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Author Topic: Schreiben an die Parteien des Bundestages zur Wahl 2013  (Read 1130 times)

ama

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Schreiben an die Parteien des Bundestages zur Wahl 2013
« on: July 18, 2013, 01:32:53 PM »

Ich darf das kopieren.  8)

Schreiben des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte an die Parteien des Bundestages zur Wahl 2013

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Schreiben an die Parteien des Bundestages zur Wahl 2013


An die
CDU
CSU
SPD
FDP
Bündnis 90/Die Grünen
Die Linke

18. Juni 2013
 
 
Vorstellungen und Ziele Ihrer Partei im neuen Bundestag zur gesundheitlichen Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland.

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 22. September wird ein neuer Bundestag gewählt. Wir Kinder- und Jugendärzte sehen die wichtige gesundheitliche Versorgung von Kindern und Jugendlichen, insbesondere mit chronischen  und  seltenen  Erkrankungen,  mit  Entwicklungs-  und  Verhaltensstörungen, durch entsprechend weitergebildete qualifizierte Fachärztinnen und -ärzte für Kinder- und Jugendmedizin sowohl im ambulanten als auch im stationären Versorgungsbereich gefährdet.  Viele Kinderkliniken, insbesondere  auch  große selbständige Kinderkliniken und die wichtigen  Universitätskinderkliniken  der  höchsten  Versorgungsstufe,  haben  große  wirtschaftliche Probleme und sind in ihrem Bestand gefährdet. Darum muss sich die Politik kümmern und Lösungen zusammen mit uns erarbeiten. Wir brauchen auch eine wohnortnahe stationäre Kinder-  und Jugendmedizin.  Kriterien dafür haben die in der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin zusammengeschlossenen Verbände bereits vor Jahren erarbeitet, der politische Rückhalt lässt allerdings zu wünschen übrig. 
 
Nur eine optimale Versorgung der wenigen Kinder, die noch in Deutschland geboren werden, kann sicherstellen, dass unsere Kinder und Jugendlichen möglichst gesund erwachsen werden  und  nicht  von  vermeidbaren  chronischen  Erkrankungen  gezeichnet  sind,  die  sie frühzeitig erwerbsunfähig machen und die Kosten unserer Sozialsysteme sprengen. 
 
Die UN-Kinderrechtskonvention, die der Deutsche Bundestag 1992 ratifiziert hat, gesteht jedem Kind einen Anspruch auf das „erreichbare Höchstmaß an Gesundheit“ zu. Hier sehen wir in Deutschland noch erhebliche Defizite.
 
Die derzeitige Gesundheitspolitik, die ihr Hauptaugenmerk nach wie vor weniger auf Prävention legt, sondern Millionenbeträge für die Verwaltung bereits chronischer Erkrankungen bei Erwachsenen ausgibt, setzt in unseren Augen falsche Schwerpunkte. Kinder und Jugendliche finden in unserem Gesundheitssystem nach wie vor zu wenig Beachtung, ja ihre Versorgung im ambulanten und stationären Bereich ist trotz vieler Lippenbekenntnisse aus der Politik in unserem Alltagserleben in Praxis und Klinik, aber auch im Öffentlichen Gesundheitsdienst, gefährdet. Der Streit um das Präventionsgesetz hat erneut gezeigt, dass lieber diskutiert als gehandelt wird.
 
Zahlreiche  Vorstöße  der  Kinderkommission  des  Deutschen  Bundestages,  die  Ergebnisse des 13. und 14. Kinder- und Jugendberichts der Bundesregierung harren der Umsetzung in politisches Handeln.
 
