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Author Topic: Münsteraner Memorandum Heilpraktiker, 21.8.2017  (Read 423 times)

Krokant

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Münsteraner Memorandum Heilpraktiker, 21.8.2017
« on: September 10, 2017, 11:33:52 PM »

Wegen dieses Schriebs gibt es bei den Heilpraktikern große Aufregung. Hier als Beweisstück soundsoviel der Anklage hinterlegt.  8)

Der hpd.de hat das Ding als PDF in seiner Homepage gesichert. Interessanterweise ist das Datum in den "Eigenschaften" des "Dokuments" der 15.8.2017, 9:28:39 vormittags. Als Veröffentlichungsdatum ist der 21.8.2017 angegeben. Damit ist das PDF nicht vom hpd.de, sondern von der "Expertengruppe" gemacht worden. Was an diesem Schrieb ist so toll, daß man meint, ihn als PDF verewigen zu müssen?

Die Formatierung läßt zu wünschen übrig. Ich habe sie etwas verbessert. Das rettet den Inhalt natürlich nicht. Weil das PDF so saublöde konstruiert ist, sind bei der Umsetzung in lesbaren Text Wörter aus dem Zusammenhang gerissen worden. Teilweise tauchen die am Fuß einer virtuellen Seite auf. Ein paar habe ich an den richtigen Platz stellen können. Die restlichen habe ich da gelassen, wo sie bei der Umsetzung hingestellt wurden. Mir ist das alles zu blöd. PDF ist nur was für Angeber. Kein vernünftiger Mensch benutzt PDF!

Der gesamte Text ist nicht das Gelbe vom Ei. Mehrere Stellen habe ich fett hervorgehoben, weil man denen den Unfug nicht durchgehen lassen darf.



https://hpd.de/sites/hpd.de/files/field/file/muensteraner_kreis.pdf

[*quote*]
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Münsteraner Memorandum Heilpraktiker

Ein Statement der interdisziplinären Expertengruppe „Münsteraner Kreis“ zu einer Neuregelung des Heilpraktikerwesens
   
Manfred Anlauf, Norbert Aust, Hans-Werner Bertelsen, Juliane Boscheinen,
Edzard Ernst, Daniel R. Friedrich, Natalie Grams, Paul Hoyningen-Huene,
Jutta Hübner, Peter Hucklenbroich, Heiner Raspe, Jan-Ole Reichardt,
Norbert Schmacke, Bettina Schöne-Seifert, Oliver R. Scholz, Jochen Taupitz,
Christian Weymayr


Münster, 21. August 2017
         
Münsteraner Memorandum Heilpraktiker
Ein Statement der interdisziplinären Expertengruppe
„Münsteraner Kreis“ zu einer Neuregelung des
Heilpraktikerwesens

Manfred Anlauf,
Norbert Aust,
Hans-Werner Bertelsen,
Juliane Boscheinen,
Edzard Ernst,
Daniel R. Friedrich*,
Natalie Grams,
Paul Hoyningen-Huene,
Jutta Hübner,
Peter Hucklenbroich,
Heiner Raspe,
Jan-Ole Reichardt*,
Norbert Schmacke,
Bettina Schöne-Seifert*,
Oliver R. Scholz,
Jochen Taupitz,
Christian Weymayr*

* Federführende Hauptautoren
   
   
Zitierweise:
Münsteraner Kreis: Münsteraner Memorandum Heilpraktiker. 21.8.2017. http://daebl.de/BB36
   
   
Korrespondenzadresse:
Prof. Dr. Bettina Schöne-Seifert
Lehrstuhl für Medizinethik
Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin,
Universität Münster
Von Esmarch-Str. 62
D-48149 Münster
bseifert[at]uni-muenster.de
   
   
Weitere Informationen:
www.muensteraner-kreis.de
   
   
Unterstützer schicken bitte eine Mail an:
unterstuetzer[at]muensteraner-kreis.de

1

Inhalt
 
1 Einführung ... 3
1.1 Worum es geht ........................................................................................ 3
1.2 Definitionen und Zusammenhänge: Heilpraktiker & KAM .......................... 3
2 Hintergründe .................................................................................................. 4
2.1 Ausbildungsstandards und Tätigkeitsbefugnisse ...................................... 4
2.2 Behandlungskonzepte ............................................................................ 5
3 Bewertungen .................................................................................................. 6
3.1
 Schadenspotentiale durch die Tätigkeit reiner Heilpraktiker ..................... 6
3.2
 Schadenspotentiale durch die Tätigkeit ärztlicher KAM-Anbieter ............... 6
3.3
 Patientenautonomie und Therapiefreiheit ................................................ 7
3.4
 Fairness in der solidarisch finanzierten Krankenversorgung ...................... 8
4 Lösungswege .................................................................................................. 9
4.1
 Grundsätzliche Ziele ................................................................................ 9
4.2
 Optionen für die Lösung der Heilpraktiker-Problematik ............................ 9
4.3
 Abschaffungslösung ............................................................................. 10
4.4
 Kompetenzlösung ................................................................................. 10
5 Fazit ... 11

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1 Einführung

1.1 Worum es geht

Falsche Behandlungen von Patienten sind ein vielschichtiges Problem, dem nicht zuletzt die Ge­sundheitspolitik durch Maßnahmen der Qualitätssicherung begegnen muss. Zwei spezifische, aber nicht trennbare Teilaspekte dieses Problems sind Fehlbehandlungen durch

(i) Heilprak­tiker, die ihre Patienten überwiegend mit Interventionen aus dem Bereich der

(ii) Komple­mentären und Alternativen Medizin (KAM) behandeln.

Ihre bisweilen dramatischen Folgen wurden der Öffentlichkeit u.a. im Sommer 2016 durch den Fall am „Biologischen Krebszen­trum Bracht“ am Niederrhein deutlich. In der Obhut des Inhabers dieser Einrichtung, eines Heilpraktikers, starben damals drei Patienten, die vermutlich länger gelebt hätten, wennnach den Standards der wissenschaftsorientierten Medizin behandelt worden wären.

Unser Autorenteam – der interdisziplinäre und von institutionellen Interessen unabhängige “Münsteraner Kreis“ – versucht, die genannte Problematik aus einer dezidiert wissenschafts­orientierten und zugleich am Selbstbestimmungsrecht der Patienten ausgerichteten Perspektive zu beurteilen. Dabei werden wir in diesem Papier zunächst eine systematische Problemanalyse
vorlegen und anschließend zwei alternative Lösungsvorschläge skizzieren.

1.2 Definitionen und Zusammenhänge: Heilpraktiker & KAM

Unter Alternativmedizin (kurz: AM) verstehen wir – im Einklang mit einem verbreiteten Sprach­gebrauch – die Gesamtheit der Verfahren, die in Konkurrenz zu Behandlungsverfah­ren der wissenschaftsorientierten Medizin angeboten werden. Unter Komplementärmedi­zin (kurz: KM) verstehen wir diejenigen Verfahren, die von ihren Betreibern ergänzend zur wissenschafts­orientierten Medizin angeboten werden – wie es wohl insgesamt die häufigere Praxis ist. Zwischen beiden Bereichen gibt es erhebliche Überlappungen, die je nach Sicht der Anbieter und Patienten unterschiedlich groß sind. Aufgrund dieser mangelnden Trennschärfe erscheint es uns legitim und sinnvoll, den Sammelbegriff Komplementär-Alternative Medizin (kurz: KAM) zu verwenden. Beispiele für KAM sind: Akupunktur, Homöopathie, Bachblüten oder chiroprak­tische Gelenkmanipulation.

Die Praxis der wissenschaftsorientierten Medizin hingegen, von der die KAM sich begrifflich abgrenzt, soll zumindest ihrem Anspruch nach durchgehend wissenschaftlich begründet und in ihren Behandlungsaussichten mit hinreichendem Evidenzgrad überprüft sein, weshalb wir sie als wissenschaftsorientierte Medizin bezeichnen, die dem Ideal einer wissenschaftlichen Medi­zin verpflichtet ist. Beide Messlatten, wissen­schaftliche Begründbarkeit und klinische Evidenz, werden von vielen KAM-Befürwortern skeptisch gesehen oder sogar abgelehnt.

KAM, und hier besonders der AM-Anteil, ist gängige Praxis von Heilpraktikern, die sich aber auch Techniken der wissenschaftsorientierten Medizin bedienen. Eine Tätigkeit als Heilprak­tiker darf man in Deutschland nach geltendem Berufsrecht ausüben, wenn man eine minimalistische Prüfung bestanden hat (siehe 2.1.).

Heilpraktiker selber, so lässt sich aus den zahlreichen explizit nicht wissenschaftlich fundierten Krankheits- und Heilkonzepten schlie­ßen, sehen sich vielfach als eigenständige Säule in einem „pluralistischen” Gesundheitssystem. Ihre Patienten teilen diese Sicht gewiss in vielen Fällen.

Neben Heilpraktikern gibt es aber auch sehr viele Ärzte, die KAM-Verfahren anbieten, bewerben und dies ihrem Selbstverständnis nach als „Integrative Medizin” bezeichnen. Wäh­rend Ärzte nicht als Heilpraktiker firmieren dürfen, da eine Heilpraktikerprüfung ihnen weder

sie

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Zusatz­qualifikationen bescheinigen noch Zusatzbefugnisse verleihen würde, gilt dies nicht Zahnärzte, Psychologen oder Physiotherapeuten, die ihre vergleichsweise eingeschränkten be­rufsspezifischen Befugnisse durch eine Zusatzzulassung als Heilpraktiker ausweiten können.

Eine große Gruppe solcher „Add-on”-Heilpraktiker bietet KAM neben den etablierten akade­mischen oder halb-akademischen Verfahren ihres Berufsstands an. Wegen des (außer bei „Psy­chotherapeutischen Heilpraktikern“) unbegrenzten Behandlungsbereichs dürfen sie in dieser Funktion nämlich über das Gebiet ihrer „eigentlichen” Profession hinausgehen. So dürfen Heilpraktiker-Zahnärzte – ebenso wie Heilpraktiker-Physiotherapeuten – grundsätzlich auch Nieren- und Herzprobleme behandeln, was ihnen als „reinen” Zahnmedizinern verboten wäre.

Hier nun liegt bereits eines der größten Probleme des Heilpraktikerwesens: Durch die staatlliche Anerkennung von Heilpraktikern als „Heilkunde” Ausübende und durch die gesetzlich fixierte Berufsbezeichnung „Heilpraktiker” (vgl. Heilpraktikergesetz §1) wird Patienten sugge­riert, es handle sich um staatlich geprüfte Heiler, die im Grunde äquivalent zu Ärzten ausge­bildet seien und deren Kenntnisse sich zudem – anders als die vieler Ärzte – nicht auf ein oder zwei Fachgebiete beschränkten. Dies wäre jedoch ein klarer Fehlschluss: Medizinstudenten durch­laufen ein der Wissenschaftlichkeit verpflichtetes Studium, an dessen Ende eine staatli­che Prüfung steht. Heilpraktiker haben demgegenüber nur eine einzige Prüfung zu bestehen, in der sie nachweisen müssen, dass sie sich bestimmter Grenzen ihres Kompetenzbereichs be­wusst sind, etwa bei der Behandlung von Infektionskrankheiten. Darüberhinaus gibt es keine staatlich regulierte Ausbildung. Ärzte sind des Weiteren zu einer regelmäßigen Fortbildung verpflichtet, die der Kontrolle durch die Landesärztekammern unterliegt – Heilpraktiker ha­ben kein solches Fortbildungssystem.

2 Hintergründe

2.1 Ausbildungsstandards und Tätigkeitsbefugnisse

Ärztinnen und Ärzte dürfen Patienten versorgen, weil man begründetermaßen annimmt, dass sie über das entsprechende akademisch fundierte Wissen und Können verfügen. Um eine Kassenzulassung zu erhalten, müssen inzwischen alle Ärzte – vom Allgemeinmedizinerzum Urologen – neben der ärztlichen Approbation eine Ausbildung zum Facharzt vorweisen.

Sie haben dann also mindestens sechs Jahre Studium und mindestens fünf Jahre Facharzt­weiterbildung hinter sich. Auch Ärzte ohne Kassenzulassung müssen, so fordert etwa das Haf­tungsrecht, nach Facharztstandard behandeln.

Während also die wissenschaftsorientierte Medizin angehende Ärzte nach hohen Standards ausbildet, sind die gesetzlichen Hürden für angehende Heilpraktiker sehr niedrig und verlan­gen keinerlei wissenschaftlich fundierte, standardisierte oder kontrollierte Ausbildung. 1992 wurden Leitlinien definiert, nach denen die Gesundheitsämter Heilpraktiker in verschiede­nen Wissensgebieten prüfen müssen – schriftlich wie mündlich. Im Dezember 2016 hat der Gesetz­geber mit dem Dritten Pflegestärkungsgesetz (PSG III) das Heilpraktikergesetz undErste Durchführungsverordnung zum Heilpraktikergesetz geändert. Nunmehr sollen bis Ende 2017 unter Beteiligung der Länder einheitliche Leitlinien erarbeitet werden, auf deren Grund­lage zukünftig die Kenntnisprüfung von Heilpraktikeranwärtern durchgeführt werden soll.

