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Author Topic: Multiresistente Keime und die landwirtschaftliche Hofhaltung  (Read 58 times)

Omegafant

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Wir dürfen das kopieren.  8)

[*quote*]
11.07.2018
Keimeintrag durch Geflügelkot

Berlin (hib/SCR) – Der Bundesregierung sind keine Fälle bekannt, bei denen multiresistente Keime durch die Ausbringung von Geflügelkot in Oberflächengewässer gelangt sind. Dies schreibt die Bundesregierung in ihrer Antwort (19/2874)
http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/028/1902874.pdf
auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (19/2397).
http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/023/1902397.pdf
Die Grüne hatten darin den möglichen Eintrag in Oberflächengewässer von multiresistenten Keimen durch Mast- und Schlachtbetriebe thematisiert.
[*/quote*]


http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/023/1902397.pdf

[*quote*]
Deutscher Bundestag
19. Wahlperiode
Drucksache
19/ 2397
31.05.2018
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Bettina Hoffmann, Friedrich Ostendorff,
Annalena Baerbock, Matthias Gastel, Oliver Krischer, Christian Kühn (Tübingen),
Stephan Kühn (Dresden), Renate Künast, Dr. Julia Verlinden, Daniela Wagner
und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Einträge von multiresistenten Keimen in Oberflächengewässer durch Mast- und
Schlachtbetriebe
Antibiotikaresistente Bakterien, auch solche, die keine Krankheitserreger sind,
kommen heutzutage häufiger in der Umwelt vor als früher. Schlimmstenfalls bil­
den sich so neue, multiresistente Krankheitserreger, die gegen mehrere Antibio­
tika resistent sind und dann ein Problem für die Therapie gerade von kranken­
hausvermittelten Infektionen darstellen können (Umweltbundesamt, 16. Mai
2018, „Warum wird die Verbreitung von antibiotikaresistenten Bakterien in der
Umwelt kritisch gesehen?“). Besondere Aufmerksamkeit hat das Thema gefun­
den, nachdem der „NDR“ in einer Stichprobe in Niedersachsen in verschiedenen
Gewässern multiresistente Keime gefunden hatte (www.tagesschau.de/inland/
keime-109.html). Ein möglicher Eintragspfad von multiresistenten Keimen in
Oberflächengewässer sind Tiermast- und Schlachtbetriebe. Multiresistente
ESBL/AmpC-bildende E. Coli-Keime kommen bei Masthähnchen häufig vor, so
waren 50,2 Prozent der untersuchten Kotproben aus konventionellen Masthähn­
chenbetrieben positiv (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsi­
cherheit, Zoonosen-Monitoring 2016). Auch an Schlachthöfen ist die Belastung
mit multiresistenten Keimen hoch. Laut Zoonosen-Monitoring 2016 des Bundes­
amts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sind 76,9 Prozent der
Halshautproben von Masthähnchen am Schlachthof mit verschiedenen Arten von
Campylobacter belastet. Der Anteil der Proben, bei denen mindestens eine zwei­
fache Antibiotikaresistenz gefunden wurde, betrug dabei bis zu 73,3 Prozent.
Ebenfalls im Zoonosen-Monitoring 2016 schreibt das Bundesamt für Verbrau­
cherschutz und Lebensmittelsicherheit: „Auffallend ist, dass Proben aus ökologi­
schen Masthähnchenbetrieben nur zu 25,7 Prozent und damit signifikant seltener
positiv für ESBL/AmpC-bildende E. coli waren als die entsprechenden Proben
aus konventionellen Haltungen.“ Weiterhin heißt es: „Auffallend ist dabei, dass
E. coli-Isolate aus konventionellen Masthähnchenbetrieben insgesamt eine deut­
lich höhere Resistenzrate von 86,7 Prozent aufwiesen als Isolate aus ökologischen
Masthähnchenbetrieben, die lediglich zu 29 Prozent gegenüber mindestens einer
der getesteten antibiotischen Substanzen resistent waren. Außerdem waren deut­
lich mehr E. coli-Isolate aus konventionellen Betrieben resistent gegenüber dem
Fluorchinolon Ciprofloxacin (44,5 Prozent resistente Isolate) als Isolate aus öko­
logischen Masthähnchenbeständen (9,7 Prozent resistente Isolate).“Drucksache 19 /2397
– 2 –
Deutscher Bundestag – 19. Wahlperiode
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viel Abwasser produzieren Geflügelmast- und Schlachtbetriebe nach
Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland?
