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Author Topic: Focus,2015,Nr 33: Titelseite + 11 Seiten geldwerte Reklame für die Homöopathie  (Read 468 times)

Julian

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Der "Focus", Heft 33 im Jahr 2015, weit ausgebreitet das Titelseitenthema "Homöopathie, heilt sie uns wirklich?" auf den Seiten

Titelseite  TITEL
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Außer der bei einem solchen Magazin nahezu unbezahltbaren Titelseite 11 Seiten mit geldwerter Reklame für die Homöopathie.

Allerdings, das ist der Trick bei der Sache, von raffinierten Autoren, die, über eine skeptische Frage und dem Einholen von Kritikern und deren Stellungnahmen, die Kurve der optischen Manipulation weit ausfahren und mit einem dicken Reklamebomp am Schluß keinen Zweifel daran lassen, daß Homöopathie gut ist, und, unter Umgehung der eigentlichen Titelfrage, den Herstellern, allen voran der DHU Deutsche Homöopathie-Union eine Hommage liefern.

Getarnt als skeptischer Bericht und in Wahrheit eine Reklamemaschine. Gelernt ist gelernt.


Vor der Analyse des Verstoßes gegen das intellektuelle Reinheitsgebot vorab die Scans aus dem Archiv.


































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Julian

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Der Fließtext, frisch aus der Maschine, muß noch gesäubert werden.

[*quote*]
www.focus.de
Nr. 33/15 8. August 2015 €3,90
MERKEL UNSCHLAGBAR?
Das Beste für
Ihr Geld
Fünf Zukunftsbranchen, die Erlöse bieten
eilt sie uns wirklich?
INHALT NR. 33 I 8. AUGUST
2015
m GESUNDE REINIGUNG EH UND PFLEGE
pH-Wert
TITELTHEMA
+ DIGITAL-
Für zusätzliche digitale Inhalte scannen Print-Leser die markierte Seite mit der FOCUS Active App
68 Heilt die Homöopathie?
Millionen Deutsche vertrauen auf die Kraft der Kügelchen. Ein Irrglaube?
75 Was die Kassen zahlen
So übernimmt die Krankenversicherung die Behandlungskosten
76 Mehr als nur Placebo
Interview mit DHU-Chef Patrick Krauth, der Homöopathie zum Exportschlager macht
POLITIK & GESELLSCHAFT
20 Abgeordnete mit Ausbildung
Im Bundestag dominieren Akademiker. Doch es gibt sie noch - Politiker mit Gesellenbrief
28  Große Not in der Taxi-Branche
Der Mindestlohn schürt Schwarzarbeit im Taxigewerbe
30  „Das Zentralabitur wird kommen"
Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsminister Mathias Brodkorb über gerechte Noten
32  Comeback der alten Grenzen?
Politikerfordern radikale Maßnahmen im Kampf gegen die Schleuserkriminalitat
3 6  Zaun gegen Flüchtlinge
Zwischen Ungarn und Serbien entsteht ein neuer Eiserner Vorhang
40  Kampf der Kurden gegen den IS
Im Norden Syriens führt die PKK Krieg gegen die Terrormiliz. Ein Frontbericht
42  Pekings Basis in Südamerika
Chinas Raumfahrt baut in Argentinien 44  Syriza vor dem Zerreißen
In Griechenland droht dem Regierungsbündnis die Spaltung. Eine Nahaufnahme
WIRTSCHAFT & GELD
54 Voll im Börsentrend
WISSEN & GESUNDHEIT
80 Die perfekte Zahnbürste
Wie Forscher der Zahnbürstenhersteller nach der optimalen Putzmaschine suchen
84 Wanderungen im All
Viele Sterne verlassen ihren Entstehungsort
KULTUR & MEDIEN
90 Wenders über Kino & Karriere
Der berühmte Regisseur wird 70 - und spricht über sein Gespür für den Zeitgeist
94 Neuer Star: Louane Emera
Erst Frankreich, dann die Welt: Sängerin Louane Emera ist Kultur-Darling des Sommers
96  Buch über grüne Blender
Die Roman-Satire .Greenwash, Inc." erzählt von Firmen, die ihr Öko-Image aufpolieren
99 Mein Vater
„Promi Big Brother"-Moderator Jochen Schropp über das Sterben seines Vaters
100 Frankreichs neue Medien-Macht
Bernard Arnault gebietet über Louis Vuitton, Givenchy- und jetzt auch über „Le Parisien"
LEBEN & GENIESSEN
106 Auf den Leib geschneidert
Kaum ein anderer Luxus ist so persönlich wie ein Maßanzug. Eine Entstehungsgeschichte
110 Neuer Trendtyp entdeckt!
Der Hipster ist tot, es lebe der Yuccie! Szene-Profis sichten ihn in New York
112 Kochen für Wildfremde
Supper-Clubs bringen Hobbyköche und Genießer zusammen
114 Traumhaus im Baum
Baumhäuser verwandeln sich in futuristische Lifestyle-Unterkünfte
118 Auto: Knuffige SÜVs
Hyundai Tucson und Honda HR-V: Zwei sehr unterschiedliche Kompakt-Crossover
120 „Es geht nur ums Produkt"
Bundesliga-Historiker Nils Havemann über schizophrene Fans und Pseudo-Folklore
124 Kurbeln bis zum Umfallen!
Das härteste Hobby-Radrennen der Welt
DEBATTEN
OKOTEST
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sebamed Frische Deo frisch
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Ausgabe 6/2015
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Die Pflegespezialisten
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Alle sebamed Deos pflegen besonders hautverträglich ohne Aluminiumsalze mit dem pH-Wert 5,5.
