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MedWatch, das ist gelogen!

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Mit der SPD haben die Bürger die Arsch-Karte gezogen

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Die infantile Andrea Nahles ist die 'Kacke'-Prinzessin der SPD

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Author Topic: Irre an die Macht!  (Read 155 times)

Thymian

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Irre an die Macht!
« on: October 05, 2017, 10:40:27 PM »

Numeri 24:9 muß sein.

[*quote*]
Numeri 24:9 Wer dich segnet, sei gesegnet. ———Wer dich verflucht, sei verflucht.

Irre an die Macht!
Veröffentlicht am Oktober 5, 2017 von anti3anti

„Ist dies schon Wahnsinn, so hat es doch Methode.“
William Shakespeare

„Dort (im Kongress) sitzen die schlechtesten Clowns,
die man für Geld kaufen kann.“
Frank Zappa

„Die Gefahr dass der Computer so wird wie der Mensch
ist nicht so groß wie die Gefahr, dass der Mensch so wird
wie der Computer.“
Konrad Zuse

Sicher: über Politiker ablästern ist, gerade nach überstandenen Großwahlen, eine ziemlich leichte, allzu lockere Übung. Man trifft dann ohne umständliche Verrenkungen immer ins Schwarze. Und findet Anlässe zuhauf. Nehmen wir etwa den Herrn Schulz und seine SPD. Als Präsident des Europaparlaments hatte dieser schon den kontinentalen Polit-Gipfel erklommen, höher ging nicht, also suchte der Aufsteiger noch im Abstieg nach neuen Herausforderungen und wurde rasch fündig. Der Wechsel von der Eurozentrale in Brüssel ins großdeutsche Berlin geriet ihm zum Triumph. Dortselbst wurde er im Frühling dieses Jahres von seiner ´Genossenschaft´ mit hundert Prozent zum Kanzlerkandidaten gekürt. Lästiger Gegenkandidaten bedurfte es dabei nicht mehr. Ein solches Traumergebnis erreicht auf Erden nur noch der Madonnenhaft verehrte Kim Yong-un, Trumps kleiner Raketenmann, seines Zeichens miesmuffelnder Mopskopf, dessen Allmacht in der nordkoreanischen Autistenprovinz immer groteskere Züge zeitigt. Auch dort regiert eine Systemdynastie, blutrot unterlaufen, und dem überlebensgroß in Szene gesetzten Hoffnungsträger wurde und wird ähnlich verzweifelt zugejubelt wie dass die Damen und Herren einer völlig abgeschmierten Volkspartei allen Ernstes auch hier bei uns, auf einem Bundesparteitag, taten. Und wie sie es taten. Früher wurde bei solchen Gelegenheiten noch munter drauflos diskutiert und um echte Inhalte gerungen, der ´Kandidat´ hatte manches auszuhalten, doch längst dienen die multimedial aufgebockten Jubelarien einzig der Inthronisierung hastig herbei geheuchelter Lichtgestalten vom Schlage eines Martin Schulz. Deren Nominierung steht hüben wie drüben immer schon vorher fest, woran weder die Claqueure im Land des ´geliebten Führers´ noch jene von der sozialistischen Einheitsfront Anstoß zu nehmen sich erdreisten. Immerhin kriegen es die Hiesigen zusätzlich hin, anschließend laut ´Ätsch´ zu rufen, frei nach dem Motto: war nicht wirklich ernst gemeint, der ganze Blödsinn. SPD-Urgestein Klaus von Dohnanyi forderte ´Mister Hundertprozent´ jüngst also zum Rücktritt auf. Die üblichen Verdächtigen taten es ihm nach. So wird dann im Nachhinein entlarvt, was schon von Anfang an nichts als Affentheater gewesen ist. Die Partei, die Partei, die hat immer Recht. Frage: Hätte Dohnanyi, der bereits als ´Volksstürmling´ dem Herrn Goebbels die hundertprozentige Gefolgschaft gelobte, nicht eher die Delegierten des Parteitags zum Rücktritt auffordern sollen? Und zwar zu abermals hundert Prozent.

