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Author Topic: Sektoidalsadismus: 'Kinderkrankheiten haben einen Sinn!'  (Read 2421 times)

ama

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Sektoidalsadismus: 'Kinderkrankheiten haben einen Sinn!'
« on: May 13, 2009, 03:37:42 PM »

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Aus: SOZIALE HYGIENE

Kinderkrankheiten haben einen Sinn!
Unzeitgemäße Abhärtung • Das Rachitisproblem

WILHELM ZUR LINDEN
WALTHER BÜHLER
OTTO WOLFF

Die Masern
Eltern, die mit wacher Aufmerksamkeit die Entwicklung ihrer Kinder verfolgen, machen die Erfahrung, daß eine Kinderkrankheit, -wenn sie in rechter Weise überstanden wurde - sich segensreich auswirkt. Am deutlichsten kann man das bei den Masern beobachten. Kräftig auftretende Masern führen zu einer Art von Aufquellung der Haut und der Schleimhäute. Das führt zu Schnupfen, Bindehautentzündung, Husten mit Schleimabsonderung, vor allem aber zu einer Aufweichung der Gesichtszüge, die Konturen werden unscharf, was oft zu einer grotesken Veränderung der Gesichtsformen führt. Dann aber, nach zwei oder drei Tagen, gehen alle Schwellungen zurück, das Fieber und alle katarrhalischen Erscheinungen an Augen, Nase und Bronchien lassen nach. Langsam, aber immer deutlicher kommt dann ein neuer, oft fremder Gesichtsausdruck zur Erscheinung und nach einiger Zeit fällt aufmerksamen Eltern auf, daß vielleicht sogar die bisherige Ähnlichkeit des Kindes mit Vater oder Mutter abgenommen hat, daß ein neues, individuelleres Gesicht entstanden ist. Auch sonst zeigt sich oft eine Veränderung im Kinde. Eigenarten oder Schwierigkeiten im Wesen, die bisher zu bemerken waren, treten zurück. Das Kind ist offensichtlich in ein neues Entwicklungsstadium eingetreten. Will man es exakt ausdrücken, so kann man sagen: »Das Kind ist jetzt besser inkarniert«, Leib und Seele haben sich besser gefunden. Eine tiefere Erklärung für diese Vorgänge kann man nur geben, wenn man auf die intimeren Zusammenhänge im Menschenwesen eingeht: Das Kind konnte gewisse Besonderheiten, die es aus der Vererbung übernommen hatte, mit Hilfe des Fieberprozesses überwinden, und es ist nun erst richtig zu sich selbst gekommen. Sein eigenes Wesen, das, was seine innerste Persönlichkeit ausmacht, hat sich durchgesetzt - mit Hilfe der Masern und unter Mitwirkung des Fiebers.
Damit nähern wir uns dem eigentlichen Sinn einer solchen Erkrankung: Das Ich des Kindes, also sein in ihm wirkendes Wesen, benutzt die Wärme-Steigerung, die wir Fieber nennen, um zur Selbstverwirklichung zu gelangen. Es wird dadurch erst richtig Herr im eigenen Haus.
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« Last Edit: May 06, 2015, 01:28:28 PM by ama »
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ama

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Sektoidalsadismus: "Kinderkrankheiten haben einen Sinn!"
« Reply #1 on: May 14, 2009, 08:10:08 AM »

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'Kinderkrankheiten sind gesund!'
« Reply #2 on: January 05, 2020, 04:04:32 PM »

Dieser Titel ist etwas anders. Haben die den für das Doppelheft geändert? Das ist ein Doppelheft. Macht was damit.


[*quote*]
Kinderkrankheiten sind gesund!
Unzeitgemäße Abhärtung • Das Rachitisproblem

W. ZUR LINDEN • WALTHER BÜHLER • OTTO WOLFF
   
Merkblätter zur Gesundheitspflege im persönlichen und sozialen Leben



Inhalt
   
Wilhelm zur Linden • Walther Bühler Abhärtung im Kindesalter Seite 1
Wilhelm zur Linden ■ Walther Bühler Vom Sinn der Kinderkrankheiten Seite 15
Otto Wolff ■ Wilhem zur Linden Die Rachitis und ihre Verhütung Seite 23
   
Frühere Einzelhefte: Nr. 14 »Abhärtung im Kindesalter« ■ Nr. 7 »Vom Sinn der Kinderkrankheiten« Nr. 15 »Die Rachitis und ihre Verhütung«
❖ * * Doppel-Heft
© 1982 Verein für ein erweitertes Heilwesen e.V., 7263 Bad Liebenzell/Ul.
Alle Rechte vorbehalten I.Auflage 5000, 1982 Auslieferung für die Schweiz: Verein für ein anthroposophisch erweitertes Heilwesen CH-4143 Dornach 2 • Postfach 32 Herstellung: Gaiser Offsetdruck, D-7070 Schwäbisch Gmünd ISBN 3-922060-24-2
   
   
Wilhelm zur Linden (t) • Walther Bühler
   
Abhärtung im Kindesalter

Die Errungenschaften der modernen Zivilisation, die uns das äußere Leben in vieler Beziehung so leicht und bequem machen, haben es auf der anderen Seite mit sich gebracht, daß der heutige Mensch, zumal der in der Stadt lebende, sich der Natur immer mehr entfremdet. Unseren Vorfahren war es noch selbstverständlich, daß sie von Kind auf bei Sturm und Regen, bei Hitze, Schnee und Kälte die weitesten Wege zu Fuß zurücklegen mußten, und sie empfanden solche Härten der Witterung nicht als Störung, sondern als Kräftigung und Stählung der menschlichen Natur. So waren sie auch gegen Erkältungskrankheiten besser gewappnet als wir heutigen Menschen, die durch Auto und Schnellzug, durch Zentral­heizung und Klima-Anlage von den wechselnden Einflüssen des Wetters immer mehr abgeschirmt sind. Wir empfinden die unmittelbare Berüh­rung mit den Unbilden des Wetters - wenn wir sie einmal zu spüren be­kommen — vorwiegend als unbequem und lästig. Durch diese verweich­lichende Lebensweise werden wir immer weniger widerstandsfähig und reagieren auf einen plötzlichen Temperatursturz, auf Zugluft oder einen Gewitterguß leicht mit Bronchitis oder gar mit einer Lungenentzündung.

Aus der Erkenntnis dieser Tatsache, die viele Menschen mit Sorge er­füllt, haben sich nun vielerlei Bestrebungen zur Abhärtung entwickelt, die aber, oft einseitig und fanatisch, eine übertriebene Abhärtung empfehlen: Sommer wie Winter soll man im ungeheizten Zimmer mit weit offenem Fenster schlafen und sich eiskalt abwaschen. Die Kinder sollen durch leichteste Unterkleidung und Söckchen bei jeder Temperatur an die Kälte gewöhnt werden und ähnliche Unsitten mehr.

Angesichts solcher sich widersprechender Tendenzen - Verweich­lichung auf der einen, unsinnige Abhärtung auf der anderen Seite - steigt heute in vielen Menschen die drängende Frage auf: Gibt es eine bewußt gehandhabte, vernünftige und gesundheitlich zuträgliche Abhärtung, mit der man schon im Kindesalter beginnen kann?

Ein Mensch, der sich bei jedem kalten Luftzug oder bei gelegentlich durchnäßter Kleidung sofort eine Erkältung zuzieht, ist offensichtlich ge­fährdet. Aber nicht nur der Kälte, auch der Hitze eines schwülen Sommertages soll er standhalten können. Es ist ja allgemein bekannt, daß der Mensch eine bestimmte Körperwärme haben muß, um sich wohl-zufühlen und arbeitsfähig zu sein. In Mitteleuropa istdieGrundlage fürein
   
   
   
   
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volles Wohlbefinden eine Lufttemperatur von etwa 22° Celsius bei der etwa gleich hohen Strahlungstemperatur des Raumes und einer Luft­feuchtigkeit von ungefähr 50%. Die normale Temperatur des Menschen ist bei Achselmessung ungefähr 36,5°, Kinder dürfen bei Darmmessung bis zu 37,2° haben.

Der gesunde und in richtiger Weise abgehärtete Organismus sollte aber gerade dem Wechsel der Witterungserscheinungen gegenüber bestehen und auch extreme Unbilden, wie große Hitze, starke Sonneneinstrahlung, kalten, sturmgepeitschten Regen oder tiefe Temperaturen - zumindest vorübergehend - ertragen können.

Dazu gehört allerdings auch eine bestimmte seelische Einstellung, denn die dem Menschen zuträgliche Abhärtung ist nicht nur ein körperliches, sondern auch ein psychologisches Problem. Engländer oder Spanier setzen sich, wenn sie stark schwitzen, ruhig in Wind oder Zugluft, »damit sie schnell trocknen«. Der Deutsche hat von der Zugluft eine andere Vor­stellung, er fürchtet sie, und schon deshalb fällt er ihr leichter zum Opfer. Der mutige Wille, ein besonders hartes Wetter zu ertragen, oder der sport­liche Ehrgeiz, sich in einer großen Strapaze zu bewähren, macht den Menschen in der Tat widerstandsfähiger.

Alle Einflüsse der Umwelt treffen zunächst auf die Oberfläche unseres Körpers, also auf die Haut, welche der Hauptträger unserer Sinnesorgani­sation und anderer Lebensfunktionen ist. Durch die Haut greifen sie in den Wärmehaushalt des Körpers ein. Dem Eingriff von außen aber stellt der Organismus seine Reaktion entgegen, um selbst im Gleichgewicht zu bleiben und die Bedingungen für einen gesunden Lebensablauf erhalten zu können.

Wenn die Kinder eine Schneeballschlacht beginnen, bekommen sie zunächst eiskalte Hände und blasse Wangen. Durch die Zusammen­ziehung der Gefäße schützt sich ihr Körper vor zu großem Wärmeverlust. Erst bei lebhafter Bewegung tritt eine verstärkte Durchblutung der Glieder ein, so daß ein zusätzliches Wohlbefinden im ganzen Körper entsteht. Er ist nach der »Schlacht« zweifellos kräftiger geworden. Eine natürliche Ab­härtung hat stattgefunden. Bei einer Bergtour im Sommer dagegen kann die durch das Steigen ausgelöste Rötung und Überhitzung der Haut einen Schweißausbruch des Organismus bewirken. Der Wärmeentzug der durch das Verdampfen des Schweißes entsteht, hat ihn von einer gefähr­lichen Wärmestauung befreit. Nun kann aber bei der Rast auf dem Gipfel ein scharfer Wind unbemerkt das feuchte Hemd im Rücken zu stark aus­kühlen und zu einer Erkältung, zum Beispiel einer Rippenfellentzündung,

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führen. Offensichtlich wurde der Bogen überspannt: der Körper konnte den Ausgleich zwischen Überhitzung und einseitiger Abkühlung nicht rechtzeitig herstellen.

Dies Beispiel zeigt zugleich, daß wir im Zusammenhang mit der Ab­härtung nicht nur an die äußere Haut, sondern auch an die inneren Häute denken müssen. Es sind dies vor allem die Schleimhäute, die unsere Atmungsorgane-Nase, Nebenhöhlen, Luftröhre, Bronchien - und unser ganzes Verdauungsystem von den Lippen bis zum Darmausgang sowie das Nierenkelchsystem und die Blase auskleiden. Außerdem sind es die feinen Häute, die alle Gelenkflächen, als Rippen- oder Bauchfell die Lungen und alle Stoffwechselorgane, und nicht zuletzt auch das Gehirn überziehen. Die Schleimhäute sind nach innen verlagerte Träger feiner Sinnesorgantätigkeit und nehmen indirekt an allem teil, was die äußere Haut betrifft, also auch an den Abhärtungsmaßnahmen, die wir der Haut angedeihen lassen. Um diese aber in ihrer Wirkung zu durchschauen und sinnvoll handhaben zu können, müssen wir uns zuerst ein treffendes Bild von der Wärmeorganisation des Menschen verschaffen.