Diese begrenzte Novellierung des Heilpraktikergesetzes ändert allerdings nichts daran, dass sich angehende Heilpraktiker auf die verlangte Prüfung auch autodidaktisch vorbereiten können – ohne je einen Patienten zu sehen.

für
bis
die
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Eine Erlaubnis darf auch zukünftig dann (und nur dann) verweigert werden, wenn sichder Kenntnisprüfung ergibt, dass die Ausübung der Heilkunde durch den Betreffenden eine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung oder für die ihn aufsuchenden Patienten bedeuten würde. Diese minimale Auflage wird weder der Komplexität des heute bekannten Krankheits­spektrums gerecht, noch berücksichtigt sie die vielfältigen Risiken durch Nebenwirkungen von KAM-Präparaten oder durch ihre Wechselwirkungen mit Medikamenten der wissenschafts­orientierten Medizin. Sobald Heilpraktikern die Erlaubnis zur Berufsaus­übung erteilt worden ist, dürfen sie Diagnosen stellen und Behandlungen durchführen, etwa auch Injektionen ver­abreichen und Infusionen legen. Sie dürfen damit fast alle im ärztlichen Beruf angesiedelten Tätigkeiten ausüben, bis auf wenige Ausnahmen wie die Verordnung verschreibungspflichtiger Medikamente, Tätigkeiten im Bereich der Geburtshilfe und die Behandlung bestimmter Infek­tions­krankheiten.

Belastbare Daten über die in ganz Deutschland zugelassenen Heilpraktiker gibt es nicht. Herangezogen werden kann aber die vom Bayrischen Landesamt für Gesundheit und Lebens­ mittelsicherheit geführte Statistik, nach welcher sich die Zahl der Heilpraktiker allein in Bay­ern zwischen 2003 und 2015 von 11.035 auf 23.103 mehr als verdoppelt hat.

2.2 Behandlungskonzepte

Während die wissenschaftsorientierte Medizin, wie oben skizziert, in ihren Diagnose-, Thera­pie- und Präventionskonzepten grundsätzlich rational überprüfbar sein will und ihre konti­nuier­liche wissenschaftliche Weiterentwicklung und Verbesserung anstrebt, d.h. fortschritts­fähig ist, bewegt sich das Heilpraktikerwesen überwiegend in einer Parallelwelt mit eigenen, meist dogmatisch tradierten Krankheits- und Heilkonzepten. Je nach Lehre enthalten diese mehr oder weniger wissenschaftlich unbegründete oder unhaltbare Elemente: Vielfach handelt es sich dabei um Glaubensüberzeugungen, von denen viele wissenschaftlichen Erkenntnissen widersprechen oder durch die moderne Medizin empirisch widerlegt sind.

Wo die Grenze zwischen Wissen und Glauben verläuft, wird in den Prüfungen nicht ab­ gefragt. Die entsprechenden Grenzen sind auch für viele Patienten kaum erkennbar, zumal die jeweiligen Theorien aus Laiensicht durchaus überzeugend klingen können. Aufgrund feh­lender Qualifikation gelangen viele Heilpraktiker deshalb allenfalls intuitiv oder zufälligkorrekten Diagnosen und sinnvollen Therapievorschlägen, aber eben nicht auf der Basis einer wissen­schaftlich erarbeiteten und aktuell gehaltenen Systematik. Gerade reine Heilpraktiker laufen daher Gefahr, ihre Patienten auf der Grundlage bruchstückhafter wissen­schaftlicher
Kenntnisse sowie fehlerhafter Interpretationen und überkommener Konzepte von Krankheit und Heilung zu behandeln.

Wenn hingegen Add-on-Heilpraktiker und Ärzte Alternative Medizin (AM) anbieten, tun sie dies zwar vor dem Hintergrund akademischen Fachwissens, sie blenden ihr Fachwissen beim Thema AM aber offenbar erfolgreich aus. Ob Heilpraktiker oder aber Ärzte AM anbieten, macht auch insofern keinen Unterschied, als es aus unserer Sicht ethisch illegitim ist absehbar unterlegene bis unwirksame Verfahren zu verabreichen oder sie als verdeckte Plazebos anzubieten.

bei
zu

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3 Bewertungen

3.1 Schadenspotentiale durch die Tätigkeit reiner Heilpraktiker

In den vergangenen Jahren wurden in unserem Gesundheitswesen mit breitem Konsens umfas­ sende Maßnahmen zur Qualitätssicherung eingeführt: So sind nationale Leitlinien, Zentren­bildung und Zertifizierungen Beispiele der flächendeckenden Umsetzung einer wissenschafts­orientierten Medizin auf hohem Niveau. Im Kontrast dazu steht der weitgehend ungeregelte Bereich der Behandlung durch reine Heilpraktiker, deren Berufsbefugnisse und Ausbildungs­standards, wie beschrieben, ein erhebliches Missverhältnis aufweisen.

Unbestritten schenken viele Heilpraktiker ihren Patienten Zuwendung und wohltuende Aufmerksamkeit, die diese in der auf Effizienz getrimmten wissenschaftsorientierten Medizin sehr oft nicht finden. Auch scheinen nicht wenige Patienten die aus wissenschaftlicher Sicht irrationalen Therapieansätze dieser Behandler zu bevorzugen, wobei sie allerdings den unzutref­fenden Eindruck haben mögen, deren staatliche Zulassung garantiere Qualität und Kompe­tenz. Dies liegt daran, dass staatliche Zulassungen normalerweise genau diese Funktion haben, im Sonderfall der Heilpraktiker aber nur minimale Kenntnisse zur Gefahrenabwehr verlangt werden.

Auch zur umfangreichen Verpflichtung der wissenschaftsorientierten Medizin auf den therapeutischen State of the art und auf eine beständige systematische Verbesserung gibt es innerhalb des Heilpraktikerwesens keine Entsprechung. Wenn Patienten dennoch die Dienste von Heilpraktikern in Anspruch nehmen, dann vermutlich auch deshalb, weil ihnen die zur Anwendung kommenden Verfahren oft pauschal und fälschlich als natürlich, sanft, wirksam und nebenwirkungsfrei angeboten werden.

Gerade wegen der in Deutschland in nahezu allen Bereichen üblichen und erwartbar hohen Qualitätsstandards gehen Menschen hierzulande davon aus, dass solche Standards alle wich­tigen Lebensbereiche regulieren – also auch die Gesundheitsversorgung durch Heil­praktiker.

Umso größer ist die Gefährdung durch das unkontrollierte Feld des Heilprak­tikerwesens. Mit zugespitzten Vergleichen: Es wäre undenkbar, Brückenbau auf der Grundlage spiritueller Statik zuzulassen oder jemandem die Steuerung eines Flugzeugs anzuvertrauen, dessen ganze Kom­petenz in einem erfolgreich absolvierten Workshop über die Sage des Ikarus besteht.

So abstrus dies erschiene – auf der Basis vergleichbarer fachlicher Voraussetzungen dürfen Heilpraktiker in Deutschland Patienten untersuchen und behandeln. Und ähnlich abstrus mu­tet es an, dass innerhalb der staatlich regulierten Medizin Sonder­regelungen für die Zulassung von Präparaten der Homöopathie, Phytotherapie und Anthroposophischer Medizin bestehen (vgl. §§ 38ff. AMG). Hiernach sind diese Mittel unter bestimmten Voraussetzungen von den Wirksam­keits- und Unbedenklichkeitsnachweisen ausgenommen, denen alle anderen Arznei­mittel genügen müssen. Da dies den falschen Eindruck erweckt, auch die Verwendung jener Präparate sei wissenschaftlich begründet, sollten die besagten Sonderregelungen entfallen, die sich nicht zuletzt dem erfolgreichen Wirken einflussreicher Interessengruppen verdanken.

3.2 Schadenspotentiale durch die Tätigkeit ärztlicher KAM-Anbieter

Wenn KAM innerhalb der wissenschaftsorientierten Medizin angeboten wird, entstehen ebenfalls Probleme. So können auch Ärzte, die von der Wirksamkeit bestimmter alternativ­medizinischer Verfahren überzeugt sind, ihren Patienten schaden, wenn sie solche anstelle sinnvoller Maßnahmen der wissenschaftsorientierten Medizin anwenden und ihnen somit ein evidentermaßen überlegenes Vorgehen vorenthalten.

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Aber unsere Bedenken gehen deutlich weiter. So sollten aus unserer Sicht Verfahren der Alternativmedizin überhaupt keinen Platz in der wissenschaftsorientierten Versorgung haben, da dies als wissenschaftliche „Adelung” des gerade Nicht-Wissenschaftlichen erscheinen muss, und zwar selbst dann, wenn diese Verfahren lediglich ergänzend eingesetzt werden. Hier gilt:

Ein der Patientenversorgung verpflichtetes Gesundheitssystem muss von unbelegten und über­zogenen Heilsversprechen gänzlich freigehalten werden. Dies folgt unmittelbar aus dem ethi­schen Gebot der Wahrhaftigkeit im Umgang mit vulnerablen Patienten und ihren Angehö­rigen.

Anderes allerdings gilt nach unserem Dafürhalten für solche komplementären Verfahren, die

(i) primär einer Steigerung des Behandlungskomforts dienen,

(ii) diesbezüglich transparentund ohne übertriebene Versprechungen offeriert werden und dabei

(iii) weder die Behandlungs­strategien der wissenschaftsorientierten Medizin untergraben, noch

(iv) deren Prinzipien in Frage stellen. Ärzte, die dies berücksichtigen, arbeiten im besten Sinne wissenschaftsorientiert.

Auch der Einwand, eine strikte Wissenschaftsorientierung ärztlichen Handelns stehe Patienten­bedürfnissen nach ärztlich-empathischer Anteilnahme entgegen, ist schlechthin falsch. Im Gegenteil: Eine gelingende Arzt-Patienten-Beziehung und solide Wissenschafts­kompetenz wider­sprechen sich nicht. Sie sind vielmehr gemeinsam erforderlich. So fordernethischen Standards der wissenschaftsorientierten Medizin ausdrücklich die Einbeziehung der Patienten­perspektive und die Respektierung der Patientenpräferenzen bei der Bestimmung des Thera­pie­ziels – eine gelingende Kommunikation ist hierzu unabdinglich. Gute Kommunika­tion allein – ohne Wissenschaftskompetenz – greift aber gleichfalls zu kurz und läuft Gefahr, fachlich zu ver­sagen.

Schließlich ist es gerade diese Kompetenz, die es Ärzten unter anderem ermöglicht, über­zogene Ursache-Wirkungs-Urteile zu erkennen und scheinbar "gute Erfahrun­gen" nicht vor­schnell als Nutzenbelege misszuverstehen.

3.3 Patientenautonomie und Therapiefreiheit

Patienten suchen Heilpraktiker maßgeblich deshalb auf, weil sie das, was Heilpraktiker an­bieten, von der wissenschaftsorientierten Medizin nicht zu erhalten glauben oder auch wirklich nicht erhalten können. Muss man Patienten dann davor schützen, ihre Gesund­heit zu gefährden? Oder muss dieses Risiko als Preis für Selbstbestimmung in einer liberalen Gesellschaft in Kauf genommen werden? Diese Frage verweist auf ein komplexes Problem.

Wo Heilpraktiker dezidiert in Kenntnis der bestehenden Evidenzen über die Unwirksam­keit von KAM und über Wirksamkeitspotentiale und Zeitfenster wissen­schaftsorientierter Behandlungs­alterna­tiven aufgesucht werden, scheinen solche Entschei­dun­gen als Teil der Patienten­auto­nomie respektiert werden zu müssen. Auch innerhalb der wissen­schafts­­orientierten Medizin haben Patienten jederzeit das Abwehrrecht, selbst vielversprechende Be­handlungen abzulehnen und etwa ihre Hoffnung auf Spontanheilung zu setzen. Entsprechend sind auch Hoffnungen auf Heilung durch Methoden der AM grundsätzlich zu respektieren.

Andererseits kann es ethisch nicht hingenommen werden, wenn Patienten die mitunter weit­ reichende Entscheidung, exklu­siv auf AM zu setzen, vor allem in Ermangelung umfassender und wahrhaftiger Aufklärungs­angebote treffen. Um diese sicherzustellen, gehört die Aufklä­rung über die – im Ganzen ungün­stigen – komparativen Chancen und Risiken von KAM in die Hände hinreichend kompetenten medizinischen Personals, dessen Ausbildungsstand staat­licher­seits zu garantieren ist.

die


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Zwei Schwierigkeiten, wie man sie auch aus anderen Bereichen der medizinischen Aufklä­rung und Beratung kennt, scheinen nun aber bei KAM besonders ausgeprägt. Erstens: Wenn Ärzte und Heilpraktiker ihre Patienten, wie geboten, über die fehlende wissenschaftliche Ab­sicherung und fehlende professionelle Akzeptanz von KAM aufklären, senken sie absehbar die Nachfrage nach den eigenen Behandlungsangeboten. Dies steht jedoch ihren ökonomischen Interessen entgegen und zum Teil auch ihrer Haltung zum methodischen Vorgehen der wissen­ schafts­orientierten Medizin. Ähnlich problematische Interessenkonflikte treten etwa auch beiden sogenannten IGe-Leistungen auf und müssen hier wie dort durch strukturelle Maßnah­men entschärft werden. 

