Auch in Deutschland:
Die Abzocke mit Schenkkreisen
von Wolfram Gagern



In Deutschland kursieren seit geraumer Zeit sogenannte "Schenkkreise", auch z.B. "Herzkreis“, "Herzspirale", "Sternenkreis", "Sonnenmännerkreis", "Lotusblüten-Kreis", "Power Circle", "Ellipsen-Kreis", "Ballkreis", "Herzclub", "Sternentaler" oder "Sterntaler" oder "Die Tafelrunde" bzw. "Arthus Tafelrunde" genannt.

Oft wird ein solcher Schenkkreis als Kaffeekränzchen oder eine Art Tupper-Party initiiert.
Zitat aus dem Kölner Stadt-Anzeiger vom 17.01.03 über ein Herzkreis-Treffen:


    "Richtig kuschelig war es in der Riesenvilla, erinnert sich Monika, 43 (alle Namen geändert). Hohe Decken, eine geschmackvolle barocke Einrichtung, angenehm temperiert. Sofas, in denen man versinkt, ein großzügiges Frühstücksbuffet mit Lachs und Sekt, und eine Gastgeberin, die keine Zeit verlor und direkt zur Sache kam: „Schön, dass du mitmachst“, flötete sie überschwänglich und drückte Monika, dem neuen Mitglied, einen Kuss auf den Mund. Willkommen im Herzkreis.
    Auch Ursula, 34, hat an einem Treffen von Herzfrauen teilgenommen. Eine „sehr gute Freundin“ hatte sie dazu überredet. Ort der wöchentlichen Zusammenkunft war die Villa einer wohlhabenden Dame in Köln-Braunsfeld. „Herzfrauen“ nennen sich die Zirkel, weil hier jedes Neumitglied der Initiantin ein symbolisches Herz schenkt - konkret: 5000 Euro. Manche Frauen - wie die allein erziehende Jutta - haben dafür einen Bankkredit aufgenommen, andere - wie die Steuerberaterin Sandra und die vermögende Politikerehefrau Regina - lösten ihre Aktiendepots auf. Das Schenken geschieht in der Hoffnung, in absehbarer Zeit selbst zu den Beschenkten zu gehören."


Die Mache der Veranstalter appelliert häufig an Herz und Gefühl. Esoterisch anmutende Weisheiten sollen die Umworbenen überzeugen: „Geld schenken heißt loslassen zu lernen“, steht in einer Broschüre, die an potentielle Mitspieler verteilt wird. „Im Zeitalter der Liebe und Herzenswärme zeigen wir der Welt, dass für alle Menschen genug da ist“, heißt es weiter, „morphogenetische Gedankenfelder“ sollen verändert, „neue Energien entfacht“ werden, „schenken, um sich besser zu fühlen“. "Durch Teilen und Mitteilen immer mehr Menschen zu Wohlergehen und Reichtum im umfassenden Sinn zu verhelfen. Geteilt werden Energie und Geld genauso wie Freude und Leid, Meinungen und Erfahrungen, Befürchtungen und Ermutigungen" heißt es im Internet, und: "Geld ist eine Energie, die fließen muss".

Dort werden die Schenkkreise auch so angepriesen:


    "Der Schenkkreis ist eine Gruppe von Menschen, die eine gemeinsame Intention teilen. Wir helfen anderen und uns selbst, unsere Träume zu erfüllen. Diese Intention manifestieren wir durch die Aktivität des Schenkkreises. [...] Die Energie von Geben und Nehmen kreist in ihm, bis der Kreislauf für jede Person erfüllt ist".
    "Wir laden dich durch diesen Kreis ein, gemeinsam mit anderen Frauen die Kraft von gegenseitigem Unterstützen, Geben und Empfangen zu erfahren. Wenn du dich offen und mit deiner ganzen Energie auf dieses Abenteuer einlässt, birgt es für dich die Möglichkeit, auf geistiger, seelischer und auch finanzieller Ebene eine neue Ebene von Überfluss und Weite zu erfahren. Alles, was wir in diesem Kreis miteinander teilen, ist unsere Liebe und unsere eigene Erfahrung. Wir erleben, dass jede kraftvolle Bereicherung nach innen und außen mit einem freiem Geben unsererseits beginnt. Das Schenken ist der Sprung in diese neue, weite Dimension."


Oftmals wird einem Schenkkreis auch ein sozialer, gleichsam wohltätiger Anstrich verliehen, indem betont wird, dass man bedürftigen Teilnehmern durch das "Geschenk" ermöglicht, selbst zu Geld zu kommen. Die zukünftigen Abzocker als selbstlose Spender?

Eine Geprellte warnt im Internet:

    "Völliger Blödsinn, das ist eine pervertierte Form des Schenkens. Der Gebende schenkt nicht aus reinen Motiven, sondern um das Vielfache zurück zu bekommen."

Eine Aussteigerin:

    "Ich will aussteigen, weil sich meine Ansichten zum Schenkkreis geändert haben und mir dieser Druck, der im Herzfrauenkreis entstanden ist, zu groß wird. Zu meinen Ansichten muss ich sagen, dass ich mehrere Wochen überlegt habe, ob ich überhaupt mitmachen soll. Dann bin ich auf einem Treffen gewesen, wo eine regelrecht euphorische Stimmung herrschte. Dort bin ich eingestiegen, weil ich mich einfach begeistern lassen habe."

