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Author Topic: Gräfe und Unzer, Ganske, Dr.med. Eva Dimmendal, Verantwortungslosigkeit statt Me  (Read 1965 times)

Epizentrum der Sahnetorte

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Gräfe und Unzer, Ganske, Dr.med. Eva Dimmendal, Verantwortungslosigkeit statt Medizin

Meine Überschrift ist zu lang. Ist mir aber egal. Die gehört so. Ausgangspunkt ist dieses Buch:  "Borreliose, Das Selbsthilfe-Programm", geschrieben von Frau Dr. med Eva Dimmendaal.

Das Thema ist sehr umfangreich. Weil Borreliose im Buchtitel steht, aber doch bloß ein Teil des Themas ist, habe ich in der Akte über die Brigitte Rondholz mehrere Platzhalter gepostet, und im Lyme-Bereich auch einen gesetzt.

Für Ergänzungen lasse ich mehrere Posts leer. Für die üblichen Verdächtigen.  8)
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« Last Edit: December 27, 2017, 10:56:35 PM by el_Typo »
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Das Buch von Dr. med. Eva Dimmendaal ist ein Skandal, sowohl in medizinischer Hinsicht als auch was die Verantwortlichkeit der Verlage angeht. Deshalb ist es ein Fall für die Akte "Medienmafia".


Teil 1

[*quote*]
GU RATGEBER GESUNDHEIT

Borreliose
Das Selbsthilfe-Programm

DR. MED. EVA DIMMENDAAL




Seite 2

THEORIE
Ein Wort zuvor.......................5
AUSLÖSER UND AUSWIRKUNGEN ..7
Was ist Borreliose?....................8
Der Erreger..........................9
Der häufigste Überträger: die Zecke .... 12
Die Zecke und ihr Wirt...............15
Das Risiko einer Borreliose-
Erkrankung.........................17
Anzeichen und Verlauf der Krankheit ... 22
Vielfältige Symptome ................23
Diagnosemöglichkeiten...............26
Der Krankheitsverlauf................32
Co-Infektionen .....................36
PRAXIS
DIE BEHANDLUNG VON BORRELIOSE......................41
Wissenswertes zur ganzheitlichen
Therapie...........................42
Der Antioxidanzien-Prozess...........43
Neurotoxine und ihr Einfluss
auf das Milieu.......................43
Aspekte zur Antibiotikatherapie .......44
Übersäuerung - Ursachen
und Folgen.........................46
Die naturheilkundliche Therapie
Heilung mit Pflanzen..............
Phytotherapie speziell bei Borreliose Ausleitung der Neurotoxine und
Entsäuerung.....................
Ausleitung der Schwermetalle.......
Begleitende Maßnahmen...........
Schüßler-Salze...................
Homöopathie...................
Ernährung ......................
Darmsanierung.................
Frequenztherapie................

Seite 3

DER BESTE SCHUTZ: DIE PROPHYLAXE................111
Gefahren erkennen und vorbeugen .... 112
Gute Tipps gegen Stiche.............113
Der eigene Garten als
zeckenfreie Zone...................115
Ein Zeckenstich - und nun?..........116
Herausziehen oder herausdrehen?.....117
Vielfältige Hilfsmittel ...............117
Erste Maßnahmen nach
dem Zeckenkontakt.................120
SERVICE
Bücher, die weiterhelfen.............122
Adressen und Links,
die weiterhelfen....................123
Sachregister........................124
Heilmittelregister...................126
Impressum........................127

Seite 4

DIE AUTORIN
Dr. med. Eva Dimmendaal studierte Medizin in Düsseldorf und Essen und war nach ihrem Studium zunächst als Anästhesistin tätig. Als der Wunsch nach einem ganzheitlichen Therapiekonzept immer größer wurde, studierte sie in verschiedenen naturheilkundlichen Praxen und Kliniken ganzheitliche Therapieformen. Zuletzt arbeitete sie drei Jahre im Borreliose-Centrum Augsburg, wobei sie sich auf das Thema naturheilkundliche Therapie bei Borrelien-Infektion und ihre Co-Infektionen spezialisierte. Im Juni 2009 begann Frau Dr. Dimmendaal eine Ausbildung für Phytotherapie bei der schweizerischen medizinischen Gesellschaft für Phytotherapie an der Hochschule Zürich. Sie ist Mitglied der Deutschen Borreliosegesellschaft. Frau Dr. Dimmendaal lebt mit ihren beiden Kindern in Augsburg und führt dort eine eigene Praxis.


Seite 5

EIN WORT ZUVOR
In den letzten Jahren entwickelte sich die Borreliose immer mehr zu einer Zivilisationskrankheit. Ursache dieser Erkrankung sind Bakterien, die überwiegend durch Zecken, aber auch durch Insekten übertragen werden. Die Zeckenpopulation scheint aufgrund der fortschreitenden Klimaveränderung kontinuierlich zuzunehmen, und damit steigt auch die Zahl der Neuerkrankungen. Borreliose ist eine Krankheit mit vielfältigen Symptomen und - leider - zahlreichen Fehldiagnosen. Chronische Erschöpfung, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Nahrungsmittelunverträglichkeit, Ein- und Durchschlafschwierigkeiten, Verwirrtheit, Stimmungsschwankungen und vieles mehr kann auch anderen Erkrankungen zugeordnet werden. Die Borreliose bleibt häufig lange Zeit, manchmal sogar Jahre, unerkannt. An den möglicherweise auslösenden Zeckenstich erinnert sich nicht jeder. Stattdessen beginnt für viele Patienten irgendwann ein Leidensweg von Arzt zu Arzt. Aus naturheilkundlicher Sicht ist für die Borreliose und ihre Co-Infektionen die starke Übersäuerung des menschlichen Organismus verantwortlich, die vorwiegend auf Stress, Umweltgifte und eine falsche Lebensweise zurückzuführen ist und den Borrelien ein ideales Milieu mit besten Lebensbedingungen beschert. In diesem Buch mache ich Sie deshalb - neben den Zusammenhängen zwischen der Erkrankung und den Abläufen im Körper -mit einer ganzheitlichen Therapie vertraut. Dazu gehören auch die Ausleitung der Gifte sowie eine basische Ernährung. Beide Maßnahmen helfen, das Gleichgewicht des Körpermilieus wieder herzustellen und damit gegen Infektionen resistenter zu machen. Die Borreliose und Ihre Co-Infektionen sind keine ausweglose Situation, sondern eine Herausforderung an unsere Persönlichkeit, die uns auf allen Ebenen die Chance gibt, etwas zu verändern.
Dr. med. Eva Dimmendaal


Seite 7

AUSLÖSER UND AUSWIRKUNGEN
Borreliose, ausgelöst durch das Bakterium Borrelia burgdorferi, ist seit den 1970er Jahren in den Fokus der Medizin gerückt. Sie kann zahlreiche, sehr unterschiedliche Beschwerden hervorrufen.

Was ist Borreliose?       8
II    Anzeichen und Verlauf der Krankheit     22

Seite 8

Was ist Borreliose?
Borreliose ist eine Infektionskrankheit. Erreger dieser Infektion ist das Bakterium Borrelia burgdorferi. Es wird im Wesentlichen durch den Gemeinen Holzbock, eine Zeckenart, beim Saugen von Blut auf den Menschen übertragen. Das geschieht etwa acht bis zwölf Stunden nach dem Einstich. Die Krankheit durchläuft verschiedene Stadien und wird immer häufiger chronisch. Dennoch hat nicht jeder Zeckenstich gleich eine Infektion oder gar eine akute Borreliose-Erkrankung zur Folge.

Seite 9

II     Was ist Borreliose? 9
Der Erreger
Borreliose wird von der Bakteriengattung Borrelia verursacht, die nach dem französischen Bakteriologen Amedee Borrel benannt ist. Die Borrelia gehört - wie der Erreger der Syphilis - zur Gattung der Spirochäten, einer Gruppe spiralförmiger Bakterien, die einen sehr flexiblen, dünnen und lang gestreckten Körper besitzen. Da Spirochäten auch durch sexuellen Kontakt übertragen werden, wird derzeit diskutiert, ob Borrelien ebenfalls sexuell übertragen werden können.

Borrelia burgdorferi
Auslöser einer Borreliose sind verschiedene Borrelien-Arten, in erster Linie die Borrelia burgdorferi, aber auch die in Deutschland weitverbreiteten Borrelia afzelii und Borrelia garinii. Der Erreger Borrelia burgdorferi ist 10 bis 30 Mikrometer lang und 0,2 Mikrometer breit. Im Gegensatz zu den meisten anderen Spirochäten lässt er sich durch die Standardfärbemethode für Bakterien und durch die Dunkelfeldmikroskopie (Seite 31) nachweisen. Borrelien leben vor allem in kleinen Säugetieren wie Mäusen und Ratten, aber auch in Vögeln, Hasen, Rehen, Rot- und Damwild. Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft scheinen diese Wirte keine Symptome zu entwickeln. Anders sieht es dagegen aus, wenn Borrelien durch einen Überträger in ein Haustier oder in den Menschen gelangen. Dann kann sich - je nach körperlicher Verfassung, Immunstatus, Menge der aufgenommenen Erreger -aus der Infektion eine akute Borreliose entwickeln.

Besonderheiten des Erregers
Borrelien besitzen verschiedene Eigenschaften und Fähigkeiten, die für ihr eigenes Überleben im Wirt und für den Verlauf einer Infektion von großer Bedeutung sind. Naturgemäß wirken sich diese »Qualitäten« auf den Wirt durchweg negativ aus.
Veränderung der Gestalt
Die Bakterien können ihre dünne, längliche Form je nach Anforderung ihrer Umgebung abwandeln und beispielsweise eine Ku-

[Kasten rechts]
ANDERE ZECKEN -ANDERE KRANKHEITEN
In Europa sind noch weitere Zeckenarten als Auslöser gefährlicher Krankheiten bekannt. Dazu zählt die Auwald-Zecke, von der häufig Hunde befallen sind. Deshalb wird die von ihr übertragene Babesiose auch Hunde-Malaria genannt.

Seite 10

gelform annehmen. Unter besonderen Bedingungen sind sie sogar in der Lage, ihre Zellwand aufzulösen und als sogenannter Sphäroblast weiter zu existieren. Dies hat den Vorteil, dass die auf der Zellwandoberfläche sitzenden Antigene von den Immunzellen nicht mehr erkannt und die Borrelien somit nicht angegriffen werden können. Außerdem können sich Borrelien in kürzester Zeit einkapseln und bei ungünstigen Umweltbedingungen über einen längeren Zeitraum ohne Stoffwechsel überleben. Weder das Immunsystem noch Antibiotika können sie dann erreichen.

[Bildtext]
Die langen, spiralförmigen Bakterien Borrelia burgdorferi können sich um sich selbst drehen und sich so in ihren Wirt hineinschrauben.

Leben in und außerhalb von Zellen
Das Bakterium besitzt die Fähigkeit, aktiv in Zellen einzudringen, mithilfe von Enzymen ein Loch in die Zellmembran zu schneiden, den Zellkern abzutöten und die leere Hülle als Tarnung gegenüber vorhandenen natürlichen Abwehrzellen zu benutzen. Borrelien benötigen kaum Sauerstoff.
Im extrazellulären Raum können sie sich nicht nur gut fortbewegen, sondern auch in Geweben bestens überleben, die wenig durchblutet sind und damit vom Immunsystem schlecht erreicht werden. Dazu zählen beispielsweise das Nerven- und Bindegewebe sowie die Muskel- und Sehnenansätze.

Art der Fortbewegung
Dank der Schraubenform und der an den beiden Enden befindlichen geißelartigen Arme kann sich Borrelia burgdorferi um sich selbst drehen und sich sowohl in flüssigem Medium wie Blut oder Lymphe als auch im Gewebe des Wirts gut fortbewegen. Dadurch kann der Erreger aktiv sämtliche Organe und Gewebe erreichen und schädigen. Bakteriologen vermuten, dass sich die Geißeln im Bündel gegeneinander längs verschieben und sich auf diese Weise in das Medium nicht nur schrauben, sondern auch schlängeln können. Bislang ist dieser Mechanismus jedoch noch ungeklärt.

Seite 11
Was ist Borreliose?

Aufbau der Zellwand
Borrelien haben eine kompliziert aufgebaute Zellwand, die aus drei Schichten besteht. Auf der äußersten befinden sich spezielle Lipoproteine (Antigene). Das sind Verbindungen aus Eiweiß und Fett, die Schutz vor den Abwehrzellen des Immunsystems des Wirts bieten. Sie verhindern, dass das Bakterium als körperfremder Eindringling erkannt und vernichtet wird. Die Bildung der Lipoproteine wird von 150 Genen gesteuert (zum Vergleich: Bei anderen Bakterien sind es selten mehr als zehn), wodurch sich die Struktur der Oberfläche rasch verändern kann, falls es die Situation oder die Umweltbedingungen erfordern. Außerdem sitzen in der Zellwand 21 Plasmide, winzige, ringförmige DNA-Moleküle, die nur in Bakterien vorkommen. Durch sie ist das Bakterium in der Lage, Informationen über die Immunabwehr seines Wirts aufzunehmen und auf Antibiotika zu reagieren.

Produktion von Nervengiften
In den USA konnte nachgewiesen werden, dass die von Borrelien ausgeschiedenen Abfallprodukte, sogenannte Neurotoxine (Nervengifte), für chronische Entzündungsprozesse und damit für die Beschwerdesymptome verantwortlich sind. Neurotoxine aktivieren entzündungsfördernde Zytokine (Signalmoleküle des Immunsystems). Sie wandern gebunden an Fettmoleküle durch den Gallengang, werden über den Stuhl ausgeschieden und bei einem verlangsamten Stoffwechsel zurückgeführt. Dadurch erhöht sich die Konzentration der Nervengifte, und die Beschwerdesymptomatik verstärkt sich (Seite 24).

Vermehrung und Reproduktion
Die meisten Bakterien vermehren sich explosionsartig. Sie können sich innerhalb von 15 oder 20 Minuten teilen. Borrelien dagegen haben einen relativ langen Vermehrungszyklus und teilen sich nur alle 12 oder 24 Stunden. Der lange Vermehrungszyklus erklärt, weshalb bei Borreliose Antibiotika wesentlich länger eingesetzt werden müssen als bei anderen Infektionen und warum Beschwerden häufig in Phasen auftreten.

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WICHTIG
Borreliose kann nicht nur durch Zecken, sondern auch durch Insekten übertragen werden. Treten nach dem Stich von Mücken, Bremsen, Läusen oder Flöhen eine Wanderröte oder Symptome auf, die auf eine Infektion hindeuten, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Seite 12

[Bildtext]
Die Entwicklungsschritte des Gemeinen Holzbocks von der Larve zum adulten Tier ereignen sich in der Regel im selben Intervall.

Der häufigste Überträger: die Zecke
Mit Beginn der warmen Jahreszeit tauchen in den Schaufenstern von Apotheken regelmäßig Schilder und Tafeln auf, die eindringlich vor Zecken warnen, welche ebenso wie manche Insekten Borreliose und andere sogenannte Co-Infektionen übertragen können. Zecken sind winzige Spinnentiere und gehören zu den Milben. Viele Zeckenarten, wie der gemeine Holzbock oder die Schafzecke, sind in Mitteleuropa beheimatet. Für die Mehrzahl aller Infektionen ist der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) verantwortlich, ein drei bis fünf Millimeter großes Spinnentier aus der Familie der Schildzecken. Er lebt als Parasit an Säugetieren, zu denen auch der Mensch zählt, seltener an Vögeln und Reptilien. Der wissenschaftliche Name rührt daher, dass die Zecke wie Ricinussamen aussieht. Ihr Körper ist zweigeteilt: ein kopfartiges Vorderteil, das die Mundwerkzeuge mit dem Stechapparat trägt, und ein größeres, sackartiges Hinterteil, das die Blutnahrung aufnimmt. Auffällig ist, dass sich die Weibchen deutlich von den Männchen unterscheiden. Während Letztere auf dem Rücken ein derbes Chitinschild tragen, besitzen die Weibchen nur ein schwach ausgeprägtes Schild. Dadurch kann ihr Hinterleib während des Blutsaugens auf die zehnfache Größe anschwellen und mehrere Tausend Eier aufnehmen.

Entwicklung des Gemeinen Holzbocks
Eine Zecke kann ein Lebensalter von bis zu sechs Jahren und eine Größe von bis zu viereinhalb Millimetern erreichen. Die Weibchen sind meist größer, um genug Blut für die Produktion der Eier aufnehmen zu können. Der Gemeine Holzbock durchläuft drei charakteristische Entwicklungsstadien, wofür er in der Regel zwei bis vier Jahre benötigt. Bevor das Tier die nächste Entwicklungsstufe erreicht, muss es Blut aufnehmen.

Seite 13

Stadium 1: die Larve
Aus dem Ei schlüpft zunächst eine durchsichtige, etwa 0,5 Millimeter große Larve mit nur sechs Laufbeinen. Sie lebt in feuchtwarmen Laub- und Grasschichten, Sträuchern und Büschen bis zu einer Höhe von ungefähr 20 Zentimetern. Ihr Wirt ist vorzugsweise ein kleines Säugetier, etwa eine Maus, ein Igel oder eine Katze, sehr selten der Mensch. Da die Eier der Zecken keine Borrelien enthalten, nimmt die Larve erst bei diesem Saugakt den Erreger in sich auf und hat nach drei bis fünf Tagen das Zehn- bis Zwanzigfache an Gewicht zugelegt. Bei entsprechend warmen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit beginnt sie sich zu häuten, eine Prozedur, die mehrere Tage dauern kann.

Stadium 2: die Nymphe
In ihrem zweiten Entwicklungsstadium, Nymphe genannt, ist die Zecke ein bis zwei Millimeter groß und besitzt bereits die für Spinnentiere charakteristischen acht Laufbeine. Sie hält sich in Büschen und hohem Gras bis zu 80 Zentimetern auf. Als Wirt dienen vorzugsweise Mäuse und Hasen, aber auch Füchse. Nymphen können bereits den Menschen befallen und sind in der überwiegenden Zahl der Fälle für die Übertragung von Borrelien verantwortlich.

Stadium 3: die adulte Zecke
Die sogenannte adulte Zecke hat mit etwa viereinhalb Millimetern das Erwachsenenstadium erreicht und findet sich in Sträuchern bis zu 120 Zentimetern Höhe, gelegentlich sogar auf Bäumen bis zu 180 Zentimetern. Sie sucht sich als Wirt bevorzugt größere Säugetiere wie Rehe, Rot- und Damwild, Hunde, Katzen und natürlich auch den Menschen. Während das Männchen in diesem Stadium nur noch wenig oder gar kein Blut mehr aufnimmt, braucht das Weibchen als Energiereserve für die Produktion der Eier eine große Menge davon. Dementsprechend kann der Saugakt bis zu 20 Tage dauern. Nach der Paarung legt das Weibchen die Eier an einer geschützten Stelle im Boden ab. Sobald die Larven geschlüpft sind, beginnt der Zyklus aufs Neue.

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NUR LARVEN FALLEN AUS DEM NEST
Es stimmt nicht, dass Zecken sich von hohen Bäumen auf ein Opfer fallen lassen. Stattdessen lauern sie darauf, dass sie von ihrem potenziellen Wirt im Vorbeigehen abgestreift werden. Lediglich Larven lassen sich auf der Suche nach Feuchtigkeit schon mal aus einem Vogelnest fallen.