Zweitens haben Patienten in bestimmten Grenzen das Recht, eine detaillierte Aufklä­rung – selbstbestimmt – abzulehnen. Bei hoher KAM-Affinität liegt der Verzicht auf kritische Informa­tionen vielleicht auch ihnen selber nahe. In diesem Fall müssten es die Therapeuten sein, die um ihrer professionellen Standards willen auf besagter Aufklärung bestehen. Wie aber, so könnte skeptisch nachgefragt werden, verträgt sich diese Forderung mit dem Prinzip der ärztlichen Therapiefreiheit? Hier lautet die unseres Erachtens richtige Antwort, dass ärztliche Therapie­freiheit nicht der Legitimation willkürlicher Eingriffe dienen, sondern die sinnvolle Anpassung leitliniengerechter Therapien an den individuellen Patienten ermöglichen soll. Ärz­ten wird Therapiefreiheit also nicht um ihrer selbst willen zuerkannt, sondern zur Ausübung ärztlicher Expertise innerhalb eines geschützten Freiraums. Analoges sollte auch für Heilprak­tiker gelten.

3.4 Fairness in der solidarisch finanzierten Krankenver­sorgung

Ein anderer ethischer Aspekt betrifft die Frage, welche Versorgungsleistungen innerhalb unseres solidarisch finanzierten Gesundheitssystems erstattet werden sollen. Auch innerhalb der wis­senschaftsorientierten Krankenversorgung werden keineswegs mehr alle zulässigen und von ei­nem Arzt empfohlenen Behand­lungen automatisch von der Gesetzlichen Kranken­versicherungübernommen. Leistungsansprüche sind vielmehr unter anderem an Nutzen­nach­weise gebun­den. Auch die ansonsten in der Medizinethik so „hochgehaltene” Patienten­autonomie kann nach allgemeinem Dafürhalten keine gegenläufigen Ansprüche – sondern eben nur ein durch­ gängiges Abwehrrecht – begründen. Entsprechend sind KAM-Verfahren bis auf wenige Aus­nahmen keine Regelleistung der Gesetzlichen Krankenkassen, weil ihre Wirksamkeit nicht hinreichend belegt ist und die Solidargemeinschaft nicht für bestenfalls Unsinniges oder für teuer bezahlte Plazebo-Therapien aufkommen soll.

Wenn Patienten KAM-Behandlungen wünschen, müssten sie diese also eigentlich aus ei­gener Tasche bezahlen. In zunehmendem Maße unterwandern allerdings viele Krankenkassen diese Regel im Wettbewerb um Mitglieder, indem sie die Kosten für KAM-Leistungen freiwil­lig erstatten – eine gegenüber der Solidargemeinschaft kaum zu rechtfertigende Praxis.

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4 Lösungswege

4.1 Grundsätzliche Ziele

Den skizzierten Problemen zu begegnen, ist eine gesundheitspolitische Aufgabe mit mehreren Teilzielen. Mittelfristig gilt: 

(1.)   Die Sonderbehandlungen von KAM-Verfahren im Arzneimittel-, Zulassungs- und Leistungs­recht sowie in der akademischen Ausbildung und Praxis müssen neu diskutiert und auf einen gemeinsamen Maßstab der Patientendienlichkeit ausgerichtet werden.

(2.)    Die wissenschaftsorientierte Medizin muss sich akut und dringlich den Herausforderun­gen gelingender Kommunikation mit Patienten stellen und etwa einer ökonomisch mo­tivierten Verdichtung der Behandlungsabläufe auf Kosten dieser Kommunikation aktiv entgegenwirken.

(3.)   Die akademisch vermittelte Medizin muss den theoretischen Grundlagen ihrer Wissen­schaftsorientierung und der Förderung wissenschaftlicher Urteilskraft in der Ausbildung angehender Ärzte mehr Raum gewähren. Nur so können Ärzte befähigt werden, sich an­ gesichts der hohen Dynamik des medizinischen Fortschritts auf dem neuesten Stand zu halten, pseudowissenschaftliche Angebote als solche zu erkennen und auch ihre Patienten über deren Status aufzuklären.

(4.)    Schließlich muss möglichst kurzfristig das oben beschriebene Missverhältnis von Quali­fizierung und Befugnissen der Heilpraktiker korrigiert werden, ohne dabei die Selbstbe­stimmungsrechte der Patienten ungebührlich zu beschränken. Allein um diesen letzten Punkt geht es im Folgenden.

4.2 Optionen für die Lösung der Heilpraktiker-Problematik

Das dringende Regulierungsziel einer Umsetzung des in 4.1. letztgenannten Punktes lässt sich auf verschiedenen Wegen erreichen, wenn auch mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen:

Eine erste Strategie könnte darin bestehen, die von Heilpraktikern ausgehenden Fehlbe­handlungsrisiken zu minimieren, indem primär deren Befugnisse begrenzt würden. Dazu könnte

(a) eine Beschränkungslösung dienen, die ihnen gemessen am Status quo weitere ärztli­che Tätigkeiten verbietet – wie dies etwa ein konsentierter Vorschlag des Deutschen Ärztetages vom Mai 2017 für den Bereich der Onkologie sowie für Injektionen und Infusionen fordert.*

Alternativ könnten Heilpraktiker

(b) einer strikten ärztlichen Weisungsbindung unterworfen werden. Diese arztzentrierte Lotsenlösung würde den Heilpraktikern allerdings faktisch ihre Patienten entziehen, weil es aus Sicht der wissenschaftsorientierten Medizin keine Indikation für Verschreibungen von AM oder von kostenintensiven Plazebo-Therapien gibt.

Eine zweite Strategie bestünde darin, primär den Kompetenzmangel der Heilpraktiker zu beseitigen. Dies ließe sich sowohl durch

(c) eine konsequente Abschaffungslösung erreichen als auch

(d) durch eine Kompetenzlösung, mit der die Befugnisse von Heilpraktikern auf ein Fach­gebiet beschränkt und an eine Ausbildung in einem Gesundheitsfachberuf gekoppelt würden.

*   Siehe:
http://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-Ordner/120.DAET/120DaetBeschlussProt_2017-05-26.pdf

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Bei den beiden letztgenannten Lösungen bestünde eine besondere Herausforderung darin, dass bereits zugelassene Heilpraktiker trotz mangelnder Kompetenz noch für vergleichsweise lange Übergangszeiten tätig wären. Daher müssten sie zum Zweck des Patientenschutzes mit einer der beiden erstgenannten Lösungen kombiniert werden. Gleichwohl erscheinen sie uns langfristig zielführender als eine der ersten beiden Lösungen alleine, denn nur so ließe sich das Kompetenzniveau innerhalb der Gesundheitsversorgung einheitlich auf einen hinreichend patientendienlichen Stand bringen. Nachfolgend gehen wir konkreter auf die beiden langfris­tigen Lösungen ein.

4.3 Abschaffungslösung

Die Abschaffungslösung bestünde darin, den staatlich geschützten Beruf des Heilpraktikers zu annullieren. Als Vorbild könnte dabei die Neustrukturierung der bundesdeutschen Zahnheil­kunde im Jahr 1952 dienen. In deren Rahmen wurde der Ausbildungsberuf „Dentist” (Zahn­techniker mit nicht-akademischer Weiterbildung) zu Gunsten des akademisch ausgebil­deten Zahnarztes abgeschafft. Eine Streichung des Heilpraktikerberufs hätte den Vorteil, die bizarre Qualitätslücke in der Parallelstruktur aus qualitätsgesicherter ärztlicher Gesundheits­versorgung und bloß Gefahrenabwehr-kontrolliertem Heilpraktikerwesen nachhaltig zu schließen.

4.4 Kompetenzlösung

Patienten – in ihrer gesundheitlichen Not und unter dem damit häufig verbundenen Zeit­druck – sind besonders vulnerabel und damit regelmäßig anfällig für falsche Heilsverspre­chungen und ökonomische Ausbeutung. Solche Beeinträchtigungen ihrer Entscheidungsfin­dung verlangen nach Maßnahmen zum Schutz der Patienteninteressen, indem staatlicherseits zumindest garan­tiert wird, dass die Anbieter von Gesundheitsdienstleistungen auch über die jeweils hinreichen­de Qualifizierung für eine sachgerechte Versorgung verfügen. Vor diesem Hinter­grund lässt sich auch die staatliche Regulierung des Medizinstudiums als Voraussetzung der Approbation verstehen und gleichzeitig die Nichtregulierung des Heilpraktikerwesens als Problem erkennen.

An die Stelle des bisherigen Heilpraktikers mit seinem problematischen Globalzuschnitt und dem gleichzeitig nicht garantierten Kompetenzniveau setzt die Kompetenzlösung daher Fach-Heilpraktiker mit wissenschaftsorientierter Ausbildung und staatlicher Prüfung. Staatlich anerkannter Fach-Heilpraktiker sollte (nur) werden können, wer bereits eine Ausbildung in ei­nem der speziellen nicht-akademischen/teilakademischen Heilberufe absolviert hat. Das beträ­fe eine Reihe von Gesundheitsfachberufen, wie Ergotherapeuten, Gesundheits- und Kranken­pfleger, Logopäden oder Physiotherapeuten.

Personen mit einer dieser Ausbildungen sollten auf Fachhochschul-Niveau eine zusätzli­che, fachspezifische Ausbildung erhalten können, die sie zum Fach-Heilpraktiker für ihren Bereich qualifiziert. Diese Ausbildung kann als einen ihrer Teilbereiche den wissenschaftlich fundierten Umgang mit KAM-Verfahren enthalten und zudem einen deutlichen Schwerpunkt auf Kommunikation und Empathie legen. Die Fähigkeit, diese Verfahren ebenso kritisch wie jede wissenschaftsorientierte Methode zu reflektieren, sollte durch eine solide wissenschafts­theoretische Ausbildung befördert werden.

Auf diese Art erhielten Fach-Heilpraktiker fachspezifische Befugnisse, die über die jetzigen Be­fugnisse der jeweiligen Heilberufe hinausgehen, aber in ihrem fachlichen Zuständigkeits­bereich verblieben (ein Physiotherapie-Fachheilpraktiker etwa bliebe beschränkt auf Beschwer

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den und Erkrankungen im Bewegungsapparat). Die zusätzlichen Qualifikationen und Befug­nisse sollten sich in der jeweiligen Berufsbezeichnung niederschlagen, etwa mit dem Anhang „und Fach-Heilpraktiker“.

5 Fazit

Medizinische Parallelwelten mit radikal divergierenden Qualitätsstandards, wie sie aktuell im deutschen Gesundheitswesen in Form von Doppelstandards bei Ergebnisbewertung und Qualitäts­kontrolle bestehen, sind für eine aufgeklärte Gesellschaft nicht akzeptabel. Bei Heil­praktikern stehen aufgrund ihrer ungenügenden, kaum regulierten Ausbildung die Qualifika­tionen und Tätigkeitsbefugnisse in einem eklatanten Missverhältnis. Heilpraktiker bieten schwer­punktmäßig alternativ- oder komplementärmedizinische Verfahren an, die in den meis­ten Fällen wissenschaftlich unhaltbar sind. Dies führt zu einer Gefährdung von Patienten.

Abhilfe verspricht nur ein gleichzeitiges Vorgehen auf mehreren Ebenen:

(1.)    eine einheitliche Bewertung der Patientendienlichkeit in allen Bereichen der Medizin;

(2.)    ein verstärktes Engagement für die Erfordernisse einer gelingenden Kommunikation mit Patienten;

(3.)   eine verstärkte Förderung wissenschaftstheoretischer Kompetenzen in Ausbildung und Studium gesundheitsbezogener Berufe; sowie

(4.)   eine Abschaffung des Heilpraktikerwesens oder eine radikale Anhebung und Sicherstel­lung des Kompetenzniveaus von Heilpraktikern. Wir haben uns hier auf die Reform des Heilpraktikerwesens konzentriert und dafür zwei Lö­sungsvorschläge skizziert: Wir empfehlen entweder die gänzliche Abschaffung des Heilprak­tikerberufs oder dessen Ablösung durch die Einführung spezialisierter „Fach-Heilpraktiker“ als Zusatzqualifikation für bestehende Gesundheitsfachberufe. Für die Übergangsphase empfehlen wir eine gesetzliche Beschränkung des Heilpraktikerwesens auf weitgehend gefahrlose Tätigkeiten. Auf diese Weise ließen sich die Gefahren für Patienten reduzieren und die Patien­tenversorgung langfristig wesentlich verbessern.


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[gewurmlochte Wörter an den richtigen Platz gestellt. Julian]
« Last Edit: September 10, 2017, 11:49:43 PM by Julian »
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Krokant

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Re: Münsteraner Memorandum Heilpraktiker, 21.8.2017
« Reply #1 on: September 10, 2017, 11:40:03 PM »

Das kann mich echt aufregen:

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Ihre bisweilen dramatischen Folgen wurden der Öffentlichkeit u.a. im Sommer 2016 durch den Fall am „Biologischen Krebszen­trum Bracht“ am Niederrhein deutlich. In der Obhut des Inhabers dieser Einrichtung, eines Heilpraktikers, starben damals drei Patienten, die vermutlich länger gelebt hätten, wennnach den Standards der wissenschaftsorientierten Medizin behandelt worden wären.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
[*/quote*]


Es sind nicht 3, sondern 4 Tote!