Diese bei Zusammenkünften von Schenkkreis-Teilnehmern erzeugte euphorische Stimmung (sogenanntes "Love Bombing"), die oft auch Skeptiker mitreißt, haben die Schenkkreise gemeinsam mit den verschiedensten anderen Pyramiden-System, z.B. Multi-Level-Marketing (MLM), ob legal oder nicht ist hierbei unerheblich:

    "Seit dem Tag, an dem ich mitgeteilt habe, dass ich aussteigen möchte, hat sich KEINE der Frauen mehr bei mir gemeldet, obwohl wir uns vorher sehr gut verstanden haben. KEINE wollte wissen, warum oder wieso (Wahrscheinlich hat es sich jeder denken können). Also sieht man hier auch, dass es den Frauen völlig egal ist, was in einem vorgeht."

Einer anderen Aussteigerin erging es ähnlich:

    "Zu keiner Frau habe ich mehr Kontakt, die haben mich als geistesgestört beschimpft."

Folgender Kommentar einer Foren-Teilnehmerin bringt den Mechanismus auf den Punkt, mit welchem sich manche Schenkkreis-Teilnehmer(innen) - meist Frauen in sog. Herzkreisen - ein gutes, "soziales" Gewissen (vor)machen:

    "Der Verlockung nach Geld (um das Wort Geldgier zu vermeiden) zu erliegen, ist leicht, aber Hemmungen sind sicher oft da. Und da hilft ein soziales Kopfkissen, die harte Realität abzumildern, die heißt: man will an 1 Person geben, aber von 8 Personen nehmen. Dann kann man das eigene soziale Gewissen damit betäuben, dass man sich sagt: aber ich tue ja auch was Gutes, was ich sonst gar nicht gekonnt hätte (auch wenn man dabei geflissentlich übersieht, dass man das Geld, von dem man für diesen guten Zweck gibt, erstens anderen abgeknöpft hat und zweitens den Löwenanteil selbst behält).
    Zweite Verwendung des "Kopfkissens": Sponsoring [hierbei wird einem der Einsatz ganz oder zum Teil geschenkt oder geliehen, Anm. d. Autors]. Dem erwähnten sozialen Gewissen macht man vor, dass man Frauen den (auch noch risikolosen) Einstieg ermöglicht, denen es sonst nicht möglich gewesen wäre. Dass ein Vorantreiben des Kreises bewirkt, dass man die letzten, die die Hunde beißen, nicht mehr persönlich sieht, mag dabei ja noch gewollt sein, aber man übersieht gerne, dass das In-Schwung-halten der Kreise eben auch die Zahl der End-Verlierer erhöht.
    Aber selbst die Verlierer können sich das soziale Kopfkissen unterschieben, dann ist es nicht mehr ganz so peinlich, reingefallen zu sein, denn man kann sich sagen, dass zumindest ein Teil des Geldes wirklich Bedürftigen zu Gute kommt. Wie groß der Anteil ist, darüber muss man ja nicht unbedingt nachdenken, oder darüber, dass man es ja gleich hätte dahin geben können, ohne den Umweg über eine ansonsten reich beschenkte Frau.
    Natürlich kann man Geld für interessante Projekte sammeln, ohne sich einem Schenkkreis anzuschließen. Man kann nette Leute kennen lernen und Kontakte knüpfen, interessante Vorträge anhören, selbstlos Leuten helfen, man kann eigentlich alles, was an Schenkkreisen attraktiv ist, auch ohne Schenkkreis erreichen. Nur eines nicht: sich auf Kosten anderer bereichern UND sich dabei auch noch sozial vorkommen!"

Manche neueren Schenkkreise, an denen zunehmend (oder mehrheitlich?) Männer teilnehmen, geben sich mittlerweile auch keinen esoterischen oder wohltätigen Touch mehr., d.h. es wird nicht mehr um den heißen Brei geredet. Es wird allenfalls z.B. noch damit geworben, es handele sich um ein "faires" und "soziales" System. Teilweise treten auch andere "Werte" daneben, z.B. Ritterlichkeit, Ehrlichkeit und Gemeinsamkeit bei der "Tafelrunde" (übrigens ein reines Männer-System).
Oftmals wird mit dem Eingeständnis, dass es keine Gewinngarantien gebe, Vertrauen erweckt und die Legalität des Spielsystems vorgegaukelt. Meist wird dann aber von einer großen oder gar sehr großen Wahrscheinlichkeit eines Gewinnes geredet.

Der Verbraucherschutz NRW meint hierzu:

    "Einige wenige, die früh einsteigen, machen einen großen Reibach. Aber die große Masse, die später dazukommt, ist ihr Geld los."

Eine simple Überlegung entlarvt die Schenkkreise als kompletten Unfug: Damit alle gewinnen, müsste das Spiel bis in alle Ewigkeit fortlaufen, es müsste eine unbegrenzte Zahl von Mitspielern zur Verfügung stehen. Somit ist ein Erfolg für alle von vornherein ausgeschlossen.

Wie funktioniert denn nun ein Schenkkreis?

Die Schenkkreise sind in vier Hierarchiestufen aufgeteilt (siehe rechts sowie die Grafiken unten). Die 8 Teilnehmer auf Stufe 4 bezahlen immer den auf Stufe 1 stehenden Mitspieler. In einem ganz neuen Schenkkreis - also kein bereits bestehender Schenkkreis, der lediglich fortgeführt wird - zahlen die Stufen 1 bis 3 (insg. 7 Mitspieler) keinen Einsatz.
Der Urheber braucht dann also zunächst 6 andere Nicht-Zahler und sucht dann 8 weitere Mitspieler, die bereit sind, ihm einen festgelegten Betrag zu "schenken". Dieser variiert je nach Kreis offenbar zwischen 100 und 5000 Euro.
 

