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Author Topic: NZZ_BLOG_ARCHIV Stadler 23. April 2009 "Hundescheisse als Medikament"  (Read 1514 times)

ama

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Beda Stadler

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23. April 2009, 10:28, NZZ Blogs
Eidg. Abstimmung vom 17. Mai - Komplementärmedizin
Hundescheisse als Medikament
Wahrheit kann, muss aber nicht vulgär sein

Alternativmedizin hat oft unterhaltsame Beipackzettel. Excrementum caninum, ein homöopathisches „Medikament“, hat eine vielversprechende Wirkung. Sollte sowas jeder in der Hausapotheke haben? Urteilen Sie selber.

Excrementum caninum wird bei Schlafmangel als „Folgen von Besetzung durch Eltern oder Kinder oder Partner, Folgen von zu viel mit Alkohol und Rauchen, Schokoladeverlangen, Depression durch Arbeitsplatzverlust“ empfohlen. Ebenfalls bewährt sei es bei: Niesen, Augentränen, Heuschnupfen, geistiger Benommenheit.

Der Lateiner hat längst verstanden, dieses „Medikament“ ist gewöhnliche Hundescheisse. Soll ich meine Schokoladenlust mit dieser Hundescheisse kurieren?

Wer glaubt, ich würde eine solche „Scheisse“ erfinden, irrt. Auf der „Homöopathieforschung“ Webseite von Dr. Eberle und Dipl. Ritzer
( http://www.homoeopathieforschung.de/mittel.php?reper=19 ) können sie selber nachlesen, was wie ein Witz tönt, aber keiner ist. Die beiden Homöopathen sind universitär gebildet. Der eine hat mal Medizin der andere Theologie studiert. Nach Annahme der Komplementärinitiative werden wohl auch bei uns einige Theologen die Homöopathie als Nebenerwerb entdecken. Ärzte haben dann ohnehin das Recht dazu…

Dr. Eberle und Dipl. Ritzer bieten uns noch andere alternative Wundermittel an: Bei „Uranium metallicum“ und „Plutonium nitricum“ sind keine Lateinkenntnisse nötig um zu verstehen, dass man damit noch mehr verscheissert wird als mit Excrementum caninum. Woher haben die zwei ihre Ausgangsmaterialien? Insbesondere bei „Placenta humana“ habe ich mich das gefragt. (Soll übrigens bei Wut und Streit mit der Mutter und Morbus Crohn wirken. Der kannibale Stoff soll auch gegen Charaktereigenschaften wie "anerkennungssüchtig, sexsüchtig, oder drogensüchtig" wirken).

Die beiden Homöopathen kann man nicht anzeigen. Der Verkauf von Fäkalien, radioaktiven Stoffen (die zur Herstellung von Atombomben dienen), oder von Menschenfleisch ist zwar untersagt, aber die Wissenschaft schützt beide. Der nächste Blog wird zeigen weshalb.

Trotzdem, meine Schokoladensucht ist mir lieber als derartige „Medikamente“.

Beda Stadler - Immunologe, Uni Bern

 
Leser-Kommentare: 16 Beiträge

ama ama (24. April 2009, 16:05)
Plutonium beim Heilpraktiker

Die Grenzfälle des Wahnsinns sind so häuzfig, daß man sie als Norm betrachten kann. Da gibt es zum Beispiel Röntgenstrahlung, Venuslicht oder Plutonium als homöopathischen Mittel. Besonders kraß ist der Fall "Vakuum".
Wie verdünnt man ein Vakuum!?
http://www.transgallaxys.com/~kanzlerzwo/showtopic.php?threadid=1171


ama ama (24. April 2009, 16:01)
Hundescheiße ist im Fachhandel zu haben
Luzi Bergamin schreibt:
"Wenn der selbsternannte Rationalist schon nichts als Polemiken zu bieten hat, sollten diese wenigstens lustig und gut geschrieben sein."

Hundescheiße als Arzneimittel ist doch keine Erfindung von Beda Stadler, sondern ein anerkanntes (!) homöopathisches Mittel, das auch über den Fachhandel verkauft wird. Selbstverständlich wird es bei Patienten eingesetzt.
Warum wird es als Polemik bezeichnet, wenn man auf diesen haarsträubenden Fall hinweist? Antwort: Weil die Esotter fachlich nichts drauf haben.