3-D-Druck, Robotik & Co.: Welche Anlagesegmente dauerhaft Chancen bieten
58  So kommen die schnellen Netze
Telekom-Vorstand van Damme über den langsamen Wechsel ins schnelle Netz
62 Revolution in der Klinik
Auf personalisierte Medikamente hoffen Kranke - und Pharma-Firmen
63 Geldmarkt
64 Schönheit als Geschäft
Ein süddeutscher Mittelständler nimmt es mit den Kosmetikkonzernen auf
FOCUS 33/2015
26 Merkel ist nicht unbesiegbar
Der Politologe Karl-Rudolf Körte hält Merkels Wahlsieg 2017 keineswegs für sicher
61   Deutschlands Stärke hilft allen
IW-Köln-Chef Michael Hüther widerlegt einen populären Vorwurf in der Euro-Krise
RUBRIKEN
3 Editorial 98 Bestseller
6 Karikatur        102 Kultur-Macher
8 Foto der Woche  126 Die Einflussreichen
10 Grafik der Woche 128 Nachrufe
13 Nachrichten     128 Namen
52 Leserbriefe      130 Tagebuch des
85 Impressum Herausgebers
Titelthemen sind blau unterlegt
Dermatologisch-klinisch getestet.
Erhältlich in Apotheken und Drogeriefachabteilungen.
Wissenschaft für gesunde Haut.
WISSEN
& GESUNDHEIT
- © DIGITAL-
Lassen Sie sich die Titelgeschichte vorlesen
Nutzungs-Info: siehe Inhalt
Was ist dran an
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TITEL
ernenne ung?
omöopathische Mittel werden meist als winzige Kügelchen - sogenannte Globuli -verabreicht
Millionen Deutsche schwören auf die heilende Kraft von Globuli - obwohl Wissenschaftler keine Wirkung feststellen können. Warum die Methode trotzdem helfen kann
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Einmal Homöopathin und zurück
Natalie Grams hält die Heilmethode heute für Betrug
Ihre homöopathische Privatpraxis gab die 37-jährige Ärztin aus Heidelberg auf-ihrer kritischen Überprüfung hatte die Methode nicht standgehalten. Jetzt will sich die dreifache Mutter zur Fachärztin für Psychosomatik ausbilden lassen
WISSEN & GESUNDHEIT
Das Herz schlägt immer schneller, die Knie werden weich, und plötzlich wird alles schwarz. Während ihres Medizinstudiums litt Natalie Grams häufig unter Herzrasen und Ohnmachtsanfällen. Vergeblich suchten Fachärzte nach einer Ursache für die Beschwerden. Ist es die Schilddrüse, der Blutdruck, ein Defekt am Herzen? Erst eine Homöopathin konnte Grams helfen. „Sie hörte mir richtig zu und war die Erste, die mich einen Bezug zu meinem Autounfall herstellen ließ", erinnert sich die heute 37-Jährige. Die körperlichen Symptome waren eine posttraumatische Belastungsreaktion.
Grams bekam homöopathische Arzneimittel, sogenannte Globuli, und ihr Zustand besserte sich. Wenig später begann die Medizinstudentin selbst eine Ausbildung zur Homöopathin. 2011 eröffnete sie ihre eigene Praxis.
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Doch heute lehnt Grams die alternative Heilmethode ab. Ihre Privatpraxis hat sie aufgegeben und Globuli aus der Hausapotheke verbannt. Monatelang hatte die Ärztin aus Heidelberg für ein Buch recherchiert, sich dafür mit der Wissenschaft hinter der Homöopathie beschäftigt und zahllose Studien zu deren Wirksamkeit gelesen. „So schade es ist: Globuli sind wirkungslos", lautet ihr Fazit.
Seit Jahrzehnten tobt ein heftiger Streit um die Wirksamkeit der alternativmedizinischen Therapie. „Globuli sind wirkungslose Zuckerkügelchen", sagen die Gegner des 200 Jahre alten Heilverfahrens (s. Kasten rechts). »Wir sehen jeden Tag, dass Homöopathie heilt", entgegnen ihre Anhänger.
Die Deutschen zeigen sich von dieser Debatte wenig beeindruckt. Hierzulande ist die Therapie beliebter denn je: Seit 1975 ist nicht nur ihre Bekanntheit ? ? ?
Am
liebsten natürlich
Julia Dämgen setzt seit über zehn Jahren auf Homöopathie
Ihre Familie behandelt die 42-Jährige aus der Nähe von Mainz kosequent homöopathisch. Auch in den Urlaub nimmt sie eine Auswahl an Globuli mit. Schulmedizin, vor allem Antibiotika, setzt sie nur im Notfall ein.
Was ist Homöopath»
Die Grundprinzipien der Methode entwickelte ein sächsischer Arzt
Es war ein Segen
für viele Kranke, als der Arzt und Apotheker Samuel Hahnemann [1755-1843] um 1800 die Homöopathie erfand Damalige Mediziner behandelten mit Aderlässen, Brechmitteln und Giftstoffen. Der Verzicht darauf rettete Leben.
