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Author Topic: Große Schlägerei!  (Read 1216 times)

ama

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Große Schlägerei!
« on: June 09, 2009, 07:59:19 PM »

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Profil

Jörg Friedrich wurde 1965 geboren. Er studierte Meteorologie und Physik an
der Humboldt-Universität Berlin. Seit 1994 ist er Software-Unternehmer. In
den letzten Jahren studierte er im Master-Studiengang Philosophie an der
Fern-Uni in Hagen und schrieb seine Masterarbeit über wissenschaftlichen
Realismus.

09.06.09 · 21:17 Uhr
Grundlagenforschung und Gesellschaft

Kategorie: Politik

Soll die Wissenschaft sich für ihr Tun und ihre Ziele gegenüber der übrigen Gesellschaft rechtfertigen, muss sie den Nutzen, den sie erbringt, nicht nur allgemein und mit Verweis auf vergangene Beispiele, sondern konkret und für jedes ihrer Vorhaben nachweisen? Und umgekehrt: muss die Gesellschaft sich Wissenschaft leisten, muss sie die Forscher weitgehend ungefragt und unkontrolliert mit den Mitteln ausstatten, die diese erwarten - in der Hoffnung oder dem Vertrauen, dass Wissenschftler selbst ja auch vernünftige Bürger sind und also verantwortungsbewusst und bescheiden mit den überlassenen Mitteln umgehen werden?

Die Situation der Wissenschaft innerhalb der Gesellschaft ist von einigen klaren und eindeutigen Abhängigkeiten und einigen weniger klaren und verworrenen Interessen geprägt. Man kann diese Situation ganz ökonomisch betrachten, auf Kosten und Nutzen hin analysieren, man kann aber auch den kulturellen Aspekt untersuchen. Wie auch immer man sich dem Thema nähert, man wird schnell merken, dass man kein klares Bild bekommt, wenn man Wissenschaft als homogenen Block betrachtet, in dem es keine weitere Differenzierung gibt.

Konzentrieren wir uns gleich auf den schwierigsten Teil: Die Grundlagenforschung. Als solche will ich hier alle wissenschaftlichen Aktivitäten verstehen, deren Nutzen für die Gesellschaft so ungewiss ist, dass jede Argumentation mit möglichen zukünftigen Effekten, mit denen die Kosten verrechnet werden können, reine Spekulation ist. Wer nach dem Higgs-Teilchen sucht oder nach Exo-Planeten, wer erforschen will, ob es vor 14 Mrd. Jahren wirklich einen Urknall gab und was wohl in den Sekunden danach geschah, der tut dies nicht mit einem Nutzen für die Menschheit im Sinn - und wenn sich, quasi als Nebenprodukt, doch ein Nutzen ergibt, dann sollte man sich schnell eingestehen, dass dieser Nutzen auch anders gestiftet worden wäre.

Der Nutzen dieser Forschung für die Gesellschaft ist in etwa so groß wie die Durchquerung der Antarktis auf Schiern, wie die Besteigung des Mont Everest, wie das Laufen von 42 km in 2 Stunden. Es gibt in unserer Gesellschaft eine ganz einfache Übereinkunft: Begeistere jemanden für Deine Idee, besorge dir jemanden, der deine Ziele unterstützt, und dann leg los.

Wissenschaftler, die Grundlagenforschung betreiben wollen, sind in der glücklichen Lage, dass ihre jeweiligen Vorgänger die Arbeit, die Gesellschaft als Ganzes von ihren Zielen zu begeistern, bereits erledigt haben: Es gibt einen Konsens darüber, dass wir wissen wollen „was die Welt im Innersten zusammenhält" - und wir sind, trotz vieler Probleme, bereit, diese Forschung zu finanzieren. Wir sind bereit, zu akzeptieren, dass große Vorhaben am Schluss doppelt so teuer werden wie geplant, wir sind auch bereit, Fehlschläge hinzunehmen und zu akzeptieren, dass wir in manchen Fällen jahrzehntelang auf spannende Ergebnisse warten müssen.