Hans Martens (22. April 2009, 17:22)
Nachtrag
Nachtrag: Ludwik Fleck schrieb sein international anerkannte Werk: “Entstehung einer wissenschaftlichen Tatsache” 1935, und nicht schon im Jahre 195, sorry.
Zum zitierten Gruselkabinet findet man die haarsträubenden Indikationen unter:
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_hom%C3%B6opathischer_Grundsubstanzen

Hans Martens (22. April 2009, 16:49)
@ Thomas Marti
Die Vision der "reinen Wissenschaft" wurde spätestens von Ludwik Fleck 195 zu Grabe getragen, der Ausdruck kommt in unserem postmodern angehauchten Zeitgeist nicht mehr vor: Sie rennen offene Türen ein.

Betr. Okkultismus und Mittelalter finde ich im A.M.-Gruselkabinett:

Carc: Krebszellen eines Brustkarzinoms
Med: Unbehandeltes Gonokokkeneiter
Psor: Unbehandeltes Krätzebläschensekret
Pyrog: Extrakt aus gehacktem, verwestem Rindfleisch
Syph: Das sterilisierte Sekret eines luetischen Geschwürs
Bufo: Gift aus den Hautdrüsen der Erdkröte u.a.m. Mir jedenfalls reicht's. Hundekacke kommt ja noch dazu.

andreas furrer (22. April 2009, 12:40)
ist schokolade ein verzeigbares exkrement?
ertragreich scheint sie jedenfalls zu sein.
 

Thomas Marti (21. April 2009, 20:13)
... und bitte auch differenziertere Urteile!
Stimme im Prinzip zu. Nur: auch in der so genannt anerkannten Wissenschaft gibt es verbreitete Vorstellungen aus dem 17. Jahrhundert. Z.B.: Es gäbe eine "reine" Wissenschaft; ihre Erkenntnisse machten unfehlbar; die Natur (und der Mensch) sei im Prinzip im Reagenzglas erforschbar; Wissen sei nur als Herrschaftswissen wirkliches Wissen. Gerade letzteres liegt in gefährlicher (und verführerischer) Nähe zu Macht und Manipulation. Wer diesen Zusammenhang verdeckt (auch eine Form des Okkultismus) ist entweder naiv oder lenkt von seiner tatsächlichen Macht (oder dem Wunsch danach) ab. Das Bemühen, aus Verfehlungen zu lernen ist vielerorts bemerkbar und anerkennenswert. Nur darf dies auch den „Komplementären“ zugestanden werden. Deshalb bitte nicht nur „feinere Unterschiede“, sondern auch differenzierere Urteile: Die pauschale Gleichung Komplementärmedizin = Scheisstherapie erinnert doch allzu sehr an mittelalterliche Hexenverfolgung (oder aktueller: an den Auftritt Irans in Genf).

Hans Martens (21. April 2009, 00:18)
Feiner Unterschied
@ Thomas Marti: Die VIOXX-Geschichte ist in der Tat nicht lustig. Die Tatsache, dass im Grenzbereich zwischen Wissenschaft und dem Markt noch Einiges im Argen liegt, ist ebenfalls unbestritten; da herrscht punktweise Handlungsbedarf. Der Unterschied ist m.E. der, dass bei VIOXX aufgeklärte Forscher Gutes tun wollten, und ausschliesslich die zeitgemässen Mittel und Werkzeuge verwendet hatten, auch wenn es schief gegangen ist. Lernnen wird man daraus. Bei Excr. cani oder Oscillo & Co. war ein Gedankengut im Spiel, das ich nur Beliebigkeit, Spekulation und Okkultismus nennen kann. Und das ist eben leider Scharlatanerie. Auch ist kein Lernwille erkennbar.

Hans Martens (20. April 2009, 22:51)
Feiner Unterschied
@ Thomas Marti: Die VIOXX-Geschichte ist in der Tat nicht lustig. Die Tatsache, dass im Grenzbereich zwischen Wissenschaft und dem Markt noch Einiges im Argen liegt, ist ebenfalls unbestritten; da herrscht punktweise Handlungsbedarf. Der Unterschied ist m.E. der, dass bei VIOXX aufgeklärte Forscher Gutes tun wollten, und ausschliesslich die zeitgemässen Mittel und Werkzeuge verwendet hatten, auch wenn es schief gegangen ist. Lernnen wird man daraus. Bei Excr. cani oder Oscillo & Co. war ein Gedankengut im Spiel, das ich nur Beliebigkeit, Spekulation und Okkultismus nennen kann. Und das ist eben leider Scharlatanerie. Auch ist kein Lernwille erkennbar.