[*quote*]
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Bisher bekannte Opfer von Klaus Ross:

1. Montag, 22.7.2016 gestorben: Frau, 31 Jahre, aus Rotterdam, Niederlande: Fleur Walter

2. Donnerstag, 28.7.2016 gestorben: Frau, 55 Jahre, aus Beveren, Belgien: Leentje Callens

3. Freitag, 29.7.2016 gestorben: Mann, 55 Jahre, aus Apeldoorn, geboren in Elspeet, Niederlande: Peter van Ouwendorp

4. Samstag, 30.7.2016 gestorben: Frau, 43 Jahre, aus Wijk in Aalburg, Niederlande: Joke van der Kolk
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[*/quote*]

Quelle: natürlich wir.
http://www.transgallaxys.com/~kanzlerzwo/index.php?topic=9014.0
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Julian

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Re: Münsteraner Memorandum Heilpraktiker, 21.8.2017
« Reply #2 on: September 10, 2017, 11:51:18 PM »

[*quote*]
(3.)   Die akademisch vermittelte Medizin muss den theoretischen Grundlagen ihrer Wissen­schaftsorientierung und der Förderung wissenschaftlicher Urteilskraft in der Ausbildung angehender Ärzte mehr Raum gewähren. Nur so können Ärzte befähigt werden, sich an­ gesichts der hohen Dynamik des medizinischen Fortschritts auf dem neuesten Stand zu halten, pseudowissenschaftliche Angebote als solche zu erkennen und auch ihre Patienten über deren Status aufzuklären.
[*/quote*]

Frei übersetzt: "Die Ärzte sind heute zu blöde für Medizin. Die müssen erst mehr lernen!" Kann man so unterschreiben, denke ich.   8)
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Munterbunt

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Re: Münsteraner Memorandum Heilpraktiker, 21.8.2017
« Reply #3 on: September 11, 2017, 04:20:10 AM »

Daß die das mit den drei Toten weiterverbreiten... Daran sieht man, wie wenig die wirklich recherchieren. Aber was soll's? Die Polizei und die Staatsanwaltschaft sind von der gleichen Kragenweite. Alles Pfuscher. Deswegen haben die die juristischen Verfahren anscheinend auch voll in den Sand gesetzt.

Ist die "interdisziplinäre Expertengruppe 'Münsteraner Kreis'" dieser kleine Haufen, deren Namen man am Anfang des Texts sieht?

1. Manfred Anlauf,
2. Norbert Aust,
3. Hans-Werner Bertelsen,
4. Juliane Boscheinen,
5. Edzard Ernst,
6. Daniel R. Friedrich*,
7. Natalie Grams,
8. Paul Hoyningen-Huene,
9. Jutta Hübner,
10. Peter Hucklenbroich,
11. Heiner Raspe,
12. Jan-Ole Reichardt*,
13. Norbert Schmacke,
14. Bettina Schöne-Seifert*,
14. Oliver R. Scholz,
15. Jochen Taupitz,
16. Christian Weymayr*
* Federführende Hauptautoren

Oder sind die in der Liste bloß diejenigen, welche den Schwatz zusammengeschrieben haben?


Da ist ein Nest!


https://www.researchgate.net/profile/Daniel_Friedrich4

University of Münster
Institute of Medical Ethics, History and Philosophy of Medicine
Münster, NRW, Germany

Daniel R. Friedrich

Top co-authors
Bettina Schöne-Seifert
University of Münster

Jan-Ole Reichardt
University of Münster


Institute of Medical Ethics, History and Philosophy of Medicine. Die hohe Kunst der Laberistik, würde ich sagen. Also nichts ernsthaft Medizinisches, sondern Dummschwatz über Medizin. Und sich mit der "Ethik" zum Oberaufseher über alles machen. Daß diese sich vor Heilpraktikern fürchten, kann ich verstehen. Heilpraktiker sind Dummschwätzer per definitionem.
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Sesambrötchen

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Der SWR mischt sich ein
« Reply #4 on: September 17, 2017, 12:22:15 PM »

Im Blog der GWUP wird auf die Sendung des SWR hingewiesen. Nach dem Blog-Komm sind > 40 Kommentare, darunter von Wittig, dem Süddeutsche-Zeitung-"Journalisten" aus der Sendung und Natalie Grams, die euch bekannt sein dürfte.

Ich kopier
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Sesambrötchen

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Re: Münsteraner Memorandum Heilpraktiker, 21.8.2017
« Reply #5 on: September 17, 2017, 12:26:50 PM »

Was war das?

Egal.

Das ist der Stoff im GWUP-Blog


http://blog.gwup.net/2017/09/13/heilpraktiker-debatte-im-sudwestrundfunk-scharlatane-oder-alternativ-mediziner/#comment-106103

[*quote*]
gwup | die skeptiker
… denken kritisch seit 1987.

Heilpraktiker-Debatte im Südwestrundfunk: „Scharlatane oder Alternativ-Mediziner?“
Verfasst von Bernd Harder 13. September 2017   in Blogs & Medien, GWUP und Paramedizin. 40 Kommentare   

Sachen gibt’s …

Zum Beispiel einen harmoniebedürftigen SWR-Moderator, der vor einer Live-Debatte zwischen einem der Hauptautoren des Münsteraner Memorandums und einem Heilpraktiker-Funktionär ernsthaft geglaubt hatte, seine Sendung werde mit der allseitigen Übereinkunft enden, dass die “Alternativmedizin” eine sinnvolle Ergänzung zur “Schulmedizin” sei …

Hier geht’s zum Podcast (zirka 45 Minuten).

Ein ausführliches Interview mit Dr. Christian Weymayr gibt es auch im neuen Skeptiker (3/2017), der nächste Woche erscheint.

Zum Weiterlesen:

    Liebe Heilpraktiker, „überzeugt uns, dass Ihr gebraucht werdet. Oder lasst es“, GWUP-Blog am 4. September 2017
    Faule Rosinen aus der Heilpraktiker-Debatte, Gesundheits-Check am 1. September 2017
    „Ekelhafte Lobbyistenaktivität“: Münsteraner Kreis zu den Heilpraktiker-Vorwürfen, GWUP-Blog am 22. August 2017

40 Kommentare zu “Heilpraktiker-Debatte im Südwestrundfunk: „Scharlatane oder Alternativ-Mediziner?“”
RSS-Feed für diesen Artikel Trackback-Addresse   

    RPGNo1
    13. September 2017 um 14:50   

    “Ralf Caspary ist aufgewachsen in der Nähe von Düsseldorf und dann Frankfurt am Main. Nach dem Abitur Studium der Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte in Mainz, 1989 Volontariat beim damaligen SWF.” (Quelle: https://www.swr.de/swr2/programm/swr2-moderatoren-ralf-caspary/-/id=661104/did=2004682/nid=661104/1dhghzp/index.html)

    Ah ja, das Studium sagt alles.
    Martina Rheken
    13. September 2017 um 16:13   

    Der Heilpraktiker bekommt Schnappatmung und ist anscheinend aufrichtig fassungslos gegenüber den Forderungen des Münster-Memorandums.

    Der SWR-Wissenschaftsredakteur kann sich nicht entscheiden zwischen wissenschaftlicher Redlichkeit (“Homöopathie ist Unsinn”) und Hörer-Anbiederung (“Das Memorandum ist unglaublich arrogant”).

    Herr Weymary ist eigentlich gut, ruhig, freundlich. Mitunter hätte es etwas kürzer und prägnanter sein dürfen.
    Bernd Harder
    13. September 2017 um 16:16   

    @Martina:

    Tja, wenn die Heilpraktiker sich mal auf Wadenwickel und sonstigen Erkältungsbeistand beschränken würden, wie Wilms am Schluss weismachen wollte.

    Darauf hätte man in der Tat vehementer kontern können.
    Martina Rheken
    13. September 2017 um 16:22   

    @Bernd:

    Neue Einnahmequelle für unsere Freunde:

    http://www.spiegel.de/spiegel/mitochondrien-quacksalber-missbrauchen-die-serioese-forschung-a-1167104.html
    noch'n Flo
    13. September 2017 um 17:27   

    @ Martina Rheken:

    Leider versteckt sich auch dieser Artikel mal wieder hinter einer Bezahlschranke.
    skeptikus
    13. September 2017 um 21:46   

    Der Heilpraktikerlobbyist geschenkt, unreflektiert und peinlich. Aber dass der SWR Wissenschaftsredakteur sich gleich so parteiisch positioniert, ohne das gut zu begründen.

    Das Herr Weymayr so ruhig geblieben ist. RESPEKT.
    Frank Wittig
    14. September 2017 um 09:17   

    Ihr macht es Euch etwas zu einfach, finde ich. Hier eine Kopie meines Pots bei Natalie: Frank Wittig Hi Natalie, ich habe dieselbe Position vertreten, die ich auch bei unserem ersten Treffen vertrat: Es gibt viele “Störungen” des Wohlbefindens, die sich nicht mit Pharmazie oder dem Skalpell behandeln lassen. Psychosomatisch. Und dann gibt es viele Menschen, die sich von Heil-Konzepten überzeugen lassen, die nicht naturwissenschaftlichen Standards entsprechen. Und innerhalb dieser Konzepte Hilfe finden. Du hast es doch selbst erlebt. Als erfolgreiche Homöopathin. Dass Du nach Deinen Recherchen sagst: “Ich kann das nicht mehr machen, weil ich nicht mehr daran glaube und das Gefühl hätte, ich belüge meine Patienten” ist sehr ehrenhaft. Dass Du aber diese erfolgreiche Heilpraxis ablehnst und bekämpfst, ist für mich nicht nachvollziehbar. Ihr macht aus “Wissenschaftlichkeit” einen Fetisch. Vielleicht werft Ihr mal einen Blick auf die “Dialektik der Aufklärung”
    Horkheimer und Adorno haben zusammen diese Essay-Sammlung herausgegeben: Bei Wikipedia (Du liebst das ja, Natalie „smile“-Emoticon:-) ) heißt es dazu in einer ersten Annäherung:
    “Angesichts des Triumphs von Faschismus und Monopolkapitalismus als neuen Herrschaftsformen, denen die Gesellschaft keinen nennenswerten Widerstand entgegensetzt, unterziehen die Autoren den Vernunftbegriff der Aufklärung einer radikalen Kritik. […] . Aufgrund dieses „Herrschaftscharakters“ der Vernunft sei die Aufklärung, obwohl sie eigentlich die mythische Weltsicht überwinden wollte, in der modernen Gesellschaft in eine neue Mythologie zurückgeschlagen. Diese „Verschlingung von Mythos und Aufklärung“ (Habermas)[1] habe nicht einen Befreiungs-, sondern einen universellen Selbstzerstörungsprozess der Aufklärung in Gang gesetzt. Diesem Prozess durch „Selbstbesinnung“ und Selbstkritik der Aufklärung Einhalt zu gebieten, ist ein zentrales Motiv der Autoren.”
    Da hat man mal was, zum drüber nachdenken … liebe Grüße –

    Bernd Harder
    14. September 2017 um 11:24   

    @Frank Wittig:

    Horkheimer und Adorno zu zitieren, macht Geschwurbel nicht unbedingt sachbezogener.

    Dr. Weymayr hat Ihnen noch während der Sendung erklärt, worum genau es geht:

    Wenn Leute meinen, sie müssten jenseits von jeder Rationalität und Begründbarkeit zu einem “Heiler” gehen (Sie nannten das in der Sendung “Schamanismus”) – dann sollen sie das halt tun.

    Nur darf Mumpitz nicht mit Prädikaten wie “geprüft”, “staatlich anerkannt” etc. geadelt werden. Aus dem simplen Grund nämlich, damit Menschen, die eben nicht wissen, womit und mit wem sie es zu tun haben (und das sind meiner Erfahrung nach viele), nicht fälschlicherweise glauben, in einer völlig seriösen Praxis zu sein, die nach geprüften, belegten und anerkannten Kriterien arbeitet.

    Das Ziel ist also Patientenschutz bzw. eine Verbrauchertäuschung im Gesundheitsbereich zu beenden.

    Jeder hat das Recht auf seine persönliche Irrationalität. Und jeder kann sein Geld ausgeben, wofür er will.

    Er/sie sollte nur *wissen*, worauf er/sie sich einlässt.

    Und das ist derzeit nicht gegeben. Selbst Homöopathie-Fans wissen nicht, was Homöopathie überhaupt ist, und selbst jahrelange Heilpraxen-Besucher haben oft keine Ahnung, in wessen Hände sie sich da begeben.

    “Da hat man mal was, zum drüber nachdenken.”

    Aber Sie nennen uns “arrogant”?

    Denken Sie ernsthaft, dass das völlig neu für uns ist und wir uns darüber noch nie Gedanken gemacht haben?
    Natalie Grams
    14. September 2017 um 11:41   

    Dann poste ich hier meine Antwort – Rest findet sich auf meiner Chronik (allerdings nicht öffentlich).