2. Wie viel Abwasser fällt nach Kenntnis der Bundesregierung in Geflügel­
schlachtbetrieben pro Tonne geschlachtetem Tier an?
3. Wie wird Abwasser aus Geflügelmast- und Schlachtbetrieben nach Kenntnis
der Bundesregierung üblicherweise geklärt?
4. Wie viele Geflügelschlachtbetriebe verfügen nach Kenntnis der Bundesre­
gierung über eigene Kläranlagen?
5. Was ist hier nach Kenntnis der Bundesregierung der beste Stand der Technik,
und wie häufig wird dieser eingesetzt?
6. Können Kläranlagen nach Kenntnis der Bundesregierung Abwässer von Ge­
flügelmast- und Schlachtbetrieben vollständig von Keimrückständen be­
freien?
7. Wie viele Tonnen Geflügeltrockenkot werden nach Kenntnis der Bundesre­
gierung jährlich als Dünger auf Äcker aufgetragen?
8. Kann die Bundesregierung ausschließen, dass multiresistente Keime durch
als Düngemittel verwendeten Geflügelkot in Oberflächengewässer gelan­
gen?
Wenn nein, sind entsprechende Fälle dokumentiert?
9. Wie wird nach Kenntnis der Bundesregierung der Eintrag von Antibiotika­
resistenzen aus Geflügelkot in Oberflächengewässer kontrolliert?
10. Wie untersuchen und kontrollieren die Bundes- und Landesbehörden den
Eintrag von antibiotikaresistenten Keimen aus Geflügelmastanlagen in Ober­
flächengewässer?
11. Wie untersuchen und kontrollieren Bundes- und Landesbehörden den Ein­
trag von antibiotikaresistenten Keimen aus Schlachthöfen für konventionell
erzeugtes Geflügel in Oberflächengewässer bzw. in die Umwelt?
12. Sieht die Bundesregierung in agrarökologischen Methoden der Landwirt­
schaft Chancen zur Verringerung von Resistenzausbreitungen in der Umwelt
und in Gewässern?
Wenn nicht, warum nicht?
13. Inwieweit spricht sich die Bundesregierung dafür aus, einheitliche Verfahren
und Grenzwerte zur Messung von multiresistenten Keimen in Gewässern zu
entwickeln, und wenn ja, ab welchem Zeitpunkt sollten diese eingeführt wer­
den?
14. Inwieweit kann der Einsatz von Bioziden in der Landwirtschaft nach Ein­
schätzung der Bundesregierung die Verbreitung von multiresistenten Kei­
men in der Umwelt fördern?
15. Inwieweit liegen der Bundesregierung Informationen vor, dass multiresis­
tente Keime in Abläufen von Kläranlagen nachgewiesen wurden (bitte nach
Bundesland aufteilen)?
Wenn ja, wo sind diese Funde festgestellt worden?
16. Wie viele Kläranlagen gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung in
Deutschland?
a) Wie viele davon behandeln das Abwasser mit UV-Licht?
b) Wie viele davon behandeln das Abwasser mit Ozon?Deutscher Bundestag – 19. Wahlperiode
– 3 –
c) Wie viele davon behandeln das Abwasser mittels Ultrafiltration?
d) Wie viele davon behandeln das Abwasser mittels weiterer Technologien,
die unter den Begriff der sogenannten vierten Klärstufe fallen?
17. Wie hoch sind nach Kenntnis der Bundesregierung die Kosten einer Aufrüs­
tung und des Betriebs mit den in Frage 16 genannten Technologien, und aus
welchen Mitteln werden diese Kosten getragen?
18. An welchen Punkten und in welche Oberflächengewässer leiten Schlachtbe­
triebe nach Kenntnis der Bundesregierung und ihrer Unterbehörden geklärte
Abwässer in Oberflächengewässer ein (bitte unter Nennung der Namen der
Gewässer aufschlüsseln)?