Luzi Bergamin (20. April 2009, 16:11)
Schaf vs. Schlaf
Nun leidet man also unter Schlafmangel und ohne den netten Tippfehler ist der Eintrag seines letzten Reizes beraubt worden.

Thomas Marti (20. April 2009, 15:45)
Nochmals zur Business-Verlockung
Wie "wissenschaftlich" es auch im Bereich von schulmedizinischen Medikamenten zu- und hergehen kann, lässt sich hier nachlesen (wenn auch kein so lustiges Beispiel): http://www.arznei-telegramm.de/html/2004_11/0411126_01.html
Sollte man daraus den Schluss ziehen, dass alle Schulmediziner Scharlatane sind, wie dies Stadler & Co den Komplementären gegenüber tun, nur weil sie im Glauben lebten, VIOXX wäre was Gutes?
 

Luzi Bergamin (20. April 2009, 14:16)
Dieser Blog leider sicher nicht an Schafmangel
Dass Beda Stadler kein excrementum caninum nötig hat, wundert mich nicht. An Schafmangel leidet ein solcher pecus ja sicher nicht.
Wenn der selbsternannte Rationalist schon nichts als Polemiken zu bieten hat, sollten diese wenigstens lustig und gut geschrieben sein.

Hans Martens (20. April 2009, 13:17)
Oscillococinum ist auch sehr lustig!
http://www.homeowatch.org/history/oscillo.html

Matthias Denzler (20. April 2009, 13:16)
Nebenwirkungen
Das mit den Nebenwirkungen ist ein interessanter Punkt. Und man kann der Homöopathie ja vieles vorwerfen, aber hier hat sie einen Vorteil: Es gibt garantiert, zweifelsfrei und wissenschaftlich überprüfbar keine unerwünschten Nebenwirkungen! ;-)

Elfi Wiesmann (20. April 2009, 12:32)
Wissenschaftlichkeit
Einst begegnete die katholische Kirche der entstehenden Naturwissenschaft äusserst verbissen. Nicht erstaunlich, wurde dadurch doch ihr Glaubensgebäude in Frage gestellt. Heute begegnen Schulmediziner der Komplementärmedizin äusserst verbissen. Nicht erstaunlich, stellen diese doch ihr kausal-reduktionistische Glaubensgebäude in Frage. Am verbissensten argumentieren diejenigen, welche glauben nichts zu glauben und nicht merken, mit welchen unreflektierten Axiomen sie operieren, z.B., der Mensch sei nur ein linear-graduell komplexeres Phänomen als eine Billiardkugel. In der Medizin ist diese Form von Unwissenschaftlichkeit weit verbreitet. Verstehen ist irrelevant, Wirkung ist alles. Pharma- und andere Industrien liefern zweifellos wirksame Substanzen. Weil oft nicht verstanden wird, was weshalb bewirkt wird, kommt es immer wieder zu – teils dramatischen – Nebenwirkungen oder Kollateralschäden. – M. Wiesmann

Daniel Niklaus (20. April 2009, 12:30)
Bin verunsichert
Reklamieren Sie jetzt über Ärzte die Hundescheisse verkaufen, um Geld zu machen oder wegen der Hundescheisse, welche an Patienten abgegeben wird?
Gut, ich möchte ja kein solches Medikament. Nur wohin zielt Ihre Kritik? Denn sie regen mich jetzt mehr an, in die Richtung der Ärzte zu denken. Also auch an jene, die für jeden Bockmist süchtig machende Pharma-Produkte abgeben, Operationen verschreiben, die nicht nötig sind usw.
 
Max Blatter (20. April 2009, 12:01)
Wo bleibt die Wissenschaftlichkeit?
Mir scheint, das Niveau der Blogs sinkt mehr und mehr. Die zum Schmunzeln anregende Anekdote über Hundescheisse und Plazenta sagt ja überhaupt nichts Wissenschaftliches über eine allfällige Wirksamkeit oder Unwirksamkeit aus. Hoffentlich kommt Besseres nach.
 
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« Last Edit: May 18, 2009, 05:05:40 PM by ama »
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