Seite 14
INFO
Lyme-Borreliose - die Entdeckung einer neuen Krankheit
Lyme-Borreliose ist eine Infektionskrankheit mit einem vielschichtigen Krankheitsbild. Jedes Organ, das Nervensystem, die Gelenke sowie das Gewebe können befallen werden und das nicht nur in der freien Natur und in ländlichen Gebieten, sondern auch in den Städten. Die Krankheit ist heute über die ganze Welt verbreitet und zählt in den gemäßigten Klimazonen zu den häufigsten durch Zecken übertragenen Infektionskrankheiten. Dabei liegt ihre Entdeckung noch nicht einmal 40 Jahre zurück.

Die ersten Infektionen
Im Frühsommer 1975 wurde in den beiden Orten Lyme und Old Lyme im US-Bundesstaat Connecticut bei Erwachsenen sowie auch bei Kindern und Jugendlichen eine spezielle Form von Gelenkentzündung (Arthritis) festgestellt. Zunächst vermutete man, dass es sich um die sogenannte juvenile rheumatoide Arthritis handeln könnte. Doch bald kamen weitere Beschwerden hinzu, und auf Drängen der Einwohner der beiden Orte, in denen die Symptome aufgetreten sind, wurde die Yale-University mit der Untersuchung der Fälle beauftragt. Man fand schnell heraus, dass die Krankheit meist mit einem roten, schnell größer werdenden Fleck auf der Haut begonnen hatte, und brachte dies mit einem Stich der in den umliegenden Wäldern vorkommenden Hirschzecke in Verbindung. Die zunächst als Lyme-Arthritis bezeichnete Infektionskrankheit war damit erkannt. Doch es dauerte noch mehrere Jahre, bis auch endlich der dafür verantwortliche Erreger gefunden wurde.

Willy Burgdorfer, der Entdecker des Erregers
1981 konnte Willy Burgdorfer das später nach ihm benannte Bakterium Borrelia burgdorferi erstmals aus Zecken (in Deutschland Ixodes ricinus, in den USA Ixodes dammini) isolieren. Ein Jahr später gelang es dem Arzt und Bakteriologen, der in den 50er Jahren die US-amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen hatte, den gesuchten Erreger im Labor zu züchten.

Schutzimpfung nicht möglich
Eine Impfung, die vor Borreliose schützt, gibt es nicht - im Gegensatz zur wesentlich seltener auftretenden FSME (Frühsommer-Meningoenze-phalitis, umgangssprachlich Hirnhautentzündung), die ebenfalls durch Zecken auf den Menschen übertragen, aber durch einen anderen Krankheitserreger verursacht wird. Auch wenn eine Borreliose erkannt und erfolgreich behandelt wurde, ist man für die Zukunft nicht immun: Man kann jederzeit erneut infiziert werden. Vorbeugende Maßnahmen, die Sie selbst ergreifen können, lesen Sie ab Seite 111.

Seite 15

Lebensraum und Aktivzeiten des Holzbocks

Der Gemeine Holzbock kommt vor allem in den gemäßigten Zonen Europas bis in Höhen von 2000 Metern vor. Er bevorzugt feuchtwarme Standorte mit hoher Luftfeuchtigkeit und Temperaturen über 10 °C. Dementsprechend sind die Zecken oft an Waldrändern und auf Waldlichtungen, in Wiesen mit hochwüchsigen Gräsern und an Flussufern zu finden, außerdem auch in der Streuschicht von Laub- und Mischwäldern und besonders im Übergang zwischen Wegrändern und Hecken mit Gräsern, krautartigen Pflanzen und niedrigem Gestrüpp. Entgegen landläufiger Meinungen sind Zecken das ganze Jahr über aktiv, wozu auch die milden Winter der letzten Jahre beigetragen haben. Extrem niedrige Temperaturen unter dem Gefrierpunkt oder Perioden langer Trockenheit können sie in einer Art Starre überstehen. Sobald die Temperaturen jedoch 3 bis 4 °C übersteigen, erwachen sie aus dem Kälteschlaf und gehen auf Nahrungssuche. Ihre höchste Aktivität entwickeln sie vom Frühling bis in den Spätherbst. Im Hochsommer ist es ihnen mitunter zu heiß und zu trocken. Dann nimmt die Aktivität etwas ab.

[Bildtext]
Mithilfe des Hallerschen Or-Die Zecke und ihr Wirt gans erkennt die Zecke Milchsäure, Ammoniak und andere Stoffe und ortet so ihre Beute.

Die meisten Zeckenarten besitzen keine Augen, bei anderen ist der Gesichtssinn nur schwach ausgeprägt. Um einen geeigneten Wirt zu finden, bedienen sie sich einer speziellen Vorrichtung, des sogenannten Hallerschen Organs. Dabei handelt es sich um einen gru-benförmigen Chemorezeptor, der mit speziellen Sinnesborsten versehen ist und am letzten Glied des ersten Beinpaares sitzt. Mithilfe dieses Organs kann die Zecke Stoffe wie Ammoniak, Kohlendioxid, Milchsäure und vor allem Buttersäure erkennen, die vom möglichen Wirt über Atem und Schweiß abgegeben werden. Besonders gefährdet sind Menschen, deren Körper übersäuert ist, was sich in »saurem Schweiß« niederschlägt (Seite 113).



Seite 16
In Lauerstellung
Während die Zecke auf einen geeigneten Wirt wartet, nimmt sie eine typische Lauerstellung ein, indem sie sich mit den hinteren Beinpaaren festklammert und das vorderste Beinpaar ausstreckt und leicht schwenkt, um mit dem Hallerschen Organ Sinnesreize aufnehmen zu können. Sobald sich der Wirt nähert, was die Zecke außer an den chemischen Reizen auch an der Veränderung des Lichts von hell zu dunkel bemerkt, ist sie bereit, von ihm im Vorbeigehen abgestreift zu werden. Auf dem Körper des Wirts krabbelt sie dann so lange herum, bis sie eine passende Einstichstelle gefunden hat. Das sind vor allem dünne, feuchtwarme, gut durchblutete Hautstellen wie Kniekehle, Achselhöhle, Schambereich, Leiste, Haaransatz oder Zehenzwischenräume. Auch die zarte Haut hinter den Ohren zählt dazu.

Beim Blutsaugen
Hartnäckig hält sich die Meinung, Zecken würden beißen. Richtig ist jedoch, dass sie mithilfe ihrer Mundwerkzeuge stechen und das Blut des Wirts über einen Rüssel einsaugen. Sie ritzen mit ihren beiden scherenartigen Fortsätzen ein winziges Loch in die Haut und schieben ihren mit vielen Widerhaken versehenen Stechapparat hinein. Dieser wird überdies mit einer Art Klebstoff fest verankert, was es zusätzlich erschwert, die Zecke zu entfernen. Genau wie manche stechende Insekten gibt die Zecke, bevor sie mit dem Blutsaugen beginnt, Speichel in die Wunde ab. Dieses Sekret enthält einen gerinnungshemmenden Stoff, der für eine reibungslose Aufnahme des Blutes sorgt, sowie ein Betäubungsmittel, wodurch der Wirt den Stich nicht spürt. Dies ist von Bedeutung, da die Zecke im Gegensatz zu Insekten oft mehrere Stunden oder sogar Tage an ihrem Opfer festsitzt und saugt. Ein entzündungshemmender Stoff bewirkt obendrein, dass keine normale Wundreaktion einsetzt und die körpereigenen Abwehrzellen des Wirts an der Einstichstelle nicht eingreifen.

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Je länger eine durchseuchte Zecke beim Wirt Blut gesaugt hat, desto höher ist das Risiko, dass Borrelien übertragen wurden.

Leider behält die Zecke nicht alle aufgenommenen Bestandteile des Blutes im Magen, sondern filtert die roten Blutkörperchen heraus und leitet die nicht benötigte Blutflüssigkeit zusammen
mit unverdaulichen Bestandteilen wieder in den Blutkreislauf ihres Wirts zurück. Mit diesem Mageninhalt können auch weitere Erreger übertragen werden, die die Zecke zuvor von einem anderen Wirt aufgenommen hat, beispielsweise Chlamydien (Seite 37). Ob die Zecke diese Krankheitserreger an ihre Nachkommen weitergeben kann, ist noch nicht erwiesen.

Seite 17

[Bildtext]
Die weibliche Zecke hat sich auf menschlicher Haut festgesetzt. Ihr praller Hinterleib zeigt, dass sie sich bereits mit Blut vollgesaugt hat.


Das Risiko einer Borreliose-Erkrankung
Nicht jeder Borrelien-Infizierte erkrankt auch an einer Borreliose. So wurde 2008 bei etwa 20 Prozent einer getesteten Risikogruppe mit Jägern und Förstern ein positiver Borrelientiter nachgewiesen. Der Titer ist die Maßangabe für Verdünnungen von Antikörpern und Antigenen (die das Immunsystem bildet), die gerade noch eine positive Reaktion ergeben. Die Testpersonen müssen also irgendwann einmal mit Borrelien infiziert worden sein, dennoch litten sie nicht an borreliosespezifischen Symptomen. Warum das so ist, erfahren Sie auf Seite 44.

Infektionsgefahr: praktisch überall
Borrelia burgdorferi ist weltweit verbreitet, und Borreliose ist in der nördlichen Hemisphäre die häufigste von Zecken übertragene Erkrankung. In Deutschland bestand vormals ein deutliches Nord-Süd-Gefälle, was die Durchseuchung von Zecken wie den Gemeinen Holzbock (Seite 12) betrifft. Mittlerweile haben sich die Verhältnisse angeglichen, und der Erreger kommt von den Alpen bis

Seite 18
[Kasten  links]
ZECKEN BEKOMMEN HEISSE FÜSSE
Eine neu entwickelte chemische Textilbeschichtung soll Gärtner, Landwirte und Forstarbeiter vor Zeckenstichen schützen. Der starke Nervenreiz verursacht bei den Zecken Koordinationsstörungen und Erschöpfung, sobald sie auf der Kleidung Platz nehmen. Gesundheitliche Risiken für die Haut der Träger bestehen laut Hersteller nicht.

zur Nord- und Ostsee vor. Das bedeutet, Sie können sich in ganz Deutschland - im Gegensatz zu der durch Viren hervorgerufenen FSME - mit Borreliose infizieren, und das nicht nur bei einer Wanderung in freier Natur. Auch in stadtnahen Gebieten und in den Städten selbst, auf dem Spielplatz, beim Spazierengehen mit dem Hund oder beim Picknick im Park, besteht diese Gefahr.

Befallene Zecken
Je nach Region schwankt die mit Borrelien durchseuchte Zeckenrate dennoch ganz erheblich. Sie reicht von etwa fünf bis weit über 40 Prozent, im Durchschnitt sind in Deutschland 20 Prozent der Zecken von Borrelien befallen. In Hochrisikogebieten werden 30 bis 50 Prozent mit Borrelien durchseuchte Zecken vermutet: In der Region Konstanz am Bodensee lag die mittlere Infektionsrate der Zecken mit Borrelien bei 35 Prozent, im Englischen Garten und in den Isarauen Münchens waren etwa 30 Prozent der gefundenen Zecken mit Borrelien verseucht. Nach dem derzeitigen Stand der Forschung ist die Übertragung der Borrelien frühestens zehn bis 24 Stunden nach dem Zeckenstich möglich. Erfahrungen aus der Praxis zeigen aber, dass eine Infektion mit Borrelien bereits nach wenigen Stunden erfolgen kann. Am höchsten scheint das Risiko, dass die Bakterien in den menschlichen Körper gelangen, nach 48 bis 72 Stunden zu sein. Off wird ein Zeckenstich überhaupt nicht bemerkt und Borreliose demzufolge erst spät (manchmal erst nach Jahren) erkannt.

Neuinfektionen und Neuerkrankungen
Über die Zahl der jährlichen Neuinfektionen beziehungsweise Neuerkrankungen gibt es für Deutschland nur Schätzungen, da eine generelle Meldepflicht in den alten Bundesländern fehlt. Je nach Studie variieren die Zahlen stark. So weisen Statistiken einer Krankenkasse für das Jahr 2008 aus, dass sich jährlich zwischen 500.000 und 750.000 Menschen neu infizieren. Andere Statistiken gehen von 50.000 bis 160.000 Fällen aus. Unstrittig ist, dass die Borreliose wegen ihres immer häufigeren Auftretens inzwischen zu den Zivilisationskrankheiten zählt.

Seite 19
FALLBEISPIELE AUS MEINER PRAXIS

Frau H., 49 Jahre:
Seit ihrem Aufenthalt in Indien litt sie an zunehmend schlimmer werdenden Beschwerden wie großer Müdigkeit mit Schlafstörungen, starker Erschöpfung, Konzentrationsstörungen, heftigen Gelenkschmerzen am ganzen Körper mit wechselnder Lokalisation und vor allem an unerträglichen Muskelschmerzen. Sie gab an, sich nicht an einen Zeckenkontakt erinnern zu können, wobei sie sich natürlich viel in der Natur aufgehalten habe. Bei genauerem Nachfragen waren der Patientin Beschwerden, die als Folge der Borreliose auftreten, in abgeschwächter Form bekannt. Außerdem berichtete Frau H., sie habe sich für ihren Auslandsaufenthalt gegen Polio, Diphtherie, Tetanus, Gelbfieber und Hepatitis impfen lassen.
Es stellte sich heraus, dass Frau H. unter einer chronischen Borreliose litt, die das Immunsystem bis zur erfolgten Impfung problemlos kompensiert hatte. Nach der Impfung war dieses jedoch so stark überlastet, dass die Borreliose zum Ausbruch kam.

Anna, 6 Jahre alt:
Als das Mädchen zu mir kam, hatte es eine dreiwöchige Antibiotikatherapie verabreicht bekommen, die von der Hausärztin aufgrund eines Zeckenstichs verordnet wurde. Sie befand sich in einem sehr schlechten Allgemeinzustand. Eine ausführliche Anamnese ergab
unter anderem, dass Anna bereits in der Vergangenheit - erstmalig mit etwa zweieinhalb Jahren - Zeckenkontakt hatte. Ein Erythem (Wanderröte) war nie aufgetreten, auch nach dem letzten Zeckenkontakt nicht. Anna hat die üblichen Kinderschutzimpfungen erhalten. Ihr Verdauungstrakt reagiert empfindlich auf Störungen - vor allem Magen und Darm. Nach der Einschulung ist sie durch Konzentrationsstörungen aufgefallen. Nach dem letzten Zeckenkontakt sind grippeähnliche Beschwerden mit starker Müdigkeit, schlechtem Allgemeinbefinden und Gelenkschmerzen in den Knien aufgetreten. In der Borreliose-Serologi fand sich ein positiver Wert im Elisa und ein grenzwertig positiver Wert im Immunoblot (beides Diagnosemöglichkeiten, Seite 26), weshalb die Hausärztin von einer Borrelieninfektion ausging und eine Antibiotikatherapie einleitete. Bereits nach eineinhalb Wochen hat Anna mit Magen-Darm-Beschwerden reagiert. Da die Borreliose-Symptomatik noch vorhanden war beziehungsweise sich eher verschlechtert hatte, wurde die Therapie fortgeführt.
Ich lernte Anna als ein völlig erschöpftes Mädchen kennen, das nach Zungenbefund und Blickdiagnostik vor allem stark übersäuert und deutlich dehydriert (ausgetrocknet) war. Außerdem klagte das Kind über starke Übelkeit und Magenschmerzen. Die Antibiotikatherapie setzte ich sofort ab und begann


Seite 20
stattdessen mit einer bewusst milden Phytotherapie (Kräutertherapie, Seite 63), um die Übersäuerung nicht weiter zu forcieren. Außerdem wurde verstärkt auf die Trinkmenge geachtet, und Vitamine sowie Mineralien wurden auf natürliche Weise, wie beispielsweise mit Sanddornsaft und spezifischer, mineral-haltiger Ernährung, substituiert. Zur Darmregulierung erhielt Anna Flohsamen. Nach wöchentlicher und später vierwöchiger Visite war zu erkennen, dass Anna sich zusehends erholte, sodass die Dosierung der Therapie erhöht werden konnte.
Nach sechs Monaten naturheilkundlicher Therapie saß mir ein aufgeschlossenes und sich zunehmend besser fühlendes Kind mit guten schulischen Leistungen gegenüber. Die Therapie wird bis heute (13 Monate) in milder Dosierung weitergeführt, und es kommt immer wieder zu erstaunlichen positiven Veränderungen. Anna hat seit mehreren Jahren Borreliose und Co-Infektionen, unter anderem Chlamydien (Seite 37). Dennoch entwickelt sie sich inzwischen prächtig.

Herr G., 34 Jahre alt:
Der Patient suchte mich aus purer Verzweiflung auf, da ihm - wie er meinte - niemand mehr helfen könne. Er sei ein Invalide, er habe eine »chronische Herzerkrankung«. Dabei handelte es sich um Myokarditis -eine Herzbeutelentzündung. Auch diverse An-
tibiotikatherapien seien ohne Erfolg geblieben. Jetzt habe er von einem Freund gehört, dass vielleicht eine Borreliose vorliege. Vor allem seine Müdigkeit und Leistungsminderung seien so stark, dass er sich überhaupt nicht belasten könne. Er liege die meiste Zeit auf dem Sofa und könne sich selbst kaum versorgen, geschweige denn, seinen geliebten Beruf ausüben.
Neben einer Borreliose hatte der Patient eine ausgeprägte Chlamydia pneumoniae- und eine Chlamydia trachomatis-lnfektion. Da Herr G. sehr gut mitgearbeitet und das naturheilkundliche Therapiekonzept genau eingehalten hatte, stellte sich bereits nach acht Wochen eine positive Veränderung der Beschwerdesymptomatik ein. Nach sechs Monaten saß ein strahlender Patient vor mir, der wieder leistungsfähig war und zuversichtlich, in ein paar Wochen seinen Beruf in Teilzeit wieder ausüben zu können. Die Therapie wollte er wie empfohlen weiterführen. Seine Aussage: »Wenn es sein muss, führe ich die Therapie bis ans Ende meinerTage weiter. Hauptsache, ich fühle mich nie wieder so wie vor der Therapie. Wenn alles gut geht, werden Sie nichts mehr von mir hören.« Und das habe ich in der Tat bis heute nicht.

Frau S., 56 Jahre alt:
Die Patientin stellte sich mit einer akuten Wanderröte am rechten Oberarm nach Ze-

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ckenkontakt bei mir vor. Sie habe einen Garten, in dem sie sich häufig Zeckenstiche zuziehe. Wenn sie zum Arzt gehe, bekomme sie jedes Mal ein Antibiotikum verordnet. Danach gehe es ihr immer für längere Zeit schlecht. Sie beschrieb Magen- und Darmbeschwerden, aber auch starke Müdigkeit und Antriebslosigkeit sowie Gliederschmerzen. Jetzt ziehe sie eine naturheilkundliche Therapie in Betracht. Die Patientin hatte trotz Wanderröte keine Beschwerden, sodass ich ihr eine mild dosierte Phytotherapie empfahl - systemisch und lokal wirksam. Nach eineinhalb Wochen war die Wanderröte komplett rückläufig und Frau S. hatte keine Beschwerden entwickelt.