    Lieber Frank. Zunächst danke, dass du dich gemeldet hast. Deine Vorwürfe wundern mich dennoch.

    Denn was bedeutet denn “Wissenschaftlichkeit”? Doch nichts anderes, als dass man mit einer dem Forschungsgegenstand (“Mensch”) angemessenen Methode überprüft, ob das was man über ihn aussagt, stimmt, oder über seine Funktionen.

    So haben wir also gute Gründe, Wirksamkeit von Therapien oder Medikamenten mit klinischen Studien zu überprüfen.

    Oder wir haben Naturgesetze, die uns wissen lassen, ob etwas theoretisch möglich ist oder nicht. Viele Methoden von HPs widersprechen solchen Naturgesetzen, das heisst, sie KÖNNEN nicht wirksam sein – über psychologische, wie Du sagst schamanische, Prinzipien hinaus.

    Studien gibt es meist überhaupt nicht. Wie also können wir hier davon ausgehen, dass HPs etwas Gutes tun? Es gibt doch – außer Anekdoten – gar keine Belege dafür.

    Dass Vodoo und Wertschätzung Menschen gut tun, ist doch aber auch gar kein Frage und ja, das habe ich auch erlebt und gelebt. Aber ist das Medizin? Heute würde ich ganz klar sagen: Nein. Das ist jedermanns Privatsache. Wie Glauben eben auch.

    (Anmerkung: Frank Wittig schrieb, dass HPS dazu raten zur Schulmedizin zu gehen, wenn Gefahr im Verzug ist) Und tun sie das auch? Sorry, aber ich habe mit vielen, vielen HPS zusammen in Fortbildungen gesessen und weiß sehr gut, wie die gegenüber “der Schulmedizin” eingestellt sind.

    Bis auf wenige Ausnahmen – und die haben nichts gegen eine Reform des HP-Wesens! – hassen und verdammen die alles was mit “Schulmedizin” zu tun hat – oder haben keinerlei Ahnung davon.

    Ich fürchte, da machst Du Wölfe zu Schafen.
    Martina Rheken
    14. September 2017 um 11:50   

    Hallo Herr Wittig,

    ich nehme an, Sie sind der SWR-Wissenschaftsredakteur aus der Sendung?

    “Und dann gibt es viele Menschen, die sich von Heil-Konzepten überzeugen lassen, die nicht naturwissenschaftlichen Standards entsprechen.”

    Sind Sie denn der Überzeugung, dass jedes Bedürfnis von irgend jemandem auch unbedingt befriedigt werden muss?

    Was ist mit Gurtpflicht, Schulpflicht etc.?

    Soll man das auch freistellen, weil viele Menschen sich vom Sicherheitsgurt eingeengt fühlen und viele Eltern ihre Kinder lieber zu Hause unterrichten würden?

    Bis wohin, wie weit wollen Sie die Absenkung von “naturwissenschaftlichen Standards” treiben?

    Zurück in die Vor-Aufklärung?

    Und was genau heißt “überzeugen lassen”? Sie formulieren im Passiv. Heißt das, Ihnen ist völlig klar, dass das Bedürfnis nach Schamanismus erst von den Schamanen selbst geweckt wird?

    Und Ihre Antwort darauf ist nicht eine Stärkung der “guten” Medizin, in der Patientenbedürfnisse ersnt genommen und erfüllt werden können sondern die Förderung der Schamanen?
    Udo Endruscheit
    14. September 2017 um 12:49   

    Auch hier zeigt sich einmal mehr: Jede, aber auch jede Gegenrede gegen das Münsteraner Memorandum wird verdorben durch Whataboutism, durch den unterschwelligen Vorwurf, man wolle etwas “verbieten” (nein, man will nur unberechtigte Schonbezirke beseitigen), einerseits sei der Patient doch ach so mündig, andererseits auch wieder nicht…

    Und über das, was Heilpraktiker wirklich tun, kann man so lange trefflich streiten, wie man es überhaupt nicht wirklich belegen kann. Opfert man ein, zwei Stunden und wandert man durch etliche HP-Seiten, zeigt sich allerdings der Beweis des Anscheins, dass weit überwiegend nicht evidente Verfahren und Mittel bis weit in den Bereich der Esoterik hinein angeboten werden.

    Zudem setze ich einmal meine ganr persönliche Erfahrung (ja, ich weiß, kein allgemeingültiger Maßstab)gegen die Ansicht, man wolle wirklich ein Nebeneinander mit der wissenschaftlichen Medizin und man sei in der Lage, rechtzeitig zur Schulmedizin zu überweisen (was ja bestenfalls ein Anzeichen dafür wäre, dass der HP eine Einsicht darin hätte, dass seine Methoden nur Trittbrettfahrer der Selbstheilungskräfte sind).

    Ich erlebe in Diskussionen und Kommentarzuschriften vielfach eine völlige Ablehnung, ja Verteufelung der “Schulmedizin”. Da ist eine Front, nicht mal ein Waffenstillstand.

    Ich ziehe einmal einen Vergleich heran, der vielleicht ganz gut illustriert, worum es geht. Die Rechtsberatung ist bei Strafe allen untersagt, die nicht als Rechtsanwälte zugelassen sind. Selbst Menschen, die z.B. Wirtschaftsjura studiert und abgeschlossen haben, ist jegliche Rechtsberatung untersagt.

    Die Begründung hierfür ist, dass staatlicherseits ein Schutz des Bürgers vor Vermögens- und sonstige Schäden durch nicht fachgerechte Rechtsberatung gewährleistet werden müsse. Bitte dies mal gegen die Situation Ärzte ./. Heilpraktiker abwägen.

    Schäden aus einer möglichen falschen Rechtsberatung, auch von Leuten, die durchaus eine Qualifikation in die Waagschale werfen könnten, sieht der Staat als gesetzlich schutzwürdig an. Schäden an Gesundheit, Leib und Leben nicht?
    Norbert Aust
    14. September 2017 um 13:29   

    Wie ich auch schon auf der FB-Seite von Natalie Grams geschrieben habe:

    Wenn Ihre Position zur Homöopathie auch bei den Homöopathen vertreten würde, hätte wohl niemand ein Problem damit.

    Aber: die Homöopathie wird aktiv beworben – leider auch von Ärzten – als wäre sie eine wirksame Therapieform:

    “Homöopathie hilft bei allen Krankheiten, die keiner chirurgischen oder intensivmedizinischen Behandlung bedürfen. Ein sorgfältig ausgewähltes Arzneimittel heilt schnell, sanft, sicher, nebenwirkungsfrei und dauerhaft auch schwere, akute und chronische Erkrankungen … für die sonst nur Linderung, aber keine Heilung möglich ist. Dies gilt auch für akute Krankheiten bakterieller und viraler Natur.”

    Das stand lange auf der Webseite von Cornelia Bajic, Chefin des DZVhÄ. Dass das keine Einzelmeinung ist, kann man an vielen Stellen nachlesen. Wenn Homöopathen ohne Grenzen und Hemmungen auch Ebola mit Homöopathie behandeln wollen.

    Und warum muss ein Homöopathikum so aussehen wie ein richtiges Arzneimittel, wenn es nur darum geht, Menschen von dem “Konzept zu überzeugen”?
    Martin
    14. September 2017 um 13:59   

    Vielleicht sollten Sie sich,Herr Wittig, einmal mit diesen Menschen,die diese “Heilkonzepte” anbieten befassen.

    In diesem Land kann jeder Scharlatan der sich dazu berufen fühlt oder dringend Geld benötigt Schamane werden.Damit hat er einen Freibrief um an der Psyche anderer Menschen herumzupfuschen und seine eigene psychische Klatsche dort auszukurieren.(Psychisch Kranke können sozusagen psychisch Kranke behandeln).

    Psychologen müssen Jahre studieren,bevor sie Menschen behandeln dürfen.

    Diese PlastikSchamanen haben Narrenfreiheit weil diese einfältige Gesellschaft diese Zunft kritiklos aufwertet und voller Ehrfurcht vor diesen Märchenerzählern erstarrt.

    Kommen sie in die Realität zurück und sehen sie, dass mit dem Schamanentum für Scharlatane eine riesige unkontrollierbare Marktlücke geschaffen wurde,wo jeder weltfremde Spinner Psychotherapie nach seinem Ermessen betreiben kann und darf.Ich selbst habe im übrigen vor dem historischen Schamanismus Respekt.

    Aber heute ist ja der Schamanismus ein einträchtiges Geschäftsmodell…
    Michael Fischer
    14. September 2017 um 14:32   

    Hallo Herr Wittig,

    da hat man mal was zum drüber nachdenken…nur leider haben es Historiker weniger mit den Thesen der Dialektik der Aufklärung.

    “Roy Porter, Fachmann für Sozialgeschichte des 18.Jahrhunderts, hat die Horkheimer-Adorno These schlicht “historischen Unsinn” genannt.”(aus: Der Spiegel – Geschichte, Ausgabe 2/2017).
    Bettina Frank
    14. September 2017 um 14:40   

    Kopiere ebenfalls mein Posting von Natalie Grams Seite mal hierher:

    Frank Wittig, es wurde hier schon vieles gesagt, was man nicht wiederholen und bekräftigen muss.

    Dieses Gespräch empfand ich als eine einzige Katastrophe und einen Schlag ins Gesicht für jeden aufgeklärten Menschen. Es war im Grunde eine reine Eso-Veranstaltung, die wirklich nur peinlich ablief. Dem Einzigen, der wirklich vernünftig und im Sinne unserer heutigen modernen Zeit argumentierte, Christian Weymayr, pflichtete niemand bei.

    Erst dachte ich tatsächlich an eine einfach nur missglückte Sendung, aber wenn ich Sie nun hier argumentieren sehe, ist mir klar, dass Sie voll hinter dem stehen, was Sie auch gesagt haben.

    Ihnen scheint vieles aus der Eso-Szene nicht gewahr zu sein, sonst würden Sie als Medizinjournalist nicht so eine, sorry, absurde Haltung einnehmen. Es ist bekannt, dass Heilpraktiker-Anwärter fast ausnahmslos die moderne Medizin ablehnen, sich gegen das Impfen aussprechen und bei ihren “Patienten” diffuse Ängste schüren oder bereits vorhandene aktiv bestätigen.

    Es gibt in Heilpraktikerschulen auch praktische Anleitungen, wie man sich am besten verstellt, um durch die Prüfung zu kommen und nicht gleich als Gefahr für Patienten erkannt zu werden.

    Wenn so eine Haltung von einem Arzt/Medizinjournalisten kommt, ist sie ungleich schwerwiegender und enttäuschender. Da könnte einem manchmal fast der Mut verlassen, ob all diese Aufklärungsarbeit denn überhaupt Sinn macht.
    klauszwingenberger
    14. September 2017 um 15:19   

    @ U. Endruscheit:

    “Die Rechtsberatung ist bei Strafe allen untersagt, die nicht als Rechtsanwälte zugelassen sind. Selbst Menschen, die z.B. Wirtschaftsjura studiert und abgeschlossen haben, ist jegliche Rechtsberatung untersagt.”

    Ja, und das Thema kann man sogar noch etwas verschärfen. Wer einen Autobus steuern will, benötigt eine Fahrerlaubnis der Klasse BCE und eine Personenbeförderungslizenz.

    Diese bekommt man nur nach Prüfungen mit einem theoretischen Teil und, was den gewerblichen Personenbeförderer vom Heilpraktiker unterscheidet, einem praktischen Teil, basierend auf praktischen Übungen im echten Straßenverkehr.

    Fürs blauäugige Herumheilen reicht ein Ankreuztest. Einen echten Kranken, geschweige denn einen Notfall, bekommt ein Praktikus bis zum Erwerb seines Freifahrtscheins nie zu sehen. Stattdessen trichtern dem Kandidaten die einschlägigen “Akademien” das überholte Zeug vergangener Jahrhunderte ein.

    Würde sich jemand in einen Reisebus setzen, der von einem Fahrer gesteuert wird, der seine Lektionen aus Büchern über Esels- und Ochsenkarren zog, vermischt mit Geschichten über fliegende Teppiche?

    Ach, ehe ich’s vergesse: der erweiterte Erste-Hilfe-Kurs für Berufskraftfahrer mit Personenbeförderungserlaubnis ist dagegen wenigstens etwas Handfestes, wenn mal Not am Mann ist.
    crazyfrog
    14. September 2017 um 16:30   

    Wer es sich hier “zu einfach” macht, ist eindeutig Wittig.

    Oder kommt noch etwas auch nur halbwegs richtiges oder disktables?
    Gast
    14. September 2017 um 16:43   

    Ich kann er gar nicht glauben, was ein angeblicher „Medizinjournalist“ ah sorry, „Wissenschaftsjounalist“ wie Herr Frank Wittig uns in der Sendung so erzählt! Mich wundert in Deutschland nichts mehr, wirklich!