Das Ähnlichkeitsprinzip
steht im Mittelpunkt der Homöopathie: Eine Substanz, die bei Gesunden ähnliche Symptome hervorruft wie sie beim Kranken auftreten, soll dessen Heilung bewirken. Aufgabe des Therapeuten ist es, die richtige Substanz und ihre Dosierung zu finden.
Potenzierung heißt die Verdünnung der Ursubstanzen. Sie geschieht durch Verschütteln mit Alkohol und Wasser oder durch Verreiben mit Milchzucker, in der Endstufe befindet sich oft kein Wirkstoff mehr im Präparat. Weniger stark verdünnte Homöopathika werden vor allem in der Selbstmedikation eingesetzt. Bei ihnen ist die Ursubs-tanz noch nachweisbar.
Fälschlicherweise denken
viele Menschen bei Homöopathie an rein pflanzliche Ausgangsstoffe - was für Arnika, Kamille, Tollkirsche und viele andere auch stimmt. Weitere Grundsubstanzen sind aber etwa Honigbienen, Schlangengifte, Tintenfische, Quecksilber und Gold. Auch sterilisierte tierische oder menschliche Krankheitsprodukte werden verwendet - zum Beispiel Ausfluss bei Geschlechtskrankheiten.
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von 76 auf 95 Prozent geklettert, auch die Zahl der Anwender steigt kontinuierlich an. 1970 hatte nur knapp ein 'Viertel der Deutschen Erfahrungen mit Globuli gemacht. Heute ist es laut einer Befragung des Allensbach-Instituts mehr als jeder zweite Bundesbürger. Der Marktführer für homöopathische Arzneimittel und Schüßler-Salze, DHU, hat 2014 mit Globuli, Dilu-tionen, Tabletten und Salben 100 Millionen Euro Umsatz gemacht (s. Interview S. 76) - ein Plus von 55 Prozent innerhalb der letzten zehn Jahre. Selbst Krankenkassen können sich dem Hype nicht entziehen und übernehmen oft Behandlungskosten (s. Kasten S. 75).
Wie aber lässt sich der Erfolg der Heilmethode erklären, obwohl wissenschaftliche Belege für ihre Wirksamkeit fehlen? Und was macht die Homöopathie anders als die Schulmedizin?
Seit mehr als zehn Jahren behandelt Julia Dämgen aus der Nähe von Mainz sich und ihre beiden Töchter konsequent homöopathisch. Rund 80 Mittel enthält ihre Hausapotheke, die richtige Auswahl trifft die 42-Jährige mit einem Buch aus dem Jahr 1869.
Auch im Urlaub auf Sardinien darf die alternativmedizinische Notfallapotheke nicht fehlen. Was dort genau drin ist, weiß Dämgen auf Anhieb nicht, „aber auf jeden Fall Aconitum gegen Schock nach Unfällen, Arnica gegen Verletzungen aller Art, Apis gegen Wespenstiche und Nux Vbmica gegen Übelkeit".
Durch Wochenendseminare an der Volkshochschule ist Dämgen zu Hahnemanns Heilmethode gekommen. Endgültig überzeugt hat sie aber die erfolgreiche Behandlung ihrer Tochter. Die litt damals unter quälendem Husten, selbst Cortisonzäpfchen hatten keine Linderung gebracht. Dann suchte sie nach einem homöopathischen Mittel - und fand Belladonna. „Seither hat sie nie wieder gehustet, das fand ich einfach unfassbar", sagt die Betriebswirtin, die heute als psychologische Beraterin arbeitet.
Hausapotheke
Homöopathische Arzneimittel werden meist in kleinen Plastik-röhrchen aufbewahrt. Die Auswahl der Globuli erfolgt nach ausführlicher Anamnese
Auch Anna Matzenauer aus Heidelberg ist offen für homöopathische Behandlungen - wenn auch in Ergänzung zur Schulmedizin. 15 Jahre lang litt die 54-Jährige, die als Trainerin und Coach arbeitet, unter schweren Unterleibskrämpfen. Der Verdacht lautete auf Endometriose. Das ist eine gutartige, aber schmerzhafte Veränderung der Gebärmutterschleimhaut. Doch die Ärzte konnten nichts finden. Erst nach einer homöopathischen Therapie verschwanden die wehenartigen Schmerzen.
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Ständige Krämpfe
Anna Matzenauer ist heute schmerzfrei
15 Jahre lang litt die 54-Jährige Kommunikationsberaterin an Unterleibskrämpfen. Nach einer homöopathischen Behandlung verschwanden die Schmerzen
Euphorische Schilderungen geglückter Globuli-Therapien gibt es zuhauf. Für die wissenschaftliche Beurteilung des Nutzens von Homöopathie sind solche Einzelfälle freilich wertlos. Unklar bleibt zum Beispiel immer, ob sich die Beschwerden nicht auch ganz ohne Behandlung gebessert hätten - so wie eine Erkältung nach einiger Zeit von allein verschwindet. Egal, ob man etwas dagegen unternimmt oder nicht.
Alle Medikamente und Therapien - schulmedizinische wie alternative - gelten bei Wissenschaftlern erst dann als wirksam, wenn sie nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin ihre Heilkraft unter Beweis gestellt haben. Das geschieht in sogenannten randomisierten kontrollierten Studien.
Dabei losen Forscher Test-Patienten zwei Gruppen zu. Gruppe A testet die neue Behandlung, Gruppe B wird ohne sie therapiert. Im Idealfall kommt dabei ein Scheinmedikament zum Einsatz, ein Pla-cebo. Weder Patient noch Arzt dürfen wissen, welcher Gruppe sie angehören. Geht es Gruppe A am Ende besser als Gruppe B, ist das ein Beleg für die Wirksamkeit der untersuchten Therapie.