Die Verteilung der Mittel im Gesundheitswesen führt leider dazu, dass pädiatrische Praxen der Primärversorgung in sozialen Brennpunkten ohne Nebeneinnahmen durch Privatpatienten finanziell kaum überleben können und in „reichere“ Bezirke abwandern. Dabei bedarf  es  gerade  im  Bereich  der  sozialen  Brennpunkte  mit  einem  überdurchschnittlichen Kinderreichtum und einem hohen Anteil inkompletter Familienstrukturen der besonderen Kompetenz  und  des  besonderen  Engagements  sozialpädiatrisch  orientierter  Kinder-  und Jugendarztpraxen, die in einem Kompetenznetzwerk mit anderen Professionen vor Ort eng zusammenarbeiten. Diese Arbeit wird bisher trotz Bundeskinderschutzgesetz und anderer politischer Bekundungen nicht vergütet.   
 
Die KIGGS-Erhebung und auch unsere Erkenntnisse in den Praxen, in denen wir im Rahmen  der  Kinderfrüherkennungsuntersuchungen  über  90  %  aller  Kinder  eines  Jahrgangs sehen, zeigen, dass insbesondere Kinder aus sozial schwächeren Familien und Migranten bei ihren Gesundheits- und Lebenschancen benachteiligt und bereits mit ganz erheblichen Defiziten  eingeschult  werden,  die  sie  im  Laufe  ihrer  weiteren  Schulzeit  in  einer  großen Zahl von Betroffenen nicht wieder ausgleichen können. 
 
Diese soziale Benachteiligung von Kindern und Familien macht uns weiterhin ganz erhebliche Sorgen. In Klinik und Praxis erleben wir täglich die gesundheitlichen Auswirkungen bei Kindern und Jugendlichen durch Armut, Bildungsferne, inkompetente Erziehung, Ausgrenzung und Sucht. 
 
Auch die fachärztliche Versorgung von Kindern und Jugendlichen durch Kinder- und Jugendärzte mit einer speziellen Weiterbildung (Kinderkardiologie, Kinder-Endokrinologie/-Diabetologie,  Kinder-Pneumologie/-Allergologie,  Kinder-Nephrologie,  Kinder-Rheumatologie,  Neuropädiatrie,  Kinder-Onkologie/-Hämatologie,  Kinder-Gastroenterologie), die gerade für die zunehmende Zahl von Kindern und Jugendlichen mit chronischen  und/oder  seltenen  Erkrankungen  unbedingt  versorgungsnotwendig  ist,  ist durch die anhaltende Unterfinanzierung, die auch eine Erhebung des InBA bestätigt hat, massiv gefährdet. 
 
Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ) möchte vorab Ihre Positionen, die Sie im Fall einer Regierungsbeteiligung vertreten werden, kennen lernen und seinen Mitgliedern und den Eltern als Hilfe bei der Wahlentscheidung mitteilen. Ihre Antworten werden wir unter
http://www.kinderaerzte-im-netz.de veröffentlichen.
 
 
 
Wir bitten Sie daher höflich um Antworten auf die folgenden Fragen:
 
 
1.  Stehen  Sie  weiterhin  zur  Resolution  aller  Parteien  im  Deutschen  Bundestag  vom 25.06.2002, in der gefordert wird, die medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen zu sichern und zu verbessern? Wie und wann wollen Sie die Inhalte dieser Resolution vollständig umsetzen?
 
2.  Wie  wollen  Sie  die  soziale  Situation  von  Familien  verbessern,  um  die  Geburtenrate  zu steigern und zu verhindern, dass jeder 5. Bürger unter 18 Jahren an der Armutsgrenze lebt? Sind Sie bereit, als Verantwortliche in einem jährlichen Bericht der Öffentlichkeit darzulegen, mit welchem Erfolg Sie die Armut gerade bei Kindern und Familien bekämpft haben?
 
3.  Wir wissen heute, dass in der vorschulischen Entwicklung der Kinder grundlegende, wichtige Weichen gestellt werden, die über den späteren Bildungserfolg und damit wesentlich über die Sozialprognose  entscheiden. Kinder  aus  bildungsfernen, anregungsarmen  Familien haben deutlich geringere Bildungs- und Sozialchancen als Kinder aus bildungsnahen Familien. Außerfamiliäre Bildungsinstitutionen (Kita) haben laut NUBBEK-Studie nur eine Förderqualität im untersten Qualitätsdrittel. Wie wollen Sie unter Ihrer Regierung die so wichtige vorschulische, aber auch schulische Erziehung und Bildung verbessern, um allen Kindern - unabhängig von der finanziellen und Bildungssituation ihrer Eltern - möglichst optimale Startchancen zu gewährleisten? Welche Initiativen starten Sie zur Verbesserung der Förderkompetenz in Kita und Krippe?
 