    Hohe Glaubwürdigkeit genießt der, der mir sagt, was ich ohnehin hören will, gell Herr Wittig.
    http://www.krebs-kompass.org/showthread.php?t=34726
    noch'n Flo
    14. September 2017 um 17:02   

    @ klauszwingenberger:

    Ich treibe es noch ein wenig mehr auf die Spitze: wer würde in ein Flugzeug einsteigen, an dessen Steuerknüppel ein ehemaliger Vogelstimmenimitator mit Meise unterm Pony sitzt, der sich über einen Zeitraum von 10 Wochen ganz intensiv Fotos von Flugzeugen von Anfang des 20. Jahrhunderts angeschaut hat (um den Geist der Luftfahrt zu spüren), in der Schule leidlich gut Papierflieger falten konnte und dessen Cousin jemanden kennt, der mal mit jemandem zusammengewohnt hat, dessen Grossmutter die Hebamme von jemandem war, dessen Sohn mal an einem Flughafen vorbeigefahren ist?

    (Okay, ich fürchte, wenn der Flug schön billig und genügen Bier an Bord ist, fänden sich da tatsächlich so einige…)
    WolfgangM
    14. September 2017 um 17:57   

    Es geht ja nicht nur um Heilpraktiker, es geht ja auch um Heilungsansprüche von Homöopathen.
    Hier ein Beispiel des Impfgegners und Homöopathen, der behauptet Ebola gäbe es nicht, heute kopiert von seiner (geschlossenen) Ordination, was die HP alles kann.

    Ist wirklich abenteuerlich.

    Zitat: Homöopathie

    Was alles ist Homöopathie?

    Homöopathie – ist eine Arzneitherapie.

    Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet: Ähnliches mit Ähnlichem heilen. zB. beim Schneiden von Zwiebeln beginnen die Augen zu brennen und die Nase zu fließen. Ein solcher Schnupfen wird durch Allium cepa, die Küchenzwiebel geheilt.

    Die Heilung erfolgt sanft, Arzneien, die nach der Ähnlichkeitsregel verwendet werden, wirken schonend. – Sie sind bereits in geringster Dosis wirksam.

    Die Heilung tritt gewiß ein. Solange noch eine Spur von Kraft im Körper vorhanden ist, kommt mit Hilfe des homöopathischen Heilmittels die Heilung in Gang.

    Die Heilung erfolgt prompt. Bei akuten, erst seit kurzer Zeit bestehenden Störungen der Gesundheit ist die Besserung sehr bald zu erwarten. Besteht die Krankheit schon über lange Zeit, etwa mehrere Jahre, setzt die Besserung erst allmählich ein.

    Die Heilung ist ganz. Sowohl örtliche Übel, aber auch das Allgemeinbefinden und die Gemütsverfassung werden gebessert. Die Arznei wirkt auf den ganzen Menschen.

    Die Heilung verläuft ohne Schaden für den Patienten. Die milde Dosis reicht, die Heilprozesse des Körpers anzuregen.

    Wer kann homöopathisch behandeln?
    Jeder, der sich mit der Methode und dem Menschen ernstlich beschäftigt. Schwere Krankheiten soll nur der erfahrene Arzt behandeln.

    Bei welchen Krankheiten wirkt die Homöopathie?
    Bei allen akuten und chronischen Leiden.Zitat Ende

    also Diabetes mellitus- prompt heilbar? Mit Globuli?
    Akute lymphatische Leukämie. Heilbar mit Globuli?
    Skorbut (Vit C Mangel) heilbar mit Globuli?
    Mamma-Ca. Heilbar mit Globuli?

    Irgendwie bin ich der Meinung, dass man Patienten nicht anlügen soll.
    RPGNo1
    14. September 2017 um 18:42   

    Ein Frage in Runde:

    Hat jemand Daten zur Hand, wie sich die Anzahl Heilpraktiker in den letzten Jahren/Jahrzehnten verändert hat?

    Und das ganze als i-Tüpfelchen im Vergleich zu der Zahl der niedergelasssenen Ärzte oder anderer Heilberufe?
    Natalie Grams
    14. September 2017 um 18:55   

    Wir haben versucht, diese Zahl für das Münsteraner Memorandum herauszufinden und haben gemerkt, dass das nicht leicht ist. Was wir gefunden haben, steht im Memorandum. Aber das ist sicherlich nicht das ganze Ausmaß des Problems.

    Ärzte gibt es wohl ca. 350.000 in Deutschland.
    skeptikus
    14. September 2017 um 22:01   

    Ich glaube es fehlen uns noch Belege, die wir den Heilpraktiker also Medizin-Laien aufs Butterbrot schmieren können.

    Sie können sich immer schön rauswinden. Das wäre ja nur ein Einzelfall. Die meisten Heilpraktiker wären gut, sonst würden sie ja keine Patienten haben usw. Ärzte machen auch Fehler.

    Fakt ist, dass die Heilpraktiker methodisch nicht so ausgebildet werden, dass sie in der Lage werden zwischen Humbug und wirksamer Therapie unterscheiden können und das nicht aufgrund von Erfahrungen, sondern Fakten bzw. Evidenz.
    Naja, das Schadpotenzial sehe ich in der unzureichenden Ausbildung oder ungeregelten Ausbildung, in dem Dunning-Kruger-Effect, der Selbstüberschätzung, viele halten sich für die besseren Mediziner, Demut und Bescheidenheit? Fehlanzeige. uvm.

    Am Schlimmsten finde ich, dass sie jeden Humbug aus der Esoterik unreflektiert anwenden.

    Hier mal nur ein paar Beispiele:

    Wie unseriöse Heilpraktiker Menschenleben gefährden

    http://www.stern.de/gesundheit/heilpraktiker-in-deutschland–so-gefaehrlich-sind-sie—der-grosse-stern-report-7434370.html?

    “Das Hantieren mit dem Antennenstab ist nicht das einzige Verfahren, mit dem sich Heilpraktiker an die Diagnose schwerer Krankheiten wagen. Weit verbreitet ist auch die „Dunkelfeldmikroskopie des Blutes nach Enderlein“, mit der man angeblich Krebs im Frühstadium erkennen kann. Die Gynäkologen Karsten Münstedt und Samer El-Safadi überprüften die Methode an 110 Probanden in der Uniklinik Gießen, zwölf von ihnen litten an fortgeschrittenen Krebserkrankungen. Ein Heilpraktiker mit besten Referenzen entdeckte gerade mal drei davon, darüber hinaus stellte er bei 15 gesunden Probanden die Diagnose Krebs. “Das entspricht in etwa der Ratewahrscheinlichkeit”, resümiert El-Safadi.

    Auch in der Iris, der Regenbogenhaut des Auges, sollen sich schwere Krankheiten als Streifen, Ringe oder Pigmentflecken niederschlagen. Die beiden Ärzte luden einen versierten Irisdiagnostiker ein, seine Fähigkeiten an den 110 Versuchspersonen zu beweisen. Obwohl der Heilpraktiker behauptete, Krebs durch einen Blick in die Augen feststellen zu können, lag er meist daneben.”

    oder

    http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/alternativmedizin-weissbrot-gegen-krebs-1.2349722

    “Die Kanüle ist 20 Zentimeter lang. Eine junge Frau liegt auf einer Untersuchungsliege, sie hat den Unterbauch frei gemacht. Neben ihr sitzt ein Heilpraktiker. Er setzt die Kanüle auf der Bauchdecke der Patientin an und sticht Stück für Stück durch Haut- und Muskelschichten hindurch, bis er im sogenannten Douglas-Raum, einer Aussackung zwischen Uterus und Rektum, angelangt ist. Dort injiziert er ein Lokalanästhetikum. Die Patientin krallt sich während dieser Prozedur an der Liege fest und jammert kläglich. Aber sie nimmt diese Behandlung auf sich, schließlich erhofft sie sich davon Linderung ihrer Menstruationsbeschwerden.

    Um die Untersuchungsliege stehen zehn Menschen unterschiedlichen Alters herum. Es sind Heilpraktiker-Anwärter, denen an diesem Tag eine Technik der Neuraltherapie demonstriert wird. Bei diesem wissenschaftlich nicht anerkannten Verfahren wird ein Lokalanästhetikum zur Beseitigung eines vermeintlichen Störfeldes gespritzt. Diese Szene spielte sich 2010 an einer Berliner Heilpraktikerschule ab. Sie war ein illegaler Akt.”
    Bernd Harder
    14. September 2017 um 22:10   

    @skeptikus:

    Jetzt aber – der Oberheilpraktikerpräses Wilms hat doch gesagt, dass seine Kollegen nur Wadenwickel machen und Patienten bei Erkältungen beistehen.

    Auch von Dr. Wittig habe ich dazu keinen Widerspruch vernommen.
    Udo Endruscheit
    14. September 2017 um 22:54   

    Eine Zufallsauswahl aus fünf Heilpraktiker-Webseiten aus meiner Stadt, vorgeschlagen von einem Branchenportal:

    “Auf der mentalen Ebene: Ausbildung zur Diplom-Pädagogin. Auf der emotionalen Ebene: Ausbildung zur Gestalttherapeutin. Auf der körperlichen Ebene: Ausbildung zur Heilpraktikerin. Auf der spirituellen Ebene: Ausbildung zur energetisch spirituelle Heilerin.”

    “Mein Angebot:
    Kinesiologie
    Ernährung/Beratung bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten-/Allergien
    NLP/Neuro-Linguistisches-Programmieren”

    „alles leben manifestiert sich in energie oder bewegung. (magoun)“

    „Die naturheilkundliche Schmerztherapie setzt dort an, wo die Schulmedizin nicht oder kaum noch weiter weiß, außer schmerzunterdrückende Medikamente zu empfehlen.“ Seine Methoden: Ohrakupunktur und Schröpfen.

    “Bei uns stehen Sie im Mittelpunkt. Wir behandeln komplementär, aber sie erleben bei uns nicht die Konkurrenz zweier Fachrichtungen.” Schwerpunkt Schmerztherapie. Tag, Herr Kollege…

    Eine Seite ist derart mit einem nahezu kompletten Porpourri von Pseudokram und Esoterik voll, dass man ganz kein angemessenes Zitat isolieren kann.

    Eine Seite hat ein Popup vorgeschaltet, das versucht, persönliche Daten zu erlangen, bevor man überhaupt auf die Webseite kommt.

    Acht von zehn hängen die „Naturheilpraxis“ weit raus, noch deutlich vor dem Heilpraktiker. Soweit erkennbar, erschöpft sich aber die gesamte „Naturheilkunde“ in gelegentlicher Ernährungsberatung.

    Nicht repräsentativ, selbstverständlich. Aber interessant.
    Joseph Kuhn
    15. September 2017 um 00:32   

    @ RPGNo1

        “Hat jemand Daten zur Hand, wie sich die Anzahl Heilpraktiker in den letzten Jahren/Jahrzehnten verändert hat?”

    Es gibt keine guten Daten. Beim Mikrozensus, der oft zitiert wird, kommt es wohl zu einer Unterschätzung, z.B. wenn ein anderer Hauptberuf ausgeübt wird oder die Tätigkeit ruht, über die Gesundheitsämer werden dagegen eher zu viele erfasst (ein paar Überlegungen dazu mit allerdings nicht mehr ganz aktuellen Zahlen siehe hier).

    Was man sicher sagen kann: Die Zahl der Heilpraktiker nimmt seit den 1980er Jahren stark zu.
    Micha
    15. September 2017 um 00:39   

    Meine – natürlich ganz und gar nicht representative – Umfrage unter Heilpraktikern denen ich zufällig begegnet bin, bisher:
    Ich stelle immer zwei Fragen:
    1. Frage: Würden Sie jemanden zu einem (“schulmedizinischen”) Arzt schicken wenn sie nicht mehr weiter wüssten?
    Antwort: 19 von 22: Ja!
    2. Frage: Haben Sie das schon gemacht?
    Antwort: 21 von 22: Nein, das brauchte ich noch nicht!!!!!
    Natalie Grams
    15. September 2017 um 08:02   

    Nicht, dass es nicht auch impfkritische Ärzte gäbe, aber das finde ich den schlimmsten (unter vielen schlimmen) Punkten: dass so viele HPs vom Impfen abraten, gar kein Verständnis vom Sinn und Prinzip der Impfungen haben und Medikamente oftmals als “Gift” und “pure Chemie” verurteilen, was unweigerlich ein Misstrauen gegenüber der normalen Medizin auslöst, das dann auch in der Verzögerung einer tatsächlich hilfreichen Behandlung gipfeln kann.

    Die Aussage, HPs würden ja nur bei Bagatellen mit Wadenwickeln und Thymian-Tee beistehen, ist so absurd, dass man schon fast an eine dreiste Lüge denken muss.

    Im Gegenteil fühlen sich HPS der Medizin oft überlegen, glauben “die wahre Ursache” zu behandeln und erfinden Diagnosen, die sie dann auch gleich “behandeln” (Amalgam-Ausleitung (neulich übrigens – besonders pikant – einer Bekannten von mir vorgeschlagen worden, obwohl sie nie Amalgam-Füllungen hatte), Weizenunverträglichkeit -> MMS-Spülung, Krebs durch Konflikt -> wirre GNM).

    Und das weiß Herr Wilms alles nicht? Und uns wirft er vor, wir hätten keine Ahnung? Und Frank Wittig scheint das alles auch nicht zu wissen und nennt uns arrogant? Strange.