1
22
3333
44444444

Alle Schenkkreis-Varianten werden von den Veranstaltern und Teilnehmern regelmäßig auch vom System her als Kreis erläutert (nur bei der "Tafelrunde" wird auf der passwort-geschützten Homepage ein Pyramidensystem dargestellt). Lediglich die Bezeichnung der Teilnehmer variiert. Da gibt es z.B. Herzfrauen, Sonnenmänner, Lotusblüten, Ritter und Knappen.

Wir werden ebenfalls zunächst das Bild eines Kreises bemühen, um den Ablauf eines Schenkkreises grafisch darzustellen.

Wenn alle 8 Mitspieler im äußersten Kreis die Person in der Mitte (Position 1) "beschenkt" haben, verlässt diese den Kreis mit ihrem"Geschenk", das bis zu 40.000 Euro betragen kann. Der Kreis teilt sich in zwei neue Kreise: Die Spender rücken nun eine Stufe innerhalb des Kreises nach und es bildet sich je ein neuer Kreiskern. Die je 8 freigewordenen Stellen im äußersten Kreis müssen wiederum besetzt werden und die Suche nach neuen gutgläubigen Spendern beginnt von vorn. Es müssen nach dieser Rechnung 32 Teilnehmer angeworben werden, bis der erste Spender selbst sein erstes Geldgeschenk erhält (in anderen Varianten muss der äußere Kreis zunächst komplett gefüllt werden). Dies zumindest auf den ersten Blick, da die Zahl 32 so eigentlich nicht stimmt. Mehr dazu später.

Grafisch dargestellt sieht das Schenkkreis-System so aus (wir betrachten den Weg der Nr. 8):

Schenkkreise - Runde 1

Schenkkreise Runde 2
1. Der Initiator 1 hat zunächst 6 Spieler (grün) angeworben, die wie er nichts zahlen müssen. Er hat weitere 8 Spieler (rot) angeworben, die ihm 5000 Euro schenken. Mit dem 15. Spieler teilt sich der Kreis.
(Bei einem fortgeführten Schenkkreis müssen nur die Positionen 8 bis 15 neu besetzt werden)
 
2. Die Position 1 ist mit 40.000 Euro ausgeschieden, der Kreis hat sich geteilt. Die Hälfte der Teilnehmer bleibt in diesem Kreis und rückt eine Stufe vor. 8 neue Mitspieler sind in diesen Kreis eingetreten.
Es gibt insgesamt 2 parallel laufende Kreise mit insgesamt 16 neuen Mitgliedern.
Mit dem jeweils 23. Mitspieler teilen sich die Kreise wieder.
  

Schenkkreise - Runde 4
3. Die Kreise haben sich abermals geteilt. Die Hälfte der Teilnehmer bleibt in diesem Kreis und rückt jeweils eine Stufe vor. 8 neue Teilnehmer sind in diesen Kreis eingetreten.
Es gibt nunmehr 4 parallel laufende Schenkkreise mit diesmal insg. 32 neuen Mitspielern.
Mit dem jeweils 31. Mitspieler teilen sich dieser und die 3 anderen Kreise abermals.
4. Der Kreis hat sich abermals geteilt. Die Hälfte der Teilnehmer bleibt in diesem Kreis und rückt jeweils eine Stufe vor. 8 neue Teilnehmer sind in diesen Kreis eingetreten.
Es gibt 8 parallel laufende Kreise mit diesmal 64 neuen Mitgliedern.
Die Teilnehmer 8-15 werden in ihrem jeweiligen Kreis jetzt von den jeweiligen Spielern 32-39 mit jeweils bis zu 5.000 Euro beschenkt, insg. also mit bis zu 40.000 Euro.
Mit dem jeweils 39. Mitspieler werden sich die 8 Kreise abermals teilen. Es wird dann 16 parallel laufende Kreise geben mit insg. 128 neuen Mitspielern.

Auf den ersten Blick sieht es also so aus, dass die auf Stufe 4 einsteigenden 8 Spender in einem Schenkkreis nur maximal 31 Mitspieler (39 -8) anwerben müssen, um ihren ersten Gewinn einzustreichen. Das stimmt irgendwie ja auch und wird daher von pfiffigen Schenkkreis-Teilnehmern auch gerne bei der Anwerbung neuer Mitspieler ins Feld geführt. Dass dies viel zu kurz gedacht und letztlich auch falsch ist, liegt in erster Linie daran, dass das Geldspiel in der Regel nur anhand des jeweils eigenen Kreises dargestellt wird, so wie wir es hier auch gemacht haben.

