Krebsforum Lazarus

Bitte loggen sie sich ein oder registrieren sie sich.

Einloggen mit Benutzername, Passwort und Sitzungslänge
Erweiterte Suche  

Autor Thema: Lichtnahrung  (Gelesen 1658 mal)

Glückspilz

  • Globaler Moderator
  • Held Mitglied
  • *****
  • Beiträge: 848
Lichtnahrung
« am: 22. November 2010, 01:39:04 »

Aus dem Usenet:

[*QUOTE*]
---------------------------------------------------------------------------------------------------------
From: Peter Zeller
Newsgroups: de.sci.biologie
Subject: Re: Warum müssen wir essen?
Date: Mon, 13 May 2002 19:27:24 +0200
Message-ID: <3CDFF77C.9C8EB06F@t-online.de>

Georg Sandtner schrieb:
>
> hallo!
>
> kann mir bitte jemand erklären, warum wir eigentlich essen müssen. welchen
> zweck erfüllt es, außer dass der magen nicht mehr knurrt ;-) ich weiß zwar
> dass wir den kohlenstoff aus der nahrung benötigen, aber wozu wird der genau
> verwendet?
> vielleicht kann mich ja wer aufklären!
>
> mfg
> georg

IX. Lichtnahrung.

   In den Schriften vieler Religionen gibt es Berichte über Menschen, die
lange Zeiträume ohne jegliche Nahrung gelebt haben sollen. Es handelt
sich dabei um einen mythischen Grundgedanken, der nichts anderes ist als
eine Umkehrung der Alltagserfahrung, die wenig spektakuläre Tatsache
wird durch den spektakulären polaren Kontrapunkt ersetzt bei
unveränderter Resttheorie. Als Motiv für derartige Handlungen kann man
den Drang des Menschen nach dem Wunder annehmen, mit einer einfachen
Methode wendet man den tristen Alltag ins Wunderbare; eine Flucht aus
der Wirklichkeit also.
   Auch die Neuzeit kennt solche Berichte. Louise Lateau in Wallonien oder
die Wassertrinkerin von Frasdorf  in Bayern sind nur Beispiele für
viele. VIRCHOW hat kritisch angemerkt, daß die Vortäuschung einer
langdauernden völligen Nahrungsenthaltung in Gefangenenanstalten nicht
selten sei; gleichzeitig weist er darauf hin, wie schwierig selbst unter
den Kontrollbedingungen des Gefängnisses die Aufdeckung des Betrugs sei.
   Seit einigen Jahren verbreitet nun die Australierin Ellen Greve die
These, der Mensch könne alleine von der Energie des Sonnenlichts leben.
Hier ist Energie ausnahmsweise nicht metaphorisch oder paraphrastisch
gemeint, sondern im Sinn der Physik: E = hn als Energie des Lichtquants.
Im Gegensatz dazu ist mit dem indischen Prana, Lichtnahrung, das Licht
nur symbolisch gemeint; Prana ist immer und überall, am Tage wie in der
Nacht, am Nordpol wie am Äquator. Ob es auch auf dem Mond ist, entzieht
sich meiner Kenntnis, aber ich neige stark dazu, die Frage zu bejahen,
jedenfalls konnten die Astronauten bisher keinen Gegenbeweis erbringen.
   Die These von Frau Greve besteht aus den beiden Sätzen:
1.    Der Mensch kann ohne jegliche Nahrungszufuhr leben.
2.    Der Mensch kann gleichzeitig ohne jegliche Wasserzufuhr leben.
   Es versteht sich von selbst, daß dazu ein spiritueller Weg erforderlich
ist, den man in ihren Kursen, Seminaren, Workshops und aus ihren vier
Büchern lernen kann.