Hunderte Studien befassten sich in der Vergangenheit mit der Heilbehandlung - und produzierten konträre Ergebnisse. Mal zeigen sie keinerlei Effekt, mal deutliche Erfolge für die Methode.
Deshalb sind Übersichtsarbeiten so wichtig. Sie werten alle relevanten Studien zu einem Thema aus und klopfen sie auf methodische Mängel ab. Der medizinische Forschungsrat Australiens, derNHM-RC, hat letztes Jahr die bislang umfangreichste Bestandsaufnahme zur Wirksamkeit der alternativmedizinischen Therapie veröffentlicht. Das Ergebnis lautete: Homöopathie hilft nicht besser als ein Placebo-Medikament.
„Die Analyse ist ein wichtiger Meilenstein für die Beurteilung der Homöopathie", sagt Edzard Emst. Der emeritierte Medizin-
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Die Sache ist
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EDZARD ERNST,
emeritierter Medizinprofesso der Universität von Exeter in Großbritannien
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Professor gehört zu den profiliertesten Kritikern der Lehre Samuel Hahnemanns. Zwei Jahrzehnte hatte er den Lehrstuhl für Kom-plementärmedizin an der Universität von Exeter in Großbritannien inne und erforschte selbst alternative Heilmethoden. Heute urteilt er: „Die Sache ist entschieden. Homöopathie gehört in die Geschichtsbücher, nicht in die Medizinbücher." Ärzte sollten nur Methoden anwenden, deren Effekt klar belegt ist - was bei der Zulassung neuer schulmedizinischer Medikamente Standard ist.
Für Kommunikationsberaterin Anna Matzenauer spielen wissenschaftliche Untersuchungen zu der Heilmethode keine Rolle. „Ich gebe weder den Befürwortern noch den Kritikern Recht", sagt sie. An der Homöopathie gefalle ihr, dass der ganze Mensch betrachtet und eine ausführliche Anamnese durchgeführt werde. „Man fühlt sich gehört. Bei gewöhnlichen Ärzten
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ist das leider eher selten der Fall."
Dem stimmt die Heidelberger Ärztin Natalie Grams zu. Sie sieht den Boom des Behandlungsverfahrens als direkte Folge des zunehmend durchökonomisierten Medizinsystems. „Wir können sicher viel von dem lernen, was die Homöopathie zwischenmenschlich anbietet - der Kontakt zum Therapeuten, die Zeit, die Empathie, die individuelle Begutachtung des Patienten." Jedoch mangele es der Methode an Transparenz. „Der größte Vorwurf, den ich der Homöopathie mache, ist ihre Unehrlichkeit. Das Problem beginnt, wenn Homöopathen behaupten, sie würden eine Arzneitherapie durchführen und dass ihre Wirkung bewie-senermaßen über einen Place-bo-Effekt hinausgeht", sagt die 37-Jährige.
Die Erkenntnis, dass Hahne-mans Heilmethode ihre Wirkung ausschließlich dem Pia- ? ??
TITEL £
„Wie die Buchse derPandora"
Autorin Susanne Kailitz schildert ihren ersten Besuch bei einer Homöopathin
Vor dem Termin mit Frau Müller* soll ich die Krankengeschichte meines Lebens aufschreiben. Das sei für eine komplette Anamnese wichtig. Ich schreibe auf. Viel kommt nicht zu Papier: eine Blind-darm-OP, ein Kaiserschnitt, eine langwierige Wurzelbehandlung. Und wiederholte Blasenentzündungen -der Grund für meinen Termin bei Frau Müller. Kann man da homöopathisch was machen?
Meine Erfahrungen mit der Homöopathie sind beschränkt. Ich habe die Kügelchen bei Erkältungen ausprobiert, und mein Sohn hat als Baby homöopathische Zäpfchen bekommen. Seine Blähungen wurden besser-mein Schnupfen nicht.
Bei Frau Müller geht es dann ans Eingemachte. Wir gehen gemeinsam meine Krankheiten durch. Bislang hatte ich mich für ziemlich gesund gehalten. Auf einem Blatt zusammengefasst, sieht die Liste aus eigentlich harmlosen Dingen recht lang aus. Und Frau Müller sagt mit ernster Stimme: „Da ist ja doch einiges zusammengekommen."
Zwei Stunden dauert unser Gespräch.
ODanach will sie ihre Aufzeichnungen in Ruhe durchgehen und verspricht, mir in den nächsten Tagen ein Mittel auszuwählen. Sollte nach der Einnahme etwas mit mir und meinem Körper passieren, könne ich jederzeit anrufen. Denn: „Eine homöopathische Behandlung anzufangen ist, wie die Büchse der Pandora zu öffnen. Es können Dinge zutage treten, von denen Sie nichts wussten!"
Drei Tage später erhalte ich Post von Frau Müller, mit einer Rechnung über 200 Euro und einem Röhrchen mit einem Globulus. Auf meine Nachfrage, was ich da nehmen soll, sagt sie, das verrate sie mir frühestens in drei Wochen. Mein Unterbewusstsein würde sonst unerwünschte Symptome entwickeln.