    Dennoch gibt es einige HPs, die verstanden haben, was Evidenz bedeutet, was der Unterschied zwischen Medizin und Wellness ist und die sich nun aktiv und konstruktiv melden, um an einer Reform des HP-Wesens mitzuarbeiten. Das gibt doch Hoffnung.
    RPGNo1
    15. September 2017 um 08:45   

    @Natalie Grams
    Danke, aber mich würde auch interessieren, wie sich die Anzahl der Heilpraktiker in den letzten Jahren oder sogar Jahrzehnten verändert hat.

    Mein Verdacht ist, dass sie sich im Rahmen des Aufschwungs von Esoterik und pseudomedizinischen Behandlungsmethoden sowie entsprechender gesundheitspolitischer Gleichgültigkeit stark vermehrt haben. Aber dieser Verdacht ist ohne eine Statistik, Grafik oder Tabelle natürlich nicht viel wert. Aber ich verstehe schon, dass keine festen Werte für ganz Deutschland gibt (leider).

    Wenigstens für Bayern gibt es Zahlen (Münsteraner Memorandum Heilpraktiker, S. 5):

    “Herangezogen werden kann aber die vom Bayrischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit geführte Statistik, nach welcher sich die Zahl der Heilpraktiker allein in Bayern zwischen 2003 und 2015 von 11.035 auf 23.103 mehr als verdoppelt hat.”
    RPGNo1
    15. September 2017 um 08:48   

    @Joseph Kuhn
    Danke für Link. Ich werde mir den Artikel Ruhe durchlesen.
    Klaus Trophobie
    15. September 2017 um 10:18   

    Am schlimmsten im Laufe des Podcast finde ich ja das die Aussage von Herrn Wittig “Medizin tötet” unerwidert stehen bleiben musste.

    Und natürlich das furchtbare durcheinander bei Minute 41, wodurch die Argumentation von Herr Weymayr praktisch komplett zerschossen wird und beim Zuhörer nix mehr ankommt.
    Universallaie
    15. September 2017 um 14:40   

    Off Topic, sorry

    @Udo Endruscheid

    Seit dem 1.1.2008 ist das Rechtsdienstleisungsgesetz (RDG) in Kraft, das weniger restriktiv ist, als das Rechtsberatungsgesetz (RBerG) von 1935.

    Der von ihnen genannte wirtschaftsjurist darf derzeit z.B. in Insolvenzverfahren durchaus beratend tätig werden, was nach der Regelung vor 2008 einem Volljuristen vorbehalten war.
    borstel
    15. September 2017 um 18:02   

    Ach du liebes bißchen, ich habe mir die Dreiviertelstunde angetan – verlorene Lebenszeit! Zu den kümmerlichen Argumenten der Heilpraktikerapologeten ist ja bereits alles gesagt worden.

    Die Peinlichkeit, am Ende ein wenig Gruppenkuscheln und “Seid-nett-zueinander” erzielen zu wollen, und das auch noch offen zuzugeben, sagt einiges über den Moderator aus (übrigens würde ich ihm nicht aufgrund seines Studiums die Qualifikation absprechen). Und daß Herr Wittig versucht, seine Interviewpartner ausgerechnet im wahrhaftig nicht alternativ angehauchten Krebskompass-Forum zu akquirieren, anstatt sich in die Alternativforen zu begeben, wo genügend seltsame User unterwegs sind, sagt auch einiges über seine Nichtfähigkeiten aus.

    Eine kurze Bemerkung zu Herrn Weymeyr habe ich dann doch noch: Er hat ein Problem mit der Spititualität der Patienten – und stöhnt dann in der Sendung auf: “Mein Gott!” – Sehr witzig und unfreiwillig treffend.

    Und leider der einzige wirkliche Schwachpunkt, an dem die anderen ihn hätten treffen können, aber es nicht getan haben, wahrscheinlich aus intellektueller Unfähigkeit heraus: Wir mögen unterschiedlich stark säkular oder atheisitsch unterwegs sein, aber die spirituelle Ebene läßt sich schlecht außen vorhalten, wenn ein Patient in ihr lebt. Die Herausforderung ist, sie im Umgang mit dem Patienten zuu respektieren und integrieren – auf der Basis einer wissenschaftlichen evidenzbasierten und zugleich individualisierten Medizin ohne irgendwelchen esoterischen Konstrukte.

    Dieses natürlich nur, wenn der Patient es wünscht. Aber ein Ignorieren oder gar Bekämpfen dieses Bedürfnisses wäre ebenso falsch. Und wem das nicht behagt: Seine Patienten kann man sich halt nicht immer aussuchen!
    noch'n Flo
    15. September 2017 um 18:30   

    @ RPGNo1:

    “Herangezogen werden kann aber die vom Bayrischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit geführte Statistik, nach welcher sich die Zahl der Heilpraktiker allein in Bayern zwischen 2003 und 2015 von 11.035 auf 23.103 mehr als verdoppelt hat.”

    Und eine davon ist eine ehemalige Schulfreundin von mir, die ihren Job in der Wirtschaft satt hatte, und nun HP-Psychoschmonsens verbreitet, ohne eine Ahnung davon zu haben, was sie da macht.
    Joseph Kuhn
    15. September 2017 um 20:42   

    @ RPGNo1:

    Aus der Gesundheitspersonalrechnung des Bundes:
    Jahr 2000: 13.000
    Jahr 2015: 47.000

    Aber wie gesagt, die Daten sind weich.
    awmrkl
    15. September 2017 um 23:42   

    “Dennoch gibt es einige HPs, die verstanden haben, was Evidenz bedeutet, was der Unterschied zwischen Medizin und Wellness ist und die sich nun aktiv und konstruktiv melden”

    Ähem, davon hab ich bislang noch nicht mal *ein einziges* Beispiel gelesen. Und ich hab wirklich viel dazu gelesen. Aber kann ja sein, daß ich dennoch die mutmachenden Beispiele übersehen hab.
    Hat jemand evtl ein oder gar einige Beispiele (Link)?
    skeptikus
    16. September 2017 um 10:02   

    Im Prinzip ducken sich die Heilpraktiker-Lobbyisten unter dem Tarnschild der Intransparenz weg. Sie übernehmen keine Verantwortung für die mangelhafte Ausbildung und fehlende Abgrenzung zur Esoterik und Co. In dem Interview blitzt es ja kurz auf. Wenn der Patient sich doch wohl fühlt oder es ihm nützt.

    Mit dieser skandalösen Haltung können wir Studien in der Medizin doch abschaffen. War müssen Medikamente so aufwändig geprüft werden. Lasst doch ein paar Leute Erfahrungen sammeln und dann schauen wir mal.

    Ein Armutszeugnis, methodische Inkompetenz oder knallhartes Kalkül. Von einem Medizinjournalisten hätte ich jedenfalls nicht so eine fachlich unfundierte Parteinahme erwartet. Das ist schon Dunning-Kruger-Effect at its best.

    Hier noch was nettes bereits aus 2007:
    https://www.rbb-online.de/kontraste/ueber_den_tag_hinaus/gesundheit/gefaehrliche_heilpraktiker.html

    Zitat: “Gefährliche Heilpraktiker – Keine Kontrolle, keine Sanktionen
    Wenn Heilpraktiker pfuschen, ist der Patient zumeist machtlos: Wort steht gegen Wort, denn der Heilpraktiker muss nichts dokumentieren. Und so haben auch die Gesundheitsämter kaum eine Möglichkeit, den gefährlichen Heilpraktikern die Zulassung zu entziehen. Ein Gesetz aus dem Jahr 1939 erlaubt fast jedem als Heilpraktiker zu arbeiten, eine Berufsordnung oder ein Standesrecht gibt es nicht. Heilpraktiker, die Patienten gefährden, müssen also kaum etwas befürchten. Caroline Walter berichtet über die Untätigkeit des Staates.

    Zum Heilpraktiker zu gehen, das ist für viele Menschen nichts Besonderes. Vielleicht helfen ja Akupressur oder Globoli-Kügelchen bei dem einen oder anderen. Viele setzen jedenfalls ihre Hoffnung auf Heilpraktiker. Und die Hoffnung ist groß in Deutschland: Rund 20.000 sind gemeldet. Sie haben mehr Freiheiten als jeder Arzt, aber ihre Methoden hinterfragt keiner. Von Patientenschutz kann keine Rede sein. Behandlungsfehler gelangen kaum an die Öffentlichkeit. Caroline Walter und Alexander Kobylinski haben das deutsche Heilpraktikerwesen genauer unter die Lupe genommen.”

    oder weiter unten:

    “Wilhelm Schmidt
    „Die Heilpraktikerin hat gesagt, es gibt nur dann einen Heilungserfolg, wenn ich die schulmedizinischen Medikamente absetze und ihre Alternativmedizin, Globulis, anwende.“
    KONTRASTE
    „Hat sie verlangt, dass Sie die Medikamente absetzen?“
    Wilhelm Schmidt
    „Ja, das hat sie in einer ziemlich ultimativen Form von mir verlangt.“”

    Das sind sicherlich alles nur Einzefälle, sicher. Heilpraktiker kümmern sich nur um Erkältungen und bisschen EIEI.

    Ähnlich wie vor 15 Jahren die Homöopathie, fehlen treffende Analysen und mehr Zahlen, Daten und Fakten.
    SChützt uns Patienten vor den Pfuschern.
    RPGNo1
    16. September 2017 um 14:03   

    “Aus der Gesundheitspersonalrechnung des Bundes:
    Jahr 2000: 13.000
    Jahr 2015: 47.000

    Aber wie gesagt, die Daten sind weich.”

    In 15 Jahren hat sich die Anzahl der Heilpraktiker grob verdreieinhalbfacht? Das ist schlimmerer Wildwuchs, als ich es mir vorgestellt habe. Es muss ja wirklich eine Goldgräberstimmung in dieser Branche herrschen.
    Habra
    16. September 2017 um 19:52   

    @RPGNo1; @Joseph Kuhn:
    Wenn ich in einen Spaziergang in meiner Heimatstadt (ca. 30000 Einwohner)am Bodensee mache, finde ich innerhalb von maximal einer Stunde “Praxis”schilder mehrerer Heilpraktiker und -innen, knapp 10 Stück alleine in der Altstadt, da wo es eigentlich die recht teuren Gewerbeimmobilien zur Miete gibt. Und ich gehe davon aus, dass es in den Teilorten ebenfalls “Praxen” diverser Heilpraktiker gibt.
    Das Geschäft muss sich also lohnen, entweder als Hinzuverdienst des Ehegatten bzw. der Ehegattin oder gar als Hauptverdienst.

    Und betrachte ich das Hinterland des Bodensees, so scheint die Heilpraktikerdichte die der Ärzte zu übertreffen.

    Und ein Großteil der Bevölkerung hat immer noch nicht verstanden, dass die “Qualifizierung” zum Heilpraktiker nur wenig aufwändiger ist als das Erlangen des Sportfischerscheins.
    noch'n Flo
    17. September 2017 um 10:17   

    Hier in der Schweiz hat es alleine in dem Dorf, in dem meine Praxis liegt (knapp 2’000 Einwohner) nicht weniger als 7 Heilpraktiker (wovon 4 in einer Gemeinschaftspraxis arbeiten). In den umliegenden 5 Dörfern (mit insg. rund 4’000 Einwohnern) kommen nochmal 6 dazu.

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Sesambrötchen

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Die Sendung des SWR zum Download
« Reply #6 on: September 17, 2017, 12:38:28 PM »

Der Wittig ist doch beim SWR und nicht bei der Süddeutschen Zeitung.


https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/swr2-forum/swr2-forum-scharlatane-oder-alternativ-mediziner/-/id=660214/did=19957908/nid=660214/p9pgh4/index.html

[*quote*]
SWR2 Forum Scharlatane oder Alternativ-Mediziner?

Der Streit um den Heilpraktiker-Beruf

Es diskutieren:
Christian Wilms, Präsident des Fachverbandes Deutscher Heilpraktiker e.V.
Dr. Christian Weymayr, Biologe und Medizinjournalist, Mitautor des "Münsteraner Memorandums Heilpraktiker"
Dr. Frank Wittig, Medizinjournalist, SWR
Gesprächsleitung: Ralf Caspary


Audio herunterladen (41,36 MB | mp3)
http://avdlswr-a.akamaihd.net/swr/swr2/forum/2017/09/swr2-forum-20170912-der-streit-um-den-heilpraktiker-beruf.m.mp3

"Es wäre undenkbar, jemandem die Steuerung eines Flugzeugs anzuvertrauen, dessen ganze Kompetenz in einem erfolgreich abgeschlossenen Workshop über die Sage des Ikarus besteht." Mit diesem zugespitzten Vergleich fordert eine Gruppe von Ärzten und Wissenschaftlern, das Heilpraktiker-Recht grundlegend zu reformieren. Ein Vorschlag in ihrem "Münsteraner Memorandum" lautet sogar, den staatlich geschützten Beruf des Heilpraktikers ganz abzuschaffen. Zum Wohle der Patienten. Die Kritisierten wehren sich und sprechen von einer pauschalen Stigmatisierung eines ganzen Berufsstandes. Was ist dran an der Kritik, ist eine Reform notwendig, sind Heilpraktiker nicht eine sinnvolle Alternative zur Schulmedizin?