Herr K., 41 Jahre alt:
Als Herr K. sich bei mir vorstellte, stand er unter Antibiotikatherapie. Er wollte wissen, ob ihm nicht auch naturheilkundlich geholfen werden könne. Es gehe ihm schlecht und die Beschwerden würden immer schlimmer, sodass er nachts nicht mehr schlafen könne. Er sei nervös und gereizt, und vor allem habe er Schmerzen am ganzen Körper. Die genauere Anamnese ergab, dass der Patient seine Hände kaum bewegen konnte, da er an Entzündungen in beiden Handgelenken litt, die mit Schmerzen bis in die Schultern einhergingen. Die Hände waren dabei stark geschwollen und kalt. An der rechten Hand war er bereits operiert worden, doch die Beschwerden
wurden danach eher schlimmer als besser. Ähnliche Symptome beklagte er an den Fußgelenken. Außerdem litt er an starker Müdigkeit und Schlafstörungen, Antriebslosigkeit und Depressionen. Des Weiteren hatte er starke Muskelschmerzen am ganzen Körper sowie Kopfschmerzen. Der Patient berichtete, zur Behandlung seiner Borreliose schon mehrere Antibiotikatherapien ohne Erfolg durchgeführt zu haben. Mittlerweile nähmen ihn sein Hausarzt und diverse andere Ärzte nicht mehr ernst und vermuteten, seine Beschwerden seien psychosomatisch bedingt (körperliche Beschwerden, bedingt durch psychische Ursache). Herr K. war schlichtweg verzweifelt, weil er nicht mehr wusste, was er glauben sollte und weil er seiner Arbeit nicht mehr nachgehen konnte.
Nachdem sich unter Antibiotikatherapie die Beschwerden verschlimmert hatten und für den Patienten unerträglich wurden, setzte er diese ab. Ein langer Prozess der naturheilkundlichen Therapie mit vielen Höhen und Tiefen begann. Nach 21 Monaten Phytotherapie und intensiver naturheilkundlicher Begleittherapie geht es Herrn K. inzwischen besser. Zum ersten Mal nach Jahren kann er seine Hände ohne Schmerzen bewegen. Er hat seine psychische Stabilität wiedergefunden und ist optimistisch, wieder gesund zu werden. Da noch Restbeschwerden vorhanden sind, muss weiter therapiert werden.


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Anzeichen und Verlauf der Krankheit

Viele Betroffene können sich nicht an einen Zeckenkontakt oder ungewöhnlichen Insektenstich erinnern. Da die Borreliose gerade im Anfangsstadium meist nur für den Spezialisten spezifische Symptome zeigt und generell fast jede andere Krankheit imitieren kann, ist es nicht einfach, sie sicher zu erkennen. Sie löst unterschiedliche allgemeine Beschwerden aus, die auch anderen Erkrankungen zugeordnet werden können. Aufgrund ihrer hohen Beweglichkeit sind die Borrelien nämlich in der Lage, sich nicht

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nur passiv über den Blutstrom und die Lymphbahnen, sondern auch aktiv innerhalb von Bindegewebe und Organen auszubreiten. Das bedeutet, die Erreger können sich praktisch überall im Körper festsetzen. Sogar die Blut-Hirn-Schranke (Schutzeinrichtung, die schädliche Stoffe von den Nervenzellen im Gehirn fernhält) ist für Borrelien kein unüberwindbares Hindernis, was zu schweren Nerven- und Gehirnstörungen führen kann.

Vielfältige Symptome
In der ersten Zeit nach der Infektion können noch keine Antikörper gegen die Borrelien gemessen werden (Seite 26). Mitunter hat der Betroffene schon eine nervenaufreibende Odyssee durch mehrere Praxen hinter sich, ehe ein Arzt oder Heilpraktiker die richtige Diagnose stellt. Häufiger jedoch passiert es, dass Borreliose nicht erkannt und je nach Stadium mit einer Grippe, Fibro-myalgie (Faser-Muskel-Schmerz), rheumatoider (rheumaähnlicher) Arthritis, chronischem Müdigkeitssyndrom, verschiedenen psychischen Störungen oder anderen Erkrankungen verwechselt wird. Wenn aufgrund einer solchen falschen Diagnose eine (falsche) Therapie eingeleitet wird, die beispielsweise das Immunsystem schwächt, können sich die Borrelien ungehindert ausbreiten. In der Tabelle auf der nächsten Seite finden Sie eine Übersicht der häufigsten und wichtigsten Symptome bei Erwachsenen und Kindern, die für eine Borrelieninfektion sprechen. Je mehr dieser Anzeichen auf Sie zutreffen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie sich mit Borrelien infiziert haben. Das gilt in besonderem Maße, wenn Sie sich weder an einen Zeckenstich noch an das Auftreten einer Wanderröte (in der Fachsprache Erythema migrans) erinnern können. Aber auch wenn manche Symptome immer wieder auftreten und ohne Behandlung wieder verschwinden, kann das ein Hinweis auf eine Infektion sein.

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GU-ERFOLGSTIPP
BEI VERZÖGERTER ENTWICKLUNG
Wenn Ihr Baby Schwierigkeiten beim Trinken hat, häufig schreit und in der Entwicklung - verglichen mit seinen Altersgenossen - deutlich verzögert ist, sollten Sie eine Infektion mit Borrelien in Erwägung ziehen und einen Therapeuten aufsuchen. Das Gleiche gilt, wenn ein Kind im Vorschul- oder Schulalter durch (vor allem plötzliche) Leistungsminderung auffällt und oft über Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen oder Übelkeit beim Sport klagt.

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INFO
Symptome einer Borreliose und ihrer Go-Infektionen
Die Symptome sind sehr individuell, können sich immer wieder verändern, abschwächen und erneut auftreten. Dennoch gibt es Übereinstimmungen, die bei Kindern ähnlich sind wie bei Erwachsenen. Als Zeichen einer guten Immunantwort kommt es bei Kindern in 80 Prozent der Fälle zu einer Wanderröte (Seite 33).

Von mehr als 60 Prozent der betroffenen Erwachsenen beschriebene Symptome
> Allgemeine Symptome: Müdigkeit, Abgeschlagenheit, chronische Erschöpfung, deutliche Leistungsminderung
> Schmerzen in den Schultern und im Nackenbereich
> Kopfschmerzen, Migräne
> Schwindel, Benommenheit
> Wechselnde, wandernde Gelenkschmerzen am ganzen Körper und/oder Muskelschmerzen (Muskelkrämpfe, Muskelzittern, Muskelschwäche, Muskelschwund)
> Rückenschmerzen, vor allem im Bereich der Lenden- und der Halswirbelsäule
> Ein- und Durchschlafstörungen

Weitere Symptome mit unterschiedlicher Häufigkeit
> Allgemeine Symptome: kalte Hände und Füße, Frösteln und/oder fiebriges Gefühl, Gliederschmerzen, Gefühl der Steifigkeit am ganzen Körper, vor allem morgens
> Haut: Trockenheit, Missempfindungen, Berührungsempfindlichkeit, Entzündungen,
Ekzeme, Pilzinfektionen, Schrunden an den Fingern und am Mund (Mundwin-kelrhagaden). Typisch für eine chronische Borreliose ist die sogenannte Zigaretten-papierhaut, das heißt eine extrem dünne Haut einseitig an einer Extremität, aber auch eine marmorierte Haut, meist bei kalten Extremitäten
> Haare: Haarausfall, brüchige Haare
> Nägel: brüchige Nägel, Pilzinfektionen
> Bewegungsapparat: Sehnenschmerzen (etwa an der Achillessehne), Carpaltunnel-syndrom, Tennisellbogen
> zentrales Nervensystem: Ohrgeräusche (Tinnitus), Hörsturz, Schwerhörigkeit, Gesichtslähmung (Fazialisparese), Augenmuskellähmung, Gesichtsfeldausfälle
> peripheres Nervensystem: Lähmung, (etwa in den Armen oder Beinen), Koordinationsstörungen, Gleichgewichtsstörungen
> Gehirnleistung: Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, Denkblockaden, Desorientiertheit, Erinnerungslücken Verwirrtheit, gehäuft auftretende Versprecher, Benommenheit, Krampfanfälle

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> Psyche: Stimmungsschwankungen von Aggressivität bis Depression, Angstzustände bis hin zu Panikattacken, innere Unruhe oder Antriebslosigkeit sowie ausgeprägte Psychosen
> Magen-Darm-Beschwerden: Sodbrennen, Aphthen, Magenschmerzen, Verdauungsprobleme (typisch ist der Wechsel von Verstopfung und Durchfall), Blähungen, Entzündung der Speiseröhre (Refluxösophagitis), Übelkeit, Appetitlosigkeit
> Stoffwechselschwankungen ohne sogenannte organische Ursachen wie schwankender Blutdruck, Schilddrüsenunterfunktion (Hashimoto-Thyreoiditis), Blutzuckerschwankungen, erhöhte Leberwerte, Hormonschwankungen wie Testosteron-oder Östrogenmangel, aber auch Störungen des Serotoninstoffwechsels (Ursache für Stimmungsschwankungen oder neu auftretende Angstzustände)

Symptome bei Kindern unter drei Jahren
> Fieberschübe mit hohen Temperaturen (über 39,9 °C) als Überreaktion des Immunsystems, bei chronischer Infektion etwa alle vier Wochen

Symptome bei Kindern über drei Jahren
> Bei akuter Infektion: grippeähnliche Symptome (Müdigkeit, Kopf-, Hals- und Gliederschmerzen) und Gelenkschmerzen
> Angeschwollene Lymphknoten, oft zusammen mit einem Lymphozytom (knötchenartige Schwellung aufgrund von Flüssigkeitsansammlung unter der Haut)
> Muskelschmerzen und Auftreten des Bannwarth-Syndroms mit Gesichtslähmung oder Sehstörungen (bei circa 30 Prozent der betroffenen Kinder)
> Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Leistungsminderung, Antriebslosigkeit (bei circa 80 Prozent der betroffenen Kinder)
> Gelenkschmerzen, häufig mit Gelenkerguss (bei circa 20 bis 30 Prozent der betroffenen Kinder)
> Kopfschmerzen (bei circa 80 Prozent der betroffenen Kinder)
> Konzentrationsstörungen (bei circa 50 Prozent der betroffenen Kinder)
> Bauchschmerzen, Verdauungsstörungen, Übelkeit, Appetitlosigkeit
> Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen, Verhaltensauffälligkeiten, innere Unruhe und Aggressivität
> Augensymptome wie Bindehautentzündung, Lichtempfindlichkeit oder nicht angeborenes Schielen (bei circa 25 Prozent der betroffenen Kinder)



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EINDEUTIGER HINWEIS
In der Blickdiagnostik fällt eine Übersäuerung des Organismus zum Beispiel durch eine weiß belegte Zunge auf.

Diagnosemöglichkeiten
Um eine Borrelieninfektion oder eine entsprechende Co-Infektion festzustellen, können verschiedene Diagnosemethoden und -techniken zum Einsatz kommen. Am besten lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Therapeuten beraten, was für Sie am sinnvollsten ist.

Anamnese und Blickdiagnostik
Vor jeder Therapieentscheidung sollte eine ausführliche Anamnese (Krankengeschichte) mit Blickdiagnostik und körperlicher Untersuchung der wichtigsten Organsysteme erfolgen. Nur so ist eine genaue Einschätzung der Beschwerdesymptomatik, des Stadiums der Erkrankung und eventueller Co-Infektionen möglich. Die anschließende Labordiagnostik sollte dann auf den erhobenen anamnestischen Befunden basieren.

Labordiagnostik
Um eine Borreliose und ihre Co-Infektionen zu diagnostizieren, stehen nach der Anamnese eine Reihe unterschiedlicher Labortests zur Verfügung. Dabei handelt es sich in der Regel um indirekte Tests, bei denen nicht der Erreger selbst, sondern die Reaktion des Immunsystems auf den Erreger Ziel der Untersuchung ist. Das Immunsystem setzt bei der Abwehr von Eindringlingen unterschiedliche Strategien und Abwehrzellen ein, darunter T-Lympho-zyten als Basis der zellulären (in Zellen ermittelten) und B-Lym-phozyten als Basis der humoralen (in Körperflüssigkeiten ermittelten) Immunantwort. B-Lymphozyten produzieren verschiedene Klassen von Antikörpern, die normalerweise als schnelle Eingreiftruppe den Erreger bekämpfen und nach einiger Zeit nicht mehr nachgewiesen werden können. Immunglobuline bilden das Langzeitgedächtnis der Immunabwehr und zirkulieren off noch Jahre nach der Erstinfektion im Blut.
Im Fall einer Borreliose können IgM-Antikörper (im Stadium der akuten Infektion nachzuweisen) frühestens sieben Tage bis vier Wochen nach der Infektion auftreten. Bis die ersten IgG-An-tikörper (nach einer stattgehabten Infektion nachzuweisen) gebildet werden, dauert es mindestens vier bis sechs Wochen, wobei

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sehr häufig vor allem bei der chronischen Borrelien-Infektion eine Immunreaktion im klassischen Sinne fehlt. Das bedeutet, dass die oben beschriebenen Antikörper nicht gebildet werden.

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NICHT IMMER NACHZUWEISEN
Wenn bei einer Borreliose-Serologie positive IgM-Antikörper gefunden werden, obwohl keine akute, sondern eine chronische Borrelieninfektion vorliegt,    spricht man vom persistierenden IgM-Antikörper.

Die gängigsten Labortests sind:

ELISA
ELISA (enzyme-linked immuno sorbent assay) ist ein Verfahren, mit dem untersucht wird, ob der menschliche Organismus bereits einmal Kontakt mit bestimmten Erregern gehabt und daraufreagiert hat. Dabei wird mithilfe einer durch Enzyme gesteuertenReaktion die Wechselwirkung von Antigen (in diesem Fall die   
Borrelien) und Antikörpern (Immunglobuline) nachgewiesen.
Allerdings werden bei circa 20 Prozent aller Infizierten überhaupt keine Borrelien-Antikörper gebildet. Besonders bei frühzeitiger Antibiotikatherapie einer Borrelien-Infektion kann die Immunreaktion mit Bildung der Antikörper unterdrückt werden. Aber auch andere Erkrankungen und Infektionen oder Medikamente wie Cortison oder Immunsuppressiva schwächen das Immunsystem, sodass nur eine eingeschränkte Immunreaktion möglich ist. Leider ist dieses unspezifische und eher wenig sensitive Verfahren (aktuell nur bei 16 bis 28 Prozent) genau jenes, das in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird.

Westernblot
Beim Westernblot (auch Immunoblot) werden kultivierte Borrelien in ihre Einzelproteine getrennt, sortiert und auf einem Trägerstreifen fixiert (Blot). Dieser Streifen wird mit dem Serum der Testperson beschichtet. Wenn im Blut Antikörper gegen Borrelien vorhanden sind, kommt es zu einer Farbreaktion auf dem Streifen, und es werden bestimmte Banden sichtbar. Anhand dieses Musters kann man bestimmen, ob es sich um eine frische oder eine ältere Infektion handelt. Beim Immunoblot kann man für die Borrelien-Infektion hochspezifische von weniger spezifischen Banden unterscheiden. Deshalb ist dieses Verfahren aussagefähiger als das oben genannte ELISA. Trotzdem ist es nicht möglich, zu sagen, ob die Borrelien-Infektion noch aktiv ist.

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DIE ZUVERLÄSSIGKEIT VON LABORTESTS
Sicher ist, dass kein Labortest mit 100-prozentiger Sicherheit eine Borreliose nachweisen oder ausschließen kann. Jeder Test kann sowohl falsch positive als auch falsch negative Ergebnisse liefern, das heißt: nicht Infizierte als Infiziert oder Infizierte als nicht Infiziert klassifizieren.
> Infektionen mit bestimmten Viren (zum Beispiel dem Zytomegalievirus oder dem Epstein-Barr-Virus) und mit anderen Bakterien, besonders aus der Gruppe der Spirochäten (wie der Erreger der Syphilis) sowie manche Autoimmunerkrankungen können als Borreliose -also falsch positiv - gewertet werden.
> Andererseits kann eine serologische Untersuchung auf Antikörper einen falsch negativen Befund erbringen, wenn sie zu früh angesetzt wird, da die ersten Antikörper frühestens zwei Wochen nach erfolgter Infektion auftreten und nachgewiesen werden können.
> Hinzu kommt die besondere Verwandlungs-fähigkeit der Borrelien. So können sie als Dauerstadium (Zyste, Sphäroblast) innerhalb von Zellen oder in schwach durchbluteten Geweben für längere Zeit vom Immunsystem unerkannt überleben (Seite 10). Außerdem sind sie - abhängigvom Milieu und von der Temperatur - jederzeit in der Lage, ihre Zelloberflä-chen-Antigene so zu verändern, dass sie von den Antikörpern des Immunsystems nicht erkannt werden (Seite 11).


Außerdem kommt es bei diesem Verfahren nicht immer zu einer typischen Immunreaktion. So kann eine vermeintliche akute Borrelien-Infektion vorliegen, obwohl die Erkrankung längst chronisch ist. Zwar liegt die Sensitivität mit 60 Prozent deutlich höher als bei der ELISA-Methode, wird aber dennoch von den meisten gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt.

Lymphozytentransformationstest (LTT) und Borrelien-Elispot
Dieses Verfahren unterscheidet sich von der oben beschriebenen Borreliose-Serologie (IgG- und IgM-Bestimmung im Serum) dadurch, dass hier nicht die humorale, sondern die zelluläre Reaktion des Immunsystems untersucht wird, das heißt, ein Nachweis für die Reaktion der antigenspezifischen T-Helferzellen. Einfacher ausgedrückt: Eine bestimmte Zellreaktion wird untersucht. Dafür werden Patienten Lymphozyten entnommen, kultiviert und mit Borrelien-Antigenen zusammengebracht. Eine positive

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Reaktion zeigt an, dass bereits eine zelluläre Immunantwort auf den Erreger erfolgt ist. Während der LTT relativ unspezifisch das Wachstum von Lmyphozyten nach Antigenstimulation misst, beruht der Elispot auf der Messung der spezifischen Zytokinabga-ben einzelner T-Helfer-Zellen. Das macht dieses Verfahren schneller und genauer. Das Ergebnis liegt bereits innerhalb von zwei bis drei Tagen vor, das Ergebnis des LTT dagegen erst nach ein bis zwei Wochen.
Solange die zelluläre Immunabwehr aktiv bleibt, sind der Lym-phozytentransformationstest und der Borrelien-Elispot positiv. Das bedeutet, es handelt sich um die einzigen indirekten Tests, die die Aktivität der Borrelien unabhängig vom Krankheitsstadium bestätigen können. Dennoch werden die Kosten für diese Tests von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen.

CD3-/CD57+ Marker
So wird ein weiteres Testverfahren bezeichnet, das sich die durch Borreliose hervorgerufenen Veränderungen in der zellulären Immunabwehr zunutze macht. Dabei untersucht man mithilfe entsprechender Antikörper die Konzentration bestimmter Abwehrzellen im Blut. Wie klinische Studien zeigten, kann eine chronische Borreliose die Anzahl einer Subpopulation der sogenannten natürlichen Killerzellen und besonders den Anteil aktivierter natürlicher Killerzellen CD3-/CD57+ stark herabsetzen. Während bei akuter Borreliose und anderen Erkrankungen normale CD57-Werte gemessen werden, weisen Patienten mit chronischer Borreliose häufig deutlich niedrigere Werte auf. Diese verminderten Werte, die häufiger bei neurologischen (zum Beispiel Nervenschmerzen) als bei muskuloskeletalen (zum Beispiel Muskelschmerzen) Symptomen beobachtet werden, halten sich, bis die Borreliose ausgeheilt ist. Gesetzliche Krankenkassen zahlen dieses Testverfahren in der Regel nicht.
In der Praxis ist der CD3-/CD57+Marker ein guter Verlaufspara-menter, der die Stärke des Immunsystems gegen die Borrelienpo-pulation widerspiegeln kann. Eine Therapie ist erfolgreich, wenn dieser Wert deutlich dauerhaft ansteigt.