Der Wärmeorganismus

Es gehört zu den größten Wundern der Natur, daß eine Stoff-Zusam­menballung von 60—80 kg Gewicht, wie sie unser Körper darstellt, dauernd eine über die Temperatur der Umgebung hinausgehende Eigen­wärme bildet und diese durch Jahrzehnte hindurch - gegen alle störenden Einflüsse der Umgebung - bis auf Zehntelgrade genau aufrecht erhält.
Beim Menschen dürfen wir von einem regelrechten, selbständigen Wärmeorganismus sprechen, der ebenso wie der Gesamtorganismus des Menschen dreifach gegliedert ist. Auch der Wärmeorganismus hat zwei Pole, zwischen denen eine Art rhythmisches System regulierend und aus­gleichend vermittelt*. In dem einen Pol, der dem Stoffwechsel-Glied­maßensystem entspricht und auch in diesem verankert ist, wird die Wärme produziert. Man kann hier von dem »Produktionspol« sprechen, zu dem die Peripherie der Haut und der Wärmesinn als Gegenpol (siehe unten) gehört. Alle Stoffwechselorgane - vor allem die Leber, die immer eine Temperatur von ca. 40° hat - bilden fortwährend Wärme, gemeinsam mit dem Muskelsystem, in dem der Herzmuskel mit seiner besonderen
   

* Darstellung der Dreigliederung des menschlichen Organismus in ihrem Zusammenhang mit dem Denken, Fühlen und Wollen finden Sie in dem Buch »Der Leib als Instrument der Seele« von Dr. W. Bühler.

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Beziehung zur seelischen Wärme eine zentrale Rolle spielt. Die ständige Gefahr der Wärmestauung wird durch die regulierende Tätigkeit des Kreislaufs behoben, der innerhalb des dreigliedrigen Wärmeorganismus im Sinne eines rhythmischen Systems den Ausgleich zwischen den beiden Polen zu besorgen hat. Der Kreislauf leitet die überflüssige Wärme über die Blutbahnen zur Peripherie der Haut, wo sie stetig durch Ausstrahlung und durch direkte Wärmeleitung an die Luft oder mit Hilfe der Transpira­tion abgeleitet wird. Auch durch den Ausatmungsstrom der Lunge ent-wärmen wir uns fortwährend. Es ist eine der rätselvollen und besonders wichtigen Eigenschaften unserer Wärmeorganisation, daß — trotz dieses Abströmens von Wärme-jedes Organ sein ganz bestimmtes, individuel­les Wärmeniveau aufrecht erhält. Die Physiologen haben dies mit feinen Nadelthermometern aus Wolfram festgestellt, die man in die inneren Or­gane einführen kann. Die rechte Seite des Herzens hat eine andere Tem­peratur als die linke, die Lunge eine andere als die Milz. Die Leber ist während der Verdauungsphase mit 40-41° das wärmste Organ des Kör­pers.

Auch an der Hautoberfläche gibt es ganz verschiedene, gesetzmäßig differenzierte Temperatur-Regionen. Da sind es besonders die Organe, welche über die Oberfläche des Körpers hinausragen - wie Ohren und Nase -, die den wechselnden Temperaturen der Umgebung in stärkerem Maße ausgesetzt sind. Ähnliches gilt für das Unterhautzellgewebe der unbekleideten Hautpartien. Dem temperatur-konstanten »Kern« des Kör­pers mit seinen inneren Organen steht eine temperatur-wechselnde »Schale« gegenüber. Die Temperatur dieser »wechselwarmen« äußeren Schale muß sich den jeweiligen Schwankungen der im Stoffwechsel ge­bildeten Wärme ebenso angleichen, wie den wechselnden Verhältnissen der Außentemperatur. Das erfordert komplizierte Reaktionen, zu deren Überwachung und Durchführung der menschliche Organismus über einen eigenen Sinn verfügt, den Wärmesinn. Er besteht an der Haut­oberfläche aus 280000 Nervenendigungen, von denen 30000 zur Wahr­nehmung der Wärme und 250000 (!) zur Wahrnehmung der Kälte aus­gerüstetsind. Das auffallende Überwiegen der Kältepunkte zeigt bereits in drastischer Weise an, daß der Körper sich vor allem vor Unterkühlung zu schützen hat. Wäre der erwähnte Bergsteiger rechtzeitig der Warnung seines Wärmesinns gefolgt, als er die extreme Abkühlung verspürte, und er hätte sogleich eine Jacke angezogen, so wäre er gesund geblieben.

Die feinen Wahrnehmungen und die Wachsamkeit des Wärmesinns sind die unerläßlichen Voraussetzungen für das rechtzeitige Zustande-

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kommen jener unbewußt oder auch bewußt gesteuerten Regulations­vorgänge, die zum Aufrechterhalten der normalen Körpertemperatur, zur Stabilisierung der Wärmeorganisation und damit zu unserer Gesundheit notwendig sind. Der Wärmesinn löst bei der Schneeballschlacht durch stärkere Durchblutung der Peripherie ebenso wie bei der inneren Überhitzung beim Bergsteigen durch die Betätigung der Schweißdrüsen die Wärmeabgabe aus. Er wacht darüber, daß die Gefäße sich je nach dem Grad der Erwärmung oder Abkühlung ausdehnen oder zusammenziehen und regelt damit ihr rhythmisches Wechselspiel.

So erweist sich unsere Wärmeorganisation als ein dreigliedriger Orga­nismus, der selbst ein funktionelles Abbild des dreigliedrigen mensch­lichen Gesamtorganismus ist. Der Produktionspol der Wärme im Stoff­wechsel wird durch den Sinnespol der Ordnung des Organismus ein­gefügt. Das Zusammenspiel der beiden Pole geschieht durch die Zirkula­tionsvorgänge im rhythmischen System unserer Blutgefäße.

Verhärtung und Verweichlichung

Eine vernünftige und gesundheitsfördernde Abhärtung hat zwei Haupt­aufgaben zu bewältigen. Erstens gilt es, die WachheitdesWärmesinnszu erhalten und seine Empfindsamkeit zu pflegen, die die Gewähr gibt, daß die Schutzeinrichtungen des Wärmeorganismus rechtzeitig und richtig einsetzen. Zweitens müssen wir die Ausgleichsfunktionen der wechseln­den Durchblutung trainieren und so das rhythmische System des Wärme­organismus stärken, es reaktionsbereit und elastisch erhalten. Dabei wird ersichtlich, daß einesinnvolle Abhärtung keinesfalls in einer Abstumpfung des Wärmesinns bestehen darf, wie es leider oft geschieht. Ein Schularzt gab hierzu folgendes negative Beispiel: An einem naßkalten Novembertag steht der siebenjährige Klaus von der ersten Klasse auf dem Schulhof. Er hat kurze Hosen und Söckchen an, ist »oben« nur mit einem Pullover bekleidet. Gesicht und Beine sind bläulich verfärbt, die Schulter nach vorne hochgezogen, er schlottert vor Kälte. Ein hinzukommender Lehrer sagt zu dem Kind: »Wie ist es möglich, — bei dieser Kälte läufst du so herum? Zieh dir rasch etwas an!« Der Junge schaut den Lehrer erstaunt an und sagt schließlich: »Ich friere doch gar nicht! Ich zittere bloß!«

Das Zittern vor Kälte ist eine unwillkürliche Muskelbewegung, die-wie jedeMuskelbewegung-Wärmeerzeugt. EsistalsoeinesinnvolleReaktion des Organismus, die aber bereits ein hohes Maß von Unterkühlung voraussetzt. Ein kurzer Dauerlauf des Jungen hätte den gleichen Zweck-
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jetzt bewußt herbeigeführt - noch besser erfüllt. In weniger extremen Fällen kommt es aber bei mangelhafter Unterkleidung oder beim Tragen von Kniestrümpfen in den dafür nicht mehr geeigneten Jahreszeiten zu einerschleichenden, nicht bemerkten Unterkühlung. Der Körper gewöhnt sich daran und es kommt zu keiner Reaktion des Wärmeorganismus. Dies führt nicht nur zu einem gefährlichen Abstumpfen des Wärmesinnes, son­dern hat tiefgehende negative Wirkungen zur Folge, die sich vor allen Dingen an den Unterleibsorganen auswirken, wo die Wärmeorganisation und damit unter anderem die feinere Durchblutung der Organe gestört wird. Man denke, um dies zu verstehen, an die allgemeine Erfahrung, daß kalte oder gar naßkalte Füße durch reflektorische Vorgänge störend auf die Blasenfunktion wirken. Sie können zur Blasenerkältung, zur Entzündung der Blasenschleimhaut führen. Ähnliche Vorgänge fördern bei chro­nischer Unterkühlung der unteren Gliedmaßen die Neigung zu Men­struationsstörungen, sie können Blinddarmentzündung, »Hexenschuß« und anderes erzeugen.

Nun darf man nicht glauben, daß solche Schwächungen der Organ­funktionen sich stets sofort zeigen, wie bei akuten Erkältungen. Der jugendliche Wärmeorganismus hat große Reserven. Um so mehr machen sich die chronischen Unterkühlungen durch falsche Abhärtung im Alter bemerkbar. Sie fördern die Neigung zu allen V^rhärtungs wie Rheuma, Gelenkleiden, Gefäßsklerosen und Ablagerungen bis zur Ge­schwulstbildung. Der ältere Mensch produziert im Wärmebildungspol weniger Wärme und ist ohnehin kälteempfindlicher. »Falsche« Abhärtung führt eben nicht zur Steigerung der Gesundheit, sondern über die Schwächung der Wärmeorganisation zur Verhärtung des ganzen Organis­mus!

Als typisches Beispiel schildertein praktischer Arzt eine bejahrte Patien­tin, die »nach den Abhärtungsmaßregeln unsererZeit« erzogen wurde. Sie sei nie »verweichlicht« worden, Kühle und Härte bildeten die Erziehungs­mittel. Die Patientin erkrankte in den fünfziger Jahren an einer stetig fort­schreitenden Gelenkerkrankung (Arthritis deformans). Noch heute wollte sie es »ja nicht richtig warm in ihrem Zimmer haben«. Die Patientin emp­findet trotz einer schlechten Zirkulation des Blutes, die sich in der Blau­färbung der Glieder zeigt, niemals Kälte und läßt bei niedersten Tempera­turen die Fenster offen, bei der Gesunde vor Kälte zittern. Ihr Wärmesinn wurde von Kindheit an verdorben*.
   
* Dr. N. Glas: »Gefährdung und Heilung der Sinne«, Seite 108. 6

   
Der gleiche Arzt schildert weiter, wie die englische Unsitte, die Arbeits­räume nie genügend warm zu halten und die Schlafzimmer prinzipiell nicht zu heizen, zum Gegenteil dessen führte, was man erwartete in der Widerstandsfähigkeit eines ganzen Volkes: » ... denn vielleicht gibt es im Winter und in den sogenannten Übergangszeiten des Jahres nirgends mehr Kranke mit Erkältungskrankheiten als gerade in England. Zu den Er­kältungskrankheiten sind außer Schnupfen, Husten, Bronchitis und Lungenentzündungen auch Lumbago, Ischias, gewisse Neuralgien, Hais­und Mittelohrentzündngen zu zählen.« Die Häufung dieser Krankheiten ist ein Beweis für die Reaktionslosigkeit und den Mangel an Elastizität in einem verhärteten Wärmeorganismus.
Selbstverständlich ist auch ein verweichlichter Mensch in der Reaktionsfähigkeit seiner Wärmeorganisation schon geschwächt oder träge geworden. Eine solche Schwächung tritt vor allem dann einxwenn wir das bei jeder Erkältung auftretende Fieber nicht als urwüchsige Heil­reaktion des Wärmeorganismus auffassen und die überflüssige Hitze durch naturgemäße Methoden, wie Wadenwickel und so weiter, ableiten, sondern es durch die modernen fieberbrechenden Mittel mit Gewalt niederschlagen. Statt gestärkt zu werden und gegen künftige Erkältungs­gefahren besser gerüstet und trainiert zu sein, geht der Organismus gleich­sam »resigniert« oder »schockiert« aus einer solchen Erkrankung hervor, da ihm die eigentliche Auseinandersetzung mit ihr unmöglich gemacht wurde. Er ist dann späteren Belastungen keinesfalls besser gewachsen, vielmehr noch anfälliger geworden.

Praxis der Abhärtung

Bewegung und Ernährung

Bei einer gesundheitsfördernden Abhärtung müssen alle Funktions­bereiche des dreigliedrigen Wärmeorganismus berücksichtigt werden. Deswegen müssen wir außer der Pflege der Empfindsamkeit des Wärme­sinnes auch den Gegenpol der Wärmeproduktion beachten. Hier spielt die richtige Ernährung sowie eine ausreichende Muskelbetätigung die Hauptrolle.
Der zivilisierte Mensch ist aus vielerlei Gründen in Gefahr, sich zu wenig zu bewegen. Schon unsere Kinder haben oft nicht mehr die Ge­legenheit zum Spielen im Freien. Es fehlt an Spielplätzen, auf denen sie sich abseits von den Gefahren des Verkehrs und der Autoabgase austoben können. Der Sport beschränkt sich vielfach auf das Anschauen der »22

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Männer, die nach einem Ball treten«. Die steigende Benutzung der Ver­kehrsmittel, besonders das Zunehmen des Autofahrens, das Sitzen vor dem Fernsehapparat und so weiter zwingen uns zu unnatürlicher Passivi­tät der Gliedmaßen. Immer seltener wandern wir, und selbst zum regel­mäßigen Spaziergang fehlt es an Zeit. Was eine tägliche Notwendigkeit ist, sehen wir als Luxus an. Die Folge ist eine schlechte Durchblutung der Pe­ripherie - kalte Hände und Füße. Aber außerdem stellen sich auch Hal­tungsschäden ein.