Apropos Hochprozentiges: FDP noch ernst nehmen? Das sind solche, wo im Wahlkampf voll frech übereinander herfielen, wie eine Meute rauflustiger Raubauken. War halt alles nur Mache. Blaff für´s blöde Publikum. Jetzt denken sie gemeinsam über Jamaika nach. Keine Kifferlaune, das.

Kommen wir nun zum eigentlichen Thema. Bleiben wir dazu ruhig bei der FDP, und das heißt: bei dem Herrn Lindner. Diese Partei IST ja Christian Lindner. Auch so ein Treppenwitz der Nation. Lindner, nicht der einzige forsch und flach agierende ´Pop-Star´ im Politzirkus unserer Tage, wäre als ´schlechter Clown´ gerade noch zu ertragen, trüge sein Treiben jenseits der täglichen Belustigungen, von denen heute keiner mehr genug bekommen kann, nicht zu Entwicklungen bei, die einen unbefangenen Beobachter mit echter Sorge erfüllen müssen. Lindners Irrwitz lautet, das können sie auf einem seiner zielgruppenkonform am 80er Pop orientierten Wahlplakate nachlesen:

DIGITAL FIRST. BEDENKEN SECOND.

Ich lese so einen Schmarren vor allem als praktizierender Lehrer. Es passt, dass Linder ihn gerade im Blick auf den ´Zukunftsmarkt´ Bildung verstanden wissen möchte. Bildung ist für den Showman von den ´freien Demokraten´ vor allem digitale Bildung. Lernende sind ´Humankapital´, das schon vorab entsprechend abgerichtet und konditioniert werden muss. Also will Lindner Bildungseinrichtungen rundum digitalisieren und so in einen gewaltigen Datenspeicher verwandeln. Diese Matrixphantasien sind offenbar etwas, worauf die alte Tante Schule gerade noch gewartet hat, viel zu lange natürlich, und jetzt wird es höchste Zeit, damit auch wirklich Ernst zu machen. Sicher hat Bildung in diesem Land Beistand nötig, das pfeifen die Spatzen von den Dächern, aber Linder entscheidet, welcher das nur sein kann. Der Bildungsschuppen muss entrümpelt werden, er ist ein Staubfänger, vorgestrig – hinterherhinkend. Die Devise lautet folglich: Geben wir Gast, starten wir richtig durch. Die entsprechenden PS-Sprüche konnten sie alle im vorbeifahren auf den großen Plakaten nachlesen: Digitalisierung im Klassenzimmer – die weltbeste Bildung gelingt nicht mit der Technik von vorgestern – verringern wir den Abstand zwischen Lernwelt und Lebenswelt der jungen Menschen.