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TROTZ WANDERRÖTE ODER LYMPHOZYTOM
Die Leitlinien des Nationalen Referenzzentrums schreiben für die Diagnosestellung einer Borreliose auch bei eindeutiger Anamnese noch immer eine Liquorpunktion vor. Schwer nachzuvollziehen, da bei einer chronischen Borreliose kaum (mehr) entzündliche Veränderungen im Liquor angezeigt werden.

Liquoruntersuchung
Bei diesem Verfahren wird Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor cerebrospinalis) durch eine Punktion im Lendenwirbelbereich unterhalb des Rückenmarks entnommen und auf Borre-lien-Antikörper beziehungsweise borrelienspezifische Banden und Entzündungsparameter getestet. Da viele entzündliche Veränderungen in Gehirn und Rückenmark nicht im Blut nachgewiesen werden können, ist diese Methode besonders bei neurologischem Beschwerdebild ein weiteres diagnostisches Verfahren. Bezüglich einer chronischen Borreliose wird ihm allerdings gerade in der Neurologie (noch) zu viel Bedeutung beigemessen. Das durchaus aussagekräftige Verfahren bei der akuten Borreliose ist bei einer chronischen Borreliose eher nicht sehr spezifisch. Bei der chronischen Borreliose reagieren nur circa sieben bis neun Prozent der Liquoruntersuchungen auf Borrelien-Antikörper positiv. Eine negative Liquoruntersuchung schließt also keine Borreliose aus. Deshalb wird sie auch sehr kontrovers diskutiert.

Direkter Nachweis
Neben den indirekten Labortests, um Borrelieninfektionen zu diagnostizieren, stehen verschiedene andere Methoden zur Verfügung, um die Erreger direkt nachzuweisen. Dies kann vor allem dann von Bedeutung sein, wenn die Blutuntersuchung keine eindeutigen Resultate aufweist.

Erregeranzucht
Bei dieser Methode wird das zu untersuchende Material - in der Regel Blut, Gewebeproben der Haut, Gelenksflüssigkeit - auf ein geeignetes Nährmedium aufgebracht, in dem sich die Borrelien vermehren können: Eine Borrelienkultur wird angelegt. Nach einiger Zeit ist es normalerweise möglich, Bakterien problemlos nachzuweisen. Da sich nur lebende Bakterien vermehren, ist diese Methode ein sicherer Nachweis für eine aktive Infektion. Borrelien haben aber im Vergleich zu anderen Bakterien einen ziemlich langen Vermehrungszyklus (Seite 11), was die Anzucht erschwert und den Erfolg dieser Methode stark einschränkt.

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Polymerase-Chain-Reaction, Polymeraseket-tenreaktion (PCR)
Dieses Verfahren beruht darauf, Bestandteile der Borrelien direkt im Gewebe oder in Körpersekreten nachzuweisen. Dabei wird aus dem Untersuchungsmaterial (Blut, Urin, Gelenksflüssigkeit, aber auch Gewebeproben und Liquor) DNA der Borrelien gewonnen und aufgearbeitet, wobei ein bestimmtes DNA-Bruchstück vermehrt und sichtbar gemacht wird. Auf diese Weise können bereits kleine Borrelienmengen nachgewiesen werden. Die Nachteile dieser Methode liegen darin, dass in den untersuchten Proben meist zu wenig Borrelien vorhanden sind, dass abgestorbene Bakterien zu einem falsch positiven Ergebnis führen können und dass die Methode nur in der Frühphase der Infektion relativ zuverlässig ist. Deshalb stellt die PCR bei der chronischen Borreliose ein wenig spezifisches Verfahren dar. Seine Reaktionsbereitschaft wird auf unter 30 Prozent geschätzt.

Dunkelfeldmikroskopie
Mithilfe der Dunkelfeldmikroskopie können kleinste Objekte ohne vorherige Färbung betrachtet werden. Bei dieser Methode entnimmt man eine Blutprobe und untersucht sie auf lebende Borrelien. Dafür bringt man einen kleinen Tropfen Venenblut auf einen Objektträger auf und beobachtet diesen mit dem Dunkelfeldmikroskop mehrere Tage lang auf Veränderungen. Befindet sich die Infektion noch im Anfangsstadium, können die Borrelien anhand ihrer typischen schraubenartigen Fortbewegungsart leicht im Blutplasma erkannt werden. Da Borrelien bei der chronischen Infektion überwiegend in der Zelle vorkommen, sind sie im frisch entnommenen Blut zumeist nicht erkennbar, sondern erscheinen erst nach Stunden oder Tagen, wenn die Zellen zerfallen.

[Bildtext]
Da sich nur lebende Bakterien (hierin der Anzuchtschale) vermehren, gelten sie als sicherer Nachweis für eine aktive Infektion.

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Epizentrum der Sahnetorte

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Teil 2




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DIVERSE KRANKHEITSBILDER
Soweit derzeit bekannt, sind Unterarten der Borrelia burgdorferi für verschiedene Krankheitsbilder verantwortlich. So stehen bei einem Teil der Betroffenen die Veränderungen an den Gelenken, bei einem zweiten Teil die neurologischen Störungen, bei einem dritten Teil Erkrankungen am Herz und an Gefäßen im Vordergrund. Es gibt aber auch Mischformen.

Alternative Testverfahren
Heilpraktiker, inzwischen zunehmend auch ganzheitlich behandelnde Ärzte, benutzen alternative Testverfahren, um eine Diagnose zu erstellen. Dazu gehören beispielsweise die Elektroakupunktur nach Voll (EBV), die Bioresonanz und die kinesiologi-schen Muskeltests.
EBV und Bioresonanz sind Gerätschaften, die den Therapeuten vorbehalten und nicht für den Patienten im häuslichen Bereich geeignet sind. Kinesiologische Muskeltests beruhen auf Schwächung der Muskelspannung bei jedweder Art von Stress. Hält beispielsweise der Patient eine Substanz in der Hand, die er nicht verträgt, kann die Muskelkraft im selben Arm auf bestimmte Art nachlassen. Bei der Kinesiologie gibt es verschiedene Möglichkeiten von Muskeltests.

Der Krankheitsverlauf
So unterschiedlich die Symptome einer Borreliose sein können, so vielfältig ist auch der individuelle Verlauf der Erkrankung. Der Beginn der Infektion kann Tage, aber auch schon mehrere Wochen zurückliegen, ehe die ersten Anzeichen einer Borreliose zu erkennen sind. Wie Sie bereits erfahren haben, können sich die Borrelien im Körper ihres Wirts aktiv bewegen und sind daher in der Lage, beinahe jedes Organ und jedes Gewebe zu befallen. Dementsprechend kann sich eine Borreliose durch viele unspezifische Beschwerden wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Fieber, Nackensteifigkeit, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen sowie psychische Veränderungen manifestieren.
Eine große Rolle spielt bei der Infektion der Zustand des Immunsystems. Ist es beispielsweise durch andere Erkrankungen oder Infektionen (etwa den Ebstein-Barr-Virus, auch Pfeiffersches Drüsenfieber genannt), durch Umweltgifte, Medikamente, Impfstoffe oder Stressfaktoren geschwächt, kann sich die Borreliose zu einer schwerwiegenden Multisystemerkrankung entwickeln, die viele Organe des Körpers in Mitleidenschaft zieht. Ein geschwächtes Immunsystem könnte auch dafür verantwortlich sein, dass als mögliche Folge von Borreliose vermehrt Co-Infektionen auftre-

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ten und bisher unterdrückte (latente) Infektionen wieder ausbrechen. Ein Teufelskreis also!

Die Borreliose wird in drei Stadien eingeteilt: die Frühphase, die Streuung des Erregers und die Spätmanifestation. Jedes Stadium kann durch charakteristische Symptome gekennzeichnet sein.

Stadium 1: Frühphase
Nachdem die Borrelien durch den Stich einer Zecke oder eines Insekts übertragen wurden, kann sich nach wenigen Tagen bis vier Wochen - manchmal noch später- eine lokale Infektion der Haut ausbilden. An der Einstichstelle zeigt sich dann in circa 50 Prozent der Fälle ein charakteristischer, ringförmiger roter Fleck mit einem helleren Zentrum, die sogenannte Wanderröte. Sie kann sich ausdehnen und ganze Körperpartien einnehmen. Da sie sich aber auch ganz uncharakteristisch darstellen kann (etwa wie ein großer, entzündeter Mückenstich oder eher mit einer Braun- statt Rotfärbung), wird sie von unerfahrenen Therapeuten nicht immer als Wanderröte erkannt. Sie ist meist schmerzlos, kann aber mit Juckreiz und manchmal auch brennenden Schmerzen (Brennparästhesie) einhergehen. Grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf- und Nackenschmerzen, starke Müdigkeit und Erschöpfung sowie Muskel- oder Gelenkschmerzen kündigen meist einen schwereren Verlauf der Borreliose an. Die Dauer ist individuell äußerst unterschiedlich: Eine Wanderröte kann nur wenige Tage, aber auch mehrere Monate bestehen bleiben und sich auch ohne Behandlung wieder zurückbilden. Ein Verschwinden der Wanderröte sagt allerdings nichts über die Phase der Borrelieninfektion aus. Ein charakteristisches Symptom, das den Übergang vom ersten zum zweiten Stadium markiert, ist das sogenannte Borrelien-Lymphozytom (siehe Abbildung auf der nächsten Seite). Dabei handelt es sich um eine Flüssigkeitsansammlung unter der Haut in Form von

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GU-ERFOLGSTIPP
ANTIBIOTIKA IN DER FRÜHPHASE
Im ersten Stadium einer Borreliose bestehen gute Chancen, diese mit Antibiotika zu bekämpfen (Seite 44). Deshalb sollten Sie jeden Zecken- und Insektenstich aufmerksam auf verdächtige Veränderungen hin beobachten und im Zweifelsfall lieber zu früh als zu spät reagieren. Die Wanderröte ist ein untrügliches Zeichen.

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Die knötchenartige Anschwellung hinter dem Ohr, Lymphozytom genannt, ist typisch für den Übergang vom ersten zum zweiten Stadium einer Borreliose.

weichen, blaurot gefärbten, knötchenartigen Schwellungen. Sie bestehen in erster Linie aus Lymphozyten, einer besonderen Form der weißen Blutkörperchen, und sind häufig mit Verdickungen der örtlichen Lymphknoten verbunden. Das Borrelien-Lymphozytom findet sich meist an den Ohrläppchen, aber auch an Brustwarzen oder am Hodensack. Es ist bei Kindern und Jugendlichen häufiger zu beobachten als bei Erwachsenen.

Stadium 2: Streuung des Erregers
Wenn die Infektion nicht frühzeitig bemerkt oder behandelt wird, können die Erreger nach Wochen und Monaten den gesamten Organismus befallen. Sie streuen über die Blut- und Lymphgefäße aus und setzen sich in Gelenken, Muskeln und Bändern, aber auch im übrigen Bindegewebe und selbst in Organen, im Nervengewebe und im Gehirn fest. Die Borrelien sind dabei aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften (Seite 10 f.) in der Lage, die Immunreaktion des Körpers auszuschalten. Der Betroffene leidet an typisch wechselnden Beschwerden sowie neurologischen Symptomen und vegetativen Störungen. Es kann auch zu starken Schmerzen im Gebiet um den Zeckenstich kommen. Zu den typischen Leitsymptomen dieses Stadiums zählt das sogenannte Bannwarth-Syndrom, das durch Entzündungen der peripheren Nerven und der Wurzeln von Gehirnnerven gekennzeichnet ist. Je nachdem, welcher Nerv betroffen ist, kommt es zu unterschiedlichen Symptomen und Ausfallerscheinungen. Wenn beispielsweise der für die Mimik verantwortliche Nerv (Nervus facialis) in Mitleidenschaft gezogen wird, können Gesichtslähmungen die Folge sein. Ist der Nerv entzündet, der die Motorik der Augen und der Pupillen steuert (Nervus abducens), kommt es zu Sehstörungen unterschiedlicher Art.
Ebenfalls typisch sind Entzündungen der Gelenke sowie Muskelschmerzen, die lokal wechseln können. Der Patient beschreibt plötzlich auftretende, wandernde Schmerzen. Sie werden häufig

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von Missempfindungen wie Kribbeln, Brennen, Taubheitsgefühl und anderen Sensibilitätsstörungen begleitet. Es kann auch zu vegetativen Störungen kommen, die sich mitunter in Blutdruck- und Pulsschwankungen, unterschiedlichem Wärme- und Kälteempfinden sowie in Herzproblemen äußern.
All diese Symptome können - bevor sich das 3. Stadium entwickelt - auch ohne Therapie wieder verschwinden.

Stadium 3: Spätstadium oder Spätmanifestation
Wenn die Borreliose weiter fortschreitet und eine Behandlung erfolglos bleibt, kann sie nach Monaten oder auch Jahren in eine chronisch-persistierende Infektion (Spätmanifestation) übergehen. Die Krankheit tritt dann häufig in Schüben auf, die in unterschiedlichen Abständen, teils auch davon abhängig, wie gut das Immunsystem funktioniert, immer wiederkehren. Dazwischen können beschwerdefreie Intervalle von mehreren Monaten und sogar Jahren liegen. Die chronische Borreliose kann sich aber auch zunehmend verschlechtern und zu einer Multisystemerkrankung entwickeln, die den ganzen Körper betrifft und unterschiedliche Co-Infektionen im Schlepptau hat.

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GU-ERFOLGSTIPP
Inzwischen wird auch in westlichen Kulturkreisen zunehmend die Meinung vertreten, dass Erkrankungen häufig auf einen gestörten Energiefluss im Körper zurückzuführen sind. So könnte auch die Erkrankung an Borreliose ein Hinweis daraufsein, dass etwas im Leben die Energie raubt, vielleicht sogar ein belastendes Ereignis, das schon sehr lange zurückliegt. Ungelöste Konflikte führen zu Blockaden im Organismus. Unsere Haut steht für Abgrenzung des Organismus nach außen. Lernen Sie, sich Ihrer Grenzen bewusst zu werden und auf Ihren Körperzu hören. Und fangen Sie an, auch einmal nein zu sagen! Nehmen Sie sich selbst wichtig! Davon profitieren Ihr Körper und Ihre Psyche - und das auf Dauer.

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WICHTIG
Selbst wenn der Abstrich beim Gynäkologen negativ ist, also keinen Hinweis auf Chlamydia trachomatis liefert, können trotzdem Aktivitäten vorliegen. Eine Infektion kann sich beispielsweise auf die Eierstöcke und Eileiter ausdehnen und - falls sie chronisch wird -zur Sterilität führen.

Co-Infektionen
Eine Zecke kann beim Blutsaugen auch Krankheitserreger aufnehmen, die bereits im Blut des Opfers vorhanden sind. Diese werden beim nächsten Saugakt an einen anderen Wirt weitergegeben, sodass sich zusätzlich zur Borreliose eine sogenannte Co-Infektion ausbildet. Gleichzeitig kann aufgrund der Borreliose und der damit verbundenen Schwächung des Immunsystems eine bereits bestehende Infektion, die bisher durch ein intaktes Immunsystem keine Symptome gezeigt hat, symptomatisch werden. Eine Co-Infektion kann den Schweregrad und den Verlauf der Borreliose negativ beeinflussen und umgekehrt. Die bei einer Borreliose mit Abstand am häufigsten diagnostizierte Co-Infektion ist die Chlamydiose.

Chlamydien
Zu den intrazellulären Erregern gehören Chlamydien, Yersinien und Mycoplasmen, die häufig bei Borrelienschüben nachgewiesen werden. Untersuchungen haben ergeben, dass Chlamydien bis zu 86 Prozent mit einer Borreliose vergesellschaftet sind. Chlamydien bilden eine Gruppe gramnegativer Bakterien. Im Gegensatz zu den grampositiven Bakterien haben sie eine dünne, einschichtige Hülle. Um überleben und sich vermehren zu können, brauchen sie Zellen anderer Organismen. Sie sind auf den Energiestoffwechsel ihres Wirts angewiesen. Zu ihren Wirten zählen viele Tierarten und der Mensch.
Unter den verschiedenen Chlamydienarten sind besonders Chlamydia pneumoniae und Chlamydia trachomatis zu erwähnen, die beide schwere Infektionen in unterschiedlichen Körperbereichen verursachen können (siehe rechte Seite). Vorwiegend betroffen sind die Augen, die Atemwege und die Lunge, aber auch der Urogenitalbereich. Chlamydia trachomatis ist die häufigste durch Sexualkontakt auf den Genitalbereich übertragene Krankheit mit bakterieller Ursache. Da die Infektion in der Anfangsphase meist ohne größere Beschwerden verläuft, kommt es durchaus vor, dass eine Chlamydiose vom Arzt oder Therapeuten zunächst nicht erkannt oder falsch diagnostiziert wird.

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INFO
Infektionen mit Chlamydien
Schätzungen zufolge treten in Deutschland jährlich mehr als 300.000 Chlamydien-Infek-tionen mit vielerlei Symptomen auf. Die humanpathogenen Arten sind Chlamydia pneumoniae, die beispielsweise Lungenentzündung hervorruft, und Chlamydia trachomatis, die unter anderem für Entzündungen im Genitalbereich verantwortlich ist.

Chlamydia pneumoniae
Ihre Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion, etwa durch Husten von Mensch zu Mensch. Häufige Symptome sind neben den üblichen Erkältungssymptomen:
> Augen: starke Rötung der Augenäderchen, verschwommenes Sehen, Sehverschlechterung; Lichtempfindlichkeit; Augentränen, Augenbrennen oder Augentrockenheit, Bindehautentzündung (rezidivierende Konjunktivitis), Nachtblindheit
> Hals: trockene Schleimhäute, Schnarchen, Heiserkeit, wiederkehrende Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, häufiges Räuspern
> Bronchien/Lunge: hartnäckiger, trockener (Reiz-) Husten, auch mit Auswurf, Atemnot in Ruhe und unter Belastung, Engegefühl im Brustraum, wiederkehrende Entzündung der Bronchien bis hin zu einer Lungenentzündung
> Gefäßveränderungen mit Arteriosklerose.

Chlamydia trachomatis
Eine Infektion mit Chlamydia trachomatis beginnt häufig mit einer Entzündung des Gebärmutterhalses oder der Harnröhre und bleibt oft unbemerkt. Besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen löst die Infektion am Anfang selten Beschwerden aus. Später kann sie sich auf den ganzen Bauchraum ausdehnen und dort schlimmstenfalls eine chronische Entzündung verursachen. Sie kann sowohl bei der Frau als auch beim Mann zu Fruchtbarkeitsproblemen führen. Chlamydia trachomatis wird nach heutigem Stand der Wissenschaft in erster Linie durch Sexualverkehr (meist vom Mann auf die Frau) übertragen. Sehr häufig wird für die Behandlung eine Antibiotikatherapie empfohlen ohne den erwünschten Erfolg.

Häufige Symptome einer Infektion mit Chlamydia trachomatis sind:
> Gelenke: Beschwerden in den kleinen Gelenken (Finger und Zehen)
> Herz: Beschwerden aller Art wie Herzrhythmusstörungen, Herzstechen, Herzrasen, Herzbeutelentzündung
> Urogenitaltrakt: Reizblase, Blasen- und Nierenbeckenentzündung, Prostata-Hoden-Beschwerden, Scheidenausfluss und Scheideninfektionen, Eileiter- und Eierstockentzündung, Unfruchtbarkeit, Myome.