Eine weitere Ursache für unsere Anfälligkeit liegt in der Ernährung, die unsere Verdauungskräfte nicht mehr voll in Anspruch nimmt. DieTätigkeit der glatten Muskulatur der Hohlorgane ist eine Metamorphose der Glied­maßenbewegung, die sich ins Stoffwechselgebiet fortsetzt. Die zunehmende Stuhlverstopfung ist zugleich Ausdruck einer Trägheit in der inneren Bewegungs- und Wärme-Dynamik. Durch Vollkornbrot, ge­nügend frisches Gemüse und Obst wird die Produktion der Eigenwärme aTfgejegt. Die Eiweißüberfütterung sollte unbedingt vermieden werden. Vor allem aber ist auf die segensreiche Bedeutung der Gewürze hinzuwei­sen. Ihre bekannte anregende Wirkung auf den Stoffwechsel und den Wärmeorganismus des Menschen hat ihre Ursache in einem besonders starken und differenzierten Eingreifen der Wärmekräfte der Natur. Dies gilt besonders für ihren Gehalt an Senföl und ätherischen Ölen. Petersilie, Schnittlauch, Knoblauch, Basilikum, Liebstöckl, Majoran, Kresse sind hier zu nennen. Erst neuerdings wurde zusätzlich festgestellt, daß die gegen Erkältung schützende Wirkung vieler derartiger Pflanzen wie Meerrettich, Kapuzinerkresse u. a. auf Stoffen beruht, die den Antibiotica ähnlich sind.

Die Nahrung soll außerdem genügend Vitamin B und C enthalten. Vit­amin B findet sich in dunklem Brot, ungeschältem Reis, der Hefe und wird von den nützlichen Darmbakterien erzeugt. Vitamin C ist bekanntlich in Früchten, vor allem in Zitronen, Orangen, Grapefruit, Sanddorn und Hagebutten, aber auch in den Roten Beten und in Zwiebeln zu finden.

Kleidung

Es ist die wichtigste Aufgabe aller Abhärtung, das rhythmische System des Wärmeorganismus zu stärken, es aktionsbereit und elastisch zu er­halten. Seine ausgleichende Tätigkeit, der Durchblutungswechsel, muß trainiert werden.

In ganz natürlicher Weise geschieht dies bereits durch den rhythmi­schen Wechsel der Tages- und Jahreszeiten und die Wettervorgänge.

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Durch die morgendliche und abendliche Kühle und die mittägliche Wärme wird der Organismus angeregt, paßt sich dem gewaltigen Wechsel von Hitze und Kälte im Sommer und Winter an und sollte auch einem scharfen Regenwind oder einem Föhn standhalten können. Jede über­mäßige Wetterempfindlichkeit ist bereits Ausdruck einer Schwäche unseres vegetativen Regulationsvermögens.

Den dabei entstehenden Erfordernissen der »wechselwarmen Schale« unseres Organismus kommen wir vor allem durch einen sinnvollen Wechsel der Kleidung entgegen. Es gilt, unter allen Umständen die Brut-wärme der inneren Organe des eigentlichen Wärmepols zu schützen und vor chronischer oder auch nur vorübergehender Unterkühlung zu be­wahren. Die Brust öffnet sich in der Atmung der Außenluft und kann ruhig an Abkühlung gewöhnt werden. Im Gegensatz dazu sind die Organe unterhalb des Zwerchfells die »Küche« oder das »Laboratorium« des Or­ganismus, wo mit gleichmäßiger Wärme gearbeitet wird. Der Leib muß — besonders von den unteren Gliedmaßen her - wohlig warm gehalten wer­den, sonst wird die Verdauungstätigkeit, die Verarbeitung der Nahrung und die Blutbildung gestört, und es leidet der Körperaufbau sowie die Re­generation. Verdauungsschwäche, Blutarmut und chronische Müdigkeit sind die Folgen. Denn das Bemühen, trotz ständiger Abkühlung immer von neuem genügend Wärme für die Verdauung zu produzieren, bedeutet einen enormen Kraftaufwand. Besonders empfindlich sind in dieser Be­ziehung die Funktionen der Nieren, der Blase und die der weiblichen Ge­schlechtsorgane. Für den Unterleib und die Gliedmaßen, aber auch für die kalten Beine und Füße ist - vor allem für Kinder - Unterzeug aus Schaf­wolle im Winter nichtzu entbehren. Auch Angorawäsche ist besonders für Rheumatiker und Menschen mit Blasenschwäche dringend zu empfehlen. Feine Wollhemden sind für Babys und Kinder oft unentbehrlich.

Die Verfasser sind'sich bewußt, daß gerade hierbei Elternhaus und Schule meist auf den schärfsten Widerstand der Kinder stoßen. Oft sind ganze Klassen wie besessen von der Vorstellung, daß es ein Zeichen von Stärke sei, Kälte nichtzu empfinden. Wer sich darum warm anzieht, gilt als verweichlicht, wird ausgelacht oder gar gemieden. Es gilt hier alle Auto­rität, anschauliche Aufklärung und physiologisches Geschick einzuset­zen, um den oft grassierenden Modetorheiten (nackte Knie, zu dünne Un­terwäsche und ähnliches) entgegenzuwirken. Unsere Hinweise auf die Gefährdung der Konstitution und die Folgewirkungen im Alter werden vielleicht das Verantwortungsgefühl der Erzieher auf diesem Gebiet wecken.

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Wasseranwendung

Im Säuglingsalter muß der Schutz des sich erst bildenden Wärme­organismus ganz im Vordergrund stehen. Das neugeborene Kind hält man daher so warm wie möglich, denn im Mutterleib war es vor Temperatur­schwankungen geschützt; es muß erst seinen Wärmesinn entwickeln und langsam lernen, auf den Temperaturwechsel in seiner neuen Umgebung sinnvoll zu reagieren. Wieviele Neugeborene beginnen das Leben mit einem Schnupfen, weil das Geburtszimmer nicht warm genug war. Oft braucht das Jüngste eine Wärmflasche. Bei schwülem Sommerwetter muß aber andererseits jede Wärmestauung im Bett vermieden und rechtzeitig das Federbett entfernt werden.

Am Ende der ersten sechs Lebenswochen beginnt man damit, das Kind ins Freie zu bringen. Bei bewegter Luft kühlt aber ein so kleines Kind schnell ab. Daher genügt es zuerst, wenn das Kinderbett am offenen Fen­ster steht. Je nach der Witterung steigert man ganz langsam diese Maß­nahmen. Ein Kind von mehreren Monaten kann auch bei geringer Kälte noch ins Freie gebracht werden, wenn kein scharfer Wind, besonders kein Ost- oder Nordwind weht. Im Sommer kann man ein Kind sogar wenige Minuten nackt am Fenster oder im Fenster der Luft aussetzen. Dabei muß man wissen, daß der blaue Himmel dieselbe Wirkung hat wie die direkte Sonnenbestrahlung.

Es ist eine Barberei, kleine Kinder mit kaltem Wasser zu waschen, wie es zur »Abhärtung« empfohlen wird. Man richte sich nicht nach Vorschrif­ten, sondern nach dem Verhalten der Kinder: dunkelhäutige, fettreiche Kinder mit gut durchbluteter Haut vertragen mehr Licht, Luft und kaltes Wasser als blonde oder gar rothaarige mit dünner Haut. Nie darf es zu Sonnenbrand kommen oder gar zum Frösteln.

In den folgenden Jahren gewöhnt man das Kind immer mehr an kurze kalte Waschungen; diese sollten jede warme Waschung oder - auch als kühle Brause-jedes Vollbad beschließen*.

Oberstes Gesetz für jede Anwendung von kaltem Wasser ist: niemals kaltes Wasser auf kalte Haut bringen. Ist die Haut nicht gut durchblutet, so muß sie erst durch ein warmes Bad, ein Fußbad oder eine warme Waschung erwärmt werden. Jede Wasseranwendung ist nur dann richtig, wenn sie in der Nachwirkung als angenehm empfunden wird. Nach kur­zer Zeit muß eine Steigerung der Körperwärme eintreten. Darin liegt der Abhärtungserfolg.

* Weitere Einzelheiten siehe Dr. med. W. zur Linden: »Das kranke Kind«.

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Im Freibad, vor allem an der See und in heißen Ländern, sollte nichteine möglichst schnelle Bräunung der Haut angestrebt werden, denn dadurch schirmt man die Sonnenwirkung ab. Kinder und Erwachsene sollten daher mit Sonnenbädern zurückhaltend sein. Das lange Liegen in der prallen Sonne reizt die Hirn- und Rückenmarkshäute und führt unter Umständen zu Hirnhautentzündungen oder begünstigt die Entstehung der Polio, es kann unter Umständen sogar eine alte, stille Tuberkulose neu aufflammen lassen. Hat man Vormittags in der See gebadet, sollte man nach dem Mittagessen im verdunkelten Zimmer mindestens eine Stunde schlafen, dasselbe gilt für den Hochgebirgsaufenthalt. Wer nach dem Freibad fröstelt und eine Gänsehaut oder gar bläuliche Lippen bekommt, war zu lange im Wasser oder an der Luft, sein Wärmeorganismus ist nicht in Ord­nung.

Eine sehr bewährte Maßnahme für Kinder, die häufig an fiebrigen Erkältungen der Luftwege und Lymphdrüsenschwellung leiden, ist folgende Salzwasserwaschung: Man nimmt einen Eßlöffel Kochsalz oder besser Nordseesalz (Weleda) auf ein Viertelliter lauwarmes Wasser und reibt mit einem Waschlappen die Haut des Halses und des oberen Brust­korbes mehrere Minuten, biseineRötungerreichtist. Dann kommtdas Kind nach leichtem Abtrocknen ins Bett. So verfährt man sechs Wochen lang jeden Abend (besonders geeignet vor dem Winter). Diese Waschung ist ein Ersatz für eine Solbadekur, die natürlich noch wirksamer ist, vor allem in einem Solbad in Gebirgslage, wie zum Beispiel Bad Dürrheim.
Zur Abhärtung des Unterleibs bei Anfälligkeit der Blase und der Unter­leibsorgane empfiehlt sich die kalte abendliche Waschung des Unterleibs oder ein kurzes kühles Sitzbad von 6 Sekunden Dauer mit anschließender Bettruhe ohne Abtrocknen.

Bei empfindlichen, mageren, nervösen Menschen fängt man die Ab­härtung nicht mit Wasser an, sondern mit Bürstungen der Haut. Man bür­stet mit einer ziemlich harten Naturborstenbürste (nicht Kunststoff!) von den Füßen an aufwärts immer in Richtung auf das Herz, bis es zu einer kräftigen Hautrötung kommt. Später macht man abends eine Waschung und morgens eine Trockenbürstung, die die Hautporen öffnet und die richtige Hautatmung verbessert.

Eine ganz schlechte Angewohnheit ist das tägliche Warmbad, womög­lich noch mit Benützung von Seife. Dieses führt zu Erschlaffung der Haut und Verweichlichung des Wärmeorganismus und steigert die Anfälligkeit für Umwelteinflüsse, und zwar besonders infolge der täglichen Entfernung des wertvollen Hauttalges. Dieser hat nämlich die Aufgabe, uns vor zu

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starker Wärmeabgabe zu bewahren und Hautentzündungen zu verhin­dern. Durch kein noch so gutes Hautöl ist der natürliche Hauttalg zu er­setzen. Zusätzlich sollte man aber mehrmals in der Woche ein solches Öl, besonders nach dem warmen Vollbad gebrauchen und sich einreiben, wobei jeder Fettüberschuß abgewischt wird.

Wer es gewöhnt ist und sich hinterher wohl fühlt, kann täglich kalt, aber kurz brausen. Für nervöse, dünnhäutige Menschen ist allerdings dieser kurze Kältereiz meist zu angreifend, vor allem für Rheumatiker.

