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Author Topic: Der Lehrer als kleiner Gott: Waldorf und Missbrauch  (Read 1028 times)

wuomingtang

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Der Lehrer als kleiner Gott: Waldorf und Missbrauch
« on: November 05, 2013, 09:45:13 PM »

Das ist ein Zitat von http://blog.gwup.net/2013/11/05/der-lehrer-als-kleiner-gott-waldorf-und-missbrauch/

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Man sollte die
   
Der Lehrer als kleiner Gott: Waldorf und Missbrauch
Verfasst von Bernd Harder 5. November 2013

Ein Gastbeitrag von André Sebastiani

In den letzten Tagen lief die Nachricht über die 5-jährige Haftstrafe eines Lehrers einer Münchner Waldorfschule über die Newsticker, weil dieser Schüler missbraucht hatte:

    Lehrer missbrauchte Schüler: fünfeinhalb Jahre Haft, Abendzeitung am 31. Oktober 2013
    Schüler missbraucht: Lehrer muss in Knast, tz am 1. November 2013
    Fünfeinhalb Jahre Haft für “Sex-Lehrer”, SAT1 Bayern am 31. Oktober 2013
    Münchner Waldorf-Lehrer zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt, Focus am 31. Oktober 2013

Nun ist Missbrauch kein exklusives Problem der Waldorfschulen. Vor einiger Zeit machte beispielsweise die Odenwaldschule, die als Vorzeigeinternat der Reformpädagogik galt, ähnliche Schlagzeilen. Und auch an staatlichen Schulen ist Missbrauch immer wieder ein Thema.

Damit könnte man den Fall eigentlich beiseitelegen — beim Lesen der Berichterstattung stutzt man aber dann doch.

Dort heißt es unter anderem:

    Der Angeklagte, der zuletzt in Landsberg wohnte und seit einem Jahr in Untersuchungshaft sitzt, hat in einem Zeitraum von mehr als 20 Jahren wiederholt Buben der Münchner Waldorfschule bei sich zu Hause übernachten lassen.“

Welcher Lehrer lässt Kinder bei sich zu Hause übernachten?

Und wie kommt es, dass Eltern ihre Kinder, allesamt zwischen zehn und elf Jahre alt, bei ihrem Lehrer übernachten lassen?

An staatlichen Schulen wäre dies undenkbar. Waldorflehrer sind aber viel mehr als nur Lehrer.

Nach Steiner (GA = Rudolf Steiner Gesamtausgabe) soll sich der Lehrerberuf wandeln …

    … zum ganz wahrhaften Priesterberuf (GA 310, 36f).

    Dem irdischen Leben haben wir zu übergeben, was aus den göttlich-geistigen Welten uns zugekommen ist in dem Kinde [...] Wenn wir diese Verhältnisse bedenken, dann erwacht in uns etwas wie das priesterliche Erziehergefühlt (GA 308, 31).”

Die Lehrer haben …

    … die göttlichen Pläne mit der Welt zu verwirklichen [...], die Intentionen der Götter aus[zu]führen (GA 298,28).”

Mit einem Lehrer, dessen Rolle durch Steiner derartig metaphysisch überhöht wird, beschleicht einen das Gefühl, dass das System Waldorf einen Missbrauchsfall, wie den in München, begünstigen könnte.

Macht ohne Kontrolle erzeugt eben auch Machtmissbrauch.

Der Pädagoge und Kritiker der Anthroposophie Prof. Klaus Prange schreibt:

    Als erstes gilt, dass der Lehrer nicht nur Schüler hat, sondern er ist ihr Schicksal, so wie zweitens das Schicksal ihm eben diese Kinder in die Hand gegeben hat, damit beide eine Schicksals- und Werdegemeinschaft bilden, indem sie aufeinander zugehen und zusammen wachsen.”

Hinzu kommt, dass der Waldorfklassenlehrer allerhöchste Autorität genießt und Steiner diese für Kinder im Alter zwischen 7 und 14-Jahren zum höchsten Erziehungsprinzip erhebt:

    Wie für die ersten Kinderjahre Nachahmung und Vorbild die Zauberworte der Erziehung sind, so sind es für die jetzt in Rede stehenden Jahre: Nachfolge und Autorität.”

Nun sollte man meinen, dass man den oft wirren Worten des Gurus Steiner in den heutigen Waldorfschulen nicht mehr allzu viel Bedeutung beimisst.

Doch dem ist leider nicht so, wie auch die neuesten empirischen Forschungen belegen. Der weit überwiegende Teil der Waldorflehrer (Prof. Heiner Ullrich spricht sogar von 90 Prozent) identifiziert sich mit der Anthroposophie und damit mit Steiners Worten.

Dass auch Waldorfeltern die fragwürdige Rolle des Klassenlehrers nicht hinterfragen, zeigt die Zeugenbefragung im Fall des Münchner Waldorflehrers:

    Der 58-Jährige war von Zeugen als „angesehener, engagierter Lehrer mit bestem Ruf“ beschrieben worden. „Es war ein Privileg, wenn die Kinder bei ihm waren“, meinte die Mutter eines Schülers. Das Vertrauensverhältnis ging laut Gericht weit über eine normale Lehrer-Schüler-Beziehung hinaus.”

Einen hundertprozentigen Schutz vor Missbrauch kann es in Systemen wie der Schule, in denen Erwachsene mit Kindern arbeiten, nicht geben. Man kann Missbrauch jedoch durch die vorherrschenden Strukturen vorbeugen — oder auch begünstigen.

Der Klassenlehrer an Waldorfschulen ist Erziehungskünstler, Priester und höchste Autorität. Wie ein kleiner Gott erkennt er hellsichtig Karma und Schicksal der ihm anvertrauten Schüler. Sein Urteil ist objektiv nicht zu hinterfragen.

Wer solche Strukturen kritiklos zulässt, darf sich kaum wundern, wenn die vermeintlich schöne heile Waldorfwelt zu Recht in die Negativschlagzeilen gerät.

Zum Weiterlesen:

    Versteinerte Erziehung, Skeptiker 4/2011 (aktualisierte Fassung online hier)
    Petition gegen eine staatlich geplante Waldorfschule, GWUP-Blog am 13. Dezember 2012
    Hoaxilla-Podcast Nr. 107: “Waldorf-Schule”
    Wochenend-Ausflug ins Waldorf-Märchenland, GWUP-Blog am 18. April 2010
    Alternative Waldorfschule? Skeptiker 1/2012
    Waldorf-Kritiker: “Mit Esoterik löst man keine sozialen Probleme”, GWUP-Blog am 28. Januar 2013
    “Pragmatischer Waldorf” – was soll das denn sein? GWUP-Blog am 10. Februar 2013

2 Kommentare zu “Der Lehrer als kleiner Gott: Waldorf und Missbrauch”
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    Pierre Castell 5. November 2013 um 18:08   

    Dieser Artikel sollte größtmögliche Verbreitung finden!
    Beobachter 5. November 2013 um 19:21   

    Es gibt ja auch anthroposophische Kliniken.
    Wie sehen sich die dort arbeitenden Ärzte – analog zur Funktion des Lehrers in einer Waldorf-Schule?
    Gibt es dort die gleichen nicht hinterfragbaren Strukturen?

    Vielleicht gibt es darüber Erfahrungsberichte –
    von Ärzten, Pflegepersonal und Patienten …

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