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[Tabelle]
INFO
Weitere durch Zecken übertragene Krankheiten
Zecken übertragen Krankheitserreger. Das können Bakterien, Viren oder Einzeller sein. Da Zecken die Haut betäuben, ist ein Stich selten unmittelbar zu spüren, sondern wird meist zufällig bemerkt, zum Beispiel beim Duschen oder beim Ankleiden. Häufig sind Zeckenstiche harmlos. Manchmal allerdings sind sie der Auslöser von teils schweren und langwierigen Krankheiten. Weltweit sind mehr als 50 solcher Krankheiten bekannt.

Krankheit
FSME (Frühsommer meningo-enzephalitis)
Erreger
FSME-Virus
Symptome
grippeähnliche Symptome mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen; zweiter Krankheitsschub mit hohem Fieber, Erbrechen, Entzündungen der Hirnhäute und des Rückenmarks, Nackensteifigkeit; langfristige Folgen: Lähmungen, Koordinationsstörungen

Q-Fieber
Erreger
Coxiella burnetti
Symptome
grippeähnliche Symptome mit Fieber und Husten, Kopf- und Muskelschmerzen; seltener Lungenentzündung, teilweise mit schwerem Verlauf, Entzündungen von Leber, Knochenmark, Gehirn und Gehirnhäuten;
chronische Form kann Entzündung der Herzinnenräume und des Herzbeutels hervorrufen

Fleckfieber
Erreger
Rickettsien (Rickettsia conorii, Rickettsia rickettsii Rickettsia prowazekii)
Symptome
hohes Fieber, heftige Kopf- und Gliederschmerzen, Erbrechen, Hautausschlag mit kleinen punktförmigen Einblutungen; in schweren Fällen Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme), Blutungen, Entzündungen von Lunge, Herzmuskel und Nieren

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Krankheit
Ehrlichiose (Humane granulozytäre Anapiasmose)
Erreger
Ehrlichien (Anaplasma phagocytophilum)
Symptome
nur bei jeder vierten Infektion Symptome wie Fieber mit Kopf-Muskel- und Gelenkschmerzen, Erbrechen, Frösteln; in schweren Fällen Lungenentzündung, Herz- und Niereninsuffizienz, akutes Atem-notsyndrom, Gehirnhautentzündung

Babesiose
Erreger
Babesien
Symptome
ausgeprägte Hämolyse, Müdigkeit, zunehmendes Unwohlsein, Appetitverlust, leichte bis starke Übelkeit; anschließend hohes Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, begleitet von starken Schweißausbrüchen, Schwindelgefühl

Rückfallfieber
Erreger
Borrelia duttoni
Symptome
hohes Fieber, Gelenk-, Kopf-, Brust- und Gliederschmerzen, Übelkeit, teilweise Atemnot; verstärkte Blutungsneigung, Nasenbluten, Bewusstseinseintrübung, Gelbfärbung der Haut

Yersiniose
Erreger
Yersini enterocotitica
Symptome
Magen-Darm-Beschwerden, Lymphknotenentzündung des Bauchraums, reaktive Ar-thritiden wie Handgelenksschmerzen durch Entzündung, eventuell Fieber

Mycoplasmen
Erreger
Mycoplasma pneumonae/ Mycoplasma genitalium
Symptome
Müdigkeit und Erschöpfung, Kopf- und Gliederschmerzen, Konzentrationsschwäche; Gelenk- und Muskelschmerzen

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DIE BEHANDLUNG VON BORRELIOSE
Den größten Erfolg verspricht - je nach Verlauf der Erkrankung - ein ganzheitliches Behandlungskonzept, das naturheilkundliche Therapien mit begleitenden Maßnahmen ergänzt.
I Wissenswertes zur ganzheitlichen Therapie 42 Die
I naturheilkundliche Therapie 56
I Begleitende Maßnahmen 82

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Wissenswertes zur ganzheitlichen Therapie

Bakterien sind in der Lage, Stoffwechselgifte herzustellen, die ihnen das Überleben im feindlichen Milieu sichern. Borrelien produzieren vor allem Neurotoxine, und das feindliche Milieu ist in diesem Fall der menschliche Körper. Wird er aus dem Gleichgewicht gebracht, etwa durch Stress, werden vermehrt Oxidan-zien gebildet, und das Milieu übersäuert. Wir sind anfälliger für Infektionen. Deshalb ist Voraussetzung für jede erfolgreiche Therapie, das Körpermilieu wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

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VITAMIN E GEGEN FREIE RADIKALE
Zu den erfolgreichsten Radikalenfängern gehört Vitamin E, das der Körperallerdings nicht selbst produzieren kann und das deshalb mit der Nahrung aufgenommen werden muss. Vitamin E ist vor allem in pflanzlichen Ölen wie Weizenkeim-, Sonnenblumen-, Maiskeim-, Palmkern-, Oliven- und Rapsöl, sowie in Butter, Pistazien, Haselnüssen, Kokosnüssen und Kokosfett enthalten.

Der Antioxidanzien-Prozess
Bei den unterschiedlichsten Oxidationsprozessen des Stoffwechsels werden gefährliche Nebenprodukte gebildet, die sogenannten freien Radikale. Diese Moleküle gehen gern Verbindungen mit anderen Stoffen ein, was sie sehr reaktionsfreudig und sie für unseren Körper aggressiv macht. Normalerweise werden freie Radikale vom Organismus abgebaut. Dafür nutzt er sogenannte antioxidativ wirkende Radikalfänger wie Vitamine, Spurenelemente oder gewisse Enzyme. Überschüssige freie Radikale schädigen den Körper und lassen das Körpermilieu zunehmend übersäuern, das heißt, der pH-Wert (der Anteil an Wasserstoffverbindungen) verändert sich. Es kommt zur Schädigung des Gewebes und zu Entzündungen und als Folge zu vielen weiteren Erkrankungen.
Die Bildung freier Radikaler im Körper wird beispielsweise durch Bakterien (etwa Borrelien) und Viren (etwa das Epstein-Barr-Virus) verstärkt. Gleiches geschieht auch durch Pestizide in der Forst- und Landwirtschaft, durch Schwermetalle, Nikotin, Drogen, Ozon, radioaktive und elektromagnetische Strahlungen, sowie einige Medikamente (Seite 47). Außerdem werden freie Radikale massiv durch den Abbau von Stresshormonen freigesetzt!

Neurotoxine und ihr Einfluss auf das Milieu
Forschungen haben ergeben, dass Borrelien nicht nur deswegen gefährlich sind, weil sie freie Radikale freisetzen. Sie sind darüber hinaus in der Lage, Neurotoxine (Nervengifte) zu produzieren. Diese Neurotoxine aktivieren vermehrt die Ausschüttung von ent-zündungsfördernden Stoffen, sogenannte Zytokine, die den Körper zusätzlich übersäuern und Autoimmunprozesse (etwa Hashi-moto-Thyreoiditis, Seite 25) auslösen. Das Immunsystem greift körpereigene Strukturen an.
Deshalb ist das oberste Ziel einer erfolgreichen Borreliose-Behandlung die Milieutherapie, die neben der Abtötung der Bakterien folgende Maßnahmen beinhaltet:
> Neurotoxine ausleiten,
> oxidativen Stress vermeiden,
> freie Radikale abbauen,
> den Übersäuerungsgrad im Gewebe mindern.

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Alle diese Maßnahmen sind voneinander abhängig und bei naturheilkundlich ausgerichteten Therapeuten allgemein gültig und anerkannt. Ihre Therapie baut auf dem Grundsatz auf, dass sich ein Krankheitserreger für den Organismus als weit weniger gefährlich erweist, wenn sich das Körpermilieu in einem stabilen Gleichgewicht befindet. In vielen Fällen erkrankt der Körper dann erst gar nicht. So lässt sich erklären, weshalb viele Menschen Krankheitserreger in sich tragen, ohne irgendwelche Beschwerden zu haben, etwa Jäger und Förster mit positivem Borre-lien-Titer (Nachweis von Erregern), die dennoch keine borrelien-spezifischen Symptome aufweisen.
Die klassische Schulmedizin ist nicht in der Lage, die Neuroto-xinbelastung bei einem Patienten zu messen und verfügt über wenig bis gar keine Möglichkeiten, die Neurotoxine auszuleiten.

Aspekte zur Antibiotikatherapie
Mit der in der Schulmedizin angewandten Antibiotikatherapie schaltet sich der Mensch mehr oder weniger erfolgreich in den Kampf der Toxine ein, den sich die unterschiedlichen Bakterienarten mit dem Organismus liefern. Leider ist diese Therapieform einseitig auf die Bakterienabtötung fokussiert, ohne sicherzustellen, dass die Neurotoxine auch ausgeleitet werden. Erfahrene Therapeuten empfehlen eine Antibiotikatherapie daher nur bei ausgeprägter Beschwerdesymptomatik wie zum Beispiel bei akuten Gelenk- und Muskelbeschwerden und neurologischen Symptomen wie Lähmungen jeglicher Form.

Als Borreliose-Therapie fraglich
Eine möglichst frühzeitige Behandlung der Borreliose und ihrer Co-Infektionen mit Antibiotika gilt zwar als relativ vielversprechend - sicher ist jedoch nur, dass nach einer (vermeintlichen) Erstinfektion mit Borrelien eine Antibiotikatherapie häufig die meisten Symptome verschwinden lässt und dass sich die Laborparameter (also die Ergebnisse aufgrund von Labortests) günstig entwickeln. Nicht zweifelsfrei geklärt ist hingegen, ob es sich tatsächlich um eine Erstinfektion handelt oder ob der Patient be-

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reits eine Infektion durchlebt hat, die vom Immunsystem gut kompensiert wurde.
Ebenso wenig ist derzeit eindeutig bewiesen, dass Antibiotika überhaupt vor einer Infektion schützen, egal, wie schnell sie nach dem Zeckenkontakt verabreicht werden. Im Frühstadium der Infektion treten oft keine typischen Symptome (Seite 24) auf - abgesehen von einer möglichen Wanderröte (Erythema migrans). Deshalb kann auch kein sicherer Krankheitsnachweis erbracht werden. Häufig entwickeln Patienten trotz frühzeitiger und ausreichender Einnahme von Antibiotika früher oder später doch eine Borreliose oder Co-Infektionen, die mit den typischen Beschwerdebildern einhergehen.

Das Mittel der Wahl
Die Strategie der antibiotischen Behandlung, insbesondere Art, Verabreichungsform und Einnahmedauer, richtet sich danach, ob Co-Infektionen vorhanden sind, welche Symptome auftreten und in welchem Krankheitsstadium sich der Patient befindet. Hinzu kommen individuelle Risikofaktoren wie beispielsweise Unverträglichkeiten gegen einzelne Antibiotika, Alter sowie Vorerkrankungen, etwa eine Nieren- oder Leberinsuffizienz.

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DIE WICHTIGSTEN ANTIBIOTIKAGRUPPEN ZUR THERAPIE EINER BORRELIOSE

> Makrolide
Diese Arzneien wirken überwiegend intrazellulär und werden derzeit gerne bei Co-Infektionen eingesetzt.

> Cephalosporine
Gemeinsam mit Penicillin gehören sie zu einer der ältesten Antibiotikagruppen, die in der Borreliose-Therapie bis heute eingesetzt werden. Cephalosporine belasten vor allem Leber und Galle sowie den Magen-Darm-Trakt und
können zu vielfältigen Nebenwirkungen in diesen Bereichen führen.

> Tetracycline
Eine Gruppe von Breitband-Antibiotika, die das Wachstum der Bakterien hemmen. Doxycyclin (aus der Gruppe der Tetracycline) wird gerne im Frühstadium der Borreliose eingesetzt. Minocyclin hat die Fähigkeit, die Blut-Hirn-Schranke gut zu überwinden und so das Zentralnervensystem zu erreichen.


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TIPP
Bei Antriebslosigkeit und Müdigkeit, vor allem morgens, kalten Füßen und Händen sowie Kopfschmerzen sollten Sie eine Übersäuerung Ihres Körpers in Betracht ziehen und einen naturheilkundlichen Therapeuten aufsuchen.


Auch die persönliche Einstellung des Erkrankten gegenüber Antibiotika spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle. Außerdem ist nicht auszuschließen, dass im Verlauf der Therapie verschiedene Nebenwirkungen auftreten. Das bedeutet, dass der behandelnde Therapeut eine Antibiotikatherapie, abhängig von der Krankheitssituation, vom klinischen Verlauf und von auftretenden Nebenwirkungen, immer wieder neu überdenken muss. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Beschwerden, Leberfunktionsstörungen, allergische Reaktionen und die im nächsten Absatz beschriebene Herxheimer-Reaktion.

Herxheimer-Reaktion
Darunter versteht man die immunologische Reaktion des Körpers speziell auf Bakteriengifte, die meist infolge einer Antibiotikatherapie freigesetzt werden. Die dadurch im Organismus vorhandenen Entzündungsbotenstoffe können im schlimmsten Fall einen anaphylaktischen Schock, das heißt Herz-Kreislauf-Störungen mit Atemnot und gegebenenfalls Bewusstlosigkeit, auslösen. Typische Symptome für die Herxheimer-Reaktion sind Fieber, Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Gelenk- und Muskelschmerzen, niedriger Blutdruck, Hautrötung und Nesselsucht sowie eine Verschlimmerung der Symptome der zugrunde liegenden Infektionskrankheit, hier also der Borreliose und ihrer Co-Infektionen. Im Prinzip sind das letztlich auch Anzeichen dafür, dass die eingeleitete Antibiotikatherapie wirksam ist. Dennoch kann die Herxheimer-Reaktion, die einen oder mehrere Tage andauert, für den Betroffenen sehr problematisch sein. Unter Umständen kann sie die Einhaltung der Therapie beeinträchtigen, schlimmstenfalls muss sie abgebrochen werden.

Übersäuerung - Ursachen und Folgen
Damit eine Borreliose-Behandlung zum Erfolg führen kann, muss der Übersäuerungsgrad im Gewebe reduziert und auf einen ausgeglichenen Säuren-Basen-Haushalt (Seite 104) geachtet werden. Der Begriff Übersäuerung wurde zunächst nur mit der Umwelt in Verbindung gebracht, beispielsweise mit dem Waldsterben

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AUF EINEN BLICK: QUELLEN DER ÜBERSÄUERUNG

Zu den häufigsten Ursachen einer Übersäuerung zählen
> falsche Ernährungs- und Essgewohnheiten
> Genussmittel beziehungsweise Genussgifte (Alkohol, Nikotin, Drogen)
> Bewegungsmangel und einseitige körperliche Belastung
> Stress und negative Emotionen
> Medikamente (Schmerzmittel, Schlafmittel, Antibiotika)
> radioaktive und elektromagnetische Strah-lung/Elektrosmog (ausgelöst durch Handy, schnurloses Telefon, Halogenlampen, Elektro-sparlampen, Radio, Fernsehgerät, Mikrowelle)
> hohe Ozonwerte
> Agrargifte/Pestizide (beispielsweise gegen Insekten und Pilze)


durch sauren Regen oder mit säurebelasteten Böden. Die Übersäuerung des menschlichen Organismus spielt jedoch gerade in den letzten Jahren eine wichtige Rolle. Durch die zunehmende Umweltbelastung mit den verschiedensten Giftstoffen und der Veränderung unserer Lebensbedingungen nimmt die Übersäuerung deutlich zu. Erschreckend ist dabei, dass auch immer mehr junge Menschen und sogar Kinder von einer Übersäuerung betroffen sind. Diese Übersäuerung ist verantwortlich für ein bakte-rien- und virenfreundliches Milieu und fördert damit eine Infektion. Deshalb ist es von größter Bedeutung, die Gefahrenquellen zu kennen und sie zu meiden sowie bereits vorhandene Giftstoffe aus dem Körper auszuleiten (Seite 66).

Biochemischer Hintergrund
Normalerweise herrscht im Körper ein Gleichgewicht zwischen Säuren (wie etwa Salzsäure und Essigsäure) und Basen (wie die Mineralstoffverbindungen Kalium- und Natriumhydroxid).

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URIN-TESTSTREIFEN ZUVERLÄSSIG?
Eine Übersäuerung ist schwer nachweisbar. Der Urin-Teststreifen gibt eine ziemlich ungenaue bis falsche Aussage über den tatsächlichen Übersäuerungsgrad. Dennoch ist es nicht falsch, von einer Übersäuerung Ihres Körpers auszugehen, wenn Ihr Urin anhaltend sauer ist. Umgekehrt liegt jedoch bei Werten, die auf einen alkalischen/basischen Urin hinweisen, nicht zwangsläufig ein basisches Körpermilieu vor.

Ein Zuviel - egal ob an Säuren oder Basen schadet dem Organismus. Säuren und Basen enthalten eine gewisse Menge an Wasserstoffverbindungen. Der Anteil dieser Wasserstoffverbindungen wird als pH-Wert ausgedrückt. Herrscht in unserem Organismus ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Säuren und Basen, dann liegt der pH-Wert zwischen 7,37 und 7,45. Bei Werten unter 7,37 sprechen die Mediziner von einer Azidose (Übersäuerung). Um Auf- und Umbauprozesse durchzuführen, benötigt der Körper eine gewisse Menge an Säuren. Bekanntestes Beispiel ist die von unserer Magenschleimhaut gebildete und im Magensaft vorhandene Salzsäure. Sie ist der sauerste Bestandteil in unserem Körper und hat einen pH-Wert von 1,2 bis 3,0. Die Aufgabe dieser Säure besteht darin, einerseits mögliche Krankheitserreger abzutöten, die wir mit der Nahrung aufnehmen, andererseits Eiweiße zu denaturieren und der Verdauung zuzuführen.
Andere Organe, etwa der an den Magen anschließende Zwölffingerdarm, sind stark basisch und damit in der Lage, saure Nahrung zu neutralisieren, damit die darin enthaltenen Nährstoffe überhaupt aufgenommen werden können.

Was passiert im Körper?
Bindegewebe, Blut, Lunge und Ausscheidungsorgane arbeiten ständig zusammen, um die Säuren zu neutralisieren. Ist ihre Kapazität durch zu viele Säuren erschöpft, werden diese als Schlacken- beziehungsweise Giftstoffe im Binde- und Fettgewebe zwischengelagert, um sie zu einem späteren Zeitpunkt zu neutralisieren und zu entsorgen. Werden dem Körper nun permanent Säuren zugeführt oder produziert er selbst immer mehr, ohne sie ausscheiden zu können, kann dies zu den unterschiedlichsten Beschwerden führen. Die Schlacken werden an Gelenken und Muskeln abgelagert. Bindegewebe und Haut altern und erschlaffen vorzeitig. Es bilden sich Falten, und Cellulite entwickelt sich.

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TIPP
Am besten funktioniert der menschliche Organismus im basischen bis neutralen Bereich (Seite 104). Borreliose-Patienten sollten sich vorwiegend mit basenreichen Vollkornprodukten ernähren.

Säure und das Gewebe
Auch das Blut wird saurer. So werden die scheibchenförmigen, roten Blutkörperchen starr und unverformbar. Sie haben Schwierigkeiten, durch die kleinen und kleinsten Blutgefäße zu fließen.
Das führt dazu, dass das umliegende Gewebe nicht mehr gut durchblutet wird, und die Zellen nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden können. Die Folge sind zum Beispiel kalte Hände und Füße.