4.  Welche Strategien hat Ihre Partei, um Kinder und Jugendliche wirksam vor legalen und illegalen Drogen zu schützen? 
 
5.  Wie  sehen  Sie  in  diesem  Zusammenhang  die  Auswirkungen  des  zunehmenden  Medienkonsums auf die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen und welche Maßnahmen strebt Ihre Partei an, um negative Auswirkungen einzudämmen?
 
6.  Welche Pläne hat ihre Partei, um sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche bzw. mit Migrationshintergrund  wirksamer  zu  fördern  und  zu  integrieren,  insbesondere  auch  die sprachliche Kompetenz, die für eine erfolgreiche Integration unabdingbar ist?
 
7.  Wie verlässlich bleibt unter Ihrer Regierungsmitverantwortung die beitragsfreie Mitversicherung von Kindern und Jugendlichen in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und der Verzicht auf Zuzahlungen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr? Ist der steuerliche Zuschuss der Krankenversicherung zur Finanzierung der Kosten für die Kindergesundheit dauerhaft gesichert?
 
8.  Werden Sie sich dafür einsetzen, dass Kinder, die in öffentliche Kindertageseinrichtungen aufgenommen werden, in denen auch Kinder unter 12 Monaten betreut werden, nachweisen müssen, dass sie gemäß den aktuellen STIKO-Empfehlungen geimpft sind, um Säuglinge vor potentiell tödlichen Erkrankungen zu schützen, gegen die sie aus medizinischen Gründen noch nicht geimpft werden können? Hier hat sich leider in den letzten Jahren immer noch nicht genügend getan und Deutschland erfüllt die Vorgaben der WHO nicht. Gerade in diesem Jahr gab es in Bayern, Berlin und Brandenburg erneut eine größere Zahl von Masernerkrankungen, die im Grunde vermeidbar wären.
 
9.  Werden Sie sich für den gesetzlich verankerten Ausbau der Untersuchungen zur Früherkennung  von  Krankheiten  bei  Kindern  und  Jugendlichen  bis  zum  18.  Lebensjahr  durch Änderung im SGB V (§ 26) und die Durchführung durch entsprechend qualifizierte Kinder- und Jugendärzte einsetzen, wie dies Eltern und Pädiater wünschen? Dies fordern wir nun seit über 6 Jahren immer wieder und es hat sich nichts getan. Unser Verband hat das gesamte Vorsorgeprogramm mit eigenen Mitteln und Kräften überarbeitet und den Erfordernissen  der  Zeit  angepasst,  in  der  Regelversorgung  verharren  wir  aber  noch  auf  dem Stand von vor 40 Jahren. 
 
10.  Ein besonderes Anliegen aller Kinder- und Jugendärzte ist die Übernahme der Kosten für nicht-verschreibungspflichtige  Medikamente  (OTC-Präparate)  mit  nachgewiesener  Wirksamkeit bis zum vollendeten 18. Lebensjahr durch entsprechende Änderung im SGB V (§ 34). Welche Position nimmt Ihre Partei dabei ein?
 
11. Wollen  Sie  auch  weiterhin  in  Deutschland  eine  qualifizierte  ambulante  Kinder-  und  Jugendmedizin  als  eigenständige  Fachgruppe  und  sind  Sie  bereit,  die  Sonderstellung  der haus-  und  fachärztlichen  Versorgung  durch  Kinder-  und  Jugendärzte  im  SGB  V  (§  73) festzuschreiben?
 