Was wir allerdings erwarten dürfen ist, dass man uns dann teilhaben lässt an den großen Taten der Wissenschaftler. Sie haben von uns eine lange Ausbildung bezahlt bekommen, wir haben ihnen teure Instrumente spendiert und bezahlen ihnen ihre lange Suche nach den tollen Erkenntnissen. Ich denke, dann dürfen wir auch darauf bestehen, dass sie uns unsere Fragen beantworten, dass sie geduldig sind, wenn wir das, wofür sie lange studiert und geforscht haben, nicht in wenigen Momenten verstehen.

Das Unverständnis beginnt eigentlich erst dann, wenn wir von unseren Alltagsproblemen aufschauen oder den Blick von den Katastrophenmeldungen der Zeitungen abwenden um uns an den Ergebnissen der Grundlagenforscher zu erfreuen und uns dann, wenn wir mal eine falsche Frage stellen, zu hören bekommen, dass wir uns erst mal schlau machen sollen, dass wir keine Ahnung haben, weil wir nicht Physik studiert haben, und wenn man uns mit ein paar hingeworfenen Sätzen abspeisen will.

Ich weiß zum Glück, dass nicht alle Wissenschaftler in der Grundlagenforschung so reagieren wie zwei oder drei junge aufstrebende Forscher bei den ScienceBlogs. Wenn es anders wäre, dann müssten wir die Frage, ob wir uns diese Grundlagenforschung leisten wollen, nämlich wirklich stellen.

 

Autor: Jörg Friedrich



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sil· 09.06.09 · 21:26 Uhr

Unterirdisch.

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Florian Freistetter· 09.06.09 · 21:36 Uhr

@Friedrich: Wie wärs denn mit ein paar konkreten Beispielen, wo wir "junge, aufstrebende Forscher bei Scienceblogs" (falls ich damit auch gemeint sein sollte) uns weigern, die Erkenntnisse unserer Grundlagenforschung zu teilen? Ich meine, es ist schon ziemlich seltsam, dass sie diesen Vorwurf an Blogger richten - also Wissenschaftler, die sich dazu entschieden haben, in ihrer Freizeit öffentlich über ihre Forschungsarbeit zu schreiben.

Sie haben mit diesem "Kein Geld für CERN, wenns in der Uni durchs Dach regnet"-Unsinn angefangen. Dass sie jetzt auf einmal so tun, als müssten sie die Gesellschaft der armen Steuerzahler vor uns bösen, unkommunikativen Grundlagenforscher schützen, ist äußerst absurd.

Nochmal: wo sehen sie hier bei ScienceBlogs, dass Wissenschaftler sich weigern, über ihre Arbeit zu sprechen und diese zu erklären?

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Andrea N.D.· 09.06.09 · 21:39 Uhr

AUA, Nein, ich wollte nicht mehr.
Wie hieß doch die Wir-Form der Könige und Kaiser noch einmal? Oder war das in der Medizin (na, wie geht es UNS denn heute?).
Also ICH bin definitiv nicht WIR.
In einem derartig polemischer Artikel, der sogar im Artikel selbst Science Blogger jetzt direkt angreift sollte schon die persönliche Meinung ausdrücken und nicht für andere, sprich WIR, sprechen wollen. Und der Artikel liest sich in Ich-Form auch irgendiwe ganz anders. Viel kleiner.

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S.S.T.· 09.06.09 · 21:41 Uhr

Ein Absatz schlimmer als der andere. Ich glaube, ich habe nicht einen einzigen Satz gelesen, dem ich zustimmen kann.

Da ist nur hinzu zu fügen: Wissenschaftler in die Produktion!

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Jane· 09.06.09 · 21:42 Uhr

"Sie haben von uns eine lange Ausbildung bezahlt bekommen, wir haben ihnen teure Instrumente spendiert und bezahlen ihnen ihre lange Suche nach den tollen Erkenntnissen."

Würde man ähnlich über Hartz IV Empfänger schreiben, der Aufschrei ließe nicht lange auf sich warten. Das ist nur ganz knapp über Hetze.

(BTW, Sie haben eine Doppelstudium *räusper*)

Sorry, Herr Friedrich, aber alleine die Tatsache, dass sie diese Sätze auf einem Computer geschrieben und ins Internet gestellt haben zeigt uns, was Wissenschaft zu leisten im Stande ist. Um es mit der Werbung eines berühmten Bonbonherstellers zu sagen: Wer hats erfunden?