In extremen Fällen, wenn die Gefäße zusätzlich durch Nikotin verengt sind, sterben Zellen und Gewebe ab. Am Herzmuskel kann ein akuter Sauerstoffmangel zum Herzinfarkt führen. Organe wie der Magen produzieren durch bestimmte Kreisläufe bei Übersäuerung fortwährend Salzsäure, also auch dann, wenn gar keine Verdauung ansteht (siehe linke Seite). Unangenehmes Sodbrennen ist das erste Anzeichen dafür. Die Übersäuerung zieht sich dann entlang des Verdauungstraktes. Es kann zu Verschlackung und Verschlammung der Gallenflüssigkeit kommen, und es bilden sich Grieß oder Gallensteine.

Säure und das vegetative Nervensystem
Die Säure beeinflusst auch das vegetative Nervensystem, das nicht vom Bewusstsein reguliert wird und beispielsweise für Herzschlag, Verdauung, Schlaf und Atmung verantwortlich ist. Dabei wird der anregende Teil des vegetativen Nervensystems, der Sympathikus, besonders erregt. Es kommt zur permanenten Überreizung, bis der Körper erschöpft ist. Die Folgen: Müdigkeit und Schlafstörungen. Ein hyperaktiver Sympathikus ist auch die Ursache dafür, dass die Muskulatur zur Verkrampfung neigt, sogar im Bereich des Gehirns. Konzentrationsstörungen und Vergesslichkeit sind Auswirkungen davon. Gleichzeitig werden vermehrt Stresshormone ausgeschüttet, die gereizt und aggressiv machen. Studien belegen, dass Menschen, deren Organismus nicht übersäuert ist, fröhlicher, entspannter und belastbarer sind. Die Liste der negativen Auswirkungen bei Übersäuerung ließe sich beliebig fortsetzen und erinnert an viele Symptome bei Borreliose und ihren Co-Infektionen (Seite 24).

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INFO
Wochenprogramm gegen Ubersäuerung
Eine Übersäuerung des Körpers hat viel damit zu tun, wie Sie mit sich und Ihrem Körper umgehen und welchen Gefahren Sie ihn aussetzen. Viele Menschen sind einfach zu sorglos oder gleichgültig. Mit den folgenden Empfehlungen, ein bisschen Disziplin und viel gutem Willen tun Sie sich Gutes und eine Menge für Ihre Gesundheit - und das nachhaltig.

> Täglich ein etwa 30-minütiger Spaziergang an der frischen Luft - am besten vor 9.00 Uhr morgens. Vielleicht können Sie den Weg zum Arbeitsplatz dafür nutzen.
> 2-mal pro Woche eine halbe Stunde Bewegungstraining: walken, joggen, Fahrrad fahren, wandern, schwimmen, Gymnastik oder Aero-bic. Entscheiden Sie sich für das Training, das Ihnen am meisten Freude bereitet. Das erhöht die Chance, die guten Vorsätze nicht bald schon wieder über Bord zu werfen.
> 1-mal pro Woche Sauna: Sehr zu empfehlen ist die Biosauna mit Farblichttherapie oder eine Dampfsauna, beide mit niedrigerer Temperatur (circa 60 °C). Damit wird auch ein leicht instabiler Kreislauf nicht überbelastet, und Sie können sich länger in der Sauna aufhalten. Das hat einen größeren Effekt auf die Borrelien, die Hitze über 42 °C nicht vertragen. Je nach gesundheitlicher Verfassung sollten Sie Ihren Arzt dazu befragen.
> 1-mal pro Woche ein Fußbad, Teil- oder Vollbad: Die Wirkung können Sie mit Kräutern oder Basensalz verstärken. Um einer Übersäuerung vorzubeugen, eignen sich Salzbäder, zum Beispiel mit Himalayasalz oder anderen Salzen in guter Qualität; nach Ayurveda eine Kombination aus einem Natur-Steinsalz, Bio-Molke, Jasmin- und Rosenblüten. Kräuter können entspannend oder anregend wirken. Sie können sich nach Ihren individuellen Vorlieben und Verträglichkeiten richten.
> 2-mal pro Woche mindestens 15 Minuten bewusste Entspannung: Gönnen Sie sich eine Auszeit, einfach nur relaxen. Statt sich körperlich zu betätigen, sollten Sie sich auf eine tiefe, regelmäßige Atmung konzentrieren oder meditieren, den Gedanken nachhängen, ohne die Lösung für ein Problem zu suchen. Besonders erholsam ist eine Meditation in der freien Natur oder an einem Ihrer Lieblingsorte.
> 5-mal pro Woche auf gesunde Ernährung achten: Regionales und Saisonales in Bioqualität sollte auf dem Speisenplan stehen. Dazu Vollkornprodukte, am besten alles frisch zubereitet. Fertiggerichte sind tabu. Es bleiben ja immer noch zwei Tage, an denen Sie etwas lässiger sein dürfen.
> Täglich ausreichend trinken - am besten natürliches Quellwasser.

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WICHTIG
Abgelaufene Medikamente gehören nicht in den Müll. Die Wirkstoffe könnten auf Deponien bei Niederschlägen in den Boden gespült werden und das Grundwasser verunreinigen. Arzneimittel, die Sie entsorgen möchten, nehmen Apotheken entgegen.

Vieles kann krank machen
Die meisten Menschen der westlichen Industrienationen führen in gewisser Weise ein Leben im Überfluss. Wenn es darum geht, Hunger und Durst zu stillen, bleibt kaum ein Wunsch offen. Letztlich stehen uns Nahrungsmittel fast rund um die Uhr und das ganze Jahr über zur Verfügung: Südfrüchte, Kirschen und Erdbeeren im Winter, billiges Fleisch und günstiger Fisch beinahe in jedem Supermarkt, Brot und Brötchen bereits vorgebacken. Und was vergessen wurde zu kaufen, gibt es am späten Abend und am Wochenende an der Tankstelle.
Ähnliches gilt für Körper-, Haut- und Haarpflege: Ganz gleich, ob es sich um Bade- und Duschgels, Lotionen, Tages- und Nachtcremes, Shampoos, Haarsprays oder Schaumfestiger handelt - die Regale sind voll mit bunten Fläschchen sowie großen und kleinen Tuben. Und auch bei Kosmetika ist die Auswahl riesig: Parfüms in allen Preislagen, Nagellack und Lippenstifte in allen Farben, Gesichtspuder und Lidschatten füllen die Drogeriemärkte und Discounterketten.
Für unser Haus oder unsere Wohnung gibt es ebenfalls jede Menge an nützlichen und unnützen Dingen: Tapeten und Wandanstriche, Möbel, Vorhänge und Gardinen, Stoffe und Dekorationsgegenstände können nach Belieben ausgewechselt werden. Und wenn uns die eigenen vier Wände überhaupt nicht mehr zusagen, geht es ab in den Urlaub: Per Auto, Bahn, Schiff oder Flugzeug ist es problemlos möglich, an fast jeden Punkt der Erde zu gelangen. Und damit man für Familie, Freunde und Geschäftspartner zu Hause erreichbar bleibt, gibt es Mobilfunk.

Chemische Gifte
Kein Wunder, dass dieses Leben einen hohen Tribut fordert. Tag für Tag setzen unzählige Giftstoffe unserem Körper und unserer Gesundheit zu. Die Atemluft ist mit Rußpartikeln, Feinstaub, Stickoxiden und anderen Abgasen aus Verkehr und Industrie belastet. Dazu kommt der Elektrosmog von Mobiltelefonen, Sendemasten und Computern. Eine weitere große Gefahrenquelle bilden Trinkwasser und Nahrungsmittel. Manche Flüsse und Seen

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WICHTIG
Wenn Sie bei Borrelieninfektion an einer Laktoseintoleranz leiden, sollten Sie auf Kuhmilch und Kuhmilchprodukte unbedingt verzichten. Essen Sie stattdessen Produkte aus Schaf-und Ziegenmilch und grünes Gemüse, um Ihren Kalziumbedarf zu decken.

sind mit Nitrat- und Phosphatsalzen, Nitro- und Chlorverbindungen, Öl und Fäkalien verpestet, dazu kommen gefährlich hohe Konzentrationen an Schwermetallgiften wie Arsen, Cadmium, Blei und Kupfer. Kläranlagen können oft nur einen Teil der chemischen Gifte beseitigen. Und Hormone, wie sie beispielsweise die Antibabypille enthält, können überhaupt nicht abgebaut werden. Trinkwasser, Obst und Gemüse enthalten Pestizide. Die Nahrungsmittelindustrie setzt außerdem eine breite Palette an Chemikalien als Geschmacksverstärker, Süß-, Färb- und Aromastoffe, Konservierungs-, Antioxidations- und Säuerungsmittel ein. Hinzu kommen noch Antibiotika und Anabolika aus der Tierhaltung.

Die Nahrungskette
Die industrielle Massenproduktion verschiedener Güter belastet die Umwelt noch auf andere Weise: Weltweit werden pro Jahr viele Tonnen an Dioxinen und chemisch verwandten Giftstoffen freigesetzt, die sich im Boden ansammeln und auch in Futterpflanzen gelangen. Diese werden von Nutztieren aufgenommen -und am Ende dieser Nahrungskette steht der Mensch. Wir verzehren Eier, Milch, Fleisch und Fisch und reichern damit die Giftstoffe in unserem Fettgewebe an. Schon winzige Mengen an Dioxin können ernsthafte Erkrankungen nach sich ziehen, wie beispielsweise chronische Müdigkeit, Depressionen und eine chronische Immunschwäche.

Antioxidativer Schutz
Der Körper kann Gifte, die zur Übersäuerung führen, nicht komplett ausscheiden. Sie werden als Stoffwechselschlacken im Bindegewebe eingelagert. Um sie auszuschwemmen, erfüllen Mineralien und Spurenelemente eine wichtige Funktion: Sie regen den Stoffwechsel an, aktivieren das Bindegewebe, sorgen für eine gute Durchblutung und beeinflussen den Stoffaustausch der Zellen, indem sie die Zellen bei der Abgabe von Giftstoffen unterstützen. Außerdem lösen sie Stoffwechselblockaden und stärken das Immunsystem. Zu den wichtigsten Mineralien und Spurenelementen zählen Magnesium, Kalzium, Kalium, Zink, Jod und Selen.

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GU-ERFOLGSTIPP
BASENCITRATE GEGEN SÄUREÜBERSCHUSS
Bei chronischer Übersäuerung durch bakterielle und virale Infektionen unterstützen basische Mineralienstoffe den Organismus bei der Entsäuerung. Durch ihre Einnahme werden freie Säuren neutralisiert und Symptome wie zum Beispiel Entzündungen und Schmerzen reduziert.
Die besten Erfolge erzielen Sie mit Basenci-traten. Basenpulver, die häufig auch Zucker und Magnesiumstearate enthalten, werden von Borreliose-Patienten zumeist sehr schlecht vertragen. Viele reagieren mit Übelkeit, Völlegefühl, Durchfällen und Erbrechen. Basencitrate wie zum Beispiel Magnesium-, Kalzium- und Kaliumeitrat in magensaftresistenter Kapselform werden dagegen erst im Darm resorbiert und sind dadurch gut verträglich. Basencitrate sind mittlerweile von verschiedenen Firmen in Kapselform erhältlich. Sie sollten die Kapseln je nach Empfehlung des Herstellers vor allem vor dem Schlafengehen und am Morgen einnehmen.


Achten Sie darauf, sich ausgewogen zu ernähren und über hochwertige Nahrungsmittel ausreichende Mengen der basisch wirkenden, lebensnotwendigen Mineralien aufzunehmen.

Magnesium
Magnesium reguliert den Säure-Basen-Haushalt, ist an der Energiegewinnung der Zellen beteiligt, aktiviert etwa 300 Enzyme für die Energieversorgung von Leber und Herz und beugt Stress vor. Magnesium sorgt für ein gutes Zusammenspiel von Nerven und Muskeln und schützt vor Muskelkrämpfen. Gute Quellen für Magnesium sind vor allem Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Bananen, Aprikosen und alle grünen Gemüse.

Kalzium
Kalzium ist wichtiger Baustoff für Knochen und Zähne, Muskeln und Nerven. Es verhindert die Einlagerung von Blei. Es spielt außerdem eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung. Kalzium findet sich reichlich in Milch und Milchprodukten (bei Laktoseintoleranz den Hinweis »Wichtig« links beachten), aber auch in Hartkäse, Bohnen, Grünkohl und Sojabohnen.


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BEI PROBLEMEN MIT DER HAUT
Zink wird auch bei Hautproblemen eingesetzt: Akne-Cremes und Shampoos für Probleme mit der Kopfhaut sollen die Heilung beschleunigen.


Kalium
Kalium ist am Wasserhaushalt des Körpers beteiligt, stärkt Herz und Muskeln und hilft dabei, Säuren aus den Zellen zu lösen und den Stoffwechsel zu entgiften. Es unterstützt die Reizleitung über die Nervenbahnen und damit die Aktivität der Muskeln. Kalium ist in Obst, vor allem in Bananen, Trockenfrüchten, Fruchtsäften und im Gemüse enthalten.

Zink
Zink ist als Spurenelement an der Bildung von Hormonen und mehr als 100 Enzymen beteiligt, die für den Stoffwechsel von Proteinen, Kohlenhydraten, Fett und Nukleinsäuren zuständig sind. Außerdem ist es wichtig für die Speicherung von Insulin und die Stärkung des Immunsystems. Zink aktiviert auch ein Enzym, das für die Entsäuerung von großer Bedeutung ist. Wenn der Körper ausreichend mit Zink versorgt ist, können Leber und Nieren effizient arbeiten und Giftstoffe aus dem Körper ausleiten. Geflügel, Eier, Käse und Rindfleisch sind Zink-Lieferanten.

Jod
Jod ist ein essenzieller Bestandteil der beiden Schilddrüsenhormone Thyroxin und Trijodthyronin und damit für den gesamten Stoffwechsel unseres Körpers lebenswichtig. Jod nehmen Sie mit gutem Mineralwasser, mit Meereslebewesen wie Algen, Fisch und Muscheln, aber auch mit Produkten aus Vollkorngetreide wie Brot sowie mit Milch und Milchprodukten auf.

Selen
Selen fungiert als Antioxidans und als Motor des für die Entgiftung wesentlichen Gluthations. Mit ausreichend Selen können Giftstoffe und Schwermetalle leichter und schneller ausgeschieden werden. Außerdem unterstützt Selen die Aktivität des Immunsystems, indem es die Produktion spezieller Antikörper und natürlicher Killerzellen steigert. Und es aktiviert die Lymphbahnen, die für den Abtransport von Schlacken verantwortlich sind. Selen ist in Fleisch, Seefisch und Eiern enthalten.


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INFO
Tipps für ein gesundes Wohnen
Schadstoffe befinden sich nicht nur im Freien, sondern zunehmend auch in Innenräumen. Hier stehen vorwiegend Ausdünstungen von Baustoffen im Vordergrund. Spanplatten, Farben und Lackierungen, aber auch Teppichböden geben einen bedenklichen Chemiecocktail an die Luft ab. Dadurch können sich Schadstoffe sowie Schimmelpilze und Bakterien in Wohnräumen ansammeln. Wohnraumgifte schädigen unser Wohlbefinden und können langfristig zu schweren chronischen Erkrankungen führen. Sie sind zum Beispiel Auslöser von depressiven Verstimmungen, Angst und Panikattacken, Kopfschmerzen und Migräne, Allergien, unklaren Herzbeschwerden und erhöhten Infektanfälligkeiten. Die folgenden einfachen Ratschläge helfen Ihnen, etwas für Ihre Gesundheit zu tun und damit Ihr Allgemeinbefinden zu verbessern.

Maßnahmen gegen Schimmelpilze
> Sorgen Sie für ausreichende Belüftung in Ihrer gesamten Wohnung. Pro Tag viermal zehn Minuten lüften ist das Minimum. Dabei werden die Fenster nicht nur gekippt, sondern vollständig geöffnet.
> Verwenden Sie keine Raumluftbefeuchter, sondern lieber feuchte Tücher, die Sie - speziell bei Atemwegserkrankungen - über die Heizkörper hängen.
> Platzieren Sie Schränke nicht direkt an Außenwände. Bei etwas Abstand kann die Luft auch hinter den Schränken zirkulieren.
> Verzichten Sie auf Holzverkleidungen in Innenräumen.
> Leeren Sie Abfallbehälter für Biomüll rechtzeitig, ehe sich Schimmelpilze bilden.
> Stellen Sie Ihre Topfpflanzen von Erde auf Substratnährböden um.

Maßnahmen gegen Elektrosmog
> Halten Sie Ihr Schlafzimmer möglichst von leistungsstarken Elektrogeräten frei.
> Verzichten Sie auf elektrische Heizdecken und elektrisch beheizbare Wasserbetten.
> Stellen Sie elektrische Kleingeräte wie Radiowecker oder Leselampe mit einem Mindestabstand von einem Meter zum Bett auf.
> Halten Sie Fernseher, CD-Player, Computer und Ähnliches nicht im Stand-by-Modus.
> Ein Mobiltelefon sollte auch im ausgeschalteten Zustand nachts nicht im Schlafraum liegen.
> Beachten Sie, dass Neonleuchtstoffröhren, Halogen- und Sparlampen meist starke elektromagnetische Felder aufweisen.
> Wenn Geräte über längere Zeit nicht genutzt werden, sollten Sie den Netzstecker ziehen und Verlängerungskabel mit einem Schalter gänzlich abschalten.

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Die naturheilkundliche Therapie

»Gegen jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen.« Diese Volksweisheit hat auch bei Borreliose und ihren Co-Infektionen Gültigkeit. Die Wirkung der Phytotherapie liegt jedoch nicht darin, Kräuter nach dem Motto »viel hilft viel« zu verabreichen, sondern den Patienten eigenverantwortlich in die Therapie mit einzubeziehen und auf seine Lebenssituation einzugehen. Mit dem Wissen aus diesem Kapitel ist Phytotherapie in Absprache mit einem naturheilkundlich geschulten Therapeuten gut zur Therapie geeignet.

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TIPP
Um eine optimale Heilwirkung zu erzielen, sollten Sie darauf achten, Heilkräuter und Heilpflanzen nur aus kontrolliert-biologischem Anbau zu verwenden. Fragen Sie im Zweifelsfall Ihren Apotheker!


Heilung mit Pflanzen
Viele der erfolgreichsten Arzneimittel enthalten Wirkstoffe, die aus der Pflanzenwelt stammen, beispielsweise das Herzmittel Digitalis aus dem Fingerhut oder Morphin aus dem Schlafmohn. Aufgrund der zunehmenden Zahl chronisch Kranker - trotz angeblich bester medikamentöser Versorgung - und der stetig steigenden Kosten und zusätzlichen Nebenwirkungen pharmakologisch hergestellter Präparate erfährt die Therapie mit Heilpflanzen heute eine enorme Renaissance. Die Pflanzen liefern neben Vitaminen, Spurenelementen (zum Beispiel Eisen und Zink) und Mineralstoffen (etwa Kalium und Kalzium) unter anderem auch ätherische Öle sowie Bitter-, Schleim- und Gerbstoffe, die der Gesundheit des menschlichen Organismus auf vielfältige Weise zugutekommen. Die bekannteste Art, Heilpflanzen zu verabreichen, sind Teemischungen. Aber auch in Form von Pulver, Tropfen und Kapseln zum Einnehmen sowie für Auflagen, Packungen, Wickel und zum Inhalieren sind sie geeignet, Infektionen im Heilungsprozess zu unterstützen und das Immunsystem zu stabilisieren.