Alle diese Ratschläge gelten mit gewissen Einschränkungen auch für ältere Menschen. Sie sollten aber nicht im Winter mit Kaltwasser-Anwen­dungen beginnen und vor allem auf den raschen Eintritt von Wohlbehagen achten. Empfehlenswert kann für dieses Alter bei bestimmten Konstitu­tionstypen das regelmäßige Saunabad sein.

Das eigentliche Ziel unserer gesamten Abhärtungsmaßnahmen ist die Wiedergewinnung und Erhaltung der Eigenwärme, also die Pflege unseres Wärmeorganismus. Sie ist nur dann richtig, wenn sie zur Steigerung der allgemeinen körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit führt. Jede Übertreibung ist vom Übel.

Der Wärmeorganismus als Träger des Ich

Mit kalten, klammen Händen kann man keinen Brief schreiben und kein Instrument spielen. Erst die richtige Durchwärmung unseres Leibes ermöglicht uns, diesen von Seele und Geist her ganz zu ergreifen. Ein wirklich gesundes Lebensgefühl tritt erst ein, wenn wir uns in unserem Leibe ganz »zu Hause« fühlen. Dieser Tatbestand weist auf ein Lebens­geheimnis der menschlichen Natur hin, das uns die geisteswissenschaft­lich erweiterte Menschenkunde erschließt. Ihr Begründer, Rudolf Steiner, zeigte, daß die Wärme im Menschen der eigentl iche physische Träger und Mittler des Geistes ist, der uns erst zu einem individuellen Wesen, zum »Menschen« macht. Unser »Ich«, das wir in unserem Bewußtsein zu­nächst nur wie einen Punkt erleben, durchdringt in Wirklichkeit - indem es sich in Denken, Fühlen und Wollen erlebt-wesenhaftden ganzen Leib. Es ist das innerste, ausstrahlende Zentrum und der Dirigent des Wärme­organismus. Die Warmblüter-Organisation der Säugetiere erreicht dadurch ihre Krönung, daß im Menschen die Wärme vom Funken des Geistes zusätzlich durchdrungen wird, wodurch er sich erst über das Tierreich erhebt.

Nur wenn den Maßnahmen zur Pflege des Wärmeorganismus diese Einsicht zu Grunde liegt, können sie vor einseitigen oder gar fanatischen

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Verirrungen bewahrt bleiben. - So betrachtet wird an das Ich des heran­wachsenden Menschen appelliert, sich seines Leibes in richtiger Weise zu bemächtigen. Die Wachheit des Wärmesinnes, die elastische Reaktions­bereitschaft der Blutzirkulation und die ausreichende Wärmeerzeugung in den Stoffwechsel Organen erfordert eine Art Geistesgegenwart des Orga­nismus. Im Fieber, das stets eine heilende Antwort des Körpers bedeutet, ist zum Beispiel unser Ich in seinen unbewußt bleibenden Kräften be­sonders aktiv. Die Pflege des Wärmeorganismus ist also nicht nur eine Frage der Verhütung von Erkältungen oder ein — oft mehr oder weniger egoistisches — Streben nach leiblicher Gesundheit. Sie ist zugleich die Voraussetzung für die richtige Verkörperung des Menschenwesens selbst.
Das über zwanzig Jahre dauernde Wachstum des Menschen ermöglicht ihm ein stetes, intimes und immer innigeres Sich-hinein-Arbeiten des Ich in den Leib auf dem Wege über die Wärmeprozesse aller Organe. Deshalb tritt das Ich erst in der »Volljährigkeit« ganz in Erscheinung. Mit jeder Stärkung oder Schwächung des (alten) Wärmeorganismus fördern oder stören wir deshalb zugleich die Ich-Organisation des Menschen und greifen damit in positiver oder negativer Weise schicksalsbildend in sein ganzes Leben ein.
Aus dieser Wechselbeziehung zwischen Ich und Wärme können wir aber auch erkennen, warum gerade die Abhärtung in ganz individueller Weise vor sich gehen muß und der größten Umsicht und Vorsicht des Er­ziehers bedarf. Er muß seinen Blick schulen für die gerade vorliegende Situation eines Kindes. Seine seelische oder körperliche Verfassung in einem bestimmten Augenblick sollte allein der Maßstab sein für den Zeit­punkt, die Art und Stärke einer Maßnahme, die heute möglicherweise unterlassen werden muß, während sie vor einigen Tagen vielleicht noch richtig gewesen wäre.
Die Entwicklung von Lebensmut und Durchhaltekraft, von Initiative und Begeisterung, die Möglichkeit zu einem phantasievollen und beweg­lichen Denken bedarf einer richtigen Verankerung des Ich in allen drei Bereichen des Wärmeorganismus. Erst das Wissen um solche seelisch-leiblichen Zusammenhänge kann in Eltern und Erziehern jene Verantwortlichkeit und Aufmerksamkeit aufrufen, die sie befähigt, die Aufgabe der Abhärtung mit der erforderlichen Wachsamkeit, Feinfühlig­keit und Energie zu ergreifen.

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(leer)   


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II.

Wilhelm zur Linden + • Walther Bühler

Vom Sinn der Kinderkrankheiten

Es ist eines der beunruhigenden Zeichen für die Natur-Entfremdung des heutigen Menschen, daß ihm das Verständnis für die Grundtatsachen des Lebens — Gesundheit und Krankheit — immer mehr verloren geht. Er steht den Vorgängen in seinem eigenen Körper hilflos gegenüber und hat den Instinkt verloren für das, was ihm zuträglich oder schädlich ist. So er­scheint den meisten Menschen heute jede Krankheit — und sei es nur ein harmloses Schnupfenfieber —alsein lästiges und oft gefährliches Ereignis, das so schnell wie möglich beseitigt werden muß, am liebsten durch vor­beugende Impfung oder ein radikal wirkendes Mittel. Das, was in früheren Generationen für jede einfache Mutter ein selbstverständliches Wissen war, ist für die heutigen Menschen ein völlig neuer, unerhörter Gedanke: daß nämlich den Krankheiten selbst oder ihren Begleiterscheinungen, wie dem Fieber, ein verborgener Sinn zugrunde liegen könne, der für die körperliche und seelische Entwicklung des Menschen von wesentlicher Bedeutung ist.

Die Angst vor dem Fieber

Vor allem bei den Krankheiten der Kinder blicken die Eltern aus der Sorge und Verantwortung für ein hilfloses und noch unselbständiges Ge­schöpf verständlicherweise ängstlich und wie gebannt auf die scheinbar nur negativen und gefährlichen Seiten des Krankseins. Viele unwissende Eltern verlangen vom Arzt, daß er das Fieber möglichst bald beseitigt, ja manche sind so töricht, die Tüchtigkeit ihres Arztes geradezu nach der Geschwindigkeit zu beurteilen, mit der er das Fieber zum Absinken oder Verschwinden bringt. Diese Haltung entspringt aus der irrigen Annahme, jedes Fieber sei an sich schon eine Krankheit.

Nun werden heute tatsächlich genug Mittel angeboten, mit deren Hilfe der Arzt ein Fieber in wenigen Stunden senken oder gar beseitigen kann. Aber man schenkt der Tatsache zu wenig Beachtung, daß immer wieder neue, stärkere »Wunderdrogen« auf den Markt gebracht werden müssen-offenbar weil die alten schon nicht mehr wirken. Irgend etwas scheint nicht zu stimmen bei dieser Rechnung: Wundermittel — Fieberbeseiti­gung — »Heilung«. Wie kommt es denn, daß trotzdem die Ärzte immer mehr zu tun haben und daß die Krankenhäuser nicht mehr ausreichen?

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Gewiß verliert eine große Zahl von akuten Krankheiten mit Hilfe solcher Mittel rasch ihren heftigen Charakter, aber oft ist der Patient nachher nicht im wahren Sinne »genesen«, er kann sich nicht recht erholen und klagt vielleicht bald über andere Beschwerden, da die alten nicht wirklich »geheilt«, sondern nur symptomatisch behandelt, also »verdrängt« wur­den. Hat das immer stärkere Auftreten fieberlos verlaufender Krankheiten, das man heute beobachten kann, vielleicht seinen Grund darin, daß den Menschen das heilende Fieber mit Hilfe der Gewaltmittel abgewöhnt wurde? Jedenfalls ist es eine nicht bestrittene Tatsache, daß der zivilisierte Mensch heute den Zustand völliger Gesundheit kaum noch kennt; er be­findet sich in einem andauernden Schwebezustand zwischen halber Krankheit und halber Gesundheit.

Bisher war diese Entwicklung in der Hauptsache auf die Erwachsenen beschränkt. Leider erstrecken sich aber die beschriebenen medizinischen »Erfolge« allmählich auch auf immer jüngere Jahrgänge, also auf Schul­kinder und manchmal schon auf Kleinkinder oder sogar Säuglinge. Es gibt heute zwei- oder dreijährige Kinder, bei denen nichts mehr recht an­schlägt, weil sie schon mit sämtlichen Antibiotika ausgiebige Bekannt­schaft gemacht haben! Und da die verschiedenen Keime gegen diese Mittel resistent geworden sind, läßt sich das Fieber nicht mehr unter­drücken. Alle zwei bis drei Wochen tritt eine akute fieberhafte Krankheit auf. Daran kann man erkennen, mit welcher verzweifelten Kraft ein gesund geborenes Kind einmal, ein einziges Mal eine Krankheit wirklich erleben und durchstehen möchte. Gegen alles ist ein solches Kind geimpft und trotzdem möchte es sich einmal in einer Krankheit bewähren; es möchte einmal seine eigenen Heilfähigkeiten einsetzen dürfen und dabei seine Konstitution stärken.

Selbstverständlich haben wir es in solchen Fällen von Arzneimißbrauch mit Entartungserscheinungen unserer Zivilisation zu tun, die vorläufig noch nicht die Regel sind. Ebenso zweifellos ist es aber, daß diese Tenden­zen im Steigen sind, daß die Zahl solcher Unglückskinder bereits riesen­groß ist — und daß sie weiter wachsen wird.


Vom Sinn des Fiebers

Es gibt wohl in der Geschichte der Medizin keinen großen Arzt, der seine Schüler nicht eindringlich gelehrt hätte: daß Fieber nicht die Krank­heit selbst ist, sondern so etwas wie eine Waffe, die der Kranke im Kampf mit der Krankheit besitzt und entwickelt. Für den biologisch heilenden Arzt ist diese Auffassung selbstverständlich. Neuerdings ist sie auch von

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schulmedizinischer Seite voll bestätigt worden. Professor O. Westphal, Freiburg i. B., der die Rolle des Fiebers erneut untersuchte, sagt darüber: »Fieber ist nur ein Zeichen von Krankheit. Heute wissen wir recht genau, daß ein Fieber an sich das Gegenteil von einer Krankheit ist, nämlich, daß es zu den Mechanismen gehört, mit denen der Körper versucht, sich einer Infektionskrankheit zu erwehren.«

Mit dieser Feststellung von wissenschaftlicher Seite ist in diesem sehr wichtigen Punkt eine völlige Übereinstimmung in allen medizinischen Richtungen hergestellt worden. Wenn nun auch in der Praxis danach ge­handelt würde, könnte viel Unheil, das durch vorzeitiges, nicht genügend überlegtes Unterdrücken des Fiebers entsteht, verhütet werden.

Es wurde schon darauf hingewiesen, daß Komplikationen und Nach­krankheiten entstehen können — sowie vor allem auch eine stark ver­zögerte Rekonvaleszenz — wenn das Fieber zu früh zum Schwinden ge­bracht und die eigentliche Krankheitsursache nicht heilend angegangen wurde. Auch kann der Organismus bei einer vorzeitigen Auslöschung des Fiebers oft keine Immunität gegen die betreffende Krankheit entwickeln, so daß zum Beispiel eine mit Antibiotika abgebrochene Scharlacherkran­kung mehrmals wiederkommen kann. Die Aufgabe des Arztes besteht eben nicht darin, das Fieber zu bekämpfen. Sein Bemühen muß sein, den biologischen Vorgang des Fiebers zu überwachen, so daß es als heilender Faktor wirksam werden kann. — Selbstverständlich kann bei jeder Krank­heit auch einmal ein schwerer Verlauf auftreten. Die Art des Fiebertypus gibt dem erfahrenen Arzt dann wichtige Hinweise für die Frühdiagnose einer derartigen Situation. Daher ist es notwendig, bei hohen Tempera­turen den Arzt zuzuziehen, damit er den Fieberablauf »überwacht«. Wenn er, wie es ja bei einem guten Arzt vorausgesetzt wird, die Fähigkeit besitzt, die biologischen Vorgänge des Fiebers richtig zu beurteilen, muß man ihm vertrauensvoll die Entscheidung überlassen, ob es sich noch um ein Heilungsgeschehen handelt, oder ob - wie dies in selteneren Fällen vorkommen kann—das Fieber aus einem Schwächezustand heraus weiter­lodert. Der Pflegende aber sollte durchdrungen sein von dem Wissen um die wohltätige Aufgabe des Fiebers; denn eine kraftvolle Fieberreaktion hilft ja dem Patienten, die verlorengegangene Harmonie der Körpervor­gänge wiederherzustellen. Diese vertrauensvolle Grundhaltung ist in der Pflege eines Kranken bereits selbst ein heilender Faktor. Die innere Un­ruhe, die aus der Angst vor dem Fieber und den seltenen Komplikationen entsteht, von denen man vielleicht einmal gehört hat, überträgtsich nurzu rasch auf den Patienten und erschwert damit die Heilungsvorgänge.

