Homöopathen unter sich - Ein Kongressbericht (Teil 3)

 


14. Oktober 2005

 

Wenn man etwas über Homöopathie und erfahren will, sollte man es tunlichst vermeiden, ihre Darstellung in der Öffentlichkeit zu betrachten. Diese ist in etwa vergleichbar mit einem Hochglanzprospekt einer Legehühnerbatterie, die ihre Eier als lieber "biologisch-dynamisch" verkaufen will.

Nein. Man muß sie schon besuchen. Und man muß zuhören, was sie reden, wenn sie unter sich sind.

Ich habe dies getan, und besuchte am 8. und 9.10. 2005 einen Kongress der Deutschen Homöopathie-Union in Karlsruhe.


Die homöopathische Hausapotheke - Wie man einen Köder legt


 

Homöopathen sind Übermenschen. Sie müssen Übermenschen sein, denn sie beherrschen etwas von dem sie selbst sagen daß es höchste Komplexizität besäße und ungeheuer schwierig zu erlernen sei. Sie beherrschen dies sogar so sagenhaft, daß sie ihren Kritikern sämtliche Kompetenzen zum Thema Homöopathie absprechen und diese nicht für fähig halten, die Homöopathie zu berurteilen.

Wer Homöopathie beherrscht, ist also wer. Er ist besser als alle anderen, denn er versteht etwas, daß niemand sonst versteht.

Tatsache ist: Wenn Homöopathen so etwas behaupten, dann lügen sie mal wieder allen die Hucke voll.

Warum?

Weil Homöopathie weder komplex noch schwer ist. Die Einfachheit und Banalität des homöopathischen Unsinnsdenken, wird sogar von Homöopathen genutzt um ihren Unrat möglichst großflächig unter das Volk zu streuen. Das Geheimnis heißt: Homöopathische Hausapotheke!

Um dies zu begreifen müssen wir zunächst einmal wissen, was eine "homöopathische Hausapotheke" ist.
Eine homöopathische Hausapotheke ist eine ziemlich umfangreiche Sammlung homöopathischer Tiefpotenzen, die dafür sorgen soll, daß der Bürger für kleinere Wehwehchen, mit denen man nicht zum Arzt geht, ein homöopathisches Mittel zur Hand hat.

Um diese sagenhafte und völlig nutzlose Hausapotheke rankt sich eine ganze Industrie. Apotheker bieten diese als Komplettkit an. Verlage haben dazu bestimmt an die 500 Bücher herausgegeben. Zeitschriften drucken dauernd irgendwelche Homöopathische-Hausapotheken-Betriebsanleitungen ab, und selbst Taschenhersteller kreieren niedliche kleine farbige Aufbewahrungsmöglichkeiten für diesen Schund.

Was bedeutet dies nun für die Homöopathen. Nimmt diese eigenmächtige Medikation den Homöopathen nicht die Butter vom Brot?

Nein. Im Gegenteil. Die Homöopathen fördern dies, denn sie verfolgen ein Ziel. Das Ziel heiß

Marketing, Marketing und nochmal Marketing

Jeder der mit einer homöopathischen Hausapotheke zu Hause herumpfuscht, wird auch im Ernstfalle lieber einen Homöopathen aufsuchen. Schließlich macht ihm diese die Homöopathie vertraut. Außerdem garantiert so eine Hausapotheke, daß der zahlende Kunde sich von der nichtvorhandenen Wirksamkeit der Homöopathie überzeugt:

Darauf kann man sich verlassen.

Genauso wie man sich darauf verlassen kann, daß die Wahrnehmung des Menschen, diese sagenhaften "Heilungen" der Homöopathie zuschreiben wird.

 

"Die Laien waren schon immer wichtig für die Homöopathie. Sie haben von jeher für deren Verbreitung gesorgt",

sagte ein Homöopath auf diesem Kongress. Nicht umsonst wurde dieser Kongress in Vorträge für Laien und Vorträge für Fachpublikum unterteilt. Für Laien war das Ganze sogar gratis. Man ist sich bewußt, wen man gut versorgen muß, damit der Rubel rollt.

Wer diese erwähnten Laien einmal getroffen hat, der weiß von was die Homöopathen sprechen: Völlig unreflektiert und selbstherrlich sind diese auf den Unfug, daß die Homöopathie etwas besonders Schwieriges sei, hereingefallen. Sie glauben das, und das läßt sie ihrerseits vermuten, daß sie besonders ausgestattet sind, weil sie die ungeheuer schwierige homöopathische Hausapotheke bedienen können.

Sofern man da von "Können" reden kann.

In Wirklichkeit können sie gar nichts, außer das, was die meisten Menschen sowieso von Natur aus können: Sie können beurteilen, ob man mit einer Krankheit besser zum Arzt geht, oder nicht. Und selbst das können sie ganz oft eben nicht mehr, weil die homöopathische Hausapotheke ihre Sinne vernebelte und zu Allmachtsgedanken führte. Nicht selten resultiert dieser Wahnsinn in unterlassener Hilfeleistung, vor allem gegenüber Kindern, die teilweise unmenschlichste Schmerzen durchstehen müssen, weil Eltern die homöopathische Hausapotheke schwingen.

Doch selbst das macht den Homöopathen keine Kopfschmerzen, bereitet es doch nur weiter auf die anstehende "Behandlung" bei ihnen vor. Schließlich haben wir in Teil zwei dieser Kongress-Berichte gesehen, daß man nicht zimperlich sein darf, wenn der Besuch bei einem Homöopathen ansteht. Solchen Leuten werden auch kaum mehr durch Grausamkeiten, wie das Durchstehen einer Mittelohrentzündungen ohne Schmerzmittel, irritiert. Das Kind schrie schließlich schon vorher und es ändert sich nichts, wenn es hinterher auch noch schreit.

Diese Leute sind genau da, wo sie die Homöopathen haben wollten. Sie sind verroht, haben ihre Sinne verloren und der Verstand ist auch nicht mehr zu gebrauchen ... Kurzum, sie sind der ideale Patient für einen Homöopathen. Sie sind der Homöopathie verfallen. Symptome, die eigentlich Alarmzeichen sind, werden zu einem Arzneimittelbild. Die Schreie der Qual werden zum "Capsicum"

... der Mensch ist nicht mehr wichtig.

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Menschen und ihr Leiden nicht ernst zu nehmen, sie zu übergehen, zu verhöhnen und mit dem Spott eines homöopathischen Mittels zu bewerfen, ist nicht schwierig. Das kann jeder, der seine Moral, sein Gefühl und sein Verantwortungsbewußtsein völlig begraben hat.