19. Inwieweit bestehen nach Kenntnis der Bundesregierung Grenzwerte oder
weitere Anforderungen für die Keimbelastung von Klärschlämmen, die auf
Äcker ausgebracht werden?
Berlin, den 29. Mai 2018
Katrin Göring-Eckardt, Dr. Anton Hofreiter und Fraktion
Drucksache 19 /2397Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333
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http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/028/1902874.pdf

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Deutscher Bundestag
Drucksache
19/2874
19. Wahlperiode
15.06.2018
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Bettina Hoffmann,
Friedrich Ostendorff, Annalena Baerbock, weiterer Abgeordneter und der
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 19/2397 –
Einträge von multiresistenten Keimen in Oberflächengewässer durch Mast- und
Schlachtbetriebe
Vorbemerkung der Fragesteller
Antibiotikaresistente Bakterien, auch solche, die keine Krankheitserreger sind,
kommen heutzutage häufiger in der Umwelt vor als früher. Schlimmstenfalls
bilden sich so neue, multiresistente Krankheitserreger, die gegen mehrere Anti-
biotika resistent sind und dann ein Problem für die Therapie gerade von kran-
kenhausvermittelten Infektionen darstellen können (Umweltbundesamt,
16. Mai 2018, „Warum wird die Verbreitung von antibiotikaresistenten Bakte-
rien in der Umwelt kritisch gesehen?“). Besondere Aufmerksamkeit hat das
Thema gefunden, nachdem der „NDR“ in einer Stichprobe in Niedersachsen in
verschiedenen Gewässern multiresistente Keime gefunden hatte (www.
tagesschau.de/inland/keime-109.html). Ein möglicher Eintragspfad von multi-
resistenten Keimen in Oberflächengewässer sind Tiermast- und Schlachtbe-
triebe. Multiresistente ESBL/AmpC-bildende E. Coli-Keime kommen bei Mast-
hähnchen häufig vor, so waren 50,2 Prozent der untersuchten Kotproben aus
konventionellen Masthähnchenbetrieben positiv (Bundesamt für Verbraucher-
schutz und Lebensmittelsicherheit, Zoonosen-Monitoring 2016). Auch an
Schlachthöfen ist die Belastung mit multiresistenten Keimen hoch. Laut Zoono-
sen-Monitoring 2016 des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittel-
sicherheit sind 76,9 Prozent der Halshautproben von Masthähnchen am
Schlachthof mit verschiedenen Arten von Campylobacter belastet. Der Anteil
der Proben, bei denen mindestens eine zweifache Antibiotikaresistenz gefunden
wurde, betrug dabei bis zu 73,3 Prozent. Ebenfalls im Zoonosen-Monitoring
2016 schreibt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicher-
heit: „Auffallend ist, dass Proben aus ökologischen Masthähnchenbetrieben nur
zu 25,7 Prozent und damit signifikant seltener positiv für ESBL/AmpC-bil-
dende E. coli waren als die entsprechenden Proben aus konventionellen Haltun-
gen.“ Weiterhin heißt es: „Auffallend ist dabei, dass E. coli-Isolate aus konven-
tionellen Masthähnchenbetrieben insgesamt eine deutlich höhere Resistenzrate
von 86,7 Prozent aufwiesen als Isolate aus ökologischen Masthähnchenbetrie-
ben, die lediglich zu 29 Prozent gegenüber mindestens einer der getesteten an-
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nuk-
leare Sicherheit vom 14. Juni 2018 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
rte
AntwortDrucksache 19 /2874
– 2 –
Deutscher Bundestag – 19. Wahlperiode
1.
Wie viel Abwasser produzieren Geflügelmast- und Schlachtbetriebe nach
Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland?
Der Bundesregierung sind keine statistischen Erhebungen zum Abwasseranfall
aus den Geflügelmast- und Schlachtbetrieben in Deutschland bekannt. Die Geflü-
gelmast in Deutschland erfolgt in Bodenhaltung auf Einstreu. Die zwischen den
Mastdurchgängen anfallenden Reinigungswässer (ca. 480 000 m3 jährlich) wer-
den in abflusslosen Gruben aufgefangen, gesammelt und anschließend auf Acker-
flächen verwertet. Sie gelangen somit nicht in eine öffentliche Kanalisation.