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Ganz besonders gelten diese Überlegungen für die Fieberzustände bei Kindern. Temperamentvolle Kinder können heute über 41 Grad Fieber haben und drei bis vier Tage später völlig gesund sein! Erfahrene Eltern haben gelernt, sich über das hohe Fieber, das akute Erkrankungen wie Grippe, Angina oder infektiöse Kinderkrankheiten — besonders Masern, Scharlach - begleitet, zu erfreuen. Sie erkennen daraus, mit welcher star­ken Kraft sich ihr Kind zur Wehr setzt.

Wie jede Krise, die man im Leben durchmacht, ist auch das Fieber oft mit unangenehmen Begleiterscheinungen verbunden. Es kann starken Blutandrang zum Kopf und erhebliche Kopfschmerzen verursachen. Selbstverständlich wird der Arzt oder auch die Mutter von sich aus mit Wadenwickeln, nassen Strümpfen oder lauwarmen Essigwasserwaschun­gen das Blut vom Kopf abzuziehen suchen. Dazu ist ja der Arzt da, daß er Übertreibungen, die in jedem lebenden Organismus vorkommen, mildert und lenkt; aber es sei nochmals gesagt, der Arzt arbeitet nicht gegen, sondern mit dem Fieber, denn es ist für ihn ein wichtiger Heilfaktor. Nie­mals wird er daher so weit gehen, das Fieber rasch und völlig zu beseiti­gen. Je ernster die Krankheit, um so wichtiger ist die Beachtung dieser Grundregel allen echten Heilens.

Man bedenke auch die Tatsache, daß manche Krankheiten erst dann gefährlich werden, wenn eine Entzündung vorliegt und kein entsprechend hohes Fieber auftritt. Fieber ist also eine höchst sinnvolle Kraftäußerung des Kranken.

Die Masern

Eltern, die mit wacher Aufmerksamkeit die Entwicklung ihrer Kinder verfolgen, machen die Erfahrung, daß eine Kinderkrankheit,-wenn sie in rechter Weise überstanden wurde - sich segensreich auswirkt. Am deut­lichsten kann man das bei den Masern beobachten. Kräftig auftretende Masern führen zu einer Art von Aufquellung der Haut und der Schleim­häute. Das führt zu Schnupfen, Bindehautentzündung, Husten mit Schleimabsonderung, vor allem aber zu einer Aufweichung der Gesichts­züge, die Konturen werden unscharf, was oft zu einer grotesken Ver­änderung der Gesichtsformen führt. Dann aber, nach zwei oder drei Tagen, gehen alle Schwellungen zurück, das Fieber und alle katarrhalischen Erscheinungen an Augen, Nase und Bronchien lassen nach. Langsam, aber immer deutlicher kommt dann ein neuer, oft fremder Gesichts­ausdruck zur Erscheinung und nach einiger Zeit fällt aufmerksamen Eltern

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auf, daß vielleicht sogar die bisherige Ähnlichkeit des Kindes mit Vater oder Mutter abgenommen hat, und daß ein neues, individuelleres Gesicht entstanden ist. Auch sonst zeigt sich oft eine Veränderung im Kinde. Eigen­arten oder Schwierigkeiten im Wesen, die bisher zu bemerken waren, treten zurück. Das Kind ist offensichtlich in ein neues Entwicklungs­stadium eingetreten. Will man es exakt ausdrücken, so kann man sagen: »Das Kind ist jetzt besser inkarniert«, Leib und Seele haben sich besser gefunden. Eine tiefere Erklärung für diese Vorgänge kann man nur geben, wenn man auf die intimeren Zusammenhänge im Menschenwesen ein­geht: das Kind konnte gewisse Besonderheiten, die es aus der Vererbung übernommen hatte, mit Hilfe des Fieberprozesses überwinden, und es ist nun erst richtig zu sich selbst gekommen. Sein eigenes Wesen, das, was seine innerste Persönlichkeit ausmacht, hat sich durchgesetzt — mit Hilfe der Masern und unter Mitwirkung des Fiebers.

Damit nähern wir uns dem eigentlichen Sinn einer solchen Erkrankung: das Ich des Kindes, also sein in ihm wirkendes Wesen, benutzt die Wärme­steigerung, die wir Fieber nennen, um zur Selbstverwirklichung zu ge­langen. Es wird dadurch erst richtig Herr im eigenen Haus.

Das Scharlachfieber

Auch wer die menschenkundlichen Schriften Rudolf Steiners nicht genauer kennt, kann durch eigene exakte Beobachtung die dort nieder­gelegten Anschauungen bestätigt finden und nur bereit sein, das volle Wesen des Menschen, also außer seinem physischen Körper, den Organis­mus der lebendigen Kräfte des Aufbaues und Wachstums, dazu die Seelen­kräfte, sowie das in allem wirksame Ich als zentralen Kern des Menschen anzuerkennen. Wer lediglich das Körperliche für wissenschaftlich er­forschbar hält, der kommt nur zu einer oberflächlichen Betrachtung und kann weder Gesundheit noch Krankheit verstehen, am wenigsten aber die Tatsache, daß bei einer Krankheit ein wohltätiger, sinnvoller Aufruhr ent­steht, der schließlich zu einer um so größeren Klärung und Ordnung führt.

Es wird noch nicht genügend erkannt, daß im menschlichen Organis­mus jeder physiologische Prozeß nicht nur ein chemischer Vorgang ist, sondern zugleich Mittler und Instrument seelisch-geistiger Prozesse. Dies sei noch kurz am Beispiel des Scharlachfiebers gezeigt.
Wenn sich einem Menschen auf dem Wege zu einem als gut erkannten hohen Ziel, das er erstrebt, scheinbar unüberwindliche Hindernisse in den Weg stellen, kann er, im edlen Zorn aufbrausend, sagen: »Man möchte

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aus der Haut fahren.« Er möchte gleichsam die Grenzen des Möglichen sprengen, und die zunehmende Rötung des Gesichtes und das »An­schwellen der Zornesader« zeigt, daß er bis ins Leibliche ergriffen ist. Der gestaute Wille macht sich daher vielleicht in einem Faustschlag auf den Tisch Luft. — So, wie bei einer solchen Willensbewegung die Armmuskeln das Instrument der wollenden, im Zorn entflammten Seele sind, so lebt zum Beispiel in der Muskeltätigkeit des Herzens, also in jedem Herz­schlag, der unbewußte Lebenswille unseres Seelenwesens.* Ja, alle physiologischen Wärmeprozesse in uns sind Träger der unbewußten Tiefen unseres seelisch-geistigen Wesens, insofern es Willenscharakter hat. Die Wärme ist das Tor, durch das sich unser - dem ewigen Wesens­kern entstammender — Lebenswille den Körper erobert und damit in die Sinneswelt einzieht.

Es ist deshalb nicht bloß ein Vergleich, wenn wir das Fieber einen organisch-unbewußten Zorn nennen. Jedem Fieberprozeß liegt in der Tat eine Steigerung unseres Lebenswillens zugrunde. Der Scharlachkranke, der nur im wörtlichen Sinne aus der geröteten Haut fährt, die oft in Fetzen abfällt, erobert sich in einem Anfall berechtigten »Zornes« seine Leiblichkeit, die dem Eindringen des Seelisch-Geistigen mancherlei Widerstände oder Verborgenheiten entgegensetzen kann. Er sucht mit Vehemenz das ihm von dem Vererbungsstrom bereitete, aber nicht immer passende »Modell« (Rudolf Steiner) auf seine individuellen Bedürfnisse abzustimmen. Gerade eine solche dramatische Erkrankung kann uns also auch über die seelisch-geistige Innenseite des Fiebers aufklären. Jeder ge­waltsame Eingriff in den Fieberprozeß bedeutet daher zugleich eine Schockierung der unbewußten Geistwesenheit des Menschen, ein Ver­urteilen derselben zur Lethargie, eine Schwächung ihres Lebenswillens.

Eine Wiederholung solcher Rückschläge durch stete unsachgemäße Fieberbeseitigung statt sinnvoller Fieberlenkung greift besonders beim heranwachsenden Organismus ungut in die Entwicklung der Persönlich­keit ein und schafft Dispositionen für Willensschwäche und Hemmung der Lebensinitiative, ja für Melancholien und Depressionen im späteren Lebensalter. Das Gegenteil ist der Fall bei einem Menschen, der das wer­dende Leibesinstrument in der Kindheit durch die vom Schicksalsgang ge­forderten Krankheitsprozesse auf seine Individualität richtig abzustimmen vermochte. Er bleibt leiblich gesünder und seelisch elastischer.

* Näheres siehe auch: »Der Leib als Instrument der Seele« von Dr. med. W. Bühler.

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Der Wärmeorganismus

Die Wärmeprozesse, wie schon an anderer Stelle angezeigt, arbeiten in jedem Organ anders und bilden eine den ganzen Körper durchdringende Wärmeorganisation, ja, einen regelrechten, relativ selbständigen Wärme­organismus. Er bedeutet etwas wie das Allerheiligste in der physischen Leiblichkeit. Dieser Wärmeorganismus ist beim heranwachsenden Kind, vor allem beim Säugling, noch unfertig, labil und für alle Störungen von außen besonders empfindlich. Er muß, ebenso wie der übrige Organis­mus, erst langsam heranreifen, um in rechter Weise zu funktionieren und Instrument des seelisch-geistigen Wesenskernes werden zu können. Bei jedem Fieber wird er auf eine besondere Probe gestellt. Deshalb sind beim Kind ungerechtfertigte, seiner wahren Natur nicht gemäße Eingriffe beson­ders schwerwiegend und können sich weit ungünstiger auswirken als der scheinbar gleiche Eingriff beim Erwachsenen.

Zum Impfproblem*

Von hier aus fällt auch ein neues Licht auf die schwere Verantwortung, die wir mit einem bedenkenlosen Abimpfen unserer Kinder gegen alle möglichen Kinderkrankheiten übernehmen müssen. Unsere Auffassung, daß jeder Kinderkrankheit ein tieferer Sinn im Schicksalswerdegang der Persönlichkeit zukommt, zeigt, daß die künstliche Beseitigung von Er­krankungsmöglichkeiten nicht so selbstverständlich ist und keineswegs nur positive Seiten hat, wie man es heute wahrhaben möchte.

Wenn wir aber durch gehäuftes Impfen dem kindlichen Organismus die meist förderliche Auseinandersetzung mit einer typischen Kinderkrank­heit ersparen, übernehmen wir — nach Rudolf Steiner — als Ärzte und Er­zieher die Verpflichtung, zum Ausgleich die Seelenkräfte unserer Kinder durch zusätzliche pädagogische Maßnahmen zu aktivieren und zu har­monisieren, wie dies zum Beispiel bei der Waldorfschul-Pädagogik der Fall ist.

Andererseits sollte der Erziehersich bewußt sein, daß jede pädagogische Maßnahme nicht nur den Kopf des Kindes anspricht, sondern durch die Art, wie sie praktiziert wird, gesundend oder kränkend bis in die leibliche Konstitution der Kinder hineinwirkt. Wie zum Beispiel die ungezügelten Zornausbrüche eines Vaters oder eine einseitig intellektuelle Erziehung in der Schule den kindlichen Organismus schwächen und schädigen, so

* Näheres über die Impfproblematik können Sie dem Beratungsblatt »Zu den Impfungen« entnehmen. Zu beziehen beim Verein für ein erweitertes Heilwesen.