Hand auf´s Herz: Zündet das bei Ihnen? Seien sie bitte ehrlich. Wer es allerdings besser weiß – und längst kann und sollte es doch jeder besser wissen! – den überkommt der Schwindel bei so viel falsch verstandener, ja gemeingefährlicher Zukunftsgewissheit. Hinter der coolen Rap-Rhetorik, die als Ergebnis grassierender Hirnerweichungen unbedingt ernst genommen werden muss, lauert, äffte sie bald jeder nach, ein echtes Verhängnis – der verlässliche Weg in die ´digitalen Demenz´, wie der renommierte Hirnforscher Manfred Spitzer nicht müde wird zu betonen. Spitzer, der sich seit Jahren akribisch um Aufklärung auf diesem Gebiet bemüht, liefert empirisch gesicherte Erkenntnisse, die im interdisziplinären Austausch längst bestätigt worden sind. Sieht man von Studien ab, die sich die Computeroligarchie über Medieninstitute quasi selbst schreiben lässt, lassen derlei Befunde keinen Zweifel mehr darüber aufkommen, dass der heute übliche bzw. gängige Gebrauch moderner Medien Kindern und Jugendlichen mehr schadet als nützt. Unser Nachwuchs arretiert nicht einzig in seiner Entwicklung. Zu viel digitales Dauerfeuer wirft ihn nachweislich und unumkehrbar zurück. Was Hänschen nicht lernt, das lernt Hans nimmermehr. Diese Binse gilt gerade hier; und umfassender, als sich offenbar in der Allgemeinheit auch nur herum gesprochen hat. Spitzer weiß es besser. Aber dieser Mann, ohnehin einziger im Bunde, der überhaupt öffentlich wahrgenommen wird, kämpft gegen Windmühlen und wird als Prediger in der Wüste abgetan. Seine harsche, mitunter ausfallende Art macht ihn zusätzlich zur tragischen Figur. Damit wäre er also eine Art Don Quixote und Sektierer in einem, und solche Leute nimmt, leider, keiner wirklich für voll. Im Kampf gegen die Medien und ihre alimentierten Maulhelden kann so jemand nur den Kürzeren ziehen. Ich erinnere mich mit Schaudern an eine Sendung im Fernsehen, deren unsäglicher Verlauf mir nachträglich übel aufstieß. Bei Anne Will wurde unter der Überschrift ´Schöne neue Arbeitswelt´ wortwanstig drauflos dilettiert. Oder darf man sagen: deliriert? Spitzer musste sich mit Lindner und Lobo (was ist ein Erklärbär?) herum schlagen und wurde irgendwann, wohl weil er´s nicht mehr aushielt, unsachlich („Sie mögen ja eine schöne Frisur haben…“). Lindner wiederum, als Politiker immerhin seinem Gewissen und dem Wahlvolk verantwortlich, hätte sich, allen Meinungsverschiedenheiten zum Trotz, wenigstens nachträglich vertraut machen müssen mit den Befunden des Experten, dem er ohne einen Hauch von Kenntnis begegnete – und niedermachte. Hätte er dessen Arbeiten auch nur überflogen und ein klein wenig ernst genommen, dann hätten es die dümmlichen Slogans (siehe oben) niemals auf seine Plakate geschafft. Aber all das tat der Herr Lindner nicht. Er weiß um seine Verantwortung und entscheidet schon selbst, wovon er diese abhängig macht und wem er sie schuldet.

Man könnte es sich jetzt leicht machen und feststellen, dass der Herr Lindner einfach nur den finanzträchtigsten Teil seiner Klientel bedient. Digitale Wachstumsmärkte generieren sagenhafte Umsätze. Ganz klar wollen die Riesen der Branche auch noch den Schonraum Schule entern, garantiert diese staatlich alimentierte Attacke doch weitere horrende Profite. Keine Peanuts. Es sind Hunderte Milliarden (!!) die hier sowohl vom Steuerzahler im Laufe der Jahre aufgebracht als auch von den Konzernen pro Monat eingefahren würden (Werbung im Clickmodus – es lässt sich immer die passende platzieren). All das ist bekannt; dem Herrn Lindner sowieso.

Damit berühren wir den in diesem Zusammenhang nicht gerade zentralen, wohl aber ausschlaggebenden Punkt: das ganz große Geschäft. Wo das lauert, da ist der Fetisch der Moderne, die keinen Aufschub duldet, allgegenwärtig und im Ergebnis allmächtig. Wir alle, als Kunden, werden genau da abgeholt, wo jeder von uns längst und verlässlich Gewehr bei Fuß steht. Gegen die Massenmedien vornehm zu tun, fand schon Adorno, sei läppisch. Heute, in Zeiten umfassender digitaler Bedrängnis und Kontrolle, gilt das mehr denn je. Seit etwa zwanzig Jahren explodiert dieser neue, aufregende Markt, Einkaufsorgien ohne Ende zeitigend, und es kommt kaum nach, wer bereits jetzt hinterher hechelt. Achten sie drauf: Das tun tatsächlich alle. Ich nehme keinen von uns aus; nicht einen einzigen. Die jeweils neuesten Angebote müssen früher oder später erworben werden, rennst du nicht mit läufst du bald ins Abseits, und endlich glaubt alle Welt, dass dieser irrsinnige Wettlauf um digitale Kompetenzen und Besitztümer in seiner zunehmend alle Maße sprengenden, längst jedem irgendwie zur Auflage gemachten Form total ´alternativlos´ ist. Im 21. Jahrhundert, so lautet die wie ein Mantra wiederholte und von allen geglaubte Plattitüde, kann und darf sich keiner mehr aus dieser schönen neuen Welt heraus stehlen, sie ist nämlich, zweifelsohne, die Zukunft, und selbige allein entscheidet darüber, wer noch dazu gehört und wer nicht. Amen.

