuft
vorkommt: Das so genannte Dickdarmkrebs-spezifische
Antigen (colon cancer-specific antigen, CCSA-2).
"CCSA-2 scheint im Kern von Dickdarmzellen die
Genaktivität zu regulieren – auf welche Weise, wissen wir
nicht", erklärt Dr. Gisela Walgenbach-Brünagel.
Weitere Studien nötig
Die Bonner Ärztin hat den Tumormarker entdeckt – ebenso
wie drei weitere CCSAs, die ebenfalls gehäuft im Blut
von Darmkrebs-Patienten vorkommen. Ein
Nachweisverfahren, das alle vier Proteine erfasst, könnte
sowohl hoch empfindlich als auch sehr spezifisch sein.
"Für ein endgültiges Urteil sind aber noch weitere Studien
mit viel mehr Patienten nötig", betont die Medizinerin.
Sie sieht jedoch gute Chancen, dass ihre
Forschungsergebnisse in einigen Jahren auch in die Klinik
Einzug halten. Ihre aktuelle Arbeitsstätte, das neu
gegründete Institut für Klinische Chemie und
Pharmakologie mit Zentrallabor unter Direktor Professor
Dr. Gunther Hartmann, biete dazu das passende Umfeld:
"Unser Ziel ist es, neue Blut-basierte Diagnoseverfahren
auch in der Praxis zu etablieren", betont sie. "Dazu
betreiben wir hier unter einem Dach Grundlagenforschung
und testen die Ergebnisse in Klinische Studien."
Auch andere haben das Potenzial ihrer Arbeiten erkannt:
Erst vor wenigen Wochen erhielt Gisela
Walgenbach-Brünagel den renommierten "Felix Burda
Award". Mit dem Preis werden innovative Arbeiten im
Bereich Darmkrebsprävention und -früherkennung
ausgezeichnet.

Kontakt:
Priv. Doz. Dr. Gisela Walgenbach-Brünagel
Institut für Klinische Chemie und Pharmakologie der
Universität Bonn
Telefon: 0228/287-12100
E-Mail: Gisela.Bruenagel [bat] ukb.uni-bonn.de
 
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Die Bonner Privatdozentin Gisela Walgenbach-Brünagel
hat mehrere Proteine identifiziert, die im Blut von
Darmkrebs-Patienten gehäuft vorkommen. Alle Fotos:
Johann Saba, Universitätsklinikum Bonn

Copyright © Uni - Bonn  Verantwortlich: Pressestelle
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Quelle:
http://www1.uni-bonn.de/pressDB/jsp/pressemitteilungsdetails.jsp?detailjahr=2008&detail=121
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