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greift eine Menschenbildung, die Denken, Fühlen und Wollen in harmoni­schem Gleichmaß pflegt und entwickelt, gesundend und kräftigend in den Zusammenhang von Leib und Seele ein und macht dadurch den Organis­mus auch gegen Krankheitstendenzen widerstandsfähiger. Welch segens­reichen Einfluß in dieser Beziehung zum Beispiel eine dem heran­wachsenden Organismus angepaßte und bereits im Vorschulalter mögliche Eurythmie hat, ist noch viel zu wenig erkannt.

Selbstverständlich liegen bei den einzelnen Kinderkrankheiten die Ver­hältnisse verschieden, gemäß dem individuellen und differenzierten Zu­sammenspiel von Leib und Seele. Auf jeden Fall aber ist es für die Gesamt­entwicklung des Menschen bedeutend förderlicher, seine Gesundungs­kräfte zu aktivieren, als ihm durch passiven, einseitigen Impfschutz und ängstliches Fernhalten jeglicher Ansteckungs- oder Schädigungsmöglich­keiten jede Kraftprobe ersparen zu wollen, - wenn diese vielleicht auch mit Mühen und Nöten verbunden ist. Weitere Ausführungen über dieses Thema können in dem einschlägigen Schrifttum nachgelesen werden (siehe unseren Literaturhinweis). Hier mag das Beispiel der Masern und des Scharlachs genügen, um den tieferen Sinn der Kinderkrankheiten dar­zustellen. Wer die Zusammenhänge durchschaut, wird die wunderbaren Vorgänge des Fiebers mit anderen Augen ansehen lernen. Er wird es ge­wissenhaft beobachten, aber nicht mehr, aus kurzsichtiger Ängstlichkeit heraus, vorzeitig in dieses Heilungsgeschehen abrupt eingreifen wollen. An die Stelle der Angst tritt dann das Staunen vordem Wunder dieser weis­heitsvollen Naturvorgänge und das Vertrauen in die lebendigen Kräfte eines jeden heranwachsenden Menschenwesens, das sich auf vielerlei und individuelle Weise seinen Weg in die Leiblichkeit zu bahnen sucht.

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III.
   
Wilhelm zur Linden t • Otto Wolff

Die Rachitis und ihre Verhütung

Als Rachitis bezeichnet man eine Säuglingskrankheit, die sich am auf­fälligsten durch ungenügende Festigkeit und sogar durch Verbiegen der Knochen zeigt; der Bauch ist stark vorgewölbt und die Muskulatur schwach entwickelt und in einer Art dauernder Spannung. Die Kinder sind matt, aber schlaflos und reizbar; sie bleiben in der Entwicklung zurück und sind anfällig für katarrhalische Erkrankungen wie Schnupfen, Bron­chitis und Durchfälle.

Als tiefere Ursache liegt eine Stoffwechselstörung vor, genauer gesagt, eine mangelnde Fähigkeit zur Verkalkung. Im Laufe der Entwicklung müssen sich ja die Knochen durch Kalkeinlagerung verfestigen und auch die anderen Gewebe straffer werden. Natürlich ist es naheliegend zu meinen, daß dann miteiner Zufuhr von Kalkdie Krankheitzu beheben sei; das ist aber überhaupt nicht der Fall. Der Organismus kann damit gar nichts anfangen! Vielmehr besteht gerade ein Unvermögen, Kalk richtig aufzunehmen und damit umzugehen. - Erst in den letzten Jahrzehnten ge­lang es, diese Vorgänge genau zu erforschen und entsprechend zu be­einflussen.

Noch in den ersten Jahrzehnten unseres Jahrhunderts war die Rachitis eine schwere Volksseuche, an der viele Kinder zugrunde gingen oder verunstaltet wurden. Durch gesteigerte Wohnhygiene, Verbesserung der Ernährung und zusätzliche ärztliche Maßnahmen konnten die schwersten Formen dieser Krankheit zum Verschwinden gebracht werden. — Womit hängt diese Schwäche des Organismus, mit dem Kalk richtig umgehen zu können, zusammen, und was kann man dagegen tun? Seit über hundert Jahren ist bekannt, daß Lebertran die krankhaften Veränderungen in kurzer Zeit heilen kann. Obwohl die Verwendung um die Jahrhundertwende der Bevölkerung in größerem Maße zugänglich gemacht wurde, scheiterte der Erfolg oft an dem Geschmack. Für viele Kinder war das tägliche Einflößen von Lebertran eine seelische Qual.
Andererseits bemerkte man, daß auch Licht, vor allem die Ultraviolett­strahlung der Höhensonne, Rachitis heilen kann. Der alte Name »Eng­lische Krankheit« für Rachitis kommtdaher, daß die Krankheit vor allem in England auftrat, wo durch die mangelnde Sonneneinstrahlung und schlechte Wohnverhältnisse die Bedingungen eher gegeben waren.

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Das sogenannte Vitamin D

Eine Aufklärung dieser eigentümlichen Tatsache, daß sowohl Lebertran als auch Licht heilend wirken können, brachte die Auffindung des Vit­amin D, das sich in Milch, Butter, Eigelb, besonders reich aber im Leber­tran befindet. Die Lösung dieses Rätsels lag in der Entdeckung, daß das Vitamin D aus einer Vorstufe entsteht, die zwar der Organismus bildet, die aber erst durch die ultraviolette Bestrahlung in das wirksame Vitamin D übergeht. Mit Recht wird daher Vitamin D auch als »ins Medizinglas gebanntes Sonnenlicht« bezeichnet.

Es gelang nun, dieses Vitamin D künstlich herzustellen, und 1931 wurde es in großem Sti I zur Vorbeugung und Behandlung der Rachitis eingeführt. Da man allgemein Vitamine als Inbegriff von Gesundheit und Leben ansah, war es kein Wunder, daß keine großen Bedenken gegen die An­wendung und eventuelle Überdosierung oder dadurch zu befürchtende Schäden bestanden. Die Möglichkeit, eine schwere Krankheit auf so ein­fache Weise beherrschen zu können, ließ Bedenken nicht aufkommen. Das Problem Rachitis und ihre Behandlung schien gelöst. Jahrzehntelang verabreichte man allen Kindern das fertige Vitamin D (Handelspräparate sind unter den Namen Vigantol, Vigorsan, D-Tracetten, Detavit und anderes im Handel). Die Anwendung erfolgte jahrelang bedenkenlos, vor allem aber in Form des sogenannten Vitamin-D-Stoßes, bei dem sehr hohe Dosen auf einmal verabreicht werden. Die Stoßanwendungen waren in erster Linie bequem, und ihre gefährlichen Folgen schienen nicht gleich überschaubar, obwohl von verschiedener Seite immer warnende Stim­men erhoben wurden. Insbesondere wurde von anthroposophischen Ärz­ten immer wieder auf die Gefahren dieses Vorgehens hingewiesen. Bereits durch eine tiefere Auffassung vom Wesen der Krankheit und des Heilens, aber auch durch »Zwischenfälle« zeigte sich, daß die Dinge keineswegs so einfach liegen.

Bekanntlich sind Vitamine Substanzen, die dem Organismus mit der Nahrung zugeführt werden müssen, weil er sie nicht selbst bilden kann. Das ist für die Substanz Vitamin D nicht der Fall! Deshalb wird in Fach­kreisen diese Substanz auch nicht mehrzu den eigentlichen Vitaminen ge­rechnet, sondern zu den Hormonen. Der Mensch bildet nämlich sehr wohl die Vorstufe 3fes Vitamin D, das 7-Dehydrocholesterin. Was er aber wirklich von außen zugeführt erhalten muß, ist das Licht, das aus der Vor­stufe erst das Vitamin im Organismus entstehen läßt. Gibt man nun das »fertige« Vitamin D, so nimmt man dem sich entwickelnden Organismus eine Tätigkeit ab, die er selbst ausführen, beziehungsweise lernen sollte. Er

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braucht dann die Vorstufe nicht erst herzustellen, brauchtauch kein Licht, kurz, alles geht viel schneller und einfacher. - In Wirklichkeit aber ist es töricht, zu glauben, man könne einem Kind in der Entwicklung helfen, wenn man ihm etwas abnimmt, so daß es dies gar nicht erst selbst zu machen braucht. Vergleichsweise gesprochen ist das so, wie wenn man einem Kind die Mühe des Laufenlernens ersparen wollte und es gleich in einen Rollstuhl oder ein Auto setzt, wodurch es selbstverständlich wesent­lich rascher vorankommt. Nicht der äußere »Erfolg« ist entscheidend, sondern das, was das Kind überhaupt an Fähigkeiten erwirbt und an der Auseinandersetzung mit der Umwelt gewinnt. Dieses Erwerben von Fähigkeiten als Entwicklungsschritt gilt es zu werten!

Die Gefahr der Anwendung von Vitamin D

Was geschieht aber nun durch das Vitamin D? Wir haben gesehen, daß der kranke rachitische Organismus mit dem Kalk nichts anfangen kann. Bekommt er nun Vitamin D, so kann er leicht Kalk aufnehmen und im Or­ganismus ablagern. Es kommt zur Verkalkung der Knochen, die ja er­wünscht ist, aber - wenn die Grenze der Dosis nicht genau eingehalten wird - darüber hinaus zu Kalkablagerungen auch in anderen Geweben, vor allem in der Niere und den Gefäßen. Ist die Dosierung zu hoch, dann wird der Kalk geradezu in das Gewebe hineingepreßt. Es kann also das Gegenteil der ursprünglichen Krankheit eintreten: ist das rachitische Kind in der Entwicklung zurück und zu weich, so kann durch eine Überdosis von Vitamin D die Entwicklung so beschleunigt werden, daß ein vor­zeitiger Alterungsprozeß und eine übermäßige Verhärtung einsetzt. Eine gewisse Verkalkung am richtigen Ort, das heißt im Knochen und den Zähnen, ist für die Entwicklung nötig. Erst beim alten Menschen treten Kalkablagerungen auch in anderen Geweben, zum Beispiel den Blut­gefäßen, auf. Die übermäßige Kalkablagerung am falschen Ort ist also ein krankhafter, das heißt vorzeitiger Alterungsprozeß.

Es zeigte sich tatsächlich auch bald, daß die Anwendung einer so hoch­wirksamen Substanz, wie es das Vitamin D ist, keinesfalls ungefährlich ist. Es gab Todesfälle nach Vitamin-D-Verabreichungen, und in England tauchte um 1950 ein Krankheitsbild wie eine Epidemie auf, das zunächst nicht richtig gedeutet werden konnte. Bei diesem rätselhaften Krankheits­bild blieben die Kinder in der Entwicklung zurück, zeigten vermehrt Kalk im Blut und eine allgemeine Verkalkung praktisch aller Gewebe, nicht nur der Knochen. Jedem Liter Milch fügte man damals in England 1000 Ein-

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heiten Vitamin D zu, so daß mit den noch außerdem vitaminierten Nahrungsmitteln die Säuglinge und Kinder täglich 3000-4000 Einheiten Vitamin D erhielten. Dabei beträgt der normale Tagesbedarf400-600 Ein­heiten! Erst nach geraumer Zeit erkannte man den Zusammenhang dieser »neuen« Krankheit mit dem Vitamin D. Nach Beseitigung der Nahrungs-mittel-Vitaminisierung sank die Häufigkeit der geschilderten krankhaften Erscheinungen beträchtlich ab.

Später (nach 1961) wurde ein gehäuftes Zusammentreffen von zu hohem Kalkgehalt im Blut, wie es nach Vitamin-D-Gaben eintritt, und Herz- und Gefäßerkrankungen bei Kindern beschrieben. In diesen Fällen, wie bei den geschilderten Erscheinungen eines erhöhten Kalkgehaltes im Blute, ist immer wieder die Rede von »geistigen Schäden«, von geistiger Retardierung oder Hemmung der geistigen Entwicklung. Der kindliche Körper wird also in einen Zustand versetzt, der dem des alten, an Arterien­verkalkung leidenden Menschen angenähert ist. Die Folge einer derartig starken und vorzeitigen Mineralisierung des kindlichen Körpers ist -neben anderen Schäden — eine Bewußtseinsveränderung, die sich zu­nächst allerdings in zu großer Wachheit äußern kann, dann aber im Ver­laufe von Jahren zu einer Einschränkung des Denkvermögens und der geistigen Entwicklung führt. In dieser fundamentalen Störung der Bewußt­seinsentwicklung ist die Hauptgefahr der Vitamin-D-Behandlung zu sehen! Nicht die geschilderten schweren Schäden an Nieren und Blut­gefäßen allein oder die glücklicherweise nur sehr wenigen Todesfälle sind für die Beurteilung der Auswirkung von Vitamin D entscheidend, sondern vielmehr die Veränderung der gesamten Konstitution und die hier charak­terisierten feineren Störungen, auf die man heute überhaupt nicht achtet.
Natürlich muß man sich vor Einseitigkeit der Auffassung hüten und darf nun nicht alle negativen Beobachtungen dem Vitamin D in die Schuhe schieben. Es gibt noch mancherlei andere Gründe für solche Veränderun­gen des Bewußtseins oder frühzeitiger Alterungsprozesse: die Technisie­rung unseres Lebens, die unsinnige Reizüberflutung schon der Kinder und Säuglinge durch Straßenlärm, Radio und so weiter. Vor allem aber die immer stärker werdende Intellektualisierung und Mechanisierung der Lehrmethoden in den Schulen, eine falsch verstandene Vorschulerziehung und so weiter, kurz, das gesamte zivilisatorische Leben wirkt in dieselbe Richtung wie Spätwirkungen der Vitamin-D-Anwendung. Diese unheil­volle Entwicklung sollte deshalb nichtauch noch medikamentös gefördert werden.