2.
Wie viel Abwasser fällt nach Kenntnis der Bundesregierung in Geflügel-
schlachtbetrieben pro Tonne geschlachtetem Tier an?
Der spezifische Wasserbedarf bei der Geflügelschlachtung liegt im Mittel (gemit-
telt für die Schlachtung von Hähnchen, Ente und Pute) bei 5 m3 pro Tonne
Fleischgewicht.
3.
Wie wird Abwasser aus Geflügelmast- und Schlachtbetrieben nach Kenntnis
der Bundesregierung üblicherweise geklärt?
Im Hinblick auf Abwässer aus Geflügelmastbetrieben wird auf die Antwort zu
Frage 1 verwiesen.
4.
Wie viele Geflügelschlachtbetriebe verfügen nach Kenntnis der Bundesre-
gierung über eigene Kläranlagen?
Entsprechende Daten liegen der Bundesregierung nicht vor.
5.
Was ist hier nach Kenntnis der Bundesregierung der beste Stand der Technik,
und wie häufig wird dieser eingesetzt?
Im Amtsblatt der Europäischen Union wurde der Durchführungsbeschluss (EU)
2017/302 der Kommission vom 15. Februar 2017 über Schlussfolgerungen zu den
besten verfügbaren Techniken (BVT) gemäß der Richtlinie 2010/75/EU des Eu-
ropäischen Parlaments und des Rates in Bezug auf die Intensivhaltung oder -auf-
zucht von Geflügel oder Schweinen (bekannt gegeben unter Aktenzeichen
C (2017) 688) veröffentlicht, auf die im Zusammenhang mit der Fragestellung
verwiesen wird. Die BVT-Schlussfolgerungen müssen innerhalb von vier Jahren
umgesetzt werden.
6.
Können Kläranlagen nach Kenntnis der Bundesregierung Abwässer von Ge-
flügelmast- und Schlachtbetrieben vollständig von Keimrückständen be-
freien?
Im Hinblick auf die Abwässer aus Geflügelmastbetrieben wird auf die Antwort
zu Frage 1 verwiesen.
rte
tibiotischen Substanzen resistent waren. Außerdem waren deutlich mehr E. coli-
Isolate aus konventionellen Betrieben resistent gegenüber dem Fluorchinolon
Ciprofloxacin (44,5 Prozent resistente Isolate) als Isolate aus ökologischen
Masthähnchenbeständen (9,7 Prozent resistente Isolate).“Deutscher Bundestag – 19. Wahlperiode
Wie viele Tonnen Geflügeltrockenkot werden nach Kenntnis der Bundesre-
gierung jährlich als Dünger auf Äcker aufgetragen?
Nach der Agrarstrukturerhebung 2016 wurden im Jahr 2015 auf Ackerland
1 093 900 Tonnen Geflügeltrockenkot (einschl. Hühner- und Putenmist) ausge-
bracht.
8.
Kann die Bundesregierung ausschließen, dass multiresistente Keime durch
als Düngemittel verwendeten Geflügelkot in Oberflächengewässer gelan-
gen?
Wenn nein, sind entsprechende Fälle dokumentiert?
Wirtschaftsdünger dürfen nach den Vorgaben der Düngemittelverordnung
(DüMV) nur in den Verkehr gebracht werden, wenn sie bei sachgerechter An-
wendung die Gesundheit von Menschen nicht beeinträchtigen (§ 4 Absatz 1
DüMV). Um diese Anforderungen zu erfüllen, dürfen u. a. keine Krankheitserre-
ger enthalten sein, von denen Gefahren für die Gesundheit u. a. von Menschen
ausgehen (§ 5 Absatz 1 DüMV).
Zudem sind Düngemittel nach den Vorgaben der Düngeverordnung (DüV) so
aufzubringen, dass ein Abschwemmen in oberirdische Gewässer vermieden wird.