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ruth· 09.06.09 · 21:51 Uhr

worauf basiert denn die behauptung, die grundlagenforschung haette keinen nutzen fuer die gesellschaft? darauf dass die meisten leute dieser meinung sind? die meinung der mehrheit ist ja bekanntlich nicht zwangsweise eins mit den tatsachen...
komisch finde ich auch dieses "wir - die gesellschaft" und "die - die wissenschaftler".
wer hat denn Ihre ausbildung bezahlt?

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Thilo Kuessner· 09.06.09 · 22:01 Uhr
Ich denke, dann dürfen wir auch darauf bestehen, dass sie uns unsere Fragen beantworten, dass sie geduldig sind, wenn wir das, wofür sie lange studiert und geforscht haben, nicht in wenigen Momenten verstehen.

Ich kenne hier auf den scienceblogs nur einen Blogger, der sich beharrlich weigert, Fragen zu seinen Texten zu beantworten.

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Christian W· 09.06.09 · 22:02 Uhr

Ach, ihr versteht den armen Jörg alle völlig verkehrt. TV, Computer, Internet, Penicillin, Impfmethode und -stoffe, Hygiene, Raumfahrt, GPS, Autos, Flugzeuge und so ziemlich alles was unser Leben vereinfacht, verlängert und lebenswert macht, haben Wissenschaftler nicht mit Hilfe der Grundlagenforschung entdeckt und erfunden. Die Wissenschaftler haben über Jahrhunderte nicht gewusst, was sie wie mit ihrer Zeit und dem ganzen Geld der Leibeigenen anstellen sollten, bis endlich die Wissenschaftsphilosophie kam und ihnen die ganzen Errungenschaften seit dem späten Mittelalter ermöglicht hat.

Nieder mit der nutzlosen, überbezahlten Forschung, ein Hoch auf die mittellose, produktive Wissenschaftsphilosophie!

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hape· 09.06.09 · 22:14 Uhr

also während bei vielen anderen Artikeln noch durch die Formulierung irgendwie die Möglichkeit bestand, sie unterschiedlich und nicht direkt wissenschaftsfeindlich, sondern vllt. auch in positivem Sinne -kritisch zu interpretieren, ist der hier ja teilweise schon .. sehr direkt.

Man kann diese Situation ganz ökonomisch betrachten, auf Kosten und Nutzen hin analysieren, man kann aber auch den kulturellen Aspekt untersuchen.

hier wird noch angedeutet, dass es verschiedenen Dimensionen geben kann, in denen man Nutzen betrachten kann, nur um dann weiter unten im Artikel quasi nur noch von materiellem bzw. direkt wirtschaftlichen Nutzen zu sprechen. Dieser wird dann als Zufallsprodukt bezeichnet, das auch sonstwie hätte entstehen können (wer weiß, vllt hätte Microsoft das wwwirgendwann in irgendeiner Form erfunden, aber ich bin mir sicher, dass die auf den freien Austausch von Wissen begründete Form wie wir sie kennen für alle Beteiligten und insbesondere für die Gesellschaft weit besser ist, als alles was MS je auf den Markt gebracht hätte. Und all die weiteren Dinge wie Radio und TV (und sonst alles was auf EM-Strahlung aufbaut), Computer usw. was sonst noch so ursprünglich auf den "Spinnereien" theorieverliebter Nerds basiert mal ganz am Rande).

Der Nutzen dieser Forschung für die Gesellschaft ist in etwa so groß wie die Durchquerung der Antarktis auf Schiern, wie die Besteigung des Mont Everest, wie das Laufen von 42 km in 2 Stunden.

Ich würde nicht sagen, dass all diese Dinge vollkommen nutzlos sind, unter anderem zeigen sie, was möglich ist, spornen Menschen an, ähnliches zu tun, sind Ansporn, Trainignsmethoden zu optimieren, besseres Werkzeug usw. zu erschaffen und sind schließlich und endlich in einer auch auf Spaß ausgerichteten Konsumgesellschaft schlicht erweiterte Geschäftsfelder. Und weiter scheint da irgendwie die Annahme drinzustecken, dass Grundlagenforschung bislang keinen Nutzen erbracht habe, weder materiellen, noch kulturellen (was ich hier gar nicht ausführlich ausführen will, aber z.B. ist die Bemühung von Wissenschaftlern, verdummende und potentiell gefährliche, Menschen zu Unmündigkeit erziehende Pseudowissenschaften zu kritisieren, durchaus auch ein kultureller Nutzen, der (auch) von Grundlagenforschern erbracht wird, aber dessen Wert scheint hier ja generell in Frage gestellt zu werden).