   Ich werde nun im folgenden darstellen, was unter den von Frau Greve
genannten Voraussetzungen, so wir sie als wahre Prämissen aufassen, im
menschlichen Körper sich an Veränderungen einstellen müßte. Diese
Voraussetzungen sind: 1. Der Energiebedarf der Zellen wird allein und
ausschließlich durch Lichtenergie gedeckt. 2. Der Körper hat damit
alles, was er zum Leben braucht, es kommt nicht zu jenen Abbau- und
Umbauprozessen, die wir als pathophysiologische und pathobiochemische
Reaktionen vom Hungern und Verhungern kennen. Trotz fehlender
Glucosezufuhr kommt es nicht zur Gluconeogenese.   
   Frau Greve hat ihre These damit begründet, daß der Mensch
selbstverständlich in den Energiekreislauf der Natur eingebettet sei.
Hier meint sie mit Energiekreislauf aber nicht das, was wir in der
Biochemie darunter verstehen. Ansonsten haben wir nur das Wort von Frau
Greve, daß sie seit dreieinhalb Jahren ohne Wasser und Nahrung lebe, bei
verbesserter körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit.
   
   Der Energiekreislauf besteht darin, daß Pflanzen aus Sonnenlicht (über
das Chlorophyll), Wasser und dem in der Luft vorhandenen Kohlendioxid
Zucker und Sauerstoff bilden. Tiere nehmen diese Stoffe auf, indem sie
die Pflanzen fressen und atmen, und gewinnen die zum Leben notwendige
Energie dann aus der Umwandlung von Zucker und Sauerstoff in Wasser und
Kohlendioxid. Damit schließt sich der Kreislauf. (Vgl. dazu Lehrbücher
der Physiologie des Menschen oder der Biochemie, z.B. Lehninger AL:
Biochemie. S. 297)
   Biologische Systeme bauen sich auf aus Molekeln, die in großen Mengen
Kohlenstoff enthalten, den sie in irgendeiner Form ihrer Umgebung
entnehmen müssen. Je nachdem, wie das geschieht, unterscheidet man
autotrophe Systeme, die den Kohlenstoff direkt aus dem Kohlendioxid der
Luft entnehmen können, von den heterotophen Systemen, die den
Kohlenstoff zum Aufbau ihrer Biomolekeln aus ihrer Umgebung in relativ
kompliziert gebundener, reduzierter Form, z.B. als Glucose, aufnehmen
müssen. Deshalb benötigen die Heterotrophen den komplizierten
Verdauungsapparat; außerdem sind sie für den Nahrungserhalt auf ihre
Umgebung angewiesen.Die Autotrophen sind dagegen relativ autark (unter
der Annahme der globalen Verfügbarkeit von Wasser, Kohlendioxid und
Sonnenlicht). Photosynthetisch tätige Zellen und einige Bakterien sind
autotroph, die Zellen der höheren Tiere und die meisten Mikroorganismen
sind heterotroph.
Biologische Systeme können auch danach klassifiziert werden, wie sie die
notwendige Energie gewinnen (Lehninger AL: Biochemie. S. 295 f):
1.    Phototrophe Zellen verwenden Licht zur Energiegewinnung.
2.    Chemotrophe Zellen gewinnen Energie aus Redoxreaktionen: Sie
übertragen Elektronen von Elektronendonoren auf Elektronenakzeptoren.
a)    chemolithotrophe Zellen: Elektronendonoren sind einfache
anorganische Stoffe wie Wassestoff, Schwefelwaserstoff, Ammoniak und
Schwefel.
b)    chemoorganotrophe Zellen: Elektronendonoren sind komplizierte
organische Molekeln wie etwa Glucose.
Die große Mehrheit der Organismen ist entweder photolithotroph oder
chemoorganotroph.

   Danach leben wir alle von der Sonne, wir Menschen aber eben auf einem
indirekten Weg; der direkte Weg ist für uns unmöglich.
   Aus dem Energiekreislauf wird klar, daß der Mensch als
chemoorganotrophes Wesen als Kohlenstoffquelle organische Verbindungen
nutzen muß, die Energiegewinnung erfolgt über Redoxreaktionen, als
Elektronendonoren dienen organische Verbindungen (informative Tabelle in
LEHNINGER AL: Biochemie. S. 296).