Dazu muss für ebene und schwach geneigte Flächen (< 10 Prozent Hangneigung)
ein Mindestabstand zwischen dem Rand der durch die Streubreite bestimmten
Aufbringungsfläche und der Böschungsoberkante des jeweiligen oberirdischen
Gewässers von 4 m eingehalten werden (§ 5 Absatz 2 Satz 1 und 2 DüV). Der
Mindestabstand kann auf 1 m reduziert werden, wenn Aufbringungsgeräte einge-
setzt werden, bei denen die Streubreite der Arbeitsbreite entspricht, oder die über
eine Grenzstreueinrichtung verfügen (§ 5 Absatz 2 Satz 3 DüV). Auf stark ge-
neigten Flächen ab 10 Prozent Hangneigung muss ein Abstand von mindestens 5
m eingehalten werden (§ 5 Absatz 3 Satz 1 DüV).
Gemäß § 5 DüV ist bei der Anwendung von stickstoff- oder phosphathaltigen
Düngemitteln, dazu gehört auch Geflügelkot, darauf zu achten, dass der Boden
nicht überschwemmt, wassergesättigt oder gefroren ist. Die Einhaltung der an-
wendungsbezogenen Vorgaben der Düngeverordnung wurden erlassen, damit ein
Abschwemmen in oberirdische Gewässer nicht zu besorgen ist.
Der Bundesregierung sind keine Fälle bekannt, bei denen multiresistente Keime
durch die Ausbringung von Geflügelkot in Oberflächengewässer gelangt sind.
In diesem Zusammenhang wird auch auf das vom Bundesministerium für Bildung
und Forschung (BMBF) geförderte Projekt „Risiken durch Abwässer aus der in-
tensiven Tierhaltung für Grund- und Oberflächenwasser in Agrarräumen“ ver-
wiesen, das diese Risiken untersucht hat. Ein Ergebnis aus dem Projekt lautet:
„Eine mikrobiologische Gefährdung der menschlichen Gesundheit durch land-
wirtschaftliche Abwässer kann weitgehend ausgeschlossen werden. Krankheits-
erreger, die häufig mit einem landwirtschaftlichen Ursprung in Verbindung ge-
bracht werden, können in Gülle und Mist meist nicht oder nur mit sehr geringem
Vorkommen nachgewiesen werden.“ (www.bmbf.riskwa.de/de_1276.html).
9.
Wie wird nach Kenntnis der Bundesregierung der Eintrag von Antibiotika-
resistenzen aus Geflügelkot in Oberflächengewässer kontrolliert?
Die düngerechtlichen Kontrollen werden durch die zuständigen Behörden der
Länder nach den Vorgaben der Düngeverordnung und der Düngemittelverord-
nung durchgeführt. Die Oberflächengewässer werden von den Ländern nach den
Drucksache 19 /2874
rte
7.
– 3 –Drucksache 19 /2874
– 4 –
Deutscher Bundestag – 19. Wahlperiode
In einigen Bundesländern wird derzeitig geprüft, ob in 2018 orientierende Unter-
suchungen/Beprobungen stattfinden. Im Austausch mit dem Bund-Länder-Ar-
beitskreis (BLAK) Badegewässer sowie der Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser
(LAWA) erhoffen sich die obersten Wasserbehörden der Länder weitere Infor-
mationen aus dem derzeit laufenden Forschungsprojekt HyReKA (Biologische
beziehungsweise hygienisch-medizinische Relevanz und Kontrolle Antibiotika-
resistenter Krankheitserreger in klinischen, landwirtschaftlichen und kommuna-
len Abwässern und deren Bedeutung in Rohwässern), um dann im Gewässerbe-
reich gezielt vorgehen zu können.
10.
Wie untersuchen und kontrollieren die Bundes- und Landesbehörden den
Eintrag von antibiotikaresistenten Keimen aus Geflügelmastanlagen in
Oberflächengewässer?
Auf die Antwort zu Frage 9 wird verwiesen.
11.
Wie untersuchen und kontrollieren Bundes- und Landesbehörden den Ein-
trag von antibiotikaresistenten Keimen aus Schlachthöfen für konventionell
erzeugtes Geflügel in Oberflächengewässer bzw. in die Umwelt?
Die Genehmigung und Überwachung von Geflügelschlachtanlagen obliegt den
Ländern. Der Bundesregierung liegen hierzu keine Informationen vor.