Die digitale Revolution verlangt tatsächlich nach einem neuen Glaubensbekenntnis. Und frisst schon jetzt, buchstäblich, ihre – unsere Kinder. Man muss gar nicht das neue Werk von Yuval Noah Harari zur Hand genommen haben (Homo Deus) um begreifen zu können, wohin die Reise geht. Es reichte schon einzusehen, um welchen Preis dies geschieht. Der Furor einer entfesselten Massenkommunikation, so viel darf mittlerweile geraunt werden, traf uns alle völlig unvorbereitet und wir sind weit davon entfernt, auch nur im Ansatz begriffen zu haben, wie weitreichend die Folgen wirklich sind. Umso wichtiger, die Befunde der Hirnforschung wenigsten zur Kenntnis zu nehmen, deren größtes Verdienst darin besteht, die Gefahr immerhin erkannt zu haben. Spitzer und seine KollegInnen liefern zahllose Belege. Ich will sie nicht im Einzelnen aus den Zusammenhängen pflücken und hier im Schlagwortemodus herunternudeln. Ich kann Ihnen allerdings versichern, dass man als ´Pauker´ eigene, wahrlich ernüchternde Erfahrungen macht und es gibt in meinem Kollegium niemanden, der dem Ruf nach umfassender Digitalisierung unserer Schulen nicht mit Kopfschütteln begegnet. Auch wir wissen es längst besser als der Herr Lindner. Kinder müssen, um zu lernen und Erfahrungen machen zu können, Dinge wirklich begreifen, in wahrsten Sinne des Wortes, ihre Entwicklung bedarf handfester Reize statt künstlich vorgekauter, im Analogen und nicht im Digitalen wurzelt ihr Wesen. Wir lassen angeborenes Potential schlicht ins Leere laufen, liefern wir Heranwachsende frühzeitig dem digitalen Einheitsbrei im Lindnerschen (Un)Sinne aus. Genau das geschieht bereits. Es ist ein Trauerspiel. mit ansehen zu müssen, wie Eltern ihre Brut im Anschluss an den Nachmittagsunterricht schnell wieder ins Kinderzimmer ´zurück parken´, wo die kleinen Nervensägen schon nicht stören, geschweige denn lästige Fragen stellen werden. In den privaten, völlig überheizten vier Wänden dieser Kinder stapelt sich der digitale Müll bis zur Decke, und kommen die Ferien sehen manche von denen, kein Witz, tagelang kein Sonnenlicht mehr, weil die Jalousien immer unten bleiben und unsere Kevins und Larissas ihr Refugium sowieso nur zum pinkeln oder kacken verlassen. Chipstüte und Colabüchse stehen parat. Natürlich sind dies Extremfälle, aber sie bestätigen einen Trend, der in Abstufungen variiert.

Seltsam, dass man als Sektierer wahr genommen wird (auch und gerade von den verantwortlichen Eltern), stellt man den Kult um digitale Versiegelung sämtlicher öffentlicher und privater Bereiche überhaupt in Frage. Der angemessene Umgang mit den neuen Medien kann und darf aber nur einer sein, der ihren Gebrauch wenigstens bis zur Volljährigkeit strikt einhegt. In der Schule hat das Zeug, denkt man Spitzers Ergebnisse zu Ende, gar nichts zu suchen, denn dort macht´s unsere Kinder, die ihm tagtäglich ungefiltert und bis zum erbrechen ausgesetzt sind, nur noch dümmer als sie ohnehin schon sind. Nicht mehr Digitalisierung ist geboten: weniger bis gar keine. Das mag aus heutiger Sicht wie ein ´Zurück zur Steinzeit´ klingen und liefe, was am Ende immer den Ausschlag gibt, den Geschäftsinteressen der Konzerne zuwider. Natürlich kann man das Rad der Geschichte auch hier nicht zurück drehen. Aber man muss, rechtzeitig, Tempo und Richtung bestimmten. Lindner lehnt ein Limit ab und empfiehlt freie Fahrt für alle Bürger. Der Fetisch Digitalisierung wird so, völlig unreflektiert, in ein Allheilmittel umgelogen. Schreibt man dessen Bestandteile in den Kanon ökonomisch konsekrierter Dogmen ein, wird eine echte Wunderwaffe daraus. Die entsprechenden Offenbarungseide, von Lindner und Co. auf knappe Statements herunter gebrochen, überzeugen all jene, die sich den neuen Götzen so unter-hinterfragt wie zukunftsgläubig unterwerfen. Es geht aber, mehr denn je, um einen angemessenen Umgang in eigenverantwortlicher Regie. Davon sind wir alle noch sehr weit entfernt. Kein einziger, der heute schon souverän mit einem Phänomen umginge, dass jeder einzelne von uns noch vor zwanzig Jahren als Sciencefiction, als Wahnwitz oder Hirngespinst abgetan hätte. Auch hier hat uns unser Hirn offenbar einen Streich gespielt. Spitzer weist deren weitere nach. Und wird dafür gescholten.