   Im folgenden werde ich die 'harte' Version (Verzicht auf Wasser, auf
Nahrung) von der 'weichen' (Verzicht nur auf Nahrung, Wasser
unbeschränkt)  unterscheiden.
   Wir prüfen dieses System am gesichterten Wissen der Biochemie: Der
Mensch benötigt Energie zum Leben . Diese nimmt er mit der Nahrung auf,
er gibt sie im wesentlichen als Wärmeenergie wieder ab. Die
Energiegewinnung erfolgt als Glykolyse. Aus einer Molekel Glucose und
Sauerstoff, der mit der Lunge aufgenommen wird, entstehen vier Molekeln
Kohlendioxid und vier Molekeln Wasser (LEHNINGER ALBERT L: Prinzipien
der Biochemie. De Gruyter 1987, S.440). Kohlendioxid wird über die
Lunge; Wasser über Lunge, Haut, Nieren, Darm ausgeschieden.
Es gilt: C6H12O6 + O2  ® 4 CO2 + 4 H2O + Energie.

Frau Greve alias Jasmuheen dagegen behauptet:
a) Licht ® H2O + freier Energie; harte Version,
b) H2O + Licht ® H2O + freier Energie; weiche Version.

Wenn ihr Anspruch wahr ist, dann ergeben sich für ihren Körper folgende
biochemische Konsequenzen:
1.    Sie atmet zwar Sauerstoff ein; da sie ihn aber nicht verbrauchen
kann, atmet sie ihn in gleicher Menge wieder aus. Die
Sauerstoffpartialdrucke pO2 von Ein- und Ausatemluft sind gleich.
2.    CO2 wird nicht gebildet, weil keine Glykolyse abläuft.
3.    CO2 kann nicht gebildet werden, weil die C-Atome des CO2 aus der
Nahrung stammen, die Jasmuheen ja nicht zu sich nimmt.
4.    Also kann die Ausatemluft kein CO2 enthalten.
5.    Mangels Glykolyse wird das Blut lediglich einmal mit Sauerstoff
(Hämoglobin-Sauerstoff und physikalisch gelöster Sauerstoff)
aufgesättigt, danach bleibt der Sauerstoffgehalt des Blutes konstant.
6.    Da die Peripherie diesen Sauerstoff nicht verbrauchen kann, ändert
sich der O2-Gehalt des Blutes beim Übergang vom arteriellen zum venösen
Blut nicht. Die Sauerstoffkonzentration von arteriellem und venösem Blut
ist gleich. Bei Jasmuheen ist auch das venöse Blut hellrot.
7.    Jasmuheens Blut enthält keine Glucose. Der Energiebedarf wird ja aus
dem Licht gedeckt. Zur Gluconeogenese kommt es nicht, weil die
Körpersubstanz ja nicht angegriffen wird.
8.    Da der Körper kein Organ hat, das ihm gestattet, die Energie der
Lichtwellen in freie chemische Energie umzuwandeln, lautet Jasmuheens
These tatsächlich:
a)    harte Version: [Nichts] ® H2O + Energie.
b)    weiche Version: H2O ® H2O + Energie.

   Auch der Laie sieht den Widerspruch.

9.    Vitamine sind definitionsgemäß Stoffe, die der Körper nicht selbst
herstellen kann, also von außen aufnehmen muß. Diese Eigenschaft folgt
nicht aus der Definition; die Definition gründet auf dem faktischen
Wissen als Ergebnis der Naturforschung, daß Stoffe mit dieser
'Eigenschaft' der Nichtherstellbarkeit durch den Körper existieren.
   Das wahrscheinlich bekannteste Vitamin ist das Vitamin C
(Ascorbinsäure). Sein   geläufigste Mangelerscheinung ist der Skorbut. Der
Tagesbearf des Erwachsenen    beträgt etwa 100 mg.