Ralf Caspary Moderation: Ralf Caspary

Stand: 12.9.2017, 13.44 Uhr
[*/quote*]



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Re: Münsteraner Memorandum Heilpraktiker, 21.8.2017
« Reply #7 on: September 18, 2017, 08:13:37 PM »

Hat jemand dieses unerträglich dumme Geschwätz des "Podcast" länger als auch nur eine Minute ertragen können?

Was nach der ersten Minute kommt, ist strohdumm. Eine Minute nach der anderen strohdumm. Das sind doch alles Esos. Wissenschaftliche Rationalität ist denen so unbekannt wie einem Regenwurm die Rückseite des Mondes.

Das nächste Mal warnt ihr mich gefälligst.  >:(
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Re: Münsteraner Memorandum Heilpraktiker, 21.8.2017
« Reply #8 on: September 19, 2017, 03:16:30 AM »

Was die herumgiften wegen dieses Satzes.

https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/swr2-forum/swr2-forum-scharlatane-oder-alternativ-mediziner/-/id=660214/did=19957908/nid=660214/p9pgh4/index.html

[*quote*]
"Es wäre undenkbar, jemandem die Steuerung eines Flugzeugs anzuvertrauen, dessen ganze Kompetenz in einem erfolgreich abgeschlossenen Workshop über die Sage des Ikarus besteht."
[*/quote*]

In der Akte über die "Gesellschaft fuer Biologische Krebsabwehr" ist ein "Kongress-Programm" abgelegt:
http://www.transgallaxys.com/~kanzlerzwo/index.php?topic=9294.0

Das stammt von da
http://www.mamazone.de/fileadmin/downloads/Termine/2011/BiolKrebsabwehr_15.InternationalerKongress.pdf

und ist das Programm des

[*quote*]
15. Internationaler Kongress der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e.V.
Europaweit größte Veranstaltung für ganzheitliche Krebsmedizin und Komplementäronkologie
[*quote*]


Das ist das ganz offizielle Programm eines "Kongresses, auf dem einige aus der mehr als 1000 Personen umfassende Gruppe von "Behandlern" (Ärzten, Heilpraktikern und anderen Schwindlern) sich und ihre Methoden der Öffentlichkeit oder auch nur ihren "Kollegen" vorstellen. Big Business im Gesundheitsmarkt. Selbstverständlich mit Heilversprechen!


http://www.mamazone.de/fileadmin/downloads/Termine/2011/BiolKrebsabwehr_15.InternationalerKongress.pdf

[*quote*]
[...]
Frauke Nauert und Andreas Pols: Energetische Wirbelsäulenbegradigung

Die Energetische Wirbelsäulenbegradigung und das Energetische Heilen helfen, das Rückgrat zu stärken und in die Leichtigkeit zu kommen, um sich von altem, überflüssigem Ballast zu trennen. Empfehlenswert ist diese Methode unter anderem bei allen Arten von Wirbelsäulenerkrankungen, wie chronischen und akuten Rückenschmerzen in allen Bereichen der Wirbelsäule.

Unterbewusste Konflikte, Unversöhnlichkeiten, tief sitzende oder emotionale Probleme spiegeln sich oft im Rücken als dem Zentrum der Stärke. Vielen Menschen sitzt buchstäblich die „Angst im Nacken“, was zu chronischen Verspannungen und Schmerzen im Nackenbereich führt. Die Rückenbegradigung entzündet das innere Feuer neu. Begeisterung, Lebensfreude, Lebenskraft und Wagemut kehren zurück. Im Kurs besteht die Möglichkeit zu praktischem Üben, da sich die Teilnehmer in Kleingruppen untereinander behandeln – ein Nachmittag zum Wohlfühlen! Es ist keine Vorerfahrung nötig. Die Möglichkeiten des Energetischen Heilens sind vielfältig. Wir möchten vermitteln, wie wundervoll diese überzeugende Energiearbeit wirkt und wie sie sowohl von Laien, als auch Therapeuten angewendet und auch mit anderen Formen der Energiearbeit kombiniert
werden kann.

[*/quote*]

Da ist der Begriff "Heilen" schon im Namen enthalten: "energetisches Heilen". Ist das ein Versprechen? Ja, selbstverständlich!

Zur Qualifikation wird eindeutig keine vorausgesetzt:: "Es ist keine Vorerfahrung nötig."


Der Satz in der Sendung des SWR:

[*quote*]
"Es wäre undenkbar, jemandem die Steuerung eines Flugzeugs anzuvertrauen, dessen ganze Kompetenz in einem erfolgreich abgeschlossenen Workshop über die Sage des Ikarus besteht."
[*/quote*]

Der Satz ist eindeutig zu ungenau. Beim "15. Internationaler Kongress der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e.V.", der "Europaweit größte(n) Veranstaltung für ganzheitliche Krebsmedizin und Komplementäronkologie" werden Dinge vorgestellt, die KEINER "Vorerfahrung" bedürfen. Also nicht einmal ein Workshop über den Flug des Ikarus.

Jede noch so mental unterversorgte Nichtmalhausfrau kann teilnehmen und "lernen" und dann selbst als "Therapeut" in Erscheinung treten.

Und wo wäre das dann? In der "ganzheitlichen Krebsmedizin und Komplementäronkologie", eben jenem ganz besonders heiklen Gebiet, wo Todkranke um ihr Leben kämpfen und auch den letzten Cent geben würden, nur um am Leben zu bleiben. Zielgruppe der "Therapeuten" und ihrer "Ausbilder" sind Menschen, die in einer so existienziellen Notlage sind, daß sie dadurch erpreßbar sind und besonders leicht zu beeinflussen sind.

Diesen erpreßbaren Opfern wird "energetisches Heilen" verkauft, wobei schon im Namen ein Heilversprechen ist. Das ist kein Versehen, sondern klar erkennbare Absicht. Noch deutlicher geht es nicht.

Man muß auch berücksichtigen, wer diese Veranstaltung verantwortet: die nach ihren eigenen Worten "Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e.V." und der Kongress ist die "europaweit größte Veranstaltung für ganzheitliche Krebsmedizin und Komplementäronkologie", was ohne jeden Zweifel die Seriosität des Unternehmens belegen soll.


Dieser Satz

[*quote*]
"Es wäre undenkbar, jemandem die Steuerung eines Flugzeugs anzuvertrauen, dessen ganze Kompetenz in einem erfolgreich abgeschlossenen Workshop über die Sage des Ikarus besteht."
[*/quote*]

ist bei weitem nicht hart genug.


Hier ist ein weiteres Beispiel aus dem Gebiet der Scharlatanerie: "Homöopathie".

[*quote*]
Heike Lehmann-Oettmeier: Organe und Körperfunktionen stärken mit Schüßler-Salzen

Der homöopathische Arzt Schüßler fand im 19. Jahrhundert heraus, dass besonders Mineralstoffe eine wesentliche Lebensgrundlage der Zellen darstellen und bei Mangelerscheinungen Krankheiten entstehen. Wenn man die Mineralstoffe homöopathisch aufbereitet, können beachtliche Heilprozesse im Körper in Gang gesetzt werden. Der Stoffaustausch zwischen den Zellen und die Übertragung von Nervenimpulsen werden angeregt, Haut, Haare und Nägel werden schöner und fester. Für unsere Zellen fehlen meist weniger die Mineralstoffe im Blut, sondern deren gezielte Anregung zur Aufnahme und Verfügbarkeit um und in den Zellen. Die im unteren bis mittleren Potenzbereich liegenden 12 Zell- und Gewebesalze nach Schüßler schlagen eine Brücke von der orthomolekularen Medizin zur Homöopathie. Sie ermöglichen bei gezieltem Einsatz sowohl die Verbesserung der Nährstoffversorgung aller Gewebe als auch die Anregung von deren Stoffwechsel. Im ersten Teil des Kurses werden nach einer anschaulichen Einführung in die Thematik die Akut- und Bindegewebs-Mittel nach Dr. Schüßler besprochen und deren Auswahl nicht nur an vorhandenen gesundheitlichen Problemen, sondern auch dem Antlitz des Gesichtes zugeordnet. Im zweiten Kursteil erfolgt die Erläuterung der Stoffwechsel-Mittel nach Dr. Schüßler und es werden einige für den Alltag besonders wesentliche Ergänzungssalze vorgestellt.

Die Nutzung der Mineralien nach Schüßler stellt eine bewährte Hilfe zur Selbsthilfe dar, welche auch im Rahmen der Vorbeugung und Bewältigung von Tumorerkrankungen und der Reduktion von Nebenwirkungen aggressiver Therapieverfahren eine weite Verbreitung gefunden hat.
[*/quote*]


Dieser Satz

[*quote*]
Die Nutzung der Mineralien nach Schüßler stellt eine bewährte Hilfe zur Selbsthilfe dar, welche auch im Rahmen der Vorbeugung und Bewältigung von Tumorerkrankungen und der Reduktion von Nebenwirkungen aggressiver Therapieverfahren eine weite Verbreitung gefunden hat.
[*/quote*]

enthält Tatsachenbehauptungen, die erstens unwahr sind und zweitens allein durch Behauptung zur Wahrheit gemacht werden.

Die Verfahren "nach Schüßler" sind weder eine "bewährte Hilfe zur Selbsthilfe" noch eine "Vorbeugung und Bewältigung von Tumorerkrankungen", noch können sie auch nur im mindesten eine "Reduktion von Nebenwirkungen aggressiver Therapieverfahren" bewirken.

Aufgrund des Namens "Heike Lehmann-Oettmeier" nehme ich an, daß diese Person die Ehefrau des Dr. Oettmeier ist, jenem Hamer-Anhänger, der in der Klinik in Greiz sein Unwesen trieb und inzwischen in der Paracelsus-Klinik in der Schweiz tätig ist.

"Oettmeier ist bei Paracelsus und reist in der Welt herum"
"Dr. Ralf Oettmeier ... married with Heike Lehmann-Oettmeier"
http://www.transgallaxys.com/~kanzlerzwo/index.php?topic=9307.msg22214#msg22214

Über die Klinik in Greiz und ihre beiden Hauptmacher Oettmeier und Reuter gibt es im TG-1 eine Akte:

"Die Akte Dr.Ralf Oettmeier und Dr. Uwe Reuter, "imLeben", "ProLeben", Greiz"
http://www.transgallaxys.com/~kanzlerzwo/index.php?board=314.0


Oettmeier, Reuter und Greiz sind beileibe keine unbekannten Namen in der Scharlatanerie. Nun also noch ein Name mehr.

"Heike Lehmann-Oettmeier: Organe und Körperfunktionen stärken mit Schüßler-Salzen" betrifft sowohl Ärzte als auch Heilpraktiker als auch andere Schwindler. Die Heilpraktiker sollten lieber ihren Mund halten. Und nicht nur die Heilpraktiker, sondern auch jene "Journalisten", die meinen, etwas von der Materie zu verstehen. Und erst recht jene "Experten", die Bücher schreiben, sollten ganz still sein! Punkt für Punkt läßt sich ihre Unfähigkeit belegen.

Moses2 hat in http://www.transgallaxys.com/~kanzlerzwo/index.php?topic=9242.0
eine kleine Aufstellung der wesentlichsten "Behandlungs"methoden  gemacht:

[*quote*]
Bei 1102 "Therapeuthen" gibt es

658x  Homöopathie

 51x   Elektro-Akupunktur
565x  Akupunktur
          = zusammen 616x "Akupunktur"

190x Colon-Hydro-Therapie

168x Bioresonanztherapie       
116x Vitamin C-Hochdosistherapie
169x Magnetfeldtherapie

488x Eigenblutbehandlung
435x "Orthomolekular"
140x Heilfasten
283x Bachblüten
 97x Säure-Basen-Regulation
 25x Laetrile/B17
543x Darmregulation
 43x Störfeld-Diagnostik
146x Ausleitung/Entgiftung
 62x Chelattherapie
 13x Zellsymbiosetherapie
 85x Psychoonkologische Beratung
125x Energetische Psychotherapie
 40x Energetische Therapien
  5x Chakrenarbeit
 76x Kinesiologie
 19x Galvanotherapie
 67x Heilpilze
 16x Simonton
 15x Dorn-Breuss-Therapie
 31x Zytokine
 10x Dunkelfeldmikroskopie
[*/quote*]

Das ist Betrug an Todkranken. Das sind öffentlich nachprüfbare Dinge. Und wenn die "Journalisten" und "Experten" noch so oft und noch so lange in "Podcasts" herumschwafeln, es wird nichts anderes herauskommen als leeres Geschwätz. Auch das muß endlich unter Strafe gestellt werden. Es kann nicht sein, daß Dummschwätzer Scharlatanen als vorgeblich unabhängige Reklameagenten und Apologeten dienen. Denn so unabhängig, wie sie tun, sind sie nicht, denn sie profitieren direkt und/oder indirekt von dieser Tätigkeit.
« Last Edit: October 01, 2017, 09:11:00 AM by el_Typo »
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