Die Schenkkreise lassen sich jedoch auch einfacher und anschaulicher als Pyramidensystem darstellen (sogenannte Y-Pyramide):

Die Stufen

1
2-2
3-3-3-3
4-4-4-4-4-4-4-4

Runde 3

4
8-9
16-17-18-19
32-33-34-35-36-37-38-39

Runde 1

1
2-3
4-5-6-7
8-9-10-11-12-13-14-15

 

5
10-11
20-21-22-23
40-41-42-43-44-45-46-47

Runde 2

2
4-5
8-9-10-11
16-17-18-19-20-21-22-23

 

6
12-13
24-25-26-27
48-49-50-51-52-53-54-55

 

3
6-7
12-13-14-15
24-25-26-27-28-29-30-31

 

7
14-15
28-29-30-31
56-57-58-59-60-61-62-63

Runde 4

8
16-17
32-33-34-35
64-65-66-67-68-69-70-71

 

12
24-25
48-49-50-51
96-97-98-99-100-101-102-103

 

9
18-19
36-37-38-39
72-73-74-75-76-77-78-79

 

13
26-27
52-53-54-55
104-105-106-107-108-109-110-111

 

10
20-21
40-41-42-43
80-81-82-83-84-85-86-87

 

14
28-29
56-57-58-59
112-113-114-115-116-117-118-119

 

11
22-23
44-45-46-47
88-89-90-91-92-93-94-95

 

15
30-31
50-61-62-63
120-121-122-123-124-125-126-127

Wenn man das Schenkkreis-System auf diese - vollständige und damit richtige - Weise darstellt, kann man bei der Betrachtung des eigenen Schenkkreises (denken Sie sich, Sie wären wieder die Nummer 8) nicht mit einer Zahl von lediglich 31 anzuwerbenden Mitspielern enden. Damit das ganze Schenkkreis-System funktioniert, müssen vielmehr insgesamt 127 Mitspieler teilnehmen. Nach Einstieg der Nummer 8 müssen also 119 weitere Teilnehmer gefunden werden.

Die auf den eigenen Schenkkreis reduzierte Rechnung lässt auch vollkommen außer Acht, dass sich die Anzahl der konkurrierenden, parallel laufenden Schenkkreise in jeder Runde verdoppelt. Und das passiert nicht etwa ganz abstrakt irgendwo, sondern konkret in der jeweiligen Stadt oder Region, wo das Spiel veranstaltet wird. Und es passiert aller Wahrscheinlichkeit nach schon seit Jahren. Dabei macht es kaum einen Unterschied, ob ein neuer Schenkkreis gegründet wird (gut für die ersten sieben Personen, denn sie zahlen nichts) oder ein alter Schenkkreis fortgeführt wird. Der Markt - auch der regionale - wird so oder so seit Monaten, wenn nicht seit Jahren, abgegrast. Wie schnell es - wie bei jedem Pyramidensystem - auf dem Markt ganz eng wird, verdeutlichen die folgenden Pyramiden-Rechnungen:

Runden

Beschenkte pro Runde

Beschenkte gesamt

Angeworbene pro Runde

Mitspieler gesamt

Verlierer pro Runde

Verlierer in %

1
14 
15 
14 

93.3 

2
16 
31 
28 

90.3 

3
32 
63 
56 

88.9 

4
15 
64 
127 
112 

88.2 

5
16 
31 
128 
255 
224 

87.8 

6
32 
63 
256 
511 
448

87.7 

7
64 
127 
512 
1023 
896

87.5 

8
128 
255 
1.024 
2.047 
1.792 

87.5 

9
256 
511 
2.048 
4.095 
3.584 

87.5 

10
512 
1.023 
4.096 
8.191 
7.168 

87.5 

11
1.024 
2.047 
8.192 
16.383 
14.336 

87.5 

12
2.048 
4.095 
16.384 
32.767 
28.672 

87.5 

13
4.096 
8.191 
21.768 
65.535 
57.344 

87.5 

14
8.192 
16.383 
65.536 
131.071 
114.688 

87.5 

15
16.384 
32.767 
131.072 
262.143 
229.376 

87.5 

16
32.768 
65.535 
262.144 
524.287 
458.752 

87.5 

17
65.536 
13.1071 
524.288 
1.048.575 
917.504 

87.5 

18
131.072 
262.143 
1.048.576 
2.097.151 
1.835.008 

87.5 

19
262.144 
524.287 
2.097.152 
4.194.303 
3.670.016 

87.5 

20
524.288 
1.048.575 
4.194.304 
8.388.607 
7.340.032 

87.5 

Der Gründer des Schenkkreises hat in der ersten Runde insgesamt 14 Mitspieler angeworben. Nachdem er ausbezahlt wurde, müssen in der nächsten Runde 16 neue Spieler (2 Kreise à 8 neue Spieler auf Stufe 4) angeworben werden. Insgesamt machen dann 31 Spieler mit. Etc.

Damit die ersten 8 Spender, die in Runde 1 auf Stufe 4 des Schenkkreises eingetreten sind, in der 4. Runde auf Stufe 1 gelangen und ausbezahlt werden, müssen insgesamt 127 Mitglieder ins Spiel eingestiegen sein. Neue Mitspieler, die dann zu diesem Zeitpunkt auf Stufe 4 des Schenkkreises einsteigen, befinden sich im Kreis bzw. in der Pyramide 3 Stufen bzw. Runden unter ihnen, also schon in Runde 7 des Geldspiels. Für sie müssen insgesamt bereits 8.191 Mitspieler rekrutiert worden sein, damit "der Kreislauf für jede Person erfüllt ist" und "für alle Menschen genug da ist", sprich: sie nach 3 weiteren Runden (in Runde 10 des Spiels) auf Stufe 1 des Kreises vorrücken und ausbezahlt werden.