   Wären die Behauptungen von Jasmuheen zutreffend, dann kann ihre Theorie
durch die Bestimmung der Vitaminkonzentrationen im Serum oder der
Vitamin C-Auscheidung im Urin geprüft werden. Dabei ist zu
berücksichtigen, daß Vitamine unterschiedlich lange gespeichert werden
können, Vitamin B12 z.B. 3 - 5 Jahre. Beim Vitamin C treten
Mangelsymptome 2 - 4 Monate nach Unterbrechung der exogenen Zufuhr auf,
also dürfte ihr Körper nach 3,5 Jahren Fasten kein Vitamin C mehr
enthalten.
   Dies sind die biochemischen Konsequenzen der Jasmuheenschen Hypothese.
Für den Naturwissenschaftler ist damit die Überprüfung dieser Hypothese
ganz einfach. Er braucht nur den CO2-Gehalt der Ausatemluft und den
Sauerstoffpartialdruck des venösen Blutes von Jasmuheen zu messen.
Prinzipiell genügte sogar die Blutzuckerbestimmung, wie sie jeder
Hausarzt in zwei Minuten durchführen kann. Langwierige und kostspielige
Hungerversuche, wie von den Anhängern behauptet, sind gar nicht
notwendig.
   Durch die physiologische Naturforschung wissen wir, daß die Haut des
Menschen keinen absolut undurchlässigen Abschluß gegen die Umwelt
bietet. Die Haut gibt ständig Wasser aus dem Körper gasförmig in
unterschiedlichen Mengen an die Umwelt ab: Perspiratio insensibilis. Der
Körper verliert also ständig Wasser, die absoluten Mengen hängen von den
Umweltbedingungen ab. Den Wasserverlust gleicht der Körper aus durch
Trinken, mit dem in der Nahrung enthaltenen Wasser (unsere
Nahrungsmittel bestehen zu etwa 70% aus Wasser) sowie durch das im
Intermediärstoffwechsel entstehende Wasser (Übertragung von Protonen auf
OH--Gruppen).
   Auch mit der Ausatemluft wird über die Lunge ständig Wasser abgegeben,
in 24 Stunden etwa ein Liter.
   Da die Nierenfiltration ein mechanisches Ergebnis des Blutdrucks ist,
kann die Niere, solange ein Blutdruck meßbar ist, ihre Urinproduktion
nicht einfach einstellen, so daß auch hier ein ständiger Wasserverlust
entsteht, der aufgrund des Baus der Niere einen Verlust von Salzen
impliziert.
   Alle diese Parameter sind leicht nachprüfbar.

   Aus Licht allein kann Wasser nicht entstehen. Wenn also in der harten
Version angeblich kein Wasser aufgenommen wird, müßte der Proband sehr
schnell austrocknen; er würde keine drei Tage überleben.
   Für die weiche Version gilt: Der Durchschnittsmensch kann bei völliger
Nahrungsverweigerung, aber unbegrenzter Wasserzufuhr etwa 65 Tage
überleben. Dies haben die Hungerstreiks der Bader-Meinhof-Gruppe
gezeigt; der Tod trat etwa 65 Tage nach Beginn des Hungerstreiks ein bei
einem Körpergewicht von etwa 27 kg. Allerdings: Er kann nicht diese 65
Tage bei bester Gesundheit überleben. Er verliert an Gewicht und es
stellen sich alle pathobiochemischen und pathophysiologischen Prozesse
ein, die für den Hungerzustand typisch sind.
   Es wird immer wieder behauptet, daß die pseudomedizinischen Systeme
nicht von der Naturwissenshaft beurteilt werden könnten. Hier offenbart
sich die Hohlheit dieser Phrase, denn dieses Beispiel zeigt
überdeutlich: Systeme, die Aussagen über die Natur machen, sind sehr
wohl innerhalb des Systems der Naturwissenschaften beurteilbar, in
diesem Fall sogar endgültig beurteilbar. Da helfen keine
Feyerabend-Thesen und keine pseudologischen Ausflüchte.