Kräutertee
Am häufigsten werden pflanzliche Heilmittel als Tee eingenommen. Tee ist schnell und einfach zubereitet. Die heilkräftigen Pflanzenteile werden zerkleinert und in eine Tasse oder Kanne gegeben. Die Faustregel: pro Tasse etwa einen gehäuften Teelöffel getrockneter oder einen gestrichenen Esslöffel frischer Kräuter verwenden. Diese Menge sollten Sie nicht überschreiten, denn höhere Dosierungen können größere gesundheitliche Beeinträchtigungen zur Folge haben. So kann ein Ausleitungstee mit Brennnesseln bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu Schwindel, Blutdruckabfall und Herzbeschwerden führen.

Zubereitung
Die Kräuter werden mit kochendem Wasser übergössen (Ausnahme ist der Grüntee, da sollte das Wasser nicht kochen), wobei Blüten und zarte Pflanzenteile circa drei bis fünf Minuten, festere Pflanzenteile wie Wurzeln circa zehn bis 15 Minuten zugedeckt ziehen

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EIN TEE ZUM AUSLEITEN
Um Schadstoffe auszuleiten und Entzündungen zu hemmen, ist folgende Kräutermischung besonders hilfreich: 20 g Brennnessel | 20 g Mariendistel | 20 g Löwenzahn | 20 g Schafgarbe
In Bioqualität im Reformhaus oder in der Apotheke mischen lassen. Übergießen Sie pro Tasse circa einen Esslöffel der Kräutermischung mit kochendem Wasser und lassen Sie den Tee mindestens fünf Minuten ziehen. Trinken Sie zwischen morgens und etwa 14.00 Uhr ein bis drei Tassen davon (siehe GU-Erfolgstipp auf der rechten Seite).
Sie können die Teemischung variieren, indem Sie zusätzlich 20 g Ringelblume und/oder 20 g Walnuss hinzufügen.


müssen. Anschließend wird der Tee durch ein nicht metallisches Sieb oder durch Papierfilter abgeseiht. Am besten lassen Sie den Tee abkühlen, ehe Sie ihn trinken. Kräutertees sollten in der Regel etwa eine halbe Stunde vor dem Essen getrunken werden.

Pflanzenpulver
Wenn Heilkräuter auf schonende Weise getrocknet werden, bewahren sie nahezu alle ihre Wirkstoffe in sehr konzentrierter Form, da ihre natürliche Struktur erhalten bleibt. Ihre ätherischen Öle dienen dabei als natürliche Konservierungsstoffe. Früher wurden Kräuter häufig so verwendet, heute ist diese Form der Verarbeitung eher selten.

Zubereitung
Grundsätzlich können Kräuter mithilfe einer Gewürzmühle oder im Mörser zu feinem Pulver verarbeitet werden. In dieser Form kann sie der Verdauungstrakt leichter aufnehmen. Leichter einzunehmen und praktischer zu dosieren ist jedoch das zu Tabletten gepresste Pulver. Die Tabletten und Pulver erhalten Sie in naturheilkundlich ausgerichteten Apotheken.

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GU-ERFOLGSTIPP
NUTZEN SIE DIE BESTE TAGESZEIT
Eine Tinktur zum Ausleiten
Die Tageszeit spielt für die erfolgreiche Ausleitung von Schadstoffen aus dem Körper eine wichtige Rolle. Die beste Zeit ist morgens bis mittags, um die über Nacht entstandene Übersäuerung auszugleichen. Zu einer späteren Tageszeit ist eine regelmäßige Ausleitung nur begrenzt empfehlenswert, da Schlafstörungen durch Nierenoder Leberbelastung und vermehrtes Wasserlassen entstehen können. Herzkranke und kreislaufschwache Patienten sollten regelmäßig ihren Blutdruck und Puls kontrollieren und Veränderungen umgehend mit ihrem Therapeuten besprechen.


Tinkturen
Tinkturen sind alkoholische Aufsätze von Kräutern, die meist mit 70prozentigem Alkohol zubereitet sind, was bei Heilpflanzen mit gut alkohollöslichen Wirkstoffen (zum Beispiel Gerbstoffdrogen) von Vorteil ist. Immer wieder ist zu hören, alkoholische Lösungen würden viel Alkohol enthalten und seien deshalb bedenklich und ungesund. In einem Glas Apfelsaft ist durch den Gärungsprozess jedoch mehr Alkohol enthalten als in der täglichen Dosierung alkoholischer Tropfen. Basis einer Tinktur ist wiederum das getrocknete und zerkleinerte Kraut. Am besten besorgen Sie sich eine fertige Tinktur, die Sie in vielen naturheilkundlich ausgerichteten Apotheken erhalten.

Zur allgemeinen Ausleitung sind Tinkturen mit Kräutern wie zum Beispiel Mariendistel, Brennnessel, Goldrute, Bärlauch, Giersch und Hauhechel sehr zu empfehlen. Diese regen die Leber und die Nieren an.

Umschläge, Auflagen, Wickel
Heilkräuter und Heilpflanzen, die keine reizende Wirkung ausüben, können direkt auf die zu behandelnden Stellen aufgelegt werden. Der Saft einer frischen Aloe Vera-Pflanze auf die Haut gestrichen, hat eine sehr positive Wirkung bei Entzündungen.

Anwendung
Frische Kräuter werden zerkleinert und erwärmt, getrocknete Kräuter mit heißem Wasser übergössen, um sie als Auflagen oder Umschläge zu verwenden. Die Wirkungszeit beträgt einige Minuten bis zwei Stunden. Diese Anwendungen können jederzeit wiederholt werden. Bei den nachfolgend aufgeführten Beschwerden wählen Sie die dort genannten Kräuter:


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WICHTIG
Eine verschleppte Erkältung, anhaltend starke Halsbeschwerden und schmerzende Bronchien, insbesondere mit Fieber, sollten Sie immer ärztlich abklären lassen.

Bei Husten und Brochitis
Bei hartnäckigem Husten oder Bronchitis (beides Symptome bei Infektionen mit Clamydien, Seite 37) verschafft eine Auflage aus Bockshornklee Linderung. Dafür zerreiben Sie frischen Bockshornklee aus der Apotheke oder dem Reformhaus in einem Mörser, verrühren ihn mit heißem Wasser zu einer Paste und legen diese so warm wie möglich direkt oder in einem Tuch auf die Brust. Lassen Sie die Auflage über Nacht einwirken.

Bei Hautirritationen
Umschläge mit Basensalzen (etwa Himalajasalz) oder Rechtsregulat (ein fermentiertes Konzentrat aus Früchten, Nüssen und Gemüse) helfen bei Neurodermitisschüben der Haut, die durch Borreliose ausgelöst werden.
Bevor Sie einen Umschlag anlegen, am besten lokal baden (bei Irritationen zum Beispiel an der Hand diese etwa 10 bis 20 Minuten in ein Salz- oder Rechtsregulat-Bad legen) und dann über Nacht einen Umschlag mit demselben Konzentrat einwirken lassen. Salze sind in der Konzentration isotonisch, das heißt, ein Salzbrocken löst sich so lange in Wasser auf, bis die isotonische Konzentration erreicht ist (den Rest des Salzklumpens zur Weiterverwendung aufbewahren). Das Rechtsregulat wird pur oder leicht verdünnt angewendet. Je nach Wirkung und Verträglichkeit entscheiden Sie, welches Konzentrat Sie auf Dauer wählen.

Bei Kopfschmerzen
Kopfschmerzen sind immer Zeichen einer Schlackenbelastung. Zur Ausleitung (Seite 66) empfehlen sich Meerrettichauflagen. Reiben Sie frischen, ungeschälten Meerrettich und verrühren Sie ihn mit wenig heißem Wasser. Die Paste verstreichen Sie dick in ein Tuch, das Sie circa 10 bis 15 Minuten in den Nacken legen. Die Inhaltsstoffe werden über die Haut aufgenommen.

Bei Gelenkschmerzen
Gelenkschmerzen, die aufgrund von Entzündungen auftreten, können erfolgreich mit einem Kohlwickel behandelt werden.

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Dazu klopfen Sie mit dem Hammer weiße Kohlblätter solange flach, bis der Saft austritt. Dann legen Sie die Blätter um das schmerzende Gelenk, umwickeln sie mit einer Binde und lassen sie über Nacht einwirken. Der Wickel riecht zwar etwas unangenehm - um nicht zu sagen streng - doch er ist sehr wirksam, weil der Kohlsaft die Entzündung aus dem Gelenk zieht. Meist sind die Blätter am nächsten Morgen braun.

Bäder
Kräuterbäder sind wohltuend und heilsam. Jeder kennt das Erkältungsbad mit wirksamen ätherischen Ölen und Kräutern. Kräuterbäder eignen sich auch hervorragend zur Vorbeugung bei bestimmten Krankheiten. Ein Sitz-, Fuß- oder Handbad wirkt immer gezielt auf bestimmte Körperregionen. Doch ist es ratsam, auch bei einem solchen Teilbad die anderen Körperregionen warm zu halten.

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LINDERNDE SITZBADER BEI INFEKTIONEN IM GENITALBEREICH

Die jeweilige Heilkräuter-Essenz wird wie in derTabelle angegeben zubereitet und dann dem warmen Sitzbad beigegeben. Bleiben Sie etwa 10 bis 15 Minuten lang im Wasser sitzen.

Anwendung bei

Juckreiz, Brennen, vermehrter Fluor, unangenehmer Geruch im Genitalbereich
Heilpflanze
Eichenrinde, Kamille, Ringelblume
Anwendungsart
verdünnter Extrakt (fertig aus der Apotheke)
Wirkung
entzündungshemmend, Juckreiz lindernd, Achtung: färbt!

vermehrt störender, weißlicher Ausfluss
Heilpflanze
Frauenmantel-Kraut
Anwendungsart
20 g auf 2 Liter Wasser, überbrühen, 10 Minuten ziehen lassen, abkühlen
Wirkung
entzündungshemmend

Juckreiz, Rötung, Schmerzen
Heilpflanze
Malvenblüten, Kamille,Ringelblume
Anwendungsart
20 g auf 2 Liter Wasser, nur kurz überbrühen, 30 Minuten ziehen lassen, abkühlen
Wirkung
anfeuchtend, Juckreiz lindernd, entzündungshemmend

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WICHTIG
Kinder sollten mindestens fünf Jahre alt sein, wenn sie inhalieren. Doch auch dann müssen sie beaufsichtigt werden, damit sie sich nicht verbrühen.

Anwendung
Das Wasser sollte nicht heißer als 35 bis 40 °C sein und das Bad nicht länger als 20 bis 30 Minuten dauern, damit der Kreislauf nicht überbelastet wird. Gerade Borreliose-Patienten haben häufig einen schwachen Kreislauf. Nach dem Bad ist mindestens eine Stunde Ruhe zu empfehlen.

Ein Bad zum Ausleiten
Zur Ausleitung eignen sich Fußbäder mit Basen- oder Senfmehlzusätzen, die Sie jedoch nicht öfter als dreimal pro Woche anwenden sollten, um Ihren Kreislauf nicht zu sehr zu belasten. Achten Sie darauf, ob das Fußbad eher anregend oder entspannend auf Sie wirkt. Und wählen Sie dementsprechend die Tageszeit.

Inhalieren
Bei Entzündungen des Nasen-Rachen-Raumes, vor allem der Nasennebenhöhlen (Borreliose-Patienten leiden häufig darunter), hilft das Inhalieren mit Heilkräutern. Besonders lindernd wirken Kamille, Salbei und Myrte. Natürlich hilft auch Kochsalz.

Anwendung
Die Kräuter Ihrer Wahl geben Sie in eine große Schüssel und fügen heißes Wasser hinzu. Hängen Sie beim Inhalieren ein Handtuch über den Kopf, um den Dampf direkt einzuatmen.

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Das Inhalieren mit Heilkräutern wirkt lindernd bei Atemwegsproblemen.

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Phytotherapie speziell bei Borreliose

Um den Kreislauf Bakterienvermehrung - Bildung von Neuroto-xinen - Milieuveränderung zu unterbrechen, müssen folgende Maßnahmen ergriffen werden:

> Abtötung der Bakterien durch bakterizide Kräuter (nächster Abschnitt),
> Ausleitung der Neurotoxine und Entsäuerung (Seite 66) sowie
> unterstützende Therapie von unter Borreliose und ihren Co-Infektionen in einer Herxheimer-Reaktion oder im Borreliose-schub entstehenden Symptomen.

Abtötung der Bakterien
Zur Abtötung der Bakterien haben sich verschiedene Kräuter mit bakterizider Wirkung besonders bewährt. Es ist jedoch zu beachten, dass es - ähnlich wie unter einer Antibiotikatherapie - hierbei zu einer nicht zu unterschätzenden Herxheimer-Reaktion (Seite 46) kommen kann. Sie kann sofort einsetzen, häufig tritt sie jedoch auch erst nach drei bis sechs Wochen auf. Die besten Erfolge zur Abtötung der Bakterien erzielen Sie mit der Wilden Karde und dem Einjährigen Beifuß in Kombination mit der Zistrose.

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GU-ERFOLGSTIPP
HEILKRÄUTER RICHTIG ANGEWANDT
Für naturheilkundliche Mittel gilt - ebenso wie für allopathische Arzneimittel -, dass sie nicht unbedenklich eingesetzt werden sollten. Auch bei Heilpflanzen können unliebsame Nebenwirkungen auftreten. Die Wirkung von Phytopharmaka sollte nicht unterschätzt werden.
Da die Dosierungen der Kräuter individuell sehr unterschiedlich sind, sollten sie mit einem erfahrenen Therapeuten abgesprochen werden. Allgemeine Empfehlung: Ohne Beratung durch einen naturheilkundlichen Therapeuten sind alkoholische Tinkturen nicht in höherer Dosis als dreimal zwei Tropfen täglich einzunehmen.

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Die heilende Wirkung der wilden Karde kommt aus den Wurzeln.

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Der einjährige Beifuß verströmt einen starken, angenehmen Duft.

Wilde Karde (Dipsacus sylvestris)
Von der Wilden Karde gibt es zwölf Unterarten, die aus der Weberkarde oder Weberdistel gezüchtet wurden. Die getrockneten Blütenköpfe dienten bis ins 20. Jahrhundert zum Kämmen und Bürsten von Wollstoffen. Die Weberkarde ähnelt einer Distel und gedeiht als zweijährige Pflanze in ganz Europa. Zweijährig bedeutet, dass sie im ersten Jahr ihre Kraft sammelt, um im zweiten Jahr eine Höhe von ein bis zwei Metern zu erreichen. Die lateinische Bezeichnung Dipsacus bedeutet Durst und bezieht sich auf die Fähigkeit der langen Kardenblätter, Regenwasser aufzunehmen, das Vögeln und Wanderern dient, ihren Durst zu stillen.
Die Kardenwurzel tötet nicht nur Bakterien ab, sondern sie regt auch den Galle- und Leberstoffwechsel an, ist blutreinigend sowie harn- und schweißtreibend. Sie kann innerlich als Tinktur oder als Tee eingesetzt werden. Äußerlich findet sie gegen Hautausschläge und Entzündungen, aber auch als Wundheilmittel oder Bleichmittel, Verwendung.

Einjähriger Beifuß (Artemisia annua)
Das Beifußkraut, eine einjährige Pflanze aus der Familie der Korbblütler, zählt zu den ältesten Heilkräutern. In Deutschland gedeiht er vor allem entlang der Elbe. Der echte (oder gewöhnliche) Beifuß wird als Beruhigungsmittel vor dem Schlafengehen, bei Epilepsie und in der Frauenheilkunde eingesetzt. Der Einjährige Beifuß wurde aufgrund seiner guten Wirkung gegen Malaria bekannt. Sein Hauptbestandteil, das Artemisin, wird derzeit pharmakologisch erforscht. Ihm werden bakterizide und fungizide Wirkungen zugeschrieben. Vor allem bei den hartnäckigen Chlamydien-In-

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fektionen (Seite 37), aber auch bei anderen Co-Infektionen der Borreliose, werden mit dem einjährigen Beifuß hervorragende Ergebnisse erzielt.
Beifuß verwende ich als Tinktur in Kombination mit Karde. Er ist aber auch als Tee sowie frisch oder getrocknet innerlich und äußerlich anwendbar. Ein Fußbad mit Beifuß wirkt bei Blasenentzündungen lindernd.

Zistrose (Cistus spec.)
Zistrosengewächse sind im gesamten Mittelmeerraum und auf den Kanarischen Inseln verbreitet. Die buschigen, stark verzweigten Sträucher oder Zwergsträucher sind ein typischer Bestandteil der Macchia und tragen viel zu deren aromatischem Duft bei. Die Zistrose hat aufgrund ihres hohen Gehaltes an ätherischen Ölen und den darin enthaltenen Gerbstoffen und Flavonoiden eine außerordentliche Heilkraft.

Studien ergaben, dass sich die Gerbstoffe der Zistrose an Proteine anlagern und es Bakterien erschweren, in die Zellen ihres Wirts einzudringen. Eine abtötende Wirkung auf Borrelien ist nicht zu beobachten. Sicher ist dagegen, dass die Zistrose (außer im Falle von Erkältungsbeschwerden, Magen- und Darmleiden, Neurodermitis und Pilzinfektionen) das Immunsystem stärkt, stark entzündungshemmend wirkt sowie Schwermetalle ausleitet (Seite 78) und sich deshalb zur Behandlung von Borreliose und ihren Co-Infektionen eignet. Cistus ist gut verträglich, kann allerdings bei Ausleitung von hoher Schwermetallbelastung verschiedene Nebenwirkungen wie zum Beispiel Blutdruckschwankungen, Entzündungen und Müdigkeit auslösen.
Cistus ist als Tee, in Tablettenform und in Form alkoholischer Tropfen erhältlich. Zu empfehlen sind dreimal täglich 2 bis 3 Tabletten oder 1 bis 3 Tropfen. Nach meiner Erfahrung ist Cistus als alkoholische Tinktur wirksamer.


[Bildtext]Die Zistrose stärkt das Immunsystem und ist entzündungshemmend. Das Harz aus ihren Blättern wurde im alten Ägypten zum Räuchern verwendet.

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WICHTIG
-Es gibt Menschen, die auf Heilpflanzen allergisch reagieren, beispielsweise auf Birkenblätter mit Augenreizung, Müdigkeit und mit Niesen. In diesem Fall sollten Sie sie besser meiden. 

Ausleitung der Neurotoxine und Entsäuerung

Wie Sie inzwischen wissen, spielen die Ausleitung der Neurotoxine sowie die Milieuveränderung durch Entsäuerung und Entgiftung bei Borreliose und ihren Co-Infektionen eine sehr große Rolle. Häufig habe ich Patienten erlebt, die im Eigenversuch hohe Dosierungen von Kardentinkturen oder Kardentees eingenommen hatten und sich wunderten, dass ihre Beschwerden stetig zu- statt abnahmen. Sie haben übersehen (oder nicht gewusst), dass Voraussetzung für jede erfolgreiche Behandlung eine intensive _ Ausleitung der Toxine (Giftstoffe) ist. Die Entsäuerung und Entgiftung erfolgt über verschiedene Organsysteme. Zunächst jedoch sollten Sie die allgemeinen Ursachen für eine Übersäuerung (Seite 46) und Ihre persönliche Lebensweise vergleichen und - soweit möglich - Missverhältnisse beseitigen, bevor Sie über eines der Organe entgiften.