Für mich hat es sich damit erledigt. Würde meine Hausärztin mir eine Pille in die Hand drücken, aber nicht sagen, was es damit auf sich hat - ich würde fragen, ob sie spinnt. Schön fände ich allerdings, sie würde sich ähnlich viel Zeit nehmen wie Frau Müller. Dann hätte es vielleicht nicht zehn Jahre gedauert, bis ich über eine zufällige Äußerung meiner Zahnärztin darauf gekommen wäre, dass Zahn- und Blasenentzündung zusammenhängen können.
Wunderpille
Einen einzelnen
Globulus mit
unbekanntem
Wirkstoff bekam Autorin Susanne Kailitz von einer Homöopathin
verabreicht
*Name von der Redaktion geändert
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cebo-Effekt verdankt und ähnlich wie eine Gesprächstherapie funktioniert, hatte für Grams weit reichende Konsequenzen. Noch während der Recherche zu ihrem Buch „Homöopathie neu gedacht" (Springer Spektrum) gab die Ärztin ihre Privatpraxis auf - und damit ihre Existenzgrundlage.
„Es war ein schreckliches Gefühl, als Wissen und Erfahrung kollidiert sind", erinnert sich Grams. „Ich war schließlich überzeugt, gesehen zu haben, dass Homöopathie funktioniert." Schwerst depressive Patienten mit Angststörungen trauten sich nach der Behandlung wieder, Straßenbahn zu fahren. Ein Kind, das sich vor der Therapie wund gekratzt hatte, wurde gesund und holte rasend schnell Entwicklungsschritte auf. „Heute weiß ich, dass ich - genau wie viele andere Ärzte und Patienten - einem Irrtum aufgesessen bin", sagt Grams. „Nur, weil etwas zeitgleich passiert, muss es nicht ursächlich zusammenhängen. "
Marie Amrhein aus der Nähe von Hamburg hat Hahnemanns Methode abgeschworen. Jahrelang hatte die Journalistin und Mutter dreier Töchter ihre Zweifel an dem Heilverfahren. Benutzt hat sie die Kügelchen trotzdem: „Man ist damit überall konfrontiert: beim Kinderarzt, auf dem Spielplatz, im Freundeskreis."
Zum Nachdenken, erzählt die 36-Jährige, habe sie ein Apotheker gebracht. Beim Kauf von Globuli riet er ihr, sie solle „den Quatsch doch besser lassen". Inzwischen hat Amrhein sich mit dem Hintergrund von Hahnemanns Heilmethoden befasst. Und formuliert jetzt sehr offen, dass sie nicht daran glaubt, dass millionenfach verdünnte Wirkstoffe überhaupt eine körperliche Reaktion auslösen können. „Als rationaler Mensch glaube ich nicht an Hokuspokus."
Chemisch betrachtet, sind die winzigen Pillen tatsächlich meist nichts anderes als Süßigkeiten. Wie sie wirken sollen, lässt sich mit den naturwissenschaftlichen Gesetzen nicht erklären.
Schluss mit
Hokuspokus
Marie Amrhein hat der Heilmethode abgeschworen
An der Wirksamkeit von Globuli zweifelte die Journalistin schon lange. Heute sagt die 36-Jährige offen, dass sie die kleinen Pillen für wirkungslos hält-selbst wenn sie damit Freunde und Bekannte vor den Kopf stößt
Wo kein Wirkstoff, da auch kein Schaden - könnte man meinen. Trotzdem sehen viele Mediziner alternative Heilverfahren wie die Homöopathie kritisch: „Für Patienten mit emsthaften oder gar lebensbedrohlichen Erkrankungen ist jede Therapie ohne Wirksamkeit gefährlich, da sie den Beginn der notwendigen Behandlung verzögern kann", warnt zum Beispiel Jutta Hübner. Sie ist Fachärztin für innere Medizin, Hämato-logie und internistische Onkologie. Als Vorsitzende der „Arbeitsgemeinschaft Prävention und Integrative Medizin in der Onkologie" der Deutschen Krebsgesellschaft in Berlin hat sie sich intensiv mit wissenschaftlichen Fragestellungen zur komplementären Medizin in der Onkologie beschäftigt.
Studien zufolge ist vor allem bei Krebspatienten das Interesse an ergänzenden Therapien groß. Deshalb sei es wichtig, alternativ- und komplementärmedizinische Ansätze wissenschaftlich zu
erforschen, statt sie zu ignorieren. „Wir müssen herausfinden, was Patienten benötigen, das wir ihnen derzeit nicht geben - und wie wir es wieder in die Medizin hereinholen können", sagt Hübner. Es sei „unhaltbar", dass Zuwendung und auf Patienten einzugehen, bei wissenschaftlich nicht belegten Verfahren vom Gesetzgeber gewollt und finanziert werden, „nicht aber innerhalb der Schulmedizin".
Homöopathie-Verfechter sind es gewohnt, dass viele Ärzte ihre Einstellung nicht nachvollziehen können. Auch die zweifache Mutter Julia Dämgen habe - weil sie im Laufe der Jahre auch skeptisch gegenüber Impfungen geworden sei - viel Kritik einstecken müssen. „Ich habe aber aufgehört, darüber zu diskutieren", sagt sie.
Dämgen versucht, sich ganz auf homöopathische Behandlung zu beschränken. Wirklich nötigen schulmedizinischen Therapien verweigert sie sich trotzdem nicht. Als ihre Tochter neulich
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eine schwere Zahn-OP hatte, stimmte sie „zähneknirschend" einer Antibiotika-Behandlung zu. „Ich weiß, dass damit erst mal ihr Immunsystem totgelegt wird. Aber wenn es wirklich sein muss, dann muss es eben sein."