Das Verhältnis Gewinner zu Verlierer ist übrigens ab der 7. Runde immer 1 zu 8, vorher sogar noch schlechter. D.h. der Anteil der Gewinner an diesem System liegt nur bei max. 12,5 %. Der große Rest von mind. 87,5 % verliert. Auch wenn alle, die Sie kennen, gewinnen sollten: zu jedem Zeitpunkt macht die Zahl der Gewinner immer nur etwa 12,5 % aus (Kleinere Schwankungen sind bedingt durch die verschiedenen Zeitabläufe der parallel laufenden Schenkkreise) Und da das Spiel irgendwann kollabieren muss, gilt uneingeschränkt:
 

Etwa 87,5 % aller Teilnehmer verlieren Ihren Einsatz, garantiert!!!

Nur einmal angenommen das Spiel kollabiert erst in der 20. Runde,
dann verlieren über 7,3 Millionen Mitspieler Ihren Einsatz!!!

Nehmen Sie sich die Zeit, dies alles gedanklich nachzuvollziehen. Es kann anfangs etwas verwirrend sein (was die Veranstalter wahrscheinlich nicht gerade quälen wird). Sie müssen vor allem die Begriffe Stufe und Runde auseinander halten.

Es ist nicht schwer auszurechnen, dass bei Erreichen der  23. Runde mehr als alle Erwachsenen Deutschlands mitmachen müssten. Und da die Schenkkreise seit geraumer Zeit auch in Deutschland laufen, können neue Mitspieler nicht davon ausgehen, in einer der vorderen Runden einzusteigen, vielleicht noch nicht einmal in einer der im Schaubild abgebildeten!

Es wird vereinzelt auch von Schenkkreisen berichtet, die nach dem ganz klassischen Pyramiden-System vorgehen, d.h. jeder Mitspieler sucht sich 8 neue Mitspieler, um sofort seinen gesamten Gewinn einzukassieren (siehe rechts). Auf diese Rechenweise kommt man natürlich bereits nach recht wenigen Runden auf sehr hohe Mitspielerzahlen.

Diese Rechnung ist jedoch falsch, da sie die Mehrstufigkeit des Systems nicht berücksichtigt.
Sie wird so oder ähnlich leider auch in Beiträgen verwendet, die sich kritisch mit dem Thema Schenkkreise beschäftigen, was sehr bedauerlich ist, da solche offensichtlichen Fehler alle anderen Argumente entwerten.

 
1
8
64
512
4.096
32.768
262.144
...

Nun wird von manchen Schenkkreis-Verfechtern angeführt, solche Pyramiden-Rechnungen seien doch viel zu theoretisch, gar "irrational", der Schenkkreis spiele sich ja auf lokaler Ebene ab. Hans (Name geändert) geht in einer Forumsdiskussion z.B. davon aus, dass in einer Stadt mit 20.000 Einwohner 5.000 potentielle Interessenten für Schenkkreise zur Verfügung stehen würden, also ein Viertel der Bevölkerung. Unwahrscheinlich. Aber auch wenn wir diese optimistische Zahl zugrunde legen, sehen wir nach einem Blick auf die weiter oben stehenden Zahlenpyramiden, dass dieses System gerade wegen der angeführten lokalen Begrenzung ganz schnell vorbei ist (vorher haben einige Mitspieler auf Kosten der Masse natürlich richtig gut abgesahnt).

Dies kann auch nicht dadurch abgewendet werden, dass ehemalige Mitspieler nochmals einsteigen, was gerne behauptet wird und auch passiert.
Zitat: "In die bestehenden Lotusblüten-Kreise steigen immer wieder bereits beschenkte Mitglieder aus anderen beendeten Kreisen ein und fördern damit das Weiterbestehen neuer Kreise. Durch die „Team-Arbeit“ entsteht eine Eigendynamik, die das erfolgreiche Durchlaufen in den Kreisen ermöglicht."
Wenn dies im kleinen Stil geschieht, verzögert sich das Platzen der Seifenblase nur gering. Geschieht es im großen Stil, kommt es zu nichts anderem, als einem groß angelegten Verschiebebahnhof für Geld. Versuchen Sie mal, innerhalb einer nahezu geschlossenen Gruppe durch hin und her Schieben von Geld das Versprechen einzulösen, dass alle Geld verdienen. Das ist genauso unmöglich wie in einem Pyramidensystem ohne Wiedereinsteiger.

In den USA ist die Rechtslage eindeutig. Dort mussten schon Herzkreis-Teilnehmerinnen in Haft, auch in der Schweiz drohen Teilnehmern von Pyramidenspielen Geldbußen und Gefängnisstrafen.
In Deutschland richtet sich die Strafbarkeit der Veranstalter und Teilnehmer von Schneeball-, Pyramiden- & Kettenbrief-Systemen in erster Linie nach § 6c UWG:

§ 6c Progressive Kundenwerbung, Schneeballsystem
"Wer es im geschäftlichen Verkehr selbst oder durch andere unternimmt, Nichtkaufleute zur Abnahme von Waren, gewerblichen Leistungen oder Rechten durch das Versprechen zu veranlassen, ihnen besondere Vorteile für den Fall zu gewähren, dass sie andere zum Abschluss gleichartiger Geschäfte veranlassen, denen ihrerseits nach der Art dieser Werbung derartige Vorteile für eine entsprechende Werbung weiterer Abnehmer gewährt werden sollen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Nichtkaufleuten im Sinne des Satzes 1 stehen Personen gleich, deren Gewerbebetrieb nach Art oder Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb nicht erfordert."