12.
Sieht die Bundesregierung in agrarökologischen Methoden der Landwirt-
schaft Chancen zur Verringerung von Resistenzausbreitungen in der Umwelt
und in Gewässern?
Wenn nicht, warum nicht?
Nach den Vorschriften der EG-Öko-Verordnung (VO (EG) Nr. 834/2007 und
VO (EG) Nr. 889/2008) dürfen chemisch-synthetische allopathische Tierarznei-
mittel einschließlich Antibiotika erforderlichenfalls unter strengen Bedingungen
verwendet werden, wenn die Behandlung mit phytotherapeutischen, homöopathi-
schen und anderen Erzeugnissen ungeeignet sind. Daher ist davon auszugehen,
dass in der ökologischen Hühnermast weniger Antibiotika eingesetzt werden und
somit auch das Risiko von Resistenzausbreitungen in der Umwelt geringer ist.
Eine sichere Datengrundlage hierfür fehlt jedoch.
13.
Inwieweit spricht sich die Bundesregierung dafür aus, einheitliche Verfahren
und Grenzwerte zur Messung von multiresistenten Keimen in Gewässern zu
entwickeln, und wenn ja, ab welchem Zeitpunkt sollten diese eingeführt wer-
den?
Bisher gibt es keine Empfehlungen der Bundesregierung, einheitliche Verfahren
und Grenzwerte zur Messung von multiresistenten Keimen in Gewässern zu ent-
wickeln. Grundlagen erarbeitet aktuell das BMBF geförderte Forschungsvorha-
rte
Vorgaben der Oberflächengewässerverordnung und der Landesbadegewässerver-
ordnungen kontrolliert. Eine entsprechende Übersicht über geplante Untersu-
chungen der Bundesländer hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz
und nukleare Sicherheit, nach Abfrage bei den Bundesländern, im Bericht an den
Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit vom 15. Mai 2018
zusammengestellt (Ausschussdrucksache 19(16)45). Eine spezifische Kontrolle
der Einträge von Antibiotikaresistenzen aus Geflügelkot in die Gewässer ist dabei
nicht vorgesehen.Deutscher Bundestag – 19. Wahlperiode
– 5 –
14.
Inwieweit kann der Einsatz von Bioziden in der Landwirtschaft nach Ein-
schätzung der Bundesregierung die Verbreitung von multiresistenten Kei-
men in der Umwelt fördern?
Es liegen keine ausreichenden Informationen vor, um gesicherte Aussagen treffen
zu können.
Die in der Landwirtschaft mengenmäßig am häufigsten eingesetzten Biozidpro-
dukte sind antimikrobielle Desinfektionsmittel. Da jedoch für Biozidprodukte
keine Meldepflicht hinsichtlich ihrer Produktions-, Abgabe- oder Aufwandmen-
gen besteht, liegen keine Vertriebs- und Verkaufszahlen vor.
15.
Inwieweit liegen der Bundesregierung Informationen vor, dass multiresis-
tente Keime in Abläufen von Kläranlagen nachgewiesen wurden (bitte nach
Bundesland aufteilen)?
Wenn ja, wo sind diese Funde festgestellt worden?
Es liegen keine ausreichenden Informationen vor, um gesicherte Aussagen treffen
zu können. Erste wissenschaftliche Arbeiten zeigen jedoch, dass im Ablauf von
Kläranlagen Gene, die für die Colistinresistenz in Bakterien verantwortlich ge-
macht werden, zu finden sind (z. B. Hembach et. al. 2017, https://doi.org/10.3389/
fmicb.2017.01282).
16.
Wie viele Kläranlagen gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung in
Deutschland?
Laut amtlicher Statistik wurden im Jahr 2010 insgesamt rund 12 600 Abwasser-
behandlungsanlagen erfasst, wobei 9632 der Anlagen in der Zuständigkeit der
öffentlichen Hand und 2953 der Anlagen in der Zuständigkeit von wirtschaftli-
chen Betrieben lagen [Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 19/Reihe 2.1.3,
Umwelt, Öffentliche Wasserversorgung und öffentliche Abwasserentsorgung –
Strukturdaten zur Wasserwirtschaft –, Erhebungsjahr 2010, veröffentlicht 2013,
Statistisches Bundesamt, Wiesbaden]
a) Wie viele davon behandeln das Abwasser mit UV-Licht?
b) Wie viele davon behandeln das Abwasser mit Ozon?
c) Wie viele davon behandeln das Abwasser mittels Ultrafiltration?