Wie Julia Dämgen denken heute viele Deutsche. Martin Lang, Vorsitzender des bayerischen Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte und selbst Homöopath spricht gar von einem „ Paradigmenwechsel ". „Immer mehr Eltern verspüren den Wunsch, ihre Kinder möglichst natürlich aufzuziehen. " Bei der Behandlung von Gesundheits- und Verhaltensstörungen steige die Nachfrage nach Alternativen zu „chemischen" Medikamenten. Die Homöopathie ist mittlerweile nach der Neonatologie und der Allergologie die dritthäufigste Zusatzausbildung von Kinder- und Jugendärzten.
Lang sieht die Heilmethode als Ergänzung, immer dann „wenn man die Schulmedizin nicht braucht oder sie nichts anzubieten hat". Ein typisches Beispiel seien Atemwegserkrankungen. „Da wissen auch Schulmediziner, dass Hustensäfte wenig helfen und Antibiotika meistens unnötig sind. In 80 Prozent der Fälle sind Atemwegsinfekte viral bedingt."
Für die Heidelberger Ärztin Natalie Grams gibt es keine Rückkehr zur Lehre Samuel Hahne-manns - zumindest nicht zu ihren Kügelchen und Tinkturen. Vertiefen möchte sie den Gesprächsaspekt der Behandlung, „aber auf Basis des heutigen Wissens und der heutigen Medizin".
In den nächsten Jahren will die Mutter von drei Kindern in Teilzeit ihren Facharzt für Psychosomatik machen. Aus den vergangenen Jahren nimmt sie eine wichtige Erkenntnis mit: „Patienten haben natürlich ein Recht auf eine exzellente schulmedizinische Behandlung, aber auch darauf, nicht nur als Summe ihrer Symptome wahrgenommen zu werden." Š
FRANK FLESCHNER / SUSANNE KAILITZ / JENNIFER REINHARD
Wann schlucken die Deutschen Globuli?
Beschwerden, bei denen Homöopathika eingesetzt werden
Erkältung, grippaler Infekt_
Stärkung des Immunsystems, Vorbeugen von Krankheiten
Insektenstiche, Sonnenbrand
Kopfschmerzen
Verdauungsbeschwerden
Schlaflosigkeit
Magenbeschwerden, Magenerkrankung, Magengeschwür Nervosität
Mehr als die Hälfte
der Homöopathie-Anwender behandeln Atemwegserkrankungen
Quelle: Institut für Demoskopie Allensbach/ Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller
Wie zu Hahnemanns Zeiten
Homöopathika werden, wie hier beim Schweizer Pharma- und Kosmetikkonzern Weleda, von Hand geschüttelt
Was zahlt die Krankenversicherung?
Wer einige Regeln beachtet, kann meist Homöopathie auf Kassenkosten bekommen
Homöopathie ist populär und für manchen Patienten ein Argument, vielleicht die Versicherung zu verlassen, wenn eine andere mit Leistungen lockt. Im Wettbewerb um zahlungskräftige Mitglieder erstatten die Kassen deshalb vieles - obwohl die Heilmethode als wissenschaftlich nicht abgesichert gilt.
70 Prozent der gesetzlichen Krankenkassen übernehmen nach Angaben des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte [DZVhÄ] die Behandlungskosten für Homöopathie - obwohl diese Angebote nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Kassen aufgeführt und damit keine Pflichtleistungen sind. Die Therapie muss bei speziell ausgebildeten Medizinern erfolgen. Für den Heilpraktiker gibt es kein Geld von den Gesetzlichen. Weil viele Kassen sogenannte Selektivverträge mit dem DZVhÄ abgeschlossen haben, kann die Behandlung - eine in der Regel mehrstündige Anamnese und die Folgeberatung - häufig einfach über die Chipkarte abgerechnet werden.
Nicht Übernommen werden meist Kosten für homöopathische Medikamente. Wichtig: Wer sich als gesetzlich Versicherter auf Kassenkosten homöopathisch behandeln lassen will, muss sowohl bei seiner Kasse als auch bei dem gewünschten Arzt nachfragen, ob sie an den Selektiwerträgen teilnehmen.
Bei privaten Krankenversicherungen ist es einfacher: Sie zahlen homöopathische Behandlungen in den meisten Fällen. Die Einzelheiten sind im individuellen Vertrag festgelegt.
Die Kostenübernahme bei Gesetzlichen und Privaten sei vermutlich „ein Marketinginstrument, um sich von der Konkurrenz abzusetzen", sagt DZVhÄ-Vorsitzende Cornelia Bajic. Doch die Kassen sehen in den Leistungen nicht nur ein Argument für die Mitgliederwerbung.
Naturheilverfahren könnten Kosten sparen, heißt es etwa bei der Securvita. Weil Versicherte sich von homöopathischen Ärzten umfangreicher untersuchen ließen und so eventuelle spätere Behandlungen im Krankenhaus entfallen könnten. Und Alexandra Kusitzky, Sprecherin der Allianz, sagt: Dass angeblich nur ein Placebo-Effekt vorliege, „heißt nicht, dass Homöopathie keinen Wert hat. Zahlreiche klinische Studien zeigen, dass Placebo-Effekte real sind und therapeutisches Potenzial besitzen."
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WISSEN & GESUNDHEIT
Auf Wachstumskurs
Patrick Kreuth, 50
Der Betriebswirt leitet die DHU seit 2003. Er begann seine berufliche Laufbahn beim DHU-Schwesterkonzern Dr. Willmar Schwabe, der pflanzliche Arzneimittel herstellt.