Es würde hier den Rahmen sprengen, die Strafbarkeit nach § 6c UWG bis ins Detail zu erläutern. Juristisch Interessierte können sich z.B. hier weiter informieren:
UWG-Kommentar
Geldgewinnspiele und Schneeballsysteme (pdf-Datei) von Prof. Dr. Dr. h. c. Harro Otto, Bayreuth

Wir werden im Folgenden nur auf die "Knackpunkte" eingehen, von denen es allerdings eine Reihe gibt:

Noch eines vorweg: sofern ein Geldspiel prinzipiell unter den Tatbestand des § 6c UWG fällt, kann sich nicht nur der Veranstalter sondern auch der Teilnehmer strafbar machen.

In der Regel wird die Strafbarkeit bei Schenkkreisen jedoch bereits an der Voraussetzung des "geschäftlichen Verkehrs" scheitern. Dazu müsste die Tätigkeit der dauernden Förderung eines beliebigen Geschäftszweckes dienen. Der Begriff erfasst jede selbständige Tätigkeit, in der eine Teilnahme am Erwerbsleben zum Ausdruck kommt (ständige Rechtsprechung).
Solange die Schenkkreise im privaten Kreise ohne zentralen "Organisator" veranstaltet werden, wird in der Regel kein geschäftlicher Verkehr in diesem Sinne vorliegen.
Das kann im Einzelfall natürlich anders sein, z.B. dann, wenn eine Person oder Gruppe systematisch Schenkkreise aufbaut, verwaltet oder steuert, um entweder durch eine hierfür eigens erhobene Gebühr oder durch die eigenen erzielten Gewinne ein mehr oder minder festes Einkommen zu erzielen. Dann kann u.U. auch ein Handeln im geschäftlichen Verkehr angenommen werden.

Die versprochenen "besonderen Vorteile" i.S.d. § 6c UWG sind die zu erwartenden Gewinne, also die Gewinnchancen. Umstritten ist, ob diese vom Veranstalter/Organisator selbst gewährt werden müssen oder ob es ausreicht, dass sie aus dem System des Spiels resultieren. Beides wird in der Rechtsprechung vertreten, aber nur wenn man der zweiten Ansicht folgt, könnte sich aus der Teilnahme am Schenkkreis ein strafbares Verhalten ergeben, da man den Gewinn i.d.R. nicht von einem Organisator - sofern es einen gibt - ausbezahlt bekommt, sondern von den Teilnehmern direkt erhält.

Zudem müssen die Teilnehmer zur "Abnahme von Waren, gewerblichen Leistungen oder Rechten" veranlasst werden bzw. worden sein, sie müssen also eine vom besonderen Vorteil unterschiedliche "Gegenleistung" für ihren Einsatz (ihr "Geschenk") erhalten haben.
Der BGH hatte in einem ähnlichen Fall mit Beschluss vom 22.10.1997 (BGHSt 43, 270) die "Mitgliedschaftsrechte" als Gegenleistung angesehen, ist dafür aber vielfach mit der Begründung kritisiert worden, die Mitgliedschaftsrechte würden nichts anderes beinhalten als die "Gewinnaussichten". Diese seien jedoch bereits der "besondere Vorteil" i.S.d. § 6c UWG und könnten daher nicht zugleich das abzunehmende Recht, also die Gegenleistung sein. Also auch hier wieder eine Frage, die unter Juristen nicht einheitlich beantwortet wird.

Fazit:
Die Teilnahme an Schenkkreisen der ursprünglichen Art, die also nur im kleineren privaten Kreise stattfinden, ist nach unserer Ansicht regelmäßig nicht strafbar gemäß § 6c UWG.
Bei Abwandlungen, die zentral organisiert oder gesteuert werden, kann im Einzelfall ein strafbares Verhalten (nach § 6c UWG) vorliegen, vor allem wenn eine wie auch immer geartete Bearbeitungsgebühr erhoben wird.

Dazu noch eine Anmerkung:
Viele Teilnehmer sagen, sie wüssten oder ihnen sei erklärt worden, dass der Gewinn nicht garantiert sei und sehen dies zugleich als Argument gegen die Strafbarkeit der Schenkkreise an. Für eine Strafbarkeit nach § 6c UWG braucht jedoch keine Gewinngarantie gegeben zu werden, es genügt vielmehr - wie eben schon ausgeführt - eine Gewinnaussicht als besonderer Vorteil im Sinne der Vorschrift (neben anderen Voraussetzungen).

Darüber hinaus kommt auch eine Strafbarkeit wegen Betruges in Betracht, sofern im Einzelfall falsche Versprechungen gemacht werden.