Das bedeutet:
> Erkennen Sie Stress und treten Sie ihm bewusst dort entgegen, wo er entsteht, beispielsweise durch Mobbing am Arbeitsplatz, aber auch im privaten Bereich.
> Finden Sie Entspannung in Sportarten, die zu Ihrer Persönlichkeit und Ihren Lebensumständen passen.
> Vermeiden Sie Elektrosmog ganz bewusst überall dort, wo es in Ihrer Macht steht.
> Halten Sie einen regelmäßigen Schlafrhythmus ein, wobei der Schlaf bei Borreliose und ihren Co-Infektionen sehr häufig gestört ist (Seite 76).

Wo der Körper Gifte speichert
Wenn die für die Entgiftung des Körpers zuständigen Organe (ab der nächsten Seite) durch andauernde Überforderung geschwächt sind oder beispielsweise aufgrund einer Infektion mit Borrelien oder anderen Erregern ihrer Aufgabe nicht mehr regelgerecht nachkommen können, lagert der Organismus die Giftstoffe ein. Für Stoffwechselschlacken und Umweltgifte gibt es im Wesentlichen zwei Speicher: das Fettgewebe einschließlich Gehirn und Rückenmark sowie das Bindegewebe. Das fettreiche Körpergewebe nimmt fettlösliche, das Bindegewebe wasserlösliche Giftstoffe auf:

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Zu den fettlöslichen Giftstoffen zählen Schwermetalle wie organische Methylquecksilberverbindungen aus Fischen oder Amalgamfüllungen der Zähne, organische Bleiverbindungen aus Abgasen, Lösungsmittelrückstände aus dem Abwasser, Wohnraumgifte aus Holzschutzmitteln, PVC, Asbest und Flammschutzmitteln, künstliche Moschusverbindungen aus der Kosmetik, Dioxine aus Verbrennungsanlagen, Fluorverbindungen aus Beschichtungen (Teflon), Weichmacher und vieles mehr. Sie setzen sich in fettreichen Geweben einschließlich Nerven und Gehirn ab. Unter die wasserlöslichen Giftstoffe fallen vor allem organische Säuren, die durch eine überwiegende Ernährung mit Eiern, Fleisch- und Wurstwaren entstehen, Cadmium und andere Schadstoffe aus dem Zigarettenrauch sowie Metallverbindungen. Diese Giftstoffe lagern sich im Bindegewebe ab. Sogenannte hormonaktive Chemikalien werden vor allem in Schilddrüse, Eierstöcken, Hoden und Gehirn eingelagert. Dazu zählen Unkraut- und Pilzvernichtungsmittel, Insektizide und Pestizide, Zinnsalze und künstliche Mastzusätze wie Antibiotika. Um den Organismus gesund und funktionsfähig zu erhalten, müssen die Toxine über die Entgiftungsorgane Niere, Lunge, Haut, Darm und Leber ausgeschieden werden.

Entsäuerung/Entgiftung über die Nieren
Der Niere kommt im Wasserhaushalt eine wichtige Funktion zu: Sie ist der Filter des Blutes und scheidet neutralisierte Säuren und Salze mit dem Harn aus. Dabei wird das Blut durch feinste Gefäße (Kapillaren) geleitet. Pro Tag werden so mehr als 1500 Liter Blut zur Reinigung durch die Nieren geschickt. Der Urin sammelt sich in den Nierenbecken und gelangt über die Harnleiter in die Blase. Diese dient als Auffangorgan und kann den Urin einige Zeit speichern, ehe er schließlich aus dem Körper ausgeschieden wird. Urin enthält verschiedenste Substanzen wie Salze, Farbstoffe, Abbauprodukte von Proteinen (Eiweiß) und sonstige wasserlösliche Verbindungen. Besonders wichtig für die Entgiftung ist, dass über den Urin nicht nur Gift- und Umweltschadstoffe, sondern auch Abbauprodukte von Medikamenten und Hormonen

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TIPP
Erhöhter Blutdruck (Hypertonie) und Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) können die feinen Strukturen unserer Nierenfilter schädigen. Lassen Sie deshalb Ihren Blutdruck und Ihre Blutzuckerwerte regelmäßig vom Hausarzt kontrollieren.

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unseren Körper verlassen. Darüber hinaus scheiden die Nieren im Körper angefallene überschüssige Säuren aus. In der Regel sollte der gesunde Mensch mindestens 30 Milliliter, ein übersäuerter, mit Toxin belasteter Mensch mindestens 50 Milliliter Wasser pro Kilogramm Körpergewicht trinken. Bei einem Gewicht von 60 Kilogramm sind das also 1,8 bis drei Liter pro Tag. Mit Wasser ist ausschließlich kohlensäurefreies Wasser (Quellwasser, am besten aus der Glasflasche) gemeint. Kohlensäurehaltiges Mineralwasser ist gesättigt, kann keine Giftstoffe aufnehmen und deshalb den Körper bei der Entgiftung nicht unterstützen. Gleiches gilt für Tee, Kaffee, Säfte und Limonaden. Die Ausleitung von Harnsäure über die Nieren und die allgemeine Nierenfunktion kann durch verschiedene Heilkräuter angeregt und unterstützt werden. Die Goldrute mit ihrem hohen Anteil an antibiotischen und entzündungshemmenden Wirkstoffen gilt als Universalpflanze bei Nierenleiden und Reizblase. Sie ist pur oder gemischt mit anderen Kräutern, die Sie mit Ihrem Phytothera-peuten besprechen sollten, zu trinken. Bestens geeignet sind auch die Brennnessel, die harntreibend und blutreinigend und sehr entschlackend und entgiftend wirkt, die Schafgarbe, die Salicyl-säure enthält und daher entzündungshemmend wirkt, und der Löwenzahn als wichtigste Stoffwechselpflanze. (Seite 58).

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EIN TEE FÜR DIE NIERE
Folgender Tee entlastet die Niere, fördert die Wasserausscheidung, hilft gegen Harnsäure und Nierengrieß und treibt überschüssiges Wasser aus dem Bindegewebe: 25 g Birkenblätter | 25 g Queckenwurzel | 25 g Ackerschachtelhalm I 25 g Hauhechelwurzel
In Bioqualität im Reformhaus oder in der Apotheke mischen lassen. Übergießen Sie pro Tasse einen Esslöffel der Kräutermischung mit heißem Wasser und lassen Sie den Tee mindestens zehn Minuten ziehen. Dann abseihen und am besten morgens bis mittags schluckweise trinken.


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GUTES TRINKWASSER - BALD EINE SELTENHEIT?

Gutes Trinkwasser zu bekommen, wird zunehmend problematischer. Allein durch die Landwirtschaft gelangen bis zu 300 verschiedene Pestizide in unser Trinkwasser, die meisten sind nachweislich krebserregend. Dazu kommt noch eine enorme Dunkelziffer, wobei Grenzwerte und Zahl der bislang untersuchten Substanzen schwanken. Aber nicht nur Pestizide sind eine enorme Belastung. Selbst in chemisch gereinigtem Wasser lassen sich Rückstände von Medikamenten und dissonante Schadstoffinformationen von Schwermetallen nachweisen, die an unseren Organismus weitergegeben werden. Besonders die nach wie vor hohe Zahl von alten Blei- und Kupferrohren in Wasserleitungen trägt ihren Teil zur Belastung des Trinkwassers bei.
Das bedeutet, dass Wasser zwar chemisch rein, physikalisch aber nach wie vor schadstoffbelastet ist. Abgesehen davon sind die meisten Trinkwässer sehr kalkhaltig, sodass sich überschüssiger Kalk in unserem Organis mus vor allem in Gefäßen absetzt.

Entsäuerung/Entgiftung über die Lunge
Eingeatmete Luft dringt über unsere Atemwege in die winzigsten Verzweigungen der Lunge bis zu den feinen Lungenbläschen vor, an denen der Gasaustausch stattfindet: Sauerstoff gelangt ins Blut, wo er - gebunden an die roten Blutkörperchen - alle Zellen unseres Körpers versorgt. Auch alle anderen Gifte, die gasförmig im Körper vorliegen (etwa Kohlensäure), werden über die Lunge ausgeschieden. Damit trägt auch die Lunge ihren Teil zur Entsäuerung des Körpers bei. Mit einer intensiven, bewussten Atmung, die Sie durch regelmäßigen leichten Ausdauersport an der frischen Luft (Radfahren, Walking, Wandern oder Schwimmen) oder auch mithilfe von Entspannungstechniken (Yoga, Qi-Gong, Meditation) oder durch regelmäßige Atemübungen (siehe nächste Seite) erreichen, steigern Sie die Leistung Ihrer Lunge.

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STOFFWECHSELVERGIFTUNG
Bei einer Stoffwechselvergiftung wie einem diabetischen Koma oder einem Leberoder Nierenversagen weist der Atem einen charakteristischen Geruch auf. Der Grund: Gifte, die normalerweise über Leber und Nieren entsorgt werden, werden mit der Atemluft - also über die Lunge - ausgeschieden.

Achten Sie bei allen Aktivitäten darauf, dass Ihr Stoffwechsel in keine Sauerstoffschuld gerät, sondern immer im aeroben Bereich bleibt, das heißt: Sie sollten Ihre Leistungsgrenze nicht überschreiten. Wenn nach einer Belastung ein Muskelkater auftritt, ist der Muskel übersäuert - und trägt damit zu noch höherer Übersäuerung bei. Viele mit Borreliose infizierte Menschen leiden nach einer größeren Anstrengung oder Belastung unter Muskelschmerzen. Diese werden durch eine Muskelentzündung hervorgerufen und können laborchemisch nachgewiesen werden.

Bewusst atmen
Experten schätzen, dass acht von zehn Menschen falsch atmen. Statt regelmäßig mit tiefen Lungenzügen Luft zu holen und den Brustkorb weit zu machen, hecheln sie gehetzt durch den Tag. Wer nur oberflächlich atmet, führt dem Körper nicht genug Sauerstoff zu und fühlt sich leicht erschöpft, leidet unter Kopfschmerzen und Schlafstörungen. Mit einer tiefen Atmung dagegen werden alle Körperzellen mit Sauerstoff versorgt und die Abfallstoffe entsorgt. Die Körperfunktionen werden angeregt, der Stoffwechsel normalisiert sich, und der Kreislauf wird auf Trab gehalten. Eine tiefe und bewusste Atmung hat also einen heilsamen Einfluss auf die Gesundheit.
Die folgenden Atemübungen können Sie einzeln durchführen oder als Zyklus. Wenn Sie sie in Ihr Programm kurz vor dem Zubettgehen einbauen, ist Ihnen obendrein ein guter Schlaf sicher.

Die Wechselatmung
> Setzen Sie sich aufrecht auf den Boden in den Schneidersitz, einen Hocker oder Stuhl. Beugen Sie den Zeige- und Mittelfinger Ihrer rechten Hand und strecken Sie die drei anderen Finger aus.
1   > Atmen Sie ruhig über die Nase ein und schließen Sie mit dem Daumen der rechten Hand den rechten Nasengang.
> Atmen Sie links aus und wieder ein. Schließen Sie mit dem Ringfinger den linken Nasengang und öffnen Sie den rechten. Atmen Sie rechts ein und wieder aus.

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Wenn Sie nervös, unruhig oder angespannt sind, hilft bewusstes Atmen, wieder zu Ruhe und Gelassenheit zu finden.

> Atmen Sie auf diese Weise eine Weile weiter: ausatmen - einatmen auf einer Seite, dann Seitenwechsel.
> Wenn Ihr Arm ermüdet, atmen Sie zum Abschluss noch einmal links ein und über beide Nasengänge aus.

Die tiefe Bauchatmung
> Stellen Sie sich entspannt hin oder setzen Sie sich mit aufrechtem Oberkörper auf einen Hocker oder Stuhl.
> Legen Sie Ihre Handflächen seitlich neben Ihren Bauchnabel. Versuchen Sie zu spüren, was in Ihrem Körper vorgeht, während Sie tief in den Bauch atmen.
> Beim Einatmen durch die Nase verlagert sich Ihr Zwerchfell nach unten und erweitert zugleich Ihren Brustraum. Ihr Bauch wölbt sich sichtbar nach außen.
> Sobald Sie durch die Nase ausatmen, geht Ihr Zwerchfell wieder in die Ausgangsposition zurück, und Ihr Bauch wird flacher.
> Atmen Sie auf diese Weise dreißigmal tief in den Bauch.

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WICHTIG
Wenn Sie an einer Herz-Kreislauf-Schwäche leiden oder andere gesundheitliche Probleme haben, sollten Sie Hitzeanwendungen unbedingt mit ihrem Therapeuten absprechen. Er wird Sie beraten, welche Sauna und Temperaturobergrenze für Sie geeignet ist.


Bauchatmung im Liegen
> Legen Sie sich auf eine Yogamatte oder eine Decke auf den Rücken. Schieben Sie ein kleines Kissen in den Nacken, sodass Wirbelsäule und Brustkorb entspannt sind. Wenn Sie es als angenehmer empfinden, können Sie die Beine anstellen oder eine Nackenrolle unter die Kniekehlen schieben.
> Legen Sie Ihre Handflächen locker neben Ihren Bauchnabel.
> Schließen Sie die Augen, konzentrieren Sie sich auf Ihren Bauch und spüren Sie, wie er sich beim Einatmen (durch die Nase) hebt und beim Ausatmen (durch den Mund) senkt.
> Atmen Sie langsam und tief durch den Mund aus und warten Sie so lange, bis Ihr Körper nach einem tiefen Einatmen verlangt. Dann atmen Sie tief und langsam durch die Nase ein. Atmen Sie auf diese Weise zwanzigmal ein und aus.

Entsäuerung/Entgiftung über die Haut
Die Haut ist mit einer Fläche von mehr als zwei Quadratmetern das größte Organ unseres Körpers. Sie bildet eine schützende Barriere gegenüber der Außenwelt und verhindert, dass Mikroorganismen, Bakterien oder Viren in allzu großer Zahl in den Körper eindringen. Darüber hinaus eignet sie sich hervorragend, um über den Schweiß Giftstoffe auszuscheiden und zu entsäuern. Idealerweise geschieht dies wiederum durch sportliche Betätigung oder eine andere körperliche Anstrengung.

Aber auch äußere Hitzeanwendungen unterstützen die Entsäuerung und Entgiftung:

> Überwärmungstherapie/Hyperthermie, das sind Wärmetherapien, mit denen die Körpertemperatur künstlich (zum Beispiel durch eine spezielle Badewanne) auf über 41 °C angehoben wird.
> Sauna bei Kreislaufbeschwerden (Biosauna bis 60 °C)
> Heiße Ganzkörpersalz- beziehungsweise Solebäder in speziellen Badeeinrichtungen oder Salzabreibungen, die Sie auch zu Hause machen können. In diesem Fall feuchten Sie Ihren Körper an und reiben ihn dann mit einem guten Körpersalz mit-hilfe eines Luffaschwammes von unten nach oben ab.

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> Wickel und Auflagen, zum Beispiel ein Leberwickel, der durch die Wärme die Durchblutung der Leber und damit ihre Funktion zur Ausleitung steigert. Die richtige Zeit für einen Leberwickel ist mittags nach dem Essen, da zu dieser Zeit die Leber besonders aktiv ist.
Anwendung: Ein (Leinen)-Tuch mit handwarmem Wasser anfeuchten und auf die rechte Hälfte des Oberbauchs legen. Darüber kommt eine Wärmflasche und zum Schluss ein Wolltuch. Den Wickel circa 30 Minuten wirken lassen.
> Fango- oder Moorpackungen, Massagen und Schröpfen durch einen Therapeuten
> Fußbäder, auch solche mit ausleitender Wirkung (Seite 62)
> Infrarot lokal oder ganzkörperlich in der Kabine. Insgesamt führt eine Überwärmung dazu, dass die Körpertemperatur ansteigt, was wiederum die Schweißproduktion erhöht und eine Beschleunigung der Ausscheidungsprozesse zur Folge hat. Schweiß besteht hauptsächlich aus Wasser, Salz, Aminosäuren, Zucker, Milchsäure, Ammoniak und anderen Endprodukten des Stoffwechsels. Da die unterste Hautschicht viel Bindegewebe enthält, in dem Wasser gespeichert und Säuren abgelagert werden, können Sie durch kräftiges Schwitzen beim Sport, anderen schweißtreibenden körperlichen Betätigungen oder in der Sauna über die Haut entsäuern und entgiften.

Entsäuerung/Entgiftung über den Darm
Als zentrales Verdauungsorgan nimmt der Darm wertvolle Nährstoffe aus der Nahrung auf und stellt sie dem Körper zur Verfügung. Obwohl bereits im Mund und nachfolgend im Magen eine erste Aufspaltung von Nahrungsbestandteilen erfolgt, wird die Hauptarbeit der Verdauung im Dünndarm geleistet. Mithilfe der Gallensäuren und der Enzyme aus der Bauchspeicheldrüse werden komplexe Nahrungsteile in kleinere Bestandteile zerlegt und über die Darmschleimhaut ans Blut weitergegeben. Der restliche Speisebrei wandert weiter in den Dickdarm, wo ihm Wasser entzogen wird. Der eingedickte Kot gelangt anschließend in den Mastdarm und wird als Stuhl ausgeschieden.

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TIPP
Reichlich Vollkornprodukte sowie täglich circa 700 Gramm Obst und Gemüse, regelmäßige Bewegung wie Walken, Joggen oder Radfahren entlasten den Stoffwechsel und dienen einer guten Verdauung.


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Achten Sie auf regelmäßigen, am besten täglichen Stuhlgang, um den Körper von Gift- und Schlackenstoffen zu befreien. Eine ausreichende Flüssigkeitsmenge (Seite 67) und reichlich Ballaststoffe sind das A und O einer guten Verdauung. Sorgen Sie dafür, dass die Nahrungsreste nicht zu lange im Darm verweilen und beugen Sie einer Verstopfung und damit einer Rückvergiftung durch die Toxine vor, die der Körper nicht ausscheiden kann.

Für eine regelmäßige Verdauung empfiehlt es sich, ein- bis zweimal täglich einen Teelöffel Flohsamen pur einzunehmen und danach reichlich Wasser zu trinken - etwa einen halben Liter. Den Flohsamen sollten Sie nicht, wie es vielfach gemacht wird, in Wasser aufquellen lassen,

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Als Gemüse schmeckt Artischocke zwar lecker, ist aber nicht konzentriert genug und deshalb lange nicht so wirksam wie Dragees.

Entsäuerung/Entgiftung über die Leber
Die Leber ist unser wichtigstes Entsäuerungsund Entgiftungsorgan, mit über 1,5 kg Gewicht das schwerste unserer Organe und das Herzstück unseres Stoffwechsels. Die Leber ist über eine große Vene, die Pfortader, direkt mit dem Darm verbunden. So können die Nährstoffe geradewegs aus dem Darm in die Tausende von millimetergroßen Leberläppchen gelangen. In diesen Baueinheiten laufen die Stoffwechselprozesse ab, hier werden Eiweiß, Zucker und Fett auf-, um- und abgebaut. Und hier werden die unnötigen oder giftigen Stoffe mithilfe von Enzymen für die Ausscheidung vorbereitet. Die Entsäuerungsrate der Leber übersteigt die der Niere um das Vierzigfache. Deshalb ist eine ausreichende Trinkmenge für die Leber noch wichtiger als für die Niere. Zu den Aufgaben der Leber gehört es, Giftstoffe abzubauen und in ungiftige Substanzen zu verwandeln. Dabei ist sie oft hohen Konzentrationen ausgesetzt, sodass die Membra-


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