07.06.2005

Hurra, ein Opfer!

 

Ich bin heute zum ersten Mal dabei, bei diesem Kurs. Ich habe beschlossen, direkt aus der "Höhle des Löwen" zu berichten. Ich führe mein Protokoll in den Sitzungen. Es ist ein Protokoll, daß vor allem Dinge berücksichtigt, die kaum auffallen, weil sie von Homöopathen bewußt kaschiert werden, oder welche die meisten Menschen einfach nicht wahrnehmen, weil sie dem Blendwerk der Homöopathen erlegen sind, und deshalb nicht genau zuhören. Die Homöopathie ist mir vertraut. Ich kenne ihre Arbeitsweise und die Basis dieses wildwuchernden "Heilertums".

Die Unterrichtende ist eine klassisch-homöopathische Ärztin. Tief verwurzelt mit dem mystischen Unterbau der Homöopathie, und mit nur noch wenig Bodenhaftung zu dem, was Wissenschaftlichkeit ist. Der Kurs ist gut besucht. 27 Leute sind heute da. 25 Frauen, 2 Männer.

Ich habe wirklich Glück. Gleich am ersten Tag meines Erscheinens, ist ein echter Patient da.
Man könnte mir ja nun vorwerfen, daß ich keine Ahnung hätte, weil ich schließlich zum ersten Male so eine Sitzung besuche, und das werden die Homöopathen auch tun, weil sie das immer tun, wenn ihnen keine andere Ausrede mehr einfällt (ich werde rechtzeitig einen elektronischen Postkasten installieren, damit das Gejammer auch ein Ventil bekommt).

Aber: Die Fehler sind so offensichtlich und so eklatant, und die Homöopathie ist so banal, daß es für deren Enttarnung nur einen klaren, esoterikfreien Verstand braucht.

Wir haben hier nun einen Patienten. Er ist krank. Chronisch krank. Regelmäßige Arztbesuche sind notwendig, weil er sonst schwerwiegende Schäden davon trägt Es gibt dazu eine klare Diagnose und eine klare Therapie. Es waren mehrere Spezialisten beteiligt.

Nun beginnt ein Spiel. Ein böses Spiel, bei dem man zum Schluß fast vergißt, was dieser Patient eigentlich hatte.

Das Spiel heißt Anamnese, und markiert den Teil, der Homöopathie, der einen wahren Geldregen für den Homöopathen bedeutet: Endloses Ausfragen des Patienten.

Der Homöopath beginnt am Kopf und arbeitet sich nach und nach bis zur letzen Darmwindung vor. Es gilt jeder falsche Wind im Gedärm, auch wenn dieser in der Kindheit stattfand. Und wehe, Sie können sich nicht mehr erinnern, in welchem Alter Sie Masern hatten. Dann wird so lange gefragt, bis Sie entnervt antworten: "Mit 4!" Ob das stimmt oder nicht, ist einerlei. Die Haupsache ist, es gibt eine Antwort.

So bekommen wir schon mal eine ordentliche Menge an körperlichen Symptomen, von der Kindheit bis zum heutigen Tage zusammen:

Aber das reicht natürlich noch nicht. Damit bekommt man mit etwas Übung höchstens 20 Minuten voll, bei einer Sitzung, die, wenn sie lukrativ sein soll, wenigstens eine Stunde dauern muß.
Wir brauchen also mehr. Da bietet es sich an, auf Gewohnheiten auszuweichen.

Die nächsten 20 Minuten sind also ausreichend verplant. Der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Der Homöopath kann fragen, was er mag. Außerdem ist der Patient nun so weich gekocht, daß er in die entscheidende Phase übertritt: Er beginnt von seinem Leben zu erzählen. Das braucht der Homöopath, denn:

Egal was Sie für eine Krankheit haben. Psychische Symptome sind die wichtigsten!

Denn nun beginnt er. Der absurdeste Teil der Anamnese:

Absurd schon allein deshalb, weil die Grundvoraussetzung für die Interpretation der Aussagen des Patienten fehlt.

Wenn psychische Symptome das angeblich Wichtigste an der Homöopathie sind:

Warum haben Homöopathen dann keine psychologische Ausbildung und dilletieren auf niedrigstem Laienniveau?

Das läßt sich leicht erklären: Sie brauchen keine!

Sie brauchen keine, weil der Meister aller Homöopathen, Hahnemann, etwas genutzt hat, das jeder Mensch kann, und das auch ausgiebig von jedem betrieben wird:

Banalste Gossenpsychologie

Damit Sie das verstehen, ein paar Beispiele:

Der Mensch reist viel und gerne --> Gemäß Homöopathen und der Gosse, eine Entwurzelung
Der Mensch reist nicht gerne --> Trägheit, Bequemlichkeit, Verbundenheit mit dem Wohnort
Der Mensch hat Ärger mit dem Ehepartner --> Kränkung
Der Mensch ist gerade solo --> Einsamkeit
Ihm gefällt die Einsamkeit --> Kontaktscheu

Und so geht das weiter und weiter. Egal was der Patient antwortet, es wird interpretiert, was das dumpfe Gerede Hahnemanns hergibt. Immer an den Arzneimitteln entlang, bei denen psychische Symptome ganz vorne in der materia medica stehen.
Der Gipfel der Frechheit der Homöopathen, besteht schlußendlich auch noch in der Bewertung der Intelligenz des Patienten, welche entscheidend zur Mittelauswahl beiträgt.