Was wir allerdings erwarten dürfen ist, dass man uns dann teilhaben lässt an den großen Taten der Wissenschaftler.

man muss auch bereit sein, die Augen aufzumachen, und zu erkennen, wo man schon überall teilhat. Außerdem gibt es eine ganze Reihe Grundlagenforscher, die ambitioniert über den Wert der Grundlagenforshcung sprechen usw. aber der letze Absatz zeigt ja, dass es irgendwie eher um eine persönliche Abrechnung geht und vielleicht gar nicht an unbeteiligte Leser gerichtet ist.

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The full-sized catastrophy:
http://www.scienceblogs.de/arte-fakten/2009/06/grundlagenforschung-und-gesellschaft.php#comments
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« Last Edit: June 09, 2009, 08:35:17 PM by ama »
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ama

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Große Schlägerei!
« Reply #1 on: June 09, 2009, 08:34:24 PM »

Der hochgeschätzte Herr Jörg Friedrich schreibt unter anderem:

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Was wir allerdings erwarten dürfen ist, dass man uns dann
teilhaben lässt
an den großen Taten der Wissenschaftler.
Sie haben von uns eine lange Ausbildung bezahlt bekommen,
wir haben ihnen teure Instrumente spendiert und bezahlen
ihnen ihre lange Suche nach den tollen Erkenntnissen.
Ich denke, dann dürfen wir auch darauf bestehen, dass sie uns
unsere Fragen beantworten, dass sie geduldig sind, wenn wir
das, wofür sie lange studiert und geforscht haben, nicht in
wenigen Momenten verstehen.
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In seiner Eigenreklame beschreibt der Herr Jörg Friedrich sich so:

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Jörg Friedrich wurde 1965 geboren. Er studierte Meteorologie und Physik an
der Humboldt-Universität Berlin. Seit 1994 ist er Software-Unternehmer. In
den letzten Jahren studierte er im Master-Studiengang Philosophie an der
Fern-Uni in Hagen und schrieb seine Masterarbeit über wissenschaftlichen
Realismus.
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Studiert hat er. Schön und gut. Aber hat er auch einen Abschluß in Meteorologie und in Physik?

Und wenn nein: Warum nicht?

Und dann "schrieb [er] seine Masterarbeit über wissenschaftlichen Realismus".

Was, zum Teufel, ist "wissenschaftlicher Realismus"!?


Wenn er studiert hat, hat er vom Tisch der Wissenschaft kosten dürfen. Auf Kosten des Steuerzahlers.

Und dann schreibt er, er sieht sich da wohl als Steuerzahler:

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Was wir allerdings erwarten dürfen ist, dass man uns dann
teilhaben lässt
an den großen Taten der Wissenschaftler.
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Ja, hat man ihn denn nicht teilhaben lassen? Doch, man hat. Er hat studiert.

Aber er schreibt auch:

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Ich denke, dann dürfen wir auch darauf bestehen, dass sie uns
unsere Fragen beantworten, dass sie geduldig sind, wenn wir
das, wofür sie lange studiert und geforscht haben, nicht in
wenigen Momenten verstehen.
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Das klingt ja gerade so, als wenn er an der Schulbank sitzt und diese drückt. Und sonst ist nichts passiert. Die Wissenschaft sprach nicht zu ihm. Oder hörte er sie nicht?

Oder sprach sie zu ihm und er VERSTAND sie nicht...?


Bedauerlicherweise gibt es beim Start des Spermiums in diese Welt keine Garantie auf Erfolg. Auch die Eizelle hat keine Garantien.

Keiner kann den beiden garantieren, daß aus ihnen was wird.

Geht Eltern ganz genauso.

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« Last Edit: June 09, 2009, 08:43:14 PM by ama »
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