Der Mann, der die Globul nach Usbekistan brachte
DHU-Geschäftsführer Patrick Krauth macht Homöopathie zum Exportschlager. Seine Kügelchen haben durchaus auch Placebo-Wirkung, sagt er
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FOCUS 33/2015
Herr Krauth, wann haben Sie zuletzt ein homöopathisches Präparat eingenommen?
Das war vergangenes Wochenende. Mir machte eine Kehlkopfentzündung zu schaffen, meine Stimme war belegt. Ich habe dann ein Produkt aus unserem Haus genommen - und das hat mir sehr gut geholfen. Nach zwei Tagen ging es mir deutlich besser. So wie Sie schwören besonders Mütter auf Homöopathie, ihren heulenden Kindern mit Schürfwunde verabreichen sie Arnica. Erklären Sie uns, wie das helfen soll?
Das ist erlebte Wirksamkeit. Die Homöopathie ist eine Reiz-Regulationsmedizin. Sie stößt nach ihrem Begründer Samuel Hahne-mann Mechanismen an, die die Selbstheilung fördern. Dadurch reduzieren sich die Symptome, oder sie verschwinden sogar ganz. Alles Hokuspokus, sagen Kritiker. Wo sind Studien, die das beweisen?
Diese Studien liegen heute zunehmend vor. Studien, die einen hohen wissenschaftlichen Standard haben und die die Wirksamkeit klar belegen. Die australische Gesundheitsbehörde NHMRC hat 2014 die bislang umfangreichste Analyse dazu veröffentlicht. Das Resultat ist niederschmetternd für Sie: Homöopathie wirkt nicht besser als ein Scheinmedikament, also ein Placebo.
Das Ergebnis solcher Analysen hängt letztlich davon ab, welche Studien aussortiert werden, weil sie angeblich gewissen Standards nicht genügen - und da vertreten Homöopathie-Kritiker eben eine andere Position als wir. Übrigens fällt die Mehrzahl der großen sogenannten Meta-Analysen positiv für die Homöopathie aus. Die NHMRC hat von 1800 Veröffentlichungen tatsächlich nur 225 berücksichtigt, weil der Rest nicht ihren wissenschaftlichen Kriterien genügte.
Über die Auswahl der Studien könnten wir stundenlang reden. Noch mal: Es gibt eine Menge Arbeiten, die zeigen, Homöopa-
thie wirkt. Wir haben zum Beispiel unser Erkältungspräparat Nisylen an zwei zufällig ausgewählten Patientengrappen in einer Studie erfolgreich getestet. Bei derjenigen Gruppe, die zusätzlich zu synthetischen Standardmedikamenten Nisylen bekam, klangen die Symptome früher ab. Das Ergebnis könnte verfälscht sein. Die Probanden wussten, zu welcher Gruppe sie gehörten - also ob sie Nisylen bekamen oder nicht. Warum haben Sie die Vergleichsgruppe nicht mit einem Placebo behandelt?
Es gibt auch viele placebokon-trollierte Studien, die die Homöopathie stützen. Aber nicht immer passt ein solches Studiendesign zur täglichen Praxis. Wir haben uns in diesem Fall in Absprache mit Ärzten für einen pragmatischen Ansatz entschieden. Ihre Präparate verkaufen sich auch ohne wissenschaftliche Anerkennung prächtig. Warum legen Sie dennoch weiter Wert auf Studien?
Die meisten Verwender brauchten tatsächlich keine Belege aus der Wissenschaft, weil sie täglich erfahren, dass ihnen geholfen wird. Auf der anderen Seite interessiert sich die Fachwelt dafür. Und da sind Studien einfach wichtig, um gewisse Dinge schwarz auf weiß zu belegen. Die klassische Medizin hat sich mit dem wissenschaftlichen Fortschritt der vergangenen Jahrzehnte dramatisch gewandelt. Entwickelt sich auch die Homöopathie?
Homöopathie ist eine Erfahrungsmedizin, die Ärzte in der
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Marktführer
Gründung
1961 geht die Deutsche Homöopathie Union aus einem seit 1866 bestehenden Unternehmen hervor.
Umsatz
Die DHU nimmt jährlich 100 Millionen Euro ein, davon 70 Prozent in Deutschland, wo sie Marktführer bei Homöopathika und Schüßler-Salzen ist.
Mitarbeiter
Etwa 500 Angestellte produzieren 350000 unterschiedliche Arzneien in der Firmenzentrale in Karlsruhe.
Praxis erfahren haben und erfahren müssen, um sie effektiv anzuwenden. Weil sie wirkt, gibt es keine Notwendigkeit, etwas daran zu ändern. Haben Sie manchmal Albträume, dass ein wichtiger Baustein der Lehre durch neue Erkenntnisse in sich zusammenfallen könnte?
Ich habe im Gegenteil die positive Erwartung, dass die Naturwissenschaft eines Tages erklären kann, was uns heute unerklärbar erscheint. Wir kennen ja noch nicht den exakten Wirkmechanismus von Homöopathie. Wie würden Sie Menschen beschreiben, die trotz aller unbeantworteten Fragen offen sind für Homöopathie?