12. Wie stehen Sie  zu  Hausarztmodellen  nach  §  73  b  unter  dem  Aspekt  einer  qualifizierten fachärztlichen  Versorgung  von  Kindern  und  Jugendlichen?  Favorisieren  Sie  ein  Primärarztmodell mit dem Allgemeinarzt als Gatekeeper für alle Altersgruppen ohne Nachweis besondere Kenntnisse auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendmedizin und eine Verpflichtung der Krankenkassen, mit dem Hausärzteverband solche Verträge ohne Berücksichtigung  der  besonderen  Versorgungssituation  von  Kindern  und  Jugendlichen  abzuschließen? 
 
13. Wie verhindert Ihre Partei durch Einwirkung auf die Länder die derzeit zu beobachtende Ausblutung  des  jugendmedizinischen  Dienstes  im  ÖGD  (Reihenuntersuchungen,  aufsuchende Gesundheitsfürsorge, gesundheitliche Beratung und Betreuung von Kindertageseinrichtungen und Schulen), der besonders für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche eine unverzichtbare Säule des Gesundheitssystems ist?
 
14. Wie will ihre Partei den Erhalt von Kinderkliniken und Spezialambulanzen für Kinder- und Jugendliche  mit  chronischen  und/oder  seltenen  Erkrankungen  sowie  eine  qualifizierte Facharztweiterbildung zum Kinder- und Jugendarzt in Klinik, Praxis und ÖGD sichern?
Stehen Sie dazu, dass Kinder und Jugendliche nur in entsprechenden Fachabteilungen und Fachkliniken behandelt werden sollen, wie es die GMK gefordert hat, und sind Sie bereit, die dafür nötigen Mittel bereitzustellen? 
 
15. Die psychosoziale Nachsorge gerade für Kinder und Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen ist in Deutschland noch sehr unterentwickelt. Was werden Sie künftig tun, um hier insbesondere bei der Pflegebegutachtung im Kindesalter  konkrete Verbesserungen herbeizuführen?
 
16. Was wird Ihre Partei unternehmen, um die konkrete Umsetzung der Frühförderverordnung nach § 30 SGB IX zu erreichen?
 
17. Welche  konkreten  Maßnahmen  zur  Förderung  der  Kindergesundheit  und  zur  Prävention der sogenannten „neuen Morbiditäten“ im Kindes- und Jugendalter möchten Sie einleiten? 
 
18. Der Übergang der Betreuung vom Kinder- und Jugendarzt zu anderen Arztgruppen (Transition)  gestaltet  sich  für  chronisch  kranke  Jugendliche  und  Jugendliche  mit  seltenen  Erkrankungen oft sehr schwierig. Ab dem vollendeten 18. Lebensjahr dürfen Kinder- und Jugendärzte nach den Bestimmungen der Berufsordnung diese Patienten nicht mehr weiter behandeln, andere Arztgruppen können oder wollen sie jedoch zum Teil nicht übernehmen. Wo sehen Sie hier in Zukunft - gerade im Kontext der neuen Versorgungsformen im Gesundheitswesen -  eine Lösung im Interesse der zu versorgenden Patienten?
 
19. Werden Sie in Regierungsverantwortung das Potential der Selbsthilfe, das im § 20 SGB V festgeschrieben ist, weiter stärken? Wenn ja, in welcher Weise?
 
20. Wie wird sich Ihre Partei für die Verbesserung der Integration von behinderten und chronisch  kranken  Kindern  und  Jugendlichen  in  Regeleinrichtungen  sowie  die  adäquate  Betreuung in Regelschulen sowie in betreuenden Einrichtungen einsetzen?   


Mit freundlichen Grüßen

Dr. Wolfram Hartmann, 
Präsident des BVKJ
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mehr:
http://www.kinderaerzte-im-netz.de/bvkj/kinpopup/show.php3?id=32&nodeid=1


[Anmerkung:
Dieser Text ist bei kinderaerzte-im-netz anscheinend nicht mehr online.
Das TG-1 ist demnach als Archiv notwendig, um auf die Hintergründe der politischen Entscheidungen und die Wege der Korruption dahinter hinzuweisen.
Thymian]
« Last Edit: March 16, 2019, 04:32:39 AM by Thymian »
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