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Die praktische Vorbeugung

Es kann sich selbstverständlich nicht darum handeln, über die Tatsache hinwegzusehen, daß es durch Anwendung von Vitamin D möglich ist, die schweren Schäden der Rachitis früherer Zeiten zu verhindern. Vielmehr muß darauf hingewiesen werden, daß man eben von einem Extrem ins andere fallen kann und statt der einen eine andere Krankheit hervorruft, die unter Umständen schlimmer ist als die Grundkrankheit. Namhafte Kinder­ärzte, wie zum Beispiel Prof. Mai, haben darauf hingewiesen, daß »viel­leichteine ungenügend therapierte Rachitis heute weniger gefährlich ist als ein späteres Gefäß- oder Nierenleiden«. Wir dürfen hinzufügen, daß eine leichte Rachitis für den ganzen Lebenslauf eines Menschen unter Umstän­den weniger schwerwiegend ist, als eine Beeinflussung oder Hemmung der geistigen Entwicklung, woraufhingewiesen wurde.

Die Tragik unsererZeit ist, daß nicht nur diese Auswirkungen noch nicht gesehen werden, sondern daß andere Lösungen als die Verabreichung von synthetischem Vitamin D überhaupt nicht in Erwägung gezogen werden.

Ein wesentlicher Faktor für die Entstehung oder Begünstigung der Rachitis ist die Ernährung. Es besteht kein Zweifel, daß die Kinder, die Muttermilch erhalten, weniger rachitisgefährdet sind als Flaschenkinder. Kann ein Kind nicht gestillt werden, so gibt eine gesunde Ernährung aus hochwertigen Getreidezusätzen (Demeter-Produkte, Marke »Holle«) zu guter verdünnter Kuhmilch einen erheblichen Schutz gegen schwere Rachitis. Dieser Getreideschleim, gewonnen aus Korn, welches auf natür­lich gedüngten Äckern gewachsen ist — nach biologisch-dynamischen Methoden und frei von Kunstdünger-erhält auch auch bei der weiteren Verarbeitung keinerlei chemische Zusätze. Erstelltdaherdas reinste Natur­produkt dar, das heute möglich ist. Es muß aber nachdrücklich darauf hingewiesen werden, daß auch die beste Ernährung zur sicheren Rachitis-Vorbeugung allein nicht ausreicht! Ebenso muß deutlich ausgesprochen werden, daß der Verzicht auf synthetisches Vitamin D nur dann ver­antwortet werden kann, wenn die regelmäßige ärztliche Kontrolle ergibt, daß keinerlei Gefährdung besteht beziehungsweise wenn anstelle des Vitamin D wirksame biologische Heilmittel in richtiger Dosierung und über genügend lange Zeit hinaus gegeben werden. Mit Nachdruck sei nochmals darauf hingewiesen, daß Kalkpräparate allein zur Rachitis­verhütung nicht geeignet sind, die zwar eine ausgezeichnete Ergänzung der Natur sein können, aber keine Rachitis-Heilmittel sind. - Eine sorg­sam ausgewählte und durchgeführte Rachitis-Vorbeugung ist für alle Säuglinge durchaus notwendig. Es sei ausdrücklich betont, daß jeder

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Säugling regelmäßig dem Arzt vorgestellt werden sollte, insbesondere wenn Anzeichen einer Rachitis auftreten. Erwähnt sei noch, daß jede Überernährung die Rachitisentstehung begünstigt.

Die nun zu schildernden Maßnahmen haben sich seit Jahrzehnten in der anthroposophisch orientierten Medizin zur Rachitis-Vorbeugung be­währt. Vorbeugende Maßnahmen sollten bereits in der 5. Lebenswoche beginnen. Sie sind unter ärztlicher Kontrolle im 1. Lebensjahr durch­zuführen. Auch im 2. Lebensjahr ist dringend ärztliche Aufsicht anzuraten.

Zu einer vereinfachten, vorbeugenden Behandlung sind zwei Kombi­nationspräparate entwickelt worden, die vom Arzt verordnet werden: 1. Apatit / Phosphor comp., Tropfen und 2. Conchae I Quercus comp., Pulver (Original Weleda). Die beiden Präparate sind in zwei verschiede­nen Stärken und Zusammensetzungen im Handel: mit der Bezeichnung »S« für Säuglinge bis zum 7. Monat, mit der Bezeichnung »K« für Klein­kinder nach diesem Zeitpunkt.

Diese Mittel stellen eine Art Standardkur dar, durch die bei sorgsamer Durchführung das Auftreten einer Rachitis verhütet werden kann. Damit soll aber genaueren Verordnungen, die ein in der Methode erfahrener Arzt für einen Einzelfall auswählt, nicht vorgegriffen werden. In den ersten Lebensjahren ist eine monatliche Kontrolluntersuchung erforderlich. Diese Medikamente nehmen dem Organismus nichts ab, sondern regen die Selbstheilungskräfte des Kindes an. Sie sind deshalb mit dem Vitamin D nicht auf eine Stufe zu stellen.
Bei besonders gefährdeten Kindern, etwa bei einer vererbten Rachitis­anlage, bei schlechten Lichtverhältnissen, ungeeigneter Ernährung oder unzweckmäßiger Pflege kann man, besonders im Winter, für zwei oder drei Wochen statt dieser Anwendung auch naturreinen Lebertran ver­abreichen, 2mal täglich einen halben bis einen Teelöffel voll. Notwendig ist das im allgemeinen nicht. Diese Methode hat sich in Jahrzehnten bei Tausenden von Säuglingen als erfolgreich und ausreichend erwiesen.

Als notwendige Ergänzung dieser Maßnahmen ist das tägliche Hinaus­bringen der Kinder ins Freie zu bezeichnen, um die unbedingt nötige Zu­fuhr von Licht zu gewährleisten. Je nach der Witterung bringt man das Kind - von der sechsten Woche an - an die frische Luft und in die Sonne. Auch im Winter ist das nötig! Die Zeitdauer richtet sich nach Wind und Temperatur; oft genügt schon eine Viertelstunde. Vorsicht bei Ostwind und Temperaturen unter vier Grad! Notfalls stellt man das Kinderbett eine Zeitlang direkt an das geöffnete Fenster. Im Sommer kann man das Kind auch für kurze Zeit entkleidet der Vormittagssonne aussetzen, mit zwei

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Minuten beginnend, langsam auf fünfzehn Minuten steigernd, wobei der Kopf bedeckt werden muß. - Dem Kinderbad kann man auch Thymian-Abkochungen (oder Weleda-Kinderbad) oder Sole zusetzen. Es besteht keine Notwendigkeit, Säuglinge täglich zu baden. Mit der Seifenanwen­dung sollte man zurückhaltend sein, weil durch sie der wertvolle Hauttalg unnötig entfernt wird.

Es sei ausdrücklich erwähnt, daß die vorgeschlagenen Behandlungen Standardmaßnahmen sind, die unter Umständen ergänzt werden müssen. Sollten dennoch rachitische Zeichen auftreten, so hat der erfahrene Arzt natürliche Heilmittel zur Verfügung, um diese zu heilen. Unbedingt ge­hören aber Sorgfalt und große Ausdauer der Mutter zu einem vollen Heil­erfolg.

Zur Frage der »Kollektivmedizin«

Aus den dargestellten Grundgedanken kann hervorgehen, daß unsere Ab­lehnung der Vitamin-D-Präparate vor allem deshalb erfolgt, weil eine übermäßige Verhärtungstentenz im Organismus veranlagt wird, die sich auf das ganze Leben auswirken kann. Nun ist eine Verhärtung und Ver­kalkung bis zu einem gewissen Grade nötig, sonst kommt es eben zur Rachitis. Doch ist diese Tendenz außerordentlich verschieden bei den einzelnen Menschen ausgeprägt. Man weiß heute, daß in seltenen Fällen sogar eine »Überempfindlichkeit« gegenüber Vitamin D besteht, das heißt, daß der betreffende Organismus dieses gewiß nicht benötigt und deshalb eben stärker reagiert. Man sieht nicht, daß Vitamin D zwar in vielen Fällen die Rachitis verhüten kann, aber in anderen Fällen, die viel­leicht zahlreicher sind, eine noch bedenklichere Entwicklung einleitet.

In der Begeisterung für die rasche Wirkung wurde das synthetische Vitamin D allen Kindern verordnet, oft sogar ohne Untersuchung und ohne jede Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse. Das geschah natürlich aus bester Absicht heraus, was man den entsprechenden In­stanzen gern zugesteht. Derartige Kollektivmaßnahmen sind aber mit wahrer Heilkunst nicht vereinbar. Durch sie kann soziale Hygiene tat­sächlich unmenschlich werden, gleichgültig, ob ihre Ausgangsstellung richtig oder falsch war und ob die Absicht von bestem Willen getragen war.

Gerade diese Tendenz zur Erweichung oder Verhärtung, Verlangsamung oder Beschleunigung der Entwicklung ist individuell sehr ausgeprägt. Das ist eine Realität, die berücksichtigt werden muß! Selbst bei der Festsetzung unserer Steuern nimmt der Staat Rücksicht auf die Besonderheiten jedes
   
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einzelnen Bürgers; ihre spezielle »Dosierung« wird eingehend geprüft, wobei äußerst differenziert vorgegangen wird. Wieviel mehr müßte aber in Fragen der Gesundheit der Einzelfall geprüft und berücksichtigt werden! Stattdessen wird noch immer schematisch vorgegangen und jedes Kind erhält die gleichen Dosen, ob es dessen bedarf oder nicht. Oft genug tun ängstliche Mütter darüber hinaus noch das Ihre und versorgen das Kind mit zusätzlichen Vitamin-D-Rationen in Stärkungsmitteln, Tabletten oder ähnlichem, weil sie glauben,, daß man mit einem Vitamin niemals Schaden anrichten könne. Leider sind ja viele dieser hochwirksamen Präparate immer noch frei verkäuflich.
Häufig wird auch bei der Verabreichung der Vitamin-D-Präparate sogar ein recht erheblicher moralischer Druck angewendet. Ja, Eltern, die ihr Kind nicht gegen Rachitis schützen, können strafrechtlich verfolgt werden. Eine sehr einseitige Sorge des Staates.

Gewiß sind sich wohl heute alle führenden Kinderärzte darüber einig, daß der jahrzehntelang routinemäßig geübte »Stoß« völlig unphysiolo­gisch ist, und man empfiehlt heute die tägliche Verabreichung geringer Dosen Vitamin D. Dennoch wird auch von verschiedener Seite heute noch der Frühstoß in der ersten Lebenswoche empfohlen. Er muß für das neugeborene Kind geradezu wie ein Schock wirken. Natürlich sind die Vitamin-D-Stöße für eine Massenbehandlung sehr bequem. Man hält eine Anwendung geringerer täglicher Vitamin-D-Gaben über längere Zeit hinaus deswegen nicht für vertretbar, weil erfahrungsgemäß viele Mütter eine solche, sich über Monate erstreckende tägliche Verabreichung von Medikamenten nicht mit genügender Sorgfalt durchführen. Diese Auf­fassung und solche Bedenken sind in mancher Hinsicht verständlich und — sicherlich oft—auch zutreffend. Man sollte aber wegen der Nachlässigkeit mancher Mütter die Gesamtheit der Kinder nicht der Gefährdung durch unphysiologisch hohe Vitamin-D-Stöße weiter aussetzen!