Sonderfall Tafelrunde:
Aus tätsächlicher und juristischer Sicht sind die sogenannten Tafelrunden eine der interessantesten Schenkkreis-Varianten. Gegründet wurden Sie letztes Jahr in Osnabrück, der derzeitige Schwerpunkt liegt z.Z. aber eindeutig in der Region Bielefeld.
Die Teilnehmer - nur Männer - möchten Werte wie "Ritterlichkeit, Ehrlichkeit, Integrität, Zumwortstehen und Gemeinsamkeit" hochhalten. An der Spitze einer Tafelrunde steht der König, darunter 2 Edelleute, darunter 4 Ritter und darunter 8 Knappen.
Die Geldübergabe ("Krönung") findet in der Regel in einem gediegenen Ambiente statt, teilweise unter Verwendung diverser mittelalterlicher Utensilien wie Thron, Königsumhang und Krone, Ritterschlägen und Schwertträgern in edlen Gewändern.
Zur Organisation ihrer Schenkkreise benutzen die Teilnehmer eine passwort-geschützte Website, auf der alle Teilnehmer in ihrer jeweiligen Tafelrunde - in der Regel mit Vorname und Telefonnummer - verzeichnet sind. In verschiedenen Boards tauschen sich die Teilnehmer untereinander aus und verabreden neue "Krönungs"-Termine.
Jeder beschenkte König gibt einen Beitrag in Höhe von 200,- Euro zur Finanzierung der Tafelrunden-Homepage.
Eine Großzahl der Teilnehmer ist gleich mehrfach in verschiedenen Schenkkreisen der Tafelrunde vertreten.

Juristische Beurteilung der Tafelrunden
§ 6c UWG:
Handeln im geschäftlichen Verkehr: Die Tafelrunden bedienen sich eines zentralen Mediums zur Steuerung ihrer Aktivitäten. Viele Teilnehmer versuchen durch Mehrfach-Beteiligungen große Summen durch das Tafelrunden-System zu verdienen.
Unseres Erachtens lässt sich hier daher gut die Annahme vertreten, dass die Teilnehmer wirtschaftliche Zwecke verfolgen und am Erwerbsleben teilnehmen.
Zudem stellt unseres Erachtens auch die Abgabe von 200 Euro zur Finanzierung der Tafelrunden-Homepage ein Handeln im geschäftlichen Verkehr dar, da der Homepage-Betreiber hierdurch faktisch ein Entgelt für die Verwaltung der Tafelrunden, jedenfalls aber für das zur Verfügung stellen der Verwaltungsplattform, erhält.
Abnahme von Waren, gewerblichen Leistungen oder Rechten: Nach unserer Ansicht erwerben die Teilnehmer hier Mitgliedschaftsrechte, die vom besonderen Vorteil - der Gewinnaussicht - unterschiedlich sind. Diese Rechte liegen darin, dass ihnen im Internet eine Plattform zur Verfügung gestellt wird, die es ihnen ermöglicht, ihre Aktivitäten zentral zu steuern und zu koordinieren.
Zudem kann man in der gegen Entgelt zur Verfügung gestellten Homepage auch eine gewerbliche Leistung sehen.
Betrug: Auf der Tafelrunden-Homepage heißt es: "Es gibt keine Garantie darauf, in einer bestimmten Zeit ebenfalls beschenkt zu werden. Aber eine sehr grosse Wahrscheinlichkeit dafür." Letzteres mag am Anfang der Fall gewesen sein. Diese "sehr große Wahrscheinlichkeit" sinkt aufgrund der Progressivität des Systemes aber mit jedem Neu-Einsteiger. Wir halten dies für ein Vorspiegeln falscher Tatsachen im Sinnes des Betrugstatbestandes.
Wir halten auch den Satz: "An der Tafelrunde verdient das Finanzamt nichts, das Geld bleibt in jeder selbstverwalteten Tafel." für eine Falschinformation, da es sich nach unserer Ansicht bei dem "Geschenk" nicht um eine Schenkung im juristischen Sinne handelt, schließlich erwartet jeder Teilnehmer früher oder später eine Gegenleistung (auch wenn dies teilweise nicht zugegeben wird). Dass diese Gegenleistung i.d.R. von einem Dritten kommt, ist hierbei rechtlich unerheblich. Tatsächlich müssten die Teilnehmer Ihre Gewinne daher versteuern (das trifft im Übrigen auf jeden Schenkkreis zu).
Fazit: Die Teilnehmer der Tafelrunde sind einer Strafbarkeit jedenfalls ein ganzes Stück näher als die Teilnehmer an herkömmlichen Schenkkreisen. Nicht umsonst ermitteln nach Medienberichten derzeit verschiedene Staatsanwaltschaften gegen die Tafelrunden wegen Betrugsverdachts (Stand März 2003).

In jedem Fall handelt es sich bei jeder Art von Schenkkreis um ein nach zivilrechtlichen Gesichtspunkten sittenwidriges Geschäft: Der Bundesgerichtshof nannte 1999 ein solches Spielsystem sittenwidrig, „das darauf anlegt, dass die ersten Mitspieler einen Gewinn erzielen, während die Masse ihren Einsatz verlieren muss, weil keine neuen Mitspieler mehr geworben werden können.“ Theoretisch kann man seinen Einsatz daher vom "Beschenkten" oder auch vom Anwerber als Schadensersatz zurückfordern, es sei denn, man war selber bösgläubig, d.h. man wusste von der Sittenwidrigkeit des Geschäfts. Die schriftliche Erklärung des Verzichts auf Rücktritts- und Entschädigungsrechte etc., die Teilnehmer teilweise unterschreiben müssen, kann wegen der Sittenwidrigkeit des ganzen Geschäftes in der Regel keine Wirkung entfalten.

Die Argumente der Schenkkreis-Teilnehmer gegen die Illegalität der Schenkkreise sind ebenso zahlreich wie vordergründig.