Sie leben bewusst, ernähren sich bewusst. Und wünschen sich eine natürliche, nebenwirkungsarme Therapie. Ich glaube, die Homöopathie übt eine große Anziehungskraft aus, weil sie den Menschen als Ganzes wahrnimmt, seine Lebensumstände berücksichtigt und ihn eben nicht nur anhand seiner Laborwerte beurteilt. Viele Menschen schlucken Globuli, ohne den Rat eines Therapeuten einzuholen. Wie kann das funktionieren?
Die Selbstmedikation eignet sich sehr gut für die Behandlung alltäglicher Beschwerden wie Erkältungen und Magen-Darm-Beschwerden. Aber wenn die Probleme nicht verschwinden, wenn sie sich verschlimmern oder unbekannt sind, sollte man auf jeden Fall einen Arzt konsultieren. Wenn man zu lange damit wartet, kann es gefährlich werden. Das trifft übrigens auch auf andere Medikamente und Therapiearten zu. Unter Homöopathie-Anhängern finden sich auffallend viele Impfgegner. Unterstützen Sie diese Haltung?
Impfungen und Homöopathie sind segensreiche Trümpfe der Medizin - und man sollte sie beide nutzen. Bei uns im Unternehmen DHU werden deshalb auch Impfungen durch den Betriebsarzt durchgeführt. Man muss als Homöopath kein Impfgeg- ? ? ?
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WISSEN & GESUNDHEIT
ner sein. Aber man kann abwägen, wogegen man sich impfen lässt. Warum steckt in Ihren Präparaten so viel Handarbeit?
Sie spielen auf die Handver-schüttelung beim Potenzieren an. Wenn es um Einzelanfertigungen geht, schütteln Mitarbeiter kleine Fläschchen. Für übliche Mengen schlagen sie größere Schüttelflaschen zehnmal auf ein Lederkissen. Das ist aber nur ein Poten-zierungsschritt. Und dann wird weiter verarbeitet. Maschinen könnten das doch auch...
Wir arbeiten nach dem „Homöopathischen Arzneibuch", das ist der offizielle Standard. Wo es geht, achten wir auf traditionelle Regeln - auch wenn das viel Personal erfordert und betaebswirtschaftlich nicht immer sinnvoll erscheinen mag. Die Handverschüttelung mit der Dynamisierung bei der Verdünnung ist ein wichtiger Bestandteil des Herstellungsprozesses. Dem liegt die Vorstellung zu Grunde, dass dadurch die Heilkräfte der Arzneipflanzen verstärkt werden. Das ist eines der Grundprinzipien der homöopathischen Medizin. Spielt dieses Festhalten an 200 Jahre alten Regeln vielleicht eine Rolle bei der Wirksamkeit?
Es gibt natürlich eine Placebo-Wirkung, falls Sie das meinen. Die gibt es bei jedem Arzneimittel. Die Wirkung eines Medikaments setzt sich immer zusammen aus dem Placebo-Effekt plus der eigentlichen Arzneimittelwirkung - die aber größer ist als die Placebo-Wirkung. Entscheidend ist: Unsere Präparate sind erfahrungsgemäß wirksam. Das lässt sich immer wieder reproduzieren. Wächst der Markt für homöopathische Präparate?
Ja. Die DHU hat ihren Umsatz in den vergangen zehn Jahren um 55 Prozent gesteigert - auf 100 Millionen Euro 2014. Zuletzt hat sich unser Wachstum zwar abgeschwächt. Aber das hat nichts zu tun mit der nach wie vor wachsenden Popularität der Homöopathie. In Deutschland ist einfach der
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Die DHU kultiviert ihre Heilpflanzen selbst [hier Kamille] -ohne chemische Schädlingsbekämpfung
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Krischer [M.]
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Krauth
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Wettbewerb in der Branche härter geworden. Und im Ausland macht uns zum Beispiel der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland zu schaffen - beides wichtige Märkte.
Gibt es Länder, die Sie noch für die Homöopathie begeistern wollen?
Wir arbeiten daran, Homöopathie noch bekannter zu machen - besonders in Südamerika und in manchen Regionen Asiens. Erst seit sieben Jahren sind wir zum Beispiel in Kasachstan vertreten. Und als ich vor zwei Jahren Usbekistan besuchte, kannte kaum jemand die Therapie. Heute kann man dort schon unsere Kinderpräparate kaufen. Welche Stellung hat die DHU in der Pharma-Branche? Gelten Sie als der kleine unseriöse Bruder?
Ich war vor Jahren bei einem Meeting mit den Großen der Branche und wurde gefragt, was ich eigentlich mache. Nachdem ich mich vorgestellt hatte, lächelten die anderen. „Homöopathie? Kann man damit überhaupt Geld verdienen?", wurde ich gefragt. Auf einmal griff einer dieser Herren in seine Jacke und zog eines unserer Präparate heraus: „Davon redet der junge Mann." Von diesem Moment an hatten die anderen verstanden, worum es geht: Wir erwirtschaften zwar nur ein Prozent des Umsatzes der Branche. Aber 60 Prozent der Menschen in Deutschland haben schon ein homöopathisches Präparat angewendet. Und 80 Prozent sind zufrieden damit. Wird es die Homöopathie trotz des medizinischen Fortschritts in 100 Jahren noch geben?
Absolut. Vielleicht wird sie sogar noch populärer sein, weil immer mehr Menschen bewusst mit ihrem Körper umgehen, auf Nebenwirkungen achten und natürliche Produkte einsetzen wollen. Ich denke, dieser Trend ist noch dynamisch genug. Š
INTERVIEW: FRANK FLESCHNER/ MARKUS KRISCHER
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