   RUDOLF VIRCHOW hat 1874 vor der Gesellschaft Deutscher Naturforscher
und Ärzte einen Vortrag gehalten Über Wunder (abgedruckt in AUTRUM,
a.a.O., S. 91-108). Anlaß war der Fall Louise Lateau und die an ihn
ergangene Aufforderung, diesen zu untersuchen, was er ablehnte.
   Louise Lateau aus Bois d'Haine in der Diözese Tournay im wallonischen
Belgien stammte aus ärmlichen, zerrütteten Verhältnissen. Nachdem sie
Novizin eines Franziskanerklosters geworden war, traten bei ihr
wunderhafte Erscheinungen auf, nämlich Stigmata, die Kreuzigungsmerkmale
des Herrn, darüberhinaus wurde aus ihrer Umgebung ernsthaft versichert,
sie habe seit drei Jahren keine Nahrung zu sich genommen.
   VIRCHOW fragt sich nun (AUTRUM, a.a.O., S. 102), "[woher das Mädchen
denn die Kohlensäure nimmt, die sie dreieinhalb Jahre lang zweifellos
ausscheidet.] Das müßte doch auf irgendeine Art und Weise zu
konstatieren sein. Es wäre in der Tat eine sonderbare Sache, wenn man
sich vorstellen müßte, daß die göttliche Absicht dahin führte, ein neues
Quantum von Kohlenstoff in die Welt zu setzen, daraus Kohlensäure
entstehen zu lassen und so das auf der Erde gegebene Maß von Kohlenstoff
zu vermehren. Während bisher alle Chemiker und Physiker an der
Unveränderlichkeit der Materie festhalten, ja behaupten, daß die
gegebene Quantität Kohlenstoff invariabel sei, bringt Louise täglich ein
neues Quantum Kohlenstoff hervor, wie die Meteoriten neues Eisen
bringen, nur daß diese nach unweigerlichen Gesetzen zirkulieren, hier
aber eine neue Kreation den Kohlenstoff erzeugt, ja sogar in den Körper
der Louise Lateau hineinbringt.  Sicherlich ein sehr schwieriges
Problem, aber eines, welches doch angreifbar ist. Denn daß eine so
anhaltende Entziehung der Nahrung ohne Abgabe von Kohlensäure durch die
Lunge stattfinden sollte, daß etwa die Kohlensäure in der ausgeatmeten
Luft fehlte, Louise also vielleicht atmete, ohne Kohlensäure zu
erzeugen, was ein noch viel größeres Wunder sein würde als die Stigmata,
das ist bisher nicht behauptet worden.
   Ich darf vielleicht daran erinnern, wie lange es gedauert hat, ehe die
Begriffe über die Elemente sich gereinigt haben. Wie lange hat es als
höchstes philosophisches und naturwissenschaftliches  Gesetz gegolten,
daß wir nur vier Elemente hätten, bis allmählich die chemische Ananlyse,
zuerst im ungläubigen Orient, dann allmählich auch im Okzident den
Nachweis führte, daß diese prätendierten Elemente gar keine seien, bis
wir neue Elemente kennen lernten und diese an die Stelle der alten
gesetzt wurden. So ist die revolutionäre Wissenschaft. [...]
   Meine Erörterung soll nicht verletzend sein. Aber ich muß sagen, wenn
man in dieser Weise die Errungenschaft ganzer Jahrhunderte abstreitet,
dann dürfen wir doch darauf hinweisen, daß in jedem Falle, wo es möglich
gewesen ist, das vermeintliche Wunder unter volle naturwissenschaftliche
Kontrolle zu stellen, es sich als natürlich enthüllt hat."