  • "Das Spieleprinzip ist mit Staatsanwälten, die solche Schneeballsysteme verbieten, entwickelt worden", "Staatsanwälte und Richter machen mit" oder "von einem Rechtsanwalt geprüft" u.ä.
    Beliebte Argumentation, taucht früher oder später bei wirklich jedem Geldspiel auf, weltweit. Jedoch in mehrfacher Hinsicht falsch: Staatsanwälte können solche Geldspiele zum einen gar nicht verbieten und Staatsanwälte geben vor allem auch keine Rechtsberatung. Sie überprüfen das Geldspiel allenfalls im rahmen eines Ermittlungsverfahrens. Lassen Sie sich doch einmal Namen und Telefonnummer des angeblich mitspielenden Staatsanwaltes oder Rechtsanwaltes geben. Oder des Richters, der das System geprüft haben soll. Aber auch die Teilnahme von Mitgliedern aus "Rechtsberufen" macht aus einem illegalen Spiel noch kein legales (z.B. Polizisten im "Liberty Club", pdf-Datei).
  • "Pyramidensysteme sind hierarchisch strukturiert. Einer oben, viele anonyme unten. Schenkkreise sind sozial aufgebaut. Von Anfang an Einbindung in die Gemeinschaft. Alle TeilnehmerInnen aus einem Schenkkreis sind miteinander verbunden durch telefonische und sonstige Kontakte. Keiner bleibt anonym. Es gibt regelmäßige Konferenzen. Es gibt keine Hierarchie. Es ist ein Kreis. Es gibt niemanden an der "Spitze" oder am "Boden". Die, die den Kreis einmal betreten haben, bewegen sich kontinuierlich durch den Kreis."
    Falsch: Andere Pyramiden- oder Kettenbriefsysteme sind in den seltensten Fällen anonym (vgl. Pentagono). Der Schenkkreis ist ebenfalls hierarchisch aufgebaut mit einer Person an der Spitze und vielen Personen am "Boden", wie die oben dargestellten Pyramiden beweisen. In anderen Kettenbriefsystemen wird man ebenfalls in die Gemeinschaft eingebunden. Das ist in der Regel ein wesentlicher Bestandteil des "Erfolges" von Geldspielen (als Ausnahmen seien hier manche Kettenbriefe erwähnt).
  • "In Kettenbriefsystemen erhält man keinerlei Information über den Stand des Prozesses, daher fehlende Sicherheit. Im Schenkkreis hat man hingegen jederzeit genauen Einblick in den Stand des Ablaufs. Dadurch Sicherheit."
    Falsch: auch in anderen Geldspielen kann man sich i.d.R. jederzeit über den Stand des Spiels informieren (vgl. Winmail).
  • "Kann ein Geschenk das freiwillig, ohne einen direkten oder indirekten Vorteil an einen anderen Menschen gegeben wird sittenwidrig sein?"
    Natürlich kann es das. Zumal es hier eindeutig einen Vorteil gibt.

Die Liste ließe sich noch lange fortführen. An den juristischen Tatsachen können diese Behauptungen jedoch nichts ändern. Sie dienen lediglich dazu, eventuelle Bedenken mit fadenscheinigen Argumenten zu zerstreuen.

Verbraucherschützer raten jedenfalls dringend von einer Teilnahme ab. Wir auch. Nach unserer Ansicht ist es eine reine - teils mit Gefühl gewürzte - Abzocke.

Bevor Sie jetzt vielleicht denken: "Die 100 - 5000 Euro riskiere ich, mehr kann ich schließlich nicht verlieren. Vielleicht springt ja auch noch was dabei raus", sollten Sie folgendes bedenken:

  • Durch die Teilnahme an Schenkkreisen machen Sie sich u. U. strafbar.
  • Sie riskieren, gute Freunden oder Bekannte, die Sie anwerben, zu verlieren, wenn diese ihren Einsatz verlieren.
  • Neben der möglichen strafrechtlichen Verantwortlichkeit riskieren Sie auch, von angeworbenen Personen schadensersatzpflichtig gemacht zu werden.
  • Sie unterstützen ein aus unserer Sicht betrügerisches System, durch das sich einige wenige auf Kosten der breiten Masse bereichern.
  • Seien Sie ehrlich: Das alles klingt doch viel zu gut, um wahr zu sein! Und wenn es wahr wäre, wieso wurden die Schenkkreise in Deutschland nicht schon vor zwanzig, dreißig, vierzig oder fünfzig Jahren ins Leben gerufen?
     

Weitere Beiträge (USA-Berichte):

Weitere Informationen:

Web-Seiten, die es nicht mehr gibt:

  • www.schenkkreis.de
  • www.frauen-schenkkreis.de

Zum Schluss noch die Kurzdarstellung des Schenkkreis-Systems durch einen Leser dieses Beitrages:
 

1. Es handelt sich um eine Umverteilung des Geldes von unten nach oben.
2. Durch die Progression wird es sehr schnell eng auf dem "Markt". Sehr bald werden also die Letzten "von den Hunden gebissen".
3. Und dann stehen einem König, der Geld kassiert hat 14 Untertanen (93%) gegenüber, die 5.000 Euro verloren haben.
4. Sechs dieser Untertanen (40%) dürften außerdem Freunde verloren haben.
 

1
2 2
3 3 3 3
4 4 4 4 4 4 4 4

<- bekommt Geld und Ärger (ist ihm aber egal)
<- kein Geld und Ärger von 3 und 4
<- kein Geld und Ärger von 4
<- kein Geld und Ärger über sich selbst

 

Artikel ergänzt: 07.02.2005


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