Die Geschichte bietet Beispiele zuhauf, wo die Totalsetzung mächtig auftrumpfender Modeerscheinungen, die Vergötterung neuer Gedanken oder Innovationen als solche entweder gar nicht gesehen oder aber treuhündisch begrüßt worden ist. Das sagt auch weiterhin viel aus über den Grad der ´Verhexung´, den die neuen Potenzen anrichten. Wie könnte oder dürfte man auch in Frage stellen, was den Zeiten schon vorab ihren Namen, ihren Lauf gab? Mag er in die Sackgasse führen: das wollte zunächst kaum einer sehen. Und sieht auch hinterher niemand mehr. Wer interessiert sich heute, jenseits hektischer Aktualität, noch für Geschichte. Sie provoziert weiterhin Fragen, deren Beantwortung leicht Klarheit schüfe. Was hat uns die Verherrlichung des Rationalismus, der Glaube an die Allmacht der Vernunft (Aufklärung), das Dogma der Theorie (wissenschaftlicher Materialismus) und mancherlei ´Wunderglaube´ mehr infolge rabiater Einseitigkeit eingebracht? Von den (bis heute gültigen) Erkenntnissen Darwins bis zur Rassentheorie der Nationalsozialisten war es ja nur deshalb ein so kurzer Weg, weil keiner der neuen Prediger noch mit der alten, mit der menschlichen Natur rechnen wollte, die aber wirkungsmächtig blieb, und dies umso mehr, je sicherer man sich der Erblast erhaben oder ledig wähnte. Diese Natur spielt immer eine eigene Rolle. Der Glaube an die totale Machbarkeit von allem, den die digitale Scheinwelt ständig schürt scheitert im ganz konkreten Fall am menschlichen Hirn. Es büßt unmerklich Möglichkeiten ein, die entweder verkümmern oder ungenutzt bleiben.

„Was wollen sie unseren Kindern denn noch alles verbieten!“ blaffte den Spitzer irgendeiner von den andern (spielt es noch eine Rolle wer das war?) in besagter Talkshow an. Sicher: Wenn die Kleinen jenseits der Schule ständig vorm Smartphone abhängen und dann, den Visionen Lindners folgend, demnächst auch noch in der Penne ´in die Röhre schauen´, dann hat sich das Verbot in sein schrankenloses Gegenteil verkehrt und dann helfen wir mit, der Vision Zuses (siehe oben) Geltung zu verschaffen. Kinder und Jugendliche als Versuchskaninchen. Diese Probanden murren nicht. Wer heute einer Entschleunigung digitaler Hast und Eile das Wort redet macht sich ohnehin schnell verdächtig. Als Einschränkung oder Freiheitsentzug wird gewertet, was eigentlich sein Gegenteil bewirken hilft: weniger freie Zeit in lernleere Funktion umzuwandeln.