   Frau Greve wird das nicht kümmern. Sie wird einfach behaupten, in ihrem
speziellen Organismus sei diese Umwandlung von Licht in Kohlendioxid und
Wasser möglich. Was der ganzen Wissenschaft nicht gelingt, ihr gelingt
es eben. Vielleicht muß man sich Gedanken um jene machen, die auf Unsinn
dieser Art hereinfallen. Vielleicht sollten wir unser Schulsystem unter
die Lupe nehmen.
   Versuche, aus Blei Gold zu machen, aus dem billigen Element das teure,
gab es viele in der Menschheitsgeschichte. Erst die Physik der Neuzeit
hat erklärt, warum dies ein ebenso nutzloser Traum ist wie das Perpetuum
mobile. Trotzdem werden solche sinnlosen Träume immer noch erfolgreich
zur Bauernfängerei benutzt: Trutz Hardo und sein singender angeblicher
Priester, dessen Lieder Amalgamplomben in Gold verwandeln oder die
vielen Pläne neuer Perpetua mobilia, die jährlich bei den Patentämtern
eingingen, so daß diese jetzt die Annahme grundsätzlich verweigern.
   Der Frankfurter Verlag Vittorio Klostermann - und wer den Verlag kennt,
wird richtig ahnen, was kommt - hat 1942 ein Buch publiziert: Hauschka
Rudolf: Substanzlehre. Zum Verständnis der Physik, der Chemie und
therapeutischer Wirkungen der Stoffe. Der Autor ist dem
anthroposophischen Dunstkreis zuzurechnen, auch wenn er Steiners Namen
geflissentlich unerwähnt läßt. Der Autor hat von Chemie, Physik und
Therapie keine Ahnung; insofern ist das Buch völlig uninteressannt. Aber
es ist eine vortreffliche Fundstelle jenes verqueren Denkens, wie es
vor, während und nach Steiner von den selbsternannten Propheten in die
unkritischen Köpfe der Nation gepflanzt wurde.
   Der Anhang von knapp 50 Seiten gibt die Forschungsarbeiten (um 1876)
eines gewissen Freiherrn von Herzeele aus Freienwalde an der Oder
wieder.  Hauschka führt den Freiherrn so ein: Es dürfte dem Bedürfnis
einer größeren Zahl von Denkern und Forschern entgegenkommen, einem
Experimentator des vorigen Jahrhunderts, der im Sinne Goethescher
Naturanschauung forschte, zu begegnen. Goethe kann und darf nicht
fehlen. Man fragt sich, was der Dichter wohl mit denen gemacht hätte,
die ihren Schwachsinn mit seinem Namen legitimieren wollen.
   v. Herzeeles Grundthese, die dann auch von Hauschka gepredigt wird,
ist, daß nicht, wie von der Wissenschaft behauptet, die organischen
Stoffe aus den anorganischen entstanden sind, sondern die anorganischen
entstehen aus den organischen. Also wieder einmal eine schlichte
Umkehrung. Hinzu kommt, daß aus einem organischen Stoff, der z.B. gar
kein Magnesium oder Kalium enthält, eben Magnesium und Kalium entstehen
können, was die Einwirkung kosmischer Kräfte beweist. Die Vesuche des
Freiherrn ergeben im wesentlichen, daß zwischen Beginn und Ende des
Versuchs eine Zunahme des gemessenen anorganischen Stoffes eintritt, was
nach Versuchsanordnung, nach zeitgenössischer und heutiger Chemie und
Physik unmöglich ist. Die Entstehung von Magnesium in der Erdgeschichte
erklärt er dann so: In dem allgemeinen Vorkommen der Magnesia zeigt sich
ein neuer Beweis dafür, daß die Atmosphäre in früheren Zeiten reicher an
Kohlensäure gewesen ist wie jetzt, denn nur in einer solchen konnten die
damals wachsenden Pflanzen die großen Mengen von Magnesia bilden, welche
wir in den vershiedenen Gebirgsarten finden. Pflanzen haben aus dem
Kohlendioxid der Luft das Magnesium gebildet. Ein wahrhaft kühner
Gedanke, eines Freiherrn in der Nachfolge Goethes würdig.
---------------------------------------------------------------------------------------------------------
[*/QUOTE*]
Gespeichert
Würde ich von Licht leben,
müßte ich grün sein.