Offener Brief an Dr. med. Karl-Heinz Friese, HNO / Weil der Stadt

 

Per E-Mail, am 22.10.2005


 

Sehr geehrter Herr Dr. Friese,

ich möchte Ihnen heute gerne Phiola vorstellen. Phiola ist eine Homepage die sich mit der Homöopathie auseinandersetzt:

http://www.transgallaxys.com/~phiola/

Ich wurde auf Sie aufmerksam, weil Sie auf einem homöopathischen Kongress Folgendes verlauten ließen: "Antibiotika sind nach Ansicht von Friese bei Otitis media nur dann indiziert, wenn eine Mastoiditis vorliegt."

Diese Aussage wurde in der "Ärztezeitung" am 19.10.2005 veröffentlicht und somit einem Großteil der Ärzteschaft zugänglich gemacht.

http://www.aerztezeitung.de/docs/2005/10/19/187a1401.asp?cat=/medizin

So habe ich mich entschieden, Ihnen einen offenen Brief zukommen zu lassen, denn ich habe ein paar Fragen an Sie, über deren Beantwortung ich mich freuen würde:

  1. Warum behandeln Sie eine Mastoiditis nicht auch homöopathisch?
  2. Warum kommt bei Ihnen in diesem Falle die Schulmedizin zum Einsatz, obwohl diese gemäß der homöopathischen Lehre nur unterdrückt?
  3. Warum wirkt die Homöopathie, gemäß Ihren Ausführungen, bei einer vereiterten Mittelohrentzündung, jedoch nicht bei einem vereiterten Knochen in Hirnnähe?
  4. Oder umgekehrt: Woher wissen Sie, daß die Homöopathie bei einer vereiterten Mittelohrentzündung wirkt, aber bei einem vereiterten Knochen nicht?
  5. Glauben Sie an die Homöopathie?

Einer Antwort von Ihnen sehe ich mit Spannung entgegen.

Mit freundlichen Grüßen,

Phiola

P:S: Die Veröffentlichung dieser Anfrage finden Sie unter http://www.transgallaxys.com/~phiola/mail_friese.htm

 


Herr Dr.Friese war so freundlich mir am 23.10.2005 zu antworten. Er schrieb Folgendes (ich lasse den Header der Nachricht aus Datenschutzrechtlichen Gründen weg):

 

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

ich möchte Ihre Fragen wie folgt beantworten:

1. Eine Mastoiditis lässt sich oft auch homöopathisch behandeln, das
Hauptmittel wäre Capsicum. Es kommt auf das Ausmaß der Mastoiditis an.
Wenn hinter dem Ohr eine Schwellung auftritt, die Ohrmuschel absteht
und sich röntgenologisch die Knochenzellen hinter dem Ohr auflösen, ist
meiner Einschätzung eine antibiotische Behandlung angezeigt. Es besteht
bei dieser Form akute Lebensgefahr.

2. Manchmal muss man auch zu unterdrückenden Medikamenten greifen, aber
nur nach sorgfältiger Abwägung.

3. Dies zeigt die Erfahrung. Wenn sich nach einer Mittelohrentzündung in
vielleicht einem von 1000 Fällen der Eiter im Knochensystem festgesetzt
hat, liegt eine schwere Komplikation vor, die sich einer
Therapie mit regulativen Medikamenten, und dies sind Homöopathika,
entziehen.

4. Meine Erfahrung mit akuten Mittelohrentzündungen ist aufgrend der
hohen Inzidenz sehr hoch, bei der Mastoiditis gering.

5. Nein. Homöopathie ist keine Glaubensfrage. Sie wirkt ohne Glauben.
Davon kann ich mich dann täglich überzeugen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr.med.Karl-Heinz Friese
www.dr-friese.de


24.10.2005 Antwort von mir, ebenfalls per Mail:

 

Sehr geehrter Herr Dr. Friese,

vielen Dank für Ihre freundliche Antwort. Gleichwohl ich etwas irritiert bin.
Sie schrieben:

>1. Eine Mastoiditis lässt sich oft auch homöopathisch behandeln, das
>Hauptmittel wäre Capsicum. Es kommt auf das Ausmaß der Mastoiditis an.
>Wenn hinter dem Ohr eine Schwellung auftritt, die Ohrmuschel absteht
>und sich röntgenologisch die Knochenzellen hinter dem Ohr auflösen, ist
>meiner Einschätzung eine antibiotische Behandlung angezeigt. Es besteht
>bei dieser Form akute Lebensgefahr.

Wenn ich jedoch meinen Organon aufschlage und die Homöopathie richtig verstanden habe, hat diese nichts mit Lebensgefahr oder nicht zu tun, wenn ich nur das ähnlichste aller Mittel finde.
So schreibt Hahnemann:

<Zitat>
Es giebt nur zwei Haupt-Curarten: diejenige welche all´ ihr Thun nur auf genaue Beobachtung der Natur, auf sorgfältige Versuche und reine Erfahrung gründet, die (vor mir nie geflissentlich angewendete) homöopathische, und eine zweite, welche dieses nicht thut, die (heteropathische, oder) allöopathische. Jede steht der andern gerade entgegen und nur wer beide nicht kennt, kann sich dem Wahne hingeben, daß sie sich je einander nähern könnten oder wohl gar sich vereinigen ließen, kann sich gar so lächerlich machen, nach Gefallen der Kranken, bald homöopathisch, bald allöopathisch in seinen Curen zu verfahren; dieß ist verbrecherischer Verrath an der göttlichen Homöopathie zu nennen!
</Zitat>

Ich finde als Homöopath sollte man Hahnemann vertrauen. Warum wählt ein homöopathisch arbeitender Arzt gerade dann, wenn Lebensgefahr besteht, die schlechtere Medizin, nämlich die, die nicht heilen kann?
Sie sehen das völlig richtig. Eine Mastoiditis ist eine lebensgefährliche Angelegenheit, die erst recht außerordentlicher Heilung bedarf.
Mit allöopathischem Aktionismus macht man sich doch nur den Patienten unzugänglich für die göttliche Homöopathie.

>5. Nein. Homöopathie ist keine Glaubensfrage. Sie wirkt ohne Glauben.
>Davon kann ich mich dann täglich überzeugen.

Sie werden zugeben: Ihre Überzeugung läßt zu wünschen übrig. Es gibt in Wirklichkeit keinen Grund warum man eine Mastoiditis nicht mit Homöopathie behandeln sollte, wenn man denn an die Homöopathie glaubt, außer einem:
Man ist sich bewußt darüber, daß die Homöopathie nicht wirklich wirkt und verließ sich bei allem was man vorher homöopathisch unternommen hat, auf die nicht seltenen Selbstheilungen bei Otitis media.
Wenn eine Mastoidits auftritt, hat man sich eindeutig zu lange darauf verlassen und es ist mit keiner einzigen verfügbaren Leitlinie übereinzubringen, daß man erst ein Antibiotikum verschreibt, wenn eine so schwerwiegende Komplikation wie eine Mastoiditis auftaucht.

Hochachtungsvoll,

Phiola