Wir müssen wieder begreifen lernen, dass allen Erscheinungen ein gewisser Zwiespalt anhaftet, der zu sorgsam abgestimmten Entscheidungen, nicht zur spontanen Unterwerfung zwingt. Wo, so muss gefragt werden, schadet das Neue, wo nützt es – wie werden wir seiner Herr? Zahlreiche Potenzen ringen in diesem Kraftfeld, das einem verwobenen Netzwerk aus Interessen und Impulsen gleicht, um Einfluss und Geltung. Chancen und Risiken müssen einander gegenüber gestellt werden. Dann kann verantwortlich entschieden werden. Sonst droht eine neue Barbarei. Wir besitzen heute, so mein persönlicher Glaube, immerhin das Vermögen, Entwicklungen und ihre möglichen Folgen einschätzen zu können. Spitzer und andere liefern erste Orientierung. Die Erkenntnisse der Hirnforschung kommen weniger pfundig daher als der schrille Marktschrei ahnungsloser Politprofis. Mit denen lässt sich öffentlich kaum wuchern. Weit und breit meldet sich kein Politiker von Rang gerade hier zu Wort. Sie alle plappern den Irrwitz des Herrn Lindner auf je eigene Weise nach. Dieser Konformismus bleibt gefährlich.

Zum Schluss noch einige klärende Wort an jene, die mich bis hier hin gründlich missverstanden haben. Ich werde gern falsch verstanden. Man könnte mir leicht den Vorwurf machen, ich unterschlüge im Schatten lerntheoretischer Befunde den gewaltigen Segen, der vom Gebrauch digitaler Innovation in sämtlichen Bereichen öffentlichen Lebens, von der Gesundheitsversorgung bis zum Notruf via Smartphone, nahezu ununterbrochen ausgeht und viel zum Wohle aller beigetragen hat. Sämtliche angewandten und theoretischen Disziplinen profitieren ja im Übermaß von den Möglichkeiten, die eine Anwendung entsprechender Programme und Gerätschaften eröffnen. Kommunikation in Echtzeit hat, wiewohl eingekerkert im künstlichen Gefüge, unser ganzes Leben revolutioniert. Dass digitale Technik die Weitergabe bzw. den Austausch von Wissen und Information erleichtert, ja beflügelt ist bekannt. Der Nutzen, den derlei Hilfsmittel, in einen größeren Zusammenhang gestellt, sogar im Übermaß bieten, kann und darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie gleichzeitig auch dazu verführen, jeden einzelnen von uns zu entmündigen und, was schlimmer wiegt, in seiner Entwicklung (man lernt ein Leben lang!) zu beschneiden. Wozu denn der gewaltige Aufwand, wenn am Ende die Chancen, die das Projekt bietet, unter seinen Folgelasten begraben werden? Jene, die Kinder und Jugendliche auf so haarsträubende Art und Weise wie der Herr Lindner digitalisieren wollen, stehlen ihnen damit auch die Möglichkeit, am Projekt selbst sinnstiftend mitzuwirken: nach und nach bauen sie nämlich Fähigkeiten und Fertigkeiten ab, die ehedem nötig waren, um das gigantische Vorhaben überhaupt zu ermöglichen und fortzuführen. Wie könnte denn ein Erwachsener, einmal im falsch verstandenen Sinne konditioniert, den Verlust ausgleichen, den er in Jahren digitaler Berieselung eingebüßt hat? Hänschen hat es nicht besser gewusst, Hans hätte es wissen müssen.

Man muss den gewählten VolksvertreterInnen, die hier noch immer schlafen oder ihrem Interessenklüngel folgen immer wieder auf die Finger klopfen. Wenn wir hinter den vermeintlichen Sachzwängen tatsächliche Absichten erkennen und gleichzeitig lernen, das Unverhandelbare auch im Verborgenen zu erkennen, dann ist damit ein guter Anfang getan. Wir wissen dann, was es zu verteidigen gilt. Das fängt tatsächlich schon im Kleinen an. Ein Beispiel. Vor Jahren setzten wir, wiewohl dies rechtlich fragwürdig bleibt, an unserer Schule ein Handyverbot durch. Noch hält es. Setzen sich indes Lindners Visionen durch dann hat sich dieser bescheidene kleine Ansatz – mehr ist er nicht – schon wieder erledigt. Irre an die Macht? Es fehlt nicht mehr viel. – –

Shantu Tirdic, 03.10.17


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