Das Opfer, das in der heutigen Sitzung anwesend war, wird sich in der nächsten als "Natrium muriaticum" entpuppen. Nehmen sie schon einmal jetzt die Gemütssymptome aus dem Arzneimittelbild Nat.-m. mit, und überlegen Sie sich, was dieser Patient wohl geantwortet hat, um mit so einem Mittel bedacht zu werden:

Nach Bönninghausen. Übersetzung von mir:

http://www.homeoint.org/books2/boenchar/mmmernat.htm#Nat_m
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Gemüt

Schwäche beim Verstehen und Merken von Dingen. Verstörtheit und Ideenlosigkeit. Melancholie mit Aversion gegenüber Anstrengungen. Melancholie, weint viel, Verschlimmerung zu gewalttätigen Wutausbrüchen wenn getröstet wird. Unbeholfenheit. Zornige Erregbarkeit, die schnell zur Leidenschaft wird. Ängstlichkeit, fürchtet sich schnell. Haß gegenüber denen, die ihn verletzt haben. Hast und Ungeduld. Zufunftssorgen.
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</zitat>

Oder etwas moderner, mit vornehmer Zurückhaltung, was den Intellekt betrifft:

http://www.bunkahle.com/Homoeopathie/Homoeopathie.htm
<zitat>
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Gemüt

Sind früh und oft verletzt worden => FORTWÄHRENDE ENTTÄUSCHUNG! Verletzungen besonders in der Kindheit => z.B. mit Geschwistern, Eltern. ANGST VERLETZT ZU WERDEN und STARKE VERLETZBARKEIT => sind vorsichtig im Umgang mit anderen Menschen, zurückhaltend gehen auf Distanz. Haben wenige, aber gute Freunde! Enttäuschungen in der Liebe.
Die Enttäuschung bei Nat-m ist chronisch => wird sie akut erlebt ist es häufig Ign.

Beziehungsprobleme => KÖNNEN SCHLECHT GEFÜHLE ZEIGEN. Wollen von sich wenig preisgeben (als Schutz, aus Angst vor Verletzung). Öffnen sich nur auf Vertrauensbasis, haben eine Mauer um sich gebaut, erzählen nicht viel von sich. Weinen nur wenn sie alleine sind. Dickköpfig und stur!

Haben gelernt, dass sie nur akzeptiert und geliebt werden, wenn sie etwas dafür tun. Suchen ständig nach BESTÄTIGUNG UND ANERKENNUNG => alles was sie machen muss perfekt sein, wo sie in Kontakt mit anderen treten. Wollen nicht angreifbar sein, haben hohe Ansprüche an sich! Sind PFLICHTBEWUSST, arbeitsam, zuverlässig, legen Wert auf Sauberkeit.

Menschen mit viel TIEFGANG, können schlecht mit Oberflächlichkeit umgehen. Sind sehr SENSIBEL, EMPFINDSAM und gute Beobachter => nehmen Stimmungen wahr, meinen man redet über sie, fühlen was andere denken! SCHULDGEFÜHLE.

Menschen den man vertrauen kann, hören gut zu, sind treu, verlässlich, opfern sich auf um zu helfen. Verhalten sich selber korrekt und verlangen das auch von anderen!

Haben STARKE BESITZANSPRÜCHE gegenüber ihren guten Freunden, sind egoistisch dabei. Können sich schlecht von Menschen oder Dingen trennen. Es fällt ihnen SCHWER LOSZULASSEN, sie sind fixiert auf bestimmte Bezugspersonen. Können sich schlecht auf neue Situationen einstellen. Heimweh! Haben sehr LANGEN UND TIEFEN KUMMER => wiederkehrende Enttäuschung!

Fixe Ideen => schwarz/ weiß denken (Freund od. Feind) entwickeln RACHEGEFÜHLE. REIZBARKEIT, leicht zornig, oder verärgert. Reserviert, eingeschnappt. Abwechselnd lachen oder weinen. Lachen in ersten Angelegenheiten.

Starke DEPRESSIONEN. Sehnsucht nach TRAURIGEN GEFÜHLEN, wärmen ihre unangenehmen Erlebnisse immer wieder auf => werden mit den Depression alt. Häufige Suizidgedanken! Pflichten halten sie vom Suizid ab => Familie, Freunde!

Oftmals zerstreut, hastig, lassen Sachen fallen, unachtsam. Sind sehr vergesslich.
Träume: Realistisch. Von Einbrechern, Räubern.

Probleme mit der Sexualität.
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</zitat>

Wissen Sie noch, was ich Ihnen am Anfang zu dem Patienten sagte? Ich sagte:

Wir haben hier nun einen Patienten. Er ist krank. Chronisch krank. Regelmäßige Arztbesuche sind notwendig, weil er sonst schwerwiegende Schäden davon trägt Es gibt dazu eine klare Diagnose und eine klare Therapie. Es waren mehrere Spezialisten beteiligt.


Wir befinden uns nun aber bei einem enttäuschten, verletzten Tolpatsch, der Besitzansprüche und Rachegefühle hat, und dazu etwas blöde ist.

Wir werden dieses "Niveau", der Beurteilung einer köperlichen Erkrankung nie wieder verlassen.