Angesichts der immer mehr bekannt werdenden Schäden durch das synthetische Vitamin D sollte dessen immer noch weitgehend kritiklose Anwendung unterbleiben. Die Möglickeit, auf welche hingewiesen wurde, daß bei unseren Kindern eine »Hemmung der geistigen Entwick­lung«, ja ein frühzeitiger Vergreisungsprozeß veranlagt werden kann, sollte als Warnung genügen! Denn was soll aus unseren schon im Säuglingsalter auf den Weg der Verkalkung gebrachten Kindern einmal werden, wenn sie erst in die Jahre der altersbedingten Adernverkalkung kommen?!

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Literatur

Rudolf Steiner, Themen aus dem Gesamtwerk, Zur Sinneslehre, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart.

Norbert Glas, Frühe Kindheit, Bd. 1, Mellinger Verlag, Stuttgart.

Wilhelm zur Linden, Geburt und Kindheit. Pflege-Ernährung-Erziehung. Vittorio Kloster­mann, Frankfurt.

Caroline von Heydebrand, Vom Seelenwesen des Kindes, Mellinger Verlag, Stuttgart.

Willi Aeppli, Sinnesorganismus - Sinnesverlust - Sinnespflege, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart.

Karl König, Die ersten drei Jahre des Kindes, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart. Walther Bühler, Der Leib als Instrument der Seele, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart.

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Dr. med. Walther Bühler, geb. 1913 in Homburg/Saar, nach Staatsexamen 1938 in Freiburg Sanitätsoffizier im 2. Weltkrieg. War Mitbegründer und langjähriger Leiter der Krankenanstalt Paracelsushaus in Bad Liebenzell/Ul. Vor­standsmitglied der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland und der Gesellschaft anthroposophischer Ärzte. Mitbegründer und Vorstandsmitglied der sozial­hygienischen Laienbewegung »Verein für ein erweitertes Heilwesen«. Autor von Zeitschriftenartikeln und Büchern. Besonders bedeutungsvoll: »Das bewegliche Osterfest« (Neuauflage 1978 »Die geistigen Hintergründe der Ka­lenderordnung«). Seit 1968 hauptberuflich als Dozent und Vortragsredner tätig, auch über sozialhygienische Fragen und dadurch weiten Kreisen bekannt.
   
Dr. med. Otto Wolff, geb. 1921 in Glatz/Schlesien. Nach dem medizinischen Staatsexamen klinische Tätigkeit mit besonderer Forschungsrichtung Biochemie. Danach nie­dergelassen als praktischer Arzt und Schularzt. Langjährig tätig in der Heilmittelforschung und -entwicklung. Zahl­reiche Veröffentlichungen auf verschiedenen medizini­schen Gebieten. Herausgeber und Hauptautor des Stan­dardwerkes der anthroposophischen Medizin: Huse-mann, F., Wolff, O., »Das Bild des Menschen als Grund­lage der Heilkunst«, Stuttgart 1974 und 1978. - Dozent am medizinischen Seminar der Lukas-Klinik (Arlesheim, Schweiz) und am »Waldorf Institute of Mercy College« in Detroit (USA). Regelmäßige seminaristische Tätigkeit be­sonders über anthroposophische Medizin in Deutsch­land, Skandinavien, Spanien, USA, Brasilien, Argentinien und Südafrika.
   
   
   
Kinderkrankheiten haben einen Sinn!
   
»Mein Kind hat 40 Fieber! Was kann ich tun?« Diese ängstliche Frage wurde sicherlich schon von jeder Mutter gestellt. Der Heilkundige wird nicht zum all­bekannten Fieberzäpfchen raten, sondern zu ableitenden Maßnahmen wie Waden­wickeln und ähnlichem.
Fieber ist ein wertvoller Helfer für das Kind in seiner Entwicklung. Es wird stärker und widerstandsfähiger aus seiner Krankheit hervorgehen. Kinderkrankheiten müssen sein! Sie helfen dem kleinen Erdenbürger, seine »Wohnung« — gemeint ist sein Leib — richtig zu erfassen und sich ganz zu inkarnieren.

In dieser Schrift werden Gesichtspunkte aus der anthroposophischen Geistes­wissenschaft aufgezeigt, die ein jeder Erzieher kennen sollte.

[*/quote*]



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« Last Edit: January 06, 2020, 09:31:33 AM by RUEBENKRAUT »
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'Entartete' Medizin!?
« Reply #3 on: January 05, 2020, 07:42:31 PM »

Ich habe ja schon einiges gesehen, auch aus der Wahnwelt der Anthroposophen. Den Begriff "Entartungserscheinungen" habe ich allerdings nicht erwartet. "Entartete Kunst", kennen wir, von den Nazis. Aber das jetzt? Mir scheint, die Verbindung zwischen Nazitum und Anthroposophie ist stärker als wir ahnten.


[*quote*]
Kinderkrankheiten sind gesund!
Unzeitgemäße Abhärtung • Das Rachitisproblem
W. ZUR LINDEN • WALTHER BÜHLER • OTTO WOLFF
Merkblätter zur Gesundheitspflege im persönlichen und sozialen Leben
[...]

Wilhelm zur Linden ■ Walther Bühler
Vom Sinn der Kinderkrankheiten Seite 15


 
Frühere Einzelhefte: Nr. 14 »Abhärtung im Kindesalter« ■ Nr. 7 »Vom Sinn der Kinderkrankheiten« Nr. 15 »Die Rachitis und ihre Verhütung«
❖ * * Doppel-Heft
© 1982 Verein für ein erweitertes Heilwesen e.V., 7263 Bad Liebenzell/Ul.
Alle Rechte vorbehalten I.Auflage 5000, 1982 Auslieferung für die Schweiz: Verein für ein anthroposophisch erweitertes Heilwesen CH-4143 Dornach 2 • Postfach 32 Herstellung: Gaiser Offsetdruck, D-7070 Schwäbisch Gmünd ISBN 3-922060-24-2
[...]


[Seite 16]

Alle zwei bis drei Wochen tritt eine akute fieberhafte Krankheit auf. Daran kann man erkennen, mit welcher verzweifelten Kraft ein gesund geborenes Kind einmal, ein einziges Mal eine Krankheit wirklich erleben und durchstehen möchte. Gegen alles ist ein solches Kind geimpft und trotzdem möchte es sich einmal in einer Krankheit bewähren; es möchte einmal seine eigenen Heilfähigkeiten einsetzen dürfen und dabei seine Konstitution stärken.

Selbstverständlich haben wir es in solchen Fällen von Arzneimißbrauch mit Entartungserscheinungen unserer Zivilisation zu tun, die vorläufig noch nicht die Regel sind. Ebenso zweifellos ist es aber, daß diese Tenden­zen im Steigen sind, daß die Zahl solcher Unglückskinder bereits riesen­groß ist — und daß sie weiter wachsen wird.

[*/quote*]


Ein Kind kränkelt, hat alle paar Wochen diese oder jene Infektion. Was dichten ihm die Wahnsinnigen an? DASS ES KRANK WERDEN WILL! Wieso sind diese Vollidioten nicht auf der Stelle aus der Ärzteschaft ausgeschlossen worden? Entzug der Approbation ist das Mindeste, was hätte erfolgen müssen, aber sofort, auf der Stelle!

Aber es kommt noch schlimmer: Diese Gestalten sind hochgelobte Vortragsredner der Anthroposophen in Süddeutschland. Daraus darf man sehr weit reichende Rückschlüsse ziehen... Sehr weit reichende...!!!


An diesen Beispielen sieht man, wie wichtig es ist, mit Originalen zu arbeiten. Hoffentlich gibt es Scans dieses Machwerks.
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Re: Sektoidalsadismus: 'Kinderkrankheiten haben einen Sinn!'
« Reply #4 on: January 06, 2020, 10:12:26 AM »

[*quote*]
Kinderkrankheiten haben einen Sinn!
   
»Mein Kind hat 40 Fieber! Was kann ich tun?« Diese ängstliche Frage wurde sicherlich schon von jeder Mutter gestellt. Der Heilkundige wird nicht zum all­bekannten Fieberzäpfchen raten, sondern zu ableitenden Maßnahmen wie Waden­wickeln und ähnlichem.

Fieber ist ein wertvoller Helfer für das Kind in seiner Entwicklung. Es wird stärker und widerstandsfähiger aus seiner Krankheit hervorgehen. Kinderkrankheiten müssen sein! Sie helfen dem kleinen Erdenbürger, seine »Wohnung« — gemeint ist sein Leib — richtig zu erfassen und sich ganz zu inkarnieren.

In dieser Schrift werden Gesichtspunkte aus der anthroposophischen Geistes­wissenschaft aufgezeigt, die ein jeder Erzieher kennen sollte.

[*/quote*]


Dann haben Busunfälle einen Sinn? Oder ausrutschen und mit dem Kinn auf die Badewanne aufschlagen, weil das die innere Verbundenheit mit dem Omni Bus (= für Alle) und die Verbundenheit mit Wasser und Erde zeigt, die für die geistige Gesundheit des Menschen so notwendig sind?

Verrückt? I wo! Kein bißchen! Da haben wir doch etwas im Archiv:


Internationaler Kongress für Kindernierenmorden
http://www.transgallaxys.com/~kanzlerzwo/index.php?topic=195.0

[Zitatanfang]
Dr. Walter Köster: Ekzeme heißt "von sich werfen" - Symptome miasmatisch wahrnehmen.
[Zitatende]


Oder wie wäre es mit "Fallen aus dem Fenster im 3. Stock"? Schmeißt die Kinder aus dem Fenster und sammelt sie dann unten wieder ein.

Ach was! 3. Stock, das kann doch Jeder. Nein, 10 Meter. Kinder vom 10-m-Brett runterschmeißen, das ist es. Zu soft? Dann 15 Meter!


https://www.oe24.at/welt/weltchronik/Inder-werfen-Babys-fuer-glueckliches-Leben-von-Turm/301212

[*quote*]
Bizarres Ritual
Inder werfen Babys für glückliches Leben von Turm

Jeder wünscht sich ein glückliches Leben für seine Kinder. In Indien gibt es ein bizarres Ritual, wie man seinen Kindern ein gesundes Leben zukommen lässt.

Seit 500 Jahren gibt es in der indischen Provinz Maharashtra schon dieses für unsere Begriffe grausame Ritual: Babys werden von einem rund 15 Meter hohen Turm geworfen, um ihnen ein glückliches, gesundes Leben zu sichern. Vor dem Turm stehen die stolzen Eltern und sehen zu, wie ihre Kinder von dem Turm in ein ausgebreitetes Sprungtuch geworfen werden.

An dem Ritual teilnehmen zu dürfen ist sowohl für die Kinder als für deren Familien eine große Ehre.

Einheimische berichten, dass es noch nie Verletzungen gegeben hat. Auch bleiben angeblich keine psychischen Schäden zurück.
[*/quote*]


Das ist der ganz reale Wahnsinn. Mit Erwerbssinn gepaart wird daraus ein einträglicher Tourismus nach Indien, Kinder im Gepäck. Särge nicht vergessen...



Wie kann die deutsche Ärzteschaft es zulassen, daß der Sektenwahn der Anthroposophen in der Medizin erlaubt wird!?

Nicht jeder Arzt ist so ein Idiot. Nehmen wir das freundlicherweise einmal an. Was folgt daraus? Daß alle, die keine Idioten sind, den Wahnsinn ganz bewußt erlauben und sich damit zu Komplizen der Idioten machen.

Wieviele Idioten gibt es in der Ärzteschaft? 1 Prozent? 10 Prozent? 50 Prozent?

Ist jeder 2. Arzt ein Idiot?

Sind 2/3 der Ärzte Idioten?

Wie hoch ist der Anteil der Idioten in der deutschen Ärzteschaft?


Was ist dann mit denen, die keine Idioten sind? Was ist mit denen, die ganz bewußt Idioten in der Ärzteschaft zulassen? Ja, was ist mit denen? Verbrecher sind das, ganz einfach Verbrecher.

In Deutschland gab es eine Entnazifizierung, aber Alle waren plötzlich nur Befehlen "von oben" unterworfen, waren ach so unfreiwillige Mitläufer.

Wie ist es mit der Entnazifizierung der deutschen Ärzteschaft? Welchen Druck üben die Idioten auf die Befehlsempfänger unter ihnen aus? Wie ist die Befehlshierarchie?

Ach? Es gibt gar keine Hierarchie?

Darüber sollte man ernsthaft nachdenken.
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Julian

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Re: Sektoidalsadismus: 'Kinderkrankheiten haben einen Sinn!'
« Reply #5 on: February 12, 2020, 08:15:02 PM »

Rettet die Kinder vor den Idioten in der Ärzteschaft!
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