Die Fragen 16a bis 16c werden gemeinsam beantwortet.
Eine offizielle Erhebung hierzu liegt nicht vor, so dass der Bundesregierung keine
Angaben vorliegen.
rte
ben HyReKa (Verbundprojekt „Biologische bzw. hygienisch-medizinische Rele-
vanz und Kontrolle Antibiotika-resistenter Krankheitserreger in klinischen, land-
wirtschaftlichen und kommunalen Abwässern und deren Bedeutung in Rohwäs-
sern (HyReKA)“), das 2019 beendet sein wird.
Drucksache 19 /2874Drucksache 19 /2874
– 6 –
Deutscher Bundestag – 19. Wahlperiode
Zur vierten Reinigungsstufe wird darauf hingewiesen, dass diese häufig mit einer
Elimination von Mikroschadstoffen (z. B. Arzneimittel, Chemikalien) gleichge-
setzt wird. Die Verfahren sollen gezielt Mikroschadstoffe entfernen, die Elimina-
tion von multi-resistenten Keimen steht dabei nicht im Vordergrund. Lediglich
einige der eingesetzten Verfahren zur Entfernung von Mikroschadstoffen (z. B.
Ozonisierung) eliminieren ‚als Nebeneffekt‘ auch multiresistente Keime.
Verfahren zur gezielten Elimination von Keimen (z. B. UV-Bestrahlung) elimi-
nieren dagegen keine Mikroschadstoffe in Kläranlagen. Je nach Einsatzziel sind
also zielgerichtete, angepasste Lösungen notwendig. Eine offizielle Erhebung
darüber, welche Anlagen mit welcher Technologie zum Zwecke welcher Reini-
gungsleistung ausgerüstet sind, liegt der Bundesregierung nicht vor.
17.
Wie hoch sind nach Kenntnis der Bundesregierung die Kosten einer Aufrüs-
tung und des Betriebs mit den in Frage 16 genannten Technologien, und aus
welchen Mitteln werden diese Kosten getragen?
Zu den Kosten einer Aufrüstung aller Kläranlagen mit dem Ziel der weitest ge-
henden Vermeidung des Eintrags multiresistenter Keime liegen der Bundesregie-
rung keine Untersuchungen oder Zahlen vor.
18.
An welchen Punkten und in welche Oberflächengewässer leiten Schlachtbe-
triebe nach Kenntnis der Bundesregierung und ihrer Unterbehörden geklärte
Abwässer in Oberflächengewässer ein (bitte unter Nennung der Namen der
Gewässer aufschlüsseln)?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Informationen vor. Die Genehmigung
von wasserrechtlichen Erlaubnissen obliegt den zuständigen Behörden der Län-
der.
19.
Inwieweit bestehen nach Kenntnis der Bundesregierung Grenzwerte oder
weitere Anforderungen für die Keimbelastung von Klärschlämmen, die auf
Äcker ausgebracht werden?
Die Verwertung von Klärschlamm zu Düngezwecken auf landwirtschaftlich ge-
nutzten Böden und bei Maßnahmen des Landschaftsbaus ist nur zulässig, wenn
die hierfür einschlägigen Anforderungen der am 3. Oktober 2017 in Kraft getre-
tenen novellierten Klärschlammverordnung und der Düngemittelverordnung, die
zuletzt 2017 geändert wurde, eingehalten werden. Dabei müssen die Anforderun-
gen an die Seuchen- und Phytohygiene der Düngemittel- und Klärschlammver-
ordnung regelmäßig überwacht und die Einhaltung nachgewiesen werden. Damit
soll sichergestellt werden, die Keimbelastung vermieden bzw. weitestgehend re-
duziert wird.
rte
d) Wie viele davon behandeln das Abwasser mittels weiterer Technologien,
die unter den Begriff der sogenannten vierten Klärstufe fallen?Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de
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ISSN 0722-8333
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